Deutsches
Krankheitsna
Max Höfler
Lane Medical Library
Stanford U n Ivere rty Medical Center
tizod by
jBRARY, STANFORD
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STANFORD UNIV. M^CTR.
APR 8 1998
STANFORO, CA 94305
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Von
Dr. M. Höfler
k. Hofrat in Tölz
Motto:
Innumoralules morbus
miraris? medicos numora!
Pcmokrifoi*, XI. 49
MÜNCHEN
Verlag un PILOTY & LOEHLE
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KrI Hof und InlversliAtvBiichdruckcrul von Dr. C. Wolf A Sohn in München.
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Vorrede.
ls junger Arzt hörte ich in meiner oberbayerischen Heimat meine
Patienten von Glockfeuer, Trudendruck, von Heb, Zipf. Pips,
Zitterach etc.. als Badearzt meine norddeutschen Patienten von
«•rieben. Lieschen. Quese etc. sprechen. Die darüber zu Rat gezogenen Bücher
der Schulmedizin gaben keinen Aufschluss. und doch sollte der Arzt seine Patienten
verstehen. „Le m&lecin est tenu de parier et surtout de comprendre la langue
de son malade" (Briss. 2). Währemi „die gelehrte Medizin es liebt, neue Be-
nennungen einzuführen, die die alten, volkstümlichen, unverständlich gewordenen
Namen verdrängen und den Begriff jeder Krankheit ausdrücken sollen" (Bietet),
ist das Volk bei denjenigen Bezeichnungen geblieben, die ehemals gewählt
wurden, um die äusserlichen Krankheits-Symptome von anderen zu unterscheiden
oder um die vermeintliche Ursache bezw. deren Beseitigung anzudeuten. Seine
Ausdrücke sind oft sehr treffend und vom Standpunkte der Kultur- und Medizin-
geschichte äusserst interessant. „Innumerabiles morbos miraris? medieos numera!"
(Demokr. XI. 40). So viel ärztliche Systeme und Perioden, so viel Krankheits-
namen. die der getreue Widerhall der alten Schullehren und der volksüblichen
Auffassungen über Natur und Ursache der Krankheiten sind. Bas Bestreben,
hinter jedem einzelnen Krankheitsnamen die medizin-. bezw. kulturgeschicht-
liche Bewegung, die zu diesem Begriffe führte, zu erfassen, „führt zur etymo-
logischen Wortdeutung" (Kluge).
üie Bezeichnungen der neuen Schulmcdizin. für den Mediziner von Fach
ohnehin längst bekannt, sind für den Laien in jeder Real-Kncyclopädie zu
finden; anders ist es mit den Ausdrücken des Volkes, welche aus Schul- und
Volks-Medizin längst verflossener Zeiten stammen. Hinter jedem solchen Namen
steckt wie gesagt ein Stück Medizin- oder Kulturgeschichte : je mehr sich aber
die Krankheitsnamen in die älteren und ältesten Perioden der Sprache zurück-
verfolgen lassen, um so schwieriger musste für den Mediziner das philologische
Gebiet werden; anderseits fehlt dem Philologen von Fach oft die Hinsicht in
die Begriffe und Realien der Medizin. Nur zu oft muss dabei der Mediziner
ad verba magistri schwören. Dass mir dabei Kluge 's Wörterbuch immer und
immer ein Leitstern im Dunkel der verschiedenen Meinungen war, gestehe ich
gerne und mit Dankbarkeit; doch bitte ich trotzdem die Philologen von Fach
um eine milde Beurteilung der Arbeit die doch einmal gewagt werden musste
entweder von einem ihres oder von einem meines Faches.
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IV
Das „deutsche Krankhcitsnamcn-Buch" bietet eigentlich mehr als sein
Titel erwarten läset; denn es bandelt auch über „Organ -Namen" und „-Funk-
tionen"; es liegt diese Ausdehnung aber in der Natur des Stoffes; denn einer-
seits ist wie im Realen so auch im bezeichnenden Ausdrucke die Grenze zwischen
dem Gesunden und Kranken schwer oder gar nicht zu ziehen, anderseits ist
die gesteigerte Funktion selbst schon sehr oft ein Zeichen des Krankhaften, der
Anomalie, die auch sprachlich durch Steigerung oder sogenannte Intensiv- und
Iterativbildungen zum Ausdrucke gebracht wird.
Dass die Krankheitsnamen der Tiere mitherein genommen werden mussten,
ergibt sich gleichfalls aus der Konsequenz «los Stoffes, der aus menschlichem
Gebiete ins tierische und umgekehrt übertragen wurde: manchmal haben
die Namen bei Tierkrankheiten ein besonderes Anrecht auf hohes Alter, weil
sie in unverdorbener, schlichterer Weise überliefert wurden. — Eine besondere
Rücksicht erfuhren die Namen der mit Segensprüchen, sowie der mit besonderen
Pflanzen behandelten Krankheiten. Wenn je ein Zweifel über das Alter eines
Namens entstand, so löste er sich fast immer durch den Nachweis eines Pflanzen-
namens, der mit der Krankheit identisch war, oder durch den Nachweis einer
Bannformel: denn Krautzauber. Steinzauber und Wortzauber waren die ältesten
Behandlungsarten, die sich auch in der Volks-Medizin bis auf unsere Zeit
erhielten. Diese seit ungezählten Generationen üblichen Krankheitsnamen ver-
ständlich zu machen, war die mir gestellte Aufgabe: ein Bestreben, dem ich
als volksmediziniselier Schriftsteller gerecht zu werden vielleicht im Stande war:
Nec scire fas est omnia; wenn ich mich dabei auch der gütigen Unterstützung
von Seite der Herren De CocJ:, Huber, R. Kleinpaul, Kluge, F. S. Krams,
v. Maurer, Peijpers, Proksch, Schumann, Volbnoller zu erfreuen hatte, — was
ich dankesschiddig hier bekenne. — so blieben immerhin noch manche dunkle
oder unklare Stellen, da und dort vielleicht auch ein Irrtum zurück, die mir
— errare humanuni est — verziehen werden mögen.
Immerhin aber glaube und hoffe ich, dem praktischen Arzte, dem Medi-
ziner überhaupt, dem Freunde der Medizin- und Kulturgeschichte, dem Ger-
manisten, Mythologon, Folkloristen, sogar dem Botaniker etwas Brauchbares in
dem Krankheitsnamen-Buche mindestens gesammelt zu haben, in welchem die
Geschichte der Heilkunde sozusagen ins praktische Leben übersetzt ist. Jeder
praktische Arzt Deutschlands muss w issen, was das deutsch sprechende Volk in
seinen Krankheitsnamen ausdrücken will.
Bei der langen Dauer der Drucklegung ergaben sich verschiedene Nach-
träge, Ergänzungen und Berichtigungen, die mit * gekennzeichnet sind und die
nicht übersehen werden sollen. Über Abkürzungen und Quellen -Ausweis
gibt das Litteratur-Verzeichnis Aufschlug.
Tölz 1899.
M. Höfler.
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a.-franz. = altfranzösisch
ahd. ss althochdeutsch
a.-ndd. — altniederdeutsch
angls. = angelsächsisch
a.-nord. = altnordisch
a.-sächa. = altsäclisisch
dän. ss dänisch
engl. = englisch
F. (f.) = Femininum
franz. — französisch
fries. = friesisch
germ. = germanisch
gem.-gerra. s= gemein-germanisch
goth. = gothisch
hd. — hochdeutsch
indogerm. ss indogermanisch
isländ. s= isländisch
ital. = italienisch
lat. ss lateinisch
lett. = lettisch
M. (m.) ss Maskulinium
mhd. — mittelhochdeutsch
mndd. = mittelniederdeutsch
N. (n.) = Neutrum
ndd. = niederdeutsch
ndl. = niederländisch
nhd. — neuhochdeutsch
nord. nordisch
norw. = norwegisch
od. ss oberdeutsch
ostgerman. — ostgermanisch
ostindogerm. = ostindogermanisch
PI. = Plural
S. ss Singular
schwed. " schwedisch
sansk. ss sanskritisch
urgerman. = urgermanisch
vorahd. =: voralthochdeutsch
vorgerman. — vorgermanisch
vulg. = vulgär
westgerman. ss westgermanisch
westindogerm. = westindogermanisch
• bedeutet: siehe Nachträge u. Krgänru
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Aar, t. (Schwaben 1M1)-Ader (8. d.) [C. r. Scbm.
tt LV,
Aas, n. 1. - weggeworfenes, übelriechendes,
totes Fleisch IGr. W V. ahd. &» = o-as; abass; obax*
- abseits gelegtes oder wcgBewortenes Essen; (MM)
•ya»; (1177) «y«te eadaver (U. «KHi. — 2. - Schelm
(». d.) : Bayern;; Seucbendäraonen- Namen iKlutrc4
29» sub .Sc ho Im! ; - Kog (h. d.). — Elbisches Aas
*;r ü. M. I, va); vermutlich wie der Schelm, ein
Krankheits- Dämon und -Namen = die Pest-
seuche. — Fault Aas iiooi'i - die verfaulenden
Tierkörper auf der Strasse '.tiuar US] Aas-Pocic,
Seite.
ab-, die betreffenden Zusammensetzungen siehe
beim Stammworte, t. H, abfüllen bei fallen.
ab, der Knochen, das Bein, der Hals ißt ab
— Ftactura ossis; dem die l>ende ab ist (1461)
I^eistenbruch,delumbis,elambt8 (<»r. W. VI, 7«)
Abel s. Afol (Abfell).
Abbeste s. Apostem.
Abend, m Abend- Fieber.
Aberkalb s. Alperkalp, Alp (X) und Kalb.
Abort, m. ein iu neuester Zelt dureh den Klnflus»
der Spcdalarzte in die besset-eu HevolkerutiKskreise
gedrungenes Wort der Scbulmedizin - Abortus, Ec-
troma, s. Kinder-Geburt verderben, verwerfen,
verdammen, verdampfen, verthuen, verdrucken.
Abortement, n. nas Thcs s. nr 3121 ein dureh
<li.> framoselnde Richtung der Mcdlrinschulen Im
16. Jahrb., die bis in* 18. Jahrh andauerte, nach
Deutschland (gekommenes lran*ri»ischcs Fremdwort für :
das „Verwerfen", „unzeitig Kind", „vom Kind
kommen" (Abortus, s. d.); avortement.
Abranämle, n . iHchwabeni ^ Stirn-Runzeln, wie
■ie der Erzvater Abraham gehabt hat (c. v. nehm.
w 7), Stirnfalten. Abrahams - Barm, -Schoss.
Abscess, m. (Abcess) - eine mit Eiter gefüllte
und durch die Eiterbildung selbst entstandene
Gewebe-Höhle, = Eiterbeule (Bardeleben Ohlr. I,
201), aus der nach der Eröffnung der Eiter ab-
geht -lat. abscessus — Abgang von Krankheits-
stoffen aus dem Körper. — Reitst Abscesse —
kalte Abscesse (s. heiss und kalt). — Wurm-
Abscesse Bindegewebs -Entzündungen (mit
Eiter- und Geschwärs- Bildung), entstanden
durch auswandernde Würmer und Parasiten,
welche die Darm- und Leibwandungen durch-
bohren iLcuckart 177). — '/.• itigtr Abscess: ein
reifer d. h. cum Eröffnen hinreichend erweichter
Abscess (Bück 72).
Ach, Ach-cha, 1 smsk «ho lumn I, US); aM
I nu ; mb.i .iieh: Schmerz-Interjektion und Natur-
laut; achach! (Verdoppelung); (dazu: ächzen).
— 2. Das Weh. (Sehmerzstelle); verjil \i de eri
|n>uiMi pai le -.111111111' allclnl de synovite tcndineu*e
: Kiiurrlinnd] et ehe« le«n«el le Chirurgien recherehe le
signe doutourcux de la eiepitation! iVelpenu ; Brlss. 117).
Acherl, Acherle, n. (Bayern, Schwaben) (Kin-
dersprache) — Alles, was weh thut (lluck 181.
achen, Schwein - itchzen; uhd ähan; faire uhan
dytpnle iuris«. itM).
ächezen, ächizen, Bayern) - ächzen ; ahd achi-
cön = öfters Ach sagen, ächzen.
Achilles, Achilles-Se/»nr, -Ferst.
Achse, Axe, f- - ai, altludog okso; vorgenn.
aksü laxis, 5iu»v); ahd. ahsa; mhd. ahse - Linie oder
Kichtuiig, in der oder tun die sich etwas bewegt
Kiu«c4, ::;. — Eingjdg in einer Richtung, auf
einem Fusse hinkend. — Wian-, icaen-, toin-,
won-, hon-, on-ax(t^) = fehlerhaft in der Rich-
tung, auB der geraden Richtung gebracht, krank
(s. »«in) iSehmeller I, 2i; II, »29 WS).
Achsel, f. Indog akslä < Kluge *3ff XIII); tal alilla
Achselhöhle; ahd. uhsula, ahslu scapula und
humeru«, da beide Korperteile leicht «u Verwechseln
waren ft'asscler (JloMieu, Ülcx93); mhd. absei ; (ÜTOj
ackerten Künigsgp.), 1. = die Stelle, wo sich der
Oberarm an der Schulter dreht tir. w I, lest, wie
die Achse; (Ascella der Arabisten). — 2. = die
Achselgrube zwischen Brust und Schulter iiiyrtl,
K \V H9). — 3. - der Oberarm - lltimerus, soweit
er zur Achsel (1) gehört; absabm humeris iKero
' (üossen 78; 8. Jahrh ?; ahsellc humerus lil 7. III .
Präger lland-chr 11. Jahrh ), aebsse humerus [Iii»;
II. v. a 97). — 4.^ die Schulter Scapula, soweit
sie ZU 1 bezüglich ist; aluoiln (9, .tnhrh scaputu
Hub Maur. C.V ; uhsllla - scapuln (II. Z. XV, 318); 1530
achtel akromlon (D. 10j , ähsl .Schwaben; im; ,
Huck 16! Schulter. — 5. S. auch Üchsen. — Hohe
Achsel ■ Kyphoskolioeis, s. hoher Rücken, hoho
Schulter. — Brtite Achsel, breitachslet :iCö9 iinar
12t , s. breiter Rücken. — Achsel .1 -Ahs-
weichung, -Bein, -Btxtlt, -Drüstn. Geschwür,
Gtstank, -Glieder, -Grube, -Hieb, -Hohle, -Steig.
Achter, m. nind. achter lü. Jahrb. ; Muk. Hnrthol.
U8b; Ilyitl, k. w. i99j After. — Achter- Btllr,
-fällig, -Höhlt, -Klaue.
Ack, (Aak, Aeck) n. = ein Schmerz (^ Ach
s. d.) bereitendes Fingergoschwilr(Panarititim);
das lautlich abgeschwächte Aeckt ist auch
begrifflich ein solches Fingergeschwär ohne
Knochenaffection (Oold«chra. 89; ; >. Flck.
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3 Adam— Ader.
Adam, Adams -Apfel. -Bissen, -Brocken,
■Butzen, -Gerte, -Griebs, -Zäpflein
Adel, IT), ein namentlich in angclsAchs, <do»s.arfen
auftretend« Wort, dessen Bedeutung 1. - Krankheit
(Krankheitsstofl o. Krankheilsdümon) ist. — Da
Adel und Allel fti Ohcrdcutschland auch (wie Kater,
Hui« etC ) In Kultorte Namen (Lob *- B.) fu Süden ist,
wo es uicht als I'crsonen-Naincn gelten kann, und «In
in BUtlichen Beziehungen Adel analog zu Mar und Alp
ro wie Trade Ist, *o dürfte die Vermutung auHutprerhen
nein, dass Adl, Allel wie Trade (»,d.) und Holde eigent-
lich nur der Kode- Namen eine* Krankhelten verur-
sachenden (Wunn-Damon* (vergl den Zwerg Adal in
ttlRamal, Kdda Jordan 192. 198y ist, der dienen neineil
edlen Namen auf diesellien übertrug; daher - 2. Adel
11616 adclle; Loler, H. A. 144; 1741 adel pauaritium
I.. ch. «5; = Fingergesch wür(Panaritium). Finger-
wurm (Gr. W. I, 177; Peter«, aus pharmac Vorzell I,
223), welche Krankhell, da sie u A. durrh Besprech-
u n Ken behandelt wurde, daemoiilstisrhcn Hinter-
grund hat feorif. Atlles-Trllt! ; volkset» inologin-h und
volksniedtzlnlsrh wird dieselbe aueh mit Jauche oder
„Adel" behandelt (». 1'iiKenaunt.' — 3. atel mactila,
Intirmitas [Helgol./ edel ; ; Wanger. I adel eyter, pfynne;
iivlo ii Unreinigkeit, Jauche, Mistwasser
— Vermutlich wurde «ler allere Begriff der körper-
lichen Hautunreinigkeit , die durch den Adel
Diimon veranlasst war, auf andere unreine Sekrete
Harn, Kot etc.) übertragen — 4. Adel ist vermut-
lich in auder entstellt, (da Ader auch auder
8. Auder); jedenfalls ist Adler (icw; v m. r, WJ
Maucke beim Pferde alsmauchelnder Wurm-
Dämon, der um sich frisst, ein entstellter Adel.
— Elf- Adl Alpkrankheit, Alp, (Kluge* 10);
ancel«. alf-adl ; Analogie zu Alpmar (e. d ). —
Fick-Adl Fick- Krankheit (s. Feige u. Fiek)
= Panaritium; ahd.; angeb, flcadl (Graff III, 427).
— (12. Jahrb.) Lenzen- Adl, angebt lengten adl
morbus vemus; lenctln adl febris tertiana (D. CM;
Du Caugo vni, 220) tebrii acecssu» _ (Influenza?)
FrühlingsÜeber, die fieberhafte Frnhjahrs-
Pnoumonie (AIp9tich, s. d.) — Lunken- Adl,
(angebt. ; Gr. D. M. Ii, im); Lungenkrankheit. —
Stick ■ Adl, angebt, idcadl (Du Cauge VIII, 48) -
.Stech- oder Stichmar (s.d.), stic were; Telum(>
Geschoes, s. d ); Dolor lateris, Seitenstechen
-Alpstich (s. d). - Atües-Tritt.
Ader, f zu vorgertnan et - hauchen, atmen; abd,
Adara Kohrgane für den Lebenssaft, Luft, Hlul und
Waaaer] Vena, nervus (Flachsader) ; mhd. äder das-
selbe und außerdem auch mhd . mnd. Klugcwclde,
Innader i> d !. 1 Kohrgang füt: a) Blut: Mra
IUt. D. M. 1184; Kuhn, Zoitochr. t. venrl. Spr.-W.
XIII, 64); adrä (Müllh SchWT. TV, 63) ; odlr 14 Jahrb.)
Vene flirrt!, K. W.; 1». 809}: auder (1399; Hchmellcr
I. XV>) Vene; ilA Johrh ) ädere fleba (tpAtßoi)
ueitsriecblKb (U. ssy1 — b) Luft: Lufiader (s. d.).
Der Hals als Träger der Luftrohre ( - erterla
■apeta seit vena nronnall«, Du ränge VII, Iii!; VIH,
■jev, heisst auch Ader illyrtl, K w. 9). — c) Speise
und Kot: Speise- Ader (s. d.); odlr - rectum
1120). Mastdarm (Hyrtl, K. w v.n ■. Scheisa-Adcr
(s. d.); Inn-Ader (l. d .). — dj Wasser, Milch,
Lymphe, Urin, Galle: z. Ii. Milch-Ader (s. d.);
Wasser -Ador; Gallen Ader; Pisa -Ader. — I
i
I
Ader.
2. Sehne und Nerve (Tendo, Nervua); ahd adir
tlbra; 10 Jahrb. ander nervus. Kiefen!. 28.'.; Hyrtl.
K W 56. 143), (lebende. Iiis zur Mitte des 16, Jahrh
ist ädara nervus; von da ab wird ilat ! iiervus mit
„der Nerv" (». d.) wiedergegeben (Gr. W. VII. CIO1; die
..Ader" int aber (oberdcutuch) noeh immer Flachse,
sehne ,,<;r. w. IV. l. l-tcyt. Vgl Hals-Ader, Hirn-
Ader, Pfarren-Ader, Nabelschnur. — 3 Einge-
weide; Ader plur , mnd , mhd Eingeweide (Kluge
W B4:i ; die ..lnnadern" |s. d.) wurden zu ,, Allem"
gekürzt; aber schon a. iiuli-ch ydur (iedarme i Hyrtl,
K. W. :t0) und abd adir Dünndarm. I.c ndciidurm
(Hla, I» 28.'»: ; „es Ist möglich, das* die Schlange Alter
für. W. I, fi'X» der llenenuung de« Ihirms als Ader nicht
ganz fremd geblieben tat" (?) (Hyrtl, K W. IS). —
4. = Sichtbare Erweiterung der Haut -Venen
(Varicea): Adern an den Händen, Fussen, auf
der Nase etc., auch Varicoaitäten (D. ö06, ewig),
5. = der Aderpulsschlag und Pulastelle (a. Hers
= Ader). — 6 = der Aderlaas („in der Ader
liegen"). — 7 . = Krankheit sei. durch die Ader
(s. Milzader 4). — 8. <= Anlage, Begabung; die
Blut- Ader wie das Blut (s.d.) als Sitz des Seelen-
und des GemUtslebena (Humor, Laune). Vergl
auch Geader (Glider). — ädern i.l.V Jahrh ; edern
arterlsare [l>. 51 ; ifils, sehmeller I. 'M die Adern
herausnehmen, mit den Adern sich hepohitf-
tigen; nervös eximere — Aederchen . Ader-
lein: wie Ader (s o ); 1 - 17 ts adrichen kleine
Blutader, Venula. — 2. Nerven- (Muskel-,
Sehnen-) Faser. — 3 Äderl Medulla Spinae
dorei, Hauptsitz der Nerven (Adern). Einge-
weide, Ingeader tur w i, i*o>. -adericht (äderig)
- nervoeua, venoaua, varicosus mit Adern durch-
setzt (Or. W. I, 179. 181 ; H. C07). Ple Schule von
Salerno lehrte, das :ti»ö Adern im Menschen vorbanden
»eleu; auch die grosse Anzahl deutscher Ader-Namen
spricht fiir die Blutgierigkeit der mittelalterlichen Ader-
laisser. — (1645) Achsel ■ Ader, 1 Vena axillaris
et subclavia ^Üchsenader) unter der Achsel
iC'oler, A ZT.; v M II. 222' —2 = die zur Achsel
ziehende Leberader (V. hepatica). — icw
Aeusscrste Ader Ii-- am meisten nach Aussen
verlaufende Hauptader am Arme, Vena ceplta-
Hca (v M i 1,222: - lü.ij; After-Ader, 1. - Vena
saphena. —2 - Venae haemorrhoidales, die
vom After zur Leberziehen (Wireung); blähende
Afterader - angeschwollene, schmerzhafte Hä-
morrhoidalknoten (s. After- Oeäder) — Amt-
Ader — Vena brachii subcutanea, 1. = die
Haut- Vene am Oberarme des Menschen. — 2.
am Pferde- Vordersehenkel. — Atem- Ader
1 . aten (m) -ader (14. Jahrh.) = trarbea (Voc. upt. W.ll | ;
atem-adern (16 Jahrh i I). 638; (ir. W. V, 3W) Luft-
röhre (Arteria). — 2. .4tVros-Ader Puls-Ader,
die den I^ebensatem bringt (Gr. w. i, :m). — Atem-
Ader - Decklein. — Augen- Ader, 1. - Nervus
opticus 1 1*2 Zcning Voc j ; augenater 1". Jahrh 1 eyn
ader an Oy äuge, D :tas! Sebncrve. — 2 Vena oculi
r-i-, Uossllti ■ bammenbiichlelti 82b . - -Headern,
ahd. üzenidKin ((iraffl, 1571; enervare (D. 302), ursprüng-
lich wohl das Kntferncn der liedÄnue au» dem kultu-
rellen Opferlierv s Pott, liepütt, I'otticb; (lö. Jahrh
ussedern, 1). 202; fir. W. I, 180) das, was Ader
ist. aus seiner natürlichen Lage entfernen, ent-
nerven, abfleischen, skeletisiereu. -aussaugende
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Ader..
Ader.
Adern Venae emulgentes (renale«) (Heister,
i omp. anat T"l — nach trüberer Anschamin«/ wurde
der Barn im* den Mate in der Leber abgesondert. «He
HiMnnvr»»tntli- de* llani«toRcs wird auch heulzutatrc
Iti der Leber wiirctiomuien; diese Venne renal«! melken
Dach früherer \nschauutij.' da* au« <ler Leber In die
Nieren Beschaffte , haniB«-M'hu Hli«erte lllilt au« den
llitlilvenen heran* und entledigen «> dal Bllll de*
Harne« (Hyrtl K. w. 15 . — Rand-Ader Tentio,
Nervus, Sehnader: (1183 bantnder, IL 379; (lf. V, 1,
10»; vii, aio; llynl, k W. iöj - solide, nicht ver-
ästelte .Sehnenstrflnge, die die Keine gewisser-
maßen zusammen binden : (167*) Geliilnde
II> rtl. K W 19 — Blast- Adel ilß7ti plaMtidcnu,
r.r. w. v, 2018' aufgeblähte Adern (Varieen,
Hämorrhoiden) — Blut- Ader, and pkrtadra =
renne >-r*tt I, 157; 13. Jahrh mnd. blniaderen. Mag
Harth 97b; 15. Julirli. Iilntuder nrteria, 1) tM;
Hvj plutadcr vena , ZctittiK Voe 21, 1527 hlut-
aderen. Fries u« . 1 die Blutadern (■- Venae;;
uaeh den Lehren der atexand rt nUchen Schule standen
dicss-tln-n , weil nach dem Tode nt.eh blutBcfüllt,
im lieeeUMUac zu den blo»» Luft führenden Luft
Adern - d Arteliae ; *lc hieben auch V*
Venen
fiuictae gegenüber den Arlcriae |>ul*antc« llolzadcru,
Zuehadcni und galten dein Volke als die sicht-
baren Zelehen der IlliiUirkulatlon ; die Arterien sind
«lcmselben nach alter Sehullehre bloss Kchlagcndc
, Schlagadern — J adrige Ulutader war
der achulgvnuusc deut»che Au*«lruek fnr «He Arterln
pulmonal!* — Vena arteriosa Vcsalli ,11} rtl, K \V, 12."«',
».•il sie eine zum Herzen Behend«' ltlnta«lcr Vetie
i»t und d«>eh arterielle!- Hlut führt, pulsadriB i»<ler
l.ifta.lriB lat [S. Luitader oder Win.iadcr!. — 2 Blut-
ader ist aucli -= Vena eava (Fuchs Bfepokratei i.
17») im Gegensatze zur blutleeren Aorta und
weil sie aar Leber, der Hauptbildungsstätte
des Blutes nach früherer Annahme, in Be-
ziehung steht (e Brandader 4). — 3. fMufader
- (174$, Medianader (s. d.) als die am häutigsten
r Blutentziehung benötzte Haut vene Mo*chcub.
397 ■ — (1761' Heilige Blutader - V ena sacra ,1. M
M) (s. heilige Pulsader). — (17 12; kleinste Blut-
aederlein — Venae capillares (Zw. &».) — (MM
Blut flüssige Adern - goldene Ader (die zu Blut-
fluss geneigtere) iH. v. <>cr»dorff). — (MM6) Bolzende
Adern - hervorbolzende, schlagende, pulsieren-
de Adern = Arteriae llynl. K W 24) (s. bolzen).
— Bräm- (Brem- ,Ader Vena saphena, die eine
Kanke ( - Bram) oder ein Zweig der Sehenkel-
Ader ist [Gr. W.II, Ml}, — Brand- Ader. 1 Venae
iliacae commune« ,vm; Muralt. CoHtf anatom. 103 j
2. = Vena cruralis (17MJ mit ihren Ästen z B
Vena saphena [MM; r.r W II, 296, Levelin,? 177,
bibl. Mediku* Ml; Colcr, H. \ 235 , weil man diese
Adern beim „Brand"(s. d.) schlug. — 3. = (Ober-
tragen): Arteria iliaca, Arteria cruralis — 4 die
Hohlader (Vena cava) beim Wild, (MAI WOekeni,
Anfalle» srniud«' .ler Waidinanus-Sprache, 20); bei <ian-
gr*n der unteren (jlicdinas»cn , namentlieh aber
l«elm erleirten Wilde fand der Zerwlrker die«-«- Wut
Befasse oft mit geronnenem , schwärzlichem Hinte
Hrand >. d) verstopft illyrtl. K W. MJ —
5. - Die Zungenvene beim Pferde, die bei Zun-
gendOrre (-- Brand) geöffnet wurde (17. Jahrh ;
it a M6). — Brual- Ader, Brustkasten - Ader
- Vena thoracic t<«r. W. U, 4i7j die auf der Brust
verlaufende Haut-Vene. — Bug Ader >,15W bug-
ader, <ir. \v. Ii, 4<j.v — Vena cephalica (beim Pferde)
an den Vorderfussen oberhalb des Kegeln nnd
derKniee — Kegelader n;r W. v, :ti>i ; Herbst l.vt .
— Daertnleins Ader iderudlnsadcr, i530Kuiitg»*|i.4<.'ii
eine Hautvene in der Schenkel beuge gegen die
Bauch wandung zu(Kugelader).— [myduhnende,
(lohnende Adern strotzend gespannte, ge-
dehnte Adern (Zcit-ehr f d. l'hüot XXVI, SM]
(s. Dohne) — drate Ader i.ahd. drAti rcheinena]
schneller Pulsschlug ,17. Jahrb.). — Drossel-
Ader, 1 die beim Lebenden schon bei massi-
ger Stauung des Blutes, namentlich aber beim
Drosseln sichtbaren oberflächlichen Hautvenen
am Halse (Venae jugnlares externae, internae.
mediana colli); (1..7C trottelnder; f.r w. 11, 1437). —
2. = DieLungen-Ader,die vom Halse(Drossel)zur
Lunge führt (beim Pferde) (<Jr. w. 1. e.). — Dunst-
Ader Geistader (- Arteria); ;i4s.t dunstader
arteria, vena jmt «piain «er vel splrltn« intrat, U. 6t).
die den Spiritus Vitalis, den aus Luft (aer) und
Blut im linken Herzen bereiteten Dunst (Pneuma)
führt ,'llyrtl. K. W. 107), vgl Windader — Einsaug-
Adern Saugadern (Or. W. III, 2«5 — erbärm-
liche Adern (vena mUerotlcn, mlstrlatlea ader au*
such (t) um dem nagen tu der lcberen, D. 363) — Venae
mesaraicae, an „miserere" (s d ) anklingend ;
sehlechte rbemetxung [Hyrtl, K. \V. 4L — (1Ä»
erleerte Adern durch Aderlass entleerte
Venen [KnniK*«|> 38). — Jn'rrA-Adern 19. Jahrh
verehadlr venae pultsatllc!« Ii 172 — die pulsierenden
Arterien als Lebensadern, deren Verletzung
das Üben bedroht (s. Fftrch). — Falsche Ader
(in Redewendungen) schlechte Gesinnung (s
gute Ader) — Farren- Ader a. Pfarren- Ader
— Forz-Ader flfi Jabrli varcxodlr, D 113; |(HW;«lr.
\v III. 1331, Podex, die Ader lc ( - Itohrgantc),
aus der man farzt (s. d.). — Faul-Ader Hä-
morrhoiden, die dickes, träges Blut enthalten
sollen. — Ft-rAscn-Ader 1075 veh*enader; Hyrtl.
K W. l.VI ; vehn Fex, Kretin , vielleicht Kropf-
ader Vena jugularis interna; wenn nicht
besser als Uechsen-, l'ehsen-Ader zu deuten
VTena subclavia. — FciM-Ader = die Ader
unter der Pferdezunge, welche beim Feibel
oder Feifei (s. d.) geöffnet «u werden pfleirte
[<lr w 111 , 143:; — [164«) Feiowartx- Ader
golilene Ader (s. Feig) {« ««ler. H A 2l«,i. — Feist-
Ader Vena adiposa, eine Ader im Fett-
gewebe Mir w. in. iiTi . namentlich der Nie-
rengegend — Fettader (s. d.). — fV*Sf/-Ader
- die Ader, welche den Fesseln entlang (beim
Pferde) hinabgeht = Ffts8el Ader(s. d.) tr,r w III,
1557). — Fr«- Ader Vena adiposa - Feist- Ader
(s. d.) (Or. w. in, L.72'. namentlich im Nierenfett
(Lereltttjr), — F<-i*«--Ader = Vena ignis, ,,eine
Ader unterm Schwanz der Binder, die man hei
derFeuerkrankheit derselben (beim., Feuer" s d 1
eröffnete" < r w in, i>;i, - Flachs- ] j^r16111
il« Jahrh : bc-ljf vlanidre; llaeh*-. (lechs-ader. Ii 37'J
nervus. leado .« i r \V. III, 17*rj ; 1.M7 üaxjtdereu
Kiiiifer^ehneu . Heyne II, '.»13 ; 1563 Hueh<adern Nerve;
I Plctoriui 43; 1894 Flachs • Ader, Nehue; 1C12 flax-
V
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4 Ader.
aderletn nervulw; «;r. \v. l e.) 1. - Sehnader,
Spannader, WeisBader, namentlich solche an
den Gelenkbeugen; Flechsenader , flechsige
Sehne, (s. Flechse), etc. eine Spannader, die
flachsartig gefasert ist; aber auch 2. - (IUI]
Nerve, dessen Fasern flachsartige Stränge bilden
(Hyrtl. K W 112, Kraut« LV1). — 1,174?*) Fleisch-
Ader a) = ein ira Brustfleische verlaufender Ast
der Schlüsselbein-Ader (Arteriasubclavia) (< ; r w.
in. it.v. ; b)ein auf dem dicken Fleisch ( - Diech)
des Oberschenkels verlaufender Ast (Vena mus-
culariB) der Brandader (Vena cniralis) iK v 9*
— (1576 i Fluss-Ader tTheophr B ) = die durch
ihre Stauung den Salzfluss (s. d.) unterhaltende
Haut- Vene, Vena saphena magna — l.vnj
ri :;!(»fi Ader - Rosen-A<ler, Kinds-Ader = Vena
saphena magna Leveliiig 177 „ihre bei Frauen,
welche mehrmals geboren haben, häufig vorkommenden
Krweiterungen varires lind derCrund Ihn» trivialen i !
Namen»" Hyrtl, Anatom 958; Krautw I.XXXIII. 15hl
Hyrtl. K W. 51 : „well au* Ihr bvi der Unterdrückung
der mense« Wut gelassen wurde". — Frosch- Ader,
1. — Arteria ranina s. profunda linguae „die bei
der Frosch-Geschwulst (s. Frosch und Kröte),
(Ranula) unter der Zunge anschwillt" (Gr. W. IV,
l. 261) — 2. - i7i:i Venae raninae, die die
Art. ranina' begleitenden Venen Hyrtl. Anatom
•.►17, 1'lntner I, Iii ; bil.l Medlku« SR!). — (I7tii ) Frucht-
Ader Frauen-Ader, da sie in der Fruchtzeit
(Schwangerschaft der Frauen) oft anschwillt
L <h 75), — Furz- Ader Farz-Ader (s d ). —
fW-Adern ;i507 fuciadereu ; Hyrtl, k. w Hirn-
Nerven, als fühlende, Nervensaft führende
Adern gedacht. — Fussel- Adern = Fessel- Adern
— die in dem Fussel ( = Fessel s d ) des Pferdes
laufende Ader (Vene) (Gr. W.rv, 1.964). — Gallen-
Ader, 1 = Vena cystica - Ductus cysticus --
Gallenrohrgang aus der Gallenblase. — 2.
;1666) die Gallenblase selbst (Gr. W. IV, 1. litt. litt).
— Gang • Ader ,1502; Schnuller l. 35/ - Gang-
Sehnen am Pferdebein. — (1645 Gnrf-Ader =
Vena jugularis (?) (rolcrH. A. 133 i.V.; ; eine Hals-
ader, die bei Brustbeschwerden geöffnet wurde;
vermutlich als Zweigader, Reis- oder Braem-
ader (s. d.) zu erklaren. — Gaumen -Ader
Vena palatina ..r w IV, l. l.wji; Gräder, Gäder
(Schweiz); Gäder (Tirol); rahd. (1496 ipeedor, ge-
«der als Kinheit dir Adern; 1529 das geederte; Brun!.;
I» 37ui, 1. — das System von Blutgefässen (Hyrtl,
K w. 5ö, 57;, der roten Adern = die Blut-
und Schlagadern (Venae et Arteriae). — 2. -
System von Nerven in älterer Bedeutung, nach
welcher Ader a) = Nervus, Sehne und b) - Vena.
Blutader war, da auch im Griechischen vtöoov
— Nerve und Ader war. Geäder (Gäder) = die
Stelle, wo die Adern und Sehnen an der Hand-
wurzel zusammenlaufen < v. Mim. iu'. — 3 =
Gelenkbänder und Sehnen in der Nähe der Ge-
lenke (1178 gäder uemn », vena, i»er quam oua
compagnntur . Gr. W IV, 1 1134 . z B. der Bänder-
Apparat der Gelenke und des platten Fusses,
Pferdefessel (Hyrtl, k. W. 56. 57; Buck 16; k. a. «5-u
die Beugeseitc der Gelenke und die Gelenke
selbst (s. Geäderfluss). — 4 = Muskeln, Sehnen
und Haarwachs .1478 geeder nervus, Haarwaclis;
Gr. w. ip l. 1029 als Aggregat von Fasern -
Ader.
j Sehnen Hyrtl, K W. 56, 57) oder Flechsen (s. d ),
z. B Üeäder der Mauss (s d.) und weisses Ge-
äder — 5 Eingeweide 1523 geäder intestinum,
Klngcweide; <ir W. IV, 1 1660), Hcrwäder, lan-
gender — l.V.'l After- Gräder Hyrtl, K W 71 ; Had
Jim 361) - Mastdarmadern, Hämorrhoiden-Con-
volut. — Herz-Geäder Viscera, Brusteinge-
weide, Herz, I,unge <;r w. IV. 1. 1630). — Inn-
Geäder, mhd inacdcrc(s. tl.) (Ur.W. IV. 1. 1369
Eingeweide, Viscera. Intestina. — bvtvkranipf-
iges Gräder iKuland krampflge Zusammen -
ziehung »1er Sehnen und Muskeln. — ii53ii
Magen-Geäder MaKenblutgefässciKnuitw UV).
1497 Mausts- Gräder - Muskel-Sehnen Hyrtl, k
\v 60 in der Nähe der Gelenke. — .152«. weiches
Geäder didimi Kric«, 121 die Faserbündel am
weichen Hoden (didumi = Hoden, a. v. II) —
weisses Gräder - Sehnadern (s. d), Sehnen
und Nerven (gesamtes Nerven - System wie
einzelne Nervensehnen und -bündeli, die mit
ihrer weissen Farbe vom Rot der Blutgefässe
und des Muskelfleisches abstechen Gr. w IV.
1 1630-, Hyrtl, K \v, 149 , (vergl. Weisse Ader). —
1609 weisses Flachs-Gräder ; (1606] weisses Gr-
äder Gehirn und Rückenmark Hyrtl, K w 49;
Heyn 12 — Gfäder-FluSS, -Klar. — 15 Jahrh i
Grisf-Ader igeiitauttorn D, 51 ; die beim Eröffnen
der Leiche blutleere Arteria als Trägerin des
geistigen Blutes oder I.ebensgeistes (s.d.) (Hyrtl,
K. w. iüt, < v Megenherg . (vergl. Dunst-Ader,
Luft-Ader, Wind-Ader, irdenes Blut). — Gemeine
Ader I609 <;Uar iu5.«, Vena als Aderlass-Ader,
im Gegensatze zur Puls-Ader, deren Kenntnis
nicht so allgemein war; überhaupt waren die
deutschen Ader -Namen im Mittelalter wegen
des üblicheren Aderlasses viel gebräuchlicher
und namentlich die verschiedenen Lass-Adern
unter der Haut weit bekannter als heutzutage.
— Geruetcige Ader 1483; C. v Megbg ) - die Venen
(Venae quietae) ruhige Adern im Gegensatze zu
1 den kecken, lebendigen (quüc), schlagenden Ar-
terien. — f. 'n.v- Ader, ">hd gleznder Lexur M\
1 1497; Carotis als grosse Halsschlagader, bei
deren Verletzung das Blut sich schnell und hef-
tig ergiesst, wie im Gubso hervorstürzt J Iinin-
schwyg; — 2. — Puls- Ader Oberhaupt. Die Opfer-
anatomie mit dem Stiche am Halse war wohl
Veranlassung zu diesem Namen (s. Gusa). —
Gi/l-Ader Gicht-Ader, ,,!" wird Im Volksmnnd
oft lür ,.eh" gesetzt, r. 1« Kaltvergift für Kaltvergieht
■ « d — Gicht- Ader l.v.i, - a) Vena saphena ex-
terna, die bei Gicht- Anfällen, beim Kaltvergicht,
Ischias, Paralysis etc. geöflnet wurde Hyrtl. K. \v.
63; ; b) ebenso die Vena dorsalis pedis s. paraly-
tica, an der Zehe geöflnet (Coler \ los, r 2«s.
ir.i5 — Gold- (güldene. giUdtne) Ader gfUdta
äderen de» utlteren 1541 ; Ryff; Hyrtl, K. W. 70;,
1. = die gesunden Blutgefässe des Plexus hä-
morrhoidalis (heute kaum mehr volksüblich in
dieser Bedeutung. — 2 = die Varices der Mast-
darm-Venen i Pauli 71 I»a> spontane Bluten der-
selben sollte gr.lilwertig sein, weil es du* frühere ärzt-
liche Honorar für den Gewohnheit»- Aderlavss ersparte
i>pi<nn-Hex. «. d ); auch «all 17S3) und »ieht man noeh
im Volke das Bluten als Stellvertretung der Mense* bei
Männern an Platnerll, 12; Pauli 25 ; 16 Jahrh ) ^fl«*-
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Ader.
Ader.
S
terttt güldene Ader = Varices ani externae;
1« tahrh Beschlossene güldene Ader = einge-
klemmte, innere Hämorrhoidalknoten. — Blinde
Goldider = die hinterm Sphincter ani ver-
sleckte dIobb geschwellte, niebt fliessende, niebt
offen daliegende Goldader ^ Haemorrhoidae
caeeae ii756: \. v IT i, 742 "in 1742 ; Zw «41 — das
Gefeige (s. d.). — (M**) Fliessende Goldader
a wahre Goldader xi H. L I, 394). — Schleimige
Goldader l»75; Müller, Krauterbucb 701) = Hämor-
rhoiden mitSchleimabsonderungdes Mastdarms
(s. weisse Goldader). — Wahre Goldader »7«;
\ v n I. 7*2 743; = blutende Hämorrhoiden, die,
weil tliessend, wahrhaft das Aderlassgeld er-
sparen sollten. — Weisse Goldader i"56, \. v.u.
I. 742 -der Ausflusseineszfthen, weissen Schlei-
mes oder auch nur einer feuchten, weissen Ma-
terie aus dem After. — Goldader Flüsse, - Trieb
-Zwing. — Gurgel-Ader = Vena jugularis in-
terna, die an der Seitenwand der Gurgel (Pha-
rynx) herabsteigende innere Drosselader. —
Grosse Ader, 1. = Arteria magna oder der grosse
Stamm der Aorta. — 2. — die Herr- oder Median-
ader als grössere Aderlass-Hautvene am Arme
;i53i; Küni(r»«r *»■ — 3. ■ (tOWJ kraftiger Puls-
schlag, der an der Pulastelle stark nnschlägt
v 51. 11, 23d; — (1V87 Grossäderig - venosus,
voll von (weiten) Adern il> i«oj varicosus. —
Gueldene Ader = Goldader. — Gute Ader ■ die
Blutgefässe wurden früher als Sitz des Seelen -
und Gemntslebens angesehen und galten als die
Wust -Ausscheider = Emunctoria {». faustdick
hinter dtn Ohren : daher *«Kte man : „es IM keine gute
Ader an Ihm" er tnuut jrani und finr nichts (WtMt-
mann 16). — 1661: Haar- Ader Haar-Getässe ~
Vasa capillaria, haarfeine, kleinste Blutgefässe
| Haargefässe); seit Mnli>l>fhl brkannt. [Gr. w. IV. 2. 23.
38.) — Bais-Ader (mh<l. halsidcr; 1260 holender,
Pfeiffer 40; Lexer 89; 1420 hnUodcro = cervix. D. 115;
1172 halssaydder, 1> 2:12 Bbf«, nerVU«, thortl», l). 8901,
1. - US Jahrh j die Adern am Halse (Arterien
und Venen) beim Menschen und (Schlacht-)
Tiere. — 2. — die durch den Hals ziehende
Luftröhre i'IMö mich in Müller. Kriiutcrhueh 2M, x.
n»l-H.ii r Vep.< hl. imnii)f — 3. = Sehne des Hinter-
halses. — 4. = Gervix posterior, ilie hinteren,
faserreicheu Nackenteile ( Haarwnchs) 'imir i,
l.'i7; II Jahrh ccrrlx . Vor npl W. 10!. — Halx-
Ader/um (MM b4U***derttun, Zenlng Vor. u, B
Cervix, Fibra; Collectivum lür die Adern (Mus-
keln, Sehnen und Bander) am Halsnacken.
— Halsdrossel -Ader 1591) Drosselader am
Hals (i;r. w. ii, 1437). — Hand-Adn (isu
han lader salvatella. D. B09:. 1. die Vena ce-
phalica, die ihre Wurzeln aus den Haut-
venen des Daumens und Handballens sammelt
i'ir. W. IV, 2. «06(. — 2. -~ Vena salvatella,
die an der Aussenseite des Vorderarms lau-
fende Vena basilica, die aus den Venen des
Handruckens sich sammelt [Or. W IV, 2 3C:i;
1742 Zw (in „Wer die Ader auf der Hand,
»ori-i dir Siilvnirll genannt, Öffnet, drr winl linld finden,
■ Iii-- .- Milz: und Ldm tröstet, hrllt, wann ein soliderer
»•-himr/. am dm llrr/ tobt Und brennet, Ital« und
stimme hell machet und dir NnM VOM 8>hlelmc cr-
Imwt' Krkli.nnufilrrSMlviil. lln dureh Kriftsef .«alvator)
I Als SehuUdecke für du* tiehirn hless auch die Hirn-
haut, ehemals Sulvatrlla illit «'atiRC VII. 291 1. — Haupt-
Ader (mnd. hovemdereu Map Barthol h7«: II Jahrh
bouhltader, lloffm I, 324; 15. .luhrh. houi>tader, <ir W
IV, 2. 606; 15 Jahrh. ndd. houetader; 1.176 hevnt-
ader, I» 509; 1529 heubtader, nrunf .), 1. - die
Vena cephalica- Wurzel zwischen Daumen und
Zeigefinger, welche bei Krankheiten des Haup-
tes (s. d.) geschlagen wurde (UM; Ovar. 10.W. —
2. — die VTena cephalica selbst (- eaniiia - vena
capitis I, eepball] (D. 97; Hyrtl. K \V 12«; 1482; Zun.
Voc. n.si. — 3 Vena salvatella, s. Handader 2
(D, 509; «ir. w. IV. 2. 606). — 4. (1645) Vena hume-
ralis, Achselader, Zweigader der vorgen. (Coter, l*.
3.17). — 5. = Vena doraalis pedis, auch Vena ce-
phalica genannt . IT IS : K. rh 178: K. O 98; L ch BP).
- Hauptschlagadern = Carotides, die das pul-
sirende Blut ztim Haupte führen. — Heb-, (Hepf )
Ader (Steiermark) ^ Colica (= Hebmutter, s. d.)
- (Ader 7), Krankheit durch die Hebrontter-
Ader. — Heiss-Ader Vena cephalica in pollice
„in plethoribus (= bei der heissen Natur, s. d.)
secandum commendata" nir. w. iv, 2 90s —
Herz -Ader 11 Jahrh. n rrzathariiu ruruticae,
P 102; hrrrüdrn. 11. Z XVI, :tl; 1495 hert/.ader = cor
dlacn, l» 151). 1. = Fibrae = das Henbänderwerk
(Herz-Kick). — 2. - die Verzweigungen der vom
Herzen entspringenden Aorta = Arteriae, Caro-
tides Hyrti, k. w. 107). — 3. = Vena cardiaca;
(15MJ Vena mediana, die das Blut vom Arme
«um Herzen führende Ader; aus ihr Hcm man
früher die I.unßenblutiiniren entstehen ; da sie das
Hirz von Srhitden erlösen sollten, öffnete man
sie bei Heralelden s Benedict. Jahr. 8 202 812;
Kunlifssr» 48). — 4 Speise- Ader4, Porta lactis,
bertzrnadi r; 14x2; Zenhut Vor o 6; I). 643). —
5. — der Arterien -Puls ,r,r. \v. IV. 2. 1224). —
lj. = Vena thoracica externa (bei Pferden) <;r. w.
iv. 2 1221 , vergl. llerzg»l.ler. — Hirn - Ader,
Aederlein hyrnader ISIS; n. v. Cerod. t» Hol. v. b;
<.r W. IV, 2. 155H; Hyrtl, K. W. 149) die vom
Gehirne kommenden grösseren und kleineren
Nerven, Kopfnerven. — Hitzige Ader - be-
schleunigter Pulsschlag. — Hoden-Ader Cre-
mastcr l«;r. W IV. 2 M.'.ti. richtlxer Kunirulus «]vrr
matlctU, «lader eremaster nur ein Mtu-kel, dertuuleulus
s|«erm. aber ein Biindrl von <;efassen und Nerven ist.
worauf iler Iniherr Brfrriff tler „Ader" ( = nervus.
vena. tendo ete i>a*>t — Hohl-Ader - (l.'obersetz-
ung der) Vena cava, die als Föns vitae auch Vena
organalis Iiiesa (Du i anpe VII, 6:i ; VIII 265;. der
grösste, das Venenblut zum Herzen bringende
HauptsUmm der HerzgeAlsse, der seit Praxa-
goras 386 r < hr ) so hiess iliaa« 71). — Huß-,
(Htlff-, Hüft- Ader 1889 bflffader; MWtmftader;
Gr. W. iv. 2 1x71' 1 Vena sa]ilu;iia minor, meist
auf der linken kleinen Zehe bei Hüftgelenk-
affectionen geöffnet. —2 mw die grosse Hüft-
ader, Vena diaca extern, iv M lt. 223 — Hupf-
Ader Arteriae s. Venae pulsatiles, salienica
- hüpfende Adern = Puls-Ader Hyrti k w. 91). —
/«H-Ader, ahd inädrl illa ".raff I, 157; HZ XV s
iuuiidiri vi«rrra exta, vrnar, (Jr. \V III. 190.1, imiödir.
innoiltl, iuuödllo. I. r 1, 1X3 . firaff 1. 298 . |i, 219' ; mhd.
Inurdrre, Innedn? ~ vi<-erra (II. Z III. IXIj Viscera
Intesiiiia, Kxla, Eingoweide(ilia, vitalia) Innge-
6 Ader.
äder, Inngetum, Inngewart *, Altwachs — 2. m
Venae(scl. popliteae) t<:rafT I, i57;Hippokrnt Aphor.
VI. 3«). — 3. - innerlicher Muitertluss bei Titten
(vergl Inngeader) — 12 Jahrh,) Herz-lnn-Ader
hart inn ethere visccrn Vitalin II Z It, 205) dl«
Kingcweidomit dem Herr.en und um da*se)he(
Sedee cordis) («. innRcwnrt — Jungfrau* «-Ader
— Frauen- Ade« (s.d.: iiynl.K w ,M). — Aau-Ader
[1801 kewadera. <;r \v. V, 305) -die Kieferadern des
Pferdes i». Kaue — Kecke Ader =» Aorta, weil
sie durch ihr Pulsieren ein besonders charakter-
istisches Lebenszeichen (quee - vivuslgibt [HyrÜ,
K W.) - kühne Ader. — Kegel-Ader, 1. - 1699
die grosse Hüftader, \'ena iliaca externa, die
von dem Kniekcgel ober der Wade zum Ober-
schenke) und zur Hüftczieht [%• M ll.ac. — 2.
die innere Hautvene am Obcibeine des Pferdes
nn der Stelle des Kegels (s. d.) fOr. W V. Ml) —
Kehl- Ader kcicn-, kcci-adcr, 15 jnhrh ; keUader,
lfiC6.;, 1. = die Venen der vorderen Halsgegeud,
lüessadem, Drosseladern (Hyrtl, K w s9; vorm
jugulnris, fir \V. V, SM; venao fageeidae sphagetldae,
die beim KullopfiT geöffneten Adern Hippokratc«,
Natur de« Menschen XII; Du fange III; Krau* F. 968;
cir. W II. n:iT — 2 = l.uftader (s. d ) Hyrtl, K.
w ). Carotiden. — 3 Kehldeckel, Kpiglotüs
ili20; n. 201; t;r Vf. V, 394). — 4 ~ Kniekchl-Ader.
— AiWs-Ader, 1 - VaricesderVenasaphenaex
gravididate, « Frauen-Ader it.vi ; \ v II [, wt ;
Hyrtl, Anatomie 95-v. — 2. — das natürliche Kinds-
äderlein, mhd - die naturliche Anlage und
das Gemüt des Kindes (Ader s). — Ann-Ader
lfliö; <:r Vf. V, 477) = die Ader am Kinne oder
Kinnbacken (Paracelsus). — Kitzel-Ader (MM)
— die Ader, die man beim geschlechtlichen
Kitzel oder bei Gebrechen der Genitalien u. a.
auch an der Vorbaut eröffnete '.r w V, 871;
1399; Schmeller I. 332». — K.99) Kleine Ader 1 =
kleines Blutgefäss. —2. - ein kaum fühlbarer
Pulsschlag v M. Il,23fil — Knie- Ader 13 — 1».
Jahrh kniadetv, knyodlr, l> MW; 15 .lahrh kniendere,
ilyr «nler vn<l knie - varix I» MW ; <;r \V. V, 1125);
a) die Sehne unterm Knie; b) Knieseheib- 17t«
oder is» Knirkthl-Ader k a ys; v m ii, 22;!,
L eh. ss Vena pophiea. die liatitvene unterm
Knie, die von der Aussetiseite des Schienbeines
zur Kniekehle heraufzieht. — 17 inhrh ,1 Knos-
pel- Ader - die Blutaderam Nasenscheidewand-
knorpel des Pferdes ,it \ 102 — A'notVti-Ader
/kiiodcti nder, I« Jahrh ; Ur W. V, 1509 die Vom
äusseren Knoten amKussgelenke heraufgehende
Vena saphena minor s. ischiadica. — 17 .itihrh 1
Koller-Ader 1 die Zorn-Ader (Koller s d
Aufregung), Vena tetnporalis, an der Schläfe,
Stirngegond , die beim Zotn sichtbar an-
schwillt, da sie sehr oberflächlich liegt,
= Slirnader, Lichtader <r.r. w V, 1«17 vi, $77},
— 2 - die Ader hinter und zwischen den
Ohren des Pferdes, die beim Koller (s. d ) des
Pferdes geschlagen wird ;u A. 37; (!r. \V. V. lfil7j.
— Königs-Ader (l'ebersetzung der) Vena bu-
silica am Arme als die daselbst au Hallendste
Haut- Vene. — Kopf -Ader = Hauptader (b. d ).
Kraft-Ader, mh.l krntti«.ler(lA \er 1!2 Puls-Ader,
die die LcbciiHkriilt anzeigt und das Leben
gebende Pneiima der alten Schule enthalten
Ader.
sollte iOr W V, 1915 . ,.bl* über die mhd Zelt hinan»"
gebräuchliche» Won — Krampf-Ader (UM; «fr. XV
V. 2013 .scheinbare ,d h sichtbar hervortretende) oder
aufgeblasene Adern voll Itltitsknollcn" ; (1577) ,,weil
hcrfi.rbols.ndc Adern an den Schenkeln"; (1591) varix
(Haid Jun. 3S3); (de eiilMchen, ..weil da« dicke Klüt,
no wegen «einer Schwere hurt aufsteigt, bei den Fallen
( - Klappen langer «leben bleibt und diese erweitert
macht" (iä7~; Hyrtl, K. w. si); diese Blutstauung
führt in den betreffenden Muskeln zu krampf-
haften Zuckungen und Spannungen; daher:
Krampfadern ; nicht aber wegen der ,, krampfhaften"
Anschwellung der Ader, wie dr Vi. V. 2013 stein —
Krampf- Ader- Bruch. -Entzündung — Kraut-
Ader, 1599 kraeutader, <ir. Vi. V, 2112) ; die Ader, die
beim Pferde geschlagen wird, wenn es zum
erstenmal auf die Weide getrieben wird (und
sich vom frischen Kraut stark anfrisst, „aufs
Gras schlagt"). — AVi>s-Ader, -Äderlein, i«w
krae««ndern: 171fi k res« aderlein Vasa Inesataica,
»tekios- Ader [Ur W. VI, 2219; Schnuller I, 1883;
v It. II. Ann 51) — Kropf '- Ader = die einen
Ader-Knoten (Varix) bildende Haulvene Krau«.
K. 10S2) — (iftso: Kugel Ader = kleinere Haut-
V'eno über der Schenkel- Beuge (Hüftkugel)
(KAnlgaap. 19), entsprechend der Kegelader beim
l'ferde. — Kühne Ader ~ kecke Ader (s. <L),
(Übersetzung der) S'ena audax (= Aorta) der
Arabisten iiiyrti, K \v — Lahme Ader, »i5&i.
erkalte lnme Adern. II. Hock 131) - durch lthetima
gelähmte Muskeln (Sehnen) und Nerven — iie»
Lange Ader - eine weithin z B. mit 4 Fingern
greifbare Pulsatelle (v. M Ii. 236) — Lass-Ader
— die zum Aderlässe bestimmte Blutader; nicht
weniger als 17 «olche Venen wurden dazu benutzt. —
Leber Ader, Hin leberoder: ndl. leueradere. leucrn-
ader- hepntlcn herbo, D. 203 ; 1530) leberader. — 1. =
Arm-Hautvene: Vena hepatica = VeDa mediana
basilica later. dext , weil ans ihr bei Leberkrank-
heiten das Blut gelassen und die Leber so „ge-
räumt" wurde (voluminöser als dioV. med. cepb.)
Hyrtl, Anal. 952; Rünlgwip. 48). — 2. der untere
grössere Ast der Vena axillaris (1&. Jabra. ; t;r. W,
VI. IG2: — 3. die Viertelader (s. d.) — 4 ~ die
Venu cava inferior (s. Hohlader) mit allen ihren
Wurzeln und Zweigen (vorllarvey l«2s; Hyrtl, K.W.
102) — Lefzen- Ader Arteria coronaria labii
stip et inf , deren Puls man auf der umgestülp-
ten Oberlippe sehen kann — Leib- Ader - Vena
corporalis im (iegensatze zu den Geist- und
Fühladern. — AfiA/m-Ader H7i2 die Ader in
der Leistengegend Atteria femoralis ,Zw. 70,
— LicAf-Ader, 1 - die Vena temporalis bei
Pferden, well ilc vom Aujre (— Uebt) kommt (Gl Vt.
VI, s77; K A. 61}, — 2. - Koller-Ader (s. d ) bei
Pferden (17. Jahrh ). — 3. - die Trachea, Luft-
rohre, die als weisse oder lichte Ader angesehen
wird hei Schlachttieren) — 4 die weisse Ader
(Luftrohre, Herz und Geräusch) bei Schlacht-
tieien i<ir \\ VI. «77 — Luft -Ader 15 Jnhrh
InlTluder; 1517 loflodeni, I>. 51. 63*, 1. iblx (lim
ih Jahrh ) Arteria s. Vena, per quam aer intrat,
die luftführendo Arterie (Hyrtl, K Vf. 107). die man
nach den Lehren der nle*andrlnl*chcn Schule, weil
nach dem Tode blutleer iH-futuleii, als lufthaltig nn-
nahm (contcr. Kwcha, llippokrnte* 1, 111 Anra.2). — 2. -
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Ader.
I
Ader.
7
die Pulsader, weil sie schlagt durch da« Plato'.
seht« Pneuina, d. h. die Lungenluft (nach früherer
Anschauung Nr W. VI, 1247; Haeser, Geschichte d
Mtillifn I. 239; Bim« 259 aofti. — 8. = „die grösseren
Arterien, In welcher die Lntt l'nach noch heute kc-
lauflirer Volksmciuunpi hcrummarschlert , wie ilnreh
die Kammer eines Hause«, soirar bis rur Leibesfrucht"
Burk 23j. namentlich aber 4. --. die Carotiden
Bück 16) als» sichtbar schlagende Adern an der
Luftröhre. — Lünern-Ader (MM long-, 1470 lunpc-,
1 IT«» hin«- ; 15. Jahrh lunfrl-ader, -arider, -ander
t«ulmatlea, D 472», 1. = die Adern, die das Blut
von und zu der Lunge führen, daher: (iß77i ge-
brochene Lungen- Ader haemonto« (Heyn. 2021.
I4M6) die bei Lungeublutungen geborstene Ader
(Coler, H. a. 141) in der Lunge. — 2. = (i«4.v
eine Arm-Haut- Vene (Vena basilica, cardiaca
(Herzader 3) (Coler, I* 29s). — 3 = eine Hals-
Hautvene beim Pferde, die lange deB Halses zur
Brust herabzieht und bei Lungenentzündungen
geöffnet wird (AhtldR. 137; Mayer 18«; Geonr 379).
— Maatdarm ■ Ader m güldene Ader (s. d) —
Maus Ader, 1 - <ue Nasen-Haut-Vene bei der
Maus (s. d ) des l'ferdes (Gr. W. vi, isiol. — 2. —
Mauss-Ader = die Sehne am Muskel i«45; < oier,
PI. 334) (vergl. Mauss-Geitder). — (1748) Median-
Ader s. Median, Mittlerin. — Meinige Ader
115 Jahrb. ay meynlce adir, II Z XIII, 382) - die
vermeintliche, scheinbare Ader, falsche Etymo-
logie der Vena saphtna (s scheinbare Ader). —
Melk-, Milch- Ader [1*. Jahrh melllk ader; Glos-«
wcon nach Hjrrü, K. w 75) l. = die Pfortader (1677
..die AllMstMl kau den milchwet««cn Saft [Chylus]
durch die Venalartea [ Hortader] In die Leber [ - t>orm
lacti«] bringen, da sie die I.yrajih»ceras«e noch nicht
kannten". Hyrtl, K. Vi. 75; Hyrtl, Anat II «ub Aselli;
»ir w VI. 2189; — Jf. = „die Adern des Monstrui",
d h die »tark ce«eh]awrcltcn Gefassc, die nach Leonardo
■1a Vinci-« Ahbildnnif von dertiebartnutter tu den milch-
te -reitenden «eiblichen Brüsten und tinißekehrt neben
Hyrü, K \v in s. weisse Milch. — 3 17 .lahrh.j
die Chylus -Gef&ase im Gekröse, „die weissen
Mdchadern des Gekröses" (1742; Zw 12; 1628 von ]
I.a IVtresc In Aix ziier«! beim Menschen ire«eheti, Hyrtl,
Anat 11 ; K VT. US), — 4. = Der Ductus thoracicus
(1742!, der grosseChylus-Strang mit milch weissem
Inhalte Plattner I. 342 ; Zw 56 57 «9 ; (8 Wasser-
aderlein. — 5 -das dünne Gedärm, in welchem j
die einsaugenden Adern den Speisesaft in die
Milchadern des Gekröses melken [Hyrtl, K w j
113; Melkadern des Gloss. sax. (16. Jahrb.) ■ o.
— 6 - Die am Kuh-Euter sichtbaren, auf beiden
Bauchwandseiten zur Brust laufemlen Blutadern
der Haut. — Milz Ader, 1. - Vena spleneticas
Salvatella, d h die an der Anssenscite de« Vorder
arm« verlaufende Venn ba«ilfca tut. sinist.. weil man
au» ihr in schwermütigen Krankheiten, die auf Uli»
verstopf n n k zuriickiccfuhrt wurden . nir Ader ll«M
iitm i1.mii Milzc län. s u I l> 509; Hyrtl, K W 102;
flr. W. VI, 2M1] » a.ieh oben Haiidader3. — 2. -
die linksseitige Handrücken - Vene zwischen
dem kleinen und Goldtinger aus gleichem
Grunde wie bei 1. — 3. — die Vena cephalica j
<;r. W IV, 2. «06 . wohl nur die linksseitige, well I
man aurh die«' nach Ilten do(iniatl»eh atiatoinl«chen 1
«.lanbcii mit der .Milz In ftl— IWetihinu: brachte — i
4.=müeze-udcr (15. Jahrb., Gr. w. VI, 2221) = splene-
tic«, d h. Melancholie, als Krankheit; miltzador
1182, Zcn. Voc. u. 3) - splenetica (seil, passio),
Milz-Siechtag; mhd. zno dem milze län — die Milz-
ader eröffnen für die Milzsucht (Lcxcr 162). — - 5- —
Magen blutader, aus der Magenblutungen er-
folgen (18. Jahrh | — Mittel-AdeT I1470 uilddelader.
tu it lader - vena mediana, I» 353,i = die in der Mitte
des inneren Vorderarmes und zum Teil in der
Mitte des Oberarmes verlaufende voluminöse
Vena mediana (s. Median) [Lexer 157) ( — Mittlerin
s. d.) — Jfonar-Ader - Haemorrhoides, deren
Blutung als Stellvertretung des weiblichen Mo-
natsflusses galt (\ v h. M«). — Af«rf«-Ader
— Vena saphena interna, aus der bei Stockungen
des Mutterflnsses(Menses) Blut gelassen wurde,
velne de la liiere ;I>u fange VIII. 265). — Nabel- Ader
= Vena umbilicalis. — A'asftt-Ader, 1. — sichtbare
Haut- Vene an der Nase (s. Querader!. — 2. -
die Mausader 1 (b. Pferde) (Coler a.j. — Nerv-
Ader (16*3, O. w. VII, 612) = Spannader, eigent-
lich eine Tautologie, da schon Ader ■ nervus
war. — Netz- Ader = Ader im Netze des Bauches
(Omentum) (<;r. w. Vli, 6»o<. — i it. Jahrh ) Nieren-
Ader — bei Nierenblutungon, die betr. Blutge-
fässe dor Harnwerkzeuge (R. A. 449). — Pfarren-
Ader (vordem 15. Jahrh , Hyrtl, K. W. 57) = Karren-
Ader, Ochsenziemer, Ochseutlesel ; Fai re - Stier.
— P/ort-Ader 11528 äderen der polten, Pries 123; 1748
nortnder, Maschen!». 108; 8tahl vena nortae norta ma-
loran] — <lie Ader in der Pforte, d. h. in dor Arn-
um! Kintrittsstelle der Gefftsse und Nerven der
lieber. — Pi'm Ader ■ (I606j Harnleiter (Nomencl
trUburoU 74 a ; Hyrtl, K w |, — Port- Ader = Plort-
a.ler (1541. Hyrtl. k \v 76). — Puls- Ader, i»82
pUlMOiler t>ul«u«, Zen Voc. aa. 2; Gr. W. VII, 2211 ;
1545 Pulsader, <ir W 1. eod. ; 1561 pulsz-aderen, 1. eod ;
1712 l'ultzaileru, Zw. .%> Schlagadern, die pulsie-
renden Arterien. — ;i.M5) die grosnr Pids&der
— Aorta magna Heyn ins ; <;r w VII. 2214). — Die
heilige Pulsader * Arterie, von der man beim
.Schnitte und Aderlasse fern bleiben soll Gr. w
II, nr.i — iV»ader- Gang, -Geschwulst, -Mund
(l.Mto1 P«rp«r-Ader Vena cephalica, die l eber
set/uiiif der Vena |>iirriurea der Arabisten i Hyrtl , K W,
136; KünlBssp 49, im GegensatM zur schwarzen
Ader (s. tl ). — Qurr-Ader - eino querver-
laufende, kleine Haut-Vene über der Nase von
schlimmer, abergläubischer Bedeutung; quer
— schräg, schlimm (s. d.) (Wuttkc, 8. 203 $ 305). —
ÄrtA-Ader - die von den Bossilrzten bei der
Rahe (s d-)an dor sog „Dicke des Pferdefussos"
geöffnete Blutader <;r w. vm. .v* — Äcis-Ader
(1576 rey.a derlin. ur. W. VIII, 716; die wie ein Keis
vom llauptstamtne sich abzweigende Ader (s.
Braem- oder Gartader) — Rock-Ader Ruck-
ador Hyrtl. K W. lio). — [16&r>] ÄOfcen- (Rosenöl ut}-
Ader Vena saphena magna s. intera und
parva s. externa, die bei dem Ausbleiben der
weiblichen Hosen (s. d.) geöffnet wurde. Die
»rrnsse Rosenader iH-itinnt an der Krossen Zehe, gebt
am Inneren Knoten nach mitwart« und isl al» ,.Kruini>f-
ader" sehr aiisceiichnt (Prauen - Ader, Kinds-
Ader) (Bjrtt; l.evelinu 177; Gr W. VIII. 11V2I. —
ii«l6j ßoM-Ader, l, - Kosenader (Faracelsus). —
2. die Vena malleoli am Kossfusso (<ir w VIII.
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Ader.
Ader.
1251) — Ruck-, Riicken-AdeT (14. Jahrb. ntgge-, I
nicke-, ruckader; 1440nwiader- varix, Ü 60fi; 15 Jahrh
ropkader, 1 eod ; 1482 ruekader, Zen Voc dd 6, bb -I ;
1577 niKKadcni — goldene Ader, Tabcrnacm ; 1592 ruck
ailor. Wimm*; 1609 Rurkader. Ouar 1053; 1620 Ruck-
ader, l>r Minderer; Schnuller II. 80 ; 1015 ruekader
Mlcrader. l oler II A. 150; 1097 ruekader [St. Heimo
Mirakel] - ßoldene Ader; 175« Ruekader, A v H I,
740), 1 die Ader am Schienbein, welche man
schlägt, „wenn einer einen schlechten Wehtag Im
Rucke n hat" iGuarinonl I. c .). — 2. = Vena saphena
int , die sich voinFuss-„Rückenu entwickelt; die-
selbe, wie bei 1 (Frauenader und Kindsader). —
3. - da diese Vena saphena (2) hautig Varicen
zeigt, so ist Kuckader auch - Varices i/.i nlng Voe.
I. e.). — 4. - die Varicen sind auch oft in der
Kniekehle, daher Kuckader = Sehne unter den
Knieeil («renn nicht RiiK-Adcr 711 lesen ist) (Zeninir.
Vor l e j. — 5. -Blutstauungen (Varicen) geheu
oft mit Hämorrhoiden einher, deshalb Kuck-
ader = Mastdarmader- (I620: Hämorrhoiden (Dr.
Minderer; A. v. H. 1. c; Gr. W. VIII, 1361; v. M II,
Ann 12 , um so mehr, als die damit häutig ver-
bundenen Rückenschmerzen den Zusammen-
hangmiteiner Ader des Kuckgrates nahe legen.
— G. - die vom Handrücken sich wurzelnde
Vena salvatella s. cephalica (D. 509). — Runns-
Ader - Kunstader. — Runst- Ader (16 Jahrh
runsadern venae. II. 609 ; UM mnstader, f. v .Megtnj. ;
Hyrtl. k \v i:to— 1321 - Venen, in denen das Blut
ruhig tliesst, rinnt dm Rinnsal Ihrer Tunlea ; Hyrtl.
I. e 130; tir. W VIII, 1523' — kl«99) Stf/tKllW-Ader
— Handader 2 (s. d.) (Rihlisohcr Medik 151 ; v. M.
II. 102). — (169:' -SapAen-Ader s. Saphen und
Scheinader (v. M II, 100.1. — Saug- Ader - die
Gefässe, die die Lymphe und den Cbylus aus
dem Korper einsaugend aufnehmen und zum
Blute führen (Gr/W. Ylll, 18*6). — (159? Srhaff-
Ader = die von der Schlafe herabkommende
Nasenblut-Ader beim Pferde ;«;r. W. VIII 201.;
vermutlich Schlafader (s. d ) — Schein- (schein-
bare Ader - Vena saphena (Hoscnader, Frauen«
ader): ,,f iclilhar" oder „scheinbar" aus saphena.
3*!prjv*5j5 tz ruaulfesta ctymolodsicrt. Die „schein-
l>are" it»t al>cr auch . ful-ch verstanden , zur ver-
meintlichen, mrinlRen Ader (*. d.) geworden; sie
ist deutlich sichtbar, durch die Haut durch-
sdieinend, darum leichter zu eröffnen (Hyrtl, K W.
51 ; <ir. W. IV, 1. 76 — Scheiss-AdeT («He Glossen,
srhy«/-<idir, Hyrtl, K w i'.n Uectuin als Vena
cacans gedacht. — 1 iS'c/ie/mcn-Ader eine
blaue Ader an der Spitze der Pferdezunge,
welche beim Feifei oder Schelm (s. d.) geöffnet
wurde «ir. W. VIII. 2511 j R. A 102* - [1645] Schenkel-
Ader die grosse Blutader, welche über den
Schenkel zur Schenkelbeuge lauft (toi. r i« MM).
— (1530) ScWodk-Ader (Kuiil^.p 19 («.Schlag-
ader 2). — U599' Schlaf- Ader Arteriti tempor-
alis, die in der SchhUe-Cicgend aufsteigt <;r w.
VIII, 2016; R A. 371. — SciJaq-AdeT 1, l'uln
Ader (s. d.), »Itfran/ älteres, b?» rainrs <\u\ bnttent,
Rrisa. 73—71) Arteria h. venu pulsatilis et audax
(heiliges Ding, s.d.). — 2. = die beim Schlag (Apo-
plexia) geöffnete (Herz-V) Ader (Vena mediunn?).
— iS'cA/crn-Ader Schelmen-Ader i; a inj —
[1«S9) schnelle Ader - drate Ader, eine oft auf-
und niederschlagende Pulsstelle (v. M II, 23o: . —
17 Jahrh ' Schrank-Ad&T, Sch enk- Ader - Kegel-
ader (s. d.) beim Pferde ><;r. w. v. 391). eine Haut-
veno an der Innenseite des hinteren Schenkels,
wo sie geschlangelt, gewunden = geschränkt
srhnullcrll, «OS; Flerhsi 151; R. A 37 193) verlauft
(s. Aderverzuckung). — (17 Jahrh .1 Schwant- Ader
— die Aderlass- Vene an der Pferde-Rübe (R a.
485V — Schusipp' Ader (1440 schwabader, Hyrtl, K. W.
Hl) -- Arterien, weil sie pulsieren und schwappen
(Schmeller II. 613 - schwankend ül>cr den Rand des
Gelasses schlagen wie Flüssigkeiten — (1699t Schtcarzc
Ader Vena mediana s. nigra (r. M. II, 222* im
(iegensatze zur Purpur- Ader (s. d.), die Haut
venen scheinen je nach der stärkeren rclt-Rcdcekuiiß
oder dickeren Haut mehr oder weniger blau :im Volks-
mundc schwarz durch ; daher blaues Hlut - vor-
nehme Leute, Adelige, mit feinerer Haut (K. Hofmann'.
— i'C«lw6-Ader (1620; Dr. Minderer) = Schwapp-
uder (s. d.). — Schweiss- Ader - Vena cava (in
der Jägersprache), weil sie beim Ausweiden viel
Blut ( = Seh weiss, s. d.) aufweist. — Seh-, sehende
Ader (des Auges) (151S; H. v. Oersdorf*, tot, Vb)
— Nervus opticus; ader = nervus (s. o.). — Sehn-
Ader, ahd. sennatyran in. Z. II, 205; senAdra, «iraff
I, 157. VI, 267? ; mhd zene-ader. senne-ader, syn-ader
Hyrtl, K W. 143 B.J H82 senader, ZcnInK. Voc. bb, 4.
dd 5; 1576 «ehnader, Thcophr. Rod. ; 1712 sennaderii.
Zw. 57), 2 = sjj'ne | vfüpoc> nervus (Galeni et
Celsi) Hyrtl, K. W. um. ; Gr. w. VII, 610) (Spann-
adern, Kuckadern, Fleclisen) — Ader, die zu-
gleich Sehne ist. — 3. = Arteria «;rafl I, 157;
ZcniiiR. Voc bb 4 , V. 606). — 4. = „Bänder, welche
die Mausen und Beine fest zusammenhalten"
',1742; Zw. 57; Hyrtl, K. w. 144). — StAwadrige Zae-
serlein. — Spann- Ader 1482 »pauader - ealcaneus,
Zenliig. Voc. ee, 3; 1515 spanader — varix, I>. 606, 1529
npanader - nervus. 1). 379 ; 15.M spanadern, Rock IM. 403;
1590 spannatler, Lexikon trillnpue; 1645 spanadern
nervi, tä VEiif,«, ( olerll. A. 109; 1756 Hpann Ader. A v.
U. 1,1285; 1775; Hyrtl, Anat. 819), 1. - Nerve, da der
Nerve auch eine Sehne genannt wunle, so kann auch
eine spailllbare Sehne zu einem Nerven - Namen
«erden; man sprach U56I.I von Spannader- Zufallen
(8. d wie man auch noch heute von „abgespaunteii
Nerven ' (a. ,| spricht. — 2. Sehne (1551 verruckte
Spainmder. Hock, L e.) eine Re*eme BebM. *=
tendo d>el A. V. II 1, e. ; l.evelliiK 305. 306;. — 3. -
Caleaoeus, Ferse, von der grossen Aehillesehne
(s. d.), die sich hier ansetzt als Fersonsehno
(s. d.) (Zeator. Voc. c . .: . — 4. - Fusstritt, Fuss-
stapf (I. eodem). — 5. Varix (lud Thcophr. Ro-
denst. Ii. 606; „varix est Vena, ipmc fnrit honiincm
cumim", im canK« Vlii, 245) - krampfhaft ge-
■pannte Sohnader am Fusse. — (1713) Grosse
Spann- Ader Achilles - Sehne, gronset Nerve
lisii.i. Medik Iis). — (1603J ^>aH«ädrisch = binde-
cewebig, sehnig, nervig «Jr. w. VII, SC3 — Spar-
Ader (spanidAni, II. Helmbneht ; Schmeller II, 6*1 ;
1517 spHrader; I.VMl sparailer - varix, H. CO«;; 1576 spar-
ader, Theoph. liodenst. ; mhd. spHn'uler, l.exer 239,
1. = spannadern (s. d.) | wegen der sperren.
2. \ aricen, Krampfadern J * 1
den, hemmenden, spannenden Kmpfindung und
Thiitigkeit bei denselben, von der auch der
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Ader.
Adler— Alter.
I
Krankhettsnamen, der Sparren (». d.) genommen
ist «IT Jahrh. Sperrader - Spaerrader der Pferde, die
livim sog. Herzgecpilrr eröffnet wurde, lt. A. 43). —
3. — Geepttrr-Ader, Ader am Gespärr (bei der
Kuh, Scbloss) — Mutterader, wenn sie bei der
Geburt xu fliegen kommt (vergl. auch Spor-
Adei). — (17 Jahrh ) Spat-Ader ■ die Hautvene
an der Stelle de» Spates (s. d.) beim Fuhlen oder
Pferde, die als Ursache de» krampfhaften
Spatenganges angenommen wurde (R. A. 817.) —
.S'/^rjs-Ader (14 Jahrh. splsader — meri, porta lactis,
occophnffll». I). 310. 318; Voe. opt. W. 11; 1482 *pU»-
«der, «pyoadcr. speissadcr lyen. Zening, Voe. ce, I
ec. ;.; D. 642. 320), 1. — Oesophagus all- Hohrgang
für die Speise, Meiing (b. d.j, Schlundröhre,
S|>ei«erühre. — 2. = Milch-Ader (Porta lactiH)
(s. <!.), die den Speise-Saft aufsaugende und nur
lieber führende Ader. — 3. = Arschdarm (Longfo,
Uen) als Ausgang der verdauten Speise. — 4. =
Herzen-Ader, die alle Organe mit Blut apeiat.
— Sj - - -• Adt'i •• Spar-Ader. — (17. Jahrh. | Spor-,
Sporr- Ader, 1. = die am Fersenbeine (Spor*
Ferse. , spurenmachend oder Sporen tragend, in
reichlichen Wurzeln sich sammelnde Vena sa-
phena interna, auch Rosenader (Hyrtl, K. \V. 144;
1718; K. ch. 179). — 2. = die Vena thoracis ex-
terna heim Pferde, die, vom unteren Teil der
Kippen gegen den Ellenbogen verlaufend, hier
vom Sporn« gedrückt wird (»ir. \V. IV, 2. 1224; K.
\. 193; — (1530) Stimm- Ader Luftröhre; Ader lb
>, Kuniifmp. 4») — (lei.'.j Stirn Ader Arteria (Vena)
frontalis (Coler, a ). — ,it;u> Strang- Ader - die
beim Strangel, Rotz der Pferde, geöffnete Hals-
ader (s. Strängl) (Coler PI. 375j. — (1699 Träge
Ader - eine langsam schlagende Pulsstelle
v. M II, 236J. — Tropf- Ader .vor dein 14. .luhrh.
troppfader. llyrtl, K. W. 182, — CarotiB, durch die der
Tropfen (— Apoplexia, b. Tropf) in die Glieder
herabfallen und In diesen Lähmung verursachen
sollte. — f, /,-:: n Ader l.WO ueeh.«enader; VAX lieh-
Kiiadcr, Kunigw>p. 4«; Ryff, Aimt. XXII bj Arteria
et Vena axillaris, Achseluder, Üchse -- Achsel
(». Cchse) (llyrtl, K. \V. 100;. — I n-Äderlein -
.Ujv-adcrchen, .Makelfleck, ein die Reinheit
der Haut oder das Antlitz entstellender Hant-
»trich iS<-hmeUer 1, 36. 1. — Unfügliche Ader i'«>«
-.nur lo.vi zum Aderlasse nicht geeignete Ader.
— Vergicht-Ader l««*.»; tiuar. 1063 die Aderaul
der Fuss-Schaufel (8. d.), welche bei der Frais (s. d.j
oder dem Vergicht (Apoplexia, Eclampsia) ge-
schlagen wurde = Vena dorsalis pedis. — Vier-
W-Ader1 Vlertt lader, <.r W. VI, 1609 Vi. rtet-
■dcr.Uaar.lOHl, L ■ Venasalvatella, dieimau»»e-
ren Vierteid. Vorderarme» verlauft, imGegensatze
zur Mittelader (Vena mediana); sie ist auch
weniger volumiuöB als die Mediana (s. d.), gab
darum beim Aderlasse auch weniger Hlut. —
2. m Vena hepatica (bei Tieren), innerhalb des
Schenkels oberhalb des Hufes oder Kusse« am
Knoten «um Kutorviertel hinauf verlaufend
{ut. w. vi, 4«2, k. a. 490.'. — (1612) roll Adern
venoHUS, vuricosus l» fii« — 1 wi Fur/t«tt<-Ader
..die ander an der vorderhaut de» «igel» Iil«m- inr die
pleMlgkell und iitigeMunirnigkeit de« lelbb", Schweiler
1,332, Venadorsalispenis. — (1748, ItWm-Ader
Venasuralis Hautvene an der Wade k\ a'jsj.
— (1639) Wanst-Ader (obere, untere) (Hyrtl. K w.
•1S9! — Schlagader des Uekroses (Wanst 2) —
11783/ Wasser- Adern , (IT«) -Äderlein — Vasa
serosa s. lymphatica, die das Gewebs-\V asser
(8. Flies» - Wasser) führenden Lymphgefitsse
(rialtner I. 13», Zw. 37. 69; „diese Adern sehlneken
den wti>weri«gei«lrclchcu Saft in ileii Druten in rieb
UBd führen Ihn In den gro««en Kanal der Mlluhader
duetiis thoraci«' oder in einige lllutadoru gewisser
IJru«en" 1 Parotis, Panereas, I.eber-, Thranendru»e> ; sie
enthalten da« dickere Klles«wa«ser \ - - Serum), Zw. 67.
69 — WcA-Ader (1876) = Krampfadern, die
Schmerz machen und bei den Geburtswehen
anschwellen Bollen (vgl. Wehader-Knoten). —
Weisse Ader = der Schlund, die Gurgel, die
weisse o. Lichtader (s. d.) (bei geschlachteten
Tieren) (<;r W. VI, 877), vgl. weisses Header. —
(1440) Werfe- Ader (llyrtl. K. W, Ul ; D. ooo) - die
Arterie, welche pulsiert, werkt, Bchlagt wie ein
Werk. — Wind-Ader ,12. JHhrh. uuinthathren, H.
Z. II, 20ö ff , - Arterie, da sie den Dunst, Spiritus
Vitalis, den Odem (aer) zuführt. — ZiVÄ-Ader
(1518 zyeh-aderen, H. v. liersd. Feld-A. B. 88) — die
ziehende, sich bewegende, zockeude Schlag-
ader, die, bei chirurgischen Eingriffen durch-
schnitten, schnelle kurz stosBende Beweg-
ungen macht. — (1530 Zappen- oder Zopf-Ader
(zopuader, Hyrtl, K. W. 171 , Kunlgnsp. 44) = Vena
saphena interna, Venn zophena ,, nicht volk»UblIch (?),
eine anatomische Rarität" ; aber gerade die lautliehe
Kntstcllnng sprieht fnr ihren Durchgang dureh den
VolkMuund (s. Saphena) (llyrtl, 1. e. . — Zorn- Ader
= Kollerader (s. d.), Stirnader (s. d.), die beim
zornigen Menschen anschwillt (Gr. w. v, 1617). —
Zungen • Ader - Arteria (Vena) lingualis. —
Ader, adericht: -Aiss, -Bein, -Beicegnis, -Bruch,
-Erstarrung, -Fleisch-, -Haut, -lnstrupf ung,
-Knöpfe, -Knotengeschwulst, -Kolik, -Kratze,
-Kropf, -Krümpen, -Lädlein, -Press-. -Puls,
-Rinne, Boecke, -Rümpf ung, -Sack, -Scläag,
-Spult, -Sprung, -Stoss, -Sucht, -verruckt, - Ver-
stopfung, - Verzückung,- Wasser, - Web, ■ Wchtum,
— Weps, - Wicklung, ■ Zocken.
Adler, m.^Adler-^utfe, -Nase, e. auch Adel 4.
Aber, äber, L s. Apern. — 2. über - aper,
unbedeckt, haarlos (Schmcller I, 13).
acht ». echt.
Äck, äck = Genick (zu ank ». a., Schneller 1, 31).
— Gfaeck (Gaeck) — Nucken, Nackengrube,
Genick.
Äckt s. Ack.
Äfling s. Afel.
Afterling ». Afterling.
Ägresten '.iwc, The.»pin. ibMietiM.) = Hühner*
Auge. Kistern- Auge; Ägerst Elster.
Ähre, f. Ähren - die wie Getreideithren ge-
teilten HaarstrUnge beim Pferde.
Alt (1496 elde callus; 1768 eelt callu« in manu
et in pedil.mt, l>. Dl); Hautfalten durch das Aller,
Hautschwiele l<!ohl*chm, i,vj).
Älter, Älterle, Älterlein, n. = Atrophia iu-
I fantiOm; uetm da« uiifwachfetMlt) Kind Bichl KU-
Rchracn will, dann hat e^ da» Allerle ^ Vltm»nnchen,
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10 Ändern— Afterling.
Aftern— Alb.
«. d, ; r.r W. m, 418; r,T I). >[ n. 111*; rrqnell 1*93.
t*. HO); hÜliflK hat t ili «ol. h» !» abnehmenden , atro-
phisches, alter aussehendes Kiu«l einen Hautausschlag;
z. B. Furunculosis od. Acne (- Magere, s. d.).
ändern a andeis.
Ändigkeit (Anticht) f o.Bfaiz zij.^l das
Heimweh (0. And).
Angel s. Enkel.
Änkel s. Enkel.
Aren b. Ehren u. Ähre.
Area, m. (17M Ares, A. v. H. I, 610. 788); Ares
[Boden, WfirtMmbui) 1. - „ein .Salzriuss, der eine
hesondeis giftige Schürfe der Natur ist, die
diese ausatoast" (,\. v II. I, 788), (Eczema). — 2.=
C'rusta lactea, Milchschorf, hoser (irind hei Kin-
dern, böser Kopf ( v v. Ii. 1, 510}. — 3. - Impe-
tigo larvalis (Bück lü . Are» ist vermutlich das-
selbe, was Nerwrie, Neris (s. d.); Schindler n.
1« hält es für Anries; «1« auch bei Serwils eine gut-
passende Etymologie gegel>eii ist , so möchte Ihm zu-
zustimmen sein. (Vgl. Ansprung, Anspring.} —
Der bösartige Ares (der Kinder) — Eczema (A. v. n.
1. c.). — Der Lrti-Ares — Hautausschlag am
Korper (A. v. H. I, 510). — Der leichte Anriss der
kindlichen Haut wird eben bei tioferem Ein-
risse zum Närb-Riaa (Nerwris, s. d); mit beiden
kann .Sekretion Salzflnss. s. o oder Krustenldldang
t.Sehorf, s. o.; verbuntleu »ein, je mich der Natur de»
I/Cidens — Eczema oder Impetigo.
ärteln s. Art.
Atter (Eetter) m. (Schwaben; Buch 17) = der
Raum zwischen uen beiden Obel Schenkeln, der
wie eine Doppelegge aus 2 Teilen besteht
(1332 Aeitcn - Ege, Schmeller I, 51) l'erineum,
Damm («. d.).
Ättich - Ettik (8. d.).
ätzen a. Atse.
Äugle s. Auge.
Afel, Alling, Affel, Ofl .Steiermark', Abel
(SehwcU , Lank-Afel « ✓Ib-Fell.
After, Iii ahd. »ftarr. Hiraff I, 100); mh.l. alter;
eigentlich der ..Hintere" »eil. Tcilj, <la nftiir ahd
hinter, nachfolgend, t>c<leutct . goth. afnr hinter
Kluge I In. achter ; nach Adelung Bta it After sogar
im» tirl«eher Zeil. — After, 1 l'osteriora (podeX
s. amis), die Aftergegend, Hinterquartier, War-
/.enhaus. — 2. eigentlich nur der innere Teil
de.s rodex >.r. w. i, iv.!. — 3 Der Afterdaini
(b. iL). - Der Thorhüter des After, B, ThörhOter.
] v.i • <ler ausgedruckt* Aftern Bock 147) l'ro-
kipsusani(a. Ausdruck) — After Adern, -Aissen,
• Atmen, - Ausfall , -Austritt. -Bildung, -Bürde
{Harte), -Drang, -Erschlappung, -Feigwarzen,
•Fenster, -Flu**, -Fratf, -Gang, Haupt, -Hitz,
-Jucken. -Kerbe. -Kind, -Klaue. -Krankheiten,
-kauft. -Xellc, -Sperre, - Trubel, • Urschth, Uten,
- Verstopfung, • Wahn-, - Wand. • Wangen, - Weh'
tum, • Witz, - Wolf, - Wurm, -Zwang.
Afterling, m. (Afterling) m., und. aftortine
[GraS I. 190; aphtarllnm, cxtaic», )►. 219; Schindler,
1 n; is.;» Afterdarm .schwenk k|. — Afterling
ist im. Ii Sphmclter I, 46) Wurst vom Afrerdarm
gemacht [p. Afterdarm).
Aftern, pl. - AftarWonm, Hinterklauen,
Acniei klauen (Jägersprache/ für. w. 1. 1*5 ; Brehm
III, I3v. — (Jeäfter = dio ganze Stelle an den Af-
terklauen des llirechea.
Agga! eine Schmerz- Interjektion (Bayern)
achcha. Ach! und Weh! sind da» Alpha nn<l
Omega der menschlichen Leiden.
Aglaater, f. Aglaster- A ugen.
Ahnung (Ahndung), itoo Ahndung der
Zustand u>8 Ahnens, dass etwa«, eine Krank-
heit sieh einstellt, we«halh man zur Vorsicht zum
\derln»si früher griif Marwang rv.m IderUlMK um
das „dicke Blut" zu entfernen
Airach (Arch, Airch), lßoti; «aar. 106-; - ein
räudiger, kratziger OeaichtBausschlag (Orind)
hei Kindern. Tirol = Arch (rrusta lactea, auch Im-
petigo contagiosa!. Araeh. Sehmeiler I, 13*); vielleicht,
well begrifflich mit Anriss (Are«: An«prung übereln-
stimmend. MTiel al» An-rach; Bach - Spalt. Bis* conf.
rnchel BN» tili Acker, Schmeller II, 13) (vergl. An-
rcichen, Anrühren).
Aibs, Aissen, Aissle, Abs, b. Eisa und Aaa.
Aiter 8. Eiter.
Alb, Alp, (Ölp, Alber, Alf, Olm, Elb, Elf,
Helf), (abd , nihil alp [in Namen wie Alphart etc.),
plur. etber, B, Z. X, 11. Jahrh. alp fauno«, I). Ml;
12 —II Jahr, eltn- idola. (ie«taltnls, I). ftll ; al)* [pl "
«cmlflel inalanini« .» uhle« .Iahr[ I». 311. Nach
Kulm [Kuhns Ztschr. 4. 101»; 11. Curtius ['.r. Etymol,4
2U3 ; vrI. auch Lalstner, But«el der Sphinx I. l.VJ[ zu skr.
rabh [verwandt mit rlihus1 zustellen; also Tnureei«! ;
mhd. alp. alber [Ix-xer I. 34[ - (iesp*>nst, QnUftbl ; 12ti0.
I alp liicubu» , ml.] ::: -u Jahrh hcllw l< inn-
res, I). 323. nocturnae vlslones; 15. Jahrh. alf . ndl. half
■mtacuUu», elnnne - lncul»a , I>. 293: 1517 elfl — truo
I nvoirel. I». C0O; lrt. Jahrh. eyn alpe, alp - plleus, D.
135; lull alven Elfen, Alp, V. K. III, IS; 1568 oelp.
II. sneh» eine auf indogermanische Zeiten
zurückreichende, dem ganzen germanischen
Sprachgehiete eigene Art von Krankheita-
damonen. — Alp Daemon ineubus et nur-
turnus, feindlicher Nachtgeist, hoshaftes Wald-
wesen von kleiner (iestalt. grauhaarig nach dem
Volksglauben ; Kewuhnlich wird von ihm erzählt,
du»« er wie «hu« Biitzel zusaiiitiiciik'ew ach«cnc Augen-
brauen und, wie die Trude I'lattfus«e. Kchlenkelfiisw
[Wuttke 2.\s, aIIbäu'. Augen wie ein Kalb, einen
Bücken wie eine Molter habe, nrichtlichenveilc In den
Wohnungen der Menschen erscheine, die Schlafenden
und Triiiimendeti reite [*. n. 1, (veiyl. Fran Mab in Ro-
meo und Julie I |, Mercurio . inlnne (1411; Zlnjrcrle
l'.KI , namenllich den Weibern al» Ineubus art: mitspiele,
die Kinder bis znm Ersticken drücke iZinK IX. HS ,
zumal ihre Ilaare verwirre i's. Zopf ; aber auch Tiere,
iiaiueiillich Pferde wurden von ihm „geritten" [KoÜK
17 ; Hr. w. i.2i.'>'. Kuhn (Zeltacsir. f vetR!- 0|»i DTlmintli.
XIII, IWJ hat Kezelirt, ilas« man schon in den Zeilen
de» Inibiaermanent ums annahm, da»» der Alp in den
l.elb des Menschen einziehe und wie die Maren Ver-
bindungen mit den Sterblichen eingehe. Mit diesen
indischen Vorstellungen vergleicht sieh unzweifelhaft
dasjenige, was im i'.luuben der Nordgermanen von den
Elfen llelben), oder was In j den deutschen vom Alp.
dem Sehnlllleln, der Trnt, Man- ele berichtet wird;
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Alp.
11
All, Elf Ist nordisch ; Elp. Oclp, Alp 1« vorwiegend
mitteldeutsch; (1141 der elt>enn, auch In einer Inns-
bmoker Handschr , Zingerle 190,. Hier können nur
die Beziehungen des Alp oder der Klben als
Krankheitsdämonen angeführt werden. Der-
selbe äussert sich am häutigsten I. als Incubus
(- Aufhocker, s. d), Atcmbeschwcnle und
Beängstigung im Schlafe, vermeintlich durch
den aufliegenden, aufhockenden Dämon Alp
(= Nacht-Alp) (1&71 - Incubus. Kluge 10; 1590 olp,
II. Sachs — incubus, ephialtes ; 1591 alp saxonlcc —
incubus, Hod. Jun. 374; 1645 alp - supprewdo nocturna,
i'oler It. A. LM ; 175« Incubus - asthmn noelurniim, A.
v. II. I. 155; siirToemlo nocturna, ephUlte*. A. v. II.
1. >2I ; I, 1741; als solcher entspricht der Alp auch dem
fatuus «. faunus ncarius qui mutieret plera«u.ue et
«implleii actatis pueros noellbus Jupiter exterreimt
Im lange III, 424'; dagegen sollte helfen der vor dem
Alp abgeschossene Alpschoss - Belemnltes-Steln ; 1742
Alp Incubus ephialtes. Zw. 121 ; 1761 alp — nächtliches
Drucken. I. eh. 29; 1782 Alp — ,.der deutliche I'Obel
nennt e« die Tritt", »üdd , M. II. I, 2Ö; 1841 Alp Incu-
bus. ephialtes. Sobernh. .160; 18.18 Alp -die einem auf-
hockenden Dämon zugeschriebene Beängstigung Im
Schlafe, f*chw. 13: Alp — Ineubtts. ab incumbendjfl die-
tu», ephinltes, Liebrecht. Zur Volkskunde. 1S79. H. 400;
Alp Incubns, onelrodyna, putgma, Kraus, K. 530. H2I1.
Unter Verweisung auf E. Mogk (die Rennau
Ischen Dniekgcister. lirumlrisa der Renn. I'bllol. 1, 1013!
konnten hier gleich angeschlossen werden die
Belege für das sogenannte Alpdrücken, 'Ins ja
dem Incubus eigentlich entspricht (t2«o „nrca
der alp trinket, rouehet er sieh mit der rerbena [wurzelj,
Ime erwirrel alspald tilht". Pfeiffer. 44. 5«; 14. Jahrb.
.den der alp tlUgtt, der soll Verbennwurz gebrauchen,
im gewirret nimmer nicht ', lfoffm. 1, 327. „Für den
Aiper, welche Fraw der nllier bedrück oder Bedrucknuss
habe", Hehnieller I. 04 ; ..den der Alp betrleg" | : drück],
1. cod.; 14*0 ,,mlrh druckt hennt der Alp", H.
Potts; H. 7.. VIII. A14; 1532 „wann steh ein Mensch
beklagt, das» ihm zur Nacht, wann er «chlaft.
gleich lel, als IUI Ihm etwas .Schweres auf Ilm und
druckt Ihn hart; es ist ein Vottot des Schlages
uder der Tanbmtcht". Frie» 72; • I5RR „die Kinder
«erden vnm Alpen oder Kchralzlcin [s. it.] im Schlafe
gedruckt". TabernaemontHims ; 1 «'.: :i • ..der Alp i«l eine
Sucht tider Kantasei. die den Menschen im Schlafe
dnickl, das* er weder reden noch sich regen kann".
I.oniccm»; 1725 „das Alpdrücken, von dem jeder
was Itcsondcra zu erzählen hat, I»! die Einbildung der
Leute, es komme zur Nachtzeit im Schlafe ein <•<■
»penst Alp Nachtgcspeust, nach Wlr»niig I5HI] oiler
l'nhold in die Kammer und läge «ich auf die Leute
lind drucke sie, das* sie «Ich »eder regen noch schreien
noch bewegen und wehren konnten". „Das Alpdrücken
t«ci Kindern Ist eine Vcrlmllung ile» Alcni«. die die
schlafenden mit llcitugsffguni.- überfallt", Tbc«, «au
Itruun »20 »<1; Alpdruck dacBlon InetlbU", auch
1'iigi-lnuer. Ilirgtcnfel , Alpercr. \lpgci»t, (Mm, der
iiauietiill<'h den mcn«lruicrcnden Weihern mitspielt,
Kcllr.z. Anthrop.. KtllU. u. t'rgcsch Hävern«. IS.h'JS 170. ;
itnet Alpdrücken siehe auch Wuttkc, Volk« Aber,
glanl«- 127. 138. 171. 22s. 255. MS. 402. 40& 41t). TIS,
lern, r Adler, Hisscrtatio iriang !'<• iueubo, llcrlln
l»27. Legende f. d. gem. Manu IV. 117; ltoehli.il/,
Zcltschr. f dcut»che Mythologie IV, III „Hie ln«ul-
tura ephlaltne wurde schon im frühen Mittelalter von
Vielen aus schweren, durch Wutlaufstoekungen ent-
standenen Traumen erklart" inerufnng auf GerTMft»
III, M. 93); der Alp druckt im Schlaf Simroek . II.
I). M.*43«, vgl. auch Urquell, 1891 s. 71). In med.«
zlnisehen Huchem der Neuzelt wird de« Up kaum
mehr Erwähnung gethan Höfel and (UM) fuhrt Ihn
noch auf {28!) als eine eigene Krankheit. (Vgl. such
„das Drückerle" Schratt 1 und „Daumen".! V&S
Alpdrücken, nach obigen Belegen seit urger-
manischen Zeiten Kluge4, 10) als die Thätigkeit
eines tückischen Nachtgeistes, Alpgeistes,
(Krankheitsdämon) aufgefasst, ist heutzutage
als eine Erscheinung der Kettling des Nerven-
systems durch verschiedene Ursachen aufzu-
fassen, „so mannigfaltig sind seine Krschein-
ungttngen als die Traume sind, und diese sind
so mannigfaltig als die Individualität und der
Zustand dps Träumenden" f<;rulthni*cn xxxiv,
422) ; «1er Alpdruck der Kinder entspricht gröss-
tenteils 1. dem Favor nocturnus, dem nächt-
lichen Aufschrecken der Kinder, (eine ganz vor-
zügliche Schilderung desselben in dem Urundriss der
Kinderkrankheiten von D'Espine und Heot ; deutsche
FelH-rsetzung von Ehrenhaus, 1878 S. 273 . 2. ausser-
dem der Apnoea infantum iRoesch". dem Asthma
infantile (Herzgespann), auch dem Pseudokroup,
Laryngismus stridulus und Stimniritzenkrampf.
Der AJpdruck «1er Frauen ist wohl eine Form
von hysterischer Irritation, „ein Nervenreiz-
Traum" (entwich), der z. B. durch peripherische
Keize, Atembchinderungen , Verdauungsstör-
ungen oder Blutstauungen gelegentlich reflek-
torisch zum Ausbruche kommt, wie sie auch bei
nervösen Männern vorkommen kann als Alp-
SUcht Hort, san.) „eine Sucht, die den Menschen
drückt, das« er nicht reden und sich nicht bewegen
kann"; nur ist der Incubus kein eigentliches
Asthma, da er beim Erwachen verschwindet,
während das Asthma erst recht dann zunimmt
Eichhorst i, .36.-.). Wie alle mythologischen Ge-
bilde, so wurde auch der Alp von den Hexen
und vom Teufel abgelöst (s. Teufel u. Sehrfttz-
lein) fMcvcr. i7.'.; itavari« iv, i. 2ool — Der Alp-
druck <lor Männer: suceubus eyn alpe der mannen
(13. — in. Jahrb.; D. MB) sollte sich hauptsächlich
in erotischen Träumen, Pollutionen etc., verur-
sacht durch den Kaunus suceubus loco mulieris,
äussern (Unterlieger). — II. Der Alp drückt
nicht bloss, er rWtVt auch titif seinem Opler (stell-
vertretend auch der Teufel, ilockauf) „Der Alp.
der die Meli«! hell reitet" l'SIturtK'k, II. D. M., A3.V ; ein
alp zoumct izaumet dich lir Ii. M . 1.2, I":;, IL 1101 — <l
reitet dich nie ein licrd ndt Zaum. In diesem Kalle
war das Fieber (der ride, rito, s. d.) gemeint, das
den Menschen schüttelt, eine Redewendung, die
selbst heute noch sprichwörtlich genommen
wird 'vgl, Wustmaim. ts). — III. Der Alp schies*t
auch Gr schonte ab, l'feile, die „wie angeflogen"
(s. Flug), „wie ein Schuss" (s, Schusa) aus der
Ferne rasch den davon Betroti'enen unfähig zu
Bewegung, ja sogar schwer krank und verrückt
machen. Der Albschuss, vom Pfeile der Elbe
verursacht, den man sich im Belemnites-.Sein
.Schossstein verkörpert vorstellte, (K n. eh. 78;
'lr. W. I, 203, 215, Schindler. II, 47!) Mlll Alp«ehos«
Digitized
18 Alp.
wird unserm Eexensckuss oder Bilwis-Schusa
(s. diese) (Lumbago rheum., Ischias rheum.) und
dem {angoi».) ylfagesceot (Klugc46) (s. Elfgeschoss)
entsprechen. Siehe darüber unter: Sehoss, „tlesehoss"
„Flug", ferner „Kugel" Alpku>rcl . Bartels, die Me-
dtxin «er Naturvölker, lM»:t. S. '.'7; Frcukogcmälde bei
I.fenx in Tirol, 16 Jnlirh ; auch die fliegende Gicht
ist einfliegen<ierAlpiHraiin?ehweiK<.r i>. m II, 1109 ,
— IV. Schon der Anhauch des Alp bringt Tod
und Krankheit (simrock, H. l>. M., 425 ; (vgl. An-
teaht.) — V. Der Alp wacht auch heftiges Kopf-
weh, toll, rasend, närrisch (elbig, elbisch), blöd-
sinnig, gedflehtnis-u. geistesschwach; dann haben
es die Elben dem Menschen angethan (s. thuen)
Gr. i> M , Ii, sc" , indem sie ihn geschlagen, berüfirt,
getreten liaben <;r l>. M , I. m. 412; Ii, mo ; älpsch,
älbsch, elbiscli iclbidu» i>. 197, Schweiz mente
alienatUS (Or \V , III, 402 ; „der von den Elben ent-
gehen, eingenommen und «o wahnsinnig in »einen
Sinnen verwirrt worden ist"; e 1 b I se h = 1340 de* gcUtcft
betruenitse , inhildungc, selpknmende , unbedachte,
lloffm. I. 36.r>; 1169 elwiseh - mnnlarus, I). 346; 1482
elbiseher fantaMa. L>. 225, 641. <ir W., III, 402; 1532
elbig ein zu fürchtender, xu scheuender ; MantiH-rlpt in
KrieK. Exemplar der Miinehener Bt, -BlbUotbek , hinter
dem Titelblatte: „Wer diese Krankheiten hat, i*t
elMg r.n schelcheu";. Der Elpentrotsch [Schwaben]
„OlpettütBch" ,ltnyern, Schmeller I, 66; < v. Seh tu.
162; Schw. W ist ein ungeschickter, alberner
Mensch, der trottelig geht (s. Trottel) <!r. n. M.,
I, 430, 112. IT. 1110; Gerlund, Zelt«ehr. f. deutsche l'hi
lningic t, 310); IS91 ein alter Alber = >«arr, senex
somnolentus jam aetate atrectus (Had. Jim. l«;
1 119 nlpern dellnire, D. 172; 144.1 Sehmeiler I, 66) der
Albrass (rief <.corg Plclorius Baderbüehlclu, tir. W.
I, 203! ist der durch den Elbensehuss Rasende,
das Alp-Rasen. Alb oder nlbisch in der Einfäl-
tige, Berauschte schwel*' , der einen „SchUMu bat,
verrückt ist (C. v. sehn». 4*3, Schw. n>; der Bürzel-
Alp ist ein kurser, bucklichter, absonderlich
aussehender Mensch, vermutlich der Name des
den Bürzel (s. d.) der l'ferdc veranlassenden
Krankheitsdämonsin Wurmgestalt (o \v II, .v.u.
— VI. Der verwandelt sich auch in eine Haupe
(Haarwurmj, Puppe (s. da.) Made, Mücke, Motte,
Schmetterling, Maut«. Grille, Vogel, Wurm oder in
„grosse teuflische, unsichtbare Bremen, die den
Kühen auf den I hirnern sitzen und wenn man
die kleinen Kinder den zur Weide ausgetriebe-
nen Kühen entgegen trägt, so fallen diese „El-
bischen" oder,, Elben1' die Kinder an undplagen
Bie so, dass sie verdorren und mager werden"
(S. VIII) (Coler. W. 3»7; tir. II. M. I, 431. tiraff I, 213).
Enter solcher Tiergestalt plagt der Alp den
Menschen auch mit heftigen Kopfschinerzen.
Kinealid. lilosseiKiihn, Zcilseh. f. verpl. Spr.-Wi»«en*ch.
xi Ii. 71' ttbenetsl locti«ta \ itrillc mit albu». olbu«,
(Alp, oij., Ulm). Einer, der Grillen (Mucken,
Mücken, Motten, Engerlinge. Tauben) im Kopf
hat, ist verwirrt durch den Alp oder die roten
oder weissen Elben Kuhn l e. s t j oder gar durch
die verkehrten Elben Kulm 1 <■ > 71 im Kopfe,
(vgl. Engerling). — Vll. Die Elben (Alp) sind [iiel
l.uth< r. 10 (•vhole-l'roliKt 1516 die Krankheit des
Herzgespanns (s. d.). „lieimihcrtc Kinder, den n man
gar \ U de antrifft, leiden an einer unbekannten Kriinkli. il.
Alp.
die «le die Elben nennen". Es fällt bei Genesong ein
steinschwerer „Alp vom Herzen'1, der damit alB
drückender Dämon von der Brust weicht. —
VIII. Nach Simrock (H. l>. M. HS) ist Elben auch
ein von diesen verursachtes Geschwür an der
menschlichen Haut und neso) „die »ehrenden
Elben" (Gr. w vi, 20431 Magere oder Mitesser
(8. d.); der Alp erzeugt auch Sommersprossen
j auf der Haut, indem er die Leute bepisst
(Wuttke 205), und desgleichen geschwollene Hälse
(Parotitis, Mumms?) iAllgfiu); immer nimmt aber
dabei der Alp die Gestalt eines Tieres (Kröte,
Wurm etc.) an; darum ist Alf auch [Ktafc'lOl
■ Papierdrache und Alp - feurige Lufterschein-
ttng; d. h. der Alpist eine Lindwurm-o. Drachen-
(s. diese) Gestalt im Volksglauben. — IX. Die
„Elfklatte" >sehw. 410) = Marklatte ist der durch
den Alp oder Alpmar entstandene, am Haar-
boden haftende Weichselzopf (s. d.) = Wichtel-
zopf, Alpzopf <;r. I). XI., 1.433 Im Englischen heisst
to elf geradezu: da» Haarverfllzeu (vgl. Wustmann 19)
(vgl. Alp-Kugelu, Flechte, Zopf). — X. Der Alp
(Aih) ist ferner auch ein mit der Mutter be-
grabener Foetus o. Mole (s. d.) 1599; Had. Jim.
20« ; Klage \ 10 ; 1616 alblu der heermutter = mola, Mond*
kalb, I». 365) oder das Alperkalb (Afterkalb) Schw.
m „ein ungefonntei Btttck Fletocb, da» antenretlen
in der Harumtter wachst" 1629 . Alp Schmeller I, 64)
Mondkalb >. d.): tjuod de foetu, nui »epelitur cum
niiitre. tlnt alp, qui illudlt feminin Schmeller 1. c
Hieber gehört auch der Kröten- Alp. krot-oll (in
ll. 7. XIII, s. 176; - der Alp in der Gebärmutter
(= Kröte, s. d.) Hiebei spielt der Alp sowohl
die Holle eines Blutsaugers (s. d.), als auch die
eines Wechselbälge (s. d.) durch Kinderaus-
tausch veranlassenden Dämons — XI. Der
Alp (U'f/ ist es auch, der nach Hrimm D. M., I, 411;
II, 1113) die Ylfheit, eine Seuche über allen
Seuchen ( at Hauptseuche) „ein suht oballen suhlen"
ischmeller I, r.7> als elbisches Ungeheuer oder Aas
(fir. i>. M., 1, 433), wie der Schelm (s. Aas) veran-
lasst; nach H.A. Rh. 122 ff. ist Alber, Elbst ein
feuriges Drachenungeheuer. das Menschenopfer
sich holt. — XIL Der Alp oder Alpgeist blendet
auch, drückt das Auge mit dem Finger aus etc.
'Simrock II. Ii. M. 436 [(. blind), „von den elbeti wird
•Machen viel umneger maa", (Simrock ll. Ii. MT. HS}.
(Allgäu. 1 — XIII. Der reitende Alp befallt auch
Tiere, Pferde und Schweine: „qutdam erednat,
<liiod siityrl equltent porcos". Weun »ich ein Schwein
aul der Alinwcide durch Walzen den Kucken begna-
digt, so inu«s dicer arme Uerifieufel, der Alp. es ge-
ritten haben .Schmener I, 64). Bei Pferden ist der
Alp - Hintscb oder Hinsch (s. d.) - schweres
Atmen, Keuchen (wie nach einem strengen
Kitte durch dun Alp) (<.r \v IV. 2 lith U70i
Milzbrand mit Lungen -Erscheinungen. Ver-
I gleiche auch die übrigen Krankheitsdämonen:
Trtide iober.1 , Alpmar, Mar (md.), Schelm,
Wicbti-1, Männlein, Bettzairle, Billwiz, Toggeli,
Strädl, Sträs^l(«ch»ei/.),Schrattol (oberd.), Druck-
erle (idnräb.), l.etsel (elrtsn.), Trempe (trimk.i,
Blecklein, l'ngchcuer etc. Die älpischen, (elb-
ischen) Krankheiten kennzeichnen sich detn-
nacb aln typisch (lanionistiscbe Krankheiten da-
durch, dass sie wiedieschelmischciiKrankheiten
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albelu— alt.
(s. d)ez- wie intensiv ganz auffällige Erschein-
ungen veranlassen ohne eigentliche, für die
früheren Kulturepochen wenigstens, nachweis-
bare gewöhnliche Krankheitsursachen; ähn-
lich wie die Naturvölker ivgi. Bartels, die Medizin
der Naturvölker ll) suchten die früheren Genera-
tionen die Bedingungen zu solchen, heutzutage
wohl meist „nervös" oder ,,infectiö8" bezeichne-
ten Krankheiten (s. ü.) in dem Einflüsse von bos-
haften, Dämonen (Mikroben, Parasiten), welche
vom Menschen oder Tiere Besitz ergreifen u. so
die Krankheit veranlassen Der Dämonen- Same
irird hier wie öfters zum Krankheits- (Symptom-)
Xamen. Das hohe Alter dieser Anschauung
ergibt sich aus der Behandlungsweise, indem
der Alp oder die Elben, wie alle Krankhoits-
dämonen, in den Wald oder Busch zuruckge-
bannt werden, woher sie gekommen sind Ho
»prechungen „contra alpes" s. Schmcllrr I, C4 u. Holt-
mann , Mnn - Sehr. f. Schlesien 1829 II. 757. 758);
I'rlurucii-Mittcl Alpkraul Hanf (Kupatorla, I). 213),
Alprontc lAbroianum, I>. l\ Alpranke iSolanum dulca-
in Hm. * Nachtschaden . Hunsch u. Hohlwon Hoffm. I,
3M . Dornum Wntikc 102; (ir. W.) Klsass). Wie ge-
fürchtet lu Jenen früheren Kulturepuchen iler Alp
war. erhellt aus «1er Wertschätzung <ler Regen Ihu er-
\\ li-M-nen Hilfe, welche in den sieher uralten, schon
Im Althochdeutschen auftretenden Personen • Namen
zum Ausdrucke gelaugt; so vor »Hein durch die schon
bei Tacltu* vorkommende Albruna - Alpbczau herin ;
ferner Alhugunda und Allihtld« Alphcknmpreriu ;
Vlbcrada Ratertetteriti gegen den Alp; Alfsuinda
■ He «chuell, geschwind mit der Hilfe gegen den Alp
da ist . Alboald, Albwalt , Albwald - Alpbewtltiger;
Albwar. Albwera = Alpwehr etc. etc. (Forstcmann,
Alf- I
Personen Namen . — ^ Adel, -Blast, -drucken,
•Dusel, -teuer, -Flecken,- Fuss, - Geschrei,- Kreuz.
-Kugeln, Rasen, -Schuss, -Schwanz, -Stich,
-Sucht, -Trötsch, -Trug, -Zopf.
albeln s. alpern.
Alber s Alb.
albern s. alpern.
Albernheit, f (n ahd. ala-war; nihd. al-wiere
ohne Falsch; alber einfältig) ,,elne UattOBg der
tielstesk rankheit" |7), „der erste t!rad der tieistes
schwache 1807. Ackermann 20tt.<; „die ahd. und uihd.
Formen gestatten einen < >f danken uu elbisches, thorirh-
te« Weiten Alp) nicht <ir W
Alfs Alb.
all-, (er)- Hauptweh, -werteste.
allein, sie isst nicht allein, s. essen.
allerdings [17tt] es ist mir nicht allerdings —
nicht ganz wohl wie sonst alle Tage (Mauuscr. d
JUichsgrafeu v. Horwart
Alp, m., s. Alb.
Alpen, pl Alpen -Diesel, -Flechten, -Kropf,
-Skorbut, -Stich
alpern (olpern) s. A)l> V.
alt, Altem, (s. Alter); der Alte Altmünn-
chen, A elter lein (ndl. elterken), Altvater (s. d.)
■ eine dämonistisch vom Volke aufgefasste Be-
zeichnung fOr Katarrh mit Brustbeklemmung
Alter. 18
der Kinder (Alp- Druck der Kinder) (EUmolog.
Mitt n l'. ls;>.: in. 23); die Alte nnns Podex
(Or. W. I, 2C7J. — efcfM-alt, uhd epanult J.ruff I, IMj
coaevua, penis, der gleichaltrige Genosse
(s.d.), vergl. Sehwenterloin i.Seh melier I, 14; l.iebr.
z V 14'.» — jr(c)alt, uhd. gialta (Uralt 1, H>7 ; Schindler
I, SMKt . B. galt durch Alter unfruchtbar, aus-
gewachsen. — s/füi-alt ein vermutlich aus der
Anntomia sacralis entnommener Ausdruck für :
durch Alter verhärtet, z. B. am Herzen, an den
Gelenken etc., so dass die Gewebe beim Durch-
schneiden hart wie Stein empfunden werden.
— Uber-alt (U20 - decrepitus, v. HW. M.'ii -• abnorm
alt, ganz hinfällig durch Alter. — alt - lang-
wierig, chronisch, unheilbar. — Altheit — Alter-
tum, Seneetudo,Senectu8 ib. we. 527,. — alt(eX«*)-
Fieber, -Fluss, -Frost, -Gebresten, -Gelbsucht,
-geschaffen, -Geschwüre, -Husten, -Kahle, -krank,
-lahm, -Leberkrankheit, -Leute, -los, -Materie,
-Milzsucht, -rise, -Sand, -Schaden, -Schädel,
-Schelm, Schmerz, -schteach, -Sucht, -Sünden,
-Vater, -Verkühlung, -Wacht, -Wassersucht,
-Wehtage.
Alter, n. zu ronrerm. al aufwachsen, hervorbrin-
gen, ahd.altar, mbd. alter; lüO»Wias Aller ist nichts dann
eine Verwesung und Kruukheil [UlMT. 17) - wueclu*
ipee morbun (Cicero; die Zeit des HeranwacbsenB,
die l^ebenszeit, die Zeit des Ahlebens. — Bär-
haftes Alter, ahd. in berehaftero altir ;iirall 1, 137i
-mannbares Alter. — Bebendes Alter, ahd.
Um bibit altir «.raff i, 19-jj = Senectus decrepita,
hohes Alter, in welchem der Körper durch Ab-
nahme an Kraft zittert (Tremor senilis). —
Bogenrückiges Alter [Ift. Jahrh. boghriekig, bog-
ruckig, bogeuruekig ulier, l>. 168. 52C. 527) m das hohe
Alter, in welchem die Wirbelsäule, die Trägerin
des ganzen Stammes, eine Bogenkrümmung
erführt (Sonectus decropita). — Graues Alter
= die Lebenszeit, in der die Kopfhaare schon
grau zu werden und die Kräfte abzunehmen
beginnen. — Greisen - Alter = die winterliche
Lebenszeit des Menschen (s. Winter). — Grüne*
Alter die Zeit, in der noch kräftiges Leben
dem Menschen zugehört, bevor er zu altern,
abzulegen beginnt, die sog. guten Jahre (5f> bin
tJ5 Jahre) F. Uoffm. VII, 5). — ii75C hohes Alter
s eine an Jahren hoho Lebensstufe, wo der
Körper auszuzehren beginnt (A, v. II. I, hsmi. —
Hunds- Alter (bei den Siebenbürger Sachsen, Ktymol.
Min. aus Ungarn isu3 III, i\) = Paedatrophie (Darre)
oder auch Älterlein, Alter (s. d. oben); das Kind,
das wie ein alter Mann (s. d.) Hautrunzeln zeigt,
bat dann nach dem dortigen Glauben Hunds-
haare in den Magen bekommen; das Kind
keucht und bellt wie ein Hündloin illundshuar
mneor glaucui, Hehlbund [«. <i ], Schindler i, H2U;
Wuiike US . — Kindes- Alter - Kindheits-Zeiten
von der Geburt bis zum vollendeten Längen-
wachstum. — Kritisches Alter das Alter oder
die Lebenszeit, in welcher infolge komplizierter
oder latenter Krankheiten die normale Lebens-
kruft gewissermassen zur entscheidenden Krisis
auf Fortleben oder Tod des betr. Individuums
gebracht wird; das Aufhören der Periode
(Klimax) gilt besonders als eine solche kritische
Lebensstufe (s. Stufenjahre), in welcher die
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14 Amaranthen— Auge.
Angel— Anthrax.
normal, d. h. durch das Alter veranlassten
rfiekschreitenden Gewebsveränderungen durch
gleichzeitige, sonstige pathologische Veränder-
ungen eu rascheren lebensgefährlichen Pro-
zessen sich entwickeln können. — (igihi kntmnus
Alter botrenruckiges Alter («r. w. V, MM). —
Lcbluiftrs Alter ■- grünes Alter. — Mannes-,
männliihen Alter - gestandenes Alter beim
inünnlichen Geschlecht (2")— 60 Jahre) — Ma-
tronen-Alter ■ die Jahre oder Lebenszeit beim
weiblichen Geschlecht, in der die Frau zur Ma-
trone (b. d.) wird (Climactcrium\ — (1529,1 ver-
altert durch lang dauernde Veränderungen
(Ankylose z. B.) unbrauchbar (Bronfels'. — (l&sij
zeitliches Alter an den Jungen - sog. Frühreife
der heranwachsenden Jugend <Uoek 294). —
(16. Jahrh.j zunehmendes Alter = die Waehstum-
periode im I-ebcn (Adoleacentia) im Gegensatze
zum abnehmenden GreisenaltenD.n . — Alters-
Blödsinn, -Bogen, -Flecken, -Gebrechlichkeit, -Ge-
bresten, -Schicäche, -Schwund, -Staar, ■ Verzehr-
ung, -Zrichen
Amaranthen, pl. = Blumen (s. d.) Menses
[1097; ür. W. II, MO).
Ameisen, n zu Amei.«e ahd. ä-meiza Abmcbv
seter, Abschneidet (Kluge* Ii; 14. Jahrh. aim-ifen,
Hoffin. I, 322; Schweiler I, 7 ! Ameisen verspüren,
Jucken empfinden. — Ameisen-ffiM/V«, - Warten.
Amerika, amerikanische Krankheit.
an-,diebetreffenden('oinpositionen mit dieser
Vorsilbe s. beim folgenden Stammwort, z. B.
Angesicht bei sehen, Angrifl'bei greifen — 121*1
an werden - ohne, ledig, frei werden ;WeiiTcr 35 .
anan, ahd. (Graff I, 267) = rcsplrarc = ahanan
(s. Ach}.
anchtzen HiH2; Zeiting, Vocab. gg») = kreissen
bei der Geburt (ächzen).
And, Ant, m . Ande, f. altindog. an hauchen
[WllnWif, SvlpOClj altnord. nnde Atem, tieist; ahd.
nnandn; mini, ande Leid, «rhmer/.haft be!ii«tlgcndcs
(Jetuhl Kluu'. \ 7: Hr. W I, 192. 308), 1. körper-
lichen Weh [Schweiler i, »8), *. B. ant thnen an
Gliedern, im Bauche: dagegen «ollte da.« AndWott
Frctenknat helfen (Srhvr. Ut). — 2. geistiges
Weh, speziell Sehwabeti) Sehnsuchtschmerz, z. B.
mir thuts ant nach etwas ich habe heftige
Sehnsucht, Andigkeit nach etwas. — Ant-
Fuss, -Trat.
Andack m. Krankheit»- Anfall (attaque)
(Pftnll 4C; 1'falzl.
anders (ändern), ludog. antero* der eine von
zweien, aller; wkr. antara m rer>ehleden TOD; ahd.
miliar, anderem; nihd. ander, ander«! Kluge*, 13). —
anders «ein in anderenUmständen, schwanger
.sein il'aull 90;. — Veränderung die Wechsel-
jahre, klimax; Menopause, kritisches Alter.
Stufenjanre (Goid*ebm 133). — Ander -Mutter.
St. Andreas, der «ilchtpatron i« Kulturkahndii
ri um in 7. d. I> Oe. A. V. 1M9 & Sil), Sein Festtag
lalll in dir Zeit der heidnischen Yorleier der Winter-
sonnenwende. — Andre&s- Krankheit.
Ange f • v. srhm tue Vexatio, beendende,
mühevolle, belästigende Beschwerde; mhd anpe
Hn. n weh thun (I.exer G) ; mhd. nilelieh Angst
erwerkend (l.cxer fil. — Ang- Beeren-, -Nägele,
-Satz, -Queiz (s. Kngerling).
Angel, m. Indog. onk spitz «ein (»neu«) ; «rm.
ang-; ahd. nngul, Stachel, Spitze; mhd angil Thür
angel (Klage*, 13). — Hinter- Angel l-"."-! hindirer
angel, i»r. Ii, 12»; - der hintere Kieferwinkel, in
dem der l'nterkiefer wie die ThQre am Angel
sich bewegt.
Angen, pl (Sehw. m), 1 eine anginöse
Krankheit der Schweine; Anginen Fauces
( Milzbrand-Angina). — 2. mtl. angu«, anghio
anthrax, bubo intpiiui* nngueii, Hu Tauge V, Ms;
VI 308 I, 251) tuher in lliqUlne ii:t99i.
Angge, f.. s. Anke.
AnglitZn. {liogner Mirakelbuch; Sehmeller I, 979)
Antlitz (s. d.).
Angst, f. urverwandt mit Int. angu«tiac ; ahd
nngust l.V Jahr angebt anxia. I>. 39, — Beengung,
beengendor, quälender Schmerz. — Brust-Angst
- Anxietas pulmonales, Beklemmiiugsgefnhl in-
folge von BruBtkrankheiten. — Fieber- Angst
-FieberfroBt (Gr. W III, 1621 . — GrtVtr-Angst
- Angor muliebris i<;r vv. v, 7ß0>. — (17851 Herzens-
AngSt Cardialgia (Thes. «an. Hrand (ilh Herz-
klemme, Pracordial-Angst bei Herzkrankheiten.
— Kopf- Angst - das Angstgefühl, vom Kopfe
ausgehend (Dresdner Pfineher-Ausdruck In Angsb
Abendzeitung Nr. 132, 1894) Schwindel — Platz-
Angst — I'latzschwindel (s d ). — 7Wca-AngBt
die Todesnot, die namentlich Herzkranke oft
quitlt Feige ci. — Angst - Diarrhte, -Fieber,
•Gift, -Schweiss, - Tropfen.
Aniss (Aeriss) ;anry«», Sehmeller 1, «4»; II, 14«
1754 - Äres (s. d. u. Riss).
Anke, f Ankel, ro„ Hanke, f , Angge, f. viel-
leleht zu ««kr. anga «ilied; ahd. ankia f. enchn I
— Sehenkel, Iteinr« ihre Kluge , 9u ; aneha, f. occlpnl
iliraft I, MS; ür. W. III, 4851; aneha], in. Enkel,
Knöchel Kluge5, 89 ; mhd, onke. m Helenll am
POM, (Jenlek. Nacken ; fl71«, honke Hüfte. Behenkcl
beim I»fer«le, bei dem nirh wohl eine altererhte Kebea-
form mit vorge«rhobeium Ii <ir W. IV, 2. 4.V.) langer
forterhielt, (Sehwaben , Mittelrhein, Kranken, Pfalz
Anke, Ankel Nacken •ür.W. 1, 378 , Huck«'. ..Schwierig
isl da« VerbUtlÜI von Ankal, Enkel zu Anke"
;Kluge*, 901; 1. =Schenkel, Beinröhre; 2.- Fuss-
gelenk (Knkel); 3. = Genick, Nacken, Hinter-
Haupt; 4. = die beiden Seitenteile (Hanken) der
sog. Kruppe beim Pferde, der ganze Pferde-
hinterleib (Mayer 80; Herb»t 11). — Hals- Angge, f.
= Hals, Nacken. — Heil-Ankß, — Hackel-
Allke f ahd. |7. Jahrh i hailancha (Rah. Maur 04)
CMClpUt (Oraff IV. R80; (Jr. W. I, 376 hahilancha,
iiack.ianke. occlput (D. 392, -Gelenkanke, Nacken,
ilinteihaupt (ob nicht etwa der Begriff Knge
unterm Hirnschädel, vorliegt?)
Anker (Enker) m. Processus coraeoideus
scapulae(Schulausdnick fürhacken-oderanker-
förmiger Knochenfortsatz) (Hyrtl, K. W. 43).
Ant s. And.
Anthrax, m i-Jehulau«dnick: ä^tt% ^ Kohle
(earbo, prima), die glühende oder schwarze Kohle,
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Anticht— Apfel.
Apostem.
15
Kohl. nlN ulc , Hrundbculc Krüns, K. Ms: Narfur>i,
Atcuhi tand der Araber ; «hnrbon der l'rovcncalen ;
Mniuiit. peatllii iii.|«iinu bnbo; anthto, ungucti,
Imuwa \Du i'ange; Pr. I, fiS] jeden mit Haut-
rote, brennendem Schmerze und schwarzem
brandigen Gewebszerfälle eiuhergehende Ben-
lengeschwftr, tumeur brülante (s. Karbunkel):
I. ■ Milzbrand- Heule, Pustula maligna iUu
Cange 1. »H; Kosenb HO; bibl. Med. 4:»;. — 2.
brandige I^eistenbeule bei Pest, .Syphilis etc.,
rurhumulus. genus ulccri«, iiposlcimi In peile; entrue
im rata des genitoire* boubon venerlcn liriss. 393 J.
— 3. — der Schanker (s. d.) als Geschwür mit
pbacedunischem Charakter [Pr. I, 03), daher aueb
vulv» (Krau«, K. W), — 4. - Erysipelas gan-
graenosum, Brandrose. — Gaumen- Anthrax -
kankkorn («. d.) im Maule der Schweine <;i. Hdb.
Hl, 470 . — Halt- Anthrax — Rankkorn an der
Hnlskehle des Schweines (Zipp. 070i. — Kopf-
Anthrax = Milzbrandbeule an den Ohrdrrtsen
des Schweinskopfes (Zlpp. 073). — Maul- Anthrax
- Gaumen-Anthrax. — (is22' vagierender An-
thrax - senchenhafter Milzbrand (s. Angen)
iKc»ei i:u) — Anthrax- Seuche.
Anticht s. Andigkeit.
Antlitz, n . vorjrcrm.wlid ; Renn, will; golh. will»,
■will, nulluni. spat nhd. nntliUi ; nihil. 1200 antluze,
tntlitzc; mnd antlat, antlact Kluge*. 15. Mug. Harth
seh. Pfeiffer 80) - Angesicht als Entgegenspilben-
des, Kntgegenschauendes (anda-ludi). — (1814)
Hipjtokrates- Antlitz Facies hippokratica, der
totenähnliche GesichUtausdrack, wie ihn das
Buch des Hippokrates „die Vorhersehungen"
il6o — 370 a. i hr.' schildert: „die Na*e Ist spitzte, die
Augen liegen lief Im Kopf, die Schlafen sind einge-
fallen: die Ohren kalt und zu*ammcngezogcn . da«
Ohrläppchen vorgelegen, dteSttrabml hurt, gespannt
und trocken, die Farbe de* ganzen ücslehtcs bleich
<m|it Muti «< hu urz. Brau oder bleifarben'' ;<irnithulsen,
II. 1 >pokrnl< Schrillen S. 237 1 da» »ieslcht eine* Ster-
benden «der Im GOllapS Betlndlichen. — (1743] kupfe-
richte» Antlitz ■ Acnerosacea (Zw. 92, (s. Kupfer).
— ii M2i laut er Antlitz («r.w. v.aso] vom Aus-
satze freie« Gesicht. — (IW7 terschtcollenes Ant-
litz Hort au.) -GesichtsBeh wellung in die Breite.
- Antlitz Bleiche, -Flecken, - Wandel.
8t. Anton. St Antons-Feuer,-Krankheit, -Pia;},
■Räch. C\wr St. Anlon ». Kulturkateadarlua In Zeit-
schrift I) Oe. A. V. 1893 H. 1S»I.
Apern, pL 1. s. Aeber. — 2 . ■ Augen&pern
Tln.i, Augenbrauen ^iiintuerdisj Augenftbern
Augenwimper [dchnriler I, Ii), „ein»? Vertun-
imluiig von Aug,en brä. w ie Wimpel aus wint-bra"
Mi», I. c).
Apfel, m ah.i apfui Augapfel [Klua«*, Ifi , nn.ii.
•pfot . pupUla (II. Z. XVI. 24. 08. 70); «1091) apffel
IIa»! Jun. 2.'», pupilln ( uchwarzer Augapfel) ; dem-
nach wie der Augapfel \». d ], Hyrtl, K. W. 93,
1 Globus oculi, s. Augapfel (als Ganzes). —
2 =< Pupilla (der Teil desselben) — 8. die
runde weibliche Brust. — 4. - die runden Wau-
den. — 5 miti pomum Erhabenheit d. mensch-
lichen Korpers Kluge5, 4). — Adams- Apfel
■ Pomum Adami, poauM d'Adam : Adam auruii
avale de traver» et lu pomtue sc scrrail arretee eu rollte"
(Bris», ci) (s Griebs), der in der Mitte des Halses
der Männer (Adamssöhne) starker als bei den
Töchtern der Eva vorspringende Teil des be-
weglichen Kehlkopfes (K. a. 2 67; Kluge*, i). —
Aua(en) -Apfel, nhd. ungaphul Uran* I. 1231, oug-
iiphul (lirah* I, 171 pupilln, AiiKiipfel i.globtis oculi.1;
(1304 aug-opfel pupilln, 1> 173; 11 Jahrh, ougnphel
orbis [oculi], Voc, opt W. 10; 1470 angapbel arles,
«im* oceUi, P.0; I4a2 auzapllel puptüa, Zcalaa.Voe. ;
1618 Auitnpfel pupilla. II. v. Oertd. j 1742, 1701 Aug-
upfel pupilln, Zw, iso; l. eh. 71), 1. - der in der
Augenhohle liegende kugelförmige Bulbus oculi.
— 2. - das schwarze Sehloch, die Pupille; der
Augapfel nimmt ab - Phthisis bulbi; er fallt
heraus - Prominentia bulbi (Exophthalmus). —
Aug&pfol- Abnehmen, - Vorfall. — .Bae&ftt-Apfel
15. Jahrh. backapffel — gena, mala [maxilla], 1). 2.VJ
die runden Pausbacken. — Frauen - Apfel
Frauenbrust, Mamma, rund wie ein Apfel (<;r. w.
IV, 1. Ol — Gmnnt- Apfel tiinlnm paoUrUIB der
Amhlsten, Avwn Hlute «plubluttriij int wieeine Schwert
-pit/e, daher Proccfii« ensiformis sterni (Hyrtl.
K. w. 04 — firA/-Apfel ;Alhruu; - ein Schimpf-
wort fOr einen mit endemischem Kehl kröpf
Behafteten (iiiriiticer Ii. l-j. — L»V6e«-Äpfel
Poma amoris, Ipb amourettes, Hoden (Krau», E.
H34; Brii«< oo — iC27j /i".^ Apfel Rossballeu.
der apfelrunde Pferdekot (- Zirk) <ir W VIII.
r-W) — Schwarzer Apfel [Cb. v. .Srhtn. 480) = Aug-
apfel 2 — Apfel- /Itt^r, -Bein, -Kinn, - Wange
Apostem, n. (Apostein, Pesten;, Abbeste,
Posten) i 10. — m Jnhrh apoatetnutu pu«tulne nnl^.
verrinne, fttdos aleohl de* Albucaii« Kcbtwarzeii,
Pr. 1. 901 i 12 Jnhrh puMema. Pteifler II; 1304 n|K>.
stemu l'est KnrbunkelCeschwur, Du fange I, :tlis.
lfii Jahrh. apo-lein, Bchmeller I. 204. sub Bwkn Auge ;
16, Jahrh ein (a)postcn, 11 Z. XN. 24; 1524 »Iura mala
npoMtematn ijuae vulgure gummntn appellimt, Pr. II, 00.
177; 1551 iiestcule, Hock 'J5. 101; 1615 Apostetna - ein
zeitige»! (tvuebwür, Coler, II. A. 251; 1609 apostem - ein
Karbunkel innerlich an der Klppeiihaut .lixuud Ptevr.),
v. M. II, 6h; 1725 apostetna, f. In einer Quncknalber-
Reklame, «irlinger, Sitten II, 4;t0). — Apostema
— etwas, was abgestanden ist, namentlich in
Höhlen abgeschlossene Eiteransammlung. l>ns
Wort lit aus den McdUlnschuW'ii schon früh In den
Volküiiiund gernten , wo es lautlich zurecht gekuut
wurde, so da«* es heute lautet: Aposteln (Bayern),
AbbvMe (Schwaben) ; tnuis. aposlhumes (Buck lt;
Bris« so), worunter nicht bluss 1. die mit Eiter ge-
füllte Abscess - Geschwulst verstanden wird,
sondern auch 2. das Empyema (Eiterbrust) =
Collectio puris in pulmonia \Uu lange in, 201,,
3. auch Drüsen-Abscess unter der Achsel und
Iveistengegend (Bubo) j-r. II, 21,, 4. die Feig-
warze, welche eitrig secerniert, sowie 5. Hy lro-
tborax und Hydropericardium — Brustwassor-
sucht; heutzutage bezieht sich aber das Apostem
(stricte sie dictum) immer nur auf die Brust und
Brustgegend, zum Unterschiede von anderen
Apostemarten. — apostemieren - in ein
eitriges Gesehwar übergeben [llrutü *. — (1742)
J/7/<rs-Ap08tem, 1. Pustulae ani des Arabers
Alhucasis - Keigwarzen, Condvlomata in ano. —
2. - Ulcus s. Absceasus ani (Vr. 1, 261; Zw. los)
16 St. Apollinaris— Arbe.
— (1539) blutig? Aposteme — mit blutigem Kitor
gefül Itcr A bsces* i Brun f. ). — Brust- Apostem 1 1 Inn .
ww.) Pleuritis(exHud).— Cholerischf Aposteme
aus cholerischer Natur (s. d.) veranlasstes
Eitergeschwür. — Ersticktes Aposteln Asthma
mit Erstickungs-Angst. — Gehirn -Aposteme,
vermutlich = Gehirn- Gumma (Sehmellor [, 1166,
mmnir). — 1529) Ge»Mrtc/it-Apo8tem - syphili-
tische Rn honen, Pestbubonen (Brunf.). — (le.Jahrh.)
harte Aposteme, = 1. noch nicht erweichter
Abscess, 2. Scirrhus non exulcerans, Krebs. —
Aposteme, Kiterherd akut entzündlichen
Charakters. — ;i529> kalte Aposteme = kalter
Ahse es s Brunf — i;.2<» JMuVn- ApOBtem - Cy-
nanche, Croup, Angina Hmnf\ — Z,<*er-Apo-
stem fzw. s:\iu = Tumor (abscessus), (gumma)
hepatis (Lebergeschwftr). — ig. Jahrh ) Lungen-
Apo stem - Lungen -Abscess, Empyema —
A/tfc- Apostem — Milz-Abscess. — ATagen-Apo-
stem Nasenpolyp, Nasenkrebs, Highmors-
hidilen-Empyem. — O/tmt-Aposteme (hinter
den Ohren) - Anthrax, Pestdrüse. - (l«87)£ntol-
Apostem pleuritisches Empyem in der Brust-
seite akoor. W2\ — 1477 Wangen- Apostem
Parulis, Zahngeschwftr i<>rt"lf\ — 11529: wütende
Aposteme Pest -Karbunkel mit Fieberdeli-
rium [Brunf.). — Zageis- Apostem (Schnellet i,
ll.Vi, *tit> hir' — apostemn virirac »I«'« Arabers Mi"<iil
(+ ioi". - Condylomata, eiternde Feigwarzen,
Acrochordines (s. weiche Warzen) (Pr. i, 265),
Vergl. auch Bockstern /'Umbildung aus apo-
steinV). — Apostem- Berstung.
St. Apollinaris, lest] St. Appollinaris (seil.
Krankheit; (Pries 72) ^ Analepsie - «.Hinmacht
mit „Vergieht" (- Convulsionen) (Hysterie?).
„Ehe da»« der Mensch füllt . so lieflndet er ein Sagen
de* Maiten» uii'1 Sausen der Ohren uml unwillct gc-
mcinlelichc n , so it fiilll. l"r«arlii' i»t etliche biise
Materie, welche sieh hüll in den Adern uml Nerven
des Mutten», reicht über sieh Ins Haupt und verstopft
eine Zellen de» Hirn»" (Frie» Lp,1.- St. ApolUnariS-
Krankheit.
Appetit, m. [1488) apctltom (Zeitung: <;a«thaus
1894); imrli Kluge*, i«' aus dem trnni appetlt ; dies
ans dem tat. «ppetitus durch die Schiilmedlzin des
10. Jahrhundert* entnommen Verlangen nach,
<Mler Gelüste Is. d.) zum Essen (s. Hunger). —
(1682) Blodigkeit des Appetits - schlechter Ap-
petit .Fries ioi). — (16. Jahrb.: hündischer Appetit
1882; l ries 103; 1G45; Coler, H. A. iw>>, Übersetzung
von Farnes canina Hunds-Hunger (s. Hunger),
..wenn die Itpjrlerde zur Speise In unnatürliche Wesen
verkehrt ist, zu gleicher Weise als ein Hund für
and für hat Lust zu essen, mehr dann er verdauen
kann"; [IMS] ■ Heisshunger (Rvland); (17. Jahrh j
Eonicerus. — lönj der schnelle Appetit - Bolis-
IllllS fFries 104:, „ein Huneor aller Glieder, ausge-
nommen des Magens, der ille Leere anderer Glieder
nicht befindet, obwohl er seihst erfüllt ist". — Un-
appetit iBiiyern Appetitlosigkeit. — (15*-*) ver-
lorener Appetit (Or.W. VI, 1717' verschwundene
Esslust. — ir.i;. wölfischer Appetit hündischer
Appetit. Wolfshunger (Coler, H, K. 180).
Arabien, arabischer Aussatz.
Arbe, n. [H82 arbe, Zen. Voc' — stipinn, Ma.«en ;
zur germanischen Würze! arbh - erben; ahd. arbl ;
Arbeit— Arm.
mini ertK', demnach — Erbzeichen, Erbmal, Mutter-
mal. ( Die gemaserten und gezeichneten Marmor-
kugeln heisaen Arbel)Schiucllerl,i:r7),(vgl. Erbe).
Arbeit, f zu vnrgerm. nrbho ( Knecht] und hl
( Thatt; daraus: golh. arbuip« ; ahd aralM'it ; mhd.
arehelt; germanische Grundbedeutung mühseliges
Werk (Kluge*, 16' lahor purturientium, mol,~tia Kniff
I, 107), die höchste Anstrengung iGralT I. 511 , tnrli
seliges Werk. Kindsnot (Lexcr Bl ; ndl. arbeydt, tu.
Wehen, «iehurt (He fock 61), 1. (1599! die Arbeit
= (Rheumatismus art. acut?) Verlieht (Epilep-
sie, Eclampsia). — 2. die Arbeit (Schwaben) «die
innerlichen stillen Gichter der Kinder, Gefraiscli
(Convulsiones) [Schweiler 1.188, Register tnfa Arbeit .
— 3. die Arbeil in alleren «ieseUen, franz le travall,
itriss. 3is) - der Akt de« Gebarens (s. Kindes-
Arbeit) — 4. physiologische Funktion, z. B. der
Magen arbeitet nicht, ist nicht thtttig. — (ist.v
Qeburt8- Arbeiten [Müller, Krautert.neh st) GebUr-
Akt; mhd. Kindes • Arbeit parturientium labnr
diraff I, Ml) (icbtirtswehcu <ir W. IV, 1. 1907; V,
755: ; .1501, l&ssi Kludes-Arbett Geburt« - Arbeit.
— (15. Jahrh i in Todesnuten arbeiten - agonizare
(D. 19) mit dem Tode ringen. — St. Yalentins-
Arbeit = Vergicht (Epilepsie) als schwer«?
Krankheit (s. d.) (Wackcm Abhdlg. III, HM). —
11787 ZoAn- Arbeit - Dentitio, die Zahnungs-
periode iVoRci Ii, 155). — arbeiten, 1 = gebaren
schmeiicr I, 196); zum Kinde arbeiten (<">r. w. v,
7091. — in Arbeiten gen der Kinder <;r. w. v, 7o»i
gobiiren, in Kindesnot arheiton |Or. w. v, 7oo
longo tractu parire. — 2. funktionieren in
physiologischer Weise. - Arbeiter- Krankheit.
Aren, f. (Tirol) — Kopfausschlag kleiner Kin-
der, Kratze, Crusta lactea isehmeller I, 13s)
A(n)r(a)ch- Airach (s. d.)
Arkel, m. mnd. arkel (Mig. Barth. 103at der
Zirkel, Rogen (arcus) des Urinsedimentes im
Uringlase (s. Zirkel).
Ann, m. (Arml, Irmel), s»kr irnnü Kiugv«, u. 13.
7:t. XIII); Roth, arms; ahd. aram; mhd arm (Kluife 4.
171 urverwandt mit tat. armus ss Vorderbug, obendor
Teil de« Oberarms ; Ärmel (demin.) , ahd. arinllo
Kluse 731. 1. f7. — » .tnhrh arm brachia [plur.]; Ca».
• iloss. Diez 9H; 8. Jahrh. arame — brochlo, Kero 71;
9. Jahrh. iirm brachluin, Hab. Muur. 61.1 = Arm dee
Menschen. — 2. = Vorderschenkel des Pferdes
von der Schulter zum Knie (r,r w. I, 552 — 3. =
Schulterblatt von Opfertieren (bei Luther) (Gr.
w I. 552 — 4. - Vorderfüsse oder Vorderbeine
des Bären (Waidmannsprache) (Or. w. iv, l. 1000 .
— Htnrcr-Arm II Jahrh. hinderarm = lacertus,
Voc. opt.w. Ii, tßso) Hinter- Arm Lacertus = Ober-
arm, im Gegensatz zum Vorderarm (- Ulna)
(fir. w. iv, 2, ii9s — (Isis) Klein-Arm „zwischen
Ellenbogen und der Hand" a Vorderarm (H. v.
(iersd., Feldarznetburb 9ii ; reberselzunp des brachlum
paniim der Arabistcp, Hyrt), K. W. 91). — Krumm-
Arm lls2 krumparm. D. 34; aneus curvus1, — ge-
krümmter Arm (durch Fraktur, Knochener-
weichungoder Kontraktur). — 1713: Unter-Arm
= Vorder» Ann, Ellenbogen (Leveiinpr 3s; itibi
Medikus 26it. _ (1483) PWer-Ann Ulna (Zenn.
[ Voc. mm 3) = (1880 forterarm JG. W. IV, 2. U96). —
Zitternder Arm 15 Jahrh zittern arm - ituplda
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arm — Arsch.
Art — «raten.
17
hrarhla, D. SS* durch Altersschwache oder
l^ahmung zitternd bewegter Arm des Mensrhen.
— Atta-Ader, -Beuge, -Bros«, -Bug, -Fleisch,
- Grube, -lahm, -Mäuslein, -Ruf, -Rohre, -Schmalz.
-Seil, -Spindel.
arm, 6/u/arm Mangel an Blut habend. —
arme» Franzosen, -Gicht, -Leute, -Rippen.
Armee, f Armee- Krankheiten.
Armut, f. ntnl. wiiiiiimti uns dem [noth.l armoth*
KHiKi-''. IT); Hill«], animot Kiitbehruiig, Munirtl. —
/««/armut Verminderung der Uesamtbhit-
inenge, Uligaemia vera. oder nur einzelner
Hlntbi-Htandteile -Oligaemia serosa, sicca etc.
Samuel 100). — Angeborene /Ztrnarmut Bavaria
iv, t. 2iij = Idiotismus, Blödsinn , von der
mangelhaften Gehirnanlage, von Gebart aus.
Arroee, f. Diarrhoe (s.d.) liiu*tr. i» M.-lIcfte,
1S95 Apr. 1Ü0.I.
Arsch, m. ein über da^ lierman lache hinaus-
re lrheude» Wort . Kenn ar>a-z au* orsn-s, urverwandt
mit fyy>; <>r«i>« Steißbein . Itnrz. l Kluge*. I*;
tthd. »r» ; mild. «rr>«. arwz, ures, ers, eers, Hill arsch |
ruh» !• iflgi lergum, nun Du fange II, 663);
jahrh. am butw, i). HS; ISO} Mti, ur- Ingnina,
D 29«;, 1. - Anus (s. auch lat. Kunst), After und
Aflergegend. — 2. = das stumpfe Knde des
Huhner-Eies. — 1120 Bklc-Aisch, odd. blckars,
liii ke 1> . blekarct bubo, Intertrigo, aiius l>, s:i j
oi.ienbg bick-eers <.oid«. ■lim. i.v. , i.jo: bickars-
intertrigo l>, :w>. «;r. \v. i, isnv, 1. ein After,
der ilurrh Frattsein ( Wolf, Intertrigo) oder
durch die Sekretion von Feigwarzen (r'eucht-
warzen) klebrig ist, pickt, wie Pech; da meist
Feigwarzen mit Bubonen verbunden sind, so
ist 2 Bickarsch auch Bubo (syphiliticus) com
oondyl. ani; dagegen sollte die niekbeere, si. Jukob*
beere.' iiiaubocrv hellen. — Bleck (Blick)- Arsch,
b]eekar*ch i.raf I, LXHI. ; bUckaer», Ii. 303;
<.r. W, I. aeu ~ Intertrigo, fratt sein, wobei die
wunde Haut hervorblickt (<ir. w. II, IV). — Breit-
Arsch 'ir. w. i. — Dnnn- Arsch <;r. \v. i,
M4\ — Dürr- Arsch isrhmeihr l. l is . — Fick-
Arsch s. Fickardskrankheit, mit Fei«warzen
besetzter After — itis hohl- arschig Mu». l.n.i. m
bei Kflbm Hühnerarseh (s. d .). — Huhner-
Arsch, 1. (iesäss mit stumpf hervorragendem
Steissbein, wie der Hühnerbürzel, und mit
tiefer ausgehöhlter Arschgrube (s. d.i. — 2. Mit
letzterem wird verglichen das Kotzgesrhwür
beim Pferde mit umgestülpten zackigen Bän-
dern ztpp. :«'... - Raul-, (Keul-) Arsch -
Hühner- Arsch mit kugelförmig hervorragen-
dem Steisse (Börzel) Krunkel) ; (ir. w. v. 319,. —
Kipp-AlSCh 12. — II. Jahrh. klpars bubo in ODO
qaun qata ambtilat In cul ore, |l. CtK; i:uo kipnr-, Sehte-
«i'-n ; 1 i:t2 k> pur«, Hävern | 1488 kippax» 1>iiIm>. D. 83;
1301 kipimr», Leipzig, Mittel- und NIeder-Kbctnj, 1. ss
eingekippter Arsch (Kipp ictus, collisio), Inter-
trigo (Wolf, fratt sein); franz. lea partie-. du tcftt-
uienl w gereent on „*c coupent" ,Hri*v 210, Morbus
vel Detritio pellis (in ano). — 2. [1SM klpam
bubo, inlirmiia.» qiiue generutur In ano «aiuin uul*
ambulat In calure, HufTmann I, ::7y. - Feigwarzi-n
mit Iutertrigo ani und Bubonen (Syphilis). AU
Heilmittel dugegeii wurde von den Madrhen eine Art
von AptelNdbe fpomata] in Holland gebraucht; hal.el.al
i|IMN)Ue ipsa virgo uleiis .pioddam, rni n iueilil cun*a
Kitperponi solelnint ineisione» pomonim qid ilieimtur
melier« MeUarseh Hn rann« V :!T'J IT <•• w \"
7SI>. — LoAm-Arsch (Bayern, Schwaben; Uuck 17;
s<hmeiier i, 1170.', ursprilnglich wohl einer, bei
dem der Stuhlgang wegen Lähmungsschwache
leicht abgeht, der infolge dessen nur langsam
sich vorwärts bewegen kann. — Metz- Arsch s.
Kipparsch 2. — AVirA-Arsch i»wn- einer mit
anus nudus [Ur. w vn, 21::;. — y?/a/f-Arsch
einer, der magere, platte Arschbacken hatfiir.w.
MI, IM»). — 5i7z-Arsch die (lesitss-Muskeln
(Olutaei) llvrtl, k. \v. i.'.i. Bei den Mecklenburger
Bauern >*. z. <l. V. I. v. K., lsm iui) ist der Arsch
(n'ors) die Statte besonderer Lebcnsausseruni;;
ist er zugeschnappt, so hat das lieben sein
Knde; sind die Augen noch weit von ihm ent-
fernt, so ist's mit dem Kranken noch nicht zu
Ende. Beim Pferde ist die Bewegung des Afters
ein gewisses Lebenszeichen, das auf den Men-
1 sehen übertragen ist. — Arsch- Backen -Ballen,
! -Bein,-Bei*seH, -Blätter, -Bühel, -Bürzel, -Darm,
- Finger, - Gat , - Geicächs, - Graben, -Halde, -J uckrn,
-Karm(- Kerben), -Kitzel, -Klaff, -Kringe, -Loch,
-Marter, -Naht, -Papen, -Quetether, -Rute,
•Schwämme, -Spleitse, - Wang, - Warzen, - Weh-
tum, -Wucher, -Wolf, - Wolfreiter, -Zwang.
Art, f. ein erst nihil. In «lieser BeileumiiK aul-
tretemlew Wort, «lax vielleicht mit lat. an* artiuni/ zu
samuienlmnift Kinne \ is angeborene Eigentüm-
tümlichkeit, Natur, Beschaffenheit. Species. —
^iwarran^ .is. Juhrh ,) (sich) ausärteln aus der
Art schlugen; die Abweichung von der Norm
oder regelmässigen Krankheitsform (s. verlarvt)
(WusUnann 29). — (Ml«; blatterische Art syphi-
litische Art o. Form einer Krankheit (i'nracetsu*,
Haeser I, 404j (s. Blattern). — bösartig - eine
schlimme Beschaffenheit habend. — franzö-
sische Art 1C1S fruntzoesioeli art, Parnrelfu«, Vr. II, 73,
a blatterische Art; durch die syphilitische Skle-
rose den Charakter der Franzosen (Lues venerea
o. Blattern, s. d.) tragend. — ^u/artig nicht
bosartiir — Afi^artuiig Abart <;r. w. vi, SSW ;
17. juhrh.,1 unartige Geburten [Ur, \v, IV, 1. 1003;
V, 3üi) - unnatürliche Geburten, Abortus, Miß-
geburt; mhd. tinartlc Im .Mirtiu I.exer 2»»;.
arzten (arznen, Arzt). Nach iMetet Kuhn.
Zeit«rhr. V, 21 ff.,1 hatte iler inilot-ernialltacbc Ar/l den
Begri> du ik-Kelmonm: i.bhuhay . der dunrh Zauberei,
d. h. durch Beschwörungen, Zauberformeln («. Laxner;
hellt; yöjravld !.IIeilnilUelhe*itzer , jätlku Itesehivorer .
ubhieurin hoser Zauberer, der durch inrautatio he
rufen, besrhreien.l heilt (vrI, auch luppen . I ii»^ — <l> ?
arztliehe l>ien>t uueh bei tlen In«loi;erinunen an« dein
Kulte hcrvonrinif, xeiitt die WorlerKruppe ..heil" in den
ventehieilenen Äolen de» indoKermanisrhen Stammes,
„die reiche BegtlflffelbC von Opfer, Heiniirnn«, Sühne
Seceii, Zaulier und Heilung" il. cod. W: . nach der
Kleiehen Quelle 1. r. Uli ivrtre der wahre Sinn von
l(ITBOC(AtStJ AuslreilH-r der Krankheit. Naeh llouehi-
liet l.e« etals priinilil- w «re W^fi^ (ivT(f>) arracheur
de lleehe«, wofür im nhd. kein Blelehbe.lentende« Wort
zu finden l«t '«. < lode n. Los . In der rOanzenkuude hatte
2
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Asche— Astbma.
Atlieia.
der germaniM- he Ar/t -. Laxner) einen Vorläufer Mi
dem „wilden Wellie", da* die Hüterin des Wissen* uihI
Spenderin ärztlicher Hilfe war s< il t rzeiten (Wien. Med.
Woeheti*ehr. lsy,"i 51 52; nach ili-r Kudrun 52». :t „dax
Wate arr.At warn von einem wilden wibe"); sonstige
Suezial-Kolleffeu halle derselbe am i.axncr, I.achner,
Betchreler, Heniler, liabdcrer, l'luostercr in. I.«.« . 'iode,
Zauberer, Ilnrki'r, llinwr, Alplierater, Kunen-Werfer. —
Arzt: frank, mittcll. arch iatcr Krzarzt (apxi-tafp&C
Krau» K. 120, an iätcr Kluge* l'J, dazu die AlileltuiiK
ahd. ei/inen heilen ; andnjan antuen, heilen, <;r»fT
I, 477: ffa-arzeinni ärztlich behandeln, lirafT, 1. end;
MM Matten; i:>. Jahrh. arczdydcn i>. ie:i; curare,
einen Kranken mit Kurmitteln behandeln. — Er
arztet, er lässt arznen ist krank am Arzte
liegen; (n.n er versuchte viel mit Ärzten und
Badern (Si. Uennn-Mirakelbuch: ; ;iöll> über 30 Bader
hatten an ihm gearztet (l. cod. ; vgl. Doktor und
Lnehner — Arzt Finger. — Ar zney- Krankheit
Asche, f. In der Asche liegen - im Wochen-
bette, in der Reinigung Bich belinden, wie
Wäsche, die in der Aschenlauge (s. Salt) Hegt
«. d. Verf. Banin- u. Waldkull S. 111, Ann. J).
Ascherschrimpf s. schrimpfen.
Aser, in. (Tirol, permagnae mammae (s.
Schweizerkuh), die wie ein Aser ( Esshänge-
sack) herunterhängen; mhd. e«cr S|ici«cMick zum
['mhiiugcli illintner, S. 1J»; So hui. I, 155,<.
Asien, asiatische Cholera.
Assel, m. (Axel), eine dbüektiaehe Nebenfomi m
Auel, das zum urgermanj»<-heii Stammwort at , alt
eswenuehort i Kluse l'.". Ähnlich wie die Mitesser
(s. ds.) als WOrmer gedacht werden, so stellte
man sich den Assel als koboldischen Wurm
im Finger vor (loi.v ante) Nagclfiiuluuff, iianaritium
[t'oler, II. A. 144; 8ehmeller, I, 167J (confer. Nassel
und Mauche). — Assel-/; n >, -Wurm.
Ast, (ASS), III. indriff. »»(in; vorgerui. oxdo»; Kenn.
a*tnz: nhd. a-t ; mild, ast Knoten. Knorren, Zweig
Kinne*, so), I. - Eiterbeule (zu EIm t. d.] Mebmeller
i. IM; entstellte« Wort — 2. - Buckel, Auswuchs,
ähnlich dem Baumknorren, z. B. sich einen Ast
lachen, den Buckel voll lachen (Wöstmann 30;
Schräder 371} ; (Schelmcnbein). — 8. Ast Neben-
zweig eines Blutgefässes. — (I7fi Augen-As%
Nervus opticus als Zweig, der vom Auge abgeht
L eli .V.» — ßidtf-astig mnd ghlchlastich Man.
Harth, wia) durch Gichtauswüchse , Gelenk-
tinscb wellungen nach fieberhafter Gliederkrank-
beit wie ein knorriger Ast verbildet. — tis. Jahrb.]
Luftrohren-A&t Bronchus (UaU-li; (HyrtI, K. w.
iot . — „Velten-Ast Ast 3. — Ast-A'nocAm.
Astel s. Assel.
Aster, astralische Krankheit.
Asthma 0 (Asma) «u* dem Kriech 'x?\ru.<x ('In»
wehen Anhauch, Atem' der Mcdlzln-clmlen i»|iado
iiii-P<M rniicu^ qHwm mptatSonbi um hma < dsi et
Arctaci «eil dein lel. Jahrhundert in den VolU-uimid
utIuiil'I . und iinfliillikrer Weise nicht verstümmelt ;
I.V.' ; ,,.\«tl in« « iiiiii Kinei kelni l.nfl Iis*» \\ min ein*
•-iiliiit und keucht und kann nicht Atem genüg haben"
>< o)cr Hau«ai>oihcke is'j.i. Die ältere Medizin ver-
stand darunter nur Atemnot, welcher Begriff
auch heute noch im Volke vorherrschend ist
(s. keuchender Siechlag), oder beschleunigte
Atmung, sei es durch Krankheit (krankhaftes
Asthma)oder durch vermehrte Körperbewegung
Auch in den Niederlanden (De Cook IM, 155 ist Asthma
uanzvolkubllch; auch franz. raMhme.l'asiiie Itrt«« 195 .
— l»7'.i Berg- Asthma Schmitt, .luhrli Ksn, ImT. Hand
8. '£to eine beim Bergsteigen durch die Muskel-
anstrengung unter relativ niedrigerem Lufl-
druck, wie er auf hoben Bergen vorhanden ist,
veranlasste Dyspnoe (IJeblg . — dich/- Asthma
— Herzsperre (b.), Angina pectoris; Atembe-
schwerde infolge von trichtischer Komplikation
am Herzen. — Herz- Asthma Schweratmigkeit
infolge von Herzkrankheit (Kmu« K. it»i). — Beu-
Asthma eine Form Astbma, die durch den
Blutenstaub gewisser Gräser veranlasst wird
= Heufieber (s.d.), eine Idiosynkrasie. (X. Hdb. IV,
2. 255;. — Ä'ramjj/'-Asthma ■ ein Asthma mit
krampfhaften Erscheinungen, Asthma spas-
modicum. — in7.v krankhafte Asthma (pl.)
1. Mniler, Kratitmbnen H7 ~ durch Krankheit ver-
anlasstes oder mit stärkerer Gesundheitsstörung
einhergehendes Asthma (s. o.) — umi Schleim-
ii>7.. schleimiges Asthma (Sobernh. ci; Muiu-r,
Kniuterii mit starker Schleimsekretion ein-
hergehendee Asthma (vgl. ntembrüchig).
Atem, m. (Athem, Othem) zu Indogenn. etmon
Hauen; nkr. At mau; nhd. Alma; mhd. Item, und
(eine dialektische Nelienforinj odetn i Kluge*, 20', «den
inso; Ii. Folu; II. z. VIII, 6M; 1. - Einziehung und
Ausstossung der Luft durch die Luftwege. —
2. - diese Luft selbst (Heyne i, i52> der Atem wird
geschöpft, geholt wie aus einem Kobrgange. —
After- Atmen das bei jedem Atemzuge abge-
magerter Pferde sichtbare Hin- und Hergleiten
der Aftermttndung iglpii loa;. — Ausser Atem
Dyspnoe, Asthma = ausserhalb des Normalen
atmen, überaus stark atmen. — i i v.i fn^e»'Atem
iHoek r.7 -eine Dyspnoe gleichsam infolge von
Verengerung der Luftwege (Orthopnoea) (Zw. IM).
— crnZ-atmen des AtemB berauben, ersticken,
— er-atmen aus der Tiefe der Brust den Atem
beraufbringen. — Heisser Atem Hufeland 40; =
Dyspnoe mit Hitzegefühl. — Hinter den Atem
kommen - ausser Atem kommen (Schindler i, n77
■ub Raffen (i. d.); = Atem halten, verfangen (s. d ).
— iM»7 keuchender Atem - das beschwerliche
laute Atemholen. — Kurzer Atem Hon. san.i
-- Asthma humidum (1350 Itnrtze atem al» die l.ut
hnlieu den die Luuffe in die keim Rat oder wneh«et,
l'r. I, :«»:t; li'.lH kurzer udem J'aiicasi; ndl. körten n<cm.
V. K. IV, W; ndl. kortademiffheld, DeCock 15Cj Dys-
pnoe, kürzere, aber um so schnellere Atmung;
court de vent (ltriü^ r.io. — jvsr. scheltniger Atem,
aashafter (s. .Schelm) Atemgeruch («r, W. VIII,
2M9,. — ivtii ScÄicerätmigkeit i » i schwerer
Atem Dock 157; Krautw. i.xxilj = Dyspnoe, ein
beschwerliches, keuchendes Atemholen. — Stin-
kender Atem Foetor ex ore, der ausgeatmete,
üble Geruch aus dem Munde. — Atem(s)-/lrfrr,
-Aderdeckel, -Besteckung , - lilatt , -bruchig, -Dros-
sel, -Engt-, -Gebresten, -halten, -holen, -los, -Kot,
-Sucht, 'Zuckt, -Zug — atmen, und. atomen «;r»n
I, 155. 15t; = Atem holen (s. Atem), respirare. —
Bauch - atmen = bauchschlaechtig (s. d ). —
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Atter— Auge.
Auge.
19
Athmezer.m (A t mathsa) Atemzug s, h.a. li. r
I, »j, 1">I"> alrarnat/en anhelnre, 1». :t.'. —atmig
1. — ausser Atem (ß. o ), schweren Atem haben
(b o.) asthmaticus — 2 bei Pferden herz-
seblachtig, hartschlächtig (s. d. Rub schlachten)
das Flankenschlagen bei Kmphysema pul-
monani Hr. W. I. T4H — athmizen (aft |mazen),
ahd. atnmaieii i.ralT I, IM», atiuieneii Sehmelier I, 15
spirare, Atem holen. — Atem-fangen.
Atter, f Ader (s. d.) iler Medinawurm «rurdc
1 »17 t nl« Aller Aller mit venu medl neii-t« iil»er»eut.
Atze, f (aetzen) Räude, Filzläuse isrhmellcr
l. i*j> . vom fressenden, atzenden Hautwurm
(Assel, Axel; s. d.) genommen. — .-lw/-ätzung
offener, gesehwüriger. fratter Zustand der
Haut oder Schleimhaute [y. m H, WS).
Atzel, n ahd a?.txza, itirzfl Ehler .'Kliw5, a»',
1. = Glatze (infolge der Kaude, s. Atze f.) raull
l«o ; auch «-Im' Stiilx|«-rnekt- hefawl HO Heyne I, IM .
— 2. Kister. Atzel- Äugt (* HiÜrnn- EUtcr-
Auge). — 3. Atael Assel, Nassel (Onisous mul-
tipes, Scolopendra; Ohrmützcl, Ohrmuckel
(a d) i».-.i9,:wc — Ohr- Atzel Ohrwurm l> .-Mit
Atzmann, in siehe Mann [vgl <;r. w. i. 387:
««hu I, 180.
Aucht-FflW.
Ander, 1 Ader (*. d ) — 2. = (Adel?) est
quidam populus qui in estate transformatur in
lupos n :itu, Wehrwolf; s. Adel. — Ander- /Inf:
auf-, die Zusammensetzungen mit dieser Vor-
silbe siebe beim betreffenden Stamm worte. —
auf und nieder sein krank sein, im Bette liegen
und wieder auf den Füssen sein.
Auf m. Auff, Uve), nmgebUdet au» int. uvula
SchmelU-r, I. 12 , ant»l». ul »ul>liti<|Uiuiii Ii üüu . (1 IKl;
auf! Jan Watt :». d.,' r. v. Me« 16 ::t , 1. Zlipf-
lein im Hals (- Weinbeerlein, Gurgcldrüslein
Blatt (s.d.).— S.s (1483)das geschwollene herab-
hangende Zupfleiu. — 3. - das Gesch wflr an dnm-
xelben (- Uve, s. ds.) Schindler i, 17* — Auf-
Blatt, -Brand.
Auge, (Äugle), n anklln»reiid im ileii indoirerui
ItHHWlataMiOq Anw ncnlii»' ; »nkr. ak«i KluifeVjI ;
ifolh. au*.» *. Avgratkor ; norm, awf Anne; ahd.
t Jnlirh «ii(.'i.n, uniriin tu»» tili»»».'; innd. krIicii
Mag. liarthol s*il> . altfr* tiec »ll|>erelHiiiii l!ri»» :l' ;
mbd-oiiRe; H'.«.". an« talmu» ophthalmiU I' IT'J —
I. Genius, Bulbus oculi, das Auge als .Sehorgan.
— II. - augenförmige Gebilde, die durch Farbe
oder Vertiefung abstechen; 1. = der Keimfleck
im F.i <;r w. I. *oo. wo . — 2. = das anders ge-
fitrbt hervorstechende Kiter-Auge - da* Äostetn,
Auele; 1,191.' eiijrlc 'Had. Jan. S85,1 - caput in nl'*-
re«*u <i. w. v, i6u«> der Blitzen an eiuem Ge-
schwür. — 3. Löcher, aus denen etwa« hervor-
schaut ^ Wundlöcher) Augen (Hufaugen) —
4. - (pars pro toto): Augenteile z. B. Hornhaut.
Grün, gelb, blau , schwarz vor den Augen wer-
den - subjective Farbenempfindungen, die Birh
manchmal wie im Kreise bewegen, bei Aniimie
den Gehirns (Ohnmacht). — Augling 16 Jahrb.
oifheUiic - ujouüou1u».d.^>7 jeinerdernurein Auge
bat Der Auadruck der Augen beim Menschen
war von jeher dem Arzte ein wichtiges Krank-
heitszeichen (Symptom) — äugeln die Augen
lebhaft bewegen. — Adler- Auge ein Auge so
scharf und weit sehend, wie ein Adler — i.v.i
Agrester- Augen "Jork 107 ; IfiOJ n<M. orhdcr ange
pernio Kemur**, l>.3M;clavu:>, l> ilv. Klster-oder
Kk»ersten-Auge, HQhner-Auge, iHm-nn. Arvtci
KNler, s. liiiieller I. I* C'.i; lf.lfi eiferten aiil», Hr. W.
III. :;i elnvtis |.e.ll» l'ameeNii» — AgLister-
Augen: II lalirh .; l«l.'.nuele«ter- Atijrci». «'«der, II V ;
seiuiuiiir I, 4M Alster -Auge, Klstcr-Auge.
Hühner-Auge. — I7,v. Apfel- Augen, 1 Vor-
fall der Traubenhaut des Auges durch die ver-
wundete Hornbaut, eine klein - apfeliihnliche
Krhabenbeit (Staphylom) a. v Ii. 11, ilmsl —
2. = ein apfclformig zwischeu den Augenlidern
hervortretendea (Ochsen-)Auge(Kxophtlialmus)
Krnns, K.eo,'. . ven-l mll nrniii-hennuhen ' \*.K.VI ,SQ —
Atzel- Auge Kistern- Auge, Atzel (s. d.) Kister
WehUellerl. ISO , allxenn. rwatja. ah<l. n««i7jui Klsler.
amil atzel 1 Kluge *, 70). — AuuaU- Auge : Ophthal-
mia leproaa Krau». K sr>i: s. Aussatz <: Keontiasis i
— tlSwl auMchiesnende Augen lta«l. Jim., N'otn. 390
Kxopbthalmus, Augen, ilie aus dem Augen-
ranile hervorschiessen , hervorstehen. — bir-
auget hleraute iSchowllei i, w. -7i , am Auge so
rot, wie eine Beere; das Birkauge ist weiss
wie Birkenrinde, das Bier-Auge rot wie eine
Beere; so differente Farben werden auch ver-
schieden in den Augen-Namen zum Ausdrucke
gebracht. - luoj ßfr*m)' \ Auge, 1. - I*u-
koma, wenn die Hornhaut einen weissen, bliiu-
lich-weiBSen, meist nur einseitigen Fleck hut
(birkenrinden - weiss). Der Bauer halt Bolche
Augen bei Pferden und Hunden für dauerhafter
als die schwarzen . der birkaugete Dachshund
hat den Vorzug in der Wahl ; der birkaugete Hof-
hund ist mehr gefürchtet. — 2. - Oculus noctu
videns; ein wie das Katzenauge hellachimmern-
des weisaes Auge d. h. ein Auge mit heller Regen-
bogenhaut. Manche Form ist anch AlbinismuH
der Jris. — 3 Pferde -Auge mit hellbrauner
od gelber Regenbogenhaut (Falkcnauge); Mnyrr
•-"j; /.ipiHTl — 4. veriichllich für Auge über-
haupt [Sehn. i. »4«. — Math» Auge, uh.i. piehln-
onjrl llppun; l">. Jahrh btoiMMigtea, DteMiiflvu
ulnare, i». 379; I ii-"» plenaugen, Henugkttter; nenarb,
der die uiiccii vor wetmiKe Immer oll und zu tliut.
n ::7'.i Nictator, ein geschwollenes, ilurch
Schwellung, Blähung erkranktes Ange, dM
immer Lichtreiz hat und blinzelt; (vergl. Blick
Auife) — ß/ar-Aüge s. Plttrr-Auge. — Blaues
Auge, ndl. 1Ö77) blaew ooghe s «ugillaUo (D. 5«1;
— <lie nach einem Schlage unters Augo ilurch
Blutaustritt entstandene Verfärbung der Augen -
Gegend(B. Btmle), Haemophthalmos ;>ir. \v. II, M .
— Blick-, (ß/ccit-)Auge ; «lid. plehenoca II. z XVI,
iü'.i Upsna;|ilekeuonaef llpim» '.r»rn,ri; ;pu-hin-
oukl Klaiieuinatf II. Z. XVI, HB;; Ideeeheu Mrhlhsr
machen, also Augen, die durch Kote oder son-
stige Veränderung auffallend sichtbar werden
vtfl. Srhmeller I, .0 n. a*J3; Kluce*, II. — il.">77
Blintz-, (Blitz-) Aug« Imelo««*: iu bUndaetai
KlngC M; Hud. Jim. Voe. MS; l>. ; das Augen-
blinzeln, oder ein Auge, das immer blinzelt
2*
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Auge.
Auge.
(a. d. u. übersichtig, schielend) — is7.>! blöde
Augen (Blod- Auge), 1. = hebe« oenli 8. oculi
attonitus, kranke Augen (lippus) w n,
Back 13). — 2. [Hr. 1. i-oii ,j cuüko - durch Augen-
achwindel augenschwaeh. — i'Mi Blut- Auge
HC. Jahrh.) blutrote Augen : hacmah.p« An tm-i .Miiril-
latio «»«-nü ..unterlnnYiie* Klüt in dem Aag lind in der
weissen Hanf A. v. II. II, N27. 72:. ; llypuhphmniM ».
Bacmatoma, auch AuKeiictitxuiiduiiK Kir. W. II, 17.'.)
durch Blutunterlaufung oder Entzündung ge-
rötetes Auge, Ecehymosis sanguinca 8. Hae-
mophthalmos extcrnuB. — Bock- Auge paetus,
derein Auge kleiner hat als das andere (s. Schlitz-
auge, Schiefauge), einer, der schief über sich
sieht beim Betrachten <;r. W. II, 204 ; Hurk 12;. —
UM) ßoe A«-Auge, 1. -= paetus, wie oben. — 2 =
übersichtig (h. d.) Had. Jun. 393;, b. auch Glur-
angen. — 3. = (1. eod.) Eiterbeule oder Bocketern
i - ApoMein, carhunculu« ; Verstümmelung des Wortes
Apostema, conl. sehmellcr I, 201, rae Bocksaufrej. —
Böse Augen, 1 . - solche Augen, deren Blick (s. d.)
schitdlich,verzaubernd wirkt (maloechio),Hexen-
Augen; mg). r«mr. v Mtirini.cn:. Buch der N'ftttir9.
ZitiKerle 36; IHrllnircr. V«.lk«t I, 199, m.w Ii- o. Jahn
,,ul>cr den Aherylauhcti des husen Wicke» hei den
Alten" in Beitr. d. k. sachs. Uesellsch. d. Wisscnsch.,
is .,:. * 2K- iqo. — 2. kranke entzündete Augen
iitut k i:t; Pauli 37j. — 3. - namentlich solche, die
i .'.iij ein weisses, schwarzes oder rotes Augen-
Mal zeigen, „denn ein solcher Mensch ist der
allerübelste vor allen Anderen" (BeaoU). — Boll;
(ßo//c»'-)Auge Srhwalion; Kranken, Hnek 12. 1. —
Bullen-Auge oder Uchsen-Auge. — 2. - wie ein
Apfelball o. Bolle (s.d.) geformte, ballenförmig
vorstehende Hornhaut (Staphyloma), 8. Apfel-
auge. — (16. Jahrh Bolz - Augen .Xventln) und
Iti Jahrh J bolzen te Augen ll SaniU sich hervor-
dringende, hervortretende ( bulzende) Augen
Glotzaugen (s. Bolzen, Bulzen) ttehmcOerl, 37.
23*. »90); 1,1620) die Augapfel bolzen herfttr (D.
Minderer'. — ß>yJttrf-Auge, ndl. braiullKe OOgen
l»e r..ek 12* entzündete Augen, die einen
brennenden Schmerz empfinden lassen <<r. \\.
II, SM). — Brerh-A.\XgB {7. — 8. Jahrh prahan-ougl
<"ass. Glon».) — Klaiicoma Staar',; ah<l prehniinnei
II. Z. XVI, 321 (jlauemna Staar - ; 12. Jahrh.) „Ir
OUgeO In dient ie aller Muni sum Stera dnreh wölken
bllkche" (Carmln. puran. Sehm 94 a2. ni' Glanz-
Auge, Glas-Auge, der durch die weisse Staar-
linse glänzend abstechende Augenstaar (s. d.)
(das eigentliche Glaucom ist — grüner Staar). —
Brennende Augen Brandauge , schmerzende
Augen (ver^'l. Augenbrunst). — Butter- Auge
-lippus, Oculus gramioBiis, ein Auge, das mit
Augenbutter, Augcnkase (b. d ) besetzt ist >;r w.
II, 5Mj Lippltudo. — Daxcer- Augen die durch
Masser (s. d.), Augenbutter, das abgesonderte
Drüsen-Sekret, verklebten Masser-Augen Pauli
39. 42; ; uiuiz Speise, ilie vcnlawcrt, verdaut wird
[dawer verdaute Spel*e'r) -- Hwmt. — IM)*; dunkle
Augen Scotomia.Taraxis, infolge v Schwäche,
Ohnmacht etc. Schlucht sehende Augen Heyn. 73;
L'oter, Ii a in — ;i7>» Eg ersten- Auge Elster-
Auge, Ägerstcn-Auge (s. d.) a. v. II. II, «72; Ew.
BU . Atzelauge. — einäugig {einauget}, ahd. etn>
auifl aluauKl «iralt I, 123, ; alnökir = limu», luscu»
Ii :!I0 lippus wenn ein Anire krank, und da» andere
Itesmid Uli, luscu» idesifl , mnnophthaliuus ; ei imune
II /., XV, 3-V'i mnnophthalmu« auch blind), coecus
■ Schindler I, ;!2S; Ii. lliii ; nihil. einociiBec il.exer Iii;
(l'.lfil einen?! der nit wul gesteht; (1921] aiu.-i:W «iiier
hlinrzler D. 3t0. ;Wi7 , il.VtO,l ainauifekhet (Wentnr., Bei-
triff V. 120) luscus, einer, dem ein Auge erkrankt
ist oder fehlt Vend. aueh Sehnieller I, :«0i ; im Wiener
Schlummerlied 10 Jahrh, I i«*t etaoilfO herro Wixlan
(Pfeiffer, K. n. F. II, t;«; . — Eingefallene Augen
hoble Augen (s. d.). — i7".i) Eiter-Auge, 1. - ein
eiterndes Auge, Oculua pus movens i.r.W III, :;«.u
— 2. = Hyiiopyon, Eiter im Auge (Hornhaut,
Augenkammer) selbst, „an Stelle des Wassers im
Auge4' ,A. v. II. 11, H23; l'latner 1, 31i. Sobenih. 61. 120. ,
— 3. - das Eiter- Auge am Absceaa = Äuglein (s. o.
Augo II, 2) - Geschwär-Auge (s. d.); I7ts; EU-
| fönten - Auge ■ Hydrophthalmia, ein auB starker
Geschwulst derUmgebung noch hervortretendes
Auge <ir W. Hl , «03; K. rh. SU), wobei die Ge-
schwulst das Auge klein erscheinen laust. —
1..4 .1 Auge Hühner-Auge (s. d.) (<;r. W.
III, 41»; De t uet 263; Coler, U. A 261); Aglaster-,
Eckster- Auge, l^eichdorn. — Palkt n - Auge,
1. = ein weitseheudes sog. Adler-Auge (s. «I.). —
2. - ein Pferdeauge mit hellbrauner Regenbogen-
haut nach Kaikenart Mayer 29. — Fett- Auge,
1. = Hydatoditis - Keratitis parenehym. mit fett-
ühnlicher Infiltration der Hornhaut. — 2. = eine
Augenkrankheit des Pferdes «ir, w. in, 1572;
Heyne II, 903; A. r. 11. II, moc; ; Wasserblase oder
übermässige Pinguecula, fettgelbe doppelseitige
Klecken nahe der Hornhaut, meist bei Glotz-
augen. — Flarr-, 16, Jahrh | Flärt -.flarrige, U7. Dil
\s jahrh tflerrichte Augen Ectropium, ein durch
das herabhängonde untere Lid entstelltes Auge;
auch das durch Sehielen entstellte Auge (strabo)
eutil. <.r w in, 177U, Sehmeller 1, 791 ; ersteres meist
eine Kolge von Lepra, Syphilis, Wund- oder
Brand-Narben ; n;n rote Klarrnw^c« ^ Bimle-
hautkatarrh mit Kote der Schleimhaut und Ec-
tropium > ..kr, H a in ; r.7«, überstilpöte Klarr-
Augen Ectropium (Tabernaem.) (vgl. Klarr,
Klitrre). — Flieasende, Flitz- Augen, mini niezendc
MUjen (Im Pwilval] (Or.W. 1,790 lippitudo, rinnende
AngVD (». d l; diu n-fiu- H|i|<uk, limtis I). 330); 116*7;
eiterlliessende Augen .«ieorg. 382J ; eitriger Billde-
haul-Kalarrh mit starker Sekretion. — Fl<m-,
FIuhx- Auge Triefauge.« iculuH lacrymans Wurx-
linrß '.r \V III. 1M20 , mint lloss'fK/;c>l weinen
■ l.exer, 31«; ; 14- Jahrh. Üiu i'nin , V(ie. upt. \\. l.'i 40
lipj.it* , lu-eu«, paetus. — Fl 08ch- Auge, Extipb-
thalmus hydrocephalicus, das wie beim Krosche
stark aus der Augenhöhle durch Druck von Ge-
hirn wasser sich vorwölbende Auge (bei Neu-
gebornen), Glotzauge (bei Erwachsenen). — Gf-
broehenes Auge ein mattes glanzloses Auge,
dessen Muskelkraft sozusagen bereits gebrochen
ist. - Iis; Geis-Auge, ' eher«, de* aejrüops (.dient
nnehllc.].« Augen wiukel-l ieschwilr Kraus, E.
2*. 79; «.'. v. Megt.jt. «niyo; Uegt). — (173*1
GV*e/iimr-Auge a. v. B. III, 3) ^ Kiter- Auge 3.
,,wenn in der Mitte des Ueschwilrs unter der
Haut der weisse Eiter(-punkt) durchscheint"
(s. Schwär-Augej. — Glarr-Aüge, nihil. RlarrauKe
Laxer WS); l'-90 glaruugen paetti«, lltnus ,D. 432,1 --
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Auge.
Auge.
21
ein schlecht Behendes Auge, das zum deutlichen
Sehen starr schau t( — glarret) odor stier blickt
Lexer*2<. — Olas-Auge: glasnugi Leg. Allamann. ;
«irnff I, 123 si visu* lactu* fucrit iu oculo ita, ut u.uasi
vitiutn remancat wenn da* Auge wie durch truhc*
«.las schaut : mhd. glu*i.euge Ix-xer 82 , glaxeoeuge
Schindler i, .70), 1. = das staarblinde, weil aus-
drucklose Auge, das wie durch blinde Glas-
Scheiben blickt (bei Mensch und Pferd). 2. ■ das
Auge mitglasahnlichem blinden Ringe (Greisen-
ring, Gerontoxon) um den Stern herum. — 3 =
das künstliche '1576) aus Glas, von Pari schon be-
nutzt ilarcrl. MO — 4. -dasglasglänzende, sehr
reizbare Auge beim Pferde Falke T, M2>. — glas-
auget - mit einem Glasauge (s. d.) behaftet, ver-
sehen ; gläserne Augen machen — sterben, mit
gebrochenem Augenglanze. — Gl dz- Augen, zu
ahd. glozzön = blicken Sehmdlerl, 179 ; 1697 glotzende,
Klotzige äugen, <ir. \V. I. 790; Urquell, 1891 8. 195; «.
Klotzen glotzende, starr schauende Augen, z. B.
beim Morbus Basedowii (s. Glotzaugenkrank-
heit). — Oluder- Augen = rot triefende Augen,
wie rot glühend aussehende, Hexen-Augen. —
l >9i : Glur- Augen (lad. Jim. 393; i» t32> Ubersichtige
Augen, Bocks-Augeu, Gluder-Augen, paetus. —
glutende Augen = glühende Augen, wie sie der
Teufel (Bock) hat oder das boshafte Nörglein
• Uhr Zinircrle 1, 2UJ = Gluder-Augen \green(grön)-
äuget Tirol Schindler i, 50. 999» = ein Eiterauge,
ein Auge voll von herabrinnendem Eiter (gerinn,
gerenn). — ,1*12 oro«s-äugiger Zcnlng. Voc. m. «;
I». 841 Buphthalmus , Bullen-(Stier-)Auge (s. d.)
eigentlich nur grosse Lidspalten, durch welche
man den grösseren Teil der Augenäpfel übersieht
llyrtl. Anatomie.""-"» — Guck - Aeugeli Wiirzhurv -
Augen wiedie Fenater-Guckerlein. — r-*3 Hasen-
Auge '•r.w.iv.2 vr. .-. Ectropium, Lagophthalmos,
Arlt i2x Uasenschlaf (s.d.) (von Menschen, die
da» obere Augenlid nicht schliessen können),
Lahmung des Nervus facialis o narbige Verzerr-
ung u. Um wendung des Augenlides; I7.'.t \. v. n.
II, 891 . lagophthalmiis 'mit derselben Krklariinu' I ; 17*1
Hascnangc narbige Verkürzung desoberen Augenlides,
lMatn.r l, M2, ectropium (s. Augenscharte, Hasen-
schlaf, Plärrauge) l'oeil de lie vre Bri« 305). Die
Hasen sollen mit offenen Augen uchia/en, weil
sie keine Nickhaut haben. — izVnncn- Auge, s.
Hühnerauge schmdkr I. 2k*'. — im hervor-
pausende Augen hervorragende Glotzaugen
< . v. Megbs . — i/crzen-Auge ein herzförmiges
tiewachs (öchaden, Warze?) auf der Haut (La-
me rt ist; i.occli 171 - 16201 Hetzen- Auge Hüh-
ner-Auge, Elster-Auge (Hetz - Elster); Schmdler
I. 1193 1191 Ii Minderer; A v. II. II, 672 — lltXai-
Auge Gluder-Auge, lippus, mit Ectropium;
Trief- A uge (s. Hexe), bei dem die rote Schleim-
haut sichtbar ist. — hitzige Augen Ur w iv. 2.
US») = entzündete Augen, Brandatigen. - 1606;
hohle Augen <;r w. rv, 2. 17M. 1713 neductoi
babtm ocolormn orbw, eingefallene Augen; „bei
Verminderung des Fettes in der Augenhöhle
tritt der Bulbus in die ürbita etwas zurück, die
Augenlider folgen ihm nach; grenzen sich die
Orbitalränder dabei durch tiefe Furchen ab,
so entsteht das hohle Auge, welches ein nie
fehlender Begleiter aller auszehrenden Krank-
heiten ist" Byttl, Auat. 545). — Hühner- (Hennen)-
Auge 1501 hnnerang; US! hieneraug — rlavu«, Leich-
dorn T>. 126; r.r. W. IV, 2. 1878; 1>91 huueraug, Hart.
Jun. 387; 161". huneraugen, Coler. H.A. 261 ; 17761Inhucr-
atiK, Wenk, ; nach Behrend (8.1 hat das Hühner-Auge.
Krebs-Auge, Kl>ter Auge. Eglester-Auge etc. folgende
lateinische Namen gehabt clavus pedum . tylo«, tylosls,
tyloma, cnllus. porros. porroma, poruaU, Verruca «Um.
helos, gomphos, gemursa, interdigituui. „Ein dunkler
Fleck, welcher sich in der Mitte des Clavus an
der Schnittfläche befindet, ist entstanden da-
durch, dass sich zwischen der Basis des Clavus
und der Cutis ein Tröpfchen Blut ergossen hat,
das zwischen den Epithelschichten eingeschlos-
sen allmählich gegen die Oberflache gehoben
wird, wobei der Blutfarbstoff eine Umwandlung
in dunkles Pigment erleidet" fHjrtl, An .21 ; dieser
dunkle Pigmentfleck mit dem Hornhaut-Wall
soll eine Ähnlichkeit mit dem Auge des Huhnes
o. sonstigen Vogels, oeils de perdrix ;Brls» 212
haben. — Kalbs- Auge, 1. a ein Auge, das weit
vorspringt wie beim Kalb (Exophthalmus)
oder 2. = ein Auge, das einen starren, dummen
Blick hat <ir. W. V. 59). — fisoi) Katzen-Auge Und.
Jun 393i Glaucophthalmua (Gale-amaurosis)
Kraus E. 4»r, 1. — ein Menschen-Auge, das einen
glimmernden, opaleeierenden Schein gibt, wie
das bei Dämmerlicht funkelnde Katzenauge. —
2. = ein Auge mit langgezogener, durch Verwach-
sung der Iris verzerrter Pupille Krau» E. 404l. —
3. - ein nach dem Volksglauben nach Katzenart
angeblich auch bei der Nacht sehendes (d. h.
funkelndes) Auge, das man erhält, wenn man
einer verendenden Gemse die Zunge ausschnei-
det (Dämonenwerk, s. Katze) Z 1 V. f V. K
is9"> - 11:1 — Klemm-$MgßÄ halb offene*, halb
zu^eklemmtes Auge Schindler 1, 133». — 16 . Jahrh
A'mV-Auge kniioug, ClK-i>etzmiK des oculu» ginn
der Atablftten Kniescheibe (Patella) ilyrti , k.
w. 96 . — A'ni>-Auge ndd. - Kneif-Auge, ein
zusammengekniffenes Auge ic.t. Vi. V, U06). —
1«. .lahrh Kott&Ugig '-r. \V V, 1901 , einor,
der das Auge voll Augen butter, Augenkäse,
Augenzieger hat gramiosus ; Kotz Eitet bläs-
chen (conf. Sehmeller I, I3is\ — A'rrt/toi-Auge
1V.1 kraenangen, Bock MS; 1713 Krahenaugen, <ir. W,
V, 1973; 1742 Krfthen-Augen cl»vi pedU Zw. 813;
187."> Krähen- Augen. Muller, Krtrtn-h. 2V*, - Hühtier-
Auge (s. d.), Elster-Auge, Leichdorn, Clavus
Pauli 2V. — Krebs- Auge <ir, W. V, 1973J, 1) - Hüh-
nerauge; 2) Augapfelkrebs Kalke II, 12). —
Kuh -Auge <-r w v. 255] Buphthalmos,
Bullen-, ötier-, Uchsen-Auge, grosses Atme.
— Laufendes Auge adl, loopend ooffhc llppitudo.
. 11 333] Fhiss- oder Triefauge. — lauteres Auge
ahd, luitarouga ür w. VI, ^o klares, helles Auge,
das klar sieht. — iit: Hechte Augen <.r w. vi.
m-.iv luutere Augen. — Lyp- Augen nieldcrlnnd
liepoogeu.lK « k 12h verlilppto, vergiftete, bose,
lote Augen (Triefauge); tl7".lypogen, lijpogidi, 1577
lee[>ooghc ; 1777 leepoghe - lipjni-, lippitudo, 1». .!;".'.
— I V.H Lu.C^en Auge lind. Jun. 2t; Kraus, E. 5>t0i
scharfes Angel Sehvermögen} in oi.eri'uyern
noch gei.niu. hü. i. — .lfa*rr-aeugig l '. Jabrh.
nacwraiiKceht hppu>. D. »32 ; einer der Maacher,
.Masser (s. d.) 1111 Auge hat (s. Dawerauge). — I7M.
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22 Auge.
3/a«*-Auge \. v II Ii. ti22.' = „ein anhängen-
der Vorfall der Traabenhaut (s. d.) des Auges,
der von einer Schwärung in dem Schwarzen
desselben entsteht (prolapsus chorioideae)", „er
spitzt sich wie ein Mauskopf zusammen" (A, v.
II. L c.j. — Milch-Auge - „wenn sich bei einer
Wöchnerin durch Zutritt von Milch (?!) in die
vordere Augonkammer seine wäsarige Flüssig-
keit verdunkelt hat" *.r. w. vi, -2190 Amau-
rosis puerperalis, durch Blutdrucksteigerung
in der Lactationsperiode. — Mond- Auge icse
mon(<i)-äugig '«r. \v. iv, *j.von> ein Augenfehler,
der mit dem Monde ab- und zunimmt, ein fast
ausschliesslich nur bei Pferden gebräuchlicher
Ausdruck j Wechselauge, mondblind (s. d ). —
Xacht-Auge , anal*, nyilu w; <iui paUlur dal oeuel
iiyctaliuixi» ; |>a»xl>> i«unnd« <|til» In «llc non vldei Md
in Icnebrta I». S79i (s. nachtblind; Nystagmus
Nyctalamus). — jYass-Äugele thränende Auiren
| Schindler 1, 50}, IT Jahrb.). — A'ffel-{Nißely Auge
(nefelauck) das juckende Auge, dessen Um-
gebung durch Augenfluss gerötet, gereizt ist, an
dem man niffelt (b. d.), reibt, wetzt Schmeller I,
17.H lippus. — . itiwi Neid- Augen Or. W. vn, 584),
1. = Oculi lividi, durch die sog. Neidgalle (s. d.)
gelbe, ikterische Augen. — 2. Augen, die ein
sogenanntes Neidhaar (s. d.) über sich haben.
— 3. - neidisch blickendes, lucgendes, lüsternes
Auge; nh.i luagalinemo ougin lubrico lumine
srhnniK r i, 1 m — iTis Ochsen- Augen, „<i<t En-
gland de* Augapfel», wenn derselbe durch Waaaentichl
vefgrttMert ist" "'1 - bupluhnliaos, ßo<i»r:;, hydroph-
thalmla K. eh. Hl; <;r. \\. VII, 1132) , 1. - grosse
Augen und Exophthalmus bei Mensch und Pferd
WeJeltard Kl; Zipp. si — 2. - „eine allgemeine
gleichmässigeKktasierungdcr Sklera auf beiden
Augen, welche zugleich mit Vergrösserung der
Cornea von frühester Jugend an beobachtet
wild, die zu allmählicher Erblindung durch
Druckst eigerung führt" < Arlt 21.*»; Richter III, 129 ;
dieser reine Buphthalmua ist sehr selten, die
Ii riechen hielten solche stark vortretende Augen
für schön; (Glotz -Auge) — Pippel - (Poppet-,
Bibelin: Pöppelein- Auge >.r.\v vn, im;»;. sriiic«ien,
Schweiz] Trief- Auge(chron. Bindehaut-Katarrh
mit starker Sekretion), vermutlich als Wirkung
de« l'öppelmann8 (s. d.) angeschen. — Plarr-
(Plärr-, Flerr-^Auge i plei-aiut«.! llppu», II 1 12 1
l'.v; placraui,'cn. plei-nmaen, plannten, «fr. W. II, ll»7.
lüs; VII, 1KW , 1. das mit dem Plärr (s. d.) be-
haftete Auge I Aurisiu Aurigo'.' . das Trugbilder,
Nebelbilderdadurch sieht. — 2. ein rotes, trief-
endes Auge (chronischer Bindehaut- Katarrh)
mit Ectropium d. h. auswärts gekehrtem unteren
Augenlide (Hasenauge) ; i7M:;iMiirr«iiKi' ectropium,
Plaltner i. Hl; schw. 4u-»;. — 3. = schwachsichtig,
nicht recht gut sehend (Augen - Nebel. Nacht-
Nebel s. d ). — i :;i polttende \ Pol(z-) Augen
>ir. W. VII, l'.mi i ".»:•:;• Glotzaugen Bolzaugen
(s. o.). — quate Augen eiternde, böae Augen
De r.wk ]-•»; (Lypauge). — (^ucr-Auge, mli-l.
Iwerhei onsetir. Vf. I, 7'.mi schielende*, aberquer
sehendes, schlimmes Auge. — Reh-Auge ein
über die Intelligenz seines Trägers tauschendes,
sanftmütiges Auge, wie es die Hebe haben [Btreher
SU).— i iv:; Rinds-Auge K. v. Mcu-ia- Ochsen-
Auge.
auge (s. d. und kranker Mut). — Ring-Auge
ein Pferdeauge, bei dem die weisse Sklerotika
rings um den dunklen, aber durchsichtigen
Augenteil als weisser King sichtbar ist zipp. *' ■
— Rinnende Augen, roin-äugig (*.—$». Jahrh. ; ahd.
Tiiuiam I ii niinun , i.rarT I, 123; II, .*«13 «<tifhi!.i<i ocu-
lonun ; IHM Trie lautren, Hock 24S; <;. \v. VIH, lui»,
schm. i, i.Viij akute und chronische Bindchaut-
Blennorrhoe mit starker Sekretion. — Rote
Augen Omina rubescens Hippokratis Krau»
E. «8-V, 1. = durch Bindehaut - Katarrh oder
2. - durch Bluterguss um die Augen gerötete
Augen. — 3.-8. Hexenaugen tbenit. 117; □, \v.
viii. moo — ifofz-äugig triefäugig, rinnäugig
— Rutzige Augen rotzige, Schleim secernierndo
Augen — Sand- Augen - Blepharolithiasis Ga-
leni Krau- K ift-'y ; >17Vi „wenn man In dem Auge
etwa» wie Sund »der kleine SteinJela rieht" [A. V. II.
II , 17, Kalkbildungen (Konkremente), in den
Meibom'schen Drüsen, welche sich bei den
früheren, stark durchräucherten Wohnungen u.
dem daraus entstandenen chronischen Binde-
haut-Katarrh vermutlich häufiger bildeten als
heutzutage (vgl. Sandmännlein und Rauch). —
»ii -Angle kleines Schweinsauge oder auch
teuflisches Schlitzäuglein Huck 12; Blriinjfcr I. r»
— iSrtwr-Auge s. Surauge [MM aawratiglg ll|>-
pldus, D.3Ü2) - I» schäbiehte Augen mit Eiter,
weissen Rinde- oder Aussatzpusteln umgebene
Augen («r. w VIII, l»vi ; ». gehlbe). — Schafs-Auge
das dumm blickende, mit dem Schafsauge
verglichene Menschenauge ><>r. W. VIII, 2er« . —
mhd. Schale Augen trüb gewordene, in ihrer
Sehkraft erlöschende Augen <.r \V. VI 11. jo «7 jiv.
— Sdutrfc Augen Angenschärfe (8. d.). — 1 1>.»2
Scheel-, schelle, Schiel- Augen, -äugig ^ schief-
sehende, scheichende, schielende Augen Had.
Jnn. 3'.i2; i. \v viii, 2 in; De r«.ek2io — Schelm-
Augen boshaft, schelmisch blickende Augen,
schlimme Augen, 1. Ii*« Oculi limi, schiefe,
scheele Augen, — 2. schlecht sehende Augen
-Heyne v, 3M — Schlitz- Auge ein mongoloidee
Auge, dessen Spalte nicht horizontal gerichtet
ist, sondern im äussern Augenwinkel bocksartig
eng, nach aufwärts geschlitzt erscheint (Rank«
II. • — Schuppichte Augen IMRsehyhtleeht«
iiiiKeu; II. \ <;ci-> st Augen, deren Umgebung
sich häutig abschuppt. — Schtcär- (Sthintr-)
Augen Geschwür-Auge (s. d.) Wehm. I, W; IV
Jahrb.; > rannnit li|>i«u>; I» :::t2 . — Schweins-
, Augen kleine Augen (bei Mensch und Pferd \
wie sie die Schweine haben. — Sr/urn'as-Auge
— ein Hühner- Augeam Sehweissfusse — Seifer-
äugig ins : mll, *ij|."Kl. h, D, W2; ndl. djpeleu
iropfeln, Klu«e 4, ;;i «, lippus, Triefauge. — Sicbcn-
Aug, ein Geschwär, um «lessen Eiterauge sich,
wie beim Attles-Tritt (s.d.), weitere, kleinere (7)
Abscesseheii ausbilden, ein Geschwär, welches
mit vielen Löchern aufgeht In •< k ■**> . — Spore
Augen fratte. sebrundige, aufgesprungene
Augt-nlidbaut >. hm II, «M — Sur- Auge , alni
nonromcer, «iratr 1, 12:1; «arnum, rarnnre II. X. xv, »8;
»nrtiiie», II Z. XVI. IS; Miroiiiren H. X. XVI, M! J (Miinllicli
lip|Hi>, nihd. •.iiroeuite, M'irnj:«. lippn« < Jerni. X \" 1 1 1 .
•17; l.exer J Vv : |||>i «un niuiHu ll|«pn>, I». 332
ein rinnendes Auge mit chronischem Binde-
<
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Auge — baar.
Auge — Bach.
bautkatarrh, dess»n ätzendes Sekret wie Salz-
wasser^ aar) salzig (sauer) schmeckt, d. \v. Vlll,
i*6i , iA70;.<chm. — Thränende, i7«i i Thränen-
(traurige) Augen ■ durch Bturkfliessende Augen-
zahren trttbeAugen,Lippitudo, Epiphora lascivia
(Tripperauge?) i>. i<m. «soidwhni. iö; bell in. 307;
i>. -joi.i. — 17 .6J Trauben- Auge - Hornhaut-Sta-
phylom (Galeuus), sogenannt von der Trauben-
haut, dieBich durch die verwundoto od. goechwuT-
ige Hornhaut vordrangt und eine Weinbeeren
ahn liehe Geschwulst bildet (Arlt H3 ; A.v. H. II, W»).
- Traurige Augen fiswj - dy trorl^n.tnurlfeouglien
- Uftpttudo i>.*t.;j vermutlich - traurige.thrttnende
Augen (s.d.) — Trief- Auge [Uk Jahrfa.t rutende äugen
llppttudo ocull D. 33i; Gr. W. III, :\'Xl ; \XV> triefTcn
der autecu von hlodlgkclt de» hinis [Schnupfen) ; Krle«
"3, *0 ■ i'.'.tl trieffnue - Itppu», lind Jim. :t»3 ; 17.V, Trief-
Augc — Uppltndo, A. r. II. II, UM) „wobei *o scharfe
Thrillen hernuaflleaKcn uml triefen, clawi davon <liu
Hornhaut und da* Kunze Angeaicht angefressen
wird " (a. v. II. I. c.) - Hexenaugen wegen des
hantigen Ectropium — chronischer Bindehaut-
Katarrh, Ophtha)miacatarrhalis(s. auch Augen-
fhiBa und Fluss • Auge, Thrttnen - Fluss.) —
— Tritt- Auge [Schwaben; Huck V2. ia; - Ectro-
pium, das wie ein Trill (s. d.) lippenförtnig um-
gestalpte und herabhängende untere Augenlid.
— Trübe Augen iv.i truebe Bugen, H. Bock i);
n:* cnliKo. netniln Flor, Nebel vor den Augen
A. v. II. II. 18. — Ooer-äUgig H7"> ndl. »vor-
ogtek — Umus, D. sso) = Ubersehnig. — üblea
Auge böser Blick (e. d.) ffiebrecht, V. Kd. .t6i).
— waltende Augen IH. Jahrb. walzend orgen, Voc.
opi. \v. in paetus, das Auge mit Lahmung des
Musculus ubhquuB oder rectus, wobei ein Auge
anders um seine Axe gewalzt wird als das
zweite gesunde. — itx;:j Wasacr-Auge= Augen -
Wassersucht, Hydrophthalmus Platner It. 7). —
Uatukräuglen Thrttnen im Auge haben [Hebm.
ii loitfi. — ii.v.nt Wechsel-Augen <-r. w vi, vus)
- Mondaugen (b. d.) des Pferdes, „die allezeit
heim Neumond dunkel uder gar blind sind1',
mondhlind (s. d ). — ZüAr-Auge, mini. xarroiiKl
«.ralT I, I3S); när - Zrlhrv, Thrane Schindler II, IMiJ
hippitudo, ein thranendes, Hiessendes Auge
(Blenorrhoe). — Zitteraih-Auge, thO, dttarouga,
eine mit Zitteraeh-Ausschlag entstellte Augen-
tregeml 'inifi IV, SM] (s. Zitterach). — Zitternden
Auge Nystagmus - osci liierende oder rota-
torische Bewegungen der Bulbi, «lic im Wach-
zustande immerfort oder nur beim Fixieren der
Augen in die Erscheinung treten. — Zorn-Auge
i augjg , ahd. zorauauga firuff I, 1231 - seoto-
mnticus II Z. XV, SW. .t"n- Kchrnclter I. 1G20, snl»
Millich ; ..dem scotutnatlcus dünkt, wie Mucken vor den
Augen fuhren" Flimmer - Skotome , die beim
Zorn im Auge erscheinen taugaxobrat, <;rnfr i, 123)
(s. augenzornig). — Zieie äugeln so schauen, als
ob man nach zwei Seiten blicke, schielen. —
Aug en) -Ader, -Aeber (-Apem), -Apfel- Ast,
Hatte- -Beisstn, ßeschläcJit, -Bisa, -Blendung,
•blöd, -Blume, -Bogen,- Brächten, -Brand, - Braue,
(brä), -brechen, -Bruch, -Brunst, -Bull, -Butter,
-Butz, -Butten, -Deckel, -Drüsen, -Dünkle, -Ecken,
- Eiter,- Endtündung. ■ Fahne,- Fall, -Federn,- Fell,
-Fenster, -Fett, -Feuchtung, -Filt , -Finnen,
-Finstere, -Fistel, -Flammen, -Flandl, -Flecken,
-Fittich, -Fliegen, -Flügel, -Fluss, -Frättc-Oerste,
Oestell, -Gicht, -Gift, Glast, -Gleff, -Glider,
• Grube, -Haber, -Hauck, -Häuslein, -Haut, -Hohle,
•huefig,- Jucken,- Käse, -Kern,-Kieselstein,-Kind,
•Kittel, -Klott, -Knochen, -Kolch, -kotzeti,
-Kräfte, -Krampf, -Krankheit, -Krebs, -Kreis,
-Läpplein, -Licht, -Lid, -Lippe, -Loch, -Luck,
-Mal, -Mangel, -Männchen, -Masser, -Matt,
-Milch, -Nagel, ■ Nebel, -Nest, -Pein, - Perlen, ■l'ferd,
•Räude, -Rand, -Rebe, -Ring, -Rinne, -rissig,
-Röcke, -Röte, -Saft, -Schaden, -Schäbigkeit,
•Schärfe, -Scharte, -Schatten, -Scheckel, -Scheelig-,
keit, -Schein, -Scheuern, -Schimmel, -ScJdeim,-
-Schmält, -Sehmert, -Schrimpf, -Schrinnen,
-Schwäche, -Schicär,- Schwärt, -Schweiss, •Schwin-
del, -Schwinden, -Sehe, -Sehr, -Seifung, -Seiren,
-Sperre, -Staat; -Stall, -Staupe, -Stein, -Stern,
-Stirne, -Sucht, - Thräne, - Thor, -triefxq, ■ Tripper,
- Tropf, - Tropfen, ■ Uebel, - Weh, - Wehtag, - Weiss,
-mtnken, - Werren, - Wimptr, • Wimmet n, - Winkel,
- Wolke, - Wolle, - Wurm,- Wust, -Zacken, -Zähre,
-Zahn, -Zauber, -Zieger, -Zittern, -tornig, -tucken,
•zwinkern, -Zicistern.
Aunken s. Unken.
aus- ausser-, die Zusammensetzungen mit
dieser Vorsilbe suche bei dem betreuenden
Stammworte, z. B Ausschlag bei schlagen, Aus-
geburt hei Burt, Aussatz bei Satz.
aus und ab Luxatio et Fractura.
Auter, in , u. 1. - Kuter (s. d ). Auter-Kegel.
- 2. = Ader.
Axe, s. Achse.
Axel, 1. Assel (s. d ) [Heb walten ; c v Nehm, ist]
- Warm am Finger. — 2. ~ Achsel.
baar.Baare, f. (Bare), Wurzel bhe» . ludog. bbo*o-a
entliloKM , ahd. bar, mhd. Imr; cnirl. tum- nackt,
MlMM (Kirnte*, 'JMj - ltl«m»e ^Schwallen • Schw. II. —
baar nudus. — baar-.'H.-- , -liaupt , -kopfig,
-schenkelig — //aitpfbaare; m inhrii.hniiiH ti.nrl
- calvitium; Notker I! 1 (ilatte.
Bach, m. wem. bakl*, bakltt*; ahd. tmhh , mhd haeh
„Sin uralte* Wort" Klugr'", — jT/trärioi-Bach.
Diealteren medizin. •Schriftsteller nahmen einen
solchen im Thränen- Kanal zwischen den l.id-
rftndern und der vortleren Bulbusthlche im .Mo-
mente des Augonschlusses" an (Hyrtl, .Mint. :>io).
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24
bachein— Baeke(n)
Bad — Bäuschel
bachein (bacherin), 1. = einen Wasserfluss
machen — mingere (Kinderstubensprache). —
2. = bähen; ein auf\ gi bachelts Kind - ein
schwaches Kind, das noch lebensfriach gemacht
wurde durch das künstliche Erwärmen, Bähen
Backen, Backe, m., f. ahd. bnhhn, hnrcho Kinn-
lade, Backe « iraff III,:»; Gr.W.V 777; , inh«l. harke. hache
Kluge * 24), lat. bare« -Hu aufgeblasene Barke ;. 11*2 1
packe ; iv,i .lerBagk. 1. - der Gesichtsteil «wischen
Nase und Ohr, Maxilla, Wange, Backen-Wange
Zolling. Voc. y. 2; Burk 12). 2. - Backe - Arach-
backon, Podex (D. «:»; sächsisch) Hinterschenkel.
Backe(n), m. Rückenstück; altgcrm. bark
ttürken; ebd. behbo; mini. bsehc Sehlnken-Hpock-
scltc Kluge*, 28) nicht verwandt/um vorangegangenen
Wune I; engt back - Kucken. — 4r8cA-Backe(n),
crM mhd, «rshncke,- (1». 176; Kluge *, 15), 1. (1590J
elunK uates Kischart. ; «irimni \V. I AM; «rspiuckcl
Kobmcller I, joi | Nates. — 2. - Die Umgebung der
Natefl IVii arslmck trnchanter innju- Ilyrtl, K. \V.
9. — 3. — Schulatmlruckj ilVilj arssharken des
hyrn* — Corpus quadrigeniinuro, d. h. das Hinter-
paar des Vicrhügels Ilyrtl K w ho:. — 'iogo) Dick-
Back Pausback 'ir w. n. 107s . — dünne Backen
s— y. Jahrb.' thlnnapahhun rass. i'liwn ; IMez «KP
tcm|H>ra Schlafe) entspr. den ..«liinnen Wangen";
l»icu «teilt es zu ahd. linna Slirne, also-. stirnhackc,
die es iiIkt als solche nicht gibt; Kluge5, 32t «apt, das*
hinter ,.l)üntib«cke" [und „IMinawange"] die altere
germanische He/.clehnung für ..Schlüte" steckt, die
mich in vielen niederd, Mundarten lebendig geblieben
ist. [s Inmmingj — ilVW dunnbacket II Sachs; t.r
w. Ii. r>>! dünnwangig, dünne Backen wangen
— b.| .» geschwollene Backen Parulis, Wangen-
schwellung (oder ll Ii. 12s . — Hinter Backen
Arschbacken im Gegensatz iu den (vordem)
Gesichtsbacken ( Wangen); imih hindnpacketi.
Ilyrtl, K. W. ; 17 t» llintcrbackcn cbincs, nates
,\. v. Ii. 7). — «1777; //im-Baecklein - ginuei s. natc*
eerehrl i|>. 2iH*n ein gewisser Teil im tiehirne Arsch-
backeii — Kt in Backe '-r. W. V, 77o Kinn-
backe. — A'ic/-Backen fehwetej «r. w v. m
Kinnbacken. — Der (die) A'tnn(s;backe(n), «bd.
chlnulpaeho, kinnl bacho f(!r. W. V, 77.\i KiimlMdr.
Racken, Kinn; eblnna pabbun "iraff 111,39; Hr. W.l. c
Kinnlmeken und Schlafe «. " tiuuapahhun , 7. hls
s. Jahrh ehiuiiapahhiin, f»«<. «'h>ss; s. Jalirh. chinni-
Imhhoii maxilla, EtW sl; 11. Jahrh. kinnchachn
hmncliiislgtila), mala, maxilla, U.Z. III. :«;•» ; kluuihaccun
mala. II Z. XV. in. 110; ChltilieU mcntliui. II Z.
XIV, 313; mhd. kinnebacke. «ir. W. V, 777; IV Jahrh
kitiuhacke mentuui ifaux . <;r. W. V. 77H; 1177 Kyn-
Imckell hraneus mala, maxilla), Im l ange I 7:U'>;
iir. W. V, 77s snb 2a; 14*2 kiupack mandiluila
Zciiing Voc. -|. I, l'rfM klnpaeke. kinpagg maxilla
inferior. Hr. w. V. 777; UM klenbeck Kinn, Kinn-
hacken, <ir. W V, TO; IM* kynhark maxilla.
mandllmla. II. v. «.ersd. y7 ; Mist konharken Kinn-
liaekeu , <ir. \V. V, 777; 10*0 kunnhaekeu Kinn-
hacken. Hr. W. V, 770; 17*2 kinbacken maxilla in
ferior, (Ir. Vi. V, 777 J. ,,l»ie Zusammensetzung Kinn-
Birkcll Kinn Kinnlade, Barken Kinnlade snlltr
■ Ii." Bedeutung Kinnlade um mehr Hieben als so-
wohl bei Kinn als hei Backen sieh im Sprachgel.rau« he
noch weitere Bedeutungen entwickelten ' «ir. \V. V.
777 ff . Nach der meisterhaften Knlwleklung In 'ir W
l e ist Kinnbatken 1. = Kinnlade als der untere
bewegliche Kiefer. — 2. - der mit diesem mit-
arbeitende «Iberkiefer (oberer Kinnbacken). —
3. = das Kinn. — 4. der Schlund. — 5. die
Wange. — 6. - die Schläfe 'aher nur im ahd
s. (blnuapahhiiii — hm ^backen -/>>., -r . Ge-
schwür. -Zahn, -Zwang. — A'i.--Backen Bayern .
t;r. W. V. 77S1 Kinnsbacken schmeiier i, I8i"j.
— Lange Backen, ahd. lanebeeho [GnuT, m, »1
= Hängebacken. - Paus-, (Paust-, Pfaus-}
Backen 1«> Jahrh 1.17 - 1 •.::•.» Itausl.aek Pau.twek.
PfMifbark, t;r W, l, nys boerae inflatae. ivu pfaus-
bnck huren. D. s.;, Bussl»ackcn hucculeutus, Iiilas.
Kugeln, baushaekig, llad. .Inn. 31M; Ii. Ii. puusbacke,
Hr. W. I. Müs, VII. I'.l:: Bausbacke , nbcnl Blaus
harken, ' \ Hrhnt. tO\ Kluge4, 279); m mhd. pfAeen
- <\. pfnusen (», d.) wbnatlben, also rigeiillleli
Backen, wie man sie beim Schnauben volluimmt,
aufgeblasene Backen. — Triefäugige Pamba,cke
Mr. Vi. I, IM»), eine vollo Backe mit Triefaugen
(8. d i, ein Bild der torpiden Scrofulosis. — loio
fy«/crs-Backen <ir. w. i. mis - Pausbacken. —
Rot- Backe rote Wange. — ScAnw/backet (c. v.
seh, ii 47o im Gesichte abgemagert. — Stirn-
Backe ». Jahrh.i thinna|>ahhun .l oss, (Jh.ss.
Diez U3 , die Stime heisst im ahd. ttniia; Oriiiim ver-
hcsi-rte diLs .früher in den fass. <ilo«s. iiiigenommene
eblnnapabhun temponi in ihlnna pahhun — stirn
backe. — Backen-- Ipfcl, -Bart, -Bein, -Blase,
-Darm, -Geschwulst, -Hohle, -Knochen, -Krampf,
■Leiste, Sack, -Tasclw, - Wange, - Winkel, -Zolin.
Bad, n Bade-Frisrf-. -Krätze.
Baecker, Bagger s. Pecker.
Baecker, backen, ndl. herbakken. gohakken
V. K.Y n.s erzeugt — niclit recht ^backen sein
Burk i > blödsinnig, weil bei der Erzeugung
nicht recht geraten — zubacken - wie mit
Teig verklebt sein n \ in«; z. B. au den Augen.
(Jeher das Backen (Umbacken) und Mahlen det
Menschen s Altwdber-Mühle und Ufen. —
Bäcker-
Back-
Bäckling m. 1 einer, der eine geschwollene
B«tAfhat( Parulis) I h233 >. — 2. ein Wind-
dorn am I.'nterkieferrand des Pferdes l7ts
Mnsrhenb. •'2'. — Ii. ein Pferd, das au eiuer
Backemtahnt'istel leidet i ulke I •,•>
Baen, m. (Mecklbg) Gaumen. /. d v.l. K V
iv.es. SM] MundhOhlendocke (Bühne) Kluge ..;>
Bälgle, Bälglein, n. s. Balg.
Ball, -baellen s. Bell, -bellen.
Bändl (Bändchen) s. Band.
Baer in Baeren-sScWa/", -tattig, - Tritt.
Bare (baren, Baerung) s. bar.
Bärpel s. Berpel.
Bäuchlein s. Bauch.
Bäuschel (Bäuschlein): mhd beincberi da*
oU re Kingeweiileeines Sehlachttlere«, tlas im Bauschen
herausgenommen wird l.cxer Ii. IV.l 2: das huschele,
t.nsehlelii «.i w Ii, rna;. 1. Nachgeburl, Bürde.
Beine, -Fiscli, -Krätze.
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Bagol— Balg.
Matterkochen, der sich als ganzer Bauschen
entleert, Secundina. — 2. - F.xta, das gesamte
obere Eingeweide, das man als einen gemein-
samen Baaseben aus den Schlachttieren heraus-
nehmen kann (Opfer-Anatomie) - Herz, Lunge,
Milz, Ix)ber (<;r. w. I, nw,< (vgl. Büschel).
Bagol, m. Tirol , Mint. -V Ii) — ein kurzer, dicker
menschlicher Körper wie ein Bagel lilenen-
korb, Schmeller I, 226
Balg, m. in vorserm. bhelidi - M-hwellon; »rerm
balgt-, belg, franz. boyati > »olgarh; ; angln, bylg. I«dg;
irini-h bolg . alinonl. Imlgenn nuf|fi'!-rhw«dlen Kluge &.
2-1 1 ; engl. Iielly Bauch Schnorrer IUI ; iihil balg
follix, nihil. bah-, 1 die zum Aufbewahren
von Flüssigkeiten in Schlauchen abgestreifte
Tierhaut ul»er die Unterschiede der Haut von Kell,
lutlü, Schwarte v <.r. W im, UM); die strotzend
geschwellte Hant ahd belgan , nihil, tilgen mm««,
■cbweUen, Kluge I. c] ist der Balg als volle schwel-
lende Hülle; darum aber auch „auf den ge-
schwollenen Leib spezialisiert" [Klage1, SS) —
2. = Bauch, Leib (voll und leer); [1498 rentcr,
MiilMi'hlK, lir. W. I, 10M; D. 610; Delling, hayer Idlot.J.
— 3. = Tumor, Uterus «trimwller I. m). — 4. -
der ganze Körper Tirol als ganze Leibeshfllle
Itint. :.. ». zügeln i - 5 - die Balge (belg)
Testiculi, Serotum (s. Hochbalg) <;r \v. [V, 2
l«06; M21 i» ;.2i). — (5. die menschliche Haut
— Fell (s. d.) — 7. — - ein kleiues plumpes Kind,
das einem wassergefüllten Balge (s. Wechsel-
balg, WasBerbutte) verglichen wird. (Vergl.
Bottich, Butte, Mondkalb). - 8 Baelglein
der kleine Balg (s. d.); abd. palgaliu Kitas Hl,
107i. IV Jahrh. halgle NaebRebtttl llyrli, K. \V I.
Iis. |>clglcin t»elll»l «ei'undina, Zeniug. Vor. o. 6;
1507 balgeleln [II. can ] amnlon , V#* balglein lullt-
culim und die lote Krurht [TnWrnnfmonl' ; 16. Jahrh.
baclgle Mi ondlnn genannt fArzticybuch , <ir \\. I.
iom. . nlwo durchwegs auf die die Leibesfrucht
hergendo Eihaut nebst Anhang (Nachgeburt)
bezüglich. — 9.-8. auch Bolgach. — .l.v Jnhrh.)
. 1 1 .-'''i-Balg, ar-|iclir, ar««liellcg, arKvItolgv ^chmcllcr
l. Ii» n m Piga, Nates Arsch ballen. —
irtwf- Balg Haeuiatocvste , eine mit Blut gc-
füllte. stratfgespannte Hautbeule Kram B ffi).
— DrUsen-Bulg die das Drüsengeweb« eng
umschliessende Haut. — /)Mrrr-Balg, doerrbalg
rniucll IV. 17; Sieben!.. 9*ch> der lud uls ein-
getrocknete Leibeshülle. — A'KterBalg, »h.i uder-
t>alir «.rafli l.v.) - weibliche Brustdrüse ulsmilch-
gefnllle Hauthülle. — Galkn-Balg H Jahrh
gallcnlMilg Hl.ti \ejMn) vclll-, fclli«, Vor. o|.|. W. II;
I . Jahrh. Kall.nl.nlrk cMifellu«. I» 03» | I |H2 gallcu-
riata Icllla, Zentnjr. Vor, k. i Gallenblase. —
Haar Balg ..die tlasclienföriuigen Vertief-
ungen der Haut, in welchen die Haarwurzeln
stecken" «;r. w iv. i sx — ifawp.-Balg, ahd.
haui,ltlM»l<- hm-.ih ..raff III. Iu7 (die zum Geld-
beutel verwendete) tierische Kopfhaut. — Haut-
Bälge die den Hauttalg bereitenden billge-
formigen Drüsen Kalk»- I. J7v. — Hoch- Balg, I
-Baelglein lVtl hochbalglln, llyrtl, K. W. <>a . vom
Hr.rhl.al« I'.'l ilnrrh Verkleinerung entnommen ; diinda«
llorhUak-utn, weil beaonden hochwertvoll [t], davon
»einen Samen hal..- llyrtl. K W ], IM whr zu l.e/.welfelli ;
Balg. 25
1861 hochbalg srrotum, Cr. \V. IV, 2. 16H , Schm. I,
■£t6). 1. — Hodensack, als oberer, höherer Balg
im Gegensatze zu dem für den Bruchschneider
und Kastrierer wichtigeren, eigentlichen, in-
neren, tieferen Hoden balg (- Tunica propria).
— 2 - Hoden Ihorhbilg tentlrull. Cr. W. IV, 2.
MM als Inhalt des Hodenbalges. — 3. = „das
Mittel im Dieeh" (die Hoden-Umgebung) bei
Scblacbtthieren f Augsburger Metzger«prachc , Gr.
\v. VI, 2:i<>. — 4. = der Hochbalg galt dann
aucn als Testen muliebres = Eierstock. — Hoch-
balg, -Driisen, -Geschwulst. — Hoden-Balg, ahd
hodcpnlc fl-cu* lirafT III. 107; löfil hodcnbalir. <^r.
w. IV, 2 WM) Hodensack der auch zum Geld-
beutel veraibeitet wurde (Gutsack). — Kul-
Balg, niii rniiiaii h nientiila i> ri'.7 1 derHodon-
sack (s. Kulle). — Kinder- Bälglein mm kindiiniKci
^ amnlon, (' v. Mrurllh. ; luhd. klntbt-lKcl, I.exer, 12:1;
l.i07 kindhalKktu. Hort. un. -- amnlon!; al«o das
Balglein stricte sie dictum (s. o.) = Scbaafhaut
(Amnion, Pcllis, Secundina), Kinds-Netzlein,
Kindsfell, Kindsbürdlein, Büschlein, Kleidchen
etc., die zarte Kihaut, womit die Frucht im
Mutterleib umgeben ist. — jYaöVBälgleüitT« Jahr.
naehlxURlcin. llyrtl, K. W, '>; narhlmlKlin, Hyrtl, K W.
itfi iVacAgeburt (Placenta) mit dem Kinds-
bälglein. — Samen • Bälglein [noch Im ls Jahrh
icebrauchllch in -Irr ."frhiilr di r Vuatoinir .Sametl-
bläschen (Hyrtl k. w.j. — irrbalgen unter den
Rippen anschwellen und dabei den Atem
schmerzhaft einziehen (s. verfangen und ver-
Walgern), hei Brustentzündungen besonders der
Kinder sichtbares Krankheitezeichen mold-rhui.
in) am kindlichen, mehr aufgetriebenen Ober-
bauche (Balg). — Wasser-, IVccA-sei-Balg : mdi
Wi-Iht indisrhr Studien ">. 2i'-0 lu irrilllirli «rhou in den
imlNehen Vcden vnrkommeuil fWattke, d. V. Al.rrirl.
§ 3KB. SM), wird tltOM* Wort nach «irimtn W. doch erat
hei Luther ali> «olrhe« erwiilint <ir W. VI. 2.10h i «, « Iim I
bnlk Mondkalb'. Nach Luther Zeltsehr. I d l'hllol.
XXVI, M.i IM der Weeh«elbalK unrein Stnrk KlclM*b,
eine UIIIkmi rarni*. worin keine Seele i«t und die i iil-lrli!
durch dieSrhuaiiKeruiiK einer Krau wahrend d. Woehen-
heUreinb/nuK Kine wilrhe Molen^rhwaiiKvmHwfl in
kleinerem »irade war« aueh die AborttlH- Mole I rx. r
:177 fuhrt «eh«elbale al« mhd.au; 1 1.191 1 Wei liHellwl«
l>uer mbditut lltad. Jun. Vi), — l»er Toufel, der oli
an die Stelle zweorhatter Krditelster (Alpen, Itnl/eii.
Kol... Uli' tritt, rauht niu h diev m AlnTKlililben die ffQ-
«linden Menxelienkiuder und lefft -.eine mit den HeXVU
enteliKte TeuleNbrut, die kielkrofliKen, dlrkbilsigen,
verkrupiK-lten, verhütteten . Im WaehMnm zuruekblei-
benden , bauehUäxtiKen , dick- und Kromkepftaen,
btassen Weeh^ellMilK-Kinder in die \\ ieecu der Men«elieti
hinein; er «-hiebt »ie den andern unter, wechselt nie
au»; iler Teufel vertritt aber hier nur die clhixclicii
Zwi rne de- Heidentum» Simroek, II. I> M. 133; Ahcrgl.
i'.2. Ii. A. Uli. 2ti'.n. — Wecbselbalg ist eine dem
Wasserbalge ahnliche, ihn formell angeglichene
Missgeburt bei Meusch oder Tier, verursacht
nach dem Volksglauben: a) durch den 1-in-
rluss lies Mondes oder b) durch Auswech-
selung von Seiten dämonischer Wcson (Alp,
Butz. Teufel. Kobold, Hexen etc.), c) durch
widernatürliche Erzeugung, d) durch den bösen
Blick oder das Versehen. .Sein Huuptcharak-
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Ä
Balg.
Balken— Barns.
teristikum ist seine Erscheinung mitten unter \
sonst normalen Geburten, besw. Generationen,
die Ähnlichkeit miteinem prall gefüllten Waseor-
balge, die Verbindung mit dem Kröpfe, das
häufige Abgestorbensein der entartetsten For-
men, die zwerghafte Verkümmerung im wei-
teren Wachstume, sein Vorkommen bei Mensch
und Haustier (Kind), seine grössere Häufigkeit
in gebirgigen Gegenden. — Der Nanu- Wechseibaig
wird für menschliche Wewn gebraucht. Wasscrkalb
für Ueriae.be nnd menschliche Mlaageburten. ; letzterer
Same 1*1 keine ('bcrtragutig eines pathologischen Be-
griffes vituliis hydroplcus», sondern blosser Verjrleleb
mit dem ursprünglichsten Uefassc des wandernden No-
maden, dem Wasserbehälter desselben, der Kalbshaut
oder dem Riitllinj? I Butte, Hottich , dem Vorläufer des
durch ergänzende Ke|>uratureti ausgebildeten oder etil-
wickelten lioUbottlche*. Wie son«t -ehr oft, so wurde
auch hier ein Hausgerät zum Vorbilde 1k>I der Bezeich-
nung eine* Körperteile», bezw. einer Leibesfrucht. Von
«lern prall und schwellend mit Warnet gefüllten Dutt-
1 int; aus Kalbshaut stehen stummelformig die vier Kx-
trcuiltntcti-Stumpfe ah. l)le«e abgestreifte Kult. »haut,
die vernäht und verkleb! oder mit Schilf, Beet, Binde etc.
verstopft wurde, diente In ihrer gefüllten Form als
Wasserbutte zum Vergleiche ftir den körperlich ähn-
lichen Wechselbalg , der <lamlt den Namen ,,Was«er-
balg" erhielt. Wosserkalb ist wohl der altere Name
für da* Wesen; die Versuche, seine Herkunft und Knt-
stehung zu erklären, führten dann zu den übrigen
Namen, worunter Wechselbalg . Wechselkind. Mond-
kind, Mondkalb die bevorzugteren sind Nach spaterem
Volksglauben siml die vom Teufel in der ersten Mai-
Naeht altheldnlsehe Kultzeit mit den Hexen Im Teufels-
llelschlaf erzeugte Teufelsbrut solche WecliscHndgc ;
nlier auch die schwtmmfiisslgcn Nixen, die Hexen oder
die Zwerge zaubern den unachtsamen Müttern solche
Wc.-h»c».algc als „SchandlMllgc" in die Wiege, an
stelle ihrer Kinder sie unterschiebend, hinein Wnttke
I». :»;i, Schcible III, l«:t; Bavuria I. I.M7; III. S.*Mj
IV, I. 201. 212.1, daher sie <'aiiihionc« ahd, wihselhign
Wecli-llng •"■ d. genannt wurden , gegen diesen Alp-
Zauber Inns« darum heute tntch rote* Kirchen wach«
lad der Kindbetteriu brennen, bis da» Kind getauft ist,
•Hier der Löffelstiel der Wöchnerin muss mit roten
Wai hslicht»treifcii umwunden »ein itberbayern, Ohcr-
pfalz), — Dein ganzen A herglauben liegt die ärzt-
liche Thatsaehe 1) der Uhachitis congenita f00-
talis (Kretinismus) zu Grunde; daher obiger
Wechselbalg-Aberglaube in Kropfgegenden, wo
die Krdgeister- und Zwergsagen im Schwünge
sind, besonders häufig ist, beziehungsweise war.
Nicht nur die ganze obige .Schilderung des
Wcehsclbalges .stimmt Oherein mit dem bilde
des Kretins, der heute noch „Wechselbalg" ge-
nannt wird itavartM iv, i 212 , sondern auch
frühere Ärzte erkannten in dein Wesen des
Wechselbalges »- hon im 1*. Jahrh die Uhachitis
(foetalis und post partum) \. v. II l. ll'.i , n. »s.
u :. Der dicke Kopf, der Kropf an der Kehle
(Kielkropf), dicker Bauch, verkrümmte Glieder,
die Wachstumstörung (Hasenscharte, s. d.) etc.
kennzeichnen den Kretin genügend; 2) aber
auch die eigentliche Uhachitis dar Kinder (post
partum) wurde darunter verstanden \. v Ii i,
1164) ; 3) sowie die Molensohwangerschatt
(= Mondkalb, s.d. und Wechsel butte, Billwiz,
Kaulkopf, Kielkropf) >. Z d. V f Volksk ., is-...;.
1. M). — Balg-0e8chtctdst
Balken, m Balken-Sfaar.
Ball, m. (Ballen), ahd pallö. bullo; mhd. bal,
balle ein kugelrunder Korper Kluge &, 36) ; dazubcdle,
angl» la-alloc - Bode Kluge 1. f.); Ii:« bal talus in
pede, 1). ~>72; 1".:I0 pallen prosthetis pedis, I» 167,'
— 1. - Arschballen (s. d. und Bällen-Muskel;
2. Handballern) manu« palma Wackernagel IT;
1> r.js ; Du < nnge I. vtr, ; 8. Zehen- oder Fussballen
Tirol, Hititner20. s, Waekernagcl I7i ; 4. Geschwulst
a)-Bcllfuss Bayer. Wald; Schindler I. 33» , b) Pest-
beule; 5 Zahnrleisch-Billern Bällchen; .Pauli
--et i ; G. der Hufballen am PferdefusB; 7) Nasen-
kuppe K. u 87). — /lr8c/lballen Jahrh. arsbelll
nute». Hab Maur 65, 11 Jahrh arsbelll natc*. II 7.
III, :n..H . XV. 3*1. r.2:t; XVI. s:t; arspelll nate». II. 7. III ,
13. Jahrh. arspelll nates. H. Z. XIV, MX2; II Jahrh
arsbcll nates, Voc. opt. W. 13; 117« crsball, erspall
arsbal eluni«, eoxu, nate«, pygae, I). 12». 376. 1:13. «07;
IV Jahrh. arsballe eulus; 16. Jahrh arsballe, D. 162
■lii-t ; dann verschwindet das Wort in dieser Form. —
^Hycn-Ball, engl eyeball I-ehf 171; Gr W. 1, S03
= Augapfel. — Daumen- Ballen Handballen,
Mäuslein (s. d.V — .Finnen-Ball s. Haarball. —
-Frosi -Ballen - Frostheule. — Fww-Ballen - tler
breitere, dickere Teil unter der grossen Zehe
1 4*2 balle al« Vinter den Bissen = tallu» [callus", I». .".72;
«.r w. iv, i ioi! Zehenballen. — (lMtj llaar-
Ballen die bei Wiederkäuern im Magen (Pan-
sen oder Haube) vorkommenden, kugelförmigen
Hoar-Concretionen Kor-ter II, iv;; l iebrecht. «. V.
Kd. aWj Falke I, 3.V>); norweg. Finnenballen
Klb(in;nen-Kugeln (s. d ), Aegapropili. — Hand-
Ballen - rviider halbrunde Ballen unterm Dau-
men (s. Mäuslein) der Hand >.r w. IV, i. SM
M ,.7'vi B allen - Haarballen. -- A'««?i-Ball
Orbiculus nasi, Nasenkugel >-r w VII, HOi,
die kugelige Nasenspitze — 1738 6\mrf-Ball
Testicultis venereus (gummöse Orchitis) \ v. II
i, 13M (s Sandklossu Sand) — I7'.2 Fcwus-Ball
Orchitis gummosa, Testicultis venereus, Kpi-
didymitis gonorrhoica, durch die Venus-Lust
(s. d ) erworben. — ZrAfn-Ballen Fussballen
(s. d.) \ v. II. 1, I2»i> 8. auch bellen.
Balo s palo
Balsam, m. (Balsen), ans dem grlecfa -lateiii hal-
«umtim iKlnge*. 3«; fers iKlsau, Kraus, K. IV. —
h b. F?rtfÄ*-Balsam l'araeelsn»; «ir. W III 1707,
Synovia, tlie Flttssigkeit in den Sehnenschei-
den ^Flechsen). — Kinder- Balsam Aqua em-
bryonum das Kinds-Wasser, „weicher Name
auf abergläubischen Gebtauch dieses Balsams
als Heilmittel deutet" (?) r;r, w. V. 7» — Lebcns-
Balsam Galle (Helmont) als Flüssigkeit aus
der blutbereitenden Leber nach früherer An-
nahme (s Leber).
Baltbasar, m. l'odex posterior, weil Bal-
tbasar der „hinlere" von den heil 3 Konigen war.
Bamazeln, pl. die baumelnden Zitzen, Mam-
mae sclmi I, 3:«".
Bams, m ein dickbäuchiges Kind 'Bayern .
(vgl. Banse, Banze).
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bamstig-Band.
Bani— bar.
27
bamstig , mhd. hem«ti« = die bamstlpe , dlck-
MneMga Lexer 15), biwwtlR (österr. ; Denl*. II, ist
— aufgedunsen, schwülstig.
Bamstl, m. Ö»terr. , tn Wannt; «ir. w. I, lim
— V enter obeeus.
Band, n :Bandl, Bündchen. Büimeli binden ;
viirk'trra Wurzel bhend Kluse \ 27. 41 j; ahd hont,
bentlr ; »uffls. bend, engl. band; rahd. liant , bender
— da.*, wa« bindet oder zum Binden dient — Bändchen
-Frenulum praeputii, Eichelbandchen (s.d.)
Hyrtl, Anat 703 Bändel, nhd bentll ; mhd licndel,
bftndel Hyrtl. K w 49. 1. = kleines Gehäniie
(M. d .). — 2. ndl l>elit terma.beiidi 1 tacniii H«ch
Ii ',77 -,7-.t; = Bandwurm (Nesso). — Eichel-
Bändchen - Cuticula in glande penis, Freuulum
praeputii «'.r W. III. 79. Hyrtl, Anal. Tai — r>7:t
.FrocAt-Bande - Kindesbande (s. d.) [Lontcertu
— '" bände, ahd ei|icntl mhd Hebende, 1C7S
• iebunde Hyrtl. K.W. 15. 4»; ^gesamterBandapparat
z. B. eines Uebeins. — 16-jo. .Danw^fDande,
Dr. Minderer) - il090; dartiurebün das Gebinde,
Contignatio, die Ineinanderfügung, Zusainmen-
heftung der Gedflrnie Fischart; tsr. W. II. 781 . —
Hals- Band - Nackenband Kalke I. .wj (s. Ge-
binde) — i/fTI-Bändel 1"«94; MW. der Hcrzbandcl
ur W. rv,2.12t$) = Pericardiuin.dasunterniBrust-
l>ein befindliche Herrnetzel, -bengel-, -bennel
Nawiau; «ir. W. IV, 2. I»»;, Man nahm früher an.
da** da* Her» in nclzfr.rmiK ccbildctcn ..Blindem" laue
und vom blut»au»reu<ten (». d.J Danton ,,vcr*trl«*kt"
werde, wm vermutlieh «Ich von der Opfer- Anatomie
ableitet «ir. W II. ::i:t; IV. «.'. 1210.'. Wenn Krank-
heiten oiler Leiden das Herz ,,an«tos«cti" oder drucken
so Ist nach lirimm 1 e dien aus dir Anschauung
iMMlUHtesagt, da>« da» Herz «ic h au* den Blindem wie
ein Knochen' Kcwaltsun loalflM «ir. W. 1 e.| oder wie
<la« Kind an* den «icbtirtn-Hntiden : es kann dieser Aus-
ilruck alter weiterhin auch drtmoui*tl*chcu Hintergrund
Italien . da auch die Imsen «ieinter binden 1:1 Jahrh.
• la« iribetidc de* bo*en ircinte*. 11 off 111. I. IUI . — 1*0 ',
JCapsHB&nder «lereineKapselumdieGelenk-
hoble bildende Bänderapparat Bell. IV, TO«. —
1.49 Kindes -Binde He Fruehtbande, aus
denen die Kindes-Arbeit, Kindes-Not entbindet
«;r. w. V, 7H) ; vgl, „angewachsen" unter „wuch-
sen". Jede schwierige Entbindung hatte früher
in «1er „Anwachsung" «les Kindes ihren Grund.
— Knarr- {Kniet-, Gnitr Band rrov. iveram)
,,eine Hchmerzhafte Behinderung «les Ge-
brauches der Fussbewegung" Tendosynovitis
crepitans Härtel«. Mediz. d Natur Volker t'ii. Barde
leiM-n 1 liirurv . weil die Knochen bei ihrer ge-
hemmten (gebundenen) Bewegung knarren,
knirren. knirschen (s. Knarre und Ach 2) i r-
<|iiell II W»i. — Lied [Glied) "Bind 1475 wU hende
ntnl» die lee«le nerrii-heria (articuli l> Iii Gelenk-
band. — Lippen Bandchen - Krenulum labii.
— i.v»i Lungen - Bänder die von Vesal bei
Leichen häutig gefundenen flachen und band-
förmigen Verwachsung zwinchen Lunge und
Plemra riim 1 IM). — i«w Ai««er-Bänder
<in«r. ü'^ii 1 die Bänder, welche die .Mutter
(Gebärmutter) in ihrer Ijige erhalten «ir. \V, VI,
>ih>. Ligamenta uteri teretin v sl. boW 11 —
2 - imVolksmundedieHi hmerzhaften Kni|din«l-
ungen in den beiden Seiten-Gegenden des weib-
lichen Unterleibes; die verschiedensten Ur-
sachen von Frauenleiden werden auf die .,Mut-
terbänder" geschoben. — (TO») üfatVf «Bud
Nabelschnur Th «an itr ;!7* . — »Vac&rn-Band
s Ligamentum nuchae s. Haarwachs, Wald-
wachs. — a\ rtS<n-Band, bandi der na*«lueher - Inter-
finium D. 304) _ ^der bandfürmige Knorpelstreifen
zwischen den Nasenlöchern. — UXA) permentisch
Band - häutiges, pergamentfthnliches Band
(Membrana pergamenicainterossea)der Vorder-
arm- u. Unterschenkel-Knochen Hyrtl, K. w ir."
— Inn Saum -Band - «1er den sog. Saum am
Kronenrand desPferdehufes bildende weissliche
Haarstreifen auf «ler verdickten Oberhaut Kalke
11, j.vi _ Sektion- -Bänder 'Tirol) = Schulter-
knochen, Schulterblätter Hintner7. 16] —Stimm-
Bänder die durch ihre Schwingungen die
Stimme erzeugenden Bänder des Kehlkopfes;
auch das Volk spricht vom Stimmband. —
Zungen ■ Bändchen Frenulum linguae, von
früheren Ärzten und vom Volke vielfach als
Ursache von Sprachstörungen (Stottern, Stam-
meln etc.) angesehen infolge der Vorstellung,
dass die Zunge durch das angewachsene Bänd-
chen gebunden Bei. (fonfer. - ..Faulil «-oujH-r le fn-in
de la laaglK?" I'ar Dr. « heniu, W\; le Miel, liifiiou
Uaqim] »ris«. — Bind- Adet , -Werve, -Schnur,
- Wurm.
Bani, pl. PferdetleischkiKJchen liayern; vptl
„Volk« Medizin" de« Verf. S. 171 Behl.
Bank, f. Bankle, n. sehwainii: dicker, kleiner
Mensch sehw i:tj ein Bankart oder Bankkind
(s. d ). - Bank- Kind, -Stichel.
Banse(n), Bansch, Bantsch. Sei»enformcu zu
Wau»i, |tum.«t ; 1. I V.xi |iuii> Wampu , « i r. W. I, lll'.i
Hm:«, ii Dickbauch grhw. 13 , Wanst, Scbmer-
bauch. — 2. Panse, Banse der erste Magen
der wiederkäuenden Tiere «ir. W l. int» Bansen
idem Mtw. Kl (vgl. Bonzen) frz 1» imn«.- \mu
tvx') Hr. :i»i .
Banze, m ein kleines Kind mit Hängebauch
(- Barns, 8. iL) («r, w i.
-bar (Bäre, bären, gebären), zur nriudogerm.
Wurzel bher l.ellM-»frucht tragend i ferre , vor«crm
bher; jn-nn. lier; Roth trnirnn; ahd. hart trap^ iid .
eiberan, iM ran, livraii; mhd. Iwiere mutend; «il«reu,
iMlereil. bern Kmeht Innren Klntre5, 1:10, «irall III.
);;•» ttnul. Nw ir. bureu — Die Bäre bei tk-kenl
Hyrtl. K w. ir ( terus, Tragsack. — nbd bär-
haft fertilis «ir. w. I, n s»), — unbärhaft steri-
Ü8 ri4H-.|. i|s;t unberharfte, untierhnlltlv . Lexer 290
«terillta«. C V. Mi-Kb«.; Zeiiin«. V«te. kk\ k..t'; l'.l*
unlM-rhaffllt! Merili.«, H.v. «ierMl. 1«., l.ils iinbarhafte
Weiber IemtV*e «terile«, Ituland . - - Die Bänillg
[l>erung] menslnmiio - schmeiieri. .'«io) ; Geburts-
thittigkeit, Wehen. — Barn n., sh«l. ttlltia, Kind
i.rnff Iii, im dasProdtikt derBärung. — geb&Tm
10. Jahrh. ulblran pwMM edere. Hyrtl, K. W. 17;
II*-.' Ki'iKTti iriKtn-n-, Zenlni:. Vor k t; I.V Jahrh.
m-bernde Rix«, 1*. SHl ; M Jahrh. «elMtrvn erzeinreii
«Ulli männlich . Hyrtl, K W. Nach «ir. W IV.
i. Inas fl 1. die Miestc Bedeutttng i«i -tragen,
bringen (fern- , Hielt entwickeln, Frucht bringen
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28
bässlieh-Bart
harzen— Bati
durch dasWachsen der Naturkraft — 2. = Frucht
bringen, parere, gignero, von Mensch, Tier,
Mutter, Kitern, auch vom Vater (8. Gebärer,
Gebitr- Vater). — 3. — wirklich erzeugen, bei-
wohnen (durch den Vater). — 4. = entstehen
(nasci); frisch entstanden neulich geboren. —
Gebärer - Kcnitor. 11*2 ircperer ZenltiK , Vor 1 7
Vater (Gebar- Valer). — au»gvb&Ten parere
(<:r W. 1, 866! — fehlgeb&Ten = aborlire, abortum
lacere <;r. \v. in. H29; IV, i ich;. — iiyv das
tieisch gebeten <(•{. w. IV, l. durch die Kräfte
der Natur Fleischliches hervorbringen. — Zu
friihgeb&ten i v> abortire. — Kind- GVbärerin
[1490 Klndclgetercryuiio, I> 171) puerpera, eine im
Kindbett« (s. d.) liegonde Krau. — «indbar
- schwanger, kindtragend. — r.is kindi;cberiKc
H. v. G«mi. 17; UndRebereriii , klnderKebererinnc,
ur. \V. V, 762) ~ puerpera. — mmbären. -geboten
- Fehlerhaftes gebaren l'.io mlMbfteren , 1V.1 mlss-
RebKrcn ; Or. W. IV. 1. 1644 VI, 2376. 2286 ; ahortire ;
In. Jaltrh. miwRcbehnim/, r;r. W. VI, 22M; The«, »an.
»rund 313; Ackcrm. 142; 1x01 mi«»b«cren , Wckkard
33i; Abortus. — Missgeburt f. 1. = Frühgeburt ;
weiterhin 2. = Monstruni. — AI utt< i Ba r Bär-
mutter .i.nvh 229'. — mhd. muotVrbar — mutter-
nackt, nackt, wieaus demMutterlelbe kommend
■Luxer 170 — fiew nachgeb&rcn <;r. fr. VII. M
spater gebären (nach der eigentlichen oder ersten
Geburt). — unzeitig geb&ten im unzyten heren,
Ilyrtl, K \v nicht zur rechten Zeit entbinden,
Abortus Mir. W IV, 1. livn — Uttbären, ahd uiipcr-
Hiill stcrill» «irafllll, 141; mini uiiliebrllch, unln-nido
»terlli», l.vwr 2:hi nicht gebären, das Gebaren
als natürlich und selbstverständlich angenom-
men; nicht gebarend, nicht befruchtet, unfrucht-
bar. — unbaerhaft unfruchtbar, steril. Vgl.
unten; -boren, geboren. — Bär- (Gebär- Angst.
-Bein. -Glieder, -Grint, -Kraft der Natur, -Mund,
-Mutter, - Vater, - Wümme, Wehen, -Zeit.
bässlich N< passen.
Bariii, n. s. Paralyse.
Barm, m. ntiit. 11 .falirh. iMiriu , 12. Jiihrh hurm
«lim-, Husen, mini, imrin Imrn Schoss; lluffm.l,
24; Oratllll, 151 j Lexcr 11) — Abrafiama -Ba.rm
12 i.iiirh abrahames parme Abrahams Schoss
(s. d.) aioffm. i. 20« — l-.i • Bluts BÄTmen die
Sammlungsstätte, „des melancholischen Blutes
Residenz", der Schoss, in dem die Bluthefe sich
sammelt » <.lcr Ii it
Barpel.f. (Berpel.Bärbele), i>tnu*bnm I'ar-
pel, Fat bei • v. s.i.m im Kinderpocken, l'or-
peln (s. d ).
Barren, m. - Riegel •«* frz. tmire Kluge 1 2»]
die Kinnlade des Pferden iniw.- i, 101 \cr
niutltcli mlHüvemtondfii »im narrcni« r — Barren-
ßcUm r, - Wetten.
Bart, m. Indogerm. Miardbi . Kcrm. imri , uhd mini,
»mrt [Kniffe*. SO acbarles, stechendes Haar
■Heyne 2S* 1. menschliches Kinnhaar. —
2. — Schnauze, Borste (bei Tieren). — 3. die
Gegend, wo der Bart wuchst Kinn Tirol, Mit-
lulrln-!», Mu h« Vogtland . auch bei Krauen und
Kindern iltntncr; Hr. w. v. 777. svhmeii.r I, 2*2).
- 4. = die Zahnwurzel, mit dem Geisbarle ver-
I glichen — ltw Bärtlein eine borstigem Haare
angeglichene Fleischwarze unter der Zunge des
Kindes i'v. M. I. o \ Dörrwarze. — Backcn-H&Tt
— die Barthaare auf dem Backen (Wange). —
Doppel-Bitt Doppelkinn (s. Bart 3) f;r \v. v,
7771. — £rs/-Bart [1482 der erst pari, erst neuer pari
ZttilnK. Vor hh 7; D. 8Ilj = Julus, Lanugo, l'ubes,
1. = der erste neue Bartwuchs am Kinn illyril,
K. \v. 55) - Gauchbat t — 2. = die ersten Schaui-
haare l> 170 — .Fiaum-Bart Gauchbart (s. d.)
— -Fuizm-Bart Schindler i, 7*2' = fofr-Bart
Capilli mont. Veneria (rotze s. d.). — i*;n
GaucÄ-Bart Had Jim der erste Bartwuchs
(premier poil, primpoi) am Kinne, die ersten
Bartflaumen, wie sie dem Gauch (Kretin) oder
dem bisher bartlosen Jungen (als !<anugo) wach-
sen nri-n W; HjtÜ, K. \v. Vi'. — //aje-Bart
larva St tmudltT I, 1017 ~ das haarige Antlitz eines
Waldgespenstes. — Jun^-Bart, — Jungfern-
Bärtl IV Jahrh junckbart - pul.es. D. 179; Hyrtl
K w. 204; = Pubes ertnosa puberUtis. — Kehl-
Bart der Bart, der von der Kehle herauf auf
der rJalshaut wachst. — Zinn-Bart, 1. = Bart
am Kinn. — S. m Kinn, Unterkinn (s. o. Bart 3)
;r,r. w. V, 77(0. -- A"(':-Bart Bayi-rnl — Kinnsbart
ur. \v. v, 77s ; Schmi-ller I. 1317 liir Kinn, Kinn-
backen. — Loßel-B&Tt Milchbart; junge
Menschen werden in derber Weise auch Hotz-
lööel genannt Schräder 29V — Mt7cA-Bart, 1.-
Flaum-Bart iir. W. VI, 2l»o. — 2. — der Träger
eines solchen. — neuer Bart, nlvcr hart illyrtl.
K. w. .v»). neuer, erster Bartwuchs am Kinn,
Lanugo, Gauchbart. — 17V2, Raiten-, Batzen-
Bart <ler .Schnurrbart, der wie das Schnautz-
htuir der Hatte absteht («r. W. vm, 205), — rauher
Bart- Barba hirsuta Or. w. vm, 2>.i — Scltam-
Bart, weiblicher Haar iles Venusberges ober
der Frauen-Scham \ v II II, 72> — SchnutT-
Bart der Bart an tler »ebnurre, Schnorre(
Maul u.Nase) [Pcbmellcr II, Wl). — rVettVBait
l'ubes crinosa motitis Veneria (s. Jungfembartli.
— Bartfähig, -finne, -Flechte, -Haare, -Krätze,
-Mann.
barzen s parzen.
BaSS, III ans Hai Lasso vnx Inflma s. >iii->u, im
l.V — 16. Jnlirh ciilK'hut iKluise*; 1) 2ti'J. H2*.».i. — Kcid-
Bass eine unnutütlich tiefe Stimme bei Zer-
störung der Stimmbänder, die gleichsam aus
der grössten Tiefe der Kehle kommt.
Bastard, m. aubVik zu itaukcri « Bankklml]
da» auf dem Saunisatlel Ki»--eii iler MiiiiltierlrellH'rj er-
seuirifi i ii. xiti me Kind KlitKe*. :o — Bastard-
Fieber, -Rippen.
Batz, in Batze, Batzen, Patzen, das Batz, das
Gepatz, Botz, Bötzen, Bautzen, Butzen. Nach
i,r. \v. i, um im Batz, Batze(n) Alles, was aus
Weichem geronnen ist, gewissermassen wie
gebacken ist und knollig zusammenklebt ; daher
1. ^ schleimige, käsige Sekrete klebender Art. —
2. Semen. — 3 Blut Tirol; iiimncr s, 20 als
Klumpen ;Coagulum) von weicher Materie.
4. - Blattern- Narben ••«tem-ich; r. i Henm. ist,
die mit dem ilfissigen l'usiehnhalte gewisser-
müssen zurückgeblieben sind. — 5. - das Innere
des tierischen, zerquetschten Korpersoder Kör-
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Kau— Brach.
Bauch
perteils — lug • Batze Augen- Butter, (Jra-
niiae, das Sekret der Meibom'sehen Drüsen des
Auges. — .Eifer-Batzen (Botze) Kiterklumpen
<;r. w. in, im; Jeawn :cw>, mit dem man auch die
reife Reibe Stachelbeere Kibes grossularia (im
Volksmunde: „Kiterbatzen") vergleicht, da der
gelbe Zellgewebspfiopf ähnlich herabhängt. —
Das Oebätz weiche, klebrige Materie, die
inneren weichen Teile des tierischen Körpers,
..der prechen des gcpcU" Schm. 1, 311' der Hlnls-
ItbfNhra oder lihitfcliliT Krbhundc, angeborener
Fehler. (Bat* 2. 3.). — (J.VjUJ Grind -Bitzen lischuM ,
<ir. w i, nr.it . das Sekret des Grintausschlages
(s GrintV — //tnf< > Batzen Nates.Aftcrknollcn
iiyni, k w Hf.c — Aasen-Batzen s. Bötzen —
/i' /: Batzen Nasenschleim-Klumpen sehml,
3U). — .VifcAfn-Batzen Auswurf eines Lungen-
süchtigen (Siechen-Materie). — Spei- (Speitc)-
Batzen ausgespuckter Rachenschleim- Klum-
pen Schm. I. . — Batz- A'";/
Bau (Oebäu), -Gt bäu(de) iiooaj gebuu (ur. w. iv,
l, lft&i) = Bearbeitung, Organismus, System; die
Art, wie etwas im ganzen gebaut ist, Struktur.
- Fi» ht - Bau Alopecia Meyer Konver». Lea. 1,4»)
- Calüchc rcbcrwtcuug der Alopecia ( - Fuchs-
k rankheit, Fuchsräude, Fuchssucht). — Grund-
Bau Struktur der Organe. „Ute deutschen icber-
«euer der in fremden Sprachen verfaßten anatomischen
und medizinischen; Hand- und Lehrbücher de« Mittel-
allen» waren so gew issenhaft, das» sie seihst die Worte
lateinischen und griechischen Irsprungs, welche schon
hmg«t da» Utirgerreeht iu der deutschen Sprache
erhalten hatten, sorgfältig vermieden und durch »tainni-
deutsche Ausdrücke ersetzten." (Hyrtl K. W , 12. . Ver-
gleiche diesbezüglich aber t Imnat - Natur. — Hünen-
bau -- Kiesenkörper. — KnocJien - Bau die
Gesamtheit der Knochen eines Körpers als Ge-
rQste (Ueyne III, iu: . — üforper-Bau - Beschaffen-
heit des tierischen n<ler menschlichen Organis-
mus, ndl. lichaaina bouw. — fiipj)CM-BaU — die
Ciesamtheit der Kippenknocheu als Bauwerk
<;r. W. Vlll, i«tjj. — Ii?»') baut sein, von Pferden
und Haren, wenn das stark winkelige Gestelle
der Vorderfüsso unter den Bauch erniedrigt ist
(niederbeinig), so dass das Kreits «her die ge-
wöhnliche Höhe hinausragt. iMaycr »gj.
Baubonen pl. XflUer, Krnutcrbuch 'hl)
= Bubonen (s. d ).
Bauch m (Bäuchlein) itKiogerin hhütek-, bbütk-,
hhnk , diuu ahil. botah — Korper [hotticharligc Hülle],
(Kluge*. 81); nach Heyne I. 2yo ZU bhug-die Korper
Biege •; l.leg»ame Stelle ('] [unsicher]; ahd buh, püh
= venter; mhd. buck (Or. W. I. IMS; Kluge*. :il ;
«.raff III. 121, mnd. buck, [Mag. ItartholHSb); 1472 buych
- Uterus ; 15. Jahrh. pauch' ; ndd buch =; uter, ,D. iiJlj ;
alts. bök — cchinuni, abomaMum, D. IM), 1.— der die
Speisen einnehmende Teil des inneren J/eibes,
Venter. — 2. - Unterleib im Gegensätze iiirBrust,
Venter, Uterus, Wampe (Hyrtl, K. w. ic , Hypoga-
strium (äusserlich und innerlich) — 3. - Alvus
II Jahrb.; Voc. opt. W., V>\, — 4. st AqualiculllS
■j Jahrh . ltab. Maur . iw als Wasserbauch. — 5. =--
das Bäuchlein n) imchiin, beuchUn iijiau-i n \.
tiend.) nach Hyrtl ,K. W. 27;, die Bereich nnns tler
kleinen Höhle der Hirnkammer «oll »le etwas
Uebofleuufl, i.ewoll.tcs i«t Hauch. Bcfaw.»); b) sonst
mhd. biuchelin binchcl I.cxerSli . fninz Hi— 17. Jahrh.
petit venire Hypogastrium, HrissC&i - kleinerBaucb.
— Ii die Arabisten teilten den menschlichen
Leib in 3 Höhlen oder Bäuche [Löveling 3«7j:
Oberbauch -= Kopf, Mittelbauch Brust, l'nter-
bauch Schmerbaueh (s. auch Magen). — 7. =
niaj Bauch = der dickere, eefülltere Teil des
Muskels (blbl. Medikus in , itri.-s .!»; venire mns-
culaire. — bauchen (buchen) --- den Rauch auf-
treiben oder stark bewegen. — 8. Bauch der
Träger des Bauches. — gebäuchet, bauchet
= tnrgidus ventre, dickl"ibig, schwanger (<;r.
\v. i, nc« . — boger Bauch krankes Bauchge-
därm, Durchfall, Frais J'auli sa;. — Wut Bauch
ss ein durch Gefassverletsung mit Bluterguss
angefüllter Bauch (b. Tieren) ;KaIkc I, 131]. —
!>nrih -Bauch (Ur. W, II, 7S1) = Unterleib als der
Teil <les Bauches, der die Gedärme enthält. —
ötcA-Bauch, 1 = Dickwanst ,f.r. w. II, io7» —
2. Anhäufung des Fettes im Net* ;.v v n U,
im). — 3. - ein Mensch, der einen Netrbrnch
hat ,a. v. H. L Md. . Kopp IV. 329 — Z>i<nn-Bauch
— - ein Mensch, der einen schmalen Leib hat
<ir. W. U, l.v>4;. -- /•.'(.'•r-Bauch ein Tierleih
(Bauchhöhle), derein abgesacktes Eiterexsudat
enthält (Falke I.230J. — ^7ciscÄ Bauch,l. - fleisch-
iger Bauch, Pinguedo ;Kddn Jordan 181). — 2. =
M yomauteri. — Hietuender 1 177 Ortolph), flüssiger
(17. Jahrb. Taberu., Bauch Diarrhöe, Bauch-
tluBs; der alte flössige Baurh - chronische Diar-
rhöe. — F>< Bauch ;<ir. w. IV, l. lsv:. Fress-
Wanst, Fressack, einer, der viel isst. — Frosch-
Bauch der hreite, durch Tympanites aufge-
triebene Leib bei Kindern mit chronischem
Darm katarrh (s. grosser Bauch, t| uappig, K röten -
hauch). — i.v.i) JfiiW-Bauch i'ir. \v. iv, l ist .
Venter avarns, BauchfQlle. — (lotw) der grim-
"i >■;• Bauch <;unr. 121 Bauchgrimmen. — gross-
bauchiK (MW] ndl groitbtiyckick venlricosus. nifu-
lu«, Miigulncu» D. 513) = weit ausgedehnt am
Bauche, bei gut genährten Leuten. — 172:.) der
grosse Bauch (der Kinder) Thes s«n. iir. s) „eine
gemeinePlage, dadie Kinder einen aufgespann-
ten und harten Leib haben, hiegegen nimmt der
andere Leib ab" camau 1 eckige» roNier; der
Franzosen (l»"Kspluc und l'lcot s. 371). — gurrender
Bauch ein Bauch, der den Naturlaut gur-(,'iir
hören lässt — Hänge-B&xich. 1. der bei uml
nach öfterer Schwangerschaft oder bei Fett-
Wanst herabhängende Bauch (Ouappelhauch).
— 2 . — der schlaffe Kuhbauch, Schleppbauch
bei Pferden und älteren Kühen mit sog. Senk-
rücken engl. *wag belly, Lehl. 49). — (1561) harter
Bauch Hock 203 der sich hart anfühlende oder
subjecti v hart gefühlte Bauch, carreau. — Hecht-
Hauch ein Pferd mit einem von den Kippen
an eingezogenen, dem Hechtloibe ähnlichen
Bauche, eingefallenen Seiten (wie bei Wind-
hunden) und aufgeschürftem (erhöhtem ?)
Genchrötte (Hoden) rrlücliu*. Werde Wi-.en-
schab, inj. — a^'l; Hers- Bäuchlein Herr-
Ventrikel, Übersetzung des Ventriculus cordis
( Henshüttes d ) Hyrtl k \v v: — //fti-Bauch,
1. — Hängebauch der mit wenig Haber gefüt-
terten Pferde, wobei der Bauch weiter als die
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I
I
80 Bauch.
Brust ist und nach beiden Seiten sieli stark vor-
wölbt (Kolke- I, :•.«».•, Mayer 41). — 2. der grosse
Bauch der Kinder (Übertragen) (Schindler I, ltr>
— (1A51) //im-Bäuchlein, Übersetzung des Hirn-
Ventrikel, Ventriculus cerebri (llyrtl. K w. n).
— Hirsch-Bauch - ein Htark gegen die Flanken
aufgesogener, aufgeschürzter Pferdebauch, wie
ihn der schnell laufende Hirsch oder Windhund
bat. — Hi(>u/.s-Bauch Hcchtbauch ,KiiiWe i, im).
— [1426] ./ ungfrauen • Bauch alviia (D.27) schlan-
ker Leib, der nicht vorgewölbt und nicht run-
zelig ist — Kartoffel-Bauch der durch über-
mässiges Anfüllen des Magens mit slärkemehl-
haltigen Speisen (z. B. Kartoffeln) ausgedehnte
und erschlaffte Vcrdnunngskanal (KOUerll, 133).
— kich-,(kit r- bauchen (Schweiz) - keuchbauchen,
in langen Stössen atmen, so dass der Bauch
mitkeucht (»ir. W. V, iSfi. 861). — kipp - bauchen
{buchen) {Schweiz) - schleh- oder schläg-bauchen
(s. d.) (kippen = schlagen) — Kleiner Baach,
I . l'nterleib der Frauen (Steiermark ; pioia-liartel»
II, 315) — 2 (l'J60 ein kleyn burh, bauchelin, I). (!10;
Ventriculus, Magen (Übersetzung) — Koss-
Bauch - Kosack (s. d) Freasack, Dick bauch
«ir. w. v, ikki). — <H77) kräutiger Baach, ein
(wie Krautkopf) aufgeblähter, aufgebauschter
Bauch («•. v. Mi-g.) (s. KrauUder). — Kröten-
Bauch (l-anunert, V. Merl, na) — Carreau (b. grosser
Bauch) mit dem Bauche einer Kröte verglichen.
— Kuh • Bauch i«ir. w. IV, 2. m) der Hänge-
Bauch der Pferde, ähnlich dem der tragenden
Kühe. — [1843) leicht - bauchig ■ schmal, eng,
dünn in der Lende oder Flanke [Falke II, 86). —
J4W-Bauch t<ir. w. VI. 1714) - ein Bauch, der
mast, fett, feist ist ~ Fettbauch, Fettwanst. —
[1678] Mittel ■ Bauch [Ur. W, VII. 1116). 1. = die
Weiche, Dünne, Öde des Bauches in dessen
Mitte (Taille s. Dünne). — 2. Bei den Arabisten
Brust (s. Bauch G). — Ofcer-Bauch, 1. =- Brust
(eine Übersetzung des Venter medius der Ara-
bisten) (Hyrtl. K w. i7v. — 2- Kopf bei den
A rabisteu ( l.evelingutR). - ^uapnrt-Bauch (Leipzig ;
Gr. w. VII, a:i.\; ~ Hängebauch, Schmerbauch,
Schlotterbauch (quabbeln - sich bewegen wie
ein Frosch im Schlamm oder Brei). — [16M]
rauher Bauch ■ runzelige Bauchhaut (<ir W
VIII, --'fi.V. — 17 Jahrh ) schlee- {schlüge-, schlär-,
«< /.••'< A-. ach ti • r • bauchen, -bauchen »*/.•'> bauchig
(Bayern; C. v. Sohtu. 4«W; Sohmeller II, W6;*ll. .V.:i'.'l>;
Falke i, 1*00) — mit dem Bauche oder seinen Flan-
ken schlagen und so sichtbar Atem holen, dass
die Bauchmuskeln schlagende (doppelschlägige,
saccadiorte) Bewegungen machen ■ Astbma,
Kmphysein, Keuchen - Hartschlächtigkoit der
dämpfigen Pferde; bauchblästig, „wann «He Seiten,
Hauch und Flammen (s. d : wegen angechw olleticr
l.uiiKe und vcr*to|ilton Luftröhren, um Atem zu holen.
Kielen einem lt)a»cl>alg aufgehen unil gleich wieder
zusammenfallen [Bayerland um, 8. 41», Vergf, rir. w
v, m ii. ttu). — a*i») ScJWfjyj-Bauch ((ir. W. IV.
•j. 13s ; Falke Ii, iler s<i zu sagen mitgeschleppte
Hiingebauch bei Pferden. - Sclilotter -Bauch
Fettbauch, der schlottert. — [1601] Schmer-
Bauch, nebmaerbaueti paullcca (Ii im Had. Jnn.
MW) ; ndl. «meetbulk, I, „der veraltete (aber noch
schulgemässe) Name der Gegend vorn Nabel
Bauder— Bauer
gegen die Scbamfuge, welche durch reichlich
angesammeltes Fett (ahd »men» der Bauchwand-
ungen sich vorwölbt" (Hyrtl, Antt. Iis); die Fett-
anbäufung stellt sich am Wanst früher ein als
in den oberen Bauchgegenden llyrtl, K. W. 18$:
(i7io olierer und unterer Sehmorbauch.Kulmu* 20
ss Regio epigastrica un»l hypogastrica. — 2. -
deijenige, der einen solchen Bauch hat - ven-
tricosus (lind im. i c. <. — sehnet - bauchen
schlttirhaucben (s. d ). — Scluur-, Srhor-, Schur-
Bauch eine Anlehnung an Itaurh (bne) Im Worte
1 tv.' »corhiic ruplns venter - < der, II 13* , midi
«chcurbulk Sehnurrer II, 19; Kluge4, :U7) Skorbut
(s. d.). — schwanger Bauch lj Jahrh. swanger
buch, D. r.31 . ('Inns gravidus, Gebärmutter als
Bauchteil, in dorn die Befruchtung (Schwanger-
schaft) sich entwickelt und die Frucht innen-
liogt. — fVtnVr-Bauch, I. um underbaueh, »ir. w.
V, »Ol; 17öü l uierbaueh, A. v. Ii. n, acy.i Hypo-
gastrium = Unterleib, — 2 - Scbmerbnnch der
Arabisten [Löveling su7j. — Ils2j Walter BftttCk,
1. — der durch Wasser ausgedehnte Biinchratint
(Hydrops ABcites). — 2. auUBlhuIu.« (Zeil. Voe ;
I». 4af = die Harnblase, als Bauchteil, der den
Leibesbrunnen. Harn, aufnimmt und entleert;
giieeh jdiyskn Hagen -Blase, — 3. = Hautwnsser-
sack an der Baucbhaut der Tiere (Falke n, i^
im Gegensätze zum Windbauch. — 2. lFinrf-
Bauch, 1 - der durch Gase, Blähungen, in den
Gedärmen aufgeblähte Bauch (Tympanites, s.
Wildfang) — 2 . - der durch Gase in der Haut
(Kmphyscmacutaneum anthracis) beim Bausch-
brand (s. d.) ausgedehnte Tierbaucb (Z d. I» 6.
.\ v lau, :ti5j — 8. - der bei windigen Pferden,
wie bei Windhunden, hoch aufgezogene Hecht-
Bauch Falke II, uu). — Bauch-a/mm, -blähig,
■blä8tiq, -Brie s, -Bruch, -Brud<r, Dämpfe, ■ Decke.
■Dreck, -Drüsen, -Empfängnis, Euter, Fällig-
keiten, -Fette, Fliess, -flüssig, -Fluss, -Fülle,
• Oerümpel, -Getöse, -Gicht, -Glieder, -Grimmen,
-Grube, Gurren, ■ Härte, -Haut, -Höhle. 'Kneipen,
-Kot.-Krampf,- Krank, - Läutere, -Lappe, -Lauf,
-Mensch, -Mündung, -Xabel, -Xaht, -Pein,
-Ranzen, -Redner, -Ring, -Rippen, -Ruin; -Run-
zeln, schlächtig, -schlägig, -Schlampen, -Scldund,
-Schmerzen, ■ Schwellung, siech.-Skrofeln, -Stecher,
-stössig, -Streben, -Strenge. -Sucht, - Thor, - Ty-
phus, -Vbel. -Umlauf, 'Wand, - Wassersticht,
- 11 VA , - Wehtag , - Weidten , - Wind , - Witiden,
-Wirbel, -Wolf, -Wühlen, -Wurm, - Wurzel.
-Zwang.
Bauder, Bäuderling, in zu t»audou stoßen,
neelagen [15. Jahrh. ; Schweiler i. aw. - Tumor cutis.
Scblagbeule, die einen Bausch (s. d.) durch Blnt-
unterlaufung bildet (s. boderig).
Bauer, m. (bftr, Brhweti), t, gotb. banr [aehmelfer
1, 2ft7i = Vidu|>lai>, llbtdfl und iperuM (fSr. V. 1, 117f>;
im Kl««* ; XI. Hauer = rumirim. — Kalter Bauer
i. durch ganz neiitaebBuidgebrftacbUeh) 1 >n:inie(s.d A
Pollntio, Somnus venereus .«;r. \\. 1, l IT«; ; V. mj.
Schnuller I, i'i7; Du L'ange VII, G&4), weil eine Vo-
luptaa frigida, eine Lust wiiler die Natur, leblos,
nicht befruchtend, tot, daher kalt. — Warmer
Bauer natürliche Beiwohnung, ahd i.uan —
«rofanen; aber auch = Päderastie [Schnuller) sky-
r
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Baum— Becken.
backen — Beta.
81
tharum iuorbu>, V0Ü30' iK^Xl'.tt Herod. bist. I. 10.'>j.
IüfM* früher volkMihlicbcre Unter majt vielleicht die
Erklärung tum „teuer" Reben iu*l den Kirchenvätern
war die«?« bei den Uermnaen und alten l»cut»ehen
■Phon bekannte I.R-tiT aiiRcftihrt — „auf UBltnehlbnien
Krisen Mim" = kalt hauen (Koten bäum im, »h; au
dleae* „Hauen" erinnert auch du ,.zn neker [obren
mit den Irnwen" diu Paracet*!!* (Kr. II. 71, *. Ziel1,
sowie eultivcur il» «'hiiiii|> de nature humatne men-
tuln M \ l'arc Hrl». 66-. iVensl aber auch di< Kr-
kllronf In v.r. w. L c> — Bauern F -Hutten,
-KwHcn, -Krankheit, - Tolpl, - Wätschel, - Wenzel,
- Wetzel.
Baum, BT vorRenn. bhaRhmo; tfoth basrms; ahd.,
inhd hottm Kluge6, ai . — Hahnen-B&xim (Hane-
pampel) ■ Penis (Schneller I, III«), Veretrum (b.
- S SC? I - *<* »•»•
Bürzel- Bauin (culbute), den das Kind im Mutter-
leib« macht, wobei es sieb «tönst (s. d .) und eine
falsche I*ge annimmt (Vtelckard av riom-itai-iel*
i, :.2i) — Wtrs-Baum - Penis (Hyrtl, K. w MS)
(s Hole, Prügel). — Baum-W6«>
Baunzen. m. Xeln.'Hlorm zu Hau«« oder Hunzen;
baunzen (Machart, (iarRnntua 79 b' sa feister
Magen — Darm (bei Tieren).
Baunzl(Paunzl), m. ein dicker, feister Mensch
Schnuller i, .tui (s. auch Bausen'). — baunzig
dickgeblaht.
Bausch, m. mhd. Wuch (Ringe* «jr. w i, u>.»
beulennaaehendei Böhlas und wnbittttnnlge Usane
Schlagbeule, Tumor, WulBt, Geschwulst; zu ahd.
Im.*/«ii, schlagen natut'. — TVfl/-Bausch (Bauz).
Inagob. waln i>auz lleltr. *. tiesch. d d. Hpr. XVI, 611)
Totschlag (wals = Leiche) auf der Walstatt.
Baust er, m. (Bauschter) «;r w. i, 1301;= einer,
der schweratmig ist, weil er gleichsam mit den
Lungen aufgebauscht ist (emphysomatieus,
aathmaticus), zu mhd bus - Aufgeblasenheit, »ehuel-
lendc rolle [KIorc*. :ra (a. puaten).
Bauzen, m. ein knolliger, baunsiger, im
Wachstum zurückgebliebener Mensch Schneller
i. m
Bax s Paggcs, Pax.
be-, die ZiisammensclzutiRen mit dieser Vorsilbe
siehe bei dem betreffenden Stiiinmworlc. / Ii. Belag
I« i Uce.
be be s. pe-pe.
beben, rar Indogern. Wurzel fehl Furcht Kluge ,
.Ii'1 , nhd. blbOn bibun treinnr, Kern 01] mhd. blhett,
l-l|.en Wdmcn.' zittern — hebern (bäwern) -
bebend achmerzen (»loldwhm. CS). — (1644) das
//m- Beben \ \ n i. its, coler, ll B. im
Palpitatio cordis — Das Hetz- und Glieder-
Beben er w i, iaoy — Bebendes) AUer, -Gicht.
Becht, m. (obcrpfal* Körper, Cadaver ischm.
1. .100; Srhw. Wi) IU fottacb (podeh. «. du.)
Becken n , ahd Itecklli ; mhd beekeu aus viiIr.
lat.) bareinum - Becken ;KIurc*. 89 ; iu.,7 Beeke,
lljrtl, K W ' lue« Hecken war ursprünglich eine An
von WasserKcfass oder Wasser Schule , baeeinum, baeca
ä va* ».juariuui, Klus« SB Pelvis - schüssel-
lörmiger Knochenring oder Becken-Uürtol am
menschlichen Kumpfe und beckenfOrmige Or-
gan« z. B. 1. grosses und kleines Becken, dazu :
übelgestaltetes Becken Beekend itlormität iitn»;
st. iü i , i'T — 2. I'aukenböhle *. Z. Vesals
diyrti. k w -- Hirn-, Herten-Becken, Holland.
her*enl>ekken ; il.Y Jahrb.) hyrul>ecken vertebriim,
ealvnrla, roinndita.» eaidtlx knöcherne Hirnschale,
Hersenpfanne schnuiur i, nyi, i> vi i.n — ein'
Nieren -Becken Übersetzung des Pelvis ■ \v«al ;
k. Hoflm. vii. H7; ilyrti, k. w. u:i — Becken
Höhle.
becken, beckasen s. pecken.
Bedi (Bödl) m. = Unterleib, Rumpf (xn: podoh,
fOUCh, .«. d.i.
Beere f., *»kr bha» — kauen ; »roth bazl ; ahd lieri ;
mhd. ber - die eßbare Straurhfrurht , KluRe\ :::t ' ; ennl,
berry ; Iranz baie ; damit w erden vereltrhen : (Iftöl
^4n,9-Beere ndl. anbeyen , aamlieicn , anbei die
Ang (Qual, Zwang, Beengung, Spannung) mach-
enden, beerenäbnlichen Hämorrhoidalknoten
am After, goldene Ader, Span-Hechao (De t ock
Ti. 12» üusi ; da verschiedene Völker die Condy-
lom« mit Beeren vergleichen, so konnte auch
hior bei der Ang-Beere das Condylomadie altere
Bedeutung sein. — £rd-Beere (s. tl. bei K.). —
iicw Af<iu/-Beere, 1 - IMacijues, I'ranzosen-
warzen im Munde (lirin«in(r in — 2. -- Haemor-
rhoiden, Feigwarzen (t olerll. lt. _m>: — Wein-
Beerlein, 1. = ,i&.m; Iris und l'vea (Chorioidea)
- Aderhaut, Traubenhaul , «lie einer Wein-
traubenbeere ähnelt (lvbersetzungl (ilyrti, K. \v.
itäij — 2. (»»"•) Augapfel Uvea (Ütjersetzung)
[Hyrtl, K \v., Ii. : — 3. - (15071 Uvula Zäpfchen
(Übersetzung, Hort, san.) - Auf, Uve (s. d ). —
Beer- Schwamm, -Zunge.
Beffel (Biffel), vorstehende ztieammenge-
gedrückte Lippen (Bebnicller I, 2tt).
bei-, die /.nsainmenw tzuiiKen mit dieser Vorsilbe
(.lebe unterm betreffenden Oaebfolffenden Stammwort
Bein, n. (Beinlein. Qebein), »reerut. imin
Knochen; ahd belli; mhd. Ik-Iii - Knochen und l nter
nchenkc)aN.,dleReradlnSehenkelknocHen"iKluite&, :tö;
bein ob und enis, II. Z. VI, 31'1 ; s Jalirh l>i in tibia
ala Vodei^nocbradeat'nteraebcnkebi.DIez , < h-s (.]'>«•. ,
B. Jahrb. bellt -- iTiiru. Kali. Maur., G.1 , lls2 pain erus
[Schenkel;. CenliiK, Voe. y'i, l.vio lx-tn -.- Knochen,
IhHTpod. ; Hanl, pl. as RoMknochen , Bayern; Ben,
nentr. da» Bein, Ktbnol Mht, an» fnRam ih<«.
8. 162 , bein Knochen überhaupt. Huck IC; cur!, boue
- Knochen; ndl. been. beentjeK -- Knochen, Knöchel-
chen, De t'oek 7;i . KIiirc;. Xaeh (iriiniiiü vortrefflicher
KntwickluiiR («ir. W. I, IMfl) ist Bein, 1. der harte,
feate Knochen Oberhaupt mit u. ohne Knochen-
mark, im tiegeneatse zu Brat (s. d.) oder Fleisch
und zu Blut (oberdeutueh , (vergl. Beinung). 2. -
die geraden Schenkelknochen (Crus, Tibia) so-
wie 3. der Fuss, als Geh-Glied, die beiden
letzteren 2. u. 3. als die härtesten und festesten
Knochen; das „Bein" ist länger und dünner;
der „Fuss-1 kürzer und plumper. — 4. - das
Totenbein. — 5. - thierische Knochen (Bani);
dazu kommt: 6. in gewissen volksubliehen
Redewendungen Fruchtbarkeits-Organ i.Zeit
schrill d. Ver. f. Volksknnde ISN. 9. «8. ; Urquell 1898
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Bein.
Kein.
lt. 125J z. 1t der storch SiUwmiJ hnt die Mutter In«
Kein Ket»isi««'ii , «lie Mutter hat das linke Kein Kchrochen,
«I. h. llettlaRerijrkeit der entbundenen Mutter «inl da-
mit omaebreibend tootl viert, luv nordischen Volker
nahmen dn.« Hein iiikI den Kuss aber auch die Fiiw
bekleJdung, z n PaiitoftVI, Schub (s. d.) als ein dlo
Fruchtbarkeit fordernde« Or^an. hexw. c« bedeckende«
KleldanjpKtdrk , im Man opferte auch in Stiddeutsrh-
innil zu FnichtbnrkeitMWcck c i 1 Hosen (Nlederwatt .
inord. gross IM MramfuM «chwuntfer j dftaWncbea-
bell wurde umtenreibcnil als eise Krankheit am Beine
iiar«. -iiiit — 7 Beine die Zeit des Knochen-
Wachstums, «tie Zeit der Kindheit (Kindes-
beine). — 8. Kein Bein mit dem daran befind-
lichen Fleisch. — das kranke Rein oder eine
Krankheit am Keine (vci-rI. die ItesehworunK «lurrh
den Mcrsobtirgcr Zauberspruch , Kochholz I, 2*0 . 1712
nahm man 22V . 174* dagegen 3*i Heine im mensch-
lieben Korper an (Zw. LXXXI1. K a IS), d. h. «o viele
Ucin Nuiiicn nnMitc der damalige McdUiustudlefende
lernen, ine grosse Anzahl der mit — Bein verbundenen
ah«i. Wi.rtiT *>|irielit dafür, «last die Ostenlogie am Ii
unterm (grösstenteils vegetabilisch «ich eruibreudeo]
Volke verbreitet war , da nun gerade du« Knochi pfer
eine rein gemmnl»ch heidnische Sitte war Rnebboli
1, 32V, m mochte ein guter Teil der Knochcn-:llcili-|
Namen von der Opfer-Anatomie sinmmen vergl die
kuochc uuac hbildcudcn Kultgcbaekc, b.Uoehholz 1, 327.
2"J3, sowie Klndsfu«« und llubcnschcnkcl und die* um
■0 mehr, wenn nie mit dem knirschenden Tone de»
Sagen» und BennRCM bearlcbnel werden und im
• iegensat/c zum Fleisch llratcn! stehen. — btmiiu;
beinini-ii, beinhaft), mini belobt aus Knoeben be-
•teheml (l.exer 1-lJ. — 1. ossetis, d.h. beinig, aus
Knochen bestehend, gegenüber: Heischig. —
2. s= Fasse habend, x. K. ein-, zwei-, drei- beinig
(<lr. W i, la« — Beinigkeit der Knochenzu-
stand — /IfAjtW-Bein, 1 ahd ahsalp*in(<Jra«I, MO;
III 12U, tnhd. alii.ell.elii .Schulter Oberarm], l.cxcr»;
151& tcbselbeln - «patiila. aseella, I». loos Achsel-
Iwin huraerus, Hyrtl, K.W. 12; Zw 2*. KulmueU), (17691
— HumeruB, der Oberarmknochen im Gegensätze
«um Anndiech, (Hyrtl, K. VV. 12). — 2 ~ Schlüssel-
bein als Teil der Achselknochen mr. W I, ici;.
— ilfl*rr-Bein nordd Krampfader- Kein (Crus
varicosum. — n«:i .4/YcrfVtM-Bein Os coxae
s. ilei mit den Sitzknorren, die von den After-,
Hinterhalten bedeckt sind (s. After-Kallen; (rub-
ere« Zeichen männlicher .Starke war deren Herv or-
■■*^-K2Ä£r|»*»
— C'aries ossium, durch Knochenfrass erkrankte
und angeschwollene Keine [L. eh. 14; Zw 27-.». 2.*o.
710). — Apfel-Bein, eine schlecht« Übersetzung
des Os malae maxillae; os mall, «ir. W. I, 534),
vlrsrA-Beinl Tirol; ninincr s. l") - Steissbein. —
Araehbufitl-'Bein Ossacrmu s. Kübel. — Back-,
Jiacken-Bein, 1 < >s zygomaticum, Os malae,
s. Apfelbein, Wangenbein [Gr. W. l :i — 2,
l oxa Vcgclil iKraiis K. 273., Os fcuiorl» lalkc I, Mj
Hüftbein an den llimerbacken des Tferdes;
[rnnf. enst. bnekbone BBekenbeia, ituckyrat:. —
liiic Arr-Bein t leno valgum, auch X-Kein (s.d.),
X-Fnss (Budelelicn IV, -'oo. 7»), weil andauerndes
.stehen, wie bei Kütkern etc., eine Ursache für
diese Anomalie i§t (s. Kniewelzer) Fftnterll, KM]
— Ii ::.' Bär- (Gebär)-'B9iH .llyrll. K. W. 13a
(lebärbein, Oeburtebein (s. d ), Iran/ «> bertrand
ittrlsc. .'7 < Schambein, weil dieOeburtsscham dort
liegt. — ir.03) Bickel-BeÜL, 1- Malleolus, Bicke-
bein der äussere KnOchel, ähnlich dem spitzen
Knde des Stein- Pickels oder Bickelhammers
liyrd. K. w. i»; n Mi (b. Hammerhein); von den
Knöcheln auch auf das zwischen ihnen liegende
Sprungbein übertragen 2. Sprungbein, ahn -
lieh dem Werkzeuge, das man zum Kickein.
zum Zerhauen der Steine brauchte IHM; Hyrtl,
K. w. im (vgl. Rickel). — Ä/finr-Grbein die nebeln
der blldeni lltilß] bei l'aracelKUa; Cr. W. II, 2*».' der
knöcherne Teil der Uingiva Palalum (s. Fil-
dern). — Bleckende Beine, ahd kleeebente beiae
i.ruir im, I2SJ nackte Keine, die sichtbar sind
— (WO) -beinig (Dr. Minderer). 1. = steif und
unbiegsam ^ bockstarr <.r w n, >04i, wie der
Kock beim AnstoBB die Keine stellt. — 2. - ein
nach vorne gebotenes l'ferdeknie (Mayer s?;
lt. A. )vM>j. — Boden-Bein Os oeeipitis, insoferne
als der Grundteil des Hinterhauptbeins ge-
wissermae8en der unterm Schadeldach befind-
liche sogenannte Boden des Menschenkopfes
ist, und auch als Übersetzung des Os basilare
llyrii, k w. 151). — Das bost Bein J'ds da* bom
beyn, ii. v. Uend, vi das erkrankte, verletzte
Rein l Besprechung desselben s Rocllbol» I, 283). —
Z3rust-Bein, ahd. praMpeinl neetneralum [tinS III,
13»; «. u i >; nhd. bruMbeln (II. Z. II. 105) - per tu«,
eostn; mbd. brustbeln il.exer;to), (1455 prawtpeJn, Jahn
235; MM brustbeyn, II v. liersd. 13, os pectoris, 162«
bnistbaln, Sehtueller II, 1089), 1. = Krtistbfiin (Ster-
num) als Gegensatz zum Krustbrat (s. auch
Rögler). — 2 = Brustkorb mit Hippen. — 3 Als
Pectusculum vielleicht Bries (Brüstel, s. d ),
das unterm Brustbeine, brechet (8. Bries), liegt
oder 4. - das Gänsebein, das man zu Weissag-
ungen benützt (s. Sprenkel 2), ein Brauch, der
aus der Zeit der heidnischen Gänseopfer stammt
Jahn 235; t:oler, II. Ii. 116 it.!. — i?t«/-Bein buoe-
boin, Vorderlauf des Jagdtieres (s. Kug). —
Dacht -Beine Genu val^um )( krumm- und
niederbeinig. — £>ann-Beine Ob ilium, weil
es das lleum, Dünngodarm, trägt Hyrtl, Anat
:M2; <;r. \v. Ii, 7si). — j7.v.>; Dick-, (Diech-)Bein,
nordd. 1. Schenkel (Hyrtl. K. W. 131), das Kein
von der Hüfte bis zum Knie im Gegensatz zum
Schienbein und Diecubrat («Jr. w. II, 1078). —
2. - das Mchrbein (s. d ) oder Diechbein das
Kein am Diech HSS»; H. v. Uend.; Hyrtl, K. W. 36!.
— Dorn- Bein daa GrÜFelbein beim Pferde
i,' Schenkel beindorn , Wadenbein. Spornbein)
Falke II, 123; Mayer 93,. — Drei-Bein («elt dem
IC. Jahrh. verschwuudeu , 1518 dreybeyn, H. v. (iersd. 13)
(bei Neugeborenen und jungen Schlachttieren),
^Oacoxae, weil aue3 Reinen zusammengesetzt
die erst gegen die Pubertätszeit hin zu einem
Knochen verwachsen i.Hyrtl, Anat üj , „wiewohl
es ein Bein ist, hat es 3 Namen (Lenden-, Scham-
und Hüftbein) und darum wird es Dreibein
genannt'1 (II. % <; 13). 3 beinig sind auch im
Volksglauben die verschiedenen Hexengestalten
(chvtropes), Hase, Fuchs, Troll, Mar etc. [Aberirt
65; cytropeda, U 12t . — jDrossei-Bein (l.»l Trossel-
belu - Os jugtili - ichlü««elbeln , Hyrtl, K. W. 149 ;
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I
Bein.
Bein
83
1591 Tro»sclbein Clavicula, Ha.l -Tun. 28; 1012 Trossel-
beln; 1740 Tro»*elbein - Glavirula, Kulinus 4h ; 1793
i>ro«*tli«du, Gr. w n, I4S7] - Clavicula, Schlüssel-
bein, weil es unter der Kehle und Drossel lieft
(s. Kehlbein); Drossel — Kehle, d. h. der ganze
3 eckige Kaum zwischen beiden Achsel-Schul-
tern und Zungenbein — DUnn-Bein (12 Jahrh
thiunncbcln - „tempore, sie nunpur.ata, <|iil inovontnr";
eine falsrhc Ktyiuolople ,, lJünnl«-ln" lehnt Meli an
,, lMmnwanKe"\ahd.dunwenKi,Kluße\ 62) an = Schlafe-
bein als Knochen an der Dflnnwange. — J)urr-
Bein cAcn) ein Mensch, der ein mageres Gebein
hat iGr. Vi II, 1741; Kochhotz I, 293'. — Düttcn-
Bein s Tüttenbein. — .Eis-Bein [MM labetii, l*s-
beln, Hyrtl, K. W. 4t) = Elnsboln p) aus 8 Stucken
Hyrtl, L C) ; Kluse M halt es richtiger für Gangbein
(isa = Gang) - Tibia der Hirsche. Rehe oilcr
Hüftbein des Hochwildes (Wilkers, WaMnianns-
spräche 20). — (169'.' Exter -Bein (Gr. W. III, 391)
— ein eiternder Knochen. — Kitfanten - Bein
b Knollbein (s. d.) (Tuchs II, 703). — A'nW-Bein
= Kllenbogon [VIT conimuui: (Sebm I, III, —
mtbeinen [atad. antbelnnn — cioiw; aus der Am-
tnuii* eulinaris bexw. sacralis, GrafTIII, 130), — Fnss-
Beinigkeit - die eigentümliche Stellung der
Pferdebeine , wenn deren Sprunggelenke wie
ein Fasareif ( ) im Ho^en von einander abstehen
(llohlbein) — Faules Bein Fiterbein (Antrat,
s. d ). — Fessel-Bein, 1. - die Phalanx der Ein-
hufer (s Fessel). — 2. - Fingerglied der Wieder-
käuer und Schweine (s. Fessel). — Flechsen-
Beinchen Hyrtl, k w. m) - Sesambeinchen (s.
Sehnenhein) — (1777) Fleisch -Bein = ein mit
fleischweichem Gewebe (Sarcoeolla) besetzter
Knaben (■> Gumma) (l>. 512) — FlUgel-Bein
~ ein am Pferdeknie flftgelartik' rückwärts
abstehendes Sehnenbein (Mayer 37). — (1666)
.Fuss-Bein, 1. = Hufbein beim Fallen, — 2. —
(1699> Fussknochen Überhaupt (v M 11.66; Cr W.
IV. i 1014) — GaM-Bein, 1. ^ Schlüsselbein
(s d ). — 2. = Krustbein (s. Gabel); Imni tour-
chette (Uriss. 2»). — (14. Jahrh J gängige Beine
frei bewegliche, untere Gliedmassen (Gr. w. IV,
1. 1250). — (I6!fi; Gänse-Bein (Gr. W. IV, 1. 1266).
1. = Ruckbein (8. d.) = Os dorsi; vermutlich =
ganzes Gebein , das Collectiv aller Wirbelkno
eben. — 2. - das zu Wahrsagung der Zukunft
(i to.". benutzte Brustbein (s. d. 4) der (Jans, welche
ein Opfertier war (Rochh<di i, 227 . — Gaumen-
Bein — Os palati — Gebär-Bein - Biir-Bein
(s. o .). — Grbein ahd, «rabelnl, Graf! III, 130 ; »ribetuu,
Gr. W. IV, 1. 1662; roh<l. scheine, gebelnde, trebelnze,
Lfxer 60). 1. - die Knochen , Beine als (janzes,
im Gegensatze zum Brat (Fleisch). — 2. = das
Totengel .ein, auch Leichnam, Gerippe. — 3.=
Schenkelknochen (< Yura) — Hc/>n>7.s-Beine ic.oi
gclmrthitttirif, Hyrtl, K. Vi. 137, Anm. 2; 1603 <la< ire-
hurtsbeine, Gr. Vi. IV, 1. 1906J = Os pubis, Schatn-
bein, Schlossbein, Sehossbein, Bärbeln (s. d.i.
— (1783; Geleich- K.vj Gr-fr« A -Beinlein =- Os«n
SCHAmoidea (Hynl, K. W.64 ; Vadem. 116) ; (8. Gleich«
beine und Sehnenbeinchen). — Gemä< / ' Beine
MC01 und 1603; Gr. W. IV, 1 1906; Hyrtl, K. W IST)
— Oa pubis— die Beine am Gemacht (b. da.) —
tun). — gethane Beine - ein angethanes (b.
That), angezaubertes Leid am Beine (Urquell 1892.
8. 257), Misfigestalt. — Gctccro-Beine = Rücken-
wirbelbein (Hyrtl, K. W. 62, 166). — gewichene
Beiner = wirkliches l'eberbein, (das unterm
Fini;erdruck weicht) (Huck 19V — (1740) Gleich'
Beine = Gelenkbeinlein (s. Gleich) = Ossa sesa-
moidea Hyrtl, K.W. 6t; Kulmus 52; I.evelinir 431. —
Grä/sc/i-Bein (Gr. w. V, 2551) = Kuhbein,X-FfiB8e,
B&ckerbein, Schlosserbein, Genu valgum, wobei
die unteren Schenkeltoile(vom Knieab)graiteln,
graitiseh, grätsch (s. d.) von einander abstehen.
— (isi2) Griffel-Bein - Os st yliforme, das gritfel-
förrnigeSehnenbein an beiden Seiten des l'ferde-
Schienbeins (Ftdke I, 34s). — GrumZ-Bein, I.
Übersetzung des Os basilare der Schulen (Hyrtl.
K Vi 151). — 2. das heilige Bein, weil es als
Stütze des ganzen Bückgrates angesehen wurde
[LereUag 21). — GruscZ-Bein, s. Kruss-Bein. —
G'trhloss-Bein - Os sacrum (franz. os barro, Rri«. 27),
das Schlott der Geburt, das sich zum Gebaren
aufthut - das G'schlossl der Metzgersprache
(8. Schloss und Schlossbein). — G«cArMci-*-Bein,
s Kuknksbein. — ifflar-Bein^ Verknöcherung
des Ligam. nuchae (Haarwachs) beim Hirsch
iltrt hm III, 147' — HaU-Bein [-Gebein) (ahd. hals-
pfin. liraff III. l'.".t onllicinm, torn<( Halsknorhrn ;
UM halspeyn — c«T\ix, Haltau* 784, mhd. halibobl,
II Z. VI, 321; I.tltcr 89, 1587 baW>44n cerrix. Halt
an» 781: 16.;:UinM» m - HiUvknochen ; 16S0." *cblu««el-
bein. Gr. W. IV, 2. 257 262!, 1. = Hnlsknochen im
Gegensatze zum Fleischteile des Nackens, Kno-
chen-Gerüste am Halse, Genick (Hals-Gebein),
Henker-Lokalitnt. — 2. - Sehlüsselbein. — (1661)
ZJVjwmcr-Bein Knöchel, ( hetsetzung des Mal-
le.dus (Hyrtl, K w. 74) (s. Bickel-Bein) — (1518)
Ii i >rl -Bern die Knochen der Hand wurzel (n. v.
r.ersd ; l!> rtl. K. W 75). — (1551) Heft -Bein - Wa-
denbein, (Übersetzung der Fibula (Klaui Hierbei n
S.d.) Hyrtl, K.W. 79). — He ilu/es Bein, 1518 heyliß-
bein, II. v Gi rstl, 13 vetula [f. quene), Kraus K 1085)
(vbersetzung des Os sacrum (nach Srhra<li>r 34K ;
das an den unverletzlichen oder (?) heiligen
Geschlechtsteilen liegende Kreuzbein, eher
liesso sich an die Anntomia sacralis, an die
Opferteile tler benachbarten Garbsehaie, (iarh-
braten (s. d.) denken; die Griteben nannten das
Kreuzbein als den (fristen Wirbel UroMbvln. }ay;'i'„
SXOVSulo;; (itYa-lst 1*1 den Griechen auch - isp'>:
= hctli|r (Hyrtl, Anot. 296 ; K. W. 32; Gr. W. IV, 1 837)
I (s. Grundbein*). — Henkel-Bein, 19. Jahrh h< iikü
boyn — Jochbein, die Ansa capitis der Arabisten
Kopfhenkel, da die beiden Jochbeine wie beider«
seitige Krug-Henkel sieh ausnehmen (nyrfl, K.
w K2). — Herz-Bein, 1 = Brustbein (Hyrtl, K \. i.m
Sternum, weil über dem Herzen gelegen (Air«
tomia sacralis). — 2. - der zackige, herzf<)rmige,
I beinharte Knorpel, der am Grunde des Ilirsch-
herzens an dein l'rsprunge der(iefässe entsteht
und als ein Volksmittel >;egen Herzklopfen Ver-
wendung Andel (Hirsch bein; (15 Jahrh. os de onrde
oerrl, beynn»» des hinten heruen, I» 643) auch Hirsch-
kreuz (Gr. W. IV, 2. 1225. 1566; Coter n. It. 590 ; Verf.
Volksmedizin 163) — (161C) Atrryrbeint mit Kno-
chen um das Herz oder die Brust versehen, breit-
brustig (Gr. Vi. iv, 2. 1245). — Hinke-Bein = ein
I Mensch, der hinkt auf einem Beine, auch Hin-
I kenpart genannt (Zciuchr. d. PhUol. XXVI, 243).
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84
Bein.
Bein.
— Hintei Bern - die Hinterbeine des Vierfüss-
lers (Or. w iv. 2 u«*> — mhd. //im -Bein -
Stirnknochen, Stirne (s Hirn) (Lern 102) —
fiiV*cA-Bein - Herzbein 2. — Höfel- Bein -
der Triller von () Füssen, Silbelbeinen. —
Hosen-Bein = Femnr. — Huf- Bein, 1. Hüftbein
(s. d.) und seine 1 11 u>-l nr,: beim Menseben;
(ahd hufbi-iii — clutiK «inifflll. 129; hutbein lumbi,
II. 7. II. 205, beim Menschen ; ahd. hui = Hütte) —
2 - Hüftbein als Hinterlauf der Jagdtiere —
3. = das Fussbein (s.d.) beim Füllen (Huf)((ir w
iv, 1 ioi4> — Hi«/bein- H'nr/ — Huhner-Bein
— der Träger eines dünnen Fussgestells nach
Hübnerart. — //"// Bein fmhd hüfTeboin. i.exer
108) Us ischii, coxae, das Bein an der Hüfte
(s. d }. — 7-Bein, 1 = ein zusammenge-
schrumpftes bautrunzelige* Bein (II. A Ith 1111 ;
oder 2. b der Trager eines soleben — Innen-
Bein (ahd Innanbeln. «irafTIII. 1281 das Mark im
Bein — Köhl-, { AVW- )Bein, (-örbein^ uß09 kehl
bein Zungenbein , Hyrtl. K W 171 ; 1646 kählbeiu.
Hyrtl, K W. 149; 1677 kcbtgebein, Hyrtl, K. W. 138). I. =
Zungenbein — 2 Cbcrsetzung de« us Jugull de» Cel-
»u» Drosselbein Chivieuia, Schlüsselbein. —
3 Halsknoehen im Gegensätze zum Hals- oder
Kehl-Brat. — [lO.Jabrb ) kahles örbein i.halaweu
gcbcinoui calvaria (C,r. W. V, 27) tleisehlones
Gebein. — A i: Bein ncic karsbclu, <;r \V V, 230)
das karsende, knirschende Bein Knospel-
bein - Knorpelbein — Kind -Beine (ahd. ehin-
de.pein, (imlT HI. 12»), 1. - Jugend und Kindes-
alter, in dem die Knochen heranwachsen —
2. U790t zu abergläubischen Heilzwecken be-
nützte Kindesknochen: das rechte Kindsbein
sollte Geschwüre am linken Beine (s. d.) heilen
(Legend I .1 gern Mann , Korreep -Rl f A 1S96, 8. 3)
(s. auch Kind). — A' in «Bein (»-9. Jahrh. chiiin-
beln, Caas. tiloss., Wcx 93 maxülas [Kinnlade, Klnn-
bnekenl; II Jahrh chinnclrtdn * iiientutn, II Z. III;
rhlnnl|ieinl. ».raff III, 129; IV, 451 ; k Innobel n = mentuni,
niandibnln, miixillae, ||. /, 1 1 IT , chiuibuin, '.r \V
V, 775; kinniboiu — inain, II '/.. XV, 12; mhd. kinne-
beltl, Ut. W. V, 77* J II. Jahrh. kinbcin maiidtbuln.
Voc. opi, w. 10; 171» klnnbackenbeln, Ur. W. V. 77»),
1 Backenknochen mit Oberkiefer. — 2 Kinn.
3. Wange. — Ratziges A'innbein, da* rütze kin
pain (C. v. 8rhm. 143) das von Kotz belegte
Uberkiefer od. Wangenbein (eines Wald Kiesen);
rütziL' rotzig. — A'i'w». B< in s. Kinnbein ;
in.ll. kakobeen, De Cook 7C; Ur. W. V. 77») . — Kläubcl-
Bein Ii 1*2 klewbelpain. <Sr. W. V. 1019; norweg irlejrpl-
l.eln, Llebrechtl die Knöchel, die man zum
Spielen mit den Fingerspitzen (Klauen) gewisser-
n. aasen klaubend aufnahm; 1. Astragalus
(Schnuller I. 1322). — 2 Caput feroori» caprae
(l.iebrecht). An dlo«cs rollend« Spielbein der Kinder,
'In- im Norwegisch, n nach I hr. rhl t V Kd Srt»)
..Sohlnckl.cin' hoisson »oll, rermutlirh, weil die Kinder
es olt in den Mund nahmen und man durch Ver-
schlucken daran ersticket! kann, kniipft »loh daselbst
manche Sage, wonach diese* Verachlucken vor Vieh-
«euchen schützen und l'rinzcn erlösen soll, was wohl
nur als eine Stellvertretung de« blutigen Kinde«ofiler«
autzutossen ist, die das am Spielbeine erslickte Kind
Metel lein sohlechter Trost aus der heidnischen Zeit
lur die Klteru, n. Kobold 3) , (14H2I Klewbelpain, domit
die Kinde klewbelcn sordissa !D. 543) Birkel-Kote ;
vermutlich diente es ehemals zum lernen («or»), Los-
werfen undspäterziim Kinderspiele — iiC77i Klammer -
Bein.CbersetzuiiK der Fibula Hyrtl. K W 79) Heft-
bein (s. d ); das Wadenbein mit dem Schien-
bein hat Ähnlichkeit mit der Vorrichtung der
alten Fibula als Heftklammer. — Klapper -Bein
Toten - Gerippe, dessen trockene Knochen
klappern; Hanns Klapperbein, ein Name des
personifizierten Todes (Cr, \v V, Mt) — klapper-
beinig <;r W V, 966! knochendürr wie das
Totengerippe. — [1483] Änar6f/-Bein (Or, W. V,
1361.1 eartilago gnarpelbein Knarbeibein oder
Knorpelbein : „ein Bein, das man (mit knirschen-
dem Tone) zerbeissen, knarpen, knarheln kann"
(Gr. w v. lütt; iiyrti. k w 100). - g*$£fm j Bein
(mndl ranefbwn, Kluge*. 203) ^ Wangenbein
unterm Knebelbart. — ÄWdte-Bein, 1 = ein
Mensch, der beim Gehen knickt, dessen Kniee
einbrechen (Genu valguin); vgl knickein, knie-
geln (Ranke i. IM) — 2 = ein knickendes Bein,
eine lahme Ferse ;.;r \v V. 1416; Heyne III, 102). —
Knochen- Gebein die knöchernen Teile im all-
gemeinen — Knollen (Knoil- Bein ^ Elephan-
tiasis [t. Hdb d sp. I'ath. u. Tb. XIV, 1 455i, die den
Unterschenkel zu einem klumpigen Beine ge-
staltet (s F-lefanlen-Aussatz und Knollsucht)
" imV lZrrfe\'. ! Bein Knorpelbein alfl(ie-
gensatz zum Brat und Knochen (Or, W V. 14M;
Hyrtl, K. W 100, Knorfel i-t NelK-ulorra zu Knorpel,
<ir W V. 1492). — (15. Jahrh ) Knorpel- (1719) Knor-
pel Hein - Cartilago, Knorpel i'ir. \v. V, i4«6i,
— Knon -Bein, 1 - ein knorpeliges Bein — Knor-
pel — 2 ein durch Knorrengicbt(Tophi) verän-
dertes Bein !<ir. W. V, 1487). — Knospet- {knurspe-
lichte») Bein 1 - das Knorpelbein, (.^artilago,
„mit dem tirundbcgritle des knirschenden, knus-
pernden Klanges beim Zermalmen'1 (fir w v, uy«
— 2. — Schwertfortsatz des Brustbeines, Pro-
cessus ensiforniis sterni, der am längsten knor-
peligbleibt von allen knorpeligen Verbindungs-
leilen - Magenkruspel [Hyrtl. K. W. 98). — (1677
A"»io/>H -Bein das zw ischen den beiden Knoten
liegende Bickel-Bein, Astragalus, Talus (Sprung-
bein)! Hyrtl, K.W.). — AvtoiicAf'esBeinib'ilsknoderht
beyn , II. v. tiersd. 9Sj — der Kllenbogen und die
Diecher, wo die Knochen-Knorren knotig her-
ausstellen. — Ä'ofcn-Bein — der Knochen, der
die Köte (s. d.) des Bierdes bildet und unten
mit dem Kronbein verbunden ist (Or. W. V, is»7).
— Koijen -Bein Schwaben) der Knochen vom
Schind-Anger, wo das Aas ( Kog, s d. u. Schel-
men bein) verscharrt war (Ur. w. V, 1577). — Knpf-
Bein Schitdelknochen. — (löisj Krach- (Krö-
chet- iBein Knorpel (vergl. oben Knospelbein)
*. Reinkrache, banerochn (Gr. W. V. MM; Hyrtl, K.
W. 100). — Kraft-Bein ■ Schlüsselbein (Sehnt. I,
nr.i?, weil es bei armkrüftigen, breitbrustigen
Leuten sehr entwickelt ist (vergl Hyrtl. Ana!. 321>.
— ÄV.i/rn-Bein (mhd kragelK-ln, <ir. \V. V, 1956;
I.exer i Halsknoehen am Kragen (s d.) —
[im] AVci4*-Bein »■ Jahrh erenz- os Raerum. Hyrll,
K. W.j v. M. II, 223) - heiliges Bein (s. d., bei
i'ferden ist dasselbe kreuzförmig erhobt). —
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Bein.
Bein.
35
Krobtl-Bein (1449 krobelpayn ; Zettln jr, vor. n7)-
CtrtltafO (Kr«UI - eine Si Vtiform von Knorpel. <ir
w V. -.Mi-, — Kroff -Bein Kropfbein (s. «1« ) —
Krone »Bein, I i'l7s.i) das Stirnboin woifen der
Nähe der Kronen-Naht (Löveling 6). — 2. das
würfelförmige Bein des Pferdes, das unterin
Fessel- oder Knotenhein und über dem Hufbeine
die Huf-Krone bildet Mir Vv V. lfw" und tstsa). —
3 = Krone 7. (s d.) — Ä'ro;,/"-Bein ein gekröpf-
te«, knorrig ausgewachsenes Bein. — Krmael;
^Kross- \ Bein f"'"1 kr,l>* ' '* J",,r1' kr"<i,t'1 ;
1491 kro*,« . HksT Krosjn-1-, kro«|»-llinfte<> , ITH" Kroes
|h;1-, Kro.-i.-fl-. Kroslcl-, ktu«.-1 , Kni»i-I , Knispc l-l>ein .
lauter S«l>etiformen zu Krosst«ein t'artilago, Knor-
pel „von kroaen zermalmen, nach tiein Klange
den Knorpel» beim Zerheiraen ( Crepitalio)
benannt." (Or. W. v, 210s, 2111 2112 2I7S, -jiti», Ilyrtl,
K W 100; ||. z. VI, KB; Seh» MS) — Krumm-
Bein i'»li>l .runilicin. «iraff IV, Ii 10 I.V .lalirh. K nun in
beln . I4v.' kriiiu|H<yniirer iinch» llnltl.riioli. I»
1. =- Sit bei bein, loripes, tnrlipes (or. W V, 2402;
Ii KM] — 2 = durch Beinbruch gekrümmtes
Bein —3. im Voigtland ein Seh hiebt fest (Koenler
V. «d 26») (warum ho?;. — Kuh-Bein Stellung
der Küsse wie bei der Kuh. (ienu valgutn, X-
Füsso, Silbelbein, Bitekerbein, Grill schfüsse (<ir
W. V. 2IV.I. Schräder 9: HardeUI.cn. < lilrunr. IV.himk
— A'i<A«**-Bein i -i guckgaugsbein «in.k-
gauchshein »M eoeeygis (coxae '.') angeblieh,
«eil du Steissbein Ähnlichkeit tnitdein Kukuks-
Mcbnaln-I haben soll (Ilyrtl, K W.tt; «ir. W V. 2.'i2» ,
Knui« k avj' — /'//I ,'beinig einer mit langen
Keinen — (iTTTi Latsih Bein.scaurns.ipii aliipian-
tulum balbutil = einer, der auf einem latschen,
dicken, plumpen Fuss hinkt n.r W. VI, 27* ; D.SI7).
— Leist™ Bein (nur bei Pferden) die Knie-
scheibe bei der U-iste des Tieres [Kalke II. cr.j
12 Jahrh j LrWrn-Bein II 7. II, an;.) Kenes
die Knochenteile der Lenden- oder Nieien-
gegend an der Wirbelsäule. - linkes Bein, ge-
brochen haben schwanger sein (Liebrechl z.
Voikk . M) s Fuss — Linnen Beinchen Ossa se-
samoidea (hnsengrosses Glcichheinchen) (Ilyrtl,
K. w dl). — H677I mangelhafte Beine fllyrtl, k w
Uli Schlafebein, „weil sie «Iie einzigen llirn-
schalenknochen sind, die keine zackigen Naht-
rander haben, sondern Schuppen" fllyril. I. c).
O&Mj AfVinn«-Beine, 1 Heine (Hoeenbein)einee
Mannes. — 2. männliches Knochengerüste
H.t. W VI. I.'i7s!. — Mark-Bein ein Hein voll
Knochenmark für. \V. VI. 1636,' — iioia, maseehtes
(JVbein '"ir. w. VI, lTfi-J - ein knorriges Hein, das
schlechten Knochen - Maser (s. d.) = Callus
nach der Fraktur geliefert hat — Mehr-Bein
!K— 9 Jahrh. .In/ mwru B*fn [dooho»), I aa». Maat;
Diez 96, liralT V, 11*) - das dickere, grossere iiein
des < »berschenki'ls, Os major, coxa (Hieehbein)
— (1642) jtfVnjrAoi-Bein <>r. W. IV, 2tm) der
Knochen eines Mens, heu im Gegensätze zum
Tierknochen. — missyncachsene Beine die X-
und O-Beine als Folge fehlerhaften Wachstums
der Knochen (Bhacbitis) igethane Heine). —
morsches Bein (1«W0 mor«-« »m in. er \\. VI. 2S91)
- ein brüchiges Hein |inor«<n - zormalmi-n. ali.l ,
mon>ärl - Mi.rsor, KIurp. -W). — Mutter-Bein „das i
Gelenk, wo beim Kindvieh Keule (s. d.) und
Hein sich Bcblieusen" (or w, vi. 2S13) in der
Nahe «lesMntterschlosses (Schlossbein, Hecken-
bein). — itm:i> Nägel-, Xagri-Bein. das nagel-
fOrmige, niobr lange als breite Thriinenhein (Os
lacrymale, s. Nngel) ;Seliaar»rhin I, 61; lA-relinK72)
— A'fOlcn-Bein, mlid. na-elifin Hir. W. VII. 21II1
I. Nasenknochen — "2 Nase (L. x.-r ITH. —
(16M) .\eben Bein «Jr. w. vii. 108S] Oberbein
(h. d.) Ganglinn. — niWcrbeinigt niederge-
stellt mit den Beinen w ie ein Dax-Hund (/.«•iturh
f. «1. l'hlloi. xxvi, 247) (s. überbaut). — O-Bein
Silbelbein (Genu varuin), Fassbein, wegen der
rundgebogenen Beinstelliinir. — OtV-r-Bein (Or.
\V VII. 10»; roler HB.. 371*. 1. l' berbein (s, d.)
Ganglion, Nebenbein. — 2 da« obere Hein
Oberschenkel — OrA*«i-Bein (mhd., «ir. \\. V.
S85; VII. UM) I Würfel-Hein lau« dem Heine
des Ochsen) Astragalus iii X, VIII, SM). — 2 das
Ochsenknie beim Pferde (Genu valiiutn). —
3 Kuhbein («. d.) — (17.17) O/ircn-Beinchen
Gehörknöchelchen («oi.-iio .).■» s. hwi-lii* werden
mtea Ohrzchmeneil MnnlellurliK t- .-irairen , Haumler
üOl), — l'fahl-Bein riaTHeizung «ie* os pufllare
der Aral.i«len fllyril, K. \V. li.in Keilbein. — J'flnck-
Beill ßbeiwliunil de* piixlllnre der Aral.iolen
Keilbeiu (Ilyrtl. K. w 160). — tVartMcM-Bein,
(ndl. .|imckeit« «Mi roihurriiisi, einer der kurzbeinig
ist und schwerfällig. pinuckelnd geht (Sohmell« I.
i:tyi!. — (1609) ÄrtcAcn-Beill ltynl. K W ifioi Keil-
bein als das starke Hein über dem Hachen (MST)
ober(es) Kach(en bein (Ilyrtl. K. W. 16«' Keil
bein, t'lM'rwtznnif des <>« sii|irn|>haryni;etini der Ära
Listen i Ilyrtl. 1 c). - rauhe Beine Pedes pilosi
behaarte, narbige Maut an den l'nterschenkcln
(s. Haare an den Zehen) («ir. W. VIII. 264' —
A*rA-Bein eine dem Spate ähnliche Knochen-
Anschwellung an der Aussentlaehe des Sprung-
beines (I linterknie, Hasenhacke) beim Pferde,
das dadurch leicht riieh, räch (s. d.) wird, da
schalcnarlige Knochomiblagerunijen (Osteopby-
ten) die Beweglichkeit hindern (Schale 2) iKalke
II. 231; Cr. W VIII, Ht. 2061; KoMtcr II, 1009). —
Rohen- {Reiben-, Heiiren- Bein, 1 (im>) die
Knochen der Handwurzel und Mittelhand,
welche in einer Reihe oder Ordnung stehen,
desgleichen bei der Fusswurzel (ITyrtl. K. W. 39
129). — 2 Schambein, „weil es die Keine
( margo,Grenze)zwischen .Schenkel und Haucb,
den Leisten-Hug bildet" (Ilyrtl. K. alu cr. \v
VIII, SM) ; grosse Heihenbeine Oer g«' tfuarfli.
kleine U. -Ossa tarst illynl. K W. jdc< * JUerh-
Bein Siebbein über dem Geruch" ^an —
i.wi; Rinds Bein Kinderknochen. — J»oi<; Bein
ex tracapiu lare, kreiaf Or mige Knoehenablager-
ungfOsteophyt, Tophus) rings um die Krone des
Pferdefusses. von einem Seitenrande zum an-
deren gehend H-'oerster II, 90.'» fT ; Herbst 17: 'ir W.
VIII, 1.21; 99t) (s. Kellsch.ile . — (1551) A'<M/-Bein
Ossa metatarsi, die am l'ussriste (s. d.i am
meisten hervorragenden Kussrücken knochen
(Ilyrtl. K. W. 130). — Rot Ar-, ßoAr-BeJa» Röhren-
knochen, namentlich das Schienbein (Back io;
<,r w. viii. M26I. — /io//Bein Fussknochen
Astragalus, Talus bei Schluchltieren; früher
zum Spielen (s. Klanbelliein) benützt (Kalke II,
8*
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Bein.
Bein.
2«). — Rutck-, Ruck-Heia (8 -9 Jahrb. hruekl-
peini, Cass Ol. Diez 96 - Spina [dorrt]; 12, Jahrh. nib-
beln = spondylla, H. Z. II, 206; nickibein, rockebein.
rukkipain, ruhckeben. ü. 161. 616. 61«; H. Z. XV, .LS
— curva o*sft, Huck 16; engl- ridge tion — Rückgrat,
Lehf. 219). 1. — Spina dorsi das Kückenbein, der
Knochen des Rucken wirbeln ab kulinarischer
Gegensatz mm Rüekbrat(s d .). — 2 Colutnna
vortebralis (Hyrtl. K. w. 132) : das Rückgrat als
ganzes Gebein (s. Gansebein), das die Wirbel-
säule bildet. — 8. = das Hockruck (s. d.) beim
Sehweine (ßuek, Flurn. 222). — Säbel - Beine,
1. = Genu varum (rhachit.), säbelförmig naeb
auswärts gekrümmte Beine, O-Füsse, Hohl
beine, Fassbeinigkeit (BardcUi.cn IV. soo ; Sclun. II,
20..; Martin Co) als Gegensatz zum )(-Bein oder
XFuss (bei Menscb u. Pferd). — 2 - Loripes,
ein dureb Kiankheit, Geburt, Verwundung,
Alter krumm gewordenes Bein, ein Kennzeichen
der alten Weiber (Hexen, Truden) naeb dem
Volksglauben («r. W. V, 2144). — (1646) Sand-
bUchscn-Heia - das Siebbein, das Ähnlichkeit
mit einem Streusand -Siebe haben soll (Hyrtl,
K. w.). — (1619) LSVAam-Bein = Ob pubis, das
Bein an den Schamteilen (Gr. w. vm, 2U0). —
Scheitel-Heia-^ die den Scheitel (s. d ) bildenden
oheraten Kopfknochen. — J) Sehelmen Beia,
1. = Gibbus, Kypbosis, »las wie ein toter Kno-
chen ohne Loben am hockerigen Rücken hervor-
stehende Wirbelhein (Aasknochen) «;r. w. I).
— 2. =(1599, <Jr. Vi. Vm, 2611) es ein Aasknochen,
ein Bein von einem toten Kürper(Aas Schelm,
s. d.y — 8. — faules Schelmenbein = Knochen-
sequester aus der durch Knochenfrass (Spon-
dylarthrokake) kranken Wirbelsaule, wobei der
Krankesich schwer bückt ; einer, der sich nicht
gerne bücken mag, von dem sagte man, er bahn
ein Schelmenbein im Rücken Tin-hart» Klohhatz ;
nrandt"» KarrcnNchiff). — Schenkel-Heia ~~ Tihia
(s. Schinkhein und Schenkel) zwischen Baeken-
bein(Femur)und Rollen bein (Astrairaliis, Talus)
beim l'ferd»* - grosses Schenkelbein im Gegen»
satze zum kleinen Sch.-B. = Sche.nkelbeia>lom
|s. d ) — stlteppx bemig — scliiefbeinig (Schmcllcr
VII, 437). — S<heucr-Bein , 1. = udl. «cheuren —
reimen, spalten ;(ir. W. VIII, 2177) --= der skorhiitlseh
und sonst erkrankte, nekrotisch gewordene,
sozusagen gespaltene Schiefer - Knochen (s.
Skor^). — 2 Scharbock (Skorbut)überhaupt
(Color Imcucca -, afngipcdlnm, Kraut B. 41*) — (1630)
schufervjk kiojbein, Schiefer-Heia = Sequester,
Beinsplll^*n>- Minderer). — Schief-Heia, Sihiwrl
Bein, 1. ein krummes Bein. — 2. = der Tritirer
eines solchen. — Schien-, Schink-, Schint-Heia
(ein Wort von wcatgerm. Alter, Kluge*. 431; ahd. *cina,
schlnchuin, Ii raff III, 129; tlbia [HhulaV I. Schiene);
mhd, srhine, M-hinehcin, Kluttc i, 322- sebinalcs Stuck
Knorhen, Wurzel «k i , Kluse Schindler II, 426 IT ;
1120 M'hienltien ; 1170 schinpayn = cru*. I>. 160: 1472
schinkhein -tihia, Ii 6s 2 ; 16 .Jnhrh. »chyn-, scheu-,
Mhc.nebfin - iramba, I». 267; sehitipnwm - pnplex,
l>. 443; Tirol lehiunehcin, Hiutners. 20; Schwaben. 17.
Jnhrh sehoenbeln, Birlinger I, 207; franz. os de la
greve, Bris» 29; eiiijl. »ebinbou — tihia, Lchf. 94) -
Tihia, Canna major (Hyrtl, Auai. 35s) als platter
Kohrenknochen mit ausgesprochener Kante;
Ü516) grosses Schienbein Femur (II. v r.ersd.
1696) der grössere Röhrenknochen der Unter-
extremitat. — Schink-Heia , 1 = Schunkenbein
(s. d ). — 2 - Schienbein (s d ) — ScAiV««-Bein
(isis schyesFhein, H. v. tiersd.) = Ol parietale wegen
der daran befindlichen Sutura sagittalis (Pfeil -
naht) (Hyrtl, K. W. 141 ff.). — Schiff-Hein (löls
sehlffbeyu, H. v. Uersd. IG) = Os navictilare der
Handwurzel. — Schlät/el-Hein Übersetzung des
Malleol.n* - (Hauimerleln) - Knöchel, Bickelbein
(H,t«1, K. w »43 - Sehläfe- j Bein,HvrU
(178S) Schlaf- J *mm
K. W. I4i)-()s temporis, Schialebein, weil man
beim Schlafe seitlich den Kopf so legt, dass
dieses Bein auf dem Lager aufliegt (Löveling 7;
Bohn«rwhm I. 37) (s. euch schlafen, schlaff und
Dünnbein). — n«32) nilUagend Bein, 1. = die
offene Fontanelle (s. Blatt 3), weil beim Neu-
gebornen an der Stirnfuge die Scbitdelknocben
so zart, blattdünn sind, ,.dass man des Hirnes
Bewegungen wie die Sehlageder Pulsader fühlt"
(Rcinmelin 10. 4). — 2. - die geschlossene Fonla-
tanelle. die an derStelle der offenen (1) ist (Hyrtl,
K. \V. 136. 136). — Schleif -Heia (1420 «leyplH-en -
•tta, dromo, l>. 191) — ein nachgeschleiftes Bein,
wie es der Grossvater (atta) in manchen Fami-
lien hat. — >■ Ii <>!>,,,, s Bein, 1. ndl. «lim becn
- schiefes Bein (s. schlimm) (Kluge*, 3271. —
2. - ein krankes Bein — ÄVWo«s-Bein, 1.
Schambein, wo das äussere Geburtscbloss
(Vulva) liegt, frana. oa bertmm (von der mytho-
loKisehen Iterrlita, mich der auch das „MutterlcnHlt" Ber-
train, llerehtrnni heist-t, Hyrtl, K.W. 137 ; llallu Torre.sa*. ;
Brit-«.;. — 2. Hüftbein, welches mit 1 und 3
(dem Kreuzbein) den Beckengflrtel bildet ;il. v.
(iersdorfl 16.96 ;nyril. K.W. 27). — 3. = bei Schlacht-
tieren Os sacrum (Geschlossl), Kreuzbein; 1, 'J
und 3 bilden den knöchernen Teil desGeburts-
scblosses (ob harre). — ÄfWo*»cr-Bein — das bei
Arbeitern raitstehender Beschäftigung, nament-
lich Schlossern, Backern etc. sich bildende
Genu valgum = X-Füssc Backerbein, Kuhbein
(Kantelehen, ( hirurjr. IV, SOO). — -SrA/urA-Bein. f«.
Kläubelbein. — H743) iSVA/uw/-Bein = eine aus
der alten Medizitiscbulc »tainmeii<le ÜbcrMtnag des
. (Kriech ; Klei» : .Sehliisxcl, derfriiher.S-fi>rmitr»fekriiiiinit
war = Clavicula; da dasselbe der freien Bewej^-
liebkeit des Armes zur Hauptstütze (s. Steuer-
, Kuder)<lient,soist seinBruch eineganz auffallige
I Störung der Aehselbewegung ; volksüblicher war
bislang Achselbein, Drosselbein, Gabclbein,
Halsbein, Kehlbein, Kraftbein, Achselsteig,
Brustscbliessen, RrustschlÜNsel (s. d.) (WM, Medi-
' kuH 268). — S'rWicnfi-Bein (»hd. U. Jahrh. slunt-
lnin - nitneii. os gntturis, quo rilms devoratur, It. /.
III; CralTIII, 129) Os byotdeuin, Zungenbein. —
I St hl uns- Hein — Os coxae — Schlossbein (s. d.)
Kir. w. n, 4ic). — iSY/ior-Bein (I4s3 aeocMn [?J,
Behnurrerll, 20i, skorbutiscbeOedem-Anschwell-
tini; der Fitsse, s. Skorbut und Scheuerbein. —
[1783] ,Sc/tö88-Bein - Os isehii et pubis, die Kno-
chen am Schoss (s. d.) (stein i, sj. — Schulter-
Hein (1411 whiilterpaln. Zinterle 192; 1470 srbolder-
p6in — aicellu, !•. 63; lisj »ebiillerpayn, Zeninir. Voc.
d. d. 1; au« ihm wurde gewei&wgt, Koehholi 1, 226),
1 1. — Scapula = Armprosa (8. d.). — 2. - Achsel.
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Bein.
Bein.
87
trhunkenBein Schinkenbein. Schenkelbein
(MM) — Schur-, ScAvr-Bein Scheuerbein (CoKr
II. R. 1.19). — (1749) &7nranr - Bein - Steissbein
f llyril. K. W. IIS; hiht. Medikus 293; Scluiarschm. I, 1161
KukukBbein,Zagelbein(s. d .) — g^-^j. \ Bein
- awegilbvinln iSchmeller II, 628} das zum Schwe-
feln, Pfeifen benfltzteBein.Tibia, Fibula, Canna.
— 6VAwcM-Bein(cheiO Fleehaenbeinchen, Lin-
seubeinchen (Hyrtl, K w 64) Ossa sesamoidea,
<lie in manche Sehnen eingewebt Bind, wie z. B.
das Gritfelbein . Hyrtl, Auat. 181). — serrecht Bein
Oh parietale, Seilenwaudbein,da83mitlangen
Nahtzacken wie Sagezacken versehene Ränder
hat (Herrn Säge) (Hyrtl, K W. ui), — Sessel-
Bein - Fbersetiurur der Seil* tnrcica am Keil-
bein deM Menschen (Hyrtl, K. ff. 160). — Sichel-
Bein Zwickelbein, sichelförmig oder dreieckig
A r-\ (Kalke II, 317 — SitZ-BeÜX - Os iBchii, qilod
sedentessustineat (Hyrtl, Aiiat.313). — im; i Sohlen-
Beine die die Fussohlen bildenden ( Issa meta-
lar.Mi (Hyrtl, K. W. US). — 8/mtrM-beinig - mit
spindcldünnen Beinen behaftet, namentlich mit
schmalen, dünnen, engen Schienbeinen (Zipp,
107». — Sporen -Bein, 1 (1616 »porbein, Hyrtl.
K. W. 144 = „der aniente Teil der Kii«*c jreht wie «In
Sporn hervor, damit der Mansch nicht bald zurück-
falle", 1677) - Tubcrositas ossis calcanei, Calcar
pedie. — 2. da« Wadenbein, „die ältesten Klscn-
S|M>ri'ti hatlcu die Korm eine« spitzen Stachels (llornj
.ihn« Haddien; dieser Kortn Uhnoll du.» Wadenbein (».
Iiorubein) der grosseren Hanstier«, von welchen auch
das m«ni>ch)i«he Wadenbein diesen Namen hal" (Hyrtl,
K. W. "»). — (1677) Spruni) Bein, zwischen l'nter-
Bchenkel und AHtragalus geschieht die Lauf- und
Sprungbewegung im Sprunggelenke, «laber =
Astragalus _ Lauf 4 Hyrtl, K W, 116; das Sprung-
bein von wilden Ziegen und Schufen war «In Spielzeug
bei Römern UDd Griechen, Z.d V. f. Volksk. 1*96.8. 1Hi ;
it>i/.i«r ism, s iS2.i. - ii7.9)S/r/n-Bein -da« (durch
häutige Vet knocherting starr werdende) Steiss-
b«in, das wio einStärz (s.d.) bei mageren After-
ballen hervorstarrt (Hyrtl, K W. Cm] — (1661!
SfV</-Bein - das einem Stege ahnliche, dieSchlit-
fengrube Überbrückende Jochbein (Hyrtl, K. W.
II«) — steiniges Bein -der sehr harte Teil de«
Schläfebeins (Pars petro«a),nach demVolksglauben
unverhrennhar wie der Jtidenknorhen (». d. und Jini,
Kalke II, 339). — mlid Sttiz-Bein - ein Kusu, der
auf einer Stelze (s d ) geht (Lexcr 247). — (1SI3)
£>7ruA/;t7t)-Bein Os sesamoideum inferius, der
am hinteren und unteren Teile des Kronenbeins
liegende, vom Hufstrahle bedeckte Knochen am
l'fcrdehufe (Korster II, 1009 ; Mayer 39; Kalk« II, 276
316) — S'tVeeJke-Bein - der Tod, weil der Tote
die Füsse zuerst von sich streckt Zcitsehr. d V.
r. Volksk. ls94, s. 41). — iSruA/-Bein Sessel bei n
(s.d.), Sella turcica (Hyrtl, K w. 160). — (1497)
Sturmbuhl Bein Os pectinia und das ganzo
Darmbein,das wieeineSturmhaii beeinen hoben
und breiten Kamm hat (Hyrtl, K w. 91). — Toten-
Bein (IMS todteabaln, Rc-cbh. i, 20s-. ndl. doodabeea,
I>e 4'ock Jü, - der skelettiertc Knochen — Tut-
ßeisch-Beine, ndl. dolt vleischbyna« (117'.) = Gan-
graena, nekrotische Knochen (D. 247). — TUtten-
Bein =- die tuten- (s.d.) förmigen Nasenmuschel-
knocheu (b. Tieren) (Falke I, 223). — r-Bein -
Säbel hei n (s d.) wegen der gebogenen Form der
Füsse bezw. Beine. — Uber-bein (mhd Überbein
Lcxer SM; 1699 Überbein, «Jr. W, VI, 720 „ein Pferd«
fehler"; 1742 Zw. 'JS7 „i.elenkkapsel-AuachwclIiinia-n,
<;aiiKii«tr' {Hu«k 19). 1. -= entweder a) Behr
hart gewordene, schmerzlose, cystoao Neu-
bildungen (Cysten) oder Hygrom-Cieschwttlste,
abgeschnürte Aussackungen der Sehnenschei-
den mit synovialem Inhalte in der Nähe von
(ielenkkapseln, oder b) von Sehnenscheiden,
Uber und auf denen die härtere Kniescheiben-
Hache oder die Sesambeine, Rollbeine. Sehnen-
knochelchen gefühlt werden fliurdcleben, rhinir«.
II s.'iU, 8*1; | V , 6H9; Koni« III, 766; Hyrtl, Anatom
462) — 2 eigentlich ein Bein über oder auf
dem Hein, ein übriger Knochen von der Haut
bedeckt; daher eine spatahnliche Exostose
am Vorder -Schienbein und Unterkiefer dos
Pferdes [AMgrd. 81 ; Col« H. it 370), deren Namen
auf ähnliche sehr harte Gebilde bei Menschen
übertragen wurde (Förster II, 906; Hauml. 109; lK-'ld«
werden besprochen Wnttke 327). — (1629) Unter-
Bein = üs basilare, Fundamentum caeterorum
oHsium (Hyrtl, K. W. Ul) (Grundbein). — (icoi)
tr/ircrj»arz-Bein = O^s basilare, Fundamentun.
cerebri (Hyrt, K W. 161). — mhd trrbeint = verknö-
chert, verhärtet (Lexer 318). — untrrbeint = un-
verbärtet [I.exer 303;. — rerijnuijte Beine die
Gangart der Tabetiker mit hüpfendschleu-
dernder Bewegung der Beine. — (1712) per-
magertet Gebein (Zw. 31) - eine durch Knochen-
Maser (Gallus) geheilte Knochenfraktur. —
UW(c»)-Bein, nihd. wudebein, l. — Sura (CelsUB),
das Waileidleiscb mit tlem Wadenbein (Lexer363j.
— 2. - Fibula — Canna minor beim Menschen
l Kalke II, 323; Hyrtl, K. W. 79; Anat. 369). — Wängli-
Bein- Fnter- und Oberkiefer In alten Voeabu-
larien; Hyrtl . K. W. 193). - Wangen - Bein = C«
maxillae. — Wecken - Bein Keilbein, da die
Wecken Keilgestalt haben - MVtVA-Bein, I« (1491
Knorpel, lir. W. \", 2108; 1617 — wichbeln, 1). 103;
1616 cartila««, Hyrtl, K. w. 99) — Knorpel, „weil
alle Knochen einst(weiche) Knorpel waren"oder
als relativ Weicheres am sonst harten Knochen.
— 2. - (1603) Os ilium, das Bein an der Weiche
(beim Pferde) [Gr. W. II, 781). — 3. - (1743) Os
iSCllÜ, Darmbein (I.ev«!liiK; blbl. Medikus 297). —
I. 17SH) HV«/>fM-Bein ("bcr*ct/ung des osteon fphe-
koide«, os vespiforiuc der Schulbücher der alleren Zeit
= Keilbein, das die Gestalt einer geflügelten
Wespe oder Fledermaus hat (Bcnle, Anatomie;
Hyrtl. K. W. 160; Schaarsrhra. I. 43). — ;.*i«Vr-Bein
(8—9. Jahrb uuidar]>atil , widarbani, «raft I, 636;
III, 129; Cm*. OlOM. Diez 97) „ein sonnt nicht vorkom-
mend * vvon" Ii z vii Kibnla, cftiamel eala-
mus) als dünneres tiegenbein (Wadbein) gegen
das dickere Schienbein (s. Widergelenk). —
l i irbcl - Bein (I2 .lahrh uuerfbein vertebra, vor-
tibulum ,,<iu<»<l in ilexlono membrorum vertuntur",
II. z. II, 206. 602, Wirbel (s. d ). — Hrirff/-Bein,
„ein Bein an dem Oberfuss" (Selm 780) ; als Dreh-
Hügel, um den sich die Dreh-Muskeln wie der
Spinnfaden um die Wirtel herumschlingen, ist
der Trochanter zu nehmen. — X-Beine
| X-Beine, Genu valgum = Bäckerbeine, Schlos-
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Beiss(eo) — Beisser
IwiBeiger— Bell.
serbeine (Bardelebeii, chlronr. IV, 800; Kleltipatil. dm
Mittelalter 601,1 — Zagel-Bein «h>l zagllpcln c*u-
il Istrum, (iralT III, 130; nihil. zaKelbciii, l-exer 396;
162S ngübeln, Schmeller II. 1089), 1. « Schwant-
hein (s. d.) «■ Schwanzstück der Metzgerspracbe;
nicht blosse, .l'berset/.ung des caudistrum" (Hyrtl,
K. W.), sondern durch die Opferanatomie be-
kanntes Bein. — 2 Ob priapi (bei Tieren)
(Hyrtl, Anat .}. — ZuU-Bein, die knöcherne Sub-
stanz, die harte (irundmasse des Zahnes. —
(1WD zerknitschte Beine (Hock io< ^ gequetschte
Knochen. — IIS!»; zerspreiastes Bein, Knochen-
aplitter (II. t. Cond. 48). — Zwickel-Bein , 1 -
die 3eckigen Siehelbeine (Ussa Wortnii), Schalt-
knocben an der Hirnschale. — 2. Ossieulum
trianguläre Paracelsi (Hyrtl, k \v. 173; Falk.- n,
183). — (1511) Zwispalt- Beinlein Y-Hein, ilas
grosse tweisehenkelige Zungenhein (Hyrtl. K. w
174). — "Bein- Ausweichung, -blättern, -Bruch,
-Dicke, -Diech, -dürr, -Einfallen, -Einprcssung,
-Fass, -Fäule, -fest, -Fleisch, -Frass. Fretter,
-Gestell, -Gegicht, -Geschwür, -Geschwulst. -Gc-
wächs, -Gicht, -Glieder, -Grattel, -Härte, -Hau»,
-Hax, -Hüfte, -Knopf, -Knorren, -Korper, -Kra-
mer, -Kra mpf, - Krankheit, -Krebs, -Kr uck. • Krum-
me, -Kufe, -lahm, -Loih, -Mark, -Narbe, -Ort,
■Pfeife, -Platte, -Reft, -Renke, -Rippe, -Rofire,
-Kohr, -Saft, -Sauger, -Schaden, -Schmalz,
-Schrott, -ScJucamm, -Spalt, -Spat. -Spitz. Sprcis-
sel, -Sucht, ■ Wachs, - Wade. - Weh, ■ Weiche, - Werk.
-Wolf, - Wurm. — Diu Beinwurf ahd |*inwunc
Senecio vulgaris, Jessen 374) nolltc gegen (rlmelil-
tinche) Knocb«aiohvkcl>ebeim „AlUnann" (i.d.) helfen.
Beiss(en), m . f. (Biss) (ah.i. i.ir; miui t.iz, Kluge
35), 1. = Kratze und jeder juckende, beissende
Ausschlag, namentlich Kczema. — 2 1119, 1129
pla = morphaca, D. 36a, Schindler I, 291} .Misel-
sucht (b. d ). — Gfbiss s Biss — AWs-Beiss
(1483 klmlpeti, r. v. Meg . Schindler l, 291 1261 1
Liluse. — Wt -Beiss 12 .talirti wurmbaizi',
Schweiler I, 28s, m, moi - Schlangenbiss; (vcrgl.
beissen)
beissen, Beisser, m im ««kr. Wurzel i.hi.i
»palten, «erbrochen ; urverman. bilau, stechen, spalten
..beissen ; uliil hizzun; mtnl bitten; lieissen, stechen,
schart" sein, wie das (heissende) Schwelt, „auch
auf den Cieschmack bezogen und in dieser
Richtung in seiner heutigen Bedeutung spe-
zialisiert" (Kluge 4, 25. 32), also 1. sa beissend
schmecken (vergl. Bizzel) — 2. beissend
schnu-rzen; ins (iras beissen - eigentlich im
Kampfe fallen und dabei Band, Knie oder t;ra» mit
• lein Mumie erfassen, um den Schmer* im verheissen
(s. d.) - Sterben, Verscheiden -< lion bei Homer vor
kommentier Ausdruck, Schräder ""•■>'; ; ins Hein ge-
bissen s. Bein U. — 3 - beissend jucken >linck
17. 19;. — Beisser, Dl. 1. der beissemle, essemle
Zahn o. Schneidezahn (Dens incisivus) (Ur. W. 1,
IMS; S v II I, 2*7; II. 2usi. — 2. -einer der beisst;
(conf bizarr« ric, «irillcnhaftiirkclt; «tt bizxar '). —
Beisserlein, Beisserchen (mW MterkeiM, bytkei»
dieklciucn Zahuhackchcn der Kinder, <.iold«cbin. I.V. ,
D. 173) der ausbrechende kleine Schneide/ahn
(Beisser, 8. O.) bei Kindern (liackerlein, I lackei -
chen, 8. d.) (Gr. W. 1, 1408).
beisaiger (bissig, beissechtig) m-rdax (im.,
Voe y 5; 4.T. W. I, 1.199) krälzig iSchw. 361 ; Schwei«),
s, beissen 3. — (15h7,i Beissung Prurigo — das
(iefühl als ob auf der Haut etwas beisse V 469).
— ./IdYr-Beisser i'ferde, welche eich in die
Haut an einer Hatitaderstelle beissen (Zipp. 153).
— (1742) A rech - Baissen (Zw. 157) = Pruritus
ani (beissen 3). - [1743] Augen - Beissen
(Zw. 188) Pruritus oculorum (s beissen 3 u.
Augenbiss) — /farrrw-Beisser s. Krippen-
beisaer. — (1645 Krippen Beisser Pferd, das
beim Satteln oder beim Dampf auf den Band
der Krippe oder des Barren seine Zähne auf-
setzt (t'oler, II. Ii 362; Falke II, 45.. — Magen-
Bisset^ ! (n'"' "m,:0-,,il!a,,0• ,ira(T ni> 211 •
mturipi/.'i<la. ma^a plzadn), 1. - Magengescliwtii mit
.Magenschmerzen (Torsiones, Dolores) wie durch
einen beissenden Wurm (s d.; beissen 2). —
2. - Syncope (des Herzens) Cardialgia, Ver-
wechselung des Organe«, «las den Schmerz in
der Cardia auslost (s .Magen -Schwär, Magen-
wurm, Herzwurm) il> 5t6). — Mann - Beisser
(Mo«* ahd. muui>lzi!o ambro, I». 29. Sehtuellcr I, 291) ;
l.eutefresser (s. d}; Beissbeiss, Kindergesperist
(Dämon). Namentlich Würmer, Manne, Molche (Olm)
und Kröten, Kldech»cii und Wie*. 1 sollen nach «lern
VollUKlaubcn U-iile und Tiere (wie Spinnen «der
Schlangen1 lieissen iheeken) und dndureh (lyni)dian-
goltische) Krankheit»i>r<>isc«^e vertii>aelieii icmit. Kin-
demiehl und Schmeller I, 290,1; auch die iil« eine Kroic
(s d.) iiu l^ibe mno—tai Mmauw ,.i>ci*«t"
Männer und Krauen (Schmeller I, 289 ff ; vcrcl »eltr.
r \i.th , Eth. u. l rB. llayerns, 1894, I. II. B. 60). —
ulici -beissen die Krankheit ohne Klagen, ohne
Hilfe und ohne Arzt ertragen und so über die
Schmerzen (beissen 2) hinwegkommen ; s. ins
Oras beissen. — VerbetiiSitugen , alte Verbaht-
tniBe (Uuek lsi alte, schmerzhafte Schäden an
Sehnen und Knochen, tielenken und Muskeln,
empfindliche Verwuehstinger. — H 'iirm-beissig
(12. Jahrh. mrmpeixijrin earloaa, EL z xvi, 43,
vurimpiiiKero — (sariOMI, H. Z. XVI, 72, liraff I. 1044 ;
III. 131, vom Wurm zerfrcs«en |earl>'i ; mhd «urm-
hiilc, bexer 395) mit dem Wurm (s. d ) behaftet
(Hautwurm o. Kot/.-, Bauchwurun, Knocbenwurm
etc.) (Kalke n, tu - ;isi2) ir»o»ifr-Beissen
Wnrmkolik (Fällte u. 443). — Beiss-, beissel-,
beissender (beissende), -Uhu, -Grind, - Krätze,
-Räude, Schärfen, -Schwämme, -sierig, -Sucht,
— H'urm, -Zahn
Beize, f. *u 1m>Km 11 .> .| , die beissend (hlssttr)
Bchmeckcndc oder utzcmie Kliissiitkcit. Beizen, n
Scheidenvorfall (Schweiz; Kalkl, 112., bei Pferde-
stUten, woliei beizendes Scheidensekret ab-
gesondert wird und die Scheidenschleitn-
liaut wie angeät/.t, wie abgerindet erscheint
(s. Birchen).
Bell (Ball), n»., f. (zu Bali k .1 ; ntnd. Mio 1
Hinterbacke, lloSm I, 359 — Bell, m. [OlterpfalaJ
Bellfuss (s, d l oder Fussbelle Schmeller l. 229
— Bell, f 1 Achterbellen, Arschhelle. -2.
«ler Zustand der Hallenbildung — A chter Bellen
(ndd. airterbitlen, O. 37ii; Hyrtl, K W, 19V] After-
bell, Natat. — (14S3) ^/ (( , Bell(hdtscb.; C.v Megen-
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bellen -Berzel.
berg) - Arschballen, Hinterbacken (vergl. Bille,
Hillen), Nates globosae (Hyrtl, k. W. 9). — After-
bcll '•'<'! — Artch-Beüe (ahd. an»belll; 1470 arsch-
Helle = piga nates, U 376. 4Xi; <ir. W. I, öfiö; «irafT III,
M; Bnek, Flurnamen li) — Chinin, Natts. — Fuxs-
Belle - eine in Taubheit und Unemplindliehkeit
»ich zeigende BeBimildigung des Funsen, durch
falschen oder raschen Tritt oder durch prellen-
den, Ballen erzeugenden Anatom veranlasst
s Bellfuss (s. d.) (Or. \\. IV, l. ioiij. — der-, er-,
über-, W-beU6H, mhil. verleiten, beschailigen,
da« eine «iefohwulst. ein Hallo» entsteht (I.excr :»15>;
(1645) erUllen (Coler, 11. M. 240; — intorquere, durch
Verstauchung oder Erfrierung den Ballen der
Hand Wierdes Kusses, den Zehen-Nagel, Pfor«le-
ballen beschädigen, verdrehen; sich vergreifen,
vertreten, auch vor Frost und Schrecken starr
sein, taub sein im Ballen oder am Fingernagel !
(niemals istoine aussereWundodabei, 8. Narren-
nagel) (Mayer 117, Ur. W. III, TIA, Pauli 140; C. v Sehnt.
b&; Selm. 57; Schmeller 1. 22* ; Coler, PI. :»9; Uder, II.
340) — Xu/m-BeUerchen s. Biller. - Ball- (Ball-,
Bell ) Fuss, -Muskel, -Rose.
bellen (belfern) (we*tgenn bell; angin, bellan,
Kluge*. St; ahd bollau ; uihd. Hellen = schreien) ; «ler
Magen bellt = Hunger )<»r w. VI, 143»] 1'ortomM
•(Iii crie la falm (Brlss, 178) = der Fuchs bellt (Ost-
preonen). der Magen gibt aus Hunger einen Ton
von sich ; (p. auch ballen). — (15*7) belfern
balbutire, polternd, bellend sprechen {H. 7<;;
Kluge *, 161.
beizen (pelzen) (ahd bclzön; mini, beizen
ptrnpten, Kluge \ :;6) — (17211 fl/fl/iVr-belzen mit
dem Eiter aus aufgestochenen Kindel -blättern
den Blatternstotr «um Schutze vor schwerer
Blatternkrankheit einpfropfen (in« »ciliare) (K « Ii.
191; L. eh 43; Scbnurrer II. 2611
Bengel, m. nur germ. Wurzel bang, nasaliert au«
Mg schlagen (Kluge*, »). — Herr -Bengel
llerxbttndel (s. d.) (Anürexen 89). — <1«MJ Kog-
Bengel — Aasprügel (s. Kog) Penis («»r W. V.
1577
Berg, Hl. Hrthe, Erhabenheit. — //ami'-Berg
11591 1 der berg in «kr Imn.l ^ die Erhöhung der Innen-
band vor dem Ansalze «ler Finger, Metacarpus
IIa.! Jnn. an; Kchlndlcr 214) s. Uauf-Berir. — Fuss-
Berg, berke = <lnr»nm peilt» (Hyrtl, K W. t*7: der
erhabene Fussrücken. — (1540) Grtu/-Berg 'ler
Berg in der Hoblhand, die Fleischhftgelein,
welche den ersten Fingorgliedern in «ler Hohl-
haml vorangehen (Hyrtl, K. W, M). — Schani'
Berg - Mona Veneris (siebold ;ti). — ii74si 1'oiu.s-
Berg Scham-Berg («ir. W. IV. 1 MW; K a. 55)
(s auch Hügel und Venus); Irnnz Ic pciill, la enu-
r..nn<- «le la nalure (BrM, 70). — Berg- Asthma, -fertig,
•Krampf, Krankheit, Kropf, Männlein, -Sucht,
■ Weh
St. Bernhard. — St. Bernhard/Vticr.
Berpel (Bärpel. Pörpel) PoYpal (s. Purpel).
bersten, Berstung. - .4 uo*,v>w -Beratung ;i i?'-
dc» apotteemi bwtrtynge - «yrex, D. 63») — Absccss-
Aufbruch, Vomiea.
Berzel, m. = Bürzel, Börzel (s. d ).
Best— beuchen. 89
Best, n. = Pest.
Bestie, f. - latein. bestia, «las wilde Tier, 1. =
Pestilenz niuar. SM). — 2. Gicht oder Vergicht
d>e cock ni2) (s. Tier).
Bett(Bettlein),(Beet), n. (ursprünglich iu<iogemi.
bhedh - eine ausgegrabene Stelle, Krdw..hnung; ge-
melngerm. badja = Lagerntelle, in «He Knie eingewühlt,
Hell, leetut», KHige4. :is und das Liegen im Bette; ndl.
bedde das Nestlagcr «»der die Nachgeburt der Tiere,
DeLOck 62 = Hct de l'enlanl. leyt, llct, Mm. 329). —
Khidl | Bett* n ' f' (Bl"1' chlu,feUl <:nUT lu< W;
mhd ktBdbette, <ir W. V, 727; 15. Jnhrh. ; 141« kind-
pett; 1420 kindelbette, klnderbeyt - Puerperium. 1). 471 ;
1429 klndelpett. das kltnllbette, Ilnffmann I, 378; Ulr-
llnger II, 60, Ur. W. V. 729), 1. ■ daB HocAcn-Bett
der Wöchnerin, die einem Kinde bereits das
Leben geschenkt hat = Puerperium (Or. W. V,
737 . 739) = (in Bayern, öslerrcieh, Schweiz) die Kind-
bett, auch „Königreich" (Schneller I, 1201 ; z 4 von
unten u i25s; a. v II. □, 12»2). — 2. = Niederkunft
vor <lem Wochenbette s. Not (aeeouchement)
((ir. W. V, 727) ; die Kreisslntt dagegen ist die eigent-
liche Statte des Kreissens (vergl. Krelssbett). — BöSCS
Kind-Bett Abortus (Ur. W V. 7«>). — Unzeitiges
A'i«ff-Bett = die nicht rechtzeitige Entbindung
» Abortus, Frühgeburt («ir. W. V, 727'. — Die
A Retterin (I4. Jahrh. klndbetteria ; 16. Jahrh
chindelpetlerln ; 14*2 klntpctterln, Or. W. V, 728. 730)
Wöchnerin , j»uerpera iZening. Voc. «(4). —
Är«mw-Bett, BdL kraambed (De Cock 09) - das
Wochenbett, in dem die Wöchnerin (= Kramm-
frati, s. d.) liegt — [1678] »las Kreist- (Krist- iBett
it;r. \V V, Jißl Kindbett (s. d ), in welchem die
Gebärende kreistet, s. d. (d. h. den Kri-Laut
ausstosst) stöhnt, jammert (dazu : Krisch-Merge
ti Krischona). — (1517) Z,ot«rrr-Bett - das Kran-
kenbett für die lotterigen (infolge von Fieber
schlotternden) Leute (s Lo«Ier), oltnterlom [D, 127).
— iUul'i'cT-BettiUr. w Vl.2*i:i: = Kindbett (s. d.).
in dem die Frau zur Mutter wird. — Nagel-Bett
a „die papillenreiche Haut, mit der die untere
Flache des Nagels in innigem Contakt steht;
• ler hinterste Bezirk des Nagelbettes bildet zu-
gleich die untere Wand des Nagelfalzes" (Hyrtl,
Annt. 522; Unna iu /. Hdb. d. *p. Path. u. Thcrai>. XIV,
1. 47). — Ruh -Bettlein ( IfiOl ruhbettllti, Hyrtl. K. W.
i;r2. 304) , anah»g zu dein udl. bedde (n. o.) - die
Placenia mit den Eihäuten «les Kindes, dem
das schwammige, weiche Wesen des Mutter-
kuchens gewissermassen cum Ruhebett dienen
sollte (Pare) — Siech -Bett itnhd sieoht^lte -
Krankenlager, l '-x. r 237 1 Lager in der Krankheit,
Krankheit. — HVArn-Bett Kindbett (s oben);
mit dem Wochenbett fertig sein die U Wochen
(«les Purperium) nach der Niederkunft hinter
sich haben «ir.w v.727 :. Bett- Bruazer, -harnen,
-Kindlein, -nässen, -rtsig. {-rissig, -ristig), »ihr,
■Scirhcr, -siech, -Xnirle.
Bettacher (Petacher) pottacha (s. d.) -
toter Leib 1 Helling «ll.i.
Bettel, m Bettel- Krankheit, -Mann.
beuchen b. Bauch.
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40 Beuderling— Beule.
Beuderling, m. a. Baude.
Beuge, f. ~ die Biegung (s. Biege), Bogen, die
sich beugen« ki Stelle. — ,-lrm-Beuge - Kllen-
heugn de» Vorder- und Oberarmes. — Ellen-
Beuge -Ellenbogen (9. d.). — [1608] Knit -Beuge
- Kniekehle. Poplea, SutTrago (Gr. W. V. 1426).
- Schenkel -Beuge - Leistengegend, wo der
Obersehenkel sich zum I^eibe beugt.
Beule, f. (zur germ. Wurzel puh a schwellen, <!r. Vf.
VII, l«H; Roth, büljö Anschwellung; rJuL büllea,
bulla, pula [ - Sehlagheule], [>nillu stnimac, tumores,
IT. Z. XVI, 31; pinlu [papclahnllche Beult?] , plullä
Kluge* 28; pnllla, 0 raff III, 96. 97; bullla = papula,
puatula, H. Z. XV, 344. 345 ; bnullun, bulun, bullon =
ttrOBUM, Papulae, L cod. XV, 364. 628; XVI, 8»;
[11. Jahrh.) pulle s pustula, II Z. III, I Tager Hdsch.;
angls. byle — Heule, Kluge1. 3S; mhd. biule, bull, byle
- Pestbeule, (Jr W. I, 1715; Fehw. 63; ndl. bull =
Beule; udd. pue, buhle, bulle, buulle, (ioldschm. 3'J. 89;
[14. Jahrb.) engl, blies - Pestbeulen , Heeker b. T. 7. 10;
1349 paeul, baeul [bayer. Landlr.J; 1350 bullen =
Knoten, Knollen, Pr. I, 363; [16. Jahrh.) bül, peul
Pestbeule, <lr. W. VII, 1877; Heyne I, 110; peul
rulgo drusz, glaneuliurn, durities inter earnem et
entern, tumor In collo, Heine 1. c. , hole, bule ~
llvor [- Pestbeule); 1482 peulo — epldemla Pest;
1195 bule - glandula [Drüsenbeule]; 1515 beil glans
[ Drüse nltculcl; bucl -- paradtota [ = Parotitis), I>. 204.
264. 334. 411; 1624 beule ^- gumma syphiliticum, Pr. II,
369; 1576 die beul, im latein imiuinarin, peslilentz
Ist ein andres« gewesen wie wol maus lezt für ein Ding
nlmpt , Aventin; Schnurrcr I, Di."!; In Schweiler Segen-
spruchen, buel Z. f. D. Myth. IV, 117; engl, blle;
auch boil (Jeschwiir, «ieschwulst, Heule, Schwarc,
Kluge'*, :ts, Lehfeldi 145). — Beule, eigentliche
Bedeutung: etwas Kundliches (Gebogenes?),
durch .Schlug oder Stögs, weiterhin durch
Schwerting rundlich Angeschwollenes am
menschlichen oder tierischen Korper, daher:
(nach (irimm, Wörterbuch I, 174«) 1. — Anschwellung
(im Leibe und am Leibe; Überhaupt - Tuber,
Tumor, Struma, Gamma, Tophus, Exostosis,
Geschwulst, Beutzel (s. Delle). — 2. diese An-
schwellung, auch wenn sie entzündet ist ^Phleg-
mone, Funinculus) (Bohrend 61, Zw. 119). — 3. —
die BlutQuss machende Wunde (vergl. Beelen«
schlag) namentlich auf dem Kopfe. — 4. = eine
von Innen heraus „aus bösartiger Stockung der
Säfte entstandene" Geschwulst, hauptsächlich
die (syphilit.) Drttsenbeule(Bubo) und Pest beule
(s. d.); letztere namentlich (16. Jahrb.) in Verwünsch-
ungsformeln (Gr. W. I, 17-16;; auch „der Beulen" (wie
ein WurrndänionJ. Der Anhauch der Elben (s. Alp IV)
veranlasst Beulen (Seheiblc III, 163;. — 5. = die
Schwangerschafts - Anschwellung: „mit der
Beule gegangen" [Gr. w. i, i7ie>. — 6. - Hocker
am Kucken. Gl bims, Buckel. - (16 Jahrh.) beulend
= eine Beule machend, bis zur Blutbeule wund-
geschlagen (Bock 89; Z. L d. l'hllol. XXVI, 33). —
beulicht U551 t>ulecht, bylecht strumoMis, D. 517) -
heulenartig. — .4<-/«s<7-Beulen- Hubo sub axillis
(Zw. 120). — Alfpjio-Heule, 1. - Pestbeule, s. Pest
iBehreud 62). — 2. =bouton(Med. chlr. Rundsch., 1875,
s. 321), s. Aleppo-Knoten. — Asm /-Beulen - Das-
selbeulen. — (««/'-beulen (goth. ulbauljan, Klu6es,38J
Beule.
^aufblasen, aufblähen, anschwellen. — (i.r.7r.j
aufgeblasene Beule [r,r. w. VII, 199«) angeschwol-
lene Druse. — /Hiir-Beule, 1 eineaus ausgetre-
tenem Blute entstandene traumut. (ieschwulst,
Contusions -Geschwulst, SutFusio sanguinis,
L'echymoinata (Schwimmer; Zlutnssen, Hill», d. sp.
Path. u. Therap. XIV, 1. 321), Haematom (Samuel 26 u.
lieglst.). — 2. = diese Geschwulst, wenn eie ent-
zündet ist, Abscessua eanguineus («ir. w. II, 175).
— 3. = der Furunkel, Blutschwiir, weil als Abla-
gerung aus d. Blute («. Blutwurm) angenommen
(Behrend 61). — 4. — Kotzbeule b. Ilaulwurm oder
Blutwurm 3. beim Pferde (It. A. on) — (ms)
bösartige "Beulen ~ die durch Ini'cetion entstan-
denen Pestbeulen, Venusheulen (K. eh. 140). —
/iossf/ Benle -= Dasselbeule, infolge der Biea-
HiegenStiche (bnsca Fliege. Made, Kalkei, 295. 398) ;
^'isxuu^vescor). — Brand-Beule, L = eine Beule
mit GewebBbrand (Nekrose), Karbunkel. — 2.
Milzbrandbeule — Kropfbrandbeule (am Hals).
— 3. - Mauck beule, tlie in Brand übergeht
(Abiig. 69; Kalke I, 148; II, 4fij. — Brust - Beule,
1. = der Milzbrand-Karbunkel an der Brust. —
2. = Bruatgeschwulat überhaupt an der Bauch-
seite o. Vorderbrust des Pferdes o. K lauen viehs;
Iran/., antic<eur, avantcu-ur (Kalke 1, 169; Abiig. 73;
Zippcrl. 408). — Dasiid- Beulen = die durch die
Larven der Dassel- Fliege oder Kinder-Biestliege
(Hypoderma bovis, Oestrus hominis), sog.Enger-
lingo oder Dassel, d. h. durch deren Einbohren
in das L'nterhautzellgewebo der im Freien sich
aufhaltenden Rinder erzeugten Hautunschwell-
ungen (Braune, tier. Parasit. 8. 296; Falke II, 219).
— Drüse n - Beule - eine Anschwellung «'der
Verhül lung einer Drüse (A. v. H. D, 126; <;r. W. Et,
1162) = Bubo, Lymphom etc. — ZfttVr-Beule =
eine Anschwellung mit eitrigem Inhalte (<;r. \\.
III, 392; Muller, Krtrbch. 193.1, Tumor purulentus.
— (I8:is) Feig- Beule = Dassel beule, die man
mit dem Feig (s. d.) verglich (Merk 225). — (1788)
Fieber Beulen - unter hochgradigem Fiebersich
entwickelnde (Pest)-Bculen, Drüsenanschwell-
ungen (Essich 353). — (1832) ///««/-Beule die er-
habenen Quaddeln, die w ie (lache Beulen beim
> esselausschlage erscheinen, um bald wietler
zu verschwinden wie das Flugfeuer (s. d.), Sora,
Ksscra, Urticaria, K«>sa «n'tuns (Krnus, E. 959.
1079). — (1712.1 ^V«t«zoÄCM-Beulen^ Bnbonea ve-
nerei (Zw 120), s. Franzosen. — (1790) Frost-
Beulen, (-Beulchen) darcli Froetkälte ent-
standene Beulen an den Kingern oder Zehen
(Perniones), Winterbeulen , la muh» ;Kiiht<-r I,
190! Pauli 119; <ir. \V. IV, L 2.".7. Z. Hdb. d. sp. Path.
u. Ther. XIV, Stsj. — Gfl/an/mc-Beulen Gondy-
lomata (Bubones?), infolge der galanten Krank-
heit (s. d.) entstanden (A. v II. II, 12H5). — Gaumen-
Beule, engl, gum boil (Lehl. 180J _ PatullS, Zahn«
«.■eschwär-Beule am Gaumenbein. — (1839) Ge-
nick-Beule — Maulwurfgescb wuNt, Talpa, eine
zwischen und hinter den Ohren des Pferdes,
im Nacken sitzende Schleiuibeutel-Ansehwell-
ung (Merk 75; Förster II, 1026). — Giftige Beule
b Milzbrand-Karbunkel. — /7<«<VBeulen, 1. =
Pestbeulen hinter dem Ohre. — 2. — eine Balg-
geschwulst am Widerriste des Zugochsen (Martin
92). — Jitft- Beulen = cropula - Bcrofula (yuctle
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Beule.
Beule — Beutel.
41
nicht notiert), vermutlich au» mhil. Zeit noch nicht
entzündete, nicht eiterweiche Skrofeldrüsen.
— (1795) HHsse Beulen (h. Pferd)- entzündete,
schmerzende, in Eiterung übergegangene Ge-
schwulstbildungen, die aus der Bluthitzc ab-
geleitet wurden (cainboulc, callda bulla, AbilR. 67;
Mayer 16»; Kalke I, 226). — //(7z-Beulen heimse
Beulen. Urticaria. Sudamina (equorum), Ek-
zema i'Fiilkr t. too), Hitzblattern, Pferdeblattern
— i/o» i;/- Beulen ■ 1.171 honlck|.euIeu, Hr. W. IV, 2.
17S?) Honiggeschwulst, eine Geschwulst mit
honigartigem Inhalte (Mehrerin). — (I6ir.;i Horn-
Beulen ( Tabernaemont.) = hornharte Knoten
auf der menschlichen Stirne :<ir. W. IV, 2. lMfi).
— Huren- Beulen syphilitische Buhonen (Zw.
487). — A //A-Beulen (1666 kiUch heule. <;r. w, v, 6.1)
— Gichtknoten, die harnsauren Kalk enthalten.
— H795) kalte Beulen nicht schmerzende,
flüssigen Kiter enthaltende Geschwulstbild-
ungen im Gegensatz zu den heissen Beulen
Ai.ihr. 67( — Katzen - Beulen - Furunkel, s.
Katzen - Veit (Kr^ucll Iii, 1892, s. 58). — (ic#;m
klotzen* Beulen - Brustdrflsenknollen (Bcyn. 14:!!.
— Knü -Beule = eine Flüssigkeit enthaltende
Schleimbeutel -GeNchwulst am Knie, sogen.
Knie- oder Gliedschwamm (bei Pferd und Kind)
iK..r«t.»r 11, MM; Zipperten; Kalke II, 19). — Kohlen-
Beule - ClKünetiutiK voncarhuneulu«', carbo =- Kohle
(s. d.). — (1757) krebsichte Beulen von Krebs-
geschwulst aufgetriebene Beulen (Baumler 435).
— H588) kröpfige, (1795) Kr opf -Beulen - kropf-
artige Drüsenbeulen, Kotzdrüsen am Hals
(Lymphome) (Gr. w. v, 2102). — Kropfbrand-
Beulen Milzbrand - Karbunkel am Halse,
Kankorn bei Schweinen (Bardcleben I, 300). —
I. <thin - Beulen (1578 lembeullen, Pr. II, 12«) =
sypliilitische Knochenauftreihnngen (s. Lähme).
— Leisten - Beule - Bubo, Drüsen-Geschwulst
in der I^eistengegend, namentlich Pest- und
Syphilisheulen. — Lenden-Beulen - Pestbeulen
in der Leisten- oder Lendengegend, die als
siebere Anzeichen des schnellen Pesttodes galten
(8. gaher Tod 2) (1.176 anKutnahTia, schwarzer Tod,
Hecker. «h. t. s). — ^j^. } Beulen = a) Buhn
venereus, h) Gumma syphilit. (A. v. H. Ii, 12s.
705; Pr. Ii, 139), bei der Lustseuche (s. d. u. Syphilis)
eintretende Beulenbildungou. — (1790; Mauck-
Beule ■ eine Beule an iler Pferdekote, wo ge-
wöhnlich die Mauck (s. d.) siUt (Abu*. 69). —
„VacWBeule - Genickbeule. — Mr-Beulen,
I. - dni«ü bei den Ohren (<Jr. \V. II, 1458). meist
Pestbeulen (s. d.). — 2. - Parotitis (s. Bauern-
witschl, Mums, Wochentölpl) (Zw. 120). — (1699)
Pest- (Pestilenz-) Beulen, 1. - bubo pMtUentialU;
(t*17 damrnb hai-L« im latein imruinaria, von den
Teut»chen die penl, Arentin, Herne III, 410; 15«»
rw-*tilentzUche beulen, Haeoer II, 332, angiien |m-
itllen* injpiinis, bubo, Du (ange I, 252; 14. Jahrh
ititl uavoccloli, Heeker f.; tir W. VII, 1572. 1571; v M
II, 102; bibli-rher Med.; A v. II II. 126) = die DrÜSen-
Ansch wellungen, namentlicli Leistenbeulen bei
der orientalischen Beulen-Pest. — 2. =brandiKer
Anthrax Karbunkel (Bchrcnd 62; Merk 189;t;r.W. VII,
1572J. Pustula maligna - ungarische Pestbeule,
doreb das ungarische Vieh eingeschleppt = Milz-
brand-Karbunkel (Behrend 62) (vgl Ohr-Beulen).
— .Rot-Beulen eine rote Geschwulst (radpew-
len) bei Pferden „in der die (blutroten) Adern
car fest klopfen" (Or. w VIII 1389}, — Schlicht -
Beulen Bubones inguium, Drüsen in der
Leistengegend (Zw. 120. 971). Schlichten - Leisten,
Reihen; schlicht gerade, gereiht (Sehmellcr II,
503) a. Schlichten. — (i«99j Schoss- Beulen
Schlicht-o. Leistenbeulen. I lagdrüsen (s. Sclioss)
(v. M. 11,68). — Schwarze Beule eine russch warze
Neubildung (Warze, Melanose) beim Pferde
(Kalke 11. 296). — SYWins-Beulen = Karbunkel,
Furunkel (Viehbeule) — (17 .fahrh.) Speck-Heule,
1. — Steatoma,eine(ieschwuIstinitspeckartigeui
InhaltefA v. H II. 1278; Klatner 11,28). — 2. -Tumor
albus scrofulosus (Bcroph. (ielenkhenlc mit
speckigen Ablagerungen). — 3. - Speckdrüse
(s. d ) - Stoll-Beule - eine wässerigen Inhalt
führende Schlcimbeutel-Anschwellung an der
Ellenbogenspitze des Pferdes, die durch Druck
auf den Stollen des Hufeisens beim Liegen ent-
stehen sollen (StollenBchwamm) (Kalke I, 214;
Mayer »4; Könttcr II. 1026). — (1689) unechte Beulen
Bubones spuric, Drüsenanschwellungen, die
nicht in Eiterung übergehen, wiedies dieechten
Bubonen thnn (Kr II. 307) — (leio) St. Ycltins-
Beulen Mr. \V. I, nie) - Heulen, wofür St. Valentin
(s. d ), der auch Schutzpatron der Liebenden
war, hilft (Venusbeulen? oder Pestbeulen?) —
(1748) V<™ »«-Beule , 1 ■ venerischer Bubo, Boae
(A. V. U. I, 242; II. 12S; Kaum. 416; KnuiK, E. 166;
K. ch 143). — 2. = Hodenanschwellung [A. v. II I,
1296) — (17*4) FiVA-Beule- Furunculus (Welckard
221; A. v. H.II. 630) (Schweinsbeule, Hunds Übel);
verächtlichen, wegwerfenden Sinnes. — (1750)
Waths Beulen Warhs.lrüsen(s.d.)^ die gegen
das Ende des Knabenalters öfters auflaufenden,
von dem Triebe gegen die Zeit der Mannbarkeit
herkommenden und mit dem zunehmenden
Wachstum des ganzen Leibes, besonders in die
Lange, einhergehende gutartige schmerzlose
Anschwellung der Leistendrüsen, deren Inhalt
verdickter Nahrungssaft (Lymphe) sein sollte,
der hier ohne Entzündung stockt (nach A. v. H. II.
126 705. lUatnerl, los). — [1700] HVtY/ien-Beulen
Bubones, Drüsenanschwellungen in d. Weichen-
gegend (A v, II. II, 53). — TCoiter-Beulen die
meist nur im Winter auftretenden Frostbeulen,
Perniones (Müller, Krtrbeh. 191). — Hurm-Beulen
~ Knoten in der Haut durch den sog. Wurm
(8. d.) (Falke II. 445). — ZaAn Beule ■ Parulis, die
Kiterbeule am Zahnfleische (A. v. H. II, 1218). —
Beulen Blotz, Brust, - Geschwüren, Test, -Schlag,
-Seuche.
Beuschel, n. s. Bauscbel.
Beutel, m. (ahd putll, butil, Kluirc»,39; nulila-
Mruma* turirida* Invidnrum |>eetonnn. tiraff III, 86;
mhd. blutel = Beutel , Taxehe; vielleicht zu butte
Schlauch, tiefas*, wozu muri den Hodcii'.ark kcwJsmt
Tiere verwendete [Bocks-Bcutel| oiler zu Bottich [*. d.';
bulle fOll feibat wieder aus dem mtlatolnUchcn bntln»
entnommen «ein, Klnife*.62, Sehw. 63), l. = Hoden-
sack des Menschen und der Tiere (Scrotum),
(trousie. bourse, llrisa 67; (Jr, W. I, 1751; Hyrtl, Anat.
| 721; Löveling 166) ; vgl. Klingonbeutel, Gutsack,
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Beut«?] Bieber
Bied-Bill.
Hochbalg — 2.^ Netz, die beutelföi iiiige llftlle
um den Magen und Darmkanal (Hynl, K w. «9;
— (iök;; gerümpften Beatlein (gerumpfet pcyteLtn
Hjrrtl, K. W. 7i; ~ der hautgerunzelte Hodensack
— 'z-Beutel - die lialgknoten der Haut
(namentlich auf der Kopfseliwarte), die einen
talgigen, grfltzbieiahnliehen, schmierigen Inhalt
haben (Atherom C'y»ten)iK..hl.rII, 925. Koeniglll,
>c>8). — Hamm rl hu -Beutel 1 laemorrhoides
saecatae ;ilufciand 45*', wieein kleines Heutelchen
herabhangende Blutknuten (Angbeeren) am
After, — //W Beutel, 1 - Molluscum, weil wie
ein gestielter Mollusk beutelfürmig anhängend
an der Haut. — 2 = Atheromcyste, Meliceris. —
•i. = grosse, weiche Haut warze, Verruca mollis
s. penBiÜB, Acrochordon. Thymus, Thymion
(Mehrend «3,i 8. W'arr.e. — //erz-Beutel — Periear-
diutn, der häutige Sack (llurzsack, s.d.), welcher
da» Herz locker umgibt, sodass ea frei schlagen
kann (ttr. w, iv. 2, 1258). — Herzbeutel- Wasser
— A7ir»(/tn- Beutel =-■= Hodensack, Sciotum mit
dem Klingenbeutel des Küsters verglichen (fls-
cus), Gutsack (Hyrtl. K W tiO>. — A7/z -Beutel
= Nets-Sack, Omentum (Hyrtl , K. w. 69). —
(1306) Ruffi -/- Beutel 1 i, na i'lf. 159; Schmcller
II, 6») (s. Gromen) Hodensack der Lotterbuben
( - RUffian). — (lci .i 6Y/if//<-n-Beutel Klingen-
beutel bei Pferden (Colcr, II. B. 34). — (1795) Schleim-
Beutel die sackförmigen Ausbuchtungen mit
serösem Synovia-Inbnlte an den Gelenken oder
Sehnen; wahren Schleim (d h. Mucin) enthnlt
derSchleimbeutel nicht (t-hcliu* II, 150; Hyrtl, Atmt
115). — Beutel- Geschwulst, -Mann.
Beutzel (Bitzel), n. nm beuteel, Beb melier i.
316; 1692 beutzeln. Wlraung't Arzneibuch) — Ge-
schwulst und Drüsenbeule (Nebenform von
Beutel oder in buz^ Knospe?), hauptsächlich in
Schwaben gebrauchlich Burk 19 iL 57; r. v. Srhm.
64). — (1620) .Franzosen -Beutzel = Bubo sypbil.
(I)r. MlndererJ; ;16. Jnhrh. frnnlzocsin'hc lletilzlcti (Tr.
II 23*
Bibbele (Bibele, Bebele), n. in der Kinder-
sprache Schwabens (Bach 18), 1 ..alles was
weh thut'1 Wiwilej; fruiij!. ImjIhi, mo le peilt
mni mm Import wiee [HtIm. 279). — 2. - Papula (?)
lim k 19: , dies vermutlich zu Poppel, I'dppel-
liuinn (s. d.). Hie Krankheitsdamuiien fristen
unter verschied, entstellten Namen ihre Schein-
existenz noch heute in der Kinderstube am
meisten fort.
Bibel, f. - Bibel-AVaiiA/,«-*™
Biber, m Biber-^«»»» (s. Hieben
Bickel, in. (mbfl btekvl Knoche). Lex«; 9 tax
mhd Metel; ahd Ucvhaai Mmwen; rander Rpftshackc,
Kluge !', 39j (.Bayern) der Knöchel über dem
Kusse, der auch zum Bickeln diente, «I. h. zum
Spiele, heute mit spitzen Holzhacken [tlr. W I,
ISO»; V. 3bS; 1 ».">_' Bickel />n»i, -Kote.
Bieber (Bifer), n J»i>rh Melr, Pfeiffer;
Ii! Jnhrh da* biever [im Kreidnnci, II Jnlirb. bi\er,
llofftx l, tat; UM, btbcersi fteberUch lebhaft «Ich
nuMcmd bei Krnnklii lun, iiobl«ehm. »9; <;r. W. III,
1620;. rinMBStnur noch in rflnnxcn-Namcn flUcbcrklce.
•entauren, hcuvcrkriit . I> 1I2; 12 Jnhrh bywer,
blwerwurt* in der l'hyslen 81 IIllJefCArtl) vorkommen-
der und mhd. auftretender Name fur Fieber (i d.)
(„biever, umgebildet mittels Kon»onanten-Vcrt*u«ich-
ung uns vlcber", Kluge*.39 106). — Blfer- >'id ht
Bied, n Biet, n Bit, n. I. franz In bitte (Bris«.
301 pitulu t) 439) Zipf, Pips, Klipps (s. d.\
Augen- oder Nasenschleim; klebrige Materie
Schmeller I. 395 . — 2 . - Ge-bütt (s. d. sub Butt).
Biege, f (Biegung) (UHbtagy: suiirago, D. Mi]
■ Beuge, Bogen (s. d.) — Kni< Biege (15 Jnhrh
kuubleg, Hr. W. V, UJb; 1518 kuuoblcif kneubyeg,
II \.<iir»<l >JH - Kniebeuge [s.d.). Kniekehle [« d«.], po|-
Ot. W. V, 1422; 14-H2 kuyepl«un>t = eurvntioirtnuuiu,
Zening Vor >> s . 1 |s2 knlfpngin knyblfge »urTraKo,
I). 565; <ir. Vi. V, 1127; 1716 knybng — pople«, .«utTrnKo,
Or.W. I. cod. ; [zu büife]), 1. = die Stelle, wo sich das
Knie beugt: a) Kniekehle (Schnuller I, 1343) und
b) K niescheibe. — 2 - Ankylosis genu, ein steif-
gebogenes Knie, das beim Gehen einsinkt,
„kniehiegelt" :Sehmellerl.c); dasselbe ist deshalb
*•!<'■/. biegig oder rorbiegig, je nachdem das Knie
eine Krümmung des Gelenkes nach vorne oder
rückwärts macht (Zipperl 23; Kocntg III. 7«1). —
bieglicher Fuss.
Bier, n Bier- Ktwten, -Magen, -Nieren,
-Schnecken
Biest, DD. (Biester, Biesch, Bienst, Biemsen,
Biensch, Briest Briester, Briesch, Briemst,
Briemsch. Pies) : (Bayern, Tirol, Schwein urvcnvnndt
zu p>»». und ptM, OUtW («r. W. II. 3); (ahd. bioat,
plcMrtm.=eoloKlnim,nmffllI,2l9; II Z XV, 5; 111,86«;
XV, 33«; piest. H Z XV, 97; 366; bleu« II. Z. XIV. 192,
, niiBls beont coloMrnm, ll 1:13; mhd. bleut; 14. Jnhrh.
' liienit, Voe. opt. W 22; Schw i"6 ; 1».20 binest, I». Min-
derer) ^- die ernte, neue Milch nach dem Kalben,
Colostrum, Lac novuni, welche einen etwas
strengen (giftigen?) Geschmack hat (Biestmilch,
Priestermilch, das Khret [in Tirol]); KIuro», 40
brütet dn-i Wort mit Beeht zu trenn, biu* melken,
weil die Opterkuh vorher nisieemolken wurde, ehe *le
vom Opferleiter (». tiode) geschlnchtet wurde.
Bifer s Bieber.
Bild, n eigentl Nachglied, nachgemachtes
Glied, Gestalt (Kluge &, u — J/Vcr-Bildung das
falscbgebildete i'seutloplasma, .Missbildung. —
AV'ibildung Imagination, die Bildung innerer
(falscher) Vorstellungen ohneausserliches Motiv.
— A'iftr-Bildung Furis formatio, l'yogenesis
Hippokratis, Kiteigestaltung — Fieber-Bild
eine Wahngestalt, durch fieberhaftes Delirium
veranlasst (tlr. W. III. 1621). — Fr icml -Bildung
ilie Kr/.eui»ung von Krieseln (s d Itnvnrin IV,
i. 2Ui — Miss Bildung Kskuraorphia, Miss-
gestall iKrnus K 179} — -Vctt-BildUUg, 1 der
Vorgang dirr Bildung neuer liewebs-Kleinenle
— 2. das Protiukt dieses Vorganges, das eigent-
lich neu Gebildete. — H'»r»i-Bildung - die
Krzeugung iGeiieralioi vuii Wiirmerii im mensch-
lichen Leibe (Müller. Krtrbcb. 711).
Bildern (Bilderlein, Bildner) s. Billcrn
Bill-, Bill-.f7/«/ci •, -Weif, -Witz, -Zähne,
■Zachen
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Bille— binden.
Bingel— Biss.
43
I
Bille (BÜ), f. <f™»* "ile; en«l hilc <iallc; 1351
Ule, Ii Boei 10»), 1- die Schürfe der Galle (Bilis,
in älteren Medizinwerken). — 2. = (1675) dunls,
globu», Nebenform tu Belle, Kalle Nates gtobOMM
Kir. \V. II, 2»; Schaevlu*, anat. Ahr.). — jVir&fr-Bil
«us franz. nigrebll , bfle nlgre ( — bllla nigra) -
schwarze Gelbsucht i Pauli 71).
Billern, pl Bildern, Bilderlein, Bilern, BÜ-
gern, Bildner, Bühlen, Biehler, Btiler, Bel-
Icrchen. Billerlein) *<> pll Untiere, moniere, hels-
«en. Lille» - mit einem scharfen Werkzeuge [lielsseiui;
klopfen, Hoftm. I, 360; ahd. pilaru, bilarn - palatus,
plusflva, caro circa dentos, molare«, Graffiti, 102, piltire
= Zahn; '.». Jahrh l.ilorna kIiirIvbc, Kali. Mnur. 61;
11. Jahrb. bllare - piiiirlwi, caro eirea «lentei, II. Z. III,
l'rac Handschrift : bllare - Kinjriva, partes elrco denti-
bii«! II. Z. III . :i6J* A«lm. Vocab ; 12, Jahrb. die
pyhui «wcrent oder bltiotent, Heiflcr W; mhd bilern,
piler. Cr. VC. II, 21 ff ; 14. Jahrh Weier, pilcr, Mittat
— jrinpiva, Voe. opt. VC. 10, Hoffm I, 325; D. (Ml;
I. Mh bulern. H. v ücrwl %. 15'.M billcrlcin, Klscharl,
i.anruulua !<•; 1616 hieldern, I'aracelsus; 1675 bille,
Hyrll. K VC. U; 1750 ltllderl. in, A v. B. II, 310; Mühlen
[Schwaben), v. Schm. 105; Billen [Tirol!, Hlnloer,
6 15; BOler [Bayern! Sehmeller I, 230 Naeh <.r. VC. II,
2i ut BUlern, l.^Zakn- Den« molaris, weil er
beisst (». o .); von diesem ging die Vorstellung
des Beissens über auf: 2. Zahnfleüch (Gingiva)
und 3. Gaumen (l'alatuin) und Kiefer [Hjrrtl,
K. VC. 28, Anm. 2), welche mitbeissen, mitessen
mit den Zähnen; das sonst abgestorbene Wort
lebt noch in Schwaben, Bayern, Tirol, Schweiz
fort. — 5 - die noch im Zahnkiefer steckenden,
„einpchiesseijden", „sich vorschiebenden" beu-
lenartigen, hervorragenden Zahne vor der ersten
Zähnung (Zahnbillern, 8. u). — 5 = l'nterkiefer-
Lvmphdrüsen, welche anschwellen oder eitern
iSubmaxillardrOsen-Abscess). — Die BUlern
schiessen ein - Dentitio ineipiens -las schnelle
Krscheinen der Zahnbillern und Hervortreten
als solche im Kiefer des Kindes i v. Hchm ioöi.
— (161<* Kinnreß -Biller Mir. VC. X,":<: = diepillen-
artigen Hervorragungen in den Kieferladen der
Pferde,im Kinnretf(s d )o. Kinnbacken. — (nw)
S/mn »/-Billen v M 1.6*! die bei der sog, Strange
(s.d.) des Kindes unterm Kiefer angeschwollenen
Lymphdrüsen. — Z« ha -Bült' rn i'.ih wmmiI.uUt
ciniriva, II v «iersd. '.«7. I5S.0 xacnpullcrlcin, Cr. VC.
II. 25; 1 92 zahnhiiehlern. Wirsunjf, Ann. 11 IM; 1677
Zahnboller, Heyn.; 1740 Zabobudern, Zw. .7; Zahubuillen,
Bayern J^die noch im Kieler Bleckenden, aber
U-reits unterm Zahnfleische pillenartig etwas
hervorragenden Zahne der '/t jahrigen Kinder
— ii.VM) feuchte, fiüssiije ZahnbüdeT Parulis,
weil sie als Beule hervorragt über dem Zahn-
fleische (Bock 371] und oft durch Rheuma
( Fluss), Krkültung veranlasst ist.
binden, -binde. Band, m ein «> it urpemiani«« her
Zelt Iii »filier Hedcultilut Bleich IfebUebeiM« Wort
(Kluce*. II., da* U Band (a. d * Rehört; voreennan
bbendh; ahd. hintan; mhd. binden; engl, bind —
Bond, m. - das Bindende — 1 1 - an gebunden
angeblich angewachsen^. d.)dtlrcbdie Kinds-
bander, von einer schwer zu entbindenden
I-eibesfrucht ,D 232 — Darm CrYbinde = Mesen-
terium, woran die Gedärme gebunden sind
(1620 Darmgebiinde ; 1675 Hyrll, K VC. 1»9; 155M darm-
L-eimn bei Machart, Cr. W. U, 781) = die Ineinander-
ingung, Gebinde (Contignatio) der Gedürme. —
Entbindung, die natürliche oder künstliche Ein-
lösung (delivrance) aus den ,,Geburts-u oder
,,Kindesbandenu (s. d.) — Niederkunft (Ur. VC. V,
75«; r.SteboId, loci. Mittler Abbindung der Nabel-
schnur des Kindes hat die /-'-n'bindung der
Mutter kaum eine direkte etymologische Be-
ziehung; jede schwierige Knlbindunghattenach
uraltem Volksglauben ihren Grund in dem An-
gewachsensein des Kindes (durch Bänder) im
Mutterleibe; die natürliche Lösung aus den
{nichtverwachsenen) Kindesbanden ist die Ent-
hindung (auch beim Tiere, s. Kalke). — L(der-B\md
-das, was die Lederhaut an die knöcherne
Unterlage beim Tiere bindet, Verwachsung der
Haut (Kalke I, 77, II 65).
Bingel, Binkel, m. s. Buengel.
Birche (oberd.i Birke, f Birkling meiner, der
I ein Birkauge (s. d.j hat. — Bilk.- Äuge. —
Birchen, n. die Haut abschälen, wie Birken-
rinde, z. B. b. Scheidenvorfall ;.sebwelx. Kalke i, 121 .
Bime, f - die rundliche Nasenspitze, Pirula
nasi; anuR foreveard nosti; tri. le hont du nez -
Nasenhall, Nasenkugel. Eigentümlich im der oU-rd.
Volksbraueh, an der Naaenspiue <len morall*chen
i harakter des Betreffenden durch lU-fuhluiu: ..an der
Naie nehmen") zu examinieren; dies dürfte auf einer
weit alteren, die rein körperlichen liemmdheit« Verhält-
nisse prüfenden Cbuns beruhen : ..Cofrnoscitur eilain
Iuvenil de vlnrinltate et corruptlone per midta sluua
nt Utende ad pinilam nasi quia manente virv-inltate
cartllaso plnilae nasi (s. I nterscheidt sentitur IndlvM-
bilis sed si est rtelaia per uleus luetieum cum perfora-
tlonc septl narlum 'I »entitur |Mirtibills Du » aiiKe VII,
X12 — Gnut - -Birnen steigen einem auf vor
Grausen bekommt er HautMappcln ( Gänse-
haut) isebraeller I, 100'.'!. — Birn-Lawf.
j Birzel, m. s Boersel (Bnrsel).
biseln ■ pissen.
BiSS, III., U (BiSSen, biSSig), Ableltnn« nu« der
Wurzel bit [bclnen, » d,); lahd. Ut, bizco, Klnxc ', 25 31 !.
alles, was beisst, macht oder gibt einen Bt^s
oder Bissen; daher Biss (wio beissen) 1.
Schmerz aller Art, die Kmpüuduog des Beissens ;
früher auch durch Dätnonenhiss verursacht
angenommen. - 2. - Jucken, Krätze; bys, by«
iSehw. :mii . — 3 = Bisswunde, Bisstelle; bissig
mordax. krätzig. — Bisserchen s. I.eissen
— Bisset s. Bcissen. — Bisen, n. Beissen.
Jucken, z. B. durch den Mich der Biesfliege
Sehmeller I. 17611. — (1678) .4f/<l»»l«-BiS8en AdSIM
npfel, den Adam verschluckt haln-n soll, l'omum Aflami
(Ur. W. I, 176; V, UM ; der Adatns«pfel morceau
I d'Adnra. II morsn d Adaincii soll naeh einem Im
IV Jahrh. auf ronianisehem Gebiete zuerst benennten!
Volksglauben in der Kehle des Adams steeketi geblieben
sein; naeh Kluse*, 4 vielleicht eine I mdentunK de«
hebräischen tappuaeh ha adnm pomum vlri ; „pomuin
; soll die mtlal -bebr. Benennung aller Erhabenheiten
' des mensehliehen Kon>ers sein" i>. A<lamsaptel der
Hala- Vorsprung am männlichen Kehlkopfe —
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44
BisS.
Bit— Blühe
(i-r>90) Augen-Hiss (weinender) - Morsus(pruritua)
oculorum lacrymantium (Fisrhart, (Janfnntna 721.1.
— ii 722) böser Bis« - Schlangen* (Wurm-) Bis»
<X. «1 V. f. V K , 18M, s. 197), h. auch boissen. —
Doppel-Qebi&B = eine durch falsche Zahnent-
wickelung gebildete Doppelreihe von Mllch-
und bleibenden Zahnen («3—4) bei Pferden im I
Menschen. — Ein Biss die einwärts gerichtete
Bisstelle heim Pferde, welche Bich im *«J oder
14 —15 Lebensjahre desselben durch Kiefer-
veninderungen so ausbildet, dass die Reib-
flächen der Eekeähne im scharfen Winkel y zu
einander stehen und so gewissermassen sich
einbeissen (Zi|.|>. Ml; Falko I, SSI). — ri/rr-bissig
= niordax, virulentus lOr. \v. III, 392,1, einer, der
heissende Eiterpusteln durch die Krätze hat
(Scabies) — i-VoA-Biss Flohstiche, s. Petechien
frtr. w. in, isn — Die Bitrmuiter hat ^bissen
- Ulcrin-Kolik (Sebmcllcr I. 2syff ..; die VorMilIniiK,
da*« <lic Kmle ( (icliarmutter, s, Kröte) hei»M, Ist l>i«
auf die neuere Zeil im Volke verbreitet gewesen ; Uber
«In." Heinsen durch Tiere und die dabei volfcsiiblichcn
Anschauungen *. unter „liebmeu" in Schindler I, 2s'J,
„es hat tie etwas im Leibe geblasen" = Uterus-
Kolik, s. Kröte (conl. lieiir /. A. , k. 11. rncesch.
Häverns XI, 1894, S. 60). — GfbiSS ahd. |*ip-*i k«)>U,
<ira(Tllt,2nii - das, womit man beisst, 1 — d. Zahne
als (ianres gedacht, bei Menschen u. Tieren (Or.
\V IV. 1. 1"»8). — 2. das ganze Maul bei Tieren -
das Bisa (Schmeller. 1, 292). — 8. = beigeende Em-
plindung auf auagedehnteren Stellen des Kor-
pers. — Ganzes Gtbiss- die Verkittung d /.Ulme
(in d. ganzen Reihenfolge) durch Zahnstein [sog
Weinstein, s. d ), Tartarus doutium, oder durch
Knochenahlagerung /.wischen Zahnen u. Kiefer-
rand infolge von früheren Entzündungen (BueklS;
Myrtl, Anatom. 600). — (1812) Hecht- GVbiBS ein
Pferdegehiss, bei welchem die Unterkiefei zahne
hechtartig über ilie des ( iberkiefers hervorragen
(Falke I, 3M!. — 1. .1 7/imrtVBiss il.is.t der ronnden
liunde, Bock C7; 104". thoerichter hundsbi*. Ii. A. S2.">;
i'olcr, v. d. Hund -180) = der «Tinnige H fobiss
oder Lyssa - (irr.1 der taube Huixhbisa (Rabies
canina), durch den Miss des tobsüchtigen, tollen
Mundes veranlasste Wut (Zw. Si:j. — (UMS) Kar-
pfen-Gtbiss -ein Pferdegehiss. hei welchem die
Oberkieferzahne karpfenartig über die des
Unterkiefers hervorragen (Kalke II, CJ. — (1<;&0)
A'mr-Biss - (scherz.) Podagra, das heissende
Knieschmerzen macht —J/onns-Biss,.". 1. Beis-
ser und 2. Totenmanns-Biss (Z. d. V. f. V. K.. 1M6,
296). — jWt/Y/i-Grbiss, das erste Gebiss der Kin-
der vor dem 7- Lebensjahre, das sich nach der
Saugezeit aus 20 Milchzähnen bildet (Ranke 1,
:."©). — Ar8.v/-Biss (HW nezzelpizz , •'. v. Mcubv ;
Cr. W. VIT, 619J Urticaria, die juckenden i^uad-
deln, welche heissen, wie wenn man von der
Brennessel (Urtica) berührt worden wäre (die
Hrenticsel wird besprochen und geknickt «. Verf.
Volku-Med. S. 115). — (181:1! Vi hsen-Gebiss ein
Pferdegehiss mit meisselformigen Reibflächen
der Zahne nach Art der Wiedeikiluer (Zlpp. 148;
Falke II, 171 — Schiefes Gibiss - ein tiebiss.
dessen Zahnreihen auf einer Seite höher sind
:i!s auf der anderen (Stpp. 147). — [1801] Teufeh-
Biss - MorBUs diaholi, die blau-schwarzen sog.
Brandllecken liexenmal. Teufelsmal, Alpfleck),
welche dem Bisse teuflischer Dämonen zuge-
schrieben wurden um! unter den Zehen- bezw.
Fingernägeln (s. Kummermasen, Leidspriessen)
durch Quetschung etc. erzeugt werden (Wciekard
109). — Toten-, Totenmanns • Biss Cancer,
Krebsstelle, die man von „verstorbenem" Blute
ableitete und dieSchmerzen macht, als obetwas
| im Leibe beisse; dieses etwas war nach dem
Volksglaulien 11 a. ein Totenjrcspenst (b. Toten-
übel und Grill") — HV/Vi-Biss iahd «-»dtbl-o,
SebeiMo III. im; ein Muttermal an einem Nen-
> geborenen, dessen Muiter von dem Fleische
eines wolfsbissigen Lammes oder einer solchen
Ziege gegessen hatte, nach dem Volksglauben.
— (i.vüvi ici//iji8sig, 1. - von einem wütenden
1 1 u title oiler Wolle gebissen (Schmeller II, 902j.
— 2 au der Hunds- oder Wolfsw ut (Beissucht)
leidend. — H'to m Biss, L - Bisswunde durch
Schlangen, s. Wurm (i\ v Mcgbg.}. — 2. s wurtn-
beissig. — Bin- Tupflein, - Wunde.
Bit, n s. Bicd.
bitter, Bittere, f stechend, beissend, scharf
I wie das heissende" Sehwerl (Kluge*. 35. 43;
I schmeller i, 306); auch von körperlichen Zu-
ständen — Gallen- Bittere [14. Jahrb. galleabitcrin
l.llls. Vor. opt. W 11 l ainerdu venire, le Hei [feil.
Iiriss.) - die Empfindung der Ilantigkeit (s. d.)
oder Bitterkeit aus dem aufstossenden Magen.
Sehr- Bittere («hd. »cr-hittari, firaff VI. 269) die
Kmptindung beissend. Schmerzes. — Bitterter )-
] Horpsen, -Speichel, - Tod
Bitterich, m. s Butt.
Bitz, Bietz, in Buetz, Bitzchen, Buu ^ iL) ;
(1660 btttwfaen, Cr. w. II, 68«) - nmrailla, i. = Papilla
inammae (OeMerr , Bayern, Mitteid ) Brustwarze,
die wie eine Knospe (Butz) bich darstellt (<3i ff.
II, s; Sehmeller I, 315). — 2. Kobois) Penis
[ScbmeDer 1, 1788). — 3. - die Frsuenbrüste selbst,
Bitsaln (Schmeller i, 316). — Nolle * Bützchen
eine Brustwarze, an der genullt, uelullt, ge-
schnullt, gSMttgt wird (<ir. W VII. 879).
Bizzel, m. der heizende, heissende (bizzare?)
Zungen -Reiz [C. v Selon. 70), 8. beissen 1. —
Bitzerchen Beisserchen (s. d ).
Blach, f. s. Plage.
Blacken s. Placken und platt.
Bladem, m (Pladem) Blähuug isehmeikr i.
::•-'"<; Hoffiuann I, 360).
Bläderling, m. s Blatterling.
Blähe, f. Blähen, n (blähig, Blähung), „die
Berui. Wurr.el bin ibb1) Mltnmt teilweise mit llare ilut.)
Hierein; IndoKerm. Wurzel bhlä" (Klage* 43;; (ahd.
bbtjan; mhd. blaejen; 1182 Idee, Zening. Voc f. 3
ni'ostema; l.'d.'» plae — iiujuinuriu, L). 21>s, 17. Jahrb.
Idee, f., K. A. 348; vng\. bleb - Blase. Lehfeldt 1I4j.
— Bläh, f L — die Anschwellung, z B. des
Bauches, der Drüse; daher auch 2. = Drüse
a. cod.) — Blähung Flatus (Or. W. 11, 62). der
Zustaml tles Geblahtwins — aM/"</<bläht (t.Ms
ultKebliiKht, II. v. l.erüd. 38. SS, von Därmen Rebrnuebl ;
IST.) Muller, Krnuterbtich 17,1; aln r auch Ihm Tabeniae-
I moutauub bereits von den Lungen de« Menschen —
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Blärr— Bitterling.
BliUtlein— Blase.
45
Emphysem, Tympanites, Meteorismus, Trom-
melsucht, Windsucht. — (1666 Bärnm't- /--Blähen,
da«, blehen der bacrmutter bei den welbspersohnen
iOr. w. vi, 2813) = die Auftreibung des Leibes bei
unterleibBleidenden Frauen. Tympanites hysle-
riea. tlatuosite. — baucA-blähig »as Bauch -
blähen (Hain«) macht <(ir. \v. t, 11*5) — rferbläht
— - hl» zum Bersten aufgebläht iSehmeller I, I7s2\
beim Kindvieh gebraucht. — Magen - Blähen
die Anfüllung des Magens mit Luft, die sieh
durch Kuctus, Flatus entleert >Zw. s6o.t; (1632 ge-
Uonrt« magen. Mm 107). — (l&ttsl Mastdarm -Auf-
MlhttJty (Gr. W. VI, 1716) = Anschwellung im
Mastdarm. — (1477) MtU-(Auf-'b\ahung («r. W.
vi. = Milzanschwelhing (orioll). — (1482)
M i -Blähung ipleung de« niundes, Zen. Voc k. 8)
^Anschwellung der Mundschleimhaut (Inliatio
oris). — Bläh-, hlähiges -A uge, -Hals, -Kolik,
-KropJ, • Seitenstechen, -Sucht
Blärr. n Blärre, f (Plärr, Plerr, -plärr),
Blarre, Blarren, Bierren, Blerr, Plerge,
Flärre, Flarre, Plarre, 1. ■ Vulnus grave,
entstellende, noch otlene Verletzung oder Piaire
(f. d ). — 2. die Wundoffnung. die eben in Ver-
narbung ist. — 3. — die entstellende, bleibende
Narbe selbst (ohne offene Wunde), besonders
an den Mundhppen, Augenlidern, Ähnlich der
(iesichtsentstellunK' beim Plärren (s. d.)-Os
diduetum [flr. W. II, I0S) (namentlich durch stark
verziehende Narben syphilitischer Natur). —
A ugen -Blärr (14*0 da.« plerr vor deu Augen, Gr. >V.
II. 107; 1619 das hier, plerr, augenplerr, II Such«;
ndl. bteren = Blasen, De t'oek 261 ; engl, blcar-eye =
Triefauge, Lehfcldt 144), 1. - Ileus, entzündete
Mtelle, wo eine Eiterpustel, Gefeit war, Abseess
in entstellender Form sich ausbildet iGr.w. n,cc).
— 2. — vermutlich als Folge einer solchen l'l-
ceration am Augenlide = Nebel vor den Aagen
(Aurigo, Caligo). — Bote Piergen otlene Fuss-
geschwüre, UaulgeschwOre Überhaupt Schnuller
I. 4001 namentlich aber syphilitische, einstellende
Vernarbungen. — i'i.vrsj breite Piergen - breite
Condylome Tr. n, li> überhaupt war jede
[traumatische und nicht traumatische) in die
FiAche sich ausdehnende, die l'mgebttng mit
hereinziehende, andersfarbige Stelle an der
Oberfläche der menschlichen Haut (namentlich
syphilitischer Natur) - Piergen Sehinellcr I. 460;
Pr. I. e.lalsFolgen ,, böser Blattern" ( Franzosen),
die der Piergenbinder besorgte. Vergl. Flarr,
Flarr. — GrhlälT, das geplerr vor den äugen fl.exer
V. : *chmriier I, 161 , Cr. W II. 107 falsches beben,
doppelt sehen. — iJieBlärr kriegen _• vorStaunen
(Schauen) verwirrt sein (entsehen, s. d.). —
Blärr- Buchse, -Maul, -Schauer, (-Schur).
Bläschen, n (Bläslein), 1. s. Blase (ndd. 1 07
blatiintan TWrtmte. I». 6iö>. — 2. s. Pieschen.
Bläschgen, n. Schwaben; Schweratmigkeit,
(blasendes) Keuchen haben bei Korpulenz und
Krankheit (C. t, Sohra. 73).
Blässe, f- s- blass
Bläste, f. (Bläster) s. Blast
Blästerling. m = der einzelne Flatus (Gr. w.
II. 72).
Blättlein, n (Blättchen) s. Blatt.
Blätterlein, n. s. Blatter.
Blaetzen, \ 1 s. Bietzen,
blapern s. plappern.
blarricht = cicatric< »sus, einer, der eine Blarre
Hl
Gesichte hat iir. W. II. 67
Biase,Blasen, f (BläschenBläslein), *n hinnen
(p. d. und Pustel); (ahd blas« ITarn blase ; mtad. blAse
rundlich aufgeblähte Haut, Harnblase, Kluge1, 4.1;
1483 |dose vc»:ca, Zcning. Voc. %. 3; 1483 diu plaac o.
<liu plalcrisl ain vh« des hami|>niiineiis. C. v. Megenberg;
l.YJahrh. blare ninri-ea, I). 319; 1'jlS dieploss, plossen
rriiibtase, II v. (Semd. 12. 13; Or. Vi. II, 67. 162),
1. = der aufgeblasen erscheinende Lrinbehalter
bei Menschen und Tieren — 2 ^ die Krankheit
der Blase, z. B. kalte Blase. — 3 - die Pustel
und Papel — Bulla und Bullula auf der Haut und
den Schleimhäuten (Gr. w.n, 67); URS3) mehr oder
weniger „grosse Krhebungen der Haut über das
Niveau mit frei angesammeltem, serösem, d h.
wenig Eiterkörperchen führendem Inhalt'1, der
dieselben wie aufgeblasen (s. Pustel, pusten)
erscheinen lilsst (Vesiculae, Vesicae ■ Bullae)
(AuspiU in Ziemssen, Hdb. d. sp I'alh. n. Th. XIV,
1 231' Hantiger gebraucht ist ,.H!atter" (s. d.\
— 4. = die Fruchtblase (s. d.), die sich bei »1er
Geburt einstellt in den geöffneten Muttermund
(Amnion) — (179'.) blaesigt - blasenformig
(J. p. l runk in, 248). — Backen-Bla.se Sacculus
buccalis (<;r \v i, los»-.) . Parn Iis, geschlossene
Zahnfistel, — Haw -•- Blasigkeit = s. Bauch-
blasttg. — />W- Blase eine mit Blut gefüllte
Hautblase. Blut- Bläschen nennt Kalke 1, 1.« die
roten Blutk..ri*nhcn — Bose Blasen bösartige
syphilitische Blatlemform (Hacscr. II. Anh. M).
— (17S3) Brand -Blase, 1 Blase durch Ver-
brennung (FlatBC! I, 167; Kanntet W5; I'rquell IV, 69),
Dermatitis calorica bullosa (Brandblatter). —
2 das Kankkorn als Milzbrand-Pustel beim
Schweine (Zipp. «32». — (ITCäj Drusen - Bläslein
= Folliculus, die Ausdehnung des Hriisenbalges
durch llüssinen Inhalt (,\. v. II. I, 563). — Eiter-
Bläschen (-Blase) - Kiterbeule und -Knotehen,
an der der eitrige, flüssige Inhalt sich von
aussen schon beineiken liisst - Pfotz (Gr \v. Iii,
392) ii-vSi) „Pusteln, Krhebungen der Haut
über das Niveau mit frei in der Epidermis
angesammeltem eitrigem Inhalt-' fsehwtmmer
in Ziemssen, Hdb. d sp. Path. U. Ther XIV, L 23;t);
die Eiterldasen im Gesicht und auf dem
Kopfe sb Acbor (Willan), an den Extremitäten,
namentlich , wenn sie jucken Psydracia
(Wüten); im«) = Phyma [Pteaek] — Fti«Ar-Blase
(JftKersprache; - Harnblase Hyrtl, K. W. 134);
i fr't uer-
Feucht l'rin (s. Feuchte 4). — (1698) • selaL.
Bläschen I , Fieberhitze auftretende,
Blasen |
zuerst hellrote Flecken, die dann in (gerötete)
Blasenbidung, boutons de flevre, überitehen
(Herpes). Pestblatter, Feuerblatter (Fuch« II, los«;
v. 14. II, 1021, — Frucht-Bla.Se (durch die neueren
Hebammen schon etwa* in Volksmunde) — die nach
der Eröffnung des Muttermundes bei der Ge-
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Blase.
blasen.
burt durch den letzteren «ich hlasenformig vor-
drängende Fruclithaut, durch deren Sprengung
(Blasensprung) das Fruchtwasser A hfl im« erhält
— (tT.r.) Gtihf Blase <iie plötzlich entstehende
Milzbrandpu«Iel unter dein Rindsschweife oder
der Seh weinszunge beim sog. Bankkorn f.\. M. !•
(s * iiili- 11 blauender Wurm) — Gall en ) -Blase
die Blase, welche die flüssige (ialle frei an-
gesammelt enthalt. — (im«'.) Galli </-Blaslein
Vesienla felli*, Vena cyatica [MM; <;r. w. iv, t.
11*3. liyn — gemchwnrige Bluse die durch <ie-
achwflr« Kiter bildende Harnblase (Morgagni)
Pr II, \Z2>, s. Blasenkrittze — (/'(//-Blase
(iift ( Krankheitsslotri enthaltende Haulhla'.ter
(Pestblase). — grintige Blasen Hort San
- Urint-Piisteln ( Favus).- i.vxi //urn-Blase
= Vesiea nrinae Blase(n), Seich blase, l'rin-
blaso iHyril K W IIS). — //««/-Blase Bulla,
eine Pustel der Haut (ampoule), im Gegensätze
zur Srhleimhaiithla.se — //««/(/-Bläschen
Strophulus. Hantel (s d ) (Hehrem! :*u\ Bläschen,
die mit Ahhilntung gefolgt sind (Hautelblatter-
chen. Scbalblascheni — Ii,-,, Blasen die
Blasen des Blasenwurmes bei der Drehkrank-
heit (f d ) im Gehirne der Schafe [fti w
iv. ■• hsäm. — (IT«!] Hitz Blase (Bläschen), 1
Hitzblase durch Verbrennung Brandblase. —
2. - Herpes als entzündliche 'manchmal unter
Fieberhitze auftretende) Blasen und Bläschen
mit akutem Verlaufe, namentlich Feuerblils-
cben Phlyetenae corneae flatiu-r l. m , Kwlch
— 3 das akute Kezcma, als eine unter
Frösteln un«l Frieren, dann unti>r Fieber „auf-
tretende, entzündliehe Blttschcnhildung auf der
Haut mit wasserhellem trüblichem Inhalte"
[Tb, Velel in Zleinnen, Hdb. d. sp. Patb. u. Ther. XIV,
H 364). — 4 - der akute Friesel - Aufschlag
(Kehrend 30). — B. - manche Autoren nehmen
als Hitsbltochen auch an: Hydroa ((ialeni),
Liehen, Psoriasis, Impetigo Mehrend :n ; Krim« K
4s;!). — Ii Synonyma sind : Ausfahren, feuchte
Flechte, llonigflechte and Hitzblatterehen (s.d ).
— j'ihr Blase die schnell auffahrende Müs*
brandpnstcl (blasender Wurm). — /»i/>/"-Bläs-
chen Inipfhlattern (Vaccinae). — Juck-
Bläschen jede juckende, pustulüse Hauten!-
züudung (Rehrend 11) Psydraeia. — (i&is) Kalte
Blasen Dysurie, Gonnorrhoea, kalter Pisa,
kalter Seich (s. d.). — Kratz- Blasen die
beider Milbenkrntzesich bildenden Hautpusteln
(Nicolai M, Mfi), — '1677) Milchsaft-Blase Über«.
■Irr eiste rna ebylt (llyrtl. K. w, iwi Ansainm'ungs-
stelle fl\r den Milchsaft — Xess /-Blase
Nesselblatter (s. d.) (»r. W. VII, 619J ; die Nessel-
Quaddel ist eigentlich keine Blase, da sie keinen
freien Inhalt hat; man verstand eben früher
unter jeder umschriebenen Haut -Schwellung
mit F.rhebung über ihr Niveau eine (gehiahte)
Blatter, und da Blatter Blase ist, so konnten
beide leicht imVolksmuiide verwechselt werden.
— (15, Jahrb.] O/ir-Blase, Ar -blaue (Leser 192]
Trommelfell (Ohrblatter) (tJr. W. VII. 1252). das
hinter sich die mit freier Luft gefüllte Pauken-
hohle hat; man verwendet noch zum Hafen -
Verschluss die getrocknete Blase. — /Vs/-Blase,
1. Pest-Karbunkel (s.d.), die Anschwellung
der Pestdrüsen - Pestbeulen (14. Jahrh Mister,
engl Peatblaeen, liecker. seh. T ; A. v. II. II, 65.
i.vt; K <h na). — 2 (I"4h) der Milzbrand-Kar-
bunkel oder Anthrax als Haut-Beule mit eit-
rigem Inhalte, der ein höchst ansteckender,
pestartiger Stoff (Giftstoff) ist — 3 (17h.ii
hosartiger Blutsch waren. (Jarbunculus ex Typlm
iImii , Wcii kard 345). ein Pestkarbunkel, „der zu-
weilen auch ohne Pest entstehen kann" (Ftatner
I. 'M — N'rtiMc« -Bläslein die den mannlichen
Samen bewahrenden blusenahnliehen tiebilde
unter der Harnblase — Schäl-, Schaal-BlMO
(Bläschen), 1 kleinknotichte Krhahenheiten
der Hunt (Papulae) des Neugeborenen oder
Säuglings, die sich rasch abschälen, schuppen,
aber gleich wieder kommen Strophulus (Beb-
r.-n.l50) — 2 der Bhisenausscblag (Pemphigus)
(Purin Ii, 4451. — 3 TerininthuH Galeni eine
sidi warzliche bösartigefsicli abbautende?| Blatter
(Sorna?), Wasserkrebs (Krabe?). — Sehmutz-
Blase libypia s Rupia l"Ov>, Mehrend 2*1
Schmutz- Borke, Blasen-tirint — .SV/iirriss-Blas-
chen, 1 unter oder bei starker Schweisshild-
ung auftretende Bläschen der Haut Hydroa.
Wasserblase — 2 Miliaria symptomatica
puerper. — 3. Fi iesel - Ausschlag (Schweis« -
Friosel Behrtiiiiiii: — NVir/i-Blase (IftlSnyebplota,
II v «ier»d ; Hynl, K W ). wed man aus llir den
Seich I rina entleert - /Vin-Blase Harn-
Blase n/blasen - die Atemluit ganz aus-
bauchen, ausatmen — (1551) Versehrte Blase,
., verirrt Ula»*" Hin k 2ls) die schmerzbatte und
kranke Frinblase - „;,,, HW- j
1 l'rinblase — 2 Phlyctaenen, Herpe.s-
Blaschen am Auge, auch Fett- Anhaufungen um
die Augenlider herum ; letztere als Wasserblasen
vom Laien angesehen (Pinguecula, Fettauge')
(A. v. II. II. HOC; Kalke II, 204). — 3 grosse Haut-
blasen, Bullae, mit wiisserliellein Inhalte (/. B.
bei Intertrigo pedis (Itehreiul 5J oder beim Pem-
phigus oder Blasen-Ausschlag (s. .1 .). — 4.
kleinere Bläschen .1er Haut Psydraeium, Hy-
droa (tialeni), Pseudea (Theokriti) Krau«, l£ SSI),
Schweissblaschen (s d.|. — fi Cysten mit
hellem abgekapseltem Inhalte in den Kingewei-
den ( F.cbinococcus- Blasen, Hydatiden) f.v. v. II.
II. sav mW}. — <> ilie sich einstellende Frucht-
blase bei der Gebort. — 7. die Traubenmolen-
Blascben. — im::i Zungen -Bläschen, 1. ^ Aph-
then, <lie kleine Bläschen auf der Zunge des
Menschen machen. — 2. — die aphthöse Maul-
(und Klauen)-Seucbe (Kalke Ii. tfii). — Blas(en)-
Aus&chlag, •Bandwurm , -Engel , -Fifbn-, -Ge-
sehwär, •QeSthtetUtt , (irint. -Hämorrhoiden,
■Katarrh, -Krätze, Krampf, -Krankheit. -Kropf,
■Mund, -Rocke, -Rotlauf, -Sand, -Schibigkeit,
■Schnur, -Seitenstechen, -Sprung, -Unrat, -NVA,
• Winden, ■ Wurm, -Zip f.
blasen Indoirerm. Wurzel bhk\ blühen, schwellen ;
enth. blei-aii; abil. dliUan hauchen, »ehnaulien; mh<l.
Müsen (Kluge *, i ü — (in-blasen anhauchen, s.
Anhauch. — (»«/"r/f blasen <> (Angesicht; Zw i.»7i
(Gesicht8-)Ansebwellung, durch Odem oder
Kmphysem. — i/ '</;< blasen' -Beulen, -Kind-
belterin. — I>as Aulblasen Kinphysema cuUi-
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Blaserle— Blast
Mastern— Blatt
47
neam, wenn im rntcrhautzellgeweho oder in
den (iedärmen Luft (= Wim -blasen, Lungcn-
Inft, Fäulnis, Gase) sieh befindet. — 6a«r/iblä8iK
Bi bauchblflstig — Blase-, blasende(r) -Husten,
■ Wichtchen, - Wurm.
Blaserle, n. 8 Anwaht
8t. Blasi, St. Blasius St Basilius (•. Kult
kaleudariiiin In Zeltschr d 1» Ö \ V , 1MM, 8. 198;
•uch flandrischer patrou (imlr blaaten. pcl'uck 1« 3!K
- St Blasius- Plage s. Plage.
blass, Blass, m Blässe, f Blasse, f Blesse,
Biese lahd blas - Blasse, <irafl III, 2.*.7 . mh.l blasse
- Blas-u 1, Kluge", 44. 17 Jahrh blass, früher dafnr
bloi« „bleich" (». d .], Kluge*, 44), 1. — der blass-
weisse Stern im Haare der Pferdeslirne oder
l»eim Vieh, Frons alba (Wackernagfl, Ahhdlg, III,
74. 8«; Mayer 17, Island blesa. Z d. V I. V K. im,
8. 244t — 2 --: die Glatte des Menschen
Mime iBnek 15, C. r. Sehm. 72) (verächtlich) —
3 - ein .Muttermal (auf der Stirne) '<;r \v. II, 71 ;
Schnuller I, 336). — 4. - der Podex (Tirol» der
entblotwUeTeil lllniner7 17), — 5. - Blaus, m auch
Blast (s. d ) — Fiebrt -Blässe Pallor febris
«ir. w. III. IM). — blass pallidus ut
corpus exanime i«,r w vi, 614). — Saute Blässe
- die si-hweissanre Stirne (i lmi. ..die Weiber i*-
lecken die Stinte eines kranken Kindes, hat es eine
saure Blasse, so schliessen sin ans diesem tieschmacke
auf deaaen baldigen Tod" (C. r. Sehm. 72). — Blass
fetir, -Stern.
Blast, n (Plast, Blaust, Bioesse, Blaeste, f
Bloest, Blost, Blästin, Bläster), zu blasen <*. d.t ;
Iahd platt, blast llaln«, (.raff III. 237; mhd blast,
Martin. Leser 25; 15. Jahrb. Wort - (latus, D. «41; 1418
plast, 1673 blost, Schindler 1. 332; WM bloesse des
Magens und Winde, v. M. II, :t:l| <ias Aufgeblasene,
dl« Aufgeblasenheit, flatnosite, 1. Dickdarm,
weil er der mit Verdaunngsgawen gefüllte und
ausgedehnt»', aufgeblasene Teil des Leibes ist
flftitt bei Wirsuiig. Amieybuch 4..I , Ilyrtl, K W 124).
— 2. die VerdaUDDgBgase selbst Flatus
Srhwei», Ilayeni, Behwalten . Hehineller I. 331; Ilyrtl,
K w 12.1; Huck 171. die sieb im Blast. larm (s. d )
bilden und im Gehirne bblstipe (Jeister (s. d.)
nach frOher. Vorstellungen veranlassen können.
— 3 die mit sogen. Flatulenz einhergehenden
Krankheiten: a) Kolik (Coliea flatulenta) Ilyrtl,
K.W. 12.1), b) Tympanites l>r Minderer), e) Ilernia
— 4 s die Geschwulst und Atifaedunsenheit
eines Körperteiles Krhw 71; r. v Sehm 7: , (Km-
pbysemn pulmonum, cuianeum, Tympanites,
Ascites, Hydrops). — (13W) Blästigkeit, ptartlkelt
ISrhmelU-r i. stai -aufgeblähter Zustand. — Alp-
FAf-) Blast (elfbläst) s. Anhaucli (durch den
Alp» Dämon). — (1725) Bürmutter- Bläst An-
schwellung der Gebärmutter mit Blähung*-
beschwerden Thcs. »an. nr. .rtoi windige Bläst
der Mutter (Tympaniles hystetiea). — (1609)
/;./ic /,- Blast (-Blass) Kiuar. 502! Tympanites,
AtifbliihniiK des l-eibes. — il". Jahrh | bauch-
blästig (-bläBig, -bläSBig), von schieb bauchigen
(s.d.) Pferden = starkes übermässiges Flanken-
»chlagen am Bauche (Kalke I, 200 ; Mayer 167 ;
Sehtiielier I, 332), 1. — Kmphysema pulmonum
( Bayerland, UM, H. 419). —2 = Tymphanites ab- |
dominis. — 3 herzsehlachtig (s. sehlagen),
krankhaft durch Lungenleiden veränderter
Zwerchfellstand (mit und ohne Herzschlägen^
n'r. w l. 11r.fi. 11..1,' — 7»<irm-Bläst Flatus
iZw. 464i — Grobe Pläst im Leib Tympanites
— Gr< utspläst Dickdarm Ilyrtl. K w 121 Gross-
darm, Mastdarm. — H6j>»: .\f<>-ii «-Bläst Auf-
blähung de* Magens v M II, :d. — (I6991
Auren -Blast von den Nieren (Krankheit!
ausgehende Atiflreibnng des Leibes (v, M II, 40»
— (17. Jahrh ) 11/ . . Blästen - Auftreibung
des Leibes durch Wasser (Ascites) iR. A. 296). —
Blast (biästig) - Ader, -Bruch, Dam, -Fleisch,
■({eistet; -Molen, - Wind, - Wassersucht.
Mastern a. blaustem.
Blatt, n (Blättlein, Blättchen), tu Blatt
l folluui); ivorgerlii bhlo- ; irerni bin-; goth. blatb ,
ah.l l.lat = Austreblulites, AnsKewai lix-ni-s, Kluge*, 44 ;
mhd blut. I .-x.t .'.'> . auf l.lnttithnllche, flache, hilngeude
»iliT ausgespannte tieblble In K..ri>er atig«-wi'tnlet,
1 Uvula mhd HaJmprebea, Lexer35; 14SSdaa
flat, v. Megl.g lfi 34 uvula, Auff Zapfehen,
Bckoieller 1. 42; l&IH das blutt uvula, II. v »Jersd !>s. ;
bei i.onleerus uvula Alemblait, Hauch, Haucti-
hlalt, Auf, Huf, Zftpfohen, das im Bachen blatt-
förmig herabhängt (s. ( iurgt-l). — 2. Epiglottis
— Cbersetruug des loliuin der Arabisten i'l.V Jahrh
bist eulglotiiui, 1» 641, Ilyrtl, K W. 10. 21/ ...las
biatt uff der xungeii", Atetnblatt, Keblblnlt (s. d ),
Kehldeckel. — 3. der Scheitel-Wirbel (siebe
Hauptgescheid. schlagendes Bein) auf dem
Kopfe, der beim Kinde noch otl'en steht und
nur mit einer blatt-dflnnen Haut bezogen ist
für. w. II, 76). daher - die voidere Fontanelle
<les Stlnglings; ,.da« Blatt auf dem Wirbel*' .Adelung'.
(1740 fnna pnlmuiil», Kalmus 67; v. skbold 69, die
nicht rerknoehert« steile über der Stirn« des Klnder-
feliadels, Ilyrtl, K Vf. 21 13.r. ff da« sehlagendu
Blatt, I e.1.1 . Btttttelu tontaneln, v * II. Ii, SM;
Tlatner I. 47s, „Die Kontanelle Ist hier durch ein im
ftetCn viereckiges Bbltlelien gest blossi-n. unter welebein
man die Setilage der Ader deutlich sieht und fühlt",
A v, II I, i*7«; ist das Blatt vollgespannt 11. ge-
schwellt, so sagte man „das Blatt ist geschossen",
womit man die Prognose des wahrscheinlich
nahen Todes stellte; daher die noch übliche
Bedensart: „mirschiessl das Blatt" als Bezeich-
nung der Ahnung von etwas Schlimmen Wust
mann ivv — 4. das Zwerchfell (bei Luther), das-
selbe schiesst und fallt (w ieder Kinschuss-Faden
am Webstuhl geht es gleich massig hin und her);
auch das Flankenschln^en der Kinder Herz-
blatt der Kinder (Pneumonia?). — 5. - tlas
Brustbein l.'.is [.bitten, II. v. tJersd . Ilyrtl, K W. 12Ü
Hrnstblatt (s. d.) — «. - fifttöi das Schulter-
blatt (s d.) bei Mensch und Tier (Coler, Ii. A. 143;
Brehm III, 13s; Rirlinger, Volkst. I. Schw. I, 317). —
7. eine Zungengeschculst II 7.. Xlil. 2n.'>) in
einem deutschen Segenspniehe ; Terminlich Angina
(s. Blatt 8). —8. = Angina - das Blatt im Halse
„schiesst" vor die Kehle (Lonicerils); bei der
Angina suiipur. schwillt vor der Entleerung des
Abacesses das Blatt ( l'vula) Odomstd« an und
hängt herab, fallt herab, aebiesst vor diu Kehle
(Cynanche - Sipiinantia der Arubisten); veigl.
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4H
Blatt.
Blatt.
Zäpfchen, Zttpfehenliräune, Zäpfchenschiessen. I
— D. - das Blatt- S 'cht • s«c« ist die .Siriasis oiler
Seiriasis der alten Ärzte. Poranus von Kphesus
(XLVIIJ z. Sali Trajans sagt (Huber, die Gynäkolog. 1>0) :
„die Siriasis Ist nach des Deniclrios Definition nichts
weiter als ein Brenufleber, nach der Ansicht anderer
eine Kntzündung de» Gehirns und der Gehirnhallte,
welche Kinslnkcn der Fontanelle (de* Scheitelsl etc.
nur Folgt hat ; den Namen leiten einige von dem Sterne
Sirius ab wogen der Hitze, andere bringen ihn in Ycr
bindung mit der eingesunkenen Fontanelle, siros
heisst namllch bei den (griechischem I-andleutcn eine
<>rube, in welcher sie den Lein-Samen aufbewahren ''
lii i tadn Acgineta Ist slros = cavllas (stuelpltls) =
Vorderhaupts -Grube II. 13; Kraus, E. HM] Blatt-
schiessen - derStatus turgescentiae, indem sich
das Blatt (Fontanella) befindet (nyrti, K. w. 136)
bei der Erhitzung oder Kntzündung der Hirn-
häute und des Gehirns; wenn aber die über
die Hirnfontanelle gesetzte Haut (- Blatt) sich
etwas setzt und vertieft, so ist dies = Blatt-
fallen (.\. v. n. I, 122.".'. z. B. der Status collapsus
fontanellae, z. B. beim Hydrocephaloid der
Kinder (Hyrtl, K.W. 13«; Gr. W. II, 76j, (vergl. auch
fallenl. — 10. = der Sonnenstich oder Hitzstich
(1753 — Siriasis. ..wenn das Hirn und seine Haute von
der Sonnenhit/e wann und entstündet werden", A v. II.
II, 1274), (vergl. Gämperle,Sonnenschuss,Haupt-
geschoss); als Siriasis auch bei Adelung (s. Blatt 9)
(Gr. W. II, 76), eine an den Stern Sirius iHunds-Gestin»,
die helssen Hundstage) sich anlehnende Krkliining.
Sirius — Orion, Horton is. Inlluenza). — 11. — Blatt,
das weibliche tierische Geburtsglied (C. v. Schin.
188) (s. reuchtblatt). — 1 171>1) abblättern ng = die
Abstossung von Gewebeteilen in Blättchenfonn,
z. B. von Knochen ( Exfoliatio) fltlchter I. 55.U —
(U. Jahrh.) .l/cm-Blatt (atenblatt, atenblattlin) o
Epfglottis, l1 Villa (Voc. opt. W. 10, Hyrtl. K. W.21.7M
'llOöatteinhlat - epiglottis, D.204) — Blatt2. — Auf eil-
Blatt (1542, 1577, 1696-auftenbIat — Uvula, Jessen 350;
1>. SU) - Hauch-Blatt 1 (s. Auf). — Be in -Blättern
-Exfoliatio ossis - Beinfresser (A. v. U. II, 420);
es bltiltert sich eine Knoehensehichte durch
Caries oder Nekrose ab. — ito/incn-Blättchen
- Mädchennamen (umschreibend), wegen der
Genitalienform im Gegensatze zum Pfatmen-
stielchen der Knaben (Wuttke 364.i und in Ana-
logie zum Feigenblatt der Eva. — [178s] Brust-
Blatt = das platte Bein der Brustpiatie. Brust-
bein. Sternum Hyril, K. W. Iii ; Schoarschm. I, l::t".
— HG'J9) ß««/ Blatt Schulterblatt am Pfeide-
btiL' v M. 1, m. — Feig{en)-, Feucht- Blatt des
tierischen, brünstigen (Menses s Feucht 2 und
Wasserzeichen) Weibchens Geburtsglied (Feige
ist entstellt aus Feucht (C. v. 8ebm. 188; Brehm III,
167), — Fleisch - Blättchen = Partes carnosae
ungulae — die weichen Teile des Hufes, welche
blattförmig gerade unterrier Fleischkrone liegen
— FJeisehzehe, Fleischwand, Fleischtracht (Gr. Vi.
III, 1756). — Fun 9 Blatt, 1. - Fnssrüeken, Dor-
sum petita, dieses ist „das oberste Fusshlatt"
(l.,:;y; i;r. W. IV, 1. 1U15; Kulmus 22); Platt - Teller.
Hache Schüssel, daher auch Fuss -Schaufel
(s. d.). — 2. — der ganze unterste Teil des Fusscs
a b in seiner Fläche von den Zelten bis da, wo
die Ferse endet, wovon die Fussohle (s. d.) nur
den vordersten Teil einnimmt (Gr. w. l. cod.); es
wäre demnach Fussblatt eigentlich - Fussüäehe
m Fussplatte (gegenüber dem senkrecht stehen-
den Fuss = Schenkel, Bein) — (1420) GaHcn-Blatt
— bilis, fcllW et irne sede* (D. 7»; Gr. W IV, 1. I1MJ =-
Gallenblase, Fellicula fei circumdans. — Hauch-
Blatt, 1. = (15S8) Uvula s. Eva colli (= Hauch)
fl». 632; (ir. W. IV, 2. 570). — 2 - (1541 hauchplatt.
Hyrtl. K W. 21. 78; D. 33H - Epiglottis, Kehldeckel.
— 3. - vergl. u. das Hufhlatt, eine Krankheit.
— ik.77) //'.'ii Blatt, 1. = Os parietale (HjrrU,
K. w. 158,1, als ein das Blatt 3 (Fontanelle) mit-
bildender Schädelknochen; auch sonst werden
die Knochen öfters als Blätter (Schutzhüllen)
bezeichnet. — 2 = Bregma(s. Brägen) - Fonla-
nelle (L. eh 12; 1761) Blatt 3. — Herz-Bl&tt, 1. =
(1620) Zwerchfell, Diaphragma |Hr. Minderer; Heyne
III, 142; Schindler I, 1171; Gr. \V. II, 75; III. 1888;
IV, 2. 1226); das ..Schiessen'4 desselben s. Blatt 4;
das Zwerchfell soll dabei als Sitz des Lebens
(== Ferch, s. d.) gedacht sein. — 2. - (l.vji) der
Processus ensiformis sterni, an dein das Herz-
blatt 1 es Diaphragma noch befestigt ist (Had
Jun. 28; L. ch. 29). — 3 = Herzbeutel. Perienrdium.
— 4. - (1668] eine Kinderkrankheit, Pneumonia,
s. Watt 4 (Beyn. 280). — (15. jahrh.; Bin Blatt üöso
JZi» W-Blättlein\ !l'>15 hireublatt damit urubgebeu
Ist das hirn — meningea, pellicula in cerebro, D. 20,'t
— ilie harte 11. weiche Hirnhaut, die das Gehirn
umgibt (Gr. W. IV. 2. 1556), Salvatella s. nandader.
— 11*121 Horn • Blättchen = blattdünnc Höni-
sch ichten am Pferdehufe (Falke I, 408). — Buf-
Blatt die Heb (s. d.), Otdium (nach Sehmeller I.
332. 1038. 1064); (vergl. Huf 3). Wenn nicht ein
Schreibfehler vorliegt hugblalt - Huut hbltttt; hu* =
uvula, s. Hug, Huek, Hauch, Gr. W. IV, 2. 6701. so
wäre hufhlatt, da auch sonst „Blatt" eine Krankheit
(s. o.) sein kann, vielleicht — Kroup, was mit der bei
Sehmeller 1. c.) angegclienen Hehatnllungsart überein-
stimmen wurde. — AYW-Blatt (Kälhlältlin>, 1. =
das blattförmig ober der Kehle oder «lern Kehl-
kopfe aufstehende Gebilde, Epiglottis = Kehl-
deckel (Hyrtl, K. \\. 21. 89). — 2. (1S02) das blaet,
das vor dy kele schuest = Angina (s. Blatt 4 und
B'attscbiessen). — (1783) Ame-Blatt (15. Jahrh.
kneb-blat — poplex , D. 4131 -die Kniescheibe als
rundes, flaches Knochengebilde, la palette du
genou. — AVfz-Blatt - das blattförmig herab-
hängende grosse Netz (Le-veUng 233). — OÄr-Blatt
1I6SU obrenblutlein; 1777 ohrenbluttchen meringa,
I). 358), 1. - Ührklappe (bei Tieren) (Gr. w. VII,
1252). — 2. — Uhrenfell, Trommelfell, Pellicula
in aure tibi fit audiln1*. — [15. Jahrh.) <^i«?»--Blatt
- Übersetzung des Diaphragma - Zwerchfell
Hyrtl, K. W. 126; R. A. 246). — Äinrfs-Blatt die
blattförmiir dOnne Hindsdarm-Haut (Gr, w. VTO,
976). — Schlagende» Blatt (SeMa</-Blättchen)
Fontanella pulsatilis beim Kinderschädel (Hyrtl,
K. W. 136) h. schlagendes Bein. — ScAu/fer-Blatt
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Blatte— Blatter.
Blatter.
40
grlceh. onioplate; franz. palettc du dos [cspaulettc],
A. Parc; engl shoulderbladc ; mhd. schnltcrblat, Ixxer
220; 1591 schultcrblelter, Had. Jun. 896), 1. ^Seapula,
die platten Schulterknochen beiderseits am
Rückgrate, wie Flügel abstehend; sog. FlOgel-
Schulterblätter haben die BruBtschwachen
(Pterygodes Hippokr.). — 2. = der Schulter-
knochen mit Fleisch nnd Haut, Schultergegend
iFaike Ii, 292). — (1754) Stirn-Blättlein - Glabella
(s. Blatte) (a. v. u. 1, 6w). — (1577) Zanjfn-Blatt
a Langula, Epiglottis, Kehldeckel unter der
Zunge (D. 331). — Blatt- Feuchte, -lAhme.
Blatt«, f. iahd. blaltn, «irafl III, 219; mhd. blatel,
I. = Platte, Glatze, die haarlose, glatte Fläche
der Stirne (Glabella) (Buck 19). — 2. ■ nament-
lich die Tonsurstelle der Geistlichen (a. Platte).
— 3. s. Platte.
Blatter, f. (Blattern, Bloter, Blätterlein,
Blatterchen) (Indogerra. Wand bhle = schwellen ;
iiir altgerm. Wurzel blA (blc] — schwellen, blähen, llare,
Kluse * 43; angin, bledrac, I). 615, blacder; ahd. blAttara
— Blaae, blatera, II. Z. XV, .133, XVI, 99}, bladera
H. Z. VI, 321. plalra II Z XV, 53:1 = bulla; plAtara
l'Uiara = vcslca, bulla, carbunculus, firaH III, 235;
O. Z. XV, 521 ; 9. Jahrb. blatr» sa vcslca, Kah Maur. 65;
10. Jahrh. blatere - bulla, II. Z. III, 36«; 11. Jahrh.
blAlcra bulla, H. Z. III, Präger Handschr. ; 1260 Mater
■ Harnblas«. Pfeiffer 23. 59 ; 14. Jahrh bleterlt - pustula,
Voc. opt. W. 40; 14.— 15. Jahrh. platter, plader, blauter.
blatcr - vcslca. P 615; Hyrtl. K W. ; 1445 platcrti ss
vesica, Schmeller I, 332; 1475 blaider niarisca. I) 319;
1182 blatcr = pustula; plater — papula, pustularum
aggregatlo, vesica; plaetterleln papula, roter firtnt,
Warzen. Abdeln, Zen. Voc. c. 1, x 3; 1500 blättern
Fraoxoaen. Syphilis. Pr. I, 357; 1518 blotter - pustula,
II. v. Gemd. 100, bloter - pustula, vesica, cir. \V. II,
131; 1590 Malern - Byphllb, Paraccls , l'r. II, 174;
15*3 bUtterlin = Karfunkel, (ir. \V. IV, 2. 837 ; 1591
Blatterle s pustula. Had. Jun. 385; 1612 blatcr I rin-
blase, Hyrtl, K W 13t; Ulis blatter = lue» veturea.
Paracet« ; SyphilU, Pr. II, 70; 1615 blattet Webblätter,
rrinhlasc, Colcr. A 339, R- 392, 173t Itlattem Kinder-
poeken, Banatlarft; 1730 BUttterleui xpaputae, . weiche
auf der Haut nicht grosser als slecknadclkopfgross auf-
fahren, oft auch sehr «pitzig sind, ohne eiterichtu
Materie". A. v, H I 1105 veslcae, veslculae *eu
bullae, Auspttx; 1750 Blattern — Pustulae, ..ganz kleine
beschwüre auf der Haut, obwohl es auch bei vielen
niemals zu einer Schwürung drr Flüssigkeit kommt",
A t. H. I, IM1, „Man hol sie auch für eine Abart der
Luslseuche [s. böse Blatten)] gehalten, daher sie die
Franzosen )a petltc veröle , die I.ustscuchc alter la
grande veröle genannt", A. H. I, 1314; 1838 Blatter
die kleine Blase, Sehw. 72, 1839 Blattern Variola,
Pocken, Hehrend 3'j. Blatter [Bayern. Schwaben,
Tirol, Österreich) pustula, papula, bulla, vcslca urinnria,
eüjentiich also stetsi Blatter soviel als Blase und
Blätter lein Blaslein, Blätterehen Bläschen.
— [15 Jahrh | bla t te rieht - mit Blattern versehen,
pustulonus, tuberosus i> tri 6ooi, geschwollen.
Blatter, 1. = Urinblase, Harnblase (a. d.)
Lexer 25) — 2. - jeder Hautausschlag (Derma-
tose) mit Blasen- od. Bläschenbildung, Pustulae,
Bullae, Miliaria, aber auch Papeln und Akne-
Knötchen, Quaddeln, Furunkel, selbst Kar-
bunkel, weil diese mit einer umschriebenen
Hautaufschwellung grösseren oder geringeren
Grades einhergehen. — 3. = vor allem aber die
eigentl. „Blattern", Variolae idies «dt dem n. Jahrh.
bleibende lat. Bezeichnung für Pocke la, Schnurrer 1, 138)
(Vaccina): (570 Ines cum veslcls et morbus cum pro-
lluvlo ventris, 580 pustulac inalae, Hennig in Gerhardt
I. 38 — coralles, mllinac cum pusulls et veslcis, blacciae,
humak der Aral>er ; ärztlich, nach Hennig I. cod., am
fnihesten erwähnt In den Pandekten des Ahron von
Alexandrien 7. Jahrh., Haeser II, 63; dann In ahd.,
mhd. und nhd. Zelten Hrschlachtcn — Ausschlag ge-
nannt; ; volksmedizlnlsch wurden auch sie dAmonistisch
aufgetaut (*. Nachtblauer] und darum mit „Frau" an-
gesprochen, Behmell er i, soi), ;i883) als „eine infek-
tiöse Angioneurose der Haut mit vorwaltend
phlegmonösem Charakter der Hautentzündung"
(Auspitz in Ziemasen, Hdb. d. sp. Path. u. Ther. XIV,
L 274) bezeichnet. — 4. = Knoten, Warzen, (1495)
syphilitische Pusteln und Condylomata,tnsoferac
auch sie MasenAhnllche, umschriebene Hauterhebungen
i'AufMasungen, Efflorescenxen) darstellen [Fuchs I, 415;
Pr 1, 336. 3371 und wohl auch infolge der Übersetzung der
franz. ralrolc (veröle) (15. Jahr.) die als grosse veröle ( -
Syphilis) von derpetlte veröle (Variola) gelrennt wurde.
Im Allgemeinen hat die Blase (Bläschen, Bläs-
lein) den Begriff des flüssigen Inhaltes mehr be-
wahrt alsd. Blatter, dieneben „Blase"nueh noch
Geblähtes, Gesell w 1 1. ü. ?. Warziges (ohne flüss-
igen Inhalt) bedeuten kann. — Blatterling, Bla-
derling, Bläderling, Plätterer = Podex (Tirol),
dereinen blasenden Ton von sich gibt (Hintner
7. 17) oder aus dein der flüssige, mit Gasen ge-
mischte Kot „gebladertu, mit Luftblasen aufge-
bläht, hervorkommt (Furzblatter). — blättern,
ndd. bladern = pustulare (l>. 474) ■= varicellis seu
variolis laborare, die Blatternkrankheit durch-
machen. — Blattcrheit [ndd. 15. Jahrh bladerehelt,
D. 474) - PuBtulositas. — ächts Blattern - natür-
liche Pocken. — . 1 n-;> »'< /Vs-Blattern = Pustulae,
Morphaea (Blatter 2) mit Entfärbung der Ge-
sichtshaut (s. Ausplu in Zlemssen. Hdb d. sp Path.
u. Ther. XIV. 1. 227; Zw. 139). — <4«f7iraj-Blatter
(1518 „die bloter antrax genannt", H. v. tiersd. 73,
Pustula maligna, Kohlenbeule, Milzbrand-Kar-
bunkel, „ein scharfer und schädlicher Siecbtag'1
1 cod.) Brandblase, Rankkorn (Zipp. 632). —
A >-v7< - Blatter Condylomata, umschriebene
warzige Hautauswüchse am After. assa) warzen-
artige Akanthome (Auspitz, 1. c). — (1615) Augen-
Blatter Horpes corneao, entzündliche Bläs-
chen (Geschwüre) auf der Hornhaut, L'lcera
oculorum (Colcr H. A. 113). — Augoi Blatterlein
-idemdiuek 5i . — (1758) blaue Blatter, die durch
Übergang in lokalen Brand bläulich-schwarze
Milzbrand-Beule (Anthrax malignus s. esthio-
menus) Puch» ir. 293; Bchnurrcr Ii, 827) - blaue
Rose, Wurm. — 1 ici •*) Blei- Blatter luxu», un-
! diruiae (oedcina Pnrne.l-I (l'r. II, 761 = Stark SCZer-
i nierende, syphilitische (s. Luxus) wttsserige
Schwellung, Blasenbildung, die mit Blei- und
Zinnpflastern behandelt wurde. — Mut Blatter,
1. = Variola haemorrhagica. — 2. - Blutheule
(t;r. w. Ii. i7.v — 3. = eine Krankheit im Ma«t-
darm des Viehs ;?i bmcllcr I, 332) (Milzbrand-
Blatter, Karbunkel). — böte Blattern, 1 = Sy-
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50
Blatter.
Blatter.
philitische Dermatosen, welche Hautfarben,
ahnlich den Blattern (Variola-)Narben hinter-
lassen (papulöee, bullöse, pustulöse Syphilide),
Fr. I. 337 ; II, IM , Haeser U, 221). Bowle die syphil.
Feigblattern oder Condylome; (im bösse Matteren
— Syphilid, Fr. II, 181; mala trauen» allo nomine po*
platereu und lernt. ( clor glleder, Lorsch 201 ; 1 497 die t>o»en
Mattem Syphilis, Fuchs I, 309. 31»; 1501 hosen Matern
die man nennt malFrantzosen, Fr. 1,371; 1609 1x>m> blät-
tern = grosse «yphllit. Drusen, Pr. I, IM [Feigwarzen: ;
1533 böse plattem o. schaden der Franzosen [Würzburg],
Lammert, Volks-Med. ', 212; 1561 bosc Mattem - Frau-
zosen, Bork, Krtrbch. Register; 1620 hose Mattem die da*
fleisch verzehren, Fr. Minderer - Ulcus phagedaenicum ;
1750 bose Blattern boarum syphiliticum, A. v. II. 1,221»,'.
Mit den bogen Blattern (la grande veröle) hangen auch
die „Blattern -Ilauser" und „gute Lout ■ Häuser" des
spateren Mittelalters zusammen (vcrgl. 8ehmcllerl,332).
die eigentlich Syphllls-SpItalcr wirvn. — 2. = Hitz-
blätterlein, kleine spitzige Blatterlein auf der
Haut (A. v. H. I, 229) (vermutlich solche papulöse
Dermatosen, die man noch nicht sicher als sy-
philitisch [giftig, böse] diagnostizieren konnte).
— Brand-Bl&tteT, 1. = die durch Verbrennung
erzeugte Hautblase (A. v H II, 1237). — 2. = Variola
mit Zellgewebs-Brand (Phlegmone, Diphth.) und
Ausgang in Brand (b. d.). — 3 = Bulla vencrea
(Gr. w II, 29"j, eine brandige Form einer syphi-
litischen Dermatose, vermutlich brandiger
Eichelschanker, dem das Eichelblatterlein (s. d.)
voraufgeht. — 4. = Brandpocke (s. d ). — 5 =
Brandblase (b. d). — braune Blatter - Hnnds-
blatter (Kraus f., 1035). — breite Blattern, 1.=
(1009) (nicht spitzige) Variola (Guar. 775 . — 2.=
(1564, 157HJ breite Condylome (Fr. II, 145. 671). —
(1529) brennende, (1742) ßrenn -Blattern - Pustulae
ardentes pJtonafsls; Zw. 362; 177« - UritU, Plenck)
-brennende Pusteln Bohrend 6j , heisse oder
Feuer-Blattern, Karbunkel, Angqueiz. — (1661)
rfte schtearzen , brennenden Blattern ■ Variola
illuck 101; — />rifsf Blatter d"> Jahrh. bnistblneder,
D. 411) - Papilla mamtnae, Brustwarze. — Car-
bunkel- o. Karfunkel-Bl&ttern Anthrax, der
auch Pustula maligna o. Milzbrand-Karbunkel
(Karfunkel) heiest (Ignis persicus) (A. v. II I, ioi).
— dicke Blatter eine blasen förmige, runde
Weibsperson [Plunzen] (Sebmellorl, 333). — Druck-
Blatter [iw tnickblatter, i>. ho*, l.=die bei der
Geburt durch den Wehen- und Blutdruck her-
vorgetriebenen Hämorrhoidalknoten. — 2. =
Warzen (Condylomata) am sog. Ausdruck (antiB)
Arscb Matter. — läoo) Drüsen - Blattern , 1. =
(Strasburg* die mit Drüsenanschwellung u. Haut-
pusteln einhergehende Syphilis (Fuchs l, 313;
Pr.1,3"). — 2. = Blattern (2) ähnliches Exanthem
bei der Beulenpest tu Bnanschwelg; Lorsch 203).
— (1756) EtV hei - Blätterlein Bullae venereae
(s. Brand-Blatter), cbancre an der (ilans
penis (,\. v. n. ii, 24s). — Kiter -Blattern, 1. -
Eiterpooke, Eiterbeule, Eiterblase, Pustula auf
der Haut (Or.W. III, 392). — 2. = eine eitrige Blase
im Auge (Herpes) (Wallb. 363). — (1529; elende
Blattern die Syphilis der Haut bei den ,, Elen-
den'* o. „guten Leuten" (s. d.) (=Lues vetteren)
Fuchs 1. 359). — £riwt*n-Blattern - erbsen runde
und -grosse, glatte, dunkle Knötchen, die auch
| 11776.1 Terminthu« (ialenl ; Plenck1 — Krebs (Cancer en
cnlrasse'') genannt wurden — Morbus tereblnthinus
Paracelsi (Haeser I. 462; Behrend 5; = Ilerpe« exeden*
(Sobernheim). — falsche Blatter - falsche Pocke
!Krau«, E. 835) = Varicella. — faule Blattern,
1. " (1460 leule lilator: Condyloma, Fr. I, 354; lVNj
foulblattem, Fuchs I, 319) — syphil. Hautgeschwüre
| mit faulig riechender Sekretion (Condylomata ul-
cerosa). — 2. - (MO» Obelriechende Variola (Guar.
771). — 3. = Obel secernierende Hämorrhoiden
(Feigwarzen) (Fuchs i,422>. - F«'<7-Blattern 11. bis
15. Jahrh. ficblatcra, vicblatter. ficblattem, felgMottern,
1 IL Z. III; D. 140.201 haemorrholdes ; mhd. vicblatter
- Felgwarzen, Hämorrhoiden. Heyne II, SH't; 1482 teyg-
platter, veigplater - nMnla, Ileus, vibus, 1). 2;!". 617;
1517 — 1521 felgenblater, -Matter = Sycosis, D. 532;
1618 fygblattera Im antcron HumorrholdalMuttlussc
aus den 6 Adern um den Alter herum, auch Geschwüre
und Fisteln, H. v. Gorsd. 54; 1551 Feigblattero. Bock 43
-— Felgwatieu; 158S offene, verwundete Feighlattern
[Taliernaemont ] ; 1645 fclgwblatteru — syphilitisches
Wangengeschwür (placques), Coler, H. A. 216; 1740
Feigblattera- Feigwarzen. Zw. 504; 1761 felgblattcr am
Hinteren ■ atriecs [atrox!. peinigende Feigwarzen (Biek-
arseh], L. eh. 10) „Alles was vom Afteifluss (s. d.)
entsteht", war Feigblatter (mit Verwechslung
von Ursache und Wirkung); da die blutroten
Feigwarzen soviel als -Condylomata, so kann
man die früheren Feigblattern ganz wohl auch
als Condylomata annehmen (Placques), jeden-
falls aber als Gold- Ader- Knoten (a. Ader) =
Haemorrhoides (vcrgl. schmoiior 1, <u'>9) ; jeder rote
blutige Ausduss aus dem After hiess „Feig" u.
heissl noch das Feig (s. d.) ( — licus). — Jliessendc
/"fi</blattern, 1. = dieCondylomatalataals Plac-
ques, in der Nahe der Schleimhflute mit starker
Sekretion verbunden und blutrot wie die Feigen-
Pulpa, oder auch 2 blutende Hämorrhoiden ;
Geschwulst der güldenen Ader o. Feigblattern
(Tabernaom.) = Hflmorrhoidal-Anschwellungen;
(l.VJSi der Feii;blattetn-Kj>pich =apium huemorrhoidn-
nim H v Gersd. 100.1. — Fersen -Blattern = Frost-
beulen an der Fetse (<;r w. n, 79). — Feucht-
Blatter (1477 felohtplatter = haumrrhuidae, Ortolphj,
Feuchtwarzen, Feig (s. d.) oder Feigwarzen
(Schweiler i, t.s.s — feuchte Blatter, 1 = fliessen-
des Ekzema (Salzfluss mit Kkzema-Blaschen). —
2. - u<;»7) Feigwarzen als Feuchtigkeit abson-
dernde Warzen (Georg. 402). — Feuer- Blatter
— vermutlich zuerst entstanden als Übersetzung des
santo igne heiliges Feuer der Waischen - Ignis
porsieus der Lateiner, worunter verschiedene mit Rote
und Hitze der Haut (Phlegmone! einhorgehende Krank-
heiten verstanden wurden, vor allem 1. — die Pustula
maligna, Milzbrand, Anthrax-Karbunkel (An-
thracion , Carbunculus malignus , bösartige
Pustel, schwarze Pustel, ungarische Pocke,
Heunsche Blatter; Herdphlegmone der Haut)
(Behrend 61; Auspitz 1. c. ; v. M. II, M), —2 = Ähn-
liche mit starker Ilautröte und Hitze (Brand)
verbundene Krankheiten, z. B. Pest-Karbunkel,
Furunkel, „weil sie eine sehr rote Geschwulst
bilden" (Behrend 61; v M. II, 102). — 8. = die
Nacht-Blatter (s. d.), weil sie unter starker
Hautröte sich als umschriebenes kleines
Knolchen (s. Feuer-Bläschen, Pustel)entwickelt
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Blatter.
Blatter.
51
(Epinyctis Hippokratis) (Gr. w. in, i58S; vii, ito).
— 4. — auch das Eczema acutum „als die Wirk-
ung eines in der Tiefe des Körpers steckenden
Feuers oder Brandes" (A. v. II. I, 366;. — 5. =
Variola. — Fliesa - Blattern = zusammenflies-
sende Blattern, Variolae confluentes (Or. ff. III,
1-93, - (US« f^Z'Mc \ M»tt«W« <™er-
oaem. ; Pr. I, 33?) = Syphilide (s. Franzosen und
Pocken), auch gamorrhoische Blatter bei Para-
celsus (Pr II, 70) genannt, weil dieser die Fran-
zosen auch von der Gonorrhoe (Tripper) ab-
leitete, wenn diese „pustulosisch" (s. blättrige
Art) wird. — Friesel - Blattern = (1700) jedes
akute frieselartige Exanthem (A. v. H. I, 6ii),
namentlich (1776) die Miliaria (crystallina?)
tPleuck; Behrend 5) = Miliaria alba et rubra (s.
Frieaelpocke). — Furcht- Blatter s. Schreck-
blatter. — (14. Jahrh.) Furtt- Blatter (=Yeslca,
Voc opt. w. Ii) *a Urinblase in der Nähe des
Blatterling (s. d ). — .Ftos-Blatter = Blatter an
den Fussen (Dermatitis bullosa ex intertrig).
— (1482) Gall. (vi i-Blatter = Gallenbalg, Gallen-
blase (8. d.); (engl, gallbladder, Lehf. 38; Gr. W. IV,
L. 1191). — gonorrhoische Blatter s. FranzOBen-
Blatter. — Geblatter (8. Jahrh. kapUtcr = Inflam«.
Koro -9) = Aufhlahung. — (1777) Gerrtcn-Blatter
= Gerstenkorn als Pustel am Augenlide (D. 532).
— Gerichts - Blätterlein = Acne faciei (Ruland)
- kleine, umschriebene Hauterhabenheiten
bildende oberflächliche Follikel- Entzündung
im Gesichte (s. Finnen). — (1529) Gift- Blatter
faracel*.) Sublimat- Ekzem. — grosse Blatter
(Chers. der franz. Brande Tairolc, veröle, Pr. I, 337;
II, 151) - syphilitisches Exanthem, böse Blatter.
— grossbattende Blattern = Kinderblattern —
Variola (Guar. 775). die grossklumpige Blattern
macht. — 1 15. Jahrh.) Harn- Blatter (Matter des
harn* reslm. d. 615, Gr. W. IV, 2 487] Harn-
blaue, Seichblatter. — (1777) harte Blatter =
Condyloma (1). 140; - Warze. — (1.'«») Häutel-
Blätterchen - Strophulus (Behrend M), ein mit
Blaschenbildung und mit oberflächlicher Ab-
hautung, Abschälung einhergehender Ausschlag
bei Kindern (vergl Häutelbläschen u. Häutel-,
Schalblftschcn) — (ms) Haupt - Blätterlein
Tabcrnacm > - Eczema capitis, das Bluseben
auf der Kopfhaut macht. — heisse Blattern
— Brennblattern (s. d.). — Heunsche Blattern
= Anthrax-Karbunkel — ungarische Pocke; die
Viehseuchen kamen sehr httufig vom Osten
(s. Feuerblattern und vergl. Hüusche). — [16W)
Hirschbrein- Blatterlein = Hautknotehen von
der Grosse eines Hirsekorns, Herpes miliaris
(s Hirsekrankheit) [v. M. n, 132'. — Hitzige, Hiti-
Blattern (-Blätterlein) cum ktttUetteil« rada-
mlna. D. 5ft4i = unter Hitze und akutem eyelischem
Verlaufe („auB innerer Hitze") auftretende Bla-
sen und Pusteln fcalldabulla. rauibolc, eehaufTetures,
Rri». 218). 1. = Herpes ( - Phlyctaenae) <Zw. 342.
811; A. v. H. Ii. 1236; Huck 45). —2 = Ecthyma
[Bohrend 48) = Phlyzacium [Geber in Zlemssen, Hdb.
d »p. l'ath. u. Ther. xiv, l. 436» als Stauunga-
Puste!. Papulae sudorales. — 3. - (1577) Suda-
mi na. d. h. unter Schweissbildung eintretende
Hautbläschen (A. r. II I, 7W; Krau», E. 731). — I
4. = rote Papeln (1591 HiUMttterleln = papulae
rubldac, Had. Jun. 38-1; 1750 papulae rubra«, A. v. H.
I, 790, papulae rubentos, Pustulae benlgnac, iehorosac),
vermutlich = die fieberhaften Variolae uud Va-
rioloides (A. r, n. I, 219). — 5. = (1839) der Stro-
phulus (-= Häutelblälterchen, b. d.) (Behrend 50);
..Zahn-Ausschlag. Zahnfriesel" ist hicfür wohl häufiger,
obwohl ebenso unberechtigt Im Volke gebraucht. —
6. = (nach Behrend 50 u. Kraus, E. 339) wurden
fröher darunter auch Ignis volaticus, silvestris
(Wildnis, Wildfeuer), Milzbrand -Karbunkel,
Liehen igneus, Ekzema, verstanden; weitere
Synonyma sind: Schälbläschen, Hftuteln, Hitz-
hlütchen, Aussprung, ausgesprungen sein, aus-
fahren, Zahnfriesel, roter Ansprung, rotes Ge-
Bämmte. — 7. = die Gribelsucht = Urticaria
(Nesseln, Nesselsucht. Papulae mordicantes)
(A. v. H. I, 790), weil nie mit Hitzegefuhl und
(Blättchen = ) Quaddeln einhergeht (vergl. Nea-
Belblatter). — 8. = Blasen und Bläschen durch
Hitze (calor) erzeugt (Gr. w. iv. 2. 1581), Derma-
titis bullosa ex calore. — 9. — (1497) auch syphi-
litische Hauteruption (Fuchs I, 310), Thyma =
Thymion, Quendel warze (L eh. 84; Kraus, E. 1049).
— (1588) braune Hiti -Blatter 'hltzbletteren, Taber-
naem.; Jessen 214) = Karbunkel, Brandbeule,
Hitzbeule. — (i«99} (schwarze) //««ds-Blatter,
l. = Variola (z. T? Therminthus Galeni und
der älteren Ärzte), mit schwärzlichem blutigem
Wasser gefüllte Blasen (Pusteln). — 2. = Schäl-
blatter. — 3. = Pemphigus, Phlyetaena, Kyno-
pemphix (Kraus, E. 287. 1035; t. M. II, 130). — 4. =
braune Blatter. — 6 = Hundepocken (Falke I,
42i). — (1742) Huren - Blatter <zw. M7) = böse
Blatter (Syphilis). — hupf- Blattern - durch
| die Vaccination (Impfung, s. d.) erzeugte Blat-
tern (Schutzpocke). — 7ucA- Blattern (-Blätter-
chen) Prurigo, HautknOtchen mit Juckreiz
(1839; Behrend 51; Elchhorst II; die alteren Autoren
hatten für Prurigo die Ausdrücke Cncsmus, pniritus,
Scabies Hier«, formica, herpes scabiosus, Bebrcud L Md.),
— (1590) h'.mf - Blattern (= Pustulae mallguae,
D. 474) — )>Ose Blattern u. Kotblatter (h. d.) —
Kind i s Blattern. 1 ■ Variola, d. eigentlichen
Blattern, dasie beiden früher meistungeimpften
o. noch nicht durchblätterten Kindern am häu-
figsten vorkamen (heute sind die Kinderblattern
sa Varicellae); die Variola als Kinderblattern
sind z. T. das Bothor Arabum (vergl. Aussatz);
(2M1 klndsblateren ; pustulae. Gr. W.V.73I, 1577kind$-
Mettereu — vari, celhymata, „barbnrlee morbllll", nior
billla [d. h rote Kludsblattern], <ir. W. V. 734; Ii. 363;
1580 kladaUattor Pocken, Gr. W. VI, 1700; 1591 =
vari und morbllll [rote Kindsblattern), Had. Jun. 384.
1725 Kindsblattcrn = variolae, Thea. sau. Br. 93; 1742
KludtTblattereu - variolae, Zw 313. Klndsblatteru —
Kiiulerpot ken [s. dj, Gr. W. 11, 77; V, 734; 17iil Kinder-
buttern = Variola«, L. eh. 87). — 2. — Masern —
Kinderflecken ( = Papulae, Boa, Bova der älteren
Autoren), als „rote Killderblattern", von den
eigentlichen Kinderblattern (= Variola) unter-
schieden: (1561 rothe Kinderblateren, <ir. \V. V, 734;
1577 rote KinderMetterle , 'ir. W. 1 eod.; 1591 rote
KiuderMatterle, Had. Jun. 384 tnaculae nibrae
rote Flocken [Masern] - KlnderflccU-n. Kinder-Masern,
I Kotsucht, s. d ). — 3. 1592 rote kludsblaWrUn
V
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52
Blatter.
Blatter.
Papulae; 1899; v. M. II, IM; D. 411! = wilde oder
falsche Kindsblattern, Varicellen (s. o. 1), Schaf-
blattern, Wasserpocken etc. — (1394) kleine
Blatt«ni (riseraen dlj kleinplater lmpeügo, D. 2891
= Risamen, ROslein, Engerling im Antlitze. —
Kot- Blattern: (löf.i kaatpiateren, <;r. \v. v, UN),
= „ein kleines Aiss (Furunkel, s. Adel - Fiuger-
geschwär), das bald reift und ausgeht". — (1699)
A'r./sf'fu'-Blatter — Varicella als hellglänzende
Wasserpocke (v. M. Ii. im. i»7). — A"iJi-Blatter,
1. = Kuhpocke, s. d. (Vaccine). — 2. aber auch
= Kuhfladen (Gr. W V, 2551}; (vergl. u. Vieh-
Blatter). 1742 /. '(.■;.;• u - Blatt crlein Lungen-
bläschen (Zw. I6j. — (iöor) Maul Blatte rn ;llort.
min.) = alcole, Apbthenbläscben im Munde (siehe
Mundblattern). — Mensclien - Blattern - die
monschlichen Pocken (s. d.) im Gegensätze zu
Kuh-, Pferd- und Schafpocken. — (l.vttj Mund-
Blattern, 1. = Apbthenbläscben, Mtuoid -Vari-
cellen ;Krantw. XUII, v. M. II, 124) bei Kindern.
— 2. (all alcola maligna, 1497; Pr. II, 21) — syphi-
litische Mundgeschwüre. — .Var/tf-Blatter l 588
Nachtblauer, Gr. W. VII, 170 = ,, eiternde Blasen und
Heulen, welche sonders den Nachts einen grausamen
(brennenden] Schmerz machen" - Sachtbrand [*. d.);
1591 Kplnyclidcs.Tabernacm. 114A,-= Naehtbrand-Blatter
— -• Fcuerblatter Wlhclsucht (s. d.]: „welssblauliche
oder auch ganz schwante Blattcrlein, die besonders bei
Nacht hehr beschwerlich belsseu und meist mit einer
Entzündung verknüpft sind ; sie zeigen sich auf ver-
schiedenen Teilen de« Leibes", A. v. II I, 604; II, 395,
Gr. W. Hl, 1488] - Hitzblätterlein (Kpinyctis), die
über Nacht unterHitzou. Brennender Haut aus-
brechen .Tabernaem); vermutl. der nach früherer
Meinung vom Nachtmännchen (Schrecksele) zur
Strafen n. A. Rh. 539t veranlasste Herpes (Pustula
nocturna) (Fuchs Ii, 454), (vgl. Gatterlein, Schreck-
blatter) o. die Ecthynia-Pustel. Vergl. Komeo und
Julia I, • „Oft plagt die bose Mab mit Witschen diese,
well Ihren Odem Nascherei verdarb." — natürliche
Blattern Variola im Gegensätze zu den künst-
lich eingeimpften Schutzpocken und zu den
wilden, falschen Schafpocken (Varicellae). —
(IUI) Nessel - Blattern (H. Bock 3; blaterlin der
nwmcleti; 1590 Nesselblaltcr, Gr. W.) Nessel-Quad-
deln, Urticaria (s. Ilitzblatterchen 7 und Gribel-
sucht), wie durch die Nesseln (Urtica) erzeugt.
— Ohren - Blättchen Ohren - Trommelfell,
Membrana tympani, Meringa fmerlx — Haut, liyrtl,
K » LMJ Pest Vestilcnt- Blatter :.: llll • In
Hautausschlag, wie er auch bei der Pest als
ecehymotischu Pestflecken, Peststriemen [Pe-
techien, Stigmata] vorkommt, sondern): 1. -
die angeschwollenen (aufgeblasenen) Pestbeulen
der Kubunon • Pest, Pestdrüsen, (l&M pestllenz-
bUtCf, Bock 41; <ir. W. VII, 1572; A. v. II. I, 101). —
2. = die schwärzlichen, infectiösen Anthrax-
Beulen, Bankkorn A. v. II. 1. cod.; Zlpp. t72; Falke
II, 193; foler, l». 321 Milzbrandblalter, schwarze
Blatter. — P/Vrt/c-Blattern - Rossblatter. —
(im) /VA-m-Blatter die Pockenpustel (Va-
riola) [Welckard.noi. — Äosa-Blatter, 1. - Equina
(im Gegensätze zur Vaccina Kuhpocke), die
den Menschen auch vor den Pocken schützen
soll (?) iBehrend 42) a) eine oft mit der Maucke
(s. d.) verwechselte Ecthyma - Pustel beim
Pferde (Schutz -Räude), oder b) eine über-
tragene Menschenpocke. — 2 = die sog. Hitz-
beulon (Falke Ii. 195). — Rote Blattern, l. -
Masern = rote Kinderblattern (s. o.). — 2. =
Akne Vm rote platterlin im angestellt. Had. Jun. 387).
Bote Blättericht unter den Augen = Lupus ex-
foliativa». — ScAöl-Blätter - Schälblase 2 u. 3.
— Schaf • Blattern 1592 scharTblateni , Wirsung,
Arzneibuch) - Varicellae wegen ihrer Ähnlichkeit
mit den eigentlichen Schaf-Pocken (s. d ); (1597
= Nachtbrand. Gr. W. VIII. 1998). — Schönfxits-
Blätterchen, 1 = die das schönste Gesicht ent-
stellende, von Müttern sorgsam beobachtete
Akne junger Mädchen iFuehs II, 212). s. Venus-
Blätterchen, Venus-Blümchen. — 2. — syphi-
litische Akne, die man in Frankreich mit dem
Schönheitspflästerchen ä la mode bedeckte. —
ScÄrccA-Blatter - die nach dem Volksglauben
durch Schrecken in der Nacht(Schreckmännlein,
Schrecksele etc.) erzeugte, rasch auffahrende
Gruppe von Bläschen an der Lippe, Nachtblatter
(Herpes labialis). — Schuss-, Schoost- (Q'schoss-)
Blatter = Herpes zoster, HerpeB corneae, Con-
juetivitis phlyctaenulosa (weil wie durch einen
plötzlichen Einschuss [s. d. = Neuralgiaj verur-
sacht); sie wird „getötet" durch Blasen, Anhauchen,
weggeblasen, volkstncdizinisrh (Pauli 39; Losch 223). —
schwane Blattern, 1. - Variola haemorrhagica,
Purpura variolica, la variole noire (Brtss. 136)
blacciae; der ausgetretene BlutfarbstotTlässldie
Blattern pustel bläulicher (im Volksmundo ist
diesöfters^Bchwarz)er8cheinen; (1881 die »oh war-
zen brennenden Blattern, nock. Krtrbch. ; die bösen
schwarzen Blattern — Variola maligna, «ir. W. II, 219;
149ti „blättern die man nennet variolas, in den ist die
schworlz und zerbrochene feuchtlgkcit die man hey.ssel
melancoliam", Fuchs I. 30). — 2. - das Austrock-
nungsstadium der Variola durch die bräunlich
schwarze Borkenbildung (Fuchs II. 1124). — 3. =
die schwarze Milzbrand-Pustel, Pestkarbunkel
(s. schwarze Pocke 2) [Sobernheim 841 ; Kraus, E.
88 869; v. M. 11, 102, liufeland 134, Fries 113. 115).
— (1742, Schweiss-, (ITH) (&-Atrtrz-)Blatterlein
(Zw. ml ; a. v H. Ii. 1281) Schweissbläschcn,
Sudamina. — (14. Jahrh.) SeicA- Blatter (Voc. opt.
W. 11) - Vesica urinaria. il ..Jahrh. bereits ) Harn-
blase. — 77 erlei Blattern, in Scgcntprüehes, wie
auch 77 Krankheiten, Kleber, Riten (s. d ) auftretend ;
dl«- Zahlen 7 und 77 [s. d.) sind Galgenzahlen und
heilige Zahlen, «leren Bedeutung einen heidnischen
l'rsprung hat und hyperbolisch Ist (vgl. Gr. \V. IV. L
116». 1179; Oartenlaube, Kleinpaul, 1892. S. Ml; 1-a.m-
mert, Volks .Med. 182; des Verf. Baum u. Waldkult.
89 u. a. a. o.). — spanische Blatter - spanische
Pocken (Syphilis) (Pr. II, 151). — (1784) spitzige
Blätterlein auf der Haut (A. v II. I. 219), 1.=
Hitzblätterlein (a. d.) und 2. = böse Blattern
(8. d.). — üble Blattern lahd. ubllblatera- carbun-
culus, I). 100; II. Jahrh. uhelblattera carbunculus
maiannu« schwär, D.344) ea Milsbrand- Karbunkel,
i>..„<.. l ,.,„ii,..,„ venerische I Blatter
1 utuula maligna. — t, „,.... .
b Venus- j Blatterchen
(Spitzpocken), l. = Akne faciei, „weil sie meist
junge Leatoll, dem Venusdienste holde Personen
befällt" mehrend .9; (Corona Veneris, Schön-
heitsblätterchcn). — 2. Schanker Pr II, 816). —
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Blatsohe— blau.
Blauftt— Ületschen. 53
'itaoi vergiftete (giftige) Blattern ansteckende
Blattern, 1= Variola (D. Minderer). — 2. ^-Pest-
beulen. — 3. — Milzbrand-Pusteln. — Verstnn-
dene Blatter Dysuria, Anuria, wenn der Urin
verstanden ist, nicht mehrana der Blase (Blatter)
seht, lauft. - F«>A-Blattern, 1. - Milzbrand-
Pusteln (?) oder 2. =» Kuh- u. Ross- Pocken, sie
werden In Argnuer Segensprüchen In Kuhfladen ( Kuh-
blattcr) binelnbeschworen (Ztschr. f. d. Mytbol IV, 115).
— Wassw-Blatter (ahd. wazarplatra, Graff I, 1128.
1129; 1590 wasserblater = vesica, P. 61'»}, 1. Harn-
blase (Ruck 17). — 2. - Blasenwurm (s. d.) —
8. = (1515 waaserplatcrn am übe usswendig — pustula
[bullosa], D. -174) ■ seröse Wasserpocke. — 4. =
IV Jahrh.) wasserblattcrn — hacmorrholdes (D. 301) =
wässerige Feuchtigkeit secernierende After-
warzen. — Wein- Blatter (-Blätter) = Gutta
rosacea = Roseolae saltantes (A. v. n. 11, 724;
I. 731), die oft durch starkes Weintrinken ent-
stehenden Knötchen und Hauterhebungen auf
der Nase (s. Kupfer). — weisse Blattern (U. Jahrb.
wayMblatcr — custus, Kalt, D. 16 ."• 1. — im Gegen-
satze zu den schwarzen Blattern — ,, Morbus popu-
lorum albaruin" (Galssacber Sterbebuch), der mit
Fieberfrost (Kalte) einhergebende Fuerperal-
Friesel. — 2 = die mehlweissen Aphthenbläs-
chen im Munde, (1507 Hort, tan.) = alcole der
Arabisten = Schole(s. d.). — (i690j wilde Blattern
■ unvollkommene, unechte, falsche Blattern
(Varicellae; Wasserblattern) (Kopp in, 117; v. m.
II, IM). — (l.i88) Zinn-Blatter i.Tabcruaeuiont.) -
(die mit Zinnprlastern behandelte?) „Wund-
sucht" ( - Pseudoerysipelas, Dermatitis bullosa)
bei SchmeUer II, 1132 ist Zinna - arges, böses Gesicht,
das zäunt, zennt, klafft durch Spalten, Einrisse)
(s. Bleiblatter). — Zu ngen Blatter 1474 blättern
off der czougcn = Cancer, Krlegk. I. 29), 1.= Zungen-
krebs in Knötchenform. — 2. - syphylitische
Zungengeschwüre (placques, guma exuieerans).
— 3. = Rankkorn, Milzbrand. — Blätter-,
Blatter- Angesicht, -Art, -beizen, -bletzig, -Dohne,
-Drüse, -Fieber, -Oift, -Grube, -Kind, -Krank-
heit, -Magen, -Männlein (-Mannl), -Mase, masig,
-Narbe, -Pest, -Rose, -siech, -Stein. -Steppen,
steppig, -stUpfUcht, - Wehtag, -Zeichen. — Blat-
tern- Kraut - Felgwarzen- Kraut , Fioaria ranuncul.
(Hol. 65).
Blatsche, f. (Schwaben i - eine Fliessblatter,
zusammengeflossene Blattern o. das sich aus-
breitende Geschwür, das durch die Konfluenz
sich ergibt = ptlätsche , breite, flache Blatter
(C v. 9cbni 71 ; Schmeller I, 452).
blau (blow). Entsprechend der Ansicht von L.
Geiger, dass die Farbenanschauung des Blauen sich
stufenweise aus der des „Dunklen" entwickelte, ist
blau Im Voiksmunde oft auch die Bezeichnung lur
schwarz, uud schwarz wieder für tiefbraun, schwarz-
bläulich, blaugraulleh, namentlich bei Körperfarben
(s. Farbe) und StreichmaBen LGr. \v. n, 87), daher
Schlag-Beulen als ArofocAblau bezeichnet werden
(ss kölnischblau, Elsass, Schweiz: lc bleu; engl, blow
= Schlag, Lehfcldt 145; (ir. W. V, 1622; Rrlss. 284;
V 565, vou dem kölnischen Zeuge mit blauen Streifen
genommen). — knüst-, ,1600; knutsch-, knutsch-,
knii blau = blau gequetscht, liyidus, blaustrie-
mig (knQsten, s. d.) (<;r. \v. v, ivis. 1529; V. 1447;
D. SM). — (1749) verblauen = durch Frostkälte blau
werden, Ztsthr. f. d. Phllol. XXVI, 253. Die deutsche
Sprache IM die einzige, welche lür alle physiologischen
Prinzipal färben ein exaktes, ungemischtes, einsilbiges
Wort hat Blau gehört zur Wurzel bla (dazu blond)
leuchten, glänzen Kluge*, 441; Heyne I, 446 halt
,, dunkel" für die eigentliche Bedeutung. — blau
(e, er, es) -Auge, -Blatter, -Blindheit, -Blut,
-Flecken,- Frais, -geschwollen, -Husten, -Kopf,
-Krankheit, -Mal, -Nagel, -Nase, -Ringe, -Rose,
■Schienbein, -Schlag, -Schüsse, -Staar, -Striemen,
•Sucht, - Wurm.
Blaust, n. blaustem Blast (s. d), Blähung,
Geschwulst, Gedunsenheit (Schw. 71). — blau-
stem Krauken) = blastern, ein verstärktes Wort
aus blasen b starkes Atemholen , schnauben,
schnaufen (Gr. W. V, 499 aub3, Sehmeiler I, 332).
Bleck, m. (Blecker, Bleckete), Bleckling, m.
(goth. blakjan — brennen, leuchten, s Blick u. bleich;
zu ahd. bleccheu - blitzen, glänzen, Kluge*, 44; uhd.
blecken — sichtbar werden). — (1592) Blecklein
(bleckliu; 1603 bleckling ineubus, 1>. 293) = Alp
(s. d.) oder Nachtmännlein, das sich bei der
Nacht als schlecht aussehender Krankheits-
dämon erblicken läsat Kluge*, 10). — Der Blecker
— Zunge, die hervorblickt beim Grinsen und
dem Gesichtsausdruck ein unschönes Ansehen
gibt (Kohler, V. Gl 292, Schmeller I. 323'. — Der
Bleckete iTiroli = Podex (Hintuer7. I7.i, der beim
Abziehen der Hose vorblickt (s. auch Plecken).
— Bleck- Arsch, -Bein, -Zahn.
Blei, n. — Blei-Äaffcr, -Darmgegicht, -Kolik,
■Lahmung.
bleiben, in KindsnOten bleiben — bei der Ge-
burt sterben (Gr. w. v, 7«o — bleibende Haupt-
pein.
bleich, Bleiche, f. ivorgerm. bhlig - heller Glanz
[Blick]; altnord. bleikr = blass; angls. blectha = rltiligo
[Lepra alba], D. 623; ahd. bleib; «uhd. bleich - bleich,
Kluge*. 45) hell, hellgelb, weiss, blass. — [IM»)
Antlitzes-Bleiche - die bleiche, weisslichgelbe
Gesichtsfarbe (Coler, A. 339). — käs- bleich =
weisB wie Milchkäse (bei Ohnmächten z. B). —
krank- bleich krankhaft blass. — leichen-
bleich - blass wie eine Leiche (blcumourant,
s. d .). — fo/en-bleich [mhd. töt-blelch, Lex« 269)
^ leichenblass. — Bleich(es) Blut, -farbig,
■Leute, -mäulich, -Sucht.
Blendling, m. (vorgerm. bhlandh ; altgerm. blandan
— mischen; ahd. blantan; mhd. blanden — mischen,
Kluge *. 45) b Mischling, ein Produkt von zweierlei
Rassen, deren Abkunft sich an dem Blendling
äusserlich bemerkbar macht [Gnttthnlsaa 101. 132).
blenden s. blind.
Biese, Blesse, f. s. blass.
BleSSUr, f. ein durch die Franzown kriege über-
noinmenes Wort für Verwundung; (franz. la blessure;
dies jedoch selbst aus germ. plez offene Wunde)
(s. Bletz 2).
Bletschen, f. (Tirol« - Zunge, namentlich eine
breite, grosse (Hlntner 6. 15) ; sie blösst, entblösst
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54 ßletz-blind.
sich leicht beim Öffnen den Mundes (verg).
biet«, bletzen).
Bletz, m (Platz, Pietz, Bloetzjenl, Plötzen)
(Bhd. 10. Jahrh. pleizzon inflrmati a plagis extincti
corporis, Hatlemer, Benkm. III, Vj5; plez, plezzn =-
scedia, Arsehrote, geiles Laster, Keiles Fleisch, D. 619
= Condyloma, Intertrigo, (iraff III, 3<">3, nihd. plez,
plecz, pietzer oinasum, I). 395; 1475plctten - abdomen.
D. 2, plecze = inneula menda, I>. 3.V»; l'<07 pietzer =
der Setilappen, Omentum, Hyrtl. K. W. 69 200; l vil
pietzer — Klecken ,.von (Jrint und Ceschwiir entstanden
allenthalben am Leib", Hock 1. Itl2, Gr. W II, \W;
1«. Jahrh plecz feminal, «ir. W. VII, l'j3.1, 161S pletz
auf dem lumpt kranke Hautdecken , aren Ccl*i,
schmeller I, IM), 1. = leichte Hautwunde, die die
Unterhaut entblösst, fratte Stelle bei Wulf
(Intertrigo) od. Feigwarzen (Condyloma) (Bayern,
(Schwaben). — 2. = ein Stück Haut an einer
solchen entblössten Wunde (Gr. W. II, 109; lam-
beau de eulr = blcssure, Briss. 279). — 3. = der
Schorf, der darauf sich gebildet hat. — 4. =
Feminal = Blosse (Gr. W. II, HO). — 5. = Fleck,
der herabhängt, Lappen (Kluge4, 225). — 6. =
Nettlappen, Omentum.
bletzechtigt (bletzig), eine Wunde, durch
den Abriss eines Hautfetzenstuckes entstanden
■ pannosuB (Gr. w. n, no. — abgerifter Bletz
(1541 — Intertrigo, B. 305) = <lurch Abreibung fralt
gewordene Hautsteüe. — blatt> c-bletzig = pa-
pulis notatus (Gr. w. n, 77t. blatterBtüppig.
bleumourant, bltimeranth (iß'>2 bi..merant;
1670 plumerant; au» dem Französischen, eigentlich:
blau sterbend) = ein mattes Leichenblau, das Ohn-
mächtige zeigen, denen es „grün und blau vor
den Augen" wird fschw. 422;; nach Wimmann 7n
eine kaufmännische Bezeichnung (wie Kollnblau. ». d),
die im 30 jährigen Kriege nach Deutschland gekommen
ist (Kluge*, 461. Nach Andresens Volksetymologie ist
es aus dem Fluche bleu mourant! entstanden, wobei
man Bleu mit bleu umging; conf. venire bleu1 statt
venire de Bleu t
Blick, in. vorgerm. bhleg fAs-fui, flagroi ; ahd. blic;
mhd. blick = heller Strahl im Auge i Kluge*, 45). —
Anblick (anplicke, Schmeller I, 324) - Gesicht,
VultUB. — (1619) bo»er Blick, bei Luther (Galater-
Brief, ilterer, kürzerer Commcutur; eine bei vielen
Völkern angenommene Krankbeits- Ursache =
böses Neid-, oder übles Auge (s. d.) = malocebio,
gettatura (s. entsehen, verluegen); nach dem
Volksglauben auch die Ursache der Verneid-
oder Vermeintkinder, Wechsolbälge fs. d.), ja
Belbst der Pest u. SyphiÜB (Paracelsus, it. II. 152;
Wuttkc 147, v M II, 67). — CAo/era Blick - Facies
cholerica s. Hippokratis (b. Anihtz) bei der
Cholera (Knut E., 22«!, — Judi »i-Bhck = der den
Juden (s. d.) zugeschriebene, behexende, ver-
zaubernde böse Blick (s. d.) (Wuttke 141). —
(1515] rof-blickig = sanguineus, blutfärbig, rot,
gesund erscheinend, guter Complexion (D. 511).
— Blick-XrscA.
blind (blenden, Blendung), blenden (ahd,
plenten; mhd. Wenden) = die Augen blenden, blind
machen f,,eln st. Zeitivort Hindun - blind sein hat
nie existiert", Kluge*. 45; Gr. W. II, 104;. — Die
blind.
Blendung = Iris (chorioidea) (Gr. w. n, 107
(s. nachlölg.). — -du^en-BleBdung - Iris, „weil
sie im Auge die Stelle des in allen dioptriBuhen
Instrumenten zur Abhaltung der Kandstrahlen
angebrachten Diaphrags vertritt" i.Ilynl, Anat. 350)
— wblenten = erblinden (Schmeller I, 32$). —
blind ohne Sehkraft. — (i42o; Blindheit (D. 109)
Caecitas, der Zustand des BlindBeins („innerhalb
der indogermanischen Sprachen seheint es kein allen
gemeinsames Wort für bllud gegeben zu haben",
Kluge \ 15; ,,da Übereinstimmung höchstens zwischen
2 oder 3 Sprachen besteht", Kluge, loc. eod. ; so
scheinen einige Stamme solche Gebrechen früher al*
die ihnen ursprachlich verwandten Nachbarvolker
erkannt bezw. bezeichnet zu haben. Bie Gothen hatten
haihs = einäugig, zu lat. caccus, Kluge). Das Blenden
(blind machen) war in jenen Zeiten noch eine
allen offenbare Folge einer That des Feindes
(Waffen, Daumendruck) oder eines feindlichen
Dämons (8. Alp XI) (vergl. Slmrock. H. B. M.*, 436);
manchmal ist Mino! = einäugig (Schmeller I, 328),
vergl. auch Blinddarm Erklärung bei H. v. Gersd.j
(sub. Darm). — /»'in -Blindheit, s. farbenblind.
— erblinden = caecari. — .Erblindung -Obcae-
catio. — /arfcen-blind = jener krankhafte (seit
1777 bekannte) Zustand (angeboren, ererbt
oder erworben; Daltonismus (Parorasis Galeni)
(Kraus E 743), in welchem nicht alle optischen
Farben vom Auge empfunden werden, sondern
gewisse Farben, z. B rot, blau, ausfallen u. ver-
wechselt werden (s. darüber Schmitt, Jahrbücher 191.
Band, 9. 73). — Ha ,uck< n -Blindheit - eine Blind-
heit bei Pferden, vermeintlich infolgedes Hauck,
Hauch (s. d ) i Falke I, 376;. — Arfl-blind fahd. hel-
bllnd, Golth 411; Kochh. l, 72), völlig, ganz und gar
blind, todesblind (conf. hellichte Nacht — völlig-
dunkle Nacht, Schmeller 1, 1082,i. — 11795) monatlich-,
monrfblind (bei Pferden)^ je nach dem Wandel
des Mondes blind sein, periodische Mondblind-
heit, mondäugig (s. d ), Ophthalmia equi perio-
dica. le lunatisme, la luna, the moonblindness,
Wechselauge (s. d.), eine periodisch wieder-
kehrende, %. T. durch Distomum ophtbalmobium
s. oculi bum. ;p. willach) verursachte Augenent-
ziindung und Schwachsichtigkeit (Abiig. 90 ; Braun.
tier. l'ara«., S. 146). — .1/ /blind-N'f .'if — (l-r*R)
Ä'oc/lNblind ~ die des Nachts nicht sehen (Tabcrnacm.)
= Nachtuebel (s. d.), 1. — „eine besonders durch
Einwirkung sehr grellen Sonnenlichtes ent-
standene Abnahme des Sehvermögens bei ge-
ringer Beleuchtung dos Gesichtsfeldes, das wie
durch einen Nebel verhüllt erscheint" (Gr. W.
VII, 170) (s. Iluhnerulinz). — 2. = Nyctalopia
Hippokratis. llemeralopia, Amblyopia(s. Nacht-
schaden), eine Schwächung des Sehvermögens,
die sich äussert durch besseres Sehen im Halb-
dunkel als an der Tageshelle oder durch voll-
ständige Blindheit im Halbdunkel (Fuchs, Hippo-
krates I, 521), eine Krankheit, die zu Zeiten von
Epidemien oder Hungersnöten bei schlecht genährten
Völkerschaften in schlecht ventilierten Wohnräumen
des Mittelalters vielleicht hütifiger gegeben war —
rr(?fM-blind - völlig kurzsichtig [ia ragen, her-
vorragend) - erzblind (Andreren 272; Schwelt). —
rot-blind s. farbenblind. — sr/mn-blind -jener
Zustand, in welchem sich durch die von den
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blinken— Bloh.
Block— Bloeut.
56
Schneeflachen reflektierten grellen Sonnenlicht-
Strahlen bei grosser Lufttrockenheit ein heftiger
Lidkrarnpf mit Verengerung der Pupille vorfin-
det (Arch. f. Ophtbalmolog. XXV, 3, 3. 173). — Schön-
Blindheit - der schwarze Staar beim Pferde,
wobei der meist erweiterte Augenstern schön
hell und klar ist und doch das Tier stockhlind
ist (s. Außenzauber) (Herbst 15; Kalke II, SN). —
Schrift- Blindheit = das Unvermögen Schrift-
lichen zu lesen, Verlust des Verständnisses
für letztere. — staar- (sfom-)blind (ahd. «tnrn-
bttnter, Grafl III, 2ör.) = albis oculls, eigentlich einer,
<Ier einen weissen Augenstern [pupillae lapideael hat
und dadurch nicht sehen kaun ; albloculus [ = aveugle],
H. Z. XV, 369; Graft VI, 701, Cas». Gloss . Diel 120
ftlaucom iu -f'/.aö; s Eule ; mhd. starbllnt. I.cxer245;
1476 »tarrplint - epipbora, üppa in oculo quando pellis
»ubducitur, D. 204 ; 14S2 starnplindbeit - aurtsia, Zenlng.
Vor. ee. 6-aorlsla, D. 39: 15 Jahrh. storbllnt ■ caecus.
D. 109 ; früher «alt dies als solcher Zustand , in dem
der Augenstern («tarn) durch einen aus dem Hirn in
den Suarraum [s. d.', hernbgekommenen, zu einem Häut-
chen (rerinnenden Tropfen verschlossen wurde, Beyn76;
Haas 106, Hyrtl. K W. 93, s. Staar; also eigentlich
stemblind («. Ilrech-Auge); Kluge ',359 erklärt es als
Starrend blind (ahd. stareu, s. Staar); nach Wustmann
453 ist staarblind ein Volkssuperlativ geworden
und bedeutet oft völlig blind. — (1602) sfor/rblind
ist. Benno- u Iuchenhofer Mir.-B. ; Falke II, 3«) -
blind wie im GefangniBBtock (stockfinster). —
ri790] Ta^-Blindheit- die auch am Tage vorhan-
dene Blindheit oder das beim Tageslicht gestörte
Sehvermögen ,'bei Albinos %. B.) im Gegensatze
zur Sachtblindheit (s. d.) iRlehter III, 522; Falko
Ii, 335) — verblenden, ^erblinden (1260 virbiindct
- orbatu». vorblint, D. 399) ganz und par gehlendet,
des Augenlichtes ganz beraubt und erblindet
gejn. _ Verblendung fehlerhafte Blendung,
Augen-, Sinnestäuschung. — Blind(r) -Darm,
-geborener, -geschlagen, -goldene Ader, -Hämor-
rhoiden, -Hessen, -Sehleich.
blinken =-«u Blick bringen, erscheinen laRscn, das
Umklappen der Wiirfrtlnder der Stutenscham,
wobei die Scheidenschleimhaut hervorblickt
(Falke I, 128).
Minzen, (blinzeln [blindseln]) = blindezen
oder blinkezen (0r. W. II, 128; R. haut 7«), die
Augenlider öfters zuschlagen und so die Augen
öftere blind machen (blindezen) oder mit den
Augen wiederholt blicken (blickezen), sie öffnen
und schliessen, Spasmus nictitans (Augen-
zwinkern) (Srhw. 74 ; F.khhorst II, 3741 — Blinzer, m.
(13. Jahrh. plyncer - nyctalraus, L). 379! - einer, der
ein Nachtauge hat (s. d ) und oft zwinkert,
blinzelt. — (1660 Hühner -Bhliz (Gr. w. IV, 2. 1878)
= wie die Hühner blinzen, „eine Blodigkeit der
Augen, da man nichts mehr Bieht, wann die
Sonne untergegangen" (Nachtblindheit 2 8. d.),
sodass man, wie die Hühner bei Nacht wohl
blinzeln, aber doch nichts sehen kanu, nacht-
blind ist. — Blintz-.-iiw. -Haut.
bliBS:i611 Miss. Nebenform %u blas», s.d. Kluge 5, 44).
Blitz, ro. Blitz-Katarrh, -Fieber, -Schlag.
Blob-, Bloh-Husten (blau-Husten), s. Husten.
Block-, Block- Husten.
Blöde, f. (blöde, Blödigkeit) (vorgerm. bUUutM,
be-lauths l'/.öü) - l.ise] Heyne I, 456 = entkräftet, kraft-
los, schwach [bloss, cntblossi)] ; goth. blauthua =
schwach , kraftlos ; ahd. blödi , plödi ; mhd. blöde —
gebrechlich, schwach, Kluge*, 46, lnflrmus, invalidus,
lebcnsschwach, Graft* III, 251; Gr. W. Q, 138; ploder
scadocas, hinfällig, krank, I). 87; 1482 ploder, pleder
- blöde, krank, depos. Imbeclllu», Zening. Voc. r, 2;
D. 175; Gr. W. V, 2023; 15. Jahrh. Müdigkeit = defectus.
I>. 169; 1C07 Blodigkeit, 0. v. Schin. 77; in Schwaben
noch volksüblich in dieser auf das körperliche Befinden
bezüglichen Bedeutung: „blöd von körperlichen Kräf-
ten" = schwach, gebrechlich, kränklich, „eine blöde
Penon seines Leibes" C. v. Schm. 77), demnach : blöd,
1. = kraftlos, schwach, geistig und körperlich
gehrechlich, öde im Magen. — 2.- menstruierend
(Himer Apotheker-Ordnung b. Ch. v. Schm 77 u. Gr. W. II,
139), weil zu dieser Zeit sch wach u . gebrechlich. —
Blöde, f. ^das Blöde sein (1). — Blödigkeit, 1. =
die Blöde. — 2=Blütigkeit (b. d.). — [IMS) ader-
blöd (H. v. (iersd. 19) -krank vor dem gewohnten
Aderlässe; cui pulsus arteriarum languet(Gr.w. I,
17»). — (1742) A ugi n -Blodigkeit = Caligo, Schwin-
del vor den schwachsichtigen Augen izw. 196)
- Blödauge (s. d ); blöde Augen = Hebetudo
Visus (Gr W. I, 804; Buck 13) auch -■ lippUB. —
Frauen -Blödigkeit Menstruatio, Endome-
tritis cat., WeissfluBB (I.onleerns. Thesanr. San. Br.
499). — GeAörs-BlÖdigkeit (IM blodigkelt der ge-
hört, Fries 88. 89; 1725 Thcs. san. Br 627; 1742, Zw. 672)
- Laesio auditus, Surditaa, gehörsschwach. —
Gesichts- Blodigkeit (K>32 blodigkelt des gesicht,
Fries 88. 89, 1611 St. B. Mir ; Lonleeru») - blöder
Zustand durch rinnende, kurz- oder schwach-
sichtige Augen; als „bleuase" vue ins Fmnzos. über-
nommen (Briss, ;«<7). — (1742) ZtrTZ-blÖde (Iw. 626)
- herzschwach. — (I532j Hirn -Blödigkeit (Fries
79. 80) — Nasen - Katarrh und Schwindel, ein-
genommener Kopf. — (1609) Kopf- Blödigkeit
(Guar. 890) = eingenommener Kopf, matt im Kopf,
vergesslich, aber auch einfältig, Ängstlich,
furchtsam (<:. v. Schm. 77). — (1532) iröer-Blödig-
keit (Fries 110) ungenügende Blutsrhopfnng aus den
mesamlscheu Gefäasen (Blutbereitung), wo Bonst das
Blut frischfarbig wird (1532, I. c), also — missfarbige
Menses; (icis) blöde Leber, s. d. — (1608) Leibes-
Blödigkeit - im Gegensatze zur Geistesblödig-
keit, Debilitas, Kränklichkeit (Gr. W. VI. M6;
Schmeller I, 325, Haltaus 17:1). — (1861) Afaflfn-Blö-
digkeit ~ Kesolutio stomachi, leerer, öder
Magen (Gr. W. VI, 1436, C. v Schm 77). — (1609)
monatliche Blödigkeit (Guar.) ~ Mensee. — (1750)
Vcrstand«-BlÖdigkeit = Dementia, Verstandes-
Bohwilche i.V. v. n. II. 68). — (1616) weibliche (weib-
ische) Blödigkeit iTheophrastus Parocelsus) - Men-
ses ischni. I, :'.25) (s. blöde 2). — ;iccw) weisse Blö-
digkeit (<iuar. 8*5) = Fluor albus, der als Stell-
vertreter des Monatsflusses der Trauen ange-
nommene weisse FIups. — Blöd <e, er, es) Augen,
-Frauen, -Gehirn, -Geister, -Gesicht, -Glieder,
-Haupt, -Kopf, -Leber. -Leib, -Magen, -Natur,
-Sinn, - Verstand, - Weiber. (Vergl. Gr. W. II, 138 ff. ;
auch Kluge 35 unter bloss.)
Bloest (Bioesse) s. Bläst u. bloss.
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Blötzen-Blüte.
Blume.
Blotzen, f (Bietzen, Pletzen), 1 = eine haut-
lose, hautentblösste, nackte Stelle des Körpers;
(161H pletz nuffm Haupt, Schweiler [, 46t) c ob. Bletz
U. Blätzen (bei Schmeller I. XU placzen, wo ..blalzeu",
,, blitzen" — „sieh ausbreiten", was aber nicht zutrifft,
»ou.lern) - blossen, offen sein. — 2 ^ der darauf
sich bildende .Schorf. — (i«99) /W<-n-Blötze
(plaetz) = offene, geschwürige Drüsenstelle (v. M.
II, 104).
blond, Blondine, f [1200 Munt, entlehnt ans franz
blond; mudl. blont au* vulgurlat blundus und dies aus
altgcrm blunda; vorgenn. blndho — rötlich, falb; 1676
blond) gelb von Haaren. — (1727) Blondine ■
(17WJ ein bleicbsQchtiges, weissgelb aussehendes
Mädchen (Masehenb 66; Kluge &, 46).
blOBS, Blosse, f. (germ. blauto — Mob», jung, wehr-
los, besitzlos, Ileyne I, 467; Kluge*, 46; ahd. Möz;
1260 bloezc = calvltlum ; mhd. Moz ; Kluge 1. c. ; Pfeiffer
59) = entblösst, nackt. — (1616) Aancf-blosZ (Para-
celnu; Gr. w. IV. 2. 365) - von der Hand entblösst
(einhändig?). — (1528) Haar- Blosse (blosse der bor,
H v. Gersd. BS) = Alopecia, Calvitium, nackt an
der Stelle, wo sonst Haare eich befinden, Glatze.
blühen s. mute.
Blümchen h. Blume.
blümerant s. bleumourant.
Blüst, n. (IMS) ifrrz-Blüst (Heyn, im) b Herz-
pülst, Herzpule, Herzklopfen.
Bluet, n. s. Blut.
Blüte, f (blühen) mhd. bluot. blüete; ahd.
bluot, bluotl; germ blö; indog. bhlos, Kluge*, I«. 47)
■ durch hellere Farben von der übrigen Um-
gebung sich abhebende Körperstellen werden
als Blumen (s. u.) oder Blüten bezeichnet, daher
BlUtchen 1. - Papulae [Behrend U) - Gesichts-
blüten, farbiger Hautausschlag im Gesicht,
Finnen (engl, blotch, C. v. Benin. MS). — 2. = Blut-
flecken, Blut (s. d.) (C, v. Behia 7»). — 3. = Blüh
die weissen Flecken an den Finger-Nägeln
(Schmeller I, 321) ; {niemals - kleines (ieschwur) —
Die ilK«<a»-Bluten (Gr, w. D, IM) sind, wie die
farbigen BiUten, die sich andersfarbig abheben-
den weisseren Stellen beim Aussatze (Lepra),
s. Aussatz-Blumen. — Kauf- Blüten „Efflores-
cenzen der Haut, Exantheme" Ziemsscn, Hdb.
d. sp. Path. u. Ther. XIV, 1. 224;. — Wir deutsche
Ärzte könnten mit Fug und Hecht bei „Haut-
blüten" bleiben, anstatt Exanthem zu gebrau-
chen. — -Efiri-Blütchen, 1. = ein frieselartiger
Ausschlag bei Kindern ohne besondere Hitze (!),
aber mit lebhafter Röte hervorragend, und Bich
rasch abschuppend. — 2 — Hitzblätterchen
(s. d.) (Ackeriu. 505, Behrend 51). — (MW) monatliche
Blühe Menstruatio = Blume (s. d). (Pollenu).
— Nagel- Blüten = Nagelblumen (s. d.), die
weissen, durch Epitheltrübungen verursachten
Flecken auf den Fingernägeln (Gr. W. II, 15«. 160;
VII. 25»j; sie galten seit alten Zeiten, wenn sie
linksseitig (auch reebtsseitig) waren, als gün-
stiges Lebensprognostikon (I.lehrecht, z. V. K 329;
Ulrllnger. Volkst. I, 4M; Zingerle 13; fruuell III, 41;
Wuttke 309). Aul den Far.nrn b. itssen sie norna-spor
;». Nornenspuren und auch Mcrge) , Behrend (65) und
Krau* (B- 60»'^ bezeichnen sie als Mendncla, Lügner-
Zeichen (Wuttke 206). — ToU nbau m- Bluten -= die
weissen Nagelblüten (s. d.), Kummermasen, lieh-
flecken, Nornenspuren, Leidspriessen. „Wenn
die Uehflecken (s.d.) auf unseren Nägeln blühen,
dann blüht auch schon der Baum, aus dessen
Holz dereinst unser Sarg (= Totenbaum) ge-
macht wird" i Kochbolz I, IM). — (1*. Jahrh ) Venus-
Blüten = Venusblatter, Venusblümchen, Co-
rona Veneris (Pr. II, 659), Vögerl. — (16. Jahrh ) der
Hn'orr-Blühen - monatl. Blühe, Kose (Arzbch).
— Blüten- Ausschlag.
Blume, f (Blümchen) (zu germ. blö blühen ;
eigentlich Blume die Blühende, Kluge *, 46, bildlich ge-
nommen für tnnd. blomeu ; mhd. bluome . 1394 eyn Mo-
men. eyn blume — menstmum, 1). 356; 15. Jahrh. blumen
~ vlrglnlta», D. 170), 1. = Jungfrauschaft, Virgi-
nitas (Glossar. SchorzU I, 169; Schmeller I, 327; Lexer
»-.; C. v. schm. 369); so lange die weibl. Blume (2)
(- MenseB) bemerkbar ist, ist das Mädchen
nicht schwanger, daher Jungfrau (Gr. w. n. IM).
— 2. Blume — Übersetzung d (ranz, fleurs ( — Blumen!
(s. II.); (mnd. blomen; mhd. bluome) = Menses =
weibliche Kose, weibliche Blume (s. d ), Men-
Struum (Lexer 26; Magist Barth. 90b; 1609 „weil die
Ankunft solchen Flusses eine Bedeutung der Zeitignng
weiblichen Leibes ist, dass nie zur Frucht nunmehr
tauglich sind und gleichwie an den Gewachsen vor
der Frucht die Blumen hergehen, also vor der Zeltig-
ung der Weibsbilder dieser Flusa [(iuar. 893]; - flueur
«ums nuss] . aus dem Irauz fleurs [für fluetim]
BrKs70] Blumen, Blüten übernommen, auch A Pure
hat eiuu ähnliche phantastische Erklärung wie üuari-
noni, Fries und Wirsung; Hyrtl, K. W. 22. 62, SchmeUer
1, 327; Gr \v. Ii, 160, VI 24%) - Fluores (äueurs),
Monatafluss — 3 = die kurze Schwanzspitze
der Füchse, Hasen und Hirsche (Jägersprache;
Gr. w. U, 654; Brehm i. M7; D, 163) (in der Farbe
abstechend wie die blühende Blume) — 4. -
der weissgezeichnete Fleck auf der Stirne des
Kindes oder Pferdes Schweiz; Gr. w. II, 160;
Mayer 461, „Blumi" ( - Blässe, Stern), in der Farbe
von der Umgebung abstechend. — 5. — Eiter-
bläschen auf der Haut, Ausschlag, Krätze
(Schmeller I, 327), die flieh von der übrigen Haut-
farbe abheben. — 0. = farbiger Augenfleck (ndl.
bioem, De Cock 133). — . 1 ugt n - Blume - farbiger
(grau weiss et Augenfleck (ndl. btoem op de ogeu
(De tock li). — Aussatz -'Blume = das gelblioh
abstechende Eiteräuglein , Geschwürsblume,
Eiterkopf, wo das Geschwär zum Aufbruch
kommt (Gr. w Ii, 160). — cniblumen deflorare
schmeller i, 327 . Blume 1 (s. blühen). — Frautn-
Blume 1>32 Irölicher blumen, Fries 95; 1654 der
Muom der frouwen) inunatl. Keiniirung (Blume 2)
(Gr. w. viii, is5s — FrtUhof- Blümerle, 1. =
farbig abstechende, hektische Wangenröte. —
2. = die von den übrigen Haaren sich unter-
scheidenden ersten grauen Haare (Schmeller I,
827). — (1676) GeG/tifs-Blumen (Thcophr Paracels.)
= der rote, entzündete, von der übrigen Haut
farbig abstechende, aus dem pestvergifteten
BlutestammendePest-Karbunkel. — Getchcüra-
Blume der Eiterkopf, das Eiteräuglein des
Cieschwärs, s. Aussatz-Blume (Gr. w. n. 160). —
1573) gncohnlitl* Blume = die gewöhnlichen
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Schema
für den Blutkreislauf seit Harvey für den Rlutlauf nach lialena* bis auf Harvey
Lu /(etitrtil (hymt fitrtlas
Pnruma I
I Tenaartertasa I, min
I lu/la ftr u/r lliu tatirr mit ftitu mal
Item mit laren untrrXctladrmiaif
( pm/ir.Ucr./frrTtiiirr,muittrm
linken Ikmen kirnend wo das
Iheumn brjr*ryf mtrri m drvn
nirrnehijmj
(iriMaarr mit r>uum*J
J /tiruUxtiernitfneii mm
1 'Cmstmierriiit Pneumat
jGet-ttndrr- mit Iheu ma,
fln/an dsrK,<r*mnp
I.K ■ link e Kammer ; IV llnAr lortammer
r K. ■ rrcMtr Kammer, r /"• rtthte I arkammer
Gr h '/, ifrnfser Kreislauf"
Le Kl. -lieber Kreist nut' I l.rbernder ')
£1 K L . Mlei ner Krei »I auf
A '•slrterien.
Ff. .1 /fortader f f-ftut partarum I
Ao- Aorta
I A l.ungenurterie tArtena /»tlmenaJis/
Ml A ■ .VfifAtider/ Irmir Inrtms (fuar suaunt a stonuicko)
6m J Mdadtr
II. rrchU Korftrrseite ILthenulerj
Ii ItnJn timrperseite I Milsader'j
II. • flrrs Ka ■ Kttnillnrrn
Le • Lebtr Ib ■ Arrenrni/m, ivo dir Arterien mit
tili • Limye den l'tncn-in Anastomose Irrte* leUdtrr
Ma Maqen IlllutadeenJ bringen dos £u ff r4r &te,uöf
Marmel, eestere dasPneuma
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L 1' • l.linqetl- fear fffna nulmonalisl.rwelrhe das mit Pneufna
wraeAnu LungenMut mm. Unken
Verhofe bringt
•* Xaehtrag a . Hrgan i unuen am Schhisse des Merkes.
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Blum.
Blut.
57
Menses (I-onicerus). — graut Blume erau-
farbigos Augenfell (DeCock i — Kupf< r-Blume
= rot geschminkte Wange (t;r. W. V. 2761). —
lüöo-Blümchen = Akne faciei, weil sie meist
in der Pubertätszeit auftritt (Kehrend M), Venus-
Blamcben (s. u.), Venus-Bläschen, Corona Ve-
neria — Maien - Blümlein ■ kleine, mit der
wärmeren Jahreszeit Bich einstellende Sommer-
sprossen (Maieren) ; die grösseren heissen : Koss-
mucken (Blrlinger, Sitten II, 94). — [1715) Monat-
Blume der Weiber = Menses (<;r. w. vi. 2458). —
Sagei -Blume = Nagelblüh (s. d), der weisse
Fleck auf dem Nagel (Or. W, D, i6u). — fi«. Jahrb.)
Rosen -Blumen der Weiber = Rose, Weiber-
blumen (s. d.) (Arzbch .). — (i>60) Spital Blumen
;u. Sach*) b die Blumen des Aussatzes und des
Geschwürs (s. o.) {Gr. w. Ii, 160\ — (1762) Venus-
Sehen, ) 1 = Akne faciei« weil 8ie mei8t
Leute in den Pobertätsjahren, der Zeit der Ent-
wicklung des Yenusdienstes, befällt Bohrend 59)
(s. o. Liebesblümchen), Akne (Varus = Finne im
Gesichte) „allermeist in der besten Blüte der
Jahre, wo der Trieb des Geblütes am stärksten
ist, eintretend" [A. r. II. I. S3t>;, daher auch Hitz-
blütchen, HiUhlätterchen , die die Stirne rot
bekränzen; graina de beaute. — 2 — Sommer-
sprossen [nach (ir. w. iv, i. law;? — 3. = Corona
Veneris syphilitica (V'enusblüte, Venusblatter,
Vögerl). — ns::.) verhaltene Blume (Müller, Krtrbch.
90) = Amenorrhoea, die natürUche Zurückhalt-
ung der Menses. — Verstopfung der Blumen -
dasselbe. — (1742) VYriAer-Blumen = Blume 2.
Frauen-Blumen (Zw. :vno), namentlich, wenn Bie
zu stark fliessen, mensiutn nimius flusus; nach
Fries (1532, S. 116) wird „viel böses Wut" durch „den"
Blumen der Weiber hinweggeführt V); Wirsung (15*4)
sagt „das» dieser Wcibsflu&s bei uns und anderen
Nationen 'die Blume genannt wird, hat diese Trsach,
da»* er gleich wie ein Baum, so blühet, taugendlich
mr Fruchtbarkeit geachtet wird, dagegen dieser für
unfruchtbar, io der Blumen mangelt (den Feigenbaum
ausgenommen ; also halt es sich auch mit den Weibern,
das* diese, so ihre Zeit haben, taugentltch sind, Kinder
ru empfangen und ZU gebaren, das denen, so dessen
mangeln, nimmer mehr zustehet". Qui ne fleurit ne
graine, sagen die franz. Hebammen (Briaa. 71). Fleur
-flueur fFlna»). — TFrin-Blumen - Gutta rosacea
(Zw. 130?, durch den Weingenuss verursachter
roter Gesicbtsausschlag. — [MIB] weisse Blumen
Pausa, BadeorUnung 9; Zw. 371), 1. = Fluor albus,
im Gegensatze zur roten Blume m Menses. —
2. - weisses Augenfell (ndl. de witte bloem, De Cock
135) — (1592) Blum stellen = sanguinis menstru-
alis produvium inhibere (Fischart, «arg. 77e, (ir.w.
O, 160:. — Mit Weinblumen bandeln Zw. 130)
= Gutta rosacea (s. o. Weinblume). — Blumen-
•Fick, - Verstopfung, - Tröpfeln.
Blunz. f. Blunze, f (Plunze, f Bluzen), Plun-
zen, f. (zu mhd. blunsen = aufblähen, Leier 26),
1 = Magen und Dickdarm c v. Schm. 79 , deren
Haut zu Würsten (Plunsen) verwendet wird
(s. Plumsdarm), daher 2. = plumpe Nase (Buck
12), die wurstartig dick aufgebläht ist. — 8 =
Scbmoer bauch (Gr. w. vn, 1949) und oin fetter
un behilflicher menschl. Körper (Hlntner 5. io). —
4. Bluzen (Blunzen) = die durch Parults aufge-
dunsene Wange (l'usterthal; Hintuer 6 15).
Blut, n (Geblüt, bluten, blutig) (ndl. uehloed}.
AuffiUHgerweise fehlt eine gemeiulndogermanlKche Be-
zeichnung, es ut ein erst altgermanisches Wort,
dem (nach Kluge*, 44] die Grundbedeutung ..glänzen"
zukommt; der hcisxe , rntglflnzeude , Im Bogen auf-
springende, farbenspielende »iottertrank . der beim
Blutopfer dargebracht wurde und zur Blutsverbruder-
ung führte, hatte die kulturelle Bedeutung eines
Lebenssaftes und göttlichen Starketrankes sicher schon
»ehr früh erlangt: mit der Entwicklung und Son-
derling der religiösen und politischen Anschauungen
ergaben sich (wie auch für den Begriff des Glftesl ver-
schiedene Bezeichnungen, ron denen erst die altger-
maulschen Volker eine ihnen gemeinsame für Blut (und
Brust) hatten: (vorgerm. bhlöto zu blühen, glänzen?,
ahd. bluot; 1260 bluten, Pfeiffer 34. mhd. bluot. pluot,
Leser 26 ; 1554 ndl. bloedt. De Cock 277; engl, blood
— Blut; bleed — bluten, zur Adcrlaasen, Lchfeldt 1441.
1. ~ Sanguis, der rotfarbige Inhalt der Blut-
Adern und des Herzens. — 2. = die Blutbeweg-
ung, Pulsschlag, Blutfluss (Leser 26). — 3. = Kon-
stitution, „die beste und edelste Complexion",
als hitzig-feuchter Humor der Humoralpatho-
logie der warmen und feuchten Luft ent-
sprechend, Blutzusammensetzung, «unguis con-
stitutio, Temperament (s. d.), da in ihm die
Humores am besten temperiert angenommen
wurden, die die rechtmassige, normale Misch-
ung (Complexio) hatten; Natur (s. d.), Abstam-
mung, Vererbung; Galle und Blut wechseln in
dieser Bedeutung (coler, H. a. 76; Gr. w. iv, l.
11*4. — 4. = Menses, als natürliches Blut
(Weibesfeuchte) u. als Blutfluss. — 5. = Sperma,
s. männliches Blut (Samenfeuchte). — 6 = San-
guis morbus, die Krankheit, die sich im Blute
(das bis auf Paracelsus als „warmfeuchte" Leibes-
feuchtin [Pletorius 41] angenommen wurde) und durch
Blutungen äussert, z. B. Aflerblut, Stickblut,
Rückenblut, wildes Blut (». d.). — 7 = blut-
reiches Gewebe, z. B. die Zähne stehen im
Blute (s. stehen); der köstliche, süsse, wohl-
temperierte Lebenssaft, den das Volk als Seele
ansieht (Rochholz i, 40; V. K ), das Blut, hatte die
volksüblichen Bezeichnungen seiner pliysiolog.
Thäligkeit vor dieser Schullehre fast ausschliess-
lich aus der Küche der Altgermanen (vergl.
Milz) erhalten; es wird beiss, überhitzig, kalt,
tlatig, unrein, scharf, grob, hantig, stockig, zäh,
es siedet, dickt sich ein, läuft über, rinnt zu-
sammen (- Septikämie), gährt, wallt und
gischt, steht ab, stinkt, fault, es ist verbrannt
(das Blut ist die Hauptstätte des „Brandes",
s. d.), ist versalzen, sauer (hantig), wird schwarz
und zuletzt tot und verstorben, es wird gestellt
(durch Besegnungen u. Besprechungen) (Zeitsehr.
d V f. Volksk., 1S9">, 8. 20; Wuttke 160', gestillt,
festgestellt wie ein tieschirr, geschnitten wie
ein Kuchen. — Blutung das Bluten. — blutig
= mit Blut gemischt, befleckt, cruentus. —
Blütigkeit (ndd. Blodigkeit) - die Eigenschaft des
Geblütes. — Blutiger (ein) (sei.) Hieb - ein
leichter De^en- oder Schlägerhieb (s. Auschiess)
[Studentensprache). — Bluter, m. = der die Blut-
krankheit (s. d.), Haemophilie, d. h. die hämor-
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Blut.
Blut.
rhagisoho Diathese hat, die Neigung, auf ge-
ringe Verletzungen mit schwer stillbaren, häufig
tödlichen Blutungen zu reagieren, eine nur im
männlichen Geschlechte vererbare Krankheit
(Eichhorst Ii. NOj ; (vgl. Konductoren). — bluterig
(1530 bluetterig - foriolus, I>. 243) - einer der oft
Blut verliert, durch die Ruhr z. B , und deshalb
oft hinaus (auf den Abort) gehen muss. —
bluten = Blut verlieren aus einer Wunde;
Wundschmerz empfinden (In Redensarten, bei
Mensch und Pferd durch Besprechung volksmcdiz. be-
handelt). — (1789) abgestandene* Blut - durch
Skorbut (b. d.) schlecht gewordenes o. mit Eiter
gemischtes Blut, in Geschwären z. B. (Buck 19)
(s. auch abstehen). — After-Blut — Rückenblut
(s. d.) = Milzbrand (Bardeleben I, 299. Ann.). —
(1618) aufsiedendes Blut (PanasW) --der lebhaftere
Stoffwechsel (im Blute). — ausbluten (Gr. W.
1, 834) = sich verbluten. — ausgeflossenes Blut
(14. Jahrh. uzgeflozen bluot, Voc. opt. W. 13; I>. 640)
= das abgelassene Blut = Cruor sanguinis. —
(1W3) ausgelaufenes Blut ~ Blutextravasat (a. y. n.
11,434).— beissendes Blut -scharfes Blut (s. d.) —
blaues Blut s. schwarze Ader, das blawe im blut
— pitulta vitrea. Signum quorundam morborum (164-5,
coler, a. 340); die Aderlässer suchten im Blute
die Humores mit dem Auge zu entdecken und
sahen blaues Blut auch in den Aderlasschüs-
seln. — [von) bleiches Blut = Bleichsucht, Cblo-
rosis; „es bedeutet den Schleim" (Fluor albus)
(fieorg. 871). — />'<• ;> n - Blut (1183 bogeudez bluet,
pogent« bluet, M B. VIII, 519; Haltaus 177; 1367 po-
chundes plut, pogenblut mit wunden - sanguinis effu-
sio curva, Muhldorfer Stadtrecht), d. h. im Bogen
fiiessendes (bogendes) Blut = arterielle Blutung,
die man längst als lehensl>edrohlicher erkannt
hatte als die Blutrunst (s. Bogwunden); (bis 1C16
erscheint da* Wort bogwund und bogenblut gebniueh-
. Geblüt I o
lieh. Böhm, i, 216). — (1761) böses ) San-
guis vitiosus, atra bilis (s. Melancholie), 1. =
hitziges, aufgeregtes Geblüt, Haemorrhoidal-
anschwellnng. — 2. = schwarzes Geblüt (L. ch. 10)
(s. Melancholie). — Böses Blut der Frauen (Loni-
ceru«) = Endometritis (bei Krebs d. Uterus). —
-ßranrf-Blut-cine tödl. Krankheit der Schweine
(Milzbrand, s. d.) (Gr. W. II, 297; Falke I. 148). —
(1518) brandschearzes Blut (II. v. Gersd. 45i —
dunkles septichämisches Blut. — brüderliches
Geblüt = das heim Wiedertreffen und Wieder-
erkennen der Brüder in der Fremde nach dem
Volksglauben sichtbar werdende Blut (s. Kra-
gein); (1684 ,,so Jemand ein (iesehwistrigeu hat über
hundert Meyl und derselbe etwas leidet, empfindet
auch dieser, so hundert Meyl von ihm entlegen, in
mlm m Geblüt eine schmertzliche Veränderung, das*
ihme, wie oft pflegt zu geschehen, gelbe Fleck in den
Mauden auffahren oder die Na-en sehweisset: so sagt
Ihr. da« brüderlich UeblQf sagt und M-hlngt zusammen",
Rochholz i. 42i. — (161«] dicket Blut, 1742) ver-
dickertes Geblüt, DicAr-BlÜtigkeit, 1. = Sanguis
crosBiis, das Leiden infolge dicken schweren
Blutes (Goldschm. 132; Gr. W. II, 1079; Zw. 95), auch
2. = Sanies, blutiger Eiter, Detritus. — 3. = (ic»7
,,es bedeutet Verstopfung" [Georg. 371] In den Äderen)
ThromboBis, s. hartes Blut. — dUrmBlut = heiss- |
trockene Konstitution - Complexio cbolerica im
Gegensätze zur warm- o. kaltfeuchten Konstitu-
tion (s. üherhitziges Blut und Dörre, dürr). —
(17. Jahrh.) eiterichtes Grblüt I , t,
(im) eiteriges Blut f 'p^*™ = pyaemi..
D. 239; R. a. 406) = Eiter und Blut oder Blut mit
Eiter vermischt. — erfrorenes Geblüt = kaltes
Geblüt = dessen Stei gerung im Blutsystem durch
Erkältung, die bis ins Blut gedrungen ist nach
volksmedizinischer Anschauung {Pauli •'■), und
daselbBt Lungenentzündung veranlasst. — er-
hitztes Blut (1260 irhlczet bluot; 15. Jahrh erhiezt
bluot = cholera constltutio, Ii. 131) — Koller (s. d. U.
innhitziges Blut). — erwärmtes Blut (UM er-
wermet, wermet, ndd vorwannet bluot — cholera
constltutio, d. 131) = erhitztes, innhitziges chole-
risches Blut (b. Cholera). — (un) faules Blut,
(1620) faules Geblüt (Ortolf , ndl. vuil bloed, Pe Cock
27.-.. faule geblöd Goldschm. 134; D Minderer; 1512,
1518 vul bloet, ful bluet — sanies, H. v. Gersd. 18;
D. 511) = eine Krankheit, z. B. Lepra, mit pu-
tridem oder giftigem Infektions-Charakter; ein
wirklich faules Blut existierte früher gewiss mehr in
den Aderlasschüsseln als in dem Korper der Menschen.
— 1482) flatiges Blut, 1. - Phleuma, Phlegma
(s. d ), wässeriges Blut (s. d.) (Zening., Voc. h. 7,
nn 2), kaltfeuchte Konstitution. — 2. = eigentlich
auch schönes, helles Blut im Gegensatze zum
unsauberen Blut (b. d.); (ahd. flit = Schönheit). —
.FercA-Blut ahd. ferhpluote, ferhblnt, verhplüt, Graff
III, 2.53. 6*3; mhd verchbluot, I.exer 3171 — lxjbens-
oder Herzblut (b. Ferch). — Fieber-Blut^ durch
Fieber lebhaft bewegter Pulsschlag. — Frauen-
Blut i frowltch blut) - Menses. — gärendes (güriges,
gieriges) Blut (Geblüt) = der Lebenssaft Blut
gährt wie der Traubensaft nach früherer Vor-
stellung. — gallen-blutig = einer, der Galle im
Blute hat, 1. - constitutione cholericus, 2. = qui
morbo cholera laborat (Gr. W. IV, l. ii9i>. —
gallicht Geblüt (ndl galachtig bloed, De Cock 275)
n Cholera (constitutio), s. Cholera (Gr. w. IV.
l. 1191). — (18011 gallichtes Bluten = das Blutver-
giessen infolge einer fieberhaften, aus galliger
Komplexion (Geblüt) kommenden Krankheit
(Vogel V. 10), — Geblüt ndd. Gebloed; erst seit dem
14. Jahrh gebräuchlich) .,das Blut, das zusammen-
gehört" (Gr w iv. i 1793), 1. - die gesamte Blut-
menge als solche. — 2. — das Blut als der eigent-
liche Träger der im Geschlechte sich fortpflan-
zenden Art des Einzelnen wie der seiner Sippe
= Abstammung, Vererbung. — 3. = Konstitu-
tion, Temperament, Blutzusammensetzung. —
4. = Menses als Reinigung vom übrigen Blute
(Gr. W. IV, 1. 1794; A. V. H. I, 1024! ; ins Geblüt
fallen s. fallen. - (1842) gefährliches Geblüt =
der Milzbrand als gefährliches Brandblut, töd-
liche Seuche, die Gefahr (s. d.) bringt (Falke 1,313).
— geistiges Blut — der Spiritus Vitalis in dem
Arterien-Blut ( — Ozon) (Hyrtl 107), s. Geistader.
— fl687) gelbes Blut = Icterus haematogenes
(,.es bedeutet die Galle", Georg. 371). — gelibertes
Blut 11260 daz geliberte bluot, Ploss-BarteU, I. 276;
Pfeiffer 25, 15. Jahrh. daz gellbert plut, Sehuieller I,
1414; 1551 das gelyffert blut im leib, Bock 179; 1646
geliefert blut , Coler. H. A. 267; 1749 geliefert Blut,
Zeitschr. f. d. Phllol. XXVI, 241) = geronnenes, zu-
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Blut
Blut.
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sammengelaufenes, giftiges Blut, das z. ß. bei
Puerperalfieber zur Peritonitis führt; („es walget
unter den rippen", Ploss-Bartels I. 276) (b. Kippen).
— (1876) geronnenes Blut [Miller, Krtbch. 712) --
das extravasierte, gestockte, klumpige Blut. —
M620) gesalzenes (versalzenea) Geblüt (Dr. Minderer:
das Blut zu verkosten, lag ebenso im Interesse des
Aderlässen wie des Llebeudeu, der viel Hüsslgkcit im
Blute erhofft, s. des Verf. Volks Medizin 8. 100) = die
Anhäufung von „tartarischen Salzen" im Blut«
sollte die Ursache einer Safte- Anomalie sein
(s. Nachfolgendes). — (scharf es) geschärfte» Ge-
blüt (Zw. 19, 224) = scharf gewordenes, abnorm
salzig, „hantig" schmeckendes, also nicht süsses,
nicht gesundes Blut, das namentlich, wenn es
„zwischen Haut u. Fleisch" steckt, zum jucken-
den Salzflusse (s. d.), zum Weissflusse (s. d.)
Veranlassung geben soll (Gr. w. vill, 2169; l>auU30;
Zw 224) oder zum Scharbock, Grint, Aussatz, beis-
sender Räude führt (s. Blutschärfe) — gestocktes
Blut = Blutstock (s. d). — giftige» Blut =
faules, gelüpertes d. h. septisches oder septi-
chämische Prozesse erzeugendes Blut, das nach
dem Volksglauben der Peatseuchen bringende
Lindwurm hat (H. A. Rh. 662). — (i5S3j grobes Ge-
bltit ;<ir. \v. iv, 2. 837) die allmähliche Verfeiner-
ung der Volksküche lies auch eine subtilere
und gröbere Küche im Blute des Menschen
unterscheiden (s. Bluthepfen). — gute» Geblüt
<r,T. w iv, L 17W) > Sanguis verus, normal warmes
und süsses Blut. — {l.vto) haemorrhoiachea Blut
(Paracels. , Pr. II, 140) das Leberblut, aus dem
man die Haemorrhoiden (Feigwarzen) ableitete.
— (l»if kässlichea Blut = Cruor (Had. Jim. 20),
wenn das gelassene Blut durch seine schwär-
zere Farbe unschön, nicht frisch hellrot ist. —
Halb-Blut - ein Pferd, dessen Kasse von einer
Seite der Erzeuger her edel ist (s. Vollblut). —
(US09) hannige* (hantige», händige») Blut = bitteres
oder saures (versalzenes) Blut; falles Scharfe und
Seure Ist -- hantig; beim Verkosten des Blutes wollte
man die gallige Zusammensetzung desselben erkennen ,
normales, gutes Blut stellte man sieh als süss vor , das '
hantige Blut wurde aLs Ursache des weissen Flusses
der Frauen angenommen, ehemals auch als solche der
Syphilis [s. d.]. Pauli 87; Pr. II, 162; ahd. hautac =
amarus und acidus. «raff IV, 972). — [IUI] hartea
Blut fhertt plutt. Krautw. XLQ) — geronnenes, ver-
stopftes Blut in den Venen. — (JA Jahrs.) heid-
nisches Blut (beydUch Wut = mumla. 1). 642) - die
zu Heilzwecken verwendeten Teile der ägvp-
tischen Mumien. — (1M2) heimliehea Geblüt -
Milzbrand als heimtückisch gefährliches kran-
kes Brandblut (Falke I, 313). — (1477) heisses Blut
(Ortolph), 1. — Fieberpuls, raschere Blutcircula-
tion. — 2. = cholerische Natur (s. überhitziges
n. innhitziges Blut u. Kollerer), lee chaleurs de
sang. — Herz- | jj JJttt j (mhd. herzcbluot, Gr. W.
IV, 2. 1226; Lexer 99; = das eigentliche (Ferch-)
Lebensblut, das sich das Volk als die Seele in
einem eigenen Reservoir = Herzkasten (Blut-
kasten) besonders aufbewahrt u. abgeschlossen
vorstellt. Fliesst dieser Vorrat als Herzfluss (•. d.)
ans, so ist der Tod nach demselben Glauben unver-
meidlich, und wird darum das Herzgeblüt besprochen
I (Köhler, v. Gl. 40s). — <\M? jähes Blut ■ - Milzbrand
als wildes Blut mit höchster Aufregung des Blut-
kreislaufes (Falke I, 137. 430). — (1721; jostendc»
Geblüt = lebhafter Kieberstoffwechael (s. Jast)
(Pauli 14; Zw. 164 . — innhitzige», hittigea Blut,
(12.— 14. Jahrh j Geblüt, 1. -^d. innere hohe Wärme
des normalen BIuu>b (i66i ; Gr. vv. iv, 2. iw ; d. 131.
640i — 2. — das dunklere verhitzte verbrannte Ge-
blüt der früheren Schullehre, das beim Brande
(s. d.) eine solche Beschaffenheit annahm.
— 3. = cholera constitutio, s. Cholera u. Koller
(D. 131. 640; 1631, Besolt). — irdene.*, irdisches Blut
(14. Jahrh. irdens bluot, V. opt. W. 13; 1414 Irdes blot ;
1630 Indisch betrübt plutt, Besolt; 15. Jahrh. crdlsch,
erdeseh blüt, blot, Wut, D. 364; ein eomplex in der
do herrscht das ertrieh, melaucolia, D. I. c.) — die
Melancholia constitutio et morbus (s. Melan-
cholie); als Ursache dieses melanchol. Tem-
peramentes (s. d.) nahm man ein trockeneres
(s. Erde), dickeres, trägeres, mit schwarzer Galle
(s. d.) ausder Milz zu stark vermengtes Blut an im
Gegensatze zur edlen sanguinischen Konstitu-
tion, bei der die geistigen Adern (Arterien) mit
hellrotem flüssigem, leicht beweglichem Blute
gefüllt sein sollten. — ,U/.'- blutig = von phleg-
matischer Konstitution (s. Phlegma); der Ge-
frorene (s. d.) ist noch ruhiger, selbst empfind-
ungslos. — kaltfleumige» Geblüt - fieutna =
Phlegma (s. d.) (Gr. w. v, so, in is..i). — klumpige»
(schwarte») Blut = das zu unförmlichen dunkel-
rotbraunen o. braunschwarzen Stöcken (s. d.)
geronnene Blut (Heyne III. 390j. — (1796) Lenden-
Blut- Milzbrand mit Bluterguss (Schweiss, s. d.)
im Mastdarm (s. Überblut u. Kückenblut) (Abiig.
114 ; Falke 11, 67. 247). — männliches Geblüt = männ-
liche Natur, Sperma virile. — mastiges Geblüt
= das fettweiche, dicke, schwere Blut, das in
don sogen, schweren (s. d.) Familien als be-
lastendes konstitutionelles Element (phlebek-
tatische Konstitutionsanomalie nach Bennecke)
vererbt wird (Pauli 26). — Menstruation» -Jüxit
— monatliches Geblüt. — monatliches, Monat-
stunden-Geblüt (ahd manod-pluotiu — monatlich
Wutend. Srhmeller 1, 1609; ndl. maandstonden bloed.
De t ock 43) — Menses, Menstruatio, die beim
weiblichen Geschlechte alle Monate periodisch,
fast auf die Stunde erfolgende blutige Sekretion
aus den Gentitalien, die die Ärzte bis auf
Joubert (1629— 16*3) als „giftig" ansahen (Ge-
schichte, Blume, Blüte, Regel, Recht etc.) —
Mond-Blut ■ nach dem Glauben des Volkes in
der Schweiz (Llebr. z. V. 362; Rochholz I, 70) fallen
Blutstropfen vom Monde herab (s. Tropfen),
die nicht figürlich, sondern materiell angenom-
men weiden, daher der Mond auch wie eine
menstruierende Frau „kränkt" (Schindler 1, 1373).
— na 1 h Muten = hinterher nach einem früheren
Vorgange noch bluten. — Nasen -bluten - der
(durch uralte Bescgnunirsformelu behandelte.! Bluter-
guss aus der Nase ii.ammcrt 191), Epistaxis (s.
brüderliches Geblüt). — naturliches Geblüt, 1. —
Menses als naturgemässer Bluterguss. — 2. =
die natürliche Blutmischung, Constitutio san-
guinis (Blut 3). — «eue* Blut ahd. niuui plot,
Graß in. 263) - Cruor, frisch geronnenes Blut. —
Pi*/«-Blut = arterielles Blut der geistigen Adern
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60 Blut.
ffir. W. VII, 2214). — qttatt - Blut (mnd. qiiadea blod,
ndd. quades geblocd, Goldsihm Mj Mag. Barth. 91»;
[qtmt - Kot]) unreines Blut (s. «!.). — reines
Blut, 1. = ein von Krankheitstoffen (Aussatz,
Syphilis etc.) freies Blut. — 2. — sichtbare äus-
serliche Hautreinheit. — 3. ^ keusche jung-
fräuliche Konstitution. — 4. — von Kreuzung
freie Zuchtreinheit [Gr. w. VIII, ßno B.). — Rind-
Blut 12. Jahrb. rindbbmd sive billistr i'ialle .'] propter
viscuin, D. 623 [— blutfarbige* Eingeweide], quod est
rindblond, II. Z. II, 20">,i bluttragender Rinds-
darm. — (14. Jahrb.] rindemes Blut (rinde renne
Wut, noflm. I, 322; Schnuller II, 1181 st ein ver-
giftend wirkendes Blut (bei der Kinderbrunst?).
- (l.'c.i! rotziges "Blxit (l'araccU.) — phlegmatische
Konstitution (s. Kots - Phlegma). — (löic) rohes
Geblüt (roch Keblnet, Gr. W. VIII, 1115' - Sanguis
crudus, imperfecte coetns = Phlegma (s. d .);
flaiiges Geblüt (Pituita), wäsBrijrkalte Feuchte
(s. d.) des Körpers. — rotes Blut = frisches
gesundes Blut, Gesundheit. — fiudten-Blut
- Milzbrand mit Lokalisation der Krankheit
(Mastdarm-Karbunkel mit Blutung) «wischen
den Schleimhäuten und Entleerung von Blut-
stöcken aus den Kackenmarks- und Mastdarm-
häuten beim Rinde (Lendenblut, Überblut,
Schwei88) (Z. Hdb. III, 469; Bardelcbcn I, 300, Aura.;
Gr. W. VIII, 1362, Förster II, 142). — [1725) scharfes
Geblüt - das nicht normale, nicht süsse, son-
dern salzsaure, hantige (s. o.), bittere Blut als
Ursache von Krankheiten angenommen (Thea,
•an nr. 655). — (1712: schlimmes Blut = böses
Blut (Hoffm. VIii, 30i). — schwarzes, schweres Ge-
blüt (1391 daz swarae blut cholera, D. 131; ndd.
»wart geblocd, bloedlgkelt, Goldsehui. 14. 132; Had.
Jun. 372. .'»2, labern.) = melancholisches, schwarz-
galliges, verbranntes, dickes, mastiges Blut nach
der Lehre der Humoralpathologie, 1. = Furor,
Melancholia ex atra bile nata, die Constitutio
melancholica, die nach dieser Lehre durch die
schwarzverbrannte Galle (Bluthefe) verursacht
sein sollte, die sich in der Milz und auch „um
das Herz herum" anhäufen und als „schweres
Geblüt" in den sogen, „schweren Familien"
forterben sollte [Pauli 26) (s. schwarze Galle
und böses Blut). — 2. = das dunklere (bran-
dige) Pfortaderblut, das sich durch dunklere
Hautvenen, Varicen, Phlebektasien bemerkbar
macht (Goldaehm. 132; A. V. H. I, 212. 981). — 3. =
Cholera constitutio als trockene heisse Geblüts-
Komplexion. — Sippen-Blut (14. Jnhrh. »IpMoot
- consnnqnlneus, D. 143: die Abstammung von
der gleichen .Sippe. — (1743: »korbutisches Blut,
Geblüt — die anomale BlutbeBchaffenheit beim
Scharbock (s. d.) ibibl. Media. 470 . — (1777) sprin-
gendes Blut - hochgradige Erregung des Rind-
viehs, das wie toll herum rennt beim Beginn
schwerer Infektionskrankheiten (A. M.) (wildes
Blut). — Sfidf-Blut - Milzbrand der Schafe,
wobei die Tiere, denen das Blut aus der Nase
und dem Maule ausfliesst, wie in ihrem eigenen
Blute erstickt hinstürzen und verenden [Zlpp. 611)
(Stockblut). — stinkendes Blut faules Blut;
eine Bezeichnung, die aus dem Blute der Ader-
laasch Ossel des Mittelalters und dem stinkenden
Lochial-Blut (Coagula) entnommen und auch
Blut.
auf das kreisende Blut übertragen ist (Septi-
kämie), Brand, s. d — Stock-, stockiges (ver-
stocktes) Blut, -Geblüt, 1. - geronnenes, ge-
stocktes (klumpiges) dunkles Blut, äholich wie
die Milch als Stöckelmilch „gestockt" im Milch-
kasten (Lamm. : . Volksnied. 200i; Milzbrand —
Stockblut (Lendenblut) (Falke II, 122), im Maat-
darm geronnenes Blut. — 2. - Amenorrhoe,
Ausbleiben des Monatflusses, weil nach alter
Volksanschauung, die aus der früheren Schul-
medizin stammt, das Blut in dem weiblichen
Blutkasten (Uterus) geronnen, gestockt ist. —
speisendes Blut (i5i8; n. v Gemd ; Hyrti, k. w.
212) — das Venenblut, welches von der lieber
und den Speise aufsaugenden Gedärmen zum
Herzen zurückkehrt a) in der Vena organalis,
Fons vitae (Brandader, untere Hohlader); b) in
der Pfortader. - (1581) subul Geblüt (Bock,
Krtrbch.) im Gegensatze zum groben Blut
(s. d.) ist dieses feiner gekochte Blut ein
leichtes, helles, gutes Blut. — süsses Blut
— das normale Blut enthält schon Zucker, um
so mehr das gesunde Blut für den es beim
Aderlasse verkostenden Geliebten; nach diesem
weitverbreiteten Volksglauben »oll das Ungeziefer
(Laase, Flohe) solch süssblütlge Personen besonders
gerne, wie die süss schmeckenden Pflanxenteile auf-
suchen. — totes Blut (1518; H. r. Gered ). 1. =
Purpura, Peliosis, ein roter ekchyinotischer
Hautausschlag beim Menschen als Zeichen un-
genügenden Blutlebens aufgefasst. — 2. (todten-
bluet, R. a. 661, »aug meurtrii = das in den sogen.
Steingallen der Pferde befindliche, geronnene
Blut. — träqes Blut = langsamer Pulsschlag.
— trockenes Blut -irdisches Blut (s.d.) (15. Jahrb. ;
D. SM). - Über- | SS5ttt } - eine Blutanhäuf-
ung im Mastdarm des Rindviehes, eine Blut-
krankbeit, bei der auffallend rasch sogen, über-
flüssiges, weil rasch wieder entleertes Blut, nach
früherer Annahme verursacht durch Wurmbiss
(a. M. 7. s), daselbst abgesondert wird (Rücken-
blut, Lendenblut, Milzbrand-Karbunkel) = (1735)
j ähes C berblut - R ücken-, Ü ber b lu t. — ( u . Jah rh . >
überhitziges Blut (Voc. opt. W. 13) = Cholera
constitutio, bei der dürres, d. h. wasserarmes
unmässiges I
Blut überwiegen sollte. — (1551) unreines ) Oe-
unsauberes I
blüt (Tabernaemontanus; Bock 42J -nicht hellrotes,
leichtes, schönes, Ästiges, sondern schlechtes,
dickes, schweres (melanchol.) Geblüt (schlechte
Blutmischung). — unter-laufenes, -loffenes Qt-
bltit (1756; A. v. H. I, 595; Ii, 359) = aus den Ge-
fässen unter der Haut rasch ausgetretenes Blut,
Sugillatio (blaues Auge, kölnischblau). — ver-
bluten = jede stärkere Blutung, eigentlich aber
nur der tödliche Blutverlust. — (1518) verbranntes
Blut, 1. — die Galle wird in dem Blute nach
alter Anschauung verbrannt, dunkler; häuft
sich diese schwärzere Galle im Blute an, so ist
dies m Cholera (nigra) constitutio, complexio
(s. Cholera) (Gr. W. IV, l. n»4). — 2. = der mit
Blut gemischte Abscess-Eiter heisst auch wegen
seiner dunkl. Farbe verbranntes Geblüt (Back 19)
— verdorbenes Geblüt = Iwtf^pfuvov atjjia Ga
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Blut.
Bobo- Bockel
61
leni 'Kraus, E. 433. 434), s. verderben. — verhär-
tetes (r.-blüt = Infarctus, Thromboeis, Blut-
knollen, die man früher in hart gewordenen
(infarcierten) Organen annahm iBaa* 3*4). —
verhaltenes Geblüt = Amenorrhoea, Chlorosie,
allgemeine Schwäche, Blutarmut mit Ausbleiben
der Menstruation (zurückgehaltener Blutfluss)
lUoldsehm. Iii. 132V — verhitztes Geblüt h. hitziges
und erhitztes Blut (Goldschm. 14). — verkühlte«
Geblüt = erfrorenes Geblüt («oldschm. 14. lioj.
— (1531) verletzte» Blut - durch Eiterabecesse
pyäraiach gewordenes, vergiftetes, Versehrte«,
infiziertes Blut iKrautw. LXXXIII). — (1744) ver-
schleimtes {schleimeriges) Geblüt ■ eine Konsti-
tution, die zu Schleimbildungen (Lungen-, Ma-
gen-Katarrhen z. B.) neigt (Zw. 176) (s. Phlegma,
rotziges Blut). — versalzene» Blut s. hantiges
Blut. — Versehrte» Blut infiziertes Blut, fud-
versehrtes Blut (pliiot fued-sart, Schmcller II, 88t),
durch mütterliche tienitalleiden (s. Fud) infi-
zierte Nachkommenschaft (erblich belastet). —
versessenes, verstocktes, verstorbenes Blut - ge-
ronnenes, nicht mehr laufendes, gestocktes,
sitzen gebliebenes, eingedicktes Blut, Bluter-
gusa, blutende Stelle (s. Krebs u. Totenbiss)
p*uii 26). — Fo//-Blut,-Blütigkeit(ivoodie tüiutisr
de» uebliieti [BninnwlKl ; ndl. vollbloedlK, De Coek '.'77
m pietbora, A. v. H. I, 113«), 1. = Zustand der
Blutfülle (s. d ). — 2. = ein Pferd, dessen Rasse
von beiden Seiten der Erzeuger her vollständig
rein, edel ist (Vollblut). — (1576) Whsser-Blut
iThcophr. Br ) ^ Ichor, Hydraemia, wasserreiches
n,„, wasserfliessiges Blut I „ . , w ,.
Blut. — .. '. * „ . } [14. Jahrb. wa««er-
wasseriges Geblüt I
flletijt Mut. Voc. opt. W. 13; 15. Jahrh waterig blot,
I). 239; ndl. wate nichtig bloed, P« t'oek 275; ndd.
waterach gebloed, Ooldschra. 14; Heyne III, 1043),
L ■ ein an Wasser reiches helles Blut, welches
nach den Lehren der Humoralpathologie der
phlegmatischen Konstitution eigen sein sollte,
da diese mehr Phlegma (Kotz, Schleim) bildet. —
2. = das helle, datige Blut im Gegensätze zum
dicken, schweren (melancholischen) dunklen
Blute. — JVetiw Blut (14. Jahrh. wlbsbluot, Voc.
opt. w. 13) = Menstruum; erstocktes Weibsblut
— Amenorrhoe, verhaltenes Geblüt (s. gestock-
tes Blut). — wrissen Blut, 1. — Chylus (». Milch)
(Hjrrtl, K. W. 67; Falke II, 4;H). — 2. - (1845) LeU-
kaemie (Vlrchow) (Weissucht), Vermehrung der
weissen Blutkörperchen. — wildes j jßjj**"
1. = springendes Blut; das bei der Kinder-Kolik
aufgeregte Blutgef&ssystem ; eigentlich nur ein
die Aderlasstherapie begründen sollender Aus-
druck. — 2. - Milzbrand als Blutkrankheit (Kalke
l. 3l3i. — wohl temperierte» Blut 14. Jahr. wolge
tempert bißt, Voc opt. W. 1.1; 15. Jnhr. Mut wol tem-
periert, D. 644) - Sanguis (oonstitutio), ein mit
allen Elementen od. Feuchten (s. d.), Humores,
gleichmässig und normal erwärmtes bezw. ab-
gekühltes, nicht zu kalte« Blut, das auch nicht
Oberbeiss ist; normales Blut (h. Wärme D. Tem-
perament). — wüstesBlrxt (Pfalz -der tinschone,
aber normale blutige Wochenfluss (Lochia)
[P\om itamiiM.Mi). — [1477] wütendesBlut
= Aufregung des Nervensystems, hitziges Tem-
perament, wildes Blut, hohes Fieber. — (1725)
zähes Geblüt Tb. san. Br. 654) = dickflüssiges,
schweres Blut. — (Mtw) r< m blutend, 1. = infolge
von syphilitischen Geschwüren am Penis blu-
tend iPr. I, 371] — 2. - an der Harnröhre infolge
von Tripper (s. I larn winde) blutend, rottropfend.
— Blut-, Geblüts-, blutige(er, es)- Abgang, -Ader,
Aderlein, -Aiss, -Andrang, -Anttoss, -Apostem,
-Armut, -Auge, 'auswerfen, -Bärmen, -Balg,
-Bauch, -Beule,-Blase, -Blatter, -Blutne, -brechen,
-Bruch, -Brunzet, -Brust, -Dämpfe, -Dürre,
•Drusen, -Dunst, -Durchgang, -Eiter, -Entzünd-
ung, -Fall, -Farbe, -Faser, -Feig, -Feim, -Fell,
-Fieber, -Finne, -Fluss, -Fülle, -Galle, -Gang,
-Geschwär, -Geschicür, -Geschundst, -Gierung,
•Grimmen, -Grint, -harnen, -Harnwinden, -Hefe,
•Hunger, -Husten, -Jauche, -Kasten, -Klauchc,
-Knollen, -Kolik, -Krankheit, -Kuchen, -Lauf,
-leer,-Leim, -Mal, -Maltzey, -Mauserung, -milchen,
-Molken, -Nasen, -Ohr, -Pfropf, -pi»sen, Pocken,
-raechsen, -Reinigung, -Renke, -rensen, -rinnsig,
-ris, -ri»tig, -röten, -Rohr, -Rose, -Rufe, -Ruhr,
-Kunst, • Säcklein, -Säuberung, - Sauger, -SchadeHy
•Schäbigkeit, Schärfe, -Schaum, scheissen, -Schelm,
-scheu, -Sthink, -Schlag, -Schwären, -Schwamm,
-Schwei8S, -Schtcindel, -Schwüren, -Schwund,
•Seuclte,-Spnt, -speien, -spucken, -stallen, -Staupe,
-Stellung, -Stock, -stocken, -Strammen, -Strieme,
•Sturz, -Sucht, - Thräne, • Tod, -tragend, • Tropfen,
-Unlauterkeit, -Verderbnis», - Vergeh.', - Verlust,
- Versammlung, - Wässerigkeit, • Wallung, - W<ir*e,
-Wra»ser. -Wolf, Wuelfel, -Wunde, Wurm,
-Zahn, -Zapfen, -Zerrinnung, -Zirkel, -Zwang.
Bobo s. Popo.
Bock, m. (ein arm (rem. indogerm. t'rzelt bereits
Maniinende.« Wort. Kluge*, 17, das wohl zu „pochen"
l Mossen] gehört, nnrh Kluge zu bhügo — fuglo der
Flüchtige. Von dem Bocke [irru*. trago*] nahm die
alte Schulmedizin den Ausdruck für 1 . Bo ck - Tragus,
Ohrbock (1748). K. a. 89). — 2 Augenwinkel (14S2
pock treu» [hlrcus], Zcnlng. Voc. r4). — 3. Mich
stösst der Bock Singultus ; hier ist vielleicht
Bock Mar (s. d); der Bock ist die Teufelsfigur,
die öfters die heidnischen Dämonen vertritt, die
d. Menschen anfallsweise belästigen. — 4. Bock
ist auch - Podagra wegen der Schmerzen, als
ob das giebtkranke Bein in dem Schraubstock,
in der Daumenschraube (Bock) der Tortur wäre
(Schräder 113). — Dei . I u.^-Bock hat ihn gestossen
-der nächtliche Korn- Dämon auf der Auclits-
(Nacht) -Weide hat ihm plötzliche Kücken*
schmerzen gemacht (Lumbago rheum.) (Jahn 4M;
z. d. v. r. v.-K. is«5. s. 314). — iv.»i Farz-Boc'k.
ein Mensch, der wie der Bock oft farzt (pedet)
(<;r. w. LH, 13S5). — Ge^en-Bock (Übersetzung
des) Antitragus ( Gegenecke), dein Tragus
gegenüberstehend. — I7i:s O/trrn-Bock l'Wr-
Setzung de«) tragus (-Ecke), fälschlich Bock
tpif w„ dieUhrknorpel-Klappe vor dein Eingang
in das Ohr. — &7uir-Bock s. Scharbock, Skor-
but. — Bock(8)-.li«(/t», heutig, -ftbris, -Fuss,
-Haare, -Hexe, -Kinn, -Knie, Nieren, -Stern,
-Stimme
Bockel, m. (bockellcbt) - Buckel (buckelicht)
(s. d.), Höcker (Ur. W. U, MM. 206).
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62
Boden— böse.
Bofel— Bogen.
Boden, m. (Bodem, Bodler, Bödel) (ein ur-
lndogermanlsches Wort; indogerm. bhudbnö - Grund,
Boden, fundus; bhudhmen a rudu.Yjv JBüdmlng];
sskr. budhna; goth. budna; ahd bodam, podatn,
<;rafT III, 86; mhd. und bl* iura 17. Jahrh. budein
fundus^ der «rund eines Sarkes, worein geschüttet,
gegossen wird, Gr. W. II. 20* ff; I.exer27, Schw. 78;
14*2 podemlein ■ pari» suis BU ubera adhaerent, «umen,
pinqtiedo prodij, Zenlng Voc. qq,l; Ü. jt>6 ■ Schweins-
hauch [vom Mairensack auf den Haurh*ack ubertragen] ,
1495 bodler budlcr = tiedarra, Dickdarm, Brark,
Vocabul. rcr. ; 15 Jahrh. bodler- colon, Schindler I,
211; 1691 der bodem de* magens - fundus rentrleuli,
llad. .Inn. 21»; engl, boltoui — Gcsass, Boden; franz.
In bodene — Wanst, Grossbanch, Bris* 36), vergl. Bo-
densack, Bodenstück, Büdming, Bottich. —
//-".'(■•Boden ■ Kupfsch warte, bo lange sie mit
Haaren besetzt ist (sonst ist sie die Glatze). —
Luit.'- Bödel (Tirol) = der Kopf; hier geben sich
angeblich bei Kindern die Lause am liebsten
ein Kendez- voue (llintner 5. 12). — Äfat/en Bodem
(s. o.). — Boden-firm, -Krampf, -Sack, -Stück,
- Weite.
boderig, poderig = uuterkQttig, unter der
Haut durch Stoss, Schlag verschwärend (Schind-
ler I, 210, ru banden [». d.]).
Bodi, tn. n. (Bödi, Bottich) - Unterleib,
Rumpf (Pa«sau, Plnzgati; Gr. W. V, 1747, xu potahha
- corpora, s. Bottich u. Bottich , fraur la beudo m
Wanst, Grossbauch, Brlss. 36).
Bob bei, m. (Bubbel, Pöppel, Pop er In,
poperiet) - Wasserblase, Bulla, Knoten-Bltta-
cben, Hitzblltttcrchen (Schindler I, 3990; Gr. W.
Ii, iy« , vergl l'öppel u Pöppelmun,
Bödel s. Boden.
Bödi s. Bodi
Böhmen, böhmisches Schafgift.
Bölken (bolken. Bolgach); Bolgach (zu Bali?,
«. d. ; ti77 lepra grti\ ls«ima In llllK-riila ipiae vocatur
Bolgnch [ — I'rov. ClstcrJ Schnurrcr I, r>9) — die durch
Pocken oder l.epra (Aussatz) geschwellte, wie
ein Balg gedunsene Haut. — bolken. bölken
= koppen (s. d.) bei Pferden. — aii/bölken
(ndd upp-bolken, (iiddwhm. 102) - sieh aufblähen
im Bauche und aufstossen (s. auch Bulgen).
Bullung s. Bolle,
böög (Schwel/.) s. Pöpel.
boereln (zu boren, berra, Bcbmeller I, 2.r.a, Köhler
V. Gl. 2»:i}. das Maul verziehend laut weinen.
Börpel s. Berpel.
Börzel s. Bflrzel.
böse, iähd. bost, pösl; mhd boe*e — schlecht,
unnütz; ein nur dein Deutschen I nicht auch den <Jur
manen. eigenes Wort, das Im ahd geringereu t'tnlang
hatte, aber doch durch ,.Cbel" ,.übel" well überwogen
wurde; Im mhd standen bereits beide »Ich gleich,
im nhd. Ist „bose" vorherrschend geworden und
hat ,,übcr' wesentlich eingesehrankt, ör. W. II, 136),
— bÖSe (zu ahd. l»j*a, uugao, Bossen. Kluge 4, SO).
Kin{,. Possen treibender" böser Wicht ^Böse-
wicht) war vermutlich auch früher als persön-
liche Ursache der verschiedenen („aus Bosheit
angethanen") Krankheiten angesehen, zu denen
besonders auch die ansteckenden = „schel-
mischen Krankheiten" gehörten (conf. Schindler
I, 298). — Die Böse ( Flandern ; 1439 van der booUe —
Influenza, i/emch 185) = böse, ansteckende Krank-
heit, z B. Grippe. — DasBöse (I500daspo«-8ypht-
lli. Fuchs 1. 320) als ein bösartiges, ansteckendes,
giftiges Übel, vor dem die Menschheit zurück-
schauderte (I- c. 417). — Der Böse ist auch — der
Teufel (Pauli 56). — (1399) „Vieren -Bosheit tposhait
dernieren, Schindlern. 1089) — böses, schmerzhafte«
Nierenleiden. — böse (r, ff) Augen, Bauch,
Bein. Beulen, Bi$», Blasen, Blattern Blick, Blut,
Bradem, Brauen, Breiten, Brüste, Bürde, Ding,
Drilsen, Düsse! . Feuchtung, Feuer, Fieber, Finger,
Flechten, Flecken, Fleckenfieber, Fleixch, Fluase,
Franzosen, Fuss, Gehör, Geschwüren, Oesäfte,
Gestalt, Gichter, Grint, Hälse, Halsiceh, Hand,
Häute, hirnig, Hüte, Husten, Kälber, Kaulen,
Kind, Kindbett, Knie, Kopf, Krankheit, Kraut,
Laussucht, Leber, Lust, Magen, Materie, Maul,
Melancholie, Nagel, Nase, Plage, Baude, Böte,
Rose, Rüdigkeit, Schärf e, Schauer, Schelm, Sehen-
kel, Schwämmchen , Schwären, Schiceissucht,
Seitenstich, Seuchen, Staupe, Stätte, Stechen,
Sucht, Tag, Warten, Was, Wehl (Wädl),
Wehtag, Wesen, Wicht, Winde, Hunden, Wurm,
Zähne, Zahnfleisch, Zeichen, Zitterach.
Bofel s. Pofel.
Bofist s. Fist.
Boge, f. - runde Beule (Schindler I, 216),
Pocke (s. d.).
Bogen, m bogen, Krümmung, Biegung (rorgerm.
bhtik . gem. germ. bog [bug, Bühel] ; ahd. bogo = Corona,
clrculus, Khab. Manr., mhd. böge; engl, bow, Kluge*, 48).
— U7:,3.i Bogen, 1 - Chorda gonorrh. (A. v. H. I,
70»). — 2. =- Wirbelbogen (Falke I); mhd bogen
- im Bogen tiiessen (von Blut und blutenden
Wunden) (I.exer 27). — Alters Bogen s. Geisen-
hofen. — Augen-Hogen, 1— Circulus in pupilla
— Iris, Regenbogenhaut (Gr. W. I, sOt;. — 2. = der
die Augenhöhle umgebende runde Knochenteil
des Schädels (Falke I). — Ellen- Bogen (urger-
manlschc Zusammensetzung, Kluge*, 4M. 88, aus gern
indogerm. olena — KUe - Vorderarm u. Bogen, eigent-
lich Armhiegutig , ahd. dlnbogo, m., ellnboga, f., die
Biegung de« Cnterarmes, KUenbogcn-Gdenk ; dlnbogo,
tirafl III, 39; cubltus, Gr. W. III, 403; elllnpogun,
II. 7. XVI, .'»2 ulna; 12. Jahrh. denbogo, H. Z. II,
20'» -— cubltus; 13. Jahrh. dlpogen , Pfeiffer 52; mhd.
dleuboge, dlenboege ; 1V58 ellbogen — Oberarm, Ellen-
bogen, Vorderarm. Hyrtl, K. W. 43; 16. Jahrh. ylnboge
- allcnus ulna] eubitus, D. 23. IM; 1599 dienbogen,
«.r.W. VI, 720; engl, elbow, Lehf IM), 1. a) = (wic oben
ahd.) die Stelle, u oder Arm an der Kllesich beugt.
,,Man verwohnte «ich früh ,, Ellenbogen" für d. rnteram
selbst anzuwenden und dein einfachen alteren) ,,Elle"
(-Vorderarm, s. Elle) lediglich die Massbezeichnung
ra überlassen" (*,r w m, <14ff.); b) nach Hyrtl
K w. 43. 131) war Kllenbogen aber auch = Ober-
arm (z. T.); c) (I7s3)-das Kllenbogen-Ende der
Ulna (l.evdingns' — 2. = das tierische Fussgelenk
an den VorderfüBBen zwischen Bug u. Knie bezw.
; Kessel Gr W. III, 1 c ). - 3. - (mhd. ellenhohe
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Bohne— Bohrer.
Bodach— boren.
1699 elenbogen, v. M. 53; Lexer 42, R. A. 667; Gr. W.
vi, 720] -- ein Pferdefehler, eine Gelenkkapsel-
erweilerung cyetischer Form a) am Sprungge-
lenk, b) am Bng o. eigentlichen Ellenbogen (Stol-
lenbeutel), c) am Vorderknie, wobei die Pferde
..kniehängig" werden = Ochsenknie (s. d.) ; auch
— Leist oder Ellenbogenleiste.. — AV/tribogen-
Bug, -Knörrlein, -Leiste, -Bohre. — En v / Bogen
1332 cngelpogen . Or. W. III, 1529; Schmeller I, 111;
enkelbogn, <ir. W. III, 486, Engelbögen (Tirol), Hlntner
7 16) = der Ellenbogen (Andresen 73; Iß. Enkel). —
(rrm^n-Bogen = der liebtgraue Bogen o. ovale j
Streifen an der peripheren Zone der Hornhaut
(fettige, hyaline Trübung. Gero(n)toxon, Arcus
senilis, Glasauge), der bei alten Leuten sich oft
bemerkbar macht. — (1632) Regen -Bogen (ahd.
reginbogo; mhd. regenbogej = die farbige Regen-
bogenbaut (a. d.) des Auge«, Iris (Hyrtl, K. w. 161).
— Sch /.--.-Bogen = die Krümmung des Schoas-
beins, welche den vorderen u. unteren Teil des
Beckenausgangs bildet. — (1677) ScAun66-Bogen
'ahd. iulpogo; mhd. swiboge; 15. Jahrh. swebe böge)
— Schläfebein mit dem bogenförmig sich an-
setzenden Joch bogen (Th. Barthol. ; Hyrtl, K. W. 141;
a anch Andre^n 223 D. Kluge *, 342). — Bogen Bl U t ,
-Elle, -Ritt, -Bücken, - Tripper, - Wunde.
Bohne, f. (ein urgermanischer Name d. laba [Bohne],
Kitige *, 48; ahd. t*ina; mhd. honender «chwarzeKern
der Bohnenschottenf nicht), 1. = der Kern (s. d. 3)
oder „die Kernung", Marke oder Kundung an
den Zähnen des Pferdes, dessen Altersgrenze
man ausder Beschaffenheit der Bohne (schwarze
Tüpfelungen in den bleibenden sog. RoHszflhnen)
erkundend schätzt (Gr.w. V, r>96; Mayer 33. Abiig 3).
— 2. = Nasenpolyp (Zw. :.75), der wie ein roter
Bohnenkern herabhängt (davon die Fabel von der
In der Nase keimenden und wurzelnden Bohne}. —
3. - (17. jahrh.) eine Parulis - rotes, bohnongrosses
Geschwär an den Hundszähnen des Pferdes
iR. A. ISO, Kalke I, 144). frz. fevc, a. Felfel). —4 =
bohnenförmige Exkrement-Kügelchen [Schmal-
ler 1,246). — .Y /-> >,- Bohne - Bohne 2. — Bohnen -
BlätUhen, -essen.
Bohrer, m. (bohren) Indogerm. bhar = mit einem
»cbarfen Instrumente bearbeiten : urjrerm. börön a
forare ; ahd bor«n , mhd born, Kluge *, 48). — Bohrer
(bourer) (Tirol) -ein kleiner, aber doch kräftiger,
menschlicher Körper (wie ein Bohrer) (Hlntner 6.
11). — -li<A>ohrung des Magens (i:>69 ufboning,
Gr. w. v, 1360) — der Schmerz den Mauens, als ob
er aufgebohrt würde (Empörung^) Singultus.
— Kn «-'-Bohrer. L = Säbelbeine, U-Beine (s. d.)
luneigentlleh). — 2. = eigentlich X-Beine («. d.) ><
(iVsterr. Militär-Ausdruck). —3 = bei Pferden
die zu enge Stellung der Knie mit Neigung nach
innen (Falke II, 19; Gr. w. v, 1426) (Ochsenknie).
— A i' ' Bohren (Ü77 nabelbor, Gr. W. VI, 2812)
= die Kolik mit dem Sitze des bohrenden
Schmerzes in der Naheliegend o. Magen-
aufbohrung). — nd^W-böhrig (naegelpürrick, Z d.
v. f. V.-K 1895. 817) = den bohrenden Schmerz des
Nagelwurmes habend (Mecklbg.) — Das (grim-
mige) Ohrenfell- Bohren = bohrender Ohren-
achmerz. — Tölpel- {Esel-) bohren s. tölpel-
himig.
Bolgach 1 böl.
bolken J 8 00X90
Bolle, f (bollen.Böllung) altgerm. bolla = „rund-
lich erhöhte Form", Kluge*, 49; engl, bowl - Schale ;
bowel» — Eingeweide , Lehfeldt 146, eine Ablautstufe
zu ball. Kluge*. 26; dazu ahd. bolön; mhd. boln —
rollen, werfen, schleudern, Kluge5, 49). — (1560) auf-
böllcn nach oben sich rundlich erheben (von
der Leibesfrucht) (H. Sachs; sc hm eil er I, 232). -
Ausbölung des Nabels - Nabelvorwölbung mit
der sogen. Windkolik. — Drosse/- Bolle (angls
throt-, dhrot-, drot-bolla — gnrgulto , D. 271; angls.
throtu ; engl, throiit - Kehle, Kluge \ 78) - Adamsapfel
an der I-Mosselkehle als Vorsprung am Halse.
— Haupt-BoUe (angln, heafodbolla. Kluge* 49)-
Hirnbolle; dazu [ndl.) Bier-Bolle -durch Bier-
genuss dicker Kopf. — fftrn-Bolle (ahd. hirniholla
caput, firafflll. 96; Hirnschale, Kluge 37. hirnibollun
cerebrum. II. Z XVI, SM; mhd. hirnbolle Schmellcr 1,
232) = der kugelförmige Hirnschädel selbst (Hirn-
scheibe; vergl. Bollen-Grint). — hysterische Bol
(ndl.) s. Kugel ; (is het de baarmoeder die naar omhoog
komt, V. K II, 232). — /.r»- Bolle taltnord. blaut
bolli; Golth. 641) = die Hirnschale, gefüllt mit
Opferblut zum Weissagen o. Losen. — (1627)
R m -Bollen - die runden Pferde- Exkremente
(Gr. w. VIII, 1253). — rerbölen = aufschwellen
(vergl. verbellen), das Aufwerfen ist auch ein
Schwellen. — mbolen - verwerfen, abortire
(Schwaben ; Sc.hw.4oi. — alte VerböVLungen (Ruck 18)
— alte geschwollene Schäden an Sehnen, Kno-
chen, Gelenken und Muskeln. — TVidcr-Boll
(ahd. uuidcrpolla, (irafl III. 91) — zurückgeschlagene
Stirnwölbung. - B6ü-(Böü-)(er,cn)Auge, Grint.
Bolzen, m. Boltz, m. (bolzen, polzen, bulten,
pulten, pulzen) (vorgenn. bhldo-s [ Sehiessnagel) ;
ahd., mhd, bolz [mit der gleichen Bedeutung', Kluge 49;
1497 boltzj. — Bolz - Us humeri, Oberarmbein,
ähnlich dem Bolzen-Riegel der Stadtthore (Hyrtl,
K. W. 23. 24). — bolzen - schlagen, pulsieren. —
fjiobolzen ahd üzarpulzan) — obullire, wenn das
Herz dem subjektiven Gefühle nach wie ein
Bolz hervorspringt (Hr. W. 1, 823; Schmellcr I, 390).
— (1620) hervorbolzende (Augen; il» Minderer)
s. Augen. — Bolz- {bolzende) Adern , -Augtn,
•Bärmutter, -Kopf (s. auch Bülten u. Bulzen).
Bomhart, m. - Podex Tirol), der wie ein
Bomhart (pompardon) ertönt Ulintner 7. 17). —
Bonzen, m. (Tirol) - Magen - Banzmagen,
Bansen (s. d.) (Hlntner, 8. 18. 20).
Boot, n. bootskrank.
Bord, m. (ndd. bord Rand nautischer Ausdruck
SchifTxrand], Kluge*. 50; 167s die port Nürnberg;,
Vt. ii. 131), Wundrand.
-boren (geboren) zum indngerm. VcrWlstnmm ber
— Leibesfrucht tragen [fer] . vorgerm bher; ahd. gibiran ;
mhd. geberu, Kluge ^ 30 >. baren]; ahd. horuu; mhd.
born — geboren , ahd. und mhd. harn Sohn, Kind,
Kluge*, 130). — Born- Kind. — angeboren (uhd. aua-
giboran, Graft" III, 1 »'. , Cr. W. I. Xi» natura (insitus,
(1*14) avitus (D 81), agnatus (D.18) von Geburtaus;
o. schon lange bestehend. — final) angeborener
Fleck — Macula. Naevus congenita* (Had. Ina .887).
— il-.yl; angeborene Maass . lind . Tun ;:s) , .Maser)
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64
bor— Borste.
Borten— Bottich.
= Macula congenita, angeborene Fleischwarze.
— blindgeboren (ahd. plint poraner, Graft III, 142)
= ohne Sehkraft auf die Welt gekommen. —
/VuAgeboren (15. Jahrh. zu frue geporen) - Abortus
(Gr, W. IX, 1. 1844). — /.. us( h geboren U4*2 keuseh-
geporner = castratus, I). 84), weil durch die Kastra-
tion zur Unkeusche (s. d.) untauglich. — neuge-
boren ahd.niwiboran.nraff III. 142; nihd niuweborn,
Gr. \v. vil, 664; engl, ucwboru, Lehf. so) -neonatus.
— totgeboren s. Totgeburt. — »n^rboren <nord.
i'ibornom; ahd. öborni, Slmrock, H. D. M- 21") ; mhd.
ungeboren, Lexer296) ; ungeboren ist 1. = das Kind,
das nicht auf natürlichem Wege, nicht durch
die Natur geboren ist, sondern z. B. aus dem
Mutterleibe ausgeschnitten wurde (Gr. W. IV,
1 ICH; Jordan MS. 351; Wuttke 203J. — 2. = der
Abortus, weil Oberhaupt nicht als Geburt, son-
dern als fremdartiges Gewächs betrachtet. —
3. = nachträglich, nach des Vaters Tod geboren,
d. h. zur vollen Geburt gehörte eigentlich, dass
der Vater selbst, noch lebend, die Rechte auf
den Sohn Ubergehen Hess, weil er selbst an dem
Erzeugen und Gebären (durch die Eltern) mit-
beteiligt war {Gr. w. 1. c). — ungeborene Kinds-
flüsse, s. Fluss. — gestorben wngeboren = abor-
tivus „in beliebter Rätsel-Fassung" (Gr. w. IV,
1. 1614) b nicht lebensfähig und nicht natürlich
geboren. — umeitig v boren (1483 geporen zu
untzelten, Zening Vor. k. 8) abortivus (s. unzeitig).
— voii'i' boren lahd. fulboran [Lege* Langobard .].
D« fange III, 623; 1475 fulbor, D. 250) = ächter Sohn
aus vollberechtigter Ehe.
-bor, -pÖrung iahd. bor. burian ; mhd. bor^ oberer
Kaum). — empören (4M. MUbftren = erheben ; mhd.
eiaboren; 1528 erheben ~ erheben machen, Kluge*, S9).
— (1618.1 Gebärmutter- h r/ipörung — das lief Ohl
des Aufsteigens, Sicherhebens der Gebärmutter
(8. steigen) (Fama IM).
Borke, f. [ndd. Lehnwort; odd. borke; engl, bark
Binde ; altnord. borki Kinde, Kluge ,S0; [tan obvrd.
fehlend.; bat ltezug zur Birkenrinde) — Crusta, ein
Krunkheitsprodukt, welches durch Vertroek-
nnng von pathologischen Absonderungsllüssig-
keiteuaufd. HautoberÜache'Rindej gebildet wird
(Auspitz), von der Schuppt- (s. <1.) durch Dicke
u. Bildungsweise unterschieden. — //irn-Borke
• = die graue Hirnsubstanz (Rinde); ein sehr un-
zutreffender Ausdruek des Wiener Anatomen Leber;
wohl aus dem Brägensohorf der Niederländer abgeleitet
(Hyrtl, K. w. 166). — Sinn-Borke Sycosis menti
(Bohrend 48), Ausschlagskruste am Kinn. — MiUh-
Borke Crusta laden, Milchschorf der Saue-
linge oder kleinen Kinder (Vefel In Zicmssen, lldb.
d. sp. l'ath. u Ther. XIV, 1. *5H; aurh l'orrigo larvalis,
Batemann; Lactumon Mauardi I cod. . Tinea faeiei,
Sobernheim 71, Eczema capillitii, Aclior mucitluus,
Kczema capitis chron., Kehrend X\ II IT; die früheren
Ärzte nahmen die Borkcitbildung als Krunkheitsiinter-
scheldungsinerkmal an'1. — Borken Kopf, - Krätze,
Borpein (Porpein) ~ Rurpeln (Morbilli), s.
Porpein.
Borste, f. BÜrSte(n) vorgerm. bhers , nenn bar«
spitz, bors-, Kluge*, 30. 50; ahd. hurst(n). bunti, f.,
tiraff in, 215; mhd. börste) = Seta, Borate, 1. sa das
starre Menschen-lluar sdiw .hi ' , das wie eine
Bürste (auch spöttisch = Haarboden) empor-
sieht (vergl. Bürzel). — 2. = die vom Volke viel-
fach bei Schweinen als Krankheits-Kriteiium
benützte Schweinsborste, die beim gesunden,
d. h. nicht borstenfaulen (s. d.) Schweine an der
I Wurzel kein dunkles anklebendes Blut zeigen
sollte iv. M. i, 77). — 3. Borste — weisse Borste
(s. d.) (Falke i, 145). — (isoi) ScAtceins- Borste
Comedones, Mitesser, bei der das Augen wimper-
haar widerborstig aufsteht (Weickard 218}. — die
weisse Borste (b. Schwein) = Milzbrand (Z. Hdb.
I d. sp. Path. xx. Ther. III, 470; Zipperlen 633; Kalke I,
145; II, 46. 4*j,i ; die Haare stehen bei Krank-
heiten der Schweine (Milzbrand) sehr bald
borstig (s. Staupe) auf und bilden an leidenden
Hautstellen Büschel von 12 — 15 Borsten ; diese
verlieren ihren Glanz, erscheinen darum, na-
mentlich bei schwarzen Schweinen, entfärbter,
weisser, als vorher. — W«fer-Borst = Brippel-
Haare- unterm Haupthaar widerspäustig, bor-
stig emporstehende Haare, die Zeichen eines
zänkischen Charakters sein sollen. — Borsten
Fäule.
Borzen, m. (Burzen) (Tirol) = kleiner dicker
Mensch (vergl. Bürzel) (Hinterer 5. io; Schindler
I, 285).
Bossel, Bossen s. Possen. — Bossel-Beule.
Bost, f. (ndl. = Brust [s. d ], Goldschm. 118 [borst]!.
Bote, m. Der Bote bringt's = es kommt ein
Kind auf die W:elt Birlingcr II, 20). — (1570) der
hinkende Bott (A. v. n. I, 10771, das Oedema (ex
hydropo) (s. auch Hotte 1*1 Bottich), da es „oft
ein Zufall innerlicher Krankheiten ist, welcher
nachkommt" (nachhinkt). — <I699. Vorbote, 1.=
Vorläufer, die ersten Krankheitssymptome vor
dem eigentlichen Krankheits-Eintritt(Aura). —
2 = das Krankheits-I'rognostikon, aus dessen
Erscheinen man uuf den Grad der Krankheit
schliesst (t, m Ii, 68).
Bott s. Butt.
Bottich, Hl , n. ; Bottech) lahd. botahha. kelt
both — made Höhlung, Briss. 36; botah, tiraff III, 8.5
truneu«, corpus; mhd. botecb, boteche. f.; 1777 ecn
botte bydrops [Wassersack], IL 77; Bottich [s. Bote;
hat Beziehung zu butte [und beutel?]. Kluge*. 51;
Gr. W. V. 1747; engl, body Bauch, Bottich, Kumpf).
— Bottich — Leib. Man nimmt an, dass der Leib
nach dem hölzernen Hausgeräte Bottich benannt wurde,
wie dies« Art Kunengebung bei den mangelhaften und
dürftigen physiologischen Vorstellungen der Urahnen
ciue «ehr häufige war, es ist aber in diesem Kalle
wahrscheinlicher, dass umgekehrt die lederne Bütte
{— Beutel, bezw. das tierische Bottich; ein beutel- und
] sehlauebarUgea Aufbewahrt! ngimlttel de» Nomaden
war. da.« spater bei Se-obaftmaehung aus ergänzend»
Binde, ltiot oder Holz, aus festerem Stoffe verfertigt
wurde; obwohl dann aus Holz, wurde doch der alte
I Name aus der ursprünglichen Lederzelt beibehalten;
die ersten Kenntnisse der Giiruugs- und Gerinnungs-
VorgatiKc leiten sich wohl ab aus der Beobachtung des
im Hinds-Magen mitgeschleppten gerinnenden Milch-
und regondtirchnassten Korn-Vorrates; diese ursprüng-
lich ledernen Gegenstande haben danu spater den
i schwieriger herzustellenden Tonnen (Bottichen), Fas-
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Botz— Bräune,
Bräune.
«m etc. ihren Namen überlassen, wie auch der Rumpf 1
(». d ). (Vergl. Büdming, Pottich und Butte.)
Botz, n Bötzen, m., n. — Aasen-Botz(en)
(15. Jahrb. das nasehos, Gr. W. V, 1448) = Schnupfen,
Knobel (s. d.) =-- Nasenbatzen? (Bötzen = Katzen,
Schmcllcr I. 316 , wohl besser zu hoese [s.d.]) Nasen-
l'bel, InHuenza, .Schnupfen.
Brä (Brach) f. Braue (SchmeUer 1, 33.>).
Brache, f Brache die rmbreebung de« Bodens
nach der Bmte (Kluge*. 51). — Brach- /*'< W.
Bracke, f (9. Jahrh. bracchou - uialae, niaxillae,
Rah. Maur. 64 ; I>. 344).
Brackel, in. unförmige, «ehr beleibte Per-
son tHchmeller I, 34C — bracket dickbackig,
voll, dickleibig. - Brack-Äo«e.
Bradem, m. (Brodem, Broden, Fradem) ;ahd.
hrädam, prndaui, (.nitT III, 29"J; pro-iit Vt; vor dem
Atel«?, KIukü*. 54; odor, Spiritus flatus, mhd. bradem
Hauch, Dunst, <ir. W. II, 295; lloffm. I, 361; 1483
bradem vapor, l.nft. Dampf, Atem, Schwadern, Zcnlng.
Voe. e. 8, z. 6; engl, hreath Atem, Brodem, Kluge),
(vergl. Fradem u. Braten), 1. = Atemluft, Hauch
vorder Atmnngsoirnnng 2 Dyspnoe, Atem-
not ss (1477) „böser Bradem (Ortolph 24a). —
3. -schädliche, böse (s. d.) Luft (Tabcraaemonta-
du»), Miasma als Krankheitsursache; nament-
lich für das Ohrensausen ist „der übrige Bradem
in dem Haupte" nach Ortolf die Ursache. —
Der Brodem {Or. W. Ii, 3%) = hitzige Atem-
luft bei Lungenkrank heiteo. — ;M77) unreiner
Bradem unreiner, übelriechender Atem (C v.
X«t*nbg.). — übriger Bradem zu viel üble Luft,
die eingeatmet wurde (ortolf).
Brägel, n. [Sebwats] Blatter- Narben als nar-
biges Kell zu hraccn - die Kelle oder Ililnte strecken,
SchmeUer I 351).
Brägen (Bracck) s. Bregen.
Bräm (Bram), 1 - Braue, Augen-Braue (s. d.)
(SchmeUer I. 355), — 2. Bram = Reis, Zwei«. —
Bräm-^idfr.
Brät. n. s. Brat. — Braet- H wr»i.
Bräune, f. (Braune, Bräune, Preun, Prein)
,*u ahd. brün [germanische ItezeichiiuiiK der l>ci Krank-
heiten «eilen gebrauchten Urämien Farbe,; mhd. briune
— das Braun sein, Kluge*, 52; mhd. ,,bruu"wurts --
die gegen die Rraune gebrauchte Braunelle, Jessen 69;
[15. Jabrh.i 14K! prewuin als Krankheit. SchmeUer I.
35»; ; I3M brAunln, linln-nu. Mlr.-B. — die Braune ;
1518 prune BrAune, H. v. (iersd. 72. 771, der sie
fälschlich von prunus Pflaume, wegen der dunkel-
blauen, pdaiimenähullchen < iaujrntufurbc ableitet oder
von pruna^- die Kohle, wie auch Heyne 1. 4s2u. Hennig,
Gerhardt I. 30. Anm. , |536preune, Paracclxu* -= Pestilenz
Ixrsch224. 1542. 1543 breune; 1.563 bnine - Diphtherie,
liecker 241 ; l.V.l breune, Bock 15; IVO brenne Angina,
Pfets* 78; 1603 die braun angina. Heyne I, 482; 1612
braeun Felix Wurf*. 1618 Itrelm ardor llnguae. In-
tUminatio linguae Aufkirch Mirakel'. Schnu ller I, 3V.)
is Zungenbraiiue ; 161s Bruno [pnino] vulgo der Brand
WDdleuer.St Aiitotilu«feuer. ParaceNu« , 17'>2 BrAune
= angina gangraenosa, brunella, A. v. ü. I, 88; „bei
welcher Alles unten im Hal«e braun oder schwarz aus-
sieht ' , I777braeune,bnine cynnnche, D.5.16. I<*>9, mor-
bus prunellae [». o.], \. ch. 7»'. , 1790 Bräune = eine durch
das sog. Notleiter behandelte ansteckende Schweino-
btuche, Abergl. 175). Eine Reihe von Krankheiten
verstand und versteht man zum Teil noch unter
Bräune, 1— die Diphtherie (Bretonneau 1815) und
Croup JF. Home 1765), iL h. Angina diphtheritica
(Hals-, Bachen- u. Mandel braune) „braunrote
Entzündung d, Luftröhre" (Doge] u. d. Hachen-
organe (Kehlenbrand) mit Ablagerung von haut-
förmigen Gebilden, Pseudomembranen (sogen,
„häutcre Bräune"), „Geschwulst der Kehle";
(1668 Beyn 95). als gangränöse Begleiterscheinung
(„brandige Braune") bei Kebris puerper., Pest
und Ruhr schon im 16. Jahrh. bekannt (Georg
435; als tilcu« syTiaeum oder ecyptiacum lin L Jahrh.
u. Chr. von dem griechischen Arzte Arctaeu« und um
".so al« euninancie [»piinamdc Cynanche, %'jvü^/t\ —
morbus anginae ennninne] ; spater auch zwynancia, mor-
bus seluantieus, esquinantla, «carnutla etc. bezeichnet.
Du « Bture VII, :m. 354 VIII, US; span. esquillencla
[lauguedoej le lanel, Bris«, 1S-5; Haeser II, 387).
Man verstand unter Bräune aber auch den
bräunlichen Zungenschorf bei typhösen Krank-
heiten, z. B. (K.99) beim Petechialtyphus (v. M.
II, 121). 2. Milzbrand (Schweinebräune,
Kehlscuchei mit Lokalisation des Anthrax
im Halse (bei Schweinen; Morbus branchus)
(Z. Hdbch. d. sp. Path u. Ther. III, 470. 488. Barde-
tcben I, 3U0; Sehnurrer II, 351; Coler. Schw. 462. 468;
Falke i, 140). — 3. Krankheit der Atemorgane
wegen der Dyspnoe mit Croup und Diphterie
(Bräune) verwechselt und „Bräune" auch auf
andere Krankheiten mit Atemnot oder Schling-
beschwerden übertragen (s. „Herzbräune"). —
4. Sehwämmehen (Soor) und Aphthen (C. t.
Schm. (Aphthen bräune o. Muudfiitile w ird häu-
tig noch mit Diphtherie verwechselt^. Zungen- u.
Mundbräune (s. d ). — 5. — Angina parotidea
Hippok. - Parotitis infectiosa, wegen der hiebei,
wie auch bei Angina diphtheritica vorkommen-
den Drüsenschwellungen am Halse, ntit denen
sie verwechselt wurde. — 6. =» Milchschorf (C. v.
Schm. 92; wegen seiner braunen Krusten auf dor
Kopfhaut der Säuglinge. — 7. ■ die weibliche
Scham (mhd. brune, das brüne) wegen der braunen
oder dunkleren Hautfarbe des Möns Voneris
(SchmeUer I, 357). — 8. s das wilde Feuer (s. d ),
Pseudoerysipel .Schwaben; C. v. Schm. 921, llaut-
Milzbrand (Falke I, 146) mit Ausgang in Haut-
gangrän (..brandige Bräune") = (1528 pro na =
tote Kohle, Heyne I, 482; U. v. Gersd.) (conf. St. An-
tonien-Keuer);solche missfarbige Entzündungen
sollten sich nach F. Würtz (1518 — 157.5) bei Ver-
wundeten auf der Wunde zeigen Hennig 1 c ;
die Braunellen und Braunhcllpflanzen [Bronella vulgär.,
Ligustrom vulgare] olnd volksubliche Heilmittel da-
gegeu, ebenso die alten ltc«chwonmgsfornicln, Zeltschr.
d. v. f. Voiksk. is;<,., s. 23), — Aphthen -Bräune
s. Bräune 4 (Kraus, K. 70). — (173yj brandigiße.
Bräune, 1 - Diphtheria gangraenoee mit loka-
lem tiewelisbrand (I leus syriacum >orc throatl,
Angina maliiroa, Kraus, E. 1072; Schnurrer II, 28;
M. H. I.. 1, 157). — 2. = Milchrand-Bräune (Rank»
I korn) beim Schweine (Falke II, 123) — (1645)
braune Bräune = Bräune 1 (s. o.) zum Unter-
I schiede von den andersfarbigen Bräune-Arten
b
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(50
Braune.
brauten— Brand
Uder. II A. 130), 8 auch hruune Blatter. — Brust-
Bräune = Augina pectoris = Schmerzanfälle in
der Brust- und Herzgegend mit ungeheurer
Brustbeklemmung und Atemnot durch Herz-
fehler z. B., wie hei Braune (Croup); falsche
Brust-Bräune Angina pectoris ohne Herz-
fehler (KoP|. in . it., . — (17x2) falsche Bräune
(Ackerm. 77. si ; M. II. I. I, l.v.j lieberloser l'wndn-
Croup mit etoupahniiehen Symptomen, al>er
ohne Crouptnembtanen (- akutes Mihar'sches
Asthma;, (1769) ungefährliche Halsentzündung
(Ackerauuin 81). — faule Bräune = die septische
I on ii der Angina diphtheritica mit Fäulnis der
Croupiueinbrancn. — Jraengcde Bräune das
Wiangekorn oder Rankkorn [*. d.), Milzbrand
der Schweine im Halse ii ynanehe) (Kulm, z. IV.
3. ino). — Friesel - Bräune Angina miliaris,
Scharlach - Friesel mit Sciiarlacii - 1 »iphtherie
(Hocker 200). — gemeine Bräune - epidemische
oder gewöhnliche, einfache Diphtherie, die all-
gemein herrscht. — V/ci/n Bräune, L»(l7S5vdor
fiiiu'him [Thes. san. Ur sy.», Inphtherie tu Halse;
1712 lancium ardor als (omplication der l.uk'orsiu-ht
(s. tl.), Im 17. Jahrh. bekannt, Zw. Ii;: Angina (»eil.
diphtheiitica) (Ur. \v. iv, 2 25«). — 2. Milzbrand
im Halse der Schweine (Kaukkorn) (Kalke I, 382).
— (1.S07; Haut- {häutere, häutigt > Braune (llufeland
IM; Hocker 202. MS; Kalke I, 3öy; J. I*. Krank VI, 30t]
Croup hei Mensch u. Tier (s o. lt. — iifi'jyj
i/rrz-Bräune, l. — Angina (- Beengung) car-
diaca - Angina pectoris Anglorum s. nervosa,
Herzgesperr, Heizgespann (s. d.); 'man nt«.-r<*t/t«
dU- Angina mit Hräuno [ Angina diphthoritlssl, mit
der Sie nur die AtembeM-hwerde od. Dyspnoe etwas
gemein hat, v. 11. II, 123). — 2. — {IMS) heftiger
Schmerz in der Herzgrube beim Ungar. Fieber
o. Petechialtyphus (Lorsch vis, Herker 211}. —
(1716) schwarze Üc/M-Bräune - eine pestartige
Epidemie zu Friesach in Karnthen mit heftigen
Schmerzen 111 der Herzgrube bei Beginn der
Krankheit (t.ersch.Hl) «. l'cslbruune u. schwarze
Braune). — 7ii<>«/> -Bräune die krampfhaften
Schlingbeschwerden bei der lluodswul (kyn-
anche, Cynanche, Bräune 3) (Krau*, E. 67»). —
Kehl-, Ai'/iiA-o/i/'-Bräune Cioup und Kenlen-
braiui (s. d.); (engl, »ore throal). — (17'pO) Kind<r-
Bräune die bei Kindel n hautig autiretende
Augiua diphtheritica <\ r, II II, 1207). — (icwj
J/«y<r«-Bräune Herzbraune, dl« in der Uers-
oder Magengrube am meisten empliiiiden wird
(r. M. n, 123). — AfandW-Bräune - die haupt-
saehbcli un<i zuerst aut ihn .Mandeln sieb
bemerk bar machende Angina diphtheritica
tonsillaris s. Morbus branchus (Kühler II, 43;
Kraie", i: 171). — Jlt/zbrund-Bräune Brand-
braune2 (Kalke II, 23). — Aitoid-Bräune Stoma-
titis diphtheritica u. Stomatitis pseu dornen* bra-
nosa (Soor). — (i >42) pestartige Bräune die
höchst ansteckende iiugiirisclie Kiankheit (S, d.)
mit bräunlich schwarzlichem Zungenbelag
flUeier n. S41). — Pferde- Bräune Miangel o.
Hotzder Bierde •,.Mulier,\M«'i,d. spr I. is.3'.i,i),Coryza |
typhosa mit croiipalinhclieii >yuipioinen im
Kachen U. in der Keine des Bierdes. — Rachen-
Bräune -- Angina diphtheritica. Schlund braune,
zum l ntersclnede von d. Herz-Braune o. Angina
cardiaca. — (lftlö) rote Bräune ■ entzündlich
rote Halsbräune, Angina (t oler, II. 130). — Botz-
Bräune - Bierdebraune (K u. r. 111, —
Srharlut h - Bräune -- Angina scarlaimosa, die
bei Scharlach als Begleiterscheinung beutet k-
bare Halsentzündung. — addechtc Bräune ■=
schlichte, einfache, gewöhnliche Angina diph-
theritica. — [WH schleimige Bräune — eine Hals-
entzündung mit Bildung massenhaften Schlei-
mes (Angina suppurativa) (Nicolai IV, 507), —
öWi/tmd-Bräune - liaehenbraune Kalke II, 2si).
— *dnairzlieJtr, schwarze Bräune (Ur. W. II, 325),
1. - Angina diphtheritica gangraenosa vlillO bis
löiK.i, zum Unterschiede von der weissen Braune
(s. d.); „der Hals ist dabei unten ganz braun
und schwarz-' (A. v. H. I, 89). — 2. (I57D - Best
(Verf. Volks-Med. 226J wegen des hraunhch-sehw ar-
zen fuliginosen Zungenbelages (Crnsla) [Colcr,
H. A. IM). — (1731) öYA»m»e-Bräune gemeine
Scbweinekrankheit, Uankkorn. Milzbrand im
Kachen der Schw eine mit Erstickungsnot, wobei
die Zunge bräunlich schwarz wird (A. M. 2s)
(Braune 2). — Steck- {ütock-, Stick-) Bräune
Croup (Diphtherie mit Tracheal-Menose) und
Eratickungsgefahr (Dyspnoe). — !17.v.j trockene
Bräune = Kinderbrftune (a. t. b. n, 1201) mit
helssem Brande und trockenem Husten im
Gegensatze zur falschen Braune, wo der Pseudo-
croup bald iu einen leuchten Husten übergeht.
— (1750) wahre Bräune (A. v. n. 1, 89; Ackermann 77)
— die geiaiirhche Diphlueiiu gangraenosa oder
croupeea (im Gegensätze zum ungefährlichen
Pseudo-Croup). — {m:,} »risse Bräune, 1. ■ das
frühe Sladiuui der Angina diphtheritica, bei
der die Belage noch weisslarbig sind. —
2, — „eine geringere Angina, bei der kein Fieber
vorhanden ist und die Mandeln geschwollen
und wessslich glänzen" (A. v. H. I, 89) = Angina
herpetica (der „gestirnte Himmel" auch ge-
nannt). — 3. = die weissen Filzmaasen durch
Soor (Oidium albicans, Aphthae) [Coler, H. A. 130j.
— 4. - weisser Brand. — \\ ('//»-Bräune Uy-
kunehe — die ktumpfhafte Sciihiigbcsrl; werde
bei der Tollwut, Wollswut (Hundswut) Krau*, K.
o:s; — Um«/-Bräune Wund-Diphthene,„eine
heftige Hitze, wovon die Wunde ganz braun
wird" (Zw. uns] (8. o. 8). — Zfij/i/toi-Bräune^
brandige Zaplciienenuumliing, Blal BC (Hessen
(s. d.), Angina diphttierilica und caiarrhuhs. —
(1C2D -Kiiuj Zungen- Bräune [161S; Schmellor I, 35«;
St. Ilonno-Mtrakei-Bueh) = trockene, braune Zunge,
Ardur linguac, indauiiuaiio linguae. — Bräune-
Fru wf, - J<ihr.
bräuten coire (<«r.W. IV, 1 I3j Scnnisller I, 371 ;
engl. Urido).
Brais, m. s. Breis.
Brampern s. Braue.
Brand, m. [ahd. brant; mltd. brand zu „brennen"
vs. d ), (Wurael bren,; vorRcnn. hhren Kluge*, &1.
.ter örtliche Ion (Uarduleboii 1, 27.;,' der Me-
dizinschulen; die überlieisse Bluikochuug \nn
YolksbegiilTe), l.=jede Krankheit bei Mensch
oder Tier mit hoher Fieberhitze (Inllammalio,
Aesttis consumens), ohne eine dem Baien
erkennbare Uusserliche Ursache und mit t«id-
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Brand.
Brand.
67
liebem Ausgange, namentlich typhöse Pneu-
monien, Typhus (1439 brand " eine In Flandern hohe
Sterblichkeit veranlassende Seuche, Lersch 180; Bock
2-Vj; „den presten [a. iL] uuJ schädliche I'lag [s.
nennen «lle Kauern den Brand"; ICSI der Bland 1
„schlugt «Ich hinzu", Gr. W. II, 295, und wird uueh
In deutschen Segen-pruchen zum welchen, abweichen
Ib. d.) itebannt od. „behoben". Kuhn, II. f.. V, 380;
lt. Kaiudl, tletit«ches Beschwor Buch 27; Wnttke 161).
Die Vorstellungen der Allen von der physiologischen
Chemie waren grösstenteils ihrer hauslichen Küche
entnommen (vergl. Milz, Blut, verduuen u. kochen);
was durch die Hitze und Überhitze Verursacht worden,
konnte nur Im Blute verbrannt («rund) sein; wurden
diese überhitzten verbrannten .Stoffe ausgochiedeu,
z. B. als 2. =- Kot („Abweichen" de» Branden
durch den Brnndstuhl, „der Brand geht ab"),
Urin (Koterbrechen, stark tingierlerlrin), loehi-
ale Bllllstrtcke IPnuli 6), so war dies auch der ,, Brand",
wie die Sohwarzfarbung der lluure um di.« Brunltrute
und der schwarze Fleck unter der Zunge des zur Brunft-
zeil ulwrhllzigeii Hirsche», Gr. W. II, 29:.). — 3. -
nach auü«en machte sich die innere liitze der
Krankheit auch durch „Verbrennung" (Brand,
Entzündung) der Glieder, Sphaeelus = Inflam«
matten Gangraena et Nckrosis (Fuchs, tuppokratci
i ;*« <•.,:, r h. .\ ,. d. b durch den Ausgang
der Krankheit in Brand und Braune bemerkbar
(Brand- od. Totentlecken, rasche Verwesung,
Absterben der Glieder); dagegen sollte auch die
Bnindwurzel (Helleborus viridis) helfen, (Vergl. aticli
l'Jage und Feuer) — 3. Hervortreten von
Schaum aus Mund und Nase (Görna) wie beim
Tode. — 4. = Blutstocke /. B. im Wochenbette
(s. Schwamm 1. 2. Motensehwangersehaft), er-
weichte, missfarbige, übelriechende Blutgerinn-
sel, pcritonttische Auftreibung d. Leibes (Pauli fi ,
vergl. wo« Schüller [med. Topogr. d. St. Kegensburg
1787 und I>r. Brenner-Schoffer, Yolks-Mcd. O.-Plalz 28j
■agt über Brand; dieser früher im tiebiete der Meu-
«ehciiheHkunde alltägliche Krankhcltsnuiuc hat sieh
mehr Ins Gebiet der Tierheilkunde zurückgezogen, er-
hielt »ich nlier in der .Schulmedizin langer und dadurch
auch spater wieder rollt* frisch). — 5. - das bren-
nend« Hitz- (Durst-;, t iefflhl auf Haut u. Sehleiru-
Jlauten (vergl. Nesselbrand;. — 6. - die Haut-
rote und braunlich verfüibte Stelleu auf der
Haut ;. i irch Hitze und Warmestrahlen), Brand-
stellen der Haut (engl, brand = Uraudinal). —
7. Milz- und Baiischbiand als „Flage" (l.v.i,
Brand (Bock, Krtrln-h. 2ÖÖ . — Altci H-HT&nd
- das durch Alters Veränderungen in den Adern
verursachte Absterben der Glieder. — Auf-
Brand, 1- = Hautverbrennung 1. Grades. — j
2. m vielleicht auch Brand am Auf (s. d.) ~
U vula gangraenosa. — Augen- (Augenlid) Brand,
1. = eine heftige Entzündung und Geschwür»
bildung am Auge. — 2 = Milzbrand-Katbunkel
am Augeiillde l'ir. W. I, 804. SOS; II, -W, Barde
M*n I. 30«). — (IMs) brmnender Brand heisscr
lirand (Z. d V. f. V. K. ist»:., s. 201,1. — Brunft-
Brand s. Brand 2. — (nt>2) Darm -Brand, 1. -
eine Fntzündung der Gedärme mit Ausgang in
Nekrose (Hern, incarcer. z. B.) (M. II U I. 235).
— 2. - „eine Viehseuche, («ir. W. II, 7*1 j Kalkei,
201) = Milzbrand, bei dem fast stets gesehwürige
Gediirraprozesse mit Abgang dunklen Blutes
mit verbunden sind. — Druck - Brand - Ab-
sterben der Gewehe durch Druck, brandiges
Aulliegen (Decubitus) (Samuel ßardeleben I,
2S7). — feuchter Brand — Sphaeelus (Schulaus-
druck) ,.wenn sich die abgestorbenen Körper-
teile in einen braunlichen oder graugrünen Brei
aullösen" (Bardelehen I, 27.1). — Feuer-, feuriger
Brand = der volksii blich Besprochene hitzige
Brand (s. d.) (Waiths 161. 162). - Fieicr-Brand
= die Fieberhitze, die zu Brand (1) iührt (Gr. w.
III, 1621). — (I73.i) fliegender Brand - rasch (na-
mentlich am Viehhaupt) sich ausdehnender
Rauschhrand (s. d. u. Hug) (Feser 69. 117, Gr. W.
II, 29... V 189.".; A. M. f.; wird besprochen); vergl. An-
griff, Kot 2 (Milzbrand-Ödem !. — .FiWi-Brand ^
i'Vw^-Brand— fliegender Brand (s. d.); in Brand-
segen bei den Schwaben in Ungarn und in Ost-
preussen (Z. d. v. f. v K is9:., fl.23). — Gebärmutter-
Brand ^- das septichltmiHche, von der entbun-
denen Gebärmutter ausgehende Wochenbett-
lieber bei Haustieren, wobei der Uterus die
Zeichen der Gangran aufweist (Frank 47s).
Gelb[er) Brand, 1. = Icterus neonatorum, als
Zeichen innerer Hitze angenommene sog. Gelb-
sucht ~ Blennorrhoea neonatorum (Arlt 3s). —
2. = Milzbrand als gelber Knoten o. Knopf (s.d.);
in Brandsegen bei d. Schwaben in Ungarn (gelber
Schelm). — 3. - die Lammer-Huhr, Darmseuchc
der Kalber, bei welcher Krankheit die Faeces
gelb (spater weiss), die fettig degenerierte lieber
lehnifarbig und der Magen gelbrot werden
(Frank M01. — Gerichts- Brand = Wasserkrebs
auf der Gesichts- Wange, Noma (s. d.), Wangen*
tirand, der um sich frisst (weiden — >sjit3irc«t,
dazu *ou,fj Hippokratis). — Gestuta- Brand s.
Brandzcichen. — GUtsditr- Brand - .Schnee-
brand, Sonnenbrand. — Glieder- Brand, l. -
Knochenbrand (s. d.). — 2. - eine Knochen-
Krankheit des Kindviehs (Gr. W. V, I4.>s) (Osteo-
malacia). — 3. - Ergotismus gangraenos. Ab-
sterben der Glieder durch Mutterkorn- Vergif-
tung (s. heiliges Feuer) (I.ersch 81). — Greisen-
Brand = Altersbrand (8. tl.) (Samuel 87) —
(16, Juurh.) Hilf,, Brand (branndl dess hnrms,
Arzn.-Buch) — dunkler missfarbiger Harn, der
Brennen verursacht. — Hi ■ ■ Brand - „ein
um sich fressendes (verheerendes) tiesehwiir
(Ulcus phagedaenicum), dessen Feuchtigkeiten
sehr atzend und flüchtig sind, sodass es bald
um sich greift uud die benachbarten Teile
verdirbt" (1742, Zw. 711) (wie der verheerende
Heerwurm); da die Würmer früher eine sehr
häutig angenommene Krankheitsursache waren,
so konnte vielleicht die Erinnerung an den
Heerwurm (s. d.) auch diesen Namen geschaffen
haben ; (fressender Wolf, laufendes Feuer). —
(1618) fetaler Brand, 1. = Fieberhitze (s. Brand 1)
iGr w. 11.296). — 2, = Gangraena, trockener Brand
(<;r. w. II, 295; A. v. 11. II, 638) (fi. Brand 3). —
3. = Feuerbrand, das heilige l-etior, St. Antons-
Feuer, IgniH persictis (ruracelsus, Theoph. Hodens'. ;
II. r. flcrsd. 77; A. v. II. II, 638. I*r. I. «5; Zw. 107);
(„er wird durch Arzneimittel gelöscht"). — Hert-
Brand, 1. = schwarzes oder sogen. Brand blut
im Herzen des milzbrandkranken Kindviehes
6*
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Brand.
Brand.
(Gr \\ tl, 295 IV. 2. 1227; V«Rc I BS« — 2
brennendes Gefühl in der Magen- <ider sogen.
Herzgrube (Soodbrennen) (conf. engl, hcartbum
— ni rziji.spauu [v], Uhr. 52). — (1795) //«n«Vr-Brand
-Milzbrand und Kotlauf an den dadurch labm-
ungsarlig schwachen hinteren Gliedmassen der
Schweine (Abllg. IM; Kalk« I, 208; Kipp. 672) — 1660)
ifirri-Brand, 1 SphakelosHippokratis, hitzige
fieberhafte Erkrankung mit schweren Gehirn-
erseheinungen (Plctor. 92, Fuchs, Hipp. I, 389;
Kraus, K. v>~i. — 2 Gehirnerweichung; als
brandiger Zerfall gedeutet — hitziger Brand
m heisser Brand. — (lsoi) Huspital - Brand
Spitalbrand. — (1842) Huf Brand Sphaeelua
unguis; entzündlicher Brand an den Weichteilen
des Hufes Kalke I. 416). — innerer, innteändiger
Brand - der Herzbrand 1, schwarzer Brand,
Milzbrand im Inneren des Tieres, das dabei mit
Abweichen von schwarzem Brandblute (s. Über-
blut; behaftet ist und weil davon „betroffen", mit
Segenspnichen behandelt wird, «odati.se* («Itimonistisch!
„weicht" (H. Z V. HO: J. P. Frank VI, 425; Falke 1)
— kalter Brand (1551 ; Bock 121 ; 1599 eine Herde-
krankheit, Gr. W. II, 295; 161C faule« totes Fleisch,
GangTBcua, (ir. \V. V, »6; 1620 8«. Benno-Mir. H. , er
macht schwarz [nekrotisch], Dr. Minderer; 1742, 1782
» sphacelus, necrosis, Zw. 407; A. v. II. 1, 1234; ndd.
kole braud. Goldschm. 23. 85), 1 . = kaltes Feuer :s. d.
— 2. = hochrote Anschwellung der Haut n.it
lebhaftem Fieber (ndd.). — 3 = bei Pferden der
durch Besprechung behand Milzbrand (Bausch-
brand), wobei die entfernteren Teile (Ohr, Maul
sich kalt anfühlen durch Abnahme der Herz-
kraft (Köhler, V Gl. 405; Wuttke 162; Z. d. V. f V. K.
1895, 3.30. 27, 1896, S. 216). — 4. — das KaibeÜeber der
Kühe ( Eclampsia puerperalis), wobei d. Tiere wie
leblos mit kühler Haut s. Schlafsucht ) daliegen
(Krank 442). — AVA/en-Brand (17. lahrh. kaehlen-
brand, hrcune Benannt, A. B.), 1. - Halsbräune. —
2. = Milzbrand in der Kehle des Schweines
(Braune 2, Kehlenbraune) (Zipp. 670). — Kinder-
Brand, 1. — Koma, Stomatitis gangraenosa,
Wangenbrand, Wasserkrebs, der bei Kindern
(namentl. nach Masern) manchmal beobachtet
wird (behrend 6). — 2. = ih r Brand (s. o.) im
Kindesalter, Nabelhrand etc. Diphtheria geni-
talium; (Kohn in «lerhnrdt IV, 2. 58). — Knorfttn-
Brand, 1. = Knochen-Nekt<JSe,Caries, Knochen-
frass (s. d). — 2. = Glieder brand (Osteomalacia)
beim Bindvieh (Gr. w. 11,295; V, MM). — Kropf-
Brand — Schweine-Milzbrand mit Halsdrüsen-
Anschwellungen (llardelehen I. 300) — laufender
Brand (liegender Braml (s. d.). — L«i«T-Brand
Milzbrand in der Lederhaut des Tieres Falke
11.65). Ait/j</c»-Brand, 1 Gangraenapulmon.,
brand. Zerfall d. Lungengewebea mit jauchigen,
fauligen Zerselzuugsvorgängen (Falks II, 30;
duraler Ii. 254). — 2 — Anthrax, Milsbrand mit
Liingenerscheinungen; (i'tila Muri«- ;ciigi. Baumln
— moriim. I.uc-.Mortalltit«, Knlix-hia., Schimrrer II. 299
361). — Mastdarm Brand = Bücken bluf [* d. O,
Milzbrand <1. Tiere, wobei mit den Exkrementen
schwarzes dickes Blul aus dem Mastdärme ab-
geht Zipp. 527), als innerer Brand (s. d.) abweicht.
— Jfti/.T-Brand(Wuuki»i6i) = vielleicht =- Milz*
brand oder wilder Brand. — M/r-Brand, 1.
eine der altest bekannten Tierseuchen, die aber noch
Ton Linne als Folge des Stiches der Purin infernalis
(s. Furie, Hollcnwunu und Drache, Angriff, Gefahr'
angenommen wurde (Bardelelicn I, 303; Z Hdb. d. sp
I'nth u. Tb III, 448 467); der Milzbrand ist eine
meist mit rasch erweichender Milzschwellung
und dunkler Verfärbung des rasch faulenden
Blutes (~ „Brand") einhergehende, durch Milz-
brand-Bazillen verursachte knotige Anthrax-
Karbunkel-Krankbeit, wobei Knoten (Blattern)
in dem Schlünde (b. Schweine: Rankkorn s. tl.),
Hautknoten (Lederbrand, Kohlenbeule.Anthrax
s. d.), Blutergüsse aus der Nase und dem Mast-
darm (a Überblut etc.) erfolgen und oft die
schönsten Herdestücke wie vom Schlag gerührt
(s. Gaech) dahingerafft werden. Zum Milz-
brande rechnete man früher auch den Bausch-
brand (s. d ); diese Krankheit wurde durch den
Viehhandel aus den Ostmarken Öfters einge-
schleppt als gelber, weisser od. schwarzer Brand
(Wurm). Vergl. Hünsche-, Karbunkel-Krank-
heit, St Antonius- Feuer, Knoten - Krankheit,
gelber Knoten, gelber Knopf, le charbon. —
2. - Leukaemie der Pferde mit Milzschwellung
(Föntsr D, 828). — Milzbrand-firdunc. — Mund-
Brand Noma, Kinderhrund an der Wangen-
schleimhaut. — Mutterkorn -Brand (nach Lutz,
Gesch. der Kpld. Züge der Stadt Krfuri) = Ignis Sacer
(epidemicus) des Mittelalters, in welcher Zeit-
periode allerdings die unreinen Mehlsorten (mit
Seeale cornutum) solche heilige Feuer- (s. c\.)
Krankheit begünstigt haben konnten); (frnn/.
ergot, seiglc ergote, Med lorilll, Hecker 311 ; ltriss. 298;.
— AutV« -Brand - der von der Nabel wnnds beim
Neugeborenen ausgehende Btand (Gangraena)
(Huhn in Gerhardt IV, 2. 58). — Nach-, iVrirJir-Brand
(1584 nnchtbrannt, Wirsung; 1602; Gr. W VII, 170),
ein sehr rasch (über Nacht) unter Fieberbitze
auftietender, mit brauner Borkenbildung ab-
heilender Ausschlag, meist im Gesichte und
bei jüngeren Personen (BSTSrtS IV, 2 404; Wuttke
38»); 1. = Herpes (zoster) oris, labialis ( = Nacht-
blatter, Nachtachaden s, d.) Phlyctaena (Zw. 342;
Gr. W. VII, 170) ( vergl. Guttel); er wird besprochen
in der l'ful* „Nachtbrnud, geh Ubers Land!" (Wuttke,
V.-Al« rgl. ::39j; wie öfter, heisst auch der diese
Krankheit nach d Volksglauben verursachende
Kobold ebenso wie diese, hier Nacht brand
(Schindlern. 1038); er ähnelt der Nachtfrau, dem
Nacht mar, Naehtmiinnlein u dem Bilwiz, welche
um Mitternacht die Krankheiten bringen. —
2, (1597) Varicellae (mit dem Herpes verwech-
selt , , hitziger, brennender, wilder und kalter
Nacht brand jammert, V. Med. 212; Gr. W. VIII, 1998 .
— /i-Brand Entzündung «ler Nasenbuiite
mit \u«gang in Nekrosis 1 \\ VII III - (KU
naturlithtr Brand •l'aracelsus) — St. Antonius-
Feuer (s. Feuer). — (1551) AV.v« /-Brand (Bock 3)
-das brennend'«' Hiizcgefühl bei tler Haut-Nes-
sclsueht. — (IUI) I'estilenzblatlnn-Br&nd (Bock
i \ ilie (iangran 'ler entzündeten Pestbeulen
is. tl.;. — /Wr-Brand «ler Brandschorf durch
den Bolz ( = Cauterium) (H. Z. XVI, 86, Preaaburger
nioawn), — Rausch- (rauschender) Brand {nach
Fecei i<9. 88) kein eigentlicher Milzbrand, sondern
eine Bausohbrand-Bazilleu-Infektions-Krank-
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Brand.
Branke— Brat.
heit mit Rauschbrand -Stabchen im Blute, bei
der «ich im fiachgeschwollenen, meist kalt an-
zufühlenden Unterhautzcllgewebe der von dieser
milzbrand&hnlichen Krankheit befallenen meist
jüngeren Tiere eine brandige Gas- Phlegmone
(Hautemphysem) entwickelt, welche bei Be-
rührung wie Pergament knintert (blast, rauscht)
und daher auch Windbauch (h. d.) und kaltes
Feuer heiust = das Geräusch (Schindler II, im).
Mit Milzbrand verwechselt, daher auch fliegen-
der Brand, fliegendes Feuer, Flugbrand. Kot,
Plage genannt ['/.. Hdi>. d. »p. Puth. u, Ther. TU, 172;
Uppertea 527; Falke n, 22s) (vergl. Schelm, Greif,
Lindwurm). — Schlund - Brand — Diphtheria
faucium, Gangraena pliaringis. — Schnee-Brand
Gletscherbrand, Sonnenbrand (s. d.), Krythema
solare, Dermatitis ambustionis erythematosa
(Veiel). durch die stärkeren Reflexe gewisser
Strahlen desSpectrums auf beschneiten Flachen
leichter eintretend. — schicat zer Brand = Herz-
brand (s. d ), bei dem sich im Herzen viel
schwarze*! (milz-) brandiges Blut findet (bei
Tieren") fauch in Brandseifen hei «Ion Schwaben in
' tigarn auftretend ; Kthnol. Min. aus t'nifarn 1*91, S. 214 ;
«r. W. IV, 2. 1227; II, 295) (Anthrax). — 77 (Feuer-)
Brand s. 77 (Wutüco 101). — (iM3) ScAim/-Brand
Brandigwerden des Tierschwanzes durch die
Sterzsenche o. Sterzwurm (s. d.) (Falk.- II, :soi).
— (MM) Sommer-, (IMS) SowncH-Brand, 1 - Kry-
thema solare, durch dio Wärmestrahlen des
Sonnenlichtes (beiTouristen) eintretende Haut-
röte (Z. Hdb. d. ap. Path. u. Ther. IV, L 342; r. M. II,
130; Colcr, II. A. 122; Behren«! 6) — 2. = Honig-
Hecken (s. d.) (A. v. II I. 110:1 — (1740) Spital-
(Ho*pital-) Brand - die in chirurgischen Ab-
teihingen von Krankenhäusern, selbst zu leichten
Verwundungen sich gesellende Gangraena noso-
comialis (Anlaut; den ls. .lahrh poiirlture im Tlotel
Pieu, König I, 162; Bardeleben I, 2-.M1) (Wllllddiph-
th<-rie mit Septichaemie). — (1R18) trockener
Brand - ein Absterben von Gewebsteilen unter
Fintrocknung und ohne jauchige Sekretion,
Gangraena, Mumificatio, im G*-nensatze zum
feuchten Brand ( = Sphnkelos) (z. d. V. f. V.-K.
H9,v — Porter-Brand^ Milzbrand-Kot lauf
an den vorderen Teilen des Schweines im Gegen-
sätze zum Hinterbrand (Zipp. 672). — Wangen-
Brand Noma, Wasserkrebs an der Wangen-
schleimhaut fKinderbrand 1) [Köhler II, 17). —
warmer Brand St Antoniusfeuer - beisser
Brand (Zeitscbr d. V. f. Volkk. 1895. 8. 20; Zw. 107).
— weificr Brand (<-r. W II. SM; Falke II, m),
1 - weisse Braune (s. d.) (in Urämischen t.ei den
Schwaben in tfairam vorkommend, Kthnol. MM. anal'.
MM.B.M4). — 2. — weisser Karbunkel, das Haut-
Adnn b Hauschbrand im Gegensätze zum bran-
dig-braunen Milzbrand — wilder Brand ein
komplizierter Knochenbruch mit Nekrose des
Knochens und gefürehteteiu Flugbrand oder
Wild feuer (8. d. )(WatU», Volks-Ahe n?l. 233; Losch 25h;
da M ditinonfatluchen Hintergrund hot, wird er tu
ostpr BeaprecluinRen onnnhnt, aus der (lalle, Ader, au«
Fleisch 11 Itlul wo er schon /.n Inn tri (.'clnTrschl au-
tufahren ; Zeit.srbr. d V. f. V.-K. 1S9Ö, B. 23). — wirk-
licher Brand - Gangraena, die thatsäehliehe
(iewebszerstorung (I'latncr 1 , 92). — Zungen-
Brand - Milzbrandblatter auf d Zunge, Zungen-
Anthrax, Rankkorn (Falke 11, Mi), — Brand-,
brandigfer) Ader, -Antje, -Beule, -Blase, -Blatter,
■Blut, Bräune, -Eisx ( Aiss), -Fieber, {-Milz-
brandfieber', -Jauche, -Kolik, -Krankheit, -Mal,
-Marke, Mascn, -Maucke, -Nascnkatarrh, -Pocke,
-Ranft, -Rufe, -Schaden, -Schande, -Schorf,
-Schwär. -Seuche, -Stöcke, -Stränget, -Stultl,
-Übel, - Weh, - Wunde, -Wurm, - Wut, -Zeichen.
Branke, f. Pranke, Er ante, Brente ( Jäger-
sprache) Vorderklaue, Vorderfuss des Bären,
Wolfes, der Wildkatze.
braachet^ aufgedunsen, dick (zu Brauschen,
fl. d.) (Schmeller I, 366).
Brasein, m (mhd hnwem), 1. = Gaumen, 2. -
Gestank (I-cxer 2s) ( ^ Bradem? n. d.).
Brat, in., n Brät, n (Gebräte, Prat, Pret,
Brött, Praet, p retig, Bradde.Brotten, Braten)
(vorjrerm. bhredh [-Hitze, («raten-), Rauch?); ahd.
briito; l.rat-pulpa cornis, nnilT III, 2*1; mhd. brät,
Lex.T28; brate, Kliute*, f.i), 1. Weichteile' nament-
lich der Waden etc ; s Wade 1 am Korper, mür-
bes Fleisch; vermutlich vom kulturellen Brand-
Opfer entnommener Ausdruck im Gegensätze
zu den nicht so leicht verbrennbaren K nochen-
teilen fs. Rein) -die Mauwe fs. d.) (Cr. W. V, 53),
1507, U.tC brat, hrade = coxa ^ohenkelfleisch), I) 151;
1616 — hraet — Rebraete foherd. Kürzung, <Jr. W, IV, 1
ISIS] da« knochenlose Fleisch nm menschlichen Leibi',
das Fleisch, Hell«". 777; brott femnr. Ilyrtl, K. W. I,
d. h wohl das Fleisch daran ; brotten, Chronic. Fribnrt;
16 = Fleisch). — 2. Brat - l'aromala, Fleischeslust,
fleischliche Sünde, Libido carnis (biblisch-kirch-
lich). — Bradde = Testieulus fßtkm 1. SM) als
Genitale (Bans 129 Ann» ) und als Drüsen-Fleisch
(s, d.). — Brätig (Pretig, Brodig) = Caro pulposa
(1521 thorus, D.590) Daumenballen als fleischigster
Handteil .1540 llynt, K.W. 125). — Die Brätige
(Breiige), Brädigkeit (mhd. broedeeheit, l.exer 29)
- geschlechtliche o. fleischliche Lust, Pruritus
genitalium (Schweiler I, bis). — //rtwe-Braten
(ahd, pmatbrato — pcctusculum, lirafT III, 285; — das
Fleisch an den Brustknochen (s. Brusthpin). —
Diech- Braten (ahd. dtMhbtato, B. z. m. xv. 349;
deohpriunii craO Iii, 2s 1 v. 118 luffrago, tribota
opfentobe in Fleisch) das dicke, knochenarmo
Schenkelfleisch Mauwe, Sufl'rago), das man
später noch den christlichen Mönchen unter
d. alten Opfernamen („Braten") zum Geschenke
machte (Anatomia culinaris monacensis; vergl
LetndfleiSCb). — Futa -BT&t (15T7 n.ld. eiiderhret
-snnien, n 5M)-^daa fette Fleisch am Schweins-
enter (Schlack brat). — F /ci*<7i- Braten (ahd,
(leisebrat, CrntTIII. 776. 2S4, Ion Meise prntis kedfttllgtnl,
L'iidniiiL'imi ~" ^edrankrt volles Fleisebbral pili^ncdo
earuintn, «Irnff V, 2i'd) das rohe weiche Muskel-
fleisch. — (/'«ri-Braten (ll. -'"hrh mribpraten]
.las fertig, gar gemachte Kinderfleisch ; („ea lebt
etwas ahd. noch in diesem Worte", ür. W. IV. 1. 1337)
(Vgl Garb) — Ä*<7i/ Braten ;ahd.kelbraIo- deehallo
-de colleo, «raff III, 2s5; 1260 kelol.rndc (15. Jnhrh ]
kelei.rotc, nteftmb.)— I IalsUeiscb am Schlundbein.
— Lenden- (Land-, /.«»i;iif/-)Bratenis.— 9. Jahrh
lentipri'ito, » ass 1 ili»ss. lii.-zW liimbnlum, romiiul-che
Iiemlnntivlorm fnr tuulms | I.ende] - klolue I.endc,
Digitized b
70
brauchet — Braue.
braun— brausen.
| Brat
(II 10 «chlcckhrat - lumbus; 1490
<Ue Nierengegend [renuneulus] , nngls. Icullbrcdu -
rcnlculus, D 492; 9. Jnhrh. leudlbrnton — renc«, d. h.
Nierengegend, lt«l>. Mnur. 65; [10. Jahrh ] lendebrnto
— reiwnculiiR [wie vorher]; renes, lnmh], lumbal),
rirnff II, 1094; III. 284 ; II. Z. XV. 317; (ir. \V. VI. 74:5
= duÄ Bruststück einer I.einlf ; lendhrnt, Icmdbratrn
= lutubu« compadiutu, Ilyrtl. K. W UM; I) UM) =
Lendenfleisch (au« der Anatomia culmnris der
Mönche stammend). — Lungen -Braten = der
Psoas- Muskel, der bei den Sehlachtlieren bis
zur Lunge hinaufreicht (V) (Ilyrtl, k. \v ms', viel-
leicht an Lun^e angelehnt und aus Lambe (s. d.)
entstellt. — Mo/Y-Braten- ein fleischiges, fettes,
schlappes, weiches Schweinefleisch (Schur. 43«)
(b. nioll). — Maus- (Musk,l-)BT&t (ah*, ausbrat
Muskellk-l-ch, Grnff 11.872, III, 284: {14. Jahrb.} tnusbmt,
Voc. opt. \V. 11; ind, inulsebraten ; 1495 maussbrot .
D. 843) — Musculus, Timms, MtiNkclfleisch (Ilyrtl,
K. W. 112). — ifucA -Braten (nhd. niggibratun
„palae mint dorsi Icva destraqoe eininentla memlira",
Ural! III, 285, Schnuller I, 370, mhd. rugkcs priilcn,
Meyer Hclmbrecht ITH ■ Blicken fleisch im Gegen-
sätze zudem Kuck beine; vuui Schluchttiere auch
aufden Menschen übertragen (Gr. w. vi II, 1362). —
Schlacht-
Schlag-
«lacbrade = Hentern, I). 149. 329. 339) = das zur
Schlachterei verwendete Fleisch. — Schlier-
Brat (14. Jnhrh lumbus, Voc. opt. W. 11 ; der
Schlier [s. d.] IM meist In der Leistengegend; Leisten
werden manchmal — Lenden gcuoinuicu) = Lenden-
braten. — (Kurz-), H iW Brat - llirschhoden
(Jägersprache; s. de« Verf. Volk« Med. 162). — Wad-
(Waik-) Braten - Waden-, Muskelfleisch. —
Brat-Äi/jprn.
bratschet (bratschig, bratschelig), zu Brat
(s. o.) = dick, fleischig [0. v. Schm. 89).
Bratze, f. s. Pratze.
Braue, f. (Braune, Bra (Tirol), Bram, Bräm,
Brämpern (Tirol, Bayern. Österreich, Schweiz),
Brohe [KIsh-«). Broch (ladoferm, pro-tq« Vor-Auge,
vorgerm. pro-£>qa ~ die Decke vor den Augen; (term.
hrehwö, Kluge*, 52; nngels. bnin, Wackernagel, Abhdlg.
III, M; brtiwa tautn, V. 674, ahd. brnua, tirnlT III,
315, und Urft — Braue : 8. — 9. Jahrb. prnwa - palpchrn
[Augenbraue), < a»s. lilo** Dien 94 ; 1260 die bni - Augen-
braue. Pfeiffer 38; mhd brnwe, brA, prae. Ortolph;
14. Jnhrh. bniw pn]|>ebra und citiiiui, Voc opt W. 10;
15, Jnhrh hrnge. palpcbrnc cilium, I» (113; Hl« prne
— palpebrae, Schindler I. 335; 15*3 Braue super-
cilium, fir. W. II, 321; engl, brour — Augenbraue, Stirne,
I-.-hteldt 147) - Braue bogiger Haarstreif Ober
den Augen; man verstand demnach unter Braue
ehedem: 1. — die Ilaare der Stirnbraue, Super-
cilium (obere Braue, Windbraue). — 2. — die
Haarean den Augenlidern (= Wimpern), Ciliutn.
— (15 Jnhrh ) 3. - die Augenlider selbst, Palpe»
brae(Schlau'brauen') - Angenglied -Aug-,Augen-
Braue, -Braune (-Brachten) - Palpebrae (Schm.
I, 335), Supercilium, 1. - die Haarbogen, welche
das Auge beschatten und den .Stirnseh weise ab-
dämmen. — 2. — fälschlich auch die Wimper-
haare (s. Augenbrauen- Verkehrung) (Hyrtl, Amt
53"; 9. Jnhrh. »ugbrauua palpebrae. Hab Maur. 64;
abd. ougbrawa, augabr* pnlpebrn, nraff I, 12.; ; III,
316; mhd. ougbrauua, augebrnho; 1 172 augbraben . U7S
ogen-, oin-braid palpebrae slnus, Iliefenb, ; Vocab. ;
Hyrtl, K. W. 13; 1182 ougbraw, ougbrau, Zen. Voe.;
16, Jnhrh augeubroe — cilium und palpebra, lir. W. IV,
I. 1816, 1516 augbrai — gena, bueca, I). 259, 1551 aug-
broen, Boek 102, engl, eyebrow, l.ehf 171, migenbramin
(Öiterreieb, Bayern); atlgbramc, Schur. «9, augbrame
[Schweiz]; ögebrein [Tirol], IIlntner6. 13; Augelibniune.
Gr. \V. I, 78* «Ol ; Adelung; Aper [Tirol] a'be, Botamalla
I, 335). — / '- Brauen (nbd. hodan [bosanj brauul
llppus, «rnff Iii, 316) - Autienlidkatarrh (Braue 3).
iL-,;, t -Braue (15. Jahrh heubthraw- cilium. I>. Iis)
— Augenbraue. — obere Braue (ahd. opara prauua,
opaninpra = •upercUla, Schmcller I, 335; oberbrt =
supercilium, U. Z. XU, Adm. VOC; 1260 die oberen bni,
Pfeiffer 3*,, 14 Jahrb. ol*rbraw, Vor. opt. \V. 10; oberste
ougbrouweu urcualla, 1». 45; 1411 ober pra, Zlngerle
194). — Prcr/ifM - Brauer (8.— U. Jnhrh. prehali
praw er, Oan. oio*». ; <;raff III, sie) - Lippus, dem
es vor «Jen Augenbrauen jflrtnzt, schimmert. —
(1-.91) schäbige Augen Brauen eine Erkrankung
des Aucenbrauen - Ilaurboilens mit Ausfallen
(Schabe) der Ilaare, z. B. bei Lepra, Syphilis
(Tnbcruncm). — S". hi-i i Brauen (ahd. Rlecihraun
palpfl.ru, «trnff III, 31«, slngibrauua, SehmeUer I, 335)
= die Augenlider (s. Braue 3), welche den Lid-
schlag machen. — t*7(Vr-Brauen (ahd. ublrprauul
= »tipereilinm, II. Z. XV, 8; ubarbrnwa sn]>ercilium
Hraff III, 315; Kluge*, 52, - obere Braue, mhd uberbrü
— Augenbraue, I.exer 278; 1483 ulverpriieri — idem, C v.
Megetibg. , uberbniuun, Hchmcller I, 893) - Braue 1.
Unter- Brauen (ahd. ratabm, n., «iraff III, 315;
mhd.; 14. Jnhrh. underbraw, Voe opt W. 10; 1129,
1470, 1182 undrupmu. Schmcller I, 335; ü. 303} - Inter-
cilium, der Kaum zwischen den Wimperliaaren
und der eigentlichen Braue; Zwischenbraue. —
Wenk- Braue Winkbraucn, die zusatumen-
stossen ober der Nasenwurzel; ein Schrattl-
u. Ilexenr.eichen (s. brauenwenken) fV. K. IX. HJ.
— H'lW-Braue ( a Wimper) (9. Jahrh. unidbrauua
— BUpereilin, Bali. Maur. 64; wlnlprauua — supercilium,
'iraff I, 626, III, 316; mild, wynbraui-ti. Mag Hort hol
92b; Hl 5 wintbrä supercilium, Leser 388; Sehmeiler
I, 335; 147'» wijn-brald pnliK'brne slnus, 1) st7; 14*2
uynbran, Zening. Voc. oo 6, winprnm, Wimpern:
die sich windend»' Braue, Wimper. — Wild-
Braue (Sehm. II. 900) Windbraue. - Zwischen-
Braue (HS2 zwlscbeupmu intercllium , IL 303;
15. Jahrh. iwusehenbroge lntercllluiii , U. 642) b
ünterbraue is. d.). — Brauen-//a«r, -Schäbig-
keit, -Schlag, -teenken
braun, Braune s. Braune u. Braue — braune
Blatter, -Hitzblatter, - Wurm.
Brausche, f. Brauschen mit nord. brji.sk Knor
pi'l s. d ]; engl, bniise Quetsehung; bruisewort ■
\Vnllwur7.; mhd diubriisehe; I7"si brausch, A. V. II II.
1239.' rundliche Krhohung; — mit Blut untei laulene
Beule, die sich nach einer Quetschung oder
einem Slosse ausbildete und hei Berührung
krepitiert, knarrt, knirscht wie ein Knorpel
(Kluge*. 52. Schindler I, 366).
brausen (brnsen, brüsten) r . Jahrb., ndd. pro-
sen, prusten, brüsten, pruesteu »ternutnre, siugullnre,
f). 536. V.2, 16. Jalirh. prustunge. pniystlnge «ternu-
tatlo lMc«ung, Sehnnrcbnngl. Ii :Ji2). — brausen
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Braut— brechen.
brechen.
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lärmen wie der Gischt und Schaum des stürzen-
den Wassers. — atu-brausen = mit hörbarem
Geräusche den Nasenschleim aus den Nasen-
höhlen ausschleudern, namentlich heim rotzigen
Pferd« fz. Hrn.. in, IV, Anm ). — o/tren -Brausen
- Ohrensausen (s. d.) (Gr. \v. II, 329).
Braut, f. - <ler als Opferstftek der Braut dar-
gebrachte Schweinskopf (KulLc nie. — bräuten
M. O.
Breche!, f (Broch!) ;Tiroti --- Mund, ähnlich
dem Werkzeuge zum Flachsbrechen, das be-
ständig auf- und niedergeht (lllutuur c. II). —
Das Ä'inw-Grbröchel i Tirol) = ein Kinn, ähnlich
dem Werkzeuge zum Flachsbrechen (niiitiier?. 15).
brechen (Brech, Oebrech, Gebrechen, ge-
brochen, Prech) (virsiTin. bhnit; ncm. Renn, brei k ;,
■hcl brehhan ; andil. brorenn ; nihil. I. reeben, Kluge &, 53.
- frnrnr^rr, 15. Jnhrli brechen - voiuitua, I). 629; nin<l.
brak Gebrechen, Mangel ; enirl. break — Bruch, Spalte,
brechen, Kluge \ 61) - brechen, offnen, den Magen
nach oben (lu Schwaben Ntcto nach uutcu zu, »tick 19)
offnen, platzen machen, crepare (crever), laxare,
vomere, erbrechen ;ur. W. II. 343). — sich brechen
- sich erbrechen. — der Urin bricht sich =
verwandelt sich rasch in andersfarbig«; kleine
Teile.er sedimentiert. — ein Geschwür bricht -
eröffnet sich durch Aufbrechen, Vomica (Gr. \v.
II, 349). — das Auge bricht, in seiner Muskel-
nnd l.irbtkraft, berstet, erlischt, stirbt. — die
Gicht bricht (Schmellcr I. 310; D. nj) — macht
kraftlos d'aralytirus i wie ein Knochonbruch. —
•las Herz bricht, wie ein Knochen innerhalb
seiner Hunder (Hcrzbundel) ;Gr. w. II, MS) - es
eröffnet sieh durch Ucrstung. — das Kind bricht
den ersten Zahn (F. Dahn, D. 'i. I, 295) bekommt
den Zahn. — die Mutter bricht, brechen =
vulvani aperire, das Geburtschloss geht auf
(namentlich bei Erstgebärenden) (Gr. \v. II, 317).
t/m-cA-brechen nach aussen an die Oberfläche
gelangen, z. B die Zahne oder eine Krankheit
in der Form eines sichtbaren Hautausschlages;
durch den Baueh, als Kotentleerung (1515; I». Ml)
i Durchfall). — die Krankheit bricht nicht durch
= Acrisia; sie erreicht den kritischen Tag der
Diagnose und Prognose nicht ; wird nicht offen-
kundig, wie eine kritisch sich entscheidende
Krankheit CA. v. II, I, 20); die Zeit der Kochung
(s. d.) war nach f lippokrate«' Lehre die Zeit des
KrankbcUsbruches (Krisis). S. auch Bruch. —
'/'brochen [•. Jahrb. kiproh, Kiro, giosm»u) = decre-
pitus, etwas, was dun h Uussere Gewalt oder
inneren Druck auseinander getreten ist, so dass
es offen, gespalten i.st, kraftlos wird. — die
Knochen sind gebrochen Fraetura ossium.
- (1532) das Geschwar ist u< brochen - edlen
durch eigene Kraft) (Krie* 9*). — das Blicken- 1
Hat wird gebrochen, indem man das im Mast- ;
dorm ib s Bindes angesammelte geronnene Klüt
Milzbrand; mit der Hand herausholt (Ur. W. VIII,
1363] und so nach aussen entleert wie beim Blu-
brechen. — (das Herz, das Auge) die Stimme
ist gebrochen e die Stimme mutiert, ist kraft-
los, als ob die Stimmorgane fStimmstock) zer-
brochen waren (ür. w. IV, l. isöu). — der Nabel
ist gebrochen der Nabel ist so offen, dass die
Baucheingeweide durchtreten, 1. = Nabelbruch,
Hernie (Tabemacmont.). — 2. = der dadurch ver-
anlasste kolikartige Schmerz (Bavarla HI, l. 405).
— der Leib ist gebrochen herniosus (A. v. II.
II, T 17), so offen, dass die Kingeweide austreten.
— der Leist ist gebrochen , i "16 1 den dto iy»t wer-
i.roi ln-ii, <ir u \ i 742 delumhig, Islstenbrllchig,
— gebrochen sein = (am häufigsten) herniosus
(Pauli 121 ; Gr. \V. 11, 313 : 1 1.'« (.rochen - hernlosu») ; ge-
nauer manchmal bezeichnet mit hodenbrüehig.
— rerbrochen b ei d. Gemachten (1501; schmcllcrl,
M93) — enterocelicus = bei den Lanken (Lenden,
Nieren) gebrochen, damit machtlos, kraftlos,
impotent (brüchig); daher auch: gebrochen -
verschnitten (cuuuchus; UM eaftrattu, Gr. \V. IV. l.
1*09). Der sonst nur für Schaden und Folgen
einer Verwundung oder eines Bruches übliche
Ausdruck Übertragt sich nun auch auf andere
bestimmte Korper- und Leibesschaden (Krank-
heiten u. Mitngel), st» dass: (it;i6) die Gebrochen-
er nicht nur 1. = Fraetura (ossium" und 2. —
Hernia (= Leibschaden, s. d.) (Gr. \V. IV. l. 1S70J
ist, sondern auch 3. allgemeine Kraftlosigkeit,
hei tlor der ganze Korper sozusagen gebrochen
ist. — Der (das) Brech mini, breche,!, Brechen,
als die Folge oder der Schaden eines Bruches,
ist auch darum 1. = die Schwache im allge-
meinen ^ Lahes, Vitium (15911; II. Sachs; Gr. \V. II,
:;il>, lnfirmitas (namentlich in Verwünschungen
[Qr. \v. 1. eod.J als Beeinträchtigung der Brauch-
barkeit im allgemeinen). — 2. — die Schwache
infolge einer Sucht (s. d.) oder Seuche, Kpidemie
-o. diese Krankheit selbst; daher da* Brechen
— a) Fest (1630 gemeiner prechen, brechen (Gr. W.
IV, 1. 1*13) ^ Pestis, Lues (= allgemeine Seuche),
Pestilentia (Schmellcr I, 310 «üb S), (1560) Lands-
brechen I'H. Such?!, Sehmcllcr 1. cod.), = b) (IftüG)
Kühr (lucheuh. Mlr.-B.); c) = Lepra (1435) der
Prechen der Lepra (O. B. V. A. 24; 13. Jahrb. llk-
priir- Aussau [Islam! u. Norwegen), Globus 1S95. S. 49).
— 3 . - die hohe Sucht = die fallende Sucht
(Ür. W. IV, 1. 1843 «üb a): (vergl. schweres Ge-
brechen). -- 4. — Gebrechen (s. d. unten) Zu
brechen gehören demnach: Gebrochener Na-
bel jeder kolikartige Schmerz im l^eibe wie
bei einer Nabelhernie, auch ohne eigentliche
Nabelhernie (O.-PMs; Itararla III, 1. 405; Wuttkc,
Abend. 339; Dr. Brenner Schüller 26). — (1677) Ädcr-
brechen - Ifaemorrhngia (Heyn. 202), Blutung
aus einer Aderberstung. — «»/"-brechen = aus-
od. durchbrechen. — ylM'/fW-brechen B. Prechen.
— (1551) atMi/ihrochen^ (Kopte; (Hock 0) Kopfe,
dereti Haut durch eine Krankheit offen, aufge-
brochen ist (irintaussehlag z. B, Ausfall). —
— (176UI B/i<f-brechen fcM-brechig) = Vomitus
cruentus, sanguinem vomens, Hacmatemesis,
Meinen«, vomissement de sang, vomltlng ot Wood
(a. v. 11 1, ;.:•>; <;r. w. 1. 17«;). — (1&6I) tias AVhrechen
id.5ftü sich erbrechen) — den Magen so eröffnen,
dass der Inhalt nach oben mit Gewalt entleert
wird (wie man einen Schrank erbricht) (Gr. vv.
III, 736) = vomere, Vomitus. — Blut-Erbrechen
= Vomitus cruentus (Th. un. Br. 862; \ v. 11 1,
l3io) — das Brechen von Blut aus dem Massen.
— gelbwüchtigeM F.rbrechen == Icterus catarrh.
— Kot- Krbrechen isobertdieim 125) = Miserere
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brechen.
Bregen — brennen.
(s. d.). — Krampf- Erbrechen (Sobernheim 25. 97)
— Vomitus spasticus, Erbrechen mit krampf-
haften Erscheinungen. — (1689) obenaus(er)-
brechen — Votnitus (Fries lo»), durch den Mund
im Gegensätze z. Erbrechen nach unten (Durch-
bruch, Durchfall). — schleimiges Erbrechen
(1875; Müller, Krftutcrnuch 234) - Erbrechen von
Schleim. — (1789) schwarzes Erbrechen (HulWand
129), 1. = gelbes Fieber mit Erbrechen von
dunkler Galle, vomito negro. — 2. — Morbus
niger Hippocratis, Melacna, Magengeschwür
mit Erbrechen dunklen Blutes. — Wasser-
Erbrechen (Sobernheim 266) = Hydreniesis, Er-
brechen von wassei heller Flüssigkeit. — Ge-
breche, n. = der den Boden wühlend auf-
brechende Wildschwein-Rüssel (Brehm Hl, 545).
— Der (das) Gebrechen (angls. gibrec, gihreec =
rheuma, D. 497; 15. — 17. Jahrh. der Gebreeh ; 15. bi«
IS. Jahrh. der Gebreehe, der Gebrechen; dann: da«
Gebrechen, Gebrech, ferner der Brech [». o] od. Breche)
= ein geschehener Bruch, ein Zerbrechen und
der davon kommende. Schaden : Schaden, Fehler,
Mangel, Krankheit, Seuche, schwere Verwund-
ung, Kranksein überhaupt, Beeinträchtigung
d. Brauchbarkeit, Unvollkommenhcit d. Leibes.
,,In den verschiedenen Können die«<-s Wortes liegt eine
Vermischung und Verwirrung vor, die Meli selbst im
Sprachbcwusstsein vollzogen hat" (Gr. W. IV, 1. IMS).
Die Haullgkeit der Benützung de* Wortes ergibt sich
auch daraus, daas selbst Seuchen und andere ffMU
bestimmte Krankheiten, wenn sie nur hilufig waren,
ü. B. Rheuma, Huste n, Schnu|.fen (Gr. W. IV, 1. 1813),
sowie Test und Kuhr (1530 hei <\ v. Sehm. 93) mit
diesem sonst nur für Fiacturo (Bruch. Brech) gebrauch
liehen Namen Mitgt wurden, wenn sie vorzugsweise
von sich reden machten (Gr. W. IV. 1. 1843). — Alters-
Gehrechlichkeiten = die durch das Alter (s. d.)
verursachten Leibesmängel, Vitium, Defectus
(Gr. w. iv, l. 1867). — der Alte (s. d.) mit dem
Grbrech - Katarrh o<ler Brustbeklemmung bei
Kindern (Ethn. Mitteil, au» rngarn 1*93. III, 23). —
Drüsen- Gi brechen (16. Jahrh. der (jebreeheti der
drill, Schnuller I, 66») = Pesikrankheit. — Gull-
Brech iH. .lahrh. [Irliind] galrahreae, Sehnurrerl, 169;
Lersch 103) - Beule, (iescbwtilst :(>alle 11) mach-
endes Gebrechen oder Leiden, z. B. Pocken
(s. Bolgach). — Grfoirz-Gebrechen s. Gebätz
(Batz). — (1875) Harn-Gefässe- Gebrechen (Müller,
Krtrbch. 3«o) = ein krankhafter Fehler der Harn-
Werkzeuge. — HuupUceh- Gebrechen (1602 gemaln
prechen der haubtwehen. Lersch 203) Petechialüe-
ber mit Kopfschmerz als allgem. Epidemie. —
kalte Gebrechen --Rheuma, rheumat. Lähmung
durck Erkältung. — (17. Jahrh .) ifiWer-Brechen
= das Kind aus d. Mutterleibe gewaltsam ent-
fernen (Baas2ö0). — A'op/"-Brechen- drückender
Kopfschmerz (Koppbraeckon, Metklenbg., Z. d. V.
f. V. K. 189t, 8. 191) (Gebrechen;. — [lbm) Krön-
(Gejbrechen = Frattsein an der Krone bei der
Pferdefessel (Gr. W. IV, 1. 67). — (16. Jahrh ) Leibs-
Gebrechen (Gebrechlichkeiten' (Gr. w. rv, 1.
1857) - die Leibesfehler und körperlichen Mangel
^ Vitium, Defectus, Deformitas corporis. —
»idcÄ(7ebrochen = wiederholter Vorfall einos Kin-
geweides in den Bruch, der sich so erweitert
(Gr/w. vn, 32). — Nasen - Gebrechen (gebrec a
noise - rheuma, pltultu, I). 439. 197) - Nasenkrank-
heit, Katarrh, Nasenfluss, Zipf, Pipps. — (1517)
><n/r -brechen die Glieder des Verurteilten mit
dem Henkerrade zerstossen (rotare, D. 6«; Gr. w.
VIII. 44). — das Podagra radebrecht, verkrümmt
den ganzen I<eib durch den Schmerz (s. Bockj;
die Knie sind wie geradbrecht, zerschlagen,
gerädert (Sehrader 389). — rotes Gebrechen (rot
brech, Gr. w. III, UM] = rubicum b rote Ruhr. — rot-
brecht s. prechen. — (1645) schweres Gebrechen,
1. - Epilepsia (bibl. Medik. 445; Coler, H. \ 101;
Gr. W. IV, L 1843), als eine Krankheit (schwere
Not) Ii. Gesundheitsmangel, der von sich reden
macht und vorzugsweise das Mitleid erweckt.
— 2. - der Kopfdusel beim Rindvieh (colcr, n
404, v. b. 39) (s. der Brech). — Sinn es- Gebrechen
(14S9 »in er «inliehkelt gebrechlich, Kricgk II, 364) -
Verstandesgebrechen, L'nsinnigkeit. — Sprach-
Gebrechen - mangelhaftes Sprechen, Sprach-
fehler. - (1554) Verstandes- Gebrechen (ndl. ghe-
lin ken des vereiandts) — (Geisteskrankheit (De rock
113). — /''././'-brechen, 1. = das Durchbrechen
der Pferdezähne beim Fohlen (Herbst 103). — 2. =
das gewaltsame Entfernen der Zähne durch den
Zahnbrecher. — zerbrochen = herniosus. —
I 5£eeäendes, } £»»9, -XoHk, -Sucht.
Bregen, n. Braeck, n Braegen, n Breghen, n.
(mnd. dal bragen. Maß. Barth. 87a, 93b. 102a; mhd.
bregin, n., Hoffui. I, 361; bringen — Gehirn, Lexer;
1425 breghen — cerebrum, D. 115, engl, brain = Gehirn ■
lightbrain • hohlkopflg; mad-brnin «= Maden [Grillen ]
im Gehirne habend, Kalt seh m ; ndd. braegen,
Goldschm. 132; Hyrtl, K. W. 82; Sehmeiler I, 352;
ursprünglich mregh, mrogh anlautend, Ist das Wort
[nach Kluge5, 51] urverwandt zu i3f.Eyu.o-: [ßpr/tu
= befeuchte] = der durch Grlntausschlag feuchte
Vorderkopf, Grintkopf [«. d.i; daher ossa bregmatie«
— Seitenwandbeine un<l hregma — fontanella, K. a. 14;
Hyrtl, Auat. 250; dazu [nach Du «'finge I, 464] aubrema
rm morbus capitis gravis, lnllrmltaii capitis cum nmcntf«)
1. — Gehirn. — 2. = Gehirnschädel, Vorderkopf
(Hirn). — 3. = leichtes Schnupfen- o. Katarrh-
lieber wegen des dumpfen Vorderkopfschmerzea
(Göldschen. 115.61). — Braegen- Pfanne, -Schorf.
Brei, l». (ftbd. brio; mhd. bri, vielleicht zur gerin.
Wurzel br! — kochen. Kluge6, 53), dazu (1581) GrUtt-
Brei - Chylus, der dem Griesbrei in der Farbe
ähnlich ist (Hyrtl, K W. 87). — Brei-GeseÄtcu/af,
-Geicächs, -Körner, -Maul.
Breim, f. (Brein, Prein) s. Bräune.
breit, Breite, f. (1 tsa imytlnne der stime) - die
Dünne <>. die Schläfe als die Breitseite derStirne
(Zenlng. Voe. gg5). — breit-ne/ts/et, Arsch, -Fell,
-Piergen, -Rücken, -schultervi, - Würmer.
Bremsen, pl Bremsen-6V/nn«<ie/.
brennen (Wurzel bren-; vorgerrn. bbren; ahd goth.
brinnau; mhd. brlnnen; engl, burn, Kluge*, 53) brennen
machen ( = ;inzünden) u. brennen (-leuchten);
die durch ilas Brennen der Haut beim Keuersehr
früh kennen gelernte Schmerzeiuptindung über-
trug Hieb auch auf andere, mit dem Feuer nicht
in Berührung kommende, verwundete«, kranke
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brennen.
Bresten.
73
Organe mit verzehrendem, innerlich verletzen-
dem Wehe o. Drange. — Brenner, m. = 1. die
Krankheit, welche brennenden Schmerz macht,
Febris ardens. — 2. = Influenza (1579 Lersch 259}
wegen der brennenden Fieherhitze. — Anbren-
nen (161*) Anbrunnen (Schmellor I. 358) = Haut-
verbrennung 1°. — Zfartt-brennenpissechaude),
1 = Dyauria, Stranguria (Zw. "78), Ardor urinae,
der Schmerz heim Urinieren, als oh es dabei in
der Harnröhre brennen würde. — 2. --Tripper
(Pr Arzt 1S74, s. ist». — iTerz Brennen («tgL
bantbnra) s. Herzbrand. — iTrwrn-rerbrennen
= Tripper (Gonorrhoea) s. verbrennen (engl,
rössburnt; Pr. Arzt 1S74, 8. 129). — Judas-Bien-
nen b. Sommersprossen und Jüttel. — Magen-
brennen - das Gefühl des Brennens in dem
Magen. — Ot-, Sod-, Saud-, (i<viö) SoiV-brennen
das Brennen im Magen beim Sot o. Sod (s. d.);
Ardor stomachi in ore ventriculi, Oxyregmia
(Erotiani\ la colonne de feu (Coler, H. B. 194,
Kraus, E. 719; Brlss ICH; Pauli 64. 65; Kluge *, 350).
— Verbrennung, 1 =die Folge iler Berührung
der Körperfläche mit einem überheisson anderen
Körper, sodass störende, seihst zerstörende
Einwirkung der Hitze sich zeigt; brtilure. echan
bouillure, 1<» mal de St. I.orint, Vv Cook 41 29». 299;
Zciuchr. d. V. f. V.-K. 1S96, 8. 8; Bris*. 2S4. 285). —
2. = das braunschwarze Aussehen des Stuhl-
gangs, der wie durch innere Körperhitze an-
gebrannt, schwärzlich u. trocken ist (Elchhorst,
inters II, 237). — sich verbrennen - heim außer-
ehelichen (namentlich ersten) „hitzig geilen"
Beischlaf sich luetisch infizieren, wie das Kind
heim Fcuerspielo sich verbrennt; a) — Tripper
'Gonorrhoea), h) = überhaupt primäre Syphilis-
fnrtnen; (schon 1162 In England unter einer Kolchen
Bezeichnung aufgeführt ; Hr. Arzt 1S74, 8. 129. Hacscr II.
197; ftosenbaura 26*. Anm. 1). Nach lTokseh 1, 10ff
hatte dieser Ausdruck „Verbrennen" Reinen Ursprung
-ogar im altliidl*chen Mythus; nnch diesem wäre der
«;ott Chlwen, der unter verschiedenen <;estalten die
Menschen zur <ie«ehleehtslust verfuhrt hatte, von den
bus«c nden Mensrhen zur Strafe hiefur durrh „Brand"
♦einer liesrhlcchtsteile beraubt worden , wenn nicht
Wlsehuu Ii Urania, die Erhalter der »leschöpfe, duri'h
Mittel den „Brand" gelöscht hatten, wodurch der all-
gemeine. Brand ivenerlsche Seuche) verhindert wurde;
iler besänftigte t'hlweu, von dessen Erhaltung der «.'e-
■rhlech tat eile der Bestund des Menschengeschlechtes
»t.hlng, vennrach, die Welt nicht zu „verbrennen",
wenn die Menschen den losgetrennten Teilen göttliche
Klire erweisen würden. 11(12 penilous infirmily of
Imming (hrenulng) eine gefährliche Anstecktiug, in-
folge eines unreinen lleis< hhifes in Bordellen ent-
standet) Pr I, :tö0ff. ; Z Hdlwh. III. 15; i:!90 brcimlng
of the pyntyl - apegalle, IT. I, 3V.\ 1440 burnlug Iii
ili«t part by a womnn, Pr, 1,352); vergl Windbrand.
— verbrannter Stuhlgangs trockener, brauner
Kot s. Galle u. oben 2 — (i.*>is! verbranntes
Wut (Geblüt) (,'omplexio cholera (Gr. \\. V, 16;
Schwaben; Kuck 19) = Blut mit Eiter im Abseess
z 1$ gemischt mit dunkler Farbe [Lammert,
Volk* Med. 20«) (s. Blut); Blut gemischt mit
schwarzer (= verbrannter) Galle (<ir. W. IV. l.
iisi; — Verbrannte V) Cholera, Galle, Gelbsucht,
Melancholie, Schleim — Brennende) Augen,
| Blattern, Fieber, Geschwür, Haar, Harn, Rache,
Schaden, Seuche, Übel.
Bresten, m. (Brossen, press-, Gebresten.
Präst, Prest, Brestimg) indogerm. Wrzl bhrest,
Kluge*, 37; ahd. hresto, brestan ; mhd. breste. bresten
(verwandt mit brechen) ~ bersten. „Der Brest" lebt nur
noch In der Schweiz. Gr. W. II, 173; IV, 1. 1863, als
volksühlichcs Wort — I.eibsgebreehen , nusscrliehc
Krankheit, Bruch u. (nach i\ v. Schm.) im Schwabischen
fort; mhd. gehrest, gebreste, gebresten, Kluge*, 1.10,
auch bnist, Hofbn. I, :W2, gchreMhnfter. Germ. XVI II.
37«, „ein im I.aufp der nhd. Zelt absterbendes, endlich
sogar abgestorbenes, in unserni .lahrhundert aber
wieder erwecktes Wort", Cr. W. IV, 1. 1S60, das In
seiner Bedeutung sich wie tiebrechen (s, d.) verhall
(nach (irttntn I. <•.), 1. — der Bruch i'Fraetura,
Hernia), der einen Schaden bringt, s. Brust ;
gebrosten - mit einem Bruche behaftet; auch
Brual f. m Bruch, Bresten (Schweiler i,.HS7). — 2. -
I tler körperliche Schatlen, der durch den Bruch,
Ausbruch, Ausschlag entsteht, — 3. —Schaden
überhaupt, Mangel an Brauchbarkeit, Un Voll-
kommenheit. — 4. = Krankheit, und zwai:
a) im allgemeinen am ganzen Leib als Kränk-
lichkeit, Gebrechlichkeit, Brestung (f. v. Sehra),
Bresten (171C <Jr. W. II, 373) = Vitium, Defectus
(hrestbaft): h) an besonderen Gliedern (fir. w.
IV, L lHf.a). %, B. Atem Gebresten, Leber-Gebre-
sten; e) besondere Seuchen (16. Jahrb.) Pest,
Viehseuchen, hitzige Bresten; «I) besonders
auffallende Krankheiten: Epilepsie; e) der
Mangel, der durch die Krankheit (GebreBten 4)
entsteht, z. B : Was gehrist dir? = Was fehlt
dir? — bresthaft (presthaft) (mhd. pitsthaft,
proesthaftlg, Heyne I, 491; 1512 bresthaft an den
gemechten, I> 483; Schmeller 1, 367; Gr W. IV, 1. 1S63)
= hernio8us,ratnico8us,miteinem Brest, Bresten
behaftet, verstümmelt. — alte Gebresten =
langst bestehende, unheilbare Schäden. —
Gebresten — tlurch das Alter heilingto
Krtrper-tiebrechen. — [1177] ^I(cm-Gebresten
(Ortolph) - Dyspnoe — ausbresten (ahd uzbresten,
Waekemugel 43; 12f 0 ouzgebrosten, Pfeiffer 31. 8«) —
einen Ausschlag auf der Haut bekommen (aus-
brechen, ausschlagen'; (1332) ausgebrosten
(Schtneller I, 34.") ausgebrochen, aussätzig, mit
Ausschlag behaftet. — (14831 Ausbrestung - Aus-
schlag (c. v. Megenhg ). — brcntentlich Gebreste
(Schindler t, 367) = ein Mangel bringeniles Leiden.
— Ärw.s<-Gebresten Atemgebresten. — (1561)
böser Bresten - Nox:t, Schaden, der schwer
heilt fir. w viii, 1975), — (isu) Frauen-Gebresten
= Dysmenorrhoea Bock H6 lfi-s). — (1530) Geist-
Gebrest^n (gebresten der geyst, Künlgstip. 4«) =
Geisteskrankheit. — (lö. Jahrh.) hinfallende
GebrestV») («ir. w. iv, 1 iscs) -- Kpilepsia ••s.
Bresten 4d». — (152S) Hinterdnrtn- Gebresten
(Fries. 116) = Afterschmerz, Masidarmleiden. —
(1551) hitzige Bresten 'Bock U) ~ hitzige Krank-
heiten. — (i55i kalte, fewhu Presten, Gebresten
(Bock 174; Coler, H. A. 174)= Leiden aus kalter
Koiuplexion Phlegma) o. kalter Feuchte (s.d.).
— Lticr- Gebresten- I.eberkrankheit. — (1477)
Leibes- Ausbrestung (Ort.dph) _ Knude (s. d.) als
Ausschlagskrankheit. — (15M) Len^/ew-Presten
j [Bock 330) ^ Nierenleiden. — (1477J Männer-
74
Brett— briegen.
Bries— Brod.
i - bresten (Ortolph1 = mannliehe Geschlechts-
krankheit. — (1607) Mnlitzen- Orbresten (Hort,
san.) — Lepra — Maltzev, maladie. — Sfilz-
Gcbresten = Milzkrankheit. — M 'utter-Hr esten
— Weiherbresten. — (1561) Nasen- Grbresten
(praesten) = Ozaena (Gr. W. VII, 411). — (16»)
natürlicher Bresten = ein Leiden, das anima-
lisch ( tierische natürliche Ursachen hat und
nicht von den Geistern oder Planeten kommt
(nach Frie« 119). — (1532) Ohren -Bresten fdcr bresten
der gehört) = Ohrenleiden (Fries 183). — (15. Jahrh.)
Pes.iVewz- Gebresten (Gr. W. IV, 1. 1863) - Pest-
krankheit (s. Bresten 4e); (16. Jahrh. der gebraten
der pestllonz, Gr W. VII, 1673). — (1561) Iiiwlrr-
Bresten (praesten der rinderen, Gr. W. IV, 1. 1863,
cnriaijo — morbus in nrinentl*, cum corium ndhaerel
cosii«, im cmiRe II, 5651 fLnntronseuehe?, Rinder-
pest'. — Samen»- Gebresten = alle Erkrank-
ungen, die mit den Schleimhäuten der mannt.
Genitalien Zusammenhang haben (Samenflnss,
Gebittzgebreehen , Tri|)per, Blasen-Katarrh:.
— (Ulf.) sirhtige Gc-bresten — öffentlich sicht-
bares Leiden (Bnraeel* ). — stein -bresthaft =
mit dem Gehrechen des Blasensteins behaftet
— (1532) St. Frt/cM/iws-Bresten Fnilepsia
(b. Valentin) (Frie»?2). — (18. Jahrli ) FiVA-Bresten
(vlchpresten, Gr. W. IV, 1. 1S63; Schmeller I. 367)
= Viehseuche; man sieht, dass ursprüngliche
Namen rein menschlicher Krankheiten sich
(Im 16. Jahrh.) in das Gebiet der aiorhi anima-
lium zurückziehen , wie öfter zu finden. —
(UM) IPfitcr-Presten (Bock 177) - Frauenleiden
(Muttcrbresten). — (n.lnhrh.) icindi'jes Ge-
bresten im Hirn (Lonicerus) = Vapores (Neu-
rasthenie), die verschlafenen Winde spielen
eine grosse Rolle b. Nervenkranken — (12.. Inhrh.)
rerbresten (1260 diu nase zehristet Innen, daz *i von
den mlchelen schrunden stincket. BfciUer 16. 3'.i >.e>)
-innerlich in eine Gcsehwflrsform aufhrechen,
Ozaena ulcerosa, Lungen - Caverne z. B. —
(1532) ^nnz/cn-Bresten (Fries 85) = Zungenleiden,
Sprachfehler. — bre&tentlirhe (nivibrestrnde)
Gebresten, Wunden.
W Brett, n. (altt'crm. brCdo und hordo; nhd. pretn.
Cas*. Glösa., — ) 'dl in ii; nihil, tiriit — Ilrett, Schild, Kluse',
53) = das Hand -Teller oder die flache Hand
(WttkcrnuKel 43) (Tenner" ; dazu steht im Gegen-
satze: [1678) fW-Brett (fuszhret, fir. W. IV, 2 1501;
V, 1156) = Metatarsus, auch die Schaufel (s. d.)
genannt, Britten (s. d ', der Nächste Teil der
Fussohle. — Auf dem Brett liegen = tot sein,
eine Leiche sein, die auf der Bahre liegt. i .S. auch
Brlt). - Bretter-ttciyer.
Bretsche, f. f. Britsche.
bretzen kränkeln, weinerlich thun, wim-
mern («ehmelier 1, 178») mit der Bretsche - Mund
('s. Britsche).
Breune, f. «. Braune.
Bried Brfltt, s. Brot
briegen (prieken), ( - ridlcnlo« motu«, npileliche
Bebärdu, neckende «iehenlen machen, Sehm. I, 352).
— 3/(Jf-briegen (ndd. moorbruhen, Ctridsrhm.
103) — das hysterische tiefühl im Magen, Mutter-
aufstossen infolge des Mar (s. d.) oder Alp
I (h. Alpsucht 2) oder NobcIi (b. d.), eines necken-
I den Koholds (Fruchtwurm?).
Bries, n. f. [nnyern. Österreich", (Brieslein'A. v. IT.
Ii, TttJ, Brösl, Broschen 'schw. *-,]. Brüslein
'Schwallen', Brützen. Preis, Prüss \nr. w n, 44s.
\43s]. Brissei, Brüstchen) (zu Rrosam 'fcrltirerm.
Wurzel] brua; Miel*, brywin; nhd. [!>. Jahrb.] brösmn;
'. nihil, bröseni. Kitice s, ">1. — da« Brösel (oberdeutsch],
was sieh abbröckelt 'mir« panl«* und sich beim Kochen
ab., bröselt") = die Thymusdrüse, die ein körnig-
gehröseltes Ansehen hat (ein Teil des sogen
Kalbsgerflusches, Kalhsmilch, Kalbs-Brosehen'<
(Gr. Vf. V. 55), Brustdrüse Drüse 3 fKhign*. M
stellt Umsehen zu Brust, bnistehen . engl, brüdeet , franz.
brechet ; Brustbein - o« du brechet Ih-1 A. Bare, Briss. 28 ;
s. Brustbein). — ZfcfHr/i - Bries ^ Pankreas der
Sehlachttiere, das den gleichen, mürhen, „ee-
hröselten" Bau hat und mit der Brust nichts
gemein hat. — (1716! Kolba- fl73f> Milehflriaeh-)
Bries (kulbspruss, Schmeller I, 365 ; Hyrtl. K. W. 26)
8 Brien (s. o.) = Thymusdrüse. — Wnmpen-
Bries Pankreas derS<-hlaehttiere, MürhfleiBch
's. Banchbries, drflsichter Korper und Drüse 3).
Briest, III (Briester) 'eine schweizerische sowie
t»eycri«ch-«ehwaMsche dialektische Nebenform zu Bii st
>. d.]. KiuKc5, tov — Ä»</i - Briester ~ Biestmilch,
Colostrum der Ktihmilcli ■ Kuhpeter [Or. W. V,
2V,2; 0. V. Sehm. 332).
Brill, m (Prill) (Schmeller i, 3.vi) zu Prügel (?)
b. briegen fs. rl.), Penis.
bringen = herzuführen, tragen, geldlren (Heyne
1,493) — ein bringen eine Krankheit ■ verschlep-
pen in eine andere Gegend (Fnlkf I, 381), — »'or-
bringen — gebären, ein Kind zum Vorschein
bringen (Z. d V. f. V. K. isg«, g, si2). — zur
Welt bringen =gignere, jiarere f(ir. W. IV, 1. 1612).
— mit auf die Welt bringen - angeborenes. —
die Wumle bringt den Tod (den man als eine
Person sich vorstellte1 (O \V. II. .is7)
brinn- (zu jfoth. brinnö - Fieber, Gr \V. II, 215;
III, 1620; nhd. prtnnfii brennende Fieberhitze;
(vergl Brunst, Brünne», brinn-heiss).
Brissei, n. s Bries.
Britsche(n), f (Bretsche) [«n britschein - in der
Nils«e hantlen-n, auf etwas Nn«<ies schlauen, Schmeller
1, 374). 1. — Feminal, 2. — Mund (verächtlich; öftere
wechn'lt feminal mit o» ; Bretsche Tirol', llliitiierö. 14)
(s. Pritsche). — Brit8che-V"r^»b -Gunkel.
Britten, F. - Fussrftcken, Schaufel, Fussbrett
(8. d.) ,'Schmeller I, 373).
brittisch — Brittische Pest.
-brochen »- brechen.
Brocken, m, - ein grosses (abgebrochenes
St ück - .4'fri»»ls-Br0Cken i'nill. iidiunshrok , Kliwe8, 4)
= Adanisl.issen (s. d.\ — /-Yf/sr/i-Brocken ein
dick. r, wohlbeleibter Körper
Brod, 1 1 brodeln (brudeln), Brödigkeit (Brot)
(fern. Brot rfur alleres I.nib] zu brauen — dnrrh <ilut,
Feuer bereiten; ahd. bröt — Brühe, zu«amment;e-
manschte KlussiKkeit, selu ibennrtii;es (MbSck, Kliiden ;
mhd. bröt Brot, KIubc*, 54 ff ; 1616brodel|n) s colluvles
ex vnsis. .(uiie porcis duturet stercora 1i«iuida, Heyne I,
4»:.). — brodeln, 1 ~- die Menses (-- les brouil-
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Brodem — Bruch.
Bruch.
75
leries) haben (Schmollet I, 349; Briw. 71). — 2. =
eine Brodel thuen^ Flatus (('. r. Schm. 99); zu
brodeln — bullire; brod - hulla, vapor. — BrÖ-
digkeit (mhd. brödechelt) 8. Bratigkeit (sub Brat,
«. auch Brot). — Fohlen-Brod. = Hippomanes,
(.atizel, Zeltlein, ein manchmal auf der Zunge
des Fohlen liegendes brttunliches oder grün-
liches, platte« Gebilde, aus abgeschnürten und
in da« Maul geratenen Fruchthullen- (Allantois-')
Teilen, dieahreissen und in der AllantoiHilüssig-
keit schwimmen (Frank 75) (s. Rosswut 2).
Brodem, m. «. Bradem.
brodig [zu ahd. pro«! = »ruhe, Gr. W. II. 396;
Schmeller I. 319) - schweisBig (s. brot), vor Fett
schwammig.
bröde (ahd. prodi; mhd. brocdc, Schmeller I, 349)
= gebrechlich, blöde f= krank\ schwach, hin-
fällig
Brösl (Broschen) «. Brie«.
Brött, 1. =- Brat. — 2. = die Lausebrut im
Kopfhaare fOldenbg. ; Gold*chm. 43). — 3. = Brett.
Brommen, n. (Brummen) Flatus (Zw. xi.vi),
h. auch brummen.
. Brunn,
m. s. Pros8.
Brosseln, pl. = Brossulae (Syphilis der Haut)
flUcfer II, 221) — (157«» au«- brosselt faussge-
proaselt) = mit syphilitischem Exanthem be-
haftet fTr. n, 126:. *
Brot, n (Brütt. Brit.Bried, Oebröt) - BrOhe
(h, Brod i, (ahd. pmda - Brühe); figürlich auch
Schweins, Blut [Schneller I, 349. 374); hieher viel-
leicht: Brodt-Geschwar (Taheruaem.) ein Blut-
geschwär (hassliches, schmieriges?^ wenn nicht
- Braetgeschwär («. Gebroet) - jjjg ggj*
- Paronvchia, ,,wenn die Haut von den Nageln
sich abwirft tind abschalt", so dass das rote
Fleisch (Brat) sichtbar wird (llad. Jun. 3»s) =
Niednagel: fgebniet c*t morbus quandn cutis ilirnet"
re*olvltur circa unquem = reduria [redlviva caro).
r> 489). — Haar-Broten 'Zw. 8*») - Haargrint,
Tinea favus = Bried Steiermark; Fossel) = Brdtt
= I-anse, die in dem Briltt (Schweis«- und Blut-
krusten desGrints^Läuse-BrutstUtte) sich auf-
halten; fvergl. auch hrodeln\ — Brott'en) =
Brat (s. d). - Brot-Fleisch, -Geschwär.
Bruch, m. (brüchig), '*u brechen [*. d ); ahd.
brüh; mhd. bruch. Kluge*, "'S; ndl. breuk f., broeck
= traetura, hernia. Di* i.'ock 42; 1515 bruch ■» rmmex,
n. US; engl, break, Kluge), 1. = das tiebrochene,
a; = Fractura, b) = (i2io Kuptura, Hernia; .12:0
('repatura (= erever\ la rompure, (leutere* hat
mit llnicb — 'irall -lat bräca. Ho«e ; ahd. bruch : mhd.
bru"cti , ariifH brec — Stelss; enel brecch Stelis,
r.c«4ä<«. Kluge*, 55' nur die Lokalität jjcmelnsatn ; Gr.
W. II. 4<H; 1177 da* hrftchet in den lenden, Ortolph
- Lel»tf-nbruch 'lendenbnicblg; : 1532 ..eine AufledUc-
ung dur Zu<ammverbihduueen etlicher Kellin oder
Tüchlin , in welchen die unteren Glieder [Gcnltalla]
rerfasst «ind ', Frie« 121) ; c) - Biuch - Fissura, Hins
der Schleimbaut (Coler). — 2. = Quetschung im
l.eibe 'Gr. w.'ll. 10s «üb 21. — 3. =- der Durch-
bruch der Füllenzähne beim Pferde (s. Zahn-
bruch) (17. Jahrb. »eine bruechc thuen. R A. 20; Gr.
W. H,40*). Pie verschiedenen ..Bruch'-IMlanzen wurden
dagegen angewandt. — brüchig, 1. = leicht-
brechend. — 2. = mit einem Bruche lb behaf-
tet. — JrtVr-Bruch. 1. - Varicocele, als Vor-
tretung einer ausgedehnten Blutader unter die
Haut. — 2. - Aderrerreissune, Phleborrhagia
(t.r. w. 1, 179», — 3. = Cephalhaematum. —
.■Dfbruch, anbrtichi«, 1. - etwas, was anfangt
gebrechlich, bruchig zu werden z. B. die
Lungen. — 2. -= am Anbruche - Sebaffaule,
KlauenfUule leidend (1645 Bern. 213; roler 434;
V. B. 62). — olm-brttchtV; = im Atem be-
schwert, asthmaticus, dyspnoicus. — Auf-
bruch — die spontane Errtffnung eines Ge-
schwürs r.B. — (1756) ^«i/cn -Bruch, 1 = Proptosis
1 \ v lt. n, :si), der scheinbare Vorfall des Auges,
durch Schlag 1. B. (Schwellung«- Erscheinung\
— 2. = Hornhautbruch mit Vorfall der Regen-
bogenhaut (Falke I, BS). — Ausbruch, l.=jeder
akute Hautausschlag, der rasch (s. d.) durch-
bricht. — 2. = Pernio (Hud Jun. 3*7) = Frostaus-
schlag mit Schrunden - ausgebrochen (». d. o.
„brechen"!. — (1699) rotlaufischer .tusbruch =
diffuse Hantröte die bei Petechialfiebern aus-
schlagt, ahnlich einer Rose (v. M. II, 125). —
Bauch -Bruch = ein Bruch (Hernia) durch die
Bauchwandung (Bauehfell,Bauchvlies" hindurch
(Gaslrocele, Hernia abdom V — ifein -Bruch =
ein Knnchenhruch Fractura\ — (I6»7)gespähnte
Beinbrüche (<;eorg. 365) = Knochenbrüche mit
weit gespannten Bruch-Enden, starker Dislo-
kation. — (16. Jahrh.) bläitiqcr Bruch - Hernia
veutosa [Art, -Buch) = Windbruch. — (I7.vn Blut-
Bruch eine Bruchgeschwulst am Hodensacke,
gefüllt mit blutigem Inhalte — Haematocelo
[A, v. II II, 725). — (179H) Blutader-Bruch. ^
Blutbruch , Aniammlung von Blutaderknoten
im Hodensacke, Kirsocele, Varicocele (Kosr-m,
36; Richter I, 966). — ß/M(-A«M-Bruch = ein
Nabelbraeh, aus erweiterten Blutadern be-
stehend (Gr. w. Ii, 1*7). — (1652) Dflrm-Bruch
il'ries 121? ein Bruch (Hernia, Ruptura") durch
die Bauchwandungen mit Vorfall von (ie-
diirmen, die Crepatura Paracelsi - Hernia, der
Bruch Siphac der Arahisten durch das Peri-
toneum (A. r. H. II, 1232 und I, 376). — duTCÄ-
brüchig !U«2, IMS = laxus") — der einen Durch-
brach (s. d.) hat (Gr. W. H, 1596; I>. 321). —
• 1637) /)Mrc/t-Bruch = das Erbrechen des Leibes
mit Entleerung des Leibes nach unten (Gr. \\ II,
1596; 1750 = Diarrhoe, A. T. H. I, 63t; 1757 - ldem
Hfl u ml. 33) a Durchfall, Durchlauf, Durchrluss,
rote Kühr, auch Frais (s. d.) mit Diarrhoe
(Kneipp US); die „burchbruchs-Krauter" fperforata!
sollten wohl hlepcgen helfen. — '179C einqesperrter
Bruch Hernia incarcerata, eingeklemmter,
unbeweglicher, nicht mehr in die Bauchhohle
zurüekbringbarer Netz- «»1er Gedärmhruch
fRIchter l, s7 . — Kinz/ciccirfr-Bruch^ Enterocele
Vorfall von Gedärmen , Eingeweiden unter
die Bauchhaut. — .Fett-Bruch Hernia adiposa
r Netzhaut- Vorfall durch die Bruch pforte (das
Netz ist fettreichV — (1591) Finder-Bruch, unter
den Folgen der Feehterhiebe genannt = Digiti
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7fi
Bruch.
Brach.
fractura (Gr. w. Ol, icn). — Flanken-Bruch - eine
Hernie in der Flanke des Pferde» (Mayer M). —
Fleisch- Bmch - die Hernia carnosa - Karnofel
(b. d), Sarkocelo Galeni, eine Brnchgesehwulst,
aus Fleisch (s. d.) bestehend Krau« E. 916; Gr
W. III, 1766;. — Frauen-Bruch Muttervorfall
Prolapsus uteri (Mutterbruch, n. d.\ — (1*02)
Oege* -Bruch = der gegenüber der eigentlichen
Verlotzangstolle, entfernt von dieser durch
sogen, eontrecoup eintretende Knochenbruch
iHcll III, 21). — yeilen- (gaitn^i brüchig - be-
haftet mit einem Hoden- ( = Gallen, s d.)
Bruch, Hernia8crotalis. — (mhd.) 0> -bruch - Ab-
gang, Fehler, Mangel (L< aar 61). — (US]] Gemäeht-
Bruch = eine Hernie mit Vorfall der Gedärme
oder des Netzes bis zu dem Gemächte (s. d.)
Hoden\ Hernia scroti = Gailenbrueh (s. o.)
(I>. 276; A. v. IT. II. 7*t) oder auch Fleischbruch
'f. o.\ — (1495) yicAf-brÜchig, 1. paralyticus
(I». 412) vom Schlage perOhrt (s. dicht) = das
Giehtgebrechen habend, ,,dnz ^cgibte brichet sie"
(<;r r». M II, lios; ah<l. ham , n d .). — 2. — erst in neu-
erer Zeit — gichtkrank, arthriticus. — (t6. jahrh.)
Gicht-Bruch - Schlaganfall, Ltthmung (1616) =
Hand Gottes, halber Schlag (Heyne III, lisi). —
«//iff/er-brüchig-glieilerlabm — Haar-Bruch
es haarfeiner Knocbenbruch (Fissura) (A. v. H. II,
ISM). — i?im-Bruch = Kopfspalt mit Vorfall
eines Teiles des Kopf-Inhaltes unter die Kopf-
schwarte (Cephaloeele , Hernia cerebri (Gr.
w. iv, 2, im*;. — (1551) hitziger Bruch - ent-
zündete Hernie (Bock, 2A4; Gr. W. V, 220). —
(1561) Hoden-Bruch (-brüchig) = ein Bruch mit
Kintritt der Kingeweide in den Hodensack =
Hernia scroti («ir. W. IV, l. 1870, 2. 1654) ~ Gailen-
bruch, Gemachtbruch. — Horn-Bruch = I-os-
trennungdes Kindshornes vom Hornzapfen. —
JJornhaut-Bruch — Keratocele (Arlt i:t4) - Bruch
1 b an der Augen-Hornhaut. — (151-) Hifft-Bruch
=s lumbi fractio (D. 339), 1. = Hflftenknochen-
bruch. — 2. ^Schenkel bruch (Hernia). — (i7«U
ÄVAi-Bruch = Hernia gutturalis, Struma scro-
phula (I.. ch. 12) , Blähhals , der beim Atmen,
Husten sich vordräingt an der Kehle wie eine
Hernia = Bruch (Tracheocelc \ — Ktack- (l.va)
(Klek- \ Bruch (1612 (Kalkbruch ist Druckfehler Lei
Zw. 297) b „wenn Einem nn einem .Schenkel oder im
einem andern liliedc eine Kohre zerknollt i«t und auf-
klccket, als Aufkleeken kein rechter Bruch ist, sondern
nur ein Spalt oder Elnrlsa" 1612, Gr. W. V, 10>4J ;
Spalthruch eines Röhrenknochens (Zw. 297] ; Fis-
sura oesis (A. v. H. II, 5S4; nach l'lntner II. 216] ist
der Name zuerst von Felix Wunen [Würtz], dem Chi-
rurven, gebraucht worden, flflser I. 191»'. — Knochen-
Bruch Fractura ossis, la cussure, Beinbruch;
(in primitivster Form wurde da früher RatUgntt [ttür
net-. rtltmcl d, h. mit Ästen, Zweigen [Zainen] ver-
bunden, wie heute noch beim Tiere, Schindler II, Iiis-.
Knochenbrüchigkeit die Osteumalacia bei
Mensch o. Tier; die weichen Knochen brechen
dabei sehr leicht Merk IM). — (1713] Krampfader-
Bruch- Hernia varicosa l7l2 \.v. n. II, 7*5 Hoffm.
Vll, :;04; Zw. 416), Vurieocele „Geich« u Ist der er-
weiterten Samen -Atlern in dem Hoden sack "
(Gr. W. V, 2<U3) (s. Krampfadern). — Krankheit-
Bruch, Krisis morbi (s.o.). — leisten bruchig (1561
lystbrüchig, <ir. W. VI, 721=elumbus, delumbU. ..dem
die Landen oder die lynl ( =■ leiste, Lende, a. U.| ab oder
gebrochen ist") = der einen I^istenbrnch CHernia
inguinalis) hat. — /rw/m-brüchig f-Bruch1 (H77,
Ortolph; (IV Jahrh.) lenbrucb, Gr. W. VI, 74»; 14R2
lcnndoprucb. Zening. Voc. s7 = lumbi fractio, lumbi-
fragium vermutlich). 1. = Leistenbruch 's. o.*1 oder
2. - Nierenleiden — LocÄ-Bruch — ein Kno-
chenbruch am Schädel, wobei durch seitliche
Verschiebung kleiner Splitter eine rundliche
Öffnung entstanden ist — J/aocn-Bruch = eine
Hernie in der Magengrube, Bauchmnskel-Bruch
(Zwerchfell - Magenbruch ist kaum darunter
gemeint) 'Ackerm w>). — (1646] Mastdarm -Bruch
= Einriss (Rhagade, Fissura ani) in der After-
Schleimhaut (Cotat n. A. . 219). — (1677) Mutter-
Bruch= Prolapsus uteri ( A v. II. II, 7!« , Beyn. 56;
Frauenbruch - Muttervorfall (die. .Hernia uteri" (?]
1761 in Gr. W. VI, 2*11 u. 1. ch 10 ist eine zu enorme
Seltenheit). — jVa&f/-BrUCh (UW6 bruch am nabel,
Gr. W. VII, 6; 17 IS „eine Ausdehnung und Hervor-
tretung der Nabelschnur '], die nicht recht verwahrt
oder zu lanire verknüpft worden Ist", Gr. W. VII, 6,
17 in Zw. w - ein Austritt von Raueheingeweide-
Teilen durch den Nabel oder dessen Umgebung.
— Nabel- TFt'wflyruch Hernia ventosa, Pneu-
matocele, Pneumatomphalus , eiu Nabelbruch
(s. o.) mit Vorfall von lufthaltigem Gedärme,
oder mit Windkolik. — Aafwr-Bruch fi«"> Jahrh
brach an der natur) s= Hernia an den Geschlechts-
teilen (s. Natur) (»ir. ff. VII, Itt] - Hoden- oder
Schamlippenbruch. — AV^ Bruch ein Bruch
mit Netzteilen-Inhall 's. Netz": (die hernia zirbalis
d«r Armbisten , 1VJ2 bei Fries 121 Zirbns^NeU. epl-
ploeele, Gr. W. VII, 640 - veutris pliiRuedo, 1». 121).
— oßener Bruch, 1. = eine Hernie mit Kröff-
nung des Bruchsackes durch eine Kotfiste). —
2. - kompli/irte Knochenfraktur. — Punssack-
BrUCh ndl. pensak breuek, De Coek 301) — Bauch -
fellbrueh. — Pesr-Bruch Pestbeule in der
Leistengegend (s. Toten- Bruch 2). — rjMMcnrtYr
Bruch Kotfistel aus einem Bruche (HerniaV
— (I'kId) Rippen - Bruch Fractura costarum
III. Mraunschw. ebtr. »7b; Wlr»uug. ße>fister). — rot-
brüchig — mit roten Finnen : Acne) ausgebro-
chenes, rotprechtiges Gesicht, Hautauschlag
(Schindler II, 1*1 ; Gr. W. VIII. 1301). — (1843) Säftc-
Bruch ein Bruch ( Hernia , worin Wasser oder
Blut ist, als Ablagerung aus den Säften (Falke
Ii, 254). — (1801) Sa mm -Bruch — Spermstocele
Samenstrangerweiterungiii Bruchform fKrampf-
aderbruch) (Weiknrd JS*. — S.>» /-Bruch = eine
Art von Beinbruch mit Zersplitterung des Kno-
chens in ganz kleine sandformige Stuckchen
f.v. v. II II. :i2) vergl. auch „Sandhall" am Hoden).
— Sattel Bruch einGebrechen o. Schaden beim
Pferde an der Stelle des Widerristes, wo d. Sattel
aufliegt (Abu> 77) (Salte!galle\ — S<7u nÄW-Bruch,
1. Hernia femoralis. — 2. — Fractura femoris
— Schiess-Bruch Fissura ossis t.\. v. II. II, 584) -
Schliessbruch. — gescltlitzter, Sehlems-, Sehlieim-
& Idietz ■ Bruch (1528 KhläUbruofa), 1. - Fissura
ossis (a. v. H. II. 5si). — 2. aufgeschlitzter Kno-
chenbruch, Fractura complicata (H v. tiersd. »s). —
^tÄncn-Bruch — eine SehneuscheidenentzOnd-
ung (s. Sehnenklapp), krepitierend wie ein Bein-
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Bruck — Bruder.
Brücke— brummen. 77
brach (Falko n, 309, 3ii). — (15») der Bruch Siphae
(Frie* 12) = Daruibrueh oder Bauchfellhrueh (cri-
patura *. erepatura l'aracelsi = flssurn, rimn, hernia,
Du fange II, 615; A. v. II. I, 276; II, 1232). — Spult-
Bruch ein Bruch mit Spaltung der Knochen
(Fissura); auch Splitter-, Stern- u. Stück Brüche
unterscheidet die Chirurgie — 67a» -Bruch =
die Verkalkung des Produkte« eines abgelau-
fenen, entzündlichen Prozessesam Hoden, Pori-
cele [A. v II II. IMS), — (15. Jahrh.) 77>/cn-BrUCh
icyn d<>t Broch livor |hlau*chwar<e l)rü*enbeule],
D. 334) = M ulum m or t uu m , 1. = „eine Art Hehr
scheusslicher Krätze oder vielmehr eines Aus-
satzes (Lepra)mit einer dicken höfrichten Rinde,
die ganz blau und schwarz aussieht (Gangrän)
und ganz empfindungslos ist" (a. v. h. i, yio,-
Maürbi'iiii. 387) ; der Lepra-Kranke w ar als sonder-
siecher Gebrechlicher schon lebend dem „Tode"
geweiht. — 2. [16. Jahrb.) Pestbeule, Pestbubo,
Pestbruch, grangränoaer Pest-Karbunkel in der
l^eistengegend. —3. I7su) atonische krebste)
Qetchwfln (leblos) (Platner II, IIS; Krau« K, '»89)
als unheilbare Gebrechen. — tVnfcr-Bruch
Karnollel (s.d.) Schmellcrl, 1293). — (IC97] Waid-
Bruch, I - Eingeweide-Bruch (st Bcnno-Mir-B,
Srhwai«>n, Buck Hü - Weiddarm- Bruch, Gedärm-
hruch. — 2. Blutharnen infolge der Weide-
krankheit (Milzbrand), als ob ein Blutgefäss
auf der Weide gebrochen wäre (Falke II, 432'. —
(r.2»j IVar/cn Bruch Krle« 121) - llernia varicosa,
Varicocele, die Knoten bildungen im Krampf-
auerbruch werden als Warzen (Varices) gedeutet.
— (um) Wasser- Bruch = vänerigtr Bruch =
llernia aquosa (Frie*j — Hydrocele(Epididyinilis)
„da sich einige Wasser in dein Säckel (Scrotutn)
sammeln" (Zw. 4H">, 421; J. I*. Frank V, 158). — (1748)
Wtkken -Bruch, 1. — Bubonocele (JE. ch. 27«) =
bruchähnliche Drüsenanschwellungen der Lei-
sten. — 2. - eine Hernie in der Weiche des
Pferdes (Meyer 84). — IFmd-Bruch - ein Bruch,
der von Winden, Blästen (Flatus) kommen sollte
— llernia ventosa (Fries; Zw. 41t'.). NB. Eine Wind-
bmctmelle im Holz« Iwl Seeshatipt am St um bor« er See
he!«t Kannitlil (». d.) = carnofa I 1 -- hernia carnosa,
FleUchhrurh) = „eine Versammlung der Winde
im Hodensacke" (Th. wn Br. 909); (Nabel Wind-
bruch, s o. Nabelbruch;. — H iW«äc/rW-Bruch
— llernia scroti Üatuitosa (Zw. 423), „wo die lie-
inechte von Winden (d. h. turgescierenden Ge-
därmen) aufgeblasen sind". — ii74o: windischer
Bruch -= llernia ventosa (s. o ). — Zahn-Bruch
beim Pferde) Mir w. Ii, 40s). l.^-das erste Schie-
ben der Zähne, wobei die Füllenzahne aus-
breehen, auafallen (s. Bruch 3). — 2. — «lie
Fraktur de« Zahnes (Kalke n, 44») — Bruch -
Kinklemmung, -Knabe, -Kolik, -Saget, -Sack,
-Schaden, - Wasser. —
Bruck, f s. Brücke.
Bruder, m. (todog bhrat6r; Kenn, brötbar [fnter].
— Brüder das Hodenpaar beim Pferde (t'ol.-r.
M. 340). — /faucA-Brtldcr (ahd. bnchbrüder; mhd
pauchbrueder - Merl im*, «irufl III, 301) das IUI
Mutterleibe Mit- Wohnende (z. B. Kind, FoetUS,
Embryo, Mola) (Schweiler II, 911). — .Horn-Bruder
m Leprosus, wegen des Bog Hornfalles (s. d.)
aa der an der Lepra Miterkrankte (Schindler I,
11*55; ohd. bornglbmodar = leprosu», Otlrled ; mhd.
Iwrnbruoder; davon auch die sogenannten Brtider-
hftuser — Leprosen - Häuser. — Der lampartisch
Bruder — der lombardische (syphilitische)
Landsknecht >. d.) = Mole (s. d.) als Bauchbruder
o. Aboitusmolo infolge von Syphilis (Schweiler I,
349; 1174, „ein ilclsehlelch Stuck, da« wirt In der
Formatter", i t .). — (1699) Milz-Bruder — der an
der .Milzsucht (e. d.) — Hypochondrie gleichfalls
leidende Mitmensch (v. M. 1, 147). — 6'nn/Brüderl
= Acne potatorum, die rote Säufer- Nase
(s Kupfer- u. Wein-Handel). — Spnnn-Bruder
(ahd. spunibrnoder, (JrafTII, 301; VI, 344); mhd spünnc
bmoder, spunnebröther, npunnibrodlr, I> 131 ; lx:xcr
243; Hoffm. I, 392, engl, fosterbrother, Kluge*, 123)
-Milchbruder, collactaneus. — Penus-Bruder
- Syphiliticus (Baeuml. iw) — brüderliches
Geblüt.
Brücke, f. (altnnrd. Iini = Brücke ; ansls. bryeg;
engl, brldge = Brücke, Saucnrückcn ; ndl. brug; ahd
bnicko; iiibd. brücke), 1. (1483 brug, »' v. Megenbg.)
= Rückgrat als Korperhrucke vom Hals zur
Hilfte. — 2. (1588 Tabernaem. 44) Hüftbein,
als Ende von L, Os coxne. — 3. = die Jochbrücke
am Jochbein (Hyrü, K W. 14C) — Hoe/i-Bruck
(lnliUid. höbrok, häbrok [Kdda, Jordan 83] = einer,
dessen Rücken und Hüftbein hochgestellt ist.
— Bruck-i*7««tA.
brühen s. briegen.
brüllen. — Briüler-ffran&AeiT,
brünnein (1477 Urtnlph, nach Adelung noch 1479
In Bayern Reiten mehr gebraucht) - mingere.
Brünnet, n, (ahd pronadun = prorigo cuti«,
(iralTlII, 310) das brennende, juckende Gefühl
der Haut. — brünnig (H82 hrynniger, Zettln«.
Voc. e. 3) = brünstiger, s. Brunst.
brünzeln s. Brunz.
Brueachen, Brüslein, n. s. Briea.
Brüstchen, n. (BrUsÜein, Brüstl) (ahd prusttu
pectuKctilum Bruslflclsch, tiralt III, 277; mhd. brü-
»telln, brüstet, Lexersuj, 1. — Bries (s. d ; Thymus-
Drüse); da» zarte Brusttleisch (Biustbraten) ist
zu „Blust" in Zusammenhang gebracht, damit
auch „Brüstchen" — Brieschen \(ir. W. II. 44«),
(vergl. Brie»). — 2. — (l.'ds) Mammula, die kleine
Brust (H. v. Gerad.), die jungfräuliche Brust. —
3. — Papilla mammae, Brustwarze; s. auch Brust,
Brustbein.
brüten s. Brut, Bretten, Brott.
Brütt, n. 1. = (figürlich) Schweis«, Blut. —
2 = Lause (Steiermark,', ahnlich wie tiesott für
Abfall, Häcksel Scbmellcr I, 374); vgl. auch Brot.
Brützen s. Bries.
brummen (brommen) (vorgerm. bhr.m; p. rm.
brem — fremere, ktiir>cbi'ti, eine Srhullbizclcbnung ;
engl, brhn - Itruall ; abd. brümau; mhd. brummen,
Ringe*, SS] schreien, brüllen, summen. —
: 1.28, das Brummelen (II. v. <icr»d. 100) Torsiones
ventris, kollerndes Bauchgrimmen = das Leib-
kollern. — Kopf- Brummen, dumpfer Kopf-
schmerz (Brummschädel). — Äfu^cn-Brummen
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78
Brunft— Brun*.
Brust.
= Hunger, bei dein der Magen knurrt ^bellt; ;
vergl. auch Brommen. — Brummer- Krankheit.
Brunft, f. = Begattungstrieb desjenigen Wil-
tles, welches dabei brüllt und brummt (Lessing;
Kluge5, 56; «;r. W. II, 4ai); i, vergl. Brunst). —
Brunft Brand, -Schnur.
Brunn, m. (Brunnen, m. Bronn, Born) (ait-
genn , goth. hrunna — t^iu-lt , ahtl. hrunno ; min]. brunuc
- Quelle, Hrunnwiusser, Kluge*, 56), 1 ) — Urin als
„natürlicher Gang de* Brunnen" (St, Henno-Mir.
1628) aus dem Leihe. — 2. - Menses als Blut -
quelle aus dem J.eihe des Weihes (ig. .Iiihrh. der
bruu jres Muts, Heyne I, 602). — (1-182) Harm-
Brunnen (C v. Mcgnbg. 34. 10) — Urin, Harn. —
St7i/«</-Brunnen - Übersetzung der am Kindes-
scliadel pulsierenden, schlafenden Fontanelle
(s. d ) (ton« - Bninnen. Ilyrtl, K. \V. 186). — (1351]
weibischer Brunnen Hock 200,1 als Weiberllus*
(8. d.) — BrunntenJ-V««-//, -Rausch.
Brunst, f. (goth. hrun«ts zu brintM» [k. d.j, <!r. W.
II, 438; ahd. bruiiM, prunatl = prtirigo, von brennen
[», d.], wie „Knust" zu „kennen", Kluge4, 56, mhd.
ltninst) — Brennen, Brand, Glut, Unze, Entzünd-
ung, 1. — brennende Fieherglut des Körpers und
EottflndungBbitxe; vergl. (gotb.) brinno (s. d.)
oben). — 2. = die innere Hitze des Begnttungs-
iriehea beim Tiere und Menschen F. Holtmann;
1712 nisuw MXualia ardens). „Unwissenheit und Nneh-
liittsigkclt haben das Wort Brunft in ltrunst umgewan-
delt" (Ltaring; Kluse4, 44). — 3. = ortliche Hitze,
namentlich der Haut = Prurigo (Uraff III, 310),
t>. Brünnet. — 4. ^ verbrannte Hautstelle (1260;
1'fellTeröl). — (l.visj slw/rn-Brunst (Fries 79uj, „wenn
«las Blut in oin Auge zeichi" Augenentxünd-
ung. — i.ViyBrünBti<7An' Huck47j Kngbrüstig-
keit. — (i.'kH^j L un yen- Brunst (Tabera.; Gr. W, II,
438] Lungenentzündg. — iieie.i fy]^' ^ Brunst,
1. = der Abgang von der Stute heim Brunsen:
a) Urina, Harn (s. Bruns); b) Liquor vaginae
s. Hipjiomanes (I). 27sj. — 2. — Begattungstrieb
des Bierdes. — stillt Brunst ».'ine nach aussen
weniger stark hervot tretende Brunft der Haus-
tiere (Frank 64).
Brunz, m (brunzen | brunnezenj, brun-
zeln, brünzeln, Brunzerl, Brunzel, Brunzung)
-zu Hnum 1 [s. o.j; 1477 beprunzen, (.'. v. Mcgbg. ; 1561
brunz - urina, Or. W. C, 141; IV, 2. 487; 162s bruusat
St. Heimo Mir. ; 1482 pruntzcl Zcnlng. Voc. cc 6, 15M
brünzeln, Hscharl — brunzeln Itnyeru , Kindel
spräche) = uiingere. — Brunzing - Actus min-
gendi <.r. w, Ii, 4(21. — Brünzcl [Würaburg]
Penis i<.r. w. u, 441). — Brunzer [Pranken). —
Brunzerle (Tirol, Schwaben, Schweiz, Huck 16;
lilntucr 8. ls) — idem. — ffetf-Brunzer - di r an
nächtlichem Bett pissen <Knuie»is nocturna;
leidet. — (Iis»; ittul-Brunzet (Zenlng. Voc. cc &)
* liaemorrboides (der Blase?). — . 1 i Harth
Bruntz Urina iiiad. Jim. 20). — kalte Brunz
(Or. W. II, 44ij strunguriu (s. kalt). — (1W4J
Äo*»-Brunz- L rina e<juorum [h. Brunst, ,'.r. \v.
VTU, UM). — (1516) .sYt^rw-Brunz Hippornanes,
der .Schleim hei der Pferdebrunst (D. 27sj. —
Brunz- Blatter, -Säcklein, - Hasser.
BrUSt, U. (Während viele andere Körperteile von
den Indogermanischen Spracb&tammeu genieinsam be-
zeiebnet wurden [Kluge ", 56], differieren diese bei der
Hrust, vermutlic h infolge der polltisch kulturellen Son-
derling durch die verschiedenen Orandopfer, wobei
Uns Uhu [». d.] und die Hrust vermutlich infolge an-
derer Methode der Upfcrtoluug [Hentstich, Drustütlchi
auch eine besondere Sprach -Holle spielten; altgenu.
briisls; ultnord. brjost . ahd. prust — mumma, pectus,
Ca«. (lloeaan; (iraff III, 276; 10. Jahrb. pnisti ■= ma-
mlllae, Uab. Maur. 66: „unter der Brual Ist die Stark«
de« Menschen"; 1260 die brüsten (pl.]( Weiler 3fi; mud.
borst = Brust, Mag Hürth. 89b; nnd. bost = Hrust,
(iotdschm. IIS; mhd. brüst pnpillae uinrnmae, II. Z
XV, !M, brüste - Juguloa; II. Z. XV, »..;{; 1414 bront
inamuia rmi Herum, 1». 315; 14S2, 1521 prust, brüst —
praeeordlum, ZenlngVoc., t. 8; lt. 452; ndl., ndd. boret,
1507 1 i, D, »45 na< h i Ii M LI, 445 liegt dem Worte
Hrust, engl, breast, das „bresten", „bersten" zugrunde,
also — <ne keimenden, vordringenden, schwel-
lenden, knospenden, wachsenden Brüste; Brust
ist demnach, l. = die weibliche Brust = Mamma
des Menschen und (an der gleichen Stelle)
(= Enter) der säugenden Tiere, eigentlich ur-
sprünglich die Brüste (-Brustdrüsen nebst
Milch) als Statte der mütterlichen Ernährungs-
thäligkeit, die zeitweise die Brust zur Schwel-
lung bringt. — 2. = der Vorderteil desliumpfes
unterm Hals bis zum Bauche (I »ei Menschen,
Säugetieren und Vögeln).— 8. - Brusthohle (und
BruBttleisch) mit Eingeweiden (hauptsächlich
Lunge). — 4. = Gebresten ( - die brüst, llotlin. I,
362) (s. u.). — brüstig = Brust habend — (l 516)
brust-haitig - brestiial'tig (i>, iwj). — brüsten,
Brüstung, B. brausen. — dfibrÜStig (ndl. ambor-
■tyohj ndd. anbostig) = beengt an der Brust heim
Atmen (Goldsehm. 112, i>. io7). — aufgelaufene
Brust- Anschwellung der Brustdrüsen, —aus-
brusten =ansbraU8en (g. d.) aus der Brusthöhle
(Z. Hdb. III, 42SJ. — Blut-Hmt - die mit Bluter-
guss anget Hille Brusthöhle <iFnlkr). — böse Brust
(loos st B.-Mir.) — entzündete, geschw iiiige,
eiternde Brust i Abscess, Krebs der Brustdrüse).
— (1/071 dämpfige Brust (U. San.) = Dyspnoe,
Asthma, Kmohysem; vetgl. Dampf. — (1750)
eingeschrui»i jifte Brüste — runzelige, weibliche
Brust (tir. w. Iii, 316). — (1766) Uder Brust (a. v.
II. II, 37«; lsso Samuel 76j — um Liter getudte Brust-
hohle, Eiiipyenm, Vomiea, Apostema (s. dj. —
eny j ) BrUSt, (-brÜStig) (angln, angbreost, ndl. eng-
borstlgheld, De Cock 155; 15'Jl engbrustleh. Had. Jun.
;ty5 _ stheuothorax — anhelus, iiugustl pectoris, tir. W.
III, 471, sthenocardia, aslhma , dyspnoe, angustiao,
Hulelalid 288 ; Ackermann 239 ; Zw. 15'J) eine. »ich male,
in der Almutig beengte, schwach« BrtUt
habend. — gichterische LngbrÜstigKeit -
Asthma convulsivum, ein die Brust beengendes
Asthma, das anfallsweise und krampfhaft
(gichtetisch) auftritt (A. v. Ii. U, 154J. — (I7w
/VfiAc/» - Brust = eine w ie Fleiaeh sich an-
fühlende, nur wenig Milch secernierende weib-
liche BrUSt (l'letik 1 14). — (rVtd.sr-BrUSt l'ectus
carinatum, Vogelbiust, llühnerorust ^s. d. und
Bruslhein). - i/aMc/i/n-Brust -die spitittg vor-
springende Vogel-, Ganse-, oder Hühnerbrust
(beim Pferde), meist infolge Abmagerung des
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Brust
Brust— Brut.
79
Gewebes um den dann stärker autfallenden sog.
Habicht- Knorpel herum (Mayer 3fi; Zipperleu 98;
Kalke 1, .tss). — Hahnen-Brust - Hühnerbrust. —
jtof«BrU8t(lU2hcrtbniKl, KricuöT] ■ nichtHchliifi'e,
sondern vullstrotzende, dick« Brüste (l">ss Or.
-S3}*»|Sa*K«'
<ir w. iv. 2 1227)- Fraecordium, d. Brustteil vor
dem oder mit dein Merzen (als Fleisehstüek;.
— h<n A-brostig (i-v.i <;r. \v. iv, 2, um, ivji jia.i.
Jim. 3'jä), 1. — Oer eine weite, grosse und starke
Brust hat = pectorosus. 2. = Lordosis, Verschieb*
ungderhoekerichten Wirbelsäule mit Verdräng-
ung und Vorwolbung der Brust auf Kosten der
hinteren Lungenntume ; der hochbrflstige, hoch-
fahrende Lord soll nach einer scherzhaften Ety-
mologie der Lordosis den Namen gegeben haben.
— (i".v.) Iioekerichte Brust = eine durch Hocker-
büdong, Kypbosis, Skoiiosis, LordoBia (A. v. h.
II. est) entstellte Brust. — hohle Brost = durch
FetMebwund und Abmagerung grubenl'ormig
vertiefte Brust (Kalke I). — Huhner - Brost —
Vogelbrust, GansebruBt, l. = rachitische Ver-
unstaltung des kindlichen Brustbeins, wobei
dieses nach vorne gewölbt wird, und der Brust-
kästen die Gestalt eines .Schillskieles (Fee-
tus carinatum) odoreiner Vogelbrust annimmt,
und die Flanken (Kippen) einsinken. — 2. = eine
breite, aber in der Mitte mehr spitzig oder
buckelig vorspringende Pferde brüst (s. Ha-
bichtsbrust) (ZlpperL 98, Konis II, GM; Förster
n, 963). — Jnnen-BrUSt mini. irmbnini, (Jrnff I.
2*8.1 - das Innere der Brust (vgl. Innuder). —
keuchende Brust — schwer atmende Brust. —
(lfi.v>) Kindsbettcrinnen-JiTÜBte, rersch wollene
— Mastiiis puerperale (Lonicerua). — klebrige
Brust - eine Krust wie *ie klebrige Leute
(8. d.) haben (Heyne III. 367). — klemme Brust
»(tusamiuengedrückte; enge Itrnst tfeitsrh. f d
I-hlloloK. XXVI, 24t . - krebstchte Brost =■ Brust-
dri'sen-Krebs. — Ä'nrr BrÜ8tigkeit ndl. kort-
borst Igheit = Engbrüstigkeit (De Cock 1 •>•".). — (nuit
Mi/r/V Brust = eine weich sich anfühlende, von
Milch strotzende, den Gegensatz zur Fleisch-
brüst (s. d.) bildende weibliche Brust (Henk Hl).
— Mutter -Brust, 1 - ilie weibliche Brust (mll.
moederborst. De Cock ©G) zur Zeit der Säugling.
— 'i. - die Milch derselben (Mutter-Milch) (Gr.
W VI, 2814). — (1712) iWA BrUSt ^ der bildete
Teil der Frust eine« Schlachtlieres (Qr. W.VU, 33).
— rauhe Brust pelzartig behaarte äussere
Brusthaut l,«.r. VV. VIII, 261). - (gr)räumige BrUlt
(■Bd. so wert de borst nun, Mag. Ilnrthol '.Kla; 1607
ruomlKe bru»t) — eine schleimfreie Bru«t,die leicht
atmet. — ,t»is7) schäbige Brüste — die durch I laut-
krank heilen unebenen weiblichen Brü*tc ;<ir. \V.
VIII, ls»i4). — ScAnür-Brost-eine »buch zu star-
kes Schnüren, nameniücli auf die Kapacität der
bruslhohle und die Leber - Konsistenz sich
äussernde Druckwirkung. — ScAu.sr'cr-Brust -
eine auffällige Vertiefung des unteren Endes
des Brustbein*, welche sich namentlich häutig
bei Arbeitern entwickelt, deren Beschäftigung
ein öfteres Anstemmen gegen diesen Körperteil
verlangt (Eichhorn Unter». 1. 120V — ar/iir«c/icBrost
— geringer entwickelte, schmale, zu Krank-
heiten geneigtere, menschliche Brust (Habitus
phthisicus) (Pauli HO) — (11181) acAin'errM'iV Brüste
(l.wi ndl. »weerende borsten. De Cock fi7) — die weib-
lichen Brü»te mit eitrigen Entzündungs- Ge-
schwüren (tieorji- 4 io). — Tru hter - Brost ein
durch Einbringung des unteren Brustbeinteiles
von oben nach unten zu trichterförmig verengter
Brustkorb. — (1843) UnterBrust = der zwischen
den vorderen Gliedmassen liegende Teil der
tierischen Brust (Kalke II, J*y). — verschleimte ;ir.ii7)
(achleimige) Brost = Brustkatarrh mit Schleim-
suswurf illort. Ben.). — Fo(/«/-Brust, s. Hühner-
brust. - 1*12) For-Brust der unterm Halse des
Tieres liegende vordere Teil der B tust (Kalke 1).
- (1713) HVoc-BrUBt = ein BrustÜeiseh, das der
PrieBter (Gode) erhielt an Stelle des Gottwebi
( colobium, i>olyuiitii, »rotowebbl eotawi'bbl — 'jodes-
uewebe) oder Wedel-Geldes«, oder des Garnge-
spinnsles^Vebb) (UM. Med. 219; »irnffl, 847; D.133.
444. i4fl; BebmeUer II. 292. WO). - IFrifccs-Brust (oh.i.
wibesbniM - roamillu liraffl, GW, III 27t.) - weibliche
Brust (.Mamma). — /.:< >, ..• Brust — eine sehr
schmale, magere, in der Mitte nach Ziegenart
ausgehöhlte Pferdebrust (Zipp. ys). — Brust- .ddVr,
■Angst, -Ausdehnung, -Bein, -Beklemmung, -Be-
schwerde, -Beule, -Blatt, -Blatter, -Braten,
■Bräune, -Dobe, -drücken, -Drüse, -Dürre, Eiter-
sucht, -Enge-, -Entzündung, -Fahne, -Fell, -Fieber,
-Fistel, -Fleck, -Fluss, -Gang, -Gebresten, -Ge-
schwür, Geschwelt, -Geschwulst, -Geschwür, -Ge-
tcolbe, -G'hängel, -Gichter, -Grat, -Grube, -Haut,
•Hücker, -Holde, -Husten, -Kasten, -Katarrh,
■Kehle, -Kengel, -Kerbe, Kern, -Kirber, Kister,
•Klent m r, - Knochen , • Kodt r, -Kra mpf, ■ Kran kheit,
-Kristen, -Küssen, -Lahme, -Lappen, -Leiden,
-Löffel, -Mausen, -Riüie, -Hippen, -Rohre, -Hose,
- Rutzen, -Scldiessen,-SiMUs8el,-Schmerz,-Schteerc,
-Schwindung, -Seite, -Stechen, Steckling, -Seuche,
-Strenge, -Siechtum, -Sinken, -Stimme, ■ Spitz,
-Stück, -Sucht, - Trockne, -Übel, - Volle, - Wand,
- Warze, - Wasser, - Wassersucht, - Weh, - Wehtag,
- Windgeschwulst, -Zitze.
Brust, in. = Bresten oder Bruch (s.d. Brust 4).
— ifri/'y-Brust'Ahd. pulcbnist, bee.Baiuuarior,, Allan».)
- Huptura pellis — Balgbrust, Balgbruch, Ge-
bresten innerhalb des Balges, auch Knoehen-
hnicb, aber ohne äussere Hautverletzung. —
Beulen-BrUSt bes. Alaiuann. ; st brachiuui tagwtt
nute Ottbituiu itu ut pcllem nun rumpat; «i o« frcjferfi
et pellem non truKÜ, .pioJ puleprust ülcuntj - L'on-
tusions Beule mit Knochenoruch ohne Haut-
wunde (Du CanKe VI, '*2, vermutlich bt pulepru^t
als palcpnurt zu lesen). — Gcbrust nitul. icebniM,
bexer Ol) Gebresten, Gebrechen.
Brut, f (brüten) u-orm. Im» — erwärmen, erhitzen
(Httlw); aM. t>ruot, bruoten; mhd. bruot , bmeleu,
Kluire1, 86. :*; cnRl. breed, bniod IUce, Unit. KbiK'e
i. :.6.i - dutch Wanne beleben, durch den Brutakl,
die Bruthitze erwärmen, erhitzen; das durch
! die Bruthitze Erzeugte (Klut:es, .'*). Vergleiche mit
dein II tm< (JefliiKel sind ln?t Krankhelts-Namen nicht
s.-iten. — brüten ;uuiubroten nayerni, umeia«
anderbrttten [BnyerD]) = sich übel beiluden, und
dabei tiewegungslos hinstarren, wie die Brut-
henne, ohne eigentlich zu wissen, was für eine
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HO Bube— Back
Backelorum— Büchsen.
Krankheit zum Vorschein kommt = Zipfen; ein
aus der Hühnerzucht entlehntes Wort. — hentu-
brütend = dic stille (ieschlechtslust der Frauen
ivergl. Kluck); ein dem BrutV(*r)angen der
Hühner verglichener Zustand. — /mibrüten s.
pretten. — Teuf eU-Brat = Wechsel balg (s. d.)
Kretin (s. d ; (Ravaria IV, l. 212), als eine vom
Teufel mit den Hexen am Waipurgis - Abend
erzeugte Frucht — brütigrr Hunger.
Bube, m Bufe lOst-Thurlngen; ,,ci« urdeutsches
Wort von zweifellos hohem Alter", Kluge*, 56, aus
einer altgermanischen Koseform [boban-] „junger
Haan"; tbd. buobo [fehlt]; mbd. buobc = Knabe,
Diener, zuchtloser Mensen, Kluge 1. cod. , mbd. buobo,
engl, boy , 1. — die weiblichen Krüste als Zwillinge
(Ur. W. II, 401; l.exer31) Buben — 2. - die weihl.
Brustwarzen = puppenart. Duttenspitzen (Fflpp-
lein ?) (Schindler I, 192, in derScbwelz bübbl, Gr.W. II.
4.'i7. 4oi), WeiberpQplein (e, Bull;. — 3. — der
Knaüen-Bvibe, l'enis im Uegcnsatze zum weih-
lichen Bühlein Bube 1, Püplein?) {Gr. W. V, 1323),
s. Knabe. — Buben- Fist. füttig C* Fotzet, Gasse,
Knabe, -narret, -Samen, -Schellen, -Sucht.
Bllbo, Iii- (ein durch den Verkehr mit Spezialilrzlen
in gewisse Kreise [Offizien:, Holdaten, Kommis etc
gedrungene«, ursprünglich entlehntes Wort, wofür die
altere Sprache eine Reihe von Termini* hatte), Venus-
Beulen, l'ewt-Beulen, Widergang ts. d.;, Wachs-
drüsen, Drüsen, Schlier, Leist, .Schani -Seite,
Uchsen etc. (A. v. H. 1, Ml; hlbl Med. 43H; Sobern-
heim 45. 322. 323 1; auch Bauhonen (*. d.) werden
erw ähnt. — Bnbo = ßooßujv (Ilias VI, 492), babo,
pannus, in<iuen Struma, <ib\Li , y, »j^sdAov, '//>'.f.a;
i'Pr. 1, 233;, aster atticus Aetti, 543, Letseh 36; bnfo
TaraceUt; IT. II, 141); Irz. boubon hibou, A. 1'arc; ;
bosseebancreuse, poulain ;Bri*s. 243) fait une ceurie
<le «es chausses" = GraHcIn mit den Küssen -Hegen der
Leiztendrusenschwelluugl. In '1er Schuliuedi/.iti der
«•riechen und Arabisten hatte der Hubo einen allge-
meluereu Begriff als heute: buba o<ler bnbo — tumor,
1. = mala buba in Hxllla imal Buhln») = Pcsidnisen-
beule. — 2. — tumor ex contusloue iDu lange 1, 763;
I). 63SJ, Kontusionsbeule. — 3. angucn ». anghlo
\s. Augen) — tumor Speele» carhuticuli seil uleeri«. —
4. = niptura, inflrmitas in femnre, Hruchbeule (l>u ('ange
I, 251. 764, IV. 308; vergl. Fuchs, Ilippokrates S SM,
Anm 40:. — 5. - Kipparsch is. d.j, Wolf (I>. 63s). Kar-
UOfTel. — 6. Seit Salieetti 127.. erhielten die Inguinal-
bubonen den Stempel den Spezifischen, und Kuhn wurde
vorwiegende Bezeichnung fiir venerische Erkrankung
der I.eistendruseu, welche eitern (s. Schlier, . — 7. Pa-
rocelsus (1618) unterschied zwischen eitrigen und indo-
lenten Bubonen Ideo was ausschlecht und Raetidig
Ist, tion faclt buborna id. h. macht keinen eitrigen,
sondern blo» indolenten Bnbo), »ed was ult ausschlaegt,
attrahit quic<|uid in membris priitüghiosuni est" iPr.
II, 73, - Ist durch die Kiterung des Bubo vorher aus-
geschieden, so dass es nicht zürn Ausschlag komintl.
iVcrgl. die [IV Jahrh.] dragoncelll, gavoccloll der Ita-
liener, die encordio» 114*3] und buba«, boae [lllspa-
uorum], I l'.'s , Z. Iidb. d. »p. Path. u. liier. III, 9,
Krau», K. 166; Pr. II, 30. 142; Haeser II, 203. 211). —
Bubonen- Typhus.
Buck, m. Buckel, m. (Büggl, Bttggile,
Bückelchen, Puckel, Pickelchen, buckeln)
(zur indogerm. Wurzel, bhuk, bhiig — biegen, Kluge \
290; Gebogenes, Knimmung, Biegung; mhd. buckel,
Grlmm's W. VII. 1%» stellt es zur germanischen
Wurzel puh ~ schwellen; engl bonge — (ieschwulst,
Heyne I. MW bull Buckel für Übertragung des Schild-
buckels auf Buckel 2, s. Bugler), 1. = Kücken
i Doi huih). — 2. - Hocker, Uibbus, Auswuchs
auf dem Kücken, Kyphosis, I>jrdosis, Skoliosis,
Malum Fottii ( 1713 — 1788) (Schw eiz, Tind, Bayern ;
Hintncr 7. 17; A. v. II. II, 6*0; Samuel 279) - Bog.
Beingew itehs. — 3. — tieschwulst, Beule,
Tuber, Tubereulum (Gr. W, II, 486; Schw. 98);
Bückel, Bückelchen - Knötchen (Fickelchen)
(1677 puckelen - papulae. I). 411; K>»nig III, 674;
Behrcnd ls). — 4 - (1616) die Dickdarm- Kugeln
- Hausilra coli lllyrtl, K W 12). vielleicht weil
sie Ähnlichkeit mit 5 haben. — 5. = die Haar-
locken (Wuckel;, die Buckel (Tirol, Bayern, Hint-
ue r 6 12, aus dem Französischen durch die Grenadier-
locken i.oucle], über den Rhein gekommen, Schindler
l, 207). — 6. - t'repitus ventris, Puck (SchmeUer I.
381). — bücken (udd.) - buchen, bauchen [s. d.;.
[Goldecbm 139). — buckelt buck(e)licht; ipugk
lochler, German, XVIII, 261; 1415 pucklat, SchmeUer
I, 206, 1591 bogeehtlg = l-.rdus, lordosis, Had. Jun. 393
= giblH>su», «r. W. II, 4S6) - der einen Hocker
Buckel s.o.) hat; ein solcher gilt nach Volks-
meinung für gescheit, wird aber nicht alt
(s. Kinder). — dal /--burkeln mit gekrümmtem
ICücken umhergehen (SchmeUer 1, 206). — Ft.lt-
Bnckel = lokale Fettsucht bei Tieren (Last-
Tieren) (Leukart Uli. — iferz-Buckel ■ eine Er-
weiterung d. FracordialKegemi (voussüie), auch
ein Vorsprung des Brustbeins bei Uückgratver-
schiebnngen, Khachitis etc. (Elchhorst 13.6«. 12C).
- (Hos) ÄntV Buck- Kniescheibe («r. W. V, 1427)
(als Kniehücker? o. Knie-Widerhuck). - 8.=
- Kniebug, Kniel>iege(s. d.). — ÄVimim-Buckel
krummer Kücken. — rote Bucklen des An-
gesichts (Tabernaein.) — Buckel 3 = Fickelchen,
Bückelchen, Akne. — /. Buckel ;iö Jahrh.
puckel auf dem ruck) - Buckel 2 (Heyne I, 509). —
sihclch- bucklet - mit schiefem skoliotischem
Kücken behaltet iSchmeUer II, 406). — Schnitt-
Buckel der (w ie geschnitzelte ; Kinder-Kücken
(c.v. schm. 475;. — (1740) ÖViVcm - Buckel -Scoliosis
seitliche Venireliung der Wirbelsaule mit
ilöekerbiidung) (A. v. h. n, esi). — (ns3) Stirn-
Buckel - Stirn liöcker (Tuber frontis) (Levellug 66).
Wrbuckel««</ Hockerbildung in fehler-
hafter (Jestalt. — IFiV/er-Buck = Kniebuck
<;r. W. V., 1427J, entgegensleliende Krümmung
am Knie : (ieschwulst).
Buckelorum (Rheinhessen) - Buckeliger (bur-
schikoser Latinismus; Kluge», 162).
Budschurl s. Schur.
Büchlein, n. - Fallenmagen >. Kalender).
Büchsen, f. (Büchs(e) (ahd.btibaiMWfrieeb. no|t;
= Buchsl>aunigefass, Kluge *, 5S ; mbd. bubse Buchse ;
durch die Arzte des Mittelalters in» Deutsche gedrungen
als Ausdruck für hohlenartige, abgeschlossene Uauiu
RebUde), 1. - (162* buchten, 11. v. Gersd. 16) = Gelenk-
hohle, „aus dunen genommen w erden die Wirbel
der Dyechoren", d. h. die Oberschenkel-Kugel-
(Jelenk -Verbindungen; (1651) auch die Kugel-
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Bflokel— Bürzel.
Bürzel.
81
Gelenkhöhle am Schulterblatte iiyrtl, K. w. 27),
die mit Feuerbüchsen, Kanonen, aus denen die
Kugeln entleert werden, verglichen werden, —
2. - die Büchs = Keminal ; (Buxe = nose [Kannncn-
rohr] s. KüchsenwoH ; angls. bnxus, buxen = tibiale ,
toi. buxur = Hose, Z. d. V. f. V.-K. 1S96. 8. 242;
u. (*.".; Sehmeller I, 200,1. — 3. - U'ftt) die Linsen-
kapsel (Level. :m). — buchscln = coire (Büchse 2).
- Blärr- Büchse (<ir. W. II, los) = ein Blftrr-
Maul, durch Schreien verzogener Mund. —
(1594) /Vi rz- Büchse - ein Mensch, der oft farzt
(durch die Darmbüehse) [Gr. W. in, 18SS) (Farz-
GlockeV — HiTT.i goldene Büchslein (goltpuchscl,
C v. Megeubg.) — der Möns Veneria, ober dem
Scheideneingange mitgoldgelhen Haaren dicht-
besetzt Schindler I, 200) (a. Goldbüschel). — Salz-
Büchsieln Schwaben. Uberbayern) - grosse Augen,
bezw. Augenhohlen, dio den gepaarten Salz-
und Pfeffcrgefassen gleichen (<ir. \v. vin . nii).
- Büchsen- Wolf.
Bückel, n Bückelchen, h. Buck u. Büngel
(Bung).
Büdming m. - Netz, das zu Boden lianut (zu
Hoden ». d. ; ahd budcmine. liruff III, *7 Intestinum.
precordium, tirbus, Omentum, Net*. budemlng- omcn-
lum, mcmbrnnum quod conllnet Intestina, H. /- XV,
344; budminc — Omentum quod tegit Intestina, H. Z
111,968, 14. Jahrh. hiidmlg. budemlng -- zlrbus, iiinni
Ulm. retlculnm, Vor. opt. W. II ; Schindler I. 212 . Il>rtl,
K. W., 69; D. 211, 396).
Büge, f s. Bug u. biegen.
Bühel m. fludodenn. Wurzel blink, bhug biegen,
Kluse*, 59 — du* tiebogene; ahd. buhil, mhd. biilicl;,
1. = (162S buhil = caput hepatli). der hngelförmige
rechte überlappen (Hyrtl. K. \\ . W). - 2, = (bühclln
nyrtl, K w. r.2t = Schamlefzen, Schamhügel. —
3. -(buheiin L'«'na\ Wange, Apfelbacken (n. 289).
- 4 - ;i5is buhel- tuber), Geschwulst, Auswuchs
Maaler) Pestbeulen (lla»cr II, 312). — Jrsc/t-Bühel
= Nates, die gebogenen, erhabenen ArBchballen,
s. Arschbtthel-Bein. — F- j / Buhel [vcigpüchel,
Schindler I, 696) 9 Keigballen, Feigwarzen m d.),
- KekU ,,- Buhel (l.V*7 buheilu au der kele, 1). 603;
- Drosselbolle, Kropf, Humen. — (1497) Sturm-
Bühel ll.VJOiiuirmbuehelobderM'hatn - pecteu, Ii. IIS),
1. =der kamuiförmig aufragende Schamherg als
Stätte des Venuskanipfes. — 2. =« das ganze
Darmbein, daawieeineSturmhaube einen hohen
und breiten Kamm hat (muh Hyrtl, K IT., 91). —
Sturmbuhel- Bein .
Bühne f (ndd. byn, baen, Kluge*, 129.1 - das Ge-
wölbe des Gaumenbogens.
Bülken m. = I,eib (Schnuller 1, 237; ahd. pnlgn,
mhd. bulgc, l. e :. 8. Bulgen.
Bull er s. Biller.
Bünkel (Pinkel) (Banken) -. Bung.
Bürd (Bürdlein, Bürtel) s. Burt.
Bürste s. Borste.
Bürzel m (Pürzel.Birzel.Bürz, Bürzel, Bor-
zel. Börzel. Berzel, Perzel, Persel, Pirsel) :*u
harzen, honten = hervorstehen. Schm 1,2s.".; Kluge \fil ;
oder zu tioeren iboerezen] aufziehen, conf. Si hin. 1,
2. '*, brrn, hochrein, Koohler, V. Ol., 293; beim lauten
Weinen den Mund verziehen , 1361 pirezyl ~ « ine Wurm-
beule bei Pferden zwischen Haut und Fleisch, Hoff mann,
Ml. Sehr. f. Schlesien 1*29, U. 764 ; ptrtzil, Adelung Vachr.
v. altd. «ied. II. 297, Koch holz II, 45; innd. bersel -
ein Wurm, der eine Krankheit beim Tier und Menschen
macht, Mag. Harth. 100b; [Hörtel 5 u.6j; mhd plrrezll.
Ur, w. 11, 999; 1422 ntfrsel, porczel. II. z, XV, HO; 16.
Jahrh pirtzel , 1VS7, 1590 burtzel 111. iirnpygium, oro-
pytrlum, i>. 401, 630; iivi;> purtzel, roicr; 1717 boertxel
— uropyglutn, u. i'.30) — etwas Kleines, Kurzes,
Abgestutztes, aber doch aus seinem Boden
noch Hervorragendes und Auseinanderleben-
des (confer. Burzelbautn;, 1. - der Steiss der
Vogel, rropygium, der wie ein Maul sieh boert,
aufzieht, hoerzt. Die Borz-Henne ist ein Huhn
mit herausbörzendem vorstellendem After ohne
Schwanz (federlos) (<:. v. Schtn. 8") oder («lr. W. II,
217) mit borstig aufstehemlen Federn; (vergl.
Borstebi i Kluge', 50;. —2. --- (KVI5) der durch Haar-
ausfall besonders gekennzeichnete Schweif lies
Pferdes i<ir. w. II, 41 ; Colcr 7, sei;. — 3. - der
kurze Schweif des Hirsches und der Wildsau
(Ur. W. II, 554; Brehm III , 515). — 4 = (1677) der
Steiss des Menschen (Hyrtl, K W. 9; Schindler I,
2*5), das Steissbein als Uusserstes Stück des Rück-
grates {Heyn 2.13). Die „borwlig" u. namontlich am
Steisse (Börzel) aufstehenden Haare o. Federn
sind ein volksObliches(Wurm-iSymptom beiden
verschiedensten Krankheiten, namentlich d. Vo-
gel (Zipf.Pfiffiz. s.d.) u. der am Schweife stärker
behaarten Tiere; so dass Börzel 5. auch einige
Pferde-Krankheiten bezeichnet (Anzeiger!. Kunde
dwehr. Vor/ ls72 ls», Hr. W. II, 564) und zwar:
aj oino Wurmkrankbeit oder „das t'ngenantil"
iSchmeller I, 2S5 , ,.e» sefnt dreier Hunzel der erst hebt
sieh vornen an <ler Nasen ( — Frölich, Kotz. Schnupfen,
Intluenza; , der ander [ = IlAutroU] Wunn ist zwischen
dem Khnle und der If lief Hacken,, der drill [Wunn]
hebt an [als Bürzel — Wurmstoppel am Vogclattcr] 1111
dem Zagel [Schweif- o Sterzwunn], Sehmeller 1 eod. ;
1»'.<»9 v. M I, 46; purcztl — vennl* equorum. j. cod.; au«
dem Steisse wurden auch durch Mittel die Würmer her-
vorzuloekcn versucht ; 1398 benel eine Pferde Wurm-
krankheit m eipio» consumpsit venni», proprie dictum
,. berzel", quo» percussenmt ad eampiini", Anz. d. K.
d. dtseh. Vorz 1.S72, S. WO — ITeixle Kotz. Wurm le,
dlewii Biirzelwiirm stellte sich das Volk al« die andere
Ueetalt des HurzehUps vor, [s. S. 12 . die Behandlung
«les Bürgel« (134il Rochholz II, 45], das burzelkrnnko
l'ferd derlionnerstags-Sonneentgeg« •nzufiihren, erklärt
sieh aus iler elfen vertreil«Miden Macht der Sonne, die
darum gruetl alfa [— Alp-Verdniss, E<lda] heisst, und
aus dem t'mstimde, du«« mau um Donnerslage den
Elben opferte, Schelhle III, 169 ,- l>) eine gtassie-
rende Sucht (Pferde-lnlluenza) iplruil, Anz. d.
K. d. d. Vor». 1S72. 8. 190; eine kntnrrlmli*che Seuche,
i.exer 32-. — 6. Wie öfters, so werden besonders
Namen von Hühner« ((ianser, Zipf etc.) und
Pferdekrankheiten (also von Tieren, die vom
Menschen seitalter Zeit gezüchtet und im Hause
gepflegt wurden) auch auf den Menschen über-
tragen und zwar ; a) Influenza (s. Gtippe, Püfls,
Zipf, Ganser etc.). — (13*7) Bürzel Intluenza
epidemica .Schmitt Jahrher. 1*92. 1. 215; „ein Well-
ing der Menschen ; 1.1*7 üasser's Auualeu v. Augsburg;
Zclt'chr. f. d Philo). I. 2::, ,,mira quaedam epldemia
6
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Büschel.
Büttling— Biif?.
[bürzel] hanc urboni totamque luperlorem Germanium
corripiebat. qu« acgri 4 vcl 5 ml Minimum dies molc-
stissimis dcstillutiouibus - Schnupfen, Pinuse), s. d]
lahorant ac ratione privati typhusuhnlich] instar phrcnc-
tU-orum furiebant atuue Indc convalcscebant paucis-
simis ad un uui dcmls*i. " tun byrzellen); 1387 Augs-
burgerChronik, Moni», Am. 6. 257, Zcilschr. f. «1 Philol.
1, 23; .,da kam ein Wchtag [*. T»;'„ <I«-n hicss man «len
Btirczel ; «ler kam in alle Städte und in alle Lande und
in alle Dorfer uu<l lagen die Leute 3 Tage oder 4 und
stunden dann wieder auf . es vergingen alle läge au
dieser Sucht K —10 Personen, ju es mehrte sieh dieser
Bürzel von Tag zu Tag [also eine andere Berichter-
stattung als die vorangefuhrte] ; 14H darnach in dem-
selben wiutcr, was der bürciel als weit die Christenheit
was desgleichen in der heidensehaft", Augsb. t liroti.,
Mone"s Anz. 6. 736; 1417 do man zalte 1414 jor, do kam
ein gemeinge Sieohtage in alle fjint von dem Klosse
t~ Fluss — Katarrh1, und Husten, genannt der Ganser
oder der Bürzel, Strassburger Chronik; Gr W. IV, l,
1276; Kuhemoun 7), b. auch andere unbeslimui-
bare und unbestimmte Krankheiten erhielten
den Namen Biirzel, nachdem dieser einmal vom
Volke kennen gelernt worden war, sowie auch
heute das Volk die verschiedensten Krankheiten
unter die sogen. „Infallenz" einreiht (Innrmltus
generalis ; = Sucht, Seuche;, vulgo pet tzel grassabatur.
sehm. I, 285). „Die gesamte Geschichte der In-
fluenza lehrt, dass wir uns (zur Diagnose Inuucuzaj
auf den Namen allein nicht verlassen dürfen, da
man bei wirklichen InÜttenza-Epidemien die
sonderbarsten Bezeichnungen, die zur betref-
fenden Zeit aufkamen, anwendete u. anderseits
auch wieder Krankheitsnamen, welche schon
für gewisse Leiden existierten, der Influenza bei-
legte" ;Ruhemaun l"j ; abgesehen davon, dass der
Name Influenza i,s. d.) selbst ganz verschiedene
Bedeutung hatte; meistens aber war es epide-
mischer Schnupfen (Gr. W.II. >M Zeltschr. I «I
Philologie I, 24), der mit Bürzel bezeichnet wurde
(namentlich in Halle und Gottingen). Der Borzel
hat mit elbiscben Wesen, obwohl er eine sehr
alte Krankheit ist, dem Namen nach nichts ge-
mein (Zeltschr. f. d. Philologie I. 312; Gerland meint
die» unter Bezug aut Hur/elbautn = liulzelbaum; eineu
Segen eontra pircil fuhrt Weinhold [Zeltschr f. d. Philol.
1, 23] aus einer Münchener Handschrift an, sowie HofT-
inann, Mon -Sehr, f. Schlesien 1829. II, 763. 764; c»
spricht die« wohl für das Alter und den schelmischen,
clpischen Charakter dieser volksüblieh benannten
Krankheit an und für sich ; dauiunlstlseben Hinter-
grund hat sie nur als Bürzel-,, Alp" >. Alp und als
,,Wurm"). — bÜrzlich (1Ö17 birtzlich. D. 319) = las-
civus, geil vorstehend, den Bürzel hebend. —
«4r8c/i-Bürzel = Steissbein (arsburtzel, arspürzcl). —
i/cnnm-Btirzel - der Hühnereteiss (Gr. w. IV,
2. 997). — //«nie-Perz(el) = der beim Hinken den
Börzel (Steies) reckt (Or. w. IV, 2. 1447). — Zahn-
fleisch- Bürzelein = Epulis, Farulis, das starr
hei vorragende Beulchen der Kieferbeinhaut (A.
v. iL I, 607). — (Vergl. auch Tannenwätschel,
Grippe etc; - gjj"j£ j Al]>> .Baunii .]Vurt)L
Büschel, n , Ui nihil, büsehel. Verkleinerungsform
zti: ahd. busc [- Busch], Kluge*, Cl, = Gebauschtes;
1477 busehliii, l. v. Megeubg., ^ der biitchelfoi inige
| Haarwuchs auf dein Kamp Os peclinis, Mous Veneri>.,
| Hyrtl, K. W. ; 1.M3 btischelyu = Nachgeburt. Itosslin;
1569 buschlin - secundina Hyrtl K W 29 buschclelii
= secundinae, Gr. w. Vll, 60), 1. — Haarbüschel
(Möns Veneris und Capillitium), gruppenförmig
aufstehende Haargebiete. — 2. = Eingeweide-
Bäuschen der schwangeren Mutter - Nachge-
I burt,FlacentafSchiiielleri,297i(vert:l. Bilusehlein),
Kindubüschlein. — Go/d-Büschel imhd golt
büsehel, Leser 83) = die goldblonden Schamhaare
mancher Frauen, weibliche Scbamhaare über-
haupt. — Haar Busch = dichtes Haar, das wie
eine Buschgruppe auf dem Kopfe steht (Gr. w.
IV, 2. 26). — (1828) Ä'i'ir/VBüSchlein (H. v Ger-d 98 ;
Gr. W. V, 733; Hyrtl, K. \V. 2«; - der Mutter-Kuchen
(mit Eihaut, Amnion) mit dem Ansehen von
GefilBs-BüHchlein Fässlein : - Ohr- Büschel -
die Bockshaare (s d.) im Ohre {Gr. w. VII, tSSS);
(vergl. Silber'. — Sc/cim-Büschlein ..da« rauche
I aus dem Bayerland", Hyrtl. K W. 2* ff.) — Möns Ve-
neris mit seinem Haarbusche (s. Büschel oben).
— JVmwi-BÜBchel = Fubes crinosa = Scham-
büschtl Hyrtl. K W. 206 — fiH;i.xi \YU, m -Busche
■ die knaueiförmig, dicht beisammen befind-
I liehen Eingeweide- Würmer (Merk 60).
Büttling (Bütterich) s. Butt.
Bufe s. Bube.
Buff (Puff) 14*2, Gr. W II, 1212). 1. = Fupa (s
Bube , Brustwarze, Duttenspitz. — 2. = (Schweiz
ein durch Kunst erhöhter weiblicher Busen
(Gr. W. I. eod.). — 3. (buff 15. Jahrb.. = bucca oris in-
llatlo; 1 «75 mit opgeblnsen kynbackeu, 1). 83) — Fans-
backe.
Bug, m. (Bueg, Buch, Bauch, Büge) - Amins
Vorder bog), Sull'rago (Hinterbug); (Indogerm.
bhAghii s — Arm, l'ntcrarm . Vorderfusse . Armbug,
Kluge !>, 59; vorgerm. bhaghus — idem. Kluge 1 c. ,
ahd. buog; mhd. buog Ubergelenk des Armes und
Beines, Hüfte, Achsel. Tierbug; 14S2 ptigin suffrago.
Zeuliig. Voe. u. 6, oa2; L">12 buge, bug, boegbe ■■
i arnius, scapula, I). 64"'; 1603 bug; ndd. buge, bug —
tibia [arxnus], D. 682); engl, hought - Bucht, Gelenk.
Glied; 1. = das Gelenk, wodurch Arm und
Schulter, Schenkel und Hüfte (Coxn , Knie
und Fuss (Snffr&gO, Beuge, Kniebüg) (pupta,
Gr. w. II, 495; v, 140), Zehe und Vorderfuss ver-
bunden und biegsam werden (Kluge halt Ableit-
ung des ,.Bug" von „biegen" für unmöglich und erklart
die Wurzel dazu für unauffindbar, 1. c. ; Gr. W. II, 494).
— 2. = das Schulterblatt seihst. — 3. « der
j Schenkel (namentlich beim Fferde) von der
Schenkelhcuge bis zum Knie (I6ni; <ir. w lif.
1656); Schlegel- Keule am Tiere (Schw. 99); (Zlller-
thal; Passeier) Buegle = Schenkel des Menschen;
Buegel, Biegl = Fuss, Schenkel Hintner, 8. 20);
Votder- und Hinterschenkel ibei Tieren). —
4. = vordere Flache des tierischen Sprungge-
lenkes (Kalke 1, 164). — 5 = der Oberarm, (llleher
gehört die Pflanze huggul (14. Jahrh.], Voe. opt ; 1528
bück, IL r. Gersd. 100, — Buegler = Artemisia, die
Frauenraute, Gürtler [s. Zeitschr. d. V. f. Volksk. 1893,
5. 446], welche von den Krauen in der Sonnenwend-
nacht am Bug [— Schambug, Lende] getragen wurde,
Schin« • I 21 IUi Ii Bu< k< in 1 UUCkl I . ah«!. bdggDj
Schmeller I, 206, ganz übereinstimmend mit dem an-
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Bugler — Bulge
Baller— Rurre.
83
«leren Namen dieser l'flanze: Beifus« , nh"l. Iii fimz,
Kluge5, M, «He beim Fuss getragen wurde). — u. 8. Buck.
— . i p tn Bug (ahd. waapouc, Grafli, «6) - das Ober-
arm-, Schulter-Gelenk. — ei>j-bügig = mit ein-
wärtsgebogenen Schenkeln behaftet (Falke 1.231).
-- Ellenbogen-Bug = Ellenbogen-Gelenk. —
. //"r-bügig - am Ellenbogen (b. d. 3 und bie-
gen), einer Pferdekrankheit, leidend (1699; v. M. ,
I. 35J. — cr-bugen (Lexer 49; mhd ) = buglubm
machen (s. Bugl.2,. — feiner Bug (Metzgerspracbe;
= die dickere, fleischige Gegend de« Schenkel-
Gelenkes an Schlachttieren (Gr. XV. II, 494). —
qroberBug (Metzgersprachc) sa der knochenreichere
Teil des Schenkel-Gelenkes an Schlachttieren
(Gr. ff. II 4M). — . - Bug (ahd. halsboug, Groll IV)
da« Halsfleisch am Bug. — (1616) Hinter -Bug
= SutTrago, der hintere Bug bei Tieren (Hüft-,
Schenkel-Verbindung, Lauf oder Knie- Wange)
(Gr. w. IV, 2. 14»9). — hinterbttgig = der Gegen-
satz zu bock beinig (Falke I, 393). — /wi'V-Bug
iiuhd. kniebuoe — Kulebeugo ; 15. Johrh. kniepug •=
fragus, »ubfragui, Ilechse, pople», Hr. W. V, 1427; 14.S2,
1587 kueubuog - pople« suffrago [l. eod.), D. 665;
knelbug - Kniebug. »ir W V 1422; 1740 kuiebug -
pople*. Kniekehle, Kulmus22), 1. vergl. Biege. — 2. =
die hintere Beugcstelle deB Vorderkniea beim
Tiere (Falke II, 19). — Leisten - Bug = Leisten-
beuge, „die Tiennungslinie zwischen Bauch und
Oberschenkel, welche bei angesogenem Ober- i
schenke! besonders tief ist" (Hyrü, Anat 417) =
Schambug. — Nasen-Bug ■ Nasenkrümmung,
Nasenrücken («r. w. vil, 4ii). — (1270) Rindes- ,
(Bwh) Bug — Rinds-Keule, Schlegel (vorderer)
(Gr. w. VIII. 976). — rUck-bugig = zuweit nach
rückwärts ausgebogen i Knie * IS.) (Falke II, 247).
— Scham-Bug — Inguina, Inguen (A. v. h. II, S60i
■ Leistenbug in der Nähe der Schamgegend
(Or. w. vi, 72i; viii. 211). — U7. Jahrb..) rerbuegen
= den Bug (des Pferdes) verrenken (R. A. 771).
— Vorder-Bug = Armus (bei Tieren), die Ober-
arra-Schulterverbindung (Gr. w. II, 491; IV, 2. 149-.»
(Kegel) — rorbügig = bockbeinig iKalko II, 4i6j
— (1.90) Wider-Bug - Suffrago, Kniebug gegen-
über der Schenkelbeuge (D. 666). — Bug-zldcr,
-Drin, -Blatt, -Galle, -Gelenk, -Lähmung,
-Sehwinde, -Spittt.
Bugler, m. (nach Hytll [K. W 20y, In alten Voca-
buiorlen ■ •ternum) = Brustbein, als Schild auf-
gefasst (Buggier) (Schtneller I, 217), Schildbuckel,
oder - Brustbeinhöcker (•. Merzbuckel); (mhd.
buckel -- erhabene Rundung, au« [lal ] bueciila, BAek-
rhen, Kluge*, 68).
Buhle, m. (ein»t trauliche Bezeichnung für roannl.
Verwandte, weiterhin (icllebter, Gellebte, Kluge1, 59)
— Teufeli-BuulVT = der Alp (s. d ) als Succubus,
wobei der Teufel die unterliegende Buhle (amiea;
vorstellen sollte (Wahnvorstellung aus älterer
Zeit). — Buhl-Gort, -Teufel.
Bule, f. a. Beule.
Bulge, f. B tilgen, m. (ahd bulga - lederner Sack;
gall.-lat. bulga, Fa**buueh ; mhd bulge, verwandt zu
Balg [a. d.i. Kluge1. 25. 59; frans, boyau, BriM 56; 1419
bulge n; 1433 pulgell ; 15. Jahrh. pulg. bulge, bulg. fulg.
volgc = Watsack, lolliculu«, uter, 1). sl 631; Schindler
I. 237] - der hohle Leib, der Tragsack, Uterus;
(s. Bülken, Böiken, Bolgach).
Buller, m. (Tirol) = Penis (HJntner B 18; Bull ■
Stier, Sehm I, 233; ein au* au« dem n.M. entnommenes
Wort, Kluge4, 46).
bulstern - tussitan», polstern, mit bellendem
Bulltone iiusten (D. 603).
Bülten, m. (ndl., 150?, 1677 bult = pannus, taber,
D. 410. ouo; zu bulg, bol« ) = eine timsehriebene
Gesch wulst, Abscoss (Goldsehm. *9. 91 129, V. K
VI, 9) ohne Hautrote, Buckel, dicker Kopf. —
f7iVA/-Bulten fudd. Jicht bulten) = schmerzhafter
( iiehtkooten, umschrieben, ohne Hautröte (Gold-
«ehm. 90. 119).
Bulzen, in (Pulzen, Bulz), l.^Bülzahn (s.d.).
— 2 = eine Pferdekrankheit, (früher) angeb-
lich vom Verschlingen von Federn oder Erd-
reich oder vom Laufen wider den Wind ver-
ursacht (Schindler I, 238}; soviel wie bauch- oder
herzschlächtig (s. d.), Asthma, Dyspnoe der
l'ferde, wenn die Flanken sich wie eine Beule,
Bolle blähend vordrängen (ausgedehnte Lun-
gengrenzen, Emphysem?), wie auch von Augen:
hervorpolzen (Boltz-Auge, s. d. und pulzen).
Bund m., 8. binden.
Bung(Bunk, Bünkel, Bünken, Pünkel, Bun-
gerer) 'ahd. hungo - Knollen; mhd. billige, Kluge4,
23. 17'jobinkel kielner Illing; engl, buneh = Beule.
Warze, Kropf. Knlt'i'hm. I; tnuiz. beilgnes, bigue«,
Bris». 2M) - SehluglK'iile all! dein Kopfei ; 1. = Drüsen-
knollen (Beule:, namentlich bei den Gemachten,
am Reihenbein o. im Diech = Bona. — 2. = Kropf-
beulen = Bünkel am Hals. — 3 = ScbUgbeule
namentlich an d. Stirne) ; forner Hautknötchen,
Hauthöcker, Blatternarben (Alg&U, c. v. Sehm.
107; Sehm. i, 394). — 4. =ein knolliger, bünkel-
artig im Wachstum zurückgebliebener Mensch
Hinter 5, 11). — 5. = Penis. — bünkeln fsach*.
blukelii. pinkeln) = urinare (I». <>3ü — Bungerer
Luftröhre (Schwaben. Schw. 42. 0. v. Sehm. 107). an
der der Kropfknollen, Büngel (s.o.) sitzt. — Feig-
Pünkel (feigpüchel, Sehmeiler 1,696) — Bubonescum
condylomatibus (a. Feig und Bühel). — Herz-
Pünkel « Brual, d. h. der vortretende Teil des
Brustbeins - Herzbuckel (voussüre) (nicht - llerz-
bengel oder Henebnndel, wie Andre«ell '.»4 meint ; Sehm.
I. 391;. — Lähm Plingel, 1. — Bubones syphil.
(vergl. Lähm 2,. — 2. — knollenartige, trauma-
tische Anschwellungen von Drüsen mit lilhm-
ungsartiger Schwäche der betellendeu Extre-
mität. — (1699) OAr-Büngel.Büekel) = Pestbeulen
hinter dem Ohre (Drüsenanschwellungen) (r. M.
Ii, 102. km). — irr-nusspünkelt- tnisp^'cstaltot,
verwachsen wie ein kleiner, rundorNussknollen,
verkrüppelt (Bctua aller I, i"C5). — Bung-, Binkel-
(Binken-, Pinken-), -Dann, -Ei**.
Bunsen, Bunzen, m. ein kurzer, dicker,
menschlicher Körper (iiintner) (vergl. Blunzen)
(engl, punch).
Burre, f. = Geschwulst iBuck 19j - Bürde isehm.
1,273), Last, an der man träat ; i'Eierstocks-t'vste,
l'terustibroid z. B.). — Wechsel Bui ~ Wechsel-
balg-Bürdo (Kthnol Mitth aua Cntara is94, s. 240;
(. Wechselbolg).
f/
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84
Burach— Burt.
Burt
Bursch, f. (GebÜrSCh) 'tu bursa; ahd. burls«a,
Börse) - sacktthnl. Eingeweide (Mctzgerspr , Schm.
I, 281). — i^rtSf 7-Bur sch — Nachgeburt, Secun-
dinae (s. Fasel 2, der Zuchtsack-, Fötus-Balg1).
Burt, f. (Geburt, Burd, Bürde, Bürdlein,
Bürtel) (*" gebaren ; nrindogcrm. bhcr - tragen [ferrc) ;
vorgcrm. bherä - tragen ; oltgcrm heran - tragen,
Kluge9, 2S, 30.60; Roth, haurthel, Kluge ibid. ; ahd.
burdl — Last, mhd. bürde = Last ; law biirdelln — sar-
cinuln surciuiicuhi, Ii. "d2, Watsnek , l li.2bürdi — Triirbt-
zcll, ('. v. Scbni. 1U7, Iii portec], 15'>1 bürd, Ininlleiti
= plnenim. l.twbuerdclln. D. U2, Watsack, IMSUM-
lein - pliieetitii; 17 10 burdelelli - plueenta. Zu genuan.
heran gebaren ; goth. gabaurtbs ff.], Kluge*, 13«;
uhd kapurt, 9. Jahrb. gihurill, gibtirti. Graf! HI, 160,
Pfeiffer, Forsch, n. Kritik II, 41, purt. GralT Iii, 1">9;
II. Z. XV, "Ki; mhd. geburt, burt = Geburt; l.V Jahrb.
bort (». uleni."]. P. 6Stj 1961 geburt = partns, suholes;
1603 bürtel [bührtel] - placenta ; 17. Jahrh. gebürtleln
! b 1 1 r 1 1 c I n ] ■• p 1 ac e n t a ) j bürtl, n.( = Nachgeburt ; ehr. B.
243. 494, engl, birth - Ueburt, Traelit, Wurf; birlhwort
— Gcbärw urz, Osterluzei). — Burt (Geburt), 1 . = das
Gebären der fruchttragenden Mutter = Partus
naturalis - der Geburtsakt im Gegensatze zur
Bürde - die Tracht, die Tragung, das Getragene,
daB Tragende). — 2. = das, was aus dem tragen-
den Mutterlei he geboren wird.inseiner verschie-
denen Gestalt (bis zum 18. Jahrh. auch von
Tieren ) z. B. (1496) Geburt = Plasma, Zeugungs-
BildungsstoÜ'fD. 440); Foetus eoneeptus, Frühge-
burt (Abortus), Missgeburt, Totgeburt, natür-
liche Geburt, Nachgehurt, Gebürtlein, Bürtel
(gleichsam die kleine (ieburt. die Nebengeburt, (ir. W.
IV. t 1903, 1907, auch als (ieburt mit dem Halglein.
C. v. Mcgctibg., andere Geburt ; 1.W1 = da» Juuge. piirlus.
subtile«, Gr. \V. IV. 1, 1903 ; 1603 das [die] buhrtcl Ge-
bürtleiti] Nnebgeburt, Gr. \V. IV, 1, 11K17 ; 1603 lturtel
— placentn, sceundlua. Gr. \V. II, Sil; 17. Jahrh. bürt-
lein, Tabemueiii st Nachgeholt, sccundlna). — 3. — die
Art, wie das Kind geboren wird, z. B. Steissge-
burt, Missgeburt. — 4. — die Gebiirmtitter und
die Geburtsteile des Weibes <irW.iv, l. 1903;
Georg. 4l»i Puerperium OtUt*rl Vagini Du CugS VI
:►.'>», 17S3 „bei den Hebammen werden auch wohl die
Geburtstelle so genannt", Stein 1, ISO; l'latner II, 7,
Pauli lg), — 5. = Abstammung von der Muttet
(Eltern). — 6. — Natur, angeborene Art, An-
geburt (Gr. \\. IV, l. 19U2 ff.'i (vgl. „Natur"). —
Bürde <= die Trage (s. d.), die Last, Tracht des
schwangeren Weihes, 1. = das was getragen wird,
die Frucht, das Kind vor der Entbindung m
Magdbürde, böse Bürde, Leibs-Bürde; auch
Geschwülste im Leib sind eine Bürde (vergl.
Burre). — 2 = die Zeit, in der es getragen wird
(MC9 bürd] - im bürde) - dio Tragzeit, Trttchtig-
keit (c. v. sehm. 107). — - das, was mit- und
ausgetragen wird mit der eigentlichen Frucht
(ltV.l die bürden, Bock 17- seeuudlua ; 1-V.l das bürde-
lin, Heek, llcgister = secundina; ldl 3 biirdleln -• pla-
centa, Myrtl, K. W. 1 [Kiudsbürdleln]; 1740 bürdelein
— Nachgeburt , Zw. 4">4; da» llurdlein — KCWMUlM,
Sehmeiler I. 273; die bürd!, Schnei/) - Nachgeburt
(Gr. w. IV, l. 1903). — 4. = die Gebärmutter als
tragende! Organ (die burd, Bcbmeller I. liv die
burdl, Schweiz - uterus, Gr. W. IV, 1, 1903; das bfildlln
■ Uterus. C. v. Schui. 107; bürde = Gebärmutter (bei
I Kühen], Sehmeiler I. 273; 1668 sehr schadhaft nn der
gebürde — Gebarmutterschmerz, Heyn. 14S. 151 Hit;
Bürde ist niemals der Geburtsakt, das ist nur
Burt oder Geburt ; sonst gehen Bürde, Bürdlein
sowie Bürtel, Bürtlein leicht in einander über.
— (».—16. Jahrh ) geburtlieh = natürlich, ange-
boren (Gr. w. iv. l, 1907J (s. u. Angebnrt) und er-
zeugend fc. v selim. 107). — geburt'iohe Kraft,
s. Kraft; an «ler (ieburt, misslingt einer (IUI] —
abortare [Or.\V.VI,2286). — /icAfcr-Bürde (od. dtech.)
= Afterbürde. — (M83) .dfrer-Geburt (-pürt) (<•.
v. Megbg.] nachtrüjjliche Bürde ■ Nachbürde,
Nachgeburt bei Mensch und Pferd (engl, afterblrlb
-Nachgeburt; I^hf. 97; Hyrtl, K. W. 4; R. A. 885;
I"i71 — secundinae, placenta und amiiion. »ir. W. I,
IM ; 17. Jahrb. aJlergeburt. Taberneem ; Or. \V. 1, 1068 ;
1742 afftergeburt = seeuudinac , Zw. 109; 17M Aftcr-
geburt - «eeunditiae (plaeeutal, A.v. Ii. 1, 1214 - After-
bürde, Gr. W. 1, iso;. — Agrippinische Geburt
s. Fuss- u. Steissgeburt. — andere Geburt (1894
MHlcrc geburt bey/et dasvel dadaz kint in der muter leip
Inno leit und dui mit den Lynden geboren wirt, D. BBS;
IV Jahrh. die ander Geburt, Gr. W. VII, ".'.t; 1V29 ander-
geburt, Hyrtl, K. \V. 4 ; Fries 126; 1V.1 andergeburt,
lk.ek 2.%; Gr. w. iv, l. i9ü;:i - die durch den andern,
d. h. zweiten Geburtsakt herausbeförderte Ei-
haut nebst Plaeenta = .Seciindinae(Kindel-Fell).
— AngebUTt 'uhd, anaburtl. unabnrt, Graft III. 161;
Gr. \\. |, 339; IV I, 1901; 1,'iOS angeburt, Gr. W. IV, 1.
1904 »ub 4 b) - Natura, angeborene Art, s. Geburt G
— ^lU^eburt = Foetus (Gr. W. I, SO«; tdlnord.
athuidr; uorw. utburd; das uugetanfte, ausserhalb
de» Friedhofe." beer-llgte Klüd oder ein tieist Dflmon,
sog. Hufer', der nach solchen [Opfer-] Kindern schreit,
I.iebrechtz. Volksk. 319 , in Itumanien treibt mit solchen
Kinderleiehen der Moroiu [s. Mar] seineu Spuk, d. h.
er holt sieh seine Opfergabe, 1 npjell ls9... S. 02. wie
liei der Teufelsbrut) Missgeburt vs. d.), wasauaser-
halb der Natur und des natürlichen Geburt-
Verlaufes ist. — böse Bürde = eine missgestal-
teto Bürde des schwangeren Weibes (Mondkalb,
Foetus, Molenschwangerschaft (Gr. \v. vi, 2008;
riosa-BarteU I , S7 5). — | doppelte Geburt,
l. = Zwillings-Geburt. — 2'^(i723! Steiasgeburt
(v. siebobi U2), weil 2 Teile vorliegen; schon bei
Hippokratei (Morb. mulierum) vorkommend
(stein Ii, lio). — 3.— Fussgeburt, bei der 2 Füsse
Sieh zugleich einstellen (Plenk 373). — Erst-Ge-
burt die erste (ieburt, primo natus (Erstling).
— fYM-Grburt^ fehlerhafte Entwicklung der
Gehurt, a; Abortus, fattsse couche (bis 1836 rech-
nete man den Abortus bis /um 7. Monat derSehw unger-
scliaft, v. Blebold 6»); b) Missgeburt («. d.). — (17.
Jahrh.) Fruh- Geburt ^Opitz) = Partus jiraecox
(i»3ti), damals vom 7. Schwangerschaft-Monat
ah gerechnet ,v. Hieb.dd Kl). - iwr-Geburt Imhd.
\ ürgeburt, Lexer 361) erste, vorausgegangene Ge-
burt. — fttÄS-Geburt-tiebtirt des in Fusslage
befindlichen Kimles (Partus ngrippinuo) (147'.:
agrippa -- gebaeren myt groten arbeyi synre moe<ler ;
dycr dat mit den voeten op der erden tit, T>. 19; l'll-
nlns, Hist. nat. VII, S = aegre partus?. Der Partus Agrip-
parnm ist eine mit den Füssen zuerst geborene Frucht :
nach Krim«, F. 39 von agrios hippos wildes Pferd,
bei dem die griechischen Hirten das Werfen de« Fohlens
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Burt.
Bunden)— busen.
mit den Füssen [neben dem Kopfe] voraus beobach-
teten. nach dieser wilden Rossgeburt nannte man dann
auch beim Mensehen die Kussgeburt Agrippal (s. Steiss-
Geburt). — (17S3) Üawt-Qeburt eine Entbind-
ung durch die Hand des Geburtshelfers (Wend-
ung; Stein II, loo). — harte Geburt — schwere,
schmerzliche Entbindung. — (1783/ Kaiset-Ge-
bort^die durch den Kaiserschnitt Sectio cae-
sarea) beendigte Geburt (caeso matris utero)
(Stein II, 241; ganx und gar unverbürgt l*t, das» Julius
< 'a*ar auf diese Welse Mir Welt gebracht worden sein
»oll { a EWtos). — (MM) Kinds-Hvadiein -Bürd/rm)
= das Bürdlein (Mitbürde) mit dem Kinde -
Secundina, Amnion (Gr. w v, 733; l>. 523). — (1512)
AVnn-Bnrden-Sarcinula, Walsack, Kleindarm
(D. 512). — A'op/- Geburt = Geburt des Kindes
mit vorliegendem Kopfe. — (1742) .' i Bürde
lengl. bürden of the wom , Kaltschm.) — Leibes-
frucht (Zw. 144}. — leiehte Geburt - natürliche,
nicht künstliche und verhältnismässig schnelle
Entbindung. — Magd Bürde (ahd. magadburU,
<;rail II, 630 — die Leibesfrucht einer Jung-
frau. — Afa/- Geburt = ein Kind, welches mit
einem entstellenden Muttermal (s. d.) auf die
Welt kommt (UnquelllV. iki). — itfiiw-Geburt (ahd
mWsihiiri, Graft II, 863; 151« „wenn der Teufel in Ge-
stalt eines Weibes des Mannes Samen empfangt und
alsoein Kind erzeugt, «nk dies eine Mi*sgeburt, Luther
10 «.ebote-l'redigt ; 1531 niKshurt, Gr. W. VI, 22*1; 1680
uiUshurtlg = «1? eine Mis*g>-biirt auf die Welt gekommen,
tir. W. l.eoil; 1591 Mlssgebnrt - abortivus. llad.Juti. 15;
161s in .ler natürlichen F.ntwickelung und Knlhiudung
gestörte Frucht, MlMbildung und falsche Kindeslage,
8t. Benno Mir.; schwierige (iuburt; 1722 ,, eine DUVOll-
komuienc Geburt, woselbst diu Kinder ihr« Glieder Wir-
kehrt und unförmlich, und eines «u wenig und das
andere [Glied] Sit viel halien , oder welche mehrere
Gliedmaßen wie unvernünftige Tiere, als Kreits, Vogel,
Itaren. mit auf dl« Welt bringen, welchen mit Recht
der Namen Mi««gcburt gegeben werden kann", Thea,
san. ; Br. 292 ; 17 «2 abortu«, Zw. 'JOt , 1751 — monstntui,
A. v. ii I, 1021) ; demnach l. = die verfehlte Nieder-
kunft, Fehlgehurt, Abortus, Partus praematura!,
unzeitige Geburl, schwierige Gehurt durch fal-
sche Kindslage etc. llyrtl, K. w .). — 2. = das iu
der Form verfehlte Geschöpf, das als ein Fehl-
tritt der Gebort (Error naturae) angenommen«,
missg-eborene, weil missgobddete Geschöpf (Gr.
W. VI, 22S6; nach dem (Hauben des Mittelalters ein
Teufclswerk oder die Folge einer Iinmoneii-Wirkiing.
1 Alp. Mar, Trude etc.), die durch bösen Blick [s. d j die
Mutte r \ ergehen oder einsehen [s. d.; macht!; (vergl.
uiiHscebAren unter -hären und Wundergeburt).
— Nach Biirdle (isea; Gr. w VII, ss): (-Bürdlein)
(1722; The», san. ; Br. 376; ndl. nageboort, l>e Cock 73),
1. -der zweite, nachfolgende Akt dei Gehurt,
nämlich der Eihäute und <les Mutterkuchens.
— 2 diese Teile selbst - Nachgcbürdc. Busch •
lein, Mutterkuchen etc., «elbst die lote Frucht
z B. ; [ii"*7) angewachsene Nachgeburt (Genre -tie)
l'lacentar - Adhäsion ; die erste Nachgeburt
fTh. san.; Br. 2*.K>) = die Ausslossung eines toten
Kindes. — jVWA/- Geburt die zur Nachtzeit er-
folgende Geburt (Gr. \\ VII. 17b) — Neun G'burt
— eineGeburt mit 5* Frachten (von l'aulus Dlaconns,
de gestis Langob [Bachofen 261] erwähnt). — Schliere
Geburt (1551 Bock, Krtrbch. 150) «schwierige Ent-
bindung. — Spät- Geburt, 1. = die Entbindung
einer Frucht über die natürliche Zeit hinauB.
— 2. = diese so geborene Frucht selbst. — Steiss-
Geburt -die Geburt eines mit dem Steisse vor-
liegenden Kindes, Partus agrippinus = (Agrippa
der alteren Autoren, A. v. II. □, 30; auch Fussgebnrt
[*. d.) - psrtus agrippinus, auch partu* agripparom,
Stein III. 6; ,,agrippae dicuntur, nuod contra nascen-
thun legem pedes prlusex utero protulerint, quasi aegre
partlls". Du fange; nach dem Volksglauben, Wuttke
203, werden sleis.-llngs geborene Kinder steril oder im-
potent [schwergebarend]). — (1879) StWrr-Geburt -
eine äusserst rasche Entbindung, bei der das
Kind aus dem Mutterleibe sozusagen heraus-
fällt, sich überstürzt. — (1518) totgeborene Burt,
I. =AbortU8 (Gr. W. IV, 1. 1903; Hurt san.; Ortolph)
(s. ungeboren geboren}. — 2. — Totgeburt, tot-
geborenes, aber abgetragenes Kind. — tiber-
zeitige Geburt - eine Ober das normale Ende
der Schwangerschaft hinaus gehende Zeit des
Fruchttragens (v. ßicbold 53). — unartige Geburt
— wider die Art, die Kegel geborene Frucht
=- Abortus (Gr. w. iv j, 1903). - (lesot unvollkom-
mene Geburt - Embryo, Foetus (Gr.W. iv. l, 1903).
— (1609) unzeitige, unzeitlt Geburt = Abortus
K.r W. IV, L 1903; DeCOCk 59; Guar. 1066 i The*, san.
itr SIS) (s. Unzeit). — (16. Jahrh.) verstorbene Ge-
burt Totgeburt. — verwerfliche Geburt = Ge-
; burt durch Verwerfen (s.d.) = Abortus (Gr. W.
I IV, l. 1908). — Fier/tnp«-Geburt — Geburt mit 4
Früchten (ZeiUchr. f. Geburtshilfe u. Gyn III, t. 166).
— »rtln-burtich ("hd. — iniperfecte s male natus,
im fanite viii, ioi). — (nw) widernatürliche Qe-
burt - künstlich beendete Gehurt, bei der die
| Nalurkrilfio nicht ausreichen stein i, i:;ij. —
IFtVdcr- Geburt- über die Vorstellungen einer
volksmedizinischen Wiedergeburt durch <lie
Therapie, s. Ofen und Mühle. — (17.2 Wunder-
Geburt Monstrum, Missgebart (A. \. IL I, lot;
II. 1038) „weil das Kind mit einer ganz verkehr-
ten und anderen Menschen ungewöhnlichen,
verstalteten Bildung auf die Welt kommt;
kleine Abweichungen machen noch keine (eigent-
liche) Missgeburtaus". — Zangen Gtburt-cine
mittelst der Geburtszange bestätigte Entbind-
ung. — (i IT i dieGeburtergettssen (r. v. Megenbg.)
Geburtsblutiingen. — die Geburt verderben
(tir. \V. IV, 1. 1003) = Abortus. — (1616) die Geburt
abtreiben (Gr. w IV, l. 1903) Abortus artificialis.
— die Geburt im Mutterleib — Foetus ('iraff III,
180; ür. w. iv. 1.1903). — GebnrtS-, - Arbeiten, -Bein,
•Drang, -Fehler, -Feuchtigkeit, -Fleck, Geschäft,
-Geaehu-ulst, -Glieder, - Häutlein, -Geilen, -Gich-
ter, -Hehn, -Lähme, -Leber, -Lust, Mal, Narbe,
-Reinigung, -Scheide, -Schmerz,- Verderbnis, • Ver-
drucken, - FenrcArttfMMjf, - Wasser, - Wehe, -Zeit.
Burz(en), m. Burtzel i/u bom-n - hmorstchen,
«. Bürzel), 1. a ein kleiner, im Wachstum zurück-
gebliebener, verwachsener Mensch (Buizen-
prügel). — 2. -■ harte Haut- oder DrOaenknollen,
dte beim Pferde hervorstehen (R. k. 555. 616;
Blntnef 10; Sehmeller I, 285).
Busch, m. s. Büschlein.
busen (pusen) = pissen (rim; c. v. schm. nov
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80
Busen— Butt (*•).
Butter— Butz
Busen, m. (vielleicht verwandt zu bog >. d.] ; vor-
gcrm. bh&ftau- [Am, Achsel]; goth. bösma; ah<l. buo-
snm; mhd. buosem, bOWIB, Klug«»*, 61; ndl. bOWMB,
I>e Cork 65; engl, boitam; 1482 puBcui, Zolling .,
Voc. cc 8 — stnus ; 1609; Guar. 770) — Wölbung, ].=
weiblicht Brust. — 2. = die ganze Brustgegend
Tirol, Hiiuncr s. 17). -- 3. - (1652! Haustra coli,
die aufgeblähten Kugeln, Bausc hen de» Dick-
darms Blicke (Hyrtl, K. W. 121. - 4. = (17S.1)
weibliche Sdianibohle, Scheide, ScIiobs (Levellng
261; n. r-aul«). — 5. in älteren Gesetzen: partu»
sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen,
soviel als - Weil), die Trägerin dos Busens
(Haitiiu* 199) — Busen- Schlag.
Busse, f (ftlUnd. bhadrüs aus der Wurzel bat -
Nullen. heilsames. «cReusreicheit Interesse; goth. hol»
— Nutzen ; nhd. buoza = Abhilfe ; 1260 hilezon = beseiti-
gen, hellen, bessern, rielffer59; mhd. buoze; engl botch
mit Geschwüren a. Heuleu bezeichnen. Kai He Inn,) ;
eigentlich 1 =die Abhilfe (Heilung, Vertreibung)
der Krankheit durch den sog. Büs?er (— Heiler,
Aizts (Cr. W. IT. MS; Ethnol Mitt. uns fug. 1893, III,
121; Havaria III. 1 313, Anm). — 2. - die damit
geheilte Krankheit selbst. - (1482) Örin/ Bus-
serin (grindt bucsserin — pusserln = senbiatrlx, D. 616)
= die mit der Behandlung des Kopfgrintes bei
Kindern betraute weibliche Person (s. Grint).
— (1576) St. Johannen Busse (Theoph. Parac. 73;
r<der, II. 2ö") — Gangraena, l'aries osBium (cum
Phlegmone), Knochenfrass; denn St. Johannes
„verantwortetedieofienen MicsBenden Schilden"
(152»Theoph. ruraeel*. de impostur.;. — (1660) St. Qui-
* iw* BU88e [Schmellar I, 1396; II. Sachs; 1576 8t. tjul-
riiis-Uussp, Theoph. I'arao , Rodenst. — caries ossium ;
1645 St- Quirins -Wss, Coler. H. A. IM; Klrisz-busz,
«ir. \V. V, 835), 1. — „die Bosheit und die Schmer-
zen des fressenden und giftigen Salzes in den
Löchern der ollenen Schilden bei „St. Quirins-
und St. Johannes- Buss" ~ Ekzema varicosum.
— 2. = Krvsipelas und Phlegmone gangraenosa
(die vom Ulcus varicosum oder vom Knochen-
frasse ausgehen). — '6. — Knochenfrass (Caries
ossium) — 4 = Krebsgesehwftr (s. d). — 5.=
Ölschenkel («. d.) (l'arncclsus 1529). (81. Quirin a
Zcltschr d. D. Ö. A. V. 1893, 8. 190. Vermutlich hatten
die Sit, Quirins Kloster ein Geheim Mittel [OltUi prae-
Mantissiinuin tegurlnum, St. Quirins"l, Krdfll, Ichthyol;
Regen dl« ,,( ir'.sohenkel , wie die Antonlter Reuen
81. Antonius -Feuer ;Krysipelas] und die Yalentiner
[II Sachs] Reuen St. ValentinvSieehtum [s. d. und
Verl Volk. -Med. S 138]). — BtlBS-wiiru).
Butt(e), n ., f. fbutten, Bott, Büttling, m.
BÜtterich) zu ahd. ptitin; mhd, buten, biitte - tie-
fdss, ltottich, Hlntner 8. 18; KhiRe*, 62, 1425 boten -
castrure; 15 .Tahrh bydelinch, holllng, bUVUlf =
rnftronti« 'eastranisj, Ii. 105; 1140 budel, biidung —
onia^tim, Ii. 395. 1*,. Jahrb. pute — verctruni, Ii. 612t
— Bauch als runder Eingeweide- Wanst (Podig,
8. d.) und als schlauchförmiges Speisen-Gefä«s
(vergl Bottich), - BÜtterich (ahd. bntrth = oter,
schlauch, «irafl III, 90; 1.90 butterieh - vcnter, pnnti-
cm, D. 132. 410; Had. Jun. 396), 1. = Schmer bauch,
Wanst, der auch zum Personen-Namen wurde.
— 2. = Magen, Leib (Sehmeller I, 310). — 3. =
kleine, kur/c, dicke tJestalt Hnes Menschen,
Bott (Schw. 104; Sehmeller I, 310), Butten = im
Wachstum zurückgebliebener, kleiner, miss-
gestalteter Kimleskörper (Gr. D. M I, 474), der
dem Wechsel balg (s. d.) (Ilavaria III, 1. 307) ent-
spricht. Balg und Butte sind Vergleiche mit
dem dicken, plumpen und unförmlichen Bottich
(Pottich), der früher zur Aufbewahrung von
Getränken und Speisen diente (Büttling = die
Haut eines jungen Kalbes); daher Büttling,
E = ein Kastrat, Eunuch, ein seiner Genitalien
(Gebütt) Entledigter, Verschnittener. — 2 =
ein kleines, im Wachstum zurückgebliebenes
Kind mit dickem Kopf und plumpem Körper
(= Wechselbutte, Wechselbalg, Wasserkalb,
Essigkalb) (nord. bytingar = Wcchselhalg, C.oltb. 139;
Bavaria III, 1. 30!«; 2. 935, Wultke 355). - Gf DÜtte,
irVhütZe (1445, mhd. Rebutte, geputt =: cxentera,
• irafl III, 87; IL 216 219; I.exer 62; Sehmeller I, 305)
= Eingeweide (Lexer62) (s. Poltaeh) — rcrhuttet
ist ein missgestaltetor, verkrüppelter, dicker,
kleiner Mensch, ein rhachitisches,skrophulöHefi,
atrophisches, missgestaltetes Kind (Lammen.
Volks-Med. \ 142; (.ir. D. M. I, 474; Sehmeller 1, 312.
1387). — Der V» a«er-Butt(e) ( Wechs, ^-Butte(r)
= Wasserkind, Wechselbalg, "Wechselkind, Kiel-
kropf (Gr. W. V, 680; Uavaria III, 2. 935; Sehmeller I,
312), auch = Wechselhur, Wechselbalg (Etbno).
Mitt. aus Ungarn is94, s. 246) ( WechselbalgbUrde,
Wechselburl), als ein durch Zauber ausgewech-
seltes Kind (Büttling, s. d.), das nicht gross
wird (vergl. Wechsel-Balg) und einem plumpen,
ledernen Wasserbutte gleicht (vergl. Pott»ch)
Butter, f. (gem. oberd. m.); (ahd. bntera; mhd.
huter; engl, butter) , „wenn auch die Kunst der Kftsc ' -
bereitung schon vor der Mitte des vorigen Jahrtausends
aus Sudeuropa nach dem Norden gedrungen Ist, so
kann das Wort Hinter doch erst im 10 Jahrhundert
aus dem Norden nach .Suddeutschland gekommen
sein" [Kluge*, 62); früher gebrauchte man bin auf die
neuer»- Zeit (im Allemannisehen noch) das Wort ,,Auke"
( = Jj'j'jtoptw des Ilippokrotes) = Schmalz (Oberbayern ;
Schweiz) ^Kuhschmer). — (1777) Jw^en-Butter —
das Sekret der Meibom'schen Augen- Drüsen,
welches Fette, Seifen, kaseinfthnliche Eiweiss-
korper enthält (Gramiae oculi, Lemositas) -
Augenkftse, Augenzieger, Augenkotz, Augen-
butzen, Schlaf (Gr. w. I. S©5; V. 1«W1; Duck 12;
Ii. 268). — Butter-/lH5<r.
ButZ, m. (Putz) (ahd. buzo, puzlng, pozing = iie-
spenst, Teufel, llutz, GrufT III, 233, mhd. blitze, Poltor-
geist, Schreckgestalt; 1482 putz — larvn, Scheuche.
I» 319; In niorphn, H 316; 1512 butz = lnrvutus, I). 319;
1521 butz = mueus, D. 309; bntzi ^ kleines Hitudeheu,
lTfttzeheti, / d. V. I. V.-K. 1896. 292). l8t der Büttling
(s. o.) schon eine kleine, dicke, plumpe Figur, so
wird seine andere Koseform „Butz" (Heinz von
Heinrich, Kunz von KonruJ noch kleiner und
schrumpft als Butz), Bützlein endlich zur win-
zigen Larven-Gestalt zusammen; immer aber
bleibt sein Charakteristikum: klein, plump,
rund, mißgestaltet, unförmlich, auch unreinlich,
widerwärtig, u. so ist auch das Bild des 1) Wa I d •
Koboldes, Butzi-Mann (s. Mann, Butz-
Nickel), der als Unhold die Kinder frisst, derden
Kindern Krankheiten bringt(s. Auderbntz), und
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Butz— Cholera.
Blitzen— Cholera.
87
an den die Buzen- Wurzel, Bar«lana, l.appa pcr-
sonata a. r. h. I, 1S6) erinnert; er nimmt auch
die Gestalt an einer 2) Larve o. Made (Sehm.
I, 316); daher auch die in die Nasen von Toten
und Schwerkranken oder in offene Geschwüre
abgelegten Fliegenmaden mm Butzimann, POp-
pelmann (s. Mann) werden; daher heisst auch
jeder rnadenförmige oder rundlich eingetrock-
nete Nasenschleimknollen „Mann-Mann" (siehe
Mann), „Pöppehuann" (s. Popel); darum aber
auch: 3)Butze ( = Augenhutter, Au gen käse etc.),
das Sekret der Meibomschen Augendrüsen
muck u", (vergl. Augenbutz): 4 Schleim über-
haupt i^Mucus) (Or. I>. II. 475, Aiuu. 2); der BuU
ist, wie oben schun angegeben: ft) ein klein-
geatalteter menschlicher oder tierischer Krtrpor
und Korperteil; ein kleiner Butt (Hlntner 0. II).
Der Butzl - eine kleine, im Wachstum zu-
rückgebliebene Person, wie auch der Bützl
und Butzigel Gr. D. M. I, 474); damit kann er
auch wie der Balg «um 6) Tumor (Gr. w. n,
M) als missgestaltetea Gewächs oder knollige
Drüse werden, sowie in noch weiterer Ver-
kleinerung zum Bützlein fltilf. hützlln , Para-
celstw, chlr. Schriften 432a; Cir. W. II, 59«), Caput
ulceris, weisses Bützlein im Ader-Aiss; 7) Kiter-
autflein in einem Geschwär (anlehnend an
Butzen) (SchmeiiiT i, H7), sowie llitzblätterehen
iPffltzlein), Butze iSchw. io:j) und Varicellae:
(vergl. Eissenbützle). — [1590, 11(67) A «^cn-Butzen
= Gramiae >. Butii 8) i». 36* ; «r. W. II, SM). —
Audrr-Butz 1475, 14*2 awdcrputz, Zenit»; . Vocab. ;
endrischer, euterisch, 1'fiO auderputz. Schmeller I, 37.
Dnriouccius voentnr auderputz. • 1 1 a i numpiani vult os
nperire, <|iia«i inflexibilcui habcns buccatn, Sehntet-
ler I, 316; l>. liwj = ein blöder, taubstummer,
langweiliger Mensch, oder ein kleingebliebenes
Kind, das durch Däruoneneinw irknngden Mund
nicht öffnet, taubstumm ist (ur. W. I, 1044): „Man
konnte «ich leicht Bezüge auf Atiter — über, hinzu-
denken, z. B. <la*» iler Butz, ein dämonische« Wesen,
da» Euter !«ler Kühe oder Behalt] Mgsumclkcn pflegt;
dock fehlt die Form Kuterbutz"). Vielleicht liegt ein
entstellter Adel- Butz Adel-, Ader-, Auder) zu
(»runde. — Äuiwn-Butzel — männliches Kind
(Sehl. 15). — (1561) Etnen-Btttslft [Or. W. u, sai;,
= dieeingetrocknetenF.iterknollcheu,Crustulae
ulcerum, auf der Oberfläche von Geschwüren,
wie der Nasen- Butz. — (1620) Fm»izo»cn-Butzel
(Dr. Minderer) = knollige, erhabene Drüsenan-
schwellungen (Bubones) durch die Franzosen
(-Syphilis, Lähmdüppel). — (1645) Qeschtcär-
Pützlein der erhabenste Punkt eines Eiler-
abseesses (Caput aposteutatis) coler, II. A. 251). —
Gnit/Butze (Butzel, -Bützlein) = die einge-
trockneten, krustigen Sekrelknollchen, Kflgel-
[ eben beim Grintschorf (s. Grint) (r,r. w. II, •">(»).
— Ärtrftr Butzel- ein harter, erhabener Fleisch-
knollen (Caro indurata) (Gr. w. n, 591) —
l">v, Xnsni ButZ (ruu, blitzen, botze, putzen von
der, in der näselt - mueusfoetor, foedatio, polypus naris,
D. 371, 415) - daseingetrocknete, madenförmige
Sekret auf der Nasenschleimhaut (Rotzknöll-
chen) — Poppelmann [Gr. w. vn, in;, heutzutage
anlehnend an Butzen (s.d.), auch Nasenbutzen
„butzechtige Nas-bieher" s. Ix>cb). — Ohr-
Butzel 15 .lalirh orbutzel , Cr. W VII , 1260. 1253 ;
i.Mto ohrenpützei - Parotitis, D in -Ohrenschmerz,
durch den Butzel (Kobold) verursacht, der in
Wurm form (Milde) sich darin aufhält Ohr-Wu-
tzel.Ohrmützel). — U620) Pestilenz Buttel (Dr. Min-
derer)-erhabene Pestknollen, -Drüsen, -Beulen.
— wei*u Bütz/ei'n = Lepraknotehen.
I Butzen, m. au« bugze, bügaz, Kluge*, 62; staut-
I meud), 1. = Kerngehäuse im Obst, mit welchem
(= Griebs), da es versteckt liegt, auch mancher
krankhafte Zustand im menschlichen Leibe ver-
glichen wird. — 2. = siehe Butz. — Adams Blitzen
= Adamsapfel als Kehlknoten wie der Butzen
im Obsf.s. Adamsbispen (Kluse», 4*. - 1587) Augen-
Butzen <,r. w. [, 8W; v. iwi) = die im Augen-
winkel liegende eingetrocknete Augenhutter (s.
d.), Augenkotz. — (1793) Ei'rVr-Butzen matrix
puris alterputzen. Gr. W. III, 3W2 , Jessen 333) — der
ans dem A bscesse wie der Butzen aus dem Obste
herausgeholte Zell>;cwebspropf(8. Eiter-Batzen).
Er hat einen Butzen im Leibe c r. Schm. ni;
»uck 1R) = er bat einen kranken Fleck, einen
Krankheitskeim, ein lange verborgenes, unheil-
bares Körper- Uebel(Eiterpfropf, Krebs, Tumor,
Abscess, als Materia peccans) («st. w. II, swj in
sich, wie «las Obst den Kernbutzen; eine ganz
beliebte Ausrede der Pfuscher, wenn einer ihrer
Kunden unter ihrer Behandlung stirbt.
butzen s. putzen.
Buxen »• Büchse.
Bywer b. Fieber.
Carbunkel, Carfunkel, m. s. Karfunkel.
Carnival s. Kamöfel.
Catarrh, m. Cataerrhen, pl. s. Katarrh.
Causon s. Katison.
Chnuat, f. fahd.) s. Natur u. Knnat.
Cholera, f (au» dem gri.-ch. JfoVlJ - «Salle, X<M,tp«
« «Sallenruhr; ahd. cbolarun - [Koller, rhulera] do-
ores ventri* «iraff IV, 3!W; 12> ü pa«lo colerica: .,m>
dem uieUM-lien daz hotlbct we tuot «taeteeliehetl. daz
i»l c. p. ; der nieehtuom chuuil von dem untnaezlivheti
bluote"; [wen <lie«es Siechtum verwirrt, «lern »olltcn
die Autren Kendel sein, der sollte niebt schlafen, den
Sonnenschein nicht an»chen knnneu] ; Ohrensausen u.
nnchtraiilichcr Haariiu>fall waren Symptome dieses Lei-
den«, rfeifler 3V ; der Harn war bei dem colericus dnun
und rot ; dieser Kranke sollte des Hinte» ztt viel und
der wässerigen PeiWbtiekeltlm Kori>cr zu wenig hatten.
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88
Cholera.
Cholera.
er musste , .durch Kot" jrachroütig sein, da Ihm die
«ialle 'Mangels an Wasser] »chier verbrannte und so
heiss wurde, dass ihr die natürliche Feuchtigkeit Im
Korper nicht zu widerstehen vermochte, I'felffer 21 ;
II. Jabrh, colera = dlegrüne, erbrochene Calle, Hoffm.
I, 319, 323; ebolorn, die erste Natur oder da.s ernte Kle-
mmt, welches die heisse und trockene Complexion ,
das choIerischeTemperamcnt bildet ; 15. Juhrh. colero =
dürres Hlut >. d.], Hr. Vi. V, 1616; 1482 eholera colerica,
eine seuche dovon einer scr undewel oder zu Rtul geet
[ = eholera morbus). I). 131 ; coleriea passio da eins die
spyse und dastranek nit behalten map [eholera morbus],
D. 640; cholorln = coli, dolores ventrts, colica, D. 131;
1V.1 Cholera - verbrannte« Hlut, «[Unedam eomplexio
hominis; I7.'>2 eholera - morbus „von dem galligen
Teni]wramente genommen ; die Kranken halten Kr-
brechen von scharfer, gallichter Materie und Durch-
falle von scharfer «»alle". A. v. II. I, 35»S; 17S9 kolera
eholera morbus). — Cholera -I. Natura, Com-
plexio cholerica das cholerische Temperament,
dessen Bezeichnung „cholerisch" man im Alter-
tum von Cholera II ( = Cholera morbus) genom-
men hatte. Nach der butnoralpathologischen
Lehre war der Choleriker trocken-hitzig, heiss-
blütig, leicht erregbar und zornig, leidenschaft-
lich aufbrausend, stiatl* gespannt, zähe und
beharrlich im Handeln im Gegensätze zum
(heissfeuchten) Sanguiniker (s. d.) und kalt-
feuchten Phlegmatiker (s. d.); die Humoralpa-
thologie Bchrieb dieses Temperament (s. d.) der
stärkeren Beimischung gelber oder toter Gälte
(yo>.Yj, Cholera) zur normalem Gcwcbsfcnchtig-
keit zu; die ialrochemischc Schule dem beige-
mischten Elemente des Schwefels, die solidar-
pathologischc Schule dem dünnHilssigeren Zu-
stande des Blutes, der geringeren Porosität der
feston, soliden Substanzen, den diehterenFibern,
die Neuropathologen den stärkeren, gröberen,
(daher vermeintlich) reizbareren Nerven, „dem
böberen Grad von Tonus der Korperteile" zu
(s. Koller); daher sollte der Choleriker „ein Irritalwl-
M tiorhisehcs Temperament" (Kraus, K. 22S; halten, die
ursprünglichere Iltiniomlpiilhologic hatte die grun-
KtllM oder gelbrotc, warm entleerte, zftbllüssigc (Julie
dem helsscn Botnnicr angeglichen und die astroloi;i«e|i
Klnuhigcn Anhänger dieser Lehre Hessen dies« „mitt-
lere Complexlon" (16*») vom «icstlrne de» Widders,
[.Owen und .Schützen regiert sein (»ir.W.V, 1616. MM;
Küulgsp. 32, Ptotor. ii —II. Cholera morbus, die
mit Krbrechen von grüngelber oder gelbroter
Galle und Gnllestuhlirangen begleitete Cholera
(ein durch die Aerztc schon sehr früh eingeführtes
Fremdwort, dc««en sieh dieselben [s. auch febris, Fieber]
auch In deutscher Hede bedienten; von dem Cholera
BOTbuirataalra dicbumoralpatbologl»cbc Schule auch
die Bezeichnung der Cholera consiltullo, Cholera I.
,,I»ie alteren Sanskrit-Schriftsteller haben die ( hotera
gekannt In Mldan der Snohnita ist eine Heschrelbung
der sog. vishiichuka, d. i des anhaltenden Abführen!
und Krbrechen« mit Fieber". I.ersch 3911. — III. Die
durch die Anomalie der Cholera I (Constitutio)
entstellenden Krankheiten (s. rote Cholera), —
IV. Mit Cholera verwechselte Krankheiten. —
(1829) asiatische Cholera = die aus d. < Monte ein-
geschleppte indiscbeCbolera II, Typhus henga-
lensis (auf Münzen allegorisch als geflügelter, böser
Seuchen-Genius mit Giftbecher und Flammenschwert
dargestellt; I'felffer, PestUcntia in nummis; Kopp IV,
310; II, 137; Ha«er II, 731; Kraus, E. 1070). — einfache,
einheimische Cholera - Cholera nostra«, Chole-
rine (s. d.) zum Unterschiede von der schweren
orientalischen Cholera (Haser II, 720). — feuchte
Cholera tun feuchte colera rubra, Fries 70. 77. 108),
1. sa der Fluss * bei der roten Cholera (s. d ). —
2. =■ Gallenruhr mit Blut. — 3. - die humoral-
pathologische, cholerische Feuchte (s. d.), die
aus dem Blute in der Leber als Blutschaurn
abgeschieden werden sollte, im Gegensatze zur
schwarzgalligen Bluthefe (s. schwarze Galle)
(Fries ios). — (i6io) gelbe Cholera ^ roto Cholera
(s. d.) im Gegensatzo zur schwarzen Cholera
(I.ersch 277). — Huh m >■- Cholera — Höhnerpest
< infolge eines Spaltpilzes mit sehr dünnflüssigen
i Darmentieerungen. — (1R44) Huren - Cholera
— Hurenkolik, eine mit Cholera II verwechselte
Ruhr, die bei Freudenmädchen, die mit Frem-
den in Berührung gekommen waren, zuerst
beobachtet wurde (Kraus, E. 463). — (1831) indische
Cholera — die aus ihrer Heimat Indien nach Ku-
ropa eingeschleppte, asiatische Choleraseuche,
Typhus bengalenis, Hrechruhr (Haser Ii. 727 Schon
1%40 fanden die Portugiesen die Cholera In Indien
heimisch). — Ai^A- r- Cholera - Kinder-Diarrhoe
, mit choleratthnlichen Erscheinungen (Schmidt
Jahrb. 186, s. i2). — (ir.M) M agen Cholera - M agen
entzündung o. Magenhitze mit Galleerbrechen
;it<ick llo). — natürliche Cholera = die Cholera I
(Complexio, Constitutio) als natürliches Tera-
perainent,durchdieAnwesenhcit normaler Men-
gen gelber Galle im Körper gegeben nacb den
Lehren der Huraoralpathologie (s. Natur, natür-
lich und unnatürlich), die cholerische Natur (H.
z, v. 462.1, natürliche Galle. — orientalische Cho-
lera = asiatische Cholera infolge von Infektion
durch den sog. Komma-Bacillus flTftser IV, 727 ;
Kopp IV, 310), — rechte Cholera („sein dlestnel rotz-
oder gelbmrb mit pluet gemischt, so ist das die recht
colera", Schindler I, 1237) — die Cholera II morbus
im Gegensatz zur Cholera I Constitutio, die
an und für sich noch keine eigentliche Krank-
heit war. — (1177) rote Cholera = eine im Körper
des rotsüchtigen (s. d.) Menschen angenommene
(rote oder eigentlich) gelbe Galle, die sich nach
Aussen (auf der Haut z. B.) rot oder rotlich be-
merkbar machen sollte; die gelbe Galle als
hitziger und trockener Leibes-Humor wurde,
nach dor 1 1 mnoral pat hologie, wenn abnorm oder
unnatürlich (s. d.) zu einer roten, nagenden, fres-
senden, d. b. Geschwüre machenden, schmer-
zenden Leibs-Materie (C, v. Mcgb.; Gr. W. VII, 271)
(s. Materie) und zwar : 1. als lokale primäre
Syphilis (oder Farn dei Balernllantscben Schule, oder
Morbus formicalis Khane*. f*r. I, 277; oder die l'orra
Cholera nibca s. Tumor ijnl tolam entern exuleerat
Herpel eslhiomenus s. Ulcus a flavae bilis copla erss
siore et acriorc profectum = Schanfccr["'', DuCangullI,
417 ; IV, 203 ; nach alter Lehre eutslaud die Syphilis aus
ilcrl.eber; damit crkliirl sich auch der „morbus, quem
\ nlgus c(h)olerain Cmchcrcfieam appelhit . circa um-
blllciim et partes Inferiores" [Du Cauge II, 81) als
Schanker mit nachgefolgter Syphilis , letztere als morbus
uui ab utra bUI glgnttnr oder schwarze Cholera [melan-
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Cholera— daempig.
Cholerine- dalken.
89
chollscheForm derSyphtll«, tertiäre Syphilis der Leber)
(s. persische« und St. Antonius- Feuer 4). —
2. fmtl. Erysipel" n«h dem mnd. Mairist. Barth. 102 a:
,.dat brachen [s. Bregen — «ichlru! i« tereln dorn hovede
linde de wedaghe kumpt lo van eolera rubca de <lar
In <ler «tede Hehl"; dieses Erysipel».« der Mittellateiner
litsst aber verschiedene Deutung zu. da es aueh For-
mie« und Farn« bedeutet, Constantinus Africanu«, 1070;
Du ränge III, 417: t'olera ruhea si itit simplex et ad id
quod metnbrum rideatur descendere, faett apostema
'Bubo? Condyloma''] quod vocatur formica et aliud
Farsa [i. 1.]. quae sl cum sangulne mlsccatur [sekundär?]
erisipcla [roter Ilautauschlag] Inde generatur). — 3.
rote Kühr, Darmgeschw (Ire (1260 coierirambea, die
die lungel viel dicke wund machen kann davon wird der
meiisen so Mcch, das» er plui spiet", l'feiffcr 16.49) (vgl.
rote Galle). — scharfe Cholera -scharfer Koller
(s.d.). — H183) sefocarze Cholera, 1. - «las dicko
sog. verbrannte, «eh warzgallige Geblüt der Me-
lancholie (s. d.)nach den Lehren der Humoral-
pathologie («ngL blaek choler; C. v. Mcgbg. ; Hort
sanit., Gr. Vi. IV, 1. 11*4. 118'.; VI, I7S3). — 2. =
tertiftre I,cbersyphilis(?). — SrAiceme-Cholera
— die cholera-ähnliche Milzbrand-Epizootie bei
Schweinen. — tl"fii) trockene Cholera — Cholera
sicca llippokratis, eine Magenerkrankung als
Cholera morbus, bei der es nicht zu Entleerung
von flüssiger, gelber Galle (Cholera) aus dem
Magen kommt, sondern nur wir Rülpssucht,
häutigem Aufstossen ohne flüssiges Erbrechen
I, ch 17; J. P. Frank Vll, 6S). — (i5o:>) verbrannte
Cholera — diu Kachexie mit Ilautfarbenver-
anderung, die der schwarzen verbrannten Galle
(s. Melancholie) zugeschrieben wurde, u. a. die
Syphiliskachexie (Fuchs I, 313). — (15. Jahrh.) ver-
hittle Cholera = '1266 eallda cholera, Du Cangc II,
312; II. z. XIII. 382), 1. = fieberhafte Cholera. —
2. - die heissblütige sogen. Koller-Natur (bei
Haltaus: „Bolgner Mut") — Cholera, chole-
rischefr) -Blick, -Feuchtigkeit, -Fieber, -Fluss,
: Oeschu-är, -Gesicht, -Kalt,; -Krankheit, Sucht,
- Versehrung.
Cholerine, f. (Iran*, la choleriue- kleine Cholera
[morbus]i, 1. =- die leichtere Art von Cholera
', (Cholera nostras ohne <len Komma-Bacillus der
asiatischen Cholera ;elne nach der schweren Cho-
lera-Epidemie 1829-^0 eingeführte Bezeichnung). —
2. = (1831) Influenza oder Grippe, die öfters den
Namen einer kurz vorangegangenen leichteren,
wenn auch ganz di ll'erenten Seuche (s. Influenza)
übernahm (Kraus, F. 228. :<V2\. — 3. — ,,le choh-rn
nosiras qui se presentalt souvent avec des allures
asses Braves pour meriter le üom de >trous«e galante",
I Briss. 173).
chronisch {'■> '/yw, = Zeit, /povio;, chronicus
lange dauernd). — chronische Maucke
Clarifunkel, tu. =» Karlunkel (s. d.) (Lcxer 119).
Con- s. Kon-.
Courage, f. (nia Gr. w. vi, 212'.») - Lust-
empfindung; weibliche Geschlechtsteile. —
Sr/turtV/cr-Courage = Schnoiderskurzweil , die
juckende Krälze, welche „Schneide", Heiz zum
Kratzen macht, das die A rbeit dann unterbricht.
St. Crispinus s. Krispinus.
Croup, in. Croupe, f. * Krup u. Kruppe.
Cypern, Cyprianer 174») einer, der das
1 Zipperlein hat [Haschenb. -40) (Wortspiel). —
j cyprische Seuche.
Daal, Dahl, s. Uatil.
Dach(el), n (urjrermanl*ch« Boielobnnng für da*
llatisdach das Heckende, Kluge*, M) = der Kopf,
Hirnschadel, als Dach (Giebel, xsfaX-^), sogen.
Oberstübchen, Dachstuhl genommen.
Dachs, m. s. Dax.
Dachsei. f. (Schmellcr I. 482) m ein grosses Ge-
scbwttr — d' Assel (s. Assel).
Dackel, m. (Schwaben) a) Kretin ;b) ein alter,
gebrechlicher Mann (Hlrcher s7; Pchm. I, ,".«»); viel-
leicht entstellt aus Dalkcl [s, d.) oder Tocke.
damisch (damisch) (Bayern), täumisch, dam-
lich indog. t«-m dunkclsein, temnlentus; (renn, them
ermatten, ausser Atem kommen, Kluge*, 6& IT.) ein
Dammern der Sinne habend, taumelig, schwin-
delig vgl. Daum), dummkollerig (Tier) (Falke I,
199 ; (ioldschm. 112, 117).
atmig mit beengtem, hörbarem Geräusche at-
mend
Darre, f. s. Darr.
daeg, -daewig, s. daueti.
Daetz, f. s. Detz.
Daube, f. s. dauen.
Däumling, m. s. Daumen.
Dahl s. daul. — dahlen (alinord. thylja
schwatzen ; 10. Jahrh. dahlen = garrlre, Heyne I, 1 ;
H.1C dallen ; IM dalen, dalmen ; Schwei/., tnlfem, t*l-
men, Kluge *, 05; albern [dalket] sprechen; engl, lo
dally; coou 83)= die Unmöglichkeit , g und k
richtigauszuspreeben (Gammacismus r dalken).
dalfern (dalmen) (Schwaben, Schwei«), I [IC
Jahrb.) im Delirium rasch sprechen, unverständ-
liche Worte sagen, wie ein Trtlpiscber (Sehw. 712),
oder wie ein Dalpeter (s. dalpcn), Talketer. —
2. = stottern ( - duttern, dalken, dahlen, dulken)
(«ehm. I, Ml).
dalken (dalkezen) = stotlern, fehlerhaft und
mit Anstrengung, schwerfallig sprechen (s. kolk]
(engl to talk - schwaucn).
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90
dalpen— Dampf.
Darm.
dalpen Schweiz) = schwerfällig (wie <u'i rech-
liehe oder wie ein plumpes Tier) Rehen Gr W. II,
700 . — Talpe - Pfote, Tappe ;Schmeller I, 603)
(dazu dalforn).
dal(e)watsch, s Watseh (el).
-dam, ? B. UYA-dam, s. tuom hei. -than.
Dame, f Damen-stift.
Damm, in <irenzerh«diung, I.nntlcrb6hnnf gegen
Wa^ergefahr), 1= Mitteltleisch (Aekerm. 448), Pen-
naeum, Scham- Leiste (s. d.) «wischen After un.i
Genitale (aiw d*m an d d . •tammeod ; nicht rolksflblicfa,
last nur von arztliehem Mundo icesprochen [Stein I, :«
in neuerer Zoll aber durch die Hebammen und Arzte
et" ii« eingeführt nl« Bezeichnung fiir den) „Sülm
zwischen After und den Gcburtsglietlern" (Löve-
ling 325; <;r. W. VIII. 2118] (s. Steg). — 2. - auf
dem Damme »ein - krankheitsfrei, wohlbehal-
ten »ein. — 3 = Dampf (s. d).
Dampf, m. (dampfen, Dämpfe. Daum) ahd
l»ni|.ho. <ir W V. 27:« - Schnupfen, Katarrh, 1> 10.; .
dampha, damfo, tampho = hranehus [seil, mortui*] =
Schnupfen, Katarrh, «JrarT V. »2, II. Z. III. 368; D 80;
morbus branens = rancedo, A. v. II. I, 231 ; mofbot
milao Kehlkopf-Katarrh; tnhd. tampli. Kluge , (>f> ;
llJOdamp, damph, domph - |.|ithl«l«. cynanohe, l>
588; ndl , eitizl. damp Dampf, Dunst, Hauch, Wind;
man «tollte rieh früher vor, da« solche im Magen, In
«Irr «.eWmutter und in den «Jcdärtnen gebildete
Dampfe, ilumiife Kcuohtigkoiten wie in einem ltnuch
seh lote [«den oder Knmiti] durch Löcher geisterhaft zu
den öderen Teilen .,a«if«toigon" und dort beengende l«e-
»chwenlen bl« zum KrMlcken veranlagen i ; deshalb
Dampf, 1 = Dyspnoe, Asthma [HuMaud 2SS;
Ac kermann 23'J). Engbrüstigkeit heim Menschen,
angestrengtes Atmen (1528 dampfy, II. v. flcrsd. 9»
- asthma). — 2 — (übertragen I'ferdekrankhei«
mit den gleichen Erscheinungen (Dyspnoe durch
Kmphysema pulmonum' (Mayer 1«7 ; Kalke I, 71
Ituek 48; Schmoller I, .MO; die» schon ahd. tampho,
duntpho). — 3. ss Nervengeister (s. d. und Ofen),
Wallungen. — dämpfen 'ahd. demphan = Stllfo-
eare, im Dunst ersticken ;K und Kr. n, 77 1 Pfeiffer -
dämpfig -ohw 130; tnh'l. dumphlg = aatbinattau* ,
IV Jalirh. dempich phthlsU-u*. D 170, rauius, D. 4S.">,
130t dauipiig um die brüst, Hort, tau.! m dittnpig, dltm-
stig, den Dampf habend. — dämptiger Husten
's. d.) - linsten mit Dyspnoe. — Dämpfigki it
11420 dainphclt, 1512 dempflgkcit asihma, dlfflcultaa
sptrandl, l>. 66; Lonieoni«), 1 — Vapores, vapeurs
s it , das ] leiden durch sogen Wallungen des
Hintes, die man früher als aufsteigende Winde
(8. d.) oder als wallende, die Atmung behin-
dernde Nervengeister in Dunstform angenom-
men hat 's. Dunst und die man heute mit Neu-
rasthenie bezeichnen würde. — 2. = Dyspnoe,
hoher Zwerchfellstand durch Auftreibung des
menschlichen LeJbei (rtconr. 394). — 3. = der
Dampf (2) als Pfcrdckranklu it Müller, Krauter
buch 6so; Haarachiecbtigkelt, Uartschläcbtig-
keit, Baacliaeblacbtigkeit, Langenpfeifen, Hai t-
Bcbnaufen, Engbrüstigkeit). — (low) ^«/dam-
pfen ins Haupt Tausa 29 -Congestioa«lcaput =
Vapores (Neurasthenie). — (Hk*j /><(«<( /(-Dämpfe
<-uar o7l) Vapores ventris von den Vi idauungs-
organen ausgehende Blutwallungen, die Atem-
beschwerde machen. — (1528) / :■'>■ ' Dämpfe H v.
(ier»ri 20i - Congestiones sanguinis, die Blutwal-
lungen. — fruchtet- Dampf = Atem besch werde
mit lockerem Husten 'Kalke I, 2*1*. — iiöotj gall-
mchtige Dämpfe ~ Blutwallungen gegen das
Gehirn bei der GallBOeht (s. d ) und gallsüch-
tigem Blute (v M. II, ioy) — /rnri-Dämpfigkeit
-Schwcralmigkeit. — //rrz-Dampf =- ,. der Dampf
am Uenzen, das einem der Attmb tschwar ist", Schm
l. 510! — Dyspnoe in Folge von Herzleiden. —
I i //irn-Dämpfe - .die dempf de» hirns dnrvon
har wocli#M", Krie» 7s — Blutwallungcn zum Cie-
hime. — ;isn>) l.u--<, ,.■ Dampf - Asthma, Em-
physem, Pleuritis citr. — (l.VMi Mngt n-Dämpfe
i«.)'< k i t Vapores. — AT<i«cn-Dämpflgkeit
Atetn besch wem is infolge von Nasenhöhlen-
Verstopfung. — [1381] pe*tilrntix(hrr Dampf -
Exhalatiopeslifera, Heyne III, 1121 — I'esthauch,
ansteckendes Miasma als ül>el riechende, Atem-
beschwerde erzeugende Luft («Üfthauch) ge-
dacht — Pfeif er-, pfeifender Dampf - eine bei
Pferden beobachtete Atrophie und Degeneration
der Stimmritzen- Erweiterer der einen Heite,
i welche solche Atemgerausche hervorruft, dass
' die Pferde hörbar pfeifend oder schnarchen«!
BChnaUfen i Kalke I. 1'iK); II, 194; Zipperl .109, Korstor
I II, :«0>v — schnarcht nder Dampf = Pfeiferdampf
! der Pferde (Kalke II, IM). — trockener Dampf
Atembeschwerde ohne Husten, ohne Schleim-
rasseln. — it . dampfen — etwas unter Dampf-
cntwickelung oder Atembeschwerden verar-
beiten r. B. (M76 gebort vordoinphen, verdammen,
| Ü. 4) — einen Abortus bekommen bei Pneumonia,
Tuberculosis pulm — Dampf, dämpfige Leute,
•Locher, -Rinne, Rohren, -Schnur.
Darm, m. (Gedärm) indoKerm. Wurzel tar -
' durehschreiten, trame«, -p^jt'z . also Darm 1
Durchgang (Klutre*. CA, ahd daran). i.ralT V, SWj
9. Jahrb. thartna - inte«tina. Kab. Matir. (,:>; tharma,
daruil - vUeeru. I>. 623; II. Z. II, 205; atiid«. tbearm.
I>. 21t; mhd dann, «ir \V. 11,779; Kluge6, C6, l!t. Jahrb
dann extum. D. 219 ; l'< Jabrh darin poilox. I». Ii::,
§18 [ - Hai kendarm, Arsehdarm] ; Iis; dann visou«,
I). SM; 1512 denn — vWcora, I). ti2:«). — 2. - di«>
Krankheit im Darm (verg). Kolkdarm); (1607
Parm w, llenterU, Hynl, K.W.) — A fter- Darm <IÖ09
iiflterdarmb, «iuar. 878; 18IH aflerdarni, l'aracolüiiK ,
«ir \V I, IsC, 1C20 afterdarm, Dr. Mlmlerer, 1080 attcr-
danu,«ir w vi. wiij Mastilarm, Afterling (s. «I ),
Hinterdarm; vergl. After. — ^1r*f/i-Darm ahd.
arsdarm, «Ir. W. I, .«"»6 = culn«, eutalis; 11 Jahrb. ar«-
| dann, II /. III, Präger Hdsehr -J Colon; 11. Jahrh.
aivihirm podex, Voe. opt. W. 11; anidermll - podi-
eillui [podex]. Vor. op. \V 11; D. 143; 1112 an.darm
Omentum, Sebmeller II, 914, 1420 enularm ~- pudclla,
DIet; II« ar^darm, Zenlng. Voc. ; 149r» dar^ann —
d'ar<darui, Hynl, K. W. 10; H. 443, l.V Jahrh. aredanu
- vliru«, <|aodcun<|iic latot In pelle, Intestina; alle«
«iedarro. das wie «Jl Ictt IM, D. 62:1 [s Kettdarm]; ars
dermlin poddlUI [podex], D. *4:t , 16 Jahrh ar*dnrin,
nr— dnrm pudella, putellu«. lonei*. longaon, Ion-
L'iinou lisciis «li'reonim, podex, I> 'Mf>, lyon, I>. 32v,
1 — der zum Arsch führende Mastdarm (s. d.)
und S romanum. Afterdarm, Enddarm. — 2. -
«las anstossende unsclilittreiche Eingeweide
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Darm.
Darm.
91
beim Sohlaehttiere. — ArafhAum- Fistel. — (1641]
ßacA-Darm = Packdarm. — , 'Darm = In-
teatinum colon = der Blähungsdarm, der Dick-
darm, in dem sich die Blähungen bilden (Hyrtl.
K. W.). — (18»] Blind -D&Tm - Cnerum („also
genannt, dann er nicht mehr dann 1 Loch hat slcht-
lich und hat doch 2 LttcbCT bei einander", II v Uersd.
11, it>lind - einäugig in diesem Kalle, daher auch
Monoculu* - Blinddarm, Baa*], Monocolon? ». Kin-
darm), ein Back (s. Backdarm), der anscheinend
blind endet. — bluttragend Darm - vlscu« 'siehe
Itindshlut) — Blutwurst'' (I». 236 Ilsen« 1 — KimUlarm
tnit Blut gefüllt, eine Im 9 . — 10. Jahrh, auftretende.
Wursiart iliaa« n:tj. — Bratwurst- Dum = In-
testinum ileum homin., vom .SchweinsdOnndarm
genommen, der zur Bratwurstbereitung ver-
wendet wird (iiyrti. k. w. es). — (lfiso) DicA-Darm
— daa weit ausdehnbare Kolon, xdjXmr, Intesti-
num erassum (Gr. W. II, 1079) — Grossdarm. —
Z>i°m<-Darm (im Gegensalze zum grossen oder
Dirk-Darm ■ Duodenum jejunum, ileum (auch
ein Spottname für einen mageren Mensehen)
;<ir w ii,2f>o), Schmaldarm, Zartdarm, Randarm.
— £<n-Darm, 1. — Monocolon, Monoenteron,
Blinddarm als ein für sich bestehendes, ver-
einzeltes Darmatflck (Kraus, B, 6:52). — 2. = ein
dörrer Mensch, der gleichsam nur einen Darm
hat, ein unorBattlicher Mensch, hei dem alles
nur ein Darm ist (Gr w. II. 2so, Schwel«. Haren»;
Schindler I, .MO; Andreren TS denkt an endorni'r, ein
lauler, schläfriger Mensch/. — A-M(W-Darm (1420
cin.leldarm, 1>- 329. 420 — lycn, pudex) = daa Darill-
Knde, Intestinum rectum, After, Mastdarm flc
trou flnal, trou flgnon, Itrlss. 55; Gr. W. III, 46S; Sehm
II, 4?*). — (1661) Fritsf-Darm [fefasetl darin, Gr. W.
Iii, 1469) = der Magen der wiederkäuenden Tiere,
mit Fett (Faist) reichlich Aberzogen (s Klob-
dann). — .Furz -Darm 12»« «arezdarm podex,
0. 4M) sb Farzadci. — [1540] fastender Darm
(Übersetzung des) Intestinum jejunum s. va-
dium (leer' (Hyrtl, K. w. VA), s. Leerdarm. —
etzgersprachej After- oder Arsch-
l>arm s. d.), Mastdarm, um welchen herum im
Becken der Schlachttiere viel Fett (Unschlitt)
gelagert ist (Gr W. III, 1 .72; Hyrtl, K. W. Uli —
Galle, Dann = Zwölffingerdarm, in welchen
die Galle ergossen wird Küdlnger, Anatomie- —
Grdäime (ahd. giderml; mhd. gcderinc, Kluge*. 66;
gedirme, I.cxer 62 , I I. Jahrh. gelerm — intestinum, Voc.
opt. W. Ii). Die zahlreichen Spezialisierungen
aller Darm- A lisch ni tte kennzeichen das
Interesse, das Gode (Opferpriester), Metzger u.
Viehzüchter auf diesen Teil der Eingeweide
legten; die Anatomen begnügten eich mit
weniger Namen als jene Materialisten. — ge-
»chlängtlter Darm — Dünndarmschlingen, ver-
schlungener Darm. — (1632) gestrackter Darm
= schlichter, gerader, gestreckter Mastdarm,
ftlMTM'tzung de» reetnm (Hyrtl, K. W. 137); (vergl.
Langdarm). — (15. Jahrh.; gewalzter geicrlezt)
Darm (■ rnersctzunir de* volvuhn) = Intestinum
ileum (Hyrtl, K. W. 16«). — Üeitud-Darm s. Weid-
darm. — (1S07) gewundener Darm Ileum
Wickeldarm (s.d.) u. r trank VI. :::<). — Grimmen-
(Grimmer- Kriemer-) Darm = Colon (nhd. Grimm-
ii . .las Colon sollte der Sitz des Bauch«
(11. Jahrh klein darm — ileum , Voc.
grimmens (s. d. u. Tormina) sein (Hyrtl, K. w «5).
— Gross -Darm (ans der Opfer- Anatomie ent-
nommen; ahd. grozdarm, Graft I. 190; marisca
's. >tari«seln'., I>. rr>0 ~ Afterllng, erozdarin. Bchw. 210
— Colon, Dickdarm; grozdarma enlales, H. 7,. XV,
856 ; 9. Jahrh. erozdarm ■ entöle«, Rab. Manr. 65;
11. JAhrh. grozdarm m entalls, n. t. tO, 808; I>. 219;
marisca, I). :H9, extanus, I>. :>6o;, 1. = das dicke Ge-
därm im Gegensatze zum Kleindarm (dünnes
Gedilrm) (Hyrtl. K. w. no ff.}. — 2. = Marissen
's. d ). — gurrendes Gedärm - ein Gedärm, das
den Natnrlaut gur-gur gibt, gurrezt. — Herz-
Darm = AortB, Ilerz-Ader (beim HirscIO (a de»
Verl Volks Medizin 8. 162 n. Ader). — (K.2S) Hitlter-
(1507 Hinterste Darm (Fries 113. 116; Hort. s«n.
Heyn. 219) = Afterdarm. — Hinter-Daim- Fistel.
(1712) //«/»/-Darm - der voluminöse Blastdarm
— Colon IZw. 116). — /nn-Ofdärm (ahd. Inndarm,
innidarim - vitalia, flbrai-, liuestinae, «iraff I, is« 299.
15, Jahrb. ynnerlleh «redenn vUcera, D. 60 j 1560
tngedlrm, EL Sachs; Gr w. IV, 2 2114) ^ alles Uauoh-
oder (iedftrm-„Fingeweide" (vergl. Innader) im
tiegensatxe zum Brust- Kingeweide (ahd. - inn-
hruMl}. — «/'({-Darm (guledarm^aquallenlnm, I). l:?l
— Schweinsdarm vom .luleher («ul = aper, Eher.
D. 39; an(?ls. geol, Weihnachten, Seh melier I, UM).
— kalte Grdärme = verschleimte (s. Thlegina)
Gedärme feuchtkalter Komplexion. — Klein-
Därmlein
Darm
opt. W. 11; 16. Jahrh clelndermlln ylia, P. «41; 1511
kleine daerm, II. v. (iersd. -■ Intestinum ileum,
Dünndarm im Gegensätze zum Grossdarm (s.d.).
Vom llotim hat die Danngicht f« d ) = Ilens Ihren
Namen. — (1561) Kleb-, (1590) Ä'o/6-Darm sa Oma«
BDm, der Magen des Klob -Viehes, d. h. der
klauentragenden Wiederkäuer im Gegensatze
zum menschlichen Magen (Gr. w III, Uf>9, V, 121*»;
D. 195; Kolh Ist vertauscht, Gr. W. V, lfi<»2; (ir. W. V,
I2M "ir.l es mit Fftlltdarm, Fettdanu [s. o] erklurf.
— Kolk- (Kalk- Darm = Colon = Fassio colica,
Kolonschmerz , (16. Jahrh. Kolk ~ Kolik, Hyrtl, K. W.
124), eigentlich der Kolik-Danu (vergl. Kolik).
ÄVünr-Darm — <ler sorgfältig wie ein Kragen-
Kranz gekräuselte Schweins-Gekröse- Darm
(Gr. w. v, :ti5v, — AVos-Darm = Gekröse-Darm
(Ileum), der wie eine Halskrause in Falten ge-
legt ist (Gr. \v. v, 24(>7i. — Krumm(en) - Darm
(16. Jahrh kruinpdBrin — eolns, 1>. 640, H. v. Ut»r»il.j,
I. Colon, das einen grossen krummen Bogen
um das dünne (iedarni macht (Hyrtl, K. W. lon).
— 2. - Ileum, als das längste unter den dünnen
< iedttruien, das die meist<-n Krümmungen macht
(Or. W. V, 24'i2). — (1GI6; Kuttcl-D&im = Jejunum,
Lei-rdarm, aus dem ihe (1429) Kutteltlecke Schm.
I, 1312) zur Speise geschnitten werden (s. Kuttel
ii, Kalllaunen). — (mhd : LaM>y-Darm das lon-
gBo, lonxaTo, longanon [ Inngna ann»] der Arahlsteu)
-Mastdarm; (l*.2S ,,der la*ir»" [seil dann] b. H. v.
Gersd. 11 , Hyrtl. K. \v. ; EtOMabaun 159). „Bei Tieren
giht es kein S romanum, sondern bei diesen
zieht der letzte Teil des Colon ganz gerade ge-
streckt und lang zum After fort" Hyrtl, Anal 62t).
— I is der lanir Baudarm - Ileum II. v. Gersd ).
— [1-Y28J Lirr-Darm | Cber» Urang dea Intcstlnnm
jejmiumj - fastender Darm (a o.) iHyril, K. W. loi),
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Darm.
Darm.
der bei Hungernden leer, inhaltslos gefundene
Schlauchdarm — (1591 MagrnH&rm. = Intesti-
num primum nad. Jim. 29; — Zwölffinger-Darm,
weil dieser Bich gleich zuerst an den Magen
anschliesst Hyrtl, K. \v. 124) (Zwölfer). — Magen-
Darm-ScwA»- — Afaif-Darm 1«. Jahrh natdana,
m»«-1*rm - pudella, podex. lonpio, lyen >rhon im
IV Jahrb.] umiredeutct in [1476. 1482 Mastdarm. Zenlng.
Voc. t 7. Plct. :>29. 336. 470; 1 '»II ma«*.lann. Kyfl; Hyrtl,
K. W. Hl; vom 17. Jahrh. ab au**chUe**lieb Mastdarm.
iir. W. vi, 17U.' - Rectum, Afterdarm, Waid-
Darm (von man — Spei»e oder eigentlich die zuge-
mw«Di', an dlellcrd-ienoMen ausgeteilte Kom Futter.,
Hr. W. VI, 1721, denn fhermte durch den hinteren
Parin [Atierdann] aufgeführt werden, der »o zum Ma»*-
<i»rm wird;. — il.v» der ausgegangene Mast-
Darm Or. w. vi, 171.1) — Prolapsns ani, der aus
dem Afler vorgetretene Ted des Mastdarm*
(s. Ausgang' — Atastüam- Brand, -Bruch,
-Fintel, -Sarbunkel. — (bb «um 17. Jahrh ; Mikh-
Darm — der Dünndarm als Durchgang für den
miichweissen Speisesaft (Chylus;, der dort be-
reitet wird 'nyrti. K. w. 113;, {b. Milchleber). —
(1592) Mi it Darm After als kotausführendes
Darm-Ende (Hyrtl, K. w. 161). — (11. Jahrh ; Mittel-
Darm = Colon (Voc. opt. W. U), 1. ■ der in der
Mitte des Leibes quer hertl hergehende Diek-
Darm. — 2. r>. Jahrh spodar, l>. 641) Arschdarm
in der Mittellinie des Bauches. — Sabel-Darm
Nabelschnur darmahnlich; («ir. w. VII, 6). —
IV Jahrh niederster Darm - Colon, der am
meisten nach unten reichende Teil des (ieiiär-
mes (unterste Darm n im}. — i*</cA - Darm
ndsarh« , !"• Jahrh. hacke-, hach-, pack-, pag-dara —
auu*, exUHs, lyen. pudella, podex, I>. 219. 329 420
4*3; 1761 Paekdarm anus, L. ch. »I; Hyrtl. K. W.
120 ff.) - Backendarm (Arsch hacken-), Hinter-
darm, Mastdarm. — Pinkel- (Pinken-, Büngen-
Darm - Mastdarm iiiyni, K. w. 12. . aus dem
w ie aus dem Bunterer ;>. o. = Luftröhre) holde
Töne hervorgestossen werden. — Blums Darm
der Wnrstdarm Blunze) von Kindern und
Schöps (Leipziger Met*gcr*prftche; <<t. \V. V, 6V»). —
i v» i'i«rt-Darm u v. ».cmd. 11) ^ der 12 Finger-
darm, der sich an den 1'förtner des Magens
(Pylorus) anschliesst (Hyrtl, K. w. 121. 191 „wann
er die unterste Porte ist de« M«K< n»" II v. HitmI —
(Juark- (Juat- Darm (1W*— 11*2 ouat-. ouaytdann
— lyen; 1"<. Jahrh. <|tiackdann pudella, lyen, podex,
I». :129. 420;, 1. = der <|"s<kcnde ('" Lauto von sieh
gehend« Mastdarm. Hyrtl, K. W. 126). — 2. = der
• mat- n Kot- Darm = Maatdarm, Podex (Hyrtl,
k. w. 121). — r.is) Ann -Darm (H. v. t.er»d. 97; ■•
der schlanke Dünndarm lleum , das Intestinum
longnm der Arahisten; ahd, ran ^ dünn. Hyrtl,
K. w. IM — -Darm der 21 cm lang-
gestreckte Bchlaacbartige, rauh gerunzelte war-
zige Gehnrmutterkanal der Schweine (Hr. W.
VIII, 1 •:> . — Runzel- G< därm mlid. ninsche irc-
dyrmo - ippla [ -- herha hippin - Anacnllis arvcn»is .
D. 30s; Jeanen XV) = Hahnerdarm, der in viele
Falten od. Schlingen gelegt, gerümpft ist, Kms-
darm idavon hat die Pflanze ihren Namen'. — Samen-
Darmchen Aufdruck der anatomischen Schulen
Hyrtl, K. W l" für Säulengange, Samen hhtschen,
Vesicula seminalis. — (102s; SacA-Darm Ii. v.
o«»d. w) = Coecum, der Blinddarm, der den
weitesten sackartigen Abschnitt des Dickdarms
bildet Hyni. k. w 132) — SrAeis*-Darm i»7o
schlss-, »cbeysdarm lyen, P 329 - Mastdarm,
Arschdarm. — ScA/aeA-Darm mttld.) 1. m der
mit Schlacken, l'nreinigkeit und Auswurfs-
etoflen gefüllte Mastdarm Hyrtl. K. W. 13-. oder
auch 2 = der mit Schlack, geschlagenem Brat,
ausgefüllte Wurstdarm. — Schiaß -Dt^m =
Omentum Schindler II, 507), das schlaff herab-
hangende Netz wenn nicht nach Schweiler 1. c.
Ver»chreit>ung au« Schlackdarm, der aber nicht =
Omentum Ist). — JH5J Schlauch-D*rm ■ Jejunum,
Leerdarm, „weil es alleren leer ist wie ein
1 Schlauch, durch welchen die verdauten Nahr-
ungsmittel schnell ohne Aufenthalt hindurch-
eilen" Ryff. Hyrtl, K W IUI. 136 . — 152»; Schlecht-
Darm n v. tierwl itj ^ das gerade, glatt ab-
wärts gehende, schlichte, gestreckte Reetom
'.CbervMxung; ahd, »lebt — eben, irerade. rectus, Hyrtl,
K. W. 13«/. — schleimige < , ■ darin e Darmkatarrh
mitSchleimsekretion. — .11. Jahrh .VcA/iiwd-Darm
(Voc. opt w. 10; D. 271) = Gargulio, tiula, Gurgel
als Durchgang der gesclduckten S|>eisen. —
\ Sehmal-D&Tm Dünndarm Hyrtl. K W. 170!. —
! Schnättcl -Dorm ( - cxtali», ntedttdaetn, H. Z V. p.« ,
n. 219) ,s. Schn&ttelw urm . — 77 (/Vdärme tic-
dirme) als Sitz von 77 Fiebern; in einem Sesen-
spruebe der Schwal»end..rfer bei Itudaj^th angeführt
IHM, Kthnolotf Mltt. au« I nKarn 162 ; oh nicht ein
SehrciMchler vorliegt • 77 (iewlrnie, die da» »iefCTuI« !
I und liriiunnii \crur*«Hi« n rther 77 s. d. i — Ii".
! unterste Darm .ortolphj Knddarm, Colon und
[ Mastdarm. — dieSucht des untersten Darmes
Colica. — (I i Versehrte Därme Bock 6t) =» eine
i schmerzhafte Darmkrankh. — (l.v»i) verwickelter
I r>5i verwirrter Darm l U r^tzunK des» volvuhw
der trabtaten] Intestinum ileum, das geschlan-
gelt und wie verwirrt durch einander gehende
Darmschlingen hat Hyrtl, K w. 156). — H7A-
Darm, 1 = Heus, weil tler dünne, leere, hun-
gerige Dann ^Jejunum) auch »tum Sjtr.e des
Ileus - Miserere s d , Volvulus w ird. — 2. —
der Mensch, der keinen Schmerz ertragen kann
üchmellei- II, h2i (Weh-I^eider). — 3. - der Geis-
hals, als Httngerdarm ileus spöttisch hezeich-
net. — Weid- G'u-eid-, Quayt-, Weit- Darm
1 1 172 •iuuit<liiriii ; 16, Juhrti v'cweltdanu pudella.
podex, u. 470; — Afterdarm und Dickdarm (1832),
weil erzürn Weidloch - Futterabfuhrloch (Anus
führt (D. 470; r.r. Vf. VI, 171»; Hyrtl. K. W. 121. 161).
— Blattern in dem Weid-Darm Condylomata
atl antun (ScbmelleT I, 696.1. — > is4:: weiter Darm
aus Weiddarm (s. d.) verändert (Falke II, 43s). —
i»o", U i< A(7-Darm = verwickelter Darm (e. d.)
Kell IV, 12« — zarter Darm Dünndarm (Hyrtl.
K. w. 170) landarm) — Ztn-Darm Wien; ent-
vtellende AnlehnuuK an 2 Parme - einer, der I türme
>. Dann 1' — Purchyunee hat; lls2 xwydont iZwittcrj
= hermaphro<litii!« ,,al» ein Men«ch , der Zacel und
Kotten hat", Zettln*. Voc. <|<|6; Hyrtl, K.W. M; mitant
— luriiittphroililu«, i.r. W. II, 24; ruitharm, (iraff V,
730; s. hmellerl. "»40; II, 1170; 16M Zwidarm =- ein He-
M/hupf, welche* zweierlei i "■schlecht» i*t, Schmcller
1. cod. Pie KittMcllung land im IV Jahrhundert
»tatt, der Zwitter lautete ahd. rwitarn , zwitaran a<
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darr.
dasig — dauen.
aus 2 Völkern gemischt [„zu «weiter"]; mhd. zwitar,
dann Zwledoru [zwetorn] = Zwitter. <ir. Gramm. II.
*w; Andrescn 110). — (I.Vjh1 Zwolffinga-'D&rm. ■
Duodenum, dessen Lunge 12 Daumenbreite
misst (Hyrtl. Anal. I»), (Portdarm, Zwölfer, 8. d.).
- Sa?Sein" | Atlcr' 'Btmch' 'Brin' niäst' Dlut-
gang, -Brand, -Bruch, -Dritslein, ■ Falten, -Fäule,
•Fell, -Fewhte, -Fieber, -Fistel, -Fluss, -Fraiss,
•Frass, -Gebäude (-Gebinde), • Gemhnbsel , -Ge-
HtMfiU, -Gesucht, -Gicht er ), -Grimmen, -Haut,
-Hohle, -Jammer, -Knochen, -Krampf, -Netz,
-Pech, -Pein, -Plodern, -Phlegma, -Rose, -Ruhr,
■ Reisten, -Runzeln, -Saß, -Sand, -Schabe, Schleim,
-Schleiss, -Schmarotzer, -Seuche, -Sieehtag, -Stein,
■Stichelsucht, Streife, -Strenge, -Sucht, ■ Unreinig-
keit, -Vergicht, -Verschränken, -Yersehrung,
■Volle, - Weh, -WeicJten, -Werk, -Wickelung,
■ Wind, - Winden, -Wunn, Zotten, -Zteang.
darr. Darre, f Darre /. u vorgerm. tcrs — trorken
sein \'x'j"'.(l}. dürsten ; altgcrm. Iben ; gerni thnrt , ahd.
darra. derrina; mhd darru; derre, Kluge*. r.6 ; Luxer
33; lirafT V. 2W; 1182 derr - Schwindsucht, Zcning.
Voe, irif 1 ; 15. Jahrh. darre - spasmus, IV 544; 1742 diu
Harre = tabes. Zw 473). — Darre, 1. =die Austrock-
nung, Abnahme der Gewebe, trockene Schwind-
sacht (s. d.l — Atrophin, Tabes, Marasmus (eor-
ruptio virvntl« corporis <|iiau lit obsiccltatcm, Hu tauge
V, 25s), welche die Sftfte der Menschen und der
Tiere auftrocknet, verzehrt, die Kräfte zum
Schwinden bringt (^Schwindsucht, Hundsalter,
ÄlterJein, Altmann, s. d), Paedatrophia f<;r. W.
II. 786; Sebw. 131; Seh melier I. 530; volksmcdUinisch
wird diu Karre l>ci Kindern durch das sog. DarrAb-
inahlen oder Harr- Abhacken [s. (Huri und Muhle] d. h.
durch eine Wiedergeburt behandelt, Frfachbler 43 44;
auch durch da.« Durchziehen i »Ii eben Bnunepalten,
< iehuruhilfe) — 2. = bei Vögeln = Zipf (ein kleines
eiterndes, tinnenartiges Geschwür an dem Börzel
der Fett- oder öldrüse der Vögel Aber dem
Schwansbeine); in der Kegel ist dieses Geschwür
ein marantisches Terminal-Zeichen einer an-
deren vorangegangenen Infektionskrankheit (s.
Dürre 4). — 3 = Darre, Därung, Darrung ahd.
tarunga; ndd taernng, tarung -= laesio, Sehaden. Heyne
V, 240, = die Atrophie eines Gliedes als Folge
einer traumatischen Lasion, Schwinden, Lähm-
ung, paralytische Atrophie mit spastischem
Krampf, Phthisis, Spasmus (i> Mi , Uoldsclim. is.
81. US Iii*. — i4r*ejn'Ä-Darre -Tabesaisenicalis,
chronische Abmagerung und Nervenschwind-
sucht infolge von Arsenik-Vergiftunf? (Kraus, B.
I2.S). — [ir.29j .Ins -Darrung (Parac.) — die Abnahme
des Körpers unter Austrocknung der Gewebe
wie z. B. im Alter. — Bergmanns-D&rre = Berg-
sucht (s.d.) Tabes metallica, Phthisis der Berg-
werks-Arbeiter. — />n<» ji-Darre - Schwind-
sucht b. Gckrösdrüsen-Tuberkel (Paedatrophia).
— (l.v — 16. Jahrh ) Haid-Darre - Durities ma-
DUOtDi die Trockenheit der Haut (s. Fingerlohn;
[dlfl lerre, dorre. Gr. W. II, 1022} (s. Hautdörre). —
heisse Darre (bei Pferden) = Phthisis febrilis
(Gr. W. n, 786». — [1379] fu>llische Darr (in Flüchen,
(ir.W 11.786; 1, 38«) - Hückenmarksschwindsucht,
tlie man wie eine aus der Hölle kommende teuf-
lische Krankheit betrachtete. — Lu«f -Darre =
Tabes syphilitica, ROckendarre infolge der Lust-
seuche (Kraus, E. I I). — Milz-Da.rre - eine dem
Milzschwunde zugeschriebene Krankheit mit
Abmagerung fll. raul SS; Heyne .V(6). — (1579' Rii-
ckfn mark») -Darre - höllische Darre. Hücken-
marksschwindsucht, Tabes dorsalis, Phthisis
notias Hippok. (Huck 15; Kraus. K.T'.'I; die man durch
teuflische Zaubermlttel. eigentlich aber damonistisch
verursacht annahm, wenn/. II Zauhcrkrnutcr unter der
Thürsehwelle, dem Hrtnionenplrttze, vergraben waren1.
— Sc/unrfcr-Darre-^einc Krankheit (Schwind-
sucht) der Tiere, tlie zum Schind-Anger führte
(<;r. w ii, ts.;; — Darr-, därrend(er) -Fieber,
• Hand, -Mttdc, -Matsch, -Stimme, -Sucht (Vergl.
dorren, Dorre).
dasig, s. tosen.
Dassel, f- (zu ndd. Hase — Klndviehbrerase, Kalke
i, 207. (s. Oestin). - Dassel- Beule.
dauen (verdauen, Däube f. iindoRerm. tö« -
schmelzen, T-fjXtu, auflösen, tauen [s. d.]; Renn, than-
Jaii — verdauen , schmelzen inaeheu , wie der Schnee
BnftaU I und da* Schmal/. schmilzt; der Grieche und
Lateiner hatten für Verdauen |K.-p«Is, eoetlo = Kochen;
sollte hielsjl nicht schon die Ol- oder Kchmalzkuchc
der Volker eine Wnrtverschledenhelt veranlasst haben '
,,llie Hinter, hie lil" Hesse sich an die SchcideweRO
RehretlM'ti, « eiche diu beiden Mcnscbenstrome durch den
I'otitu« euxinuü getrennt auseinander führte, schreibt
M|>)>ert in «einer Kulturgeschichte ; auch die [rltui.]
Milz (s, d.) erUntert diese aus der Verschiedenheit der
Volkerküchen sich ableitende verschiedene Benen-
nung von Organfunktionen noch welter. die man sieh
in naiven Zeitperioden verständlich nrther brachte,
indem man sie mit dun ausserlich sichtbaren , all-
täglichen . namentlich häuslichen 'iebräucheu und
Vorgängen lu Vergleich brachte; ahd. douwen [de
wen], dawjau — digerere; codauuan , [far-] Drdou-
wen verdauen; mhd. verdouwen = auflosen, eon-
Mimere, Kluge4, 373. 378. ff.; Graft V, 233; dlRerere.
den SluhlRang entleeren; 1 IS2 daeuwen — digerere,
tir. W. II, MS, HS8 im magun daewet sich das essen.
Ortolph; Schwaben; die Dil ll he — Verdauung, C. v.
Sehm. 120; Scbw. 1S2; 1645 dewbigkelt = eoneocllo,
Ooler, H. A. 181 ; deuwen, daiben = wiederkäuen, Huck
17). — dauen = weich, flüssig machen, durch Auf-
lösung atifsaugbar machen. — Däube, f. = Ver-
dauung. — dew, deeb = verdauend wieder-
käuend, an der Gnupperkrankheit leidend (von
Schafen), wobei das Tier sich so gebürdet, als
ob es wiederkäuend gnuppere (Kalke I, 208). —
;i ^dawu/ty ,i 'Ss abd&wen -■ ruminare = voll-
standige Verdauung (H. r. Oersd. 11. 14; digerere,
Tabern. Krtrbch. 119. 591; Schweiler I, 477; 1.560 H.
Sachs . — nWSfcrdauen fahd uz fardawit egestus,
öriiff V, 231; das Verdaute abfuhren, auslcereu. —
(1532.1 bose DaWUN'/ „wann der Magen die Speise
nicht dowet", Krle» 72. 102) = schlechte Verdauung.
— (1620) Missd&nungcn - Cruditates, Hohes, Un-
verdautes entleeren [H. Minderer 12"., 127). — ring-
däuig i'<:i*'- ringdaeulg, Wlrsung; lTlürlngdeulf, <ir. W.
viii, fit gering, leichtverdaulich. — [17.Jabrb.]
nble Däuung=l»öse Dauung [B. A 840). — 11470]
sich undätt(b?}en = Hieh erbrechen (schueUer t,
177). — undäui'y. [162°] und&wig (Uad . Juu. 43) - Vo-
mitus o. Diarrhoe, Erbrechen, schlechter Magen
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Paul — Daumen.
I »aussei — Decke.
'Srhw.i:w j ndd undocge. undagt - Unverdautes, |eb*4<
Imftes, Goldschui. 15. 4-1. 12".). — wudaubi.'/rr (un-
döwycr; Manen (Schmeiier I, 471) = ein Magen,
der sieh erbrieht (i'.is undeuwung der si»i«e = pla-
stia [BlMt] i u d I g e s t i o , D. 440; 1<>77 t'ndaucti, Ii. iiikIiuh ii
werden, Kranken] — sich erbrechen. Sehw. 132; ..«"ine
Bewegung des Magen», wodurch er «lies SoliH-llictie
oben auswirft". Bcyn. ; die l'ndew — vomltns, Schm.
I, 477; mhd. die undoenwe = daa nicht Verdauen,
Erbreellen, I.excr 295; 14K2 sehr undewet — Diarrhoe
mit Schmerzen, schmerzhafte Kntleerung von unver-
dauten Spellen , Zcning. Voc. dd. 5, 1"61 böser nmi
undoUWigcr Magen - stumacbo laborarc, <ir W. VI.
II. 17; 1712 du« l ugedauen [?] — febris hectlea, tu!», -
mcsanden. Zu . 10 - ungedeihen! — Undätllichkeit
(UM uudeullgkatt, Krantw. VI) — der Zustand des
nicht Verdaubaren, des nicht verdauen Könnens.
— (lßtft) Magens-Fndäuligkeit^ Apepsia, Cru-
ditas stomachi [Cot«! EL A. IS1] vergl. auch LTn-
gedeihen, — unten aus* dewen Sehmellcr I, 47«)
= Stuhlgang haben. — t rrdauen lahd. fardawjan,
anlawJan.GrafTV, 23-1 egcrcre; 15J6 vcrdahen, Maluch.
«■clg. Kont . 1. — die Speisen aufsaugbar machen =
verdauen. — 2. — Verdautes entleeren. — unver-
dauen (ahd. unfardauuit indlgestus, Graff V. ZU ;
14S2 uuverdewct, Zening. Voc. min .V — ungenügend
VerdauteB entleeren (Indigestio). — kranke Ver-
dauung (Gr. W. v, 2026) - Bchwache Verdauung.
Magen- Verdauung — die erste Verdauung der
Speisen im Magen. — Verd&Viungii-Fieber, -Stö-
Daul, Dahl, Daal, daulen (schwab.), 1 - Ekel
haben, krank, abgeschlagen in den Gliedern Hein
(I620, D. Minderer, Kluge 87). — 2. = Panaritinm
a. v. H Ii, a2C; 1203) als ekelhaftes, bosos Ding
(b. d. und Fingerwurm; — Dahl-, Dal-/"«*«.
Daum, tu. (ahd. daum, toum ; mhd. toura, Schul.
I, .*.u». Schwaben, Schweiz, Bayern; C. v. Schm. 121;
Or. W. U, MI; Bavaria IV, l. 272j = Dampf (s. d.)
wässeriger Schweis«, Qualm, Dunst, Vapor, Fu-
mui, — däumisch^ taumelig, schwindelig (vgl.
damisch).
Daumen, m (Dam|en , Däumling, Damer-
ling) ".(erreich indogcrui. tu schwelU-n, dick sein
[MnchiflngcO vorgerm. tiimon [tumeo - geschwol-
lener, [starker); gcmeingcrni. thuma = Duumeii, primär
aus uraltem, selhststNUdigcn Stamme gebildet, als „der
starke Finger", Kluge*, 67 ; von allen 5 Klugem erhielt
der stärkere Daumen zuerst in allgermanischer Zelt
»einen heutigen Namen - Geschwulstringer, starker
Kluger, mildem mau fassl und „begreift" (». d.); augl*.
thuma sb polles, D. 445; ahd. dümo, Ca».«. Glossen;
Ihiimoil - polllcctn, II. Z. XV, 524; tatu[«aliseh. Gesetz],
Hyrtl, K W. 36; 12. Jabrh. düme. f.T \\\ j|, 815; 1260
tuomen, Pfeiffer 2*; mhd., mnd. dume, diimeti ]Schwa-
lienspiegci;, Magist. Barthol. »7a; Hyrtl, K W. SS ff. ;
1 ITOdaumcn, Hyrtl, l.eod.; D.445; 15. u. 16. Jahrh. dum,
Gr. W. II, M5; 150S dum, Gr. \V. 1. eod . 1 .2s dum, II.
v. Gcrsd. ; eugl thumb, thünble) = Pollex, »vTty f.f« —
Gegenhand, kleine Hand = Wolf-Finger, Kauf-
ieute- Finger, Wodans-Finger, auffallend grosser
Daumen t«ml. Graf Hrlch mildem Daumen i+1265] -
— Däumling .Damerlhig, 14W> deumlin« - pedica,
ü. 420), 1. = der Daumen, bei den Arabisten =
Manus parva, die kleine Hand = Däumling [Hyrtl,
] K w. 35 ff ), dem man anch die Natur und die
Kräfte eines kleinen geisterhaften Wesens von
kobold- oder alpartiger Natur übertrug (conf.
Hans Düttikt; Schcible III. 68; Gr. D M ; Gr. W. II,
s|7); darum halt man auch Jemanden den Daumen
um Ihm den glücklichen Ausgang zu sichern (adjuvare
ali>iuem 1 , indem man den störenden, neckenden, kobold-
haften Däumling fcstluUt, und bei der K.pilcpsie öffnet
man ihn, um'die Macht des Dämons zu heben. Wer
vor dem Kinschlafen den Daumen einschlagt, ist vor
dem Alpdruck (s. d.) gesichert. Wustmann (100) sagt
uberdie Redensart., den Daumen halten" „In unserem
Gebrauche der Redensart scheint das Wesentliche von
dem alten deutschen Glauben «.rlmrn D. M.: erhalten
zu sein, aber beetnllusst durch die antike Vorstellung",
dass man durch iin- Daumen-Halten oder Niederdrücken
sich Kettung Odet Hilfe verschaffe, wie einstmals für
den daniederliegenden Glailiator das römische Volk
•••ine Gnade bezeugte dun h das j olUoem pnBMK
(Schräder 392; 1260 war das Daumeueiuschlagcn ein
schlechtes Kraukheitsprognosllkon , l'feiffer 2s, weil
damouisiiseh begründet, s. u — 2. — ein klein ge-
wachsener, wie ein Kobold gestalteter Mensch
[Gr. W. II, 851; Seh melier 1. 608; der pfiffige, listige
Allierich. vgl den Artikel „dt r Daumen ' In M. Neueste
Nachrichten 18'Jcl. 2 D. zember, und was Schräder :iy2;
gegen Grimm * Deutung des „Dauuicuhaltens" angibt;
letztere seheint Immer noch die bessere zu sein , vergl.
l^tuskraker) — 3. - grosse Zehe, Fussdaumen.
— (I7'.'yi /'e ' -Damneii = das von Dieben zum
abergläubischen Unsichtbarmachen benützte
Daumenglied eines unschuldigen Opfers, einer
Leiche, Schelmbein (Legend, f. d gem. Mann ; Koch-
holz I. 241 — Fun* Daumen II Jahrh. - fuosz-
dumo, Hyrtl, K. W. 86) grosse Zehe. — Daumen-
Ballen, 'Finger, -Maus, -Hagel, •Nickel.
Daussel, l. Dassel (AsselV
Dax, m Dachs, Daxler, daxein zuindogerm.
tek« bauen, graben; germ. dehs; ahd. tlahs ; mhd.
dann, Kluge*, 65). — DäXel und Daxler meiner
mit der Gangart des Dachs-Hundes *Buek 12
— daxein = krummbeinig einhergehen wie der
Dachs-Hund [daherdaxen ;Ruck l»; .«chmcller 1,
4S21. — Dachs-ßa», 'Haut. — schlafen wie ein
Dax — über die Zeit hinaus schlafen, lange und
fest schlafen wie ein Dax, der ■/« seines Lebens
im Bau verschlafen soll. — - auf der Daxhaut
liegen = schlafen, kränklich sein. — in der Dax
haut stecken ~ menstruiert sein, krank sein
durch die Menstruation.
Decke, f. Deckel, m Decklein n. :zu decken .
Indogerm. teg [ — legere ; germ. thakjau; ahd deechi.
decchan, mhd. decken, decke. Kluge , 6sj fÜrOrgltne
genommen, die eine Bedeckung bilden, 1
Kehldeckel («. d. unten) |1551 deekleln, Hyrtl, K.
W 78; doeckelein.Gr. W. U, 1213, ■ Epiglottis, Kehl-
deckel, früher als eine Drüse angesehen (Gur-
geldrüslein'. — 2. - Kniescheibe (s. d.) (1632
dcckelln, Hyrtl, K. W. SS) als Deckel auf dem Knie.
' — 3. = s. Lid. — Decke f. = Wildfell. — decken
(i». Pferden) = beschälen. — ic. jshrb | Atemadcr-
Deckel Kehlblatt, Atomblatt, Kehldeckel,
Fpiglotlis (deckcllin, doecklln der atemaderen,
Gr. W. II, 1218 ; V. 395). — (1676) .4N^CN-DSCksl, (1591)
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Decksei— denken.
Dener— Deuter.
95
Decksei Augenlid, Palpebra (llyrtl, K. w. 13,
Pauli 39; ür. W. I, 805; Had. Jun. 23; Hcchnel ■>
deehesale sa vclanuntuui, Sellin 1, 487) (AugenLebel,
Deckelglied). — /?<mrA-Decke = die, die Baueh-
eingeweide deckende Maut (Peritoneum und Mus
kein, «;r w. 1, U86). — '^-decken beachÄlen. —
i.v>. //rrr-Decke = Perieardium (Ii. v. <;er*d. os;
<ir W IV. 2. 122S, llyrtl, K. W. 83), der Herzbeutel,
dieThecader Arabisten, diedas Herz bedeckt —
[16M] ÜTfW- 1 Meckel*11 (Decke> = EP'8io^».
oft auch mit dem Zäpfchen verwechselt <;r w.
V, 395), das Decklein (8. o.) als deckende* Blatt
Ober der Kohle (Löveling v.i — < >:,< -Deckel
die Ohrklappe (bei Tieren; (<;r. W. VII, 12'«3j. —
V Idiiwl - Deckel = F.piglottis, Kehldeckel im
Schlünde der Pferde |R. A 832), — Z</</«\'-Deck-
lein il-l'J'i zageldecklin pracputlum, l> T.'>6) — vei-
deckende Gliedhaut, Schwan/hülle, Vorhaut,
Lid. — Deck- Glieder, -Haare.
Decksei, in s Deckel u Dax
deeb s. dauen.
Degen, m. bei den Pferden eine degenähn-
liche oder kornähren («. Ähre) -artige Haar-
furehe am Halse längs der .Mahne herab (ür. W.
II, S9W. Zipp. h». Kalke II, 31) römischer Degen.
— Degen- äi/»i\ -Stich.
deihen (diegen) in<lof.' thenh; vorgeim t.nk,
t«-k, genug tiai.cn angi.«. iheagtan, rollenden ; Roth,
iheihau gedeihen'. — </< deihen ,angl«. getheon;
cnh Kflthelhan, ahd. gldlban , mhd gediheu. Kluge*,
l ») - zunehmen in der Dichte, wachsen, dichter
werden, sich gut entwickeln; auch von Wim-
dentieisch (Schmeller I. 497:. Milch, Fleisch über-
haupt etc. — »jw- diegen - ausgetrocknet,
dürrer, dichter geworden. — l'.f/. deihen =
nicht zunehmen an Fleisch; mager bleiben
vom Nutzvieh) (Falke II. 384] (s. auch undäuen).
— Diegen- Fleuch, -Milch ,
Delirium, n. aus tat. delirare; Iii* = Geleite.
Kurche entgleisen, Kluge*, 232, geistig verrückt sein.,
1. = Säufer- Wahnsinn, Delirium trenens Tril-
lirium clemens, scherzhaft) (Andreseu »v, als Ge-
hirnaffektion, deren Haupteüge Delirium und
Tremor, Schlaflosigkeit, Zittern, Hallucinationen
sind. — 2. = (seltener volksüblich) Delirium
febrile.
Delle, f. « Dale, Dolle, Dülle, die Vei tiefung
auf der Körperoberflache, die durch Druck,
Stoss, Schlag etc. entstanden ist, s. Bulle Schmel-
ler I, 49*. 301).
Delm, m. zu ahd. duualm. mhd twalm — Dolm,
Toltn, Twaltn [». d ]. Schmeller I. 5a5; Gr. Vi. II. USt;
Vir ±m\ = Betäubung, Ohnmacht, (jualm.
St. Deng.— St DengS- Feuer 9. St Antonius-
Feuer).
denk s. tenk.
denken (= urspr. scheinen, ,, dünken"; dann
scheinen macheu = überlegen, bedenken, Kluge*, t'.'.UT. ,
engL t» thiuk) = geistig tbatig sein durch Vor-
stellungen, welche erscheinen und zu einander
in Beziehung gebracht „überlegt" werden. —
/^»•-denken- Memoria (Schindler I, 7«). — hinter-
denk/ir/i, 1 ~ schwermütig, nachdenklich Bu< k
14). — 2. (15. Jahrh. hinterdenken = ruminare. ent-
stellt aus iterrenken Iterruchen 1«. d.], I). SM)
wiederverdauend — Denk- Kammer.
Dener, m. s. Tener.
dengeln; die f.ermunen kannten (ins Kastrieren
nur als Zertrümmerung de.« Hoden* mittel«! de» l>eugel-
Steines oder Stcluhamiiicrs.
Dengue - ein (177<j) in Kairo und Alexandrien
tinter dem arab. Namen Aburuka-Bah (— Vater
des Knies; Aburockab, in hollind. Baiavia als
Knockel-Koorts s. d.) herrschendes rheumati-
sches Fieber, namentlich an den Knien (s. Knie-
t ' bei) u. Knochein (s. Knöchellieber) lokalisiert ;
«pan. dengiie, engl W.'j deugue, dandy, Z. Hdb 11,2. 4S3,
Anm.j, „wi-gen des steifen, gezierten Ganges, zu
dem die Kranken gezwungen waren, vom Volke
Dandy-fever genannt" ('Dandy = Stutzer) („Rhen-
uuitismus febrilis exaiithemutirii«, Searlatiua miti«,
Kxantheais, Arthrosia, InsolationsfM>er, breltugfleber.
vom Vojkenueh 1'nlkntleber. Giraffe. Bonquet, Colorado.
break boa foebrofhenei Hein;, braken wlnf [PtMfelbrurb]
genannt", denen 447, wegen der brechenden nndbohr*
enden Gliederschmerzen;.
Depp (Tepp) m = Kretin, der täppisch ist (s.
Tappe) (Knapp, Kretinismus 6).
derb (dörb, derben, verderben) [altgerm.
therl uotig haben ; ahd. derb; mhd derp trocken,
dürr, mager (Bayern, Scaw. 15«; Schnuller i. ..34). —
Ganz verscbieilen davon ist rrrderben indogerm
ter]' — sterben , gotb. tliatrfau sterben ; ahd derbau
- sterben; mhd. verderben), ZU nichte machen,
natu fehlerhaft verandern, infizieren, sterben
i Kluge*, 338; vorterbet »atOletu« morbo, I). 16, nainent-
lieh galt das „verdorbene' Meustruulblut als inlizierend ,
giftig, Tripper erzeugend selom im grauen Altertum
Iii« auf Joubert, Pr. I, 460,. — (1831) /Mur-Verderb-
nitt - die aus einer Infektionskrankheit (Safte-
vergiftung) entspringenden Hautausschläge (Pe-
techien z. B ) und Mundkrankheit skorbutische
f tomakace) (Behrend 12). — die Qeburt verder-
ben, 1. =-ah<>rtire, die tieburf 's, d 2) zu nichte
machen ür w IV, l 1903K — 2. - Schaden leiden
bei der Entbindung v<;e>.rK hu. — 1,1 . i.»- ki.ul
verderben = foetum abigeie, einen Abort her-
vorrufen (Or. W. V, 709; Bock 403). — (1736) Säfte-
Verderbnis = eine scIiiilgeinUsse Bezeichnung
für fehlerhafte, sehlechte Blutmischung %. B.
durch Gicht oder Syphilis (Kachexie) Pr. U,
p», _ verdorbener?»^ Blut, -Magen, -Samen,
■Schleim.
Derre, f. 8. Darre ttud dorren.
DetZ (Daetz), f. aus dem franz. la tele = Kopf,
ins Plattdeutsche übernommen, Heilage z. Allg.-Z. 1»'."6,
Nr. U] — Koj»f.
Deuter, m. (Deuterling), deutsch zu deuten ,
ahd. dluteu = volk«inA«»li: machen , verstandlieb
macheu; vorgerm. leuta Volk, d. h. deutseh verständ-
lich machen. Klinre *, 70; 14. Jahrh. deitter, deuler -
dlgltit« index, llyrtl ls«; tir. W. II 1011; III. 1CV
Zeigefinger; Deuterling Zeigefinger. — Oc-
deute 'angU. getheode, Kluge *, 70) = Sprache,
volksflbhche Deutung — deutsche Krankheit.
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90
Diarrhoe— Diech (e, er).
(liegen— Ding.
Diarrhoe, f.= Abweichen des Darm-Inhalten
an» «lern Leihe (vom griechischen v.aopoi'z = Durch-
fluss;. — Angst- Diarrhoe = durch psychische Ur-
eachen veranlasster Durchfall (Dianhoea emo-
tiva) (Samuel 203; IC. Jahrb. foirolle <le male peur,
uns« i7i). — (1A32) der Fluss Diarria Fries ii .
Bauehfiuss. — (I876J faulige Diarrhoe (Müller,
Krlrbch. 342) = übelriechende, weiche Stuhlgänge
(vcrgl. Aroc). — Sommcr-Diarrhoe - die zur heis-
sen Jahreszeit hiiutigeren KJnderdurchfälle, Kin-
der-Choleritie, Sommer-Krankheit (Hufcland i*7 .
— (l.süT) Tl'MriM-Diarrhoe Darmkatarrh durch
Darmwürmer J ü. Frank vi. 447).
dicht (fehlt im ohvrdcutfichen). fn«l«l &<dicht-
w esen verstopft sein (Goldschm. iu.,.
Dieb, m. Diebs -Daumen, -Finger, -Hand.
Diech(e,er), n., pl. dick (Oediech) (tn ge-
deuten [a. d.]; aogla. thcoh = coxa, crura. D. 154;
ahd. 7.— 8. Jahrh. dheob, dcoh, Cas«. Glos».; 9. Jahrh.
dcoh femora, Rab. Munr. 65; 11. Jahrh. «lieh — fetniir,
coxa, B. Z. III , dlcch= coxa, cluues. fetnur, H. Z. III,
368; dich, II. Z. VI, 321 — sclu i«chia\ coxa, 1). 51 v
12, Jahrh. thloch — bathma, II Z. II. 20".; Krf Glos*.;
GraffV, 118; 1394 «Iii» - dihen, D .IIS; sclasis; IV Jahrh
diech — torumda torus, corus] coxa, D 590, 1475 tiiych
ixll. testleulus.D. 581; mild, <lic\ dleh Oberschenkel,
I. excr 34; IC. Jahrh. aln dieeh - - glossa [coxa], I>. 26...
15IG dlcche snlTrago, tlcugestelle am dicken Fleuch
der Iluflc, I» 665; IC09 luchern — Olfersehcukel, Guar.
908. engl, thig - Oberschenkel, I.ehf 81, thiek = dick ,
— dick = dicht, voll, fest, schwanger {Roth, thlgn«,
Kluge A4; ahd dlechi - dicht, dick; mhd., 126U dicke.
Schnu ller I, 4*8; von dcrfeuchle [s. d J wird ein Jeglich
ding diek, Pfeiffer 21). Diech - ilasdicke Fleisch ;
a) der dicke Teil des Schenkelfleisches ( - Keule
nebet Umgebung, Glanes) und der Knochen des-
selben (eollum, feiniir, en.xa [Hiiftknochen), grossum
crurls, Du fange IV, 110; regio isehladlca, II Z. XV,
33.'.; bis zum 16. Jahrh. auch in der Anatomie üblich,
Hyrtl, K. W. 36; Bayern, Schwaben; Schnuller I, «82;
c. v.Schm. 117); b) Armhöhle, Achselbeuge (bath-
mos), soweit sie eben von dickem Muskelfleisch
umgeben sind i c) Lende (s Jahrh. dioh, i/ass. Glos* ;
10. Jahrh. dieeh, Notker, Psalmen); d) Arschl.allen
(,,w i iin die Dieeh herfurpausent, dasl.cdi.uit Kiinuhcil ' " ,
e) Leistenbug (15>s Faltung der Dyceher, II. v. <..rsd
n) Schenkelbeuge, Kegioinguinalis, Vorderhüfte
Suffrago (Hyrtl, K. w. ios; d fi Hoden am
Leistenbug. — (1532) .Irm-Dickin, f. =das dicke
Fleisch am Oberarm (Kries 127). — Bein- j p-g^
(II. Jahrh Lelndleki, -diech- gösse, gossa >oxa]; Voc.
npt.W.3" ; D 155 <. 10 ; 152Hbeyudycch — gessa- = gossa?] ;
II. v. (iinid. 97; Hyrtl, K. W. 37; Gr. Vf. I, 1385J —
dickste, fleischigste Stelle am Oberschenkel-
beine. — /aKsf-dick hinter doni Miren, seil, durch
geschwollene Drüsen, die die Sammlungen und
Durehseiehungs-Organe für die aus dem Gehirn
kommenden Stoffe nach früherer Anschauung
waren, und also das Depot für alle List und Ver-
schlagenheit bilden sollten, die das Gehirn lie-
ferte (vergl. Drüsen und Wust}. In Grimm w. VII,
212 1230 wird der Ausdruck durch den Schalk, als
Dunum, der im Nacken sitzt, erklärt; warum datin aber
gerade faustdick? Wie die guten und falschen Adern
als Sitze guter und falscher Sinnesart [». Aderj galten,
so auch die Ohrdriiceu als Kmunetoria de» Gehirns.
Volkstümliche Behadcltchrc «ptelt dabei nicht mit
Wustmann 353), sondern die alte Humoralpalhologic
der Schulen, die dcriGchirnkodcr, „den dicksten Dreck"
(Leipzig] in den Drusen hinter den obren namentlich
beim Pfcrdc-Kvifel oder „Schelm" (». d. 1. bß) suchte.
Kin breites Hinterhaupt galt damit als ein ltesmuieres
Inteliigenxzelchcn; derjenige, der es nun gar faustdick
hinter den Ohren hat, ist klmrer, als man es sollst meinen
sollte. Qaufen -Diech (ahd. «offe -dieeh, GrafT
V. Ii") = das dicke Fleisch der Iiiuterbacken (s.
Ciauf 2). — (Di20) das GVdiech P** Minderer) >. O.
Diech) die ganze Gegend (Diech a— e) (Sebm.
I, 482}. — Mi hr- Bein Diech (7.— 8 Jahrb. daxmaera
peindeohes, Gass f.loss , Diez i>6) — das dicke Fleisch
am grösseren Schenkelknochen, Os majus =
Coxa. — (1X12) die Schenkel- (und Arm-) Dickin
(Krles 127) = Beindicke. — 1 dickerung = das
Produkt einer gleich massigen Volumen -Ver-
mehrung, Massen -Zunahme in mehr diffuser,
nicht umschriebener Form an irgend einem
Körperteile o. eine Eindickung der (Jewebssafte
(Blut, Galle, Humorea, Phlegma). — dicke, <*)
-Barken, -Hauch, -Bein, -Blut, -Braten, -Darm,
-Fell, GeblUt, -Geburtshäutlein, -Hals, -Haut,
-Kopf, -Krtistcn, -leibig, -Lippe, Nabel, -nasig,
-Xercen, - Ohren, -Räude, Rippe, -Sack, Schenkel,
- Teil.
diegen s. gedeihen.
diessen s. dosten.
dill (Dille), dill (dttld) = betäubt, verwirrt
(Sehmeller I. 499; 1594 der dille, Klachart; Gr. W. II.
1150; dlltap b. Sehmeller I, 500; vielleicht zu toll; ahd.
inline = thorieht ; Kerni. dul : IndoKenn. dhul bethi.rt
»ein. KlUKe4, 377). — Dill- Tap Waekernupel Ab
handlnnsen zu Spr. K. III, 157) halt Dill für Oidl (s?t.
Aegidius, Sund Dyli^eir. der einen unbesonnenen, leicht
sich übereilenden Menschen bezeichnen soll, 9. Zeitseh.
D. Ö. A. V., 1893. S. 201; vielleicht kam die „Tollheit"
des Herbsttest, s auf Euidy dem entstellten „Dihjrentan"
cntKeRen im Volksmunde und entstand soder verwirrte,
närrische „Dill' .
Dille, f. s. Dale.dölle.düle, Beulen- Vertiefung
(Bulle).
Din, pl. s. Diech und Dünne.
Ding, n. (Oeding) iudogerm tenkos [ = letnpus;;
vorKerm. tenkos; lanirobard. thinx; alluerin. thing ;
engl. Illing ; ahd., mhd. dinc eigentlich Gerlehts-Tai;,
dann Gerichts-Sache, weiterhin Sache, Ding, Kluge*,
73] etwas vorerst nicht Aussprechllehes, dann auch die
Umschreibung einer Reihe von Krankheiten, deren
wahren, eigentlichen Namen man aus Scheu vor
den Krankheitsdilmonen nicht aussprechen, un-
genannt lassen wollte, t. B. das böse Ding, das
heilige Ding (s. d.) etc (nannte man doch die Tod
und Krankheiten bei Mensch oder Vieh bringenden,
hlpischen Wesen [UnboMen] auch aus Angst vor ihnen
gelbst die „Dinger" oder guten Dinger [ - wihtlr], Hon*-
uiaun, Uonatach, f. Bchleibsn 1829, II. 757 Antn.; Slniroek;
II D. M 473; dieselben nahiuen auch In Haut, Ein-
geweiden, Drüsen und Knochen der Menschen ihren
Aufenthalt als [von Hexen und Teufeln geschickte, au-
gezaubert. ] Krankheiten erzeugende Plage- und Quül-
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Ding.
dinsen— Diphtherie. 97
gelster). darum belMt auch J. = die Pestilenz
(1616) „das Ding", als eine schelmische Krank-
heit (Gr. \V. II, 1164; Heyne I, ösi) , ferner 2. = die
mit Gesch waren und Heulen ein-
hergehenden, damit verbundenen
Krankheiten, l'anaritiutn , Eiterpusteln,
Comedonen, Rutlauf, Karbunkel (s. u.) (die
de-halh auch durch Segenspruohc, wie Dämonen und
boshafte Wesen. Wiirmer, gebannt werden sollten,
Gr. W. IV, 2. 837). — 3. - die plötzlich, olino für
den Laien erkennbare Ursache eintretenden
a; Konvulsionen der Kinder („Dinger") (Pauli 52;
Mali) und b) die Epilepsie. — Unter dem Ein-
flüsse der christlichen Kultur waren auch 4. die
Namen der Genitalien unaussprechlich, daher
das Ding, Gedinglein {mnd ere dink, Mag. Barth. 91 b ;
mhd. dingelin ; 15. Jahrh. ding, dynck. I> 422) - a)Geni-
tale utriusque sexus (Hlntncr 8. 19, Gr. W. II, 1161;
IV, 1042; Buckl6); b) Penis (Gr. W. II, 1164. 1171 ; [vergl.
Mannesding]); <•) 11433) Vulva (Schindler 1, 520; 11,1152;
Uaeser II, 230; (s. Jungfernding, Elend, Gschoss 4);
d)derCoitus (Gr W. II, Ut>4 ff.). — 5. = (1742) der noch
nicht ausgesprochen, vollständig entwickelte,
aber doch schon eine gewisse menschliche Forui
verratende Embryo (Zw. 906 ; ms wunderlich» ding
von gepurdt — monstrum, D. 367). — 6. — das die
menschliche Form be„ding"ende Gewebsele-
raent (1530 ,.es Mnd 4 Dinge, durch die der Leichnam
gewidmet ist, mm lliuc, kalte, feuchte und Trocken-
heit". Besolt) = Humor (s. <!.), Feuchte, Element
(s.d.), Com plexio, Natur«, Wesen [1645, Coler A. 76).
— (1515) Jn-Ding^ Contagium (D.H6J s. nachfol-
gendes. — (1645) anfällige* Ding = eine Krank-
heit von ansteckender Natur (Coler H. A. 207). —
(1646) brechende* Ding = die laufende (iliedergicht,
bei der die erkrankten Gelenke schmerzen als
ob sie gebrochen wftren (Coler n. A. 239) (s. bre-
chen und fahrendes Ding). — das böse Ding,
1. = (1742) Panaritium (Gr. V. M. II, iios; w. II, 1164
«ub 10; Kuhn. Zeitschr. f. vergl. Spr. W. XIII. 144 ; Zw.
5*3) als Wurm (s. d.), Umlauf, Ungenannt,
Fingerwurm, Nagplt?eschwür, Paronychia,
Epinyctis fervens (K. ch. 323, A r. H II, 326;.
— 2 = die Mitesser (n. d.) Comedones (<;r. w.
VI. 2343; Arkerm. Ö06J. — 3. = die Epilepsie
(s. d ), die als „(icwalt Gottes" eine heilige
Krankheit («. d.) war (Gr. W. Et, 2481 und den
Menschen scheinbar so grundlos plötzlich
überfallt, dass man vor Scheu sie nicht naher
nennen wollte. — 4 - „eine Krankheit des Kind-
viehs" (Gr. \V. II, 2i\i (Unding), das Kalbelieber
nach dem Kalben mit epileptiformen Krämpfen
(Eclampsia puerp.). — 5. = (1627) die Pest (Lersch
213) s. Ding L — das fahrende Ding ■ Gicht, die
herumfährt von einem Glied zum andern, (Ar-
thritis vaga), wie vom koboldischen Qualgeist
(Wurm?) veranlasst iSimrock D. M , 635) — Ge-
ding angK gadinea ■ mutinus(penls! D. 374) — Ding 4.
— (15. Jahrh.! (jesrhisten Ding «tu Iis. ghschetten
dink = merdia, l). 357, ~ Kot, das durch die Cacalio
Gebildete. — gute Dinger = (euphemistisch)
die Unholden, welche als elhische Wesen, böse
Alpgeister durch Zauberei in dem menschlichen
Körper ihren Sitz haben, ihn besessen machen.
— da* heilige (unheilige) Ding - ein Organ oder
eine Krankheit, von der man wie von einem
Heiligtum fernebleiben sollte, z. B. a) dieSchlag-
ader beim chirurgischen Schnitte, der zu töd-
lichen Blutungen Veranlassung geben konnte
(Gr. W. II, llöi) (die heilige Pulsader); b) der gif-
tige Karfunkel (1583] und c) (1615) das brandige
Hotlauf, Erysipelas gangraenosum als Ausdruck
ftti «las schulgemttsse Ignis sacer (s. heil. Feuer,
St. Antonius-Feuer) „die von grobem Geblüte
und verderbten Humore entstehen" (Gr. W. II,
1164 ; Gr. W. IV, 2. 837 ; VIII.311 ; Ackermann 11» j Coler
II A. 231. 253. 336; Abcrgl. P>0; Kuhn, Zetuchr.f. vergl.
Spr. W. XIII, 148; C. v. Schm. 469). — Junqfern-
Ding- Vulva virginalis{ür.W. IV, 2. 2385; 11,1164).
— (1477) lebliches Ding = Eingeweide (Augsburger
Bibel) — AI nu in ••-'Ding unter den Beinen (Schwa-
bensptaftl, Gr. w. II, H6i) — Penis cum scroto. —
(i.Vsij natürliche 7 Dinge = die auf die Natur des
Menschen bezüglichen Hauptsachen nach früh-
erer Lehre (Ptctorius 40 ß.) im Gegensatze zuden(6)
nicht natürlichen, d. h. Abnormes herbeiführen-
den Dingen (zu ersteren 7 rechnete man i l. die 4 Ele-
mente : Luft, Feuer, Wasser und Erde ; 2. die 4 Com-
plexlonen: kalt, warm, trocken, feucht; 3. die 4 Feuchten
de« Leibe« Blut, Phlegma, Galle [Cholera] und Melan-
cholie; 4. die Glieder; 5. die Kräfte , 6. die FunkUoneu
oder Wirkungen , 7. die Geister). — (1761) nicht natür-
liche 6 Dinge = Res non naturales; (1. Luft. 2. Speise
und Trank ; 3. Schlafen und Wachen ; 4. Bewegung und
Knhe; 5. Gemütsbewegungen; 6. Exeretus, Retenla,
I L. ch. 7j) weil sie nicht natürliche d. h. abnorme
Zustände herbeiführen sollten nach falscher
alter Physiologie (s. Überfluss). — Simbcl-Ding
(simbrdl) = Clitoris (sirabel, «inewel - rund, Pfeiffer
so) - rundes Ding (Buck 16). — totgeborenes Ding
(16. Jahrh. abortus, D. 4) = Ding 5 (Abortusmole). —
Truqe-Ding ~ Monstrum (trugtdlnc, H. Z. XVI, 43;
Münchener Glossen) = Spücke-Ding, spukende Er-
scheinung Verstorbeneres. Marl— (7nding(„dass
kein Undiech an den Leuten geschehe von bösem
Fleische" [Augsburg), Schmeiler I, 621) = Rotlauf (8.
Wesen) oder ansteckende Krankheit etc. — (16.
Jahrh.) Weiber-Ding (der wyboron Ihre ding) = Ding
4 a (Haeser II, 230).
dinsen, s. dunsen.
Diphtherie, f (ein auffälliger Weise, weil neues,
selten \om Yulksmuude entstelltes griechisches Wort
der heutigen Medixlnsehule ; 1S21 diphtherlte [Breton-
neau!, von grlech. O'.ftrsfiot — abgezogenes gerbbarcs
Tierfell) = häutige Bräune (s. d.)= die durch den
Lonier'schen Bacillus verursachte Erkrankung,
wobei sich aus dem Schlünde, Rachen- oder
Luftwegen Häute, braun wie gegerbtes Tierfell
aussehend, abetossen und bei der gefährliche
Erstickungsanfälle eintreten können (xchere-
weise auch <üfteritis genannt) (Andreren. 580; cqui-
nanele - squlnantia, eyuanche, Schnurrer I, 161 ; 1031
xovaYyif). L eod. I, 205; 19. Jahrh span. garrotillo [s,
Braune^ Erdrosselungs-Knebel; 1517 Angina suffoca-
tiva, Schnnrrer II. 65; 1609 angina maligna, L c. II, 163;
1616 peste a la gorge, Briss 1%, 1620 pestileus faucium
adfectus, paidanche, Sehn. II, 162: 1636 morbus stran-
gulatorius s. inalignus faucium carbunculus II , 163;
17. Jahrh ital. male in eanna [Rohrubel], Uaeser II,
392. 394; 1642 Spanien Severinisches Halsweh; frz.
mal de gorge, Schnurrer II, 289. 804 . 305. 813; 1752
I fr», louvet, Hecker 268 ; 1773 engL Krankheit von Kldder-
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98 Hippel— Dohne.
Dol— Dorn.
minster, II 3lt genannt) = Ulcus syriacum, syrische I
Schlundpest, Schulpest, Halsbräune, häutige
Bräune etc. (auch in Diphtheritus entstellt' (Ac.
Vor. Hl. 1S96. U*; Hchwcd. «try|u<JuU Slrupfsucht,
F.rdrositelu ii Keucht, Hecker 272).
Dippel, id., 1. = IvocAcn-Dippel = Wochen-
Tölpei (s. d.) (Württemberg, 0. v. Schm. 537) = die
nicht über eine Woche dauernde „tölpelhaftes
Aussehen verursachende Parotitis epidemica
(Muuis). — 2. Dippel ist auch = die Drehkrank-
heit der Schafe, die diesen Tieren „tölpelhaften,
trottelnden Gang macht (Zipp. 624). — 3. - Ge-
sch wulst, Büngel, Schwellblatter (Chr. Sani. I,
126 i II, 309).
Disen, 01. (lu alten, sehlecht uud verständnislos ge-
schriebenen Manuseripten vielleicht) = Pbthisis (conf.
Schmeller I, 549 ; wenn nicht = Dusel ». d.).
Dittmarschen, pl. dittmarsische Krankheit.
Docke, f. (ahd. tocchi; 10. Jahrh. Wiener Schlum-
merlied, Pfeiffer Kr.ll, 60; nihd tocke = Puppe. Madeheu.
kleine» Kind; echt germanisch, Kluge -V.; 1482 dock =
puppa), l.-Ttittenspite, Papilla mammae [Gr. w.
II, 112). — 2. - Penis als ttittenspitzähnlicher
Zapfen (b. Kindern) (Gr. W. II, 1210; Schmellerl,
4S8); (vergl. tocken).
Dockes, m. s. Dogges.
Doctor, rn. (iu lat. doctor [doceo — lehre], Ge-
lehrter, Gelehrton-Titel, Gr. W. II, 1615; Schmel-
ler I, 498; 1500 Doctor = Arzt, Kluse*, 1». 74). — er
doctorlt umeinander = krank sein und von
einem Arzte zum andern gehen. — vorn Doctor
liegen = krank sein (Oldbg. \ Goldschm. I), — Mond-
Doctor - ein 1780 in Berlin mit dem Monden-
sebein behandelnder Kurpfuscher (Analogie zu
demjenigen In München [1895], der mit dem Sonnen-
ttther kuriert, Abergl. 183, 191). — (1625J m -d0Ctern =
Geldverbrauchen zu ärztlichen Kuren (Kluge6, 19).
Dölle, f dolsch (1612 dolsche, Gr. W. II. 1233)
= geschwollen (vielleicht - döllisch), so ge-
schwollen, daes der Kingerdruck eine Dale, Dölle,
DflUe hinterlässt. — Doüi'chenkel s. Schenkel;
vielleicht = Dölsch-Schenkel.
dönnen h. Dohne.
Dörre, f. s. dorren.
Doggele, n. (Deminutiv von dogo; zu diuhau =
drucken) — Nebenname für Alp (s. d.) und Alp-
druck) Incubus (E1rii«s, Schwei«; Wuttke; Golth. 76;
H. A Rh. 415).
Dogges, in. (Dockes, Douches) (Kranken, ein
jüdische» Wort) = Podex (Schmellerl. 493; „kaum zu
hebräisch tuchath - unterhalb", Kluge 56).
Dohne, f. (dönnen. Gedon, Ausdehnung)
(iudogerrn. ten [TEtvu», Tatvt«; teneo, tendo] dünn;
j,-oth. thunan — xlch anspannen, donjau, Graft V, 14G ;
ahd. dona = Ranke [teuus = Strick, T«viuv = Sehne;
nervus = Sehne], Spannader, Nene, Korstetnann, Na-
menbuch I; Heyne I, Ml; donOn = sich anspannen; mhd.
done Spannung, Kluge*, 69. 76, Beschwerde, Zwang,
nervus, tendicula, Schmeller I, 615. 616; ahd. mhd.
dennen = riehen, spannen, donen — aufschwellen,
Lexer 3:.; 1539 drinnen ; 1615 thonen) = aufgeschwol-
len, ausgedehnt (Hydrops), gespannt sein (Coler
449, ür. W. II, 12201. — (1749! Dohne, f. der Schwel-
lungszustand, Spannurgsschmerz bei Blattern
(Variola, Bolgach). — die Adern dönnen = die
Blutgefässe strotzen (Schmeller I, 515) so, dass sie
gespannt sind. — (17S3) .1 /</dohncn des Leibes
— peritonitische und tympanitische l«eibes-
hlähung (Piatner i, 601. 602). — (1749) Blattern-
Dohne 's. o ) (Zeitschr. f. d. Phllolog. XXVI, 239).
— Kruat- AnjtAfihnuntj — Inflatio mamraarum,
Milch-Kinfluss (Zw. 436); (vergl. Tannwässel und
Ubertau).
Dol, f (Schweiz; zu ahd. doK' n ; mhd. doln ;
Gr. W. Ii, 121) = ein schmerzhaft zu ertragendes
Leiden (dazu: Geduld).
Dolg, Dolk, n., m. s. Tolk.
Dolm, m. (Tolm, Delni) lUayeru, zu ahd. twalm
— sopor, oppresslo cerebri ; mhd. twalm [s. Qualm u.
Twalm]), 1. = Ohnmacht, Betäubung. — 2. = ein
wie in Betäubung befindlicher, dummer Mensch
(Wolf 152; Gr. W. II, 1229; VII, 2309; Schmeller I. 605).
donnen s. Dohne.
donsen - dunsen (s. d.).
Doppen, m. = Tappe (s. d.). — doppig = weich,
elastisch von Abcessgeschwülslen (Goldschm. 91).
doppelt (zu mhd. toppel — Würfelspiel mit 2 Augen,
Kluge*. 77). — Doppel(t)- Bart, - Durst, -Gänger,
-Gebiss, -Geburt, -Gesicht, -Gestalt, -Glieder,
■Bügel, -Kinn, -Knie, -Köpfe, -Lippe, -Magen-
fieber, Nase, -Nieren, -Sauger, schlägig, -Sehen,
-Seufzer, - Tertianfieber, -Zahne.
Dorn, m (vorgerm. trnu ; goth. thaürnus, Kluge*, 75 ;
ahd doru; mhd dorn; ndl. doorn — Dorn, Stachel),
1. = die äussere Wadenbeinkante ^Spina, Crista),
als ilornförmiger Vorsprung desselben (Gr. w. II,
128l>). — 2. — diis Rückgrat (1483 der dorn, der den
rucken zesamen hell, C. v. Megbg.) (Rüekdorn). —
3. - Blutaderknoten am Unteischenkel (Doml)
(Oldenburg; Goldschm. 132). — Leirh-DOTTl (isländ.
llkthorn, Kluge*, 232; 14. Jahrb. Uhtorn =^ lentigo.
Voc. opt. W. 40; 15. Jahrh. lichtdorn = lentigo, D. 642.
324 ; 15. Jahrh. ndd. lyckdoru, llkdoorns, De Cock, 263 ;
D. 126; ndd. Ukdürn, Mecklbg. clavus, Sam. 231. 243;
Z. Hdbch. d. »p. Path. u. Ther. XIV. 1. 484, Acker-
mann 394) m Clavus, Hühnerauge, als ein Dorn im
Körper (s. Leich) aufgefaast, der Schmerzen
verursacht, Hühner-, Elster-, Krähen-Auge,
Schwiele (Gr. W. VI, 612; Zw. 813; Schmeller I, 1425).
— angeBchusterte Leichdörner = die durch den
Schuster veranlassten Hühneraugen (Lammert.
V. M. 122; das allgemein bekannte Leiden gab Ver-
anlassung zur Redewendung: „dem thuen die Leich-
dorne nicht mehr weh" — er hat das Leben hinter sich,
L. d. V. t. V.-K. 1894, S. 192). — LWsfen-Dorn - der
Ursprung der Ohrleiste (Helix), welcher über
dem äusseren Ohrgange an der konkaven Fläche
des Ohiknorpels vorspringt (Spina s. crista
helieis) Hyrtl, A. 564; Harle»»', 496). — (1628) Lid-
Dorn lyet dorn; H. v. Gersd. 99) = Lentigo, Finne,
Linsen-Mal, l.aubilecken, Hoppen, eigentlich
Dorn im Glied; von Leichdorn oder „Glied-
dorn" übertragen ohne etymologisches Ver-
ständnis auf schmerzlose Hautflecken. — ,1483)
§Jjj?"Jl>«»i L = Spina dorsi (C. v Megbg.;
l'epine du dos, Bris». 26), die Dornfortaätze der
Wirbelsäule, welche durch die Rückenhaut
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dorren.
dos— Drache.
9»
sichtbar aufragen. — 2.- der Reihnagel (s. d.),
Process. epistropheus iGr. W VIII, 1362). — usr.)
SchenkelbcinDorn = Fibula, das sogen, kleine
Schenkelbein bei Pferden (bei Wiederkäuern
fehlte«), welches spornartig (s. Sporn bei n) dflnn
u. lang an der Aussenseitc de» Schenkelsbeins
sich befindet (Falke 273 274) (Dornbein, Hiiftlein).
— (1750) Wind-Dom (Sobernheim 430; A. v. H. II,
12s« -splna ventosu, „das Hein wird dabei von iuneu
heraus so aufgetrieben, als ob eiue Wtndgesehwulst
vorhanden wäre", A. v II.), 1. — ein Beinfrass
(Caries s. Osteomyelitis tuberculosa) von Innen
heraus mit länglich-runder, dorniger Knochen-
ablagernng an der Außenseite der kurzen
Röhrenknochen (König III, 664); früher auch =
Spondylarthrokace, Rachitis (?) (Platuor I, 135;
II, 227. 246). — 2 = der Bückling (h. d.) bei Pfer-
den, Knoehenwurni, Kieferwurm beim Rind-
vieh (Zlpp. 579 . Falke II, 440). — Ztei'-Dom ( = Zwi-
darm; b. Zwitter) (umgestaltet auszwltarn, Andrescn
noi. — Dorn-ß«'n.
dorren (Dörre, f Denn, Derr) (Wurael thor«,
trocken [torrco] s. dürr; vorgerm. tri = trocken sein,
namentlich lu der Kehle, weiterhin au! den Übrigen
Körper übertragen; gern), thurrjau — dorren ; goth.
thaürsus — trocken, thorz; altnord, thorna; ahd. dorren
= mhd. dorren, 1521 derre, f. = phthisis, D. 249; 15*7
doerre - labe», D »71 - dürrwerden, verdorren [torrer«;,
Kluge » 66. 75. 81) (h. Darre). — dorret =t höret 2.
— Dörre, f. - das Trocken werden (vergl. Darre),
a) der Haut = (Dom [Dem], Schtneller I, 540} =
Schwiele, Fingerlohn; b) der Zunge, „die Dflr-
rigkeit der Zunge", (1612) die Austrucknung, das
Schwinden eines Gliedes, Membrana aridum,
— ■ Hand (Gr. w. II, l 1303 , c) der Lunge {IM;
t. M. I. öl) und des ganzen Körpers, Schwind-
sucht, Phthisis, Kirber, (H..rr iösterr.l, Gr. W. II,
1712, die Derr, Schindler I, 128ti, Georg. 34»;; d) (1676]
eine verborgene Hautkrankheit (llauttroeken-
heit) (Theoph. v. Bodenst.) (Diabetessymptom?),
vermutlich die syphilitische Dürre (1496; bei
Fnch» i, 31); e) derZipf der Singvögel (s. Bflrzel
u. Darre 2), wobei sie am Bürzel austrocknen,
borstig die Federn aufstellen und diese dann
verlieren. — DÖrung = die Abzehrung, Aus-
trocknung (s. auch Darrung). — Doerer, m.
(Edda durin; Jordan; Golther 520; im Zwergen-
Katalog der Voeluspu der zweite: = austrocknender,
dürrrnachender Dämon (Wurnimade?). — dör-
risch = törisch (s.d.). — (17W) Abdorren (der
Frscblechten), 1. = F.xsiccations-Stadium (von
Masern, Scharlach, Blattern) (A. t. BT. I, 646). —
2. = Hectik, Phthisis. — (15*4 dtwdörren der
Nieren = Nierenschrumpfung (Tabem.) (s. auch
Darre). — (I668I .u». dorren = Paedatropbie,
Magere, Phthisis, Febris hectica; (1512) tlsieus
ein Krankheit do einer gantz ussdorret , lJ. 585;
Heyn 234, Itochholtz; Aargau! — (162S) Dörre den
Blut$ - trockenes, dürres Blut (s. d.), Com-
plexio cholerica im (.Ingensatze zum Phlegma
(8. d). — /.• ..'•■s-Durrigkeit »ml. de dorrichell
das lyves, Mag. Barth. 102 b - die körperliche Harre.
Abzehrung). — (l>«lo; Loser-Dörro s l.öserdilrre
(BUdenbraud 18). — Sthre Dörre («a'r thoerra,
Q. z. xill, 195) = ein langwieriges, mit Ab-
tehrung und Schmerz einhergehendes Übel
(Phthisis pulmonum ?), ein In altheidntsrhcn Segens-
tormein auftretender Krankheit« Name , der einer
dümonistlsch aufgefaßten Krankheit beigelegt wurde
(s. Dörmade). — (i52s) lVidorrun/7 dtr Alten
— Febris hectica senectulis, Marasmus senilis
(Fries 133'. — (1754) DoiTWCtf/ (A. v. II. I, 7»7. 819.
891. 903), 1. - Zittermal , s. d.) - Rotlaufi>latterlein
in der Oberhaut (A. r. II.). — 2. = Impetigo (1793;
Gr. w. Ii, 1303), Liehen, Mentagra, Serpigo, d. h.
durch Abschilferung n. Abtrocknungabheilende
Hautkrankheiten, namentlich trockene Flechten
(Pauli 112). — 3. — trockene Warzen fvergl. Blmrock.
H. I>. M. 392). Aus dem bei Siinrock [L c.) angeführten
Segenspruche gegen Warzen , .Freue, Freue, dorr»
weg'" ist zu entnehmen, das« dieser Name für Haut-
krankheiten ein seh,- alter (neben Warzen) «ein
durfte Die Frau Freue Ist die Frau Venus des Tann-
lntuscr — Berehta, aus der in der Volkssage 'Schweiz) die
Iii Verena (Veronika in Bayern V) wurde (s. Walpurgis-
nacht v. (arus Sterne: Tägliche litindscbau 1894,
N. 100, S. 39»; . Kqul-elnm palustrc heis-t auch Durweck
als Mittel gegen Warzen [Falke 1,226). — Dorr wecken
ist eine Entstellung aus „Dorr weg!" (Pauli US).
(Vergl. auch Vergehe!' — Von- Fieber, Hand,
■Leib, -Made-, -Maul, -Sucht, - Warte, ■ Werken.
dos- s. tosen.
Dost (Tost), dostlen) (dostig. Dostel) (zu
dicstien — blähen , schwellen . 1477 dycsscut sehlaeff,
C. v. Megcnbg. ; Schm I, 517; aufdlez»-<icnt zu blaet-
terUn, 1. eod ). — dost dost . — <nt/(/<dost' f
— aufgebläht (Schtneller I, 550) und dabei krank-
haft aussehend wie der an Albuminurie lei-
dende, der auch „aufgedossteölschenkel" (s.d.)
bat. — Der weissfahle, gedunsene Kretin (mit
buschig verwirrten, verfilzten Haaren?) (s. d.)
heisst Dost 1 od Dost 'tl (schw. l.eod , Bircher S7;
Karnthen, Steiermark, Knapp, Kretinismus , Sehmeiler
I, öte. 550). — Ä'ti/i>n-D08t (Tost) = Sah enzopf
-- Hollenzopf, Wichtelzopf als Haarbusch (Han-
nover; sellentost, Gr. D. M. I, 433; Kochh I. 333 Og. 6).
— Zi < dossenheit :zedossenheit, Schmeller, I, 627)
= fehlerhafte Aultreibung «ies l/eibes.
Dotsch (Dozen), m. ■ der Dotschen, d. h.
! toreebenahn liehe, kurze, dicke, plumpe, fette,
unbehiltliche menschliche Körper (Hintner 5. 10;
Schmeller I, 557; Dorischen [von 11 torso, der Strunk]
«lud eine Kuben-Art).
dottö, dotto machen = schlafen (Klndcrspr. ;
Schw. 131; zu totte = ulrkeu, schlummern).
Dotter. — Dotter-i-'ucA.
dottern, Nebenf. zu stottern (e. d.) (Schw. 149).
Drache, m Drack, m. Dracke, f [•atfli, draca;
ahd. trahho; mhd. traeeho, ein aus [grlech.-lat ]
draco, draec'i, vordem h. Jnhrh bereit« In Dcuti-ehland
eingebürgerte« Wort für ein antikes Fabeltier [,, eitriges
■ Gewürm". Mortui 1,77, fliegender Wurm oder Schlange],
«las der PlMUMasIt der Deutschen Sinti lieferte un«l «lie
einheimischen pcrman.-mytholog. Gebilde [l.lntwurm,
Greif] verdrängte, Kluge*. 76f. lu <ler Heraldik ver-
einigt darum der Drache Wurm- und Vogelgestalt;
vogelartiger K"pf und Oberkörper % T. geschuppt, mit
Flügeln, ähnlich denen des l'rvogels (ohne Festlieulen),
l feuerspeiend ÜVstdampfel, lurcheuanlger Hinterkorper,
geringelter Schuppenschwan», «prühende, stechende
7«
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100 Draller— Drang
Augen. In der Volk«*age übernimmt <ler Drache die
Gestalt de» Seuchen bringenden UBtWunn» xo Hoch
ein drake in der lucht linde so was ock ein grot starveti
(Scbnurrer I, 230, ad annum 1094); er ist als solcher
die andere Gcctalt de» Alp-Damons, der verschiedene
Menschen- und Tierseuchen bringt und aus deu Lüften
als Furie herab .«Ich senkt oder als Hohlenwurm, Heer-
wurm etc. ausfahrend das Land verheert (OlUwiirui).
Im Gebirge, wo die Drache n«ttgen besonder« hervor-
treteu, vertritt den Drachen auch der Stull- od. Tatzel-
wurm. — Drache, 1 — Pterygium, Leukoma, d. Ii
das durcli weisse Flecken- oder Fell-Bildung
entstellte Auge, besonders des Pferdes (confer.
Du Cange I, 3*0; 1622 dragon s. argemn, morbus in
equino oculo qui ex albugine Ml ; der grimmige, scheele
Drachenblick der heraldischen tiebilde gab wohl zu
dieser Bezeichnung Veranlassung) (s. Drachenschuss,
Fell8chu8s). — 2 = der nach dem Volksglauben
durch den Lintwurm oder Drachen erzeugte
Milzbrand in der Form einer Versetzung der
Milch im Kuheuter (Drachenmilch}, s. Lint-
wurm, Alp, Hfinnsche etc. (Wuttke 416). — 3. =
das nach dem Volksglauben durch Würmer
erzeugte Kotlauf, Anthrax (KreberotlaufV) in
Besegnungsforxncln (Z. d. V. f. V. K. 1895, S. 296). —
4. = der Morbus draguneuli — Drachgeschwär,
Dracotna, „Speeles ulceris vel cancri, Ulcus in
oculi palpebris", Geeichtshautkrebs, Augen-
höhlensarkom , wegen der Veränderung des
Auges (L. ch. 26; Du Cange III, 191. 192, V, 517, engl,
dracunculus = die dämonenhaften Mitesser, Kaltschm.
Ii, 104). — (1645) Höllen -Drache, a) - die fabel-
hafte Furia infernalis Linne, ein fliegendes
Wurmgetier (1226 hcllcbrand. Scbnurrer I, 273),
dessen Stich Viehseuchen, Milzbrand oraeugen
sollte (Höllenwurm, Gurtelwurm, Fadenwurm,
Milzbrandwurm, Furie, h. d } (t'oler, P. 2«2, Gr. \v.
II, 1321, IV, 1. 761; IV, 2. 1756; Z. Hdb. III, 467); b) ss
die Krankheit des Milzbrandes selbst. — Lint-
Drache [mhd, linttrache. Wackern. Abb. in, 46,
Anm. 97, Schnuller I, 148«) — Lindwurm aU Vor-
lauter der Di achengeatalt, s. o.). — Drachen-
Fell, -Geschwür, -Milch, -Schuss.
Draller, m. s. Trailer.
Drang, ID. (zu drangen, dringen; germ. thrinhw ;
uhd. drlngan ; mhd. drang = Gedränge, Bedrängnis ;
engl, throug, Kluge *, 7t.. 77) = Tenesmus, d. Empfin-
dung des Knganscbliessens, Drängens im Kör-
per (s. Ang). — (1742) 4/<cr-Drang (Zw. iB7) -
Teuesmus aui (Zwang). — Bi \U-An drang — die
fast mit Gewalt herandrängende Blutwallung
= Conirewtio (s. Rhope tialem) — Grdräng
(ahd. gldrengl; angls. gethrong, Kluge*, 76. 7S) —
öfters wiederkehrender Drang. — gedrangen
von Körpergestalten, mehr breit wie lang, wie
zusammengedrückt. — Grfwrfs-Drang = Drang
des Embryo zur Geburt [Heyne I, 696.. — (1045)
Hcrzgrübleins - Be drängung ** Cardialgia, die
drängende Druck- Kmpündung bei der llerz-
oder Magengrube (Coler, 11 A. 151). — (1742) Hin-
/»ren -Drang (Zw. imj = Afterdraug, Stuhlzwang.
— Jsrib- Gcdrang (der getrang In dem leib, Schindler
I, 667) = Colica mit Tenesmus, andauernder
Stublzwang, — Sin}.: Drang s der Zwang, auf
den Leibstuhl (s. Stuhlgang; zu gehen. — (1620,
drat— drei.
tteer-Drang der Knochen = das Übereinander-
drängen der gebrochenen Knochen (Dr. Minderer).
drat; drate Adern.
Dreck, m. (altnord threkkr = Satz. Bete, Kluge*.
76; abd. dreeck ; mhd drec, Graff V, 253) = Kot,
Schmutz, Leibeskot, Wundeiter, Krankbeits-
Stoff (Pauli 117, Baas 209). — />'. !i h Dreck (1615
der dreck im pauch — stercor constipatum, D 145)
Leibeskot, der durch Verstopfung zurückbleibt.
— .HeirtVn-Dreck = Meconiutu, Kindssehmalz,
Kindspech, im Darme der noch ungetauften
Neugeborenen (T.rbkot) (Gr. W. III, 727; IV, 2. 804).
— OÄrrn-Dreck = Ohrenschmalz (s. d.) (Gr. ff. VII,
1256). — (1583) Boss-Dieck (rosstraeck, Gr. W. VIII.
1255) = Kossballen, Kossapfel. — Sau Dreck.
1. = Schweinekot. — 2. = die Schweinabeule, ein
Eiterhaltendes Blutgeschwar (Gr. W. VTJJ, 18«0). —
TVurw-Dreck (im Auge) = Wegscheisser, tlas
Gerstenkorn, Cbalaceon (dracontlcum, Kraus, E. 323),
das einem in der Gesiehts-El>ene die Wegaus-
iieht nimmt und als Kot eine« darinsitzenden Wurmes
(a. Drache 4 und Mitesser) angesehen und besprochen
wird (O. Pf.; .Schonwerth III, 239; Krischbier 33). —
Dreck- Qrube, -Hinke, -Krankheit, -Sack
drehen, Dreher, m. i'vorgerni. tre = bohren,
drehen [dazu Draht]; gemeingerm. Ihre, goth. thraian
= drehen; ahd. drajan, dräen; mbd. draejen ss drehen,
sich drehen, Kluge 77). — Dreher, 1. = Schulaus-
druck und Übersetzung für Trochanter, Kollhügel
am Oberschenkel. — 2. = Epistropheus, Reib-
nagel (Gr. W. II, 1366). — 3. - ein Schaf, welches
das Drehen (s. d.) hat (Falke i. 216). — Drehen, n.
= die durch den Drehwurm (s. d.) veranlasste
(elbische) Drehkrankheit der Schafe (Gr. w. II,
1367), wobei die Tiere mit gesenktem Kopfe sich
im Kreise oder um einen festgestellten Fuss
bewegen. — drehend — schwindelig, drehkrank
(Gr. w. Ii. 1366). — Drehe, f. 1. = die Rahe (s. d.),
D rehe. — 2. = die Drehkrankheit der Schafe
(Zlpp. 626). — Haupt-Drehung = Kopfschwindel
(De Cock 119); „tous ceux a qul la tete «tourne«
a'adressent a St. Saturnin pour etre guerls" (De Cock
39. 126). — KiqJ Drehe, 1. — Hauptdrehung. —
2. = dieDrehsuchl (s. d.) durch die Gebirnquese
im Kopfe des Schafes. — Kreuz-Drehe, f. = die
Drehe 1, wobei die Schafe mit dem lahmen
Kreuze wackelnd hin und her schwanken
(Zlpp. 626) und aufschreckend zusammenbrechen,
wie wenn sie geschlagen waren, Rheuma der
Lendenmuskeln [ - Kreuzrähej (s. Traberkrank-
heil) od. chronischer Wassererguss im Rücken-
markskanal beim Blasenwurm (Falke II, 43. 249.
372). — Schäpn-Drehe, 1. = d. Drehkrankheit (js. d.)
durch den sog. Dreh wurm im Gehirn der Schafe,
wobei sie schaps gehen (Wustmann 601). — Um-
dreher, 1. ■ Epistropheus, Reibnagel (Hyrtl.K. W.
1S7) (s. Dreher 2). — 2. = ein an der Drehkrankheit
leidendes Tier (Falke Ii, 384). — , • i dreht. 1. = ver-
rückt aus seinem Gefüge, DiMonsio (blbl. Med. 417).
— 2. (bildlich) — veretandesverrückt, wie wenn
einer die Drehkrankheit hätte. — Wind- Drehe
= Wiud-Kabe (». d.) — Dreh-Kopf, -Krampf,
•Krankheit, -Nabel, -Schwindel, -Sucht, -Wurm.
drei (ein uraltes Zahlwort, wie alle Einer, Kluge *, 77 ;
ahd. drl; gen». Indogerm. trejei = tres, tfsi; = mehr
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Dreisen— Dross.
•1» die beiden niederen Zahlen, Bilder I. Gesch. d. d.
8pr 13*1, 8. 244). — Drei' in- (bis zum 1». Jahrh.),
Drilling(nach „Zwilling" gebildet" (ur. w. n, 1412)
Dreisen 8. Drüsen,
drensten. s. trensen.
dreschen, Drescher, m vorgenn. tresk = treten,
lärmend stampfen, altgcrm threskan; goth. thrtskan;
ahd. dreskan, Kluse*. 77; mhd draschen, engl, to
ihrashl. Pas Dreschen war unseren Ahnen schon auf
ihren Wanderungen aus der Indogermanischen Ur-
heimat bekannt; die Altgennanen droschen durch
tanzende Tret ■ Bewegung , trampeln (Kluge 1. e). —
imi Drescher im Haupt = CrapulB, Betrunken-
heit und Katzenjammer, Kopfschmerz, als ob
im Haupte gedroschen wurde (Gehirnpuls-
schlag) (Gr. W. II, 1404; Hadrian. Jun. 371). —
Erbten sind auf ihm gedroschen = blatter-
narbig (Erbsen-Gesichl) (Gr. w. n, 79).
drenssen s. d rissen.
Drill (Driel), m. s. Trill. - Drilling s. drei,
dringen s. Drang.
drissen, -drUSS (Indog. trüd = (trndo) drangen,
«o»en; germ. thrut; altnord thraut — Mühsal, angl.«.
i threotan = sich ekeln; engl, throes = Geburtswehen,
rurGehurt dringen, krelssen. Kaltsehm. 1,968 ; 17. Jahrb.
dreu*«cn — drangen, R. A. , ndd. drijten, dricten, Schtn.
I. Ml; Kluge*. 180. 388) - cacare, zum Stuhlgang
drangen, treiben, auftreiben, anschwellen. —
«■«/-ffedrussen ■ aufgetrieben, angeschwollen
>chm. I, 50«). — Frr-drnsS (mhd. urdruz, urdrutze,
verdriez, Kluge \ 388! = der ZuHtand des Wider-
willens, dor AbstoBSung. — Futter- VerdmsB
das \Veg8tos8en des Futters aus Widerwillen
(bei Pferden) K a. 344; stomarharl, D. v»4). —
Dniss-, (Driss-) Stuhl.
Dröse, f. s. Drüse.
Droll, m. 8. Troll.
Dross, m., f Drost, die Drossel (Driissel)
Bayern; ancls throtu; enal. thrush. throttle u. throat
s Drossel, Kehle, Schlund, Mnndsoor, I.ohf. '»7. 98.
litt 2:iS, ahd. drozza= Dm*sel, Kehle; mhd. drozze, in.
- Schlund, Kehle. Kluge*, 78, slutia [gtjHa], Hoffm. I,
363; I». 266; löOtj Droeaen, Inchenh. Mir.; 1710 Dross,
Gr w Ii, 1488). — Drossel, Dross, 1. - Schlund,
Gurgel, Kehle (innerlich), s. Strosse, Strotze,
Drü*sel. — 2, - Kehle äusscrlich) Adams-
apfel (8ohw. in), Fettwulst, die Wamme unterm
Kinn (Schweiler I, 568). — 3. s Schlüssel bei n-
gegend rschw. i vt , Hyrtl K. W. lly; — gedrosselt -
an der Drossel so geschnürt, gestrüpft (s. d.) od.
gedrflekt, dass sie anschwillt; damit verglichen
(v. Pferdeknie): wenn das Knie aufgetrieben ist
und in da* dünnere Schienbein übergeht mit
scharfem Ausschnitte, der wie abgeschnürt er-
scheint (Zirp. 106. 11«; conf. throstline eine Krank-
heit beim Kinde, da« dabei wie an der Kehl« gedrosselt
erscheint [Halsbräune], Kallsrhin. I, 666). — Atem-
Drossel [äteradrozel, «temdroxe — gurgulio. .cchmel-
W I, 56S; Hoffm i, 3;«) — Kehle zum Atmen im ,
Gegensätze zur Drossel (-Schlundkopf). — j
Drosselnder, -Bein, -Bolle, -Drüftn, -Flagge,
■Flechte, -Grube, -HaU, -Knopf, -Kolben.
Druck. 101
Druck, m. (drücken, Druckerle) fiudogerm.
trük; goth. thrnkks. thrukkjan; altnord. thrüga; ahd
druck, drueehen; mhd. druc, drücken); drücken
— durch Last beschweren, bedrangen (Kluge*,
78 ff.); namentlich drücken die quälenden
Krankheitsdftmone Alp, Nachtmar, Trud etc.
den Menschen im Schlafe als Ineubus, Suc-
cubuB. — Das Druckerle (Schwaben) = das
drückende Schrflttlein (Incubus) = Alpdrücken
(s. Alp S. 11) (Meyer 171; Gr. W. II, 1448, Kluge*,
10). — Druck, f - die drückende Trud (b. d.)
(Sehmeiler I, 649). — Druck, m. 1. = Druck-
Verletzungs-Stelle. — 2. = Druckgefühl. — ab-
drucken, 1. = das Herz, z. B. „Man glaubte,
dnsH das Herz sich aus seinen Bändern (vergl.
Hcrzhitndel) gewaltsam löse, an denen es
hängt" (Gr. W, IV, 2. 1210). — 2 = (15. Jahrh ) ab-
trücken, entstellt aus iterruchen (s. ruechen) (An-
dresen 109). — Alp-Drücken (b. Alp S. 11); das
Druckgefühl beim sogen. Alptraum (s. d.), das
man dem Alp-Dämon zuschrieb, wobei auch
bekannte lebende oder tote Mitmenschen als
drückende, quälende Personen, welche „dru-
cken gehen" (b. d ), im Traume geschaut
werden. (Nach Golther 74 u. Laistner, Rätsel der
Sphinx, entwickelte sich ans diesem Alpdrucke
(Alptraum] die Alpsage, die Vorstellung der Scclen-
wanderung und die ganze, niedere Mythologie.) —
Ausdruck (1321 ausstruck ----- culu«, podex, D 162),
1. = Stuhlzwang und 2. = After (Hyrtl, K. W. 14;
franz., 17. Jahrh. epresses. Brtn. 176; eprelntes =
tenesmus anl). - äj rrm -Drucken = das Koppen
der Pferde, die dabei die Zähne auf den Futter-
Barren aufdrücken. — .Brdruck (-niss) (betrieg,
wetrieg, wetrugnus, Schmeller I, 64) — das Druck-
gefühl bei einem Organe, z. B. Alpdruck, der
auf der Brust empfunden wird. — Blut -Druck
= die messbare Kraft deB vorwärts gedrängten
BluteB in den Blutgefässen. — (164*) Brust-
Drücken = Druckgefühl auf und unter der
Brunt, Magenkrampf (Coler, B. A. 116). — (1788)
entgegen- oder rm-drucken, 1 s. ruechen. —
2. es einbiegen durch Druck ohne einen Bruch,
z. B. am Schädel, zu veranlassen (1748 ; K ch. 60).
— hartes Drücken (1«1 hart drucken, Bock, Regist )
= Tenesmus, Sluhl<lrang. — f/fcAsrn-Druck ~
das Druckgefühl durch die nach dem Volks-
glauben drückende Trud (s. d.) oder Hexe (W. B
176), — fftri^uMgin. ) Drücken (1561 drucken
uiub das hertz; 1A20 Hertr.entrucken , Trifons Adl-
holzcns. 72; Bock, Ö8t; Coler, II. A. 151) Magen-
druck, Cardialgia; Magen und Herz wird oft
verwechselt (mal au wur). — (i7x"ij Zndruck;
l'ndrucken =- mundartlich entstellt aus iter-ruehen
(a. rue«-hen) (H. M. 25; Andreara). — St. Johanncs-
DrUCk (bei den Armorikonern, Du fange V, "17; drouk
sant Jann) — Epilepsie als eine veitstanzähnliche
(danse de St. Jean) Krankheitsform iß. Veits-
tanz u. Johannestanz), die man dem elbischen
Geisterdrucke zuschrieb. — ii7r>) Kopf-Druck.
— drückendes Gefühl im Kopfe s Schädel-
; drücken) — Krippen -Drücker - Krippensctzer,
j Kopper (Kalke 11, 45), — 3frt^/cn-DrUCk (Hort san.
Br. 81$) = Cardialgia, drückende Empfindung in
I der Magengrube (llerzweh), wie er z. B. durch
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102 Drude — Drüse.
Drüse.
„schwere" Speisen veranlasst wird. — (1750)
Milch- Drücken = schmerzender sog. Milchein-
schuss der Wöchnerinnen, wohei diese das Ge-
fühlhaben,alsohdieMilchdrfleke. — 11712) nächt-
lich»* Drücken = Alp (h. S. 11) IncubuB (Druck-
Deister) (zw. 121 ; l. eh. 29). — ni <<fVr- drucken
mundartlich entstellt aus Iterruchen 8. rlltchan)
(AuJresen 109). — Schädel - Drücken - Kopf-
schmerz, als ob der Schädel Kerbrechen wollte
(Kopfbrechen) (Z. d. V. f. V. K. 1894. S. 192). —
Schrä fMe-Druck - das Druckerle (s. d ; (Meyer
171). — (1500) Stuhlqai : Druc kung (druckung zu
st8lgnng) ~ Tenesmus, Stuhlzwang (Puchs I, 313).
TViui-Drücken =- Alpdruck (S. 11 für Urenner-
Schaffer; Stubenvolt 17.r.); s. auch Tru<i und Druck-
geister. - imf er- drückte Hautausschlage (Sobern-
heim 16.'i! , -Fussehweisse (IST.'., Müller, Krtrl.ch. 107);
-Schweisse (Sobernheim 1G">>; -Tripper (Pr. II. ii61).
Man stellte sich bislang ft*i» aut Munter, 1728-1793)
vor, Jass gewisse Hüsse, Hautausschlage (Im-
petigo) u. Fussch weisse, normale, d h. fürdie Ge-
sundheit notwend. Frscheinungen seien, deren
gewaltsame, bezw. durch Ärztliche Mittel herbei-
geführte Verdrängung (Supprepsio) zu anderen
Krankheiten führen müsse. — tvr-drucken = et-
was unter drängendem Drucke zugrunde richten,
z. B. durch einen Abortus die Frucht; fr:.. Jahrb.
gebort verdrucken. D. 4). — Druck- drück' «'/»)
Blattern, -Brand, -lieber, -Männrhen, -Punkt.
Drude, f. s. Trude.
drücken s. Druck.
drüben — gedeihen (Aargau; RoctaholU, Zoitachr,
f. d. Mylhol. IV, 110), s. trüben.
Drüse, f. (Drus , Druse, Drüslein), Droese
(udd. ; die ursprüngliche Bedeutung war nach ür. W.
II, I4j8 — schmutzige, schmierige, abgesonderte Kcueh-
tlgkelt am Grunde, wie Eiter, Drüseninhalt und der-
Klefcben, auch Schweinefutter, Z. d. V. I. V. K.. 1890.
301; ahd. tror — cruor. tro«neh — facecs. trusana, dru-
slna. druse, Hefe. Graff V, MB ff.; truosana, tniose =
ttirtarus vinl, I). 671; dro«, druos, druosl - Glandula;
9. Jnlirli. droos = glandula. Rab. Maur. ; »'. v. »ehm. .'.14 ;
dazu ,,druos"-u urz - millcmorbla, D. 3CI { Scrophu-
lurlti nodosa, Itanuneulns bulttosus, Koland .'i2; Jes«eti
36SJ; druoselin glandula, tonsilla, I). 2*4, 687; druos
= Blandes, II. Z. XVI, 73; truos glandulum, H. Z.
XV. 3<iO; dr.'><lli - glandula. II. Z. XV, 310; rtrös «laus,
H. Z. III, 36S ff.; drösclln as glandula, IL Z. III, 308;
11. Jahrh. dröz = glans, II. Z III ; 12. Jahrh. druse =
Glandula, rfelffer H; mnd. de dro«e — Halsdrüsen.
Maul«t. Barth. 89a; mhd. druos, druos«» , ilrüese (daher
die Nebenform „Druse", s. u.], dniosene f. — faccus,
Hefe, Hoffn. I, 163; 14. Jahrh. truosen, druosi glan-
iluln. Voc. oii. W. 11. 40; Mul >lroesen = Pestbeulen,
Lorsch Kit; IMS tran lerofttU, Gr. W. II, 146» ; 1470
druse = Klans; Gr. W. II. 14'»8; 1177 druysse — Klans,
D. 261 ; 16. Jahrh. drusse = Inpuinaria, trijsc. tricsclln
— iflanduU; trlcs« - Klans ; drue.s truosc - apostema,
D. IL 29S. 637. 641; 1613 triesen m totes, I>. 686; 161t
druess r paiinns. I>. lin.i *odrus«, II. Sachs; ir>90tnMMn
— Krtietzeu an sewen (Kinnen'') . I». 2*U ; «Irucss —
paunus, D.410; 1*09 das Drüss, fimir 1131. 17i. 3 „Drusen
sind Teile unseres K'>rpers, in welchen ltevondere
Keuchtißkeltcn abKesondert werden oder präpariert und
zum Blute wieder KCbracht werden", Plattier I, 229;
Bayern Drues (altere Sprache]; Schweiz trussa, Gr.W. II,
1458 ; Dreisen = Drüsen ; werden besprochen ; Z f ö.V.-K.
1896.166!. -Vorder sicheruraltcn Bezeichnung „Drüse"
( = eigentlicher Inhalt der Druse, s. o ) mag da« in alt-
heidnischen Segensformeln auftretende kyrnlll — Ker-
nel. Kern (s. d ', das korulK sieh anfühlende Äus«eru
der Druse, die BezelchnuiiK gewesen sein (IL Z. XIII.
S. 194! für Druse, die selbst wieder als Sitz eine» da-
inonenhaften Wichtes besprochen wurde darum . gehen
sie (auch) aus" b entleeren sich wie der Kern einer
Frucht; die gesunden Drusen werden nochKernl [«. d.]
in der Schweiz genannt (Gr. W. II, 1458). — Die
Drüse, l.=ein eichelförmiger, weicher Teil am
menschlichen oder tierischen Körper; (als Cbcr-
setzun« der glans und glandnla ; - Eiche, Eichel; der
alten Schriftsteller; 1470 glans - ein druse; Iis.» druss
— glans, Zeniug. Vor. f. 3). — 2. = die geschwol-
leneu und harten, grösseren und kleineren
Lymph- Drüsen, die meist erst durch Anschwel-
lung dem Laien ihre Existenz bekunden. —
Die Drüsen (anatom.) = Einfache oder zu-
sammengesetzte Organe zur Bereitung von
Flüssigkeiten, die abgesondert weiden, von
hautiger, schlauchförmiger oder bläschen-
förmiger Elementarbildung" (Hyrtl, Anat. 216).
— „Die alte Medizin hatte die rohe Ansicht, dass
diese Absonderung der Drüsen nur eine Art von Scih-
ungs i'roz. ss eine Kegung ein« PUtXUH| KU tUm Biete
sei, in dem letzteren seien alle Sekrete (Ja fast alle Ge-
danken schon) bereits praformiert vorhanden" (Hyrtl,
I. codi. Daher auch die I.ymph Drusen Feger (s, d.) und
Putzer [«. d.) heis»en. An 3 Orten waren nach dieser
Anschauung diu reinlgeudeu Samtnel-Selher, Emunc-
toria. hauptsaehlieh von der Natur angebracht : a) vom
(iehirn, dem Sitze des Geistes, das selbst als eine Druse
galt, herab zu den Ohren ; daher hat man es „faustdick
hinter den Ohren" (s. dick) ; hl von den geistigen Glie-
dern (Blut, Herz, Lunge; unter den Armen ; o) an den
Beinen (Leisten, Reihen) von den führenden, spei-
senden Gliedern. Leber. Darm, von der Milz und den
Nieren. — Man hat, bekommt Drüsen, leidet
an Drüsen, wird von Drüsen befreit, drtistsich
ausdurchden Abgang von Eiter aus den Lymph-
DrOsenabsecssen (Gr. W. II, 1161; Colcr, Schw. 4*0);
die gesunde Drüse, welche nicht nach aussen se-
cerniert unddiedem Volke nur beim Schlachten
zur Kenntnis kommt, heisst Kern (s. d. u. o.).
.) - die solchen, meist eiternden, krankhaften
Dni8enschwellun^en(2)ahnlichenGe8chwülste
wie Beulen, Geschwäre, selbst Knochen- Frass
(KoenlgIII,6C2; Rheinprovinz) etc. u. zwar vor allem :
a) die Pestbeulen (böse Drosen) U V — 17 Jahrb. bei
Luther, Aventin etc ,Gr.W. II, 1468 ff „ Schmellerl, r*tf) ;
damit auch b) b die Festki ankiieit | Beulenpest)
selbst (namentlich luVerwuuschungsformeln (Gr. W. II,
II. V», Sebmeller I, >69, Heyne I, f.12); c) die Blattern
(1472trusen, Gr. W.II. 14.">S; HU« drusz, Gr. W. 1. cod.);
d) Beulen von Stockschiugen (Gr. W. 1. cod.), weil
as „.Scliwellung" («wcl. Zen. Voc. f. 3,- (Drüse 2);
e) Fingerwurm (Aargau (Brngger BanptbüehlolD,
Zeitschr. f.d. Mylhol. IV, 133); Q Apostema (1419
drues, «;r. W. II, ll.'i»; Schmeller I, 669 ; 1470 ein druze.
(ir. W. II, 1468; 14S2 dru»s, truss -. apostema, Zeniug.
Voc f. 3 lih 'j. - piee, bläh, Schw. 166} als Geschwar
mit Schwellung (vergl. KehUlrüse subd); g) un-
reife, noch nicht entleerte Gesch witre von drü-
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Drüse.
Drüse.
103
sichten Teilen (a.t.h.I, 1108), sog. Pannus ( = Ge-
sehwnlst); h) die Marissen (s. d.), Marissae,
Mariacae der älteren Autoren = Feigwarzen, Fi-
cus.Malum fici (DuCange) = Condylomata (A-. t.H.
II. 503) ala exta prominentia (auch Druse der
Pferde ; i) druess, trucss — an gl na tonsillaris, toles,
P. M. 6»6; ala Mandeldrüsen- Abseess. — 4. = Von
den äusserlich sichtbaren und krankhaft secer-
nierenden LymphdrÜBen(s. Scrofulosis}i8t durch
die Arzte und Anatomen die Bezeichnung über-
tragen auf andere Sekretions- (Drüsen-) Gebilde
(Milchdrüsen z. B.); ferner spezialsiert als Drüse
= a) Briest*. <J : 8chw. 153, und dorse, Hyrtl, K. W. 33.
203 = draose) = Pankreas, Wampen Bries (Baueh-
bries ; b) Mandel (Tonsilla) ; c) Hcrofulöse Hals-
drüsen und d) schliesslich — Ziegen-Euter, Auter
(II. Sachs' (vergl. u. hangdrüsslat). — 5. = die
schon erwähnte Druse der Pferde iBt identisch
mit „Drüse" und nur eine Nebenform der (mbd.)
letzteren mit spezialisierter Bedeutung (Klugeeo),
weil sie mit kropfähnlichen Drüsen-Anschwel-
lungen am Halse einhergeht ( = Scrophula equlna,
Falke II, 308; engl, strängte*); a gutartige Drusen
= Rhinitis catarrbalis, Kehlsucht >1A93 drusen
[namentlich bei Fohlen] „Kröpfen", Ct. W. V, 2401;
Z. Hdb. d. tp. Palh. u. Ther. UI, 425 ; Forstor II, 334 ;
b) bösartige oder falsche Druse = Rotz (s. d.),
Wurm (s. d.}, verursacht durch den Drusen-
Coccus (Or. W. II, 14.5$; Sehw. 155). Hiegegen wurden
gebraucht : a) die verschiedenen Drus Würzen (ahd.
druoswnrz, Graff I, 1051; Jessen 96. 36S; mhd. drus
wurz[l'by*lcad.h. Hildegard]), sowie b) wie bei allen alt-
bekannten Krankhelten, die Uesprcchungsworte (14.
Jahrb., Holtmann, Monatschr. f. Schlesien 1829, II, 763).
— Ich stehe auf Druse = ein Kavalleristen- Aus-
druck für: ich steheaufdemPunkte,eineGrippe
(Druse) oder einen Schnupfen zu haben (Schräder
6"). — drüsig = drosenähnlich oder voll Drüsen.
Die grosse Anzahl Ton SpezlaldrüsenNamen spricht für
den echt deutschen Fiel*« der Anatomen Im 16. Jahrh.
— (1761) 7 -Drüsen = Lymphdrüsen in der
Achselhöhle iL. ch. 37). — Augen -Drusen {Gr. w.
i. mW) = Caruncula lacrimalis, ein Talgdrüsen-
Haufen am Augenwinkel. — au artende Druse
= eine Druse mit Komplikationen oder sogen.
Metastasen, abnorm verlaufende Druse (Falke I,
220). — Backenzahn Druse - die mit der Caries
Her unteren Backenzähne anschwellenden Unter-
kiefer-Lymph-Drüsen. — !• i w /.■-Drüsein'i, 1. =
die tuberkulösen meseraischen Drüsen- An-
schwellungen im Bauche. — 2. = Tabes me-
Beraica als Krankheit mit solchen Drüsen (1).
— 8. — Pankreas (Wampen liries, gr. Magen-
drflse, Krösdrüse, Gekiösdrüse). — bedenkliche
Druse ■ eine chronische, durch «las lange
Hinziehen der Krankheit bösartige und ge-
fährlich erscheinende Pferde- Druse (5) (Forster
II, 334). — JSfottcr-Druse-eine Druse (5) mit
Bläschen auf der Uppen- und Nasenschleim-
haut der Pferde. — filu ' Drusen - jene Drü-
sen (Thymus, Thyreoidea, Milz, Neben-
nieren), denen man eine besondere Beteiligung
an dem Blutbildungsprozesse (Bildung und Zer-
störung der roten Blutkörperchen) zuschrieb
(Ranke, Pbyilolog. \ S. 417). - böse Drüsen (1344
ejra bosc druse - scropba, scrolula, glandula, D. 621;
1477; Ortolph), 1. = bösartige, eiternde skrofulöse
Drüsengeschwäre. — 2. = Pestdrüsen in den
Lenden, Achseln und Waden ((bei Luther; Gr. w.
II, 249). — 3. = die Pferde-Druse mit schweren
Komplikationen, z. B. Lungenentzündung (Herbst
137). — Brand-, brandige Druse = Nasendiph-
therie (brandiger Strängel, Streptococus equi)
mit brandigem Zerfall (beim Pferde), mit
der Pferde- Druse wegen der örtlichkeit ver-
wechselt (Forster II, 334 ; Falke I, 148)- — Brust-
Druse. 1. — (1740) Thymus, Bries (Kulmus no),
das beim Kalbe, Lamm unter dem Halse, z. T.
in der Brust liegt (Kalbsmilch), Milchdrüse
(Gr. W. II, 1458; A. v. H. H, 715; Levcllng 269). —
2. = Mamma (weibliche) = Milchdrüse (s. d.).
— 3. Lymphdrüsen in der Brusthöhle (Falke I;.
— (i6«6j Darm -Drüsen, -Drüslein, 1. = die
kleinen Anschwellungen der mesaraischen Drü-
sen. — 2. = die Schleimhautdrüsen des Ge-
därms (Gr. w. n, 78D. — (1793) DroMcZ-Drüsen
= die in der Drosselgegend liegenden Lymph-
drüsen, Glaudulae jugulares (Gr. w. II, 1437) —
Eichel - Drüsen — die das Smegma praeputii
liefernden Talgdrüsen, Glandulae penis (Gr. W.
in, 79). — falsche Druse s. Druse 5 b (= bastard
strangles; engl ). — (1796) Feifei- Drüsen = die
beim Feifei (s. d.) angeschwollenen Halslymph-
drüsen des Pferdes (AbUg. 71). — Ferklein-
Drüsen — Übersetzung derScrofulae s. glandu-
larum colli inturaescentia (s. Skrofeln) (Zw. 505.
765 ; su» scrota = das Schwein ; scrolula — das Fcrklein).
— Fett- Drüse ■ die Bürzel- oder Steiss-Drüse
«ler Vögel (Gr. W. III, 1573). — (1783) Fliemcasser-
Drüsen = die Lymphdrüsen, die das aus den
Geweben fliessende Wasser sammeln (Levellng
245) (Drüse 6a). — Füllen- Druse = ein bei
Fohlen häufiger beobachteter Strängel (s. d.)
infolge des KettenpilzeB Streptococcus equi. —
(1793) r;,..f/,7i- Drüse = Glandula biliosa (Gr. \v.
IV,l. 1191), eine mit der Anschwellung derGallen
(s. d) beim Pferde bemerkbare consensuelle
Lymphdrüsen-Anschwellg. — (isi2) Ganaschen-
Drüsen — bei der Branddruse angeschwollene
Lymphdrüsen hinter den Ganaschen (Falke I,
148). — (169») Gans-, Gäns-Drüsen, -Drüslein =
die Hautsehmeerdrüsen, deren Verstopfung die
Finnen (Akne) der Haut macht; diese Finnen
(s. d.) verglich man mit den Federsloppen auf
der Gänsehaut (v. M. II, 122 123}. — Gaumen-
Drüse ~ Mandel. — GrVi-Drüsen = durch weite
Fusstouren veranlasste consensuelle Anschwel-
lung der Leisten - Lymphdrüsen. — Gckros-
Drüse, I. = (1740) Pankreas ■ Wampenbries,
obwohl es eigentlich nicht im Gekröse liegt
(A. v. II. I, 212; Kulmus, Register). — 2. — das Pan-
ercas Aselli, der Komplex von den zwischen
den Platten des Gekröses (Mesenterium * liegen-
den mesaraischen Drüsen (Hyrtl, K. W. 99) —
Gelenk - Drüsen = die Schleim secernierenden
Schleimbeutel an den Gelenken, die man früher
für Drüsengebilde annahm (Anten rietb. S75). —
öi//-DrÜ8en, l.=(bel .Schlangen) die Gift pro-
duzierenden Drüsen (Samuel 343; BolUnger in Z.
Hdbch. III, 598). — 2. = Pesttlrü-en, die den Pest-
eiter enthalten. — (1507) gross? Drüsen - syphi-
litische Feigwarzen (fr. I, 366) gegenüber den
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104 Drüse.
kleinen spitzigen, nicht syphilitischen Condy-
lomen. — U«76) Gut ■ /(/-Drüslein = Uvula, da
Zäpfchen und Kehldeckel früher als drüsige
Organe angesehen wurden (Hyrtl, K. w. 21) (siehe
Auf)- — Hab(g) (Hag-, Hege-, Hay-, Hei-, Heid-,
Hog-, Har-) Drüsen (ahd. hogdrusi, Glos». Komm,
Llndebrog, C. v. Scbm. 2'3; 9. Jnhrh. hegadruosl =
Inquen, verenda, pudenda, Mon. Glos*. ; <;rafl V, 263 ff. ;
heldrose -- Ingulna, pudenda, II Z. III, 368 ; hegedrnse,
II. Z. VI, 387; hegedrösa — inirulna, pudenda corporis,
H. Z. XV, 341 i 11. Jahrb. hegedröa = ingulna, pudenda,
H. Z. III; hegednios = Schamselte, Hoffm. I, 875;
18. — 14. Jahrh. hage-, hege-drose. Hyrtl, K. W. 80; H29
hardruci — Inquen, D. 298; H70 hegedmss = Driis-
Sncht, Gr W. II. 1463, ; helddnwe =- paradiota [pnrotltl*],
I). 411 ; 1176 heldrues = Parotitis, D. III ; 1482 haydruss,
hegtruss, herkdriiRR, heydruss — tcstlculus, D. 681;
Zening. Voc. nS, 12, o 2; 15. Jahrh. haghedros =
jugulum; hegeilruse = authrnx ;bubo?], I_>. 39. 311; l.VX)
hagdrüsen, Adelung, I'estllenzbuch ; IUI hagdrossen,
H. v. Gend. 78, 1529 hegerdruegen, Paracels. ; 16. bis
17. Jahr, nag- oder heydruesen, hel-drose = bubo, Ilyrtl.
K. \V. 80; D. 83; Coler, II. A. 142; 1742 hagedrost [dross],
Zw. 120; ndd. hagedroesen — Halsdrüsen, Goldschm. 89),
\. = Hoden, mannliche Zeugungsteile (c. Schm.
2..3) (vergl. ohen unter nhd.), „weil der Hude als
ZeugungsdrOse, als Heckedrüse, Ausbrütungs-
drOse angenommen wurde" (?) (nach Hyrtl (1. c]
u. Kluge). Diese Erklärung stimmt weder be-
grifflich noch lautlich; es ist vielmehr wahr-
scheinlich, dassdie durch Infektion krankhaften
Ijtusten-Drüsen (Inguinarin, Verenila, Puden-
da), die geheim und versteckt im Schosse,
unterm Bruch (Kleid) gehalten wurden (Sehoss-
beulen, Hejjdrüsen), ihren ahd. Namen 2) auf
die ganze kranke Umgebung, die sog. Gemachte
übertrugen, und so auch der Hode (vergl. sub
Ehren) zu den Hege- Drusen gerechnet wurde;
dass es auch in ahd. Zeiten bereits Infektions-
krankheiten der Genitalien („geheimer Ort")
gegeben habe, die zu Drüsen- Anschwellungen,
zur Drüsen-Sucht (s. d.) führten, ist nicht bloss
inOglich, sondern durch Kusenbaum u. Prokseh
zur Genüge nachgewiesen. Die LmtVn-Drüsen
galten nun als die Emunctoria, d. h. Sammel-
drüsen für die Materien aus dem Hauche, die
dort ausgesickert wurden, weshalb sie bei den
Infektionskrankheiten (Pest z. P>.) besonders
aufKesucht wurden zur Diagnose: „Hab(g)druss,
quaedam pestis circa genitalia" (Lues venera)
(Behaellei I, 1028). — 3. - auch andere versteckte
Drüsen worden zn Heu- Drüsen: a) Achsel-
drüsen; b) die Thymus-Drüse = innere Drüse
(s. d.) (Hjrrtl, K. W. 80); c) versteckte kleine Hals-
drflsen (Serofula fugax); d) die Ohrspeichel-
drüse; Hyrtl bringt sto etymologisch in glaudula,
thymus, Thymlandni.o n oder Heide kmut llmisehen
= Heiddrüs« = Hcldnisc (?), wilde Warze. Dm die
Hegedrusen ~ (Samen ausheckende Hrnt,,drüsen")
Hoden selcu (Kluge* 169), Ist ein aus der neueren
SchulmedUln abgeleiteter Hegriff der Drüsen, der Im
nhd norh nicht gegeben war, Im nhd l*t , I'ruse" nur
die pathologisch secernlerende I»ni»c fs. o.); als solche
können damals nur die erkrankten, mit den Genitalien
in Verbindung stehenden, bei Schanker und Syphilis
mitafficierten Leistendrüsen angenommen werden;
Drüse.
| weiterhin und »p»ter allerding« dann auch die «o er-
krankten noden. — 4. = auch Bluteisslein (an
den Genitalien) hicssen Hegedrüsen (Zw. 120).
— Hals Drusen (1561) haUztrusen , Gr. W. IV. 2.
259), 1. — Mandeln, Tonsillen, die aber nicht am
Halse sind (Gr. w. II, 1458), sondern im Halse.
— 2. = Schilddrüse, Kropf (Hyrtl, K. W. 90), —
(1.-.60) hang - drüsslet (H. Sachs) = mit Hflnge-
Drüsen versehen, d. h. mit hangendem Euter
(Gr. w. iv, 2. 437). — Ham -Drüsen = Nieren
I (s. d.). — (1559) harte Drüsen („unter der ueehsen
und oberhalb de« tchenkela") = Achsel- u. Leisten-
Lymphdrüsen -Verhärtung (Gr. W. VI, 1405). —
(16*6) Haupt -Drüsen, 1. = Parotis, die gesunde
Ohrspeicheldrüse, als die grösste Drüse am
Kopfe (Gr. w. IV, 610; vii, 1253). — 2. = Parotitis
= M titns als geschwollene Drüse (Drüse 2)
(A. v H. i, 1109). — /f><7rr-Drtisen s. Hagdrüsen.
— (K,oi) UeU - Drüsen \ßbh. um - Blatt] - die
Hoden als glatte, heile Drüsen (Hyrtl, K. W. 84)
oder wohl richtiger Drüsen, die beim Kastrieren
geschuitten werden, zu: heilen 2 = kastrieren
(Scbmeller I, 1077 [». d.]; die Annahme, dass Heildriisen
eine Entartung des Wortes Heidrüsen sei, Or. W. IV,
2. 823, fallt ohnebin weg, da der Volksmund lieber
ein auslautendes 1 weglilsst als hinzufügt. Heil [Schw ell]
= Hoden, Kluge 170). — herumschtceifendeDrase =
wandernde Druse Talke I, 220). — J/rrr-DrÜse
(15. Jahrh. druse umb da* hertze, D. 41) — Apostetna
(s. Drüse 3 f.) — Brust- oder Herzgeschwar. —
(1632) Hochbalg -Drüsen (Hyrtl, K. W. fi7) - Hoden,
dte unlerm Hoch balg (s. d.) liegen. — Hüft-
Drüse = Lymphdrüse in der Hüft- oder Leisten-
gegend (Gr. \V. IV, 2. 1871). — (16. Jahrh.) innere
Drüse '1528 strophula, EL v. (iersd. luO, 15. Jahrh.
' inner truese — scroffula, I). 644), 1. = die skrofulösen,
| konstitutionellen Drüsen, die inwendigen kran-
ken Lymphdrüsen. — 2. — innere Brust-Drüse
■Thymusdrüse (Hyrtl, K \v. *o ff.) als Hegedrüse
(s. o.). — /nscVififf-Drüsen, 1 = Glandulae seha-
I ceae (Talgdrüsen), „die einen talgigen, unsciditt-
! artigen Saft haben" [A. v. EL II, 714). — 8. =
I Steatoma (Tabernnem .). — [15, Jahrh.) inwendige
Drüsen — innere, skrofulöse, konstitutioneile
Drüsen (H, 7. XX. 24). — (1681) italienische Drüsen
— syphilitische Driisenaiisehwellungen (Heyne I,
612), (mal de Naples, s. Franzosen). — Ktilber-
Drüse- Thymus des Kalbes, Bries, Kalbsmilch
I (auch untere Kehldrüse' (Gr. w. IT, I4S; v, .v.J. —
Ä"c/l/-DrÜSe (15. Jahrh. kiiel.lruoz. keldnis. r;r. \S . V,
3".t*>; 1515 keledrn« eytinnelie, I». - «Ii« Drüsen
au der Kehle: a) Kropf, als obere Kehldriiso,
Schilddrüse (Hyrtl, K. w. «w, Löveling 20s); b) die
Drosseldrüsen, Glandulae jugulares, in «I. Kehl-
kopf-Gegend; < ) Thymus = untere Kehldrüse
(Ilyrtl, K \v. '.io weisse Drüse; ; d) die Kehlsucht
(s d.), <>in (Jeschwitr in «1er Kehle, Anschwel-
lung an der Kehle Oynanche (Squinantia) =
Apuslema gutturis et uvulae t(<r. \\. V, 390. —
Krim- Drüse Hoden, der den Samen oder
Keim zu einem neuen Wesen liefert (auch Eier-
stock) (Klelnpaul, d. Mittelalter 606). — Kinnbacken-
Drüse = Glandula submaxilhw i«. — Äo/>/'DrÜse
= Haupt-Drüse (s. o.). — A'ms-Drüse - (iekrOs-
driise (s. o.), Pankreas (Gr. w V, 2tos; Hyrtl, K. w.).
— Kropf-Drüse, 1. = Schilddrüse (Struma). —
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Drüso.
Drüse.
105
2. » jede kropfige, kropfartig geschwollene,
strnmöae Drüssenbeule (Gr. *'. V, 2100). — Leber-
Drüsen, 1. = Leberlymphdrüsen (Hyrtl. Anat. 69;
r.r. w. vi, 462). — 2. = e. nachf. Leisten-Drüsen
der austreibende Ort. der Ablajrerunfrsrlatz der in der
1-eber erzeugten Cholera nach früherer Anschauunp, die
Emunctnria hepatiR, Haeser IT, 202; l roto Cholera) =
die Lymphdrüsen der Leistengegend. — Lungen-
Drüsen (Sobernheim 131; Gr. W. VI, 1304; Hyrtl,
Anat. 965) = die 20—30 Bronchialdrüsen, die
hautig verkalken od. tuberkulös infiltriert sind.
— Lymph- Drüsen ■ drüsenartige Anschwel-
lungen, die aus erweiterten Lymphgefässen
bestehen, in welchen die Lymphzellen oder
weissen Blutkörperchen gebildet werden. —
1 7*3) /ympAarwcAc Drüsen iPlatnerl, 102) •= Drüsen-
Anschwellungen, die durch verdickten Nah-
rungssaft ( = Lymphe) entstehen sollten. — fison)
(«rosse) Magen- Drüse = Pankreas (Gr W. vm,
1372 ; VI, 1139; Falke II, 91; Bell IV, 129). fl. Baueh-
drflse etc. = drüsichter Körper (s. d.). — Mandel-
Drüsen, 1. = die Mandeln (s. d.) im Halse. —
2. = die Halt- braune (s. d.), auf den Mandeln
sitzend (Gr. W. vi, I5«ß). — Jj^jf**8 } Drüsen,
1. (18. Jahrh.) (in der Gebarmutter) = Cotyle-
dones, Chorionzotten (Kran», f.. 2-3, Hyrtl, k. w.
183), die man als Drüsen ansah, die mit den
Milchdrüsen in Verbindung stehen sollten
(Mutterdrüsen). — 2. = (1782) Thymusdrüse
wegen der milchahnl. Gewebsfarbe - Lactes
der Kömer (Hyrtl. K. Vf.). — 3. =-• Brustdrüse
| Mamma). — 4. - (1802] alle einen milchähnlichen
Saft bereitenden Lymphdrüsen (Schilddrüse)
vutenrieth 380). — Mu ttet Drüsen - die drüsen-
artigen Krhöhungen an der äusseren Frucht-
haut (Cotyledones) (Gr. w VI, 281.1] — Milch-
drüsen 1 (s. <!.). — A'orrcn-Drüse = Feibel (s. d.)
(Gr. W. III, 1432; VII, 3To) (durch den Schelm oder
Kobold veranlasste) Halsdrüsen hei Pferden.
— Ol - Drüse - Fettdrüse, Bürzel (9. d.). —
0/ir«i-DrÜse, 1. — dieOhrspeicheldrüse, Parotis.
2. =die Entzündg. derselben, Parotitis (Drüse 2)
— Haupt- oder Kopfdrüse (1482 „dniss bey den
Oreu vulgär, buel; Kuki-1 die- in dorn or oder dabey
»rechst ; Kugel dir in dem mund weehst [|>nnnllotti
parroHda'. D. 411; A. v. II. 1, 1109. Gr. W VII. 1238).
— (I020) Pe$t-, {Pestilenz-} Drüsen, 1 = Pest-
beule, die in den Lymphdrüsen der Leisten-,
Achsel-, und Nacken-Gegend sich bei dei Pesti-
lenz zeigen; (l«20> Pest-Bubonen (Dr. Minderer;
iSr. W VII, 1874). — 2. = Anthrax- oder .Milz-
brand-Karbunkel (\. v. 11. I, 101). — Pockcn-
Druseu — eiternde Lymphdrüsen - Anschwel-
lungen hei den Pocken (Variola) (Kalke II, 21«»).
— li> •!•' Drüsen fl"'- Tahfb. droeseu die zuo den
tn-yn [Gen'lhen] plsent [weisen] tntrulna, l>. 298) —
Leistendrüsen. — (1748) flöte- Drüse, L = die
schleimbereitenden Drüsen der Naseusehleiut-
haut. — 2. =• die sympath. -infektiöse Drüsen-
Anschwellung am Hals und Unterkiefer beim
Pfcrde-Kotz (K. a. H2). — Samen-Drüsen, 1. -
Hoden und Samenblaschen. — 2. — Prostata,
Vorntehe-Drtise (die teste* minore« des C. Varnlius,
Myrti, k. w. loo). — ScAam-Drtisen Ilegdrüsen
«cliw. !.>'.) in der Schamgegend. — (17M) Schild-
Drtise = Glandula thyreoidea auf dem sohild-
I förmigen Knorpel aufliegend (,\. v. n. II. 716). —
(1632) ScMimm -Drtislein = Zirbeldrüse (s. d.),
die den Gohirnschlamm (Wust) ausführen sollte
(n>-rtl, K. w. 45), Glandula pituitaria = Schleim-
drüse. — ;i;;.il SrWcim-Drüse, 1. = die Drüsen
der Schleimhäute, Crvptae mucosae (a. t. n. II.
693). — 2. = die Glandula pituitaria, welche den
Gehirnschleim ( = Schlammdrüse, s. d ) abführen
sollte (1561; Hyrtl, K. W. 48). — 3. bei Hippokrate«
ist das Gehirn eine schwammige Schleimdrüse , die
ihren „Wust" {*. d.j in den Ohrdrüsen deponieren sollte.
— Schmier Drusen = die den sogen, weihlichen
Samen der Alten liefernden Glandulae Bartho-
lini lUnas 311.1. — M*2i ScAirW/Drttse (*wel, swel-
druM; altsitchs, sweldrfi» — apostema, D. 41 ; Zeninir.
Voc. K 8) = jede Drüse, die geschwollen ist und
[ Eiter enthalt. — (1881) Speck-DrÜBen = skrofu-
I löse Drüsen mit nnschlittähnlichem, käsigen
I Inhalte (Tabcmacm.\ — SpcicÄW-Drtisen = die
Speichel erzeugenden Drüsen. — Srrin-Druse
= veraltete, harte Drüsenanschwellungen beim
Pferderotz, verdächtige Druse, weil sie Rotzgift
noch enthalten können [Falke, II, 3S8) (s. Stein-
kropf, Stoinrotz). — (1*87) S' w Drüsen = die
Pest- oder Giftbeulen, die nahezu sicheren Tod
anzeigten (I.«inch8U; Gr. W II. 14.9; VIII, 1289; bibl.
XMUk. 432'. (s. Totenbruch). — (1721) Stockzahn-
DrÜsen — Unterkiefer-Speicheldrüsen (A. v. H.
II. 7U9J . die mit dem Erscheinen des Stockzahnes
anschwellen (neisterj. — Talg-Drüsen = Glan-
dulae sebaceae - Unschlittdrüsen (A. v. II. II,
714). — Traurigkeits-Drüse = Thränendrüse, die
bei Trauer funktioniert (Hyrtl, K. W. 168. 189). —
Cnschlitt- Drüse = Steatoma (Tabemaem.), ein
drttsenäbnlicher Cystenbalg mit talgähnlichem
Inhalte. — r/MfrWct'fcs-Drtisen = FerkeldrüBen
(s. d), Scrofulosis s. Tuberculosis mesaraiea,
Tabes mesaraiea. — verdächtige Druse = eine
Druse (4) beim Pferde, die Verdacht auf In-
fektion mit Rotz- (s. d.) Gift macht (Förster II,
384; Mayer 158). — (1842) verschlagene Druse -
eine Druse (4) beim Pferde mit sekundären
Metastasen ^Versetzungen) und Fiterbildiingen
in inneren Organen (Förster II, 334; Falke I, 220).
— verst'xktc Druse = eine latente Pferdedruse,
die bei StotTwechselerhöhung erst hervortritt
(Mayer 1A9). — (178*1 Vorder-, Vorst eh(er) -Drüse
^ Prostata, das drüsige tiebilde, das vor der
Harnblase sich beiludet (Stoll; Plenk, Zerpl. 296;
J. P. Krank V, 147 ; 16. Jiilirh [('(.er» d. Par« ] die inisslin
proRUta«, Fr. II, 232. 4A0). — M'acAA-Drtisen, 1. =
zur Zeil des Wachstums konsensuell anschwel-
lende Lymphdrüsen der Kniebeuge und Leisten
(Widergitnge oder Wachsbeulen) (A. v n. I, 241).
2. der Schmerz in der Leistengegend bei wach-
senden Knaben. — (1*12) iranrfcrmtf Druse —
eine Druse (4) beim Pferde, die schubweise ver-
schiedene Lymphdrüsen befällt (Fftrster H, 884;
Falke I, 220; II, 426). — (17ü) JFaSSfr-DrÜSen =
die «las (iewebs-Wasser ^Lymphe) sammelnden
Lymphdrfls<'n (A. v. II. II, — (1801) uyisser-
fähiges Drüslein = Hypophysis cerebri; sie
sollten teils Wasser, teils Sehleim, die ihnen
durch den Gehirntrichter zugeführt werden,
aufnehmen (Hyrtl, K. w. 18). — (I7t,i) Weuhen-
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106 Drüssel— duenn.
Duepflein — duerr.
Drüse = Lymphdrüsen in der Weiche (Leiste)
iL. ch. 37). — (1632) iceisse Drüse - Thymus, die
milchweisse Killberdrttse, Bries, Brustdrflse,
Kalbsdrflse (Hyrü. K. w. 163). — (1677) Zirbel-
Drüse = Glandula pituitaria s. pinealis, auch
Schleim- = Schlammdrüse, wegen ihrer, der ge-
wirbelten, gedrehten Zirbelnuss ähnlichen Forin
(Hyrtl. K. W. 45; Gr. w. Ii, H60). — Zttt- (Zittnach-,
ZU-) Drüsen (ahd. zitdruosa Graft V, 263 O. ;
Schw. 803), 1. — konsensuell oder sympathisch
anschwellende Drüsen beim Zitterach (s. d.) =
Impetigo contagiosa (Schindler I, 549). — 2- —
Impetigo, Zitterach, Zitterrose, Zitterflechtc,
Zitterlaus, Zittermal selbst (Schw. MS; Gruft 1. c).
— Drüsen- Anschwellun(f, - Beule, • Bläülein -Blit-
tern, Darre, -Entzündung, -Fieber, -Fleisch,
-Gebrechen, -Geschwür, -Geschwülste, -Geschwur,
-Hohle, -Körper, -Krankheit, -Krebs, -Magen,
-Pest, -Saft, Sack, -Schäden, -Schanker, -Seuche,
-SfUck, -Sucht, - Verhärtung, - Wesen. — drüsicht
idrüsenhaftj = drüsen&hnlich oder au- Drüsen
bestehend. — drüsicht(e, es, er) Fleisch, Körper,
Lungensucht.
Drüssel, m. (Druschel), drüsseln (ahd. drosz;
mhd drüzzel ; 1477 drüssel, Ortolph ; 1482 trussel, drüssel,
Zoning. Voo. hh 2, q2 — Jugulum, Kehle; Druschel —
hmwl, <;r. W. Ii, H60) = die DroBsul, der Dross
(». d.) = Schlund (Schw. 154), Drüssel (Bayern). —
eich drüsseln = ersticken. — der Mar drosselt
— macht Erntickungsangst als ob er an der Kehle
drücke (<ioldschra.HH. 112). — /zWs-DrÜBsel = der
Fettwulst untorm Kinn (Doppelbarl). — Nasen-
DrÜBSel (mhd. nasedriizzel, I,exerl74) ^die Nüstern
(beim Pferde).
Dmlla = Alp (Incubus) (Meyer. Convon. I.cxtkon
i, 437) (Troll? s. d.) — Drohen- Zopf.
druss I. drissen.
Druschel, m. a. Drüssel.
Druse, f. s. Drüse,
dudern s. tutern.
dueld s. Dill.
Duelle, f. s. Doelle.
Duemkt, n. s. Daumen (Dflmechen, Daum-
chen) (Scbeible III, 68).
Duenege, f. s. Dünn.
Duenkle, f, 9. Dunkle.
duenn, Duenne, f. Dünnung, f. Dünnichen,
Dünne (urindog. tenü-s [tenuls] — der I-ange noch
ausgedehnt; genn. thunnus; altiiord. thuunz; Roth,
thunuus -- dimn; ahd tlntiä, Schlafengegend, Stirne;
dünnt - Dünne, Caas. lilosts. ; Diez 92 ; Kluge \ Rj; 1260
die tinne — Schlafe, Pfeiffer 31; im slaphcnl die tinne
bcdenthnlhen bei den nren, Pfeifler 49; mhd. dünne;
mnd. duunynghv -- Schlufegcgcnd, MauNt. Kurth. 86b;
14. Jahrh. lunne, Ünn = tempus, D. 577 ; Voc. opt. W, j
IUI dununge- timpora, D. 584; 1812 tynne, dynne-
Stlrnbrcltc, Zenlng. Voc, ggö; dunig tiinpor», I). 58*;
In. Jahrh. Uniin, dünne, Gr. \V. V, 3318; 1 >17 dunlnge
— timpora, D. 5*4 ; 1589 tynen — Schlafe [Werdcnfcbt] ;
1749 das Dünne ■ Wetcbengegend, Z. f. d. Ph XXVI.
239; 1793 Dünnting. Gr. W. II, 15&7 ; ndd. dünnjen =
Schläfe, Ooldachm, 9C) — das Gedehnte, .Schmale,
1. — die Weiche des oberen Hauches, Bcgio hypo-
' chondriaca, wo der Leib mangels der ganzen
Rippen weicher, linder (s. Inende) dünner wird
(dunnc under den reiben ; daz donne under den reben
= hypochondria. dlaphragma, Rippenweiche, Hyrü.
K W 120. 159; Schnieller I, 195; I). 179. 276, Gr. W.
FI, 1557; Ltvaling 324) ; a) beim Menschen = Mittel-
bauch, Taille, Knappe, selbstdie Leistengegend
(die Dünnichen, Pr. Ii, 295); b) bei Schlachttieren :
Bauchschlampe. — 2 = die Schlafegegend und
der Schlafeteil derStirne beim Menschen, Breit-
seite der Stirne, die Dünne der Wangen (Or. w.
II. 1554; Ortolf 23) wo der Schädel schmaler wird.
— Dünnung = der Zustand des Dünnwerdens,
der Ort der Dünne, 1 . = die Seitenteiledes oberen
Schmerbauches (Kulmus 20 ; bibl. Med. 89; Hyrtl.
K. W 120). — 2. = Mittelbauch. — 3 = Schlafe-
gegend. — 4. = Schwangerschaft (Gr. w. II, 1554).
6. = der dünne weiche Stuhlgang, Durchfall,
fluidapas8ioege8tionis(Gr. W.j 1260von dertrockne
wird ein J «glich dingschmal oder dünne, PfeifTer21); die
feuchten Entleerungen machen den Körper tro-
ckener u. dünner. — Ha up u Dünnung (1*. Jahrb.,
D. 584) = Dünne 2. — (1880) Ferdünnerung = Fett-
abnahme mit auffallender Verkleinerung des
Umfantres der Körperteile (Stein) (s. o.). — Wan-
ffot-Dünnnng (mnd de dunyngbe der wanghen,
Magist, Barth. 886) = Tempora, die Stelle, wo die
Wangen autfallend dünner werden , Schlftfe-
gegend. — Dünne, (er) -.-IrscA-, -Backe, -Bauch,
■ Bein, -Darm, Fell, -Fleisch, -Hals, -Haut, -Leib,
■Marter, Nase, -Öffnung, -Rippe, -Scheiss, -Sei-
chen, -Seite, -Stuhlgang.
dIwIT] 8 T«pflein> T°ppei °nd Dipp«'-
dürfen, -dürft, dürftig (germ. thurf = entbehren,
mangeln ; goth. thaürban , adh. dürfen — entbehren,
Mangel haben ; mhd. dürfen. Kluge8, 81). — d ü rftig
= mager am Körper (Gr. W. II, 1731). — Not-
Durft ahd. nötduruf t ; mhd. uMdurft, Kluge 249) -
das Bedürfnis durch die Not der Natur zur
Stuhlentleerung, natürliches Bedürfnis (In dieser
umschreibenden Bedeutung erst nbd ; 1561 die notdurft
der natur, Cr. W. VII, 926).
dünnig >■ Durmel.
dueiT, Dürre, f. (vorgerm. trs - trocken »ein In
der Kehle, heiser, rauh von Stimme; urgerm. thurzu
— trocken, durr; goth. thaürsus — trocken; ahd. durri
— dürr, trocken, mager; mhd. dürre, Kluge", 81; 1618
dürre — fleischarnie Knochen, Pr. II, 83; 1684 dürre,
Gr. W. II, 1742; vergl. Darre, Itorre). ,,Xahe bl* an die
neuere Zelt (18. und selbst 19. Jahrh.) heran nannte
man Menschen und Dinge auch dürr (trocken, heiss
im Gegensatze zu feucht, nass und kalt), da die mittel-
alterliehe Natur- und Gesundhelts-Lehrc. daa Xntur-
leben uuf die Kinwirkutigeii geheimer Kräfte in den
Kiementen oder Sternen zurückführM; dieses wunder-
liche, in »einer Geschlossenheit selbst bewunderungs-
würdige System der «ichelm Wissensehalt durchzog
aber auch die (ledanken des Volkes so tief, das* in der
Sprache allenthalben die Wirkungen und Spuren davon
aultauehcu" ,(ir. W. V, 78). — Demnach Ist DÜIT6,
1. = trockenes Blut, (ieblüt (Magerkeit). —2.=
Trocken heit des Mundes, der Kehle, des Magens.
— 3. = Schwindsucht, Abmagerung (Gr. W. n.
1742). — 4. = der Zipf der Vögel (Darre 2). —
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Dussel— Dummheit.
Dampfe— Dunst,
107
B.= die Schienbeinkantealsfleischmagore Stelle.
— 6e»n-durT= knochendürr, mager am Fleisch,
so dang man die Knochen sieht (Gr. \v. i, 1335).
Blut Dürre --■ Melancholie, verbranntes (ieblat
(9. d.), heisses trockenes Blut, Cholera complexio.
— 2Jr«<f<-Durre = Phthieis pulmonum wegen
Austrocknung, Magerkeit des Körpers durch
das ßrustleiden. — knochen- dürr — beindürr
;ür. \v. v, H58). — r Dürre - Pestis bovilla
Kinderpest, weil bei den Tieren, die daran
sterben, das Futter in dem entzündeten dritten
Magen, dem sogenannten Löser (s. d.) , dürr
und nicht selten tu Pulver vertrocknet vorge-
funden wird (Gr. W. VI, 1196; Falke II, 75. 198). —
Mund Dürre (187". Müller Krtrbch. svt) ~ Trocken-
heit im Munde. - JJjjJjji dürr - so dürr o.
mager wie das BaumraooB (Kack) (Gr. w. Vll, 34).
— rappel-iüxr = so mager, dass es wie ein Klap-
perbein rappelt (klappert wie eine Rappel) (<;r.w.
VIII. 117). — DüiX-ßalg, -Bein, -Blut, -Ferch,
-Gr int, -Büsten, -Krähe, T^eute, -Maden, -Maul,
-Mensch, -Natur, -Räude, -Schlag, -Sucht, -Zunge.
Duesel, in. (DtiBsel, Düschen) s. Dusel.
Düte, f. (Deute) (obseön) = Vulva (Gr. w. iv,
176»; (Tüte).
duften, Duft, m. = der eigentümliche Geruch
der ausdunstenden Kranken und Reconvales-
centen (Gr. W. II, 1003; vergl. ,, der Geruch" In <ler
Zcltschr. d. Ver. I Volkskunde 1893. S. 438). — (17*8)
.4usduftKn<7 = Transpira»io cutanea (PUtncrl, :>»).
dulden (Indogerm. tel, toi, tla — tragen, ertragen
[latus] ; vorgenn. tel, toi, tlä; germ., Roth, thulau ; ahd.
dolen ; mhd. dolen I«. d.} = dulden ; ahd dulten, mhd.
dulten) = Schmerz ertragen. — A/omfduldige
[ahd. manodtultiiriu) = die alle Monate leidet und
Schmerzen erduldet. Dysmenorrhoe* (Schmeller
I, 1609) (Monatsucht, monatblutend).
dull, dullet s. toll.
dulken = dalken (s. d.), stottern.
dumm (indog. dhnhh ■znf\nr blind; goih dumhs
= »nimm, altn. dumhr. germanische Grundhodeut uug
■ „itnmpf In Bezug auf Klnnesempnndung un<l Ver-
stand", Kluge , 80, ahd. tuuib, ttUBp tauhsnimm.
,,deni die Sprache vertagt Ist", ('am, OIohs. ) J in einem
altdeutschen Mut.sttllungS'Segeii de« II. Jnhrh. , .,tcr
hellego tumbo (ein stummer gefühlloser Ilergrie«e V)
versegenc tlusa wurida ' (Gr. 1). 11. 1, 495 [s. versegnet j,
«Jolth. 164. 191/; <lie einzige Stelle in der german.
Mythologie, die für heilende Thitligkeit der
Riesen spricht; sonst ist dieselbe nur den elb-
iachen kleinen Dämonen zugeeignet; (mhd ramp
— »erstandes«chwaeh , stumm . taub; K*7 dumme
der »Umm = raucedo , 1». 4*6; 1.91 dumm -urdus,
llad Jun. IM; 1781 tu mm taub, durch Narkotika
uneui pfl u d 1 Ich , L ehir. 69; ulter. nhd.) - gehnr-
und verstandeaschwach, taub. „Worte für die
Funktionen einer Sinnes- Wahrnehmung wer-
den überhaupt gerne auf die entsprechende
einer anderen übertragen" (Kluse eil. — (1591)
Dumme, f. Taubheit, Surditas (llad. Jim. 875) —
»74» rSSäSt: \ 1 - ^hörig.
keit (heisere Stimme) (Zw. 676). — 2. Stummheit
• (mhd. tumbichelt, Lezer 275). — 3 = Drehkrankheit
I (s. d.) (Taumel) der Schafe (Kreutzer Veterin-
Mediz ). — dummelicht, s. Taumel. — Dumm,
-Koller-, -sinnig, - Wurm.
Dumpfe, f. Dumpfei; dumpfig <mm\. dump« =
catarrhus; mhd. dumpfe — catarrhus, Heyne 1 . 617;
' Ablaut zu mhdd. impfen ~ dampfen [s Dampf], rauchen ;
| dumpf, m. = Engbrüstigkeit ; 1539 ^ blastig, engbruslig,
kurzatmig, schnupflg, (Jr. W. II, 152»; II. 109) -„be-
engend (durch Dampf oder Rauch) auf Gehör
und Gesicht wirkend" (Kluge5, so). — Dumpfen,
m. Dumpf, m. — Dämpfigkeit, Engbrüstigkeit
(H.l'aul y*; Kaltschm. II, 107).— Dumpfheit = Blind-
heit, Erstarrung (Gr. v> II. r>26). — Dumpfei
(tuemphel, tumphel , tumpfle] , I). 197) ■ Rheuma,
Schnupfeu. — dumpfig -diimpftg, asthmatisch
(Nassau).
Duninge (Dünege) ■ Schläfe (dünne Wange,
s. d.) (Kluge so). Vergl. dünn.
Dunkel, n. Dünklef (vorgerm. dhengwos ; germ.
dlmi, ahd. tunchal; mhd. tunke), Kluge6, 80 — dunkel,
trübe, dumpf ; 1561 dunkle - callgo, tenebrne, Gr. W.
I Dunkel I
n, 1«0). - Augen- |Dlmkemeit ] «Runkel der
äugen, Fries 79. 79a). „Pas Finster der Augen Ist ge-
melnlglieh ; (das Doppelschutt] Im anderen Falte nur
bei jungen Leuten" ( — Syphilis, 1532); (ltilrt - amau-
rosis. schwarzer Staar, <ir W. II, 1M0, 1742 augendunkle
= callgo, Zw. 196 ; 17t.l nyetalopia, U ch. 00.) (s. dunkle
Augen) — IVrdunkelung - vollständige Horn-
hauttrübung b. Pferde (Zipp 888). — Dunkles
Gesteht .
-d Unsen, (donsen) (lndog. ten, dehnen; vorgerm.
tens , germ. thens; goth. thlnsan ; ahd. dinsan, ziehen ;
mhd. dinsen — ziehen, «Ich ausdehnen, Kluge*, 130) —
aufschwellen durch Schwellung sich am Leihe
ausdehnen, zerren, intumescere (Gr. W. n, 1558 ;
1576 - oedema cutis, Gr. W. ibid.). — (1716) Leibes-
Dunsigkeit - Lei besansch wellung (Gr. W. II, 1559)
Anasarca,
Dunst, m. (Donst, dunsteln, dtinateln) (indo-
verm. dhwena ( - zerstieben); germ. dwttus, dun» ; ahd.
tuulst Sturm, Hauch; mhd. dunst es Dampf, Dunst,
Kluge *, 81) aufsteigende, sichtbare Feuchtigkeit;
1. — Blähungen im Leihe (Vapores) früher als
wallende Dampfe (s. d.) zum Kopfe aufsteigend
angenommen (1768, Gr. W. II. 1681), die Luft im
Leibe mit hypochondrischen oder hysterischen
Spannungsgefühlen angesammelt. — 2. - der
Spiritus Vitalis (Pneuina), den die Adern (Dunst-
Adern s. d.), aus Luft und Blut im linken Herzen
bereitot, mit sich führen (Hyrtl, K. W. 107). —
3. — die Hautgedunsenheit, tieschwulst. — 4.=
der Schweis« des Menschen, daher dunsteln,
d ü n s t e I n - leicht transpirieren (Schmeller 1, 527).
— .4t</dünBtun? (des Leibes) ~ Aufblähung
(Wallbg. 3<m). — (1782) (Haut ) /lM«(dünstMM^ = Per-
spiratiofGr. \V. IV, 2. 7iu) die Wasserverdampfung
durch d. Hautporen. — /Mii/Dunst, 1. = Dunst 2.
— 2. = Blutgerueh. — 3. ^ Blutgase (Falke I).
— Gi/t-Dunst - Betilubung, krankmachender
(Jualm, Pesthauch. — //irn-Dunst = die die
Wandungen der Hirnhohlen bedeckende Feuch-
tigkeit, deren Dunst dieses angebliche Vacuum
108
durch— -Dusel.
Dutte-Dux.
auefüllen sollte (Autenriethin, 2ö). — (17«) Magen-
Dünste = Ructus, Flatus, Vapores {Zw. 8«o}. —
(1799) Samen Dunst ** der Spiritu| Vitalis, der
flüchtige, riechbare Teil des tierischen Samens,
den man früher als eigentlich befruchtendes Ele-
ment angenommen hatte, Aura seminalis (Plenk
12; Krau». E. hg). — scharfer Dunst - Pesthauch,
noch aus (mhd. s. o.) früheren Zeiten stammend.
— Dunst, -Ader, -Gefässe, -Loch,
durch- (die Zusammensetzung mit dieser Vorsilbe
»iehe beim betreffenden Stammworte, z. B. Durchbruch,
Durchgang, Durchlauf, Durchmarsch etc.).
-dürft, s. dürfen.
Durmel, ro. (dürmig, durmelig, dormelig)
(1429 dürmlg: Wy> tormich. Schindler I, 622; 16. Juhrh.
durmein a taumeln, <;r. W. II, 1733) sehwindlich
betäubt. — Oer Durmel= Vertigo (<ir.W. II, 1733)
(vergl. Turmel).
Durrer, m. = der Fieber-Schwindel, Taumel,
Paroxysmus des Fiebers (Dr. Br. Schiffer 27);
turren = taumeln, stürzen, 'Schmelleri, «so).
Durst, DD- (zu dürr, ». d.) — die Trockenheit der
dürren Kehle, das Gemeingefühl, veranlasst
durch dieSteigerung derselben. — (1529) Doppel-
Durst = erhöhter Durst, Durst f. zwei Kehlen
U'aracels). — (1529) unnatürlicher Durst = ein
nicht normnies Verlangen nach Wasser, wie es
namentlich Leberkranke haben (Parncel.«. ; Thea,
»an. Br. 943). — Durst-SilCÄf.
Dusel, m. (Dusel, Tusel, Tüsel, Dussel,
Düssel, dusen, duseln, dussen, Düschen)
{eine Reihe von begrifflich nehwer Jtu vereinigenden
Al.lautformcn : indogerm. dhus, dhaun; Renn, douzn,
Kluge 1. c. ; altiiord. dusa — schlafen , Jordan 179;
engl, dizsineu — Schwindel ; dlzzard — Schwindel-
köpf, Knltsebm. I, 1H9; II. 112; dftn. dos; holl. dnl-
zeling; uhd. tusig _ thoricht, stullus vcl hebes;
1361 tusl - Tannawatschl [Mumsj - Influenza. Zeitschr.
f. d. Ph Höing. I, 21; 1M1 ducs«cl - pannus; 1.90 dls*el
- pannus [inqulnnm], I). tlü; lfiir. duscl es «ieistcsl.«-
t nutmng. Kluge *, 81 u. ;J7.% ; Heyne I, 646; <ir. W. VIII,
119; 1735 thüsslieht = mit dem schweren lichreehen
Schwindel, Epllepsl.l behaftet, V. B. 39, 1742 dusslieh-
kelt ss vertigo, Zw. 477. 97"., ndl. duizelipheid vertigo,
De Tock 117; oberd. duscl, duscl — Schwindel. Qualm,
Kiet>er. Schw. I">9; [Tirol] da» Dusele, SchmeUer II, 629;
II. 960; UrqBeU III, 109; 1889 Tin). Du-el - Influenza,
Zeitschr. d. Vor. f. Volksk. 189-t. 171. u Tyi.hu«: [Wettcraul
lutchs, Dax* Traisen, n. i25pcrnicies). — Dusel, 1. =
Lreistiire I!' täubun r, 8. hu indel lau te II ahd ,
vielleicht Iruher nl- l'olge eine«. Zauber* oder eines
Krankhelisdiimon«, der, wie öfters, den Namen seiner
betäubenden. o,uiilcndcn Thrttlpkolt [Krankheit] führt,
angesehen', daher 2. = Schrättel O. ein Nach Igelst
>.s. Duseltier) (Salzburg, Schweiz), der In «.ostalt clnea
Hündchens erscheint \*ir. W. II, 175H; Tuster, Dusel,
Dnsseli) und nächtlicher Weile die Häuser hesohloicht
und [durch verschiedene epidemische Kiti'lerkrnuk-
hellen] die Kinder wepraubt (Schindler I, 549.629; auch
ein Vogclweibchcn helsst nach Kalke I, 222 „Dusel").
— 3. = die von «.»leben Kriinklicitsiliunoiien i.Wuld-
geister, wildeTlere; verpl. gnll. Dunll tauni, Du Cange
III, 21V) verursachten epidemischen Suchten und Krank-
heiten halben auch den Namen „Wildnis " (s.d.), unter
welchen die verachledensten Krankhelten [namentlich
von Kindern und Wöchnerinnen) verstanden werden;
u. a. aber auch Dusel = W i 1 d n i s in der Bedeut-
ung Fieber, fieberhafte Krankheit
(Schm. I, 64S, IT. 900), Pest (Pannus inguinum),
T vphus, Grippe, In fluen za etc., überhaupt
Krankheiten mit Schwindel, Botäubung, Deli-
rium.namentl. wenn sie schelmischer Natur sind,
d. h. epidemisch auftreten ; darum ist auch der
Dusel 4. = jedes „epidemische" Unwohlsein,
Zipf, Mume, Schnupfen (SchmeUer I, 648), üble
Laune und eine 5. = Viehkrankheit (Feifei, s. d.
und ringelicht) u. .Milzbrand, als Epizootie, end-
lich auch 6. = offene Schaden und Beulen, in
dieser Bedeutung übernommen vom elbischen
Dämonenschlag o. Tonnenwätschel (s. d.) (1560)
Ohrfeige = Dusel (Schm. I, 549) ; daher auch Du-
sel = Mums (Ohrdrüsenanschwellung); über-
tragen auf: a) Kontusions-Beulen (im Gesichte?)
(Schmcller I, 548; (ir. W. II, 1757 ff.) (Tüsel) ; duseln
= prügeln (SchmeUer 1. cod.; und Dusen = Schlag,
Ausschlagen (or. w. Ii); die traumatische Ge-
sichtsbeule ist wohl mit der infektiösen Mums-
Beule verwechselt; b) Parulis (Gr. W. II. 1757 ;
1 düssel) die Anschwellung beim Zahn-Abscess,
die Ähnlichkeit mit Mums für den Laien hat ;
c) Gesichtsausschliige die das Gesicht mums-
artig gestalten (16. Jahrh. düssel. Cr. W. V, 1533) ■
aufgeschwollene Blätterlein (pannus, ür.W. II, 1757 ;
Phlegmone, nad Jun. 3*3); d) mumsartige, infek-
tiöse Drüsen-Knöpfe (1612 ein harter Düssel, Or. W.
V, 1471; 1616 dnssel =glan», tonsilla, tuber, tuberculum,
Cir. W. II. 1757; 1561 pannus [Knüttel], Or. W. V, 1633,
spitzige wuetigo dischlen ■-■ düssleln , Müllenhoff und
Scberrer 280). — tüselet, tuslg, tü&ig (t06Sig) =
schwindelig, benommen, schwermütig (Buek 14;
! Ooldschm. 132 ; Oebr. Zingerle I, 237). — Alp'en)-
Diesel = Milzbrand (Falke I, 38) vermutlich als
elbische Krankheit durch den A Ip- (s. d.) Dämon
erzeugt Alpendlesel Ist nnr gelehrte fmgestaltung).
— Audorfer Dusel — eine Kinderseuche in An-
l dorf (Parotitis? Diphtherie?^ (Schmdier I, 549).
', — ' ' duselt schlaftrunken (Wolf) — (irr«) böse
Düsel syphilitische Bubonen (V. n. 61). — dri-
brrt dussig{Buek 13) = mitTripperbeulen, Hoden
anschwellunpen behaftet (hnii druiperd Tripper,
Pr. II, 64»). — hitziger Dusel = Typhus (als fieber-
hafte Krankheit mit Delirium). Man muBs sich
erinnern daran , das« die Namen voraufgegan-
Koner Epidemien auf spätere nachfolgende, epi-
demische Krankheiten, z. B. Typhus, Influenza,
übet tragen werden, die mit dem ersten Namen
dann etymologisch sich nicht mehr decken. —
Dusel- Tier.
Dutte, Dütte s. Tutte und totto.
duttern ^dottem, (Nebenform zu stottern [s. d.].
Schm. 149).
Dutter- Butz (Auderhutz .
-dutz. 12 — 14. .lahrh.) L'/i-dutZ ss (idiota, eUnqutS,
D. 198) — einer,der nicht ein mal anslosst, soudern
ganz sprachlos als Idiot ist.
Dux s. Dusel. — in Dux irohen 'Kluge5, 112)
; zum Teufel (Dusel - Teufel, Dämon) oder tiöten-
! gehen = sterben.
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echt— Ehren.
Ei— Eichel.
109
echt (fehlt den o.-d. Mundarten uud iat trat UAch
Luther [Kluge 82) ins Hochdeutsche gedrungen ; ans
ahd.chaft — gesetzlich, wahrhaft). — Kriecht — falsch,
iui Gegensatz zu wahr (». d.). — echte(r, s) Beuten,
Blatter, Krätze, Pest, Pocken, Rippen, Seiten-
stechen, Tripper, Weichselzopf.
Ecke, f Eck, n. = scharfe Kanu-, Spitze (indogerm.
akyä; rorgerm. ak; germ ag m Spitt« [acles] ; ahd.
ckkc ; mhd. ecke, Kluge », 83, nur in Übersetzungen
au« dem Latein der mittelalterlichen Mcdlzlnschulen
vorkommend). — Ecke = Tragus = Kante des Ohr-
knorpels; 1^*70; = der Bock (s. d.) wurde an tragus
im Begriffe angelehnt (Hyrtl. K. W. 38). — um die
Ecke «ein = lautlos versehwindet der um dloStrassen-
ecke Biegende aus dein Gesichtskreise ; daher = schnell
hinwegsteiben (Wustmann 111). — um die Ecke
schauen ■ schielen. — (1529) .luv » Ecken, 1.=
Augenwinkel — 2. = das darin angesammelte
Sekret, Augenzieger (eckendt der ogtn — grami«.
D. 26*; Brunfels; Wlrsuug 27, § 17). — GrT/m-Ecke
b der Antitragus des Ohrknorpels (Hyrtl, K. w sn
— Gräfe»i-Ecke = Akromion (Minderer) als Schul-
terblatt-Grate = Spina scapulae. — OAr-Ecke
= Ecke (= TragnB), die vordere Ohrklappe
(s, d.) (Gr. W. VII, I2'.3i. — Eck-ZaÄ», -Streben
Eckel s. Ekel.
ed s. oed.
Edel " eäieB\0lied> Stein> TeU
Edik s. Ettich.
Edrich, m. (1640 edrich, Kluge*, 16) - Appetit,
(ielQste, Heisshunger (Ettich, e. d.).
Eegenes, n. (Samland, Frischb. 18) sein Eigenes,
d. h. Kot.
Eetter s. Atter u. Eitor.
Egel, m. (ahd. egala [Blutegel], mhd. .-gel, Kluge s,
176). — (1646) Egel = das blutende Zahnfleisch
beim Scbarbock oder Skorhut (Mundfaule)
(Coler, EL A. 138). — (1660) egeln - besinnungslos
■ein, taumeln (Schm.iu-r i, 52) (als ob man einen
Egel [Wurm] im Kopfe hätte, wie ein Schaf mit
d. Drehwurm behaftet), phantasieren (s. elbisoh
unter Alp). — (l&co) einen Egel im Kopf haben
( = Grillen) (E. Such»; vergl. Igel; Schneller 1, 62).
11786; Lebet -Egel, Distomuin hepaticum, haeina-
tohium = ein egelähnlicher Parasit, welcher die
Egelseuche, Egelkrankheit, l.eberfilule veran-
lasst. — ÖAr-Egel (Gr. W. VII, I2&f) = Ohrwurm
(s. d.). — (Hits /-lÄ-c Egel - die Zahnfleisch-
blutung beim Skorbut (Coler, II. \. 13»;. — Egel
Krankheit, -Schnecke, -Seuche.
Egerling, m. s. Engerling.
Ehren, m (Oeren, Aeren, Neren), l - (Aigäu)
jede leichte schmerzlose Gesundheitsstörung
mit akutem und epidemischem (schelmischem,
elbiscbem) Charakter; das Merkmal dei Ge-
weinschaftlichkeit ist das Typische daran;
ebeuso, dass die Krankheit selbst eigentlich
mehr eine „Plage" (s. d.) als eine Gefahr ist
(Bavoria 11, 2 888); es entspricht der Ehren =
Zipf (Bürzel), der Plag« (Pfalz) oder der Sucht
(ObertMyero); es ist nun höchst wahrscheinlich,
dass diese Plage als ein Ausfluss übelwollender
Gesinnung eines sonst gut gesinnten Haus-
dämons (tieistes) angesehen wurde, dessen
Bildnis (Wachspuppe) am Feuerplatz o. Ehren-
ort = Ehren (Lipp. Gr. 460; Schw. 25) ehemals wie
das des Herdmannlein, Plattenweiblein, des
Wichtlein (s. d.) oder guten Helden (Zening.
Voc. z2; 1482) im Leingaden als Penates ( = heim-
liche Kammer, da man abgoet aubettet, of afgodeu of
beider dairauff, D. 422) aufgestellt war, sodass der
Krankheitsdiimon von seinem Ehrungsplatze
(Ilonos, Ehrort) o<ler von dem Hausähren (ara),
Hausflur (Kluge*, B), wo er in ethgie stand, den
Namen erhalten hatte. — 2. = Genitalis, Prae-
putium (ahd. erono — pracpullorum ; stell dero eron
-loci» gcnitallbu*; uuzl zu dr<">m — usque ad ilea [wo
auch dk- geheim gehaltenen Drüsen, Hege-, Heldrüsen
ja, d ] lagen. Graft, I, 442); die Schamglieder (Pu-
denda, Yerenda) waren etwas, wovon zu reden
man Scheu trägt, daher Ehren - Genitalia (mit
Reverenz gesprochen) (Gr. W. III, 56). — Ehren-
Krätizchcn.
Ei, n. Eier, pl. Eir, (gem. germ. aiaz =s Ki
[övum = avis]; nnrd., engl egg, uhd. egin, eigir - Hier,
mhd. el, Kluge4, 83. 15S1 uyr, Sc h melier I, 56); 1620
ny, Dr. Minderer) - der Körper mit einem Keime zu
einem neuen Wesen, 1. = die männlichen Hoden
(Testes) wegen der eiförmigen Gestalt u. natür-
lichen Bestimmung, wie man auch Testes mulie-
bres annahm ; (1734 eyer im hodenaack. Baumler 440,
zum Unterschied von den Eiern Im Eierkorb >. d ] ; 1077
= ovartum. Hyrtl, K. Vi. ; da« wldder-aycr - Widder-
boden, öchmeller I, 53). — 2. = die weiblichen Hier
im Eierstock (erat seit lt. de Graaf 1672 modern
medizinisch). — 3. — Eiförmiges, z. B. Boss Ei
(lö. Jahrh ] = Hossballen (Gr. W. VIII, 1257) —
Eilein ;172 > eyrleln - Ovula [- Grafl'scUe Follikel;,
Thes. su, ür. 288). Ist das weibliebe Ei durch
Hydrops angefüllt, so galt es früher als ein von
der Natur ohne Befruchtung ausgekochtes Samen-
Ey .Thes. tan. Br. 294J. — Hacket Ei - Hechsen-
(s. d.) Iii (Traden* Ei), das das Hageweib oder
die Hexe in den Finger als Wurm (Panaritium)
eingelegt hat nach dem Volksglauben. — (I7s8)
häutiges Ey die Eihaut, als eiförmiges Gebilde,
das den Embryo umschliesst (l'lenk Zergl. 30tf).
— Truden Ei - Wind-Ei 2. — NW-Ei, 1.
Abortiv-Ei, Mole, ein entartetes Ei ohne leben-
digen befruchteten Inhalt, gleichsam lufthaltig
(s. Wind u. Trud). — 2. - flüssige?, durch Tru-
deneintluss schalenlos geborenes Hühner-Ei,
Truden-Ei (Abergl. 112; Coler .MC; V. K. VIII, 67 J. —
"Ei(eryHaut, -Kasten, -Klar, -Kopfweh, -Korb,
■Leiter, Milcli, -Rot, Stock.
Eichel, f. (Eichelein) (ahd. elhhila = Elchel-
fruchi, eigentlich die kleine Elche, das Elchenjunge;
110
Eisse
mhd cichel, Kluge5, 84), 1. = (Ii. Jahrh. cychclein
- scrofulu, glandula [Übersetzung], D. 264; llyrtl,
K. \v. sc) ■= Drüse (s. d.) überhaupt. — 2. = (1483
Uvula, C. v. Mcgenbg . ; auch iiuerculii [!], glandulu,
Eichclcheu, cychcllu, llyrtl, K. W. 211 Ilrflschen
o. Zäpfchen, auch (1507) .Mündel o. Weinbeere
(Uva) genannt (Hort, «an .). — 8 = Mandeln
(Amygdahu*. al« Übersetzung mit dem Namen der
bekannteren Eichclfruchl wiedergegeben. — (157«)
härte Eicheln (Theophr. B.] — Mandelanschwel-
lung). — 4. - (1705) Glans penis s. Kopf, Haupt
und Nuss (Übersetzung von glans, Vadetnecuni 74;
H. v. Donauer). — 5. = (UttJ die Glandula pinealis
seu penis cerebri im Corpus quadrigeminum
(llyrtl, K. w. 86) Schlamm- o. Zirbeldrüse (s. d.) und
6. = die Hvpophvsis cerebri (Hyrti, I. cod.). —
Eichel- Bändeken", -Blätterlein, -Drüse, -gesund,
-Krone, - Tripper.
Eier ». Ei.
eifer s. Geifer.
Ell, f. (zu ulno, Elle. 1). 625).
Eilige, f. (eine dialektische Nebenform zu ligern
[i. d.]). — (1645) die Eilige der Zähne - Stupor
denlium, Zähne-Ilgern, Stumpfsein der Zilhne
(Coler, H. A. 135). — eilig = stumpf von Zahnen
(Schweiler 1 , 61 ; 15. Jahrb. eyllck ss dentes acldl
». stupefactl; ober», eilig; frank, elger = acerbns,
I). 9; algidus, I». 22; eilen -laug werden, FYlschb. 101,
von Zahnen).
ein. - ein-äugig, -Darm, -Hoden.
ein- ; die Zusammensetzungen mit dieser Vorsilbe
suche beim betreffenden nachfolgenden Stammworte,
z. B. Etnsaug-Adern bei Ader.
Eirch, m. s. Airach.
Eis. — Eis-Bein.
Eisen- — Sie hat ein Huf Eisen verloren =
sie ist schwanger und kann nicht mehr so fest,
sicher auftreten, durchs Leben gehen wie ein
Pferd, dem ein Eisen fehlt. Hufeisen finden ist
nach Volksglauben ein Glück; Hufeisen ver-
lieren - Unglück (Schräder 49; Z. d. V. f. V.-K. 1894.
s. 192). S. auch Kissen (pl.), Eiss. — Eisen-
Balmläfimung, -Lunge, -Säufer.
Eiss, n. (Bayern), eissen, eissein, eissig,
(Eisse [Alem.], Eissle, Eisslein, Eisten, Isel
[Schwaben;, AiSS, AisSe [Schwaben;, Ast [l'nssau,,
Astel, Axel [Schwubeu], Es [Franken;) ilndugerm.
oid, eine Nebenform zu genn. alt -giftige« Geschwur ;
golb.aita; ahd aidha = Glut; ahd. elx[m.) = Eiterbeule,
Geschwür [ulcus]. Kluge »7; elza [plur. ] — papulas,
Graft I, 641; II. Z. XVI, 62 — Abu, Eiterbeule, cisze
— ulcern [= Geschwür, eixz, H. Z. XV, 07= Ulcus,
eixel, Schmellcr 1, 157; mhd. etz [m.) - Geschwür,
Eiterbeule, elzel, ein kleiner dz, Lcxer42. Hoilm. 1,
366; II. Jahrh. eiss ^ Ulcus, Voc. opt. W. 41; 1414 ays
= tubes. Fleck, Unrelnlgkeit, 1). 671; llv.' ayss = ulcus,
Zeulng. Voc. m 3; ayssleln - papula, liluttcrlein, Zeiiing.
Voc; als* — apostema; 1515 aUcb, eysse — ulcus,
Schwur, D. 41. 026; 1630 «Im = vomlea, putres, Eiter-
beule, D. 62«; 1561 aisseu = tiesebwar, Gr. W. VI, 303;
1588 eyssen [Tabcrn.]; 1591 eysse - herpes , zoua
[ = Phlegmone], Had. Jun. 384 ; 1620 cysteu - Eissen,
Trifom Adlholtz. 48; 1742 der Dissen = Geschwar,
Zw. 13 U. 119; 1777 ijse = hnlcns [afirugo), 1). 209; 1S39
ai>» fiirunculosis , Hehrend 61 [Schwaben] = Eltcr-
Hlutlerlein, Geschwür, <" v. Schm 301 ; panarltlnm,
C v. Schm. 33. furuueulosi» , Huck 19; ass = ayss ,
furuneulosis, llyrtl, K. W. 7): demnach L = jede
Eiter bildende Stelle = Ulcus im älteren Sinne
= Geschwür, unter der Haut (des Menschen;
nicht Geschwür) und zwar, a) Fnrunculosis
(Papulae), Blätterlein, Akne, Phytnata, Meli-
ceris; b) Phlegmone (Panatitium, Herpes,
Zona); c) Karbunkel (Blut-Aiss, Brand Aiss);
d) innerliche einige Abseesse (1200 „elzze" ;
die sieh erheben an der matrlx In dem Leib, davon
wird das Weib so siech, das» sie dankt, das* Ihr der
I.elb aller sei erschweren und überall, wo sie greift an
den Rauch, da dunkl sie, als ob sie ein Geschwär greif;
auch geschwellt Ihr das Geschalt ; = labium majus] —
perlmetritlsches Exsudat, l'feiffer 26). — 2. — Aiss
= Aaa (s. d.). — eissen, eissein, aissein - zum
Eiss werden, viele kleine Eisse bilden. — eissig
(1119 nizlg = haemorrholdus, ulcerosus, Mastdarmnstel
I [After-Elss? s. o.], Schindler I, 158; 1482 aysslger 33
papulosa« = voller Schwären, Zcning. Voc. [aene faciei] ;
1615 alsslg - ulcerosus, D. 62 >, - Eiss bildend, ma-
chend — (1016) Ader Eissle „schwarze, ausseuuin
rote Geschwüre mit einem weissen Bülxlln" (Gr. W. I,
179) = Furunculosis an den Aderbeinen (=Va-
ricen). — (1742) After Aissen — Hämorrhoiden
und phlegmonöse Prozesse daselbst (Zw. ttt). —
: h r-Eiss (angweiz) s. i^uese, Queise. — Blut-
AiSS I15.S9 bluttaisslen, Paracelsus; Lorsch 223; Gr.
W. II, 177; Coler, II. A 169; A. V. B. II, 630, Zw. 119.
120, Buck 19) = Furunculosis, Carbunculus, mit
blutigem Kiter (Brand) gefüllte, „aus dem Blute
kommende" Zel Ige webB- Abcesse. — (1708) Brand-
Ast — Brand-Eiss — Karbunkel-Geschwär. —
Bung-Aias (Hamburg] = Kiterknötchen, Furun-
culus (s. Buug). — ii .2») Lungen-Eissen -
Phchisis pulmonum, Lungen-Abscesse iFrlestfS).
— Muchel-AiM9H (müchel-aesza) = Muchel-Eiss,
tieschwüre an der Hand vor und nach der
Kratze (Schindler 1, 1501); Muchel (s. d.) = ein
heimlich sich einstellender chronischer Haut-
ausschlag (Mauche, Mattcke, Meuchler, s. d.)
(Gr. W. VI, 2159. 2162!. — ifijJ/J-EiSSen (l»el Zw. 954
^ die Uauhbeit der Haut-Narbe vielleicht an-
deutend zu „Riebeisen" gemacht = Karbunkel,
schwarze Pestblatter (unter den Kippen, in der
Weiche?). — beise, »ehe{.l)mige AiSS — Schindler
1, 16») durch den Sehelm (?) verursachte Eissen.
— Spitz-Wn ■ zugespitzte Eiter-Furunkel. —
triefende Eisse = Blittterlein (Furunculosis,
Akne) ( = Meliceris?) (Gr. w. III, 403). — zeitige
Eissen — Eiter-Absceste, die bereits so reif
| sind, dass es Zeit zur Eröffnung derselben ist
(Gr. w. m, 391). — EiB8(et)- Bützlein, -fellig,
•uürig. — eissiger Krebs.
EiSSe, f. -eiSSen ( Furcht; augels. ege, cgesa ;
egeslicum geslhthum = schreckliches Gesicht, Gr. D.
M. III, y>6; g"th. agis [i/o;, ; ahd. egison, agiso, ege-
' sam; mhd. egese, eisen, einsam, Sehrecken, schreck-
I llcher Dämon, Kluge *, 85; Lexer 40; 12 Jahrh eigesa
— horror; 13. Jahrh eUUe d}T = monstrum, D.367; 1482
aysen, ayssen = fantaaiare, Zenlng. Voc.) = Schrecken ;
Schrecken empfinden (Schm. I, 25; Buck, Flurn. 2).
— (12. Jahrh.) ÄWlf-EiSSe, f. (= nahteise, Hoflm.
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eitel— Eiter.
Kkel-Elbe.
III
I. 365 3*5) = Pavor nocturnus, Nuohtsehreeken,
Nachtschatten («. d., Alpdruck), Nachtgeschrei,
Jammer. — rer eissen = ganz 11. sr:»r erschrecken,
zum Tod erschrecken (- Fraisen, s. «Ii. —
eisslig Tier.
eitel. eitl (tr) -Magen -sinnig.
Eiter, m .n. (indogerm. oid «jiM-hwulst [oloji'i];
gerra. alt - giftige* Geschwur >. KU-., goth. iiitri»;
ahd. aidua = Glut; eltar = Gift (virus, vcnenum] und
Eiter [sank-», pus], Kluge *, 87 j [pus = Klterkorperrhen ;
sanies, Eitoreerum], Graft I, 15», Griinm [\V. III, 801]
»teilt es zu eit = ignls [halst] = das entzündete. In
Fäulnis übergegangene Blut [trat aber — Brand tat];
Welgand [Worterbuch I, 879] eltar = voll Flüssigkeit
vom Schwären der Wunden, schwärende Materie, Schw.
167; 10. - 11. Jahrh. heltlrnezlla, Ciraff II, 1116 = Eiter-
nessel; 12. Jahrh. eyter nesseln — brennende Nessel;
14. Jahrh. eyter, H. Z. XIII, 216; 1476 citcr. ethoo =
glaneula, macula in oculo. Eiterrleck, H. 264; 1477 alt
= Gilt. Ortolph, 14«! ayt = Ei«, Kaulin. tauler Eiter
;tabe*], Befleckung, Zenlng. Voc. ; nyter virus, Zenlng.
Voc. ; 15. Jahrh eiter = pus, 1420, ndd. eeter = pus;
15. Jahrh., ndd. ethere — sanies, pus, II. 511; eyter =
putredo, D. 476; 1528 Eyter = sanies, II. v. Gersd. 100,
holl. schwed. etter; dan. edder); Eiter demnach 1. =
Gift, das beissend brennt, Schwellung und
Gärung (s. d.) macht und so tödlich wirkt;
namentlich tierisches Gift, das wie Geifer (s. d.)
durch den Biss in den Körper kommt (Virus,
Venenuni); [dazu Elterwurz, Eitergift = Aconitum.
Giftpflanze, Rol. 97', im Gegensätze cum „Gift"
(= Gabe), das durch Übergabe, Übertragung,
Vererbung (= Contagium) zu anderen gelangt ;
(vergl. auch läppen). — 2. = die weitere Folge
einer Petersen w&rung oder lokalen Vergiftung
= dickes, verdorbenes Blut und Eiter (Pus,
Sanies), die ja selbst auch noch giftig sein und
wirken können. — 3. — der eigentliche Eiter-
flnss, namentlich mhd. der OhrenfJuss (Laer 43).
— eitern D Eiter bilden und absetzen (Gr. w.
III, 392; ahd. kleltrit = viruleutua, toxicum, Graft I,
IM! — eiterhaft (ahd. eittarhaft m venenatum, Graft
I. 158 = venenatus, Gr. W. III, 392) — Eiter hat)end.
— eitrig (ahd. eitriga, H. Z. XVI, 48; ettaraga —
citaraga, H. Z. XV, 528; eltarig [eitrig], Graft; - puril-
lentus, Eitereigenechaft besitzend. — Eiterung
= der Zustand oder die Handlung des Eiter na
(s. Eiterbildung), Suppuratio, Tabitudo. — [UM]
vlN^cn-Eiter^Gramia, daa vertrocknete .Sekret
beim eiterbildenden Atigenkatarrh (Ii. 268). —
Blut- (blutiger) Eiter = der mit Blut vermischte,
braunrote, dicke Eiter zum Unterschiede vom
weissen, guten Eiter (s. d.) (Gr. w. n, 177; a. v. h.
II, 1263). — dicker Eiter = weisser Eiter von
dichter Konsistenz. — dünner Eiter = wässe-
riger Eiter (A. v. H. II, 1263). — flies»ender Eiter
= Eiterfluss (e. d.) — fressender Eiter = Eiter
aus phagedäuischen Geschwüren. — (12. Jahrb.)
grüner Eiter (altter daz grüne, Uoftin. I, 2ÖJ) -
giftgrüner Auswurf. — (1790) gutes(er) Eiter
(Richter I, 39) = geruchloser, weissgelber, nicht
wasseriger, leichtdicklicher Eiter (Pus bonum
et laudabile) im Gegensätze z. Jauche. — Kröten-
Eiter = Kröten-Gift (Gr. w. V, 2417; die Im Volks-
glauben gütige Kröte [.. de» Verf. Volks-Med. S 147]
1 soll durch ..Anzeichen" [s. d.] Haut Phlegmone hervor-
rufen). --- fVsf-Eiter, 1. - Pest-Gift, d. h. der die
Pest erzeugende Stoff (Toxin). — 2. = (1630; der
aus »1er Pestbeule oder Pestdrüse secernierte
Eiter, der als giftig (- Kiter), kontagiös erkannt
wurde und dann für alle übrigen „Eiter"ungen
( —Suppuratio) namengebetrl wurde (Gr. W. VII,
1572; IlaeMr II, 374). — reffer Eiter- der zur Er-
öffnung fertige Eiter im Abscess. — schlechter
Eiter ^Jauche (Falke II, 2t>0). — (1783) schwappen-
der Eiter fluktuierender, beweglicher Eiter
unter der Haut (Plattier I, 741. — schwarzer Eiter
= braunroter Eiter (die Farben werden oft in Namen
verwechselt, wie auch fast alle Slnnesfuuktionsbezeleh-
nungen : taubstumm, riechen, schmecken etc.). —
stinkender Eiter = schlecht riechender Eiter. —
(1761) fVity-eiternd = anstatt wirklichen Eiter bloss
Tain als Geschwärs-Inhalt zeigend (L ch. 80). —
tödlicher Eiter (ahd. totlichiu citer. Graft I, 15!*} =
giftiger Eiter, tödliches Gift. — [162*31 verstockter
Eiter in. Minderer) = versteckter, tiefliegender
Eiter. — weich-s Eiter ^ (ahd. uuclchaz eitar, Graft
I, 711) = Virus elumbe, weiches Gift, das nicht
brennt oder sehr flüssig ist z. B. Niereneiterung.
— weisser Eiter = guter Eiter, Pus bonum et
laudabile. (Die Pflanzen-Namen Elternessel, Elter-
wurz (12. Jahrhr. ; German. XVIII, 74;, Eiterkraut er-
innern noch nu Eiter (- Toxicum, Gift). Besprochen
wird der Elter nicht. — Eiter-, eiterigem) -Auge,
-Aussatz, -Auswerfen, -Batzen, -Bauch, -Bein,
-Beule, -bewollen, -Bildung, -Biss, -Bläschen,
■Blattern, -Brust, -Butzen, -Fieber, -Finnen,
-Flechte, -Fluss, Frass, -fressen, -gärend, -Oalle,
■Geblüt, -Geschwür, Geschwür, ■ Geschwulst, -Gif t,
-Grint, Harn, -Haus, -Herd, -Höhle, -Knoten,
-Lungensucht, -Masse, -Milch, -Nabel, -Pflock,
-Pfropf, -Pisstn, -Placken, -Pocken, -Bächsung,
-Bufe, -Bahr, -Sack, -Schaden, -Schärfe, -Schleim,
-Schwären, -Seuch, -Speiung, -Staar, -Stock,
-SnrÄf, -Trie/en, -Weiss, -Wunde, -Wurm,
Ekel, I" germ. nikkla; 1G16 eiekel — nausea, D, 376
= ein durch Luther eingeführtes Wort — oberd. Walg-
ung, Sehwuleuug, Widerwill, Kluge5, 87) = heikel
(s. d.). — Xachl-'Ekel- Nausea nocturna, nach
schwerem Abendmahle oder zu reichlichen Ge-
lagen sich einstellender Status gastricus (Gr. W.
VII. 172) — (1761) tyftsc-Ekel = Widerwillengegen
Nahrung (L. eh. Ii). — eklich merklich) - ekel-
haft; (vergl. auch Erkele).
Elbe.f Elben.pl Elblein, n. (deraltere Plural zu
Alb [Alp, s.d.]; mhd. alp, elbe, elber = Marcngespeust ;
15. Jahrh. Alp und elbelin. Z. d. V. f. V. K. 1896. 215;
üolth. 124; diu elbe, von der elbe wlrt untsen vil manic
man, Golth. 1. e.) = Alp (s. d.) und Ülf. — elbisch,
l. = dem Alp eigen, ahnlich, durch den Alp ver-
anlasst, z. B. von den Elben verwirrt, stumpf-
sinnig, wahnwitzig, maronhaft (Golth. 124. 133;
s. o. S 12) (ursprünglich wohl von dem Egel-
wurm im Gehirne des drehkranken Schafes, der
dieGestaltdes Alpdamonsim Volksglauben war)
daher 2.— drehkrank (s. d.; bei Schafen) (Falke
I, 242). — 3. = 8. Engerling. (,, Das engl, elf, elfisch
drang Im 18. Jahrh. durch litterarische Vermlttelung
Ins Deutsche, welches den Gemeinbegriff Alb nur noch
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112
Element— Elend.
Elephant— Ende.
in bestimmter eingeschränkter Bedeutung [ = Alpdruck)
kannte", Golth. 124). Aua «lein Alptraume (fl. d.)
entwickelte sich (nach Golther u. Lalstner] die nie-
dere Mythologie, die Vorstellung von Geistern
als personifizierte Naturkräfte, deren Vielsei-
tigkeit auch in den verschiedenen Namen der
elbischen Dämonen sich wiedergibt. Die An-
gelsachsen unterscheiden auch Berg-, Wald-,
Feld- und See-Elbinen (Aelfeunc, vermutlich Nach-
bildungen der Oreaden, Dryaden, Nojadeu etc.); die
Edda unterscheidet Licht-Elben (HJos alfar) und
Dunkel-Elben (dokkalfar, Gohh.126); zur Heilkunde
haben Bezug: ßugende Elben = wie angeflogen
kommende Krankheiten, die als Würmer oder
sonstige Parasiten in Schwärmen den Leih des
Menschen in Besitz nehmen und ihn in Siech-
tum bringen [«.fliegen, Schwärm, Vogel). —
rote Elben - Alpdämon in Gestalt roter Würmer
(s. S. 12). — verkehrte Elben — verwirrt, verkehrt
machende Elben (s. S. 12). — Wataer-Hlben =
Wassergeister, die den Menschen durch den
Erstickungstod in ihre Gemeinschaft entrücken
(Golth. 148). — weisse Elben- Alpdämon in Ge-
stalt weisser Würmer (s. S. 12). — HYwZ-Elben
= die in dein Winde fortlebenden Seelen Ver-
storbener, die nach dem Volksglauben (Golth. 15«)
zu Feldgeistern werden u. Wechselbälge (s. d.)
unterlegen. — zehrende Elben (s. Alp VIII, S. 12)
= Mittesser ,z a. 278). — Elben-, elbische(s)
-Feuer, -Krankheit, -Kugel, -ScJilag, -Schuss,
Wichte.
Element, n. (in inhd. Zeit au» lat. ilementum -
das, womit eine Sache beginnt, sich erhebt, anfängt) —
(Stoechion Galeni) der Humor oder die Feuchte
(s. d.) der Humoralpathologie , nach welcher
Lehre jeder Mensch aus der Mischung von vier
L'rBtoffen oder Grundbestandteilen (Qualitäten
oder Elementen): Luft, Feuer, Wasser und
Erde entstanden sein und besteben sollte; von
dem Irdischen Elemente sollte er kalt und trocken,
von dem wässerigen kr-1" i:r.d f u LH, von der Luft
warm und feucht , von dem Feuer hei»» und trocken
sein Die normale Temperatur, Farbe und Zusammen-
neuiing 1< 'omplexio, Teniiteriinienturaj ergab sich aus der
richtigen Mischung dieser 4 Gruudfeuchten (Huuiores);
je nachdem er von einer derselben zu viel hatte, dar-
nach war er „genaturt", der erdfarbene Melancholiker
hatte dementsprechend der Erde zuviel, er glich dem
triM'keui'ti Herbste; der weisse Phlegmatiker hatte zu
viel Wasser und glich dem feuchten Winter ; der rote
Sanguiniker hatte mehr Luft und glielt dem Lenze,
der braune Choleriker hatte zu viel Feuer und wurde
dem heiseen Sommer angeglichen (Kuenlgssp. 33).
Elend, n. (eigentlich = in ftemdem Lande befindlich,
verbannt; ahd. ellleutt = Verbannung; mhd. eilende -
Not, Elend, Kluge 87). Üer Begriff des Wohneiis in der
Fremde trat feeht germanischem Gemütc entsprechen«!)
in den des I'nglurWs und der Not über i,«.r. W. III,
400 fl.), ahnlich bei Leiden (». d.), daher Elend, 1.—
körperliche Not (s. Not , als deren höchstes die
Epilepsie (Gr. W. III, 409) betrachtet wurde. —
2. = Sonderbarer Weise ist Elend — Vulva ,'prae-
clpue caprae [Gr. W, III, 409, als kleines, armseliges
„Ding"?). — elende Blatter». — Elende »(UM
exules leprosi, Lersch 101) ■ Sondersieche, Aus-
sätzige, die abgesondert wohnen mussten. —
graues Elend - Katzenjammer, der alles „Grau
in Grau" sehen lässt. — Hunds-Hlend ■ Staupe
(s. d.) als krankhafter Aussatz der Hunde (Merk
32«:. — trunkenes Elend = Betrunkenheit.
Elephant, m. («in wahrscheinlich au« dem griech-
ischen Byzan/. erhaltenes Fremdwort, für das Tier, da«
den alten Medizinern wegen seine» plumpen Dickfusses
und seiner dicken Haut znm Vergleiche diente bei Be-
nennung des Aussatzes am Fusse) (Elephantiasis)
j (A. v. H. I, 57; 4. Jahrh. ..horrendlsslma Elephautiae
lepra'*, sie dlcta quod cutem reddat elephantl corio
similem, Du fange III, 246; 16. Jahrh. franz. elephantie,
le mal St. Sylvain, Briss. 234; die alten Griechen ver-
standen unter Elephantiasis vermutlich nur die heutige
Lepra); s. nachfolgende Zusammensetzungen:
Elephanten -Auge, -Aussatz, -Bein, -Fuss,
•Krätze, -Krankheit, -Sucht.
Elf, m. 9. Alb (Alp), Elb and Olf (ursprünglich
Ist ehe engl.; ekand., angls. aelf, Kluge*, s"; HzfL
to elf bb Haare zur Elfklatte verfilzen. — JSif-Klatte,
-Locke.
elger s. Eilige.
Elle, f. (Elen) (Indogerm. ölena — Vorderarm,
ulna; gerra. alina ; goth. allna = Elle; ahd. ellna =
| Elle, Kluge*, 88 ; der leibliche Fnter- oder Vorderarm;
9. Jahrh. (h)elllna s cubltus, Rab. Maur. 64 ; elna, H. Z.
III, 3t» fl. = cubltus; elln, H. Z. XV, 335 as eubitus ;
11. Jahrh. elnle = eline - colaphus, H. Z. III, Prager
Glossen; D. 131; 12. Jahrh. elen — eubitus, IL Z. II.
206; Illen (ylnbogen), eü m ulna, eubitus, D. 160. 62.0)
= die Elle als Ma«s hatte 37 Daumen in der
Länge (Du rango VIII, 363); Elle u. Daumen waren
die ursprünglichsten Maas-Einheiten; das Pferd
wurde nach Fflustea eemessen; 1. = Vorderarm
(Lina). — 2. = Ellenbogen (s. d.) Cuhitus. —
Ellen- Bogen, -Bogenieist.
eilen, Ellen, pl. stumpf, lang werden, 1. =
eilen, eljjen, s. Eilige. — 2. = Elfen s. Alp. —
Zehrende Ellen 8. Alp (Thüringen).
Elster, f. (im Volksaberglauben todverkündeuder
Vogcldamon, halb weiss, halb schwarz wie die Schick-
salschwester). — Elster-^ll^c
Email, n. s. Schmelz.
Enche, f.Enchel, n. Enche (ahd. eucha = schen-
kelbelnrohre , frz. l'anche, Lance, la hauche, lehanehau,
i l'oinehe — emlnence allougee, articulation de la euisse,
lajambe, Briss. 27. 49, Kluge*, 9U; etnkan - tibia,
crus, iL z. x\ j. - Enchel [n. Jahrh. eoehn=taU,
talus, D. 571; 1260 enchel - malleolus. Pfeifler 81: das
Deminutiv zu Enche) ss Enkel (s. d.), Knöchel am
Fusse.
Ende, n. ; vorgerni. nntyo-; gem.-germ. audja -;
goth. audeis; ahd. enti, Kluge 89; 9. Jahrh. cndl =
frons [Gipfel], Rah. Maur 64 ; 1260 ende - calx, Ferse.
D. 92) = Grenze, Ende, Rand, Ort, Saum; Ferse
alw Fu«isende. — gühes Ende (1230 der gäbe ente;
1560 gehe endt, Schmeller I, 100) -der schnelle Tod
(bei Seuchen), der dem Leben eineGrenze setzt.
— (15.M! heimliche Enden ~ Genitalia als heim-
licher Ort (s. d.) (Bock 81). — wenden - ster-
ben, des Lebens Grenze ganz überschreiten. —
End(el)-, Darm, -Schalen, -Sucht, -Tag, - Teil.
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Enderle— Engerling.
England— Enkel. 113
Enderle s. Engerling.
eng(e), Enge, f Engi (Schweix), Engen en
Schwaben), Ellgel, f. (Indogerui. angh [ — angustti»);
(tm. ang ; alid. engl, angl ; mh«l. engl-, Kluge , 89);
(vergl. Änge u. Engin). ^i/f. | 1 ° <ler
beengte, in der Beweglichkeit behinderte Zu-
stand eine» Organe« z. B. durch Krampf, Schleim-
hautsoh wellung (Gr. W. m. »71 ; A. M. ; C. v. Schm.
165). — 2. = die Stelle dieser Beengung, enge
Gliederstellung. — eng hinter den Ohren Hein
= hungerig, abgemagert (geizig) «ein infolge von
Fettverlust am Nacken (Gr. w. VII, 1230). — (1731)
Engel, f. (A. M. 25) ■ eine Viehkrankheit (= Enge).
— [IC .iuhrh . ,l.'-»«-Enge = enger Atem, Eng-
brüstigkeit, schweres Atmen. — (1645) Brust-
Enge = Asthma (colcr, IL A. 145). — (1530) Kehl-
Engnng = der Zustand des Engseins in der Kehle
z. B. bei Croup, Angina (Künigsp. 48). — Knie-
Enge = X-Fuss, Ochsenknie (Falke II, 19). —
itocAcn-Enge — die hintere Öffnung der Mund-
hohle (Isthmus faucinm), wo diese durch die
Gaumenbogen und Mandeldrüse beengt wird.
— Fer-engerung = der Zustand des abnorm
EngBeine. — [1761) ForAaKte-Enge = Phimoeis,
der zu enge Zustand in dem Sacke des Praepu-
tium peuis (L. chir. 67). — (1843) Z<7K>n-Enge = ein
durch die Stellung des Zehenleils nach innen,
des Ballentcils nach aussen entstandener Zu-
stand von Verengerung des Pferdehufes (Zipp
122 ; Falke II, 452). — Eng(er)-.D«"» -Blut kosten,
-Brustigkeit, -Fall, -Walkunj.
Engel, m. [MI lat.-grieeh.,roman. angeln«, '1-,'ft /.o;
— Bote, entlehnt durch die gothische Vermlttelung; ahd.
»ngil; mhd. engel — Gutes bringender <iel*t [Dämon],
strafender Pamon, Kluge», 89). — ß/a« Engel - ein
Kind mit Bausbacken, wie sie .lie kirchlichen
Engcllitruren zeigen ( - blasendes Wichtchen;. —
(1721) Äorw-Engel^ein Pestseuchen bringender
Dämon (Mittagsgast) Bochh I. 671. — Fe st Engel
— eine Personifikation der Pestseuche (wie sie
itn Bilde namentlich auf Pestmünxcn [Haeser II. 540.
«. l'estilcntia In nurnmis von Pfeiffer] sichtbar Ist, als
fliegender Engel mit dem Flatnmenschwerte oder der
Zuchtgelssel in der erhobenen rechten Hand , einen
Tottnkopf in der Linken , über Leichen schwebend,
oder den Tod mit Füssen tretendj. — Ü'iir</-Engel,
l.=eine Verchristlichung des heidnischen Lint-
wurmes (s. d.) = Pestseuche (persouificierter
Diphtheriedamon? s. Schulpest). — 2. = (oder
»ollte der warck-engil, wartkengil; wartgengel, uarg-
ingel. wargangel, warchengil etc. der alten Glossen =
rnrriculn, curruca [Schmeller II, 199; I>. IUI] dahinter
»teeken. der als Pest- [Wald-Vogel] Mantel-Krabe] er-
»eheintj. Iiichtiger Ut die Erklärung Würgengel
warc-gengel; wäre = der würgende Wolf ; geugel ■
<i«nger [Lupambulns, Wollgang, 9. d.i. Andresen 61) —
Wolf, der als Würgdftmon verstanden wird, der
in den Hundstagen „umgeht" (Schuurrer II, 98).
Engerling, m. {Anger, Inger, Inger! , En-
gerich (senwels), Enderle) zu ahd. ungar^ Anger-
Ung, Kluge*, 89; 1>. 16;'.; ahd. engerinc ; mhd. enger-
llnc; IL Jahrb. engerinek -. L3M engring — Impetigo,
1). 289; 141:» engerieh = genus serpentis, D. 34; 1482 =
enger - lcutlgo. rosym, D. 324; 1699 engering = ephe-
lidcs, rote hitzige Papeln, v. M. II. 130' ; 1. - Kornmude
gurgullio, lirall 1, ;>">•» — curcnllO vermis. uasecns in
fructu = ,.cozun". GrttfflV. Wj; D. 163; vergl. Kotten).
— 2. - die derselben ahnliche Bremsen-Made,
Fliegenmade , die als Beisswurm (». d.) beim
Weidevieh unter der behaarten Haut, wohin
sie die Beissfliege o. Rindvieh-Bremse, Kinder-
bissfliege als Ei gesetzt hatte, lästige (p, Anger),
quälende, peinigende (s. Peiner , bis taubenei-
grosse Abscesse (Dassel beulen) verursacht (Schm.
1, 107 ; Falke I. 24s; Zipp. 579, und vom Volke früher
als Elbe, Eibische (e. d. u. Alp) d. h. als die
Wurmgestalt eines elbischen Dämons angesehen
wurde. — 3. = diese Krankheit der Tiere ist
auch, wie öfters, auf ähnliche, meist juckende,
quälende Hautkrankheiten der Menschen
Überfragen (U89 Engerling = Rossmucken [s. d.].
f!r. W. III, 480; 1572 Engring oder weisse Keulein im
Angesiebt, Wirsung; Schmeller I, 107; Gr. W V. 304
-inorfea; 1616 engcrlln - Gesichts-Ausschlag, Cr. W.
[II, 480 ; 1668 Engerllug - Hautausschlag, Beyn. 113 ; 1716
engerini; =- Gesiehtsausschuig, Gr. W, III, 180; das Volk
war der Meinung, wohl nur auf Grund der l>assel-
beiilen-Beobuchtuug bei Haustieren, dass »olehc mit-
esserartige, verschiedenfarbige und lleckige, knötchen-
förmige Ausschlage von damonislischcn , alpischeu
Engerlingen [Maden oder Würmern, I>racnncull] bedingt
seien. Am häufigsten nannte man) a) die.Morfea 't. Th.
l.epra, s. Aussntz; : „Högering (Ausfahren [s. d ] oder
nürrma«le) unter den Augen" und dann b) die
Akne-Knötchen (s. Mitesser, Kotzen). — Enger-
ling ist der kleine Anger = ein An^e (s. d.) ver-
ursachender älpischer Dämon in Wurm- oder
Maden-Gestalt, der auch als Quitse- Wurm (s. d.)
die Ang-Quäsen (s. d.) veranlasst (er heilst auch
1451 Ingerwurm , Hoffm. Mtsch. f. Schlesien 1829 II.
759; die gewiss uralte Beobachtung von Schmarotxer-
tleren Im Leine von anderen Tieren, besonder« aber
des Egelwurms Im Schnfsgehirnc. erleichterte die Pbcr-
tragung dieser Vorstellung auf den Menschen). — En-
gerling im Kopfe haben (Gr. w. III, 4so) = Grillen
Maden, Egel, Würmer im Kopfe haben (vergl.
Alp VI, Egel, Motte) wie ein tolpelhirniges
I Schaf, das mit dem Drehwürme im Gehirne be-
haftet ist. (Mit „engen Bingen" [des Leibes] hat der
Engerling keine etymologischen Beziehungen).
England ; englische(r)-&7iK"e«u», Sucht s. auch
Engel-Land.
Enkel, Dl-, n. (mit zahlreichen, altercrbicn Neben-
formen. Kluge*, S9 Änfcel, Angel, Knenkel, Inkel =
, Fusskuochel, talu» ; ahd. anehal in., anclmla f., später
j cnchll, enehlla f.; anchlao, „dieses der Betlex der al-
I testen Wortform" [Klaue-;, Kluge4, 71; 7.-8. Jahrb.
anehla>' - teclauum — talauum, tnlns, I». 574; Ca««.
| Glos«. Diez 97 ; II. Z. VII — anchalö = Ulon, Ulu* ;
9. Jahrb. ancll =: lall, Hab. Maur. 6".. 12. Jahrh. enkel
talns, H. 7.. II, 20., 14. Jahrh. ankeli = talus. Voc.
| opt. W. 13 ; 1470 enkel = Knöchel, Cr. W. V, 1452, 1489
| enkelcn — Fussknorren, Gr. W. III, 4s5; Knenkel.
Schmeller I, 111; Enkel. HintnerS.20, Äukel.Schw. 20;
Enkel wllre demnach eine — Verkleinerungsblldung zu
ahd. encha [s. o.) und mhd. ankc) = Fussbiegung
am Knorren, l. = Knöchel am Fussgelenke (Mal-
leolus), Fussknorren. — 2. - -lie Beugestelle der
untersten Gliedmassen, Etwbenge (Tftll»}. -
a
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114 Fnker— Erb.
Erbsen — essen.
(14. Jahrb.) Unter Enkel lunderankel, VOC. npt. W. 13
- TObtuluit, subtalixis, i). 562)= Fersenbein, Hacke,
weil unter dem Talus (Sprungbein) liegend. —
Enkel -Bogen.
Enker s. Anker.
ent- !<Uc Zusammensetzungen mit dieser Vorsilbe
mielM bei dem betreffenden .Slammwnrle, t B. Em-
pfängnis bei fangen).
Epaulette, f. uu lat. scapula [Schulter] ; franz.
epauleLSchulter], epaule^mit hoher Schulter behaftet,
bossus; cspaulette- Schulterblatt). — Epaulette. I.
= Achselstück , die (lichteren Haare des Neu-
geborenen auf dessen Schulter.
Ente. f. Enten-f«*», -Magen.
Epilepsie, f. («riech. isi).Y,
-berühren, lahmend festhalten, der Sinne berauben;
„Epilepsie Ist ein neue'» Fabrikat", Fuchs 11, 200) -
Anfall von BewusBtlosigkeit mit Konvulsionen.
Zur Zeit Hallers (A. v. H. I, 603, 17f>4) unterschieden
•He Arzte nach den ü rnacb.cn 16 verschiedene Formen
von Epilepsie nueh das Volk halle tu Laufe «einer
kulturellen Eniwlckelung bei dieser Krankheit ver-
schiedene Irsacheu angenommen und deshalb die
Epilepsie mit lobenden Namen belegt, daa Fallend
(s. d ), fallende Sucht, Fallabel, Falbel, Hin-
fallend, obero Begreifung, St. Veits-Arbeit,
Kindliwch, St. Valentins-, -Krisem oder
Siech tag, bösen Wesen, heilige oder schwere
Krankheit, Gewalt Gottes, schwere Not, Elend
~ (cadueus, radurans, veeors, dnemoulatlctx, luna-
lirus, morbus «-.unitiuli-, Du «'auge IT, 14, IS; da. •nionc
correptus qul ■ dacmouihii« teneri dlcltur, 1 <• III, 2.
Kit morbus comitiali.« der Römer hatte den Namen
von dem eomillum die Beratung; dieselbe niusslu
sofort abgebrochen «erden, wenn jemand wahrend
Ihrer Dauer von der heiligen Krankheit befallen wurde ;
der Tag wurde zum dies religiosus s. uefastus, vergl.
I-ersch '»1 und Fuchs, Ilippokratcs I, :J79, Aum. 6; die
Epilepsie hfc«« aueh Ines dl vitin, morbus major t. her-
euleus s. herneleus, als schweres unheilbares < .. brechen ,
dessen Last einer physischen Herkules - Arbeit auge-
Kllehen wurde. Oder, II A. 101 , Kraus, E. 161. :i7«i.
; morbus judaieus. weil sich« die Juden angeblich an-
wünschen sollten. Coler L c. ; morbus reglus als be-
sonders auffallende Krankheit ; 1425 sollte davcrtln.
maladie d uvertin, Brl*». 2T>6 [*. Tropfen ; Route felon-
esse [böser Tropfen], le Krand, baut, beau mal, le mal '
de terre [tomber;, le mal, mal coduc, Briss. 2^2, mal de«
prophetes, mal d Hercules, mal dAlcidc, mal St. Jean,
inaiadie obscure. nri«s. 2 . . ff ). — Blei Epilepsie
ein fallj-ucht-uhnlicher Zustand infolge von
Bleivergiftung (Meyer« Conv-Eex. \ Hl, 82). — epi-
demische Epilepsie Kriebelkrankheit (s. d.)
(Schnurrer II, um. — U Epilepsie eine
durch den Keiz der Eingeweide- \\ Qi mer ver-
anlasste Fallsucht bei Mensch und Tier (cpl-
lepsfe rermlneuse, le coup de vers, Briss. 112 . Snhernh.
I.V.. Falke I. 271).
er- die Zusammensetzungen mit die«er Vorsilbe s.
beim betreffenden KUmni« -orte).
Erb- (eigentlich — Verwaister [orbu« , Rem -germ.
arbh - erben; Roth, urbja, ahd arbeo, erbo; mhd. erbe,
Kluge \ 'I Erbe, was man von seinen Eltern und
Sippen (ienossen erhnlt [vergl. Arbe]; hauptsächlich \
also), l.r~ Patrimonium s. Gcnitalia virilia (Krün«,
K. 747} (s. Genosse). — 2. m angeborenes Ge-
brechen, das man von der Erbschafts-Sippe
mitbekommen hat. — 3. — ansteckendes Leiden
(Contagium) (udl. erf Erbe, Erbgrint, He Coek 72;
es ist eine bemerkenswerte Thatsache, dass .1er Begriff
der Infektion durch Contagium [ = Ansteckung], z. B.
durch Kriit/c, gewissermassen von der Sippen Heimat
ausgeht, als etwas, was von der Sippe mitgenommen,
„ererbt'- wurde). — erblich ist, 1. = zumeist (d. Ii.
im volksüblichen Gebrauche) ■ kontagiüs, an-
steckend durch Berfthruog, von Person zu Per-
son übertragbar (nicht hereditär, dies = vom
Mutterleib angeboren). — 2 = (erst Paracelsus hat
den Begriff „erblich" = hereditär [syphilitisch] cm
wickelt, i»r. 11, 71. HK» - durch die Konzeption von
den Eltern aufdio Kinder flbertiagbar. — Erbe
und Gift, beide« sind ursprünglich nur Übertragungen
eines Gebrechens oder einer Krankheit innerhalb der
Sippe, innerhalb deren aber auch wieder zur Heilung
der Krankheit die verschiedenen Formen von Wieder-
geburt (Ziehen durch Erdlocher, ltaumspalteti, Eintritt
In einen anderen Slppeuverband, der damit liesscre
Gesundheit bringen kann, Namen-Wechsel, Haarselm r-
i Jodschaft etc.) versucht werden, s. Kruuss, d. Haurx hur-
(lodachaft bei den Südslaven, IH'.M 11, 29 — Erbling
;ns2-cadax, clnudus, i). 87) = ein von Geburt aus
Lahmer, oder einer, der sonst ein angeborenes
Gebreeben hat. — (i&u) anerben - (contagium ;
löl2 ein kranckheit die eyner von andern erbt als bla-
terra, I>. 146) --eine Sucht oder Krankheit durch
HenlhrutiK. Ansteckung) auf einen anderenuber-
tragen, an dessen Körper sozusagen anstecken
wie ein geerbtes Kleidungsstück. — Ver erbung
— das vollständige übertragen einer erblichen
(1. 2.) Krankheit. — Erb-Gnn., -Kot, -Krank-
heit, -Laster, -Sckiden, -Seuciic, -Siechtag,
•Schwindsucht, -Sucht, -Siinder.
Erbsen, f. Erbsen galten aN i.ieblingsspclso der
zwergbaften Elben { Maden, s. d u. Hohnene.seu). —
Erbsen- Blattern, -Gesicht.
Erdbeere, f. Erdbeer-iVA«!, -Zunge.
Erde, f Erd-Fall, Sturz, - Wurm (s. auch
Irden).
Erkele, n. altoberd Ekel (Kluge &, S7 ; zu germ.
erk s|eherbn-chen,nauscarc;mhd erkel.Schm. I, 112).
Ernte, f. Ernte -Fieber.
Ers, m. s. Arsch.
Erstling, tu., 1. das zuerst geborene Kind,
Erstgeburt. — 2. die Erstgebärende (icf. « „ler.
w. v;2 . — Erste .er, es) -Bart, -Geburt, -Milch,
-Nachgeburt, -Sterb, -Wege, - HVA, -Zahnen.
Esch- s. Asche.
Esel. in. (das xeugungslustige, |>llanrcnfressendc
Tier [aslnusj, das die tiermanen ums 1. — 2, Jnhrh. v.
Chr. an« Italien kennen lernten. Kluge * y:t ; engl, casel,
mhd. esel) = Priapus (Lexer 67). — Esels- Harn,
■Huf, -Husten, Krampf, -Kreuz, -Ohren
■Rücken.
essen (Essen, n. Esser, m.) (aiiindogerra. cd;
gem. -germ. et = essen; ahd. ezzan; mhd.ezzen, Kluge*,
94) (vcrgl. Mass;. — Das Essen Soor, Oidium
albicans f/tlschlich Aphthae) fl5R1 dn« Es.cn im
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Fssig- Ettich
115
Muu<)t = Mundfaule, Hock. 45. 198, 1588 die Weisseti
Blatterlein im Mund, [Tabern.] , die weissen Pilzraassen
wurden als das vom Essen [Milrh] Zurückgebliebene =
da» Essen angesehen ; diese [Aphtheu und) Soorpilz-
«telleti »erden häufig noch heute zur Mundfaule >. d.]
Kt rechnet!. — „Dax Essen an der Macht" (Sehmeiler
II, 1564) - fressendes Geschwür am Gemachte,
Ukni genitaliutu. — /Mlrin-Essen (»' Laiesse)
Allcüu). 1. — die Extra-Diat eines angehend men-
struirenden Mädchens. — 2. = Menstruation,
Menses (BchmeUer I, 161). — sie isst nicht allein
- Schwangerschaft, weil die Menses fehlen
iPloss-Bartcls I, 480;. — Er hat Bohnen gegessen
= er hat zur unrechten Zeit (maden haltige)
Bohnen gegessen nnd ist denk verwirrt, be-
greift schwer 'Wustroonn 78; *. Alp VI und
Maden) ; in den Kauchnfichten sollte muu keine
Höhnen «»der Erbsen ewen , es war diel« eine deu l«a-
raonen gehorice Kultspeise (s. Fabian ntul Hohne};
<lie*e rächten sieh nach altem Glauben dann, wie x. B.
«ler Alp (f. d.), mit Verwirrung «der mit Schwären
[Rochbob II, 77; Frischb. 61), weil die Müden in den
Krbsen und Höhnen elbisch verwirrten. — Mann-
Esser (« manezza), Mannbeiseer, der l^eute-
fresser oder Zauberer, eine sehr abgeblasste
Erinnerung an die Anthropophagia germanica
— Mitesser (fniher als ,, zehrende Elben" [s. d. u. Alp
VIII], wie Motten, Maden \ind die Engerlinge (s.d.] an-
sehen, Gr. \V. VI. 234:i ; und 1680 so benannt. „Kino
Schleimbildung [!?] in den Hautporen von der Form
eine« Wnnne* , «lie man früher als dem Kinde ange-
zauberte Wurmer ansah, die dessen Abmagerung > Mit
gere] bewirkten", Gr. W. VI, 2343; „sunfpie erucae
i — Mucken], «pia.« lauiiac ex eoitu SAtbjUÜCO proerenut
ae po«tea per fascinationein in memhra hominuin im
mittunt" ,Gt. 1. cod.). Im Thesaurus sauitatis, Br. 137
[1725] wird der Name Mitteler noch als b. reehtigt er-
klart: „denn es sind kleine Würmlein (dracuneull], die
den Kindern ihn- Nahrung nehmen , wenn man sie
«lureh ein Vcrprrö«scnings-(ila» ansieht, s«i wird durch
dieses ihre Farbe als braun, haarieht nnd mit .{ Käsern
als Homlein betrachtet". Diese Ansicht, <lo*s die Mit
esser ;i7:<2 eomedones. sirones, erinoues, s. Schnabel ;
A v II. I, 494 1225; 177*, Plenkj ..Hautwujmer" ■>. d.]
seien, die mit ihren whwarzen Kö[ifcn hervorschauen,
U noch heute nicht im Vnlkeausgcstorbenl. Die Arzlu
erkannten sie am Ende des vorigen Jahrhun-
dert« als Akne punctata, «loren schwarz«'
Pünktchen (Köpfe) man als die entarteten, ver-
dickten Talgpfröpt'e erkannte [Behrand 60), als
eine Steatose (Auspitz). „Wird die trichterför-
mige Ausmündungsstelle einzelner Talgdrüsen
der Haut durch Staub und Schmutz oder auch
durch ein dickeres Smegma verstopft, so sam-
melt sich der Talg im Inneren der Drüse an,
dehnt die Wände derselben zu einem grosseren
Beutel aus, welcher, wenn er zusammengedrückt
wird, seinen Inhalt als weissen geschlftngelten
Faden mit schwarzem Schmutz-) Kopf heraus-
schiesst, welcher Faden denn auch vom gemeinen
Mann für einen Wurm gehalten wird" (Hyrtl,
Anat. M7i. Diese Würmer oder Milben sollten
•lämonistisch als zehrende Elben (s. Alp VIII)
in der Hant von dem allgemeinen Nahrungs-
safte des Körpers „mitessen" und so die Ab-
magerung der Kimler veranlassen, daher nie mit
('«»niedones übersetzt wurden. — f^cr-Essen
(ahd, unsuverun uberazi, «iraff. IV, 70) = putris era-
pula, das Erbrochene, was man vorher zu reich-
lich verzehrt hatte. — (1699) uu-essig = nicht
bei Appetit (v. M. i, 57). — VtW-Esser = einer
i der nicht aus Hungergefühl, sondern aus Ge-
hässigkeit oder Blödsinn ungemein viel zu sich
nimmt (Polyphagia). — wm-m-essig (ahd wurm-
oaig, Graff I, 529 - eariosus. wurmazzig.H. Z. XVI, 96. 26.
wurmaezic; 1590 wurtnesig - vermlnon», 1». 613; encl.
wormeateness - Wurmstich., fauler Zustund, Kaltschm ]
1. — wurmstichig, wurmbeissig (Leier 395 —
2 - vom Rotzwurmfs d )behaftet (Schweiz), w urm-
mitMsig (Andrcsen 1019), — Ess(en, 8) Gang, Gr-
srhiräv, - Girr, -Kfhie.
Essig, m. (aeetuin ••- otecuin, nteko, atik ; ahd.
ezzih; mhd. czsich, Klutte 91). — (156.J das oft Köp-
pen essigt in der Kehlen" (ur. w v, I7ss) - saures
Aufstossen aus dem Magen.
Ester, m. (bei Du Gange IV, 291 ; angeblich „nraee«>
elo«juio"j s. Oester.
Ettich. m., f. (Ettick, Ettike, Edtiken, in.
Ettig,Ettikn,Ettikum,Etkum jKlsass, Schweiz),
Ättich) (ahd ettiehun, ettiehon, etticho. Gr. W. in.
1175 — eltikum — hectieutn; - tebri« heetica, morbus
ethlcus, febris ethica . s. ethiealls , febrls ectica [Du
fange III, 229. 325] der Mcdizinschulen von t;:-
haiiitus ; mhd. ethica, Schindler I, 174; 11*2 etkuni,
Zen. Voc. gg 1 ; Gr. W. III, 117t. woselhst .,dle Ver
mischung mit dem griechischen Worte hektlkon als
nur scheinbar" [V] bezeichnet wird, — Schwindsucht ;
l'i28 ettik — tabes. Schwindsucht, <ir. W. III, 1175; 1.S29
| ethic f. [Paracels", U>7i>eticuni; l~>"Setickhum - Schwind-
I sucht undllerz8e<parr, Gr. W.1V 2. 1246; 1AS2 etlcken.
elkumm = febrih heetica, D. 274; 1591 Ettik = Schwind
sucht, Had. Jun. 38«.»; 16. Jahrb. ettik' - tabes hcctlcu.
Ii. >71; 1CI8 Bttlch - febris heeti.-a. Sehmeiler I, 174;
1646 E«ltieken -- ausdörrende, -erlK-nde Krankheit,
Zcit-scur. «I.V. f Volksk. 189t. S i,») , demnach 1. —
Aegritudo, Febris heetica — Schwindsucht oder
schwinnende Sucht, Abmagerung durch Süfte
Verluste, Diarrhoe, Rlutnuss etc. (Roehh., Zeitsehr.
f. dtsch. Mythol. IV. 110; tabes, atrophia, i.r W. III.
H7.">. 1181 ; Gr. W. I, 595). — 2. = Herzgespftrr (s.d.)
[Or. W. IV, 2. 1246) als Asthma oder keuchender
Siechtag der Lungensüchtigen. — Der fressich
Ettich I lm) - Fres8-(R ätticher (Aargan) /res-
««; Ättich (Ettich) das /remtj^Etfetkia Schweiz)
— Fresstieher (C v. »ehm. 155), Auszehrung mit
Heisshunger (Zeitsehr. f d Mythol. IV, 110; Grimm,
Gesch. 46s); Auszehrung, Febris heetica Ißt. w
i, 595; Hl, in;.) mit Heisshunger (s. Fressfieber,
I hektisches Fieber, fressen). — (1723) Kinder-
Ettigk (Thes. san. Br. 7.1} m Atrophia infantium
Abzehrung). — Ä'tci-Ettig s. Küh-sitttig —
(1529) neue Ethik fnewe ethica, ParaceU.) = eine Ver-
zehrung des Leibes mit Aünehmung der Sub-
! stanz des Fleisches infolge von Quecksilber-
Kachexie, die Paracelsus als „neu«' Krankheit"
schilderte 'Purac. de Impii'-turi» . — (162'.») die Schwei-
nend Ettich SehmelKr I, i: i - «lie Schwindsucht,
Febris h.vhca. — l.v.ii der vollkommene Ettich
| (Had. Jun. 38y) =s Marasmus, Pebrifl heetica. —
ettich sein hektisch sein (schmeüor r. I7(
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116
Euel— Fachs.
extra— fahen.
man könnt«- hiebei nnrh an ctten = essen denken ,
s. kübsatüg).
Euel (Evel) s. ( bei.
Eunucho, m. (lövoö/o- — rf,- s'j\y({ «'i/ot;, etil
ciibieull augustaliscura erat ; Kastrierte wurden mit Vor-
liebe zum Schutze des Schlafgcmachcs der Kaiser be-
dienstet). — Eunuchen-Stimme.
Euter, in., n. Euters, Auter, m., n. i Bayern,
osterreich). Uter Schweiz), Euterlein, Euterle.
0 euterle (Schwaben). „In der Wurzel niuss die Vor-
stellung de« Nährenden, Frucht, enthalten sein" *Gr. W.
III, 1197, urindogcrni. üilhr = Enter [über, 0->»*-<zp],
Kluge 94, germ. üdr; Roth, udr, Gr. W. III, HOT; ahd.
utar. Mir, UralT I, IM; mhd. titcr, ntter, uther mamtuu
niullcris, C. v. Megbg. ; Gr. W. III, HOT; D. 346; 1472
utenut; 14H2 ntenwv, > -terwe, Wef. 315 = lactes, pellicula,
cuter f. . 1.40 cuters, Kluse 1. e ; engl, udder - Pf erde -
cuter.Kaltsrliin ). Auter, Euter, Euters, 1. - Milch
drüseheim Weibe (Mamma) („da mirkst n Autei",
«agt das ohcrtmycrischc IWuicrnmadehcn von seiner
hochhusigeu Freundin) = Tutte, Brust (Gr. W. I,
104» ; Iii. 1197). — 2. = tierischeMilchdrflse(Bauch-
Euter, Kuli- Euter, Koes-Auter). — Bauch Euter
für. w I, n«7) = die Milchdrüse am Hauche der
Säugetiere. — (1612) Brust-Euter (H Sachs)
Frauen-Brust (Gr. w. III, 1197;. — Fleisch Euter,
l. = eine Fleischbrust (s. d.) — 2. - eine fleisch-
artig sich anfühlende, umschriebene härtere
Schwellung des Tiereuters (Fraas, Falke I, 289). —
I euter - das ganze Milcbzeug. — Ä'a/ta-Euter,
tetine de veau, ein wie das Euterfett den Milcb-
kern, so die Kalbsnuss (s. d.) umgebendes Fett-
stock. — AVi-Euter = Uber vaccae. — strotzende
Euter (ahd drojtlnta utir, II. Z V, 329 distenta
üben», <ir W. III, 1198). — E'.itcr- . . -Brät,
-Butt, -Einschuss, -Kegel, -Knoten, -Schlier,
-Seuche.
extra; es ist mir gar nicht extra ich bin
nicht besonders wohl, bin unpftsslich.
fabeln (fameln) (zu mhd. f«l>ele = fabula. Kluge &.
9-r>; 1616 fabeln - clelirare, {<ir. W. III, 121">; delirium,
Hnum. 7 .33) = etwas sprechen (im Fieber), was
eigentlich nicht wahr ist (wie ein Fabelhanns
einfältig sprechen). — Fabel- fftte.
8t. Fabian. — St Fabians-P/aj - Hunger
(Sehraeller 1. 684; vielleic ht mit Beziehung an! die
essbare Hohne faba, die Im Januar das Bohnen-
Bericht [a. Bohne, Kultspciscl lieferte. Wer in den
Zwölften Hülsenfrucht«» isst , bekommt davon Haut
schwuren [Hamonen-Raclie] ; mehrere Hautkrankheiten
dcrludoucrniHtien werden nach solchen Hülsenfrüchten
[Linse, Ulme] benannt; Plclct, In Kuhn s Zcltschr. f
vergl. Spr.-f. V. 343)
Fabrik. - Tt&gQtrKrankheiU*.
Fach, 11 (Facht) räumliche Abteilung (ahd
fuhh; mhd. vach, Kluge*, 9'.; durch Faltung, l äge oder
stufnng = stück, t;r. Vf. 111, 1220, i-artitio . — Fachen,
1. = (1641) Eebt'l läppen (Hyrtl, K. W. 47. 1677; Heyn
228) — 2. = (1677) Zahnfleher (iiyrti, k. w. 87). —
(1783) FeW-Fächer — die mit Fett ausgefüllten,
zellig getrennten .Maschen im L'nterhautzell-
gewebe (K.ssich330). — (IOT7J Lcfcrr-Facht - Leber-
lappen ateyn. 228). — (1616) Quer-Y&ch (des Leibes)
— Zwerchfell > d , Diaphragma Heyne II, si;t),
weil es die (.iüeder des lvebens (Herz, Lunge)
ültcrzwerchs von den natürlichen (vegetativen)
Gliedern (Lebor, Milz, Magen samt dem Ince-
weid) trennt unterscheidet'. — 2ViK««t<f'-Fach
der 3. Magen der Wiederkäuer, der viele
Fachen (Fullen) hat (Beyn. 100) — Zahn-T&ch,
Alveolus dentis, Abteilung im Kiefer zur Auf-
nahme des Zahnes. — Ztct-Fachl (Österreich;
Hyrtl, K. w. 174) = der 2 fächerige, gedoppelte
llodensack, Scrotum.
Fachs, in (Fechs) s. Fax (Kretin\
Fachs (Fahs), m. (7 — s Jahrh fahs, l as». Glos».,
Diez »4; GraU III, 146) = Caesaries, Oapilli, der
reiche Haarwuchs (auch des Pferdes); in der
Schweiz noch ebenso wie in Tirol) Fax = dichtes,
glattes Haar (Hintner, 5. 12). — Feuer-Fachs -
Kothaar, Kotkopf Gr W Ul, 1220J — geschoren
Fachs lahd. kiskorln fahs, mhd. gescoren fahs, I). I60J
abgeschnittenes Haupthaar. -- Haupt-Y Achs
(mhd, honbetvahs, i.exer 106) Haupthaar (Fachs-
scheitel). — Fachs-ScAWiV/, -Strähne.
Faden, m. (- gedrehte Faser:, 1 das Gehänge
(Herz und Lunge! soll nach dem Volksglauben nur
an einem Nahfaden hatten (l'aull 23) Herzbändel.
2. = Längsfaser des Fleisches. — 3. = Faden-
förmiges, t. B. Skotom-Gebilde im Auge (Kopp
iv. 28i). — Faden-wAen, -Wurm. — Lebens-
Faden der von den kriech.) Parzen gespon-
nene und seiner Zeit zum Abschnitte gelangende
Faden 1 (ein von den (iriechen entlehntes Gleichnis,
das wohl vom Lichtfaden [Höcht] ubertragen ist; vergl.
Lebenslicht). — ScAi'c&M.VFaden - Lebensfaden
(H \. Ith. 442), den die nordischen Nornen
spinnen. — 7Vip/>er-Fäden — die von Hecker
1763— 1811) zuerst beobachteten, bezw. be-
schriebenen fadenförmigen Schleinigebilde, die
beim Harnröhren-Tripper im entleerten Harn
schwimmen (Pr. II, v>8. 651).
Fänge, pl. s. Fang.
Färch, n s. Ferch.
Färzen s Farxen.
Faserlein, Faschen, Fäserchen s. Faser.
Fäule s. faul.
Fäustling & Faust.
fahen, fangen, Fang, ra. Fänge, Fanger, m.
Gefange, n. — fahen (Ringe i, m , vorgerm. pank ,
eem germ fanh ; goth. Lihan ; ndh fnhnn fangen,
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fohen.
fahl— Fahne.
117
auffangen Ifang, vanc]; mhd. vühen ; 1716 langen
fallend eioschlie»Heu und halten, fesneln, binden), 1. =
einen Krankheitsstoff (Gift) fangen, empfangen
[ivss, Gr. w III, 1313). — 2. = ein Kind, a) con-
ripera und b) auffangen (durch die Hebamme;.
— Fänge!» (Gefange) - die Glieder zum Fan-
gen, 1. - Fang-Zähne der Tiere (Hunde, Eber)
'.'r. W. III, l.tl.'i, engl, lang liHiiiahne, /.ahn wurzeln,
i^ehf. 172), Fachzahn — 2. - die Ffisse der kurz-
beinigen Raubvögel (<ir. W. iv, l. iooü). — 3. -
einer, der da fängt. — Anfang in Jahrh auevang.
Ur. W. IV, 2. t.:iO) = „ein l'ierdefehler", vermutlich
= Überfang (s. d.) oder - Anfall (s. d.). — Sie
hat einen Anfang (seil, zur Mutterfreude) =
schwanger (,.«u 96, - ^gjgg^ j Kropf,
Lungensucht, Tag. — Atem fangen (iöi7 atten
Iahen «plrltum Mispendere, Schindler I, 727) a den
Atem ho mühsam holen, dass man jeden Atem-
zug so lange festhält, bis ein neuer erfolgt;
verlängertes Kxspirinm, Dyspnoea bei Emphy-
sema pulmonum, Asthma. — (1591) fwrt-fahig
(Bad. Jun. 394) - veetieeps, dem der Bart anfangt
tu wachsen. — Wangen sein mit etwas, z. H,
Siechtum, Kind, am Leibe, in der Wampe (12. Ms
IS, Jahrb. ; Hoffm. i. Ii». 142) - etwas bei sich auf-
genommen haben. — empfangen, Empfängnis
!ahd. cn(t)ptahen , mhd empfangen ; 1618 entpfeng- I
misse [coneeptlonen], H. v. üernil. 18; 1532 empfangen ;
ndl. ontfanghen, I>e Coek 4«) = coneipere, das Ver-
schliessen des Muttermundes nach Aufnahme
des Hamens (Kries, 123) und Schwangerschaft. —
(1799) Ba uch - Empfängnis — Bauchschwanger-
schaft, Graviditas extra-uterina (Denk 70). —
(1726) falsche Empf&ngnVLBB (The*, san. Br. 2S7)
= scheinbare Schwangerschaft, 1. = Vortäusch-
ung einer Konzeption durch eine Geschwulst
oder ein Gewächs im Leibe, oder 2. = un-
richtige Schwangerschaft (Molensch wanger -
schaft). — (mhd.) des todes sunft enphähen
• sterben, die Gesellschaft des Todes entgegen-
nehmen [Laxer tot) und mit demselben speisen
(im Jenseits), l. Kul-Mann. - j fangen
— Mücken fangen, schwermütig, griesgrämig I
sein, als ob man einen Wurm (Made, I^arve, '
s. Alp) im Gehirne hätte (unter Andeutung des
stillen Hinstarrens auf den Boden, das bei
schwermütigen Leuten beobachtbar ist, als ob
diese auf demselben mit den Augen etwas
suchten) — (17.*-.) Lenden - Fang - Uhachitis
(Tb. «an. nr 127). ein dem Mckfuug (Stich In das Ue-
nick beim Schlachten, i.r. W. VII, 738) nachgebildete«
Wort, wobei man sich vorstellte, dass das in-
folge von Uhachitis nicht gangfähige Kind
umkippt, als ob es einen Stich in die Lenden
liekommen hätte (Lendenkrunkbeit). — Luft-
Fänger, 1 ein Pferd, das den I'feiferdampf
(«. di bat und dabei Luft einschnappt, koekt,
koppt Knlke II, 76). — 2. - Windfänger (s. d.).
— Mücken fangen Fliegen fangen, Flockcn-
lesen (s. d. . — tWfang, 1. = wenn sich der
Mensch oder das Tier beim Schlucken ver-
fangen bat, zu viel in den Hals bekommt oder
etwas beim Schlucken in die Nabe des Kohl-
kopf-Hinganges kommt und dadurch Reflex- l
Würgakte und Huetenslöase mit Atemnot =
„nicht richtig den Atem holend (fangend)",
ausgelöst werden (Schindler i, 730.1 . — 2. - das
schlechte Schlucken und Würgen überhaupt,
z. B. durch mangelhaft gekaute Speisen, des-
halb bei Tieren (Schindler 1. c ): a) leerer oder
trockener Überfang, wenn infolge von schlech-
ten, lockeren Zähnen (Skorbut) o. chronischem
Magen-, Darm-Katarrh (auch Mund-Katarrh)
die Tiere scheinbar schwer kauen, schlecht
und wenig schlucken, schon trocken ohne
Nahrung sich verfangen, Atemnot haben und
abmagern ■ räch, steif werden; b) nasaer Über-
fang, wenn sieb die Tiere nach zu reich-
lichem od. zu schwerem Futter (nasser, frischer
Klee) eine Leibesau ftreibung zugexogen haben,
daas sie nicht mehr schlucken können vor
Atemnot (auch bei verschluckt. Fremdkörpern);
c) voller Überfang - nasser Überfang. — (1735)
Verfangen, 1 - Überfang (s. d.), wenn die Pferde
so lahm, räch (s. d.) sind, daas sie ihre Glieder
so bewegen und so steif gehen, als ob sie sich
in etwas verwickelt, verschlagen, verfangen
hätten ; damonlstbuh aufgefaßt , daher durch Be-
sprechungen behandelt (Abiig, .54 ; Meyer .21 ; De rock.
V. K. 1893, S. HO; Zipperl. 680), dagegen «(.Ilten das
Verfangkraut (Aruica mnnlana) und Besprechungen
(Wuttke 163) bellen. — 2. — den Atem nicht richtig
fangen, halten, ausser Atem kommen (durch
Brustkrampf, KoKk, Kot -Verstopfung, Ent-
zündung, Schreien etc.) = Herzgespann (Kneipp
183; Ooldschm. 36. 101. 111; V. II «9, Kalke II, I04J
'». verbalgen). — M . Fang, 1. = der Wind-
bauch vh. d.) der Kinder, in dem sich die Winde
^ewissermassen verfangen (s. d.) haben. — 2. =
Wind-Rähe (s. d.) (Kalke 11, 440; Irqucll IV, 279).
fahl, falb, Fahle, f. (germ. (all- [palleo, palliduaj;
:iskwln. lalu ; angls. fualo; ultnord. folr, nhd. falo;
mhd. val. Kluge 5, 96) = bleich entfärbt, gelb, blond.
— Fahle, f. = die bleicheren oder grauen Deck-
haare der Tiere (Kalke i, 171), — Malatzische
Fahle (ndl.. 1475 niallaitschc vale, D. 21) Albor
leprae, die gelbweisse Hautfarbe bei Lepra
(Malatzie) s. bleich.
Fahne, f Zeug, Stoff [tudogertn, pen; vorgertn,
panou-; nltgerm. lano ; gerui. lanan ; nhd. tanoj mhd.,
engl, vane, Kluge*, 96), 1. — die wie ein Fahnen-
stoff herabhängende od. sich fortsetzende Haut-
steile (Cr. W. III. 1242. Schindler I. 721). — 2. - der
Fahn (Bayer«) der Hautlappen am Hals des
Rindviehs, der zur Brust herabhängt Triel
(s. d., bei Tieren) oder auch Hals- Wamme,
Hals-Wampe (s. d.), Brustfshne. — 3. = beim
Hundegescbleclite - Uute oder Schwanz. —
Augcn-T&hnß (ahd. aug fan... iir »ff 1, 123 eine
Übersetzung dei Ben ulausd rucke«) : Pannus, bei dem
an der übergangsfalte zwischen Hornhaut und
Bindehaut durch Fintzündung eine gelbe, gelb-
rote, durchscheinende, knollige Inültrations-
masse sich ausbibiet, „als ob die Cornea mit
einem Tuche od. Felle überzogen wäre" (Arlt :?„',
da« Klugellelt l«t mehr ««elendig und In der kfitM
etwa* abhebbar; die Angcufahne [PaaBII»] dagegen feM
uugen ach»cu und ungleicher Korm) (s. Allgenfell).
— £n«f-Fahne [ahd. brwt-huo, ümn in, 2:0)
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11*
Fahr — fähren.
Falbel -fallen.
Huhne 2. — Fersen - Fahne =- Achilles -Sehne
a v. H. Ii. 1») als Sehuenfranse. — OÄr-Fahndl
(mlid. or-vandel; l& Jahrh. or-fandl meringa, Loxer
182; Schneller I, 358; D. 3Ö8) - Ohrfell, Trommel-
fei), Obren bltttchen.
Fahr, f Gefahr, f. iindogerm. peY (pericnlum),
germ. MT; ijoth. fero; ahd. fära; uord. far = Unglück.
1 l,lh,l • Kluge», ) tl). Gefahr nhd
- Nachstellung, franz. Je danger - Mllzbrandsouche,
Bris*. 118 (Börry;. 1609 gefahr am balss leydeu, tiiiar.
311 - da.« gefährliche Halsleidon oder Halsweh, s. d.)
= Seuche als Unglück (durch nachstellende
Dämonen). - gefährliche« Oeblüt, -Haupt-
krankhtit.
fahren (indogerm. per, por; form, far - Fortbe-
wegung jeder Art; goth., ahd. furaj, [wondun. ziehen,
gehcu]; inhd. varu, Kluge*, 97); das Wort ist *o ge-
braucht von : schubweise oder oft erscheinenden
plötzlichen Bewegungen der Geister (Nacht-
fahren), der kranken Menschen oder der Krank-
heitszeiehen, i. B. plötzliche, schnelle Entlee-
rung von Harnsteinen, Eiter I2C0. Pfeiffer M. 66]
- fährtig s. fertig. - Fahre, f Fahren, pl.
,ur" - fahrende Hexe, sal. Gesetzbuch, mbd.
famn; Uli, mit der var = Hexenfahrt, Klezler 20)
= die fahrenden, wie Geschosse (s. d.) rlie-
gonden Krankheitsgeister = Arthritis vaga im
Kopfe; vergl. fliegende Alpen suh Alp (Gr. n. M
Ii. nw. au). - Fahrt; das Kind ist au der Fahrt
- wird entbunden. — Der fahrende Mann
(s. d.) ist - die Seele vom Leihe geschieden, der
Schatten (Zolling. Voc. hh 5; schon Im Merscburger
Zauberspruch fahren die, Krankheitsgeister zu Holz).
- aMahren - bimmeln, sterben, den Hellweg
(Hella - Todesgöttin) fahren. - zu Acker fahren
- coire (s. Hauer und Ziel) (FuraceK . Pr. n, 71 ,
D. isi) — ««/"fahren a) (172'. uuflahtvu im schlaf,
The», san. Br. b6) — Favur nocturuus, bei dem die
Kinder plötzlich wie vom Nachtalp „geschreckt"
(8. d.) ans dem Bette auffahren, wogegen nach
Zingorle Z. f. d. M. IV) in Timl ,ii0 Versteht- (s. Gicht)
Kok« Paoonia getrogen wird (s. Nachtgeschrei); j
b) (1517 „es" Ist mir uffgefarn - mihi abscessit, 1). 4) —
das plötzliche Erscheinen von Ei ter-A bscessen, \
Fusteln, Blattern im Gesichte (Nachtschaden).' '
— Das /l«*fahren - Hautauschlag, der schub-
weise sich ausbildet, hervorkommt: a) (früher) |
Aussatz (Lepra); besonder« b) um die Augen,
..du* \u*fahrcu der Augen" bei Walther von der Vogel-
weide (71 1 als eine Goitesatrafc ( - Aussatz) benannt,
(vergl. „Engerling" unter den Augen, s. fahren-
der Wurm 3); spater auf andere Hautkrank-
heiten ubertragen; c) {im Ekzema («ehrend ::n
und d) Strophulus (s. roles Ausfahren, auch
Aussprung der Kinder) {«ehrend so»; e) auch der
Herpes (Impetigo) labialis (Pauli 140; Fuchs in,
10*0). — rotes Ausfahren - Strophulus inier- '
tinetus /Mehrend »); roter Ansprung (s. d.) — j
</urc/t-fährtlg (1429 durterlig, UUS durch vertig im
buch - bixus, i) -.vii: - den Durchfall (Durch-
marsch) habend. - er ist mit Frau Holle ge-
fahren s. wilde Fahrt (Schcible III. 409). — Grfint
B. Fahr, f. - ins.: laufenden Fahren (lopenden
varen [nieder*.]; ..scharboekrthnltohe Zufalle, fffls ein
grosser und widerrufender Schmer* mit u„ic <ift
die uervlglen Teile angreift", .\. s. U. I, 131U) _
laufende Gichtröte (g. Üiegende Elben). — er-
fährt (Nord-Franken) = erschreckt, betäubt (Schm.
1. 739). - Xacht- j Jahren j (mM nahtvftrn _
Hexen, Wulriderske, Uoltb. 117; 14S2 nachtfar - lamia
noctlvagus, D. 318. 382) e. wilde Fahrt u. fertig. —
Äom-Fahrt-^ Horn-Reise (s d.); die Wallfahrten
der schwangeren Frauen sind heute noch häufig.
Umfahrend (mbd. unvurnde [Adj], I^exer 303) =
durch Krankheit an der freien Bewegung he-
hindert. — wilde Fahrt (Fahre) ^ das Gefolge
der Hera In der wilden Jagd, die in den Rauchnachten
s. Z. der Wintersonnenwende und des germanischen
Totenfestes nächtlicherweile durch die Lüfte im Sturm
dahinfahrt nach dein Volksglauben; die elbischen
Berchtlein und Schrttttlein etc. sind die mit-
fahrenden Krankheits-Dämonen (Hollefahren),
die Hexensehuss und Hautscb waren bringen;'
(15. Jahrb. domlaa Hera [ = Hcrka. PerchU, Statnpa!
Holda] volat per acra (zwischen Weihnachten und
hl. 3 Konig]. Gr. Ü. M. 232. 23;:. SchmcUer I, 7fi0) ;
diese mit der Frau Holle fahrenden Dämonen
verwirren auch die Haare (= er ist mit Frau
Holle gefahren). — zerfahren - verwirrt in
den Haaren und (bildlich; auch im Geiste
fahrend er, et) Gift, Wurm.
Faibel, ÜB., n. 1. = Falbel (Fallben und 2. =
Feibel (s. d ).
Faisch, faist s. feist.
Falbel, n. Falbel, m. (Suehsen-ThUringeu , IM)
in Verwüuschnngsformeln aultretend) = Epilepsie
das fallende Übel, Falliibel, Falbl (s. t?hel) (val-
Ubel, Cr. W. I, SS6; III, VMS. 128«; Cr. 1». J|. 1110; die
Synonyma g. bei Hinlallend u. Epilepsie etc.).
Falbel, m. - ein dummer Mensch, ein Epilep-
tiker. 1 1
Falcadine, n. eine syphilitische Krankheit an
der tirolerisch-italienischen Grenze, zuerst im
Dorfe Falcadine in der Provinz Belluno beo-
bachtet; (1790) tirolische Seuche (Uehrend 74-
Fuchs 0, 71«; K. u. P. III, US; Pr II, MC :.0«), —
falcadische Krankheit.
Falke, m. Falken- .4 «^e.
fallen, Fall, m. Fallen, f., n. [iadoferm. phai
[faUo] sa tauachen, zu Fall bringen ; vorgerm. phaln ,
Kenn, fall, gem. germ. fallan; ahd. fallati . mhd. vallen!
Kluge 97) = plötzliches Abwärtskommeii , in andere
f.age kommen. — Fall, in., 1. = die einzelne
Krankheit, welche den Menschen hefallen hat.
— 2. = der Kranke selbst, der diese (1) bat
— 3. - das Hinsterben des Menschen, des
Viehes (Viehfall, Sterbfall) (sehmeller I, 7tM). —
Fallen, f. (ahd. falla; mbd. vnlle, Kluge 97) - Klap-
pen, Valvulae cordis s. venarum (Anatomischer
SehulausUruck des MitteUltera, Hyrtl, K. W. 46) (vergl
enge Fall, Fallthüre, Überfall). - Fallend, n ,m.
(seil. Übel od. Weh, Siechtag, s. d.j (und fallandiu
iaht [■. Sucht U, St. YalenUn] -= Kpllepsie [s. d .]. morbus
comltialis. Fall-Obel, Falbel, Falbl, fallende Sucht,
Hinfallend [s. u.]; lö. Jahrh. der vallient. Schmellor l'
705; daz vallendo epilepsia, cadibundus ijuj een>bro['t
ca-lit, I». 87; Gr. W. in, 128t., Uxer 311; 13« der
fallend [seil. Lochtum' srolomia Ohnmacht (Kpl
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fallen.
fallen.
11«
leHa--}. II. v <.er*d. 100; l'*» der falleud - npilepsia, r
Inchenh. Mirakel, lölö das fallend, Paracelsus; Gr. \V.
in, 128»0 — Morbus cadueus, Kpilepsia = der
fallende Sieehtag, das fallende Übel, eine Krank- j
holt, die tn einem Seirenfipniehe In einer Baseler Her
Kameulhandschrift als« Krankheltsperson auftritt (H. 2.
XVII, 560; verjrl. FnUnd. Falaud Teulel, Sehmelier I
1, 89«; mhd. välant;. — fallen, 1 — hinfallen, j
z. B. bei der Epilepsie, beim Sterben (Vieh,
s. Kampf). — 2. - geworfen, als Junges zur
Welt gebracht werden z. B. Schafe; vergl. Miß-
fall). — der Arm fällt aus der Kugel - Luxatio
humeri. — die Verkühlung fällt auf den Hals
(liutdaehm. in- (s. sinken u. Flussfallen). — das
Blatt fällt (f. Blatt 9, S. 48) = das Fallen der
Schädelfontanelle hei Meningitis (s. u. auch
ZApfchenfallen). — vom Fleische fallen = mager
werden ftsr. W. III. 1753). — über die eigenen
Küsse fallen = durch (paretische) Kreuzung
der Unterfttsse beim Gehen stolpern. — (1528)
der Floh fällt ins Ohr (Fries «•) ob als Krank-
heit gemeint?. — ein Fluss fällt (z. B. vor die
Augen) = rheumatische Anschwellung desOber-
kiefers (Parulis) mit Augenlidsch wellung (Gr. |
\v. in. 1856) oder der Fluss (s. d.) fällt, sinkt als
Schnupfen ( = ndl. vallln*. DeCock 138 - verkoudheid
= Erkaltungaschnupfen, V. K. IV, 11; rhume tombc
mr in poitriue, Kri«. ioij. — die Kiankheit fällt
= sie hat eine andere Wendung genommen
Schwel»; Gr. \\. I. eod — ins Geblüt faUen -
ein ganz plötzlich eingefallener, sich einstel-
lender Gebärmutter-BlutHuss i-aulM»), — der
Hauck (Hucken) ist herabgefallen -= Zäpfchen
fallen (s. d. u. Hauck) (Frischt.. 64). — das Kind
fällt = stürzt im Uterus, Descensus pueri — das
Herabtreten des Kindes in das Becken (1783,
stein D, l«}. — der Ofen fällt ein s. Ofen. —
lö.Jahrh )in Krankheit fallen ineineKrankheit
verfallen ;<ir. W. V, 9088; cd*!, to füll «ick -blech,
krank werden1 — die Krankheit fällt anf Einen
(ja Anfall). — der gefallene Leih Leichnam,
Kadaver (Gr. w m, 1278). — (16«») die Kehle fällt,
die Mandel fällt - das Zäpfchen fällt- An-
schwellung des Zäpfchens (Uvula), »las dabei im
Halse tiefer zur Kehle herabhängt i m. Halszäpf-
lein^.auch - AnginamitOedemauvnlae «ir.W, IV,
2. 270 ; Heyn. 90; nieder! zinkitiR- Sinken, Fallen des
Xuj.fchen», De rock 13s; auch norwegisch ist diese
Vorstellung vorhanden; i.iebrecbt «. Volkskunde 1879.
S. 339: „Ein einzelnes Haar nul dem Sehadel steht
mit dem ZHpfchcu in Verbindung; triflt man dleaea
lieim Ausziehen des Ilaares, dann geht das Zäpfchen
wieder hinauf). — Auch Löcher fallen brechen
ein ins Zahnfleisch (i.vj»; Seuter. Kossarzncy;
«■ngl. vard-fallcn Rutenfalleu port ercctloncm virgue).
s. tierte. IMV Fall-Munic pnpm er eudueu* macht,
dass mau in Schlaf fällt — /Ifc-Fall, 1 - Krisis
inorbi , Teuiperaturabsturz beim Fieber. —
2. - Abmagerung, Abnahme der Körperfülle.
— & - Abgang eines Teile« - f^f"' [Abfall
s. ausschuhen (Falke i, ii;> , Ii, v. . — Abfallen
des 2. Blutstropfens (Schwaben) (s. Tropf) =
Apoplexia itavarinii. .'. wtüj. — anfallender F/us»
- (uhUr fällig h. Rückfall - [loco Unfall -
eine Art vun unvermutetem, feindlichem An- I
griff des Krankheitsdämons, Impetus, Accessio
morbi (Paroxysmus Galeni) auf den Menschen,
der dadurch in Not (s. d.) versetzt wird, z. B.
Epilepsie ■ schwere Not (Zeluchr. f. d. l'hilolog.
xxvi, SM). — Fieber-Anfall = Accessio febris
(Gr. \v. Iii, 1621) im Gegensatze zur fieberfreien
Intermiuion. — Gicht-Anfall der Gicht-
schmerz nach längerer Latenz der Krankheit.
— Krankheits-Anfall (Gr. w. I, ::2;;j. — Nerven-
Anfall =- plötzliche Schwäche oder Krämpfe
infolge von Nervenreizung. — Nies- Anfall^
Heufieber (Schc.b 189). — Pest-Anfall = Pest-
erkrankung (Gr. \v. vii, iö72). — Schlag-Anfall
— plötzliche Lähmung durch den Schlagrluss
(s. d. u. Schlag). — Schmerz- Anfall = der plötz-
lich eintretende Schmerz einer sonst latenten
Neuralgie. — (igiö, schwerer Anfall = Epilepsia,
Eclampsia infantitim [Coler, K. 357J. — Sehnen-
Anfall (ndl. zenuw-aan valleu, V.-K. II, 2:«») — fallende
Sucht, die in den Gliedern u. Sehnen Zuckungen,
einen Nervenanfall macht. — anfällig (mhd. an
vellec. Leser 7), 1= contugiosus (Gift, Krebs,
Seuche) (Gr. W. I, 321. Schmellcr I, 7u6, Coler, H. A.
207). — 2. — leicht kranklich, zu Krankheiten
disponiert. — .De/ - Fall, Aucht-TaXL (ahd. aohta
= Nachtweide, couf. Auehtblume, Schmellcr I, 31;
Falke i, 88) — Milzbrand als Herdfall im Sommer
auf der Nachtweide im Gegensatze zur Winter-
fälligkeit. — .l.'-Fall 1. - Ausschlag (s. d.V
2. = Vorfall (s. d.V — (1725) After-Ausfall
Mastdann -Vorfall, Prolapsus s. procidentia ani
(Thes. san. Hr 18::. 431 ; Zw. 100). — (1551) Haar-Ausfall
nu««fallen der harlln, Hock 102,1 Alopecia (s. Haar-
fall, Alopecia leprosa) [Neiner). — (H>6*) Haut-
Ausfall — Hautausschlag • >n. 120). — (1742)
Leibs- Ausfall — Eingeweide -Vorfall aus dein
Leibe (Zw. 413), Prolapsus, Hernia — (10. Jahrh.)
Mutter- (1712 Bärmutterhals- Ausfallen) ^Pro-
lapsus vaginae et uteri (Th > • s . tu. Hr. 37«; Arx.-Huch ■
Zw. loi. 260). — «lie Zähne fallen aus (ihren
Fächern) -- auffallen, 1 - ausschlüpfen aus
dem Ei (Schindler I, 703). — 2. -einen Ausschlag
der Haut erhalten ; dazu .100.0; heftig ausgefallen
sein (Inchenh Mirakel, Schmellcr I, 703 — senbie occu-
P«ii iHüsj. Sellin. I cod.;. ausfällig sein — ideui. —
8. — die Eingeweide od. Glieder durch Fall od.
BÖHM aus ihrer Lage bringen, z. B. einen Ein-
geweide-Vorfall haben. — (1200) der Iura ist ■£
geswoiicu, diu er weile rtzvallen = dass er durch
den Entzündungsprozess zur Spontanluxation
gelangt (l'feiffer 35). — einen Zahn oder Arm
ausfallen (aus seiner natürlichen Fügung). —
<t<.2U| Bauch-TäXLiffkeitcti {lt. Minderer) - Durchfall
mit Bauchschmerz. — {/«--fallen mit einer Krank-
heit (s. Anfall:. — /?/«f-Fall - Blutsturz (Hac-
moptoe;. — 'icr~ I fallen (oberd.) = durch Fall,
Sturzsich benchadiuen, zerfallen, zu Tod stürzen
(Schweiler I. 703). — (108») dwchWliy (Had. Jon. 8W;
«.r. W. II, lOtx.) - mit dem Hurchfall behaftet. —
(l-^e; Durch-Tsül i^r. W, II, 1605), 1. = Diarrhoe,
Hurchbruch, Durchmarsch, Abweichen, L'ho-
lerine (Aekerm. 2i«; llutclaud 48*>j. — (1676) uvuf-
Kierende l'iurchfälle epkteinwche Kühr (IlucM'i
II, 385). — (1753] Mutter- Durchfall hysterische
Diarrhoe, „die allein von den Unruhen der
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12« fallen.
Mutternerven (Hysterie) kommt" (A. v. H. J, stM).
— Zahu-Durchfäll = Diarrhoe» infantium ex
dentione, eine Diarrhoe zur Zeit des ersten
Zahnens der Kinder (Köhler Ii, 233). — 2. =
(fränkische Redensart) den Durchfall haben = ein
wenig im Kopfe verrückt sein (verhüllende Um-
Schreibung. Schmeller I, 701). — Du irr Fall = Dürr-
faule (Kalke 1, 223). — (1752) das .Einfallen der
Beine, 1. ~ Altersknickung der Beine — 2. —
X-Fflsse (Hackerheine, Genu valgum) (A. v. II-
II, 42o>. — (1SIB) enge Fall — Schlund Verengerung
(der .Schlund als Klappe = Falle angenommen)
(Pries 87, engl, jaw-fall — Kinnbackenkrampf l —
«tf-fallen - ganz zu Grunde, Verlust gehen
durch Fall, z. Ii. die Sprache (Coler, H. A. 110).
— (1482) Errf-Fall (mhd. ertvall; 1482 ertfall, D. 275,
iMxet 55), 1. = Totschlag, Wunde, wenn ein
Mann oder auch ein Glied desselben nieder-
gehauen wird und zur Erde fallt, zu Boden
stürzt (Gr. W. UJ, 7i.7; IV. 2. I0.su). — 2. - Milz-
brand S. Krdsturz. —3. = Rotlauf (uerbarupertiana
[D. 275] sollte dagegen helfen). — erdfallig (1252 ort-
vcliik, «ciuiu lier I, 705), den Krdfall habend (s. o ).
[UM) Haar-TaH Alopecia (s. Fuchskrankheil),
Maar-Ausfall ;'s. o.), capillorum defluviuiu (ur.
W. IV. 2. 2«; l'felfler io). ein Zeichen von l.epra
(Morfea), Syphilis etc. — Herd-Tall, 1 - Erd-
fall (s. o.) (Ur. W. IV, 2. iosoi. — 2. = tödliche
Herdenseuche. — das Hin-f allen, das Hin-
fallende sei. Weh, Übel, Seuche, Siechtum,
Gebresten; die Hinfallende (Seuche, Sucht);
der Hinfallende (Siechtag, s. d ), 1. = Epilepsia
(s. d.) (mortui* oadnena i eomlflallt, Gr. W. IV, l.
1W», 2 1429; Sehmeiler I, 705; morbus Avertlnl =
Ulli a i-ensu avertit, I)u Cansre V, 517; siehe diu übrigen
Synonyma bei fallende Krankheit und Epilepsie. —
2. = eine Kinderkrankheit; die böse Staupe,
die Brandwut [Gr. w. Ii, :i02), bei der die Tiere
plötzlich hinfallen ; Krdsturz, Erdfall, s. d.) -
apoplectiformer Milzbrand. — 3. I17W) eine
Jlühnerseuche. — hinfällig = ohnmachtig, in-
lirmus (Gr. w. IV, 2. 1430). schwächlich, leicht
fallend, uebrechlich (hinfällige Gesundheit). —
/»infcr-fällig s. Kückfall. — Horn-Tall - das
Abfallen der Horntoile (Haare, Klauen, Nagel),
1. = Klauenseuche. — 2. - Lepra (II. Z. VI, Oft;
schui. l, llüi), Lepra nervorum, bei der Auf-
blätterung und Zerbröekelun« der hornartigon
Nägel Stattfindet (Neisscr, Z. ildb. d. tp. Path. ii.
Tfaer. XIV, 1. 6») (s. Hornbruder). — Afis.s-Fall
jsrhwed. missfall ; ifiw, mll . mlsval, De Cock 60; ml«-
vallen van kinde, V. K. II, ») = Abortus vom An-
fange des zweiten Monats (Ilyrtl, Anat. 742; Ackern,
441), Fehlgeburt, wobei die Frucht sozusagen
schlecht herausfallt aus dem Leihe (Gr. W. VI,
22st) (noch gebräuchlich). — monaf-fallend :«hd.
inanod fnllonti) ; lunaticus, an der intermittie-
renden Epilepsie leidend (Schmeller I, 1608). —
Ohr-Taü Erdfall (s. d.) (15. Jahrb., ndl. orval,
D. 275). Nachdem die Ptlnuze „Erdfall" (Geniuium
Rupertiaimm, Itobertlanum) auch Ohr-Fall forvall, d. h.
Mittel treten diese) heUst (Gr. W. III, 767) so bt
„ohrfair uli Erdfall des Ohres, d. h. Blutung
beim abgehauenen Ohre zu verstehen (Gr. W.
VII, 1261). — Ohr- verfallen (8. u.). — Pcftf-Fall,
1. Festanfall. 2. - der einzelne IVstkrank-
fallen.
*
heiUfall. - (1782) BücA-Fall (rückfällig* -Mor-
bus recidivus (15. Jahrh.. ndd. achtervellich [s. d.j.
hmterfalllg) , wieder auf das Krankenlager zu
liegen kommend (l». 487). — Riie kt all- Fieber,
— Typhus. — Runzel- (fi«nre-)Fall = Cunnus
| (nach Gr. \V. VIII, 1423 aus [franz.] ronceval volks-
etyraolofflseh umffedeutet auf runse) — Falte. —
scJucerer Fall, 1. — gewichtiger Sturz. — 2.=
ernster Krankheitsfall (Fall 1). — 1645) Schultern-
Fall - die Verrenkung einer Schulter durch
Fall, Store (Coler, B. A. 143). — Stoib-Fall (ndl.
sterf ffeval, De Coek 335) s eigentlich das zur Erde
fallen beim Sterben und = Todesfall. — Torf-
Fall (mhd. K.t-val, töt-gevclle), 1. = eigentlich das
plötzliche Sterben durch Verwundung, wobei
I man zur Erde fallt (Gr. W. III, 1272. l/nter 269). —
i 2. = der einzelne mit Tod abgehende Krank-
1 heitsfall. — 7Vwn/c-Fällt0A-e»f - Alkoholismus,
der hinfällige Zustand bei der Trunksucht (Pr.
Arzt 187."., s i:i»). — (1620) ; 1 j fallen sein - flber-
1 deckt mit Ausfall, Ausschlag (Zeltachr. f. d. Philol
XXVI, 242). — (1477) fjVrfall, m. (überval, Lcxer
2*1), 1. bs Epiglottia (C v. MegeubK). herüber-
t reichende Fallen- (s. o.) Klappe, der Kehldeckel
als eine über den Kehlkopf herüberfallende
Bedeckung. — 2. - s Überwurf (Falke II, 385). —
(160 .) I/nfall, Einfall, 1. = Viehseuche (Anthrax -
EpisOOtie; (Inchenh. Mir.; 1735 paehe umfall -
schelm. A M. 18; 1777, Schmeller I, 705), s. Erdsturz,
VtebfälL — 2. = der unglückliche Fall, Sturz,
Unglücksfall. — (1661) twfallen, 1. - Unfall 2.
2. ■ Krankheit halben (Hock 145) in Abzehrung
und KräfteBchwund fallen, geraten durch Krank-
heit. — Ohr-verfallen (1280 so dem menschen diu
«.reu verwaebsent oder vervallent, daz er. niht ffelmreu
mach, Pfeiffer :;7. 88). — (1681) am G'hör-veifallt
leiden (Manuskript eines Dorfbaders ; kherverfoldt).
1. = Obturatio tubae Eustachii, bei der das Hör-
vermögen durch plötzlichen Schleimverschluss
„sich verschlagt", wie eine zufallende Thüre,
die den Zugang verschliesst. — 2. = jede Schwer-
hörigkeit, gewissermassen der durch Fall, Sturz
verursachten analog; (aufs Hirn gefallen sein).
— (161») Todes-vorfallen = mit dem Tode ab-
gehen (Schmeller i, 704) , das Leben ganz be-
I schliessen. — VWi-Fall - Vieh-Seuche (Epi-
zootie). — Vorfall - regelwidriges Zumvor-
scheinkommen von sonst mehr im Innern des
Körpers liegenden Teilen (z. B. KindesteilenV
— Augapfel-, Augen-Vorfall — Exophthalmus
(A. v. H. Ii, 42«:, Proptosis (Galeni), Vortreten
des Augenbulbus. — Mutterhals- Vorfall- Fro-
lapsus uteri (Zw. 622). — (1515) tcieder-Wlig =
rückfällig (s. wiederfälligeSucht). — (1735) winter-
fällig - im Winter trotz guter Stalllütterung
dürr und mager, hinfällig werdend (v. Tieren)
{V. B. 29), im Gegensatze z. sommerlichen Milz-
brand auf der Weide - Umfall, Aucht- (Aug-)
Fall. — Zufall (mhd. zuoval — accidens, was einem
zufallt, Kluge4. 100, -- Symptoma (Aristoieiu:, Er-
scheinung bei einer Krankheit, deren Hinzu-
treten mau nicht erwartete (Ackermann ttf). —
Zufall beim Fieber u>2 mfal im Heber als wpiak
des haupt orler llu*< der nitsen symptoma, Zeninff.
| Voc. qq l; D. 587), z. B. Wehtag des Hauptes,
NasonfluHs, Herzklopfen (- Herzzufall;, ;i6«o)
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falsch — Familie.
Fang— Kar he.
121
Speichelßuss, Entzündung (- Kopfrufall, (Kopp
IV. 435; Hildenbr. 49, IslO, Pr. II, 279), — 116 Jahrb.)
melancholische Zufalle - die Komplexion der
Melancholie (s.d.) als Symptom b. Herzschwäche
\nu.-Bueh). — Nervenzufälle = Eclampsia syrap-
tomatica, hysterische Krämpfe, Ohnmächten;
1361 zufallende kränklichen der kinder — spasml
[Eclampsia sytuptoinatica], Bock I4«>j, (conf. Zufalls-
Fieber . — Ohren -Zufallen = Ohrensausen und
Schwerhörigkeit, als ob vor den Obren eine
ThOre zugefallen wäre (Pauli no). — (1861] Spann-
ader-Zufälle (<:r. W. VIII. 16».'.) - NervenzufAlle
(s. o). — Fall- fallen U Frais, -Gicht, -Schäden.
-Schlier, -Seuche, -Siechtag, -Siechtum, -Sucltt,
— Thüre, - Übel, - Weh, - Wunde.
falsch (mhd. valsch, eine relativ junge Neubildung,
die einem aus dein Welschlandc auf Umwegen erhal-
tenen Worte aus Int. falsus [Kluge 97; entstammt)
unrecht, unecht ; s. d.), unwahr, vortäuschend. —
(WS) ge- I mjudjj _ fai8Ch behandelt, verdorben
ver- 1
i-nracel«.' — falsch^, er, es, -Aufnahme, -Blatter,
-Bräune, • Brustbräune, -Drehkrankheit, -Druse,
•Empfängnis, Frucht, -Fruchtwasser, Gliederweh,
•Geruch, -Haar, -Harnröhre, -Haut, -Klaue,
•Knochen, -Krätze, -Kunde, -Lage, -Märker,
-Masern , -Pestseuchen , -Pleuresch , -Pocken,
-Quartier, Hippen, -Schafwasser , -Sehen,
-Seitenstich, -Siechtag, -Schwindel, Versamm-
lung, -Wasser, - Wehen, - Weichseltopf, - Wochen.
falten, Falte, f Faltung (vonterm. pit ; gem.
serm faltb . ahd. lalt. (altan ; mhd. valte, Valien Kluge
9* — tlachenhaft zusammenlegen. . — (1783) Keldung —
Faltung, von Eingeweidehäuten (Löveling 197). —
Darm Falte - die Rumeln der Gedärmschleim-
hant (Valvulae conniventos etc.) [Qr. W. D, 781).
— Z)»<-cÄ-Faltung => Leistenbeuge. — Gaumen-
Falten — Gaumensegel, Palatntn molle. — Ge-
rii Ii!* Falten — Runzeln (Filteln) (Schnuller i, 716).
— // •'«'-Falten — Runzeln (Schindler I, 7io;. —
Mannith- j jaj^e^' 05 J (15-Jahrh. mauigfalt, manch-
falt = omasum [omentum1, tomoculum, intestinum
Kouni, echlnus, abomasus. I). 196. 395. 587;, 1. — das
dünne Gedärm, das in häutige o. viel«* Schlingen
und Falten sich legt. — 2. = der in viele Schleim-
hautfalten gelegte Psalter, der 3. Magen der
Wiederkäuer (Schindler I. 1605 ; Und Juu. 48; Gr. W.
vn, 1206 — Afund-Falten = Runzeln um den
Mundwinke). — Stit -.-Falten - Runzeln auf
der Stirne (Rugae; 8. Abrahämle; Filteln). —
Vi>/-falt (ahd. vilevart vUefalt] = omaMi«, D. 395) a
Mannigfalt. — Falten- Kranz, Magen, -Ring.
Falz, m., falzen (indogerm. peld [dazu Filz); gern»,
falt m pcllere [peldere] — »tossen ; ahd. falzen ; mhd.
valzen - zusammenlegen , Kluge 9S anstoßend ver-
binden). — Xagel-Talz - die tiefe I lautfurche,
mit «1er der hintere Teil und die beiden Seiten-
teile des Nagels 's. d.) zusamtneustoRiien fityrtl,
Anat. 622. — Falz - Wunde.
f am ein- fabeln (fama^i [Kraus, B. :.;<;.
Familie, f. (ein seil ca. 1700 eingebürgertes Wort
au« [frz.J familleu [lat.] familia, Kluge *, 9s;. — Bluter-
Famille Familie, in der alle Generationen der-
selben Vertreter der sogen. Bluterkrankheit auf-
zuweisen haben. — Familien - Krankheit.
Fang, fangen, Fanger s. fahen.
fantalierenf il:!0S famA?ift = ,rrwftbn; "" ,an"
tastieus - idiota. homo lumitieus, fanta.sU = cella in an-
teriori parte capitis, r>u «Zange IV, 413 , I). 226 ; f s. Zelle; ,
zu mhd. fantaste aus [lat.-griech.) phantaMa. Kluge*,
99; Leset 311; Du fange VI, 302 = Einbildung, enfan-
tement; 1482 fantasiare, Zening. Voo. ; 1508 fanUstig
.- mit Fantasien behaftet, delirierend, «ir W. IV, 2. 1563:
1594 faudasey — Gehirnkrankheit [*. Bayerland 1894
s 43«.]). — fantasieren — Delirien äussern(Buek Ii;
— (16. Jahrb.) krumme Fantasie — verkehrte Ein-
hüllung, Melancholie (D. 354). — berchtische Tru-
den -Fantasie eine Einbildung oder Wahn-
vorstellung als Folge des Einflusses derTru«len.
des Gefolges der Frau Berchte (Schnuller I, 2721
— (lc.Jnhrh.) <p-o«s« Fantasie - lebhaftes Fieber -
delirium bei der Pestkrankheit (Lersch 272).
Farbe, f. (ahd. farawa; mhd. varwe. Kluge*, 99 —
da« verschiedenartige Aussehen eines Gegenstandes).
1. — Hautfarbe ah- Gesundheit«- oder Krank-
heitszeichen. — 2. = Blut (Schweiss). das farbige
Spuren hinteiläSSt (Jägersprache, Gr. \V. III. 1322.
1324). — Blutharnen - färben (Schindler I, 761).
(Nach der Farbe unterschied die griechUchc Medizin
schule die vier <len Korper der Lebewesen zusammen-
setzenden Elemente Blut [rot], Schleim [weiss], gelben,
schwarze Galle ; auch die Arablsten des Mittelalters legten
nach dem Vorbilde Rhazes' [um 900] in dem Itegimen
j scolae salernitanae den Körperfarben besondere Bedeu-
tung bei, z. lt. war rot [aer, «amiulsjdie Farbe des Blutes,
Klutzeuguisses, der 8ch«.nhelt un Leib und Haar ; bleich
j oder gelb [crocus. ignls, cholcra] die Farbe der Galle,
I des Neides, des Zornes, der Krankheit und des Todes,
braunschwarz Unten*, lern«, melancholia] die Farbe des
I Hasslichen, des l'uglücke*. der Dämonen [Teufel);
weiss [a<|ua, phlegmal die Farbe des Stumpfsinns und
Schleime«; blau = die Farbe der Hcrzetiskalte , grün
die Farbe des Wassers, des boshaften Neides. der Krank-
' heit [grüngelb] und des Giftes [«{alle I, 2 aber auch
1 der Fris«-he; grau — die Farbe des Alters und der Dä-
monen [abgeblasstes Schwarz1. . vergl. Wackemagel, «He
KarlM ti und Itlumenspr. «1. M. -Alters Abhdl. 1, 151 IT.
In den uralten, deutschen Besch wonmgsformeln denten
die Krankheilsfarben und Wurmfarben die Symptome
und Stadien der Krankheit an, vergl. Bartels In Zeitsehr.
«1. Ver t Volksk 1895. s. 2»; ». Rose). Man bekommt
^verliert Farbe = erhalt wieder das Ansehen
der Gesundheit (Krankheit) (Gr. W. III, 1322). —
atVfärbig [abveer, Schmeller I, 750) = ungestaltet,
bleich, missfarbig. — (13. Jahrb.) «WctcA-farbig
I (mnd. blekvaer. Mag Barth. 95i m hellgelbe, bleiche
j Gesichtsfarbe habend. — «Vitf-farbig (blotfaro,
j blütfarwl, Oraff III, 253 ; 14. Jahrh. bluotvar, Voc. opt.
W. 15. 31; Gr. \v. VI, 1699) - frischrot z. B. Wund-
masen, Gedärme etc. — erd- farbig 1 175, ndl. ert-
varwige - melamoUeus, D. 354) = Voll braungelber
Missfarbe infolge irdischen Blutes (s. d.) oder
8chwarzerGall<>;8. Melancholie — Fteier-Farbe
(1260 flwervar, Pfeiffer 2«; Gr. W. III, 1621) = Color
febiiculosus - Fieberröte im Angesichte, oder
llarnscdimente, hektische Wangenröte. — Gccl-,
Geifj-Farbe ur • k- h eclr arw« — hepnttena, D.203, IUI
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122
Karre— Fauch.
Fasel— Fass.
Hock 36), 1. = Ikterus hepaticus, Gelbsucht — I
2. = das Aussehen des Siechtums oder Todes
fg. o. u. gelb). — Gesichts-Yasbe - der Ausdruck
der Gesundheit oder Krankheit. — (ia»o; gift-
färbig = von hüsslicher, unschöner (Urin)- Farbe
« Pfeiffer 23. «►:>), — gute Farbe = gesundes Aus- '
sehen. — Leib - Farbe = Fleischfarbe des
menschlichen Körpers [Gr. W. vi. ftyo; Roch
hoijt II). — [1609] glawe l.einesfarb fahlirraue
Hautfarbe - Argyria (Guar, so?). — Jfi*»-Farbe
l'ahd. mlssafurui — miss- und verschiedenfarbig, Graff
III, 701; 1">U mlssfarb under dem angcslcht. Hook 269
-= mnrphca [Kkzetna, Lepra etc] , 1"*S missfarbc) =
das entstellende Aussehen des menschlichen
Angesichts infolge von Krankheiten, z. B.
Gelbiiucht (Ikterus'' (Gr. W. VI, 22Ä5) oder Hleich-
sucht (Chlorosie; (Thea, san. Hr. 201). — (1699) mol-
Acn-farbig - kasbleich, weiss wie Molke (v. II.
II. 233). — rcA-farbig (mhd. re-var) = leichenfarbitr
<r* = rew Leichnam, T.exer 196). — (1731) rot- färbig
= meist hlutfarbig (A. M. 31), von sanguinischer
oder cholerischer Natur iui Gegensätze zu den
erdfarbigen Melancholikern. — sr hin ken- farbig
(1561 porcinae camis salitac c<»l<.r, IT. II, 212) - an die
rothraune Kupferfarbe des Schinkenfleisches
erinnernd, fflrsyphilitische Exanthema charak-
teristisch i's. auch Schinkenmilz). — (i.vkh) Toten-
Farbe Facies hinpokratica, die Ueichenblösse
(1475, Ddl. dolt varwich ; IftSO todtcn färb, 1). 346 — [pa]
luridus; Tabernaera. ; A v. H. I, NO ; mhd. UVt-var-
letcbenblaaa, I^ezer 269) = eine Hautfarbe, die nach
dem Volksglauben (Wuttke 313) durch den An-
blick eines Toten sich erzeugte. — (K>99j rinn-
farbig - lividbläulich von den Pestkndtchen
[v.M. II, 102) — Zim^m-Färbung missfarbiger
Belegder Zunge (Kalke Ii. — farbige maculosus,
pigmentosus. — Farb(en) blind, Sucht. — farbige
-Flecken, Leute, - Weiber.
Farre, tn. Faren, m. (jtem.-genji. farz [Kar**];
nhd. larro; mhd. varre und pfarrc (durch Karin' ab
stechend, Kluge*, wi = Stier, Faselochs ischw is7j.
— 2. — (indogerm porao — federahnliches Matt ; ab«!
virn ; mhd varu Karrukrtiut, Kluge8, 99; rund, varni
= ein Eingeweidewurm (Mag Harth ioob.>, der
vermutlich seinen Namen von dem Wurmmittel
(Farrenkraut; hat. — Farren- HrtVr. -Höh,
— Wampe
farzen (färzen, ferzen fimyera), furzen, Farz,
Farzer, m.) (gera.-lndogcrm. perd (iri^&tivj; germ.
fert; ahd. ferzan, faratn ; mhd. varzen ; altndd. verton
— bombizare, P. 78 ; 13. Jahrb. verzen, vnrzcn pederc,
Kluse 99; <Jr W. HI, 1335 ; Im 15, Jahrb. erst eut-
standen als ..fartzen \ <ir. W*. IV. 1. SM; l.V Jahrb.
verezer = anun. 1). 39 ; 1482 Zculng. Vup. hh 4 ; einen
Kant [Kurz, s. d] absehen lassen, Sehw. 222; hunibisare,
faist.n; 160".' farzen - - pod«-rc, 45 nur. Restet, j engl fart,
Kaltacbm.). — (1 1*7) Farz Crepitus ventris ,vForz,
Furz, Blähung) fOr. W. III. 1334; nyrtl, K. W. 6).
Farzer (Färzer) Fodex als die Statte der Er-
zeugung des Crepitus (ursprüngl. pordez, Gr. W.
III, l.'.3<;. 15.V4; t.„ Jahrb. verzer, I» — T&TZ-Rock,
■Buchse, Dann, -Glocke.
Fasch. n. 1. - s. Foseh (Gruitbnbwn isii;
Krau«, e.j, — 2. « Faist (Schwein, Blut
Fasel, m. fgenu. fu* pari» rpusi<<] —gebaren, er-
zeugen, Kluse*, 99; ahd. fasal = Junges, foetu«, feturn.
Graft III. 374; I». 232; mhd. vasel-palus, Plahl. nudus
ad palum, Pu < ange = faselnackt, innd. vesel =
trächtig, Hoffm I, 3.*), 1. = Penis des Tieres, Och-
senfiesel. — 2. — der Samen, Semen, Zucht-
Foetus (II. Z XV, 3:i0-fa.«ll ; 1610 Kasel ^ foetu». «üb-
ole«. semen, Gr. W. III. 1337; C. v. Schro. 182). —
qute Fasel ■ gute Zucht, Abstammunz (Kalke I.
273). — Tnfasel - bose Frucht (Schneller I. 763 ;
Leier 303i — Fasel- Bursch, -Hann».
faseln (U. Jabrh ein Auslaufer deo ahd. fns.'.n,
Kluge 99 = hin- und her»uehen [mit dem Kasel ']. Kluge
99. 100; Gr. vv. Iii, 133H) = Flockenlesen, Unsinn
treiben, thOrichtes Zeug reden, delirare.
Faser, f Fässlein (Fäserlein, Fäserchen,
Faserle) [*bd. (MO, fasa ; 12.-14. Jahrh. vase ss flmbria.
Zotte; mbd. %*ase, vaser; 1761 tacslein — fllamentum,
f.. eh 34; bischen, »Joethe . II. Paul 134 , engl, to fea*«
= Faser i Fibra , (lewebsfasern. Schleimfftden,
Frans*», Saum (Kluge 99; Hyrtl, K. W. Sl; Hoffm. 1,
:t67; It. a. 3.7; Gr W. III, 1339. I340i; von nach-
folgenden Zusammensetzungen ergeben sich
die Bedeutungen der meisten selbst [A. v. II. II,
500] /Idcr-FaBern; Bänder- Fasern; Bein-
Fasern; ß.'urFasern - Faserstoff, (ierinsel,
Fibrin (Gr. w U, ist; Falke I. SM); Einqexceide-
Fasern; Flechsen -Fasern; :i>s fleischachiehtc,
Fleisch-T&seTn ~- Nerven- und Muskelfasern;
ßi/füta-Faser; '"2 >: //am-Fäserlein (Tbes. «n.
Hr. 1047: = flockige Epithelfetzen. Fibringerinsel
(1528 faesslin, Im'I Fries 113); U Faser (Meyer 521)
in Segensprüchen Schwabens vorkomraeml:
Knorpel Faser; Ifätw/cin-Faser; Mögen Faser;
.Vasen-Faser - fasen ~ Fetzen (II. Sachs ; Schmel
ler I, 763); AVrirn-Faser; 1 1"5« praüichte Fasem
geschwollene Fleischteile Zeitschr. t d. l'hih.i
XXVI, 24A) ; Sehnen -Faser.
Fass, n fassen (Fässlein, Gefäss, Fassung)
( - liehalter, als etwas fassendes, in sich greifende»,
bebtdene». Kluge1, 99. HK); vorserm. podo-. gi rm.
tat- zuaammonbalten abd.fazz; mhd. viutz. Klus»> lim,
1477 vaz, C, v. Megetil.g 34; 14S2 fasz, Gr. W. IV, 1
2131, IV, j 482), 1. Behälter, der die Körper-
fltissigkeiten zusammenhält: a „ß/«^-Grfasse",
die das Blut fassen (Gr. W. IV, L 91*1; II, 182.
venac, arterlae; KOS vas»zungen = v»*a wingulfera,
II. v. «Jersd. 13; engl, blood-vesnel, Kaltschm. ; llyrtl
K. W. l'si); h> //nrnf ?ffäS8e (1477 ein vaz des hann-
prannen«, V. v. Megenbg. 34; Gr. W. IV, 2. 482) =
Harnblase; c) „Milch- Gc fasse" (<ir. w. II. 782
die Darm-Sangadern, die durch den absor-
bierten Chylus das Ansehen bekommen als
waren sie mit Milch gefüllt (Hyrtl, \nat 06s
(Tierwnrzeln.ChvIusgefUsse; d Gallen -Griasse
Gallengang (s. d.); e) Statten- (Mässe (1S28
die vausuDgea des BOineUS, II. v. «iorsd. 13; Hyrtl,
] K. \v. 153) = Vaaa sperinatica ; damit auch 2.=
Behälter der Frucht und des Samens in wei-
terem Sinne : a^ die weibliche [männliche) Scham
(iis2 las/., <ir. \v IV, l 2131) h die Nachgeburt
(137« .Jas Ii Klein, Gr. W. II, UV1) ; c Rute, Virga equi
(u. a 6;>i — 3 Luft-GefteM - Vasa aerlfera
'llyrii k \v. i;.:: . — 4. s. auch Fäserlein - Fitss-
lein t: \ ar«7). — 5 — Bebalter «ler meosch-
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tuten— Faul.
Faul.
12*
liehen Knochen. — 2fetn-Fass ^ngis. uau-faet —
vu oMinm, Rochh. i, 2;to; = der menschliche Leib.
— ^iu<fon«/utt£-GefäSBChen^ Sehweissdrflsen-
ausführungsiränge u. Haut-Adern (Nicolai n, 549).
— (17. Jahrb.) Furz-T&SS^ Podex (Gr. W. tV, l. 95ü).
— Grfäss, 1. — ganzer Behälter. — 2. =». Fessel.
— (1699) H(uir-Qefli&S6 = Kapillaren (v. M. II, 125).
— SaU-T&as s. Pfeirer. — rmsj £du<7-f3t-fäS8
«elggeta«) = Saugadern (Masctaenb. tio). —
H7iJ3) WaMtr-Oeßune — Vasa lymphatiea, die
da« Flies«- od. Gewebswasser fassen (Planier I,
IM; I» rhir. W). — Fass-, (Qef&ss)-Beiniqkeit,
-Fieber, -Fistel, -Haut, -Knoten. — fassen
[ahd. fazzün; mhd. vazzen. Kitige*, 99) — arripere,
ergreifen, z. B. die Krankheits-Dätnonen er-
greifen, fassen. — [1598] die Pest fasst ihn an
= befallt ihn (Gr. W. VU, l.vn).
fasten (Kern. Kerm.fa-tnn - fasten, alsoein religiöser
Keeriff schon unserer heldninehen Vorfahren, die »leb
!n Hezug auf K«sen und Trinken festliche l essein an-
legen und sieh zur Sicherung vor Seuchen fest an eine
religiöse Vorschrift binden wollten, Kluge 100; ahd.
tasten, inhd. vaateo) sich des Fssens oder ge-
wisser Speisen enthalten; um das Gebint zu
verbessern und so die Krankheiten zu heilen,
fastete man ebenso, wie man auch Kettensätzlich
das Fieber durch Abessen und Abtrinken heilen
wollte fl'auli lfi; Im 1.1. Jahrb. Pfeiffer :W 54] glaubte
man, dass vor Tk'glnn der Ka*tcn*ett das Mut im
mennchlichen Leihe besonders libel sei. und fürchtete
man den ,, üblen Tropfen" um diese Zelt) — fastmder
Darm.
Faul, n. Faul(e), Fäule, f Faulung, faulig
(Fülly, fUUl), faul (Adj.): (indogerm. pü [r.->o\. pus,
putrldu»] = «Unkenden, faulen Geruch der Verwesung
von sich geben; germ. fti [dazu HM, ». d. — cunnus);
gotb füls — faul ; ahd. fnl — cariosus, pturidus, Graf! III,
194; mhd. vül, ndl. vuil; ndd. ful ; engl, foul, Kluge",
kx» - putridus bes. vom infizierten Leibe und
Fleische der Menschen und Tiere, wenn dieses
mürbe, weich, jauchig, fibelriechend geworden
ist; auch von Sekreten (ür. W. III, i:s73j. -- (1477)
das Eiter fault die Wunden (Ortolph, Sehmellerl,
70**) a ma<*ht sie übelriechend — «las Faul,
I. = (MM fawl. Pr. I. lufi; Schmellerl, 1561 sub meuchel)
= Geschwflrhildung, Knochenfänle (Caries,
Putredo;; auch 2. - Faulfieber (s. d.). — 3. -
Mundfaule. — 4. = Wassel sucht bei Schafen
(Kopp Iii, 2) infolge von Leberfaule ('s d.") —
5. = (holl. oggrufl libelrlechende. schmierige Augen-
i.utter, Plcrer 1). — Die Faule, Fäulin ;«bd.
lull füllda = putredo. Graft III, ICH; mhd \1ule, Gr
W. III, l:ir.l - putredo, carte«, «epsls; flull = putr.-d"
II. Z. XV. 37); fullth» - putredo, II Z XV. 523; 1'.7*
feulne, Pr. II, 130), 1. — das Faulsein an den ver-
schiedenen Stellen des Körpers, namentlicli
aber im Munde, wo sich der üble Geruch am
meisten l>emerkbar macht. — 2. = spez. die
Leberfaule oder Bleichsucht der Schafe (s. d >■
zipp <-,i: — Faulheit as fahrt taeUell Utoi
I>. 334) = der faule Zustand von Organen. — [1020)
die Faulung (Hr. Minderer] des Geblüts, der Le-
iter, der Lunge i — Sepsis, Dyskrasie, Kachexie":
aus innerlichen sogen. Schürfen oder triftigen
Krankheiten, r B Syphilis. - li:o Fäulnis
I (1507 vulnyss - «curia, ü. älß). — Faulen, f.. 1. =
Faule, Fäulung, auch - Syphilis (Uoeser II, 203;
Fucb» i, 421) wegen der übelriechenden Ge-
schwüre. — 2. = faulende Sucht (s. d.), —
fäulisch = anfangend faul zu werden (Falke 1, 270V
— .1 ugen -Faule, 1 = Augeneiter. — 2. - Faul 6
— BflH-Fäule — (1712 caries ossiuin , Beinfresser,
Meinkrebs, Zw. 311, earies ossiuin, paedarthroeae.-
(tubercuUW, Haller I, M:>; II, 671, „eine Art des Krebs
in den Beinen", \ v. II), Beinfrass mit übel-
riechender Eitersekretion, Caries ossium (Gr W
j I, l:is6). — .Borsten -Fäule — ein skorbutisches
Zehrungsüeber bei Schweinen (Parasiten V\
wobei die glanzlosen Borsten mit einer kolbig-
verdickten, schwftrzlichroten Wurzel von einer
ödematös geschwellten, übelriechenden Haut
abfallen, vorkümmern oder leicht ausgezogen
werden (Zipperl. <*m , Merk 27s). — (1x121 Darm-
Fäule = Zustand übelriechender Sekretion aus
I den Gedärmen bei chronischem Darmkatarrli
' (Falke I. ^u:i). — Dürr-, Dur- (Durch) -Fäule
I (1603 duriebe, Gr. W. II, 641. 1721 = aphthae, D. 43;
I 1742 durchfaule; 1777 duerrfiiule - aphthae. I). 4.1;
Zw. 'J«)4; 1M2 diirrlall. Falke I. 223 - Milzbrand, durch-
faule = ausfallende Mauke, 1. c.) - „haufenweise,
kleine, hitzige Geschwürlein und Blätterlein im
Zahnfleisch und auf der Zunge", welche bei der
LeibeBdürre ('Paed atroph ie, Magere, Altmann,
8. d.) in der übelriechenden Mundhöhle etc.
erscheinen: 1. = Stomatokace, die Mundfäule
der Erwachsenen. — 2. = der Mund-Skorbut.
— 3. = der Mundkrebs; auch Herpes exedens,
Lupus. — 4. =die Aphthae und Schwämmchen
der Kinder 'Gurfäule). — 5. — (lurfias, Gurfoss
(b. d. Bub Foss) — 6 = übelriechende Fesscl-
geschwOre bei abmagernden Pferden (frz Javart.
ausfallende Mauke, Gr. \V. II, 1606, Kalke I). — 7.
Milzbrand als trockene, dürre, bran<lige Krank-
heit mit Gangraena (Brandbeule\ — Horn-
DurrÄ-Fäule, !.«■ Klauenseuche, Klauenfäule;
2=Strahlfftule; 3. - Strahl krebs (Falke I, 40s). —
[UM] JWFäule = Klauenseuche bei Schafen
und Rindern mit übelriechender Geschwürs-
sekretion 'Klanenfäule (Gr. W. IV, 1. 1021; Heyne
II, S74). — '.'w Faule K.91 gurfel; 1M5 gurfel n. ;
17l> gurvel , Schmellerl, y35; Gr. W, II, 640. 1721,
Culer, Ii. a 130; K. eh. 2 >s; - Aphthae, Schwrtmm-
chenfäule, Hefefäule (Soor). — (1M7] Hrt/s-Fäule,
1. = Bräune (Diphtherie; Oidium albicans^
(Horms »an ). — 2. - Halsflechte, Mähnengrint
als übelriechende Hautkrankheit bei Pferden
'Kalke I, >-'■). — harte Fäule ~ der geschwürig-
faule Zustand eines verhärteten Organs 'Scirrhus
apertus) (Kalke l, 270). — flco-Fäule - Gurfiss,
Gurfoas (s. d.). — innerliche Fäulung (Kuland)
— Sepsis aus Krankheiten innerer Organe. —
/f/ViMCTt-Fäule Klauenseuche der Schafe, wo-
bei Jie Füsse faidigeGeschwttrstellen Anbruch i
zeigen (Kalke D, li). — Knochen -Fäule -- Bein-
frass, Caries, Reinfäule (Gr W V, 14SH). — Leber-
Fäule, 1. - eine Wurm-Epizootie der Schafe
durch den Leber-Egel, Pistotmim hepaticum,
der meist im Herbste in deren lieber dringt,
worauf sich im Januar <•■■. Loberatrophie und
Wassersucht einstellen; im Frühjahr wandert
der Egelwurm wieder aus (Braun, tblcr. Hur«*,
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124
Faul
Faul— Fax.
I.cuckart Falke II, t.3). — 2. - ein aus dem
übelriechenden Stuhlgänge volksmedizinisch
diugnosticierter Krankheits/.ustand , le foic
pourri \ = | lltridum Bris«. 67). — (Ii*,. Jahrh.)
Leibet-Tivle (fenl Im I.elb. Gr. W. !,»») = inner-
liche, septisch-entzündliche Prozesse, nament-
lich im Magen und Gedärme. Luft Fäulung
- Pesthlft ( Kraut w. 1. XXXVII, der Magi«ter Job.
Koscnpu«fh, Med. Prikt or, 1'rotoaotaitlU zu München,
nuhm zuerst 11452' eine „fnwl de« lufltts" bei der Fest
im I — Miasma anstatt de« geisterhaften Schelm* oder
Alp* |«.d.]. schmeiicri. tos). — (is») Luno«» Fäule,
1. Tuberculosis pulmonum, Lungenschwind-
sucht, Lungenbrand, auch Lungensyphilis ißir.,
Dr. Hr-Schaff 29; Faraccl* l.o«ch Is"; I»r. II, 247). —
2. — Lungenseuche, Lungenwurtuseuche, Lun-
genhrand bei Pferden, Schafen u. Hindern (Perl-
Hucht), wobei dieTiereanYerjauchungder Lunge
zugrunde gehen - weiche Lungenfänle (Müller.
Krtrbeb. lt»i <.r W VI, 1904; KBlke II, 81, 4SI). —
3. - harte Lungen faule = das Stadium der
Hepatisation der Lunge bei der Lungenseucbe
(Pellte I, SM). — A/aui-Fäule, 1 Maulseuche
s. d.) beim Rinde — 2 — Maulgeschwüre beim
Hunde i(ir w. VI, l»u*. Kalke II, 103). — Mund-
Fättle < 15» „faulige Au«ebwcilg. de« Zahnfleisches" [!],
Cr. W. VI, 26.17; 1747 - seorbut, llauml 34«; 17 .2 -
«tomatokacc. «corbutu« ort» „eine Vcrfaulung und
«(■im ;,ri:i; l- ir, , i t n Munde von eüma rahm Schal
bock herkommend", A v. II. I, Uli und *korbiiti*cher
Brand, A. ?. H. II, 1279). A v. Haller «agt weiter (I, IIS) ;
Im gewöhnlichen Leben nennt man die Mundfaule
denjenigen Zustand des Mundes, der Zunge, de« Ra-
chen«, Schlundes, Magen* und der dünnen Ucdnrme,
wo alles wei«* aussieht und auf der « »bertlache mit
kleinen, runden Muttern und lie«ehwilrcu bedeckt i«t,
die zwar nicht tief gehen und mei«tcn« w ei»«., hell lind,
manchmal gelb (walltlschgvlb), braun, blau uud«ch\\ ar*
werden'". Demnach versteht d. Volk unter Mu nd-
fäuie jede aashaft riechende, geschwürige
KntzOndung im Munde, im Besonderen aber:
I. i'isasj Stomatitis aphthosa et ulcerosa (Kohlet
II, 9) ■ Aphthen infliiinnioiund Diphtherie
— 2 - Oidium albicans (Hob, Gurfoss, Kahm,
Foseh, Fasch) (In?, ehaucre blaue, A. Forc --■ cancer
blane, lirt««. 182, Stomakace). — 3. —die Stomakacc
seorbutica (nach a. v. Ii. l. c.) = Cheilokace der
Griechen- Labrosuleium der Körner s Schar-
hock, Skorbut). — 4 = die Noma ((Jaleni),
Wnxserkrebs (Rehrend 70). — 5. — Mundhohlen-
Krebs — 6. Mundhöhlen-Syphilis [Mundfaul-
Krauter fturl : Chcuopodluiu vnlvariae, l'runella vulg ,
'•alitim verum, I.lgti«truin vulgare etc., Jc«»eu 59.'.,.
Itcmerkeu*wert Int, da«« iu den gegen die Mundfäule
gebräuchlichen lte*|'rechui)gen :». d. Verf. Volk«-Mcd.
N) der au««aizige Job auftritt . Dodau« man an eine
frühe AufTad*iing dle«er Krankheit al« eine Infektion-
Kam denken könnte [«. Zeltschr. d. V. f. Volks Kd
l*.»ö, 8. 7 U. Wnltke H.2); du« Ulelche ergibt Dich auch
au« der l'tlanxcnthcrnpic de« Volke«. — iVflM-Fäüle
(Schweiz) — eine llarnkrankheit der Ochsen, die
scheinbar am Nabel harnen [(ir \v. vn .. . —
»Vajf/Fäule (162» naeelfuly. II v, Uemd. 100 (- Pa-
naritinm, Fingeruurm, Umlauf, Astel, Adel,
Ungenannt etc — Keytn Tüvle eine Haut-
krankheit Milhenrüude) der Schafe, die sich
rur Zeit des Weideganges unter anhaltendem
Regen einstellt, und wobei das Vlieas leidet
(Falke III, 223. 280). — (ISIS) Bipi>en-Fäule der
Knochenfrass an den Kippen ( Caries costarum
mit langwUhrenden Geschwüren (WUsnng). —
iW<-Fäule - eine Fttulnis der Säfte im menschl.
Korper (Kachexia) (<ir w. vill. VHS), frQher bei
allen akuten Krankheiten angenommen (Baas 93).
— .-.'f'n.v faul -der Obelriechende Zustand einer
abgestorbenen Frucht im Mutterleibe. — Strahl-
Fäule = eine Krankheit am Hornstrahle des
Pferdehufes, wobei der Obelriechende Strahl
wie zernagt und zerfressen, ueschwOrig aus-
sieht ;/.ip|> 201; Falke 11,316). — SfuW-F&Ule «tili-
I fiilli, Aargau , Rochholtz, Zi il*chr. f. d. Mythol. IV, Hfl
'Blähungen durch den zurückgehaltenen fau-
lenden Stuhlgang (beim Vieh). — (1677J Ver-
fsLvlung des natOrlichen Samens) = Pyuria
gonorrhoica (s. Samenfluss; , Blasen- Katarrh
(Heyn. i29l. — ;i»42) weiche Faule - der ge-
schwOrig- faule Zustand eines dadurch sich
erweichenden Organs (Falk, i, 270). — lVt<nrf-
Fäule ■ der auf chirurgischen Verletzungen
sich ausbildende Hospital -Brand, Gangraena
nosocomialis (Fuchs II, 302). — Za/mFäule =
ZahnfraBS mit üblem Geruch heim Menschen
und Hunde Kalke II. 449) — (1743i Zwn^en-Fäule,
1. - Zungenkrebs mit Ohelnechendem Atem,
auch Zungenwurm genannt (MM. Med. 287). —
2. ~ Milzbrand auf der Zunge s. Kankkorn
Kalke II, n>i] u. Zungenbrand) — Faulte, es, er\
faulende, fauliX«) Ader, Aufstosscn, Bein, Bn-
scldaf, Blut, Bräune, Brustentzündung, Diarrhoe,
Feuehtung, Fieber, Flecken, Fleckfieber, Fleisch,
Fressen, Frieselfieber, Geblüt, Halsentzündung,
Jauche, Krankheit, Leber, Lungenentzündung,
Magenfieber, magig, Materie, Milch, Pocken,
Rose, Ruhr. Sack, Schaden, Schenkel, Sehrn,
Seite, Strahl, Sucht, Typhus, Versammlung,
Warum, Wauer, Wurmjficbcr, Zustand. —
Faulenzia neueste volksübliche Wortbildung
für InHucnza wegen der Gliederseh wache bei
derselben, anlehnend an „fauler Lenz" (faul-
lenzen).
Faust, f (Faunst, Funst, Fäustling) - Pug-
nus, mrf(t4|, die zum Zusammenstossen (pungere)
oder Schlagen zusammengedrückte, geballte
Palmus. l). 40-; . krilftig gewordene Hand (Qr.W.
III, 133*., vorgerm. j.nkstl ; golh. [UhStl, funhsli. Kluge*.
101; ahd. fust — vola . H. Z. XV. 353; uihd. vu»t ;
1 1. Juhrh. tust - pugrius, Voe. o|>t. \V. 11,1 l'.i.". feynstlin ;
1 .'»07 vny«tgen ; IMS fenMel , lä*7 lneu«tle [Schwaben],
ÜHimt, fuust pugilla«, 1). 471. 473; l). v. Seh. 1S3,
engl. UM). — (1643) grindige Fänste durch harte
Grintborken oder Kkzema palmare entstellte
Handballen (< »ler, II \ in — (14. Jahrh t Klein-
J FaUSt ( = ptlgillus, Voc. opt. \V. as leynatlln ; I V Jahrh
^ Fäustling; 1512 cleln funtlin - pofDlaS, D. 171) —
Daumenbai len; man mass früher nach der
kleinen Faust. — fausV/tcA- hinter dm Ohren,
s. dick.
Fax, m. Fachs, Fechs, Feggs, Feix, Fex
'] irol SaUbunr. Steiermark Kretin s d.) als blod-
rinnip', sonderbare, komische Figur, „Närren-
fe.\" ii v Selnu. 17.;:. Dei Possenreisser it.r w.
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Feber— Fee,
in. 12») war vielleicht früher mit der Maske 1
eines Menschen mit dichten, glatten Haaren I
(Fachs s. d.) versehen; die hölzernen Teufels-
tnasken in Tirol tragen solches. — Feix (<ir. W.
III, »73) = Fax, Fex — faxig - kretinös («In-
tal IV. 1863, 172;.
Feber, n. s. Fieber,
febrieren s Fieber.
febris. — 6ocA«febris (vielleicht ein Betalen»
druck an da* [tat .] febria =" Kleber anleimend) ■ ganz
fertig (Schindler I, 104).
fechten. — ^nyefochtene= Wahnsinnige, die
vom Teufel angefochten werden (1-aminert, Volk«-
Med. 248).
Feckin, f = weibl. Fex (Kretin) (Kluge», im».
Feden, DB. (Tee), m. (zu Kaden vorgerm pet
[sita'/.O*); germ feth ; angls. lacthm ; 13. Jahrb.. inndd.
vedeti, Mag. Barth. «7b = penls; 1425 den vec utwerpen
- castrare, I>. 105: ndd. vedc = verclruui, l>. 612) =
Penis. — sehrer Feden (mnd . Map. Harth. 97b) -
darch Geschwüre schmerzhaftes männl. Glied.
Feder, f. (indogerm. pet - fliegen ; vorgerui. peterä;
ahd. fedara = Keder; mhd. veder, Kluge 191 = pennw,
pinnae - Vogelliügel und -Kedern. Gänsekiel); damit
(ormell angeglichen: 1. - das lange, gänsekiel-
artige Haar auf dem Rücken des Wildschweins,
Wildsaoborsten, Schulterblätter- und Kippen-
stück des Wildes, Hirschschwanz (conf. [Masim-n ,
»»niipioro - Kcucrfeder oder durch «rint [*. nacren-
grintl rot entzündeter dichter Ilaarboden, Kri.M hl.. SÄ;
Gr. W. III, 1393; Brehm III, M5. n. 435). — -
Schneidezähne ^Incisores) [Gr. W. L cckI.). — 3- -
11.12») Lungenlappen {- übcnwtxuug der pennuU*
der Arabisten, Hyrtl, K. W. 46 ff.). Lungenflügel. —
Federlein - das kleine Knde des Schweins-
rüekens, der mit Feder 1 besetzt ist = das
Schwänzlein der Wildsau (Brehm III, ws). — (1561)
^«jen-Federn a Wimp*rba*re (Hyrtl, k. w. 73).
— (.;.;.(,•/( -Federn - Gauchbart, Gauchhaar
(s. d.) (Hyrtl, K. W. V,). — (1528) Lebcr-TedeT -
l^eberflttgel, Leberlappen (H. v. <i.r*d 12. 16), die
in Anatomie -Werken federförmig abgebildet
wird (Hyrtl, K. W.). — ScAm6-Feder - Calamus
scriptorius, ein Gehirnteil, mit einem Schreib-
rohrstcngel verglichen. — Sr««w-Federn die
Afterhaare (derb), s. Feder l. — Federlesen
imhd. sehon vorkommen«!, alx da» Zeichen von scrriler
Schmeichelei, die die Bettfedern von den Kleidern
der Höheren abliest, Kluge 80) - floeeos, plumulas
legere, das Flockenlesen der Fiebernden ; (vergl.
das Nachfolgende; — (1482) Federklauben (teder-
klaw»*n. Zcning. Vor <iu 1 ; m 7) = greifen, tasten
(im Delirium), Flockenlesen (s. d.); nach dem
iir>rwegi»cbcn Volksglauben haben die Huhner eine
t-ogen. Unrub-fVfifT, auf welcher niemand schlafen
kann, weshalb man dort auch den Sterbenden da»
Kopfki»«en (Federkissen l wechselt 't.icbrccht 331), um
I Feder(w)-
den Dämon daraus zu entfernen. — ^ ferlernder
Finger, Hohle, -Kengel, klauben, -lesen, -Staar,
•Sucht.
Fee, f. Fei, t Fee, m. [ttl lat. fatum; gem. -rom.
fata [pl', «ing. -- Schlcki>alg«.ttin ; bnrgund. faie. feie;
mhd feie; 1399 fay. veh. fein; 1762 lee. Kluge», 101).
feg— Feifei. »25
1. - eine den nordischen Nornen angeglichene
Schicksalgöttin des Volksglaubens, ein fabel-
haftes Geisterwesen, welches zauberhaft auf
trächtige Tiere einwirken könne (Kalke I, 276).
— feyig = von der Schicksalsgöttin (Fee) be-
rührt und dem Tode geweiht (Schindler 174). —
^c-feit = durch die Schicksalgöttin (Fei, Fee)
beschirmt, durch Zauberkraft unverletzbar ge-
macht (H. A. Ith. 449; H. Paul 137). — 2. Fee, f. =
Fege. — 8. Fee. m. - Feden.
feg, feeg s. Feige 7 (AndrcMO 97).
fegen, Feger, m Fege, f (indogerm., roegann.
p.'k; germ. feh ; ahd. ICgon, mhd. vegen, Kluge*, 101
— reinigeu); wie im Altnordischen faegja s/ir - mun-
dare vulnera - die sehren Wuuden säubern, reinigen
bleas, co hless die Hebamme auch Fegemutter (Pauli
101), welche die Kege (s. d.) besorgte). — man fegte
im 16. Jahrh.) das Hirn, den Magen, die Wunde,
auch das Ohr (Ohrfeige) ; vergl. Putzer. — Fege, f.
= die Schöne, Säuberung, Reinigung - Plaeent«,
Nachgeburt (Kalke I, 276) — Feger, pl. = Putz«»r
= die Drüsen, die die Unreinigkeiten ausführen,
fegen, putzen (s. Drüse u. Putzer) (Hyrtl, K. w. •*•).
— Fege- Wurm.
Feggs *. Fax.
fehlen, Fehler, m. Fehl, in. (Feil) tum 1200 aus
dem fransosischen fftilUr = fallere [wie „falsch" aus
dem Welschlande] entlehnt; mhd. velen, Kluge . 102
verfehlen; Irren, mangeln). — Fehl, Ul. Fehler.
1 - Mangel, Unart, Gebrechen, Pravitas cor-
poris (engl fall, H. Paul 136; Gr. W. III. 142«). —
2 = Fehlgeburt (Abortus) (einen feil scheren, Heytie
Ii. 881) — (in geborener Fehler. — ^M^rM-Fehler.
— Geburt-Fehler (™ angeborener Fehler). —
ifauj>f-Fehler = Hauptmangel, ein die Funk-
tion eines Organes oder die Gebrauchsfähigkeit
eines Haustieres hauptsäebl beeinträchtigen-
des Gebrechen, eine Gewährskrankheit (Kalke i,
_.;6). Herr-Fehler - angeborene oder erwor-
bene krankhafte Abweichungen von dem nor-
malen Baue und der Funktion des Herzens
A7fli)/J<"nFehler = Herzklappenfebler. — (1790)
LcAw-Fehler (Kichter i. Iii) = Gebrechen an
der Leber — leiblicher Fehler — (H«J Natur-
Fehler ( = angeb. Gebrechen) — organisclur
Fehler s. organisch. — SoAöMA«'f»-Fehler = ein
Mangel an schöner Form, Gestalt oder Farbe,
der keine sonstigen nachteiligen Folgen für den
Organismus hat, also eigentlich keine Krank-
heit ist (Kalke n, 290). — Sprach- oder Zungen-
Fehler. Diese Fehler tragen den BegriiT des
von Natur, Geburt aus durch die Konstitution
unveränderbaren, unheilbaren Gebrechens oder
Mangels in sich » Vitium natnrae, Defectus
MW Medlk. im); (vergl. auch Hirnfell 2 u. Fell 4
— TML-gebären, -Geburt, -norm, -Reden, -Kip-
pen, - Wuchs, -Zähne.
Feicht s. St. Veit,
feien s. Fee.
Feifei, m . f. Feivel, m. Feufel, Pfeif el,
Fifel, Viebel, pl , Fiebel, m. Feibel («u« dem
mt.-lateln. vlvoe, vivolae (partes vivae, caro viva , Du
Tange II. 861. 862; altfrani les avlves Submaxillar-
Driisenan-ehwcllung, Bris.. 48. 117; chain. vlves. b..nr-
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12«
l'eig(e). ,
Feig(ci.
geons dumni« [ - Finnen'. Rriss. 6 = wilde* Fleisch.
FleischwAnxhcu, 1 . od. 2SS ; engl, flvc«, vives — Keif ein ;
of hor»es Kehlsucht, Kaltschm. II, 146; mtaU.
vivcl, tivol, I.cxer 344; 1560 die fcuffcl, II. Sachs, Schm.
I, «9".; 1593 die feifei - Nasenrotz, r.r. \V. VIII. 13»;
in Flüchen und Verwünschungen des lö. Jahrh vor-
kommend, tir. W. I. hod. »16; III, 1432. 1609; Hin Faifel
= Falbel, Fälbcl, Fallubel, Epilepsie mittelst Segen-
«prüchcu behandelt, Losch 177; als Feifcl aber gerissen,
gebrochen, geschnitten, geklopft, gequetscht, Falke I.
276), 1. — eine „Anschwellung der Mandeln und
Submaxillar-, Speichel- und Ohr-Ilrüsen de»
Pferdes, die sich entzünden und eitern" unter
Bildung granulierender Fleischwärzchen (Caro
viva) im Geschwttrsgrunde ,vs. wildes Fleisch =
avives): ,.oln gefahrlicher t'niMaud bei den Ffcrdeu,
da die Drüsen nahe bei den Ohren mil einem stinkenden
Unflat in (iestalt weiter Hanfkorner oder •Schweins-
linnen • (> d.) erfüllet sind, die man alsdann zu reissen
( = ritzen?) pflegt" (Schmeller I, 1731), eine Methode,
die vielleicht mit dem Klnrelssen des Händchens der
Zunge durch den Finger-Nagel einen Kntwickelungs-
Zusammcnhang hat. Sie wurde als eine Folge der
Gicht Fluss (phlegmaoder goutte, goutes. Du Cange
I. eod.l angenommenen (rheumatisch Vj, aber auch als
eine Folge eines Wurmes {— Rolxwurm, n. d.; Schw.
i;i2, . namentlich wurden die (meist einseitig! eiternden
Drüsen hinter den Ohren, am Halse (Aktinouiykosts .
Kotzrj al« „die, der Feifei" bezeichnet (ür. W. 11, 1462;
Z. d. V. f. V K. 1895, S 294 , Blrlinger, ans Schw. 1. 461;
Abiig. 71; It. A. :ty; Coler, l>f. 361) = Schelm (s. d.
u. Schelmader und — VVifel s. d.i. — 2. = die
Leisten Leichten, Schmeller 1, 143; beim Rind-
vieh, der Nillei beim Pferde Schmeller I, 1731;
ilie Troucada der Franzosen — Marissae [». Marrisscl",
Du dinge, 1. eod.j. — 13. = Falbel, Feifei, m. Falbel
il. , Fallübe! — Epilepsie bei Mensch und
l'lerü; (,,>las Pferd faellet gantz matt und krnfftlos«
dahin, legt den Köpft auf die Knien, streckt alle Viert;
von sieh ", K. A. 100). — 4. = „jede von PfuBchein
nicht erkannte Krankheit der Thiere" (Falke I.
276), sogar Windkoiik u. Darmgicht beim Pferde.
— Herz ■ Felbel ~ <'i" Krankheltsname, der bei
riuchen ii. Verwünschungen vorkommt (Gr. W. IV, 2.
1214; als eine sehr schwere, das Flerx bedrohende
FpiJepaie(Faibel8). — AVirrcn-Feibel - Narren-
drüse (Österreich; <ir. \V. III , 1132; VII. 370) als
schelmische I»riisen, die der Feifei an unge-
wohnter, wiedernatürl. (.„gespansiger", Stelle mit
Hieb bringt 's. Schelm). — Bonn Feifei - die Rotz-
krankheit bei Pferden [H. Bachs; Gr. w. VIII. 1260).
— Felbel-, Feifei -.4 der, Drmm, -Gexrfavul*t.
Feigte), f. (Fick, Fig, Vick, m. Ficb, Veick,
Gefig, Gefeige) ein aus dem romani«ch-itallenlscheii
fico [lat. flens; roiu. fix;, Du fange III, 6X6; frz. Ii, fiez,
Pf, I, 335, 315, der uordiudieiii-chen Provinzen (Mont-
pellier] in ahd. Zeit entnommenes Wort ; ahd. figa, fleh,
He = Feige, uralt I. 1090; III, 127; 12. Jahrh. flous =
Felgwarze, Afterkraukheit, l'felffer 14. 8s. mhd. viga,
ficb ; 13. Jahrh. uind. weine de vik in dem buche wabset
After-Condylome, Mag. Barth. 92a— morbus fleus ;
franz , 12. Jahrh. la fle = Felge iflgue;; le fle, fye -
l.eber, le foie, llriss. a'> , dazu ahd. liewurz [ Kanuu-
« uliis fiearla, Felgwarzeiikraul, Jessen 325, und Fotcn-
UBa tonneiitilla -- blutstillendes Ruhrkraut , Rothell-
wurx. Ulm kraut [imnemtn Rrtlstamm, tannfnnaltig),
Jessen 305; engl liirwort Kmunwurz . Kaluschm. I.
i 240 und flg — Fcigwarce; ferner, der angelsichs. licadl
s= Feigkraukheit, morbns fleus ? [s. Adl]; 1429 fig -
Ileus, Feigwarze, D. 233, 1477 das Veick, Ortolph ; 14&:
de vicek dat ys eyn blodende adern unde hetet ragadin
I ediler emorrhoides unde synl alle by deme achler
tenster, Fr. 1, 371; 15. Jahrh. vlg = taaemorrhoidca.
Schmeller I, 696; In der Mitte de« 15. Jahrh. fix ;franz..
-- liens, Hacser II, 201; 14.S3 - das veieh as Afterkreb*.
C. v. Megenbg,; 1507 fleus [morbus, passio] = eynrehaude
ongemaeh [= Feige 2a], D. 233; 1599 Gerig [Kollectiv
der Felgwarzen) = eine Fferdekrankheit - Rotzwnrm,
tir. W. IV, 1. 2139; 1599 Feig = Feigwarze, Gr. W. III.
1446; hier ist anzuführen, dass nillat. tieus [nach D.
, 233); 1. = Feigenfnicht ; 2. — inlirmitas plsciuiu ;
3. = Feigwarzen ; 4, =- Ferch [vergj ist . engl, fig -
Felgwarze, I.ehf. 33.!. — Feig, 1. -jeder bl U tig-
rote AusHuss am After (ähnlich dem Safte
der roten F'eigenpulpa, Syka HippokratiB) oder
das rote Siechtum, und »war durch: a) Hämor-
rhoiden Ida« Fig in dem Arsch, das blutende, fliessende,
rote Vi«; 1742 das Gefeige = blinde Hämorrhoiden, Zw.
M, Schmeller 1,696); b) FVigwarzen — F teils ^Aelius).
„Bi lat mindestens sehr wahrscheinlich, dass das breite
Condylom sowohl im Altertum*.; wie Im frühen Mittel
aller bereits bekannt war" (Fr. Arzt 1S7«. 8. 75. 76; s.
auch Rosenbaum 136, Fr. II, 199. 211), es l«t aber zu
benieksichtigeii, dass die Feigwarzen (s. d. selbst
wieder z. T. - Hämorrhoiden (s. Feigblattern; waren ;
meistens alher waren und sind die Kelgwarzen that-
saehlieh - die Plaques uiii Anus, t'otKiylomata
syphilitica. Ks ist schwer den Zeitpunkt zu bestim-
men, wann das Feig, oder die Feigwarzen, Feigblattern
als syphilitische Franzosen ,i Kraukheltssymptome er-
kannt wurden, d. h. als Fmhsymptom der eigentlichen
syphllil, Infektion; vielleicht erkannte oder wiederer
[ kannte mau sie erst ex juvantlbus, bei der Behandlung
der „Franzosen" als syphilitische Lokollsation dieser
Intektionssenehe »m Kode des 15. und Im 16. Jahrh ;
wenn die Condylome gross, breit und lang waren, «Tie
die unbehandelten z. lt., nannte man sie sicher Feige
oder Felgwarze (A. v. II. II. 502 J ; «le sind die Marissae
(s. Msrtssel) der Alten (A. v. H. I, 656. 657; II. 503;
mariscae = fleu», flc-adl, Heus morbus, t.raff III, 427,
malum fiel, Du Gange, sub voce i fleus ; 14S2 Im Voc.
! opt. 11 auch erwähnt; 152.*, Heus = bose lUattem am
Hinteren, in der Mannes- Ruthen, in der Nasen und
lagen, II v. Gersd. 99, Feiekh ltlatlern in dem wayt-
Darrn [ After:, .Sehmeller I, 696; II, 85« = eondylo
mala ; 1M0 da« Gefeig = Feigwarzen. .Schmeller I, IM
= condylomata, 1599 Feig - Feigwarzen [condylomata .
| Gr. W. III, 1146. Zw. 107. 501 ; lS02fici = condylomata,
Hell II, 2«2i , fj tote Ruhr Ferch), die blutige
•) Schon Martlal (7. Reh. d. Kplgr. 71.) singt : „Fi-
cosa est nxor, lleo«us est ipse maritus, rtlia fleosa est et
gener atijue nepos, nee dispensntor nee villieus tilccie
lurpi (ge-ehw urige Feigwarzen), nee rigidns tossor sei
nou arator eget."
•*j ,,Man warf <lic condylomat<isen Formen der Sy-
philis sehr häufig mit den Hämorrhoiden zusammen,
seitdem es durch die Araber gebräuchlich geworden
war, die l'ulhologic a cupite ad ealeem abzuhandeln"
(Hae«erll, 202!; die Feigwarzen waren aber allen mittel-
alterlichen Dichtern und Chronisten etwas Verstand
, liehes, allgemein Bekanntem (Pr. 1. 199. 214).
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Feig(e),
Feim— feist.
127
Stuhlgänge und offene Afterbaut (Intertrigo;
luacht (Schtnelicr I, BW; ,,dcr röte siechtuum und da*
vic macht iuch bleich UM 1*1" nelbling II, 1190);
<l) Afterkrebs (1483 das siechtuom, der der Krebs
haizt und ist den lauten an detn altem und haizent In
etleieh daz vetg, C. v. Mgbg. ; Sehmeiler I, SN), well
er blutige Absonderungen hervorruft und
Krebs (cancer) mit Schanker verwechselt wurde.
— 2. =-- blutigrote Ausschläge: a) Grintaus-
schlag, Tinea (Feigen -Grind : (a. v. h. I, 6>6 ff.),
Ekzema palmare syphiliticum (s. o.) wenn das
„rote Fleisch" des Cieschw Ursgrundes oder der
sonst kranken Hautstelle sichtbar w ird, ähnlich
der roten Feigen-Pulpa- Ficus, Ficositas, Her-
pes ficoaus = Bartflechte (Sycosis; (Behrend -18);
b) eine rote Beulengeschwulst auf der Pferde-
haut (= Cteflg; 1599 Gr. W. IV, 1. 2139) (Pferde-
feigwarzen) Mari-sac, bei Du Cange). - - 3. = ein
blutigrot fleischiger Auswuchs an dem
Auge o. an den Augenlidern ^Plaques der üon-
junctiva?; ,'A. v, H. i, es»;). — 4. = F'icus unguis,
das Zurückweichen der Haut von der Nagel-
wurzel blutigrotes Kntblössen) (Behrend 8-">)
^Gürtelwurm, Umlauf); (dan. neglerot; schwed.
nageln»! ; mnd. vik = der lx.se Wurm am Finger. Heyne !
D, 911); (Iben ragen von derl'ferdefeige Feige 2b) |
auf den Menschen : areidit qaandoqM qood pes j
laeditur *ubtu^ unguium in medio solae e\ ferro vel j
ulia rv dura intnintem iisque ad tuellum ex quo titellos
laeditur, ex qua laesione cum ungula nou incldltur
cirrunqua«|ue ut «lebet, nascltur super tuello .juaedaru |
carnis superfluitas (wilde« rotes Fleisch), quae superat
sola«? «uperticium, neu« ( — Feigel vulgaritcr nominatur"
Petrus Crcseent ins de agricultural. Du fange III. 484;
ndd. nck = eln Pingergeschwür; wobei das Fleisch rot
-ichtbar ist und der Knochen mitcrgriffen ist, (»oldschu.
S»j. — 5. — Ima^'t» vulvae ;117> jkt modum Ileus, |
<.r. W. III, 1414 ; [Wilsche Felge] . ital. la rica, Schmeller
I, 697 ; s. d. Verf. Volks Med. 8. 19.'»). — Ü. = (mhd. ros-
vige, 1590; <;r. W. VIII, 1260) Kossfeige — Ross-
apfel, Rossballen, Pferde-Kot (I.exer 201). — 7 =
K&nz etwas Anderes ist: die Feige (ahd. folgt;
1260 veige, Pfeiffer 28; 1475 velgh = sterblich, D. 533;
-ilicernus) = Feigheit — Todes- Not = feiger Tag
h. d.y — feig feg »lein Tode vorfallen oder dem
Tode nahe (Andresen ; Hoffmann I, 326; Göldschen.
5. 6; or. w. III, 144'.) (s. auch fey-igj. — 8. = Feicht I
oder Feucht = mauchmal) Feig (Schmeller I, 688).
— 9. =B. Fick. (Di>- [rote] Fefgwurz. rtewiirz, Ficnria
tormcntilla, erwähnt schon ahd. Oraff I, 1050, die Ihre
Verwendung gegen Feigwarzen dem Grundsätze simllia j
siniilibus verdankt. Schw-. 192, H v 'ierd. 105 nennt
»le tcsticula saeerdotum, s. Pfaffe). — Die Hauer n-
Feige - Feige U, Stercus ;«.r. W. I, llsO; VI. 793).
— rtas I Hut -Teig ;i6. Jahrh. da« blutend vig, 8chm.
I, 696; Mutvlch, Schmeller I, 696. 836) = blutende
Hämorrhoiden. — Brun*/ . Brunft Feige = die
zur LSrunfUeit eine übelriechende Materie ab-
sondernde Drüsenhohle hinter den Krickeln
der Gemse. — (16. Jahrh J das fliessende Feig (vig)
= blutende Hämorrhoiden (Mottet, An», f. K. d.
von viii. 4io,. — ^j|J£A_ j> Feigen {im latieigen
es exeors, D. 216; Schmeller I, 1633) — ein Feigling,
dem das Her« in die Hose fällt wegen Angst-
diarrhoe, auf die Feige 6 anspielend. — Pferde
od. Haas Teige s. Feige 6 (Ztogerla Jl; w a. Bch. si).
— rote Feige (rotvich, <;r D. M. II, 1112) = die
roten Hämorrhoidalknoten und I eigwarzen
(l.>. Jahrh. rotvlg, Voc. opt. W. 41 — haemorrhoidae.
Ilyrtl, K. Vf. 71; roth glig - haemorrhoides, Schmeller I,
691). - Feig(en)-, Fick- Adel, -Araeh, -Beule,
-Blattern, Buhet, -Grint, -Krusten, -Mal, - Tag,
- Warzen.
Feim, m. (Farn, Faum, Fiem) (von indog. \iier;
ahd. feim, velm. n. Z. XVI, 40 = Schaum, Kluge*, 103;
spuma; nihd. veim, Schw. 190, C. v. Schm. 1*3 ; <Jr. \V.
III, 14'»0, engl, foam) - Speichel, Geifer (s. d.) —
Jilut-Teim (UM plUOt veim, Pfeiffer 69; Schm. II, 12)
= der blutschaum ober der in der Leber sedi-
mentiereuden bluthefe ;s. Melancholie), dessen
Überuienge ^Phlegma) dann gelenkrftch (s. Lank-
Kähe, Glieder-Rneuma) macht nach früherer
Schullehre.
fein, a) - gesund ; b -schmächtig, uart (tir. \\.
III, 1464; Irin -echt, lauter, vollkommen, ist um 1300
aus dem Französischen ins Deutsche aufgenommen,
Kluge 10J). — hunger- fein = Uünnhaarig bei
schlecht genährten Schalen Frank 119: Falke
I. 125 .
feist (faist, faias, feiss, feisch, foisch (flei-
schen), Feiste.f. Fei s tin , Feistigkeit, feischen);
feist ist das echt oberdeutsche Wort für lelt
(Kluge*, 103. 105; vorgerm paido; goth. faita = lelt ;
goth. faitiths = gemastet; S. Jahrh. feizta* — erassum,
Kcro 73; ahd. feiatxit = feiziti, feizü - feiste, firaff III,
739 = pinguetudo. adeps, ar\inn. Ut W.III, 1471; ffistaz
Fett, <ir. W. III, 14«S; leiiiter - IcbJter, corpulentus,
Ut. W, UT, 1468; veUlt, Schw. 193; feUU^arvina B. Z
XVI. 8."»; luhd. veiz. [SchweU, Schwaben] f. ist, pinguis,
rra«su«, <ir. \X. III. l#Mj fett; ahd., 10. Jahrh. veU
pinguis; veUeto, veizte, velzt = Feiste, Gr.W. III, 1471 ;
Pfeiffer, F. u. K. III, 65. letzet - feist, eon>ulentns,
• ir W. III 1408; votsM = Omentum, Hyrtl. K. W. 69;
14. Jahrh. fleisch feissi = adeps . Voe. opt. W. 13 ;
1470 flczl. in glandul«, animella, Gekroslett, D. 3C ;
1182 faistigkeit.Zening. Voc. ht ^Schmer; 1483 veli>ztin,
<'. v. Meghg. — Keistin, pinguedo, adeps, (Jr. W. III,
1473; 149". leiste an dem kyn = toru», D. '.90; US
feysztin, Fries; Hyrtl, K. W. 48 - pannieulosus, adl-
posus; 1528 uswendig fuistigkeit, H. v. Gersd = earnu-
lentia, Fettleibigkeit, Ilyrtl, K. w 4s 112, lfiflo n leren
liliste, niere faisti [Basel]— Nieri'nfett, <Jr. Vf. VII, 833;
hirzfaist - Hirschblut, »ir. W III, 1165; engl, fot, fat-
nes», to fatten. Kaltsehm II. 1471 — Feist - Feisch,
Falsch (nur Inder oberd. Jägersprache), l. = hamrius,
t'ruor, das vom wunden oder getöteten Wild
Hiessendo blut (Hirsch, Reh, Hase; (Gr. Vf. III, 1 165;
Schw. 187 ; C. v. grbm. 488); (1716; Gemsen -Falsch —
Gemsenblut - sog. Seh weiss 1 Jägersprache; <.r. \V
in, 1615). — 2. » Kotwild-Fett, DacbafeU [i«aodach-
sen f»is. h, Dr. Minderer) — feischen = falschen, lac-
schen »auguinem emittere (Schmeller 1,773; «ir. \\ .
in, 116.); s. auch fleischen — Feist/, er Ader,
-Darm, Harn, -Netzlein, -Zeichen, -Zirkel. —
Blut uml Fett müssen zu einer gewissen Kultur-Zeit
als gleichw ertig angesehen worden sein, da beide durch
Faist und (das verschlechterte, dialektische) Faiseli
wiedergegeben « erden , zum Kratikhell8-«jebieto haben
| weder faist noch Falsch «lin kte Beziehungen ; ver-
mutlich aber zum Kullnpler, wobei alles l ugeziefer
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128 Feist— Fell.
lerne gehalten und nur reines Rlut und Ml geopfert
bezw. verbrannt wurde.
Feist, m. (feisten, Fiat, tu.) s. Fiat.
Feix, m. s. Fax und Fex.
Feld, n. Feld-i^tVorr, -Krankheit, •Seuche,
siech, -Siechtag, -sprechen, -Sucht, - Wurm.
Fell.m. (Fill.Fehl) (vorgenn. pello- [pcllis, r.iS'i.'i
— flaut. Leder); gera.-germ. tella- ; goth. fllh; ahd
feil, Menschen- und Tierhaut ; vellun, H. Z. VI, 321 ;
mhd. VtU, Gr. D. M. 1184; Kluge 93; engl, feil), 1 =
Haut, Balg, Schwarte, Schinde der Tiere (den
Unterschied dieser einzelnen Hautnamen ». <Jr. \V. III,
U9C); da» Fell ist uns heute etwa« graueres,
dichteres als die Haut. Haut: Fell = cuUh: pell is.
— 2. - menschliche Haut bis zur mhd. Zeit (Gr. W.
I, io»5; Schw. IM; Ulli fael, Schweix) ; (vergl. Haut .
Zwischen Haut und Fell (l*»»t noch ortolpb aus
den» Haycrlande 1177) zur Ader (da heute noch nach
dem Volksglauben dies der Sitz vieler Krank-
heiten ist). — 3 = die kindliche Eihaut — Matrix,
Amnione (laut (14S2.,icllcln, worin du* kind imniutter-
leibe llgt", Zening. Voe. h»i; Kindstell — Kind«balg ;
1532 fellln = Eihaut, Fries 126). — 4. Ilautkrank-
heit = die kranke Haut (Flll [Schwaben;, Hautwunde
vom Drücken und quetschen - Atel, Krau. Schnicllcr
I, "09; feil = Hautwunde, C. v. »ehm. 1*9; 1699 die
Kehl — rinnendes Auge, Augenfell, v. M. I, 37 und
Schwei*] Gr. W. III, 1421 = scable«, Kratze, Kinder-
pocken, wilde Pocken; (irimm meint zu fehlen ^=
krank aein[?], vergl. Abfeil, rote Fell, TntWell
und ndd. Wien - da» Kell abziehen. — 5. ss da»
Augenfell (e. d ), Fell. -* b\ - anatomisch ist
daa Fell = Membran, die sich über Organe hin-
zieht, ausspannt, Höhlen auskleidet (Brust-,
Schadelknochen, Kippen, Zwerchfell etc.). —
7. fei = faul (s. d.) u. Fehler. — Fellein, n. (and.
vellelln ss membrana. t.raff III, 460; 1482 fellein, Zen.
Voc. h 6: 1529 fellein - periosteum, Hrunf.) Haul-
lein (s. d ). — fellicht sa hautig illyrtl, K. W. 17).
— iibfell [wie Abass zu Aas wurde, sn Abteil zu Atel,
1411 «Bei, Zlngerle 196; 1594 etling — iietlinc, eine
Weiterbildung [wie Kiinslling zu Faust; aus afel, (ir. W.
III, 32; 1670 der bcsorgltehc affel, <;r. W. I, Ml); (1688)
alcl = lacslo cutleulac „ist ein Zufall bei allerlei
Gllcdcrkrankheilcn (— d. Kxtrciniiaten), sie seien offen
oder nicht, die von böser Luft und anderem üblen
Verhalten bei denselben lelchtllch zuschlagen und
gross« Entzündungen (der Maut) verursachen" (l'lnter;
Gr. W. I, 181) = Wund-sncht - Ucrmatitis, Erysipele;
afel b ncachwuM, F.ntzüudung (H6fcr, o-terr. Wrthch.
I, 7; ehr. Sam. 1); wie das Versegnet [s, d.j wenlen
Afel n. Afelin besprochen und treten in Segenspruchen
wie die Wlldnia («. d }, wie Krankhcit'ditmoncu auf
(TirolJ. demnach t-t Afel 1. — eine Laesio cuti-
culae, ecorehure, abgeschundene, abgeschalte
Hautatelle, Hautröte, welche Schmerz verur-
sacht. — 2. = die davon (1) ausgehende, schmerz-
hafte Hautentzündung (Dermatitis, Krysipelas,
Pseudo- Krysipelas, l'hlcgmone), Ungenannt,
Wundsucht; dagegen sollte «las A Hei- Kraut — thcll-
donlum inaju* I. (Jessen 9»)) helfen als Srlullkmut oder
Sehellwurz; Aetll-, Äfft -Kraut = Grint kraut, Kratze-
krnut (Roll.). — Zittcr-Afel (-Abel) (schwel*) =
schmerzendes Zittermal, Zitieraeh (s. d.) (Schw.
h«i). — äfelig - geschunden, hautwund, -sehr,
Fell.
-fratt (Schmeller I, lü). — Augcn-TeU (ahd. aiigavel.
ougavel albugo, patuius, «iraff 1, 228; III, 469; 126<i
swem duz vel «i für dnz ouge gegangen. I'lelffcr 32;
15. Jahrb. du* fei über den ougeu ~ cattaraete; ein
feil ob den ougen = lenebra, relum, D 6U9. 639 . 147t;
ogenfel; 1516 fei in einem aug = glancoma, D. 264,
1530, 1532 feilen, facll der äugen, Fries 79. 79e ; Künigap.
47; 1561 faell In den äugen, hock 21, 1561 augcntäl =
pterygium, Gr. \\. I, 805), 11742) Augenfell — pterygium.
„ein Hau tiein. so aus den Augenwinkeln hervor über
den Augapfel nach und nach wachst und den Augen-
stern überwachst und die Blindheit verursacht" sa
Augen-Nagel (unguis oeull; Zw. 206), (1752) Augfcll =
paunus (pellieula oculi). ,,über der Hornhaut zieht sich
eiue rote, llelschlgc Haut zusammen, die wie ein rote
Tuch über dem Auge liegt A, v. II. II, 1207), ». Augen-
Kalme die (das Augenfell («ir. Vi, VIII, 108; Wullke
160; Duck 13); olters ist da» Augenfell mit albugo
übersetzt - da» weis» (oder grau) erscheinende Auge -
leuenma corneae - das weisse Augenfell (A. v. B.
I, 41) - das undurchsichtige, dichte ^weissgrauei
Fell vor! dem Auge (d. h. Augenstern) im sog.
Staar-Kaum ; die Membrana oculi (Sehfell), siehe
weisse Augenentzilndung; 1. ^Staar s.d. ; (Gr.w.
in. 1495). 2. = das Flügelfell (a. d.) ü. l-ollrias,
l'terygi"'" I'aull Aeg .. Hymen leukos fialeni (Krans, K.
863) 1 onglee. — (1710) ausgespannte Fell - (ObWMta-
ung von; Peritoneum fliyni, K. WJ. — Bauchfell -
Magen feil — Peritoneum = Siphac (siphar) der
Arabisten (D. tVI4; Du fange VII, 495; nicht zu ver-
wechseln mit «lein buocljfel — membrnna pergameidca.
Bncblell, Pergament, 9. .lahrh. ; Monseer tilossen) —
(l .ex />/u<-Fell (der Augen) - Fanniculua car-
nusus, ein Fell im Auge mit auagetretenem Blute
(<;r. \v n, 181; t'oier, ll. a. Iis). — (1595») Brach-
Fell — tlie bei Pferden im Brachmonate, der
Zeit, in der der Boden umgebrochen wird, ein-
tretende Trübung der Augen (Maifell) [Gr. w. □,
282; Arlt 121). — (1*. Jahrb.) breites Fell - Dia-
phragma, das der Breite nach sich ausdehnende
Zwerchfell (1). 640). — ifnwf-Fell (M. Jahrb. bruut-
vel — diaphrugm», Voe. opt. W. 11; lls.2 prustfei —
dia|>hragiiia, I». 179; 1752 — diiiphnurtna, A. v. H II,
318). also 1. = Zwerchfell (Byttl, K. \v. i26,i ( Dick-
teil, Loftfell). — 2. - Brusthaut, Pleura Gr. w.
III, 149 .; Hyrtl, K W. 47). — 1710) Darm-Teil, 1. =
Hauchfell auf den Geilärmen = Peritoneum vis-
I cerale (Hyrtl, K.W.1B0; Kulmoi 16t). — 2. — Darm -
haut (s. d.). — Dick Fell - Zwerchfell (s. d.)
(Hyrtl. K. W. 126). — J><7r/i< M-Fell iherba sigellnde,
[> lOftis. Drache (Fte'ygium . — (t .. Jahrh.) Dünn-
Fell («iphar >:ph.»e;, I». «H.i =- das zartere Bauch-
fell im Gegensätze wxa dichteren Zwerchfell.
— etsscZ-felliiy Imbd. elzclvillig, atsüeliltlig) = eine
von eiternden (jeHcbwitren Kissen, s.d.) wunde
Haut habend, ulcerosus (Schmeller l, 709; <;r. W.
III, 1499). — Jeff-Fell, 1.=- Netz, Omentum (Hyrtl,
K. w. 17), das reichlich fett besetzt ist = Schmer-
fell. — 2. = Pinguecula, eine fettgelbe Binde-
gewebsgesehwulat, wie ein Flügelfell, am Horn-
hautrande meist alter Leute. — (IMS) Fleisch-
Fell; a) in den Augen Augenfell 2 i^tleischrot),
Paunieulus carnosus oculi («ir. VV. II, 181) — Pannus
(Flögelfell); b) der fleischige Hautmuskel am
Halse, Platysma myoides (Vadem 2.!; A. v. n. II.
120«; 1740 der pannlcnlns carnosus cutis, Kubnns ",2.'
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Fell
- der Teil der Haut , der gegen die Fleischteile
gelegen ist. — Flügel Fell = (übertcUung des lat.-
trrieob, pterygium [riTip'j; - Flügel] Galeui s, Cclsi,
kraus. E s«3>-= entzündliche, partielle, dem Hügel
einer Fliege (der Korni nach) ähnliche hyper-
trophische Entartung der Bindehaut des Aug-
apfels, wobei von der Peripherie aus über den
Hornhaut rand eine dH« Auge beschattende,
tlügelförmige, 2 spitzige Kalte hinüberwachst;
Iveiiu Pferde wurde es früher dem Drachen-
schusse zugeschrieben (s. Drache, Sehlis«, Dra-
chenschuss, Fell-chuss) (Arlt 91, Falke I. 292). —
Gefell, Geflll (GfiU) (1572, IMö gefüll, SchineUer I,
70»; 1612 ffetHd = Geflll, Schmeller 1. c.) = das ganze
tiehaiite <>. Fell. — (1599J i/tr«W-Fell = ein rotes,
gelbe» o. einerleifarbiges, wellentörmiges Fell
auf den Autten der Pfeide,das im Herbete hautig
entsteht im Gegensätze zum Brach- und Mai-
Fell (s. d.) (Gr. W. IV. 2. 1069; II, 282). — Herz-
Fell (152* herutellin, H. v. Gcrsd 10 =- pericnrdinm,
Hyrtl, K. W. 47, 1666- |*ricardium, Gr. W. IV, 2. 1244)
= Herzbeutel. — Hirn-TeH IßhA. hirtilfell — Mem-
brana, (irafflll. 469; mhd. hlrntvel, hernevel; 13. Jahrb.
cerebrum, Gr. W. IV, 2. 1558; I>. 114 j hirovel. Luxer 102)
Vleumges, Hirnhaut, 1. = (14 Jahrh. u«serhirnvel
= dum mater. Äussern Hirnhaut, VOC opl. W. 10;
Hyrtl, K. W. 116 ; inner hitnvel — pia mater , innere
Hirnhaut, Voc. opt. \\ 10; 15. Jahrh. birnfell — dyra
mater, P. 6-10; 1482 hirnfei = aalvatrlx, aalvaU-lla [s. d.J,
Zening. Voc.; als schuUende Hülle für das Gehirn;
li28 das starck hyrnfellin - dura mater, H. v. Gersd. 26,
10. Jahrh. hyetifeU [verschrieben]. Schmeller I, 1119;
15.« hyrnfell, Gr. W. IV, 2. 1558 = menlnRe«; 1612 die
lehle des hirns — • menincps, Gr. W. III, 1422; 1680 hirn-
tell = inenlnire», Gr. W. IV, 2. 1558) (s. Hirnhaut).
— 2. = das irrobe Uirnfell (1898 pofa hyrnvell. H. v.
«iersd.; Bnmf ) = die Dura maier (auch Salvatella
genannt, s. liamlader) als harte Hirnhaut, im
Gegensätze zursehleieraitigen, zarten Pia mater
(tiemlini (Hyrtl. K W. 50). — 3 = {1482 hlrnfcl -
Krankheit des hin»', meniea, maniae«, Zentnjr. Voc. o >;
r 3j - Hirnwut als Krankheit des Hirnfells 1 u.2;
ob zu Fehler oder Fell?; Organhezeicbnun^en
siod öftere Puch gleichbedeutend»- Krankheita-
Namen, z. B. Drüse, Blatt, ZApHcin etc. —
(15 Jahrh.) Innere» Fell, 1. - Pia mater s. Hirn-
fell (P. M3J. — 2 - Bauchfell = sipbac (0. 644) als
innere Umhüllung. — J«n^rrn-Fell (1482 fei-
lein der Junckfrawscbafft, Zettln»:. Voc. h6; 1616 feel
der junkfrawschiiüt — hyinen, Heyne II, »92; Gr. W.
iv, 2. 23*6) = Hymen. — Kindel -Teil inhd. kint-
vel, Lezer 123; 14. Jahrh. kindvell secundtna, Voc.
opt. W. 12; 15. Jahrb. klnlvel, kindelfell = amuiou,
serundina, P 644; <ir. W. V. 730 u. 7 SS; 1632 da* tettlfl
>i;i <\tJ. kind inn liegt — secuudiua — <lle ander «Schürt,
Kries 126) = Eihaut. — L<i»Av-Fell (ahd litukevel!
(8. Übel). — (1612; LultTeU (luftfatat. (ir W VI
1202; = Diaphragma, Zwerchfell, durch dessen
Bewegung die Ateraluft zutliesst. — maden-
feilt 7 (ohd. madewelltg, Graft I, 791; II. i".5s ; mhd.
nuwlerillec. Schindler I, "09; Leaer US; Gr. W. III,
1199-scaturicQS verntibus) = den Hautwurm (Kotz,
0. d.) habend. — 3fa9«i-Fell= Bauchfell, Peri-
toneum, Siphac der Arabisten (Gr W. VI. 1419). —
(r-99) i/aien FeU = Brachfell (s. o.), die wolken-
farbige Augentrübung bei Pferden, welche be-
Fell. 120
.sonders im Mai eintreten soll (Gr. w. II, 202). —
•W/fW-Fell - Diafratton Ualeni, iseptum medi-
anum = Me<liastinum, <)ie Mittelhaut der Brust-
höhle (Hyrtl, K. w. 170). — (1761] Nagel-Teil, 1.=
der Augen-Nagel; a) (onyx = unguU, Iritis mitEiter-
senkunp in der Hornhaut selbst, Arlt 131; ein Eiter-
herd der Hornhaut in metiiseoider Form, Arlt 156
lnnula, Arlt 164); b) Plerygium- oder Flügel-
fell- (s. d.) bildung im Au'ge, „wobei eine Haut
über den Augapfel hervor wachst" (L. eh. 92;
Gr. W.I 80'.) — 2. = eineDeforniirungdes Ftuger-
Nagelö (1776 Plenk ; Hehrend 5. 85) (Neidfell) „ein
1 iellförmiges Hinüberwachsen der Haut von der
Wurzeides Nabels nach seinem Rande" (ahnlich
dem Augenfell). — Neid-Teil - Neidnagel und
Nanelfell J (Heyne Hl, 972) (s. Neid). — Ohren-
Fell (mh«l. öre vel, I.exer ls2, 1420 ornfel, P. 358,
15. Jahrh. orlel, orevel, feilet n in den oren, ornfell) =
Meringa, Trommelfell, Olirfandl, Ohl blatte,
Trommelhaut, Membrana tympani, die ge-
spannte Membran, die den äusseren Oehörgang
abschließt {Gr. W. VII, 1262; Hyrtl. K. W 120). —
I7s3> Qi«r-Fell - Zwerchfell, Diaphragma (Hyrtl,
K W 47 ; I.evellng 125!. - Rippen-Teil (1542 rlptaellin ,
I 158* ripfellin, Tabernaem. ; riptel, ripfcllein, ripfelin,
<ir. W. VIII. 1034. 1620 rippfell, Pr. Minderer; hotl.
! ribbenvel), l. -dasinnere Brustfell auf den Rippen
(I'lfuracostalis) ö 6ss;u»io- (Kossm. 6). — 2. — Uip-
I penhaut, d. Äussere Bedeckung. — 3. = llücken-
I feil 2. — Rippfell Qenchwär. — die rote Fehl
(Schweiz) die durch Ausschlag rote Haut, Kot-
Mlehl :<ir. W. III, 1421). — /iiicArn-Fell, I. - das
tierische Rtickenfell. — 2. — da-« Kippenfell am
Kücken (Gr. W. VIII, 13t'.2) (Kückenhaullein). —
(1742) Schleim FeU in den Augen = Glauctima,
grüner* Staar, durch den Augenschleim ent-
standen ansenomtnen (Sehfell) (Zw. 228). —
(1541j Schmer- I _ „ , . . .
I (1748) S<hmaU-\ FeU ^ u'"e»tum» Membrana,
Zirbus, Pinqoedo involvens intestina, Netz (Pn
I ränge VIII, 432; Hyrtl, K. W 47 138; Masohenb. 101),
«las Netz, das wi<- ein Fettfell f«. d.) die Darme
bedeckt. — (12 Jahrh ) Seh-Tell („■» da« fet vor der
■chun [Sehe, Sehkraft] cotne", ffeiffer.'O 79. »7) - Mem-
brana oculi — Maar (s. Augenteil) (eonf. sebel —
pannus ocull, Kraus, F.. 939). — S<l"frn-Fell - Kip-
penfell an der Brustseite. — (1588) (ansehendes)
Staar- \
Sf«re»i- Fell, in den Augen - Staar (s. d ), Ca-
Stuhr \
taracta (R. A. 106; Coler, H. A. 117; Tunern !, den
man als ein Fell ansah. — (1591) Stern-Tell =
das Fell (Hier dem Augenstern -- Staar (s.d.) Ca-
taracta, SlllTllsiti, Scototnata (Had Jun. 374; I- eh.
81). — Trommel- ,[1H0] Trummet)-TeH — Ohr-
feil, das wie ein Leder (s. d.) über eine Trom-
mel gespannt ist, Membrana tympani (Kulmusy v.
— TYiirtVFell («oth. thrüt« flU, Gr. W. III, 1495. 1499;
angl«. blec thrust fei, blec thrusfel [ — Mec thru(d)s(t)-
fell] = bitill|ro [vitiliRo], P. 623 = weisse, bleiche Haut-
j krankbeit, Hautleiden) ■ I-epra, weisse Aussatz-
1 haut (Klutce*. 103. 388; trüdo, plage = truhan ; indojr.
, tnid; germ. thnit), Hautplage, Aussatr.plage. —
trodsfeiliger (Roth. thnit.«rlllebj8 = leprosu?) = «ler
vom Aussatz Oeplagte (vergl. Angeftta). — (M77)
I umgespanntes Fell- Bauchfell ' Chersetjuini? des
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130
fend — Ferch.
Ferklein — fertig.
Peritoneum, Hyrtl. K. \V. 47. IV». — Frtrfell colli. '
fatirafilll, Kluge-1, 103) = Voihaut, Praeputturn. —
(1645) Wasser-TtU., 1. ■ Wasserhaut, Waaser-
balg/ Schafhaut (*. d.). — 2. = ein mit Wasser
durchsetztes Augenfell (Cnier H. A. US). — die 1
weisse Fehl (Schweiz) - im Gegensatze zur Kot-
Biicht (rote Fehls, o.) ^ Kinderpocken, die wein-
gelben Blattern (Gr. W. Iii , 1421). — die wilde
Fehl (Schwei*; 1513 dye wye fei an «Ion äugen, Schm.
II, 86-1) = wilde Pocken (s. d.) (or. W. III, »21) '
(Witlel, Pannus oeuh). — (1M1) ZiwcÄfell
Querfell, Diokfell, Luftfell, Diaphragma fJByrtl.
K. w. 126), die twereh (mhd.) oder quer durch ,
ilen Leib zwischen Bruslhöhlo und Bauch-
höhle gespannte, innere, dicke Mnskelhaut,
Zwerchhaut. - Zwerchfell- Gicht. — Fell-ßiss,
■ Sehlis*.
fend; fend schnaufen = behend (pfend), |
eilig, schnell atmen.
Fende, m. (abd. femio, Klage*, 10". angis. teda;
mhd. vende. Fussganifer, I.exer 31.*»; *u l'lad?) —
(1260) Mann- Fende (maulende = Tnrsus, FnssbUtt,
Fusszehc nach Grimm, Pfeiffer 72)
Fenster, n. in ahd. Zeit mit dem Beginne der ]
Erlernung des Steinhaus- Baue* aus dem lat. fenestm
[ahd. und goth. - AUgenlborl entlehnt ; ahd. venstar ,
rahd. veoster, Kluge*, 104 = lochformige Öffnung [am
Holzhause], Auge; neyne II. 894. engl, window. — [llsCI]
Afkr-'\ Fen8ter " v ^W** 1>r »» "|;
Afterloch, Anus. — (ici6) ^«^cn-Fenater- Pu-
pille, Sehloch (Hyrtl. K. W. W) — (U. .Inhrh ) Hin-
ier-Fenuter I hynder venster. Hjrrtl, K. W, 8) - After-
fenster (s. O.). — A'an^-Fenster (H77 nas venster,
Ortolph; 1183 nasvenster, C. v. Menenbg .) = Nasen-
löcher, Nasengaden ; Nares. — Ohren -Fenster
(mhd. da* fenster [»eil. der Ohren;, Gr. Vf. VII, 1226) |
^äussere Ohrgang-Üifnung. — (1177) S-hweis*-
Fenster (swelzvensterlln, Lexer 261, C. v. M<-genbg)
= Schweissporen, Schweisslöcher der Haut.
Ferch, n. (Förrich, Färch) (ahd. remb, verah,
ferehe ■ vita, sanguls, Gr. W. UI. 1627; 'ir.»n III, 682;
mhd. verch, Gr. W III. 1627; verch = Leben, Korper,
Hera, Blut, Tod. Haltaus 460 ff.; 1*»1» das lerg - miis-
cnlns vltac, D. III. :503; da* ferch = paralysls Intcr
carnera et entern intercus; 1916 ferch = das Leben,
Gr. Vf. III, ir»2H; um ferch - dysentert*. Guar. »71;
1616 dlaphrogma, Gr Vf. III, 1528; ferch - acintlllatlo
nculorum, t'r. Vf. 1. e. — die Erscheinungen heim
[kulturellen] Verblulungstod, das [enttlieheude) Leben ;
162'.» das Ferch = nystagmu«, saltns, Schindler I. 761 ;
16»a das Ferch = palpitatio, nystagmu*, „In diesem
Flhricren. ruinieren zeigt sich die Lebenskraft", Gr ff.
III, \:,>n). Es ist (irimm (\V. II, 76; III, 1628) «um-
stimmen, wenn er in ferch (ferah) das Herr, als Sit*
des Lebens aunimmt (l'nenma) ; das Wort ist mit der
Opferanatomie lu Zusammenhang *u bringen; nur «O
lassen sich dann die verschiedenen Bedeutungen des ,
Ferch crkl.ircn i Der kulturelle opfert od (s. Korrcsp Bl.
L Anthr. lfc%. Nr. 1). der ein (Menschen -'Leben der
Gottheit zum Versohnungsopfer darbrachte, schuf für |
dM Volk nachfolgende Bedeutungen des Ferch: 1
das herausgenommene Herz, das eben noch
pulsierte und schlug = Merz als Lebenssitz;
MnW ferahl'.s - leben«lo«, herzlos, Graft II. 269;
1629 saltu« das Ferch, Schindler I, "51; aus der
Beschaffenheit des Herzens wurde beim Opfer gewcU-
sagt, Golth. «41). — 2 das, was hei der Heraus-
nahme des Herzens noch mit dabei wegge-
schnitten wird, ein Teil des Zwerchfelle, das
am Centrum tendineum mit dem Herzbeutel
verwachsen ist, daher auch: Ferch - Zwerch-
fell, das neben dem Herzen der lebenswichtigste
Muskel des menschlichen Körpers ist, dessen
Stillstand, wie jener deB Herzens unausbleib-
lich schnellen Tod brinet (Hyrtl, Anat. 430; Gr. W.
III, IHM; schmeller I, 751); (vergl. Vorherz). —
3.== das, was aus dem Herzen beim Ausschneiden
herausliiesst: Ferch ~ Blut (Gr. w. III , 1322; ■;
namentlich aber 4. = das pulsierende Blut
•'Ferchader, e. d ), das im Bogen fliessende
Ferch (s. u ), mit dessen Fortfliessen der Tod
eintritt. — b. — das auch sonst sichtbare Blut:
a) blutende Wunden - Ferchwunden (s. d.);
b) rote Kühr = l'erch (Tirol) ■ Blutfluss ((ir. w.
III, 152»; Schmcller I. 7.M; Guar. 871). — 6. ferchen
= töten (<:. v Schm. 17s . Färch = da«, waa ans
Leben geht = todlich, z B. (mhd.) Ferchwunden.
7. = zum Ferche lassen = Aderlass (Gr. Vf. III,
1528). — H. - die Zeichen des Verblutungstodes :
d:is Zittern, Fipern, Zucken und Beben der
Muskeln, namentlich der Augenlider (Gr W. III,
1528) - Nystagmus ( =- tourner Foeil, Briss. 116; Schm.
I, 751) Ferch: (palpitatio .|ualls in membris inter-
dtim seutitur et saepe tu palpebris — vlta in musculi»',
Henisch ; 1616 - die Mau* [2], „das ist der ort. welcher
das Ferch heisst", Paracclsus; Gr. W III, 1">28). —
das darre Ferch - eingetrocknet« Blut. — das
fliessende Ferch = das lliessende Blut. — Ferch-
Ader, Blut, -los, -.Wrtse, -Schlag, -sehr, - Wunde.
Ferklein. n. (vorgerm. porkos [porens]; g-th.
farh», ahd. farheliu; mhd. verkclin. Kluge*. 104) =
scrofula; sti» BCrub», das Schwein. — ■;i482) Ferchlein
iZening. Voc. hh 2J — scrofula = flriise i("ben>et*ung)
s. >kroleln u. heb wein). — ferkeln = Ferkel
werfen. — Ferklein-ilussrWaj/, -Drüse, -Fieber,
■Lähme, -Vbtl
Ferse, f. Fersen, f- (altindogerniantscbe« Sprach
tut fers-näni; vorgerm. pers-na-ni , Kluge *. 104 ff
:»hd. fereana; 7.-8. Jahrh. fersna =- tali. Gass. Gloss.
Die* 9S; lerslaa = calx, II. Z. III, Wi», 14. Jahrh. ver.
xennc = e«lx. Voc. opt. Vf. 13, 1578 die vers, Gr. W.
V, 143«; 1591 fersinc, ferseben, verssen — malleolus,
Had Jun. 35; Tabcrn. 117 K. ; nhd. TONI, versene.
(erseii ■ plant» pedis, Hyrtl, K. W.j die Anatomen des
17. Jahrh nahmen Ferse und Sohle identisch, Hyrtl.
1. cod.), 1. s= der sichtbare, von »i»?r Haut bede. kte
Ted des Fersenbeins (= Hacke, s. d.) — 2- -
der hintere Teil des Pferdehufes. — Achilles-
Ferse = die Stelle, wo die Achilles-Sehne sich
unsel/.t Nach der griechischen Sage soll die Meer-
BfttUn Theti- ihren Sohn Achilles, um ihn unsterblich
*u machen, in Feuer (auch Styx) eingetaucht haben;
nur »lie Ken-»', wornn sie ihn hielt, blieb ungefeit und
daher verwundbar iWiisim. — Fersen Bla ttcr.
-Fahne, -Fleckte, -Gatte, -Sehne, - Wand.
fertig ahd fnrtig = tur Fahrt (*. d.] ausgerüstet ,
mhd. vertlc = zur Fahrt bereit, Kluge', 106). — berg-
fertig - fertig (zum Sterben) durch die Berg-
krankheit C- primärer Markschwamm d. Lunge
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fernen— Fett.
Fctzel-feucht. 181
l>ei Bergarbeitern) fMed.-chir. uundsch. 1*7«, s. sr>3). I
- a«60) Nacht- | jgjggft } - «rollchtl Fahrt
geneigt als Nachtwandler (Mondsucht, Schlaf-
wandel) (('ruRius, de noctc etc. :!37; Mnscheab. 1589.
f erzen s. farzen.
Fes 8. Fos8.
Fesen, m. 1. = eine Krankheit de« Sehweins I
(Milzbrand) (SchmeUer I. 767) = Korn (= Kose».
Dinkel, Spelt) (a. Korn, Kern). — 2 = eine (Je-
schwulst der Lefzen des Pferdes - Korn («. d.;
vergl. .Mehlgrat).
Feßsel. m., f., n. (Fesselat, f. Füssel, Fessel,
Fissel, Fetzel, Fistel, Fissloch, Gefäss) (ah<i.
Hanl, vczztl. Schw. 1%; mhd. Icm-l ; Kluge lu.V 12.'.
und Heyne 11, 899 »teilen cg zu fet - Kusu. als Ablaut
davon — das Kü*«lein; engl, fetter. Kaitschin.); 1.=
der untere Teil des tierischen Kusses von der
Köte (s. d.) bis zur Krone (s. d.) des Hufes
reichend, l'Hrs pedis ungnlao proxima (Gr. w.
III, 1666; IV, 1. 42 - fiefAss, OefäMMSr, Gr. W. IV, 1.
2129; 1603 ober und untere Ke-scl [de« Werden], <.r. W.
III, 1666, 1699 fuwel - Kewel, Gr. \V. IV, 1. 964). —
2. -der Hinlerhiitf des Pferdes (SnfFrago) (<ir. W.
fü, 1692 ts vlzzeloch = Fisslaeh. Flwiloch, eine Ab-
leitung zu 1« - Fun* [Kluge 123) = Feasl -ach, Gr. W.
III, 1692; conf engl, fellock = Kotenzopf, Kaltschm.
]_ 23ä!, — (1639) dieFeSSelut (mh<l. vczzelate) - ein
Fesselgeschwür an der Fesselslelle (,« ;r. W. III,
155). — GrfeBS — die ganze Fessel (Gr. w. IV, 1.
2129) — gefesselt = mit einer (langen, kurzen)
Fessel ausgestattet (Fnlke II, 58. 58). — weiche
Fessel eine starke Senkung des Fessclge-
lenkes heim Pferde, wodurch leicht krankhafte
Veränderungen an Bändern und Sehnen ent-
stehen, als ob eine solche Fessel besonders
weich, empfindlich wäre, so dass daB Pferd
stark „durchtritt" (s. d.). — Fessel-.lrfer, -Dritt, '
■Galle, -Geschwür, -Gewirb, -Lähme, -Leiste, 1
-Lockt, -wund.
fest, Feste, f. — km-ÜNt ■ knocheaelark,
heinrosch (ahd. kind In warobo klfestlnot «= gravi-
dita*. pariu«, «irufl I, s.*>3j - »las im Mutterleib« mit
Bundern befestigte Kind, von dem die Mutter
entbunden wird. — Grund-Teste — Urundbau
(». d.; System) — fest-/»>yt-n.
Fett, n. Fette(n), f. (angel». fäcled, faett, ahd.
fniia, «in er«t durch Luther eingeführte* Wort
[ = oberd. feist]; au« goth. faltlth» - fai«t, Kluge*.
103. I(i6; alteren KU ; vet - Kelt. '.erttinn XVIII,
2T3 engl, fat) die Fettiirk<-it, Fette, Fetten
ll(ayern|) - Pinuuedo (Cr. W. III. 15T3) Feistigkeit.
— .4Mfl«(-Fett - Angenbutter [Fällte I, 88).
Bauch-Tette ■ Arvina abdomiaia und der
Bauch Mlbet (Cr. W. I. I167j. — Knoihcn-Tett
das fettreiche Knochenmark , Medulla ossium
- - Kragen Fett ~ Eingeweidefett d. b. Feit
am kiagemkhnlichen Gekröse ('ir. w. V, wi:. —
LeirAoi-Fett= Fcltu aehs, Adipocire, eine fettar-
tige Masse, in welche das Leidienlleiscb, wenn
es in feuchter Erde oder unter Wasser lie^-t,
umgewandelt wird. — Mens'hen-Tett ■ das zu
abergläubischen Heilzwecken benutzte Fett
eines Hingerichteten •'•null 66; Rochbolz I, 268)
Arme-Sünder-Schmalz. — A'tVrc n -Fett - das
die Nieren umgebende Fett. — OAr-Fett fndi.
norvet, De Cook 302) = Ohrenschmalz (Oerumen).
— (1645) Schedes Fett = blosses Fett ohne Fleisch
(toler II A. 91). - Ver fettung = die teilweise
oder gänzliche Umwandlung von Gewebe-Ei-
weiss in Fettmolekfiie, Adiposis, Steatosis. —
redtm-fett ~ fett, wie eine angesaugte Zecke
in der Schaf haut (C v. Schm. 642). — TeW(6)-Ader,
— Auge, -Bruch, -Buckel, -Darm, -Drüse, -Fächer,
-Feit, Flechte, Fleck, Franzosen, -Hals, Haut,
■Herz, Kinder, Kräfte, -Krankheit, -Leber,
-Uibiif. -Magen, -Räude, -Schwanz, -Schmelzen,
-Sucht, - Wachs, - Wanst, - TVu/«f, -Zeit
Fetzel, n. s. Fessel.
Fetzer, m. — Podex als Guttur posterior (Du
Cange IV, 144; Gr. \V. III, lr.77; VI, 421 ; Adelung;
Hyrtl. K. W. 8; „well er geletzt, gestrichen wird" [?]).
— fetzen = einen Naturlaut von sich geben wie
Flüssigkeiten, die durch enge Köhren binaus-
ge»pritzt werden: „tfftz" (fetzen l»t auch — den
(iarten spritzen und pluen, Seh melier I, 780 ; daher
auch Fei/gret - Margret, die Ileubrunzerin im Volks-
munde. Zingerle 101).
feucht, Feucht, n. Feuchte, f. Feuchtin f.
(ein au* den mittelalterlichen Medizinschulen in die
gelehrten damaligen und späteren Kreise gedrungene»,
die sehulgemässen Htimore» («. d ] übersetzende«, seit
dem Sturze der Hnnioralpnthologie aber daraus ver-
schwundene* Wort : ahd füliti ; mhd. viuehte, feuchtin ,
UM die Huhtc [hat der Mensch von dem Wasser und
von der Keuchte wird ein jegliches Ding dick] nach
Pfeiffer 20. 21 ; 1483 diu facuehl - (legnia, C. v. Megbg. ;
UHM leichte, feuchtln, fliehte = "minor, Heyne II, 9041.
— - Feucht, 11 ■» Feig, n. (s. d.) (SchmeUer I, C88;
da» felcht). - Feuchte, Feuchtin, f = das wäs-
serige (»rundeleinent (s. Wesen) der mensch-
lichen nnd tierischen Organe, der natürliche,
aus den Speisen zunächst bezogene, elementare,
die menschliche und tierische Form bedingende
Wassergehalt, der je nach der betr. Komplexion
(kalt, warm, trocken, feucht) nach den Lehren
der Hun.oralpathologie in verschiedenem Grade
in jedem Natur-Dinge vorhanden sein sollte,
und mit dessen unnatürlicher Veränderung die
verschiedenen Störungen (Krankheiten) durch
eine Ait von Selbstvergiftung entstehen sollten.
1. = Diese Feuchtinen deBmenschlichenKörpers
(EeibcHfeiichten) waren nach dieser Lehre als
natürliche Elemente vorhanden vor allem; a) im
Blute (s. d.), wo eine nach den Jahreszeiten,
selbst nach Tagesstunden (Krautw I.XXIXJ und
selbstverständlich auch individuell wechselnde
Komplexion mehr oder wenigerstark sich aus-
bilden und hervortreten sollte, die das choler-
ische, melancholische, sanguinische und phleg-
matischeTemperamento. Geblüt (s.d.) bedingen
sollte, bezw. den feucht warmen , feuchtkalten,
trocken WMinen | trockenkalten Humor: b) in
dem Gen der und Gelenken als normale Ge-
lenkfeuchte . Svnovia, Phlegma) ;c) in den männ-
lichen und weiblichen Genitalien als geist-
reiche Feuchte des Samens, als Monats- und
Wochenfluß; d) in den Schleimhauten als
Phlegma, Cholera etc. (Schleimnamsekret); e) als
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its
feucht.
feucht
seröse Feuchtigkeit auf serösen Flächen (Peri-
toneum, Pericardium elf ), f) als Urin in der
Feuchtblase. — 2. - Wenn diese im Körper ge-
kochten (e. d.) Fenchtinen in Form eines Flüssen
(s. d. n. Khenma, Katarrh) aus dem Blute oder
einem Organe an andere Organe sich versetzen
ifallen, sinken), dann entstehen daselbst nach
jener l«ehre unnatürliche Mischungen (Kom-
plexionen) oder durch besondere Schürfen oder
Salze veränderte, mehr weniger bösartige Feudi
ten, z. B. ; a) zwischen Haut und Fleisch als
Anasarka, Hautödem; h) auf Schleimhäuten als
Katarrh (katarrhalisches Sekret, Phlegma, Cho-
lera), Auswurf; c) in den Muskeln, Geftder, Ge-
lenken als Rheuma oder kalter Fluss (Phlegma ; ,
oder Gelenkexsudat ; d in den Genitalien als
Verhärtung (Infarctus, Seirrhus) oder Samen-
tlusfl (Gonorrhoea, Wei^fluss} etc. — feucht
wässerig, stark Kecernierend. — Feuchtigkeit
(13 Jahrb.. mnd. ruchtichcit, Mag Kanh. las«; 14»;:
vluhtekekeit; 1AM fochtekoit , b-iichligkcit liuranr
mdkuIk. »puturo. Heyne II, 901, D. Ml. :*9} Art
u. Weise, w ic etwas Feuchtigkeit enthält, feuch-
ter Zustand der Organe. — ßirir<-Feucht = die
Feuchtigkeit der Brunft am Blatte -weihliches
tierisches Geburtsglied) (C. v. £chm. 71 ; to piss,
engl. Jägersprache). — Lose Feuchte IX lahrh. die
böse fluhtc, I'klffer IS j mnd IM da» W a»scr [l'rin] «1er
Krauen blelchlarhig, und ist iler Arkcl (Zirkel s. d.j
«laiin manigfaltlg, ohne da»?* man das Wasser umrührt,
«« hat die Frau viel«! humores praves, da«, hetMt buze
vuchtlchelt und das geht ihr bl» an das Haupt durch
den rugghe knake [Rückgrat] und sie hat grus«eti Weh-
lag an ihrem Haupte [clavu« b.j>tericu« = Endome-
tritis catarrhalls; nach Mag. Harth. 103a) = eine un-
natürliche (s. d.) d. h. krankhaft vermehrte,
anders gemischte oder verfärbte Gewebsfeueh-
tigkeit Oin Gegensätze zur natürlichen Grund-
Feuchtigkeit)] die sich dann auch als giftig
wirkende, scharfe Feuchtigkeit (8. d.) bemerk-
bar macht : dieCau^a materialis uiorborum, „die
Materie, daraus jede Krankheit wir«!" R'olnr, H. A.
77); speziell: a) . 1507 ? in den Augen - lippus ;li<>rt.
«an.) - Blenorrhoea (bis Ins 1* Jahrb.. hinein);
b) (1Ö48, Kuland) zwischen Haut und Fleisch =
Oedema, Anasarka, Salzfhiss, Kkzema; c) in den
Geäilern Rheuma Flnss, kalte Feuchte) —
Kaltvergicht der Glieiler und Gelenke, Rheu-
matismus; d) Endometritis catarrhalis (s.o.);
e) Katarrh der Luftwege, — cholerische Feuch-
tigkeit, 1. — Cholera coiuplcxio), die normale,
durch Beimischung der roten (gelben) Galle
l hitzige Feuchte) entstehende Gewebsfeuchtig-
keit der Humoralpnthologie. — 2 Cholera
< morbus) — Gallen rühr mit abnormer Entleerung
von gelber (roter) Galle oder „galliger böser
Feuchtigkeit" («;r W. IV, l l ist. ns . — /aide
Feuchte (1477 füle nuht© diu uz dem boubet rinnet,
ortolf — eine phlegmatische (astheuischc Kiank
heit mit Erguss von übelriechendem Schleiin-
hautsekrete. — (1C77: ßrc (tartarische) Feuch-
tigkeit iUeyn ,) - die an einer bestimmten Stelle
festsitzet d • abnorme Feuchtigkeit Jlumor) als
Ursache von Gicht oder Gliederkrankheiten
(Tophus, Gumma) im Gegensätze zur berum-
ziehenden Gicht (Arthritis vag;»; — Frauen-
Feuchte flfiaafmwen teuohir -te* weihe* gesenenlia-
«in, Krics '.<*. PJrt; 1 Hock UT. d. h. den Adcrlass vertre-
ten«!.- Menses - lliesseude Fi auenfeuchtigkeit =
Menses nimii (* fliessen). - ^gnMge
Feuchtigkeit > bin*, biiiosu*, r.r. w. iv, i. nw»;
ti 71) die durch Beimiscnung roter o. schwarter
(talleentstehende normale Gewebsfeuchte (Cho-
lera s Melancholia constitutio. Humor. — (17>.i)
f»Ftio7*-Feuchtigkeit = der Loehientluss oder
Wochenlluss nach der Entbindung (I.. ch. 46) als
normale Feuchte. — HTM] geistreiche Feuchtig-
keit - Sperma, <ler männliche und sog. wein-
liche Samen (s. d. un<i Geist") (I. ch 79). — (I7«.i
gläserne Feuchtigkeit - Glask«irper, Corpus vi-
treum als wasserklare sulzige Masse im Auge,
die vonderGla*haut eingeschlossen ist (L. ch. 40)
im Gegensatze zur ebenfalls normalen, krystal-
linen Feuchtigkeit (l.inse) des Auges, und zum
Augenkatarrhe. — Gleichen-, 6hV</cr-Feuchte
I6S.S die feuchten die sich in die gleich und gewerh
■M'txen, Tabemaem , Gr. W. III, 1578) ■» das almorme
Phlegma (s. d.), «las sich als Exsudat (Fluss)
in die Gelenkhöhlen ergiesst, im Gegensatz zur
normalen Gelenkfeuehtigkeit (Synovia;, —grobe
Feuchten = ungesunde, unentwickelte s. rohe
Feuchte) Komplexion. — (K*9) GrMnd-Feuchte
[da* hnmidniD redlcalc, Guar. 110-t die natürliche
GewebffeuclitiKkeit im tierischen Körper als
tirnndfeste der Gesun«lheit (Norm) — Hirn-
Feuchte <iW- daz hlm hat roinner pluotea «an kal
nerlai ander vaeuhten die in «lern inenxchen slnt.
<:. v Megbg.) r- der normale Wassergehalt des
Gehirns, das sich durch die Entleerung des
Rotzes I'lilegma s. d.) nach den Lehren der
Humoralpathologie von dem 1 berflusse der
Feuchten reinigt. — innerliche Feuchtigkeit,
1. = der Weiber, = Menses, «lie aus dem Inneren
sich entleeren (iv.i. Bock l.ii). — 2. - in den
Gliedern, «lie als Serum, Lymphe, Synovia etc.
im Inneren des Körpers und iler Körperhöhlen
normal vorhanden ist (1591, TAbcnuwn. fl" B), —
[lätt] kalte Feuchtigkeit [TaberUAin.) Phlegma
(Rheuma') (». d.) im Gegensatz« cur bitsigen
Feuchte i - Cholera). — (iö. Jahrb.) fauVfeuchfi«?
falitach«. kolt vluchtich, I>. 2:is» - phleginaticiis,
rhemiialicus, .schnupfen (CoryziO bähend («ir.
W. V. 90). — (17. Jabrh ) kryntallxnc Feuchtigkeit
= die Krystall- Linse im Aug« im Gegensätze
zum Huiiioi -aonetis ilt. A. 107; L. ch. 40). — Leibs-
Feuchte - <ler natürliche Wassergehalt des
Körpers, der Organe, .Schleimhäute etc. als
Grundlage der sog. Konstitution o. Komplexion
und, wenn UnnfttQrlich (s. d.), auch Ursache von
Krankheiten. — 'it'.MO) «rohe Feuchtigkeit «les
Leibet - Humores erndi, die rohen ungekoch-
t«-n (s. d.) inbsehleimigen Darmentleerungen.
— (ltiifl) nuttti liehe vier Feuchtigkeiten in «lein
Leibe (gegen welche ParaceUus, zuerst sie als Lehre
bekAinpfend , aultrat) -_- Humores ijualu<ir in cor-
pore : Sanguis, Cholera, Phlegma, Melancholia
[Im l ange VIII, 461), «lie die 4 Ti iuperainente des
menschlichen Körpers nach alter Schullehre
darstellenden Gewehs- und OiKunzustande (s.
Blut, Cholera, Phlegma, Melancholie, Sangui-
niker, ausserdem Natur, Element u. I>ing). — <isoi)
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feucht
Feuer
133
melancholische Tenchtigkeit, 1 - Parmschleiui
mit schwarter Ualle, aus der aufgeblähten Milz
abnorm abgeschieden angenommen - Pest-Ruhr
l,,da alle Pestlleuz von der gxohen Feucht*" im Metischen
sich erhebt" [Loniccrns], namentlich aus dem schwar-
zen Blute der Hohl- Ader, Tabcrn. 74 h ; Heyn. 178). —
2=die nach den Lehrender Humornlpathologie
normal beigemischte, schwarte Galle (s. Me-
lancholie I) in der Grundfeuchte desKmpers. —
(1620) mösichte Feuchten (der Schaden} (I>. Min-
derer;, t, B. Ulcus varii osum mit häßlichen llech-
ten- oder pilzartigen Granulationen — (i«.v
natürliche feuchte = die der natOrlichen An-
lage entsprechend« Organfeuchtigkeit (s. l,ei-
besfeuchte, Grundfeuchte), Ilumores serosi im
tJebirn, Augenkammer, Hertbentel, Gelenke ,
auch Liquor amnii fHyrtl, K. W.52; roler, H. A). —
phlegmatische Feuchten, 1. = das nurmal zur
Urundfeuchte des Korpers beigemischte schlei-
mige, kalte Phlegma ; d.), die die hitzige ^cho-
lerische; Keuchte temperiert. — 2. — die abnorm
stark angehäufte oder entleerte schleimige .Se-
kretion (Katarrh od KIuhh als Krankheiten «1er
.Schleimhäute). — rohe Feuchte mhd. muhe veuht,
1483 röeh faeuebt, C v. Megbg. ; Or. W. VIII. 1115) -
die groben, noch ungekochten (s. kochen <, noch
nicht zur gehörigen Entwicklung gelangten Ge-
websfeuchtigkeiten (Säfte) — Samcn-Feuchtig
keit-dieim menschlichen u. tierischen Körper
ausgebildete normale „geistreiche" Feuchtig-
keit (s. d welche als männlicher oder weib-
licher Samen (s. d.) nach den Lehren der Hu-
moralpathologie entleert wird; dazu rechnete
man auch das Sebum praeputii, welches man (1797
noch, Borges 35») für eingedickten Samen hielt;
wurde diese Feuchtigkeit durch andere Feuchten
vermindert, so entstand der krankhafte Samen-
tiuss; blieb sie im Körper zurück ohne Entleer-
ung, sodicktesichdieFeuchte ein und verhärtete
sich im I^ibe zu Tumoren »Jewäcbs). — (l7:U)
scharfe Feuchte - die u. A. an Magen er-
zeugten, ins Blut und in die verschiedenen Or-
ganegelangenden Hu mores corporis acres, die in
grosser Menge zu scharf, zu weit wirken sollten
nach den Lehrender iatrochemischen Schuleu.
die verschiedenen Krankheiten, namentlich den
Skorbut erteugen sollten (Gr. W. vill, 2189). —
1532) schleimichte |{1875) schleimige\ Feuchten in
dem Parin (Friea Iii; Müller, Krtrbch. *3; Tahern.
73C), 1. - Parmschleim als Zeichen der phleg-
matischen Komplexions-Verändernng. — 2.=
». phlegmatische Feuchte. — (1496) schwarze
Feuchtigkeit, 1. = die nach humoralputhulog-
ischer lettre der normalen Grundfeuchte beige-
mischte, sog. schwarze Galle (s. Melancholie I).
2. = die in krankhafter Menge aus der Milz ins
Blut entleerte schwarze Galle, welche (nach den
Lehren der Humoralpathologie) beiden 9chwar«
zen Blattern, bei der Melancholie etc. nach
Aussen sich bemerkbar machen sollte, als dunk-
lere Hautfarbe, btäunlichschwarze Pustelsekre-
tion etc. vFuch» I, »). — (1616) tartarisrhe (fixen. <>.'
Feuchtigkeit (raracelsus , Zw. 327), 1 = die die
Gicht und den Blaeenstein aus dem Tartarus
(s. <L) erzeugende Harnsäure- Piathese im
Blute Berti ). — 2. - nach den Lehren dt» Farn
celsus, welcher einen Tartarus ,s. d), als chemische
Mlschungsveranderung der (iewebaleutbten annahm,
auch = Lepra (Zw. 2«; 1742) d.h. die dieseKrunk-
heit erzeugende, tartarisch veränderte Gewebs-
feuchte. — ungesunde Feuchtigkeiten s. böse,
irrobe, rohe Feuchten (Müller-Krtrbch. 97). — Un-
Ä-cwgcA-FeUChten (1477 „die fliehten der unkeusch"
[Ortolph] = semen; .die feuchte, die in der kalten mutter
verbitrtet Ist"; die ursprünglich chron. entzündete,
geschwollene [feuchtkalte] Gebärmutter und das darin
bewahrte Semen muliehrc, ,,dle sehleimige Feuchtigkeit
der Alten" [Kulmus 182] sollte allmählich, namentlich
zur Zelt der geschlechtlichen Kttlte (*. kalt, Klimax],
nach dieser früheren Schullehre zum Sclrrhus uteri, In-
I faretus uteri verhärtet werden) = Samenfeuchte^S.d.).
— [WS] unnatürliche Feuchten — s. o. Feuchte 2
n. unnatürlich (Goler). — (1531 J vergiftete Feuchte
_ böse Feuchte fKrautw. LV.), die giftig wirkt
als abnorm gebildeter Gewebssaft. — wässerige.
I Feuchte (14M waezzerige laenhtln, (' v. Megbg.).
1. - Humor aqueus im Auge zwischen Hornhaut
und Linse in der sog. Augenkammer oder dem
Staar- Raum, der beim Staar gerinnen sollte. —
2. = die wasserreiche Grundfeuchte (Komple-
xion , Konstitution) im Gegensatze zur zähen
Feuchtigkeit (diu nettn faeuehten, C. v. Megcnhg.)
-- die Komplexion die mehr Phlegma, dicken
.Schleim erzeugt, weniger Wasser hat. — Feucht
(*?, er, es), -Blase, -Blatt, Blattern, Brand, Brust,
-Cholera (u.*), -Dumpf, -Flechten, -Glied, Grint,
• Kehlsucht, -Krätze, Krankheit, -Läuse, -Leber,
-Lungen, -Melancholie, -Xatur, -Ohren, -Baude,
-Schenkel, Siechtum, - Warzen, -Zäpflein.
Feuer, n. feuern (Indogerm. Wurzel fü; vorgenn.
|i0 [süp]; westgerm. tüir - Feuer; ahd. fuir, fulr [I»
Altbayern und Schwaben noch so gesprochen] ; mhd.
vlur. Kluge*, 105; mnd. dat vuer, Mag. Barth. 98a, b,
nnd. für; engl. Are: -- das leuchtende u. wärmende
Klement: da», was leuchtend rot Ist und brennt,
1. = jedo starke Hautröte, äusserlich sichtbare
Hautentzündung, Permatitis acuta, Erytheuia
volatile, Ekzema acutum (Osrpreussen), Herpes,
Erysipelas (bei Geller von Kaisersberg: „das fewer
an eim glied". Mannh. Zeltschr. f. d Myth IV, 104;
W0ttkt 233; Corpus ignitum - Scharlach- u. Masern-
Röte, Hecker 217. 235), wobei zu erinnern Ist, dass auch
die I>epra (le mal MCtä, le feu sacre) in ihrem Ver-
breitungsprozesse nuter dem Bilde eines Erysipel*!
verlauft (Xeisser, Z. Hdb. für sp. Fath. u. Ther. XIV,
l. 624). — 2 = die abseedierende Phlegmone
| (Apostema, Karbunkel), die mit starker lokaler
Hautröte einhergeht. — 3 = der Milzbrand-
i Karbunkel, Kankkorn und lympbangoitisches
Kotlauf bei Milzbrand und Rauschbrand, die
„Feuerkrankheit" (s. d.) der Rinder (Gr. W. III,
1W7); das Schweine-Rotlauf (De Cock 102 249) ^
Erysipelas pestilentiale; dazu da« gegen Schweine-
' rntlauf gebrauchte ,.Feuer"kraut Helkborus (Wrang-
kraut). — 4. = die Ausgange dieser Formen
(1—3) in Sphacelus und Gangraena (Glieder-
brand z. B.). — 5. = Ergotismus, Mutterkorn-
brand als heisser Brand (Gangraena). — 6. =
Lupus, rote Haut-Knoten (Herpes aesthio-
menus, Vitiligo, Lepra Graecorum). — 7.
| hohes Fieber (brinno der Gothen 1 bei Schwind-
sucht (Gr. w. Iii, 1586). — 8 = die „heissc Parre"
134
Feuer.
Fetier.
(b. d.), eine Art fieberhafter Auszehrung bei
Pferden (Heyne 11, 906; Gr. \V. II, 78«). — 9. =
Feuer- auch Raehenrotlauf, Cynanche, Angina
St. Urbans-Plage (Ranken 2) (Gr. w. vnt, 9.1).
— 10. = hitziges Temperament s. Augenfeuer.
— feuern = glühend heissen Schmerx verur-
sachen und rot werden, «. B. bei Eiterbeulen
(Gr. W. III, 1598). Der Ausdruck „Feuer" als Krankheit
stammt wohl au» klösterlicher Übersetzung des ignis
der griechisch römischen Medizinschriftsteller; es wird
aber in alten Besprechungsfornicln (s. Zeitsehr. d. V.
f. V.-Kd. 1895, S. 22ff. ; Wuttke 161) anch aufgeführt.
,,Bruud" (a. d„ Ist ursprünglicher. In nstpreussischen
Besprechungsformeln quillt, spllctet (splelsst), rietet
trfllxt), schwellt, kallt, schleissl, galten, blutet, sticht,
bricht das ipersonlich gedachte) Feuer als Kotlauf
(Frischb. 49. 84). — (1742) Antoni- ss (15:*) St. Tonifes-
— Deng- = '1591) St. Toniijis- = Thöngis - (1551)
St. Antonius-Teuer = (12. Jahrb. Ignis St. Antouii;
1213 gab es Krankenanstalten für am St. Antonius- Keuer
Leidende, Schnurrer I, 269; Haeser II, 91; 14 Jahrh.
sant Antonien fuer = 10. Jahrb. sacer ignis — [roma-
nisch] santo igne oder heiliges Feuer, Voc. opl. \V. 41 ;
15. Jahrh. 8t. Antonius fewer = Karbunkel. Pestbeule,
Pest-Kohle [». Anthrax], Gr. W. V. 1688; 1516 Sanct
authonlen fuer ignis sacer, 1). 289; 1516 St. Antoni-
feuer, Luther, 10 Oebote Predigt). Luther erklärt (1 C.)
da» Santoni-Feuer als sunto-igne = Santoni; „wnfsch
gesprochen ist da.« soviel als heiliges Feuer und dieweil
nun St. Antonio s Namen auch so klingt, wie dies
Wort, so hat mau ihn über das hellige Feuer zum
Nothhelfer gesetzt"; (152*) St. Anthonien Icur = ignis
sacer (II, v. Oersd. 99): „warum das St. Antonien fuire
St. Antonio ist zugekannt, ist für sich selbst knntllch"
(ersichtlich); der Meister Sehylhanns fühlte ein Be-
dürfnis, dem St. Antonleu Feuer nachzugehen und es
In seine Komponenten zu entwickeln; er zerlegt das-
selbe 1) In den Herpes esthiomenus (z. T. Lupus,
Z. H<lb. d sp. Path u Ther. XIV, L IMS), und F.ry-
sipelas [die Farsa der scola salernitana], Du fange) ;
b) heissen Brand, ,,d. h. den rechten heissen'' (nicht
kalten) Urand (sphncelu«) „der Tod und die Zerstörung
der Glieder"; c) ,,eln (ieschlecht der Blatter Antrnx"
( — Ifflalwandkarbunkel oder Rauschbraud . Staupe,
Schweine-Rotlauf. De Cook 102. 249, V.-K. 1895, 8. 42;
Keser «9; Zipp. «18. 670 [Kohle]); dl die pruna
(= Braunol, „die mehr von der Melancholey (s. d.)
kommt und eine pllaumen- (prunus! schwarze Farbe der
Haut macht" - brandige Braune, cj ignis perslcus
der Arabisten (s. d.), ,,da* mehr von der Cholera
kommt und eine pflrslch- (perslc)rotc Farbe hat"
Ignis sacer, „die Alten wollten, das« diese Krank
holt von den tJolteru sacriert. d. h. geheiligt sei"
(H. (Jersd. 76. 77 ; 1535 absolutam hanc laborantis
partis corruptionem, sensm penilus aufercntein vulgus
ignem saueti Antonil «ftpellAt, L. Fuchs; Lorsch 59 ff. .
1591 St. Anlonlsfeucr = crysipclas und Ignis sacer, Had.
Jun. 384; 15.S4 Wlrsung, 1616 St. Antonius-Feuer, Para-
celsui ein natürlicher Kram'. Kotlauf; Tabernaem. ;
17. Jahrh. St. Antonlfeuer — Kotlauf, K. A. .">9fl; 1616
St. Antonii vier, vulgo rosa, (ir. W VIII, 1178; 1645
8t. Antoni] fewer ~ Oelschenkel [Phlegmasia], Coler,
H. A. 232. 253; 1699 St. Anthonls Feuer, kein Arzney
noch Elseuwerck mag solch Presten heyleu, v. M. I.
839 — Milzbrand bei Schafen, 1742 Antonlfeuer n gan-
grtHHM, Zw. 152, und Ignis persienv, hOrji** i sthio-
mtnus. Zw. I0T Rotlauf [Eryslpelas], „heilige«" und
„höllisches" Feuer; 1777 St antouius feuer — pusula,
Wildfeuer, Rose. Rotlauf, D. 474; ndl. St. Antonius
vuur ^ Schweinemilzbrand, Staupe, De Cock. V. K.
1895. 8. HS; ,.is een kwade brand die sich door roode
huldvlekken veropenbaart", V. K. VIII, 58; St. Antonius-
Kraut — Brunella vulgaris ■ Rrauuekraut, Braunewurz,
Jessen t"«9, und KpUnblum angustlfollum, [Feuerkraut,
Krebsblume, l'nholdenkraut , Eberkraut], ein Mittel
gegen Milzbrand bei Seh« einen, Jessen 139; 1842 An-
tonius-Feuer. 1. = Schweine-Milzbrand. — 2. — Rose
beim Menschen, Falke I, 52; II, 120; engl. St. Anthonys-
Are = beiliges Fener. Rose, Rotlauf; Kaltschm). Die
erysipelatosen und phlegmonösen Anthrax-,
Karbunkel- und Lupus-Formen sowie Gang-
1 rän und Sphacelus (Lersch 59, haben also
I das „St. Antoniusfeuer" gebildet. Vom Herpes
zoster o. Zona = St. Antonius-Feuer ist erst (1790
Richter I. 104; Kraus. K. 1094) durch Ausdehnung
des Patronates und des Begriffes Herpes (s hei-
liges Feuer) (Briss. 219) die Rede. — Die Antonirc/
die schon 1095 als ordo zur Pflege der am ..heiligen
Feuer" (mal des ardeus) Erkrankten bestimmt (Da Cange
1,304; Hecker 3191 waren, bildeten eine Laienverbrü-
demng, die auch in Deutschland sich ausbreitete; In der
Legende des hl. Antonius (dessen Patronat nach Hecker
349 von dur Feuerpest sich ableiten 991 soll V) spielte nun
da« Schwein eine votksuhliche Rolle (s. Kult -Kalen-
darium in 2. D. ö. A. V. 1898. 8. 194); wie St. Wolfgaug
mit der Schafzucht in wirtschaftlichem Zusammen-
hange stehen mag, so konnte dies bei St. Anton mit
der Schweinezucht der Fall gewesen sein; nahe liegt
es darum, unter ..St. Antonius-Feuer" zuerst 1. = das
Sehweine-Rotlauf Milzbrand. Staupe [auf 1 Milzbrand
beim Rinde treffen löu Milzbraudralle beim Schweine,
K. u. P. III, 2<'.ö] (s Saukrankheit) zu verstehen, dann
2. = die übrigen rotlaufartigcn Milzbrandformen und
F.rysipelas- Arten. — .'• Schafpockcti. ,, Keine Arznei
von Eisenwerk mag den Schaden von St. Antonius-
Feuer heilen". Die Antoniter, welche das ur*prung-
1 liehe Sacer ignis oder heilige Feuer (s. d.) z. T. zum
„8t Antonius Feuer" entwickelten (mal St. Autolnoj
da» (1700) ein trockener und ein feuchter „Brand" war
{Heeker 325), belassen irgend ein 'ieheimmittel, wie die
St. (Julrins Kloster gegen St. Quirinsbusse (». d.) und
die Valentiner gegen St. Valentins Siechtum, so auch
sie gegen das Santo igneo. St. Antonlfeuer; „remedia
quac Ibidem pauperes lnllrmt ac gehenali igni ( ^ „höl-
lisches Feuer, das die Leute hart berührt") eruciati
imotidie assei|uuntnr I.ammert, V. Med. 8. 181 ff.). Von
einer wissenschaftlichen Frucht dieses frühesten dem-
| sehen Spezialistentums verlautet leider nichts, In
Niederl gebrnueht man gegen St. Antonius-Feuer die
I ,,Brand"-\VurzeI (Hellet. nrns viridis herbe de feil, vier-
eruydt, De Cock V. K. 1895. 8. 143). Iu Aargau hics>
es St. Deng-Feuer oder Thönlglsfeuer und wird wie da'
Klugfeuer (s. d.) besprochen (Rochholz II, HO u. Roch-
holtz in Zeitsehr. f d. Myth. IV. 101). Manche Schrift-
steller (z. B. Haeser II, 9*>. 97; Hocker .".47. 34sj halten
übrigens das epiderninche (!) .st. Antoniusfeuer
des 11. — i;t. .tahrh j für Ergotismus gangrae-
nosum Mutterkornltrand, wogegen die Mönche
ein vielleicht ergotinfreies Hrot als Geheim-
mittol (St Antonius Waflelgeback In Belgien, De Cock
1895. V. K. s. 4iM Valien, wobei sehr in berück-
sichtigen ist, dw8 man in IVutschland den F.r-
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Kener.
Toner.
135
gotisinnsnur als Kriebelkrankheit(s.d ) kannte,
in Frankreich dagegen, dor Heimat des St. An-
toniusfeuers, dagegen nur als Brand (feu, ar-
dens); (Synonyms des St. Antonius Feuer: IMG mor-
bus St. Andreae, le feu St. Antboyne et St. Andrieu.
Du < ange V, 516, 1.WJ morbus St Venmi, Du tauge
V, 518 ■ mal St. Verein - erysipelas, »ri*s. 216 ; 1411
morbus St. Genovetac b Kotlauf, Kose, Du Cauga V,
517 = [1111] mal SU". Ueuevieve, von der Kirche si. Gene-
vieve de* arden« , Bris». ; Heeker 349 ; morbus Itifer-
□alU, Du Cange V, 516). — ^«/-feuern (nnd. upp
fuhrn, Goldschm. Ml = entsünden (von Organen).
— Augen-Teuer - das gewissermassen die in-
nere Seelenhitze, die Wärme der Empfindung
nach Aussen spiegelnde Glänzen der Horn-
hautoberfläche (Pierer II, 22,1. — St. Brmhards-
Feuer ^einerotblaue, insich zerfallende, spon-
tan aufgehende, brandige, sog. laufende Rose,
in dem Stadium der lokalen Cyanose durch
Blutstauung (De < oek 254. 288). Da das st. Bernhard-
IIo«piU (962) auf dein grossen St. Bernhardsberge öfters
Hrnndrose Infolge von Krostclnwirknng J»ei den Alpen-
reisenden in Pflege und Beobachtung bekommen hatte,
«o mag davon der Name St. Bernhards-Feuer = blaue
Ko*e herzuleiten sein. — Mattes Feuer (in o§tpr.
Bespr , Krlschb. 4». «31 = blaue Rose. — (1528) böses
Feuer = Serpigo (n. v. Gered. im) = bösartig um
8ichgreifendes,gifiiges Rotlauf. — Brand-Feuer
;in pren«s. Bespr. , Frischb. 63) =- Brandrose. —
Elf**'* \ Feuer Alpflecken, —fichtiges Feuer
(in prcuM. Bespr., Frischb.49) - vermutlich als sich-
tiges Feuer zu lesen. — flechtendes Feuer fahd.
ilehündea fiur) = wildes Feuer oder Rotlauf, das
von den Haarflechten (Ekzema oapillorum),
ausgeht (s. Flechten). — fliegendes, Flug- (s. d.)
Feuer, I. — Erysipelns migrans (1628 daz flyegend
leur- aerplgo, H. v. Oersd. 94. 100) = Wildfeuer, das
Fliegend, Ignis volatilis, Morbus papicus (Du
« ange v, 518). — 2 -^Strophulus s. Ignis volaticus
infantil! 111 (fenx de denu. Bris«. 213; Kraus. F.. .'.2«.
1000 j Behrcnd 50). — 8.« Hansell In and beim Rind-
vieh und Schweine-Rotlauf (s.d. u. Feuerkrank-
heit u. Feuernder) fPiorcr 7. V, 113, Sachs. Herzog-
turoer; Falke I, 291, Keser 86; Zipp. 687. 931). — 4.=
die bösartige Knöuhenflechte (Lieben agrius),
wegen des schubweisen Auftretens von hell-
roten Knötchen [Focht II, 141; feu vologc. gutta
salsa, morbus Papiei, Briss. 213; Du ("ange IV. 291
V, 518). — gelbes Feuer - gelbe Rose (in pveoM.
Besprechungen, Frlsehb 49. 63). — gicktisclu sTeuer
iZeiUchr. d. V f V. K 189Ö. S. 32. FrUchb. 49. 63) ■
Uicht-Knse. — Geloh- (GWi-, -Gloch- [Bayern],
Glock-, Glot , fach- [Tirol], Isick-, Glauch-, Klag-,
Lodt-Feuer= Rotlauf, Erysipela«, Phlegmone;
(die verschiedenen Namensformcn find entweder Ver-
• tiiintnelungeii oder t'mdeutungeti den nlid. lohallur-
Itnpetigo, «iraff II, 151; III. 678 = wie Feuer Lohe j,
glänzende Haut, rote heulenartige üesehwulst; Cr. W.
V. 1025; VI, 3.5; confer ; l.ohe m Röteln. Falke II, 7;
dazu glauchen glänzen, glühen, brennen, das bei
abschweifen GesehwuUteu als Name gebraucht wurde,
Sebinellcr I, 96»; 1591 gkickfcuer — erysipelas, llad.
Jun. 3*4 ; 1594 glockfeuer = St. Antoniusfeuer - erysi-
pela*. Fischart, Cargnut. 26»»»; Cr W. I, 501; 1609
glockfewr hitzige Apo«teme. erysipelas (Phlegmone],
t.uar. 871; 1618 glochfeur — erysipelas . ignis sacer,
schmeiier 1.970). — G/oc*feuer = wie Feuer glän-
zendes Rotlauf - Tin (Bartels). — GJicdVrFeuer
( = in preuss. Bespr. Frisehb. 93) Gliederbrand. —
;ifi78) Heid-Teuer (1578 heid teurer, Gr. W. IV, 2. 809),
1 ii;h „wilde Feuer" („die Heide als etwas Wildes,
schreckliche« gedacht") (s. auch Heiden u. Wild-
feuer) = Erysipelas. — 2 = Lepra alba Grae-
corum (er. w. iv, 2. 809.. — 3. = „eine um sich
fressende, aber doch nicht tief in die Haut
beissende oder sich einsenkende Rande"
(Gr. Vf. I e.)| — heiliges Feuer (Obersetzung des
Itt. ignis sacer Vlrgilii [= Milzbrand] Georg. 566,
lolumellao et Celsi, Du ( ange I, 374; I^rsch 19; 590
[Frankreich) ignis sacer; 10. .lahrh. ignis sacer -
pestis Iguiaria: 12. Jahrh. ignis Sl. Autonli, Sl. Mar-
tialis, beatne Vlrginl* ; ignis luvisihill* ; ignis iufer-
nalis, NarFarsl; 1085 Arsura [Arabum:, turgido erysi-
pelota - tumor ex fervente tennique snngnine cum
tlavoe liilis permixtione ezistens, quem latini „saentm
ignem" appellant, Du (ange IV, 292; Lerscb 76; 1129
plagalgnisdiviui; 1130 ingnis St. Genovefac; 1180 ignis
sacer. Lothriug.. Schuurrer I, 264; 1248 morbus ignis
St Marlae; 1317 feus-DIcu; 1321 pestis quae vulgo dicl-
lur Igisaria [ignis sacer], l.ensch 101; 1364 morbus am-
bianensis - 1369 le mal d Amiens; 1408, 1411, 142«
morbus St. German!; St. Genovefae ; 1482 Ignis lnfer-
nalis, Du lange I, 291. 374; IV. 291; V, 516. 517 ff.;
Letzterer führt noch folgende Synonyma auf : morbus
St. veranf; 1364 St. Firmini, St. Vitoni, St. Andreae,
St. Sauctini, Sl. Maxentii. morbus infernalis, tniquu«,
ignis subeulaneus, Kosellio; Rosolia, puralysis ; 943
maladlcdefeu.996maldc8 ardents, Ix-rsch65; Schnurrcr
I, 143. 198 , 86. 189. 191. 218; couf Haeser II. »7; 1414
hellg, 1440 heisch, 1476 hellck fuir, vur, vuer etc., D. 285
— ignli» sacer. morbus eryslpelas ; 1482 hellig fewr —
ignis sacer, Zening. Voc. 0 2; 1628 ,, ignis sacer, ignis
persieus, ignis sanetus wird alls für eins genommen",
H. v. Cersd. 72 , 1651 helliges few r = eryslpclas, Bock 84 .
1584 belüg (ew er - ignis sacer. Wlrsung , 1630 Lonicerus
stellt das hellige Feuer als eine Art von Brand zu den
sog. Sammungen [s d.]; 1645, 1680. 1699 helliges Feuer
— zona herpetica, herpes, erysipelas - I'estrotlauf, Pest-
karbunkel, Feuerblattcr, Gr. Vf. III, 1686; IV, 2. 837;
Coler, II. A. 253; v. M II. 102. 131. 133, 1761 heilige«
Feuer m erysipelas, RoUauf, L ch. 31 , ignis sacer =
aphthae. Kraus, E. 103); nach den Angaben dle-cr
Quellen uud der Lehrbucher für (ieschlcbto der Me-
dizin ist heiliges Feuer - Sphakelos Uippoktatis,
eine zuweilen pest- o. seuchenartig aufgetretene,
mit Hautröte 11. Fieberhitze (o. auch unter dem
Einflüsse der sog. roten Cholera, Cholera rubra
s. d.) sich entwickelnde Krankheit mit Neigung
zum Anfange in „Brand" Brandrose, Brand-
bluse s.Brand i; letzteres scheint ein besonderes
Kennzeichen des heiligen Feuers gewesen zu
sein ; die vielfachen Krankheitspalrone sprechen
wohl auch fflr eine grosse Verschiedenheit
der Auflassung dieser Krankheit und dement-
sprechend auch für einen sehr wechselnden
Charakter in Bezug auf Heilbarkeit. Jede rose-
ähnliche oder rot lau f art ige Entzünd-
ung der Haut mit Neigung zu bran-
digem oder geschwQrigeni Zerfall des
(Je we bes tttUU wohl frflher als heiliges Feuer
aufgefasst worden sein; dm unter reihen sich
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Fcu«t.
] etil I
min ein: 1. = «ler Anthrax- oder Milzbrand- Kar- I
bunkel (incl. Rauschhran«!) — die Peetkohle bei
Tier und Mensch (Falke II, 120). — 2. =dieBrüune
als brandiges Rotlauf ij'euerblattern) der Haut
und Schleimhäute. — 3. = das eigentliche Kot-
lauf (s. d.) sowie der rotlaufartige Hautwolf, ■
Erysipelas, Erythems, Lupus, Lupus exfolia- '
tivus (Herpos esthiomenus) (Kehrend 25; A. v. H. |
II, TN), — 4. = der Mutterkornbrand (d. h. die i
gangränöse Form des Ergotismus mit Abfallen
der Glieder) (Hirsch. Gesch. d. Medis.; Haescr II,
95.97; Loth, Geeeh. d. EpidemlenziiRe d St. Erfurt) als
epidemischer Gliederbrand (big zum Jahre 1347),
infolge des GenusseH von schlechtem Getreide-
mehl (Mutterkorn) ; oh alle Falle von heiligem Feuer
so aufzufassen sind, ist sehr zu bezweifeln. — 5. =
bösartiges Schweinerotlauf (Stilbchenrotlauf),
früher als Milzbrand angenommen (Zipp. 671 ;
Falke I, 392). — <>. = früher vielleicht auch Pocken
(10. Jahrh. bei den Arabern, Schnurrer I; Lersch 19. 30),
Aussatr. (Schottland, Sehuurrer I, 143. 19S), Röteln,
Scharlach, Masern, wenn sie mit Lungenödem
(s. Brand) endeten. — 7. = (im 17. Jahrh ) als eine
„neue Art des heiligen Feuers" „Herpes zoster
oder Gürtelrose oder Zona „herpetica" (v. M. II,
133) aus dem „Herpes" esthiomenus s. exedens
entwickelt (dies vielleicht der sacer ignis Celsi) !
il.erseh 19 Anm .). — 8. = «las aus dem Sacer ignis
entwickelte St. Antoniusfeuer (s. d.) — 9. siehe
Sammungen. Zur Erklärung dieser Vielseitig-
keit des heiligen Feuers muss erinnert werden,
dassda8 Studium der griech.-lat. Medizin-Liter-
atur, aus der in erster Linie «lasselbe als übets.
des Ignis sacer stammt, durch die Klöster zum
Laienelement übermittelt wurde; mit dem Zeit-
punkte, in dem sich der mehr praktisch t hange
und prüfende Laieuarzt mit dem sacer ignis
bofa*ste, löste sich der bisher nur klösterlich
als eine Art Pestfackel (1106 „ignotis morbls, lgue,
Qamina, ardore invislhlll homlnes cxsiceali abseile ad-
u-tlonls nota extlncti", Schniirrer I, 230; llriss. 9; la
Hamme) oder als ein Höllenfeuer atifgefasste und
sehr summarisch ausgeartete Begriff des heil
Feuern in eine Reihe,mil zunehmender Erkennt- |
ms immer grossere Anzahl verschiedenartiger
Krankheiten auf, ähnlich dem Fieber «ler Schul
mediziu und dem Lintwurm «les germanischen [
Heilkünstleis. - Hicronn Feuer - Jtpfo Röf au* j
dem Griechischen von Halbgelehrien geschaffene Be-
zeichnung (Falke I, .192) für heiliges leitet in. «I
— Höllen-, hotlitchr* Feuer (l-'.Vt „heiligen Feuer,
wegen «einer Verwüstungen Ifollenfeuer genannt" [da
mal« wohl Irius infernalis oder innl d'eiifer] l.ersch 9H. j
107; mnd. dat heische vuer eine serieheil... unde
so varet dat vlcsch .lat dar vorbraut 1s, dat Varel lieht-
llken uth", Mag Harth 97 b. ; 15. Jahrh. hellek, helllch,
heisch, heische fner. fewr. fuer sacer Ignis, D. 285;
14&;i heltl'ch feuer — ignis pendens, «'. r.M< Rbg. ; iRiiis
infernalis — 1 177 ein nagendes sicebtuom, < »rti-lf , <,r. W.
IV, 2. 1758; III, 1586; 1507 heische fuere, Hort. sanit. ;
Hchm. I, 74:i. 1080 s übers, des sacer ignis durch die
KJostermouche, die sich dleliolle stet* nur hels«, feurig
vorstellten, du „heilige" Feuer („heilig" feuer) wurde
uiissversüwden : „hoellg " Feuer; engl, hell-llrc, Kait-
gehmitt); 1. = die Hautröte durch Erysipel*!,
Phlegmone u. Lvinphangoitis, namentlich mich
vermeintlichem Kröten- (Ohm-, Molch-) o. Vipern-
bisse. — 2. =das heilige Feuer (8. d.) als (HS21 Ig-
nis infernalis, judicialiu, Plaga Dei jnsto judieio
«•ontingens, Ignis gehennae (Du <:ange IV, 290 ff. j
v, 51«; I, 374) — 3 = ein brennendes Gefühl im Ma-
gen, brennender Magenschmerz (Schneller I, 7i;i;
wo peniicHis statt positus zu lesen sein wird). — 4. =
wie dns heilige Feuer (s.o.) auch Krgotismnsfdani
siellelehl bei Du fange IV, 291 14X2 pestilentia fjua
piurimorum pedes lnvlsibili igne publice comburi
vldebautur). — St. Johannes-Ttuer = Rotlauf
(s. d.) „St. Johannes" kommt als Kalender-
heiliger u. Feuerkult- Vertreterm «lieser Krank-
heit (Dalla Torre 02; Z. d. V. f. V. K. 1895. 8. 15) (8.
Johannes- Bau). — haltest Feuer (1618 kalt lewer
= ignis perstcus , gangraena, earbunculus , Coler II. A
232. 209 ; Gr. W. V, 15*6; Falke II, 5; De Cock 11. 283),
1. = der kalte Brand (s.d.), Sphacelus. — 2 =de-i
Rauschbraml (s. d.) (Falke i, 77). — Kiwi-Feuer,
1. = wildes Feuer 1. 2. (s.d.u. Flugfeuer) bei Kin-
dern (in preuss. Uesprech , Z. d. V. t. V. K. 1895. S. 32;
Frischbier 49). — 2.= Kinder- Rotlauf, Masern.
A'norAcn-Feuer - Gliederbrand mit Hautröte
(iu preuss. Besprach., Frischb, 63), — Lach-, Lack-
Feuer -Gloehfeuer >. d. un«l Ungenannt) (lack-
fuier. Dalle Torre 02; ehr Sam. II, 168). — laufendes
Feuer (ahd. ümo [«. Ohm], Gr. (iramm. 7M3; nnd. '.opent
für, Goldsehm. 135; Sehmeiler I, 78; Zeitschr. f. d. Myth.
IV, 104), 1. = Erysipelas als Ignis volaticus,
Ignis sacer, Rotlauf, Herpes zoster, alle eich
schnell ausbreitenden u. mit dem Gefühle des
Hautbrennens verbundenen Ausschlüge. — 2. —
Ulcus phagedaenicum, (1742) Heerbrand (Zw. 711),
fressender Wolf (Lupus, Herpes esthiomenus),
als ein emsig fressendes, fortlaufendes, bren-
neniles Geschw ür. — 3. — Nesselsucht, Febris
nrticata, deren Röte und Hautbrennen Einen
Überlauft (Gr. W. III, 15*6) wie das Botlauf (Nes-
sel feuer). (Mit dein „laub, law" in Laubfleek {*. 6.]
wie Böhm. f. 1107 meint, hat das Rotlauf oder „laufende"
Feuer = Glon-Feuer etymologisch nichts gemein. —
/.«'A-Feuer s. Glochfeuer. — MaydUin-TeueT
- wohl soviel als Kind-Feuer (-. d.) (Zcitsehr.
d. V. f V.-K 1895, S. 32; Frischb. 49; in preuss.
Bcprecb ). — Martialisch Feuer (1528 St. Mar-
tlalis [scU. ignis)) ~ St. Anl«mius l euer, «las wie
glühendes Ki.teii mar*) brennt (s. d.) (II. v.
'iersd. 70; 1742, Zw. 107; mal St. Marita] feu s mal
St. Martin js. martialische Krankheit). Bris.«. 216}. —
mUäat Feuer in Segcnspruchen (Sehreib- o. Druck-
fehler?) = wildes F«uer (Wuttke. Volkaabergi. ML
233). — XcxHfl Feuer — der brennende Nessel-
Ausschbig m. laufendes Feuer 3). — AVun und
neunzig, Xeunerlei Feuer - alle B«dlauf-Arten
(s. Neun). (Oslpreus»en, Uesprech. Friscbb. 48. 4». 63.
nil). prrsmhei, Feuer -= Ignis s. Morbus per-
sicus Galeni s. Avicennao - „<ler heisse «Klcr
rechte Branil" iH. v. (iersd ), 1. -- Gangraena (Er-
gotismus?), Parftlyaia (A. v. n. L 638; II, 12»4; Du
cange V, 518). — 2. = Anlhrax-Karbiinkel, Milz-
branrl, Viehpeat-Beule (a. v. u. tl, vsu, Ducange
IV. 291 ; Kraus, E. 520 ; Z. Hdbeh. d. sp. Falb. u. Thcr.
III. 4 jsj >. Kster). — 3. = Ignis sacer, sanetus
(IL v. Gersd. 7- ^s. heiliges Feuer). —4.= „Mau
hat unter dem persischen Feuer (feu persan,
Narfarai, Ateahl farsi) die manigfnltigsten aku-
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Feuer.
Feu fei— Kick.
137
ten und chronischen Exanthemau. u. die Syphilis,
Pr. II, 21) begriffen, die unter Umständen in
mehr od. weniger ausgebreitete Ulcerationen
übergehen können, (iber welche heute eine be-
stimmte Diagnose abzugeben wohl unmöglich
ist" (Pr. I, 53) ; selbst Paraeelsus hielt das per-
sische Feuer für franzosenähnlich; vermutlich
galt dies nur für den Lupus sypb.; ausserdem
verwechselte man Anthrax und Schanker (s. d.)
(Pr. I, 5t ff.). — 5. = I^ersch 59 meint darum, dass
der Karbunkel oder Anthrax hauptsächlich von
den Arabern als persisches Fener bezeichnet
wurde. — Rind-Teuer- Milzbrand beimRindp
s. Feuerkrankheit (Z. <1. V. f. V. K. 1895. 8. 32; In
rosiges\
preuss. Besprecb. Frischb. 019). — Rot- \ Feuer ■
rotes I
Rotlauf (engl, rol fire Rotlauf d. Schule, Ktdlscuin.
II, 160; Frischb. 49.86). — «rÄtcnrrrsFeuer ■ schwar-
zer Brand, Brandrose (Frischb 6$). — sengendes
Feuer - Brandrose (Frischb 63). — sichtiyesTeueT
= sichtbares Rotlauf. — springende» Feuer - die
Wanderrose (Do cock 256; Frischb. 61] (Krysipelas
ambulans). — stürmisches Feuer ^zorniges, wil-
des Feuer iFrischb. 85). — süchtiges Feuer = eine
zur Sucht, Krankheit gewordene rotlaufartige,
sich wiederholende Hautentzündung beim Men-
schen (in preuss. Bespr., Frischb. 49; Zeitschr. d. V.
f. V.-K. 1895, 8. 32) Ekzema, Dermatitis eczematoBa
(süchtige Rose, s. <1). — WiM-Feuer - das aus
dem wilden (s. d.) Walde kommende Feuer (wie
Blitz = Wildfeuer) „.las zum Gesichte heraus-
schlägt" (Bnck 19; 1182 wildss fewr = eryslpelas S. apo-
ittini factum de cholera. Zenlng. Voc. ooä, 1507 wllt
vner— serpedo, Zitterach. D.MO; 1528 wildfeur = serplK"
[RoUauf!. H. v. Gersd. 9». 1529 newes wildes fewr -
dem Quecksllbermlssbrauche von Puraeelsus zu-
geschriebenes Kollaut; 1136 wlldrx fewer, Heyne II,
906; 1551 Wtldteucr - heiliges Feuer, Bock 13 und 11«;
1576 W!ldfeuer = Karbunkel, fir. W. II, 1164; 1576 Wild-
feuer: „wen die wunde am letzten von hltze anlauft,
blauet sich und bräunet sich, darnach schwärzt M «ich,
nach demselben zündet es die (Wieder an", Tbeophr.
Bod.; 1577 da» wUd feuer o pustula [maliirnal, D. 474,
Milzbrand; l"-83 wildfeuer - Anthrax Karbunkel, iirnis
perslcus, Gr. W. IV. 2. 839, 15S4 wlldfewr = eryslpela«,
Phlegmone ; Wlrsung ; Arz.-Buch; 1591 wildfour = ignls
sylvestris, feu sauvuge, phlyetaena [ = herpes]. pustula
1 = Blatter:, nad. Jnn. 38»; ..seit Fernellus Zelten (1197
bis 1558] sogenannt", l.eod. ; 1592 »Ilde Feuer, II. Sachs
~ vitiligo, lepra alba [Lupus]. Or. W. III, 1586; 1618
wildfewr, gluende.« wilden fewr, helsses wildes fewr,
Paracels -luxus persicu", luxus prunae Rotlauf bei
Syphilis. Pr. II. Vi. 76; 1820 wilde Feuer, Dr. Minderer
— kalter Brand ; H99 wildes Feuer = phlycleuae, Hunds-
blattern, v. M. II, 130; 1818 wilde« Feuer - Ocsichts-
iwe, Z. A. V. f. V. K. 1895. 8. 290; engl, wlldtlre - Hitz-
blatter, Kalt«chm. I). Hauptsächlich ist also das
wilde Feuer - Erysipelas, Phlegmone (Milz-
brand), Tarhiinculu-s, Anthrax (vergl. Wuttke307 ,
Falke II, 439; De Cock 11. 36. 2X1. 289; Buck 28, Ft«er
13«) und ausserdem 1. — Strophuhis vulaticus
wegen der lebhaft roten Papeln- Eruption auf
der kindlichen Haut, »Jie sich Öfters wiederholt
u. manchmal mit Fieber einhergeht fliegende
Hitze, fliegendes Feuer (Bchrend 30). — 2 Hei-
I pes (Zw. 342. 998) (Feuerblatter, weil vom wilden
Männlein^ebracht?) als Übersetzungdes Horpes
i (= Fressendes; s. Wolf, Wurm). — 3. = Bräune
der Schweine, Schweinerotlauf, Milzbrand der
Schafe und Zielen (Gr. w Iii. i&s«, c. v. s.hm.92;
Stubenv. 76; Zipp. 671; Fuchs n, 298). — 4 = [engt
wildflre - Liehen circumseriptus, I.ehf. 246 ; franz. feu
sauvage, Roll 177: ..on gagne le mal I s , »I l'on s'umusc
a moniere des eoipueltcots" [pupaver, Mohnkopt]). —
Wunden -Feuer (In preuss. Besprech., Frischb. 49) =
Wundrotlauf, Wundrose. — zorniges Feuer (in
preuss. Bcsprcch.. Frischb. 85) = wildes Feuer. —
Feuer- (feueri.</c, er, es) -Ader, -Bläschen,
-Blatter, -Brand, -Fachs, -Flecken, • Geschwulst,
■Gier, -Gürtel, -Igel, - Kopfgeschwärlein, -Krank-
heit, -Lust, -Mai, -Masern, -Pustel, -Rose,
| Umlauf, -Wolf, Wunde.
Feufel s. Feifei.
Feuz s. Fex.
Fex, m. (s. Fax) (ein tirol, Dialektwort. 18 Jahrh ,
vermutlich aus rotnan. lex [conf. Val-Fex und Fex-
Gletscher bei Studer 105. 260] ; dies aus [1303] Fedes;
fetns ffetus, foctus] — Abortnsmole, Wasserkalb, s. d.,
bei Tier und jibertragen bei] Mensch) — Wechsel-
bad (s. d.}, Alpkalb (s. d.), Kretin (s. d.) —
Haus-Teix (17. Jahrh.; Kluge5, 106] = Hauskreuz
s. d — [westf A'/dr-Fiks- - Knirps (Krettnen
bleiben meist im Wachstum zurück) (Kluge 1. c).
— (16. Jahrh.) Aarr(l)-F0X (1605 narrifex, Kluge L c.)
-närrischer Kretin. — Feckin, f = weiblicher
Kretin (ist wohl erst volksetymologische Neubildung,
Kluge 1. c).
St. FiacriUS. 8t. Fiacrius (Dlacrius). der Stellver-
treter des Neptunus F.aueater, wird in Oberdeutschland
durch St. Leonhard ersetzt ; er wurde 1510 zu Menth-
Ingen Im Westrieh verehrt und sollte namentlich vor
Blattern und Felgwarzen behüten (Pr. I, 356; Fuchs 1.
341); er hlcss darum auch medieus vlscosorum s. un-
gutne (ingulne) plenorum (Du Cange VIII, 355. 367) ;
St. Euakrius und St. Flckard sind nur Entstellungen
von St. Flakrius (s. Flekarsch): das franz. Volk lehnte
Fiacre an fle atre (s. Bri«s. 179) leicht an = schwarze
Felge (Condylomata , schwarze Blutaderknoten). —
Tia^xim- Krankkeit, -Plage.
Fiber, f. (aus lat. flbra) — Faser, Strang, Nerven-
oder Muskelfaser, Zäserchen (Essich 241). — (I790,i
GrAi'm-Fiber = der Sehnerve als üehirnnerve
(A bergt. 32).
Fick, 1U., n. (1425 vlck, wijk; 1429 fig ; 1475. ndl.
vijck ; 1507 vighe — inrirmitas piscium, eyn eninckheyt
der vlsch - flcus, vtcus - Feige als Flschfinneukrttuk-
helt = Finne [s. d.). D. 233; 1554, mndl. vljt, fljt, das
ls der worm aen de vlugeren; worin oft den vijt.
Di' Cock 291. 292, h'Ah lihk — das ist i DU wendig auf
den dannern ein weiss Ding, wie ein lunger, weisser,
lebender Warm [= Finne, Parasit], Coler, H. A. 142;
Hgk Pips oder Zlps der Ganse ; Coler, v. d. Endtcn
496; der flgk am Halse = ein graulieh böses Geschw ür
j oder Schwelle, das viele Löcher liekomrat, zuertt hosel-
nussgross, darnach ul« ein lluhner> i. letxlleh wie ein
Gansei, Coler, H, A. 143; noch dein Mecklenburger
Volksglauben soll es entstehen, wenn die Mutter In
ihrer Schwangerschaft «inen FWchflck [Flnnenwurm]
verzehrt hatte [1. C.]j 1»07 Fick. m. - frlctu« ungui-
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138
Reken— Fieber.
Fieber.
Ur. W. II, 1C0& 1C16) ~ ein tinneuaitiger Parasit
(Wurm; b. Finne) und die nach altem Volks-
glauben von diesem Wurm verursachte, mit der
Feige (s. d. 4) in Verbindung gebrachte Krank-
heit; 1. = Fingerwurin. — "2. — Drüsen wurm
(skrofulöse Halsdrnsenanschwellung). — 3. =
Fips oder Zipf der (ianse (s. d.). — 4. = die
Nagel-, Horn- oder Klauenfaule Leim Rindvieh.
5. s. Feige 4. — Blttmcn-Tick. (ndl. bloem vijt,
De Cork 2911 — I'aiiHritium ; die v o 1 k 8 medizinische
Behandlung desselben crkUrt, wie lielui lierstenkorn
(s. d.) den X*mcn, der Wurm-l'ara-it »oll aus dem
kranken Finger in ein vorgehaltenes Blumensacklein
zu den BUttern kriechen und so <lie Fingerwurinstatte
verlassen, mit welcher Transplantation dnnn die Krank-
heit heilen «oll.
ficken. Fickel, m. = iiedeln, geigen i>. d.)i
coirefsthiu.ikr i,*>89). — Fick = C'oitus. — Fickel
— Membrum virilo (Gr. W. III. 1617). — Fickeler
(14*2 vlekeler — sirumpis ><-rapias] = ludus cum quo
puellaesolent ludere subtractlspedlbu*. 1>. 638; Kraus, K.
945, Scrapia - orehis ntoriou, Knabenkraut).
St. Fickard s. Fiakrius.
Fidschi. - Fidschi- Auvxhltg.
Fiebel, m. s. Feifcl.
Fieber, n. mdd.) Feber, fleberisch, fiebern
(ahd. fiebar, (iraff III. 3S6, 12. Jahrh. rit.- jouch lieber,
GrarT II, 475; 12. — 14. Jahrh. bivir, Pfeiffer 59; HofTm.
I, 320; 1260 daz Beber erhebt sich von dem getrabte
[Sucht], Pfeiffer 22. 40, inhd. vlcber; 1 4 82 lieber febril
periodlca, Ii. 4JC.I , ein wohl am frühesten der Sehul-
Medizin der Alten entstammender Krankheitsname, der
bald populäre Verbreitung gewanu (vergl. auch Bieber
[S.42] - Fieber, Gr. W. III, lt;20, Behw. 1981 u. nauient-
lieh durch die deutsch denkenden l'ltersclzer des 15. u.
16. Jahrb. der Volks»prache zum Teil einverleibt wurde,
den nlteu Ritten (s. d.) ersetzend — Febris = Fyr
Hippokr. (auch = Frörer [«. d.], Kaltweh und
hitzige Krankheit) - eine Kombination von Ge-
sundheitsstörungen, deren häutigstes Symptom
Frost und Hitze, Temperalutsteigeiung über
die Norm ist. (febril eigentlich — ferbris, fervebrli
mit der Bedeutung <les Brennen» [Trost; ». frieren],
«ir. W. II, 370, 1620; 1518, 1530 daz Feber = da« Kalte,
Ur. W. V. Sfi, Kunigssp. lfi; Heyne II, '.HO; Goldschm.
125; WuttfceSOH; 1561, 1590 Feberle - lebricula, I). 228;
<5r. W. III, 1385; 1646 dal Feber, Zcilschr. d. V. f.
Volks-Kd. 1894, s. 450; engl, fever, agne [ = acuta),
Kaitsehm ). — (1694) f eberhaft = fieberhaft,
fobrlculoHlM l<ir. W. III, 1385); dann werden erst
fieberartig, fieberisch, fiebericht allgemeiner
üblich fflr febiiculosus (Gr. W. III, 1621; nihd.
fieberig, Lex« 341). — (15. Jahrh.) fiebern = fehrici-
tare (D. 22«). wie im Fieber sich gebahren,
frieren, zittern. — (1618) „es fiebert I redlich sehr
in der Stadt" = febres impense grassuntur in
civitate i Heyne II, 91u). Das nicht schulgemasse
allere Wort lur Fieber war „Kitten" s. d ), da» f.oni-
eerus (I6SU) noch neben „Feber" gebraucht (Krtrbch.
118a; Gr. W. III, 1626); für die Gegenwart ist „Kitten"
Kauz verloren gegangen, weil eben die früheren {na-
mentlich abd.l Kullurepochcn im Fremdworte „Kleber"
einen den Auslall vollständig deckenden Kreutz bereit»
KVfebetl hatten; so werden auch die 77 Uitteii (ICltlerJ
von den 77 Kicliem verdrängt und Ii liebtet *i. b dl
h. Kitter in den BauernKalcuder; auch die Fieber
wurden, entsprechend den Ältesten Anschauungen
über Krankheitsursachen , zu Gesellen und Begleitern
der verschiedenen Krankbcllspersorien, welche z. B.
in Segensprüchen den 3 Kugeln auf dem Berge Sinai
begegnen (13. Jahrh . II. Z XVII, .560; Frischb. 60).
Interessant sind die verschiedenen spater gebildeten
Fieber t omposita, da sie den allmählichen Gang der
Erkenntnis wiedergeben, der in der Ätiologie des Kle-
bers sieh abspielt. Schon im S«kr. findet man (nach
rietet in Kuhn s Zeitscbr. f. vergl. Sp. -Forsch. V. 346)
einen 3fus»lgcn und 3 kopiigen Kiebcrkobold (= febris
tertiana; und 3 lieberstadiet. (KAIte, Hitze. Schweissi
und wird das Fieber als ein persönliches Wesen be-
trachtet babhru — Kolwild; dazu februus. reinigend,
(februarius) und ? febris (Fieber), (deich dem rüttelnden
und schüttelnden Kitten wurde auch das Fieber vom
Volke früher als ein Danion (von den Schulärzten
als ein „Kampf" gegen die Krankheit, Parecelsus;
Baas 64. 208) aufgefasst , der den Kranken beutelt
und schüttelt, anfallt, anficht, angeht, angreift,
1 anstosst, mitnimmt, machtig anfasst, unter »ich hat,
heimsucht, frisst. verzehrt und wieder verlasst. der
umgebt wie ein Geist und vorübergeht und w eicht ;
das Fieber wird deshalb besprochen u. abgeschrielieii
(volksmcdizinisch) und in die Baume (Wald) gebannt
(Goldschm. 129; Mannh. 20; V. Scheffers Ekkehard,
S. 283, Anm. 214). Die nachfolgenden Fiebernden
haben grösstenteils symptomatische Namen; aus den
Symptomi n schloss man eben früher auf die Ursachen
des Fiebers, daher »ich die Alltags , Tertien- u.Quartan-
Fieber so lange durch die deutschen Schulbucher der
Medizin fortziehen als Haupt- und Anfangs-Kapitcl.
während solche Kapitel der Medizin, die für die Krank
heitsbchandlung in Deutschland viel mehr notwendig
gc« esen waren, unberücksichtigt blieben. Da» Fieber,
welches l'aracelsus von im Körper angezün-
detem Schwefel und Saliter entspringen Hess,
wurde dann (1531 ; Krautw.) als „eine Fnztlndung
der ausivemhgen Hitze" aufgefaast, damit auch
nach dem rleliennacheuden, kranken Organe gesucht ;
die Namen von Kieber-Arteu mit so bestimmten Sitzen
der ursächlichen Krankheiten in Organen gtcllen sich,
dem Frkenntnisgrade des Volkes entsprechend, nur
ganz allmählich ein; noch Ortoll (1477) kennt nur die
Terminologie der (Malaria) Fieber, wie sie die romischen
und griechischen medizinischen Klassiker überliefert
hatten. Erst das Fortschreiten der arztlichen Diagnostik
(vergl. Fmlfleber, Fest lieber) und der Durchgang des
urzllicb geschaffenen Krankheit-Namens durch die
Sprache der arztlichen Handlanger elc. popularisierten
dann die vielfachen Kieher-Naiuen, obwohl auch da«
Volk selbst eigene solche Namen schuf, namentlich
für Fieberarten, die an fremden Orten acquiriert, be-
ziehungsweise beobachtet wurden, z. B. ungarisches
Fieber etc. Für gewöhnlich und im allgemeinen
ist heutzutage noch „das Fieber" = das autlal-
lende Wechsel lieber (Malaria) (Goldschm. 17;
Pauli 15). — 4&<tui'- Fieber ein leichtes, nur
abends sich äusserndes, meist hektische»
Fieber. — (1591) ablassendes, (1873) (abwechselndes)
Fieber (Had. Jun. 3S8; Müller, Krtrbch.)^ Febri«
intemiittens (s. Wechselfieber). — Aderlats-
Fieber [Samnel 143) = ein Kntziehungsfieber, wie
es nach Blutverlusten nachtraglich zum Vur-
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Fieber.
Fieber.
ISO
schein kommt. — (itmj aUtägiges Fieber =
eine Art Wechselfieber (kalte« Fieber), das
täglich, nicht jeden 3. Tag sich einstellt, Febris
amphemerina (a. v. H. I, 75) (s. auch tägliches
Fieber). — (1645) alte Fieber = chronische, un-
heilbare, schleichende Fieber (colcr. II. x. lsö).
— j4m<mY/-Fieber = gelbes Fieber (s. d.) (span.
amarlllo = gelb). — (1761) anfälliges Fieber - an-
steckendes (kontagiöses) Fieber (L. ch. 3a.).
— (1782) .4n08/-Fieber - «in den Kranken
beängstigendes, beklemmendes Fieber oder
aach nervöse Unruho unter dem Bilde eines
Fiebers, Asodes pyretos Galeni et Hippokr.
(M. H. i.. l, 33; or. w. I. 361). — anhaltende
Fieber (= sovr/i-; nopsToi Hippokrat.) Fcbres
continuae, intermissionslose Fieber (Fuchs II,
102) (s. Bluttieber). — (1761; arges Fieber —
bösartiges Fieber (L. cb. 33). — Ausscldags-
Fieber ■ das den Ausbruch eines akuten
Haut-Ausschlages begleitende Fieber (Febris
exanthematica). — (1744) austrocknenden Fieber
^ auszehrendes, hektisches Fieber (Zw. 551). —
(17»4) auszehrendes Fieber - hektisches, am Kör-
per wie ein Wurm zehrendes, fressendes Fieber
(Zw. 13; <!r. w. i, 1024). — (1588; Bastard-Tieber
(drittägiges) (Tab«ruaem.) = ein Fieber, das kein
reines, schulgemässes, sondern ein irreguläres
Weehselfieber ist. — Beulen - Fieber = Milz-
brandfieber mit Brandbeulen. — (1795) Blasen-,
Hängte» Fieber, 1. = (lsos) das einen blasen-
bildenden Ausschlag begleitende Fieber: a) Fe-
bris bullosa s. Pemphigus febrdis; b) Ery-
sipelas bullosum; c) Maul- und Klauenseuche
bei Tieren (Vogel 1805; Weickard 230; Kalke II, 125).
— 2. - ein von der Harnblase ausgehendes
Fieber (tir. W. II, 70; tlevru urethrale) — (1795)
2?/<irf>rn-Fieber = Pockenüeber (Variola) (J. P.
Krank III, 19»;. — (18SP) ßhri-Fieber - Influenza,
welche fieberhafte Krankheil ihre Opfer blitz-
artig heimsucht un.l befüllt (s. Blitzkatarrh)
(Ruhemaun 83). — (1609; Blut -Fieber = Febris
synocha (cum et sine putredine) = Brandßeber
(s. d. u. Synoeha-Fieber) (Guar. 871; flr. W. II, 182;
1454 febris sanguinca «Ive de sanguine, dleitur febris
ehulitionis et ferveo slve ignea propter multitudtnem
ealort*. Du fange III, 426) b anhaltendes Fieber
mit starker Erregung des Blutgefäsaystems. —
faules Blutfieber = Febris putrida, Pyämie
mit jauchigen InlektionsstotTen (l'estsloffen) im
Blute. — (1612) hitziges Blut lieber = Synocha
(at. B.-Mlr.), ein pyämisches od. septichämisches
hüben Fieber. — (1677) pestilenzisches Blutfieber
= eine typhusartige Lagerseuche (Iliieser II, 369)
mit hoher Körperwärme. — , .. Fieber
1 bösartige |
= maligne, ansteckende Krankheiten beglei-
tende Fieber (the nmtlgnaiit fever, Ifeeker257; Ifaeser
i, 674, Ur. w. Ii, 219). — £ran</-Fieber, 1. = das
den Brand (s. d. 3 = Aufboren des Lebens in
einzelnen Teilen des Körpers), Gangraena,
8phacelus, begleitende pyämische Besorptions-
Fifber = Blutvergiftung, Febris synocha, Sy-
nochus, Ichorrhände (Baulriaben I, 281; <;r. \v. II,
297; Samuel 95). — 2. — (1751; das Fieber beim
„Brand" (1), ödet die Entzündung innerer Teile
Cbcrhitze) (v v. II l.r.io) - 8. da« bei Haut
Verbrennungen (Brand 6) eintretende Reaktions-
tieber. — (17M) BrecA-Fieber = Asodes (Gr. w.
I, sei), ein mit vielem Erbrechen eintretendes
Fieber, dessen Wiedereinsetzen immer wieder
mit starkem Erbrechen begleitet ist (a. v. k. i,
649). — Brc/iw-Fieber (14*2 da* prenet lieber =
cau>on, Zeidng. Voc. o7 = hitziges lieber; 1551 bren-
nende lebern, lloel 101; 1699pctochlnli»ehes Breunfieber,
v. M. II, 127; 1841 Brcnntleber, Sobernh. 223; engl,
n hurning lerer, the Munin«« ol a tever, Kaitschin. I)
= Febris ardens (acuta), ao&aec, kausodes,
kausoma, kauma Hippokratis (Morbus calldns;
1356 male de cbateur, l.ial chault. Im Cange V, 517),
I. = das akute Entzündungslieber (s. d.), dem
brinnö der Gothen entsprechend (Gr. w. II, 370).
— 2. = ein biliöses Fieber mit innerlicher Hitze u.
äusserer Kälte (Euch«. Illppokrau-s I, 101. 437 Antn. ,
II, 99) (Petechialfieber). — 3. = Brenner (s. d.). —
fn-unnendes Fieber = Brenn fieber. — (1789) Brust-
Fieber — ein von Erkrankung der Brustorgane
ausgehende« Fieber (Febr. pectoralis) (Nicolai II,
551). — (1770) bösartiges (hitziges) Brust-Fieber
- Pneumonia typhosa (asthenica) (Hecker 186). —
1677) cholerische Fieber = fieberhafte Gallenruhr
(s. Gallenfieber) (Beynon). — Um:*!', -Fieber s.
Dengue. — (1754) Darr- (Dörr-) Fieber = ein mit
Auszehrung (Darre, s. d.) einhergehendes hek-
tisches Fieber (A. v. H. 1. 747 ; Gr. w. 11,788). — Darm-
Fieber = ein von der Gedärmerkrankung (Ent-
zündung) ausgehendes Fieber (Gr. \v. 0,781; Kraut,
K. 363;, - g^^'l Fieber s. Dengue. -
Dreitags- , dreitägiges Fieber, 1. ■ s. Tertian-
fleber. — 2. = in wenigen Tagen sich entschei-
dendes Denguefieber (Lorsch). — (1744) druckendes
Fieber ■ Febris intermittens quotidiana, das
alle Tage quält, plagt, druckt (Zw. 505), wie ein
I Quälgeist. — (1889) Z)ru«c«-Fieber = fieberhafte
Pferdedruse (s. Druse). — Zb-tf8«i-Fieber
(E. Pfeiffer) -- eine febrile, akute, infektiöse Allge-
mein-Erkrankung (Wachsfieber) mit Anschwel-
lung zahlreicher oberflächlicher Lymphdtüsen
bei Kindern und jüngeren sogen, lymphatischen
Personen (Jahrh f. Kinderh.-K. XXIX, 3). — (1783)
Eiter-, (1790) .Ei*<TMn;;s-Fieber = daH pyämische
Sta<liutn bei der Eiterung, z. B. bei Variola
(Pocken). — (1531) EntzundungsTiebtT = Fieber
vor od. in Begleitung von Organ-Entzündungen,
namentlich von solchen des Mesenteriums,
KauBOn Hippokratis (Krautw.. F. 3; «r. W. III, 672;
Mayer 128, Kraus, E. 363). — £r»fe-Fieber ein
zur Zeit der Ernte bei Feldarbeitern auf über-
schwemmtem, durchnässten Boden, z. B. an
der Oder, aufgetretenes, flecktyphusäbnliches
l ieber (Münch med. Woehenschr. 1894, 8. 803). —
faulendes }
Faul- Fieber d»77, ortolf m febril astheniea
Faulungs- 1
.1. putrid»; mnd „Thal der Sieche die» nicht, so muss
er »ich warten lind ihm werden anders die lebres, da?
dar l«l geheimen ptitrlda und davon faulet ihm diu
I.imge und er DUM ilann IteUffUch husten", nach Mag.
Harthr>l<t0a. 17. Jahrb. febris quartana [I,ouleenw] ; 1772
fanleute (U ber, f'estllentia in »utiitnla, Pfeiffer;, 1. —
aus der Blutfäule abgeleitetes septisches In-
fektionslieber, Typhus (peteehiatis et putridus
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140 Fieber.
und alle flogen, typhösen Krankheitsformen
(Synoehus putrid = das Faul) auch Pneumonia
asthenica (1772; Hecker 18«; Kraus, K.1070; Or. W.III.
1376; Ackermann 67) jetzt noch gebräuchlich für
Typhus — 2. = U572) Febris biliosa putrida, eine
schwere Malaria-Infektion (Haeser n, 320). —
3 = septisches Wundfieber ;K..nig I. 128). —
4. = Pferdetyphus (s. d.) (Mayer 129; Meyer Konv.-
Lex.). — (1708) ^VM-Fieber (wütendes) = Kriegs-
Typhus; vergl. Feldsprechen, Feldsucht, Sol-
datenfieber, Lagerfieber). — ^VrArrf-Fieber =
eine nach dem Werfen der Ferkel hei dem
Muttertiere eintretende Krankheit (Kclampsia
puerperalis) (Krank i6i). — FUck Fieber - ein
Fieber mit Fleekenanssehlag: a) Petechien
(1620. I>. Minderer) = Kebris petechialis, Petechial-
typhus (Or, W.II. 101; III, 174:>; V. 203<J, Bohrend 77;
Zw. 378 u. 524); b) auch (1699 ti 1725) ungarische
Krankheit (Morbus hungaricus, s. ds.) (Pest-
flecken?) (Th. san. ltr. 493; Zvr. 518, v. M. II, 121];
c) Kinderblatter (Variola und Varicellae), iitoc;
„das Fleckfieber schlägt sich zu den Kinder-
hlattern" [Or. w. V, 734); d) Msnernfleber: Ma-
sern = Klecken, Fleckein, s. d.) («ehwed. ilaeck-
fclKT — Friese)). — il757 bösartiges Fleck-Fieber
a Petechialtyphus (Baumler 3). — 1744) falsches
Fleck-Fieber = Petechialfieber (Zw. 378). — faules
Fleck-Fieber = Typhus petechialis (Schnurrer II,
359] als infektiöser, fieberhafter Frieselausschlug.
— (1699) ungarisches Flecken-Fieber = unga-
rische Krankheit, Typhus petechialis (v. M. II.
125). — F/wss-Fieber, 1. = (172.'.) epidemischer
Katarrh oder Schnupfen -Fluss; s. d.) und
Brustkatarrh (Influenza) (The* san.Br. IM; Baurnl.
64; Lernen 37«; Hecker 171 ; ZW. BMI) (s. Fluss). —
H788) das neue Fluss-Fieber - Cryps (Krips)
oder Influenza (Kuheniann 37; Haenrll, 804). —
2. - (17.V4) rheumatisches Fieber, Febricula,
Rheuma ss Fluss (s. d. 6) (A. v. H. I. 645; auch bei
Lewing; (ir. W. V, 2024, Platner I, 100: Haescr II, 441)
— 3. — Sumpffieber (s. d Malaria Schmidt,
Jahrb. 1S7. Bd., s. ns). — 4. = ein von den
Sftften (Humores, s. Feuchten) herrühren-
des Fieber (Kraus, k. 477). — FrcmdcM-Fieber
— eine fieberhafte Krankheit, welche zumeist
die Nichteinheimischen, Nichtakklimatisierten
befallt, z. H. das gelbe Fieber (Pierrer 7. VI. 400,:.
— .FV-Mis-Fieber, 1. - Heisshunger (s. d.), in
stärkerem Grade Hundshunger (s. d n. Fress-
sucht ); Febris famelica, Ardor edendi ((ir w.
IV, 1. 138) — 2. = hektisches Fieber (Or, W, 1,59"))
mit Auszehrung (s. fressen und Kttich). —
3. = II ungernober, Hungerparoxysmus. — (17M)
F rtVae/-Fieber - das Fieber heim Friesel-Aus-
schlag: a) Miliaria alha, weisser Friesel (s.d.)
I\. v. IL I, 642:; l>) Miliaria rubra, roter Friesel,
I'urpur-Koortsen (A. v. H. Ibid.); c) Scharlach-,
Fleck-, Masernfieber; >Y Wochenbettfriesel;
e) Typhus exanthematicus, Petechialtyphus
illlldcnbr. 51) = (1771) fauliges Friesel -Fieber
(Laien) (s. fauliges F. eck lieber). — Frost Fieber
= Schaudertieber — Frithlinqs-Tie'beT , 1.=
eine im Frühling auftretende Intermittens :
diese Fieber sollen (Ackermann 122) vom Hornung
bis zum Ende des Bracnmonats gewöhnlich
leichter und weniger hartnäckig sein. — 2. -
Fieber
I der Frflhlings-Katarrh (Influenza) (1767. Ruhe-
I mann 30 ss morbus veruus'' [s. Adl, Lenten-Adl]). —
(jrtAw-Fieber, l. = Gtlhnsucht (s. d. u.gaumezen);
«Jas (iähnen war eines der ersten Symptome
einer Pest, die im 7. Jahrb. in Italien herrschte
(Gr. W. IV. L 1151). — 2.^ Ochsen fieber (Verdau-
ungsfieber, 8 d.). — (1750; Gallien)- (gallige)
Fieber — ein asthenisches Fieber, wobei die
Kranken (Mensch und Tier), namentlich in der
Augenbindehaut, eine ikterische gelbe Farbe
zeigen, Febris ardens (Typhus); (1754) Febris
cholerica s. biliosu, Febris recurrens, Febris
gastriea, asthenische oder biliöse Pneumonie,
biliöses Typhoid (dan. gnldefebor . srhwed. Kalifeber.
I Goldschm. 125; Haescr II, 440; Köhler II, 156; A. v. II.
I I. 637; 1787, HpfMfl 280; Gr. W. IV, 1. 119»}; man
| brachte es in Zusammenhang mit zu vieler und
zu scharfer Gallo, die sich durch l.ebeikonge-
slion mit dem Blute mischen sollte (Cholepyra,
b-terus febrilis, Gallsucht) (Or. w. IV, i. 1191 ,
\<kerm. 6 .,, überhaupt fand nach der lange Zeit
herrschenden hippokratischen Lehre die Ent-
stehung des Fiebers ihre Erklärung aus der gal-
lichten Blutbescbaffenheit. — garstiges Fieber
gastrisches Fieber («. d.) (Gr. \V. IV, 1379; gar
siin — ranzig, verdorben, Kluge stellt es in lut fasü-
dium [fantidium] o zu lat. horridus [ghorsidus]. Kluge
to.!,. — gastrischen Fieber = eine Übersetzung der
M-hulmässIgon febris gutrien (gaster ~ Magen) , die auch
„das Gastrische" heisst — Nervenfieber, Typhus,
Magenfieber, ein Fieber mit Magenersehein-
nungen. — (1829) Grfäss Fieber = eine zur Be-
gründung lies Aderlasses genommene Bezeich-
nung einer von aufregender oder entzündlicher
i Blutgefäss fülle abgeleiteten Menschen- und
Pferdekrankheit mit Fieber (Mayer IS1; Falke I,
47. 316; HolTin. \rz .1 — öctttWa- J lieber
l Eclampsia puerperalis bei Ziegen u. Schweinen
1 i Kalbefieber i'Krank 475; Zipp. 253). — (1805) Gelb-
fieber — ein essentielles Infeklionstieber das
(1H0.) zu Barcelona und Cadix herrschte :Pesti-
lentia in nummis, Pfeiffer), so genannt wegen
der gelben Färbung derSrlerotiea, der Schleim-
haut und der Haut (gelbe Fest;, Typhus biliosus
Indiorum, febris flava, febris maligna biliosa
Americae, eholosis Americae, pestis americana,
i maladie de Siatn. Yellow fewer, vomito r.egro.
— (1764) GtYM-Fieber » fieberhafte Gicht, Febris
arthritica (A. v. H. I, 638). — Giess- Fieber - das
bei Guss-Arbeitern in Kupfer-, Messing- oder
Zinnfabriken vorkommende , durch I)ampf-In-
halution verursachte fieberhafte Brustleidcn
(Pneumon.) = Zinkfieber (s. d.) ;Z. Hdb. d. ip. Patta.
u. Ther. I. 419. Samuel I0:s). — (1687) giftigt Fieber
ansteckende, tödliche, fieberhalte Seuchen,
Pest. Hohr, Typhus (Georg, sö'.». 4:;i). - giftige Tie-
bersiif/iL — (1020) glostendt Fieber (or. Minderer)
— glimmende, brennende s. d.) Fieber = Hilze-
rtadium des Fiebers (Fastigium) gegenüber dem
schüttelnden Froststadium (Schweiler II, 488). —
örci.sen-Fieber Febris soporosa senum (meist
Pneumonia hypostatica), ein Entkriiftungsfieber
der alten Leute Kohler II. IM}. — (1609) ÖrwndFie
ber- Febris hectica [Guar »Toi, das die Grund-
feuchte (s. d.) des Körpers verzehrt. — Harn-
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Fieber.
Fieber.
141
Fieber - ein durch Resorption von Harn bei
Verletzungen der Harnwege z. B. entstehendes
Fieber(Bla8enfleber). — Aar/e«Fieber(vugl.Bhanl
lever, Knltschm.) — ein starkes, heftige«, akute«
Fieber. — (lT/w; hekti$chea Fieber = Febris hec-
tica (a. v. H. da» bei Lungenschwindsucht
(Hektik s. Ettich) u. chronischen Eiterungs- u.
Destruktionsprozesseu vorkoinmonde, meist mit
Nachtschweisseil verbundene.entkraftende Fie
ber. — (164Ö) heim: h - Fieber = hektisches,
schleichendes Fieber, das ganz allmählich sich
von Woche zu Woche steigert (Cetor, H. A.
Heyn. 207). — heim s Fieber = ,118a da* heyst lieber
= kanson, D. 6.1".", knnma = Entzündung, l> 10H; C. v.
Megenbg , mortui« calidu*, Gr. W. V, 86; VII, l'.TJ)
infektiöse, pestartige, ansteckende, hochgradige
Fieber; bei den Bulgaren werden diese Fieber
besprochen (Ethnol. Mltt. a. l"ng. UM. & 227). —
(l756)Hfr6*/-Fieber, 1. ^eine im Herbste wieder-
kehrende Malaria, welche um diese Zeil vom
Heumonat bis zum Januar gerne langwierig
werden soll, 8, Spatjahr-Koortaen) (Ackermann
122; A. t. H. I, 638). — 2. =ein heibütlichcs Heu-
tieber (Febris aututnnalis, Herbstkatarrh). —
3. = der namentlich in der Herhstzeit häufigere
fieberhafte Schafiolz 'Zipp. 630). — Herz- (Her-
ten») -Fieber = Febris car-liaca s. heciica (Gr. W.
IV, 2. 1234. 1244] wegen der kardialgischen Sym-
tome. — (19. Jahrb.) Heu-Fieber = ein typischer
FrOhsommer- (Mai bis Juli)-Katarrh (Cr, w. IV,
2. 1287), (seltener) Herbstkatarrh, fieberhafter
.Schnupfen, durch den Pollenstaub der sogen.
Heubluraen verursacht (Heuasthma) = Catar-
rhus autumnalis (fr*, catarrhe de« loins; engl, hay
ferer. die Pollenlheorie wurde vonliack [n.Med. Wochen-
M-hritt 1*86. XII. 141>ugelochtcu, Eichhont I, 256). —
(ljasi Hirn Fieber, 1- - l'hrenitis (llufcland l<>8) .
ü»42) Meningitis cerebro-spinalis (Uaser II , 702)
- lieberhafte Erkrankungen mit vortretenden
Hirnsymptomen (s. Kopffieber, Tobfieber). —
2. =(1571, Lcrsch 210) vielleicht auch Petechialty-
phus mit vorwiegenden Gehiinerseheinungen.
— (Ißtso) hirntobendes Fieber (Witilch) — Influenza
wegen der heftigen, vom (Jehirne ausgehenden
Delirien, de« spannenden, drückenden Kopf-
schmerzes und der heftigen motorischen Agi-
,.,12 Fieber
(14»2, C. v. Megenbg ; 1591, Had. Jun. :Wi - heisses
Fieber, Febris ardens 8. cahda, L = Typhus ab-
dominalis und petechiale. — 2. = Morbus hun-
garicus, ungarische Krankheit («. d.). — 3. ==
ein EnUQndungBlieber bei Pfer.ien, eine fieber-
hafte AllgemeinstOrung im ganzen Korper des
Tieres (Abu«. 15). — (1766) Honpital-Tieber = der
in Spitälern grassierende Petechialtyphus (La-
zarethfieber) (engl. ho«pitallever, Maser II, 4.1). —
(UM) //«wi/rr-Fieber, 1. -ein in Eeyden herrsch-
ende« Fieber (Hungertyphus?), Typhus fame-
licus (Hecker 153; Schnurrer II, 218). — 2. - eine mit
sichtbarer Blutwallung auftretende Fressucht,
Hungerparoxysmus(engl.grcedyirit(ev.'r,Kalt«ehDi.
in, 162). — (1066) Husten- Fieber, 1 * ein mit
Husten verbundenes Fieber. — 2. ■ Influenza
(». d.) (engl, eough-lever, Lersch 62; Schnurrer I,
I«. 2*1. Gr. W. IV, 2 lgtni. - 17«) hysteritches
tation
Fieber ein Fieber aus hysterischer (s. d.) Ur-
sache :>l lt. L I »). — imp/-Fieber - 'las durch
.lie SchuUpOcken-iniplung veranlasste Fieber
l>ei Impflingen. — (iv>) irrelauf'en>leii Fieber
(Fttes ist) - „ein Fieber, das ungleiche Stunden
(im Verlaufe) hat", atypisches F.eber. - Kiilber-,
Knlbe-Tieiber, l ein urämisches Fieber (nicht
Puerpeialtieber) nach dem Kalben bei der Kuh
böses Ding, s. d ), Geburtslilhine, Schlafkrank-
heil, Eclampsia puerperalis (Krank 442; Kalke II,
3. 279). — ~ — uneigentlich das Puerperalfieber
bei der kalbenden Kuh. — :17. Jahrh.) kältet
Fieber (Lonlceru») - Febris intermittens (Ma-
latia) (alter int Kaltweh, so genannt wegen des utadium
«tgidum [Schüttelfrost); 1719. Gr. W. V, 90; 1759, Jahn
145; 1807s Wechselneber, Pauli 15; Ravaria II, 2 8*0;
Schmeller I, 1241, Ackerin. 121; 19. Jahrh.) — Malaria
oder das kalte Siechtum und das Kalt (s. d.). —
1740) Karfunkel Fieber sa das mit der Bildung
eines Karfunkels (s. d. und heiliges Feuer) sielt
einstellende Fieber - (992) Igm's sacer (feu sacre)
zw. 4M; gehnnrrer i, um). — Katarrhal) -Fieber
(1580 Katarrhtieber — Influenza, Kuhemann 12; 1699
giftiges <atarrhnebcr = ['] Petechialtyphus, v M. It. 121 ;
Influenza, I. cod. II, 161; 1729 contagiosa« Catarrh-
Kleber, Kuhemann 25; 1752 epidemische« Kleber) —
Inlluenza (s. d.) mit trockenem Husten u. Brust-
beschwerden, die unter Auswurf von katarrh-
alischem Sekret Bich bessert (A. H. i, 844. 63s:
Zw. 560). — 2. — bösartige Krankheit (eine Dipii-
therieform) beim Rindvieh. — 3. = Pferdekehl-
sucht, Stritngel, Pferdestaupe (Merk 33). — (l "*s)
/Tc/Zer-Fieber (scherzhaft) = eine Krankheit, die
man sich aus dem Weinkeller geholt hat (s. Kel-
letgeschoss), Status gastricus potatornm (Or, w.
V, 516; Schmeller I, 1235). — (1750J ÄVrAer-Fieber
Gr. W V, 56$; Schnurrer II, 130. 309. 310; Lerech 17'.».
2 'S; engl jailfever) = ein Typbus infolge iles Ker-
kerlebenB (tiefängnistyphus, der 1414 in New-
^ate, 1577 in Oxford, in England zuerst beob-
achtet wurde), Typhus exanlhemat. — (1794)
rwnrfM/(«r) -Fieber = Wocbenfieber (s. d.), Fe-
bris puerperalis (Weickard 324 ; J. P. Krank I, 178). —
/wm/Vr-Fieber, 1. - Febris mesaraica (Haglivi),
bei skrofulösen Kindern häufig (Sobernheim 253).
— 2.= Eclampsia febrilis, Fieberfraisen (Kneipp
133). — kleine Fieber, 1. - Febricula, leichtes
Fieber. — 2. = (im Neu Irschen fiabbrai"» bhsngn
(febri« paneaVl, Z. d. V. f. V. K. 1896. S. 90. 192) = ein
nervöser Kopfschmerz (?). — A7i»ia-Fieber -
eine zymotische, tniaamalische Krankheit (Ma-
laria), durch das Klima veranlasst (Kcch«naeb.*
Her. d New Yorker U'ben« Ver«. Ge«ell«ch l.«l»|l. —
Ä'nor/i<-/-Fieber s. Dengue u. Knocke! koortsen
rKneUer in z. Ii. ii, 2 4sij. — ÄoL>/-Fieber iiitz-
iges) - Febris phrenettca, Plirenitis (Hirnfieber
s. d ;, Hirn will, Meningitis (v. r. H. I. 813; Gr. w
V, 117t), akutes Deliriumlebiilf. ~ ,;i«yo; Krampf-
Fieber - ein 15% und 1C9:J in .Steiermark be-
obachteter Morbus magnus convulwivus mit
Frais ^s. d ), Ktitmpfen utul (iliederzittern un I
epidemischer Ausbreitung ' Kriebelkrankheit,
Krampfsucht, Erirotismu*' — lC'.o Krieg*-
Fieber oder (I7,v.| Lager- Fieber - FeMfielx-r,
Febris epidemica castrennis,das in einem Kriegs-
lager, im Felde umgehen. le Petechial- Fieber
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Fieber.
Fieber.
(A. v. H, r, 6»; v. m. Ii, las). — Kust, »Fieber
— das an niederen Küsten häutigere Wccbsel-
fieber und üelbüeber. — L ■;■;». n en - Fieber =
die Malaria bei den Osterreich. Truppen, die in
der Lagunenstadt Venedig Garnison hatten. —
fic.57) Land-Fieber, l. = das in einem Lande en-
demisch herrschende Fieber, z. B. Malaria (A. v.
H. I, «39). — 2. -die über ein Land hereinkom-
mende Epidemie, die das ganze Land befallt
Land plage s.d.) (Gr. \v. VI, liö). — (1657) auüäilige
Landfieber = durch das ganze Land ziehende,
höchst ansteckende bösartige Seuchen (P'Sl)
(Haser n, 27i). — L«M»ro-Fieber, L = „verunder-
liche lieniülsstiinmung umerm Hilde des Fie-
bers" (Gr. W. VI, »48). — 2. (lo caprice, flOvre qnin-
taine, lirlss. 269)^das launenhaft und regelwidrig
am 5. Tage erscheinende Wechselfieber. — (17C5)
Luttsanner Fieber (Schweiz) = Fneumonia as-
tbenica epidem. — Alp(eii)slich, der damals epi-
demisch in Lausanne herrschte (Feierabend, der
Alpenstich). — (1752) Laxier- Fieber - Fehns
eathartiea nach Sylvins de le Bue (a. v. II. I, 2 V)).
„eine Art des kalten Fiebers" (?) ; (vergl. liadei -
zik); s. Purgii lieber. — .L«r«»f'A-Fieber (Stoil
1742 — 1787) — der in Lazarcthen epidemisch auf-
treten<ie Typhus exanthematicus (Spitalfiebei)
(Haeser II, NW; Pr. II. 451). — (1705, Lieltes Fieber
= Fehns amaloris, mal damour, mal des amanls
= Chlorosis nach dem Worte des Dichters i „pal-
leat omnis amans, color hie est aptus amanti"
(Eichhorn 11, 79ö. Uris». 148; Donaucr, II. V.; MM.
Med. 492; Th. sun. Br. 201. 203) (J ungfernkrankheil),
s. auch Liistseuche 1 und iMinne, Minnepein.
— longobardisches Fieber = eine Lagerkrank-
beit, von der das im Gebirge der Lombardei
lagernde deutsche Heer 11^7 befallen wurde
(Kersch SS). — (17.02) (hitzigen) Lunken ■ Fieber
(,,der Ausgang mancher Pleuritis", A. v. II- I, 113»;
1841, engl, lung-fever, Lerseh 414, Lungeneryslpel?) =
fieberhafte Pneumonie. — (1843) lymphatisches
Fieber - Drüsenlieber (Falke II. 85). — Mah- =
Afngen-Fieber f- Cnem-UunK der lehrt» gastrica)
— das au* einer Magenkrankheit kommende
Fieber. — (UM] faule Magenfeber (Book 7C Recist ;>
= Febris gantrica, Typhus. — (1C20) Mayen-
fieber = Febiis svnochalis [». Fieber gynoeha)
(Dr. Minderer; (ir. W. VI, 1439). — (17,2,, hitziges
Magenfieber - Febris slotnacbica inflamma-
toria, d. b. ein Fieber mit entzündlichen gast-
rischen Erscheinungen (A. v. H I, 645), auch
hektische Fieber, die am Abend exaeerbie-
ren (Paull «7; noch jetzt volksübllch besprochen,
Wutlke 313; Bavaria IV. 2. 40'.. UftUMIt, Volks-Med.
137); ebenso da« doppelle .Magenfieber (Schleim-
u nd Nervenfieber, Typhus). — (1699) Makel-
Fieber = Petechialtyphus (s. Petechien) fv. M.
II, 121). — A/flrscA-Fieber ■ Febria interuiiliens
(Malaria), in den Marschlanden = Sumpfland
fgoth. marlsks ru marcl - Meer. Kluge 224). Sumpf-
lieber. — 11782) Jtfarrosm-Fieber = lieberhalter
Kopfschmerz, angeblich infolge von Sonnen-
stich bei Matrosen unter den Tropen (M Ii I.
I, DM). — (UU) melancholische Fieber (B»<-k
— <lyskrasi8che (scharbockische) Fieber, die,
nach früherer Anschauung vorn schwarzen (ie-
blüte kommend (h. Blut, Natur), sich nnlerschei
den vom kalten, phlegmatischen Fieber (s.d.) —
Cholera, Ruhr, fieberhafter Skorbut. — Mer~
Aun'«/-Fieber (bei Hahmrmaan 1755— 1843, vor dessen
homöopathischer I.ehre, IT. II. 554) = ein durch Queck-
silber bei der Sypbilisbehandlung veranlasstes
Fieber, auf dessen Eintritt der Erfolg der Mer-
kurialbohandlung beruhen sollte, da es eine
Art von Krisis sein sollte. — (18. Jahrh.) Milch-
Fieber, 1. - „das Fieber, das sangende Frauen
anstosst" (Mastitis febribs) (Falke II, 146; Gr. W.
VI, 2192); man nahm Iruher eine eormptio lactis (s. ge-
ronnene Milch) durch Zurückhaltung der Milch als
Ursache an (Inlekiio^c Kntzündung). — 2. = die
Febrictila puerperalis, auch ohne Störung in
der Milchdrüse, al>er in die Wochenbettzeit
fallend. — 3. — das eigentliche Wochenbett-
fieber, wenn der Wochenfluss milchartig («iehe
Milch) oder wasserig wird (M 11. L. I, MW, Ackerm.
453; Zw. 562; Vogel 11. 231, Flenk 91). — 4. = das
sogen. Kalbefieber (Fclampsia puerperalis) bei
Kühen (Frank 442. 476). — Milzbrand - Fieber,
1. = der fieberhafte Milzbrand (Z. Hdb. d. «p. P.
u. Ther. III, 470; Mayer 179). — 2. = das nach dem
üenusse von Milzbrand - Fleisch auftretende
Fieber (Pierer). — (1712) A/ortVFieber ^ Influenza,
über die man anfangs »pottelte, und an der zu
leiden, es sozu.-agen Modesache geworden war
(Ruhein. 21). — JtfuffVr-Fieber, 1. = Febris puer-
perale (Woehenheltlieiit-r), weil von der Uebftr-
mutter kommend ; Ackern». 160). — 2. =em Fieber,
das durch Gebarmulterbesehwerden entsteht
(Gr. w. vi, 2Hi6] — A'ucA-Fieber -- ein nach dem
kritischen l leberabfall noch nachtraglich ohne
andere nachweisbare Veranlassung sich ein-
stellendeH kürzeres Fieber. — (157$) nachlassende
Fieber TaM-rnaera.) — Febris r< mitten* (s. ab-
lassende Fieber). — Aarrro-Fieber (Oldenburg)
— jede fieberhafte Krankheit mit Delirium, in
der närrisches Zeug vom Kranken gesprochen
w ird [Qoldachm, 17) = närrischer Ritten (s. d.). —
(Ende den ls. Jahrh.) Xercen - Fieber , 1. = jede
fieberhafte Krankheit, beiderdas Nervensystem
des Menschen oder Tieres wahrend des ganzen
Verlaufes schwer ergriffen int (Gr. W. VII, 618,
Falke II, 156). — 2. - spezialisiert: Typbus (Eich-
horn II, 9.'»6), weil dieser solche cerebrale Er-
seheinunnen am hautigsten zeigt. — 3. = auch
nervöse Erregtheit (ohne Fieber) in Rede-
wendungen. — ansteckendes Nervenfieber —
Petechialtyphus (Krau-, K. M70; Fuchs II, 1234). —
(1791) faules Nervenfieber - Tvpbus abd. (Hacser
II, W), — hitziges Nerveiifieber * Typhus acu-
tus (Kraus, E. 107ti). — schleichendes Nerven-
fieber = das Stadium becticum b. Ileo-Typhus
(Febris hectica maligna), oder Typhus lentus
(Kraus, e. 1070). — nervöses Fieber, L — ein lieber-
haft erregier Zustand, der sich auf dem Boden
einer sogen, nervösen Konstitution entwickelt
und durch nur zeitw eise aullallende sogen, ner-
vöse Symptome kennzeichnet (Falke II. liO). —
2. (1734, engl, nervous fever, Ltrsch 353) = Nerven-
lieber, Lleoiyphue. — (i7.>2) -W.s«r /-Fieber — acut
I fieberhafte Nesselsijcht \*. d.) (A. v. H. I, 648;
Ackerm. 118; Gr. W. VII, 61»; Behrend 22). — 99erki
Fieber (in preuss. Besprech., Frisehb. 55) ■ alle
Arten (f. Neun) von Fielier. — i«so) Ochsen-
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Fieber. Fieber. 143
Fieber, I. - der nach einer reichlichen Mahl-
zeit nicb einstellende Verdauungs - Schauder
(<;r w. VII, U33), tievre de digestion (Brocca); es
ist an die Matdteiten gebunden und billigt meist
mit krankhaften Störungen der Verdauungs-
organe zusammen (Auto- Intoxikation). — 2. =
das Gtthnfieber (h. d ), Schlafngkeit als Vor-
zeichen der Allgemeinstörung, die das folgende
Fieber macht; (auch Gftbnsucht). — (1500— 1754)
Pettüenx- (Pc*t), pcatilentischcs Fieber^ Febris
aentissima maligna, 1. = das mit einer wirk-
lichen Pest verbundene heftige, typisch ver-
laufende Fieber; (1582) das heisse oder pesti-
lenzisch Feber (Strassbnnt) ; sie sind auch als
„hitzige", „triftige", „trid hebe" Fieber bezeich-
net (Gr. W. V, 86, VII, 1572. 157t. Bock 157; Kraut«.
LXXVI; A. v. H. I. »421. — 2. - „eine Reihe ganz
ditferenter (bösartiger u. ansteckender) Krank-
heitsprozesse" (Bauer, Gesch. der Aderlässe 149;
Rowob. 17— 23), z. B. (1529) Seh weisslieber (Bieter
II, 311); (1493) Blattern oder Syphilis. — (1749)
PeteUchen-, Petechial-, U7.V4) Petechien - Fieber,
1. = der Pelecbialtypbus (A. v. 11. 1, 643 ; Behrend 77).
— 2. = Makel- oder Fleckfieber (s. o.). — 3. =
Purpura febril s (Zeitachr. f. d. Fhlloloß. XXVI, 248;
Bchrend 77. «pan. tabartillo ; 1490 von einem purpur-
roten Kleide benannt, I-ersch 199, Sebuurrer II, 27)
s. Purpurtieber u. Petechien). — 4. = Pferde*
Typhus (s. d.), Morbus maculosus equormn
(Meyer. Konv -I.ex.). — (1688) phlegmatische (kalte)
Fieber (Tabern ) = Schleimlieber (s. d ) mit ge-
ringer Fieberhitze, die man dem Phlegma früher
zuschrieb. — Polka - Fieber = Dengue (s. d.),
wegen der eigentümlichen gezierten Gangart
der daran Leidenden 'l.emcb). — (18. Jahrb.) Por-
z-h ; ».-Fieber - Urticaria tebrilis; die weissen
Nesseln machen die Haut porzellanartig ge-
tigert, bunt gefleckt (Kram, E. 383). — Purgier-
Fieber = Laxiertieber (s. d. Febris cathartica
(iiadetzick) s. caecatoria (A. v. H. I, 2öo; Krau«, E.
178); Stofl Wechsel Veränderungen rufen hie und
da Fieber hervor {%. B. Aderiaaslieber, Semmel-
kurfieber). — Purp ur- Fieber, 1. - Purpelfieber
(s. Purpel) (Bebrend 77; Ur. W. VII, 2263; engl, a
purple fever sa Schariaebneber Kalt«rhm. 1) — 2. —
Petechialtyphus. — Quar tan -Fieber (früher in
ärztlichen Kreisen »ehr häutig und noch 1805 ge-
zrbrtuchlicta) = vierlttgiges Fieber (s. t^ larinn,
Kartanie) (Gr. W. VII, 2320; Bchw. 522. —
(1708) raHeVl, \ Fieber = D«lirium t*hT"*> tlas
sich mit Raaerei bekundet, z. B. bei Typhus,
Petechialtyphus etc. Lewch MS). — Reinigung*-
Fieber, 1. — fieberhafter Zustand bei <ler weib-
lichen Reinigung (s. d.). — 2. {flVvre depuratolre,
Bri««. 134) — Febtis herpetica, das El scheinen
der llerpesblaaen sah man als eine natürliche
Reinigung an. — (IMS] Äriz-Fieber = die auf
einen äusseren Reiz bin bis zum Fieber Bich
steigernde Reaktion (Kalke II, 233). — Rosen-
Fieber = der durch den Blütenstaub der Rosen
verursachte fieberhafte Nasen- Katarrh -ehech
188). — rote» Fieber <170; tttver rouge, Herker 22\'
- Scharlachtieber. - 17821 Äof7an/-Fieber -
fieberhafte« Rotlauf (M H L. 1,33). — (1668: Ruhr-
Fieber - fieberhafte Dysenteria (Hacker II, ist,.
— Scharbock- Fieber typhöses Fieber bei
skorbutisch kranken oder sonst schlecht ge-
nährten Personen (Hecker 181). — scharfe Fieber
(1508 scharpfe febre*. Gr. W. VII. 1574; 1528 »charpfe
febern, Frie« 111; 1531 seharpffe lieberen, Krautw.
XI.V11I j 1260 da» lieber daz da bettet acuta. Pfeiffer 8»;
nind. dat vever dal dar het acuta, Magist. Barthol. 90a;
febri« amta — 1510 -|.it*e Pebresl — akute Fieber.
— (1756) Seharlach-Tieber, 1. = das den Schar-
lach («. d.) begleitende Heber (engl »earlct fever,
dun. «karlager« feber; »ehwed. «karlakan« fetter;
Hecker 223 .rote Fieber;; A. v. II. I, 645; Aekerro. 115;
Gr. w. VIII, 2204J. — 2. = oft auch mit dei Miliaria
puerperale verwechselt. — £cAat«ier-Fieber —
Febris algida, Pyretos phrikodes Hippokr.^ein
mit starkem Frostschauder begleitetes Fieber
(Kraus, E 45. 792). — (1754) 5fVlia/"-Fleber = Coma
febrile, letliargus, „die höchste Stufe der Schlaf-
sucht" (A v. H. I, 8H6), weil der Fiebernde wie
in tiefem Schlafe daliegt; (vergl. Schlafkrank-
heit u. Schlafsucht). — (1891) ScWomm-Fieber
= Schlammkrankheit (s. d.) — (1742) Schleich-
Fieber ~- langnam verlaufende oder versteckte
(heimliche Fieber, die sich anfangs wenig aus-
— m. - ™g ÄT | «*-
dun. »lim fetter; «ehwed. Metnfeher) ein mit ver-
mehrter (Mund- und Rachen-) Schleimbil-
dung, die subjektiv meist zuerst geklagt wird,
einhergehendes Magenfieber (Morbus mucosus,
Febris gastrica, Typhus) rilaeser II, 415 ; Krautw.
XI.III). phlegmatisches Fieber; dem Überflüsse
des Phlegmas schrieb man früher diese Krank-
heit zu, die man beim Menschen und Tiere
(Pferd) so bezeichnete. — schnelle Fieber (1551
da* schnell Feber, Bock 142. 160) - akute Fieber,
die schnell einsetzen und den Kranken hefallen
(i.onireru«). — SeAnu/>/Vn-Fieber, 1. = Induenza
oder Grippe, die mit Katarrh (Schnupfen) ver-
bunden iBt (a. Bragik) — 2 = ein bösartiges
Katarrhalfieber mit Neigung zu Gewebshrand
(Zipp. M7) beim Rindvieh. — (1620) schüttelnde*
Fieber 'l>r Minderer) = das kalte Schütteltieber
im Gegensätze zum Intrigen (glostenden) Fieber
(schmeiier ii, last — öVÄMi-Fieber, l. = thatsäch-
licbe Erregungszustände, wclcbe dem Schüler
zugefügt werden durch Furcht vor Strafe oder
durch zu stark geweckten Ehrgeiz (Med.-chirur.
BundM'hau 1879, S. 79«). — 2. = (spottl&ch) wenn die
Schulkinder, Krankheit simulierend, sich ins
Bett legen, um dem Schulbesuche auszuweichen.
— ScAiracAe-Fieber^ein mit grosser Schwache
des Körpers verbundenes sogen. Faul- oder
asthenisches Fieber (bei Mensch u. Tier ftievre
lasse, »V\rc de langucur. Briss. 149) — schwarzes
Fieber (1280 daz »war/. Heber „er i*t langeUlecb mit
Verfaulune der Milz und er pfne*chet staetechllch".
ffeiffer 77i - pyatnischer, septischer Singullus
mit schwärzlichem Urin bei entzündl. Lungen-
Ahsccssen i ' schwarzer Tod, schwarze Krank-
heit 3 — (1895) sVAicarztcasÄcr-Fieber (Peatseb*
o*tafrik:i) - perniciose Malaria mit Haeiin»-1<>-
bmtiria, d. b. Entleerung von schwarzbraunem
Blutharn (Münch. Med. Woehennehr. 189V:. - (1629)
Schwei**- (1754. isoi) (Scltwttt-) Fieber, 1 - der
coniquative .Schweiss des hektisch Fiebernden
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144
Fieber
Fieber
mit Htarkou Remissionen des Fieber)', ho dass
Maller (A. v. H i, 6|5j sie für eine Art von Weeh-
eelfieber hielt. — 2- (i486) Sudor anglieus, der
englische Schweis», Schweiss-Sucht ; (152* H«m
bürg, Lübeck, Augsburg; rfMnUT II, 301. 304, I3H
Würzbnrg und Nürnberg, 1772 auch in ftöttlngcn epi-
demisch, Vogel II, 60; Heiode*. A. v. H. I, 91. 586);
(s. Schweis»). — 3. - Febris miharia (Hotfmanu)
(Behrend 30). — 4. ■ Frieselfielter mit starken
Sch weissen (Behrend 30). — (1802) rheumatisches
Schweis^fieber-— Schweissfriesel, Sudor angli-
cus (Haeser II, 669j. — (1588) schwindsüchtige,
(ifl. Jahrh.) Schwind-Tiebet = Febris hectica bei
der fieberhaften Schwindsucht (s. d.) (Heyne DD,
108. Taben».; Zw. 561. 847). — (1797) Sihmtz-TiebeT
— Sch weisslieber (s. d.) (J. P. Frank V, 31). —
See-TieheT = Matrosen lieber (s. d. ; calenture,
Kalender), das unter den Tropen bei den See-
fahrern sich einstellt. — (1889) tibirischa Fieber
— die von Sibirien herkommende Bibinscbe
Krankheit (h. d.) = Influenza (Ruhemann 52). —
77 (72), 70 Fieber (Ethnol. BUtt au» Ungarn HM,
S. 162; 1894, 8. 244 , Zeltscbr. d. V. f. Volksk. 1896, 8. 8;
Paiül 70, Birlinger, Volksk. I, 209; Buck 61 , Frischb. 54)
st entsprechen den 77 Kitten (K tteru); 77 ist
eine „Galgenzahl" (Gr. D. M. H, 1107, CXL, 27;
Kuhn, Zettsehr. f. vergl. gpr.-Wlsseniich. XIII, 129;
Wuttke, VolkttAbergl. 158. 251; Stubetivoll 76; tir. W.
IV, 1. 1168. H79;. eint- heidnisch heilige Zahl (Klem-
pau], Gartenl. 1892, 811) (s. Sieben); die 77 Fieber
sollen durch Segenspi üche gewissermassen auch
in der Zahl wie überaus ebrfurcbtgebietende,
mächtige Personen hyperbolisch angeredet und
durch das Wort in den Wald oder Kaum ge-
bannt werden (Gr. D. IL II. 1107). Sieben ist auch
— immer, fortwährend; 77 also = unablässiges,
vielfach wiederkehrendes Fieber; (vgl. Sieben-
schläfer); über 70 u. 72 s. dieses selbst unter
Sieben). — (1754) Soldaten -Fieber - Laxer- oder
Feldfieber (s. d.) (A v. H. I, 83R). — (1827] Snmmer-
Fieber - das in Mitteldeutschland im Sommer
damals herrschende Malaria- Fieber {Ilm-«er II,
•7s). — (1813] Spital - Fieber -- Febris nervosa
stupida = Hospitaltyphus, der in den damaligen
Spitälern giassierende Petechialtyphus (Mell-
riehstadt),Lazaret-Fieber. — H51U) spitze Febres
(Gr. W. VII, 1674) = Febree acutae (.ObMMtSUag)
— scharfe Kiel »er. — starke» Fieber \l'M*> «lax
starehe vleber, Heiffer 23; mm), dnt starke vetier,
Mine. Harth. 91b) — heftiges, hochgradige« l ieber.
— SfaMt-Fieber^eine akute, riebet halte Luft-
wege-Erkrankung durch Einatmung von Zink-
staub Zinkdilmpfe) l Hdb. d. *\>. lMth. u. Ther.
I, 449) — stehenden Fieber i'Sydenham's Febris
stationaria) = riebet hafte Krankheits-Prozesse,
die durch bestandige Ausflüsse .Miasmen) aus
dem Erdkörper und durch solche Luftverun-
reinigkeiten entstehen, welche jene nach sich
ziehen; sie sollten dann das Prototyp für die
einzelnen Formen der endemischen und auch
sogar der interkurrierenden anderweitigen Er-
krankungen Hein (Haser I, ölü; Bau« 2-v';. — 1- I •.
stetiges Fieber = beständig andauerndes Fieber
(Febris continua) (ColerH A. ts:», le traineau ; Hri<is.
129). — (173">) Sfop^rJ-Fieber ein in Holstein
hei Feldarbeitern beobachtete« .Malaria-Fieber
1 (Sehlammrieber ?'i (Huer n, — Sumpf '-Fie-
ber, 1 - die in der Nähe von austrocknenden
Sümpfen häufigere Febris intermittens = Ma-
laria, ein „essentielles, nicht entzündliches
Fieber, bei dem sich im Blute der ganze Prozess
der Fieber-t'rsache abwickelt" = Maischfieber.
— 2. = (1889) Schlammfieber, Schlammkrankheit
(e. d.) (Münch. Med. Wochenschrift 1*91 3. 805). —
l 3. ss Milzbrand des auf austrockenden Sümpfen
j und Mooren weidenden Kindviehs (K. n. P. III,
| 264; Falke II, 350J. — .St/nodwi-Fieber i - Synocbus
, lialeni, febris synocha. Kraus, E. 1019; 1260, von dem
lieber kommt ein Siechtum der hei*« Syuocha lebris ;
da» Fieber kommt von dem unmässliehen abnormen
Blut, nach Pfeiffer 22; mnd. ,,dat teuer dat genomel
Pynocha", sie wird von dem unreinen Wut de» Mensrhen
und die macht nicht zu Stuhl gehen, nach Mag. Barthol
102b; febris vlsluocha — lebris «ynoeha a (iraeco
Cim/%, quae numeniam intermittit , attamen eerto
tempore excandescentiam habet sensibilera , Du fange
III, 420; 1. eod. ; slcijue nunc aigorein, nunc calorem
pati ut Vlsinochls lebribus Herl solet ; 1528 das Feber
slnocha genannt, Fries 69; Gr. W. VI. 1139) = sep-
tisches, pyainisehes, typhöses, asthenisches,
adynamisches, coDtiniiierlicb.es, anhaltendes
Fieber. — 2. = auch Herzgespann (Herzkrank-
lieit verallgemeinert?). — 77i<7«f-Fieber, l. = ein
tägliches Fieber (Febris ephemer») , das nur
l Tag dauert (Hofeland 91 ; l'effimerie, Bris». 132;. —
2. « Febris quotidiana (Malaria), ein in Mittel-
europa kaum vorkommendes, jeden Tag wieder-
kehrendes Fieber. — (1528) „täglirhes Fieber
über den anderen und 3. Tag" (Wüntburg, ljunmert
Volks Med. 265) = Tertianfieber. — (15SS) Tertian-
Fieber = Malariafieber mit dem genau jeden
3. Tag cyklisch wiederkehrenden Rückfall. —
doppeltes Tertianfieber = mit 2 Fieberanfällen
am 3. Tage des sonst cyklischen Fieberverlaufes
(RythmUN duplicatus febris tertianae). — halbes
Tertianfieber = ein solches, welches einen leich-
teren Tag (Nacht) u. einen ganzen schweren Tag
(Nacht) abwechselnd bringt (Fach* II, 101). — (1752)
Tofc-Fieber, 1. = Hirn-Fieber, hitziges Kopf-
Heber, Fhreniti», Tobsucht infolge von hohem
Fieber (a. v. h I, i«o. 1120. — 2. = Influenza s. hirn-
tobendm Fieber. — (1770) tolles Fieber - (West-
falen) hochfebriler Scharlach (?) (Petechialty-
phus?) ülecker 211). — Tot eu -Fieber = das Sta-
dium algidum des eigentlichen Fiebers mit
totenähnl. Kälteder Extremitäten. — (1414) Tona-
wäfsdd- ( r.ooiaicä*«f)-Fieber, „Tona waesches
Fieber" = lnHuenza, Kuhemann 7i, die man früher
] Tannewässel (s. Watschi) nannte. — Typhus-,
typhoides Fieber, 1= typhoid fever, typböses
Heber, Fieber mit Erscheinungen des Typhus
(«. d.). — 2 - Pferdestalle, Pferde- Influenza,
Pl'erdetyphus. — (1542) ungerutche Feber ■ eine
höchst ansteckende und gefahrliehe Seuche,
Lues pannoncia, Febris hungarica iHäser II,
' 310), die die Leute ans dem bayerischen Ober-
lande (Flösser) und Soldaten (s. Soldaten-
ktankheit) in l'ngarn befiel, l.-ein bösartiges
liallenfieber (Cholera?) nannten es die einen;
2. — die anderen rechneten es zu der Ruhr mit
Diphtherie - (Bräune) - Symptomen; nach den
Schilderungen wieder anderer wird es3. =auch
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Fieber.
St. Fiecht— Kiki».
14S
ungariBche Krankheit, Petechial-Typhns ge-
wesen sein; es Bind vermutlich alle fieberhaften
u. infektiösen Seuchen (selbst die Beulenpest),
dieanf dem Wege von und ana Ungarn acquiriert
werden konnten, darunter verstunden worden
(Guar. tat. 410, 1012 Landtag. -Verh., Behmclkr I. 109;
1620 Minderer ; 1G37 Sehnurrer II, 115. 1S2; 1660 Alt-
• ittinger Historien. Schindler 1, 109; 167» Bogcuberger
Mirakel, Schindler I. loa); vergl. auch HanptBUcht,
ungarische Krankheit und ungarische Pest (1633
Iftl 1634); «ie tritt um das Jahr 1M2 «lernt unter
■ Uesen) Namen mit und wnr damals vermuüich die
Pest, mischte sich im VolkshegrifTe mit dem pestartigen
Petechial-Typhiis und gegen das 1". Jnhrb. verstand
mau meist uur den Petechialtyphus und die Ruhr da-
runter — t/mm-n/äfs-Fieber der junge Leute
im Alter von IS— 25 Jahren mit Vorliebe be-
fallende Abdoniinal-Typhus, der 1649 und 1711
unter den Studierenden in Königsberg und Alt-
dorf epidemisch beobachtet wurde (Schnurrer II,
m. 2«), — (Iis") unsinniges Fieber = Delirium
febrile (Lerseh 195) s. rasendes Fieber. — (17.ii)
Urschicchtcn - Fieber - Blatternfieber (s. Ur-
sdilechten) (A. v n. I, <n&). — Verdauungs-Tiebn
(Ochsenfieber) ■ die nach reichlicher Mahlzeit
eintretende Störung des Allgemein-Befindens
(üevre de digeslion). — Vereiterunqs Fieber -
h. Elterlicher. — (Iiis) vergiftiges böses Fieber
englischer Sch weiss (s. d.) als ansteckenden,
schweres Senchenfieber (Haser II. 3121 — (I7.M)
verzehrende Fieber = hektische Fieber (Baum.
ms). — viertägige* Fieber s. Quartanfieber. —
Jy^^"") Fieber -ein mit der Zeit des Län
genwachstumsu. der sog. Kntwickelungsperiode
bei tuberkulös belasteten Organismen eintret-
endes, schon von Hippokrates beobachtetes sog
Streckfieber (s. Drüsenfieber, vVachsdrüsen),
Tuberculosis larvata (Kraus. R, CA ; Münch. Med
Wochenschr. 1896. 8. 507). — Wechsel - Fieber
Febris mtermittens (Malaria), weil dieeinseloen
Fieberanfalle in annähernd gleichen Zeiträu-
men mit völlig fieberfreien Perioden abwech-
seln = das eigentliche „Fieber" (g. o.), auch
das Kalt, Kaltweh, kalte Fieber, Frörer elc
isrhwed. Texelfeber; holl. Kourtsen). Die neueste Kur
sebung hat ergeben, das« den einzelnen Malaria-Typen
MM h veischledene Malaria Parasiten (Plasmodium um
lariae), die Innerhall, der roten Blutkörperchen sieh
••cllnden und von Aussen durch lokale Einflüsse und
liedlngungcn eingedrungen sind, entsprechen; der
Zerfnil der verschieden lange Zelt zur Entwickeluni;
bedürftigen Parasiten In sog. Sporen ist der Grund zur
Entstehung des charakteristischen Tertian-, oderQuar
Uuflebcr-Anfalle*. Kamonlsmus und Parasitismus bc
gegnen sich also beim Wecbselfieber (a. Blutwürmchen j.
— (157t>) weisse Fieber, der Jungfrauen = Chlor-
osis (Theophrastus. der Giftjäger ,,von der Pestilenz",
S 29. flevro blanche, Brtss. 119) Zu Pestzeiten hhIi
man die Malaria-Anämie auch alseine Pestform
an und so mussten zu Zeiten, in denen epi-
demische Fieber herrschten, die bleichsüchtigen
Mädchen auch ein Fieber haben; denn es war
Mode geworden, „Fieber zu haben", also taufte
man die Chlorosis weisses Fieber (Th. »an. Br. 201.
202V — (1*70) wiederkehrendes Fieber ~- Febri«
I recurrens (Eichhorst Ii). — (1757) lVunJ-Fieber
-eine in Novellen, Romanen und Erzählungen
des 19. Jahrh. häufige Beigabe zu jeder Ver-
wundung des Romanhelden; eigentlich = ein
Wund-Entzündungsfieber (Reaktion) zum Un-
terschied vom pyämischen und septischen (Re-
sorptions)- Fieber (Brandfieber), das Dank einem
Lister, Nussbaum, Volckmann etc. sehr be-
schrankt worden ist (Baum. 113; Samuol Hl; A. v.
EL n, M7). — TVur/Fieber - Kalbefieber, üe-
bftrlieber der Tiere nach dem Wurfe der Jungen
(Zfpp. SB8; Kalke ii, 44*»). — (lGoo) Wurm-Fieber
(1717 flevre vermlneuse, Briss. 103; I.ersch 354), 1. —
j „Fieber mit offenbaren (!) Zeichen von Ein-
geweide-Würmern: grosser Hunger, Abmage-
rung und Schwäche" (!) (A v. H. 1, fi49). Leukart
(156) geht mit Recht gegen diese« mittelalter-
' liehe Überbleibsel zu Felde, das bis auf unsere
I Tage auch bei Ärzten eine Rolle gespielt hatte,
< nachdem die Ägyptier bereit« an Wurmfieber
geglaubt hatten (s. Oefele, Oloss. zur altagypt. Med.
1391. s. 18). — 2. = „Darmkatarrh oder sonstige
örtliche oder entferntere Zufälle (Cachexia ver-
mino»a) infolge von Würmern" (Köhler II, 297.
Haeser Ii, üi2). — 3. — (1772) sogar Typhus als
faules Wurmfieber (Hecker 186; Hennig in Gerhardt
I, 30), d. h. ein Faultieber (Typhus) mit Abgang
zahlreicher Spulwürmer (bei unreinen Leuten
mancher (legenden). — ZaAn -Fieber = das mit
«lern Reize der Zahnung zusammenhängende
Fieber bei \ »jährigen Kindern (Febris dentalis,
Odaxesmus) (A. v. n. I, 689; II, »09;-. — Zehr-
Fieber das wie ein Madenwurm vom Körper-
fieische des Kranken zehrende Fieber, Febris
hectica. — i«20) ziehende Fieber (Dr Minderer)
ss kontagiöse, epidemische Fieber, welche bin-
zucken (s. d.), plötzlich da, bald dort auftreten. —
Zink Fieber (s. Giess- Fieber) = das durch Ein-
atmung von Zinkdämpfen entstehende Staub-
fieber (Samuel 403, Z. Hdb, d. sp. Path. u. Ther. I.
449). — (1566) Ziffer-Fieber Unch. Mir ^Schüttel-
frost (.Stadium algidum; bei Malaria (Febris in-
termittens). — (1754) Zu/Vif/«-Fieber ■ sympto-
matisches Fieber, dass sich zufällig zu einer
Verwundung z. B. gesellt (A. v. H. II, S47; 14*2
zufall im feber, Zenlng. Voc ) (s. Zufall). — Fieber-,
fiebrischi/, er, a) Ablas*, -Anfall, -Angst, An-
stois, Heulen, -Bild, -Bluse, -Blässe, -Blut,
- Brand, Farbe, Frost, -gelb, -Geschwätz, Glut,
■Grillen, -Harn, -Httie, -Kalt, -krank, -Kuchen,
-Mata-ie, -Milz, -Mücke, -Puls, -Rote, -Schäden,
-Schauder, -Schauer, -sierh, -Sturz, - Tag, - Traum,
- Tüpfel, - Wahn, - Wut.
St. Fiecht s. St. Veit.
fiedeln s. ticken (engl bum flddle — Ann- al-
srhallerzeugcndt» Körperteil, s. Borahart).
Fierich s. f euer- Igel.
Fiesel s. Fisel.
Fifel, s. Feifei.
Fifflz B. PÄfe, Pfipa (ahd. (Itflr, Graff III, 330).
Fig B. Fick u. Feige.
Figur f. (aui l«t. flgura; 1414 ftgure, D. 234) -
| (teHtalt.
Fiks, m s. Fex.
10
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14«
Fill— Kinger.
Finger.
Fill 8. Kell.
Filteln - Kaltein, Hautfalten (Nagte) (Schm.
I, 716».
Filz, m - filtrum findogcrm. pold. Kluge 9K;
vorgerm. peldot, goth. fllil», ahd. Alz; engl, feit, mini.
vlU, Kluge*, 107) = da« wirre, verwachsene, zu-
satnmengi ' klumpige Haar = Weichsel-
oder Wichtelzopf, Post, Mauke, Rappe ,<ir. W.
1H, ißa2, Hintnor.v 12) (ß. Zopf u. Maukwurm). —
Aujen-TÜZ [1483 fllu der äugen, Zenlng. Voc. h 7,
Y*opia M, PÜanzcnmittcl, llppu», ein Fleck [panuu»;
im Auge pj, Gr. W. III, 1634; es ist wahrscheinlich ein
Schreibfehler vorliegend flllr. - llitz (Flusse), was etil
der Erklärung llppus [I>. 310. 332. 612) übereinstimmen
w urde). — (1616) Zungai-Tüz - Brflune (s. Zungen-
bräune), Ardor linguae, Inflammatio linguae.
Fuligo, bräunlicher Zungenbeleg mit Verdick-
ung des ZungenepitheM — TÜZ-Gtlrich, -Laus
finden (vorgenn. pent , germ. fenth, goth flnthan ;
ahd. tlndiin, mhd. Tlndi-n, Kluge*, 107 = Kusspuren
[«. Fendt] erkennen, suchend verspüren, fühlen). —
sich Erfinden (altere spr.), 1.= eines KindcH Bich
befinden (Gr. w. v, 70*.>i — schwanger sein. — 2. —
sich besser föhlen (Pauli 30). — sich nicht be-
finden - sich schlecht fohlen. — entpün&lich
— reitbar, irritabilis Gr. W. III, 4M) — empfind-
licher Wehtag.
Fingeier, m. = der 4. oder Ringfinger (s. d.;,
der den Fingerling trftgt (r.r. w. III, 1649) (Gold-
finger) Digitus annularis.
Finger, m. (indogerm, penge — schon in altger-
manischen Zeilen hatte joder der ri Finger der Hand
seine feilte Spezialbezeichnung; vorgerm. penkm,
Kluge5, 101; goth. flggra , 4. Jahrb., FlrUas; ahd rinpur,
KlugeS, 107; 7. — S. Jahrh. ringra, (to. tiloss. Diez 9* .
mhd. viniter, eug). litiger. Für die Natneu der »ich an-
einander reibenden 5 Finger der Ilaud icalt (ruber lol-
trender Qedlehtnis-Hexamcicr Doctor. marcator, stul-
tiif-iue maritus. amator. Die 10 Finger h< i*scn auch die
io <;. bote oottea, v. k. vi, M), — Finger, I.« Dac-
tylus, Digitus, die 3 iiiissersten Körper-Glied«,
wovon "> an einer Hand sind. — 2.=- Membrum
virile (D. 165). — ^ir*cA-Finger = Digitus longUB,
Mittelfinger, dem longauon -Arsch) der Ara-
histen entsprechend, einesteils weil seine Auf-
richtung als Einladung für die Pedicones galt
'Ilyrtl, K. W. ; lövl Fischart, Garg. 120a), anderntOÜS
weil man ihn als Jucktinger (s. d.) betrachtete.
— .Arx/-Finger - Digitus medicus s. iatricus
(Pliniil«'l II I IT dliritu* medicinulis. qui tninimo vicinus
est, Du fange III, 116 ff. ; llacbofeu 177), weil die
Ärzte mit dem rechten Finger die Medikamente
zu mischen pflegten illyrtl. K W. 12'.] = der 4. o.
Ringfinger iler rechten Hand, Laxner *. <! ) =
;ahd. lahhi, c'aa«. ulois.) ; (s. ungenannter Kinger).
— /M-Finger, 1. = der überzahlige ti. Finger an
1 Hand, welche dem Volke sonderbar erschein-
ende Anomalie in manchen Geschlechtern sich
vererbt, Digitus medicinalis eomplicatus (Bach-
ofculsi, Suinu. l2y7.no6). — 2. = derjenige, der
einen solchen ü Finger tragt i<;r. w. n, 26; HU
— sauberhält, spukhalt, r. B. Hilvviz, Bilzeielun, Itilatz,
Bilunk; Kleinpaul [d. Mittelaller 606J; die Krklaruug
bülf-nnger = 12 Kinger ; 2 BIKInger + 10] Ist
kaum liegriindbar ; bülf — 12 — büSer Finger
schmerzhafter Finger; namentlich = Panari-
tium, Onychia (Zw. 562; Wuttke. Volks- Abergl. 32«)
(». bOft), Digital hippoeraticus (Atteltritt). —
ßa/M-Finger (Schwaben, C. v. Schm. Iis) ■ ein
verstümmelter Finger, der durch einen Schlag
so verunstaltet wurde [tafeln, deffeln, dclfeln <*•
schlagen, klopfen. Schindler 1, 491; Scbw. 701, <ir. W.
! I, 678). — 2. = Dahl-, Daul-, Dawel- (?) Kinger
l'anaritium ; (l.r>29 DalAnger ein Personenname). —
Z>aumen-Finger - Digitus impudicus, „weil er
vor Kindern das Bauchnabele, vor Alten den
Penis darstellt, während Zeigefinger und Mit-
telfinger das Muliebre (s. Feige 5) darstellen"
^lluek 25, duuiM'h lommelnuger Däumling; Pierer)
, (s. Mittellinger) — dernarre.tr. Finger = durch
Frost taub, „gespassig" gewordene, unbrauch-
bare, ungeschickte Finger. — D iebs- Finger ~
Diebsdaumen (Uochh. i, 242). — dritte Finger
(Leg Bajuw. III. 13) = Mittelfinger (■. d). — edfte
Finger - Penis (robd. ellfte flnger, 11—12. Jahrh.
dlgitus nrilis , Stabönger («. d.) , Schmeller I , 731 ;
i.exer 342, Heyne Ii. 916). — eingctchlaf cne Finger
= lokale Asphyxie, Digiti mortui ; die Finger
bekommen durch krankhafte Kontraktion der
kleinsten Arterien ein wachsartige« Aussehen
und gestörte Empfindung, als ob Bie tot oder
schlafend wären. — federnder Finger = schnell-
ender Kinger (s. d.). — .Fjn^fr/wi-Finger *
Ringfinger Schmeller i, 731). — ßefaf-Finger »
Zeige-, Schwurtinger (s. Ked- und Zeigefinger).
— (1592) geschändte Finger (Wirsung ; Hyrti. k. w.
' 186) — St?hamtinger, Muteltinger (digitus medicus
k. infamu, BOsenh. 110; dlgitUI lertius s. impudicus.
Du cange Iii, liüii ) — (Jhtbillincn Finger = Zeige
linger, an dem dieGhihellinen den Siegelring ge-
tragen haben sollen. — (1881) GoM-Finger (hoii.
goudvingeri, 1.— Ringfinger; 4. Kiuger wegen des
Gold-Reifringes, «len man an diesem Finser
trägt; (Kingerling) (KUahjtMp. 4P ; Hynl, K. \v 1251
s. Goldträger und Laxner; schon altgermanisch
als Goldfinger (Digitus annularis) bezeichnet
(Kluge*, M; D. 36). — 2. = (I7M) der kleine finger
(Schaar«< hm. I, 167) — grosser Finger = Mittel-
finger (s. d.) (Hluiner 7. 17), langer Hanns etc. —
(15. Jahrh.) ifcrx-Finger = Goldtinger, Arztfinger,
„die goldenen Ringe, die man daran trug, sollten
das Her» stärken" (Or. w. IV, 2 1244; nach der
durch die mittelalterlichen Ärzte verbreiteten altajryp-
tischen Prtetterlelue [Boas 33j tollte ein Nerve [Motu]
oder I.uflilderleln [1<i4"i] direkt vom Herten »um kleinen
Kinder, nacli A. zum Kinglinger gehen, Ilyrtl, K. W. 124 ,
coltr, u. a. 102 a.). — Jom-Finger = (in der
Chiroinanlia) Digitus index (Hyrtl, K \v it>6). —
(1482) JucA -Finger (jug flnger. Zen. Voc. ps)^ Mit-
telfinger, mit dem man sich in ano (s. Arsch-
tinger) beim Jucken kratzt. — Jimj/Vrn-Finger
m Ringfinger (s, d.), Herzlinger; man trägt den
Brautnngan ihm. — Kaußeute-TingeT = Dau
men, Digitus numerans (Du Cange III, 117), wegen
des damit vermittelten tieldabztthleiiH l »aumen-
kraut- (iold). — (1697) kaulichte Finger knge-
licht geschwollene, rundliche Finger für w. III,
165.1). — A't^-Finger (ahd cheti Ungar, Uraff III,
.21) (Index, Digitus salutaris s. linguosiiB) (Du
I (ange vii, 372) - dergrQssende.Zeichen machende
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Finger.
Finger.
147
Zeigefinger, Weisefinger (keden ^ sagen, »frechen,
«chmeiier f, 1224). — klamme Finger ■ vor Frost
erstarrte, krampfige Finger (Gr. w. v, 936). —
klopige Finger = kol big gestaltete, unförmliche
Finger (Heyne III . 383). - | Finger
{161 5) = ivmindeste Finger, s. d.\ auch Obrtinger,
Digitus auricularis D. «2) Junkerfinger, der l*ip-
Hannes, der wie eine Person alles verrat, was
seine Brüder gethan haben. (KindererzAhlung: der
Artt legt den Pflaumen-Xascherlns Rett, der kleine Ilm: '
gebrt, der böge Wteht (s. d.] ober rerrat alles). (Irimin
nimmt im. du»» man ehemals auf die Vir: i Natur und
Kraft« alp»rtigcr, kleiner, geisterhaf terWcseu übertragen
hatte, vergl Bllfinger u. 1 Minnen; schon oltgermanlsih
«1* kleiner Finger bezeichnet. Kluge 51 ; auch ah Kleln-
jaekchen (Johann] kurzer Johann, Piphanns, I'etcr
Müllermann spaterbenannt). — KlluHji Finger 'engl
clumsy flnger. Kaltarhm.) = dicke, plumpe Finger.
— A'noM-Finger - ungewöhnlich dicke, knol-
lige Finger (Gr. w. v, 1465. uns). — knorrichte Fin-
ger = durch Gichtknoten verunstaltete Finger
(Gr. W. V, 1491). — krumme Finger = durch Seh-
nen, Narben oder Krampf eingesogene Finger.
— kurzsichtiger Finger = der verschmftchtigte,
spitzige Zeigefinger ( - in acutnm deslnens (Spitz-
finirer] ». myop», Hyrtl, K. W. 1*>). — lahme Finger
— unbewegliche Finger. — {JJ"J*'C ) Finger i
Jahrb. lengeste flnger, 1607 längste (Inger. D. 290. 003)
= Digitus impudicus, verendus (verpu*), l'odex,
Jud, Mittelfinger (s. d.), Langmar, Langmeier
fAndrwn 103). — Leid-Finger — Mittelfinger, wo-
mit der Zornige einem anderen im Gesichte
Leid anthut, ihn verletzt. — JtfrrtMr-Finger -
(in der Chiromantie) Goldfinger (Hyrtl, K. W. 186).
— ifffz^er-Finger— Mittelfinger (s.d.), vermut-
lich wurde er aul das Opfertierhaupt beschwör-
end aufgelegt — (1482) mindester Finger (C. v.
Megenbg.) = kleiner Finger. — ütttW Finger (f. bb
». Jahrb. mlttoroato, Ca»». Glos». ; 1482 raittelftnger, I». 803
^longio. D. 33«, engl, middle flnger); langer Finger,
langer Mann, Langmännchen, langer Luchs,
Jud, auch langer Hanns (Tirol), Lancmar (Lang-
marlin) ~ der lange Mar- oder KoboldfiiiKer —
Narrenfinger, auch der ungezogene Finger, weil
er wegen seiner Grösse und Lange (namentlich
aber bei schmerzhaften Krankheiten an dem
selben) Oberall sich besonders (s. Sonder) vor-
drängt (Leidfinger); Digitus impudicus, weil er
den Penis vorstellt und zum Podex (o. .lud)
Beziehung hatte. Schon in altgermanischen
Zeiten als Mittelfinger bezeichnet (Kluge 51) —
Arschfinger, namenloser Finger, Juektlnger,
Schamfinger, Schandfinger, Spottfinger, Jud,
Metzgerfinger etc. — namenloser Finger - Di-
gitus impii'ticus =- Mitteltinger (s. ungenannter
Finger). — A'arrcn -Finger — Mittelfinger (s. d.).
— Ohl Finger (ahd or ringer, Graff I, 159) = der
kleine Finger, weil man mit ihm im ülne kra-
belt, wo er die geheimsten Dinge erfahrt und
dann als Digitus linguosus (». kleiner Finger) sie
ausplaudert (Wu»unann HS; [l'nurienlalrel digitus
nnricuJort* proeo quod eo anreni scalpirau*, Im fange
Ut, n: . earflnger). — (1MJJ an^-Finger Had Jun.)
■ der Kingfinger *s. d.) mit dem man prangt
(Hyrtl, K.w. i2i). — Pn/a-Finger der den Puls
fühlende Arztfinger (Gr. w. vii. 2214). - (1581) rane
Finger - magere Finger (Gr. w. ni,i662). — Ring-
{Heif) Finger (dBn. , engl., sehwed. ringflnger) -
Goldfinger (s.d.), Ilerzlingerfa. tL), Jungfernlin-
ger (s. d.), I.axner(s. d ), Prangfinger (s. d.), unge-
nannte Finger 's. d.). Von diesem Digitus anularis
sollte (1578, Gr. W. VIII, 1010) eine besondere Ader direkt
zum Herzen gehen ; daher sollte «iold nnd Edelstein an
dieser Stelle ein besonder» kraftiger, t nheil abwehr-
ender Talisman sein fs. Herafinger). den man als vin-
gerltn (Flngerleiu) am Kinger trug (Schneller 1, 731).
— Saturn-Finger — (in der Chiromantie) der
Mittelfinger (Hyrtl, K. w. ise). — ScAam-Finger--
Digitus impudicus (s. Mittelfinger, Spottfinger).
— Scha nd- Finger = Digitus impudicus (s. Mit-
teltinger, Spotitinger). — schnellender Finger-^
eine eigentliche Bewegungshemmung der Mnger,
bei der der Finger willkürlich weder vollständig
gebeugt noch vollständiggeatreckt werden kann
und wenn ad maximum gebeugt oder gestreckt,
wie eine losgelassene Spannfeder in die frühere
Stellung zurück schnellt (engl, »napplng flnger.
I.ehf. :i" ; well der Finger nnter Geransch wieder ein-
schnappt , Med, chir Uundsch. 1875. 8. 571; Deutsch.
Z.ifchr. f. pract. Med. 1875. No. 7 H. 8). — Sechs-
flnger = Bilfinger 1. 2. (Kleinp. d. Mittelalter C06).
— Schwör-, Schwur Finger = der zum Schwüre
auf ein Kultobjekt gelegte oder zum Himmel
gereckte Zeigefinger (s. d. ; abgelegter oder ge-
reckter Eid) (Rochholz I, 213; F. Dahn. d. G. I, 214).
— Sormcn-Finger - (in der Chiromantie) der
Ringfinger, Digitus annularis, wegen des kreis-
runden Ringes (Hyrtl, K. w, 186). Spite-Finger
= Zeigefinger, der kurzsichtige o. verschmäeh-
tigte Finger (Hyrtl, k. w. 186). — Spott-Finger
= Schandfinger, Mittelfinger, Digitus impudicus
(Hyrtl, K. W. 146), der Schand und Spott verdient
>. Jud). — (1749) Stab Finger ■ der elfte Fin-
ijer, Penis s. Virga virilis; >ub = Penis, so nackt
wie der Stahhnger (Zeltschr. f. d. PhUol. XXVI.
252.) — starker Finger -ein bei Zabnsch merzen
durch Berührung des Zahnes heilkräft. Finger,
entsprechend dem Laxner (s. d.) u. ungenann-
ten Finger (Goldschm. 124). — Trommelschlegel-
Finger — die Ptnger, deren Kuppen tromm«*)-
schlegelartig verdickt sind (ost«4« arthropathiepneu-
nilque [Marie] ; »chwed Tromraelstick -fingn ), Fhthisifl-
Zelehen (Sehmidt Jahrb. 192. Bd. S. 176j. — unnllklein-
ster Finger ~ der nicht allerkleinste, sondern
der dem kleinsten Finger am nächsten gestellte
Finger »Kingfinger (Tirol fllntner 7. 17). — (1477)
ungenannte Finger [Ortolpb UM; Gr. W. III. 1652)
b der 4. Finger.auch der lahhi («■ Arzt), d. h. der
zu Besprechungen, zur Besaubcrung durch das
Heil-Wort bentttzte Ked-Finger, durch dessen
Auflegen die Zauberei entweichen sollte, den
man daher, wie alle zauberhaften Dinge (s. Un-
genannt) nicht einmal aussprechen sollte (s.
Laxner) (Gr.w. in, 1651. 1652). — Vor der) -Finger,
1. -(1684 fordere Fluger [Steiermark;, Zeit-ehr. .I.V. f
V.-K. 1896.2S4,. das vorderste Endglied der Finger,
Fingerspitzen. — 2. = der die Frauen vorauu
grüssendeZeige-Finger, Weiser, Kedfinger (L. ch.
42; en?l foreflnger). — (1507J Weist Finger — (wytM
ling.r index, D. 294; ndl. wiji viuger, V K. II, 138,
KP
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148
Finne.
Finstere.
Hyrtl. K. Vi. 18«), Digitus index = Zeigefinger, der
hinweist = Deuter (s. d ). — Welfen-Tinger =
der mit Scbwielenkurv. ii charakteristisch ge-
zeichnete Daumen, mit dem die Weifen siegelten
(Daumen- Veste) „in Ermangelung eines Dienst-
siegels", Maclittinger, den mau aufs Auge setzt.
— (13W) der wenigere) Finger = der kleine Fin-
ger (Schmellerl, 922). — Woda »«-Finger = Daumen
(s. d.), angeblich weil Wodan auch Gott des
Spieles und der Diebe war (Slmrock, H. D. M. 179) ;
die greifende Spanne der Hand heisst auch Wo-
dans-Spanne (s. d.); der Daumen eines gehäng-
ten Diebes ist auch ein Glücks- Amulett; ausser-
dem war Wodan Heil- u. Zauberkünstler, sowie
Stammvater aller angelsächsischen Könige,
deren Königshand (s. d.) die Kröpfe heilen
konnte (Ooith. 299). — (M*) %cü»te Finger (Zen
Voc.) = Digitus impudicus - Spott-. Schand-,
Scham-, Mittelfinger (s.d.). — U628) Zeige Finger
= Weisefinger (s. d.) (aha. zelgarl ; IM Zeigefinger,
H. v. Gered. ; dan. pcge-; seh wed. pekflnger), der Zei-
chen gibt; man »treckte hon In frühen Zelten dte
beiden (Daumen und Zelge-)Finger zuin Zeichen de*
Schwüre« auf, ohne ein Heiltum zu berühren; (ahd.
lekarl), Butter-Lecker, Topf-Lecker, Suppen-
Schlecker (Hlntner 7. 17), Leck-Männchen; Knei-
per (Schwaben). — zweite Finger — Zeigefinger
(Leg. Bajuw. m, 12). — Finger-ZfrucA, -Entzün-
dung, -Geschwür, ■ Gleich, - Glied, -Knöchel, -Knoten,
-Kork, -Kuppe, -Lohn, -Plage, -Spitze, -SucJit,
- Wurm.
Finne, f Pinne (schw. 199;, Ffinne, Fenne
(Schw. 199; Lehnwort au« [lat.] pcnna, plnna Fetler
[und die Uansestoppeln, die auf der Haut zurückbleiben,
!>. Rupfen und Gänsedniscn], Heyne Ii, 917 , golh. pln ,
mhd. vlnne, pftnne, Kluge 107 . 12. — 14. Jahrh. pfenhe
Halsdrüsen-Gcschwulst, II off in I, 386; 1482 pfynne.
Zeniug. Voc. y 7. 8. = stinkende«, [finnige*] Fleisch,
dessen weisse Knotehen [Finnen Blasen] verglichen
wurden mit den Gan.»e-Hautnnnen , 1".. Jahrh. vynno,
llnne — ordeolu«, D. MV; 1111 flnne = flaeeor; Mi"
pfinne au eline swlu, D. 237; 1517 pflnncn — furfure»
carninm, D. 253; 1731 pflnncn —Schweinefinnen, A. M.
31; Finnen = lentlgo. D. 324; [akne, comedonea, tuber,
scrofula] ■ knotehen-, Btoppel förmiger Haut-Ausschlag,
Kluge 107; Goldscbu. 135 ; Schmellerl, 722; schwed.
tinne = Schwetnsfinne; engl, pimple fln. Kaltsehm. II
152) = Gänsestoppeln ähnliches Knötchen, 1. =
Hautfinne, Akne (Jonthns. Varus, Papulae; 1776.
Plcnk; Bacchla [= Saufbrüdcrl, s. d .1, yot/.aCou =
Hagelkorn, Oerstcnkorn. [Hordeolum], Coxus. Cossus
[Wurm, eoccus], Grutum [Grütze], Milium der alteren
Autoren. Comedones (Mitessers, d.], Syrones [s. Sürtg-
keit], Mentagra [llartflntie], les buuton», bourgeons der
l'ranzosen, Puisten [Pustel] der Hollander, Venusblütn
rhen , Venusfolatterehen , Venusknutchen , Blümchen,
Pocken, A. v. H. I, 830; Kehrend 69; Blattern, Sellin.
I, 722; (iesichtsblattera, lir. W. III, 16G">; Hoppen [s. d.),
Uansc-Bupfen, fliesen (s. d.]). — 2. — die mit den
•Syphilis- unu Kolzknoten verglichenen Finnen-
knütchen im Schwein fleische (finniges o. Fran-
zosen-FlelBch s. d.) (Schw. 199) , die Cestoiden-
Blasen (Cossns, Cossis [Vegetli], In Ladrerie [Uttrt1!
morbus, ab Italia grandinc appellatus oui instar gra
ininls pullulat; 1250 porcus gramiguosum vel guastum,
Du fange VI, 416; 1646 Annen - grandines, Coler ; Schw.
■m) (Schweinefinnen, Judenfleisch, s. Fleisch) ;
diese im Körper der Haussäugetiere seit uralter
Zeit bekannten Finnen- oder Quesen-Bläschen,
die den Scolex des Blasenwurmes (Cysticercus)
o. des späteren Bandwurms bergen, sind wohl zu-
erst mit den Hautstoppeln der gerupften Gänse-
haut (s. o.) verglichen worden ; daher auch Fick
\ (s. d.) a) = Fischfinne ; b) Hautwurm ; c) Gänse-
zipfoderPips. — 3. = Speicheldrüsen- Anschwel-
lung bei Pferden (s. Schweinsflnnen 2\ — 4. —
Im Norwegischen sind Finnen = Elben (Liehrecbt
«. Volksk. 330) s. Finnenball; vielleicht sah man
die parasitischen Finnen als die G estalt elbischer
1 Dämonen an. — 5 = die Tuberkel (Knötchen,
Finnen) bildende Perlsucht (Franzosen) beim
Kindvieh (Falke 1, 284). — 6. — niemals sind die
Finnen ein Geschwür (H. raul 141). — (1744) An-
gesichts-Tinnen^ Vari (= Akne). - (imö) Augen-
Finnen — Gerstenkurn, durch mitzehrende W fl r
mer veranlasst angenommen (Ootar H. A. 113). —
Bart Finnen. 1 = BartnVrhte (s. d), Sycosis pa-
rasitiert (Behrend 4«; Eichhorn II, 268;. — 2. = Akne
mentagra. — (1744) Blut Finnen = Pustulae san-
guineae, „wenn sie sich zur Genüge sammeln,
können sie die Miselsucht ( = Lepra) erwecken"
(Zw. 376). — (1776) Eiter-Timxe = Pustulae (Plenk),
Eiterblnlter (ur. W. III, 392). die eiternde Akne
(Behrend 5). — Haut-Tinne - Akne, Varus, zum
Unterschied von Drüsenünnen (Eichhorst II, 26*).
— Ä"«p/fr-Finne = Acne rosacea, wegen der
kupferroten Uautknötchen (Behrend 60). — ■Bin-
der-Finne, L = der Blasenwurm od. die Wurm-
blase (Cysticercus bovis), zu der sich das Band-
wurmei (Taenia mediocanellata) entwickelt
(Blasenfinne). — 2. = die Perlsucht als finnen-
ähnliche Knötchenbildung (Franzosen). — (1594,
1686) Sau-Finne s. Schweinsfinne (Gr. \v. viu,
18M) ~ (ieM) Iöi«/^ [ Füme = Baccnitt C^'nne)
= Sauf brüderl = Akne potatorum (Behrend 3) ;
die Akne = Finne im Angesichte der unmäs6ij£
Trinkenden ;Gr. w. vm, 1484). — schief eriqe Finne
- abschilfernde Akneknötchen. — Schiceins-
Finnen, 1. = die entozoische, eigentliche Fin-
nenkrankheit der Schweine = Cysticercus cel-
1 lulosae, Wurmblase, zu der sich das Band-
wurmei (Taenia solium) ausbildet (i^euckart 47 ,
Bmi ! ticr. Paras. 178), — 2. = die Anschwel-
lung (Scrofulai der Speichel- oder Unterkiefer-
Drüsen bei Pferden (Schnuller I, 17S1) = Nifel 5,
Feifei, Fifel, FeicheK" dessen Drüsenkörner mit
Schweinsfinnen (1) Ähnlichkeit haben sollen und
mit der Scrofula (sus scrofa = Schwein) in Be-
ziehungstehen. — finnig (pfinnig finnicht(mnd.
lynlg- mneidus. nllginosns, r.loss. Sax. ; Du Cange I,
189; 1343 flnneht, Schindler I, 722, 1420 fynnig van den
gemecht = inguinartus, 1). 298; 1482 pfynnlg, pfennlg
franeus — Franzosen, D. 246; 15. Jahrh. Önnyck, vyn-
narhtich - raneldus, D. IM; farclnosus, D.225; [g. Rotz-
wurml), L = mit Finnen oder Franzosen besetzt
(Zeulng. Voc. >• 7). — 2. = wie mit Finnen durch-
I setzt, schleimig, rotzig; auch Ekzema humiduni.
' — finnig (e,«) (Finnen ) Ball, -Fleisch, -Gesicht,
-Krankheit, - Wurm.
Finstere, f. ( = Dämmerangsdüster, dunkel. Kluge,
107, Wurzel them, nhd. dinstar, durch Verschiebung
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fipern— Fiat«!
Fiz— Flach«.
149
nustar). — Augen- Finstere [MM äugen finstrin,
Zenlng Voc ; 1491 finstere der Aug«n) = dunkles
Sehfeld der Augen (Tabernaein. 92 H = Scotomia,
Ohnmacht, Schwindel (Schwindung).
fipern (fippern, flbern) (nach dem l«t vlbrare,
zittern). — die Augenlider fipern - Nystagmus.
— die Lippen fipern = labiis treraere [Gr. W.
III, 1671).
Fi« s Furz, Farz.
Fisch, m. — /-n /. Fisch = der kleine, unaus-
Kewachsene, Mos» zum Racken geeignete Fisch al» Bild
für ein halbwüchsiges Mädchen (Schräder 476).
Cht da« Backen der Menschen s. Altweibermühle;
(8. auch Fise, Fosch. — Fisch- Kopf.
Fischlein b. Fistel,
fischpeln - lispeln.
Fisel (Pfisel), m. - Zunipf, Zers, Fasel («. d.),
Zise! ; fsu ahd. rUlson = callere [erectione], vorstehen
<lurch Schwellung, 0. 90; 1182, mhd viselln - priapus,
Zenlng \'oc. pp *; Maul — muto, rast rat im. D. 374),
1 - Penis ']<•> Menschen (Schwaben, Bayern),
Mentula (Schindler I. 768). — 2 = Membrum s.
Nervus bovinus beim Stiere (Ochsenßsel) (Schm.
I, 76«; Falk.- I, 2*5. Hyrtl, K. W. 171), Penicillus. —
3. = Kastrat. — Fisel- Ha ir, -Haupt.
Fiss, (Föss) ». Foss.
Fissel (Fistel) 8. Fessel u. Fistel,
fist »■ feist.
Fi st, m. (Feist, Fiz, feisten, fisten) (gem.-
indogerm. pezdl = pedere; altnonl. fi*a, Heyne, II,
921; geiu. genn. fiatl, Kluge*, 10S; ahd. flstas; mhd.
nwn, vist, flrt ■ ventus, tacitui, bombus, Gr. W. I1J.
11«; D. 417 s fei«; 1429 Baten, felsen = pedere. Schm.
1,777; bom»jis«re[14*2] veysten, »-eisten = (ar/en. pedere,
Zcning. Voc. hh 4; hh 8); den Naturlaut: fffst (?)
ertönen lassen. — fix, fist, Feist = Ventus taci-
tllS, Flatus (Buck 17; Gr W. III , 144,:., engl, rUz,
tele. Kaltschm. 1). - J Fist (8. Papst);
'1398 bubenftst, Klug.-*. 4«, ndd p..fl*t. 1761 bewiest,
cn>pitn« lupl. L. ch. 22).
Fistel, f., iu. (Fischöl, Fischlein, Fissel,
Pi stein, Fisslen), eigentliche Bedeutung 1. =
„ein in Kohren oder hohlen Gängen tiefgehen-
des Geschwür", Ulcus angustum, callosum et
»innosum (Du Cange ni, 51«) - Kohrloch im Kör-
per; ferner 2. = Fistelstimme (s. d.); (aus dem
lat. fistula. ahd. fiatul; mhd. fUtel, Klug.- 106 = „ein ;
liieasender, rinnender Schaden"; mnd. de flstelen,
Mag. BarthoL 97a; 14. Jahrh. Vissel = ftstula, Voc.
opt Vi. U, 15. Jahrh. vlstel = vistula Untirmita»!,
1> 611; 1521 flstel = fistula morbus, D. 237; 1628 „ein
hohler Schaden, auswendig eng und inwendig weit
und tief gleich als ein Pfeift"', Fries 139; 1>48 der
FUtel, Ruland; 1576 Fistel = Noli me tangere Paracet«!
[Ruhr mich nicht an, s. d), ein Geschwür, syriux,
Theophrast. Bod. , Kossm. 34). — «las Fischlin (Schm.
I, 771 ss nstelin, Fistel, Krcb*. Bcyn. 29»). — Ader-
od. A rtVWoss-Fistel = eine nach dem Aderlass
beim Pferde zurückbleibende lange und tief
eiternde wunde Stelle {Mavcr 76; Zipp. 40ü). —
,1754) Anch- (Artchdarm-, After-) Fistel - Mast-
darmfiatel fA v H. ll, 73«), die am anus sich
Offuet. — (1744) /iMjm-Fistel = ThränenÜBtel
= Thränen-Nasen-Kanal-Fistel) (Zw. 212), „ein
iessend oder eiterrinnendes Hohlgeschwär deB
ThränensackB in dem innern Augenwinkel". —
/-Mi - ken -Fistel = ParuliB, ZahnfiBtel vom Backen-
zahn ausgebend. - j%ue»-Fistel — Harnblasen-
listel, Urinnstel. — (1875) Brust - Fistel , 1. =
Empyem-Fistel, die in die Brusthöhle gebt —
2. = Brustdrüsen-Eitergang (Müller. Krtrbcb. 3S8).
— Darm -Fistel, 1. = Mastdarmfistel (b. Arsch-
Östel. —2 = Kotfistel (a. u ). — (1801) Oe/äss-
Fistel = eine aus vereiternden Blutgefässen
(Hämorrhoiden) sich entwickelnde AAer- oder
.Mastdarmfistel (Bell III, 382; Vogel V). — (1576)
Öf/räs#-Fistel = Lupus (= Noli me längere) =
Formica morbus (Theophr. Bod.) (s. Rühr mich
nicht an), „fangt an W der Nase ein kleines Rülleln
(rotes Borkenknölchen), so man es kraut, so seyflert
es" 0- cod.); (vergl. Gefräss). — flam-Fistel -
Hohlgescbwür, aus dem sich Harn entleert. —
Hinterdarm Tistel - Mastdarmfistel. — Knorpel-
Fistel s. Kronenfiatel. — ATof-Fistel = Darm-
fistel mit Kot-Entleerung. — JTrofi(«m)Fistel -
ein aus der Tiefe eiterndes Fistelgeschwür an
der Krone des Pferdes, das am Hufsaume
durchbricht und kleine Knorpelstückchen ent-
leert (Wurm, Kronwurm, Hornwurm) (Meyer 116;
Zlpp. 441 ; Gr. W IV. 2. 1833 ; V. 23S8). — (IMS) Lungen-
Fistulen (Fries 87) = Empyeni -Fisteln (?) (Brust-
fistel 1). — 3f<wr<fa>-»M-Fisteln = Fistelgeschwüre
am Mastdarm (8teissfistel). — Nacken -Fistel -
die in der Tiefe nach aussen eiternde Genick-
beule oder Maulwurfs-Geschwulst beim Pferde
(Zipp. 59Sj. — Nayil- Fistel — unterwaebsener
Nagel (b. d.). — (1752) SU is * Fistel — Mastdarm-
fistel (A. v H. Ii, S36). — (1783) TVa/wn-Fistel -
ein FistelgeBchwür am Thränenkanal (Platner
Ii, 102,1. — Za/in-Fistel = die von der kranken
Zahnwurzel ausgehende, am Backenbein sich
Öffnende Fistel. — Fistel- Gang, -Schäden,
-Stimme.
Fiz, Fitzlein s. Fist. - Fitzlein - Feistlein,
b. FeiBt.
Flabbe, f (142. , sächsisch) = grosses Maul,
Hange- Maul, Ob oris (l> 402; Gr. w. vi. 4) (Plappe,
s. d.), Flappe.
flach. — Flach- Fuss, -natig; (s. Flag).
Flachs, m. (Flachse, F, Flachse. Flochsen
[I ngurnJ (1609 Flachs uervus, Hyrtl, K W. 19. MM
Flach« = nerrus, Gr. W. III. 1707) — Flechse, Gr. W.
III, 1792 ss Flachs-Ader, Sehne (Scbw. 203], Spannader,
vergl. Flechse) = „Chorda, Tendo, Nervus (Sehne),
weil die Sehne (Chorda) zähe und fest wie
Flachs ist, gleichsam aus Flachs geflochten"
C'ir. W. III, 1701). Der Flachs (linum) at.er hat erst
von den Flachs-Adern, Flachsen, seinen Namen erhalten,
al* man vom Zusammendrehen d Flechsen zu Schnuren
(Garn, s. d ) nberjrin»; «um Zusammendrehen der Ge-
spinstfasern (Gr. w. iv, i. i3<;s fr.). — Flochsen
•>. Ethnol. MItt au» I'ngarn 1893, 8. 1«V3> - Fliichsen.
— die Flachsen sind verzogen - Subluzatiu
mit Dehnung der Sehnen (Pauli 117). — Flachs-,
Flächs-, flächsigte Adern, -Baltam, -Beinchrn,
-Geäder, -Maier
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160 Flack— Flammen.
Üaudelu— Fiat.
Flack, f. ,iow, v. m. i. 36) s. Flag.
Flade(ü), BD. (vorgerm. platan [ = Flaches]; ahd.
Hatto — Opterkuchcn; inhd. vlade. engl. Hat cake,
Kluse4, 109 = dacher, düuner Kuchen) — Mutter-
kuchen (». d), Placenta (Hyrtl, K. W. 2(M; Gr. W.
Iii, 1707). — AW« -Fladen (Pflatter), Ephelidee,
Sommersprossen (Birlinger I, 198. [312], Huck .Vi;.
(8. Pflätter).
Flächse a. Flachs u. Flecliae.
Flähme (flammen) ». Flamm.
Flammen (Flämmle) a. Flammen.
Flappe, f. h. Flappe, Flabbe.
Harren (Flärr) 8. flarren.
flärtechen(flart8chenKschweUj = durch Trief-
augen (Haren, s. d.) undeutlich sehen (Gr. w.
II, 106).
Flät, m. (und.) ^ Flu« (■. d ). - Flätern -
ein leicht vorübergehendes lokales Leiden,
durch schlechten Säftezusammenfluss entstan-
den angenommen. — flätrig — flüssig (s. d.J
(Goldschm. 1« 122).
Flag, f. (flach, Flack) - ein Teil am Vorder-
fuss des Pferdes; vielleicht = (lach im Gegen-
satze tum (gebogenen) Bug (Gr w. III, 1709),
oder weil es sich beim Niederlegen, rur „Flack"
(Scbmeller i, 35; v. M. I, :. ) darauf zuerst nieder-
licst.
Flage, f. b. Plage.
Flamm(e) (Flämmen), 1. Uppen, Haut-
lappen, speck- u. Fettlappen; ixt9) Netzlappen
bei Tieren u. Wildpret (Gr. w. m, 1714), nament-
lich in der fettreicheren Flanke (Weiche, DOnne,
DOnnung) (Schw. 202; Falke 1,285); dazu: (1677,
/frrz-FUmmlein = die 3spitzigen Klappen-
zipfel am Herzen (Hyrtl, K. W. so). — 2. — flammen
(1569; H. Sachs; Beb. I, 791), Schleimbatzen, die
aufgeworfen werden wie Lappen (Flammen).
Flammen, f., pL (Flämmen, Flämmle) (uihd.
flamme ans (dem lat.] Humum, Kluge 109 — lodernde»
Feuer) — am Korper dasjenige Leiden, welche«
<lurch die abstechende Farbe der rot strahlen-
den, flammenden Blutgefässe von seiner Um-
gebung sich unterscheidet, namentlich: a) im
glänzenderen Auge, s. Augenflammen (Hucki3;;
1») die dünne, zarte, schleierartige l'ia mater,
die überreich an zarten, fnrbiiren Blutgefäss-
strablen ist (1541 Memlin, Hyrtl, K. YV. I»); c) die
auflaufenden Adern des Kuh-Euters, die als
blutrote Strahlen (Striemen und Striche) ein
Zeichen der Milchfülle sind (Gr. W". III, 17M),
(Derglassen, a. d.); d) die blutrote, gefäss-
reiche Haut an den Augen des Auerhahns
(Gr. W. III, 1711, Heyne II, 926/. — Au;< -Flammen
(1561 die in äugen gcwaeli«. 11. Hemmen, Hook; 1578
flohmtr und (eil der augeu, Taben». , 1". Jubrh. gewach-
sene lloemmeti der äugen, t.onire rus ; Augen ttemrale,
Huck 38 — panniculuK, (ir. W. III, 1712) — der mit
lebhafter oberflächlicher Gefflssetilwickelung
(roten Strahlen) einhergehende Pannus (-Lap-
pen) im Auge, wobei sich die geschwellten
Venen wie die Venen am Handrücken über
das Niveau erheben (Arle 32). — die weissen
Flammen in oder vor dem Auge bilden den
schlüsslichen Gegensatz zu den eigentlichen
(roten) primären Flammen, die dann in eine
ins Grauliche apielende Bindegewebsbildung
sich verwandelt haben.
Handeln (xu (leimen = tlere, plorare, Gr. W. III,
1723, Schw. 200; ahd. flanneu. — .4 u ;■ n-Flandl
Wimpern am Auge, die hin und her geflandert
werden (Schindler 1, 792) s. dänischen, flentschen
Flanke(n), f. (17. Jahrb. aus dem (ranz, flaue.
Uan-iue, das aber selbst aus dem ahd. hlanea = Seite
[». l.nnke] stammt, Kluge • 109; engl, fl&nck m das
Mittelstück eines Schlachttieres, I.ehl. 174, Kaltschm.
I, 244) — die beiden seitlichen, zwischen Lippe
und Hflfte befindlichen Bauchweichen (Hyrtl,
Auat. inj (conf. Lanken und Dünnung); die
Weichen fa. d ) sind die medianwärta gelegenen
Flankenteile. — hohle Flanken — „das Hohl-
sein des Raumes zwischen der letzten Kippe
und dem Hüftbeine" (Gr. w. IV, 2. 1714). —
Flanken Bruch, -Fuge, leicht, -schlagen, -Span-
nung, -ziehen.
Flanschend (Flenschen.Flans.m. Flunsch,
Flensel) [mhd. vlans, Fareival II, 1629; Lcxer 34.>.
vlensel, vlanselj s der breite, offene od. verzerrte
Mund (Schindler I, 749; Schw. 205) ; dazu : pflienslen,
pflänslen (e. d.).
Flappe, f (engl, flan — Luppen, bellt 174, und
Mundlüule, Kaltschm. I, 244; s. Flabbe und Flappe,
Schw. 201) = das (bei Mundkatarrhen) herab-
hängende Maul. — Z)ros«7-Flappe (engl, throat
flap, Kaltschm.) — Kehldeckel u. das in der Drossel
herabhängende Zäpfchen. — I >Ai -Flappe (engl
earflap) - Ohrlappen (I.ehf. 82J. — Flapp- Ohr
Flargen, f. = zäher Schleim (= Piergen), bei
dessen Auswurf eine Flarre (s. d.) gemacht
wird, um ihn aus dem Munde zu bringen oder
der bei der Plerge (s. d.) abfliesst
flarren, Flarr, f. Flarre, f. Flarren, Flärr, f.
Flerre, Pierre, Plarre, Piergen (ahd. flarr*,
ttarriä, Hera . flarift; mhd. vlarrc, vlerre, (ir. W. III,
1724; Lezer 345), 1. das Geplan, Hiatus oris,
Blerre, Blarre, Plärre; „f und b, p wechseln
oft" (ür. W. III, 1721); ein Lippen-Maul (Schm. I.794J
= (ioschen, Heulmaul (c. v. Sehm. 190). — 2. -
Vulnus grave patens, eine wie ein verzerrtes
Maul weit offen stehende Wunde (Gr. W. III,
1724. 1770; 1618 vulnns amplum, Schindler I, 794). —
3. klänge, breite und unförmliche Narben und
noch entzündete Stellen von Schnitt- oder
Hiebwunden (Gr. W. III, 1724), namentlich wenn
sie im Geeicht sind und das Antlitz verzerren
(C. v. Schm. 19",), Area, Areola (Sehmeiler. 1. c
(-Rhagade*? s. auch Plerge). — Harren-
pissen aus der Flarre (1) = (vulva, die oft mit
i Maul verglichen wird. .Schm. I, 794) (beim Vieh). —
[18. Jahrh.) Flarr- Augen; (vergl. Blärr, Blerr,
Geplerr).
Flasche, f. (goth. Hasse« ; uhd. Hasca; mhd. vlascbe.
,,elu (ruh unter den Germanen heimisches Wort , da«
derKiit.Mehuag aus [dem lat.] vasculum verdachtig ist".
Kluge4, icw, — (1594) MiWiFlasche = weibliche,
milchhaltende Brnnt (Or. W, VI, 2192).
Fiat (flatig) igoth. tled, ahd. UAt — Sehnubeit,
I Kluge*. JSÖ). — J/'flat (ndl. utlaal. V. K. VI. 91) ■
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Um— Flachte.
Flechte.
IM
'".nflat, III f. n. (mhil. nnvlat; 1404 unvlode — Aus
wurf. Kersch 177; Gr. W. III, u>s) - Unredlich-
keit, Schmutz, 8qualor, 1. = die vom Kranken
in den inneren Organen gekochte „Sauerei"
(s. d.) (Buck 22) = Auswurfsstoffe, Unrat, Speichel,
Halle, Rotz, Ohrenschmalz, Schweiss, Darmkot,
Darmachleim. — 2. — Coutagiurn (mn«l. untladi-
cheyt. It. Z XVII, »8; 13. Juhrh. unrlat =- livor, fest-
ster, D. 334). — 3. - (1482) die Tobsucht (Zening.,
Voc. q q 5), d. h. bei fieberhafter, ansteckender
Krankheit, Delirium febrile. — 4. ~ (1783) das
Meconium des Kindes (Heidenkot) (Mattier Ii, 483).
— salziger I ' i, fl.it = salzig schmeckendes Sekret.
iSalzfluss). — schwefeliger f xflat - schwefel-
gelbe Galle, die entleert wird (J. Hoffru. VH, 70).
- flatiges Blut
flau. Flaute, f. (ndl.) flauw - matt, ohnmäch-
tig; (1762. zu germ tau. Kluge», 109). — Flaute ■
0|Minmcht(Oldenbg.,Goldschm.49; ndl. appelflauwte.
V.-K. IV, 40) = A poplexiü (unter Anlehnung an ,.flan "
aus letzteren» gebildet).
Flausen, p). s. Pflausen.
Flaxe, f. Flaxen, f. s. Flachse (noeh voiks-
ublidi in Bayern und Österreich).
Flech, Fleche s. Flechte.
Flechse, f. — Sehne (nach Kluge5, 110 vom [tat ]
flexus, durch die Medizinschulen leicht verbrettet bei
Anlehnung an Flachs-Ader; 17. Jahrh. „weisse, zHhc,
au» Zasern bestehende Adern der Muskeln", Adelung;
llyrü, K. W. 4») = Nervus, Tendo (Gr. w. III, 1738);
vergl. auch Flachse, Haarwachs, Nerv, Sehne,
Ader. — Fersen-Flechse = Achillessehne, Tendo
Achillis (Fersensehne) (A. v. II. II, l»). — ge-
drosselte Flechse -eine in ihrem Verlaufe durch
zu grosse Sehnenbeinchen (Ossa seaamoidea
oder Flögelbein) gedrückte Sehne, die dadurch
nicht freibewejjlich ist (bei Pferden) (Mayer 37).
- Flechsen- Haut, -Sprung, -Stricke.
Flechte(n), f., pl. Geflecht, Flechten, pl., n.
Flechtem, Flicht, Fleche (Goidschm. tu; Sclmel
ler I, 786; lndugerm. piek [tc'/.ixuj]; vorgi'rm. piekt,
gertn. tteht; ahd. tlOhlan , tubd. vlehteu, Kluge», 110,
ahd. fleht* = Hautkrankheit; mlid. Hechte, vlehte,
«;.*. W. III, 173*; Schweiler 1. 7H6; ruhd. daz flehten,
Gr W. L c. ; 1« Jahrh. flechtern, Schweiler L c. ; cigent
lieh ^= Flechtendes o. Geflochtenes(»cll Haar] ; IL Jahrh.
flechtinde [seil, rüda), flechtende Bände, welche nach
altem Volksglauben durch Vermittelung der Klhen,
[Zwerge, Maren, Wichllelu] ilie' Haare zu Flechten zu-
sammenklebt ~ cryslpelas ; = Dermatitis eczematosa,
die uft mit Keilnut verwechselt wird, die aber auch zu
H.jtlaul »ich stehjern kann;; II Z. III, 368), I. diese
häutige Kopfflechte (Grintflechle; Ekzema
madidans capillitii, Tinea (la teigne) = tuenia
(Warm] (Vciel, Z Hdb. d. sp I'ath. u. Ther. XIV, 1.
367; Bris». 326} oder krankhafte, menschliche
Haarflechte (nicht aber die pflanzliche Flechte,
b Geflecht) gab Veranlassung, dass der Name
„Flechten" verallgemeinert. wurdeaufoineReihe
von Hautkrankheiten, über deren Namensbe-
Kritfe man bis auf die Neuzeit nicht einig wurde;
a) H776) Herpos (Plenk), Herpes humidus (A. v.
II. I, 78S, Behieud ls3». S. ö. M) ; b) der Herpes der
Alten Kkzema) ; c) Serpens, Serpigo, Forinica
(corrosiva) der spat mittelalterlichen Autoren
1 (1528 serpigo, H. v. oersd. 100; pnstulae serpiginosae) ,
d) Impetigo, „Liehen", Mentagra (A. v. H. II. 1026) ;
e) Zona, Zoster; f) sogar Ignis sacer, persiens
(A. v. H. I, 787. 819. 891; II, 903. 102Ö; Bchrend 36,
' Goldschm. 134 ; Gr. Vi. Hl, 173s,. — II. a) ein Geflecht
von Gew ebs fasern, Nerven, Adern, Haaren ;
h) flechtend = ausbreitend, epidemisch. — Ge-
genwärtig versteht man unter Flechte jeden
chronischen Hautausschlag. Charakteristikum
aller dieser„Flechten" ist ihr nahezu auschliees-
liches Vorkommen beim Menschen, da nur
I dessen Haare geflochten werden , ihre kriech-
[ ende, herpetifortne Ausdehnungsneigung (Schw.
204), ihre Vorliebe für die behaarten (Flechten)-
Stellen (selbstverständlich nichtausschliesslich)
und ihr geringer Juckreiz (der bei Kratze, Kaudc,
Jucken, ßeiss mehr ausgesprochen ist, da diese auch
auf den nicht behaarten reizbareren HauUtellen sich
entwickeln). „Das Mittel zwischen Aussatz und
gemeiner Kratze" bildete die Schuppenflechte,
Psoriasis (A. v. B. I. um); (vergl. Grint, Krätze,
Aussatz). Ihm Alter des Krankhelts-Nnmcns ergibt
sich aus den vielen Beschwörungsformeln (Wuttke 162.
317; Zeltschr. d. V. f. V. K. 1896, S. 7; rrnuell IV. 278;
Frischt». '.17) und ans seinem Regriffe, der das damo-
nistische Werk des Flechten« von Haaren wiedergibt
(*. Geflecht). — (17S3) aderichtc Flechte = „ein
feines aderichtes Gespinst von Schlag- und
Blutadern" (LereUog 190), Sinus cavernosus. —
Alpen-Tlecht6 — die Pellagra (pella = Haut uud
agrn s« Schmerz), die seit 1770 in den nord-
italienischen subalpinen Gegenden einheimisch
und bekannt ist (Alpen-Skorbut) und eine Ähn-
lichkeit mit I.epra hat (mal roaso, mal de sole,
mal de la rosa), durch den Gennss verdorbener
GereaJien (Mals, nach l.ombroso) erworben wird
(mal de mlsere, Briaa. in) und eine Abart des Ergo-
tismus darstellt, wobei au den dem Sonnen-
lichte ausgesetzten Hautstellen ein chronischer,
polymorpher Hautansschlag (mal de sole, mal
rosso)sich bildet (F.iohh. H. 23:»; Bchrend 58) (Lepra
italieaf?]). — Barf-Flechte = Sycosis (-Ficus,
Ficositas, Herpes fleosus [Sycosis barbae Celsl], malum
horridum barbae Pltnii, »ehrend 48) (Felgen-Grind),
eine Hautkrankheit an den .Bartstellen, welche
zur Vereiterung und Verödung der Haarbälge
(Sycosis capillitii) u. bleibender Kahlheit führt.
— B/Ä«cAf«-Flechte = ein chronischer Hautaus-
schlag in Bläschenform — Herpos (Eichhorst II,
2to) (F.kzema). — 1795) böse Flechten - Bläschen
am Schafmaul, Aphthae contag (V. B. 64). —
Bor Aren-Flechte - Herpes crustaceus, Ekzema
squamosum, Borken (s. d.) bildende chronische
Hautkrankheit — .Eiter -Flechte = Impetigo,
eiterbildender Pustelausschlag — j7rt/-Flechte
= eine Hautkrankheit (Räude) bei Pferden,
wobei die Haare ausfallen und an den kahlen
Stellen eine weissbläuliche, schmierige Fettlage
zurückbleibt. (Zipp. 3.7 Falke I, 279) — (1839)
fruchte Flechte = nässende Flechte zum Unter-
schied von der trockenen .Schuppenflechte ■
Ekzema (Bchrend 31). — Feuer- Flechte - die
auf gerötetem Grunde stehenden sogen. Schäl-
knötehen der Haut. — Flanell-Tlechte = ein
durch das Tragen von Flanellhenulen verur-
sachter Akne- Ausschlag — (1678) Franzosen-
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152
Flechte.
Flechte.
Flechte** \ = 8yPhilid (8 Kra«"°»en) Cr-
127). — fressende (Frese-) Flechte = Lupus exe-
dens (Rehrend 71; Z. Hdb. d. *p. Patb. u. Thor. XIV,
l. SM), Herpes (eathiomenus) Hippocratis (siehe
Wolf). — (1578) frische Flechte ITabera.) = wohl
die akuten Rückfälle des Ekzema chron. —
Geflecht, n., f. (152» gefleebten-^ Zitterach. ParaceN. ;
1630 geflocht = mentagra. I». 357; Impetigo, D. 289 ;
1)76 geflacht, Theophr. Rod. ; IMS die geflächt — ver-
markte Flecbtenkranklicit, Gr. W. IV, 1. 2149; 1610
geflechtig = räudig, schäbig, erligrlnllg, Paracet» ;
Gr. W. III, 721; 1620 geflaccht s Zttterach. Impetigo,
Dr. Minderer; 1721 gellecht, The«. Ran. Br. 939; 17«
Geflechten = Zlttennaler. Impetigo, liehen. Zw. 150.
1038; G'llechter s Flechten, Buck W; die Geflecht =
Ziiiracb, Gr. W. IV, L 2113); demnach 1. — die ver-
stärkte, ausgedehntere Flechtenkrankhoit (Ek-
zema diffusum). — 2. = Zitterach (s.d.; Impetigo),
1603 „der einlache Zittere", Ur. W. IV. 1. 2143) und
Psoriasis. — 3. = die Krätze, Räude der Tiere,
Schabe, Erbgrind. — Gefloch (Flochten) = Ge-
flocht, Geflecht, Flechten (MascheDb. 302); slmrock
(H. D. M. 539) meint mit Recht, das* „dieses (die
Thällgkeit des Haar- Flechten* mehr ln'/.eiohnende)
Wort auf den Glauben nn elbtsrhon Ursprung de« t'bels
Ider Flechten) abzielt"; (vergl. MarlUihten, Marlocke,
Mantopf, Alpiopl, KlfklatW', Trollenznpf, HihvUsepl,
Hexenzopf, Sehnittelzopf , Trudenzopf, Saidentost,
Ilollezopl, Weichrtl-, Wlehtelzopf etc ). — 4. — Plexus,
Ader- Geflecht, Nerven -Gellecht — Oetoürt-
krämer- Flechte = das bei Händlern, die mit
Staub hantieren, öfters vorkommende Ekzema
palmare in der Hohlhand (Pnoriasis palmarls bei
Fueh» IT, 132), nieist mit Schrnndenbildung. —
Gltitz -Flechte = eine Glatzen, glatte oder kahle
Stellen bildende, trockene Kaudeflechte am
Pferdehals (Zipperl 358; Falkel, 313) (Tonsurgrinfi
Qnitt- Flechte = Gneiss (s. d), Herpes cru-
stosus, juckender Ausschlag bei .Schafen (Falk.-
1, 345). — griechische Flechten - Impetigo l'linii)
= Liehen Graecoium (a. v. H. II, Ki2). — Haar-
Flechte (1618 harflechten — coralcnlum, P. 152) =
Bart- Flechte. — Hämorrhoidal- Flechten -
juckender Knötchen- und Bläeehen-AuBBchlag
in der Aftergegend bei den Leuten, die mit
der goldenen Ader (s. d.) behaftet sind (Köhler
n, 275). — (187.-) /faMr-Flechten = zum Unter-
schied von den Baumtlechton und Bart-Haar-
flechten, die auf der haarlosen Haut bestehende
Flechten - Krankheit (Müller, Krtthch. 326). —
2/t>«en-Flechte = Herpes miliaris, weil hirse-
korngrosse Illaschen dabei sich entwickeln -
Herpes benignus, meist mit Ekzema verwechselt
(A. v H II, 705 ff ). — //i'/r-Flechte Ekzema
acutum febrile (bei Pferden) [Ztpp. 357, Falke i,
400), Hitzbeule. — r/Twu^-Flechte Favus, Por-
rigo favosa, Impetigo mit Bildung von gelben,
honigwabenartigen Vertiefungen im Haarboden
(Favus, b. Grint) (Behreud 31. 46), Sehmutzgrint.
— Kinn - Flechte ~ Mcntagra, syphilitische,
wilde Flechte (Liehen ferus), „weil sie um das
Kinn herum anfängt mit hassliehen Schuppen
und dicken Haufen" (A. v. h I, 997 \ Roiienbaum
279 2M) — Äirien-Flechte - Pityriasis (Pauli,
Aegln.), Hautkleie, Lieben furfuraceu» (»ehrend
M. ■ ur. \v. v. lose), jeder kleienförmig abschup-
pende chronische Hautausschlag (Dermatitis
exfoliativa), Schuppenflechte (s. d.), Mehlflecbte
(s. d.). — rote Kleienflechte = Pityriasis rubra
(Eichhorst Ii). — Kohar i' Flechte s. Ringflechte
tu Kokarden- (i-oq = Hahnenabzeichen) Form
(Euch« Ii, 151). — krebsichte Flechte = Herpes
exeden» | Herpes esthiomenus) (Sobernheim 331),
Lupus exedens. — ta uchende Flechte = Lupus
(Behrcnd 71). — Muh nen Flechte — meist hart-
näckige Räude (s. Mähnengrinl) an der Pferde-
mähne (Falke I, 144); In Norwegen heistt tle tnste-
flettc - Zwerggeflecht, da« man weder abschneiden
noch entwirren soll (Llebr. it. V. 324). — Mager-
Flechte - Impetigo = die Mager (s. d.), als
trockene, magere Flechte (Gr. w. VI, 1444). —
(i7io) Marieny I n h e ( Trica incQ.
Alarireti- |
borum (Wichtelzopf oder Weichselzopf, s. d.)
(achwediich marlock), nach dem früheren Volks-
glauben vom Mar (s. d.), einem alp- od. kobold-
artigen Dämon, geflochten (Gr. W. VI, 1468; Mar-
Zopf [Geflocht, I, o.) = plien poloulca, A. v. B. I, 1140,
II. 1241, Btrllnger, Sitten X, 407; U ch. 85, Og. 5; Weese
47. 4»). — AT Af-Flechte = Liehen, wegen der
mehlartigen Abschuppung der Haut (Schwind-
flechte, Kleienflechte) (Rehrend 5i). — Narben-
Flechte = Lupus tuberculusus als eine die
zerstörte, zerfressene Haut in Narbengewebe
verwandelnde chron. Hautkrankheit. — nasse
(nässende) Flechte, n) - (1890) Ekzema als
Hautkatarrh (Z. Hdbch d. sp Path. u. Thcr. XIV,
1. 351; 1764 Herpes humldns [- Ekzema]. A. V H. I,
788); b) — auch Impetigo ff) (Behrend M) (Impe-
tigo herpetiformis). — Nerven - Geflecht = die
anatomischen Nervenbündel, die mit einem ge-
flochtenen, gestrählten Flachs (s. d.) Ähnlich-
keit haben. — pdnis(he Flechte (1747, ndl. pooi-
sehe wlecht, Og. fn Anm.) Weich Reltopf (s. d.),
Lnea aarmatica. — Pustel-Flechte ~ Impetigo,
chronische Hautkrankheit mit um sich grei-
fenden Hautbläschen, die einen eiterigen In-
halt haben. — (1843) A'.f/.iV -Flechte (eine Tau-
tologie, die aus der mangelhaften Ätiologie früherer
Epochen entspringt) kräueausschlag, der von
Tieren als flechtende Räude auf Menschen uber-
tragen wurde (Falke II, 22t). Über den rnterachied
von Rmnli
il Flechte *. bei dian
Ringel-
Flechte - Herpes circinatus (= Liehen circi-
nalus), Kingwurm [Behrend Hfl; Kalke II, 240; Fuchs
II, l">0), eine ring- oder kreisförmig sich aus-
dehnende Flechte, meist infolge von Tiycho-
phytOQ tonsurans (s. Tonsurgrint), auch kreis-
förmiges Syphilid; Herpes annulatUB (Regen-
bogenflechte, Kokardentlechte), Herpes Iris. —
(17. Jnnrh | schärft- Flechten s. Flechtenschärfe
(B, A. 542). — (18411 schceremle Flechte = Herpes
tonsurans (Tonsurgrint- s. d.), l'ilzkrankheit
durch Trychophylon tonsurans; Male teigne,
gale tignon (Bris.* r-'sj, Mcntagra Plinii (nach
Huber). — SrAi7/cr-Flechte = eine tierische Haut-
krankheit mit reichlicher Abschuppung od. Ab-
schilferung (s. d ). — im») ■SeAmu/z-Flechte -
Rupia (Behren-l 38), 1. ein syphilitischer Bor-
ken- Aubbi Ii lag, dessen an Schmutz erinnernde
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Flecken.
Flecken.
15ft
Farbe den Namen gab. — 2. - Käudetlechte
<ler Tiere (Falke U. 286). — (0889) Schuppen-
Flechte ■ P8oriaBi8 vulgaris and schuppendes
Ekzem = Kleienflechte, Mehlflechte (b. o.)
(Bohrend 55). Pityriasis, Liehen furfuraceus, Der-
matitis exfoliativa infantiura; (ist») — Psoriasis
|Z Hdb. d. ip. P»th. u. Ther. XIV, 1. m>. — Schwind-
Flechte — Liehen (1839 , Behrend 51)= Liehen pla-
nus b (Papula Celsl, Impetigo, Scabies. Mentagra,
Asperitas, Prurigo lichenodes)= Anflug, Hautinoos,
Mehlflechte, Kleienflechte, Zitterflechte, Zitter-
mal, Schwinde; hauptsächlich dürfte darunter
a) die Pityriasis versicolor der Sc h windsQch-
tigen verstanden werden, bei der sich die Haut-
flecken membranartig abbauten, und ferner b)
der Liehen planus der mit Jucken einhergeht
und z u r A bzeh r u ng (Sch winden; f Ü b rt (s. Sch w i n
den 3) ;c) eine gutartige, „rasch verschwindende"
Pferdeflechte (Räude) (Zlpp. 358; Falko II, :t06; sie
wird wegen de«,, Schwindens" besprochen, Verna!. 814).
— rote Schwindflechte = Liehen ruher (Eichhorn
II. 283). — ra&aAr-Flechte = ehron. Ekzema bei
Leuten, die viel mit Tabak manipulieren (K. a.
P, IV, 27«j). — iisi») Frißp<r-Flechte = eine(Byph.)
Hautkrankheit infolge von venerischem Tripper
(Pr. Am 1874. s. 188). — trockene Flechte = Psori-
asis, im Gegensatze zur nässenden Flechte
( = Ekzema; tKuchs II, 126; »ehrend 66). — wilde
Flechte = Kinnfleohfe (s. d., [1752] Liehen ferus,.
(a. r. H. Ii. 997>. — Zitt«r-Flechte (die alu-Hte Dif-
ferenzierung der ..Flechten" ; 1518 »ytter Hechten —
lmpeügo, 11. v Onui. 9'.i , 1.77 «IttcrmaeU Hecht Im-
l-tigo. D. 289; Had. Jnn. .183) = Kopf- o. Gesichtfl-
Hautausschlag ( = Flechte), infolge des sogen.
Zitterachs (e. d.) = Impetigo (seltener Ekzema) ;
es ist immer ein trockener, abschuppender,
hauptsächlich imGesichteo. auf behaarten Kopf-
teilen sitzender, chronischer Hautausschlag;
Behrend (51) rechnet hiezu auch den Liehen
( = Schwindflechte) — Flechten- (flechtender)-
Ausichlao, -Gr int, -Gürtel, Kräfte, -Krankheit,
-Mal, -Rande, -Schärfe, Seuche, 'Warten,
Flecken, m. (Flecklein), Fleck, m. mgi«. «e*h.
flio = albngo, albedooculorum, I».20; und liee. fleecho
- naevu» ; fleclilniu = maculac, H. Z. XV, 63, < . ruft Iii,
757; 1260 flcckcliii = dem I rin t>eigeni«ngte, ihn truli
ende, ander« färbende Hänichen, Pfeiffer x-H ; mhd.
rlecke, <ir. VV. III, 1743; 1182 Heek b raaeula, „rufe"
infaele, *enniiinurca[sonneninm'keii]. Zcniug. Voc. h >;
I». '2o, um vlecke = lue«, D. 338) — ausgezeichnete
oder sich abhebende Stelle, namentlich jede
anders gefärbte Stelle , Makel (Kluge no) , be-
sonders auf der Haut (s. Hautileckcn) u. nament-
lich der des Gesichtes (Hornhaut), die mit und
ohne akut fieberhufte Erscheinungen zum Vor-
schein kommen oder auch schon angeboren
sind; demnach, 1. = akute Exantheme, nament-
lich bei Infektionkrankheiten: Masern = „Fle-
ckeln", Petechien etc. (A. v. H. I. in»), die nach
früherem Claubcu auch vom Jüttel, Jüdel (s. d.) einem
kobnldartlgcn Wesen, herrühren sollten (dlmrock, H. 1).
XI. 45-1. 536,. — 2. - chronische Exantheme, (Lauh-
tlecken, Lentigo, Lupus- Knötchen). — 3.= eine
andersfarbige Fleisch- oder Eingeweide-Stolle
Pannus (Lappen, Fetzen , Pictacium «ir. w.
III, 1741). Kuttellleck. — 4. - Äugenflccken (s. d.),
als eine sehr alte Krankheitsbezeichnuug. —
5. = Urintrübungen, die von der normalen Harn-
farbe abstechen. — Flecklein = ein kleines Mal
(Gr. W. VI, 1493). — flecket (ahd. fleeboter = macu-
losa, II. Z. XV, 07; lir. W. III. 1746; vergl. u. befleck
iteh). — flecken (fleckten) ■ an Flecken 1. 2.
leiden (engl, to flek = fleckig machen). — (1827)4/p(?n)-
Flecken = Maculae Ii vidae, Hautflecken, Blut-
' austritte unter der Haut, welche nach dem Volks-
, glauben durch das Blutsaugen des Alp, den
Alpdruck oder das Geisterkneifen zum Vor-
schein kommen soll (Adler, de ineubo, Dlssert,, Ber-
lin, S. 18; II. A. Kh. 417; vielleicht der alflld ( = Klfcn-
' teuer] der Schweden. Mannh 62) («. Alp und Geist-
j kneifen, Teufelmal, Hexenmal). — Alters-Tle-
cken=Melasma; Blutaustritte an Händen oder
1 Füssen älterer Personen, die leicht zerreissliche
Blutgefässe haben (Kraus, K. 603). — (i.">9i) ange-
I I '■■irrner Fleck (Had. Jun. ;t«7 ; ahd. ilecho mit diu mau
«eporan uuirdit, Uraff.; I). 37y) — Naevua (Muttermal),
Macula. — (1691) A n tlitt- Flecken (Fischart, Garg.)
bi Gesichtsrlecken. — Augen Flecken (ahd. aug
vleeco. «iraff I, US; sie kommen auch in dem schon
erwähnten uorthumbrischeti Segenspruche eines angel-
sächsischen codex med vor als flean on cagan — Flecken
in den Augen; Sie« = ulbugo, H. Z. XJII, 202; D, 30;
lts2 weysscr Heck In äugen - glaucoma, D. 264 ; Zenlng.
Voc. nnö^leucoma corneae, A. v. U. II, a02; ndl. de
vlek op het oog. De Cook 14) Hornhautflecken im
Auge Maculae, Nepheliae, Leucomata, Cica-
trices corneae, die undurchsichtigen Hornhaut-
trübungen = Leucomata (— Albugo) und halb
durchsichtige Maculae h. Nubecnlae, die sehr
oft in einander Obergehen (Arlt i**y. Anin. l ; Gr. W
I, 806; A. v. H. II, 993; Wuttke 160. Zeitschr. d. Ver
f. Volksk. 1894 . 8. 449) — (1482) 6cfleck/l'cA (Zeuing
Voc ) b naevosus, maculosus. — (1482) Bedeckung,
l. = Contagiura, die Ansteckung (b. d.) (Zenlng
Voc). — 2. — die dadurch veranlasste Krank-
heit (morbus, nul viclnos inflelt ut Scabies et lepra =:
morbus contagiosum, Zening. Voc; D. 146); das An-
stecken der inficierten Kleider-Flecken auf die
Leibkleider - die Befleckung gab Veranlassung
zu dem uralten Begriffe der Ansteckung ( = Con-
lagium) (z. B. 1497 betteckt mit der Krankheit der
bösen blättern. Kriegk. I. 527). — (1532) Hautbefleck
ung = Morphea ( Lepra z. Th.), weisse u. sch warzo ;
(Fries 140). — (1591) mit den Franzosen befleckt
(Tabemaem. 26 C ) — syphilit. Hautausschlag. —
(1771) Selbst- I Befleckung.l. Onanie (s. d.).
nächtliche | " v '
— 2. = Pollutio nocturna, unnatürlicher Satneu-
fiuss (Gonorrhoea der alten Schule, die den
Begriff der Ansteckung auch im Worte: Selbst-
befleckung fortführte). — blaue Flecken, 1. =
die ßlutunterlaufungdes Neugeborenen (Cephal-
haematom.). — 2. — Ecchymosen - Sugillationea
(Ackermann 4»4); im Volksglauben häufig dämon-
istisch verursacht durch Alp, Mar, Meermänner
(Schindler 13). — knitz- (knutach-)blaue Flecken
= blaue Flecken , Sugillationen , Echymosen
durch Knitschung - Kontusion (Gr. \v. v, 1447). —
blinder Fleck = der sog. Mariotte'sche Fleck an
der Eintrittstelle des Sehnerven in das Auge,
wo da« in das Auge eingedrungene Licht nicht
empfunden wird, weil an dieser Stelle dieStäb-
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154
Pierken
Flecken.
eben- und Zapfenschicht der Netzbaut fehlt. —
-Bluf-Flecken = Macula sanguinea (Gr. w. Ii, 182),
Blutextravasate in die Haut und in die Angen-
bindehaut, Petecbien, Stigmata, Vibiccs, Ecchy-
tuosen , Ecehyinomata (Schwimmer in Z. Hdb. d.
»p. rnth. u Ther. XIV, 1. s. 321), namentlich die
Purpura seorhutica s. Peteehiae (Behrend 76 ; A.v.
B. 1, 1119). — (UM) böse Flecken i ich« 1. 313; B.9.),
I. — Pestnecken. — 2. = A umti (s. d.), vor
ihnen fürchtete Bich die ganze Menschheit, ob
ihres Grouels. — Brand Flecken , 1. -die Fle-
cken auf der Haut, die den Brand (todlichen
Ausgang innerer hitziger Krankheiten) anzeigen,
lokale Blutstauungen vor dem allgemeinen Tode
(Totenflecken, Leichenflecken). — 2. = durch
direkte Wirme, Hitze verursachte Brandflecken,
Comhustio (A. v. II. II, 382). — 3. = die Anzeichen
des lokalen kalten Brandes (s. d.) an den Ex-
tremitäten («r.w.n, 2i>7), Maculae gangraenosae.
— 4. = fleckige Druckbrandslellen auf dem
Pferderücken (Falke I, 148; Mayer 80; 1776 Plenk;
Bohrend 5). — farbichte Flecken, 1. — Pigment-
flecken. — 2. = Exanthemata, die von ihrer Um-
gebung o. ihrer Grundlage farbig'abstechen (a.v.
II. 1.622). — F«u' Flecken = Brandflecken Macula
putns (engl, putrid spot, Cr. \V. III, 1375) (s. faul), Faul-
nis-Flecken. — .JVff-Fleck - Pinguecula, Felt-
fell am Auge. — (n>9a) f'Yttfr-Flecken, 1. = die
roten Potechien bei der hochfebrilen Pest (v. M. II
ii8). — 2. = die roteu Masernfleeken (Kraus. E 9U5).
— f/oA«iic/i-Flecken - Peetileniflerken, Pete-
chien (a. v. b. Ii. iio). — (1754) Fiwi/-Flecken -
„helle oder dunkelrote, rasch kommende und
wiederkehrende Flecken auf der Haut, die, wenn
sie sich an die Mund-, Nasen-, Augen-, Ohren
Öffnungen setzen, leicht todlich werden" fd. h.
schlecht prognostische Symptome sind), „sie
kommen besonders bei Kindern vor" (A. v. II.
II. 995) (lokale Blutstauung - Hyperämien?) =
meningi tischer Fleck (Trousseau). — Fluas "Fle-
cken — rote Hantflecken beim chronischen
Rheuma (FIusj-), Peliosis rheum. (Fuchs II, 927).
— GY6«<rr«-Fleck = Geburts-Mal, angeborenes
Mal, Muttermal, Naevus (Gr. \V. IV. l. 1908; Du
Cook 53). — GVfleck — Liehen, Psoriasis, als eine
Summe von ausgedehnten, zahlreichen krank-
haften Flecken (Gr. w. IV. 1. 2143). — (ifi»y) Gift-
Flecken = die durch Ansteckung zum Vorschein
kommenden Petechien (böse Flecken) (v.M.11, 100).
— - Äfr*-Fleck = diesichtbarklopfendeStelle, wo
das Herz liegt u. anschlügt an der Brustwand. —
(16. Jahrh.) grintichte, Grillt Fleck- Grint (s. d.),
Ausschlags-, Aussatzstelle, auch Krtttr.etleck. —
häufend flecken (1"H2 bauftVnd fleckten, Lerach 227)
= in grösseren Gruppen von Fallen die Masern
(•der Flecken überstehen. — //'fr.' Flecken =
Maculae, „Veränderungen der Farbe, Dichtig-
keit und Konsistenz der Hautoberflflche ohne
wesentliche Veränderung des Niveaus'' (Auspitz,
Z Handb. d. spez, Patb. D. Ther. XIV. L 225). —
(l»5l) kriechende Ha u/flecken - Dermatomykosis
= Pilzbildungen (?)auf der Haut (Hock im») i'king-
wurm). — //»nt^-Flecken-,, verdächtige, meist
honiggelbliche, rötliche, auch braune o. schwarze
Flecken, die sich besonders im Gesichte von
Weibsbildern äussern und entweder von der
LuBtseuche oder von einer Schärfe der Safte
herkommen" (a. v. h. i, hos). — Hornhaut-
Flecken = Augenflecken (s. o.). — (1590) Kar-
tatsch- (KartättchyTieck = Vulva (Gr. w. V. 211);
verglichen mit der mit Kugeln oder Patronen
gefüllten Blechbüchse, die andersfarbig war
als die übrige Uniform (Fleck 3; auch die
Büchse [s. d.l andeutend). — K «w-Fleck =
(1608 „das flecklein Im weissen des eles"), der sogen.
Vogel oder Hahnentritt in der Keiinblase des
Eies, von dem die keimende Frucht ihre Aus-
bildung beginnt, Macula germinstiva (Gr. W. III.
1715; Falke II, 10). — (1&84) Kinder-, (1669) Kind»-
Flecken, 1. = Fleckein od. Masern (im Gegen-
satze zu den Kinderblattern, s. d.) ; auch Röteln
(Rnbeolae) und Rotsucht (1622; liacscr n, sei;
v. M II, 184 ; c;r. W. V, 736; Bohrend 5). — 2. = das
Chloasma gravidarum, die Schwangersehafta-
flecken (v. m. ii , 130). — knitz- (knutsch)blaue
Flecken s. blaue Flecken. — Krä («-Flecken
= ein Grintfleck (s. d.) (Gr. w. v, 2080). —
A'uitwAs-Flecken; der Kukuk als Vorbote des
Sommers soll nach früherem Glauben diese
Sommerflecken (s. d.) erzeugen (s. Kukuk); in
Steiermark sind es die Leberflecken (Gucker-
schecken), welche die Kinder erhalten Bollen,
wenn sie um die Zeit des Kukuksschreies
entwöhnt worden waren. — Ä«p/«--Flecken
-die kupferroten Akne-Knötchen (s. Kupfer).
— (1482) Ruttel- Fleck ■ (ableguinlna, partes extorum.
D. 3) b Wampenfleck, Rindsflecken, Kaidaunen
(s. d.), Fetzenfleisch (s. d.) = die wie die Flecken
am Küttel farbig abstechenden , meist pig-
mentierten, andersfarbigen, nicht fleischroton
Eingeweidestücke der Schlachttiere (Gr. w. in,
1741; V, 2MI7, Kutten - die Kinder- und Mönchs-
kleidunp. Sehmcller I, l:H02). — L«i»6-Flecken
(14. Jahrh. lonb vleckel = uaevu.«, Voc. opt. W. 40;
1561 liiubllaeken am leib -- lcuticnliie, lentllio, Gr. \V.
VI, 295; 1588 laubllecken, Iii. W. VI, 295; lfiyi Laub-
llccken - lentiso. Und. Jun. 383; 1616 laubflecken —
IcuÜfro, (ir. \V. 1. c. ; 1618 laubfleck ■ innculao subrufae
nd modum lentis [Utiscnflecke] , Schruellur I, 1405 ■
1744 Laubflecken = Sommertleckcn, Zw. 8:10 — Sommer-
sprossen, die, wenn dns Lanh hervorkommt, starker
hervortreten, I.insenflecken, Leberflecken [noch heute
in der Schweiz volksüblich] ; „Laub" hat alter mit Laub
- folium keine etymologische Beziehung , sondern
kommt von lih-la, (ir. W. VI. 29'. 2S9 = varix, clcarriK;
». darüber sub Laub uud Lach). Sie stellen als
Leibflecken eine erworbene Anomalie der Pig-
mentbildung in der Haut vor (Lentigines,
Ephelides) (Auspitz, Z. Hdb. d. sp. l'ath. u. Ther.
xiv, L 27u). — Lf&cr-Flecken = leberbraune,
gelbliche, auch schwarzbrftunltche, mehr oder
weniger grosso und breito Hautflecken =
Chloasma vulgare . Hehrend 80), das auf einer
partiellen, gesprenkelten Filrbung dor Haut
durch dunklere Pigmentierung der Zellen und
Zellenkerne der Haut beruht lllyrtl, Anat. 521;
1725, Th. »an. Itr. 938; 1744. Zw. 835; 175«, A. v.
II 1, 937; II, »94; 1776 Ephelis, Ftaoek; Gr. W. VI,
295. 462) i Sommerflecken, Laubllecken, Mutter-
Hecken, Sommermirl), auch Pityriasi« versi-
color (Förster II, 1051; Köhler II, N8). — Leichen-
\ Flecken - Li vores mortis, bläulich rote Flecken
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Flecken.
Beb men — Fleiich . 155
(„Brandflecken", wenn sie schon vor dem Tode
entstehen), die auf dem Rücken der Leiche
8 bis 12 Stunden nach dem Tode meist blaurot
bis hellrot durch Blutsenkung sich zeigen (Sam
«l; De Coclc 71). — Lidtpalten-Fleck. s. Fett-
fleck; Fettfell. - Linww-Flecken (ie. jahrh. =
Sprntlen, Flecken im Angesicht, (ir. W. VI, 1053; 15s»
= Chloasma Tabeni.; Gr. W. VI, S9S; 1714 maculae
laclcl, ..braunschwarze Flecken im Angesicht", Zw. 136 ;
franz. U-s kntlllcs) - Leberfleckejj, Laubilecken.
— (i6«o) Mauer- Flocken = Masern- Exanthem
tfir. Vf. VI, 1701], der Ausgang zu dem Worte
„Masern", pl. (s. d.) = Morbilli. — (1754) Mehl
Fleck ~ mehlweisser Fleck (der Lepra), 1. —
weisser Aussäte, Alphns, Vitiligo alba, die Lepra
nervorum (Virchow.; a. v. h. 1, 67; II. ;<02; Z. Hdb.
«1. sp. Patb. u. Ther. XIV, l. 636). 2. = das i»clerema
neonatorum (isoi ; Welckard 115), die stellenweise
weisse Hautverhärtung der Neugeborenen. —
Milch - Flecken = die milch weissen opalinen
Kpitheltrübungen auf der Zungen- und Wan-
genscbleimhaut bei Leukoplakie (Syphilis).
— Mit'!" Fleck fhull. raocdorvlek; , 1. - Chlo-
asma uterinum (Leberfleck), fuscniu, bräun-
lich gelbe Flecken der Haut, die namentlich
beim Frauengeschlechte besonders stark her-
vortreten um die Zeit der Periode (Förster n,
1061). — 2. = Naevus congenitos, lenticnlosus,
vascularis fBehrend 7s), Muttermal. — ii--6)Nagel-
Fleck = Nagel blüte (s. d.), 1. - die weissen
Klecken am Nagel (s. Rehflecken 2), Selene
iPleurk . Krün-, E. IM'.»; Behreud 5). — 2. - die blauen
Nagelflecken, Ecchymomata unguis, Blutflecken
unterm Nagel («. Leidspriessen, Kuinmermasen)
Rehrend 5; Gr. W. VII, 266). — Nebel- (Nabel-)
Fleck = Nepheliuro, Nubecula, ein halb durch-
sichtiger Hornhautflerk (in d«>r Mitte [Nabel] der
Hornhaut, Falke II, 113. Qr.1T.VII, 479; Arlt IM Anm.j.
— iisyi) Oder-Flecken = die petechienartigen
Flecken bei der flecklyphusartigen Schlamm-
krankheit (s. d.) itn überschwemmten Oder-
flussgebiete (M. med. Wochenschr. ly.M. — U6S2
Pest-, PestUem-Tlecken = Pestmal, Giftfleck.
Petechiae pestilentiales: die nach dem Stadium
oder nach der Art der Festkrankheit verschie-
denfarbigen, bei dem Petechialtyphus roten,
bei der eigentlichen Pest aber blei- oder rinn-
farbigen, auch pfeflergrauen, lividen Flecken
mit roten Pestetriemen und Streifen verbunden
iv. Sf. II, 126; OUt. 121, <.r. W. VII, 1572) (s. Pfeffer-
pest%!. — fl6y." Rtt h Flecken (wohl nur volksety-
mologisch au* den nicht mehr verstandenen ,,Keh-
tlecken" unter Anlehnung an Rache [Pcstplage] ge-
bildet, v. M. Ii. ioi. 121). — Utk- Flecken (im
reerleckcn *o »ich dann die r. f. erzeigtend es waeren
irlych die roten, brunen oder »chwarzeu etc. [ — Pest-
Hecken], KoehhoU I. 137, 1564 root revlleekeu sunt
exantbemalu die septimo der Loderen [«eil. sucht, «. d
schwarz recliocken letale», sanguis nigricans e naribiH
omatno, Gugenbühl 13; 1736; A. v. II. I, 643j, 1. -
die an dem halbtoten Pestkranken sichtbaren
gesprenkelten Pestflecken (b. d.), Pestpetechien
der Haut (ahd. hreo = Leiche, s. Keh). — 2. — die
sogen Rehposten (= Rehblusten), weissfarbige
Nagelblüten, dieschieksalverköndendenNornen
spuren (s. d.j, die auf den Tod hinweisen Bollen
nach dem Volksglauben (Rochholz I, i36j. —
Rinds TUcken - Kuttelflecken. — (isooj rote
Flecken = Variola, Morbilli, Scarlatina, Röteln,
Rottieber, Rotsucht (D. 607, Thes. san. Br. 117 . —
schändliche Flecken (1536 Foutlgraf. Mal. Geiger)
= Flecken, die das Gesicht entstellen (Unflat).
— ScAarfcocfo-Flecken = Purpura siroplex pa-
pulosa, Morbus maculosus Werlbofii, eigent-
lich aber nur Skorbutttecken (A. v. H I, 702. 937:
1776 Maculae scorbutieae Plenk [a Keharbock]; tleur«.
Notre Dame, Bris«. 153; „sie alle entstehen nach Haller
[l. c.l hauptsächlich in dem Scharbock durch eine
grosse Scharfe [s. d ] de» allzu sehr verdünnten Ge-
blüts"; 1362 Morbus B. Mariae = Marien-Bosen, ma
cnlae scorbutieae et erysipelatoaae. Da fange II. 527;
v. 517). — Scharia, -A-Flecken s. Scharlach. —
Srhicriss- Flecken = Sommerflecken, I^eber-
flecken (Gr. w. vi. 162). — Si hin Ind- Flecken =
.Schwindflechte (■. d ). — SfAncn-Fleck = der
sehnenartig weissglänzeude Rest einer Herz-
beutelentzündung, der als solcher Fleck auf
der Herzoberfläoho sich nachweisen lässt. —
l66-> Sommer - Flecken i'schwed. »onimarflacckarj
= Laubflecken ('s. d.), Lentigines, Ephelides
(lache» de rousseur [chez lea femmes a cheveux rotix].
Bris«. 207 , eine erworbene Hautchromatose, die
im lichtreicheren Sommer und bei Blondinen
starker hervortritt (Lenticula, Pannus lenti-
cularis, Phakos Mehrend SO. Zw 1SK; Beyn. 1X4). —
(1756) .Sonnen-Flecken - .Suminertlecken, beim
höheren Sonneiistande Btärker hervortretend,
Lentigines, Ephelides (A. v H. II, wo). — Toten-
Flecken, 1. - Leichenflecken (s. d ;, die das
Volk als Zeichen der Verdammnis ansieht (17901.
— 2. = schmutziggraue oder blaue Flecken,
Melasma maculosum, wie sie sich bei alters-
schwachen Lentcn an der Haut der Extremi-
täten bilden (Fach* II , 3*8 ; Lehf. 109). — (1776)
venrrisrh- Flecken - Maculae venereae (Plenck;
»ehrend 5), sypbilit. Hautflecken (Syphiliden;
s. Venerie) — (leaoj vergiftete Flecken = Gift-
oder Pestfleckon (r. M. Ii, 121). — Wampen-
Fleck 'mhd wampenvlec. Luxer 366) = Kuttelfleck
(s. d ), Kaldauen s. d.) Schwaben; Gr. W. V, 2897).
j — (1748J Wrisser Fleck Nagelfleck, Lunula
I (K.a. :U). — Tleck{en)- Fieber, -Geschwür, -Krank-
heit, -Mal, -Sehnen, -Sucht, - Typhus.
nehmen s. flenen unter Flensel.
Fleiresin s. Pleuresch.
Fleisch, n. (Flesch, FlöschtSch« ai>en],Fleisch
lein, fleischen) (wentgerm. llelsk; ein durch Verall-
gemeinerung des nord. tlesk [ndl. vlccsch ; engl Hc>li
-Schwelneflelsteh, Speck] entstandems Wort für unser
heutige* Fleisch; ahd. tlelsk ; 8. Jahrh. Heiscco; Ken»
71; mhd. vleiseh, Kluge 110 =r caro, S'ioj, *o>a;) -
die weiche Muskelmasse des tierischen und
menschlichen Körpers, 1. = der Gegensatz zu
Haut u. Knochen, laviande ( = vi venda), das zur
I Ernährung dienende Bratfleisch, M nskelfleisch,
Urüsentieisch; Flöscb (Sehwaben; - schwam-
michtes Fett (C. v. Seh. rj7). was unter der Haut
auf den Knochen liegt; auch die Drüsen, Zunge
u. der Knorpel sind zum Fleisch gerechnet. —
| 2. m alles rote, fleischartige, auch pathologische
i Gewebe, die von der Haut entblösste Körper-
150
Fleisch.
Fleisch.
stelle, wo das (rote) Fleisch, wie das Volk sagt,
„rausschaut", selbstdie unbedeckte Haut; daher
Fleischlein ; a) = (1496) Caruncula lacrimalis
(Übersetzung; ü. 104 , Hyrtl, K. W. 107), b) — Cotl-
dylumata venerea als rote, feigenartige Fleisch-
gewachse (A. v. H. II, 165); ferner ist auch
c) = das Drüsengewebe = Fleisch (Hyrtl. K. w. 92)
(Caro glandosa) d) ~ Nasenpolypen; ebenso
e) = die Corpora cavernosa der älteren Ana-
tomen = Fleisch /Hyrtl, K. W. 87); f) = Carun-
culae der Harnröhre, Strikturen (Pr. II, 46. 13«).
— 3. = Fleisch (Caro) ist (kirchlich) Libido
carnis, Genitalia utriusque sextis (s. Brät) (B«as
129, Pr. I, 73. 79). — 4. = in Redewendungen ist
Fleisch = der Leib des lebenden Menschen (im
Gegensätze zum lelch, leiehe [s. d] - toter Leib, Gr. W.
III, 1754; nach den Fosteugeboteu der kath. Kirche
wird du Fleisch der nicht warmblütigen Tiere, i. B.
da» des Frosches sowie da» »eis«« Flschfleisch, nicht
«um Fleisch gerechnet, daher der Ausdruck „nicht
Fisch, nicht Fleisch", dagegen Ist) Fleisch und Blut
der gesamte feste und flüssige Leib = Leben, —
Fleisch und Bein — das ganze Fleisch (mit den
Knochen),derganze Leib (Gr.W. 1, 1382). — Fleisch
in Fleisch ^Coitus (Schindler I, 795 ; ahd. in (leise-
nissa - incorporntio. Graff I, 285). — Fleischen, m.
fleischen, 1^ denBlutfluss haben, „Bluttriefen",
wegen der roten lleischähnliclien Blutgerinnsel;
„diu Kindbetterin fleischt sich sauber aus und
hat einen ganzen Fleischen unter Bich" — die
Ausstossungen von fleisebähnlichen Blutgcrino-
sein und Blntklumpcn als Nachfolge der Gebart
(Schindler i, 799); (vergl. weisses Fleisch). — 2. =
eine Fleisch- Wunde machen (11 Paul. 142). —
fleischig — brätig (s. d), rarnosus, callosus, pul-
posus (Gr w. III, 17 .9). — (l'.ylj fleischachtlich =
musculosus (Hud .lun. 3»o). — es sitzt zwischen
Haut und Fleisch - es bildet sich eine Phleg-
mone (Hautentzündung) aus unter der Haut (vrgl.
fXnuov-ribef KoMin. 37j. — : 152») aderige» Fleisch
= Blutgerinnsel aus den Blutadern (Fries HO). —
allerwirstisches Fleisch (H. z xx, 270) - Zunge
(weil sie eine wüste, d. h. die loseste Sprache
führt). - .-Irm-FleiSCh (bei Andrea« Hufer; Cir. W.
l, .69) der unbedeckte, entblösste Arm (der
Weiber).— /i 1*7™ Fleisch = (Augen) Luckfleisch
(s. d.) («ein Fehlen ist imeh dem Volksglauben ein
Zell In n, dassda» Kind uiehl langeleben wird ; Schindler
174). — ausgetrachsenes Fleisch = Caro luxurians,
wildes Fleisch ( \ v. H. II, 819), — Ban-Fleisch
(1515 fleisch an belli - = mnseulus, l> 37;i) das bratige
Fleisch (Maus) am Knochen. — biästig Fleisch^
volles Fleisch (Or. W. II. 72). - K"> & ...
fi <;;:.j bomirhtiges
Fleisch, L- linniges (Schlacht-, luden-) Fleisch
(Schmeller 1, 521). — 2. - wildes, faules (Wund-)
Fleischfür. SV 111,392). —3. - Caro mala = Syphilis
(IT. II, 15; V. B. 61). — (16. Jahrh.) Brot- (Brat-)
Fleisch, 1 = die wie Brodkruinme weiche,
schwammige Pulpa d.-r Organe 'Milz, Knochen-
mark) (nyrtl, K W ), — 8.— auch das Bratfleisch,
das weiche (brätige), knochen- und faserlose
Fleisch. #r»c&-Fleisch = <las Fleisch am
„Brug" (s. d.) des Ochsen Halsfleisch, häutig
und aderig (sehuieil. r i, 347;. — Cüs/ntun-Fleisch
-das Fleisch des kastrierten Widders o. Ham-
mels (Gr. W. II. 609). — (1793) die* fleischig = car-
nosus (Gr. w. II, 1081). — diegtn Fleisch (1618 dlgcn
llalsch = pulpa carnis, Schmeller I, 497)= das dichte,
kernig sich angreifende Muskelfleich. — (1754)
Drüsen-, drüsichtes Fleisch , 1. = das Drüsen-
Gewebe, für das (Hyrtl, K. w.) noch Rockitansky
den Ausdruck „Fleisch" gebrauchte, Caro glan-
dulosa (A. ▼. H. D, IM). — 2. = ein Fleisch voll
Drüsen oder drüsenähnlichen Teilen (Schweiz,
er. w. Ii, 1462). — Z>dnn-Fleisch - die Dünne (s, d.),
Weichen (s. d ), Flammen (s. d.), Bauchschlam-
pen (Schmeller I, 195). — (1735) durchwachsend
Fleisch = das mit Fett durchsetzte Schlacht-
IteiBch (V. B.29). — Eir>/-Fleisch = Übersetzung
des Pan kreas (= ganz aus Fleisch) (also auch
schon bei den Griechen galt das Drii senge webe als
Fleisch ; eitel = rein, lauter, unverfälscht, Klage 68). —
faule» Fleisch, 1. - Pankreas (Zw. 12. 58; Hyrtl.
K. W. 203), weites als kein richtiges Muskelfleisch
galt, und weil man Uber dessen physiologische
Thätigkeit noch keine Vorstellung Bich machen
konnte. — 2. - gangränöses, übelriechendes
Fleisch, Krebs (Had.Juu.3S5), Polypen (b. Nasen-
fleisch). — 8. as das tote oder w ilde Fleisch (s. d.)
Caro luxurians (Granulationen in Wunden) (Mül-
ler »6; Pauli 119, oiit. iv, ios), faules Fleisch in
den Wunden und Geechwären. — (1518) feistes
Fleisch = fettreiches Muskel- und Drüsenge-
webe (n. v Ger«! 11). — (1482) JYfzen-Fleisch =
ein Fleisch- oder Kingeweido-Lappen, der als
anders gefärbte, pigmentierte (nicht fleißchrote)
Kuttelfleck (s. d.) geringwertig ist (Gr. W. III.
im- - ifiäi'ht i piei8ch (i4?e i>flnn,cM flcuch
— caro foetida, mancorinn. D. 346; caro uuevi.su, D. S79 ,
14S2 pdiinlg tieisch) = mit Bandwurmfinnen oder
Perlsuchtknötchen durchsetztes Fleisch (Gr. W.
VII, 1703; O. B. V. A. 45. Md., S 8?.) (s. Finne), Ju-
denfleisch. — (1783) frisches Fleisch = alles,
was in einer Wunde mit rötlicher frischer Farbe
anwächst (Platner Ii, 331). — gebeultes Fleisch
(12. Jahrh. beuillet flesc, H Z. II, 205; Erl. Gloss )
— Beule im Fleisch, Contusio. — (1576) geiles
Fleisch, 1. = üppiges, wildes, unnützes Fleisch,
Caro luxurians, Granulationen (Theophr. Bod. ;
Zw. 710; „es wirft sich aus Schäden au«", Zw. 10»">).
— 2. = (1618) der Luxus luxalis Paracelsi = die
syphilitischen Gesch würswucherungon (Pr. 11,76)
(s. LUXUS), — (1618) griffiges Fleisch (Schmeller
I, 49*) s. Diegenfleisch. - gross mit Fleisch =
schwanger, gravida 'P. 26y; — grünes Fleisch
frisches, rohes Fleisch (Vorarlberg, Tirol; Wolf).
— /7ati/>/-Fleisch Caro capitalis, Hauptstück
vom Schlachttier (D. iShanpSesch) s. Stückfleisch.
— Heiden- Fleisch = Mumie (die zu Heilzwecken
verwendet wurd.'. JVI.t ■ ' I :v . //"" r-FleiSCh
— Herzmuskel. — [l vi) Juden Fleisch = finnige«
Fleisch (O. B. V. A. Bd. 45, S. 183), das für die
Juden gut genug war. — .Katern -Fleisch =
falsches Fleisch, das blosse, sichtbare Fleisch 2
an Händen u. Armen (Z. f. ö. v.-K. is».. 207). —
(1612! krrkes Fleisch (ahd. Heise qm-ckaz = caro viva,
Or. w. V, 376) - frisches, lebensfähiges, gesundes
Fleisch, das in einer Wunde z. B. wächst. —
(1607) A'. /.'-Fleisch m Mandelhypertrophie, die
Üeischartig ober der Kehle sich lagert rtlort »an.)
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Fleisch.
Fleisch.
U7
— (1592) ÄV (/"-Fleisch = die aus festerem Drüsen-
gewebe bestehende Lebersnbstanz im Gegen-
satze zur Lunge (Wlrsung; keil = fest ; 1«18 = ge-
heil, Schmeller I, 1057. 12*9 — was fest hebt, halt,
Heyn. — A'crn-Fleisch - das nahrhafte,
kernhafte, derhe Muskel-Fleisch, an der Wade
x. B. (Gr. W. V., 606). — Kitztl-Tleisc 1. =
(14. Jahrb. kuxeUlelAch - titlllitus, Voc. opt, \V. 11;
1491 kuUelfleisch , 10. Jahrb. kiczlig fleisch - titlllicus.
k'tmelflcisch, p. 686) — das Fleisch, das kilzln-h
int itn Leben (z. B. unterm Arm) (<:r. Vf. v,
290»). — 2. = Eingeweidefleisch, Kutteifleik
: Kotfleisch), ein anders pigmentiertes, nicht
rleischrotes, dem vielfarbigen Kuttelfleck ver-
glichenes Eingeweidestück. — (1528) klotxichtes,
>lj91) Kl, n -Fleisch (H. v. Gersd. 6), 1. ■ hartes,
knolliges Drüsentleisch, z. B. unter der Zunge
i^Krebs?) (Hyrtl, K. \v. 96), Plexus coeliacus
i^s. Rottel). — 2. = Mola (Had. Juu. 3*1) als un-
förmliche, klotzige, fleischahnliche Masse (un-
gestaltes Fleisch s. d.), Klotz, Wasserkalb, lom-
bardischer Bruder etc. — 3. = (1578) syphili-
tischer Geschwürsgrund (Sclerosis) (Pr. II, 131).
— (Knockel-, Knorpel-, Knorpel-, d Mi) Knorren-),
U719) jYaorr-Fleisch = ein knorpeliges und
hautiges, halb weiches, halb hartes Fleisch
(<ir. W. V, 148«. 1488. 1490). — koderig Fleisch =
juihes, wüstes, nnniges Fleisch (Gr. ff. V, 1673)
(s. Köder). — (1667) Ä-;./'- Fleisch = Fleisch vom
Kopfe oder Haupte des Tieres (Gr. w. v. 1774>.
— (I4a2) A'off- Fleisch = Kutteltieck (Kitzel-
tieisch) = Fleisch aus der Wamme, Omasum
(Wellfleisch) (Gr. \v. v, 1900 ; D. 395). — Kron-
(Gron-, Kraia-, Kran-) Fleisch = die Krone,
Zwerchfell = (kraw; ahd.kra — Eingeweide. Gedärm,
Gr. W. V, 1982, 2339, ein aus der Opfer-Anatomie Be-
nommenes Wort [Grimm; , Chraia • Flehten (Schwell]
— Krontlflaeh, «r. \v. v, 2239j (vergl. Kraw). —
176$) Krospel-, (Kiy Kruspel-, Krastel; Krostel-,
Krüssel-, Krosscl ) Fleisch ^ Knorpelfleisch or.
w. v, 2411. 2412. 2479) (Kruspel), Pulpa, ein Fleisch,
< las beim Beesen knirscht zwischen denZahnen,
wenn es geröstet ist (Hyrtl, K. w. loo). — Lauter-
Fleisch (luterfleisch = Übersetzung J — Caropura.der
roten Farbe wegen: das Zahnfleisch (Gingiva)
nyrtl. K w. 188) (s. auch Eitelfleisch). — ifOcn-
diges Fleisch - das gesun<le Fleisch im Gegen-
satz zum toten, wilden Fleisch, woran keine
Lebenskraft ist (Or. w. VI, 432;. — Lemd- {Lern-)
Fleisch ■ ein aus der Anatomia culinaris der
Mönche stammendes Wort für Leudenfleiech
(Lendenbraten, Psoas) (Hyrtl, K w. ios). — Uhn-
(1531) lindes Fleisch — weiches Fleisch (Pulpa;
Kruutw. XXXI ; engl, lean fleshed — mager, hager). —
1528) Lm '.-Fleisch (H. v. Ger«d.)-das Fleisch (2)
in der Augenlücke, Caruncula lacrimalis, das
Augenfleisch (s. d.), das rotfleischig aussieht
(Fleischlein, s. d.; (nicht von lucker = locker, wie
Hyrtl, K. W, 106 ff. meint). — Lumel Fleisch —
Inenden- (lumbi) Fleisch (au« der Kiiehe der Mönche,
Hyrü, K. w. 107) = Psoas-Muskel. — Mager-
FleiSCh ahd uiagarflelski . 10. Jahrb. magher vlesch,
1». 407; Graß II, f&,) - fettloses Muskelfleisch
.Pulpa carnis). — (1699) Mark- Fleisch — das
kernige Drüsentleisch des Pankreas (Kauch-
bries, Bauchspeicheldrüse) \r. M. n, US). — Maus-
FleiSCh (1541 meussüclschj - das Muskelflcisch
j zum Linterschiede vom Knorpel- und Drüsen-
Heisch (s. Maus) (Hyrtl, K. w. 112; ivi9, 155» die
langen meusz-tleiseh MuskeltkHeh, Gr W. VI, IsZ!,
ein Wort «us der Auatomle«chule, das auch als ..mauss-
lleiseh" bsl Tabi mtiemontanu* vorkommt; 1G77 Beyn.
IS9). — Afdixj. fleisch - Schwant. — Menschen-
Fleisch ^wildtV Heidenfleisch oder Mumie
(Kochholz I. 268). — Mil, /.-Fleisch. 1. - (17431
Thyuius-Drüae, Kalbsmilch wegen der Milch-
farl>e des Drüsenfleisches (Fleisch 2) (Leveling
269; b»bl. Medikus 275). — 2. = Milchdrüse, Brust-
drüse (Fleisch 2). — 3.= junges, zartes, schlap-
piges Fleisch (bei Säuglingen) (Gr. w. VI, 2192».
— (1801) Mittel- Fleisch - Perineum - Atter
(s. d.j. ihis die Mitte zwischen Anus undScrotum
einnenmende Fleischstück des Dammes (Vogel
V. 99). — .Um Fleisch. L = U576 raorfletseh) -
das mürbe Fleisch unter den Nieren am Rück-
grat (Psoas). — 2. = Pankreas als bröseliges,
mürbes Fleisch (Wampenbries, s. d.) (Hyrtl,
K. W. 203; Zw. 519). — (161s mustlicht Fleisch
-Muskelfleisch (H. v. Ueno. 88). — (1632' A'osen-
Fleisch (fleisch in der Naaeu, Fries 83) = ein Ge-
wächs, Nasenpolyp als Fleischgewttchs. — na-
türtiches Fleisch = der künstlerisch aufgefasste
nackte menschliche Körper (Heyne II. 932j. —
AVid"-Fleisch = die wunde Hautstelle am Neid-
nagel ^s. d.) (Gr. w. vii. 664). — p/inniges Fleisch
= linniges Fleisch (•. o ). — nthes Fleisch (engl,
raw üesb, Kaluchm.) = rotes , frisches Fleisch,
Wundgranulation, Gallus. — (1612) Ii<>ss Fleisch
= „rohes", noch nicht ausgebildetes, wildes
Fleisch = Gallus der gebrochenen Knochen
(Bohl = Boss) (Gr. W. VIII, 1261). — (1583) Satt-
Fleisch hartes, dichtes, volles Fleisch (Gr. w.
VIII. lsisj. — Sdidmen-Tleisch ~ Aasfleisch
(s. Schelm). — 2. — faules, wildes Fleisch ^s. d.)
am Lebenden (Gr. w. vi Ii, 2618. 2-M9). — schwam-
miges Tiei&ch. = wildes, ausgewachsenes, üp-
piges Fleisch, Garo luxurians a. v. H. 11, 820).
— /.--Fleisch M glutaei,das den Sitzknorren
umgebende Fleisch. — i'o/datcn-Fleisch = das
billige, von den Soldaten in Wien gerne ge-
kaufte Fleisch (Kruspelspitz) (Hyrtl. K. W. MM».
— spünnwidderige» Fleisch = Fleisch von einem
Sauglamm (s. Spünue u. Widder). — stinkendes
Fleisch l:V.U daz Ainckende vleysch daz in der nasyu
wechsit. D. 445) — Ozaena polyposa narium = übel-
riechender Nasenpolyp. — (1475) ÄiucAr-Fleisch
= ein Hexen -Namen, der vermutlich vom
heidnischen Opfermahle herrührt (lilrllnger I,
509), wobei jeder Teilnehmer ein Stück erhielt,
das vom Opfertiere abgehauen war (s. Fleisch -
brocken); daher auch — Teufelsgnack (s d.)
(1475 compadlum, 1). 149; Corr.-lil. f A. E. 1>>. , .-v 4).
— (nw, Thränen- Fleischchen = Caruncol»
j lacrimalis (Leveling MH). — totes Fleisch 1183
daz tot flaisrh auz den wunden, < . v. Megbg; 1476
| ndl. doit vlelsoh. D. 26; engl, dcad Seih), 1. - wildes
Fleisch (s. d.), Garo luxurians, Granulationen,
(Gr. W. III, 17..3'. — 2. = Gangraena (Cancer? can
crenum. Du < angc II, 81. die* wohl was in einem
northumbrisehen Segenspruche «us einem angelsnch-
■Uchen Codex medicinali» bereits als dead tlaesc vor-
| kommt, H. Z XIII, 20S) = ahgeslurbenes lirandlg-
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158
Fleisch.
flennen— fliesen.
gewordenes Fleiscligewebe. — triefendes (1376
Ireffanf) Fleisch - verbotenes, finniges Fleisch
Ibebr. treffe, Jurten fleisch, Schtneller I. 650). — (1618)
übriges, übermässiges Fleisch (in der Nase) -
Xasenpolyp, Polyp Uberhaupt (R a. 153;H. v.Gersd.
loo). — ungestaltetes Fleisch = Mole, Mond-
kall) = Klotzfleisch, (Gr. W. VI, 2508). — (1483)
tinreines Fleisch, l.= wildes Fleisch (Künigssp. H).
— 2 - Feigwarzen, Condyloma syph. (Fr. i, 37i).
— untericachsenes Fleisch = das mit Fett unter-
wachsene Muskelfleisch. — (1*43) Vrrfleischung
--- die abnorme fehlerhafte l'mwandlung eines
Organes in eine fleischähnliche pathologische
Afterbildung, Entartung, Degeneration (Falke
Ii. 104). — verrufenes Fleisch = durch Zauber
(s. verrufen) veranlasstes sogen wildes Fleisch
(dal volkamedizinisch durch Besprechungen behandelt
wird, Frischb. 3i). — (mhd.) \\ 'angen -Fleisch —
Fleisch an der Wange (wangevleisch, Lcxer 367;
— (1U8] weisses Fleisch Jm Blute) (H. v. Gersd. BS]
= die weissen Faserstoflgerinnsel zum Unter-
schied vom roten Fleischen (s. o.); Speckhaut. —
Wetf-Fleisch (Franken, Sachsen) = Kuttelfleisch,
Kotttieisch, das im wallenden Sude gekocht
wird zur Schlachtsch (Issel (Gr. W. V, isioo). —
Wild- Fleisch (1483 daz wild flalscb auz den wunden,
C. v. Megbg. ; 1615 wild fleisch = fleclno [llectim '\ fungus
scrolulosu* , D. 239) = totes Fleisch 1 o.) =
Caro luxurians s. fungosa (Hypersarcosis), 3'ip>;
(Kossm. 39, Goldschm. s8; R. A. MO; A v. H. II, 81'0,
Brand 237) - scharlachrote Fleischwarzchen
(s. Feifei), die pilzförmig Ober das Niveau der
Wunde oder des Geschwüres hervorragen mit
lymphfollikelähnlichem Stroms, die nicht zum
eigentlich gesunden, natürlichen Fleisch ge-
rechnet wurden. — (M. Jahrh.) wohl greifendes
Fleisch (Voc. opt w. 12) - bräligea Fleisch, das
sich leicht angreift *. d.) = Pulpa carnis. —
(1568) wolfbissiges Fleisch — Metzgerfleisch, das
von einem durch tollwütige Tiere gebissenem
SchlachttiereBtanimt(8chtnellerIl,902i. — Wurm-
Fleisch = ein mit Madenwflrmern besetztes
Fleisch. — Zahn- (Zant-, Taut-, Zamp- [Tirol]
Fleisch (ahd. *and-lleisc, Graff V. 0*5; mhd. zant-
vlclseh, Lexer 397; 1175 ndl. tantvlelsch --- gingiva,
D. 263; dentlgo, dentale, D. 173; HS2 zanfleisch -
(ringt va, Zeuing, Voc. pp 2; 15. Jahrh. zandfleisch s
gingiva, D. 2*3; l.'.l". das fleisch, das in deu zcnen
hangt - dentiva, Diel. ; 1561 zanfleisch. Bock 193) = der
rote Schleimhaut Überzug zwischen den Zahnen
und auf dem Kieferknochen. — (17. jahrh ) böses
Zahnfleisch (Lonieeru*) = Stomatitis, krank-
haftes Zahnfleisch. — Bürteleln am Zahnfleisch
— Epulis, Parulis (A r. H. I, «07). — schwammiges
Zahnfleisch — Scorbut, bei dem das Zahnfleisch
anschwillt (Müller, Krtrbch. 157). — ZnAnfleisch
Geschwür. — (149M zermürschtes Fleisch (Gr. W.
V, 1447) ~ gequetschtes, morsches Fleisch, Con-
tusio musculotuin. — zugelhanes Fleisch = ein
Abscess im Fleische, der noch oder wieder
geschlossen ist. — fleischliche, Fleisch-/! der,
— Auswuchs, -Bauch, -Bein, -Bengel*, -Blättchen,
■ Braten, -Brocken, -BrncJi, -Brttst, ■ Brustwand,
-Euter, -Feiste, -Fell, Gabel, Gaden, -Ge-
schwür, -Geschwulst, -Gewächs, -Haut, -Kamm,
• Karnüffel, -Kitzel, -Knorren, -Knoten, -Krank-
I heit, -Lappen, -Leim, -Lette, -Lunge, -Made»
-Malen, -Mauer, -Maus, -Mertel, -Mondkalb,
-Prikel, Saum, Schwammen, -Schcindel, -Sohle.
-Strahl, - Teil, - Tracht, - Typhus, - Vermischung,
-Wand, -Wasser, -Warte, -Werk, -Wunde,
-Wurm, -Zolin, -Zäserchen, -Zehe.
flennen, Flensel, n. (FlenzeL Flentscbin, m.
Flanschen, Flunsch) (zu vorgerm. plo* [plörare] u .
urgcrm. flaxnan (?] ; germ. (las ; ahd. Ii»:: • . .« Ge-
licht verziehen, Kluge5, III; mhd vlan») = FJänsel,
, ein verzerrter Mund {Hintner 6. 14; .SchmeUer I,
! 7»4). — der Flentscbin = ein etwas langes und
schlaff herabhangendes Ohr (Hintner 6. 13; Tirol);
vergl. auch Flanschen. — flennen, flenen-die
Oberlippe in die Höhe ziehen (beim Pferde ;
auch beim Weinen) (Zlpp. 320, Falke I, 2*7 290).
Flerre s. Darren.
Flercijn s. Pleuresch Fleuresie) (1694 flelrsyn
= pleure*ia, Piefrnb. 44.1).
Flesch s. Fleisch.
Fleum, n. (IV Jahrb. fleum, vlome, vlomen = arvina.
D. 62) = Phleuma, Phlegma (s. d ), 1 flumiges
= helles, frisches, gesundes Blut (Gr. w. III, 1851 .
V. 180). — 2. = Adeps {Hyrtl, K. w. 179), als Folge
des gesunden Blutes, Fettablagerung.
flicken «* einen Fleck aufsetzen, ausbessern,
nicht vollständig heilen. — get&ckt sein = noch
nicht vollkommen von einer Krankheit wieder
hergestellt.
Fliege, f. (Floigen, Fleugen), fliegen (rorgerm
pleugh. plugh [plüma Feder; ; gern -germ fljuga m
fliegen , ahd. Üioga, fliogan , mhd. fliege, vliegen, Kluge *
111; alter ist ,, Mücke'- (». d ]). — fliegen = rasch
kommen (im Fluge) und vorübergehen. — Flug
(s. d.). — (1729) das Herz fliegt im Leibe -i'ai-
pitatio corpus exercet, lebhafte Bewegung des
in Bändern hängend angenommenen Herzens
v. Gehrer, von Gespenstern , S. 14). — (1632) das
Fliegend (seil. F tuer, s. d.) — Frysipelas, Rot-
I laut (Gr. w. III, 1786) — (1754) die .1 Fliegen
j = mouches volantes (A. v. h. n, 1043). — Fliegen
{de, r, «)- Brand, -Elben, -fangen, -Feuer, Guht,
-Haupipein, -Hitze, -Kopf, -Krebs, -Maul, -Mü-
cken, -Pocken, -Scharlach, Spinne, Übel, - Wol-
ken, - Wurm,
1 Flies, n. s. Vliess.
fli essen [eigentlich = oben auf schwimmen; indo-
girm. plurt [pluere — regnen] ; rorgerm. plud, pleud j
germ. Acut, flut ; ahd. Illozzan - schwimmen u. Messen j
tnhd. vliezen - schwimmen und Messen, Kluge*, 111 =
als Flüssigkeit sich fortbewegen). — Das Blut (die
Thräne) fliesst - rinnt. — fliessen (z'fliesset
werden, L, = den Blulfluss haben ivbei Wei-
bern), Haemorrhagia uteri. — das Herzblut
ist z'fliessed (ge)wor(de)n - eine sehr gefähr-
liche, das Lenen bedrohende Blutung (aus
einer besonderen Keservekammer des Herzens,
nach Volksglauben). — (1645) ifioar-Fliessung
= Haarflnss (s. d.), Haarausfall, der sehr Btaik
ist (Coler, H. A. sl) — Fh-ssen = Schnu-
pfen, Coryza (Zw. 972). — (1668) l",/fliessuH-/ der
männlichen Natur /Heyn, ni = chron. Spermator-
rhoe, Gonorrhoe, als lange dauernder abnormer
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flimmern— Flacht
Flfljrel — Fluss.
ist
Fluss. — in rfliessen — abnorm oder lebensge-
fährlich bluten (von Frauen). — flieBS>,ttct*(e, er,es)
■Augen, -Batich, -Blattern, -Feudihgkeit, -Feig,
•Geschwüre, -Grind, -Hirn, -Magcrin, -Nasen,
-Oelschenkel, -Ohrengeschwär, -Bocken, -Schaden,
-Schenkel, - Schnupf en,-Siren, - Wasser, - Wunden.
flimmern, flirren; flimmern vor den Augen
(m Fliram.n [nammp;. Kluge*, inj = Öftere Flam-
menbilder vor dem Au^e haben (Marmarygae
Aretaei).
Flitterling, in. — Abortus habitualis o>ei Kur
furstin Adelheid z. B. so genannt — unvollkommen,
was wohl fliegen mochte, aber blow flattert) - Ull-
vollständig entwickelte Leibesfrucht (8. Klitter-
img).
Flix, pl. (1808 flix in den ougen. Ur. W. III. 1S09
= mar ula oculorum [verwandt zu flirren und Hirzen ''} ;
wahrscheinlich) flitz = Flüsse (n. d.) (engl, flix =
Durchfall, Abweichen, Kaltscbm. I. 246; - flitz io äugen,
Ur. w. III. ISO») = Lippitudo, übertragen auf andere
Augenfehler.
Flochsen s. Flachs.
Flochten s. Flechten
Flocke, f. (ahd. floccho; mhd. vloccke [zu Iiiegen,
s. d.,' oder besser zu flackern, Kluge5, 108. 112 = was
in der Luft flatternd fliegt). — Flocken (Bett-
tiocken) leeen, 8. Feder.
Flösch b. Fleisch.
Floetzen, floessen ». Flosa.
Flog -Flug.
floeten, n. das bei schnell gehenden Wallach-
pferden durch Einsaugung von Luft in «las
Schlauch roh rstoss weise entstehende, eigentüm-
lich gurrende oder tönende Geräusch (Kalke i,
29ij. — floeten-^eAcn.
Flor, m. (Florie), Flor (feines Gewebe) vor
«len Augen = Schleier vor den Augen (mhd. floier
^derKoptpntz mit flatternden Brtndern, Kluge*. 112);
F'lorie (mhd. florie. Lexer 34».) - frischer, blühender
Hautglans.
Flosa, f., m (Floetzen) (»u fium [a. d.]), I. -
(uihd. vlozzc. Lasar SM) = Kehl-. — 2. = Rheuma,
Fluss (a. d.), Katarrh (Hoffn». I, 368). — 3= Euter-
Oedem bei Kühen Frank 5031. — flötzen f. (dy
Üoeczn in dem paweh, Schmeller I. HC) — Darm-
katairh, Bauchfluss, Diarrhoe. — (1619) durcli-
flössig-den Durchflnss, Diarrhoe habend (Coler
U.A. 205) — (1645) Eier Flössen - flüss^e, schalen
lose Eier, Windeier legen (tolcr v. d. Huhn 516;
da« franz. bois flotte, qui desceute = rheumatismus,
iBriss 143] i«t wohl nur falsche ÜbersetStUMJ des Klos-
[ = F1um und messendes Ilolzfahrzeug]).
Flotz; Flotz-A/flMf
Finch, m. £uA-Fluch - C'halanion, durch Ent-
gegenbrüllen einer Kuh veranlasst nach dem
Aberglauben, wenn man nicht gleichzeitig aus-
spuckt [Urquell II, 58) (vielleicht zu Flu*:); [ob hie-
be! nicht die böhmische l'estjungfrau Kuba >. d ] volks
etymologisch zur Kuh wurde?)
Flucht — /«iren-Flucht = zügellose Gedan-
kenjagd Geisteskranker.
Flügel, m. (zu fliegen [s. iL); mhd. vlugel. Werk
zeug /um Fluge): mit den beiden Vogelflügeln werdet)
verglichen, 1. - die Labia minora vulvae (1677
Üugel, 1680 flicgeln der schäm, l*r. II, 277; llyrü, K.W.
52) ; ferner 2. = die oberen Teile der Ohrmuschel,
wenn diese flügeiförmig abstehen (Heyne II, 946).
— 3, --seitlich abstehende Knochen- u. Sehnen-
beinchen (s. Flügelbein und Blatt , l'terygodes
Uippokrutis. — ylt««7«rn -Flügel — das Plerygium
oder Flügelfell (s. d.) (a. v. h. Ii, 1207). — Lun-
gen-Flügel - die die beiden Seitenhälften «les
Brustkorhes einnehmenden, sich beim Atmen
bewegenden Lungenkegel. — (18. Jahrh.) Nasen-
Flügel = die unten auswärts gebogenen Seiten-
wände der Nase, die sich beim tiefen Atemholen
und bei Entzündungen der Lunge rasch be-
wegen (Gr. W. VII. 411). — Sc/wm- Flügel 8. Flü-
gel 1- Flügel-tf«», Feü, -Schulterblätter.
Flnender - Blasen wOrmer in der Leber der
Schafe (17%, Abiig. 97. i2fi im).
Flug, m. (xu fliegen [n. d.]; ahd. Aug; mhd. vlug,
Kluge II-, übertragen auf alles schnell sich Bewegende,
daher auch = Fliegende«), rasch (s. d.), kommende
und verschwindende Hautröte. — Flug u Flog,
1. a Anflug (s. U.) (»chwed. Uag, nach einem alten
schwedischen Seg^nspniche, Kuhn, Zeitschr. f vergl-
Sprach-Wis»en»ch. XIII, 52), Macula volaMli* infan-
tiutn (1699, v. II. II, 130, fau de «lentt , Briss). —
2. = Rosa volatica (Flugrose, Flugfeuer) das wie
eine fliegende, rote Wolke (s. d.), „herumzieh-
ende Rotlaufen, das bald da bald dort mit einer
Röte ausbricht" (- Erysipelas migrans) (A. v. H.
I, 1339). — 3. = Liehen, Serpi«o= Ekzema acutum,
Dermatitis (A. v. II, II. 90.ii, Zittermal oder Dorr-
weg, böse Räude, Haarwurm etc. (a. v. H. I. 787),
d. h. eben jede mit rasch kommender und habt
| verschwindender akuter Hautröte verbundene,
chronische Hautkrankheit (166>, Beyn. 237). —
4. = Nesselsucht, die bald da, bald «fort auf der
Haut sich äussert, Purpura, sang- volage(Briss. 4).
! — 5. =eine Viehkrankheit = das wüste Wesen,
Milzbrand, Rauschbrand (s.d.'; (der ausbricht, weuu
i .
nach dem Algäuer Volksglauben die wilden Elbischen
sich sehen lassen, ltei-er I, 145. 17.'!; C. v. Sehm '»IO;
| Martin 122; Z. d. V. f. V.-K. 1895 8. 293;. — Anflug
= Erytliema als rasch verschwindende, nicht
haftende Krankheit der Haut = Dermatitisacuta,
Liehen, Schwindflechte (s. d., Kehrend 51; Fuchs
II, 1012). — lässiger Flug = Ery sipelas, dos lässig,
läul ist, nur langsam weichen will (in Segen
spruchen. Losch 228; ,?) lästig. — tc'dder (mdder)
Flug - Liehen mahgnus, als gefürchtet« Haut-
krankheit, wildes Feuer(Lupus, s. Wolf Wuttke
Volks-Abergl. IAL 233). — Flug- Heule, -Brand,
■Feuer, -Flecken, Haut, -Bot. (Die Althaea vulgaris
[A. v H I, 46] helsst auch„Flugwurzel", weU sie gegen
den ..Flug" hellen soll'.
Fluss. m. (Fl us sei Flaet, F10SS) [an Messen
[«. d.); goth.Üuti, ahd. (lux. fluzida, Graft III, 253; mnd.
vlote — wedaghe des hovedes, Ma« Barth 87b = Flu**,
Kopfschmerz; mhd. vluz ; 1260 vi uz f. , Kluge', 114;
I). 497 ; vloze, flösse = Ines : und. flaet ; ndl. vloed ;
engl, äood, flower, flux, Kalt«chm. ; D. 338; De Cock;
fioldschm. 79; Or. W. III, 350; V, 273; V, 510 - eine
nachbildende ('l»er«etzung riin dem griech f-iOu.« =
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160
FlUHS.
Flow.
das Rheuma [s. d] ~ Gerinn, houieeru« ; ahd. ruma,
H. Z. XV, 353 -morbus reirius = Hos«, U. Z. XIII, 205;
Mone VI. 469 — Gallfluss lu einem altd. Bannspruche)
= das Fliessen, Fluor, Fluxus von körperlichen
Se- und Exkreten (Haemorrhagia, Blenorrhoea)
ErgusB (namentlich ein sehr starker und sehr
lange dauernder, s. Überfluss), 1. = Catarrhus,
der Sch I ei mha titfluBB (i.exer 346) ; a) aus der
Nase, den man seit tiippokrates als Hauptfluss
(de capite) in die verschiedenen unteren Urgane
Messend annahm, „der Fluss fallt" oder „sinkt"
(Kuchs, Hippokrates I, 171; Anui. 6; Gr. W. EU, 1886;
1414 Flnss Katarrh, Gr. W. IV, 1. 1276 ; 16S7 Fluss -
Nasen-Katarrh, <;eorg. :J83; [Influenza]; 1725 Flusse _
Katarrh, Th. sau. Ilr. 77ü; 1741 Flusse — utarrhi, Zw
678), b) aus der Augenbindehaut (achon Im 7. und
1 Jahrh.) uud den Ohren , c) aus den Bronchien
und dem Rachen (bei TrisUnj. — 2. - Wundsekret,
WundhlutungfSchm. 1,796), Bluttluss{Flus..bluuie-
GnaphaUumarenarium L , die gegen blutige Kühr helfen
sollte, Jessen 168), Eiterfluss. — 3. .- aus Küige-
weiden als Bauchfluss, alter Fluss, (Jholeraflus*,
Darinfluss, Harnfluss. — 4. = Ekzema und Im-
petigo alsilautkatarrh, Hautfluss, Gesichtsfluss,
Salzfluss, Fl Ossel. — 5. = Sehlagnus8, Bluterguss
in Gehirn und Lungen. — 6. - Fluss- Rheuma
Rheumatismus, Neuralgta rheumatiea;
(inhd. vlör., m. vlöic, f. — rheuma, Lexer 346; 176-1
Kluss Rheumatismus), weil er wie ein Fluss bald
da- bald dorthin zieht, und weil man ihn als
einen lokalen Erguss von Schleim (Phlegma),
schlechten Stiften, Galle (s. Gallfluss u. Rotz 7)
betrachtete (Goldachm. 16; a. v. h. II, 1260), der
sich durch Verkaltung ÜuBsarlig in gewisse
Teile settt (A. v. H. I, 143 1179; Baum. 3*6, Hnfeland
217; Wnttke Vulks-Aberglauben IM. W. 170. 186. 229.
;.33): Fluss ist dementsprechend auch - Gicht
(Dr. Br. -Schaff. 28; Gr. W. IV, 1H56) (Arthritis syphi-
litica, rheumatica). Man dachte sich das Rheuma
(= Fluss) als einen abnormen Schleim-, Galle-
oder Blutfluss nach einem anderen Urgane hin
(damonixUscber Untergrund, wie Schindler [171] an-
nimmt, besteht hiebet nicht), den man durch „Ab-
leitung" (Deiivatio) bekämpfte. — 7. - (1508J
die Fontanella (^ der künstliche Fiuss durch
Maarseile etc.;, (als ÜIktscUudk des lat. fons und
rum. fonunelU, Gr. w. III, 1856). — 8. — die Menses
als normaler Erguss der Frauen-Feuchtigkeit
[„gbtuont Uiic flu* trA bluutes", Herne II, 948; A. v. B.
I. 1024) and die Lochion, sowie Menses nimii.
9. = jedes Leiden schlechthin, dessen Ur-
sachen das Volk (In Schwaben) nicht ergründen
kann (Buck IS), — lu. = Fluss — Flnxus, ge-
schwinde, rasche Krankheit überhaupt (Ilaar-
IIubb, heisser Fluss etcv (Pauli 1 — 3). (Der Fluni wird
versucht wie ein Bach durch „Stocke'- «um Stillstand
gebracht zu werden, rauli, 1 cod.). — FlÜSSel, n.=
Impetigo, Crusla lactea, als Schmer- (Schmalz-)
fluss = vermehrte Hauttalnfsekretion (Sebor-
rhoe*, Scbmerfluss, Gneiss) (rauli 114); „es zieht
sich aufs Her*" - als Zeichen einer Konsti-
tutions- Anomalie, die andere Erscheinungen
mit sich bringt (Pauli l). — flüssig (mbd. Tloexig,
Lexer 346), 1. = (1616) zum Schnupfen geneigt
IParaceUtis) , Catarrhus fluens de capite = flüssiges
Haupt (1483; C. v. Megbg.) = vom Katarrh be-
fallen. — 2. = rheumaticus Irahd. vliizzec. I.exer
347) — 3. = durchfilllig (flüssiger Bauch, s. d);
(1Ö12) bauchflüssig - profluvio laborans (Gr. w.
i, 1167). — 4. = sezernierend, z. B. ein flüssiges
Angesicht, flüssige Füsse - ekzematicus (Gr. \v.
LH, 1*53). — (1477) Plüsslinge (ortholph) = Liquores
lymphatici corporis, Glied wasser, die Läufe des
Gewebswassers (s. Geflüsse). — (1750) abfallender
Fluss = Katarrh («. d.) (Ten*. 2:*), fallender Fluss.
— MrtYr-FlUBS s. Goldaderfluss. — ^/Yer-Fluss
= Proktorrhoea mueosa = Mastdarmkatarrh
(meist gonorrhoischer od. syphilitischer Natur).
— alter Fluss = chronische Diarrhöe. — Augen-
FluSS (7. — 8. Jahrh. nugiflnz. Cass Glos». — lippltudo,
14. Jahrh. [tluzaugi] ougtluz - lippus, Vuc. upt. W. 40;
1482 augcnllus, Zolling. Voc. = lippltudo; 1615 äugen
fluss = lippltudo, Ü. 382; 1528 llyt« In den auiren
llppu», 11 v. 'ier»d. 99; fllU In äugen s Um in den
engen — lippltudo, Gr. \V. III, isos, und. flaet nppc
ogen, Goldschui. 16. 95; II na» -Auge Trief-Auge),
1. — chronischer und akuter Bindehaut-Katarrh
im Auge (Gr. W. I, 806), s. Augentilz. — 2. — der
rheumatische Augenschmerz (Fluss, s. d. b); (für
den oberen flu»» der Bugen, Sehmeller II, 1186 = Neu-
rrdgia subraorbitalis, Nagel). — 4K#flUS8 = das, was
aus einem Organe herausrinnt, vorgeht, z. B.
ein bedenklicher kontagiöser Nasen-Katarrh bei
Pferden (Förster II, ;i34) oder weisser Fluss. —
roter Ausfluss = Ruhr (C. v. Megbg) mit blutigen
Diarrhoen. — Eingeweide-Ausfluss - Hernia
(D. 276). — der auswendige. Fluss (mhd. das usz
wendig flo«, Gr. W. V, 1448), 1. — Schnupfen (Nase-
boz), Knöbel, Coryza, als äusserlich sichtbarer
Nasenfluss. — 2. — Glieder-Rheuma. — BaucJi-
FluBS ( - 1532 lienteria, „ein Klu»s des Bauehe«, in
welchem unverxehrt die Speisen und der Trank hinaus
gehen, inmaaseu wie sie oben empfangen sein worden",
Fries 115; 1690 bauch 11 us panUces, I». 410; 159V
Bauchihi's — Ij-enterie, lhirchlaul, rote, weisse Buhr,
Gr. VT. VIII, 116»; 1616 Bauehfluss = fluvlus alri,
l'nnteelsuK ; Gr. \V. 1, 1167; 1725 Banchfluss = Ruhr
| und Uarnikatarrh, Thes. san. Br. 716). Man unter-
I schied (1532) bereits 3erlei Bauchflüsse: 1. die
| Diarrhöe, 2. Ruhr (roter Bauchfluss), 3. Lienteria
(weisser Bauchfluss). — (ir>5l) langwahrende
BauchflüSS (Hock 375) = chron. Darm-Katarrh.
— pestilenzische BauchflÜBSS - Ruhr, die seu-
chenartig und infektiös war, wie die Pest —
' (1756) roher Bauchfluss = Lienterie, bei der die
Speisen ganz roh, unverdaut abgehen (A. v. H.
. I, 892; Üux, flu de venire, Du l ange V, 102; Bris«. 171).
I — roter BauchfluBS — Ruhr mit blutigen Stuhl-
gangen. — scharfer Bauchfluss = Cholera mit
heftigen Entleerungen (Gr. w. I, 1167). — (1651)
State BauehflÜBSe chron. Diarrhoe (Bock 37j
— (1561) neisser Bauchfluss = Lienteria (Bock.
Kegist.) (s. O.) — Blut-TlVLBS lahd. bluote« fluo/,
(Jr. W. II, 182; blut fluzzteb haemorrhol«. I>. 201;
blöt-lluzidu, Grafl III, 2M, ndl. bloed vloed, De Goek 62,
bloedlng), a) = Wundblutung — Piotluvium san-
guinis (Gr. W. II, 182), Haemorhagia; (engl, bloodr
liux. a flu» of blood; fron*, perte de sang.); b) -
Frauen hllltflUSS (1482 freue die den tiuss de« pluts
leidet = haemorrholssa, Zenlng V«C. 0 2; 1551 der
übrige blutfluss der Weiber, Bock 69) — Meno- und
Meitorrhagia od. (Tebärmutter-BlutflusB (siehe
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Fl 1188.
FIllS*
161
Blume); c) = Ruhr (i.v;2 der Du..* de* blut» = dya-
Koit'ria, Blutruhr, Friea 113); d) Nasenbl titung (1699
der blutfluss ron der nasen , Fries 83); e) = [U89J
Leberbluifluss (Fries lio) = blutige Ruhr, die
man von der Leber kommend annahm. — (1645)
melancholischer Blutfluss - goldene Aderblu-
tung (Haemorrhoides ), die sehwarzgalliges Blut
entleeren sollte (Coler. H A. 218). — (isoi) rheu-
matischer Blutfluss - „ein Blutergus», der ent-
steht, nachdem ein Rheuma die gewohnte Stelle
verlassen hat" (Vojtel v, 10). — (iöm) böse Plüsse,
1. = Cholera und Ruhrdiarrhoe, bösartig, weil
leicht tödlich (D. M. Wochensehr. 1«96, 11). — 2. =
(IC Jahrb..) rheumatoide Schmerzen bei Syphilis.
— Bntrt-Fluss (14, Jahrh. fluss der brüst = eatarrhus,
Voc opt. Vf. 40, 1725 rlüsae, die vom baupte auf die
brüst fallen, Th. oan. Br. 568) ~ Bronchialkatarrh,
BiustkaUrrh. — (17«) Brustschlagfluss iZw. 167)
— Lungenödem, Lungeninfarkt, Oedema pul-
monum, dem Gehirnschlag Ähnlich, durch einen
plötzlichen „Fluss" in die Lunge verursacht
angenommen. — Cholera - Fluss (l.vsi der Flu*«
Cholera, Bock 7) = Choleradiarrhöe als Bauehfluss.
— (1591) cholerische Flüsse = (iallfluss 4 (Tabern. 79).
— Darm-TVass - Bauehfliis«, Ergusa aus den
Gedärmen (Diarrhöe, Ruhr, Cholera, Lienterie),
Passio coehaca (Gr. w. II, 781). — Diarrhöe-TlnOB
IIÖX2 ..der fluss dJarrta llt ein Flu?« de« Hauch* c< -
daeuet und ohne Blut", Frie» 113. 115) = Diarrhöe
(s. d). — (H20) liunh flüssig; (1645) DtircA-FlusB
iCbersetsung der Diarrhoea, Durchlall habend, fluxu«
morbus, Coler, II A. 20», D. 241) = Diarrhoe. — (1618)
eingesessener Fluss = eingewurzelter Fluss (6) =
Gicht, Rheumatismus Tnnsa 61). — (16. Jahrh.)
ftfrr-FllMB 'aytterflu«, Sehniellerl, llisub antraten),
a) aus Schleimhautflächen (Blenorrhoea, Gonor-
rhoea); b) aus Wunden und Geschwüren. —
(172*) venerischer IM. ••fluss = Fluxus seminis,
Gonorrhoea (Pr. I, M; The« »an. Br. ta). — fallen-
der Fluss ■ der Fluss (Rheuma) fällt auf Haupt,
Brust (s. Katarrh), Glieder, wie ein Wassersturz
herabfällt = Congestio, tlyperaemia. — feuchter
Fluss fO.-Pfalz) = Fussgeschwflre, Ekzema vari-
eosum, SaDfluss [Dr Br -Schiff. 28). — (1.29) fran-
zösischer Fluss = rheumatoide Schmerzen in-
folge von Syphilis (Paracet».). — gähe Flusse
rasch eintretende, rheumatische Erkrankungen ;
Rheuma = Fluss Gcon?. tos). — Ga//-FlU88 =
nach noch volksühlicher früherer Schullehre)
die ergossene giftige Galle, die in die Knochen
u. Gelenke sich setzt, namentlich an den Unter-
extremitäten, 1 = Knochen-Karies, namentlich
an der Fusswurzel (OherbayernV — 2. ~ (172".)
Podagra, Fuss-Gicht [Thea. «an. Br. &'>2) (Kaliv**r-
giftet). — 3. = Knochenkrehs uml Krebs ühcr-
haupt (Gr. w. iv. l. n*s), weil man z. Z. Taber-
naemontanus die dort ergossene Galle als giftige
Ursache der „gallflüssigen Schäden" ansah. —
4.= die gallige Diarrhöe, das sichtbarste Zeichen
des Galle-Ergusses, cholerische Flusse. — 5. -
der akute Gelenkrheumatismus als Gallschuss.
— (1744) Gradcr-Flusa « Synovia Zw ä40; e»"v
im Jambes, Bris* 144), das in d. Gelenken befin-tl.
Gltedwasser. — GVflÜSSe (10. Jahrh . nhd. keftu'-
cldo = Liquor, Hatte tu . Denkm. III, 596, irlfluszidiin
^ Irmr-hae fluviale«. II Z. XVI, **) = Liquor lym-
pliaticuH (Flusswasser, s. d.). — 2. -= Blutfluss;
^ (1507) überflüssiges Geflüss (EI. 8.). — (I6lü,
gesalzene*- Fluss = Salzfluss (s. d.) (coler, H. a. 9vj.
— GfsicAte-FlusB, 1. = Ekzema faciei, nässende
Flechte im Gesichte (Fluss 4). — 2. = Rheuma
im Gesichte (Parulis), Neuralgia (Fluss 6, Haupt-
fluss). — Gicht Fluss (1618 . nnd. jlchtflaet, Goldschtn
118. 122, Pausa .'«) = Rheumatismus und Gicht der
Gelenke (Fluss 6) (Dr Br. -Schaff. 28; Pauli l — 3).
— hitzige Gichtflüsse — entzündliche rheuma-
tische (ielenkkrankheiten (Ackcim. 176). — kalte
Gichtflüsse chron. Gelenkatfektionen ohne
Fieber, ohne Hitze (also kalt), ohne Röte oder
Geschwulst (Tripper-Gicht) (Ackermann 181). —
(1531) GoM«iiVrFltt8se = blutentle Hämorrhoiden
(Krautw. LXXIX), 8. Goldader. — (16. Jahrh.)
Haar' { Fliewung | " (C1""«UU0* Deflu"
vium capülorum, Fluxus (Galeni), Alopecia,
rascher Haar- Ausfall (Gr W. IV, 2. 28); ein Hippo-
kretische» Proirnostlkon (Aphorism. V, 11. 121, das
»einen Wert verloren hat. — (1744) // i: • -Flusse ■
Hals-Katarrh (Zw. ?r." ^Fluss ld); er fällt nach
früherer Annahme kaskadenartig vom Haupte
herab (s. Hauplfluss) in den Hals. — hanniger
Fluss = hantiger Fluss (hantig ist salzsauer,
■idiarf) = Salzfluss (s. d.). — Harn-TlnsA, 1. =
die zu reichliche Harnentleerung (Diabetes
insipidus, Harnruhr). — 2. = krankhaftes,
anormales Harnfliessen bei Blasenlähmung
(Gr. W. IV, 2. 487; Falke I, 309). — Haupt-TlxiBS,
1. — (14. Jahrh. houpttlus = rheuma, Voc. opt. W,
40; 1414 da« flos des henpta — rheuma. phkKma,
erurtio hurnorum, II. 497; 1518 hauptflussz - rheuma.
n. v. Gersdorf iooj , d. h. Rheuma im Kopfe
[~ Neuralgia rheumatica), auch Parulis. —
2. — (1361 hauptlluM, der ateta heraber in den hal«
fällt, Bork 196; 15.-16. Jahrh das fliessend de* haupts.
de vlotte des houede», hovptflus; fluss vom haupte -
rheuma, phlefrma, D. 497) aa Katarrh der Nase
X'oryza), der nach noch volksüblicher Vor-
stellung direkt vom Uehirne kommt (Hirnfluss,
kalter Haupttluss; Influenza?). — Haut Flu&s
= Ekzema (Hautkatarrh). — (im) heimlicher
Fluss ■ Gonorrhoea (Bork B74), Fluss an heim-
lichen Orten (s. d.). — (l <>7) heisser Fluss am
Leibe Erysipelas = Flug (H. 8 ). — llerz-
FlUBS, 1. - arterielle gefährliche Blutung, die
das Herzhlut (s. d.) entleert (namentlich bei
(ieburtsblutungen gebräuchlicher Ausdruck),
Metron hagia (Burk sfil. — 2 - (l'«l flu" im herz
grüblein, Gr W. V. 2028 ; Dr. M. Luther« Todesursache);
vermutlich — Hytiropel'icatdiuni als Erguss in
den Herzbeutel, der subjektive Empfindungen
in der Herzgrube macht. — Wtrw-Fluss =
Hauptlluss (s. o.), dravedo, Corv/.a, Nasen-
| Katarrh (das fliessende Hirn). — hitzige Flüsse
= fieberhafte Krankheiten mit Durchfall (D, M
W. Sehr 181« Ii;. — 7»tn-FlUS8 'mh<l. lnvlus, Lcxer
114) s Krstickung durch einen inneren Krguss.
— (I72."i) kille FlüSBe, 1. = rheumatische AHek-
tionen d*-r (ielenke. — 2. = Schleimtblsse. —
AVW-F1U88 (14. Jahrh tVi» in dl kek-n. Vo.-. opl W.
40 = morbus braneus = Bronchial Kutnrrh : lt.. Juhrli
flösse In dir kehlen) — Kehlk« jpt-Katarrh , die
; Kehl, auch = (Jrippe - Influenza der Pferde
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182 Fluss.
(Gr. W. V, ÜM; ZeiUehr. f. .1 Philo«, t, 2t). — Kind-
betterin- (Kindbett-) Fluss, 1. = Lichienfius*.
Wochenfluss (a. v. u Ii. assj. — 2. Wochenbett-
blutung (Zw. 376). — A'/nntni-Flnss = rheuma-
tischer Kinnbacken- Krampf, der zur Mund-
klemme führt (Gr. w. v, 936, Ml). — ifop/ Fluss
— Hauplfluss (s. d.), Gravedo, Coryza (Gr. w.
Iii, 1856; V, 1774J. — (neu AVcis Flui» - Kreis-
lauf des Blutes (I,. chir. 75). — Kropf- Fluss =
KehlfluBs (h. d.) eine Pferdekrankheit, Grippe
mit katarrhalischen Erscheinungen und starken
Anschwellungen der Lymphdrüsen am Halse
(= Kropf), die durch Eiterung sich entleeren
(Feifei, s. d.) (Gr. w. v. imoi). — (i74.s) LäAm-Fluss
= Sohlagfluss mit Lähmung der Nerven [K. in.
ch. 210). — Lrber-Tlam = Fluxus hepaticus
■ lull levcrsdoorloop, Vogel V, IM; 15 Jahrh. nannte
.k r lcbcr^c*tarrlius ImW.»), 1. ~ „die rechte Kühr",
„weil ilabei ufl gestandenes und geronnenes,
glänzendes und schwarzes Geblüt abgehl, als
ob es wirklich Fetten und Stücke der Leber
waren, ungeachtet es gar kein eigentlicher
Zustand der Leber ist" (A. v. H. I, 6fi3); (man
dachte eich früher die Kühr aus schwarzer
Halle durch Leber - Verstopfung kommend ;
darum 2. - Darmkatarrh; (is:u<) „eine durch
Verstopfung der lieber entstandene) Diarrhöe"
fllufeland 4B;>; s. Leber-Rubr; (180t) ein blutiger
oder fleisch waaserähn lieber jauehiger.schrnerz-
luser Ausfluss aus den Gedärmen infolge von
Stockungen im Systeme der zu «1er Leber sieb
entleerenden Pfortader (J r. Krank VI, IU;
Vogel V, 14 j-, M. EL L, I, 037}. — Leibs- Aui>Au&&.
s. Auslluss. — Ltn'b-FlUBS » rote Ruhr als Aus-
tlussausdem Unterleibe. — (1 ai) Lietiteric Fluss
ss (hta na) der weisse Bauchtluns (s. Baueh-
fluss). — (17. Jahrh ) fanatischer FlUBS -- Mond-
(Idss 2 Falke Ii, 7<>). — (IM.-!) Lunt/rn-Fluss
Lungenkatarrh, Bogen, schleimige Lungensucht
(Falke Ii, 81). — Ma*tdarm-TlVL&B - Mastdarm-
Katarrh, „von ihm wachsen die Feigwarzen"
il.onlceruü). — Aft/c/t-Fluss, 1 . weisser Baueh-
tluss (s. d.) = Lienterie, bei der die Speise milch
weiss abgebt (Hectica chylosa). — 2. = Galae-
torrhoe, Ab- und Auslaufen der Milch aus der
Milchdrüse (St. Jakobs-Strasse). — 8 = Abgang
von Chylus durch einen den Ductus thoracicus
betreffenden Wundkanal Krau«, K. 2;7 j :m.
Milch-Harn-Fluss- Diabetes chylosus, Abgang
von i'vermeintl.) MilchdurchdeB Harn (A. v. H. I,
447), Pyorrhoe, Pyurie, Eiterharn. — Afi/z-Fluss
— falsche Übersetzung der I.leu-teria flien — Milz) —
Bauchfluss (Kraus, K. r>6*). — Monds- Monats- '
Fluss, 1. - die allmonatlich wiederkehrende
Frauenfeuchte, Ulms (Hippokratis), Menses; fto-
ckender Monalsfluss Amenorrhoe (Müller.
Krtrbch. 550; ndl. maand >loe.l, He rock 290). —
2. -dieals monatlicher Fluss s.d. 1 hl /.um Auge
da llu\lon periodique luniuique Kraus, K. Gto) auf-
gefaaste Mondblindheit (s, d. u. Mond Falke n,
7». 131). — AfufYer-Fluss, 1. - Menses. — 2 =
Metrorrhagia, roter Mutterfluss. — 8. — Endo-
metritis catarrh., weisser Muttei fluss (Gr, W, vi
281»i). — (172)) AVicA-Fltisse - der nach der Ge-
burt natürlicher Weise nachfolgende Wochen-
fluss, Lochia (The- «an 1» !K»j Zw. «:>".). —
Fluss.
AWM-Fluss = Pollutio nocturna (A. v. H. I, 1143).
die nilchtlicher Weile erfolgende Ejaculatio
seminis. — Xagcl- '_/< flösse - Ulcera sub ungue
(A. v, II. II. 326), Eiterlluss aus dem Nagelge-
schwür. — A'ascn-FlUSS (14. Jahrh. flu«z der
nasen, Voc. opt. \V. 40; 15. Jahrh. nanenos- = coryza,
D. 040; lf.92 lluss zu der na*en = coryza. D. Ml) =
Coryza, Gravedo, Nasen-Katairh, „Fluss zu und
in die Nase" vom Haupte herab Hauplfluss.
8. d.) (tir. W. III, 1S50). — roter Fluss aus der
Nasen — Polypenhlutung aus der Nase. — (152S)
Natur- (naturlicher) Flnss, L-der ordentliche,
regelmässige blutige Ausfluss im Wochenbette,
Lochia. — 2. — Gonorrhoea ' — Spermatorrhnea)
als Fluss der Natur (■— Sperma, s. Natur) (II. v
Glend. 99). — Nerren ScIdagHu&B — ein Blulerguss
(Fluss b), der wie ein plötzlicher Schlag aus-
schliesslich Teile des Nervensystems lahmt
(Lahmfluss, Nervenschlag). — Mrai-FlUBS, 1 -
Olorrhoea, Fluxus auriuin, Otitis catarrhalis.
auch als überlluss des Ohrenschmalzes ange-
sehen (!«>■'. Guarinonl 808). — 2. = rheumatisr
OhrenBchmerz. — uois,. podayriKcher Fluss
die podagra-ähnlicben «»der rheumatoiden
| Schmerzen bei syphilitischen Knochenschmer-
zen an den Füssen (Pawel*; l'r. II, *:'>. —
(io».s) rechter Fluss - die gehörig fliessende,
seeernierende Fontanelle (FlilflS 7) (Haas Slot.
— (1742) ßfmi«/«M</s-FlU88 (der Kindbetter-
innen) - Fluxus lochiahs, den man als eine
Säuberung (s. d.) betrachtete (Zw. 954;. — iusi;
roter Fluss - rote Kühr (c. v. Megenbg.), — Rot-
lauf-Tinos— ein Fluss : -Gicht- oiler Gallfluss,
s.d., mit Rotlauf oder Böte der Haut (Phleg-
mone - heisser Fluss am Leibe (I)r. Br. -Sehrt. 2m.
— (I7<t) J2u/r»t-FlU8S Trippersekretion aus der
i Mentula vlrilis (Uoseul». ls). — .SWz-FlU8S
Behalt/euer llu*.<«, C'oler, II. \. iHj; und. «ollen lins*
Holten ilaet. QaÜdPebm. su), 1. m Ekzema vai icc sunt
— eine Flechte (HautkaUrrh), die eine MÜcig,
„hannig, hantig" schmeckende und scharfe,
atzende Flüssigkeit absondert (s. hantiger Fluss : ,
namentlich an den varikösen Unterschenkeln
(Huck 19; Gr. W. VIII. 1714; Z. Hdb. d. »p. I'alh. u.
Ther. XIV, l. 351), wie der Gallfluss (a. o). — 2.=
Ulcus varicosum, Hautgeschwüre am Unter-
schenkel in Verbindung mit dem Ekzema vari-
cosum V< { Ackermann 395) ; daher Fluss- Ader (s. d.).
— 3. - Herpes esihiomenus, „weil die spröde,
harte Haut immer wieder aufbricht und weil
dieses mit viel Beisseu (Jucken), Brennen und
Empfindungen einer grossen Scharfe geschieht,
nennt man es Salzrluss" \. v. II. I, 7ss) = der
fressen le Wurm — gesaltzene hlüsse (iwum. 3M j
Coler, U. a. % ; Falke II, j > , weil durch sog. gesal
sene safte (Syphilis u.a. hervorgerufene Flüsse.
— >'«M<rN-FiuSS, 1 = (Übersetzung der gonorrhoea,
'(wrt = .Samen, fttv — tliesseu ; also} S a m e n v n l-
leerung ohne Libido |I50; Gonorrhoea ,,au>
den unfreiwilligen Samenrohreu", llort. »au. ; 1532 „iai
ein unnatürlicher Flu** tnftnnlichen Samens, «perma
genannt, Oha« Willen des Menschen, Fries 120 - Sper-
mntorrhoea, eine durch Nervenreize erfolgende Samen-
eiKi'-^ung [Phlegma naturale], nächtliche äamentlüssc,
Sobernheim 373, Gr. IV. VIII, 1734, [Naehtfluss]; kalte
SumenflÜsse - ohne libldo). — 2. = der Tripper,
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Fluss.
Fluss.
163
Gonorrhoe», als solcher auch Samenfluss ge-
nannt (1744 = chaud de pisse, Zw. 692; Fluor albus,
Zw. 372, gonorrhoea notha; 17»3 übler üamenflnss —
gonorrhoea, Platner I, 300; Vella, Tractutm de tuorbo
iriillico, 1505). — 3. = Prostatorrhoe; schon
Soranus (Huber 127) erklärte die Gonorrhoea als
Katarrh (Ausfluss) der Harnröhre oder der Vor-
steherdrüse. — (16. Jahrb.) französischer Saruen-
fluss = venerieeher, syphilitischer Tripper (Pr. II,
231). — giftiger Samenfluss - Tripper, der an-
steckend -= giftig ist (Zw. %i). — kalte Samenflüsse
= AbgaDgvonProstataschleitno.von Samen ohne
Libido (s.Natnr, kalte).- (1743) nächtl. Samenfluss
— Nachtfluss (s.d.), Pollutio nocturna (blbl. Medikus
46t), Ubier Samenfluss (s.o.). — Schenkel-FlxiSS —
xsiuaToi Hippokr. FuchtII.275 — FlussG am Ober-
u. Unterschenkel. — (1725) Schlag-Tinas {-carus
; = qut parte aliqua muülusest, Du Gange II, 197]; Thes.
.«an. Br 87, dan. ulagflod) = ein plötzlich gewisse
Teile (Hirn, Her«, Nerven, Lunge) wie ein Schlag
(s. d.) befallender (Blut-, Schleim- oder Serum-)
Erguss (Fluss), der diese Teile ganz oder tum
Teil lahmt; ist der Erguss durch Blutung er-
folgt, so ist es ein Blutschlagfluss, wobei sich
beim „hitzigen Blutschlagfluss" die Glieder und
namentlich das Gesicht heiss anfühlen; fühlen
sie sich aber kalt an, so ist dies der „kalte
Schlajjfluss" ( Ackermann 153) ; ist der Erguss aber
eine akut gesteigerte Sekretion von Schleim, so
heisst man dieses den Schleimschlai?, Sehleim-
fluss. Schleimschlagfluss(Hyrt], Anat. 212) ; istder-
eelbe so stark, dass er, z. B. in den Lunken den
Luftzutritt hemmt, so ist es der SlickfluSB —
Schlrini TlriSB = Schlei msehlay fluss s. o.>. l. =
LungenschleiuiBchlag, Oedema pulmonum. —
2. ™ eine krankhaft gesteigerte Sekretion des
Schleimes, der Schleimhäute, z. B. der Blase:
,.Schleirutius8 der Blatter" - Blasen-Katarrh. —
(is;v) Schmalz- (Schmer)-T\VLB8, 1. = Fiuxus seba-
ceus, Schmerflnss, weil hei dieser Hautkrank-
heit ein vermehrter Erguss von flüssigerem
Schmer 4), Hautfett, Hauttalg, Hautwachs er-
folgt [BettYendCl), wobei die Haut einen ungemein
fettigen Glanz erhalt (nebtont II). — 2. = Akne
sebacea, Hautknotehen, Finnen, oft eine Folge
de« gesteigerten Schmerflusses (Gneiss, s. d.)
(Eichnrst II). — (1668) »chmertlicher Fluss, 1. -
Neuralgia rheumatica. — 2. — Podagra = Gicht
als Gallfluss (Fischart; Gr. W. IV, 1. 1033 — Schul
ter Fluss = Gicht o. Rheumatismus der Schulter
( = Omagra) (A. v. H i, iow) (Fluss 6). — Schiceiss-
Flnss — Hyperhidrosis, eine durch Nerven roll
übermässig gesteigerte SchweiBsbildung (Angst-
schweiss) (Fuchs II, 103). — (1754] SpaV/tW-Fluss =
Salivatio, Ptyalismus (Hippokratis), der durch
verschiedene Reize erfolgende vermehrte Er-
guss von Mundspeichel ( \. v lt. I, 1200). — [174«)
Stick- (Steck-). StocJtr-Fluss, 1. = eine meist durch
plötzlichen Erguss von Bronchial- und Lungen-
sctileim (Serum) verursachte Beeinträchtigung
der Atmung, die zu Erstiekungserscheinungen
(Orthopnoea) führt; Capillar- Bronchitis, Ca-
tarrhus suttocativus, Oedema pulmonum, Brust-
waasersucht, Glottisoedem (Maacheob. 79). —
2. - die bloasen Symtome eines solchen Stick-
flusses ohne wirklichen Erguss von Flüssig-
I keit, als ein Erstickung bringender Fluss zu
den Lungen gedacht (Pauli (»2), z. B. Asthma,
Dyspnoe, Glottiskrampf, Laringismus stridutus
(Schw. 674) — Stuhl- ([1507] Stuhlgäng-) Fluss
(II. «.) = Diarrhöe (inhd. stuolvluz, Lexer 354). —
TAräiwm-Fluss = ein, meist auf psychische
Reize hin eintretender, vermehrter Erguss
von Thränendrflsen-Sekret, Lippitudo hurnida,
Trief-Auge (Zw. 223). — (1609) tiefe Flüsse — aus
dem Innern des Körpers kommende Ausflüsse,
z. B. Eiterflüsse (Guar. 908) aus Fisteln. — (ls. Jahrh.)
Tripper Fluss (Richter; Pr. II, 604) = die Sehleim-
hautsekietion beim Tripper (s. d.). — trockene
Flüsse (O.-Pfalzj — der Gegensatz zu den feuchten
Schäden mit Schmerzen schmerzhafter Scha-
den (Fluss — Neuralgie), aber ohne Erguss, ohne
Feuchtigkeit, also trockene Flüsse = trockene
Schmerzen (Dr. Br.-Schff. 29). — Uber- (übriger)
FlUBS, 1. -der Weiber; Ü477 der rote überfluzz der
traweu, C. v. Megenbg. ; 1631 der übrige fluss der wei-
beru, weiblicher Übcrlluss, Bock S3, 87; 1591 übrige
!tü*s der weiber, Tabernaetn. 33 D ; 1609 der inunatlioh
OberflOM, Guar. 1306) = der rote Überttuss der
l Frauen, Menses nimii ; noch heute glaubt das
Volk, dass solche Frauen mehr Blut als erforder-
lich haben (bibl. sicdlk 354). — 2. = der Verdauung;
(1609 der dewung, Guar. HCS) - Erbrechen, Erguss
von flüssigem Mageninhalt Vor Paraceta» nahm
man 13 Überdüsse Humore» (12. Jnhrh. ubcrtluzzigin,
Pfeiffer 17 e. läng) an ■ 1) in der Verdauung — das
\ tndauen, Erbrechen, 2) der Galle, 3) Harn (& d.), 4) Rotz
und Sehkim, t» Ohrenschmalz (OhrllusM, 6} weibliche
; Blodigkeit (menses), 7; essentielle Plethora uulversali-
(„AderblutäberfQUe") , 8) OoldaderUutfttUe, 9) Haut-
dampfe (Ferspirallo iMMIlrtMlfa), 10) Scunreiu (Truu
>piratio), II1 Haare, 12j N Airol, 13) da« Blut zwischen
Haut und Bein (Guar. 868). — - ; fluss. ;■ - GeflÜBS
— Metrorrhagie (s. o. GeÜüss 2). — tibertLUmigc
Krankheit, s. Krankheit. — (1744) übermwustger
Fluss = Fiuxus mensium nimius (Zw. :iooj. —
(I507j ungeborent ÄoeZ-flüsse, 1 - Metrorrhagia
ex abortu (H. san.). — 2. — Schwangerschaf ta-
I blutungen (ungehoren 2, s. boren, geboren). —
(1618) unnaturltchtr IFcmtrHuss ■ Endometritis
catarrhalis, Leukorrhoe, Abgang einer abnor-
malen wasser&hulichen Feuchtigkeit (Pansu »).
— unreine Flüsse im Leibe, von denen der Kor-
per sich durch ihre Entleerung reinigt, 1. -in
fektiöse Darmkatarrtie. — 2 = krankhafte Lo-
chien.— 3. = rheumatoideSchnierzeu infolge von
Syphilis - IT- rVm-Flusa HarnfltlMfBHlefc
189). — (1783) H'as«c7 -Flüsse = wässrige Sekre-
tionen im Gegensatze zum Eiter, Blut, etc Fluss
fi:-*lcli 261). — (1588) Weiber- (KMj {weiblicher,)
Fluss, l. - Menstruatiofeminarum, s.Muliebria.
— 2. ■ wässeriger Weihet fluss = Endometritis
catarrhalis, wässeriger Austluss durch Frauen-
leiden. — Wfin er) -FlUSS (1V>1 der weisse Üus«,
so den weibern von gesehwär sieh erhaben, Bock 31]
Endometritis et Kolpitis catarrhalis, blenor-
rhoica, gonorrhoica, Fluor albus, l.eucorrhoea
(Furor uterinus), Fiuxus albus - inordinatum
sanguinis albi acsaniosi profluvium<iuomulieres
interdum laborant ;i)u (.'auge III, 529 , a.v.H. I, 062);
\Veis.--fluSB der Augen — Bindehaut-Gonorrhoe.
— venerischer \\Vis*flusB, 1. - Scheidentripper.
IV
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164 Foehn— Foss
Fotzfe).
'2. = syphilitischer BdieMulwtorri*. — Wodten-
Flusa ss der schleimig blutige Ergttss in den
«Wochen post partum, Fluxus lochialis.puerper
alis ( v. v. II. Ii, irin). — Zahn- (Zähm- ) Flnss (ir.:>i
,,iaenf1uss"1,von «len kalten zähen aufRcstleRenC (Iiisso",
,,«lie Aus« vcm <li'n bösen z«nen", ..zeenlhiss', Kn< k 92,
117. 271, Mussum ziilin, Itiitiml IUI; 16GS EahnflllMd Heyn
8">), 1. Neuralgin rhcumatica dcntium, durch
einen Fluss ( = Hheuma) entstanden ((leorg WS).
— 2 Parolis, Periostitis rhettmatica. — Fluss
(Flosa-, flüssiger)- Ader, -Fieber, -Flecken, Fasse,
-Fundament , -Galle, -Gany, -Geschwüre , Ge-
suchte, -Kinder, -Krankheit, -M<ttcric, -Note,
• Schärfe, • Wasser, -Znhmveh.
Foehn, in, («h tat. taTonlu* — Westwind] lud.
fiivonio; rtuetoron tavuogn ; we«i*cbw. focu - su«i-
wind. Sunderluft. Kluge*, III). — TÖhn-Sucht.
Förch h. Ferch.
Forsche (Tirol) - Ferne (Hlntuer s. 20j.
Föss (Fiss) ■. Fues.
Fössel, « Feaeel.
Fohlen, n (Fullen), Fohlen Brod, Gift, Hemd,
■Krankheit, -Lähme, -Pech, -Zahn. — rtfcfüllen
= die (ieburt eines Fohlen beenden (Falke I, 4).
— (1592) Schlauch- (Schleich -Füllen Hengst-
fühlen mit l'raeputium penis (Seb. 239).
t'errttllen= Abortus bei Pferden (Kalke II, inj.
Folge, f. Folge- Krankheiten.
Fölma (ahd.) f. (indoR. pil; Rerm föl , all» lolm.
Kluge , 121 IT.; i>alm van der liant; palmc, 1), 407) =
die fühlende Hand, Palma maniiH (s. fühlen).
Fontanelle, f. 1. ( = Ausdruek der anatomischen
Schulen für Vertex pulsatllls I'llnli) = Sfirn-Fonta-
nelle = Blau (s. d.), Blattchen (Hyrti, k. \v. im)
— 2 — das künstlich erzeugte Geschwür oder
der GeschwürsflnsB (s. Fluss 7), der zur Ent-
fernung einer angenommenen Materia peccans
am linken Arme oder in der Nackengruhe offen,
beständig fliessend erhallen wurde ,'fons = Quelle,
Brunnen ; fontaueOa — der kleine Brunnen),
fort- (die ZnaimmeiuotzmiKen mit dieser Vorsilbe
«nebe beim folgenden Stammwort«).
Forz, in.« Farx (». d.) Furz, vontris ctopitus.
(tlr. W. IV. l. 41).
Foss, m. :<..i (Vo8, Foschlnd ], Vosch, m ,
Fasch, n , Fes, Föss, Füss. Fiss, Fuchs) I rietet
[in Kuhn, Zeltschr V, 312); stell! nord. vosnls llaii!iil,el,
Pustula, seahies zur [«anskr.] Wur/.el vas intertlcere
[duu verwesen, s. d ]). — f088 = faul, schimmelig,
wurmbrfichig, wurtnfreteig, durchlöchert (Gr. w.
IV, l. 41). — Fosch, FOSS, m. - Rehwämmchen
(fälschlich Aphthen), Oidium albicans (t.r. W. II,
640; Hufeland K4, Aekennann 518; Schmeller I, 1038) ;
Fuchs (in Hamburg und Holnstein) = Vosa = die
Halsbräune (Hr. W. IV, 1 340) dies«" oft mit Soor
verwechselt). — der (das) Gur-Foss ( K urfes, Kur-
fo«eh, liurflss, Kurvusf. Curliss, Curfes, Kur-
fress, Kttrfes) - Schwammchen, Pilzbildungen
(Soor), die «ieschw Orsprozesse im Munde des
Menschen od. im Pferdemaule machen (l >99 cur-
fl«s, ..eine Krankheit, welche die Russe in» Maul an-
alogst, das« ihnen dos Zahnfleisch Reschwillt an den
Stockznhncn und sonst anderen Zahnen, fallen Ihnen
auch I^K-ber «Ircln" . Or. W. II . CIO , 1603, 1629 da»
• urfes [- Citirloss] — aphthac [idcola), ulcera In orc
pueril nasrenlla, Schuiclhr 1. 1291 ; I». 13; Colcr, K.r.9;
U A. 1äI) - Kurfes-Gesicht (#. Sucht : (vergl.Gur ).
— Mil -Fasch (Foss) — I.aetueimen, milch-
weisser Soorbelag im Munde (Kraus, K. &S2). —
Sand-Toss = Soorbi Uhingen auf der kornig-pa-
pillären Zunge (Kraus, E. io~>. 723) u. nachgebildet
begrifflich aus <lem „Mehlgrand" ( - Mehlsand).
Fotz(e), n., m., f (Futz(e), Fot, Fut, Fud,
Füdlein) (indoRortn. pu den Verwesungsgeruch von
sich gelK'li , keltisch fod, lol, fud, futt — inatrix, Vulva,
|)u !*aiiKe III, >n ; Renn fn ; aus fu bildeten mehrere
Renn. Uialektc futh — ciinnus, KIurc4, 79; a'.tnord. fud
- cutnius, Klupe*. 17'.; ahd. fudt, tut, fotte, foi =
vulvs, cunnus, llyrtl, KW. U; (iriunn (W. IV, 1. 1060;
stellt es tu Roth fiutan, pudere, sieh aehamun. dem-
nach w urde der Jetzt unziichtiKC Sinn de« Wortes von
einein zuehttRen abstnuiuien ; ür. W. IV, 1 13. H, IUI
futl, ZiiiRurlc 191 ; 1171 fud, tos — cunnus, vulva, Schm
I, «W ; im lud = TOlT», Or. W. IV, 1. « ff. ; 1476 f otxen
- vulva, janua ventris, lir. W. 1. eod ; HS2 fud. fott
vulva, ZeniiiR. Voc. Iii; (Jr. W. IV, 1. 43. 3452; 1482
foUe - Nase, Zeninp. Voc il; 1IS7 fud. Schmeller I,
«193; im li> Jahrh. wird da.« Wort aus Anstand Remiedeu.
i«l aber heule noch [Bayern, listcm'leh, Schwaben.
Tirol] gebrauchlich St «lallen, futz cunuus, vulva,
(ir. W. IV. 1. 1102; Schwaben, fud = weibliche Scham,
<•. v, Schm. 207; fudle, fudlelu = podex. 8chw . 306,
Tirol, fud, fut = podex. Hlntuer 7. 17; vtdli, Z. f. Ö.
V. K 1S96. '.19, fotz, «ir W. IV. 1. 46; Schmeller I, 6*1;
1702 Fezl Fotzl, Weibsbild; Tolleleg. 222). — Fttt
(dieses die rii-htige Schreibweise, ist demnach), 1. =
Cunnus, Vulva, weihliehe» (iesehleclitsglied
Feminal, Schnallen, Masche, Britischen) (Fotxen-
kraut — C'hetiopodlum vulvaria, L. Jessen 92). — 2. —
dieser Begiitl' 1 ging auch in den des nächsten
Körperteiles = Podex über (Schmeller I, 7»2). —
3. =selhst auf «las männliche (ieschlecht wimle
es (in Scheltworten) übertragen ((ir. W. IV, Ltd.
1060) —4 = wie öfters wird das Wort für Cunnus
auch auf «len menschlichen Mund und das Maul
der Tiere übertragen (mit verächtlicher Bedeu-
tung (Schindler I. 7*2; Schlicht 114) ; Ft>t« = Maul.
Fotzen f. = Maul, Vulva, Podex (vergl. Triel-
fotl), (AufTHlllR ist und wohl nur mit «lern KnU-npfer
von Tieren erklärbar die VerwendniiR dieses Kortter
teiles(Schweln] zu aberRlaubischen Hellversuchen [Jahn
22-'>; f. Thes. »an. ßr. 84; Gr. W. V, 2901], sein Vor-
kommen in der MeURcrsprachc und die IlenennunR
von Waldteilen mit die»em Namen, i. 11. Hnndsfutt-
holz, Kuhfui [Kuhflucht V) s. auch Kcff ' 1.). — Fütle
(Pidle), Fütlein, Fütel (Füdel), l. -- Vulvula
|<lr. W. IV, 1. 36:t, 370. 1064, 1101; Schmeller I. 691).
— 2 - Pod« X (Schwulien. Tirol. Hävern, Cr. W. IV,
1. 870; Hintner 7. 17; Schneller I, 694; C. v. Schm.
207). — (i6os) Ftttlach (Fudloeb, Födiaeb), 1. =
Vulvula. — 2. — l'o lex - fudl ohi ,, durch Verdun-
kelunR Ist dos a In Fiitlach zu o [Futlochi geworden,
*ir. W. IV, 1 370. 371). — (17101 Ftttung .'Kulmua 187),
1. — das Coagulum visciduiu (tlutinoeum, der
Brunstschlidm der Stuten, aus der Fut ausge-
worfen. — 2. — der entwickelte I'ferde-Foetus
der ersten Wochen (im Innern der Fut). — (Die
l-tlanzen-Namen : Fotz» ein tind lr»39 FotzxwanR [ = or-
ehl«] cehoren hieher. f!r W. TV. 1 tfl Aphrodlslaca).
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Fradem— Frais
Frais
ja läufig (von Weibern) (Schindler
: - --: — fl : ir-Fotz - vüius da«
lockte Schamhaar am Mona Venens fetninae
I>. «:> — ifatne-Ftidle = „eui alvus sua sponte
nuit- vBuck i*. wie bei Hahnern — Triei-Totz
: Mund ober dem Triel >. d ). — Fotzen-,
(Fltsen- . Put-, Fotx-) ßarf, -Gigei, -Haar,
Lapp, Maul, ■nackei, Xoll, SekU<-ker, rrr«hrt,
v-99 futzeln. . -—
fotxelnj1 =colre" ~ 2 '*
übelriecben ;0r. w . iv. L 1102
Fradem. m. (Fratem -nd fr«-., m Gral m, .
<;r W. TV. L «7. s-h« 214; = Bradetu ,« d \ Vapor
fraess *. frass.
Frais, f. (Fraiach, Fräsch, Fr eissam.
Fraischem. Fresem, Fraisen. Freissum.
Fräset Fraiseln. Fr aislein, FraissJ, freiss
Gfraiss. O frasch) neulich!
r-cls«*n; Kl» ». d. — Srhrvekeu
analog tu Iresaen - ^erewn; gvth frai«*n
f-e-ncnlum fao-rr ahd. frri-va = j*-ncu!utn. <5ralT III.
VJP frviuam - rnaltiroutn. tn*tc. «iralT. 1 <■ III. vT..',
mhd vtwj« - FurrM. Schrecken vrvwsain ^ Schr- cken
•ehrw.-kliclw Krankheit . IV Jahrb.. Trw*m - cooler*
D. 131. 14« tr»r»e Zening. Voe. bb S;
na. Im«» um U. Sa«-h» — ery«prlas i:>10 frai«
= phreaeau; 1-H*; fraiaam . H. v. Gersd. 102 1VKJ
(rviMum = i-irtnt. King e *. 14V lisS du frainl. <_.r. W.
IV. S.OT; 15« freissUeh. Tabero. 37 B; 1614 frai»
•U* Venrift [81 ■ M :. 161- fraiseln. fri*el
1*». Koehler VG1 SS; 17
kr Fohlen. K. A. SO»; ndl. vre«.
I>e Cocfc 36. 177J fraisaam = Grint Kheinpr fre*«m
- <;rtnt. Klare \ H'> Die verschiedensten Krank-
heiten werden mit diesem uralten Namen be-
zeichnet: L jede Schrecken erregende, plötz-
liche, konvulsivische, eklamptische, apoplecti-
forme, epileptische K rankhei t , die den Menschen
oder das Pferd „anfallt", „anstosst", seine
Utujfebung in Jsmmer und Schrecken ver-
setst; a} = Convulsiones infantiam, namentlich
das Angenverdrehen der kleinen Kinder .„Ver-
stellen" e. d .), vom Volke personinaiert als
Fr. ti sie in. Oefraislein «. d) ^tobeoToll U7;
Bavaria D, 2. SS5; Gr. W. IV, z 124t . Schneller I, ;
B4T«rU III, L 4ü4 ; iv, i. 221' Ivergi. Gefraiscb,
Gichtern, Vergicbt, Jammer , b) Hydroeepbalas
acutus infantium, Kopffrais, schreiende Frais,
stille Frais; c) Eclampsia infantium, Termin,
Wurmfrais, Zahnfrais, Vergift = Vergicbt st.B.-
Mir ). Gichtern, Darmtfcht. Noch heute ist der
eklamptische Anfall Fraisen^ eines Kindes der
Schrecken (vreissam," aller Nachbarweiber, nicht
blou der Motter. FreUamkratr. — Lathraea tqoa-
L, Jeaaen SC - Gicht- Verficht ; W unel. ' .-cht-
= Paeonl«. die den Alp ]*. d.] rertreibti; d) Epi-
lepsia, als schreckliche Krankheit mit Konvul-
sionen, {„da* Hinfall und Kral«! »ind G^vrh a i«rert
[Bo«n. Mirakel], Schmeller I. SÄ. «27; Scbw. ZU, =
fallende Frais, Unkraut; e, Eclampsia par-
turientium tSchmeilerl.to:, Mutterfrais; f Con-
vulsiooea hystericae (Paaaa lt. ; Apoplexia,
das Fraislicb; h) plöUlich eintretende Bene-
gungflhemmangen, Sperrfraise, Herrgespann
(Frisch) (Gr. W. IV. 2. 124« :; ij - Tussis convul-
siva als Krampfhusten mit bedrohlicher Er-
stickungsnot; k) febrile Tobsucht, Phrene-
SIS, Pest (s. Vergifl) ,,dit- wutende Sucht phrene*i»
ftoannt". Frie* im. B5). — II. a) = der unver-
daute, grünliche, gehackte Stuhlgang, die ver-
meintliche Ursache iur Eclampsia symptoma-
tica infantium (..wenn die Kinder die unnatürbehi
Hiu ul<rlaaft nnd Baach weh hal*n" . Volks-Me«! d
Verl S 99. (Darmgicht); b) o (U. Jahrh.) Cholera
(I). isij. — III. = Hautausschlage, durch deren
Vertreibung das Volk die Frais I hervorzu-
rufen fürchtet, oder die auch son*t ob ihres
Aussehens oder ihrer elbischen Ursache ein
Gegenstand der Furcht sind: a) Impetigo lar-
valis iBehrvnd 17; Freisam, , <irintaust-chlag
s Grint Urusta lactea Kavaria IV. t 219. C r.
>. hm 201. in der Pfalz l're.-eTn. fanli 114 : in der Rhein
i.rorini Fre«.<in, Klare *. i«-V ; b) Erysipelas U. An-
l hrax Phlegmone Hort aan rote Frais . Fraissgut
•» d.), ..das Frais»" il.tSZJ ■ Milibrand-Karbunkel
Ignis persicus, Wildfeuer r. w. iv, 2. SV7/;
i- = Fiiesel ,c v <ohm. 201); d - Icterus culanens
ifelbe Frai* . b < d konnten auch tu Frais
1 k sagereiht w erden — Da.« Frais 1 ich
lieh) - die Selig (s. d.) od. Apoplexia (ndl. \
lüke; JkwUUk, qnod dicitar Sele«a '. I-ammt rt. Volk»-
Med BS«, das Schreckliche, Grauenhafte >eil
Leiden Schnuller I. «.^3, l*e i ock 12;. — frais .:
1x17 vre*ich ■ Umoratu?, l>. :»s3j — mit der Frais
l»ehafiet. — (l&rv. angehörte Frais - durch Zau-
ber (s. d) einer Hexe veranlasster hysteri-
scher Fraisen -Anfall tv. iL IT Anh > —
W<ii*<* Frais - der konvulsivische Blau Husten
t/Tussis convulsiva). — 16«, Darm-Frais, 1 -
die konvulsivischen Muskeiliewegungen u. das
Geschrei bei der Darmgicht 'Darmvergicht,
Gichtern, Darmjammer <ir w. 11. 7-1 — 2. =
der gehackte, dyspeptisclie Muhlganjr der Saug-
linge als Ursache su Konvulsionen). — fallende
Frais = Epilepaia, Convulsiones epileptiformes.
— fraise h ^ifraisen) eigentliche die Mehr-
xahl von Fraisen-Anfällen 'Convulsiones) oder
alle Fraisen- Arten susammengenommen , also
auch Haut-Ausschlage. Gefrais lehnt «ich wie
Fra«e! »ehr an Gefras* « d J aa Bararta III, 1 704.
IV. t. 221; Gr. I). M U. 1111; Wultke 476 M2; Müller
Krtrl-ch 90. f. r. Schm. 201 . E» kann nicht wunder
ueh::ieo , »enn die« in der Kiudemut»«' so oft ver-
tretene Krankheit in ihrer rr**che eine damonlsti** h->
PertoniSkaUon noch erfahrt ; wie fast alle altbenannten
Krankheiten wird da* «iefrais durch Bann-Worte 1-c-
»prochen, und in ihnen tritt das deffeischlem
. I-acimert Wvlk« - Med. v auf ' >b -Franken: ver((l Schreck-
aelr n. Gtcbüeln) — gelbe Fr&U = Icterus (mit
Konvulsionen?) — Cr 'mn A -Frais - Meningitis
cerebrospinalis, Genick-Krampf. — grtitilicKe
Frais = schreckliche Pest. — grünt Frais,
L = der gallig-grüne, gehackte Stuhlgang der
Kinder. — 2. = die Eklampsie, die bald tum
Tode führt (fahlgelbe Todesfarl e der Haut).
— Hirn- \Kopf- Frais - die Konvulsionen l>ei
Hydroceplialus aeul inf. liitziger Wasserkopf)
und Risor Hippokratis. — Mut ■ ■ Fr;-.i - = Con-
vulsiones ex utero: a' Eclampsia puerperalis
>ilde Fraisen); b) Convulsiones hystericae
'Scbmelltr I. s.- — rote Frais - Kotlsnf (mit
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10<» Fruugvn— Franzosen.
Franzosen
Delirien). — ScAatfm-Freis - vermutlich ent-
stellt aus Scheitelfreis oder Scheiden-Frais, die
vom Kopf ausgehende oder zur Scheidung (Tod)
ffthrende Frais (Schmeller II. 484). — schreiende
Fiais = Reizungs-Stadium beim hitzigen Was-
Herkopf, der mit Krampfanfallen sich einleitet,
(crie hydrocephalique, s. stille Frais). — alle 77
Frais = die höchste und schwerste Form der
oft unxilhlig wiederkehrenden Fraisen-Anfälle
i s.Sieben).— Spcrr Tnis - Trisnius neonatorum,
plötzliche Mundxperre (s. d.) bei Kindern (nicht
Speiseröhre wleSchmelle-I, 82<> steht.'. — Stick-Tr&is
= der konvulsivische Stickhusten (Tussis con-
vulsiva). — stille Frais — Lahmungs-Stadium
beim hitzigen Wasserkopf (Hydrocephaloid),
Gegensatz zur schreienden Frais (s. d). —
unredende Frais [n<11 onredelljeke vresse, De Cock
177) = stille Frais — xible Fraise (1489 ubel frayse,
Zcun. Voc. b b s) - Schaden (Perieulum in rnorbo).
— Wasser- Frais (ndl. watervTees) = Wasserscheu,
Wasserfurcht (s.d.). — tri/dY Frais = Eclampsia
puerperalis. — Wiirm-Frais = Konvulsionen
der Kinder, deren Ursache man in Eingeweide-
würmern sucht — ZaAn-Frais = Eclampsia
symptomatica in denlitione difficili, Konvul-
sionen durch Zahnungsreiz (Schmeller I, 826). —
FraiSS-GMf — FreUnmkrauter = Achillea clavnta,
Herba clavtlata, Viola tricolor, H. v. liersd. 102;
Schmeller I, 827; Volki-Mcd. d. Verl S 99).
Frangen, p). (zu wrangh ; roifern trank [ renken];
ndl. wrong - eine Krankheit der Kuhe {». Hirsch-
krankheit], Kluge*, ungls. wrenc - Krtitntuung,
1475 wrangh, wränge — Kaukkoru der Schweine, pnrrigo
| — inflnuita-i porromm] f> 448, [Westfalen] frangen)
■ frangende Braune (Milzbrand, Kankkorn der
Schweine), wobei die Tiere den Hals krumm
oder steif, wie verrenkt halten (s. pfrangen). —
frangendc Braune.
Franken. — fränkische Seuche ; s. Syphilis
u. Franzosen.
Franse, t Franze (aus dem ronaa. trange,
f' angin - nmbria; ndl. frone n 1. Hautfalten;
2. = Muttertrompeten (De ruck 24-, Kluge», 117,
Knlke 1, 2M).
Franzosen (Frantzen, französisch), 1. =
Syphilis des Menschen mit Krankheils - Er-
scheinungen, die „die Franzosen" genannt
wurden, weil Frankreich von jeher als das
Mutterland der Syphilis gegolten hat; auch
(1183) Morbus Palliens, neapolitanus, hispanicus
etc. (cf. Syphilis) — eine Infektionskrankheit '.«.sc,
giftig', welche Haut-Kufen und -Knötchen, eine kop-
rirlite Haut, Narben mneht . wie wenn die Kranken
die Pocken hinten oder aussätzig waren, sodass mau
die Krankheit auch die .,l...«et> Blattern" (s. d.) [1515
bo«eu blättern die man nennt mal frimlrnsen Fuchs I,
351; C\ x. Schm. 471] auch „watsche Bo«cn oder
Purpcln" nannte; dabei fahren Heulen, Bälle), Tüppel
und ,, aufredende" (iir. \V. IV, 1. 611 „wilde Warzen"
ßcfluseller I, 826) auf, die zu „gTossen Schaden" »Ich
auflehnen ( - Locher;, welche Krankheit mit einer
allgemeinen (ilicdcr- oder Knochen-Schwache Lahme
«. d.) einhergebt und häufig einen Knochen- oder
«'«elenkprozc« hintcrlff-st , der zum ,,Contr»ct-Mal"
V d.) führt (Schmeller I, 825- mtl. Bcttr. z. Anthrnp.
! u. fruesch Bayerns XI, 6»; sie i«t dt. st Monus
Krankheit [■. d.], Schmeller I, 825). — In der
„Franzosen"-Schmier liegen = eine Schroier-
kur, wie sie „die Frantsosen-Artzel" (1681, Para
celmiü) verordneten, gegen Syphilis gebrauchen;
1 Franzoisen scheint richtiger und ursprunglicher zu
»ein. — 2 = die mit Syphilis verwechselten
Tierkrankheiten: a) die Perlsucht (Tubercu-
losis) der Rinder als finnige Krankheit (s. d.
u. Finnen) Falke I, 296); b) die Schweinefinnen
(s. d.) (Falke I. c J; c) die Besehalerseuche bei
Pferden (K. A. 632), d) der den Franzosen ( = Sy-
philis) am meisten ähnliche Pferdewurm (Kotz)
(Helmont; Kalke II, 27 1 K Man nalim am Ende des
l 15. Jahrb. an, das« diese Krankheit (1) von Frankreich
her alt eine ganz „neue Krankheit" (■. d.) erschienen
sei; »ie war aber sicher (Haeser II, 225; Fr. I. 402. 414
-chon früher, vor 1472 auch in Deutsehland bekannt,
l'rocksch („die «Jeschicbte der venerischen Krank
heiten") sagt auf Grund eingehender Studien
über die Syphilis-Geschichte : „das Volk kannte
die Krankheit, wenn auch nur in einzelnen,
grellen Merkmalen und sehr unvollständig lange
vor den Ärzten oder doch wenigstens lange
vor der Syphilisliteratur" (II, IX», auch in diesem
Krankhelt«namenbuche sind viele Belege für diesen
Ausspruch zu linden; nach dem langst üblichen <.e
brauche des gemeinen Volkes (..vulgo") wurden die
I Franzosen ins Latein der I.iterotur als morbus gallicn*
übersetzt. [1467 malum Franciae, Fr. I, 360 ; 1472
fetulentns morbus, oul dieitur mala franzos. Haeserll,
227; 1. c. II, 222. 223; Fr. 1,372; 1480 franeois - morbus
galllcus , Schmeller I, 824); schon das Auftreten der
,, Franzosen" im Jahre 1472 spricht dagegen, dass
dieselben als „neue" Krankheit zuerst MM im August
Im Heere Karls VIII. vor Neapel (Mal de Naple) «ich
gezeigt hatten (als mal fratice»e, ; 1493 frantzosen ^
morbus gallleu«, Z Hdb. d sp. Path. u Ther III,
in; 149 . malum Franciae - Haeser II, 227, 1495 mala
Kranzosa Khonbeschr., Schnurrer II, 46; 1496 fran-
zosen, Lersch 201, Z. Hdh III. II; 1196 malum de
Francia, Haeser II, 212; malum franclcum. Fr. II,
20; mal de Franzos, Fr. I, 876; malum Franciae, Pr. 1,
359; 1497 plaga francosen, Schmeller I, 824, malla
franUo««a Rhonbcschr.], mal franzoso. Fr. II, 23; 1491
mala frant/o«sa, Bavaria IV, L 221; 1497 betleckt mit
der Kranckheit der l»o«en blättern genant Male Frau-
ClwM, Kriegk I, >27; 119!» morbus franeu«, Haeserll,
21". 1499 Frcchn, den man nennt mala Kranntzos.
\ ierordt 79, 1"<00 malum franeum, Haeser; 1601 malum
Franciae, Haesc-r II, 214; 1506 Iran t zogen schir jeder
mann hat Wf : \\] lew t freaMD sy gar hinweg, Vlerordt
79; 1507 Mdgo morbus gallieus sivo franzouicus -ive
iiialafrauzo«ii Sehnurrerll, 59; 1509 Franzosen — morbus
KnUiOtts; 1514 malum Franzo-iae, Fuchs 1,3.51, IM I mala
j francosz - mentagra Rosenh. 27»; Ct. W. IV, 1. 64.
' 1519 frantzooen, Fuchs I, 858; Fraatzosen oder Blätteren.
j VierordtSO; 15.-16. Jahrb. mala de Frantxos, Schmeller
I I, S24 ; 1*10 fnmt/o« - morbus gallicus, D. 36», 15.17 Iran
tzosen = mentagra [syphll.], Fuchs 1,874; 1686 Fran-
zosen - arme Leute; 1 «60 Frantzen, H Sachs, Schmeller
[, 825; 15*0 die Frantzosen, Fuchs I, 377; 1591 mit den
l'rantzosen befleckt, Tabern. 26 1 , 1616 Französisch,
ParaceUus ; Ct. W. IV, 1. 63 = morbo galllco comiptu»
, [franzosi«eh teldsiech]; Gr. W. III. 14S9; 1618 Fran-
, tz<.-en, die mala Frantzoscn, Paracel») — (1527) tran-
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Frass.
Kratsche-Frau. 167
ZOSicht = HVpliilitlKch (Karlsbader Badeschrill —
französisch = nach Franzosen-Art. — (1WS)
Französer = einer, der an den Franzosen (Sy-
philis) ei krankt int (Gotar, H. A. 288). — (UM)
arme Franzosen (FranzbBigen) (Kranken) = arme
1-eute, gut Leute = syphilitisch« Spital-Kranke
i<;r. w. iv, i. 6a). — böse Frantzosen (H96 das
Ih*m FranUo« - wilde Wunen [»yptill. Feigwnrüen}; |
l»«.s,.n Franxo* - wilde Wunen; UM hose Franzosen, j
*cit 1491 In der Auvcrgnc. Fr. I, Ml ; Ftich* I. '.'7, 28. 90;
Haeser II, 216, fr. I, «*. S6s. 376; Beek 307) - an-
steckende, giftige (wilde) Warzen (Sehmeller I.
-24), Franzosen- oder „böse Blattern"- (s. d.)
Krankheit : (1496 ein todbringender »iochtag, wolehen ,
die roemisch zung nennet du» boe*o Frunzos [Fuchs
!. c.) = mal» Frantzos). — (1748) eingerissene Fran-
zosen - die konstitutionelle Syphilis, die nicht
mehr lokal sich zeigt, sondern den ganzen
Organismus ergriffen hat (K. m. eh. i;»Ü. — fette
Franzosen =^ Fi anzogen 2, die Perlsucht der
Kinder, wobei die Tiere ftusserlioh keine Be-
einträchtigung der Ernährung zeigen im Gegen-
sätze zu den magereren Franzosen (K. n. r. II,
IM), — (M1S) giftige Frantzosen (Pansu 2) - an-
steckend, infektiös (Pestis miseranda et lugu-
bris) <z Hdb. in, U|. — 07.-.t» halbe Franzosen
-. nicht ganz ausgeartete Syphilis :stnr :m). —
Hun^rr-Frantzosen = die Franzosen (2) beim
Kindvieh, eine mit stickendem Husten und
Abzehrung verbundene Krankeit, welche das-
selbe mager macht, als ob es Hunger litte (Gr.
w. IV, 2. m;>) — (K*o) innstehende, (UM) inn-
irendige Franzosen - die in den inneren Or-
ganen beobachtete sog-. Visceralsypbilis Wr. II,
40. 276). — (um») junge Frantzosen =- frisch er-
worbene Franzosen, primareSyphilis (Ouar. 910;.
— (17. Jaurh.) köpriehe Franzoisn - Syphilide
der Haut, welche diese holperig, mit Narben
und Knötchen durchsetzt machen (Gr. W. V,
i7Wi _ magere Franzosen die Perlsucbl der
Kinder mit Abmagerung K. u V. 11, 1U;. —
ii6i8) menstruosische Frantzosen Syphilis mit
sekundären Affektionen an den weiblichen
Geschlecht«- Organen (menstruum) (Pnrneels. ;
Vr II> S1) _ (i5.«o) pocketc Franzosen - Lues
venerea fwalscho Pocken) (Gr. \V. VII, UMS),
welche Narben wiedie Pocken : ^ Variola hinter-
lft8Bt — Franzosen-, französische (r, es) Art,
■Aussatz, Beulen, Beutzcl, Blüthrlein, Butzcl,
■feldsiech, -Hechte, -Firns, -Galanterie, -Ge-
fiechter, -Gesrhicär, Gift, Hinke, Jutcelmkram,
-Klauenseuche, -Knollen, -Krätze, -Krankheit,
-Lahme, Leute, Locher, Natur, Pocken, Kurf en,
-Samenfluss, Schadm, Schlier, Schritt, -Schrun-
den, S-Jttceine, Seuche, Sucht, ■ Tritt, ÜM, ■ Ver-
giftung, -Wurm, -Zapfen, -Zeith n, -Zitterach.
FraSS, m. (FrOS8) (zu fressen, ahd. Mi; nilid
vmx), 1 . - das Essen und 2. ^ der Fresser (s. d.)
Kluge 1171, Homo vorax (b. Kindelfresser). —
3. = der Hungerzustand (Wolfshunger, Hunds-
bunger; (K. a 337). — Bein- {Knochen )Frass -
dieVcrzehrungdes Knochens (s. Knochenwurm)
durch den sogen, kalten Brand, Carie« (von v.s-f-oj
a fressen) — (lMa) Z)arm-Frass = Kolik (bei
Tieren) (Kalke i, 203), als ob ein nagender Dit-
monenwurm im Darm fi assc und die Schmerzen
verursache (engl frei - Hauehgrinimen . bellfretting.
windkolik). - GrfräSS s. b. Fressen. — gefrässig
- viel fressend, durch FraBS gedeihend (Roch-
doli II, 263). — Üi<«-Frass, 1- =» der fressende,
atzende und aufzehrende Eiter. — 2. = s. Kiter-
frefser. — Gi>r-Frass - eine Art von Blutsauger
fs. d.) (Pommern). — (l&i*) hündischer FraSS -
Bulimus (Hnndshunger) (11- v. Gersd. 99). —
A'nocArn-FTass = b. oben Beinfrass. — Yiel-
FraSS (ahd. fraz vel filourezo - ganeo, D 2.'<7i 1. einer ,
der viel isst (Bulimus) (Kluge* 391; Z. t. ö. V. K.
1896, 211). — 2. ein rhachitisches, heisshunge-
riges Kind (Urquell VI,»»). — ZnÄn-Frass- Spba-
kelos Hipp. (Fuchs 11,27) Caries dentis. — Frass-
Geitigkeit.
Fratsche (Tirol), Fratze(n). f eine Fratze
- ein Gesiebt mit verzogenem Munde (Hlntner
6. 14; Frotüchcn, Sehmeller I, 832. Frutze vom Itnl
trasche - Fossen, nach Kluge 117). — rj'.fratzen -
abfressen (s. Benedict. Jahr. H. 33).
fratt fadj.), frätten, Fratten, n , Fratt,
f , n , m. (zu ahd Inttou, (imlT III, 819) - sich den
Schenkel wund reiben ( - trotten, Schweix; Gr. W.
IV, 1. 68). — Fratt (ahd. trat, freti, f.; mhd. vrat,
mite, f.. vrele f., Cr. W. IV, 1. 67. 110; Sehmeller 1,
829, Hoffm. I, 869; UV. Jahrh. vracl, HoBm., Mon.-Sehr
f. Schlesien 18'.HJ 1, 90; 1>01 traten, u., in., Intertrigo,
Ii. 30 .; IMS trat a frnridn«, Ur. W. IV. 1. 67; IMS da*
Frau - Kronbrechen und intertrlgo, r,r. W. IV, 1. 67;
1616 dai Fratt uh u» Intertrigo, «ir. \V. IV. 1. 67; 161H
fru.l - exulceratun, Sehmeller I, 829), 1. " Arschwolf
's. d ), Intertrigo, als aufgeriebene, brennend
Hchmerzende Haut am Gesilss (Behrend 5; Fuchs
II iu7) Fn'thema Intertrigo (»ehrend M), nament-
lich bei Kindern, die durch Harn und Kot sich
verunreinigen und die Haut reizen (Buek s„,
schw. 214); auch Erythems oculorum, wundge-
t iebene äussere Augenlidhaut. — 2. ■ Schleim-
hautkatarrh mit dem Schmerzgefühl des Wund-
sejn8. _ 3. = Kronbrechen der Pferde, wund-
uerieben zwischen den Fesseln (Gr. w. IV, L 17)
s. auch pfritt). - frätten (vreten)- entzünden
durch Reibung (Hoffm. I. .%'.•) — Frattlgkeit -
,1570 Sehre der Haut, (ir. W. IV. 1. 0», 1616 = cutis
a.»|,erllM cum |.ruritu. tir. W., 1. eod. ; 1716 Irattlgkcit
<les IcUm-a. Gr. W„ 1. eod.; 172A Iraltigkelt. The». MD,
»r i:ii), (1744» -Intertrigo (Zw 6271. das KntzOndet-
8ein der Haut durch Reibung. — Frätter
(Fretter) ein durch Frsttsein Versehrter, auch
Krüppel' (Tirol, Wolf). —after-tt8.tt= einen After-
Wolf (s. d.) habend, Intertrigo (von Lntmtero) und
l'aratrimma fDioscoridis) (Schwimmer, 7. Udbch.
xiv, L 3oy, Aum.). — au/"frätten - wund, ollen
reiben bis zur Entzündung der Haut - Augcn-
Frätte = Augenlid -Schrunden, auch sogen,
spore Augen (s. d.) (Sclimeller II. 684). — Darm-
Frätte (»ehwed. tarmvred s Darmgicht, Plcrer 7)
DflrmfraSS (s. d.), Gedilrmkatarrh mit Kolik-
Bchmerz. — Pocfcm-Frätte (engl. |.oek fretten,
Kaltwhm.) - der fratte Zustand vor der Ver-
narbung der Blattern, Pockennarben. — fratte
Glieder, Ohren.
' Fratze, f. B, Fratsche.
Frau, 1. (Indog. prwo = der erste (prwyo); ali.l. Ir..
Herr; dazu uh<l. Iruiiwa Herrin, (iibieteriii, Wölb.
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1«S
Freisch — Freien.
Fresset)
K1u;t!, 117, uibd. vrouwe). „In Segeusprüchcn wird
a) die personifizierte Gebärmutter, bj die Blatternkrank-
beit mit Frau angesprochen" (Schm. I, 801). d. h. der
diese Krankheit bedingende Dämon. — blöde Frauen
- menstruierende Frauen (Thea. san. Br. 499) (siehe
blöd). — .9 Frauen- 3 Schwestern. — Fahrende
Frau »altniedcrl. barende vrouwe, Lalstncr I, 309J =
wilde Fahrt. — Kram- Kräm Frauen (krämvruw)
^die Kindbetterin, die den Wehenkrampf hat;
puerpera (Ualtaus 1199) s. Kraruni (De Cock 62. 36;
D. 471) =■ de klndelbeddesche Iruwe (Urquell 1895, S. 146).
M tiz -Frau ein weiblicher Alp, der drückt und
eine Milzkrankheit (Milzbrand?) verursacht,
vermutlich die Leesa der 1/elten (Böhmen; Z. d.
V. t. V. K. 1*95. 8. 22, ranzer II, 1ÜO 254). — Nacht-
Frau = Nachtbrand (s. d.) und Mastitis neo-
natorum erzeugender weiblicher Kobold u. min-
nend drückende Nacht-Mar (Lalstncr Ii, 403, I,
75; Einpusa (s. Uukej; mhd. nabtrrouwcn, Golth. 117).
— Mitt / /--Frauen e. Mittagsgeister. — Pest-
Frau = der die Pest voraussagende Schicksnls-
dftmon; (vergL die Todtin) (Zeitsehr. f. d Myth.
IV, noi. — Stäinger, Snh je Fräulein s. salig. —
schwarze Frau = ein Kinder raubender weih-
licher Seuchendämon wie die Pestfrau. —
IFffAseZ-FraU (Mahren. Z. d. V. t. V. K. lswi, 264)
sa weisse Frau 2. — weisse Frauen = (der Ge-
gensatz zu den schwarzen Frauen) die blond-
haarigen schönen Holden, pennte* , Saligen
(s. d.); (14. Juhrh. wys*c frauvven ; 1420 witrrauweu
■ lamia, larva, maga, niulier scioln I). .'.18. 4S2; Jahn
154); l. = Pestfrau (1593 im Moselthal, Merk 22). —
2. = die weissen Weiher, welche auch als Kinder
raubende und vertauschende Dämonen auf-
treten (Schindler 15; Lalstucr II, 270; II. a. Rh. 164 ;
Z f. D M. III, 3. 368; Verna!. 127, Z. d. V. t V. K.
18%, 252). — xcÜde Frauen = Kinder raubende
und Totgeburten veranlassende weibliche Dä-
ninnen (Böhmen ; Vcrnal. 234 247. 249 , Luistner 1, 75). —
Frauen- (frawen-,frowlieh-) Ader, ■ Apfel,- Bauch,
-Blodigkeit, -Blumen, - Blut, - Bruch, -Entscldics-
sung, -Feuchtigkeit, - Geblüt, - Gelbsucht, - Gemacht,
-Gespann, -Gift, -Glied, -Grimmen, -Heimlich-
keit, -Hüffe, -Krankheit, -Lende, -Mangel, -Melk,
-Milch, -Mutter, -Natur, -Netz, -Recht, -Saelde
(Selge, Selten), -Scham, -Schlund, -Schicäche,
-Seuche, -Siechen, -Spiel, - Stätte, -Stund, -Sucht,
-Tripper, - Unrecht, - Unreinigkat, - Wassersucht,
•WetMl, -Zeichen, -Zeit.
Freisen s. Fraisen.
fremd. - Fremden -Fieber.
Fresem s. Fraisana (puuii 114).
Fressen, n. Fresse, f. fressig, Fressein, f.
( -- aufesseu, gnuz veresseu, verzehren : fra-ezzan , ahd.
D-ezzan; mhd. vnzzen, Kluge*, US; 1020 fretzen eine
wunde = den Wundraud mit kaustischen Mitteln Weg-
ätzen, Dr. Minderer; 1610 das fressen, 1'ararelsiu —
Syrer [»• d.; fressende Fleehte, Lupusj, Gr. W. IV, 1.
137); Eiter, Geschwüre, Gift, Magensaft, Krank-
heits-übel u_ -Schaden, sowie Wunden fressen
= brennen und ätzen ihre Umgebung auf; dem-
nach, fressen (uinfrcssen) = eine Korrosions-
Wirkung entfalten, sich ausbreiten. — die
Fresse = Vuhus, Maul, Mund, Fol«? (Schindler
I, S27; ZeiiMhr. f. d. Philo! XXVI. 211; nintner 6. II;
(ir. W. IV, L 66) — Gefriss. — freS8<g (14s2 - mordax :
1513 = mandax; Zening. Voc. y 5; D. 34*5; Or. W. IV,
1. 138) = fressig Ettich (s. d.). — Fresser = der-
jenige, der frisst (s. Frass), z. ß. Mentagra
(1592; Beb. 111]. — (1576) FreSSeln (Tb.. S.) =
friesel artiges Ekzema. — (1788) Affen-Getrie&s
= Maulaffe, affenähnliches Antlitz (Leg. f. d.
• g. M. I, 204) — An-, Auffressung, 1. = Auf-
atzung (Gr. W. I, 647), z. B. der Wangen durch
Thränen, der Knochen durch Eiter. — 2. =
von einer Seuche wie von einem reissenden
Tiere (Dämon) befallen werden = aufgefressen
werden (Ler»ch 241). — Bt. ,:/i-Fresser. !• = (I576j
St Johannes Buss, St. Quirins Buss = Gangraena
(Theophr. B. ; I'aracelsus, chlr. Sehr. 361 aj, (1618) —
Caries, s. gangraena (s. Beinwolf). — 2. = (1743)
Caries ossium, Paedarthrokace, Spina ventosa,
„eine Krankheit, wo das Bein von innwendig
I angegriffen wird, ehe man es aussen verspührt"
(1761; Zw. 311; bibl. Medikus 403; L. ch. 79; K. eh. 171)
= Kyphosis ex carie vertebr. ; (1754) Caries os-
sium (A. v. II. I, 315; Ii, si4). — 3 = Kinnbacken-
Karies (Losch 233). — £i<«--Fresser = die vom
Kiter der Dassel beule (s. d.) sich ernährende
Dasselfliegen-Made (s. Engerling) (Falke 1. 240).
— i';t< .'-Fressen, n - eine Art von Faulfieber
inSchafheeiden infolge von Wuruakrankheiten,
das faulem Futter zugeschrieben wurde (Falke
I, 275). — ■ fräSS, 1. = (1576) lupus (- Noll m«
tangere) NU morbus formiea — Verrucae — apostemata
I vulgo ,,porra" nppellata ( — Hai um : Geschwulst bei
I Du Gange, liloss.) = lues slve „formiea" in collo cujus
ignis eeusim in reliquam corporis partem prorogal et
t urne» misere urit (Du Cange) — Ignis sacer, Anto-
niusfeuer, Karbunkel, Feigwsrzen, Lupus
(= Herpes esthiomenus). — 2. = (1754) Carci-
noma (\. v. 11. I, SS3] (h. Rührmichnichtan). —
3. Gefriess = Mund als Kau Werkzeug, Antlitz
(Fresse), unschönes Gesicht. — Grfräss Fistel.
— Gur Fress(Kurfress, Kuifress), verdorben au»
Gurfoss (s. d.) Aphthae. — Haur-Fressel (1576;
= Ekzema (Theophr. Bod.) (lcifi) juckender, beiss-
ender Hautausxcblag iTh. Farac. , Gr. \V. IV, 2. 711).
— Uo/r-Fresser = Tiere, welche infolge von
Magenkrankheiten (Pica) Holzteile benagen
(Falke I, 406). — Äindd-Fresser — eine früher per-
sonifizierte Kinderseuche, die als allegorische
vermummte Gestalt bei Winter- und Sommer-
Festen herkömmlich mitgeschleppt wurde (Blr-
I Inger IT, 81; vergl. K. Kleinpaul, Gastronomische Mär-
chen). Kindles-Verwflrger (Elben) wurden als
Fratzengestalten auf Brunnen-Säulen gesetzt
(Gr. W. IV, 1. 67; Buck, schwill.. Volks-Abergl. 29;
Gebr. Zingerle 11, 136. 237). — (1645) Lauter-, Leute-
Fresser sind Zauberer (s. d. Verf. Volksmed. 25);
(vergl. auch Re-Schwelger | Leiehenverschlinger]
sowie Wauwau U. Wehrwolf) (Riezler293; Lalstncr
II, 85. 87.) — Sa«d-Fre8Ser= Lecksucht bei Fallen
(Falke II, 261). — (157s) un /fressen = um sich
greifende Geschwürsform fl*r. 127). — PiVZ-
Tres&igkeit = Bulimus ;Heisshunger,s. Vielfrass)
(Hufeland 32v). — fressewtV, er, es, Fress)- Aussatz,
-Batich, -Ettich, -Fieber, -Flechte, - Geschwär, -Qe-
[ schwär, -Grind, -Krankheit, -Krebs, -Natur,
I Ralu; -Räude, Rätticher («. Ettich), Sack, Scha-
de, Sucht, - Wanst, ■ Wolf, - Wurm.
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fretWm — Friesel.
Friesel
fretten s. fratt und fressen.
Freude, f. = Libido feminae in conceptione,
Wollnstgefahl (z. a.215> - AacA-Frende (Schwaben)
= Nachgeburt, dieerscheint, nachdem dieMutter
schon vorher mit dem Kinde erfreut worden
ist, Placenta (c. v. schm.).
Fricht, n = Vergicht = Vericht (s. d. bei
Gicht) = Fraisen, Konvulsionen (Schmeller I, 806,
S27, 870).
frieren (friesen) Frierer, m. Frörer, m. ^
(da« Stechen, Jucken und Brennen des lndoRerm. noeh
fehlenden Frosten, vorgerm. prus [prürio , prn-ln,
jucken] ; germ, frnx ; gotb. friusan, frius [ = Fro-a] , shd.
friosan ; mhd. vriesen [dazu Friesel. Frost, s. d.], Kluse*.
119 ; 15. Jahrh. vresen = dat vresent haben — febricitare.
D. 22»; 1414 tntin = febri«, D. 580; 142« ndd fryssen.
fresen, Vreden, fryesin = febris quartana, D. 477 ; 1440 der
(roerer, Irorer, frerer — febris, I>. 228. 6-11; 14 15 der triezen
= febris. Schmeller I, 82», 1476 friezen, friesen, n. —
febris D. 22**; 1482 friesen = gelare, febricitare, Zening.
Voc. 1.3; 1306 frorer, frierer, Inchenh. Mlr.-lt. — Stadium
algidnm der febril Interrnittens . 1517 im freuset -alget,
D. 22; 1534 frorer = feber ; 1682 frorer [fröwer] - febri«,
Kallweh, Gr. W. IV. L 249, 1591 frörer - febris, Had
Jnn SS8, 1645 friesen, n. = Fieber, Coler, II. A. 183;
engl, freezc. freezing). — Frörer, 1. = kaltes Fieber
(Gr. D. M. 183; Simrock. n. I). M. 53.5, well es mit Frost,
Frieren beginnt [Schwaben, Schweiz!; C.v.Schm. 205'.
— 2. = der Frör = Malaria- Fieber (Ravaria II. 2.
S*0, IV, 2. 105; frorer = Fieber, Gr. W. III. 1620; frairer
Fieber, Wechselnder {Sehwaben;, I.ammert, Volks-
Med. 260; Bück 29; Dr Br -Schff 27; frarer = frierer).
— 3. ■ eine Fferde-Krankbeit (Book 48). das um
gehende Kalt (s. d.) , das Anfangs-Symplom
einer Epizootie. — das Frieren = Frorer 2 (Pauli
159. Heyne II, 982). — a wsvji froren und utfraren)
— durch lange dauernde Kälte- Einwirkung
krank (lokal und allgemein) (rioidschm. 18). —
der = er-£rieren (-frören) 1616 = congelarc. erfrieren
machen, Gr. \\. III. 80s, 810 uud frigore contleere; —
die Frostaffektionen I — III. Grades. — Gefrier
-frören (-frörer, -frörets, -fröstig, -fristig) =
Frostbeulen (Zw. 741), Pernionea (c. v. Schm. 20>)
(s. Frost, Gefrüst). — [1687) Gefrorungen ■
Frostbeulen (Georg. 415). — Gefrörer - »1er ge-
frorene Mann, der Kaltblütige im höchsten
Grade, der durch die Zauberei der sogenannten
Passauer Kunst wie gefroren, leblos, unver-
wundbarer einegewisse Zeit (zeitliche G 'frier)
stich und kugelfest gemacht ist (Zingcrle 97; Z. d.
V. f, V.K. 1896. 8. 411; Stubenvoll 1*2, Wuttke 260.
475. Simrock, II. D. M. 183; Uebreeht t. V. K. 1879.
S. 34«; Z. f. Ö. V.-K. 189«. 151; l>|tiell 1893.94). —
(1571) hitziger Frörer - das Hitze-Stadium der
Febris interrnittens (Gr. W. IV, 1. 219'. — (1530)
«cArtr/erFroerer - akutes Fieber (Kunigssp. 66).—
(15. Jahrh.) tätlich Frieren (taßelich vresen = pesüa)
Pestfieber (D. 154). — tr/frieren (I2i.0 vorfrlsen —
aljrere. dolere, D. 22) = ganz, und gar durch Kalte
Frier- I
leiden, erfrieren. — friesende -Gebhtt, Glie-
erfrorenes I
der, -Haut, -Knochenmark, -Sucht.
Friesel, tu., n. (zu Roth trhu = Kalte , »h.l rriowin
— frieren, mhd. vriesen - frieren [s. d.j; 1 14-"» der
I friezen = febris, Schmeller 1. s2S , mundurtileh DOfh
frieseu — frieren, Eckstein, IU. Monatsh. 1895 Apr. 105;
1665 der friesel, Haser II, 505; Schnurrvr II. 199; 1686
j der friesel. Kluge*, 119; 1741 das Friesel. Kluge 1. c. ;
! dan. frisier; «chwed frisel) = das, was beim Froste
auf der Haut erscheint, Frostausschlag. Kluge*,
119 stellt „Friesel" neuerdings zu Riesel [= Sommer-
sprossen), friesel: wricsel riesel und nimmt ndd. Her-
kunft des Wortes an ; nun ist aber Friesel (das nebenbei
nach Fuchs II, 901 auch „rauher Wollstoff" bedeutet!
ein klein uud raubkiiotiehtcr ruter Hautausschlag bei
akuten, mit Frost eiiiberKehenden Krankheiten (z. B.
der Wochenhettfricscl, das Prototyp aller sog. Friesel-
l aufschlage) uud wird in der Bleichen (oberd.) Land-
[ schart von den glatten , bleibenden , dunkelfarbigen
| Sommersprossen oder rieberlosen Rieseln [t, d ) wohl
Retrennt; überhaupt sind die vulgaren Ausdrucke für
, Haiitrcrniideningen sehr differenziert und eine Ver-
I wechselung der Frieseln mit Kieseln kaum denkbar.
I — Friesel. 1 = jeder mit Fieberfrost oder Ge-
fritst (s. d. und Gänsehaut i einhergehende,
akute, meist rote (seltener weisse) hirsekorn-
ahnliche, diffuse Haulausschlag, der mit den
Frostknötchen (Froströte, Frostfriesel, Frost*
i nessel) verglichen winl, die infolge von Kftlte-
ein Wirkung auf der Haut erscheinen und eine
ganz alltägliche Beobachtung sind ; dieser Frie-
selausschlag kann nun Röteln, Hitzbläschen,
Scharlach, Fleeköeber, selbst Masern bedeuten,
j da diese unter sich wohl vom Volke verwech-
I seit werden können; ,,in allen Berichten (selbst der
Ärzte) aus der 1. Hälfte des l*. Jahrh. ist die Beschreib
ung der unter -Friesel- anueführten Krankheitser-
scheinungen so unklar, so durchwebt mit Tbeorieen
und Hypothesen, daas selbst der redlichste Wille ein
Urteil zu gewinnen scheitert" (Pauli 35 , Ilaescr II,
*3; Wallb. IM; Dr. Br.-Sch. 28). — 2. - vor allem
ist Friesel — Kindbottfriesel (s.d.) und der akute
Schweissfriesel (epidemischer o. idiopatischer) ;
(1655) Febris miliaris, Miliaria alba et rubra, Su-
ette (Frankreich), Migliare (Hullen) ; (Zw. 129 ; Behrend
30; tiotdschm. 135; Auspitz in Z. Hdb. XIV, 1.273,
Haeser II. 199. .506 ; Pauli:!., Köhler V.- Gl. 405; der
auch besprochen wird) - Rieselausschlag (östur
reich - ;5 = Schweissblaschen (SutMinitMl
ohne Frosterscheinungen (V'esiculae sudo-
rales) (Behrend 30), (Papulae sudorales) bei
sporadischen Krankheiten , über in ganz ähn-
licher Form wie beim fieberhaften epidemischen
Friesel Ausschlag (Pauli '5!. — 4. = die Hydroa
der Griechen, Aehaaef der Araber (Behrend so;.
— Äti.'' -Friesel - Miliaria thermica (Bade-
krätze) ; durch zu intensiven Hautreiz beim Bä-
dergebrauebe erzeugter Frieselaussehlag (Kraus.
E. 578; Pierer 7). — Bräune-Friesel = Miliaria an-
gino*a Scbarlachrtecken mit Diphtherie (Kraus.
e. 7i). — i5runnc» Friesel - Badefrieeel. —
(1725J Kindbett- {Kindbetterinnen -Friesel = Fe-
bris miliaria puerperalis (1655 „novus pnerperus
morbus" «jui der Friesel dicitur, Sehnurrer II, 190 ; Thes
-an. Br. 433; A. v. H. I, 1160; nach Lämmer! [V.-Med
174] angeblich erst seit dem Aufhören der öffentlichen
Badestuben aufgetreten ['] d. b. unter diesem Namen
in Suddeutschland) = Milehfriesel. KryataU-
Friesel - Miliaria diaphana, die l'riesolblascben
nind dabei besonders bell u. durchsichtig (Behrend
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170
fri»'(>* — Fritz.
Frorer -
Frosch.
31; Anspit» iu Z Hdb , XIV, 1.274). — (1832) Kuh-
/>ocArrn-FrfeBel== Impfausschlag in Frieselform
(Kraus, K. 8«). — Milch Friesel = Febris miliaris
puerperalis (Gr. W. VI. 2193) (Kindbettfriesel),
der weisse Friesel der Wöchnerinnen. — Nessel-
Friesel — der uro die Nesselquaddeln herum be-
findliche, kleinknötige, rote Ausschlag (Ur. w.
vi l. 61») (Nesselsucht, Nesselfieber). — Porzdlan-
FrieBel-oin Frieselausschlag, dessen Bläschen
wie kleine Porzellankrtrnehen sich ansehen und
ein dickliches, weissliches Serum enthalten
(Porzellan-Fieber) (Bebrend öl) = Esscia (Hufcland
v*). — .Pwrpur-Friesel, 1= roter Friesel (». d.),
Rotein (Kneipp 160; Bebrend 31). — 2. = Skorbut-
Hecken (rote, Purpura toxica) (Kopp H, 324). —
roter Friesel, 1 = (1754) (Purpura s. Miliaria
ruhra) „ein bösartiges Fieber mit kleinen roten
Blätterlein (Bläschen), die aber in ihrer Grosse
und Gestalt viel röter sind als der weisse Friesel
(s. d.) und mit einer stärkeren Hautentzündung
verknüpft sind , manchmal ist der rote und
weisse Friesel (s. d.) zugleich da" (a. v. H. I, n«i);
durch die Bläschen, die hervorbrechen, schim-
mert der unterliegende, gerötete Hautgrund
durch (Hehrend 31). — 2. = (leys) Scharlach ;8obemh.
461 ; Hecker 227 0.). — 8. = Masern. — 4. ■ Röteln.
— Scharbocks-Trie&el Purpura scorbutica, ein
frieselartiger A usschlag (Purpurfriesel) bei skor-
butischen Kranken (A.T.H.I, iißi) (Peliosis rheu-
matica, Purpura scorbutica s. toxica, papulosa).
— Scharlach - Friesel = Ausschlagsform bei
Scharlach (s. d ). — 6'cAtm««-Friesel, l. = Suda-
mina (s. Friesel 8). — 2. = (1734) epidemisches
Schweissfieber (wahrer Friesel) (itto -netto des
Picard», ne.-kcr 177; ITacser II 499. 506). — (1S3I)
.Sonncn-Friesel = Erythema solare mit Ilaut-
bläschen, Helco-psydracia (Sonnenstrahlenwir-
kung) (Kraus, k im). — (i7fi6) weisser Friesel —
(liauml. a. v. Ii i, r.42. 1159) Purpura (- Mili-
aria alba (fle-vre mlliaire, pourpre blane, Urbs. 137);
.juckende Blatterlein" hirsekorngross, „«loek-
hell" rund oder spitzig, um den Rand herum
rot, fieberhaft und bösartiger, gefährlicher als
der rote" (A. v. H l. «.), „die Haut unter den
Bläschen scheint weiss durch" = Miliaria alba
(»ehrend :u). — IForAcn-Friesel = Febris miliaris
puerperalis, Kindbett-, Milch-, Wochenbett-
Friesel (Behrcnd 3ij, auch „ Wochen pocken" ge-
nannt webender Hautbläschen(Blatter= Pocke).
— Z<iAfi-Friesel = Liehen strophulus, Hitzblät-
terchen (s. d.) der zahnenden Kinder (»ehrend 50).
— Friesel - Ausschlag, -Bildung, -Plattem,
■Bräune, -Fieber, -Gift, -Pocke.
-friess s. fressen.
Frisam = Fraisam (i"<92; Seb. 342;.
frisch (neu, jung, munter, rostig; ahd. frlse,
Kluge*, 119. mbd. vrisch). — frischen^ Frischlinge
werfen (Falko 1. 29.;). — frische Flethten.
Flissel, f. (1678, anlehnend an fressen [«. d.]) =
Fistel (Gr. W. VIII, 1188).
Frist, m. (nd., mlttuld. au* Wittel, Gr. W. VIII. 1041)
^Kist (s. d.), Reihen (s. d.), der obere Teil des
Fusses.
FritZ, tu Koseform zu Frledel< ^ Buhle) ss Clitoris
»uek 16) (Futgigel).
Frörer, m. s. Frierer.
Froetter, m. s fratt.
FrOSCh, m. (- da* schon bei den Komcru zum Ha-
chuskulte und zur zeugenden Kraft der tellurUehcn <ie-
wäüser in Beziehung Mehende, hüpfende Sumpftler mit
aufgeblähtem Leibe u. vorstehenden Augen . ahd. frosk ,
mbd. vroseh, als Krankhcitsnamcn vermutlieh mir
Übersetzung de» [tat.] ranula; 14*2 froschlein = quaedam
species morbi, Zening. Voc. c4; 1699 frosch-2 kleine
spitzige Dorrwarzeu auf beiden Seiten der Zunge, iir. \V.
II, 1303; 157G „die rantibi [= Froschleiu] wachst den
Kindern unter der Zunge, es schwillt auf und siebt au-,
wie ein Frosch; er wird nicht (angeboren, int alte*
Fleisch ; dauu was in narlccs zlebeu sollte, dasselbe
geht in ein Apostcin In die Region der Zunge [überV
== Suulnantla = Synanche. Kynancbe, Theophr Bed. ;
,.das Froschlein setzt sich an", Raural. 14») = die
Ranula (Fmachgewulst s. d.) ; (Batrachos hypo-
«lossus [Aetii], Kraus, E.r>09, „Frosch" ist Übersetzung
Ins Deutsche; Kröte's. d ]ist ursprünglicher, Schw.219),
jede unter der Zunge zu beiden Seiten des Zun-
genbändchens vorkommende Geschwulst ; a) bei
Kindern entzündete Drüsen, Balggeschwülste,
die das Unterkinn an der Zungen wurzel frosch
ähnlich verbreitern und durch Zunahme des
Volumens KrBtickungs-Anfälle (Cynanche) ver-
anlassen können ; [ranula s. rnnunculus est tumor
phlegmonodes sub lingua potlsslmum in pneris. aug-
mentatio carnea sub ltngua cum gravedine et fluore
salivarum «piasl in radice llugnae, alia lingna oriri
videatur; rana est tumor inllamatus sub lingua in
puuris, Du fange VII. 13. 15, Bardeleln-n III, 527). Da
solche prall gefüllte, glatte Bälge unter der
Mnndschleimhaut schön durchscheinen, so lag
ein Vergleich mit dem glatten Froschbauch (nach
Albert. Chirurg. III! auch etwas nahe ; (1576 „Frosch
[ranula! wachst den Kindern unter der Zunge wie ein
Frosch", Theo. Bod.; 1645 Frosch Znugenschwamm,
< olcr, H. A. 12.*.; 166S Heyn. 96. 108; Gr. W. IV, 1.251;
V, 740; Wuttke, i.v*. 520), b) eine Wassergeschwulst,
durch Ausdehnung der am spitzen Teil der
Zunge liegenden Blandin-Nuhn'schen Zungen-
drüse oder durch Speichelsteine in der Spei-
cheldrüse verursacht (M. H. I, 89$; Schoch 43);
r übertragen (17. Jahrh.) bei Pferden u. Rindern
= Dörrwarze («. d. und Bürzel), Gaumen- und
Zahnfleisch- Anschwellungen (Parulis), Lippen-
Halggesch wülste, Drüsenanschwellungen z. B.
beim Milzbrand, Speiehelsteinknotcn, welche
das Pferdemaul verunstalten (s. Plarro 6) etc.;
namentlich unter der Zunge und an der Nase
Bürzel wurm, z. T. Rotz, Actinomykosis, s. auch
Kröte) (Falke I. 297; Mayer 57. U; Buck 48; It. A.
]S9; r. M. I, 46; franz. la grenouillete ; eugl. lampas).
f Im rhaupt ums* man sich sehr leicht die Vorstellung
geschalten haben, als ot> ein Frosch im menschlichen
l.eibe existieren könne, denn abgesehen von den anek-
dotenhaften Fröschen im Magen Hysterischer und der
du monistischen Kröte (Hopptn, s d I; gibt es l.=ein
Froschblähen.einc Lymphdrüsenanschwellung
am Halse, die den Hals wie bei der Ranula
froschähnlich verbreitert. — 2. - ein Frosch-
<|iiaken im Leibe, ein mit dem Herzschlage
synchronisches, quakendes Geräusch, das bei
Herzleiden (organischen Herzfehlern) und Ver-
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Fross— Frucht
fmb— fühlen
171
w achsungcn de» Herzens mit lufthaltigen < >r-
ganen entsteht (Buct 20) — 3. - das Frosch-
Ilnpfen sind die fibrilliiren Muskelzuekungen,
wie sie der abgehäutete Froschschenkel zeiyt
(Sehnenhupfen). — Frosch -Ader, -Auge, Bauch,
-Geschwulst, -Maul, - Wurm.
Fross, m. s. Frass.
Frost, tu. (Gefrost, Fruss, -fruest) [tu frieren
[K.d );abd.trOtt, Gr. W. IV, 1. 2>5; mhd. froM ; 15. Jahrh
fru-s - febris quartana, O. 477) = Collgelatio, das
Frieren n. Erfrieren, Morbus frigoreticus; irrigu«
— ubl extretnae parte» membrornro inalgescunt ; horror
- nbi totum corpus intremit, Du Gange III, 609). —
(10W] alter Frost = chronischer Hautauschlag
an Händen oder Füssen infolge von Fiostaflek-
tion (v. M. l, 1^2). — der Fieber-Trost oder das
kalte Fieber = Stadium algidum der Febris inter-
uiittens.Frigus febriculosum.dusden Menschen
„befällt" (Gr. W III , 1621). — (i:>29; Grfrust, f.
(1619) GffrÖBt, (1674) Grfrüstd'aracelsus, Schwaben ;
Birlinger, Sitten I, 498; 1619 YVUdbrunn Welzheim S.19)
dasselbe settt offene alte Schäden, 1. - puer-
perale Brustdrösen-A bscesse, die unter Schottel-
frosten sich ausbilden und gegen welche da«
t.efnist-Biichleiu lu Anwendung gezogen wurde (Be-
sprecbungidorm). — 2. — ein durch Thrombosis
verursachter offener Schaden bei Syphilis oder
Quecksilber- Kachexie (Paracelsus). — Haupt-
Trost (mhd. hubetvrost. I.exer 166; = Erkältung am
Kopfe. — Klapper-Trost = Fieber mit Zähne-
klappern (Hufcland 81). — MUch-Gefröat- das
Milchfieber im Wochenbette, das Brustdrüsen-
Vereiterung zur Folge haben kann (A. v. H.I, c«i ;
II, wo). — (iis2) Bi/ren-Frost = Paroxysmus
febris, der Frost beim Kitten (s. d.) Zenlng. Voc.
bb 2). — Schiiitel-Trost - die mit dem Steigen
der Eigenwärme herbeigeführte Beschleunigung
des Wärmeabflusses veranlasst eine reflek-
torische Scb Uttel bewegung der Muskeln (Zähne-
klappern etc ). — Sfarr-Frost - das Stadium
algidum bei der Cholera foudroyant, wobei die
kalten Glieder wie frost?tarr werden, Rhigos
Hippok. — Wintfr-Frost = die im Winter ver-
schieden stark auftretende Frostwirkung auf
der menschlichen Haut. — YTum/Frost = der
Fieberschauder nach Verletzungen und bei
offenen Wunden (Gr. \v. viil, 2303). — Frost-
Ballen, -Beulen, -Fieber, -Schaden — [1891] «las
Frostden = Paroxysmus febris (Und Ina. Sit»);
(vergl. (i rasel)
Frotschen, f. s. I ratsche,
Fmcht, f. fein mit den iüdUchefl PflMSVS in ahd.
Zeit eingeführtes, am dem [lat.] fnictus entnommene*
Wort, ahd. Iruht ; mhd. vruht, Kluge 121. 1 IS2 frucht
= foetu», infan« in utero. Zen. Voc. I4)=d;t8 durch
Zeugung hervorgebrachte Junge, geboren und
ungeburen 'Foetus, Partus) (Gr. w. IV, 1. 261). —
1433) angebundene Fracht - ein in den Fruclit-
bändern (s. d.) befindliches, d. b schwer ent-
bindbares Kind (Foetus) (D. 232 , Totgeburt, die
nur ganz schwer geboren wird. — tffruchf'-f -
geschwängert (Gr. W. f, 1274; dän. befnigle; holl.
bevruchten , schwed. befrnkta, Pierer 7). — (lt:s">, Be-
fruchtiin*7 = der Kontaktdes weiblichen Fies mit
dem männlichen Samen, der zur Entwiekduog
der Frucht führt. — (l6ö7)/7i/«cAe Frucht Mond-
kalb (S. d. U falsch) (Gr. W. VI, 1808). — (15S1) ge-
storbene Frucht im Mutterleib = TotKeburt (Bnek-
lö8). — fl.v Jahrh.) hingeworfene Frucht = Abortus
(Gr.W. IV, 2 lM4}(s. werfen). — tf/wm/z-Frucht^-
Mole (s. d.), Mondkalb (Krau*. E. 630). — Leibes-
Frucht=das zu gebärende o. geborene Wesen,
Embryon (Gr. W. VI, 695). — (1495) tote Leibes-
frucht— arbortivus, Totgeburt (s. d.) (D. 6X6). —
(1725^ unnatürliche Leibesfrucht = Missgeburt
(8. d.) (Thea. sau. Br. 293). — (15*8) tote Frucht (149 ,
todes leibes Iruehte = aborlivus, D. 636), 1. = Tot-
geburt (Cnier, w. 346; Gr. W. VII, 33). — 2. = Abor-
tus. — (7»frucht/>arA-rif = Sterilitas (s. bären).
— umeitige Frucht — eine nicht zeitig ausge-
ladene Frucht (Abortus) (Gr. W. IV, l. 262). —
Frucht-Jrfer, -Bande, -Blase, -Olied, Halter,
-Kindlein, -Kleister, -Mutter, -Schmiere, -Trä-
gerlein, -Wasser, - Windlein, - iriirwi.
früh (Frühling, Frühjahr) (15. Jahrh. Frühling,
die (ruhe Jahreszeit, zu früh vorgenn pro = vor [seil,
dem hohen Sonnenstand« ]; goth. fröö ; ahd. fnio (früh
Morgen*]; mhd. vruo, Kluge 121; Gr. W. IV, 1. 29SJ.
— der Frühiii/' (Frühling, FrMi-Peter) = Früh-
kind, ein zu früh nach der Trauung geborenes,
also vor dieser erzeugtes Kind, das Bich etwas
zu früh einstellt (Schmeller I, ftOÄ; Gr. W. IV, 1
297). — Früh/rtArs- Früh/im/s-; vergl. auch
Lenz-) Ausschlag, Fieber, -Katarrh, früh-
qebären, -geboren, -Geburt, -Gang, -Kinder, -reif.
SS) • »™<
Fuchs, m. (g"th fonhö ; ahd. folia, fnliH ; vorgeriu.
püka — das geschweifte Tier ; altnord. tox; mhd. vuh«,
vohe, Kluge*, 1211 (s. auch Foss), 1. - ein Mensch
mit rotem Kopf- od. Itarthaar. — 2. = (l«0fuchsse
in den harn ^ fnrfurea eriuium , D. 2>3) = die wie
beim räudigem Fuchs (s. FuchBSUcht) aus den
Haaren abfallenden Hautschüppchen; dazu
fuchsen = durch Juckreiz bei der Haarrände
(Alopecia) quälen. — das fachst mich ^ quält,
plagt mich durch Kratzen 'Federfuchser = Feder
kratzer. der durch sein Sehreiben Uatig wird, Z. f. Ö.
| V. K. 1896. 210). — Fuchs- Bau, -Husten, -Räude,
[ -Sucht.
Fuchtel, f. (fuchtig), fuchteln (zu fechten,
Kluge 5 121) — Fuchtel Hanns ■ ein „überspann-
ter" Mensch mit w ild«-n t ieb»Td<'ti [Boeh r). —
fuchtig — aufgeregt (s. bnuiier i i s>). — fuchteln
= eine Gangart der Pferde, wobei sie die PttBM
schleudernd auswärts werfen wie die Pauken-
schläger die Hände , oder die Tabes-kranken
Menschen die Füsse (Herbat 2», Kalke l 2»i
II, 190).
Fud, f. Fut (Füdlein) 8. Fotze. — Tut-Loch,
-nickend.
fühlen seit Luther scliriltdeutsch s merkeu [alem.],
empfinden; indogertn. pal [palma, *. Folnia'.; germ.
UA, goth foljan [= fühlen); ahd. fuolen [fühlen und
taMen]; mhd. vuelen, engl, to feel , Kluge*, 121)
durch die tastenden Finger etwas wahrnehmen
und durch Wirkung auf einen Körperteil oder
den ganzen Körper etwas empfinden (Gr. \V. IV.
, |. W7). — Ich fühle schlecht - ich befinde mich
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172 fahren — Fuge
Fumnicl— Furche.
Hchlecht (Deutscb-Amerikan. -Ausdruck). — (IS. Jahrb.)
Fühllosigkeit = Unetnpfindlichkeit Anaesthesin
'Gr. W. IV. l. «D. — Tftbl-Aderv, Haart, -lo*,
-Nerven.
fUhren 'ahd. fuorcn ~ führen [früher muh - leiten,
iu Bewegung setzen, fahren, gehen' , mhd. vueren ,
Kluge*, 122) — itie Ernährung befordern, Kraft
gehen (Heiser 361). — «''führen = Diarrhöe (Ab-
leitung de« Kotes). — (1774) Abführungen = Ab-
leitungen auT den Dann, Stuhlgang (Gr. W. I, 12).
— aufführen = durch Fahren aul der Haut wund
machen, t. H. aufgeführter Hals (Zlpi'-> — dunh-
ftthren- durch den Darm ableiten als Diarrhöe
(Mayer 55). — (1583) GefÜhr = Tierkot (Forer. Tier-
buch; (It. w. VIII, 1388), — Lrib*-TÜhxung = die
Kmährung, auch Keinignug des Leibes durch
.len Stoffwechsel. — (1592) jfi«f-Führer Mist-
darm, der den Kot abführt (Hyrtl, K. W. löl). —
tod-tührijf (mhd. tötvuoric, I.exer269) - todbi ingend
(Krankheil). — (12. Jahrh. j UvgetVäa der Augen
( — Mähte ungefuure der ougenl Ubier, böser Zu-
stand der Augen (Heiner 13. «:.), eigentlich, was
die Augen an bösen Stoffen nicht abführen. —
fuhrende Gliedtr,
Fülle, f. (tu voll [s. d.]; indogerm. pelno (plenus] ;
uhd fullf. vulle - Vollheit; tnhd vulle, Kluge», 122,
3tt; 1477 füll. Ortolpb.). — füllig, 1. = stark beleibt,
korpulent ( = völlig). — 2. = schwanger, beson-
ders in den vorgerückteren Monaten, in denen
man diesen Zustand auf den ersten Blick er-
kennen kann (ur. w. IV, l. 1518). — Bauch Fülle
ahd. bticbuulle — ventris ingluvics, Graft III, 4M) = der
Inhalt des vollen Bauches. — Blu ' Fülle - Voll-
blütigkeit, Plethora Galeni, Hyperaetnia. —
Af'j^cn-Fülle = das Vollsein und Vollfühlen im
Magen (Or. w VI. h:jo). — U bcr-Y füle [gotb. ufar-
lullel, Kluge4, 98). - Blut- fWfülle s. ISIutfülle.
- FüU- Bauch, -Warnt.
F uellen s. Fohlen.
Ftilly, f s. faul.
Fuem, ui. (1392; seb. 198, lui. 2U7) = Feim (s. d.).
Funfling, m. — das Kind, das mit 4 anderen
Geschwisterteu von einer Mutter auf einmal
geboren wird (Gr, w. IV, l. 568; Bachofen 261).
Fuer, n. (fbr) s. Feuer u. vor.
fürben mhd. furbau; 1260 hüben, Pfeiffer 35; mhd.
vurben; l;i. Jahrh. — reinigen, putzen, entledigen, fort-
schaffen, Hoffm. I, 369). — (1200,1 rrfurben = repur-
gare, sich reinigen, durch die Menses die Matrix
reinigen (l'feiffer 25. 89) oder durch den Woehen-
llllss ~< Bloss- Bartels I, 276). — Z,«6sFürben (1477
tnrben des lelbs, Ortolpb) durch Auswurf, Stuhl-
gang, Urin etc. — Nieder- Fürbe (mhd. diu nider
vurbe [Fürbe]) = der Stuhlgang, der nach unten
purgiert [Behmellet 1, 751).
ftitzeln (foetzeln) a. Fota.
Fuge, f. (zu fügen —passend gestalten, verbinden;
indogerm. pek ; germ. fag; goth. fögjän; ahd iuogcn,
fuogu; mhd. vuegen und vuoc sa Fug, Sehickllchkelt,
Kluge*, 121; 1681 log — junelnra, articulus [liliederver-
bindung, Gelenk, Gleich, Knoten^, <ir. W. IV, 1. 379;
lt'.. Jahrh. fuegen — die Nahte der Schiidelknochen,
itecken-Sytuphyscu, liyrtl, K. W. 5J; 1603 fuge - der
behaarte Teil der Herdefuss-Krone, Hornwurzel, Or.
W. IV, 1. 379; V. 2378; 1744 Fug = der Gelenk-
kapsel-Spalt, durch welchen ein Gelenkknocheu aus
seiner Verbindung oder Fuge ausgetreten iit, Zw. 25)
=• die Vereinigung (lunetura) von Teilen des
menschlichen oder tierischen Körpers durch
Nahte, Bander, Zwischenknochen und durch
die Geschlechtsteile. — (1609) Flanken-Tnge
= die Lambda-Naht am knöchernen Schädel,
die 2 Flanken (s. d.) oder Seiten aufweist
(Hyrtl. K. W. 50). - Glied- [j^*^* j «n
der lide Gliedfuge, Gelenk, Pfeiffer 33. 89; 14. Jahrh.
lld fugi - compago, Voc. opt. W. 12 ; 15. Jahrh. gelyd-
fuge = compago, D. 840; 1515 glidfugung zusamen =
compage*, D. 136, 1.M8 glyd fug — compago [conjunetio
nrticulorumj. U v. Gersd. 97 — vertebrum coxae, Du
tange) = Gelenkverbindung. — //(»fuge (ahd.
hifuogri) ^ Zeugungs- Vereinigung. — (1632) Hirn-
Fuge = Stirnnaht am knöcheren Schädel, Stim-
mte, Fontanelle (Hirn, s. d. -Stirne) (Hyrtl, K. w.
4. 10). — Knochen-TVigung - Articulatio (Gr. W. v,
1458,\ — (1576) A'row-Fnge = die Kronennaht am
knöchernen Schädel (Gr. Vf. V, 2388) — Leibs-
Fuge = die leibliche Vereinigung (Gr. w. IV, L
379). — (1518) Leisten-, Lusxen-Tuge (fuegen der
luaaen. H. v. Gersd. 15; Hyrtl, K. W. 53) = Hüftgelenk.
— (14. Jahrh. (?]) Af<innr*-Fuge = die Heischliche
Vereinigung mit einem Manne (Weruherr von
Tegernsee, Gr. Vi. IV, 1. 378). — ScAaw-Fnge = die
Vereinigung (Symphysis) der Scharabeinkno-
chen. — (1561) SfracÄr-Fuge = die Pfeilnaht am
j knöchernen Schädel, die schnurstracks, verläuft
! — (1808) unfbglich = ungeeignet, unpassend (s.
Ader). - H inAe/ Fnge = Schädelnaht, die einen
Knochen-Winkel bildet (Hyrtl, K. W. 56).
Fumniel, f. üru fummeln - hin und herbe wegen |
= Vulva, Feminal (Gr. W. IV, 1. 525; Schmeller I.
719; ahd. fimllci — Bewegung; ndl. Ammeln = hin und
herfahren. Goltb. 461). — fummeln = coite.
Fundament, U (ndl. fondameut; trr.. fondement ;,
1, — Sitzfleisch, Anus (De fock 84; Brtss. 55). —
2. - Unterextremität, Unterschenkel. — (imw)
flussiges Fundament d-eb. 176) = flüssige Schen-
kel (s. d.).
Fundin, f. (fuudlnn, B. 'i XXH, I95) = ein weib-
licher Krankheits wicht, der, wie öfter, mit einem
ihn scheltenden Geisternamen bei Krankheits-
beschwörungen angeredet wird = die spitzfin-
dige Ränke-Ersinnerin, wie so auch der Tropf
(s. d.) angesprochen wird (bosefünde = arglistige
Krflndungen. Haltaus 547).
Funke, f., funkeln mit den Augen = blinzeln
bei Pferden. — (1645) funkeln vor den Augen
Flimmern, subjektive Lichtererscbeinungen
(Coler, H. A. 115). — roter Funke = roter Hund
(s.d.)(ndl.roodvonk, De Cock 170. 260 ; 1577 root vonk.
D. 564 - sudamina), 1. = die durch starke Tran-
spiration gerötete u. juckende Haut (Schweiss-
friesel). — 2. - Scharlachfieber (Schnurrer 11,
337), als gespreckelter, feuerroter Ausschlag der
Haut.
Furche, f. ivorgerm. prk- [— porca, Ackerbeet, Er-
höhung zwischen Fun heu]; ahd. furnh, furahi; mhd.
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Furcht— Furz.
Fuhr.
17»
raren, Kluge*, vii) - Kuga, Furche ; a) der Haut
== Hunzel i».r. \v. IV, i. 678); b) au inneren Or-
ganen - Sulcus dir. w. IV, l. 678), als eine einer
engen Rinne, einem .Streifen vergleichbare Ver-
tiefung. — tfanrf-Furche (in der Chiromantie)
^Kascata, Querfurche der Haut der Hohlhand
zwischen Handwurzel und Vorderarm.
Furcht, Forcht, f. — (Angst, Besorgnis ; indogem.
prk; germ. forh. furhtjau; ahd. lorahta; mhd. vorhle,
Kluge*, 122) - rote Kühr (Tirol; 0. v. Schm. 178
[„Voretat"], wonn nicht entstelltes Ferch « d ) als
dämonistische, schelmische Krankheit, ähn-
lich der Epilepsie, vor der man sich fürchtet.
— Pfote-Furcht - Agoraphobie (s. Plntz-
sch Windel). - W rmer Furcht, 1 . « (». Jahrb.
„swen ein wutenderhnnt bizet, dem trimmet grewiletaen
unde zürnet ane schulde unde slbct allez hinter sieh
>chaul nicht gerade vor »ich] linde muc nicht erliden
daz man in nnslhet unde vürchet daz WMW unde
swennc er ez anslehet so bükt er als ein bunt",
Hoffm. I. 321; 1518 Rabies canlna, „eine melancholische
Krankheit, da sieh einer f ürehtet vor lauterlem] Wasser",
H v. Oersd. 99; 1712 Wasserfnrehter - hydrophobla,
Zw. 317; 1783 Wasserfuretat ~ hydropbohla, Iluml«wut,
Platner I, 161) - Wasserscheu s. d. — 2. = (1482)
Wassersucht 5 (Zenlng. Voc. m *). — Furcht-
Blatter. - furchtsame Krankheit, -Paucken.
Furie, f. (»us Utt furia entlehnt), l. = Will,
Haserei (Or. W. iv, L 749). — 2. ~ ein dänioni-
stischea Wesen (Furia infernalis, s. Hollenfurie)
in Wurmgestalt, das höllische Fein (r>i5; u. 253}
verursacht. — 3. = eine wütende menschliche
Person. — (n»3) höllische Furie ■ „«in kleiner,
haarlonnlger, angeblich aus den lappländischen und
bothnlsrhen Sümpfen kommender, al»er auch Im nord-
lichsten Mvland sich findender Wurm (Brandwurm,
Zirkelwunu, Tollwunn), der sich, wenn er auf die
Haut des Menschen oder des Viehs (besonders des
Pferde*) lallt, in dieselbe schnell einbohrt und Jutken
mit heftigen Schmerzen, sowie vou Kntzüudung*tl<:ber
begleitete Brandflecken verursachen soll(l), zuweilen
mit tödlichem Ausgange (Or. W. IV. 1. 751 1; es ist dies
alKir 0*74; s- Z. Hdb. III, 467) der Milzbrand (An-
thrax); als Furia infernalis sah man angeblich
im vorigen Jahrhundert im nördlichen Schwe-
den ein aus der Luft herabfallendes fabel-
haftes, geflügeltes Tier an (-Lindwurm, flie-
gender Krebs), das den Milzbrand erzeugen
sollte, welcher (Haube so fest wurzelte, dass
selbst Linne und .Solander dasselbe unter
diesem Namen in das zoologische System auf-
nahmen, eine Annahme, die später auch Pallas
adoptierte (Bollinger in Z Hdb. III, 467; Anm. 1)
(vergl. Angriff, Höllen wurm, Drache, Brand-
wurm, Krebs).
Furunkel, n. m. — Furunkel- Krankheit.
Furz, m. (Furzer, m. furzen Farz, Forz,
FiTZ) (ahd. flrz, furz, ffr. W. III, 1334; 1487 farz =
ventris crepitus, Gr. W. III, 1334; Fint. Forz = ventris
crepltns, Gr. W. IV. 1. 41; furzen [Altbayern j ; 1429
torUen; 1440; 1.-56 furzen; 1608 furtzelen) =- pedere
(Gr. W. IV, L 961. 95;.). — Furzer (Karnthen) ■ der
einmalige CrepitUB (Gr. w. IV, l. 9.6). Bauchwind.
- Tun- Ader, -Fass, -Glocke; (vergl. auch
fareen).
1 Fuss, Ul. [ittdogera pod, poü, ped = Fuss [zzw]
[ped]; altnord. tet - Fuss (dazu Fessel, •. d.] und ahd.
fezzan — gehen , gem. germ. föt ; goth. fotus; ahd. fuoz,
; Kluge*, 123; 7.-8. Jahrb. fotzl, Caaa. Glösa; 8. Jahrb.
fuazze — pede, Kero M ; 9. JBhrh. phuoi = pes, Hab.
Maur. 6-'.; 12. Jahrb. voz; mhd. vuoz; ndl. voet; engl,
foot), 1. = „der auf den Boden aufzusetzende
untere Teil eines der Glieder des menschlichen
oder tierischen Körpers, durch die dieser auf
jenem Boden sich erhebt und forthewegt" (Gr.
! w. IV, l. 1035 0.), Pes, Femur, Crura, Planta pedis
= FllBBBohle (Bück 16; Schnieller I, 769, Falke I, 29!»)
Huf, Klaue . — 2. = (1632) Steigbügel im Ohr
(Uyrtl, K. w. 14«). — 3. = der Fuss ist im Volks-
glauben auch ein der Fruchtbarkeit (Geburt)
förderliches Organ (s. Grossfuss und gross
gehen); an ihn soll (nach Bachofen 389) die be-
fruchtende Erdkraft vorzugsweise geknüpft
sein; auch „die Perchta mit dem Fusse"
(simrock, H. D. M. 477) erinnert an diese Vor-
stellung, dass die Beinkrankheil (s. d.) =
Wochenbett ist — 4. = (1790) Fuss = die Wurzel
eines polypösen Fleischgewächses (Polyp)
(Kleiner l, 375). — 5. = die Gangart mit dem
Fusae, die, weil Spuren machend, für die
früheren Kulturepochen mit grosser Aufmerk-
samkeit beobachtet und oft trefflich benannt
wurde. — 6. = der Träger des Fusses; nament-
lich waren die Hausdämonen mit abnorm ge-
s alteten Füssen behaftet, mit denen sie durch
die Räume schlärflen. — Fussel, 1. = ein
kleiner Fuss [Or. W. IV, L 1019). - 2. - (IM*)
Kessel (Or. W. IV. 1. 964; Oberbayern). — fÜBSlicht
= an dem Füssel mit Hautkrankheit behaftet
(Falke I, 299). — (1482) FUSSlein, Gr W. IV, 1.
1035), 1. - ein kleiner Fuss. — 2. = Fussohle
(SchmeUcr I. 769). — (UM) FÜBSling - ein Kind,
das mit den Füssen zuerst auf die Welt
kommt (Or. W. IV, 1. 1035). — (1566) fusaling
geboren werden = mit den Füssen voran ge-
boren werden (Fusslage, Fussgeburt; Partus
agrippinus) (Gr. W. IV. l. 1036). — (1641) fuss-
los = apes, pedibus carens (Gr. W. IV, I. 1036).
— Alp-Tn&B = Trudenfuss (Dttmonenfuss) (n.
A. Rh. 416; I'ierer IV, 932). — Ant-TXLBB (ahd.
antfuos, antfuoz ^ qui tortum habet pedein instar
birl [- Kiemen, Streifen], lorpe» — loripes. Lahmfuss,
Bielatal!, Klumpfus«, I'lumpfuss, dessen Stellung der
Norm entgegeiiKesetzt, umgedreht und [manebiuul
«uch!sehmerzhaft[untlist,GraffI,3?.2[s.andl 14. Jahrb.
antfuos, anfii* ■ lorlpe«, Voc. opt. W. 11). — der
ytni-FuBB^Klunipfiiss; er hat einim Ant-Trat
s. d ), einen schmerzhaften, fehlerhaften Tritt;
vergl. Dollftiss, Sabelbein. Die Annahme ant-
fuoz = Fntenfnss (plattfüssig) als Attribut der
Perchta (Simrock, 11. I». M. 390B) ist hinfällig;
volksetvmologiscli werden die koboldischen
Hausge'ister oft „entenftissig" genannt; Bie
Bind aber scharrfüssig, antfflssig, d. h. schlär-
fend, latschend wie beim Antfuss-Gebrechen ;
die WasserdämonenallerdingshabenSchwimtn-
I fflsse (s. d.). — ftrtar-fuss = unbeschlagen
(b. Pferde). — hären fussig - nach Art der
Bären mit dein Fesflelgelenke stark durch-
tretend (b. bärentatzig). — Bell- (Ball-) Fuss,
l.^ein durch falsches Auftreten oder durch
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174 Fuss.
Aufstossen angeschwollener, verballter Fuss
(Schneller 1 . 22y). — 2. - dasselbe auch bei
Pferden (Schneller I, 228). — (16. Jahrb.) bieglkher
Fuss — (ilexipis, I). 239) = leicht beugbarer, gän-
giger Fuss. — Bocks-T\lB& - der nach dein
Volksglauben einen solchen tragende Teufel
(s. d.}. — (1477) boüer FUBB (ürtol|.h, engl, broken-
footed, Kuluchm. I) = oll'ener, eiternder, ver-
letzter Fuss. — Dahl- {Doli-, Doln-j Fuss
(fuesset 11673)), 1. — Dickfuss, Dollschenkel
mit bleibender Geschwulst, der eine Dolle,
Dalle hinterltaSt <<ir. W II, 1228; Schneller I,
Ml), s. ölschenkel. — 2. = Klumpfuss, ein
klumpig verwachsener Fuss (ur. \v. V, 12m),
der durch KnoehenfrasB Schmerzen (Dol,
s. d.) macht - Anlfuss, Loripes, Stelzfuss
(Schw. (.76) (Talipes varus). — 3. der Träger
eine« Bolchen. — Droit- (Troll-, Drula-)
Fuss s= Klumpfuss, DollfoM («r. Vf. II, hsoj
(s. Troll); vermullich liegt dem Drollfuss eine
«lilmonist.-atiologischo Anschauung; zu Grunde.
— Elefant™ -Fuss, 1. = Klephautiasis cruris,
••ine Anschwellung des Fusses durch I.ymphau-
goitiB hypertroph ich, die den Fuss ins Unge-
heuerliche vergrößert (Kehrend 65) (s. Elephant
und Knollfuss 1 st Barbadoos-Kein, das auf den
kleinen Antillen iu Britisch- Westindien hautig
beobachtet wird. — 2. = eine mehr gerade
steilere .Stellung des hinteren Sprunggelenkes
beim Kinde mit ganz offenem Winkel zwischen
Unterschenkel und Schienbein (Marti« 66). —
A'nfrM-Fuss ■ ein in Sagen den mythischen
Wesen, Klhen, Zwergen und Wassel frautn
(volksetymologisch für Günsefuss) beigelegten
körperliches, an ihren Ursprung durch Sumpf-
/eugung (Telluiismus) erinnerndes Attribut
[UMta llncbofen 336, ör. W, III, öl; BlrUngcr, Volkst.
I, 58), das sie den Nixen oder Wassergeistern
zureiheu soll; doch vergl. Antfuss. — fl.wij
/{tich-fÜ&Big illad. .Inn. IM) pluutus l'latttuss
(s.d.) (plölua, piuiii zu vorgvnu. phuhaii , Hoch, platt.
Kiuue sc). jlusxiijer Fuss, I. >al /.H uss, Kk-
zema cruris. — 2 = feuc hte, nasse Maucke beim
l'ferde. — Fiöfuss * VorlUBB. — (1516) gänz-
licher Fuss (nexipes. D. 23») = ein Fuss, der beim
Gehensich leicht bewegt. - (V</>usr-Fu88 = Enten-
fuss, Antfuss, l'iattfuss (Schilder), Schwimmfuss,
ein Attribut der elbiscbeu Gestalten des Volks-
glaubens (H a Ith. 557. 270). — geschwollene Füsse
— durch Haut- Wassersucht geschwollene Heine.
— U680) geschwundene FUsse Ipede« »tri.»«, exsucci
nacle pellucenie«, Heyne V. Ml) - durch Muskel-
schwund magere Hutzel-Beine. — (1692) ge-
zeichnete FÜSB6 ss durch Haarfarbe ausgezeich-
nete l'ferdelusse (seb. 202). — (ilatt-T\l&S -
m der Mensch mit glatter Sohle gegenüber dem
Tiere («, Kauchfues) (Z. d. V. f. v. K. WM, s. isi>;
ulatfot, Motktbfj ). — G> ät*ch- Fuss = Sahelbein
(s. d.j, Getiu valgum, ein GrittlingsfusK, der ^ritt-
lings geht, wie die Kavalleristen (s. Krebsfuss,
Grttlschel, Keiten). — Gm'/"- Fuss — ein Fuss
mit krallenartiger Einziehung (Kontraktur) der
Zeheu, Pesgryphius. - :i5ix) grettet Fuss, L =
das grosso Schienbein sa Oberschenkel II v.
<;crs<l. 14J. — 2. — (gro*sfod, Holstein) grossfÜSSig
(MM gmsuti», D. 269), a) : scli wangei ; b) = schwer-
Fuss.
fttesig, weitausschreitend. Im Mittelalter galten
Weiber mit langen Füssen als besonders frucht-
bar (Kindsfüsse). Das Treten des Strohaackes
(Geburtlager) mit den Füssen war ein Aphro-
disiacum. Ausgehauene Fussiritte in Steinen
sind Fruehtbarkeits-Statten (Zetuchr. L VoOofc.
ihm, 4s); daher die kinderbringeude Perchta
auch als Stampfende (s. Stampa) auftritt; der
Fusstiitt ist wohl eine Art Geburtshilfe in
der Urzeit gewesen. — Hacken-Tusa = Pes
calcaneuB, ein Fuss, der nicht mit der Sohle,
sondern mit der Ferse oder Hacke (Hacken)
den Boden berührt, wobei durch Verkürzung
der Mußkeln die FusBohle nach vorne, der
FuBsrücken gegen die vordere Flache des
Unterschenkels zu steht. — Hinter-TUBB, 1. =
der zwischen der Fusswurzel (TarauB) und
den ersten Gliedern der Zehen liegende,
aiiB 5 länglichen Knochen (MetatarBUs) be-
stehende Teil des Fusses = Mittelfuss (Meta-
tarBiis), Fuesbrett (Schaufel) (Gr. W. IV, 2. 1501).
— 2. = Pes posterior bei 4 f üswigen Saugetieren ;
{engl, hindfood; Gr. W. IV, 2. 1501). — (U>95) hittige
Füsse = durch akute Gicht (Podagra) mit
flautrote befallene Füsse [Vterofdl 56). — hohler
Fuss - Gegensatz zum 1'lattfusB, eine paralyt.
Lähmung gewisser Fussmuskeln, wodurch der
Vorderfuss eine abnorme stärkere Sohlenwöl-
bung erhalt (Duchenne; «ir. W IV. 9 1711) — Horn-
Fuss Huf. — jyjjf } Fuss Hinkfuss, einer,
der auf einem Fusse, einer Hüfte hinkt, hüpft;
(engl, hipjied -- kn luliibin , bucklu - Ilultc, Kullschui. ,
/.. .1. V. f. V. K. 1*95, 8. 263; Schneller I, 1050) ( Ein-
bau kei — Jgels-Ttm — eine vernachlässigte
Pferde-ifaueke vs. d.) am Fusse, wobei das nicht
ausfallende, ober deiu Hufe auf der verdickten
Haut stehenbleibende Haar borstig, stachelig
oder struppig sich in die Höhe richtet, empor-
stntubt (Strupfhuf <>d. Straubfuss). — Ä'tfs-Fuss
[Dletmanch., ke* tot) -= kurzer, dicker Fuss siehe
grosser l uss) (Uebrecbt VJl). — A'i«r/«-Fuss, 1. -
der durch die Kindsadern (s. d., Vances) an-
geschwollene Unterschenkel (Cr. w. v, 757, 8chm.
1, I2«.ii. — 2 =s grosser Fuss. — Klump-,
Klunk- , [I7S-I] Kluns-, Klunt-, [17S4] Klunz-j
Fuss - Klumpt uss, Dollfuss, Pes varus, Loripes,
Vatrax, N'alriosus, klumpig verdickter, kolbig
V6r*tUuimelter, veränderter l'uss oder Fuss-
stumpf («Sr. Vf. V, 1294. 1302; Üardeleben, Chlr. IV,
S62, P«ull U; eiißl. dnUoot, Kluse*, -179; clovenloot
= bUkUCOtntt , Huf, Knltsrhin. ; nord. klubbu-lötr,
j KtuRU , 20J -■ klopii;, kolbig veränderter Fun»), —
! Klunker-TVLBS, 1. = ein Klumpfuss, der kluu-
kerl (mb«l. glunkem - baunein, scblcukcru, Kluge5,
202). — 2. = der Träger eines Bolchen. —
Knick-Tnsa = der Tod (Streckebein), der des
Menschen Leben 7.um Falle bringt, ihn wie eine
Blume abknickt (t'ripiell IV, 17). — A'no//-FU8B ■
knollig verdickter Elefanten -Fusa (». d. und
Klumpfuss); (Kehrend 65; skr. gnjnpuda - Ktefnnten-
lu^s, Krnu«, K 313; Karbados Kein). — AYitk-FuSS
der 1' uss, den die Mar is d ), marascytropodes
bat, die damit auf dem Boden scharrt, scblttrft,
kratzt. — (16. Jahrh ) AVf^s-Fuss, 1 Genu val-
guni, der die Füsse, wie der Krebs die Scheien,
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Fuhr.
Fuss.
175
auseinander halt, oder 2. = vielleicht auch aus
Grätscbfuss (s. d.) entstellt (Gr w.). — 3. = ein
Fuss mit dein Fuss krebs (n. d.) behaftet. —
AVem-Fuss = in Kreuzform X gestellte Beine.
— Krotttn-TvM =■ der Seckige Trudenfuss, ein
Attribut der elbischen Dämonen des Volks-
glaubens (H. A. Rh. 416). — (1501) Krummb-, (1482)
krump(cr) Fuss fussi</ = Loripes, Tortipes,
bogenfüssig, krummschenkelig (Säbelbein) (Cr.
W. II, 220; V. 2444. 2462; Zening. Voc. r 3; Hftd. Jun.
3»7). — lahmer Fuss = durch Lähmung und
lähmungsartige .Schwäche in normalem Ge-
brauche behindertes Bein. — Latsch -Fuss ■
l.atschbein. — (1482J Lttt-tasaer (-ftissu/e) (Zening.
VoC bh2; D. 617; ploti [plauti] •|iit sunt planlspedihus ;
let fusslge. D. 442) — scarrus, scaurus = breit- oder
laischrusaig, scbieffüssig; der die Schuhabsttizi'
durch schiefen Gangabtritt;elbischen Dämonen,
den T rüden u. Maren, wurde ein solcher schar-
render, schleifender, scherfelnder s. d.) Gang
zugesprochen (Birlinger, Volkst. I, 305, Zening. Voc.
1. e.; Gr. W. VI, 277). — Lungel -FUSS - ein durch
hereditäres Lungenleiden varikös Kewordenes
Uein und dessen Folgen Ulcus varicosnm) (egom
x u jamtx;, iiriiw. 2«)), die man nach dem Volks-
glauben nicht heilen darf, ohne die Lungen zu
oedrohen. — Mahr-Tw&B — Alpfttss, Trudenfus.s
s. Mar (Meter IV, 932). — (1743) Mittel-T}1B& =
Metatursus (<»r w. IV. ■<. UOl; Mlil. Med. 334), die
:"i kurzen Röhrenknochen in der Mitte «wischen
Fusswurzel und Zehen. — (1599) Neun Füsse
von sich strecken) = sterl>en, verenden wie
ein vierfOssiges Tier (ur. \V. iv, l 99c), das alle
i von sich streckt (9 hyperbolisch? oder vom
Kegelspie) mit 9 Fussknochen; s. der 7. Fuss;
— offene Füsse - Uleera cruris (Zw. 6:15), durch
■ •Ifene Wunden kranke Küsse. — pelzige Füsse
Fasse, die durch GefQhlslähtnung wie auf
Telz gehend empfunden werden ;b. Pelz). —
Pfa-, (lssi) Pferde-TxxBS - Fes tipiinua, 1. = ein
Fuss, dessen Rücken so in die l^nge and
Hohe gezogen ist, dass er wie beim Pferde in
der 1 Längsrichtung des Unterschenkels steht
SpitzfuSS; (Kanke I; Z f. Ö. V. K. 1896, 2*4). —
2. = gehörnter Pferdefuss - der Teufel als Trager
eines solchen im Volksglauben (Abergl "-Ol. —
Platt- (platte, Platsch-)TxiM (14. Jahrh blatefuoz,
platvuoz , H. Z. X; Kluge1, 287; 1776 plattfu* -
Kussbrett, Gr. W VII, 1912: 1782 platfussc, Gr. W. 1. e ,
engl. flook-foled, Hat toot, Leht. 84 , KalUchm ; ndl.
plat voote-u, V. K. IX, 11), 1. = der Fuss ohne oder
mit abnorm geringer Wölbung des Filssrückens
— Pes valgUS (Oyrtl, Anat. 369. Bardeleben IV, 872).
ohne Aushöhlung der Fussohle. — 2. — der
Mensch mit einem solchen flachen Fusse, der
dann platsch-platsch auftritt, wie im Wasser
tretend (b. Hexen). — 3 = die platte Fläche
des Fusse« = Fussbrett (s. d ): a) = Hinterfuss
(Gr. W. VII, 1903. 1912); b) = (1787) Vorderfuss
Fussplalte. (Vogel II, 73). — (1592) podagramische
Füsse (b. Podagra, (s«b. 301 . — BawcA-Fuss
(engl, rongh-footed, Kaltschm.; dasypodiu» - Hase
Meiklbg. ruglot) = das Vieh im Gegensatze zum
Menschen; der rauhe Huf (Pfote) der Tiere
hinterlässt andere Trittspuren als die glatte
Menschensohle (Z. <1. V. f. V. K. isoi, nr,h - Reh
Fuss s. Kehbein. — (1699) rinntnder Fuss, 1. -
ein Fuss mit rinnender Hautkrankheit oder
offenen, secernierendeu Geschwüren (Ekzema
s. ulcus varicosum). — 2. = Straub- oder Igel-
fuss beim Pferde (v. M. I, 09). — ScAarr-Fuss
m scarrus, Kratzfuss d.) (Schmeller II, 449;
Zeitschr. f. d. Hitlol. XXVI, 249). — Sche{l)chs- (1618)
ScAiecA-Fuss = ein schief (scheel, schelch) ge-
wachsener od. entstandener Fuss (V'arus) (Schw.
592; Schmeller 11, 364, 368). — Schinn-TTMB (West-
falen sohieufuot = cbelidonium majus, Roll. 196; d. h.
das dagegen angewandte Schellkraut) = ein mensch -
hcher Fuss mit starker Hautschuppen-Bildung,
Ekzema fiquamosum. — >>/■/••//• Fuss (1420 ileyp-
voot — dromo atta, D. 191) = ein im Gange uaeh-
geschleilles Bein, wie es öftets die alten Leute
(atta) zeigen, oder die faulen Schlingel (angl.
splayfooted). — Schlimm - FUSS (udl. slimvoet
loripc«, D. 336) = Schlimmbein s. d.). — Schmal-
Fuss - der Träger eines solchen. — Schrättdes-
Füsse = TrudenfUsse (H. a. Rh. 416). — Schrannm-
Füsse - geschränkte, gespreizte Pferdefüsse
| (Ochsenknie), die wie Füsse einer Schrank-
bank abstehen. — U744) schwache Füsse
Khachitls der Fussknocben, die weich, nach-
giebig, schwach werden (Imbecillitas pedutn
(Zw. 638). — ScAtcrtss-FUBB = ein Fuss, der stark
schwitzt HyperidrosiBpedum;. — schwerer Fuss
= schwanger sein («rossfüssig, s. d.; (Floss-Bart.
i, 474). — ÄVAtcimm-Fuss - die mit Schwimm-
hautbildung zwischen den Zehen versehenen
Füsse (Gänse-, Knien-, Kröten- Füssel sind
nach dem Volksglauben ein Kennzeichen der
elbischen Nixen, welche ihre Wechselbälgc
(b. d.) den Menschen einlegen (II. A. Rh 221. 242).
— siebenter FUSS (15 Jahrh den snehendeu {sielten
den] lux verloren, Schmeller I, 769, 11, 1071). Dies l«l
wohl so zu deuten der Helfu» (Artemisla, ». Ii agier),
welcher in iku Sonuwcndunchleu von den Befruchtung
ersehnenden Weibern ani Bug (s. d.) getragen wurde
(credentes illiquid valere vel invenire, Schmeller II, "02),
galt als Ziiubcnaittel ; der Itcifuss (bivuoz, Kluge*, 34)
ist nun zum Sonnenwendfuss (suunbendfush, sul*eir
sinnbeul-Kurtcl) geworden und aus Mi«.sversian<lnis
zum aiebcnteii Knss, wer diese Zauberptianze (Raute)
verlor, hatte damit dann den 7. Fun*, d. h = den
Verstand durch Zauber verloren (SchmeUer 1,
769). Fischart steigert (1599) hyperbolisch und aus
damals schon vorhandeueui Mis.svenit*ndninse des
7. Kusses sogar bis tum 9. Fusse. In Buyern sagt mau
auch: seine 7 Zwetschgen — seine ganze Habseligkeit
; Schmeller II, 1184) — sehr wenig; was aber mit dem
7. Kusse — Verstand kaum in Beziehung gebracht
werden kann. — 5pecr-FuS8 = der rechte Hinter-
fuss des Pferdes, dessen Heiter auf der rechten
Seite den Speer trägt (engl spear toot, Kaltschm ).
— Spitt -Fuss = Tahpes equtnus, Pferdefuss,
wobei die Ferse in die Höbe gezogen ist, und
der Betretlende mit der Spitze des Fasse«, d. h.
mit den Ballen der Zehen auftritt. — Stelz-
{[11»: öto/i-, Stull-, Stutz-, Stolz-, Stolz- Fuss
einer, der mit einer Fusstelze Kusstuhl; geht,
die er zur Stütze braucht .ieis auf elm fuess ittdara
[stallen, stolzeu], Schmeller 11, 754; «Jr. W. VII, l'.'s v
~ Stelzbein, Loripes. — Sehnen-6'r</ifÜ8S = eine
Beugesehnenscheidenentzündung am Pferde-
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17ß
Fuse— Gabel.
Fut— Gadern
fuss, die dessen Bewegung so behindert, das»
da« meist „struppierte" Pferd steif wie auf einer
Stelze geht (Korsler II, 102.r.; Kalke II, 340; Maier 112)
(Ölschenkel). — (im») »linkende Fttsae = Fuss
mit Fuss-Stank s. d , Sehweissfuss (Coler, H, A. 1
240). — (l'i92i iträli füss'/ - fratt, einrissip
zwischen den Fesseln bei Pferden, die dann
gerne die Streu aufsuchen (Bob. Ml; Gr. W. HI,
US»; IV. L 67). — (1646) Straub- {Straup-)THBB =
eine Pferde-Mauke (s. d.)i wobei das nicht aus-
fallende, stehen gebliebene Übrige, meist verfilzte
Haar sich struppig aufrichtet (Falke II, 114; «oler,
PL 371). — Der Strecke-TUBB — Tod, der beim
Todeskampfe den Menschen bleich hinstreckt,
ähnlich dem Gehängten, der llflnde und Fflsse
lang ausstreckt [Or. w. II, 99; Schräder 4M; Scheit.le
III, 136). — Stumpf -Tubb = Klumpfuss (engl,
stumpfoted, Kaltsrhm). — / rl lt\ tmeistet -Füsse ». |
Stellung. — Tapp-TxL&s - eine schwerfallige
♦ Gangart bei Menschen und Pferden (s. tappen)
Zlpp. 130; K.dda, Jordan 1K4 , Kalke II, 357). — Tripper-
Fuss = die Lokalisation d. (ionnorrhoe (Tripper
auf einen Knochen oder ein Gelenk am Fusse.
— 2Vudrn-FuBS - das die Menschen tretende
is. d.) Attribut der elbischen, aus der Wellen-
heimat stammenden weibl. Dämonen (Nixen\
die im Boden die Spuren dreier in einander
verschlungener Dreiecke, das sogen.
Alpkreuz hinterlassen iirutenvuoz; 1343
truten luize, Sthm. 1, 649, l.aiütner II, 20*.
30S; Vernal. 272; Abergt 137, II A. Rh. 416). —
("nAomVn-Fuss - Trudenfuss. — For-FuBS —
H743) Forder-Fuss, 1. - der Zehenballenteil. —
2. -. Pusswurzel (Tnrstin"j (engl fort« foot, Leve-
lirut *«; bibl. Medlk. 883). — {17R.t) weiss - fiiSSf t
»iigl*. hultfot = alblpedlu«, I». an. SVhinetler I, 769 1
Gabel, f. fnhd, Riit.nl ; mh"l. gnbel ~ el«ft», »n<
giebelartige , sptuwlukllge Form h«t , Klug".'*, 121;
s. Crhel. «;»n. i:. 1.-- die Brustbeinspitze oder der
Processus ensiformis sterni (la fnurrhettc, A. Pare ;
öbenetansg 4er ArabLsten gahelin - fnrrutn Inferior.
Ilynl. K. w. 64; !iri«s. 2S). — 2. - Schhisselhein
(IMS gabelin — furenle Oer Arahlsten, H. v. <!ersd. H;
Hyrtl. K. W. M) , die eine Feder oder der eine Ast
dieser Gabel sollte zur einen Achsel (Schulter)
gehen, der andere nir andersartigen: V; vermut-
lich von der Gabel der Hühnerbrust (<;r. W. IV,
l 1120) genommen. — 3. - das Mitteltieisch (Peri-
neuin) (In fourche dea Jambas, 12 labrb. luNbeuie;
IS. Jahrb. loorehuro, ürtus. 3h)(- von welchem ans
die beiden unteren Gliedmassen eine Doppel-
egge (s. Älter) bilden (Hyrtl, K. W. 164). — 4. =
(i.'j30) Luftröhren-Vergahelung (MeobUUH ander den
gahlen, Künlgssp 19, In fonrcelle, nris« 184). — 6. -
• las gabelförmige Zungenbein (Rochholi I. 227).
— ü. = der leere, gabelförmige Kaum am llorn-
schuh des Tieres, den der sogen. Strahl ein-
nimmt (Falke T, 30O>. — (1618} ««/"gabeln einen
770 . vermutlich hu* mtl. ulhlpediu* l — elben fus-ig,
Alpfims' zurüekul>e.rf<et*t lu \vei«<s- {albus] füsfiig; der
Alptritt sollte verwirrt machen) - albern, toll. —
A'-Füsse = Genu valgum, Bückerbein, Ochsen-
knie (itardd. IV, soo wegen der >< Stellung
der Beine. — Zu< '. Fuss = der Hahnen-Tritt
s. d.) b. 'spatigen) Pferde, das dabei zuckende
Tritte macht (Kalke II, 459). — Fuss- (Fttssr/-)
Adir, -Ballen, -Bein, -Belle, -Blatt, -Blattern,
-Brett, -Daumen, -Entzündung, -Fäule, -Qallr,
-Garbe, Geburt, Gelenk, -Geschwelt, -GeschwuUt,
- Geschwüre, - Guht, - Gram, - Gramerin,- Grimmen,
-Hacke, -Hicl, -Hohle, -Kehle, -Kiaue, -Knochen,
-Knorren, -Krätze, Krampf, Krankheit, -Krebs,
■Kriimme, Lage, lahm, -Leiden, • Lidsucht, -los,
Mangel, -Nagel, -Plärr, Quetschung, -Räude,
Reihe, -Reissen, -Rist, -Rolle, Rotz, Ruch,
■Schaden, Schaufel, -Schmück, -Schmerz, -Schtceiss,
• Sehne, -Seuche, -Siechtum, -Sohle, -Sparre,
-Spitze, -Stank, -Stapf, -Sucht, - Tritt, -übel,
- Weh, - Wetzer, - Wurzel, -Zehe, -Zipperlein.
Fut s. Fotz.
Futter, n. (Indogerm. pal = essen, germ. föd, fad;
gotb. li>dr — Nahrung; abd. fuotar; mhd vnoter, Kluge
128 { engl food = Nahrung) — Futter Kind, -Kolik,
-rarh, - Verdruss, - Verstoss.
Futteral, n. leine Ableitung aus ah<). fotar, nitlat
fotrnle, Kluge 124; latinisierte* „Kutter" llotrum, to-
drum] = Überzug, Hülle, EL l'aul IM}. — Htm-
Futteral = Kopf, ScbÄdel (Cr. W. IV, 2. IM*) als
Behaltet für das Hirn.
Futz (Futze) s. Fof, Fotz«..
fmü Md.) s. faul.
Krankheitsstoff (gleichsam an die Gabel) an-
stecken (s. d.) und aufgreifen, colligere. —
Fleisch- Oabel, 1.= Penis, der 2 teilig am Scham-
l'Ojjen wuizelt (tjr. W. III, I7M). — 2 - Kniegalgen
(<*. d.). — Luf t» oAr-Gabel^ Bronchus, die spitz-
winklige Teilung dei Luftröhren in 2Ä-«te (Hyrtl,
K W. 107). — Oabel /A-iw, -Ges-hwür.
gabig, gabisch, gäbisch - Unkisch, ver-
kehrt, bäuerlich, gäuisch, lölpiscb, (s.d ) (itayem,
i ,r..i Wolf iv.). — gabische Hand, -Zeichen.
gach s. gab.
Gack, gacken, gaeckeln -= eucare (Schmetl«
I BK ; «.'aek m -Podei ndl ).
gacksen s. gagecen.
Gadern, n , m, Gaden, n , m. (Qat, Oater)(aii
nonl Kfitrt, k'nt - Loch ;angls.gea1 . ahd.gadum, pndnm;
mhd. gadem, gaden ; 147 i galer, Ii. 304, alUarhs. gat —
Lora, Hohle; ndl. gaten.gat = (MTnung, Einlaas, Gemach,
Kammer, Kluge*, 124). — .Jr*<A- Gaden 11420 eers-
gat, I). 427, n.ll iuir«ßnt, V. K. VI, 7) - Perineum,
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Gaderzick — Giimper.
Gämperle— Gafe.
177
Damm, räumliehe Abteilung zwischen Annsund
Vulva. — (16. Jahrh.) Fli UM h - Gaden (D. 102. Gr. w.
III. I79S; Schmeller I, 871) = (1018) Carnarinm, Va-
gina als fleischlicher («. d.) Einlass. — Nagel-
Gat (DeCoek; v.K. ix, 1895. s.95. 127) = Gesch »ftr-
nagel = AbsceBsöflnungam Kopf desGeschwärs.
— (1475) A 'ii.it 7i Gaden, Gater (ndd. nasengater m.
— Intcrflnlum , pirula, pennula, lummt pars naris,
I>. MM. 423; 1507 naessgat, D. 876; ndl. neuscgatcn, De
Oock 8*i. 293 ; loopende Katen = coryza, Sasenflusa) =
Nasenlöcher als Eingang zur Nasenhöhle. —
(1507) Schweis» Gat (D. i«) = Porus, Dunstöffnung
in der Haut. — Strotz Gat (1607 strolit gatt = jugu-
lum j 1621 strott trat - gurgulio, 1). 271. 311) = Drosscl-
gang, Kropfgang, Kehldrossel.
Gaderzick (1788; I ubcrnaem. - HS.. (itocaolO m
Durchbruch, flüssiger Bauch (von purgatio „cathnr
tlca" per anuin, Reinigungsmittel, Gr. W. IV, 1. 113.">;
<)ie xcii*ap3t; :' •kraut ,.<|iiae eil« ventrem purgnt",
1». IM).
gaebisch s. gahig.
gäch *. gäh.
Gäck , gaecken, 1.=b. Äck. — 2=-s. Goeck.
— Gaeckelein die Kake (cacare) (Schmeller i.
882; conf. [Tirol] Gaggele = El, Wolf 153).
gäfern s. Geifer.
Gaefter s. After.
Gaegel, f. s. Gagel.
gäh Cgäch, gach) (ahd. gahl = schnell, ploullcb ;
mhd gache, gach. Kluge 178) = jäh (s. d.). — gäh-
lich (1590 = rabiosus, D. 482) = wild, wütend. —
(173.'.) das Gaeh (Gech) = eine plötzliche Er-
k rankungdes Viehes (F.rdslurz},apoplectiformer
Milzbrand (H. B. 14) „eine Erbsucht" (». d ), die
sich als gäbesÜberblut.gähe Blase, gäherUmfall
etc. äussert und übertragbar ist — Gah- gaclu i-
Blatt, -End, -Erstickung, -hitzen, -Hunger,
Ritten, -schussig, Sucht, - Tod, Überblut, - üm fall.
gaelt s. alt und galt.
gähnen (glenen , gannen , gäunen , geunen)
(vorgerm. ghl [hlatüs]; germ. gl; ahd. gien , ginen,
giwi-n, Klage*, 121; gewön — das Maul aufsperren .
gthnen [eine «chw. Nebenform des ahd. ginen] mit
vielen Neben- u. Schwcslcrformen ; altnord. gln ; mhd.
ginen, oberd. giweu ; 14-10 galneu ; 1478 gey Den ; 1495
glenen; 1615 gähnen, O. 402; l.'>91 gynen, glwen = oscl-
tatlo, flad. Juu. 378; Kluge', 124; glenen [Schweiz],
K&unen [Bayern], gabnen (o. -Schwaben j, gaucn, geuen,
geuwern [Bayern], Scbw. 224 ; gelnen, Zw. 254) - hiare,
oscitare, namentlich vom hysterischen (»ahnen
((iähnsucht) gebraucht (Zw. r* . Coler H. a. 132).
— (1645) nach der Luft gähnen (beim Asthma).
— QÜhn-Fieber, -Krampf, -Surht.
Gaehning h. gaeren.
Galen, pL s. geil.
Gaelle, f. s Galle.
Oaem, m. s. Gaumen u. Kahm.
Gammel b. Gammel.
Gämper (Gämpel) ficis Gemper. it. Saabs; ver-
mntlicb euUtellt an« Ganter I". d.]. Schmeller II, 284)
-Herz, Herzpinkel. — Gim/>r/-Gempel = l'cnis
(Schneller I. 911. 1195). Ist Giimper vielleicht « In Kratik
heiuskobold, der auf das Herz BtOHtl (». nachfolg.
Gaempel-Af ann.
Gämperle, n. (Tirol; zu Gammel, «. d .), l. = ein
Krankheitsdämon (Teufel). — 2. - die von
diesem veranlasste, fieberhafte (epidemische?)
Krankheit mit Delirium, die in den Hundstagen
(s. Sonnenstich) umgeht und bei der tolles, auf-
| geregtes Zeug ( = aus vermeintlicher, teuflischer
( Veranlassung?) gespr«>chen wird (Gr. W. IV. t.
i 1214; Gamperle In Karathen ■ der Teufel, der tolle
Sprünge macht, Gr. W. IV, 1. 1214. 1255; der aber Irgend
eine heidnische, dämonenhafte Figur hiebet Teriritt).
Gaenter s. Ganter.
gären (germ. Jet [dazu Gischt]; ahd. Jtrian = garen
machen, josan = garen, sebaumen; mhd. geren, jeseu,
Kluge &, 127). — (1699) Jn/'gärung = Aufstossen
des gärenden Magen-Inhaltes (v. M. i. 145). —
das Blut gärt = wallt auf, wie das gärende
Bier, das im Hause fiüher bereitet wurde. —
ext er gärig (abd. clt&rgerio = veneticus, Graft 1, 612),
das Eitergift wird nach alter Vorstellung unter
Fieberhitze im Leibe ausgegoren (nach Ilippo-
krate* „gekocht") und wird so cur Ursache der
Eitervergiftung, zum pyämischen Todesgift; —
(wie nahe ist doch diese Vorstellung schon der heu-
tigen Theorie der Bazillen-Wirkung '.). — das Ensen
giert miraufher (Bayern) =gär-aaures Aufstossen
(Gr. w. iv, l. 1365). — das Oeblüt giert (e. .lest).
— (1645) «fcergieren = Eitergift über sich aus-
scheiden ^on Wunden) (Coler »7. 879J. — (I680)die
Wunde gieret mit Eiter — Vulnus purulenlum
= erzeugt septischen Eiter. — Gaerangs- JTranft-
' heilen.
Garn s. Garn.
Gärte e. Gerte.
GätZ, n. = Geätz (Schindler I, ISO. 967) = dio
Eingeweide mitsamt dem Inhalte (Kssen = Aez)
(s. Essen). — gätzig (gatzig, gassig) = schmutzig,
breiig, schmierig (Sehnt L e).
Gaenfse s. Gafe.
gannen s. gähnen.
-gaewe s. haben (gehaebe).
Gaewer (zu Gaumen, s. d.) = der Akt der Gau-
menötfnung, des Schnappens mit dem Munde
(Schmeller 1, M12).
Gafe, f. (Gaf, Gaff, Gafen, Gaffen, Gafel n.
Gaufen, Gauf, m. Goffe. f. Gufel, Gauchse.
Gaufe, f. Gaupse, Gauf, Gaufe) (ahd. eontanj
IL Jahrh. goffe eoza, H. Z III; 12. Jahrb. gofen —
clunes, H. Z. II ; cofla, goffa - uates, pyge, D. 128; 1260
goufe, f. = die Höhlung der Hand, Pfeiffer 65; gocuf«e. f.
= die doppelte Mohlhnnd, HofTm. I, 371 ; 14. Jahrb.
goffe = clunls, Vor. opt. W. 12, 14. Jahrb. gaipe, gau-
pesche = raca, D. 482 , 16. Jahrh geffte clunls, D. 640,
14S2 uawfj - vola, Zeuing Voc. k 3 ; gawebsz ■ Gauehse
— concavllas manuum, Gauff, Gr. W. IV, 1. 1W7 ; 1615
gauseb. gawcliss, gawrhsse » vida manus ; 1582 gufel
(=r gu»«el] = volnmanus, n. 628; 1691 gauf - vola mauus
Mittelhohle der Hand, Ilad. Jun. 34 ; 1692 gaffen =
palma, voln manus, \Vlrsung561; 1613 gauf = vola
manus, Ilyrtl, K.W. Vi , Josterr.] gauffel beide ITande
voll, rbr Sam. 5), 1. = Concavitas palmae manus
(Hohlhand), plantar pedis (Hohlfuss») (ür w iv
12
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17«
Gaffeln— galant.
Cial gen— Galle.
t, 1*12), auch als Grafen, Gafe uiul Gallen
Illintiicr 7. 16) volksüblich in Tirol. — 2. — Hinter-
baken, Clunes (nhd. goßVn, H z. Ii , Krf. <:lo«s. goffa .
mhtl. goffc, ««ffc, gofen. Schindler I, *7.>; posterior
pars aulmall»; TWfL stop-gap - «lai letzte Kind einer
Krau, welches die Gebiirtsoffnung [gap l.orh). ver-
siopft, boefellCMt, Kaltschm t, «127). — 3. ■- ballte
Mund Mund Verzerrung) als gähnende, oder
schlürfende Mundhöhle (?). — 4. ^ (1731) Gauffcl
as Maulschaum, Geifer am Tiermaul (A. M. 10;
Gr. W. IV. 1. 1546; «ub. III, 2; ob Gaule 3 zu [wkr.j
jabh - schnappen, uenu. gap = gähnen, Kluce 4, 121,
engl, jaw — Kinnbacken'' Ks liest vielleicht bei 1 — 3
ein gemeinsames Wort ca( — Höhlung zu Gruudc, da»
sich in diesen 3 lledeutungen spezialisierte; ,.dcr oltene
Mund wurde auf alles irgend Ähnliche in der kleinen
und grossen Welt In kindlicher Vermenschlichim« über-
trafen", «ir. W. IV, l); vergl. Fol* und Mund,
Lalle. — (1M0) FwsÄ-Gauf ~ (<uncavitas pedis,
I>. sä»; pianta pedU) a Fusshöhlung an der bohle.
— Oauf Barg, -Diech.
Gaffeln, f. (I>i0! - Schlüsselbein (von Calle
= lurca; Nebenform zu Gabel, s. o. ; llyrtl, K. W. ö4).
gaffen (kaffen) (germ. gap- gähnen; ahd. gaffen,
kapfen ; mhd. gaffeu. kapfen, Kluge * 124), mit offenem
Munde anseheu, den „Kopf" aufrecken beim
Schauen (Gr w iv, 1. 1 I36),auch = karten. — Geffe,
Gefl (Tirol , Illntner ■>. 13) Mund. — Gaffel-
Stirn.
Gag, f. (Gagg), m. Gagg - Ga»h, Ganck
Narr, Tölpel. — Gacken = Kretinen (Hirchcr 87;
Knapp, Kreünism 6). — aus der Gag kommen = ver-
wirrt sein (Schm. 1, 877. 1203). — Schreck-, Schröck-
Gagerl (Erzgeb., Grohmann, Aberg) 16) Schrecken
einjagender AlpdHinon (Kobold, Schreckuoe-
gerlj. — rrrgägelt^ geisteskrank (Buck i:i, nach
Grimm zu jagein, jagen, lärmend hin und herlaufen,
schreien). — gag irrig.
Gagel, n. Gaegel, f. (ndd. dat gagei, d. 4on)
- Gaumen, Zahritteisch, das Werkzeusr, der Ort
«um Schreien od. Gacken (Schmellerl, «77; Kluge \
12»), — f-rgagen vor Schreien ganz fehler-
hafl atmen, ausser Atem kommen 'Schm. 1. c).
gagezen (gacksen) [ahd. gaxixön — natire, eine
onomatopoetische Bildung - gaggag machen, w ie die
Hühner schreien, Kluge*. 121; die Stimme verändern,
auch undeutlich wie ein Kind sprechen) stammeln,
stottern (Gr. W. IV, 1, 1131. engl, to gagglc = gackern),
vergl. auch Gaxen.
gaggeln- cacare.w iediegackernden Hühner,
die ins Zimmer kakieren (Kinder*pr.). — britschi-
gaggeln ~ coire, auf die Britach« gacken wie
»lie Hühner (Selunellcr I, .'!?,'.). — Lämmer- Gagein
(14. Jahrb. lainliergagelu. Iloffm. I. 32.1) - Lamincr-
geilen, Lammshoden. — zer (der-) gagget =
mit Kindskot beschmutzt (Tirol, Wolf); (s. auch
kacken).
Gallen s. Geilen.
galant, Galanterie (aus franz. galant; partic.
praes von gala (zu nt-iV. = artiu ; P.Tn galant - a la inode
gekleidet und gegen das schone tieschleehl zuvorkom-
mend, Klelnp. 40; Gr. W. IV, 1. 1136; Kluge*, 121). —
Galanterie, — grosse = Syphilis; — kleine ■
Tripper und seine Folgen (Gr. \\. IV, 1. 1130), als
I galante Krankheiten (s. iL) oder d«pj) Galan-
terie-Ware (Haescr II, Anh. M) bezeichnet ; (an den
franzosclnden Hofen de« 17. und IS. Jtihrh. mit ihren
■iffaire« d'nmour galt es u la uiode. derartige Krank-
heiten zu haben [vergl. Modekrankheit], daher auch)
(1743)/>nfii««sr/4t Galanterie. I. = Syphilis (Hahn).
— 2. -Trousse galant, Tripperhoden (Lersch ttft
Anw). — Galanterie- (galante) Beulen, Krank-
heit.
Galgen, Ul. (vorgenn. ghalgha-; germ. galgan-:
uhd. gnlgo; mhd. galgc, ursprünglich = lange, bieg-
same Hute eines Baumes, an dem man früher das Auf-
hangen der Verbrecher vornahm, Galuen und Zieh-
brunnen, Kluge1, 125). — (ifiso) /we -Galgen -
Fleischgabel (F.xercitium venereum) (ur. w. v.
1121. 1I2.V 142S), Goitui», Lusus venereus. — im
Kniegalgen hangen - coire (t;r. w. L cod., Heek-
Icnburgl.
Gall, n. (Galler) = Schall (Gehall) (Gr. W. IV.
L Iii»; Schindler I, s»l ; engl, to call = rufen), dazu
die Gill (s. d.), galstern (s. d.), Gilscht, gilfern,
galfen.gelfen; (vergl. rufen, schreien u. kallen).
H Ii rnt- Galler (angls vyrrn galcre = lncantator ser-
pentium, Du Cange I. 2ss) — einer der die Schlangen
durch seineu Zaubergesang (s. galstern) bezau-
bert (s. Wurm).
Galle, f. Gallen, f. (gem.iudogerm. ghcl^gelb
oder grün; [fellis; lat. f im Anlaut entspricht germ. gl;
vorgerm ghol [yo/.Tjj; gem. -germ. gall - Galle; ahd.
k-alla, II. Z. XVl! 70; angls. gealla, galra; Irisch galar.
galradh b Krankheit ; mhd. galle, Kluge », 12Ö. 133;
fielet in Z. f. v. Sp. W. V.838; engl, gall -Galle, Gall-
apfel, Hitze, Schramme, Wolf (frntt, wundsein], sich
ärgern, I.ehf. 177 ; Kaltschm. I, 2t>">), I. l. = die bit-
lere, gelbgrüne Galle (Fei, Bilis, Cliole) bei
Menschen und Tieren, der Urgrund des cho-
lerischen Temperamentes, vieler Krankheiten,
I namentlich der Fieber und des Galltlusses (Ar-
thritis) (nach der Anschauung der alten Medizin,
welche eine gelbe und schwarze Galle annahm , seit
Aristoteles 1,1» auf Paracelsus eine Lehre, die heute
DOCh In Volke fortlebt, Gr. W. IV. 1. 1183. sub. l.a).
so dass Galle selbst schon = Morbus, Krankheit
(s. o. galar) ist, namentlich = Morbus regius,
Artbesis, Arthritis (s. Wundgallen) ; Galle des-
halb auch Gift, das aus der Galle 1 entsteht.
— 2. = als Galle ist auch der Inhalt der Gallen
(II) an den Geienken und Sehnenscheiden der
Pferde angesehen worden, tlen man (l.v.w) der
giftigen Galle (1) in der Gallenblase gleichhielt
(Gr. W. I. c. 11S7; die I.eber-<;alle wurde beim Opfer-
tiere all allein unbrauchbar, unrein, gleichsam wie ein
»rittiger Naturfehler, herausgenommen [to gall — exeo-
rieri, damit die Gallenbittere nicht ins Schlachtier aus-
laule: deshalb Ist) II. die Galle = Geschwulst,
krankhafte Blase mit galleähnlicbem Inhalte
(13. Jahrb. Jordauu* Rnfus ,,galla est <iuacdam tume-
facllo mollls ad modum vesicae magna ut gallo vcl
avellana". Du Cange IV. 16; mhd. galle; Kluge4, 125
•lenkt an eine Vermischung des [lat.-rom ] Fremdwortes
' galla [ = Gallapfel] mit einem lautlich anklingenden
germ. Worle; Grimm [W. IV, 1. 1187] dagegen sagt, dass
die [Pferde ] Fluss Galle weit alter i«t als der au* dem
Welschlande eingeführte Namen der nallilpfel [galla
, scu avellnna ; antl«. gallu« — call, D. 2N« — Bedegar,
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Galle
.1 ■■:> : d< r i iiillnpfiO I ■ a i ..• umgekehrt -. im;n Kamt D
ton der tierischen »ih r menschlichen Galle liltertntgen
bekommen; beide Gallen [1 und II) berühren sieh in
der Bedeutung „Mageninhalt" und in der als „im-
brauchbare* Xw", Gr W. IV, 1. 1189); Galle 11, l.m
gesehwulstartige Stelle über dem Knie am Hin-
ter-und Vorderbeine des Pferdes (Kluge), au Ge-
lenken und Sehnenscheiden (Sehnenscheiden-
oder Gelenkkapsel-Erweiterung), die (16. Jahrh.)
als „Galle" eine mangelhafte, zarte, weiche,
haaelnuss- his welschnussgrosBc Stelle mit (gal-
ligem) nassen lnhalto zwischen der grossen
Maus und der Röhre darstellt (Schw. 227; <.r. w.
IV, 1. 1187). — Nach Förster (U, lOMjistGalle II 1 :
a) — eine Sehnenscheidenentzündung mit An-
häufung einer dicklichen Flüssigkeit innerhalb
der verwachsenen Balgwände ; h) =ein Hydrops
articuli saccatus (Gailling-, Gallschuss), Gelenk-
kapsel-Erweiterung, die für sich einen eigenen
Balg mit Inhalt bildet. — 2. - die Gallen
(Geilen? caro luxurians) im Maule des Pferdes,
ein hantiger Auswuchs unter der Zunge. —
3. = „Pferdefehler" überhaupt, weil Galle
II 1) bei Pferden überhaupt sehr häufig ist
(Gr. w. iv, l. 1187) bb allerlei Wundes, Fehler-
haftes (schw. 227), darum auch — Scabies (feuchte
Kaude, = H:iutüla«e, squabrosite — la gale =
ila mauraise, Du Cangc IV, 16; rtrlw. 16. 230). —
4. = namentlich aber alle wasserigen Ge-
schwülste (Wassergallen) beim Pferde (s. gal-
licht 2) als Zusammenrluss von Feuchtigkeit an
einer Stelle, wo sie fehlerhaft ist (Schw 2/7; dun
Kalle — weiche (ieschwuUt hei Herden, I'ierer 7). —
5. = der Pips (s. d.) beim Federvieh = Zipfel, i
Bürzel, Finne, Fick (s. d.), weil ein feuchtes
Hautblaschen (Wurmhlase) am Steiss des
Federviehs die Krnnkheit ist (S< hm. I, »91; Gr. W.
IV, 1. 1187). — G. = PMS) die U'beiegel- (Cysli-
cercus) oil. I''innenblasebeim Schafe (colcr; L. ch.
437). — 7. = Galle - (»eile (s. Gallenruhr). — gall-
ioren - zum (Galle ) Erbrechen einnehmen, ana-
log dem Laxieren ; (daher Gallen-Kraut = Gratioia
<dficlnali*~ Abfuhrkruul, Laxlcrkraut. Jessen IM, 170:
^•hraeiier i. 89o). — gallicht, gallicht (gelieht),
1. =(1790) von der Galle (bilioes) kommend, durch j
Galle verursacht, gallenahnlieh , gallenbitter,
Galle enthaltend (Richter Iii, 9. -19). — 2. - wenn
ein Tier eine Druckblase ((ialle J 1.4) hat (Gr. W.
IV, 1. 1187, 11%). — gallisch (gallig) (altgrlecb.
/rjl.üi'jr*.. Hipp. ; Fuchs 11, 90; mhd. gullliie, Lexcr 59 ;
l'r. I, 219) = mit Galle, mit galliger Scharfe (s. d.),
gallegelhem Eiter verseben, behaftet. — (1599)
allerlei Gallen (Galle 11, 3) = allerhand Pferde-
fehler (Gr. W. VI, 720). — (MM) ausgestreute Galle
-= der (iallrluss, der polyarticular sich zeigt
|oberd«er. .fahr».. 18H s M7). — Blut Galle = Blut-
spat (Falkcl, 136). — /.'«;/ Gallo - ein sog. Wasser-
spat am Buggelenke des l'ferdes (Zipp. 120). —
durchgehende Galle Kreuzgalle [Falke II. II). —
>?(/tr-Oalle (mhd. eltertcnlle, Lexer 12; 1515 altergall,
l>. 40«) ss Üxyrheuma, 1 . = scharfer, giftiger < Jalle-
(1) FIubb (Hier Ergn»« im Magen, durch Auf-
stossen empfunden, Eructatioacetosa in guttun*,
Apepsia. - - 2. — Empyema in gutture, übel und
bitter schmeckender Eitererguss aus lialsab-
PCCMCti; Eiter- und Gnllgeschwülsten (Galle II)
Galle. 1 70
(Im fange I, 30V; I». toi ; Gr. \V. III, 392). — ogälleu
(mini, ergellen, Lexer 50) — sich mit Galle erfüllen.
— i«V*rn- Galle- Galle II, Gelenkkapselerguss
an der Aussenseite des Pferde-Sprunggelenkes
(Zil-p. liy). — i*cs«e/-Galle - eine Fessel-Gelenk-
Kapsel-Entzündung mit balgarliger, runder
Abkapselung der Gelenkflüssigkeit an den vor-
deren und hinteren Pferde-Gliedmassen (Förster
II. 1026; Mayer 96). — Floss- (Fliiss) Gallen (H.Jabrh.
mhd. vlözgallc; 16. Jahrh. vlozgallen ; 1615 Hogsgall,
Oder 1,7. 368, Schmuller I, 796; II, 838) m die tierische
Galle (I) als bitterer, fehlerhafter Balginhalt ist
1. - auf den P f erd ef e h 1 e r am Kötengelenke
übertragen ; in dem Safte der „Flosa-, Fluss-
Gallen" sab man eine Art Gift, das man viel-
leicht als dahin aus der Galle I „geflossen" an-
nahm (Gr. W. IV. 1. 1187 ; Mayer 88. 90), die daselbst
kleine haaelnussgrosse Knoten bildet. — 2. =
aber auch knöcherne Geschwülste, Exostosen,
Beingewächse (Bchmeller I, 796; II, 838; Gr. W. III,
1857; IV, l. 1187), sah man als „Fluss-Gallen"
an, als eine durch Gallefluss (Rheuma) ent-
standene, ergossene Anschwellung (s. Fluss).
— 8. ss ebenso die weicheren Anschwellungen
auf der Seite der Fesselknochen bei Fohlen
(Gr. W. III, 1822) und 4. = (1731) einen fetten,
weichen Höcker voll gelben Wassers = Druck-
beule (Gr. w. iv, l. 1187). — <1S92) durchgan-
gende Flosvgallen s. Kreuzgallen ,'seb. 177).
— Fuss Gallen = Fessel- oder Köten-, Fluss-
Galle (Mayer <*.). — gelbe Galle = die normale, in
der Gallenblase angesammelte (nach Galenus
das Tertianneber veranlassende) Galle zum Un-
terschied von dersch warzen Galle, die schwerer
ist, nach unten sich senkt, nach aitgriechischer
Medizinschullohre (Fuchs, nipp. II, 101). — Oelenk-
Galle = die Fluss-Galle (II) in der Nahe der
(ielenke bei Pferden, Schleimbeutelhygrom. —
Gries-Galle (schwed. gräsgaller, Kluge *, 125) = Stein-
galle. — (1609) grobe (gröbste) Galle = die dicke,
zahe Galle (1) in der Gallenblase (Guar. 868). —
Gross- Galle - i" bergalle, Rinderpest (b. d.)
(K. u. P. HI. NS; Falke I, 3.52). — (15. Jahrh.) Haut-
Galle ihutgail)-= Pustula als Hautblase (Galle II,
4 u. 5) (Gr. w. iv, l. 1187). — (1687) hittige Galle
= hitzige Leber (s. d), (Georg. 352). — Hüh-
wer-Galle = s. Geile. — Äm<-- Galle = Ramp
(s. d.), eine Kapselerweiterung durch Flüs-
sigkeits-Eiguss (Galle 11) unter die Knie-
scheibe des Pferdes (Zipp. 114). — Kbten-
Galle ^ Flussgalle beim Pferde (Mayer 90).
— Kreuz - Galle — eine Sprunggelenk -Galle
(s. d.), deren balgartige Aussackungen auf
beiden Seiten durchgehend (s. d.) über Kreuz
X innen und aussen oberhalb des Rollbeins
und am Hacken bein hervortreten (Mayer 97;
F,.r«ter II, 10J6;. — (i:. .l) Magen- Galle ~ die beim
Erbrechen aus dem Magen entleeite gelbe (ialle
(flava bilis, Cholera), Magen-Gilb (Kock .vi. 201,
Coler, 11. .\. 176). — (1615) Mund- Galle = eine
Schleimhautcyste im Pferdemaul (Coler, PI. 368).
— ATrt6e/-Galie (engl, navel-gall, Kalucbm. I. 423)
= eine Haut Verletzung am Pferde- 1 lodensack
(Nabel 3). — (12.-14. Jahrh.) Neid Galle [nitgalle,
neltgalleun — fclllticl, D. Sil ; Hoffm. 1, 385; Schmeller
! 1, 890) =a der Neid als Folge des GallenQber«
12*
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ISO
«all*-.
Gallicani
Busses (-= fellitlcus, voll Galle). — f W,.,, n -Galle.
1. - ein Blutspat (Galle II) beim Pferde, der
ein einseitigen Ochsenknie (s. d.) verursacht
Boa) (Mayer 97). — 2. = Fei tanri, «He flüssige
Galle I beim Rinde. — Pfannm-QaXLe = eine
Buggalle od. Wasserspat an der vorderen Fläche
des Sprunggelenkes, an der sog. Gelenkpfanne
beim Pferde (Zipp. 120 ; Kalke II, IM). — rote Galle
- Cholera rubra, Bilis rufa = rote Cholera (". d.)
= Gallenruhr {nicht = seil* Galle, wie Gr. \V. IV.
1 HSö angenommen wird) — Satt'! - Gallen {engl.
Mddtofal), Kaltschm.) = vom Satteldruck offene
Hautstelle (beim Pferde, Saltelbruch). — scharfe
Galle ■■ die laugenhafte alkalische Beschaffen*
heit des galligen MagenschleimB (Acrimonia lis-
OftfOM Sylvii [t 1672], Haeser I. 591). — schwarze
Galle - Bilis atra h. nigra (Bilnicker; s. Bil), ein
ans den Kriech. Meditinschulen stammender Ausdruck
IQr 1. = den nach der Lehre der mittelalterlichen Ärzte
ntu dem Mute abgesonderten bräunlichen, dicken,
schweren , zähen Gallen-Saft, der »ich In den
Nebennieren od. „im Milz" (Milzpulpa) befinden «.»Ute,
wo er das schwarze Geblüt (Galle. Melancholie) be-
reitete, was man auch die „schwarze Cholera-' nannte
(». d.). Vom IS. Jahrhundert ab Ist die schwarze Galle
2. = Melancholie (s.d.), gallige Verstimmung, in-
dem die Ärzte keine schwarze Galle meh- ,,im Mute"
(intiahmen ; wir Zelt de» A. v Haller (1764 ; I. 212 u. 981)
verstand man unter schwarzer Calle 3 - das dicke,
Beb warte Geblüt in den Pfortader-Ästen ausser-
halb der Leber, welches daselbst stockt (s. Brand;
und von der Gallenmntcrie, welche es mit sich fuhren
sollte, auf allerlei Art scharf und verdorben werden
sollte; die schwarze Galle war also damals ■ Bltlf,
das die Bildungsstotfe zur Gallenbereitung
schon präformiert enthält, aber noch nicht elgent-
lichc «.alle, „die Grundsuppe und Hefe des Geblütes"
(IS77; Bejrnon). Als eine Voigt dieses dicken, schwarzen
niutes sah man unter anderem die Melancholie,
d. h. die „schwere" Komplexion (s. schwer),
die GemütsverBtimmung mit depressivem Cha-
rakter an, weil man annahm, die melancholisch
Verstimmten seien (ibergallig, hätten zu viel
schwarzes, schwere«, uritfelautertes Gallen-Blut
(ndl. zwartgnlllir — meluncholUeh , hypochondrisch,
V. K vi, 7,, iliiH in gewisser Menge jeder Ge-
sunde habe. Diese normale schwarze Galle des tie-
sunden machte sein Temperament, seine Nutur, sein
(Jeblüt aus, daher Galle und Blut in der Bedeutung
früher wechselten «. Blut 3 U. Nickerbil) (A. v. II.
I, »Hl; Gr. \V. IV, L 11*5). — (1688) schwirze, vtr-
/•rannte Galle ! Tuberuacin ), ]. — das Pfortader-
Blut fe. schwarze (»alle 3). — 2. Glieder-Ent-
zündung [bei di Ii lttilgarf-n ..schwarze- Angebranntes"
genannt, s. Kthnol. Milt au- Ungarn l.vu. S. 227)
;< ialillus»). — (17!..;.; Sehnen- Galle - Schnen-
llygrom, eine beulen förmige Anschwellung, die
Schlimmste Art der Fluss-Galle, zwischen der
Sohne und dem Knochen am Kotengelenke bei
Pferden (Galle II, 1) [Abüg, ho. Mayer 97). — Spat-
Galle eine Gallengeschwulst beim Pferdefuss,
die dem Spate (s. d. 1 u. Gallenspat gleicht. —
S/>t>r?if Galle (engl, spurgall, Kaltschm ) — durch
V erletzung b Spnrndrucke entslan<lene offene
llautstelle beim Pferde). — Sprun<)geltiik Qa.]le
eine lialgartiL'c Aussackung der Sprungee-
i lcnk-Kapsel des Pferdes entweder nach innen
oder nach aussen; ist sie an beiden Seiten zu-
gleich, innen und aussen, dann ist es eine durch -
1 gehende oder Kreut-Galle (s. d ) (Förster II, 1026).
— (1815) Stein - Galle. 1. = eine verknöcherte od.
verkalkte Gallengeschwulst am Pferdefusse,
auch Exostose, Beingewächs (Fluss-Galle 2 . —
2. es auch ein Bluterguss, durch Anstoss an
einem Gries- oder Strassenstein (Coler, Pf. 36* ,
Abtig. 86; Mayer SS. 110 = aggravure, Brtas. 296) an
I der Hornsohle des Pferdes entstanden. — über-
gallig, -gallig (-Galle), 1. =* (vom Vieh), tu
viel schwarze Galle im (verbrannten) Blute hab-
end; eigentlich = Rinderpest, 1-öserdörre, bei
der die Gallenblase infolge gehemmten Ab-
flusses der Galle übermässig viel Galle in eich
anhäuft (Ruhr 3, Gallenruhr) (K. u. P. III, 76.;
, schraeller I, 890; <;r. VV. IV. 1. 1196). — 2. = da«
Gallenweh, Gallsueht (Losch 200; A. M. 13), eine
I Art von Gliederschmerz (früher dem Flusse
[Kheuma] überflüssiger Galle zugeschrieben),
wobei daa Vieh mit den stärkeren Hinterfussen
weiter voraustritt, d. h. über den Tritt der
schwächeren Vorderfüsse hinaus. — vergällen
m bitter machen. — verlegene Galle = die er-
brochene (im Magen zu lange gelegene) Galle,
die sich nach früherer Anschauung sehr leicht
irgend wohin versetzt, verschiesst — verschossene
Galle = Rheumatismus durch Gallenversettung
(s. verlegene Galle; entstanden, wie man früher
annahm. — Wasser Gallen, -Galle, 1. = (1616)
I „blasenartiger Auswuchs an den Augenlidern
mit weissem Safte" = Gerstenkorn? (gtde d eau
— eruption prurigtneuse, Brtas. 332; Gr. W. IV, L 1187).
— 2. — (i">76) 1-epra mit Geschwürsfon) ; Apo-
steraa) l<epraexpulsa (Theophr. Bod. ; bei Paracelsns
[1616] Pr II 76 ebs loxul hydrophorblae) = syphilitische
Wasselblase . Varicella?). — 3. - eine balgartige
Aussackung der hinteren Kniebeug- oder vor-
deren Sprunggelenk-Knöchel beim Pferde mit
flüssigem Inhalte (Förster II. 1026; Seb. 176. 177;
frz. 1°>92 espreuians. 1. eod ). — 4, (ndl. water-
gal) gallig gemischtes Wasser, aus dem
Magen aufsteigend (De Cock 184). — (17. Jahrb.)
H ind" Gallen = Spina ventoea, eine Knöchel-
Geschwulst, die wie aufgeblasen sich ausnimmt ;
! (engl, windgall — kleine Geschwulst, Flussgalle t>ci
Pferden, It. A . 660; Kaltschm. I, 766). — (1612) Wund-
Gallen = eine (pyämische) Glieder-Entzündung,
Wundsucbt, Wundlieber, Wundfrost (Gr. w. VIII.
2303). — Gall «0- (galliscAc Ader, - Aufsteigung,
-Ausguss, -Ausschlag , -Balg, •bitter, -Blase,
-Blasenstein, -Blatt, -blutig, -Brech, -Brustent-
zündung, -Drüse, -Fieber, -Fluss, -Gang, -Gefäst,
-Gicht, -Gries, -Grimmen, -hantig, -Köder, -Kolik,
-Koller, Krankheit, -Mangel, massig, -Rinne.
-Rohre, Ruhr, -Säcklein, -Schärfe, -Schuss,
•S<hiceiss, -Sthwinnigkeit , -Scitenstich, -Seuche,
-Spat, -Stein, -Storkunt, -Sucht, -Überlaufen,
— Vergang, - Vergift, - Weh, -würgen, -Zahn.
Gallicani, pl. = (l'.l9) die am Morbus gallicns
Erkrankten - Syphilitische Franzosen) (Schm. I,
1101 ; 14 morbus gnlliens: 1497 morbus gallicus; epide-
mia quum ,,vu)go" morbum gidliciiLi vocant ; l.">93 mor-
bus gallicus, Ilaesir II. 212 u. 22.'. 17 (s morbm gallicns
, ist eine Krankheil so sjrh gemeiniglich mit einer hel-
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Gallop— Gamma!.
Ganaechen — Gang.
tigen üonorrhoea anfangt u. mit deutsch die Frantzoscn
Benannt werden Masehenb. 2<Vt ; Proksch I, »60. JI75
396 »12; II, 15. 24. 31 bat morbus gallicus 14*5, 1488;
1493 schaedllche seuche de» morbus gallicus oder sog.
*. v. Frantzoseu ; HUT morbu» gallicus — 8} phlllspustel ;
1498 morbus gallicus = Elephantiasis Galen! ; 15O0
morbus quam ,,vulgo" gallicus aonellant etc.). IIae*er
(II, 222) halt es für durchaus nlrht unwahrscheinlich,
dass Galle (in morbus gallicus) in den Galläpfeln (galla,
Zapfen) seine etymologlscbcWuntcl habe ; vergl. darüber,
was oben (s. Galle) Kluge und Grimm Äussern.
Gallop, m. (goth. galhatipan ; mhd galopiereu;
l<51ti galupplren, Kluge5, 125 = rasch laufen). — gal-
lopierrnrt'e Lungensucht, -Schwindsucht.
Galster, n. zu altgerm. galan = singen, Kluge *,
MS; angls. gealdor; ahd. galdar, calstar, gnLslar m In
caniatlo vcnellca, Graff IV, 179; mhd. galstcrn: -- Zau-
berei, nrspr. Zaubergesang (zu gal = Gesang und
stcr m Werkleng. Gr. W. IV, L 1201 [s. Gall] ; Island,
galdramenn = Zaul^rer, Z. d. V. f. V. K. 189«, SM). —
galst mi - öfters einen lauten Huatenton Hab)
von sich geben (Schindler I, 903; tir. W. V. 704). —
bc- | g^jjltert | (»hd- bcgalolln [' begalstiu] - tactu
infecla, Hattemer, Denkmale III, 608; bigalan, Ixjgalön
= incanure. «ioith. 62*) — durch Berührung ver-
zaubert, angesteckt. — m galst' rt (1590 vergal-
»tern = fa*cinarc, D 22t".; Schwebe) — verhext, ausser
sich gebracht, intiziert, angesteckt, bösartig
(durch Zaubetei) {<ir. w. IV. l. laoö). 8. Wurm-
Galler, berufen und beschreien.
galt (gelt, gaelt), gelte, f. (ahd. gialta = stcrills,
Irlfruchtbarkeit. Milchvcoiegung durch Alter und
Krankheit, Graff I. 197; SchmelUr I. 903), keine Milch
gebend (Gallvieh, Galtstutc). (Herbst 116; Schw. 241 ;
Brehm III, 167), well zu alt (gealtert), krank, ver-
schnitten oder hochtrtchtlg (auf letztere 3 Bedeutungen
aus dem galt = gealtert, unfruchtbar, milchlos [s. all],
übertragen, Gr. W. 1V>1. 120..); die Verschneidung dar
Tiere Ist eine Importierte Kunst (s. Wallach); darum
ist auch gald ■ verschneiden (Kluge*, 133) kaum die
primäre, sondern die übertragene Bedeutung. — die
Gälte (Gelte) s eine Futerkrankheit (s. gelber
Gall) bei der Kuh, infolge deren die Milch auw-
bleibt und das Euter schwindet, klein ist, wie
beim Galt- od. Geltvieh (Gr w IV, i 1206; schw.
241). — Galter ahd. glaltlro, galtiro, galtro, (iraff I,
200 = coaetaneus; mhd. Kalter) — im gleichen Alter,
Klienall iß. d ), Genoss (s. d ). — (1859) gelber
Galt - plötzliche Verminderung od. Veisiegnng
der Kuhmilch ohne A llgemeinerkrankung, wobei
das Fleisch und Fett auffallend gelb int und das
Euter wie bei alten Kühen schwindet, infolge
einer ansteckenden Euterentzflndung (Schwei/;
Krank ><>3; 521). — I' in gelt 8. gelb.
Garn, m. Gamatzer, m. s. Gaumen. — (ui&)
Gamatzer Hiatus, lauten Githnen mit offenen
Gaumen (D. 270).
Gammer, m. s. Jammer.
Gammel. Dl. (Gämmel) (zu ahd. gaman. mhd
gamen ^ Mutwillen. Spaaa treiben), 1. = 161«) Sala-
citas, Geilheit, tiesehlechtskitrel [Hcbw. 22*). —
2. = Penis (<;r W iv, l i2ii). — Gämmelichkeit
(14. Jahrb gmimcllch; 13, Jahrb. ge> melichekiv i -
gainiio, d. 257, gaetnellichait ■ gemeinllehkelt , forn-
licheit = mania, D. 346), 1. = Geilheit. — 2. = Toll-
heit (s Gämpel, Gitmperle;.
Ganaschen, pl. Ganasse. f. (aus dem franz.
ganache, f.) = die winkelig abgerundeten oberen
Teile des Hinterkiefers beim Pferde vor dem
Kehlgange Herbst 152; Mayer 31; Falke I» SOS). —
Ganaschen - Drüsen .
Gang, m, — das Gehen (s. d.) (vorgerm ghimgh ;
altgerm. gangan = gehen , ahd. gang [das Gehen] ; mhd.
ganc, Kluge4, 125, 15>>i gang = vena, ßlnigung, D. M8),
1 .äs das Gehen (Weggehen; des Körpers, »1er
Körperteile, körperlichen Flüssigkeiten and
Auswurfstoffe, der Leibesfrucht etc. — 2. — die
Stelle des Ganges (1), als Üew egungsstätte und
als Organ für Sekrete des Körpers, normale
und abnorme Flüssigkeiten und Körperkräfte
— 3. = die Gangart. — 4. = Verlauf (der Krank-
heit). — gang 'gängig) = leicht beweglich (Stuhl-
gang z. H. i (1531; Gr W. IV, l. 1211. 1250), Beine
(14. Jabrh ), Adern, Fösse, Nerven; (1680] gftnge
= gängig (bei Flüssigkeiten und Feuchten)
(Zcltschr. f. d. Philol. XXVI, 241). — die Galle ist
ins Blut gegangen = übergetreten, Icterus der
Haut (Dr. Br.-Schitff. 29:. — (Iber etwas Böses oder
über einen Guss gegangen sein = durch einen
Tritt über eine l'nstätte (s. d.), wo ein zauber-
haft wirkendes Wachsbild (s. d. Verf. Volkmncd.
S. 196} oder eine Abortusmole (Molgus«) ver-
graben ist, z B. über die Thürschwelle, an Aus-
zehrung oder Schwindsucht leiden (w. Mag. 108).
— Gänger - einer, der geht feugl. longgangrcl -
langbeiniger Mensch, Kaltschm) — l/>-gang (1532)
(-gangl, -gänglein, -gängling), 1. abgegangene,
verworfene, ausgestossene, meist unreife Leibes-
frucht. — 2. - 8tuhlganp, LeiboHölfnung (üohl-
schm. 23; De Cock 185; Gr. W. I, 43; Fries 129; ab
ganklin, Hyrtl, K. W. ; Schmeller I, 1*21 ; Baeum. 496).
— Blut-, Frucht-, Kinds-)/l6gang = Rejectio,
Dejectio sanguinis (abortus, foetus\ — After-
Gang (1661 aftergender . Had. Jun 381) - After-
Bluttluss, Hämorrhoiden. Hyrtl (K. w 71) meint
gender — beider; doch wiederholt sich gender öfters
und bal im Text lu-ziehunt: i Blutbewegung ! - gehend
— Zugang, 1. - (1*8 der nachlassenden Fieber
ss Anfall, Anfang der Febris reroittens Tabern j.
— 2. 1260 aneganc, Golth. i'üW; Pfeiffer 21. 67) — das
Haupt, als Anfang des Menschen (s. angeben;.
— 3. (ahd. agenggun, agengunt, I>. 316 = I.nmla, Hexe
(s. d.], deren Anganv. Entgegenkommen am Anfang
de* Jahre« oder Tages noch heute im Volksglauben
von Uhler VotbedeUtttUK B»chho|z I, 149; P, Imbn
<l I. 29ft'. — .4ii/gang -■ spontane Eröffnung
eines Ueavhwttrs. — .1 Umgang (i-'*> onzgang -
Durchfall. Ifeinerl-.; «lts.trhs. üteBiir, II /. N III, 201
Anns.; 1512 uss gang von einem geswer — hlrex
[abscessu»;, D. •"■3> '. nach allerer l'hvMologic 1. — das
Attsfllhrnngswerkzeug für die Sekrete it. Organ-
Atolle F.niunctoriuni) aus ilem Leibe; dies
waren a) die Haut als corporis maximum
emunetorium daher die Behandlung durch
Schröpfen und Aderlass etc.' ,(;>•<. ru-. :;ti); b' die
Nieren als llarngang oder llainrinne; c) der
Mastdarm als Ausführungsoigan für den Wust;
i d) die Achsel-Blutader für llerz und Longe;
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1*2 Hang.
e) die Aehseldrüsen für Herz un<l Lunge (tiu-
geng der üchsclenl; f) die Leisten- und 1/eber-
drüsen (s. d.) für die Leber (uszgeng der leber) ;
g) die Caruncula lacrimalis i ThrÄnendrüse) für
das Auge; Ii die Nasenhöhle für das Hirn (usz-
gcng de« hlrnwustcs, des hyrns uszgcng); i) die Pa-
rotis für den Hirnwust; k) Pankreas, Neben-
Niere, Thymus, für die Gedärme, Kehle etc.
(I. a— k [löisj nach II v. (JersdorfT, Voc. anat ; Keld-
arzneybuch <J7 ; Hyrtl, K W 152. 153 Am). — 2 -
der Kot-, Blut- und Schleim- Abgang aus dem
Leibe - Durchfall fPtelffer 45; <ir. w. I., 865);
(IMS) = Ruhr [Or. W. I. c ) — natürlicher Aus-
gang bei Luther) = Stuhlgang (<>r. W. 1. eod
— tum) der Ausgang junger Kinder = Kindcr-
diarrhoe (Diarrhoea infantium). — loter Aus-
gang (1'21 rot ussgang, rode utganc, uz i,-ang, 1» 17'.>.
185) — Dysenteria (Uzsueht), Blutabgang bei
der Ruhr aus dem Leibe. — 3. = Verlassen
de? normalen Ortes (Irrgang) von Seiten innerer
Organe (Vorfall), (1565) der Ausgang der Bilr-
mutter - Prolapsus uteri s. vaginae (ur. W. III.
316; Hort. HUI.). — Blut-Qxag (ahd. blntgunk s dy-
senteria, tiraff IV, 103; 13. Jahrh. mnd. blotgank =
dissenUria, Mag. Barthol. «6a, „das ist eine Sucht,
daran viele Leute sterben; die Sucht erkenne also es
steckt Ihm In dem Leibe wie Nadeln, liiiierwetlen wird
es ihm [bebend] bevene in dem Leibe, so geht im schon
Klüt aus dem Halse"; 14. Jahrb. ; ndl. blotgauek =
dysenteria; 1477 plutganck. I». 1*5; 14S2 plutgnnk,
Zcnlng. Voc. e 1, z 4 bb3 = fluxus sanguinis per venas
haamorrholdes, huemorrhagia, dysenteria; 1 «ispliitgang
ss haemorrhagia, Kuland ; 1.51 blütgaug der mutter,
Bock 144; 1580 blulgang ^ Kotschaden, rote Ruhr, Gr.
\V. VIII, 1458, Rotleid; 1618 blutgang — haemorrhagia
[Sl. B. Mirakel]; 1761 anfälliger gemeiner blutgang —
dysenteria epidemica. L eh. 21 ; nndl. bloedtgankk,
V. K. II, Mi dan. blodgang - Kotlauf und Rohr),
1. = Haemorrhagia aus den Blutgefässen. —
2. =Cursus sanguinis per venas (Gr. W. II, 182)
(Blutlauf). — 3. = rote Kühr blutiger Stuhl-
gang), „der rote Blutgang des Darms" Blut-
gangsucht, Rotscliaden, das Rot). — 4 = Uterus-
blutung, Menses nimii; (1580) monatliche Blut-
gänge (ür. \v. vi, 21S6.I. — ö. - Rotlauf (s. rote
Cholera). — <iso.i) Bmst-QaXLg - Ductus thora-
cius, der grosse Lymphgang (Gang 2) (Gr. w.
n, 449; Bell IV, 116). — Doppel-Q'&ngOT = ih\S
sogen, zweite Gesicht, d. b. die seelische Kr-
seheinung einer Person, die" an einem ent-
fernten Orte körperlich weilt (geht), eine sinne«
I it i ischu ng, die seit den lehren Mesmers (1776) In'soii-
ders mystisch im Mesmerianismus behandelt ward« ,
(d»n. doppelgtvenger; engl, double ganger; holl dubbel
ganger; sebwed. dubbelga'ngarel. — Durchgang:
a) des Geblüts (Menses nimii, Dysenteria)
iZeniug. Voc. bb 5); h) fndd. durch-, dorch-, dnr-ganck
= lienteria, D. S29] des Darm-Inhaltes mit un-
verdauten Speisen (Hyrtl, K \v.). Diatrhoe. —
(IV Jahrb.) Pferch- Durchgang - Kutentleerung
beim Pferde (K. A. 283). — durchgängig, I. =
(15. Jahrb. laxu», l>. 321) mit dem Stuhl sich leicht
entleerend. — 2. - 1616) transpirabel (l'aracelsus,
<-r w. Ii, 1611) — :i. - in einer Richtung durch-
gehend, z. B. Kreuzgalle (15-c, Beb. 1T7>. — (1532)
Eingang <ler Mutter - Bftrmutterhals, Mutter-
Gang.
inund (Kries 125; Pr. II, 297). — (1477) Essens Gang
(des ezzens ganch, C. v. Megenbg.) = Mastdarm, wo
das verdaute Essen ( — maz) seinen Ausgang hat
| (Or.w. IV, 1.1227) (Massgang). — FwM-Gang- die
Stelle, wo schwärende Wunden oder Geschwüre
röhrenförmig in die Tiefe des Körpers gehen.
— (1740; Fliessieasser Gänge = Vasa lymphatica
(Kulrous 29, btbL Med. 113J, die „Röhrlein", die
das Gewebswasser, die niessende Lymphe, dein
Blute zuführen. — i»7uw-Gang= Alveus, Darm-
Hubb, flüssiger Bauch, Durchgang (Gr. w. III.
1857). — (160t») ^orf-Gang = Übersetzung des Pro-
cessus - Knochenfortsalz (Hyrtl, K. w. \~.\). —
FniA-Gang= Abortus, Frühgeburt | Hyrtl, K. \V ).
\ — Gallen- G(illenblascn)-Q&iig = Ductus chole-
dochus et eysticus, die die Galle aus der lieber
t nnd der Gallenblase abführen ,'anatotnUeuer
Schulausdnick). — (164 .: Q?si hts Gange = Seh-
I nerve als Adergang für das Sehvermögen
(Coler, k. H H O — (H77) G/icrfcr-Gänge (die gang
in die gellder, <\ v. Megenbg.). Man nahm früher
| eigene („inwendige") Gange für das Glied-
wasser (Synovia) an. — 11 ■ L • n -Gang — eine
| ataktische, ungeschickt wie mit der Ferse,
Hacke stampfende, hahnentritt- s. d.) artige
Gangart, die auf einer Koordinationsstöning,
d. h. dem Fehlen des harmonischen Zusammen-
wirkens der einzelnen Muskelgruppen zu einem
bestimmten Zwecke, beruht. — //am- Gang
(15;!0 gen« dess hnrns, Kunlgssp. 56; 1536 harmgnng,
Malacb, Gelger 44; 1551 der g«n« zum Imrn, Itoek 29;
1664 harngaug, Tabcrn), 1 = die Abtlusstittte
für den Harn (Urethra) .'nii-O; Dr. Minderer). —
2. — die Urinentleerung (Ur. W. IV, 2, 487). —
(MS3)fli'ngang(hiuganch) des Leibes (C.v. Megenbg )
= Durchgang, Durchfall, Diarrhoe. — (lissj
, innwendige Gänge (C. v. Megenbg) = Lympb-
gefässe, die man damals bloss vermutete, als
| Flüsse (Oeflüsse). — 7rr-Gang = (15. Jahrh. ndd
I errc-, irre-ganc = dellrumentuni, l). 172, Hr. \V. IV, 2.
. 2168; 1532 das irrgon der miiter — praeeipitatio matriei«,
„wenn die Mutter unier sieh lallt oder sich neigt
auf eine Seile; die Krau beiludet elu l»lng von einer
Seite zur andern laufen wie eine Kugel [globus], des
halb etlicb« Kranen sprechen, sie haben ein lebendiges
Tier [Kr.'te, Hoppiti, s. d ] bei ihnen", Fries 128);
1 - das Verlassen der normalen Stelle z. B.
von Seite eines Organs (vergl. irre und Auf-
steigen). — 2 = (1677 Irwm g r= das Gehörlaby-
rinth (Vestibulnm et canales semicirculares)
:H>Ttl,K. W.88). —3. - geistige Störung, Verlassen
der geistigen Norm. — i. Drehkrankheit der
Schafe, Dummkoller der Pferde (Gr. W. IV, 2.
2168; Falke I, 441). — ATimmer-Gang («dl kamer-
gangh. DeCocklS'J) — Stuhlgang (s.d.). — Kehl(en)-
Gang — der ausserlich an dem Pferdehalse
Kehle) beim Schlucken sichtbare bewegliche
Teil der oberen Luftröhre (Mayer ;u, Herbst 152)
/Toi/Yr-Gang = Coryza als Abgang von Köder
(s. d.) = Pituita (Auswurf) (Hyrtl, K. W ), —
Kraft- Gänge = die markhaltigen Nerven als
; Bewcgungsstatten der Nervenkraft (t;r. w. IV,
L 1227 and I6:i<>). — (1501) Km mm Gänge = Gyri
cerebri, die Hirnwindungen illyrtl. K. w.) Schul-
«nsdruck früherer Zeiten. — (1..32) Leber • Gänge -
, Gallengitnge, Pfor tader [Frlw 110) (s. o. I^ber-
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Gang.
Gange— Gans.
ansgitnee). — [14S3] Leib Gänge (gange Im Leibe,
c. v. Megbg.) = die Ausführungsstälten de«
Körpers: Stuhlgang, Mast gang, Lebergange,
Harngänge, Muttergänge etc. (<Jr. Vi. IV, l. 1211).
— (14S2) itfa^en-Gang (gangck mm magen, Zening.
Voc. k l ; Gr. Vi. IV, i. 1227) = Oesophagus, Speise-
r6iu-e. — .V.(...--Gang ■ des Kanena (mar.) Gang;
mhd. muzganc , 1572 tnaszgang — Mistpforte, podcx,
Cr. \V. VI, 1710, 15*4 . UM maasgang , D. 413 — po-
des, After. I5S8 mansgang = podex, Gr. W. IV,
1. 1227. VI; Dr. Minderer; 1710 Hugaog [Schwaben],
C. v. Sebtn. 376). — JftfcA-Gang - der Milch-
leiter in den Milchdrüsen (<.r. w. vi, 219.1). —
ilonat-Qtmg (14S3 monalgunck, r. v. Megbg.) =
Menses. — (IT»-'.) Mutter- Gang — Scheide, als
Gang zur Bürtuutter (Vat-ina) (Hyrtl, K. ff. 210;
LeveiiDg j«4). — Nacht- Gänger, 1. - Noctatnbu-
lus, l.unaticuf, Mondsüchtiger, Nachtwandler,
Nacbtfahrer (s. d.) (14R2 nachigeugel. gonger n
noetivagns, D. 3S2, (ir. Vi. VI, 2512) „«eiche besonder*
um die Mondsveranderung herum In l'nruhe l*'i der
Sucht Im Schlatc geraten" (17;«; A. v. H. I, 930). —
2. = Kpilepticus nocturnus. — AWti Gang -
[Schatansdrack] der Raum unter der Nasen-
inuRchel (b. NasengadX — natürlicher Gang
■ Stuhlgang, der aus natürlicher Not (s. d.)
erfolgt. — (is. Jahrb.) Ohr Gang ■ „der Gang
des Ohres" (d. h. zuni Mittelohr) = Auris al-
veolus, Meatus auditorius extemus (Gr. Vi. iv,
i 1227). — PiM-Gang = Diabetes —Harngang
Uberhaupt, Harnflues (Hyrtl, K. W). — (1412)
lJulsa der- Gang (pulsaderganck, Zening. Voc. aa2)
— Puls, Blutlauf. — (1759) Aj/ruaufr-Gänge
die Gänge des salzig schmeckenden Gewebs-
wassers, Vasa lymphatica [Hyrtl, K. Vi. 211)
(Salzfluss - Ekzema). — (1690) 6YWö/-Gänger ■
Nachtwandler (s. d. : Nachtfährtiger, Nru*ius de
nocte etc. 8. S37). — Schieim-Gang, 1. = (1754)
Sinus mcdferii die Schleimhaut -Krypten
[A. v. EL 1, 712). — 2. ■ der achleimige Stuhl-
gang. — Sn A-Gang («ayehgank. Hyrtl, K. Vi .)
— Pissgang (s. o.) — &fu/d-Gang (mhd. stnol-
ganc. Leser l'A ; 142t» zu stulgcn = egerere. D. ll«6 ;
UM; H. v. <.crsd. 10U; 15. Jahrb. all«, to Mole gau -
egerere, n. lue) = Epanastasis Hippok., eigentl.
der Gang zum Leibstuhl (ndl.) (in der Kammer),
um dort den Kot oder die Kammerlauge (s. d.)
ru entleeren = Stuhlentleerung. Ute Bauersleute
gehen noch oft bloss in den Stall : ( = Stuhl iur lndo-
genn. Wurzel stal . Kluge 347 ; der oberdeutsche Triz-
Muol ;Schmeller I, ftsl] war paedes ad cacandum[vergl.
Drlaaen u. ahd. stuligon bei „stuhl")]. — (l.%83) satter
Stuhlgang = fester,dichter,harterKot;<;r W.Vlll,
lsif*).— verbrannter Stuhlgang -^dunkelbrauner,
harter Kot. — weisser Stuhlgang = weisse Kühr
17. Jahrb., Fr. Kr. B. 116). — (l.VCj .Stuhlgangtltlss
iH. ß.)= gängiger Stuhl (s.d.;. — Tmpf.Qa.ng
= Apoplexia, durch den Tropfen s d. , der
herabfällt, verursacht. — [1609] Tut!. \ -Gange
= die Processus mammillareB des Gehirns,
welche in die Riechnerven übergelu-ti (früherer
^chulansdruck. Hyrtl, K.W.S5). — TW-Gangl^y
(und. aewergang) = ein vorübergehendes, leich-
teres Unwohlsein, an dem mehrere Personen
gleichzeitig leiden, fidvre passag.re, la detornee
[Sehroeller 1 122; aoMaehn 16; BavmrU n, 2. sss). —
t7»igang, 1. = eine wie ein Dämon umgebende,
epidemische, gutartige Krankheit (Pfal*. Pauli
108). — 2. = (1592 umbgaengung, Seb. 150) = epi-
zootischo Hauptaucht beim Rinde. — LVgang
— Ausgang, Durchfall, Diarrhoe, Aussucht
(SchmeUer I, 922). — rrrgangen = Aufhören,
z. B. der Milch durch Stillstand der Sekretion,
deB Schmerzes. - uxilzender Gang = eine der
Kreuzdrehe beim Schafe ähnliche Gangart bei
Pferden, die infolge von Schwäche in den
Lendenmuskeln die Kruppe schwankend hin-
und herbewegen, s. Wolfsgang (Falke II. 42c).
— IVdwrr-Gang, 1 = (lcoi) Harnleiter (Ure-
theres). — 2. = (1632) Urachus. — 3. = (l«77) Aquae
duetus vestibuli im Gehörorgane (lauter frühere
Schulausdrücke, Hyrtl, K. W. 159). — 4. -(1608) das
unfreiwillige Abgehen deB Harnwassers (Harn-
tröpfeln;: (st. Henuo -Mirakel); (vergl. auch Wasser
und Salzwaaaergang). — (lö&i) TVcürr-Gänge
(Bock 17) — Ausflüsse bei Frauen. — (1594) Wein-
Gang = Kehle (Gr. Vi. IV, l. 1241) (Weinstrasse).
— lVitfcr- Gänge (ahd. «idergangan. «iraff I. 637) —
Widergehend (s. d.), angeschwollene Lymph-
drüsen, die beim Gehen entgegenstehen, wider-
gehen (z. B. in der Schenkelbeuge, WacbB'lrüsen)
(A. v. H. I, 241). — Warg-Q&ng (Wolfs-Ganjf), s.
Würgengel und Wolf. — WtVrfer-Gänger = Men-
schen, welche nach dem Volksglauben zur Sühne
ihrer Sünden nach ihrem Tode wieder als Alp-
Gespenster auf der Erde ruhelos umgeheu
müssen (Lipp. ehr. 437; mhd. widergune, Golth. 629;
nltnnrd. aptr-ganga, xchwed. atergongere, Gulth. SÄ. 67;
UlstDcr I, 49). — H'o//s-Gang = eine Gangart bei
Pferden, die mit ungewöhnlich stark rückwärts
gestreckten oder nachgeschleiften Hinterftissen
nach Wolfsart sich bewegen (Zlpp. 131). — Gang-
(Gängel )hcil, -Lauf, -Röhe.
Gange, f. (Ganggi, m. Ganken, f.) (Tirol, uiutner
5. 10) = ein langer, hochgewachsener Körper, der
grosse Schritte machen kann, langfüssig (Srbm.
I, 923; der Teufel alü Berggeist hebst auch Gankel,
Gankerle, man denkt daln'i an eine Ablösung der
mythologischen WodnD? -Gestalt, dleala gangradr, giiug-
leri vorkommt, Slmrock, H. D M. 170. 207; Verna).
232; Wolf).
gankern = sterben (Wunsiedel; Schmeller I, 923).
Gans, f. (Ganser, m ) (urindogerm. ghan; indo-
gerin. gbatii; vorgerm. ghanH [gandn' ; germ. ganta ,
ahd. gati«, f. ganazjto, m. ; mhd. gans, f. ganzer, m.,
Kluge *, 12»V'. Dieser «ehwcrfallig fliegende, leicht fant;-
bare, «chon In urindogermaniaebeu Zelten benannte
Vogel, den die Germanen fehr in der Zueht pflegten,
und dessen Federn fpennae, pinnae — Finnen [». d ]
und Haiiwtoppen) nach Korn verhandelt wurden, musste
I schon fruhe in seinen Krankheiten eine «ielegenbdl
J zu Beobuehtiingen u. Namenbildungen geben, niiment-
lieh dureh »eine charakteristische «iansehaut («. Finne,
Gansedrüsen, Hupfen), 1. = der bflrzelförniigc Penis
des Knaben (SchmeUer 1, 924;. — 2. - (13*fi, 1414)
Ganser = Bürzel 's. d.s, Influenza, Zipf, Pfifl's,
j KehltluBs, Dusel, Tannwütschel (Gr, Vi. IV. 1. 12»;
| Zeilechr. f. d. Phito;. I, 23; Schnurrer I, 02; er hat
/ seinen Namen nicht von dem gackenden <iÄu*e-Toii
de» Hustens [wie Gr. Vi. 1. c. gemeint wird], sondern
! vom Gtinicbuntel, der auch Zipf - Zipfel genannt wird
184
(lauter — Garn.
gargatzen — gatzgen.
-Influenza. — Ganse •/.•rfi. -Brust,-Fuss, -Hain,
•Haut, -heiser, -Kopf, -Kragen, -Kröts, Rupfen.
G anter , m. = (ein hölzernes Bcbältnlss). — Herz-
Gänterli= Herzbeutel (Tirol).
ganz = unverletzt, vollständig, heil, gesund
Kluse 102). — (UM) glicd-gnnz - heile Glieder
habend (Gr. W. IV, 1. 1250). — (1529) i < ? ganzen (ver-
gentzen) = wieder ganz zusammen heilen, ver-
narben (Brunf ). — ganz - , e»)-Bein, Oebiss, -Pe-
stilenz, -Rippen, -Sohlen, -Starre.
gappen ( gapsen , geb sen) (germ. gap = gähnen ;
engl, gap, gape — Raffen, klaffen, gähnen, Kluge1. UM)
bs nach Luft schnappen, heftig atmen, wenn
diu Dane Ii danken schlagen und man mit auf-
gesperrtem, gaffendem Munde Luft holt (Gr. w.
IV. 1. 1311. 1879). — Oappnng (H. Jahrh-, ndl. ga-
plnge - hlatus, D. 276) = die Handlung des
GappeiiH.
Garbe, f. (liidogirui. ghrbh = zusammenraffen;
nh<l. R»rba[garib?] - Handvoll^ manlpulum, mh<l. garl.e,
Kluge *, 127; die den Göttern beim Schlachtopfer dar-
gebotene, mit der Hand ergriffene Fleischgabe [?), Gr.
W, IV. 1. 1337; vielleicht eher zu gar [■. Garn]) ta fertig,
gar gemachte Opferspeise (germ garwa. Kluge*,
127. 125«; engl, carwey ; s. Correspbl. f. Anthrop. 1896
s 7) - .Fuss-Garbe = ein Stock vom Binder-
Schenkel- Fleisch (Schm. I, 933; Anatomia cullnarls).
— flfl/s Garbe (Gaben) = ein Stück vom Kinder-
Hals-Fleisch bis unter die Schulter (Schmelier
1 , 196. 9U3 ; AnatomU cullnarls). — Garb, (Garb-'i
Braten, -Schale.
Garn, I Garn (Schwaben), Görn(altn.,lndogerm.
gbar ( = drehen] , zusammengedrehter Darm als Garn
[dazu haruspex u. gormAnadr — Oktober, Blutmonat.
Sihlachtmonat, Weinhold] ; ahd. garn = Netz. Garn ;
[s. gorawnnt] ; altnord. gor ss der Inhalt der beim
Schlachten ausgeweideten Darme , Weinhol«] ; mbd.
garn, Kluge4, 127; engl, yarn; „da» Garn tritt in dio
vorgermauisehe Urzeit zurück und zeigt unmittelbar«
Beziehung zum Opferwesen", Gr. W. ; das ahd. kariwlc
= vlctima, Graft" IV, 241 ff. — Opfertier, Tieropfer, was
der Gotth«!it zu Diensten gestellt und als Gabe gar ge-
macht, bereitet wird ; das gar- [nach Kluge5, 126 Ist
Kernt, garwa = ga-arwa — fertig gemacht] o«l«r fertig-
Gebratene konnte vom Opfertiere ausgegangen sein ;
das alllat. haruspex, harvtga, banigo — hontia stimmt
zum ahd. kariwic , und wenn der haruspex ursprung-
lieh ein Eingeweideschauer war, so galten die Einge-
weide als besonders beliebt« Opferstüeke", Gr. W. IV,
L 1368 ff. ; aber Kluge5, 127 stellt Garn zu ghar -
drehen). — Garn (= Faden ans Flschdarmen ge-
dreht als Fischgarn und Fisch-Netz. Gr. W. IV, L
1368), I. - Eingeweide (Anatomia cultuurls) ; a) «1er
zweite Magen der Wiederkäuer (Mutze, Haube,
Netzmagen) („als Rest de» garu [b] = ganzes Gedärm
festgehalten". Gr. W. IV, 1. I36S; Falke I. 906. 376);
b) das ganze Gedärm des Ochsen ialtn. garn-umr
- mesenterlum - Gedärmfett, Gr. \V. IV, 1 1368; uli-
säeh«. midgerum, Kuhn Zeltsohr. V. 189; ahd. initli-
gnrni, mitlilairarn, (irafl II, 671; IV, 264 - du.« Mittel-
eingeweldefett, Kluge*. 127 = Miekker, Mittiger, a. d);
c) Darm, Eingeweide, Saite, Darmsaite (Gr. Vf.
IV, 1. 1.K.S1I.). — II. - (in der Schulanat«>mle Ober«.
[1601]) der Plexus chorioidei der llirnkammer
. (Ilyrtl, K. \v. 85) = als Geflecht- oder Garn-Ähn-
liches. — 3/i.'M-Garn (ahd miltila canti Schmelier
1, 937) = Mücker (s. d. u. o.). — (1609) iYrte-Garn-
lein = Retina, Netzhaut des Auges (Hyni, K. w.
107). — Q&tini-Sehaden, • Wunde.
gargatzen s. gartzen.
Garret, n. s. Jarret.
garstig, garstige Fieber.
Gart s Gerte (Zweig) — Qtrt-Ader.
Garten, m. = (eingefriedete Pflanzung, ahd gario;
mhd. Karte, Kluge*, 127, engl, garden). — Yenux-
Garten " Jungferschaft (Gr. w. IV, l. law).
gartzen (15. Jahrh. gargazeu ; 1440 goerzen, garzen
= ruetuare, D. 25. 502; onomatopoetisch ') -goerpsen,
rülpsen (s. auch Geiz).
Gas, n. (1727 aus franz. gas [dies vom Alcbyini<ten
van Helmont in Brüssel + 1644] nach dem Ventu» tex-
tilis = Gasgewehe aus der altsyrischen Stadt Gaza], 1 . -
luftartiger Körper (Kluge*, 128; Kleinp. 18). —
2. - Blähungsluft (flatuosite). — Darm-Qa.se
— les gaz intestinaux , Gas 2 aus den Ge-
därmen.
Gasse, f. (urapr. Bedeutung, .mit Kingaugsthor ver-
sehen"; gotli. Ratw«"i — Weg, Strasse, Pfad; altnord.
gat, n. gata — Loch. Einlass, Öffnung; ahd. gazza;
inhd. gaste; sächs., ndl. gat = Oeffnnng, Htihle, Loch ;
engl, gate, Kluge*, 118 = der Weg, der zwischen etwas
hindurchfühlt [s. auch Gadern , Gat]). — gassig 8.
Gaetz. — Buben Gasse = Sinus pectoris, der
Busen als Gasse zwischen den2Buben Mam-
mae, Zwillinge) (Gr. w. Ii, 463).
gastrisch (aua dem grlcch. '(<xzrrfi = Bauch). —
das Gastrische (seil. Fieber) = Nervenfieber
(Gr. w. iv. L 1379). — gastrische Fieber, -Un-
reiniakeit.
Gat, n. s Gadern und Gasse.
gatten, Gatte, m, Gattung, f. (mhd. gat« =
Genosse; urapr. Bedeutung = zusammenpassen [Gutes,
a, d. ; Zusammengehöriges was ein Paar macht), Gr. W.
IV, L 1512 ; die ZiiNammengeh..rigkeit, Kluge *, 128. 129).
— frfgatten st coire, paaren. — ßrgattungs-
Seuche. — (1676) Q&ttungen (Cbereetzung der Con-
Jugatlo, Hyrtl, K. W. im) - Nervenpaare. — (1561)
gättisen (glitsch) (Schweiz) = petulans, laseivus,
geil, männersQchtig (schw. 239; Gr. W. iv, 1495).
Gatter, n. (germ. ga-doro = das Ge-thor; ahd. ga-
| tarn, mhd. gater. Kluge *, 129 — Klnschliesaung aus
Teilen). — gattern (In preusslsehen Besprechungen
Frlschb. 49) = beim Kollauf der Haut (Feuer)
Verwachsungen bilden (s. vergattern). — Afaul-
■ Gatter - Kiefer-Gelenk. — (lö07) Mund Gat-
tern M agenpforte — Gardia des Magens (Hyrtl,
K. W. 110). — ScÄMf«-Gätterto'n = (Übersetzung der
I echulgemä-ssen) Valvulae venarum, Aderklappen
(Zw. 83). — FergatterHis* (1507 Tergadcrnis.se der
leden - compages, n. 13«;) = ganz feste Vereinigung
| der Glieder und Gelenke (1475 bulten vergadereu
= tubermre, D. 600) = durch rundliche Anschwel-
| lungen unter der Haut etwas verengern und
vereinigen.
I gatzgen s. katzgen.
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Gauch— Gaupse.
Kauschet -gehen. ISo
OaUCh, Hl (QoUChen) (das altgerm. Wort für
das jüngere, onomatopnietlsche [oder 15. Jahrh. buh
dem Latein stammende?) Kukuk; abd. coueb, gouh ;
mbd. (Couch ; 16. Juhrh.. ndl. guyrhel, I). 32; end
gowk. gawk - Thor, Narr, Hauch ; eigentlich aber -
Kukuk 1*. d.Hder »eine Eier in fremde Nester unter-
legende Vogel, dessen Brut unter anderen Vogeljungen
wie ein untergeschobener Wechselbalg erscheint) ; 1. =
blödsinniger, närrischer Junge, Kretin, Wech-
selbalg (s. d.) (Wallis) , dem nur ein Gauchsbart
(s. d.) wachst (Bircher 1883. 8. 22. Kraus, K. 503). —
2. = Pubes, das erste 8chani-llaar = der erste
Gauch (s. Gauchsbart) (neyne III. lOfH ; I». 170).
— Gauchis) -Hart, -Käfer.
Gauche, f. s. Jauche.
Gaucke Kücken (Bregen Mrwald, Schindler [,
**2. (s. Gauf).
Gaufe, Gau fiel « Gafe.
Gaumen, tu. (Gam(en), m., f. (Oettrrateb, Ttrol,
Schwann), liutn (Schwaben; indogerm. gheu = klaf-
fen ; germ. gau = Kluft [da*u gftnen = gawen = das weite
Öffnen des Mundes]; ahd. gumo = [ursprünglich wohl)
Mund uud Rachenhohle, gottmo = Kehle, Rachen,
facht, I). 222 ; fauces, guomun = «aumen, also schon
ahd. spezialisiert auf den oberen Teil des Rachens, die
obere, fleischliche Wölbung des Mundes von den Zahnen
an bis an den Schlund; 9. Jahrh- glunio = palatum;
1260 guem, n. = Kehle, «aumen, Pfeiffer CG ; mhd goume
[liaumcn]. Kluge», 12V; Gr. W. IV, 1. 1Ü77 = palatum,
Mundhimmel , Mundgeuolhe . Buhne. Schw. 23« ; 1445
guem = palatum durum, «r. W. IV. 1. l'»79; 13. Juhrh.
gumme = «aumen, faux, amygdale, H. v. tiersd. 97 ;
guem -— superlor pars palati, Schm. 1,913, lö92gumenn,
Seh. 183; gaui, gum. gume - eplglottis, Zäpfchen. 1) 201;
«r. W. IV. I. 1579; C v. Schm. TO; «am. «amen [*».-
Schwaben], «r W. IV. 1 1119; [Tirol], lllntner 6. 15;
osterr (iaem, ehr. Sam. 9; llyrtl, K. W. 116; aeawod.
gom — «aumeu ; engl, gu ms — Zahnfleisch ; white gum
— Liehen stropbulus, Zahnausschlag, Zahnfrlesd. L«bf.
216. red gums - die ungewöhnliche Backenrote bei
Neugeborenen, soru gtims, sebres krankes Zahnfleisch,
Kaluchm. t , 28.V 527) = Wölbung in der Mundhöhle
mit Zäpfchen (Uvula) u. Zahnlleisch (b. Bahne,
Himmel, Gagel). — harter Gaumen -Palatum
durum, das Knochengewölbe des Gaumens. —
"/„ /--Gaumen (1646 oberguem) = Kumen, der hin-
tersts Teil des Gaumens, der in die Kehle über-
geht («r. w. IV, 1. r.79), Fornix pharyngis. —
weicher Gaumen - die von derSchleimhaut Aber-
zogenen, weicheren, beweglichen Muskeln des
Gaumenbogens oder des Isthmus fauciutn (Pa-
latum molle). — Gaumen-. I'/"-, -Beule, -Drüse,
•Falte, -Qeachtcür, -Indruck [§, ruechet?,, -Kitzel,
■SchwulKt, -Segel, Siuht
gaumezen, gaimezen, (gamen l*u oaunn
• d.j). — (gamen, geimen, gaumezen [n'n'M , gau
Bietzen, gaumaleEcn, gümezen [ux,]) - gähnen,
öfters den Gaumen aufmachen ; es galt als da« erste
schlimme Zeichen liel den früheren l'estaeuchen, bei
welchem mau sich schon segnete; daher l'est — das
tödliche «ahnfleber Schm. I, Vi 1 913; Our, BOT). —
trrgaimrzfn — sein Cohen ganz aushauchen aus
dem Gaumen (vom Sterbenden) (Schindler I, 91 1).
Gaupse. Gauchse ». Gafc.
gaUSChet (gOSChet) = (dialektisch verschlechtert
! aus) _^ bauschet, boschig, aufgedunsen, fett
(Schindler I, KS).
Gaxen, n. = ein Sprechfehler (Angophrasia)
(Kussmaul) mit ungebührlich langer Ausdehnung
der sonst normal gesprochenen Wörter (Coen 43).
wobei die Worte gacksend (b. gagezen) hervor-
1 gebracht werden, balbutire, singulare ut gal-
lina (D. SMK
ge- (die ZusaniinenM.ij!unKeii mit dieser Vor>lll>«
suche heim folgenden Slammworlc, z. B. geboren hei
bor, gebaren hei bar, tielenk bei I.ank , <<cbandc bei
Band, «ereb bei Reh, i.lied bei Lid [«elid] , «leich bei
Leich [«deich], gesund l>el -sund).
Gebel, m. («hd. gebul, mbd. gebcl) - Sclul.lel,
Kopf, s. Giebel.
geben (gem.-gcrm.. golh. glban [dazu «iftj; ahd.
güban; mhd. geben. Kluge 130). — (15. Jahrh.) den
Geist ausgeben --sterben, exhalare (D. 214); vgl.
Geist). — nachgeben mit demFusse = hinkend,
den Fuss nachtraglich vorbringen. — sich uber-
geben — vomere = den Inhalt seines Magens
nach aussen an einen anderen Ort geben, er-
brechen, 1. = (16. Jahrh. Übergebung = vomltns, I.ersch
272; li07 onorgculnge, ouergeben = vomltus, Schmdler
I, 866; D. 629, Buck 19) = vomere. — 2. - von
Leichen, wenn sie Lungenschleim (sog. Brand)
vor dem Munde haben (*. Sod), den sie nach
oben entleeren, über sich geben. — (mhd.) Ver-
gebung = Vergiftung (s Gift) (I,exer3l9). — (mhd.)
tn, /-geben (ndd. weddergefen; 1507 wlddergelnm
= vomere, 1). 629) ■ das Gegessene durch Er-
brechen wieder von sich geben (Lexer 180), was
beim „Gift" besonders häufig vorkommt.
gebsen s. gappen.
Gech, n. s. Gaeh.
Geck (mhd. gec = alberner Mensch. Narr; ndl. gek.
Kluge * 130). — Geekheit (1521 geeheit = ddiromcii-
tum, I). 172) = Narrheit. — (1482) geckisch - när-
risch, lächerlich l>. 199..
Geffe s. gatfen.
Gegel, f. die Zahne schiessen in die Gegel
(Otdbf. ; «oldschm. 20), s. (iagel.
gegen- (die Zusammensetzungen mit dieser Präpo-
sition siehe beim betreffenden nachfolgenden Stamm
worte).
Gegend, ■>. eine Nachbild ti ng des aus dem [tat.]
coDtra stnmuieuden contree oder ital. coulrada =• mhd.
«egenote, Kluge 107; glegenode, Schmdler I, 879 . —
Darm-, Leisten-, Magen-, Nieren-, OAr-Gegend
-die Eingebung von versteckteren, bedeckten,
inneren, nicht sichtbaren, aber schmerzhaft em-
pfindbaren Organen, deren Kenntnis man a<ich
1 sonst hat (s. Kevier).
gehen indogerm. i ]- Ire]; germ. ga-l - gehen;
goth. ga im; ahd. geu, giin ; nihil, «ön, gän, Kluge*, 131
= den Stand, bestand, Zustand verändern . — 13'sl,
die Lunge geht in die Kehle (Pr. I, 363) = kurz-
atmig sein durch Veränderung der Luftbe-
wegung an der Kehle aus der u. in die Lunge
(/.. B. bei Kropf) — das geht an die Hippen
greift das Kippenfeit an, *<i <la*s die Kippen
„eingehen"; mattet ab («r w VIII, WWJ. — liWa)
ISO
gehen.
Geier— geil.
mit (zu) einem Kinde gehen (Krle« 12-i, Gr. W. V,
705, TO": as ein Kind gebaren wollen, schwanger
gehen. — fif.18 sie geht auf der Zeit -est vicina
partui |S<hm. D, 11*1) = sie nähert sich der Ge-
burtszeit, Entbindung. — sie ist bleiben gehen
- schwanger Mos» Barteln i, 179) (beleibt?). —
zum Stuhle gehen s. Stuhl und Stuhlgang. —
Geh(u)-woadl (Tirol, Woll IM) = Diarrhoe, lauf-
ende Kathl. — .4 '»gehend, n. (15. Jahrh, abgennd
= foius, D. 232) — die beim Abortus abgehende
l«eibesfrucht. — angehen (HM aaefta, Pfeiffer '»7)
= anfallen, ergreifen, von Krankheiten. — die
Krankheit geht einen an (15. Juhrh.j - stosst an,
befallt (Buyerlm.d 1894. s. :;oo , fvergl. An-Uang).
- ausgehen lassen - Darmgase entleeren, die
sich nach oben bemerkbar machen. — (l«iä
ausgehen, z. R. tlie Drüsen, Wund-Abscesse,
die Frucht der Mutter etc. (Georg. Hohberg; coler,
H. A. 214) (s. Aus-Gang). — drucken gehen ■
trutengehen (s. Trud) (Verna). 209). — durchgehen,
I. - ein unfreiwilliges Entfernen eines Organe»,
z. B. das II in weggleiten der Hand beim Schreib-
krampf (Eichhorn 11, 665). — 2. = durebgehend
- Sprunggelenk-Gallen (s. Durchgang), welche
nicht einseitig, sondern durchgehend, auf beiden
Seiten als „Kreuzgallen" sich vorfinden (Falke 1,
224). — eingehen, 1. = mager werden, durch
Muskelschwund. — 2. — allmählich verenden
(v. Tieren). — (1692) entgehen = abgehen un-
freiwillig, z. B. Harn (Seb. loa). — fluten gehen
- sterben , austönen wie ein verhallender
Fiötenton (?) 8. flaute (pleitegchen?). — gross
gehen (ndl. gToot goan, Do Cook f.2) = schwanger
sein (s. grosser Fuss). — Jura logehen (vor-
gehen) = Subluxatio, Prolapsus (Pauli, 117 ; Coler,
II. a 211), — (1607) hinkend gehen = varicare
(D. OTT) — irre gehen s. Irrgang. — tnank gehen
- fehlerhaft gehen ü. C07). — [i.W] nach-gehen,
das geht ihm nach = die Krankheit ist noch
mit etwas gefolgt, hat nachgehende Folgen
(Gr. W. VII, «1;. — H OT) schwanger gehen = gross
gehen (s. d.) (Easich 212, l>. 171) (puerpera) (siehe
schwanger). — truten gehen s. Trut. — über-
gehen, 1- - übergegangenes Kotlauf = eine Ent-
zündung, die ohne Kotlauf vorübergegangen ist
[Pauli 7). - 2.^ die Zeit der Purgierung (Abführ-
kuren) vorübergehen lassen. — 3. — über die
rechtmässige, normale Schwangerschaftszeit
hinaus noch schwanger gehen (Wuttkc 355). —
umgehen -= epidemisches Auftreten oder herum
springende Krankheit, z. B. das wie ein Raub-
tier sein Opfer umkreisende, umgehende Kalt
(s. d. u. Umgang). — das Umgehend, 1.- Kot-
auf (epidemisches), Milzbrand. — 2. — s Um-
lauf (Schm. I, 860). — ungerade (unrichtig) gehen
- Fehlgeburt, die zur Unzeit zu Ende «eilt
<ir. 1> M II, IUI; l'los*-Bartel* I. Ml). - - unsinnig
gehen (19M uaiynniok gehne — lynphattena, i>, 330)
mondsüchtig Deliramentum febrile, Wut
(Wassersucht), Wasserscheue. — irrgehen =
versiegen, verschwinden; a) „Vergeh!" — eine !
Haiittiechte, die durch Besegnung so ange-
rufen wird, wie auch: „Dorre weg!" (*. d.) 1
(Gr. w. Iii, vm\ Höre auf!; b) „Blut vergeh V*
liu Beschwnrung*loriiieln der »MpreaaeM, Friachb. M;
EelUehr. 4, v f v k. 1*9.». s. 37 ; dabei auch das gegen |
Blutungen gebräuchliche Vergeh-Blut = Plantago
major L., Jrs**a 292) - eine der 3 h. Frauen (s. Mor-
gen). — im Wasser gehen = der watende Hah-
nenschritt der am Dumm-Koller leidenden
Pferde (Fatke I, 433). — VTtaYrgehnd (ahd. wlder-
gan — contra, (irafl I, 637; 14. Jahrh. wldergend sa
glandula, «crofulu. 1440 wIdergent; 15. Jahrb. widder-
fMde, wlderzend ~ serofula, D. 261. 621) = das, W88
einen beim Geben hindert, einen Widorgang
(s. d.) macht, z. B. die Drüsen der Leistengegend
(Voc. opt. w, 40; Ruck 19). — wund gehen = die
Fusshaut beim Gehen auffratten (ja. Galle). —
z**amm«igehen - coire (ftberaetzung?, Birlingcr
siticn n, 234). - zergehen = erweichen, das Ge-
hirn zergeht, Gehirnerweichung (Encephalo-
malacia) il>r Br.-Schff. 29). — xurUck gehen = zu-
rücktreten (d. Krankheit z. B.) (Z d. V. f. V.-K.
1896. 8. 412) — Qeh Drüsen, - Werk, - Wurm. (vgl.
Gang).
Geier, m. (indog. gher; gern», gor. glr = heftig ver-
langen; ahd . mbd. tri r = der gierige Vogel. Kluge *.
132; Zeitschrift für deut-che Philologie XXVI, 241) -
Tod, Teufel ; (gellügclte Weaen [». fliegend) nahm man
fniher al* todbringend an, da sie blutgierig wie ein
Yatnpyr [Glerfrasa. Gierhai« . Gierracb, Uiereehlund]
sind). — er sieht aus wie ein Hainl- (Hühner-)
j Geier iz. f. ö. v. k. 1*96, 320) - ein magerer
Mensch.
Geifer, m. (Geiferer, m. Gäfr [Schwaben], gä-
fern) (,,tr*prung dunkel". Kluge * US; vielleicht
Ge-elfer {~>] oder m garten , gaiffeu — auseinander
«teilen, Schmellcr I, 874; mbd. geller; 1429 gaiffer —
Speichel, oscedo, Sehmcllerl, 871; 1182 gayffer = ialiva,
Zeutng. Voc ) = der aus dem gaffenden Munde
(von Kindern und zahnlosen Alten s. B.) ab-
messende Speichel. — Gaifezer - Geiferer
(Sehra. L eod.; Buck 17), einer der oft Geifer
verliert beim Sprechen. — begeiiern = saliva
foedare (Gr. w. 1. 1290) (s. Palo). — Geifer- M aul.
Geige, f. (ein gerat. Wort Kr Fiedel (i.d.]; vorgerm
ghikä, fem. gign , inhd gige. Kluge*, 132) - Feminal
(Gr. W. VII. 2374; Schräder 3211. — geigen (wie
fiedeln, s. d.) - coire. — iieis) Ilm -Geigen, 1.=
langer, dürrer, weiblicher Körper, von einem
Werkzeuge bei der I leuernte entnommen(IIintner
5. 10; Schmellcr 1, 879). — 2. = blödsinnige Person,
die nur mechanisch thätig ist (Schindler I, 1028),
(eonf. Hackstock).
geil, geilen, Geilen, pl. Geile, f. Galen (Gele),
gaim- (germ. gail; dftiu gala = Fröhlichkeit, FeslluM,
Festkleid [Kleiop. III) und galant [a. d.]; goth. u. ahd.
gail - üppig, lustig, ausgelasKcn und, da der Scherz
leicht in S< hlmpf tibergeht, 10 wird das Scherzhafte
zur Schande ; mhd. geil, geile, geyliu, gll = Hoden.
Geilheit, Kluge*, 132; Gr. W. V, 1323; 1120 geyle, gail
- tenticulu», 1>. 581 ; 16. Jahrh. gil - hemia. D. 276),
l.=(l«77) Hoden, deren Bestand geil macht und
Hodenbruch (Heinia) (Beyu. 140). — 2. = Eier-
stöcke, als Testes muliebres (liyrt), K \v. vs ; zw.
253). — 3 , = die Gilbe und Galle ^dialektisch :
Gaill, Geil) und pUUA] Fett, Pinguis (Schm. 1. 890).
- - 4. — der Bürzel, Zipf der Vögel, die an dem
After Genitalien, dem Sitze der Geilen ein
Kiterbläschen bekommen, infolge dessen sie
abzehren (die Dürr, Pips': (sebmelU r I. v.u ; Gr. w.
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geinen — Geister.
Geister.
187
IV, nsT) (a. auch Gagein u. Galle 5). — Geile, f.
1. — Geschlechtstrieb (Seb. 23^. — 2. = der
Brunstsehleim der rossigen Stuten (Kalke I, 324).
— geil = fett (Sehineller I, h90) — geilen (ent-
geilen : = kastrieren [Sehw. 239; Hyrtl, K w. .-»).
— sich geilen 1592; Beb. 237. = Hieb ireschlecht-
lieh erregen. — (IT. Jahrb.) Gtburts- Geilen, a) =
Testee muliebres, Eierstöcke, und b) = Testes
virile«, Hoden bei .Mensch und Pferd (<;r. w. iv,
J. 1908; n. A. 303; l7tV3; L. chlr. 64. BS). — /urn -geil
(tnhd. . Schindler 1, lift!) — aufgeregt bis zur Hirn-
wut, Krotoruania. - knch-geüüi- fleischig, fett
(Schmeller I, MO), — Hühner- Geilen (Galle) -=
Hahnhoden (1592, seb 13.1 — AVfcm-Geilen —
Nebenhoden (Hyrtl. K. w. 19). — OAnf-Geilen
fongeil) - Eunuchus (a. d ), Castratus (Hyrtl, K. w.
68). — Femw- Geilen = durch Venuslust (Syphi-
lis. Gonnorrhoe), erworbene Hoden-Anaciiwel-
lung, Orchitis venerea ,'A. v. U. I, 12*1) — geile
(«, s, Gaim-, Geilen-) bruchig , -Entzündung,
-Fleuch, -Haut, -Herz, -Laster, -Säcklein, -Seiche,
-Seuche, -Sucht, -Sünde, - Wunden, -wütig.
geinen s. gähnen.
GeiSS, f. fallgerra. ghaldo »; lat haedus; ahd,. mhd.
geiz ; oberd. - Ziege, Kluge). — tfffOf r -GeiSS - der
AlpdUmon des Volksglauben in der Gestalt
des Nachtvogels (Caprimulgus od. Strix alueo),
welcher Habergeiss (nachijUstnerll, 251. 2M ■ avar-
gagis, avergels — Sacbjagcr, Nachflattcrer, after, afer,
aver-gagerj genannt und als die Seele eines Ver-
storbenen angenommen wird, welche niarartig
und halb Mensch, halb Vogel in sphinxartig ge-
mischter Gestalt a) Nachtschaden (s. d.) bringt,
b) die Muhnebaare bei Pferden verfilzt und
wie der Nachtrabe (s. d.) den Tod voraus ver-
kündet (den Tod in die Ohren blasend); d) den
Menschen als Seuchendämon aufl'risst; e) und
ein Aufhocker (a. d.) ist, der den Menschen
hexen- und alpartig drückt (f.alsiuer I, 219. 220.
334; II, 251. 25». 258. 2.9 ; der Uabergelss Vogel ist
nicht zu verwechseln mit der Habergeisa Haber-
hnuer oder Spinne]. & f. . .. V.-K. UM. 312). — Gel Sri -
Augen -Grint, -Minner, Molch.
Geister, pl. (vorgerm. ghaisdos; gom.-gcrw , ahd.,
mhd. gclst ; engl, ghost = überirdische», anderes We«en
im Gegensätze tum Körper, das iinkOrpcrliehe Wesen
.'«. Wicht , da» alter ego das I'latn'st lie ,, Wesen für
»leb innerhalb des Menschen", das, wenn es den Men-
schen verhtsst (goth. usgaisjan», denselben „ausser
»ich" und In Verzückung (l. dl) bringt, das sich durch
Zauberei in ein anderes Wesen verwandeln kann, so
das« ,,ein anderer Heist aus Ihm spricht", der ziiruen.
•leti Menseben binden und sich uufregeti kann, und
den mau als Atem beim letzten Seufzer 1182 Batst =
atem splraeulnm, D. M7] beim Sterben nach aufwart«
von sichVbcn bUst = ..aufgibt" ; dieses geistige Wesen,
„belebende Prinzip" 11. Paul 1(57) dachte sich die Schul
medizin nach Sylvius (t it>7_' als Lebem-Qeist Spi-
ritus vitalia) — in der Form einergeistigen Feuch-
tigkeit an die in den Nervenröhren, wie der
Hauch oder Dunst in den Ofenröhren, zirkulier-
enden Nervensafte (s. d.)gebuuden, wohin er von
der Gehirnfeuchte (Materie) aus und als Xeroen-
Geist od. Nerven-Ätber (F. Bofbunn ; Humboldt)
mittels der Nerven zu den Organen gelangen
aollto; im Samen (s. d ) sollte (i'>32) durch die
Bewegung (Kraft) dieser lebendigen Geister der
Samen-Materie Gestalt gegeben (Frie.« 123). d. h.
die Empfängnis und Entwiekelungdea Homun-
cnlus bewirkt werden, der die „Leibes"-Gestalt,
die Hülle für die überainnlicbe „Seele" sein
sollte; <lieser (.ebenageist (Pneuina, Seele) war
durch llarvey's 1057) Entdeckung des Blut-
kreislaufes aus den Arterien o. geistigen Adern
(s. d.) vertrieben worden u. fand durch Sylvius,
wie erwähnt, seine Zuflucht bei den Nerven,
wo er als AVrmi-GeiBt, Lebensäther, Seele,
Pnetima (Haeser I. SM; II. r-os), sich fortfristete.
Dieser menschliche Geist sollte naeh I'araceUus (Koch b
I, 111 ein magischer Schatten sein, der, well er aus
dem Cuivcrsum stamme, naeh des Menschen Tod
der l.clb der Seele bleibe; der Geist derer aber, die an
, die Erde gekettet sind, bleibe als eine unselige Dunst-
gestalt in der Nahe des von Ihm verlassenen Leibes
(also noch ganz damonisttsch aufgefasst) ; auch das
Volk nahm (nach i,aistnerund<ioltbcr74) infolgeder
Versuche.den A Iptraum (s.d .) zu erklaren, solche
unsichtbare Wesen an, und namentlich sollten
die Seelen, die Geister der Verstorbenen, die
mit dem Tode deren Körper verlassen hatten,
in anderer Gestalt (Gespenster) als böse Geister
(Unholden) fortleben: sie waren die Plage- untl
Qual- Geister, die als neckende Kobolde 's. d.)
1 etc. ihre Personirlkation als Krankheitsdämonen
erhielten ; besonders waren es die im Walde
wohnenden Wald- Geister , denen ein grosser
EinHuss auf Kommen und Verschwinden von
Seuchen bei Menschen und Tieren (s. Wald-
krankheit) beigemessen wurde (Ooltb. IM ff.);
solche ursprünglich aus dem unheimlichen wil-
den Walde gekommene Krankheüs- Geister
waren die Geister der verstorbenen Sippen-Ge-
nossen, welche als Holzfiguron (1577 huys godekens
= neustes, D. 422; s. Wlehtel , Khren) wieder ver-
körpert und zu //'Pc-Geistern wurden, die in
solcher Gestalt mit den Geschlechtern mitwan-
derten (dazu die Folge-Kngel, fylgja-engils, Rochholz
I, 93. fylgjur, <iolth. 98IT ) und im Leinwandgadon
(gute Kammer), am (nord.) Hochsitze oder mit
Vorliebe am Hcrdraume (Ofenplatte) weilend,
1 das Hausglück (s. Glück, Spiritus familiari*)
und den Folge- oder Sc/mfx-Gei8t (s. Kobold)
der Siedeluug bildeten. Gerade diese mit den
Individuen wandernden, den Menschen nie vor-
lassenden, ihm stets folgenden Geister wurden
auch zu den nachtlich quälenden Nacht Geistern
(s. Nacht, Alp, Schelm) oder .-1^. Geistern, die
dem Einzelnen Alpdruck, Vergicht, Epilepsie
etc., derSippe aber fieberhafte, pestilenzialische
Krankheiten (s. d ), Suchten brachten als Strafe
oder Plage («. d.) und als Hache (s.d.) der Opfer
fordernden Gottheit (v. Gehren ITSft, S. 9; Abergl.
Hl), wahrend die wie der Kobold i's. d.) an das
Haus oder an den Ort, die ((ausstatte selbst ge-
bundenen, nicht wandernden, mehr sessbaflvn
J , .Geister" (Spukgestalten) (stetigot — Heimchen
IHaus-otter, Schwalbe]] mit der Erzeugung von
Krankheiten bereils weniger, bezw. seltener in
Beziehung stehen iRochbolz II, 13;»); diese letz»
leren Geister dos Volksglaubens traten vielmehr
als helfende («Ute, holde, traute, edle, Haiige'
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18»
Geister.
Geit— gelb.
Däuionen (kleine llerrlein, gut« Kinder) auf I
(z. B. bei der Geburt) und führen meist Kose-
namen (Gr. ff. IV, 1. 1908 ; LJppert Christ 44ß). Nach |
und nach aber verlor Hieb das Bildliche der
„Krankheits- Geister", die Gestalten werden
fluchtiger, geheimer, durch Verwechslung der
guten, mit den bösen Geistern, auch gefürch-
teter; als „Geister" immer weniger sichtbar,
verlieren sie sich endlich ganz in die Allegorie,
i ns (v bersin n Hebe, Metaphysische, im 19. J ahrh . ,
in das Gebiet des Spiritismus u. Hypnotismus
oder als „Kraft" in das deB Materialismus. —
blättige Geister - die nach früherer Anschauung
im Gehirne sitzenden oder durch den Blast (s.d.) :
wie durch ein Rauchschlot dorthin gelangenden
DüllSte (<ir. W. II, 72; Strahl IderAlp uuil sein Wesen,
Herlin 1833] will beim Anfühlen lies Kopfes nun/ deut-
lich «Ho Unit der Darm gase, die Inn «.ehlrn gestiegen
Mnd, daselbst gefühlt haben [unbegTdaich]). — (1742)
blöde Geister (Zw.) = schwache Lebens-Geister,
diean die Stelle der kräftigen, normalen treten.—
(15. Jahrb.) hone Geister (ndl. <tuaede boozegheestcu,
De cock 84. 232. 238); (s. o.) die n. a. den Krüppel
besetzen, «um daemoniacus machen, da sie den
vollen Gebrauch eines Gliedes in schelmischer
Weise lähmend hindern (Gr. W. V. 2478). — liuhl-
Geist - dei Alpdämon (s. 8. 10), der als Auf-
hocker (s. d), wie alle elbischen Wesen lüstern
und minnegierig geschlechtlichen Verkehr mit
den Menschen erstrebe ( = der erotische Alp-
traum, s. d.); der Teufel loste als „Buhlteufel" j
diese heidnische Dämonenfigur ab (Golth. 78) =
Incubus, Succubus. — Dengrl Geiat = Tod, Sen-
senmann iSohwabeni, der seine Sense dengelt,
scharf macht auf dem Friedhofe und den Sterb-
enden die Augen zudrückt (Meyer, Konvers.-I.<jx.
3. IV, 116). — Druck- Geist -Incubus (s.AlpS. 11
und drücken) (E. Mogk in Paul» Grundruu der germ.
Philologie I, ioi3 über germanische ..Druckgcistcr";,
Druckgeieter Bind aber nicht bloss Alp und Mar
(wie Lipp. Christ. 44H meint; , sondern auch der
Troll, F.ilwiz, Hexe, Schritt], Trude, Holde,
Wichtlein etc., überhaupt alle aus dem Alp ab-
gelösten Krankheilsdänionen; so auch die Mit-
<<«</*- Geister = Mittags-Teufel (s.d.) Daemonium
(nicri)diantim, ein meist weihlicher Alpdämon
(Mittagsfiau, Foldsehe;, welcher a) zur Zeit des
höchsten Sonnenstandes alparti^ mit den Son-
nenstrahlen, Sonnenstich (s. d ), am Ta^e Alp-
druck Und heftiges Kopfweh macht (vor seinen
Angriffen ist man bei trübem Himmel und zur Zeil de«
nahenden Gewitter* sicher, Laistner I, 32. 67. 73) ; b) er
stiehlt Kinder u. c) saugt den Frusten der Neu-
geborenen die Milch aus <;olth. 57. l >7; LatUner I,
65. 156; U, 199. 43.">.i ; d) bringt in Lintwurmgestalt
i .Milzbrand-) Festaeucben (Kocbh. I, es). — U677,
Hirn Geister - Nervengeistor in den Gehirn-
nerven (s. d.) ;Heyn.i<jo). — 174L- flüchtige Lcbctts-
geister Spiritus animales.diedurchdieNerven
zu den Hautdrüsen llicssen, dort den aus den
Geistadern (C. v. Mogbg.) (= Arterien) zuströin-
enden Saft zur Ernährung des Körpers tüchtig
machen und so in die Glieder wieder hinaus-
treiben sollten iZw. 17 v.; Kulmu* . — (15. Jahrb.)
nbclthätige Geister n z. xx. 21); sie sind die
l'lagc- und (^«//-Geister. - teuflische Geister
- die Nachfolger der heidnischen Dämonen als
Krankheits- Flachen. — (iß. Jnhrh.' unmilden
Geister (u. z. 1 c.) = das Gleiche. — Geist(er)-
(geistig)w4tfcm, -Blut, -Entrückung, -Entzück-
ung, Feuchtigkeit, -Gebresten, -Glieder, -Knrpe,
•krank, -Mumie, -Sehen, -Sinnen, -Störung,
- Tanz, -Zerrüttung, -Zuckung. — geistern ■
sterben.
Geit-, Geiz, m. (zu geizen = habgierig nein, gierig .
indogerm. ghatdh; germ. gaid, gld; ahd. git, mhd. git,
Kluge ' 132; 15. Jahrb. gelez, gitz,gltzc,buli*mtui, vorax,
1). 84. 629. 638; 1477 gelez, Ortolph = Heisshuneir ;
14K2 geytz = bollsmuR , Zenlng. Voc. K. 6; 15. Jahrh.
gltz = ballsmus, bulimus, faux, 11.228. 638; 15. Jahrh.
gnrtz [ - geitz] - Imlimu» [polismus], die dyne kränklich
habent »int alwegen lustig zu essen und mag man sie
nlt wol erfüllen mit deheyncr kost, Ii. 888; geit —
Heiashunger, Schw. 239; Schindler 1, 967l — Wolfs-
hunger, Bärenhunger (s. Hunger, Geitwurm)
— GeitzigAei* 11012 gytzlkelt = gula. D. 271! ■ das
Hungergefühl, M agen brennen , Kebllrockene.
— [1809) Frass-Qeitigkcit (Guar. si5) = Fica (Fitta,
Fissa, Gitta) der schwangeren Weiber, welche
ungewöhnliche Kas-Gelüste (8. d.i haben. — (UM]
hitz-geitige Paracelsus) - eifrig verlangende (Ge-
bärmutter) (Pr. II, 72; lir.W. IV. 2 1584). — hunger-
geitig (13. Jahrh. hungergUIg) = heiss- (geiz-)hung-
ri(t (vom Bären) (Wustmann 50). — (15. Jahrb )
M a /en-Geiz (= gula, gulo<as, d. 3io; =• Hunger-
gefühl im Magen. — Geiz-ifacAm, - Wurm.
gelb, Gilb, n. Gilbe, f. Gülbe, f. (indogerm.
ghel; vorgerm. ghdwo-; gem.-westgerm. gelwa; ahd.
gelo. glHwi; mhd. gel, glitte, Kluge*, 188. 139; 1437
die giilb = Gelbsucht, t\ v. Sehm. 249; 1482 gel oder
plaieh, C v. Mcgbg. ; Wackernagel, Abhandlg. I, 154;
14K2 gilbe ~ lnflrmitas quaedam lcterlcla, Gelbsucht,
Zcnlng. Voc. k 7; 1507 die gheyl = Icteritla [Gllbel.
D. 2S3; [Luxemburg] gielzech — geltK! 8euche [s. d.];
engl, yellow» — Gelbsucht). — [1851] Gilbe, 1. =
Gelbsucht beim Menschen (Hock *. 4y) — passio
flava s. Icteritia, morbus regius, co quod tlavos et ex-
unguis universos iruos invusil , etllciebat (Hu lange
III, 521) (s. auch Farbe). — 2. - dasselbe auch
bei Tieren. — Gelbke - Gelbchen, der Träger
eines goldgelben Haares. — gelblich, gelbeeh-
tig (13 Jahrh., mnd. gellachtlg , Mag. Barth. 102a)
= gelbe Farbe habend (Urin, Haut). —
Augen- Gilbe (1477 die Gilbe in den Augen, Or-
tolph; Schindler I, S95; 15. Jahrb. augegel — albugo.
ri. 20, 1.VJ4 ouggUbeii, Kisehart, (iarg , Gr. W. I, «14.
1165) - die ikterisebe Konjunktiva, gelbgefärbte
Augenbindehaut (Albugo). - /ictfr-gelb = durch
länger dauerndes Malariafieber gelbbleich ge-
worden im Aussehen. — (1551) Magen- Gilbe
(Hock 276; 1888 mag gilb) — Icterus catarrhalis,
eine Gelbsucht, die vom Magen kommt (Gr. W.
VI. 1440). — OArTW-Gelb (1701 gelbe am ohr - cern-
meu, L. ch. !7) -das gelbbraune Ohrenschmalz. —
sc/iin-gelb = von Gesichtfarbe gelb erscheinend,
nicht gesund [Schindler 11, 425). — IVm-gelb (1440
umgclt, ungelde — gelesucht, aurlgo, morbus rcglus,
D. 62) =die am ganzen Körper aufiretende Gelb-
sucht {». gelber Galt). — irr-, cr-gilben= kränk-
liches, gelbes Aussehen bekommen (wie die
Flatter im Herbste gelb weiden und abfallen),
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geld— Gerte.
gessen— Gicht.
189
unter Gelbwerden dahinsiechen (Frischb. 20). —
Den Leuten gelbe K (Ittel anhangen = Icterus
(Gelbsucht) (c.r. o. M. Ii, im); verschiedene
Stände mussten im Mittelalter eich gelb kleiden ;
diese Bezeichnung stammt wohl ans der Mytho-
logie; die h, Jungfrauen erscheinen in gelben
Kleidern und werden gelbbäuchigo Saelden ge-
nannt ; sie strickten mit gelben Nadeln gelbe Ge-
wander, die sie dann den Menschen zur Strafe
anhangen. — gelb - . •■>■, • » • Blut, Brand, Cholera,
Durchlaufen, Färb, Feuer, Fieber, Frais, Galle,
Galt, Geschwulst, Gicht, Qund, Knopf, Knoten,
Melken, Pest, Rufen, Samen, Schelm, Schleim,
Sehen, Striche, Stnar, Sucht, Typhus, Wasser,
Wurm, Zahn.
geld s. galt.
Gell, gellen s. gällen. — Gell-Sr-Äits».
geistern s. galstern und kdstern.
gelt s. galt. — Oeltllng, m. = ein galt ge-
machtee, verschnittenes Tier.
Geize, f geizen (ahd rein, gaiza; mhd gel»,
galzoi = geschnittenes Schwein [Klmte*. 133). —
geizen - kastrieren, Kälteten (s. galt); (15. Jahrh.
gelezen - castrare, D. 10">). — l'rrgelzen (mhd. ver-
gelzenj - vollständig kastrieren (l.excr :i29j.
gemein. — gemeine^,«) Blutgang, Krankheit,
Pisse, Schelmentod, Schtceinekrankheit , ScucU,
Sterben, Sucht, Tod.
Gempel s. Gämpel.
Gend B. gehen.
•gentzen s. ganz
gerben (zu „gar" machen; ahd. gariwen , mbd.
garwen, gerwen, Klnge . 135; auch von Speisen, die
man durch Drucken. Kneten durcheinander rührt und
gar macht, Schindler I, 9M) ; unter drückender Be-
wegung wird auch der Mageninhalt beim Er-
brechen herausgewQrgt - gegerbt (Schmeller I,
932; Or. W. IV, 1. 13.T8). Heyne (II. 1113) sagt, gerben
sei Studentenausdnick — speien wie tierberhnnde :
aber bei C. v. Megbg (1483) wird auch das Essen im
Magen «um «hymu« gegerbt = irar gemacht. (Vergl.
engl, flay the tox ; Cranz plquer un reuard. Bell z.
Allg. Ztg. 1*96, 171 S. 6; ceorcher le renard, renarder,
Brias. 166).
Gereb (Greb), n. s. Kreb.
gemischten - kreischten, seufzen Pauli im).
Gern s, Kern.
Gerner, n>. s. Gernerkopf.
Gerste, f. (imlogerm. ghrs = starren Ihorsere, hor-
rere,. vorgenn. ghcrzdii = horedeum, hordeum; ahd.
gerstn; mhd. gerate, 1260 gerste, Pfeiffer 04). Ob mHll
mit dem Schmerze der „starrenden" Abreti-
stacheln {Kluge*, 135) die Augen - Gerste (1777
genten zwusrhen den unteren augi'nbranien — rrithe,
I». 158) m Augen -Haber (s. d.) (Or. W. I, 80t.) =
Chalacion (Gerstenkorn, ti ersten blätler, llagel-
korn) verglich , als ob die stachelichte Gerste
ins Auge steche und ähnlichen Schmerz ver-
anlasse?. Vergl. Erklärung bei Cierstenkorn. —
Gersten Blatter, -Korn.
Gerte, f. (indogenn ghazdä -•- hasta [Sperr] - germ.
gazda goth. gaxdi - Stecken , ahd galt«, gartja _
virga; mhd. gart, gerte. Kluge*, 136; engl, yard =
peni» e<|ui, Kallschm II. 777 = Hute, Zweig, Stab) =
Chorda venerea: „der Mannen .Siechtum, die haltet
die Ganten" (.Schmeller I, 'Ml), daher die erotische
Gart-Hcil-l'ilanze (Artcmlsla). — Adutits-Qerte —
Priapns (tir. w. I. 176). — Mannen- Gartten =
Virgil, Chorda venerea, l'riapus. -- (1MB] Xabel-
Gärtfein (Gert, Gerte) = Funiculus umbilicalis
(Nabelschnur) (ogsiander'g Entb. K. I, $73; Beynon
166. 224; Hyrtl, K. w. 16). — Gart Ader, -fallen.
-gessen, rrrgessen (indogenn. ghed; germ. get
serlangen, erreichen; westgertn., angla. forgitan ;
ahd flrgczzan; mhd. vergezzen ; ndl. vergeten, Kluge5,
shu) — aus dem Besitz (des iiehugee oder Ge-
dächtnisses) verlieren ; abvergessen = vergess-
lieh. — Vergessenheit-SKrA*.
Gest, m. 1. = Hetseher, Get rger (onoma-
topoiettsch; Uli gest — singilltus, H. v. (icrwl. 100;
15S8 gest — Klux, singultus, f>r. W. V, 1260; Getzger,
Schwaben) - Singultus (Meyer 507). — 2. = Gischt
(Schaum; gären s. d.).
gestern. — gestrig = übernächtig, von ge-
stern her (Schmeller I, 955).
gesund - sund.
getzger s. liest.
Geudel = Keitel (s. d.).
Geuwer, m. s. (iaewer u. Gaumen.
gewelmiscb s Qualm.
gftll s. feil.
Ghör s. Gehör.
gieben (nd.-saeh*.) — kichen, keuchen (Kran«,
E. 137).
Gicht, sing., f., n (Gegicht, n. Gichtern,
plur.) Gicht. Im Sanskrit ist der Same der Gicht
mit väta, vAtaroga (Windkrankheit), vatarakta (Wind-
blut), vatapitta (Wludgallc) wiedergegeben (t'ictet in
Kuhn Zeltsehr. V, 353); Gicht, ein urdeutsches Wort;
angla. gihda = Gliederlähmung durch Schmerz, Kluge *,
| 139, Körperschulen , gehda [femin ] = Gedrucktheit.
Kummer, Seelenschment [Heyne in Ebstein, Natur und
! Behandlung der Gicht, S. 2[ ; ahd. gihido, Kluge 1. c. ;
12. Jahrh. gicht [Physicn, Hildegard.]; 13. Jahrh. gibt
- gicht. II. Z. XVII, 560, als Krankheitsperson In
einem Segenspruche auttretend; mhd. giht, [vor 1313]
dasgegiht; 1462 gilht, gllh [D.]; 1477 da.« Gicht Or-
tolph]; 1482 gicht, ein suhte = paralysi«, Zening. Voc.
I. *J. K)'cht, gegichtc — paralysi«, Zening. Voc. k. )>;
geicht = Krämpfe. Gr. W. I, 488; 13. Jahrh gieht -
= «pasmu», D. 544; 1559 Gicht = Mu«kclnVi«chkrainpt,
Gr. W. VI, 1823; 1582 du Gicht In ihren Beinen,
\ Schmeller I, 870; 1645 gicht, I. = Schlag, paralysi«,
schwere Not, Kpilepsie, folcr, H. A. 109; 1090 gicht —
i l'eatfrais, convuUlo in pesti, v. M. II, 110, 1714 Gicht
- convulslo, Fraisen; 17 IS da.« Gieht - Epilepsie,
Maschen». 215 ; ndd. Jlcht - Glcbtfluas ; tu dem Wör-
terbuch.- des Uauderseheti Volkes fehlt dagegen jicht
[nach l>e Cork wnfnr durch witlsche Niiclihar-
verniltleliing die gotittc u. |>lcure«Ia [tleuresin, s. d.]
sich als «ÜchtfluM, letzteres mit Bedcutungwccb-el
einschoben; 1790 glegd, giegdi, giegda. giegdal lu
einem Bannspruche gegen die (iicht, Abergl 179!. —
Gicbtern (lvast : Th. «. itr eo). zum Hlnnd gab wohl
I Veraula«suiig der •.laulx.-, da«« die ve^-hledeOCM
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190 Gicht. Gicht.
Gichtformeii IZuckuiigen) von verschiedenen bdWB,
plagenden Geistern herrühren, «Ii«* durch VerzauKrung
dieselben vcranli»<-4 n un>l durch lte«i>rcchung gebannt
werden sollen (Zeitschr. «1 V. f. V. K. 189.'», S. 5 u. 31 ;
V. Scheffel « Ekkehnrl Anm. 214); 1732 dachte man
bereits au eine den Nerven scha.tliche Saure (g. d),
die dleiilehl generieren k..nne; 1744 unterschied man
auch bereit» da* „Verflicht" (Kpllepsia , Apoplexia.
Tetanus) von den „Gichtern" (■= Cunvulsiones); („hei
den Gichtern alterniert der Krampt mit der Relaxation"
Zw. 713, "14, 717; 1744 üichter — passiones hysteriene,
Zw. 252; 1756 Gichter = Anfalle, von Konvulsionen.
A. V. H. 1. 474. Hüft., wo 10 ärztlich verschiedene
Formen „Gicht" aufgeführt werdeu; <iichter = Klnder-
dcllrlen, liuek 14; Gichtern = asthmatische Paroxys-
uien, Krumpfe. Verfllchts-Zuekuugeu bei Kindern,
Kopp III, 234, C v. Schm. 229; Itavaria II, 2. »»5;
IV. 2. »46; Pauli 62). — (15»8) Gichtlein = eine Art
von Peraonifikation tler Krankheit, wie durch
einen quälenden, kleinen Krankhcitsschelm
veranlagst (confer. St. Andreaskrankheit) ^
Kindergichler (Gr. W. V, 2029; vergl. Fralsehleln,
und werte Gicht). — Demnach ist Gicht. 1. =
zuckende, zitternde, krampfhafte Bewegung
Oberhaupt: a) Epilepsio, b) Eclampsia, c) Te-
tanus, d) Convulsioncs Frais, Fraisan«),
Morbus comitialis. — 2. = Ifthmungsartige
Schwache (Lähm, 8. d.) mit krampfhaften
Zuckungen alternierend; dieses Schmerzsymp-
tom hat der eigentlichen „Gicht" ( = Podagra,
Urarthritis, s. d.) den Namen verschafft; der
kleine oder halbe Schlag (s. d.), Paralysis hiess
auch Gicht. — 3. = Kiatuplschmer'zen , na-
mentlich im Leihe (illosu«, D. 285i, Hals, Gliedern,
wohin sich die Gicht „schlagt" (Havaria IV, 1.
219). — 4. = die Glieder-Gicht , das Gliotlei-
reissen - Urarthritis (t»outtc, Gutta aithetica,
Tropf, s. d.; Podagra) und Arthritis rheuma-
tica (Arthetica der mittelalt. Schriftsteller;,
Morbus articularis. — 6. = die Gichter (s. o.)
— Krämpfe, Kindhweh. — 6. —■ Vergichf, Pest-
anfall. I>io vcrschieilcnen GichlkrAuter (ahd. geht-,
gihtwurz -■ Ajuga chamaepitys, Jessen 14; 12. Jahrh.
herhoglcht [1'brsica St. Hildegard], mnd. gitword,
Jessen 1. eod , Paconla etc. sollten gegen «Ii«--««- Krank-
heit helfen wie auch der ..Blutsauger" (s. d.) genannte
Papaver Rhoeas. — gichterisch, (1521) (gichtig)
— von der (iicht (1 — 5) ergriffen, zucken«! ; (l*9o:
gichtisch m durch die Gicht he«lingt oder ver-
ursacht (Richter Iii, si). — Gichtung = Gisehung,
Kisterung (I). 536). — ;u72) Adrrn-Qicht = (der
«dem geglht.i - Arthetica passio),<ielenkrheuma.
— Arnien-Qlcht ~- Arthritis nodosa, deformans,
eine meist hei armen Leuten, die vi**l mit ihren
Händen im kalten Wasser zu thun hatten, sich
entwickelnde chronische Gclenk-Knlzflndunj.',
im Gegensatze zur „reichen Leute-Gicht"
(l'rarthritis). — (Isis) ,1h</«ti- Gicht - Kopf-
gichtern fs. d.) (Z. d. V. f. V.-K. 1S95, 8. SM). —
autmerliche Gicht = Gliedergieht (t. d.), an den
äusseren Teilen schmerzen«!. — äussrrlichr
Gichter = äiisserlich sichtbare Konvulsionen
(Pauli 52). — ZtonrA-Gicht ■ Dtwm-Gicht (s. d.i.
— Brhrr-Qicht und, baewern Jicht) m das Zittern
(üehen) «ler (alten Leute s. «Ins hebende Aller)
«.oldsehni ipy — (1072) /Vrai-Gicht Iis: der pait<
flicht) - Podagra [<", v Megbg.) = ;i59J) Ischias,
«Joxalgia (H. s.). — (181») Bodenkrampf- Gicht
1. = Epilepsia, die zu Roden wirft (Z. d. V. f.
v. K. 1S95, s. 296). — 2. = Podagram (s. d.). —
— böse Gicht r ■ gefährliche Eclampsia (Zw.
LX1V). — (1818 Brust- Gichter - Eclampsia
febr. bei Rrustkrankheiten der Kinder (Pneu-
monia) (Z d. V. f. V.-K. is», s. 296). — Darm-
Gicht ( Wrgicht) (13. Jnhrh. darmgicht, lienteriu,
l>. 329; 1482 darmglchte, Zeuing. Voc. tu 7 e4 — eolica
iliaca [Ileus;. Iiarmsiechlag ; 1518 der kleine[n] daenii
gegicht - Ileus, H. v. Gersd. »9; 1530 darmgicht =
Ileus. I). 2S5; 1532 darmgegyeht , a) ■ ( idlcn passlo,
„ein grosser Schmerz tu dem Darm Colon genannt",
Fries 113; b) — Iliaca [passlo], ,,eln Schmerz «ler kleinen
Darme ober dem Nabel unter den Rippen", Fries 114;
' UM Darmgicht [bei Pferden], ein schmerz des Unter-
hauches, so in «lern Dnrm ileon genannt entspringt,
Gr. W. II, 781; 1.;1S Darmgicht ^ verminatlo, tormina.
Ileui, Schmeller I. »70; 1743 Darm-GIcbl - miserere.
bibl. Med. 584; 176C «Ins Darmgicht = ileus. miserere.
volvulus, tormeutum, A. v. II. 1, 399; II, S30, Darmgicht Bs
miserere, Ackerm. 200, dau.gigt i langtarmen, Pierer").
— Darmgicht, f., n. ist demnach 1. = Kolik (s. d. ,
auch bei Ruhr, Würmern, DarmgeschwOren,
HauehfellentzOndung bei Mensch u. Tier) (Mayer
148; Pauli 62; Laimneri 254; R. A. 374; Falke I, 204);
vergl. Futterkolik). — 2. = Ileus, Volvulus Mi-
serere, kotiges Erbrechen mit Kolik (Maschenb. 411 ;
Hoffm. Ar/.. 90, J. P. Frank VI, 363). — 3- = (1592.
Seb. 107; Nachwehen im Leibe nach der Ent-
hindung. — Blei -Darmgicht = die Bleikolik
der Bleiarbeiter (s. Kolik) (Gr. W. II, 99) (s. Ver-
gifl). — (1668) grosse Darmgichter = schwere
Anfälle von Darmgicht (Heyn. 215). — fahrende
Gicht = Arthritis vaga (Zw. 723;. auch Polyar-
thritis iheum. = Gleichsucht, die von einem
Glied ins andere zieht, das fahrende Tier
(Gr. D. M. II. 1108). ■ ■ (1818) fallende ») Gicht
= (Gicht la) Epilepsiu (Pauli 54; Z. d. V. f.
V.-K. 1895, S. 296). — fliegende Gicht ( lYrgicht)
15. Jahrb. das umgehende Verglcht oder das fliegend
Vergicht, Schmeller I, 870, ,,«lle herumziehende vage
<i lebt wnrde Im 17. Jabrhun«lert in Norddcutschland
das lautende Tier genannt", <.r. D. M. II, 110S; 17S«
die fliege n.le Gicht, weil es nach Art eines Flusses
oder Rheumatismu« Immer von einem Glied und
Gelenk zu dem andern zieht und iilemaU lange In
einem «uiet, A. v. II. I, 143) = polyarticulftrer
Klit utiiatiMiitis. — Fma- Gicht, f , n. - Wrgicht
(15. Jahrb. tnssverglcht podagra, D. 443, 1483 die
fuez giht - podagra, < v. M.gbg.) - Zipperlein,
Poila^ra et«1., Kusssucht, <lic sich an «l»«r grossen
Zehe festsetzt l'ir. \V. IV, L 108S; De ( <«k 312).
[ — Gallen - Gicht — der Gulltluss, «ler in die
| (ilitnler Bich ergiesst, sollte d;e (ileichsucht
(Rheumatismus art. acut.) veranlassen (siehe
FJtIM 6; Gallvergichl). — Giburts- Gichter
die bei der Gehurt auftretenden Zuckungen,
Eclampsia parturient. Pauli 2;. — Gtgicht, n , f.
(Gejechl) (1313 das gegibt, Schmeller I, 870; 1482
gegichtiger paralyticus, Zeniug. Voc. k5; IM ge
gicht ennvulsin letanica, tri»tnus [Hrunf., «ilcht lc]
gegicht = clinicum [paralysi«] , D. 127, das Gejicht b
i.iled. rkratikheit, Schmeller I, 870) ■ das Kollektiv
[ der Gichtern (Itavaria IV, l. 221) und Gichtanfttlle,
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Gicht.
(licht.
191
das Hände mal Ffisse „bricht" (ir. 1». M. II,
IMS. Seh. Schindler I, $70), d. h. paralytisch
= gichtbrüchig macht. — Abend - GVgicht,
das abendlich sich immer einstellt (Gr. 1». M.
Ii, in») (Nachtgicht). — anhaltendes Grgicht
(Gr. D. M. L 0.) = Arthritis chronica. — Bein-
Gfgicht <H. s.) = Beingicht (s. a). — Glieder-
<>< gicht = Polyarthritis. — laufende Grgicht
i«ir. 1). M. II. lii»0) s. laufende Gicht. — wertes
Gefleht (Gr. D. M. L eod.) in einem Segen-
apruche wie eine hohe Person kosend an-
gesprochen. — gitterndes fr<gicht (<.r. D. M.
I. eod.) = Zipperlein od. Convulsiones. — (lsisj
gelbe (gelänget) Gicht - vermutlich Gelbsucht
mit Gicht »Z. d. V. L V.-K. 1895, S. 296). — (UM)
Bali Gichter = Angina convulsiva = der wahre
Croup, „eine Bräune, wo keine Geschwulst
oder Entzündung wahrzunehmen ist, sondern
der Hals (krampfhaft) zusammengeschnürt ist;
dabei zieht es den Kranken den Hals in der
Tiefe zusammen, dass es ihnen ist, als ob sie
ersticken wollten , die Ursache liegt in den
Nerven" (a. v. h. i, 8«. 476) (= Pseudocroup).
I>ie Erklärung, welche Grimm (W. IV, 2. 263) liefert.
Ut nicht zutreffend. — (H83) Hund dicht (der
hendgiht, r. v. Megbg. = olnu = Chiragra, Tophi
an der Hand (Fingern; Fingersucht). — Haut-
Gicht = Tophi in der Gesicht shant (Eichhorn
II, 870). — heilige Gicht (de bilige »rieht, Z. d. V.
f- V. K. 1896, s, 21«) = gefürchtete Gicht (Vergicht?);
nie plagt den Menschen und wird dem Birnbäume,
wo der Glchldamon »einen Sit» hat, geklagt, well du
monistisch vom Volke aufgefasst. — (16. Jahrb.) das
keine Gicht (hitzige Gicht) ■ Arihriiis acuta
ifk-hmeller I, 870), die Kranken beklagen sich
dabei über Hitzgeftthle. — floWrn-Gicht =
die gichtische Erkrankung an den Diaphysen-
fortsfilzen der Knochen des Höhlenbaren im
Gegensätze zur Arthritis deforraans an den Ge-
lenkteilen (Epiphysen) des Menschen (Virchow;
Z. E. v. 1895. 706). — 2Ta/Y«t-Gicht = die Gicht
an der Höfte (Coxalgia) (Heyne III, lisi). —
innerliche Gicht (Gichter) = die bauch- oder
Darmgicht oder -Gichter im Gegensatze zur
ausserlichen Gliedergicht (Pauli :>2). — (1678)
Jugend- GVgicht = Kindergicht (<;r. \v. v, 753).
— kalte Gicht (da« ehalt »rieht, Schweiler I, 870,
wobei die Kranken immer mehr Krönt leiden) = Ar-
thritis frigida (*. Kallvergichi) (A. v. H. I, 142)
(Rheumatismus art. acut.). — Kinlei Gicht er
- Eclampsia s.Convulsionesinfanlium (Fraisen)
(Ur. w. V. 7M). — Arne- Gicht - Gonagra, Lo-
kal tsation der Urarthritis auf das Knie (Gr. W.
V, 1428). — (1756) knopßchte Gicht ■ Arthritis
nodosa, la gouile nouce, durch Gichtknöpfe
(Tophi) verkrümmte Glieder (A. v. H. 1, 142).
— Knorpel-Gicht = Gichtknoten (Tophi) im
Ohrknorpel (Eicbhorst II, 869). — Knorren-
(Knurre)- Gicht - Knoten-Gicht (s. Knorren)
(ahd. knure, l'r<iuell VI. 1831. — Änofm-Gicht —
knoptichte Gicht (Kraus, E. 6*5). — (1818) Kopf-
Gicht = Rheumatismus der Kopfmuskeln und
Kopfknochenschmerzen aus (vermeintlicher;
gichtischer Ursache (Cephalagra, Parulis,
Exostosen, .Syphilis etc. (Meyer Konvo.-I.. XIV,
70*; Kopp iv. 4:u>\. — Kopf- Gichtern, 1. wenn
die Konvulsionen der Kinder (Fraisen, krampf-
hafte Zuckungen) sich mehr auf den Kopf
(d. h. Gesicht) beschranken, z. B. Verdrehung
der Augen (Augengicht) (A. v. IL I, 475; Pauli 52).
— 2. = durch Gehirnan&mie (Eclampsia puerp.)
veranlasste epileptiforme Krämpfe bei Kühen
(Krank 442) (Kai beHeber). — kreischende Gichter
= Konvulsionen mit Kreischlauten der Kinder
(FWÜl 02). — das liihmtige Gicht (nnd. lamme
jiebt) = Gichtschmerz mit Lfthmungs- Erschei-
nungen (Goldschin. 118; Schindler I, 870). — (1645)
laufende Gicht (nnd. lopen jlcht), 1. = (liegende
Gicht, Polyarthritis rheumatica, Arthritis vaga,
die aus einem Gelenk ins andere ziehende
Gliederkrankheit „ein Gesnecht in allen Glie-
dern" (Coler, H. A. 236; blbl. Medik. 486, Goldschm.
118; Stieler; A. v. II. I, 143; Krause, der medU. Land-
plarrer, S. 107) (vergl. Tier). — 2. = Pes varus
(A. v. H. I, 1315), weil bei der Gicht (4), deren
Schmerzen oft ihren Ort wechseln, der zumeist
ergriffene Fusa iu Varus-Stellung gehalten
wird beim Gehen. — das lebendige Gicht, das
Bewegung zeigt = laufende, akute Gicht (Schm.
I, 870). — (1818) Lenden- Gicht = Lendenrheutna,
Lumbago, Ichias (Z. d. V. f. v.-K. 1895. 8. 296). —
J/ajen-Gicht = Magenkrampf {Cardialgia) bei
Gicht (Metasiasis) (Z. d. V. L V.-K. 1895, S. 296).
— (1818) Milt- Gichter = von der Milz (s. d.) aus-
gehende Kramptrorm (Z. d. V. f. V.-K. 1895, 8. 296).
— Mutter- Gichter (im convulsloncs hysterlcac.
Th. 8. Br 260) - Dysmenorrhoe, krampfhafte
Schmerzen und Zuckungen, die einem Gebftr-
multerleiden zugeschrieben wurden (Z. d. V. f.
V.-K. 1895, 8. 296; A. v. H. I, 476. 807); 1744 ,,dem
Patienten ist als wenn Ihm eine Kugel im Leibe herum-
liefe, Ja es linden sich Mannsbilder, welchen gleiche
Zufalle begegnen, sodass, wenn sie Weiber waren, man
gleich die Gebarmutter (s. d.) als die Ursache dieser
Empfindungen anklagen wurde" (Zw. 266. 160). —
(1818) Nacht Gicht = bei Nachtzeit eintretender
gicht. Krampf (Z. d. V. f. v.-K. 1895. 8. 296) (Abend-
| gegicht). — (1783) AVrwn Gicht - Kheuma und
J Urarthritis, die sich sowohl im Zenlral-Nerven-
1 syatem als besonders in den peripheren Nerven
.„Gichtnerve" z. B. Nervus ischiadicus) lokali-
siert. — 99 Gichten = die Summe aller Ver-
gichtanfalle, die als Krankheitwesen gedacht,
in den Wald, woher sie als Krankheitdamoneti
gekommen, zurückgebannt werden (Zettachr. d.
v. f. v.-K. 1895, 8. 33; Krlschb. 63) (s. 90). — A'ieren-
Gicht-die I kakinatinn der Gicht Urarthritis^i
in die Nieren (Nierensteine). — ^m^eZ-Gicht
= die Gicht, wobei der Kranke weinerlich klagt,
„pimpelt", wie eine Glocke bimmelt (Gr. w VII.
1H5S), — iVo*Yf>»i- Gicht - Arthritis deforraan«,
die Gicht der armen lernte (s. Armengicht V
— (1587) reistendeiy Gicht ■ die zumeist an
einer .Stelle zerrenden, ziehenden Schmer-
zen: a) bei der (iIieder-Gicht, die da und dort
durch ltann«pn>che gehellt werden sollen (Z. d. V. f.
V.-K. If*«j5, 33 . 296; Coler, H. A. 236; Urquell VI, IBS;
Wallt». 400; blbl. Med.; Mascheub. 39); b) In i der
Svphilis der Knochen und Gelenke (Pr. II, 3*7'.
— ÄtirArn- Gicht = Kheuma in den Kncken-
muskeln (Mark-Geschoss). — Scldrmmer-Qicht
| = Reiche- Leute-Gicht, im Gegensatze zur Pro-
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192 Gicht.
Gickel- Gien
leten-Gicht; les extremes ae touchent (Eick-
horst, Ii s«i). — schreiende Gicht — schreiende
Frais (s. d.) (z. <l- v. I. V.-K. 1S96). — schtcarziges
Gicht = eine Gliedererkrankung mit schwarzen
Brandstellen (Z. d. V. f. V.-K. 1895, 8.29«). — schwel-
lendes oder Schwulst Gicht (und. «wellen Jicht)
- eine wanerige Anschwellung der Glieder
an den Gelenken ohne Hautröte mit u. ohne
Schmers (Goldschm. 119; Z. d. V. f. V.-K 189»'., S. 2«'.).
— ftsis) schwimmende Gichter (Z. d. v. f. V.-K.
1895, s. 290) = falsch verslanden för schwindende
Gicht od. Gicht mit Schwindel. — 77 Gichter
= die ungemein zahlreichen Krampfanlälle
(Sehlis«), die In Segewrtormcln besprochen, angeredet
and In den Wald geliannt werden (s. Siehen) (Wnttkc,
d. Volks-Abergl. 169. 247. :I09. 316; Z. d. V. f. V.-K.
im96, s. s). — springende Gicht = Arthritis vaga
(«ir. i). M. U, uro). — stille oiler stumme Gicht
-die latente Gicbt ohne akute Exacerbationen.
-- stille Gichter = stille Frais (s. d.) im Gegen-
sätze zur schreienden Gicht (i'auU 52). — (Isis)
tobende Gichter - wilde Frais (s. d.)- Anfalle
rz. d. V. f. v.-K. Mi, s. 296J. — das tote Gicht -
Gegensatz zur akuten, lebendigen, laufen-
den Gicht, die stille, latente oder chron. tiieht
(Schm. I, 870) — Tripper-Gicht - die Arthritis
gonorrhoica, durch den Tripper bedingt (1477
,, Gicht, da» von l'nkeuach kommt", Ortolpb). —
umgehende^*) Gicht, VVrgicht, 1. = (15. Jahrh )
Arthritis vaga, die ihren Sitz ändert. — 2. —
Rheumatismus art. acut epidemicus (wie ein 1
umgehender Krankheitsdftmon). — 3. = epide-
misches Vergichl ( = Festilen • — Vrrgicht, n. f.
(ahd. flrgihta vcl virgihlcgote = pamlylicun, Schindler
I, 870; 12. Jahrh. dl vcrglhtcn = paralytici, Hoflm. I,
101; 1260 vergibt, vergiebten — Krampf, Gicht be-
bt »iiimen, Pfeiffer 87. 21; nihil, verglht. II. Z. VI, 493.
vom uberezzen kiimt verglht -- podagra; 1445 verglcht
Podagra, Schindler I, 870; VA» Verglcht - Fraisen,
cdnmp'la , Inch. Mir.; l.'.7i! Vendcht — da» Zittern an
allen Gliedern, das Maul- und Augen-Verkehren ~-
convuUlonea, eclampsia, KraUen.Thcophr. Bod., „wenn
die Glieder alle zuxauimen Im GeAder mit Zittern »Ich !
krummen" [I. cod.]; l»7s verglcht — ccUmpzta Infan-
tlum, Kinderweb. Gr. W. V, 763; Ucyuon 47) (s. Vergifl)
■ das vollständig die Glieder lahmende, ge-
brauchsun fähig machende Keissen und Zucken
des Körpers oder der Glieder mit Krämpfen,
bei (iicht und Vergiftung, jähem Tode, Fest etc.
~~ Fricht - Ver-icht, -gicht. — Darm- Verglcht
s. Daun-Gicht. — dienend Verglcht s. (liegende
GichL — Kalt-\ ergicht, n. - Rheumatismus
art. acut., auch Ischias rheumut., von Kulte
(s. d.) kommend (<ir. W. V, 94: Schm. I, s70; Chr.
sam. II, 37.1). — wilde Verglcht ^ u tuende Gicht
(i hr. Sam. II, 378). — vorbeigehend? Gicht = Kpi-
lepain s. Felampsia symptomat. infantium, die
keine bleibenden Krampfschmerzen od. Krank-
heiten macht (a. v. H. I, <m). — 1 Va ngen- Gicht -
Kheumatismus der Wange, Farulis, Neuralgia
rheum. intraorbitalis. — Wan<7f n-Gicht *r —
Gesichtamuskelznckungcn (Pauli n). — icarmes
Gicht^im Gegensatz z. Kaltvergicht, V.Wirme
kommend, heisse Gicht. — (ws) Weh(en)-
Gichter - Geborts-(iichter (s. d.) (Pauli 02; |
Z d. V I V.-K l*9j, S Sp*/. — (Isis) wütende Gicht
ss Gicht, die in den Knochen oder Gliedern
wie ein Tier wfltct, tobt (Wodan hat damit keine
Beziehung, wie bei Ur, 1>. M. II, 1108 und Simrock,
II. D. M. vt.'p angenommen zu werden scheint; vergl.
Tier; Z. d. V. I. V K. 189.. 8. 2961. — jj^e- öicllt
= Farniis, Neuralgia infraorbitalis, als rheu-
matischer oder Gichtfhiss, elbischer Zahn-
schuss angenommen und durch Besprechung be-
handelt (Frlachh. 99). — (1818) Zalm - Gichter =
Convulsiones ex dentitione, Zahnfrais (I'auli SB).
| — (1761) Zungen -Gicht - Glossagra (L. ch. 37)
I Nenralgia lingualis, reissende Zungensch mer-
zen. — Zwerchfell- Gicht = Angina pectoris,
Gicht-Asthma s. Heresperre b. — zwickende
Gicht = reissende, zerrende Gicht (z. d. v. f.
v.-K. is9.,). — Gicht-, gichtische (Kcrgicht-,
gichtcTMicA) -Ader, -Anfall, -Asthma, -ästig,
■bruchig, -Bülten, Engbrüstigkeit, -Erschüt-
terung, -Feuer, -Fieber, -Fluss, -Orimmen,
-Hund, Husten, -Keuchen, -Kolik, -Krampf,
-krank, -Krankheiten, -Materie, -Migräne,
-Xerren, -Kheumatismus, -Schmerzen, -Stoff,
-Sucht i Tripper, -übel, -Umstände, - Verzückung.
Gickel s. Gigel.
gicken (gickezen, gigzen, gitzgen) (ahd.
gigazeu = balbutlre, lrglecazan -- inulire; V». Jahrh.
gitzgen, giebzeu, gtxen, gi'cben, I). 68« ss «ingultire.
rümpfen; 15ir> gikauote red = balbutle», I). tH>; 1617
gigezon — stottern, Hammeln, Schindler I, 884, 9<>8),
eine den getiehenden Singultua-Ton ,,gick" nach-
ahmende Wortbildung für: 1. = Singultus, der den
abgestossenen Laut gich, kik verursacht. —
2. - die Sprachstörungen des Stotterns und
Stammeins, anlehnend an gilgezen (s. d.),
wobei nur unbedeutende Stosslaute gehört
werden (.vergl. kicken und kikesen). — gigkeln
-- gägeln, gagein s. Gigel.
Giebel (Gebel) (Indogerm. ghehbala ',' —
- Ki>)if; l'rbedeutung ist - Kopf, und er»t deuen Be-
griff wurde auf das Iiarh übortiagen. Kluge*. 139;
ahd. gcbal Kopf, glbll — Vorderseite, Hirnselte, gi-
Mlla, (iraff IV, 128) = Schädel (s. d ), Kotunditaa
capitis. — Haupt- Giebel (ahd. houblt-gibllla =
calvarta, Gniff IV, 129). — kahler Giebel (ahd. chala
gibllln ss enlvaria {Graft 1 eod.) = kallischttdel. —
Gebel Schädel (schm. i. sei). — Giebel-SrAcin.
Giegel, pi. s. Gigel u. Jucken.
Giel, 1=8. Gill. — 2.=S. gelb (gielzech =Jau
nlme, Gelbsucht, s. gelbe Seuche. Bett. 190).
Gien, gienen, ginnen, Giener (Ginner) (indog.
ghl; altgerm. gl = klaffen, Kluge*. 139; altnord.
gln es Tlerraohen, Kluge !', 121 ; ahd. glnön = gähnen j
mhd. glnen, (.rafflV, 106; ». gähnen, 1260 geinen
= ginen) - gähnen, den Hachen aufsperren
(Pfeiffer 63). — aiisginnen = durch Gähnen die
Kiefer ausrecken (Schindler I, 919). — cv-gienen
- das Maul, den Kuchen aufsperren (wie zum
Gähnen) (Schnuller 1. c). — iVbrrgienen (mhd .
U-xer 279) = das Maul überweit aufsperren,
beim Gähnen das Unterkiefer verrenken. —
wet'f« Giener = Maul, das weit gähnt (US3 weite
giner, C v. Megbg. weite-. Mault. — Glen-AocA,
Mo ul
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Gier — Gift
Gift.
IM
Gier, f lindog gher; gern», ger heftig verlangen;
alid. giri, girlda; mhd. glr. girdc, Kluge *, 135, 139) -
Begierde (1532 »taettc Ugird zu harnen, Fries 119)
- heftigen Verlangen (zum Harnen = Diabetes,
DyHnriaV — /•'<.-. Gier — unniäasiger Appetit.
— .fcmr-Gier- l'yromania, eine angenommene
Geisteskrankheit mit Brandstiftungtrieb und
Lust, Feuer zu sehen (AUff. Med .(cntralz. IV*,
B, SM). — Oier-^Vrm, •//«/», -Hachen, -Schlund.
gieren s. garen.
Glesch, f. = Gosche, Maul (Schweix; Sehm. 1,9 .2).
giessen (vorgerm. ghud [i »pferguss " (undo ; goth.
giutan = giessen , altnord. gj«>ta [ = Junge werfen] . ahd.
giozan, ausgiessen, strömen, vergiessen , mhd. Kiezen
= giessen, Kluge 4, 13V ; austilessen machen, *. schulten).
— giessig.giesset - wie im Gusse (Messend (Schui.
1, »jlj. — /\>giess'<nv ■ Kluss, Abgang. — (1483)
die Geburt crgeUBScn (C. v. Meghg) = Junges
werfen (vergl.o.)- — (1782) Milch-.ErgieBSung
der früher angenommene Erguss von .Milch in
derWeiberbrust.diezu Kopf steigt, „als milchige
Feuchte Bich in den Kopf sieht" IM. 11. Z. I, 531)
und Gehirnerscheinungen (Mania puerperal»*;
veranlassen sollte. — unfreiwillige Samen-Er-
giessun^ m Pollutio. — Glufen giessen - .Spei-
cheirlusa, Ptyalismus, bei dem der Erguss des
sahen Speichels, wie beim Giessen der Steck-
nadeln dAnn und lang erfolgt (Burk l.t, (Spinn-
husten). — (1340) Innern giessen meinen gewal-
tigen, gelbgalligenErgussaus dem Magen tiiessen
lassen, erbrechen (SchmeUer I, imsi. — Giess-
Ader, -Fieber; (vergl. Guss).
Gift, n., m., f. (virus [*. verwesen]; lai poiio;
franz poison [= potio], zu get>en [n. d.]; goth gilt»;
ahd. gilt, f., mhd Gift, I ^ Gabe; <.lft [virus] wurde
mit ahd. luppl, mhd. Kippe wiedergegeben; Gift =
Handlung de* lieben* und Gegebene* ; zu Krankheiten
bezüglich ist) Gift, 1 —der Ansteckungeatoff bei
seucheartigen, meist kontagiösen Krankheiten,
die von ausserhalb des Korpers übertragen,
oder durch das „Geben" (- Gift, s Erbe)
vermittelt werden; (vergl. chancre donne ou non
donne in (ranz. Segensformeln, Briss 183; sowie An-
steckung und erben) (Endemien und Epidemien);
namentlich war Gift -der Friesel, Pocken, Pest,
Syphilis (Pauli KS). — 2 = die unbrauchbaren
Ausscheiduogsstotfe des Körpers (Paracelsus,
Baas 207), Geschwürs- u. Wundsekrete ,'Tiipper-
Xift), Hautausschläge (Frantosengifr), Menses
(Schwaben , (deren ,, Giftigkeit" erst von Joubert [152B
W» I583]gelaugnet wurde, Haas 197 1, Speichel.Seh leim,
Galle, tierisches Gift, z. B.Spinnen-, Schlangen-,
Milzbrand-, Rott-Gift, selbst Katzenhaarc nach
dem Volksglauben, insofetne sie bei anderen
Leuten Infektionen verursachen können. —
(1045) die Gifft hat ihn schon begriffen (s. be-
greifen) = der Pestgifistoff ist schon mit ihm in
Berührung gekomi..en fOoler P. 297); das durch
schmerzhaften Bisa oder Verwundung bren-
nende (heisse oder Hitze machende) Gift war
- Eiter (s. d. u. Kröten-Eiter, Eiternessel); das
Gift „schneidet", ist „scharf", wenn es schmerzt
(s. d.) (Tirol; WoU 137). — 3 = Gicht (s. u. Ver-
gift). — giftig, 1. — Gift (Venenum, Virus) habend
oder onthnlt«»nd, zur Blutvergiftung führend,
ausleckend, den ganzen Kor) »ei verderbend
(ndl. wnijug [veiiciius], Iw lock 2S2; Hocscr II, 203).
— 2. = tornig, cholerisch durch das Gift der
Gallo (s. «!.). — Giftignng (I«>1R, Paracel*.) = die
1 »urcbsel zung desKörpers mit ( i iftigem (Pr II, 74) .
— Amjtit-Qift = Diarrhoe (s. d.), die bei der
Angst gewisserniassen als Giftstoff den Körj>er
1 verlasst (Gr. W. I, KV1), wie der übelriechende
Angstschweiss. — Auaen-QiSt - was die Augen
und durch die Augen (s Augenzauber) auch den
Menschen vergiftet (Gr. w, I, $06). Xoch im 16 bl*
17. Jahrhundert nahm man an, das* da* i.ift durch
blosse ZauiH.-rei, f. 11 der Juden (*. d ), in den mensch-
lichen Korper gebracht wenlen könne (*. bosc» Auge,
bnner Hlick), und nach Dr. Minderer (1620) konnten
menstruierende Weiber, deren Venenum menstruale
selbst als l'rsaclie der Syphilis angenommen wurde
| (1601 - 1.1H'., Pr. 11, 37), zu Infektionszeiten schon durch
das blosse Anschauen den Menschen vergiften ; nament-
lich vor der Fastenzeit (s. Fitsten), sollte sich das (Hfl
al« Krankheitsstoff im menschlichen und tierischen
Korper iiiilututen (173'>, V. IS. 67; SchmeUer 1, S70). —
lila 'Zern- Gift = Virus variolarum, der ansteck-
ende Krankheitsstoff der Blnttern (Variola);
heute noch üblicher Ausdruck. — (1551) Buhl-
Gift iiHielgiftt. Hock 136J, Buhlschaftsgifl (Ven-
erie ' , Hurengift (Lues). — Eiter- {eitrige») Gift
(mhd. eitergift sa aconitiim, GUtpflan», Kol. 97; 14 Jahrh.
eitergift, Voc. opt. W. 45) - Virus, tierisches Gift
(dorl unler den Keptilien und Würmern abgehandelt,
«r. « in, 392), eitriges Gift (1708) ist - Virus puru-
lentum. „Kiter"-Gift ist eigentlich ein bren-
nendes, „beisses" (eit) Gift (h. Eiter u. Lüppe).
— fahrendes Gift — fahrender Wurm (s. d. und
fahrendesTier). — Fun/cn- Gift = das als Liebes»
gift (s. Kosswut'2) benützte, manchmal giftgrün
aussehende Fohlenbrod, Zeltlein, Laetizel,
Pferdegift (s. diese), Hippomanes (Frank 7:.; Falke
I, »is). — (ivj9jFr<in«w«i-Gift = der ansteckende
Krankheitsstoif bei der Syphilis, ähnlich dem
Biattern-Gift fParaeels.}. — (16. Jahrh.) Fraum-
GÜt (Lonicenis) ^ das böse faule) Blut der
Krauen sollte nicht nur die Kranzosen (syphi-
litische Blutvergiftung) erzeugen, sondern sogar
als übernatürliches (weil vom Monde ^s. d.] be-
einflusstes) Blutgift liebestoll machen, selbst
föten. — (175t) FnV*W-Oift- Miasma, Contagium
beiderKrieselkrankheit. — Fullen-QitX - Kohlen-
gift. — Gci/m-Gift = der als Gegenmittel gegeu
ein schon einverleibtes <»ift wirkende Stoff'. —
(1779) Oicht- Gift ~ der die Gicht erzeugende
Krankheits^tofl, der namentlich im Knochen-
| mark« versteckt und dort Gärung machend
angenommen wurde Hippel II. 321). — Hand-
Gift (mhd haut -gift, I.exer 91, 1460 hant gift,
SchmeUer II, 10;;7 . Hallnui- »Ol.) - „ein stillschwei-
gend , ohne gefordert zu werden, gegebenes
(NeujahrB)-Geschenk (Gift), das nach dem Volks-
glauben gewisse Krankheiten hervorbringen
kann" (da* Noll ereifere an unhuld, pilwls hantglfl,
[SchmeUer Lt.] deutet auf ein verhextes Geschenk ;
vgl. mal donne r= Piugerwiirtu, Ilriss. 292). — '17. Jahrh.*
hitzuffs Gift = unter Hitze Kiter erzeugender
Krankheitsstotr (Fr. Kr. B *ti!. — (1744) Huren-
Gift, venerische« - das durch die Huren im
! Kontagium vermittelte venerische Gift (Lues,
13
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1»4 Gift.
Gouorrhoea) (Zw. oh.-.). — (1734) Krmtkheits-Qitt
= Miasma, Virus, Krankheitastorr (s. d.) nament-
lich solcher, der durch Ansteckung von Mensch
tu Mensch, von Tier zu Tier in den Ländern
sich verbreitet (A. v. H. I, 1010). — (1789) JTrärz-
Gift = der die Kratze (Scabies) vermittelnde
Ansteckungsstoff (s. Materie) (Nicolai II, 526). —
Kreba-Qift = Gift vom Krebsgeschwür (Cancer).
— Kropf- Gift = einer krankhaften Feuchtigkeit
(Miasma?)schriebman früherdie Entwicklung
der Halskröpfe (Struma) zu (Gr. w. v, 2402). —
Jfrö/cn-Gift, 8. Eiter. — LcicAcn-Gift - Ver-
wesungs-Gift, das toxisch als ein alkaloid-
artiges Stoffwechsel-Produkt von Mikroben in
dem Leichen- Ei weiss (Ptomaine) wirkt (Ver-
wegen ahd. flrwPsan zur gem.-indogerm. Wurzel wls
= verwesen, au* welcher :o~, virus [vlsus] geflossen
sind; da« Kelchen- oder Verwesungs-Gift [Aas] ist dem-
nach begrifflich einer der ältesten Giftnamen). —
Pest- (Pestilenz ) [1680] patilenzischai Gift, - Yer-
gift [1500]), 1. = Virus pestiferum, der die Test
durch Kontagium verbreitende Krankheitsstoll
(Heyne III. 1121). — 2. = der Pest -Eiter - Pest-
gift, von dem wohl zuerst das Wort „Eiter"
( = Suppuratio) entnommen wurde (s. Pest-Eiter)
(Gr. w. VII, 1572. 1574). — 3. = die Erkrankung (Ver-
gicht — Vergifi) an der Pest (Strasburg 1500). —
(1777) Pferde Gift ■ HippomaneB, s. Fohlengift
(D. 278). — PocAvtt-Gift= Hlatterngift (s.o.) ((ir. w.
VII, 1965). — Rotz-Qift = der die Kotzkrankheit
durch Contagium und Infektion vermittelnde
KrankheitsstofT (Rotz-Bazillen). — (l&so) Schaf-
Gift, behaimisches (höhmische»«) = Her die In-
fluenza (1580 = franz. tnomone; ltai. mal de castrone,
s. Schafhusten 2b) veranlassende Infektionstotf,
aus Böhmen nach Deutschland verschleppt
(U-rsch 261). — (1782) scharbockisches Gift = der
den Skorbut veranlassende Kranklieitsstolf
(M n. L. I, 99). — (ir«5) scharfes Gift, 1. Vene-
nutn acre, weithin wirkendes Krankheits-tüft
(Gr. W. VIII, 21S3). — 2. = der scharfe Gift=jeder
akute, ansteckende Haulausschlag (Pauli 35). —
Scharlach- Gift = der die Scharlaehkrankheit
hervorrufende KrankheitsstotT(Gr. w. Vlll. 2205).
— (1744) Schnnder-Qift, venerisches ~ Lues der
Schleimhäute, deren schleimiges Sekret an-
steckend ist (s. Schnuder u. Schnottoif) (hiq
snuder - niucus sercatns, eatarrhus, Schmeller II,
573; zw. 6.S8) . — ScMc/icn-Gift = Miasma (A, v. Ii.
II, 1030), der die Seuchen erzeugende infek-
tiöse Krankheitskeim — SfVirff-Gift => der in
manchen Städten einheimische Tvphus-Krank-
heitsstoff. — Syphilis Gift = venerisches Gift
oder (1**4) Lnstgarten'schcr Syphilis- Bacillus:
Franzosengift. — (17<m) Tripper - Gift — die
durch Kontaginm verbreitete, ansteckende Go-
nococcus-Materie (J. P. Krank I, 65; Baas 401). —
M&fT-giftig (mild , 14. — 15. Jahrb. overglftieh, .1 f
nd. 8p. -F. XV, 115) = durch zu viel Gift des
Todes werdend oder tötend. - j™| ^ ^
Gift ■» der KrankheitsstofT bei Syphilis, Tripper
und Schanker, den man ehemals im Frauen-
gift, in Würmern (1725), sauren Sälten etc.
suchte (Pr. II, 290. 337; bil.l. Med. 463). —
Gift.
' Gift, 11., f. (holl. vergilt ; schwed forgift; mnd. de
vorgift = da* Vorgift, womit man vergibt, Mag. Harth.
93a; 14.Jahrh. die vergilt - Magensaurc. Eitervergiftung,
HofYinann I, 322, 1447 die Vergilt s venenum im Gift-
sack der Tiere ; 147« — intoxleatio. Ortolnh ; vorglft —
infeetus, I>. 29C>; 1477 Vcrgift = „eine Krankheit, dureh
' welche die Säfte abstehen . die Nerven »ich einziehen
[wie beim Vergirht , s. d.]; und allerlei Lähmungen,
Niederbeugungen und dergleichen entstehen". Schm.
I, 876 ; 1483 vergilt. C. v. Megbg ; 1500 die Vergilt =
pcstllcutlabci llieronym. Brunsehwig.). I>a«lml5. Jutirh
vielleicht volksublicher gewordene „Gift" { — virus)
| wurde (wie heute noch) mit dem alteren ,, Gicht" (Ar-
thritis. Eclampsia etc.) verwechselt. — das „Vergift"
int 1 zumeist = „Vergicht" (s. d.), „vergifftige
Leute' sind darum (1476, Ortolnh) — Gichtkranke,
Gichtbrüehige (s. (iicht). — (ini4) das Vergift —
Fraisen {Vergicht, (iichtern) (St. B.-Mir.). Zu dieser
Verwechselung und Bedentnngs-Vcrmlsehung trug l>ci
der Hang des Volke«, dämonische l'rsachen (z. B. Hexen,
welche vergiften, verzaubern, s. ZaulM?r) bei solchen
Gicht-Krankheiten zu suchen; denn bei jeder mörder-
ischen Seuche denkt das Volk zuerst an Vergiftung,
d. h. boshafte, menschliche o. dämonische That (s. ver-
gifteter Sehlis»); ebenso aber trug auch die giftige
Galle, beew. die Schul-l-ehre vom Gnlltluss (Rheuma.
8. Kings) bei, sowie die lautlich leichte Yersehlebbar-
kuit von f und ch. — 2.= durch Giftwirkting ganz
j untl gar beschädigt (akut und chronisch, z. B.
j Quecksilbervergiftung. — Blutvergiftung ■
j Intoxicatio sanguinis, Veränderung des Blutes
durch Giftstoffe, die in dasselbe eingediungen
I sind (1424 z. Ü. das gehlevpulver aus den 1381 zu Augs-
burg zuerst hergestellten Schles«gewehrcn [Ritas 171],
das als Gift galt) — Darm-vet gift = Darmver-
gicht (s. Vergicht), Darmgrimmen, bauchgrim-
men (bei Pferden), Gedärnientzündung, Harn-
zwang (Gr. W. II, 782; Schindler I, 87Ü). — (Ifils)
französische Vergiftung - die Durchsetzung des
Körpers mit dem ansteckenden Krankheitsstoffe
der Syphilis 's. Franzosen; (Paracelsus, Pr. II, 72).
— gail-twgiftet^an krampfhalt. Gichtschmer-
zen leidend (mit Gelbsucht?) vergiebtet, durch
Galleergus8 nach der Schul-Lehre früherer
Zeiten, die seit Plinius an die Giftigkeit der
Galle glaubten : „Gift und Gall". — (1477) Kftlt-
rergift = Kaltvergicht (s. d.), Kältvergicht =
Rhetim. art. acut, und (U505) = Ungenannt (Inch.
1 Mir.). — (1500) Pestilenz -Vergift (Brunswig.) =
Pestinfektion (Pr. I, 357; Lersch 203). — (1482) voll-
giftiger - venenonu (Zenlng, voe. n 4). — (1S20)
Wurst-Qftft = die von .histinns Kerner zuerst
in ihren Wirkungen genauer geschilderte, in den
Fleischwürsten sich lindende, toxisch wirkende
Substanz. — Wuf -Gift = der Krankheitsstoll
bei der Hundswut (Lyssa) und das auch sonst
„in Wut gebrachte" Krankheitsgift (Zw. 44). —
Zorn-Qift - wie beim Angstschweisse, Angst-
gift (s. o.), so soll der beim Zorne (Hundswut)
in der Mundhöhle schlangengleich abgeson-
derte Speichel giftig sein {Gr. \v. I, 361). — das
Gift hat sich zum Herzen geschlagen = Pyaemia
= veneno extinetus est. Die Paracelsisten er-
fanden eine Reihe neuer Körpergifte, wie flüch-
tige, scharfe, ätzende, wilde, schteefelichte, rcal-
garische, ungesalzene Gifte, die in dem austeck-
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Gifteritit — ginen.
endenKrankheitsgeblüte vorhanden sein sollten
(Zw. 523) —Gift- ( Wrgift, giftige(a)Ader, Beulen, !
-Blase, Blatter, -Blut, -Brand, ■ Brustkrankhext,
-Dunst, -Farbe, -Feuchte, -Fiebersucht, -Flecken,
-Franzosen, -Geschwür, -Glieder, ■ Hauptkrank-
heit, ■ Harnwinden, -Krampffieber, -Krampf sucht,
-Krätze, -Krankheit, -Materie.-Plage, -Päckchen,
-Schuss. ■ Schweissucht, -Seuche, -Stoff, -Strahlen,
-Sucht, - Unrat, - Wunden, - Wurm, -Zolin.
Gifteritis, f. ™ Diphtheritis(Andr.99;scherzhaft).
Gigel, m. (Gickel, Giegel, pl. Gückel), gickeln
c.Tin. gug ~ sich hin und her bewegen in auffälliger
Welse; angls. gyceae = prurign, Schindler I, 881.
gyecan, gyeda = Jucken [». d.], Kluge*. 179; mhd.
giege = Narr. Kluge *, 139; mhd. giggel = Jucken,
Klud). — gickeln = vor Kittel sticken, beben
(Schw. 234). — Gigel, m. (1482 gygel = tenttgo, Id
rjuod in vulva apparet = rlltori«, Gr. W. V. 877 ; Hyrt) 52 ;
D. 578 ; Schindler I, 8M ; 15. Jahrh. gygel = landle
[ = nymphac]). 1. = Clitoris. — 2. = 8. Jucken. —
Giegel, pl. = die lebhaft bewegten Füsbo (Wolf
im). — (1429) Fut Gigel «= Clitoris - Fritz (s. d.)
(Hynl. K. W. 52; fndighfgd - tentigo, Schmeller 1, 884).
— Qiegel-auf recken, -Schritt - Gigges-Gagges-
M<tnn.
Gilbe, f. s. gelb.
gilf ern (gelfen, galfen) = vor Schmerz seu f ze n ,
achten, winseln, bellend sprechen (Schmellcr I,
901; C v. Schm. 230; Schwaben, Franken); (zu gall,
s. o. Gehall).
gilgezen (kilgezen, gölgezen) ■ Töne aus
dem Rachen (l iiel, s. Gill) hervoretossen (Zieniann,
mhd. Wrtrbch. 183») ; a) = Keuchhusten (Schw. 227 ;
Gr- w. v, 1614); b) = Stottern. (Vergl. Kolch,
kölkern).
Gill, m. (Giel) (indogerm. ghl = klaffen, Kienen;
altxcnn. gl m klaffen, Kluge*. 139; ahd. gll = hiatus.
ii?-')rn. Schlund, irturi»«, das KlaffMdt | ferner L ■
Hernia = Kuptura (Graff IV, 129). — 2. = (1482 gyel ;
alt-jkeh«. eyl) = Schlund, Gula (Zentner. Voc. k 8;
I>. 271); Hachen, Fauces, Goschen, Maul (Hlmner
«. 15; C. r. Schm. 230; Hyrtl, K. W. l»7). — 3. viel-
leicht ist auch hieher gehörig: „Oil" (Gr. w. vm,
los) alseineSchlundkrankheit= Rankkorn (s.d.),
Schlundbränne (Milzbrand). — 4. ■ s. gelb.
Gill, f. = das Ohtengällen (s. Gall), Kellende
Töne im Ohre (Schmeller I, 891).
Gilscht, m.? = der gelle, gillende Ton des
Singultus (Schm. I, 903) (Hetsch, Glux, Gischen).
gilte, gilze, gist = gelt, galt, gaelt (Falke i,
:t» 342. 353).
Gimken, pl. s. Heimchen (Chimchen).
Gimpel, m. (mhd. gümpcl; r.u mhd. gumpen: Im
Schone springen, hüpfen), 1. = Penis, vielleicht
anlehnend an Gingel (s. d.); (mhd.). — 2. = der
hin und her trottelnde, schwankend gehende
Kretin, Tölpel, dummer Mensch (Liebrecht 497;
Z. f. u. V. K. 18%, 322). — 3. = gimpelrote Nase
(Z. f. ö.v.-K. 1896,322). — Gimpel Gempel tLeaer U]
■ Penis, der beim mutwilligen Opfertanz der
heidnischen Orgien sichtbar war (Zersteufel)
(l'rquell 1894, S. 212; Liebrecht, z. Volksk. 497).
ginen -- gähnen i*. d und gienen).
Gingel — glatTem ll>5
Gingel s. Ginkol.
Ginger, m. — Hals (Tirol; Hiutncr 7. US), der
gähnende, das Gähnen (= gienen, 8. o.) aus-
fahrende Hals und Mund.
Gingidi (M97). Guidera (l 520) etn aus der arab
Schul Anatomie (widadseb) entnommener Ausdruck für i
die inner© Drosselader (Vena jugular. intern.,
beim Pferde und Menschen) (Hyrtl, K. W. 70;
Hyrtl, D. Arabische und Hebräisehe in der Anatomie
§ 1.8—147 ff.).
Ginkel, m. (Güngel, Gingel) (Schweiz), 1. =
männliches Glied (Penis) (Schw. 269) als baumeln-
der, hin und her sich bewegender Teil, gankeln,
gunkeln (Schmellcr I, 923) (Glachcl, Oimpei). —
2. = der hin und her baumelnde grosse Kropf
(Schw. 269).
Gipfel, m. (Gipflein) = oberste Spitze (siehe
Giebel). — Gipflein = Epiglottis (Hyrtl, K. W. 1*7)
= kleiner, spitziger Gipfel ober dem Kehlkopf.
(1530) Leber-Gipfel ■ die Höhe des Leberorgans
unterm Zwerchfell (Künlgssp. 49).
Gips, ra. s. Gyps.
Giraffe s. Dengue u. Knie- Übel (arab. Scrahfe
= lieblich).
Girbel, m. = Wirbel (s. d.)
gissen, gischern, gischken, 1. = kistern (s. d.),
schwer keuchen (Schwaben; 15. Jahrh., ndd. dnt
glschkent — anhelltus; gysschin = singultus, D. 3 V 336,
Schindler I, 949, Gr. W. V, 439). — Gischung = die
Handlung des Seufzens (l>. 356). — 2. = giekezen,
gicksen (s. d.) (D. 536). — kalter Gischen (mnd ,
14 — 15. Jahrh. weder den colen gischen, J, f. nd. Sp.-K.
XV, 131) = Singultus bei chronischen Magenleiden
(s. kalt). — stille Gisse = Milzbrand mit Lungen-
ersebeinungen ^Weidekrankheit) als lautloses
Keuchen (s. Hinsehe) (Falke II, 342).
Gischt, m. s. Jaest.
Gitschen, t, pl. 1, - alte zahnlose Jungfer
(Wolf 154 , Zeitschr. f. Volksk. 1894, 80). — 2. = Pferde,
deren Gebiss durch künstliche Mittel an den
sogen. Kunden eine Alterstausehung haben
(Zlpp. 149; Falke II, 96 . 367); Malochen (s. d.). —
Gitschen- Haut.
gitzen (Gitzen). — gitzen = eaeare (schmciiei
I, %!>). — Gitzen - Durchfall (Schmellcr 1, cod.);
zu giessen (?).
gitzgen = gickezen (s. d.).
Glach- (Tirol) (Glag- [Klag-, Klack], Gloch-
j (Hartw. l'eetz, Chiemgauer Volk II, >.9), Glof-, Glück-,
Glot-) Feuer, B. Feuer.
Glachel, m - Penis (Hyrtl, K. w. 203) (Ulangel ').
der wie ein (ilockenschwengel niederhan^end
hin und her baumelt (= Ginkel, s. o.) = Penis
cum scroto (.«chmeller I, ml), Glenker; glangern
= baumeln (Tirol , Hintner 5. lu).
Gläff(Gleff)s Uff.
Glär s- leer.
Gläser [pM = Augen (s. Glas) (Alpbc. 64^.
Glätte (Glätze) s. Glatze,
-glaffern. — n ) -glafern s. I.eif.
i:r
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Glandelu— Glen.
«Kendel —Glück.
Glandeln, pl. - Lymphdrüsen, Mandeln
(Glandulae).
-glarren; (mhd ) rerglarren - nicht recht
Belien, eigentl. mit Hl .1 rangen (s. d ), Stier-
augen sehet) (Lexcr 82. ?>M; ani:l. gittere ~ [glän-
zendes, gla »klare«'. Haiitnhant, Kluge*, 110).
QlaB (Glast) {urperm. «Iura, glänzen [glesum -
der Bernstein]; »rein -germ glas; ahd «las; mhd. glas
— da* durch die l'hönizicr importierte Glan, Kluge*,
HO; engl, glas» : inhd. glasl — Ulanz 'nicht zu Glas
gehörig ] . Heyne 1191), 17. Jahrb. «last = Augen-
Bcheinen (Kr. Kr. B. 3ii>. — gläsern = glänzend,
durcliBichtig, vom Schleim t. B. — (H7<>) der
- 1 u.ir,,-- Glast (ongengla«t, Lexer 183) = da« Scheinen
im Auge, „wenn einer meint »es sei glksin , dann
ist er in e I a n c h o 1 1 sc h ' ' (c. v. Megbg.) (Augen-Glans).
— 'fcrgla&sen — die glänzend rote Anschwel-
lung des Kuh-Euters (b. lassen). — verglasen
(gläsern) = das Brechen des Augenglanzes wie
I. lind werdendes Glas = sterhen (Sehmeller I. 976;
II. Faul) — gläserne, Glas-.4 u , -Feuchtigkeit,
-Haut, -Körper, -Soft, -Schleim
Glasur, f. (eine latinisierende Itezelchnung für
glasglAnzendcr Dbersng) = Hufhit 'itchell auf der
Hufwand des Pferdes.
glatt. - Glatt-fu**.
Glatze, m., f. (Glätze, f. Glätte, f. Glatzl, n
Klitsche, Glitze) (vettern, ghiadiu m ; goth, glatla ;
mhd. glatx = glatte Stelle, Kluge *, HO; IV Jahrh platz.
= glaber, D. 264 , 1. = die glatte, haarlose Stelle
des Scheitels (Corona cleriealis), die Stirne, die
Platte n) Calvities) (Du Cange II, r.72, Sehmeller I.
«78; A. v. H. LI, Li»; Schw. 254), Atzel (s. d.). —
2. — der ganze Kopf (Tirol; Hlntner 5. 12); (vergl
Kol). — Glatzheit = Kahlheit (d. h. ttaued. Jahr
s 32i). — ;i;»eo glatzet, glatzig - eine Glatze
hal.end. — «w-glatzicht-aeraivu. i) 6* vorne
an der Stirne eine Glatze haltend. - Glatz-
(glatZ'fVr -Flcrhtt; -Knab, -Kopj.
glan, glauch (ndl.) = hell, scharf, glflnzond,
besonders von Atigen (H. Paul 185; Kriech, glau-
kopis), — glauch = glauich, glänzend, glühend
warm, von Beulen, die im Zustand der Abseess-
reife sind {«. gluegen u. Klamme), Phlegmone
(Gr. W. V, 102">; engl, glootn, (flow = glühen). —
Glauch 'Feuer,
glaunen (Schwaben* = Strabismus, Schielen
(C.v.Schuj. 23.1, tm[ ] glau - schlau, odei lauen, Innern,
diiatcr blicken).
Gleer (Glär) s. Geleer, leer.
Gleffs. Laff.
gleiben(gleien)^climeriausserung (liuek i!>.i =
schreien (Schindler I, KS).
Gleich, n. s. Leich.
Gleif s. Uli
gleimezen, Gleimezer. m. (ahd. chiamexii =
haeret hlnns , inhd. glainaczen = bio ; Kleinen — - grunzen
der Schweine, wenn sie hungrig >itid, Schru. I, 97:!,—
ängstlich und mit Mühe Atem holen, stöhnen,
schluchzen, weinen, quieksen (Schmeilei l «od. .
Sehl. V). — Gleimezer = einer, der gleimezt.
Glen, n. s Gelnnge (Lunge).
Glender, pl. *. Gelender (Lende).
Glenker, m. = Penis und Scrotuin, weil diese
glanken, baumeln, wie der Glachel (s. o.) («ir.W.
V, »52) (s. Lank).
Glennen s. Gelenk i .an k
Gliber s. Geleber (Leber),
gliebrig ■ gelenkig, starkknochig [Tirol, Wolf
l'*5; zu Leib'r).
Glied s. Lid.
Gliffer s. Leff.
Gling, n. = Gelnng, die oberen Eingeweide
bei Sehlachttieren (Gr. W. V, 1962; C v. Schm. 317;
Itayern, Österreich, Schwaben), s Lunge.
Glitze s. Glatze.
glitschen {1012 gUtaMhra = labus , u. 313) =
statzgen (mit der Zunge öfters ausgleiten),
stottern.
Glocke, f. (wahrscheinlich urkeltischen Ursprungs
und [8, Jahrh ) durch die irischen Missionäre nach ger-
manischen Landern gebracht, klukko; ahd. glocka,
clocchön = klopfen ; 8. Jahrh. , mlat. clocca ; mhd.
glocke [das C.elocke, was zum Feste lockt V], Kluge*,
HI; Heyne 1206L — Glocker (Klöcker), m. m ein
grosser Mensch (Buhe), desseu I lodensack mit
einem Glockensehwengl ;>. Klachel) verglichen
wird (Tirol, Wolf iüo). —JFart-dWH] Fürt) Glocke
= Farzbüchse, crehro pedens [Or, w. III, 1336, IV,
1. BAS). — ii'0(r-Glocke = die Schleimstrange, die
bei Kindern, die sich nicht putzen, von den
Na8enöfTniingen herabhangen wie Glocken-
strange (ür. W. VIII, 1328).
Glorren (Glurren) = Augen (Bayern sch»-. xa ■
sehmeller i, 97t») = die Lauernden. — mglorren,
aHglurren- anstarren mit den Augen (Schtn.Lc).
glosten (ahd. glostat - pustella, l>. 474 ; mhd. glosten
= glimmen, Schm. I, 977) = brennrote Haut haben,
llautpusteln haben.
glotzen (klotzen) (abd. gloMön ; mhd. glotzen)
= scharf schauen (vielleicht vom glostenden [gluh-
euden] Katzen-Auge.], ilan., schwed. glo = glotzen,
, Pierer 7; engl to gloat -- gierig blicken, Kluge*, 142).
— der Glotzer = der starre Ulick-iMoment bei
Schrecken (Schindler 1, 980). Glotz i ugi
glotzgen (gluckezen) = oft zuckenden, klopf-
enden (gluckenden) SchmerE machen, z. B. vor
dorKrötl'nungeines Finger-Geschwärsfc. v. Schm.
234; Ilm, Itayern), (vergl. kltlkezen).
Glouten (Tirol, Uintner 5. 12) - ilie wild zer-
zausten Zottenhaare (Klatte
gluchssen (1692; s<tb. 99) 9. klazen.
glucken (glucksen) s klucken (klopfen)
;l'aull Cr.;.
gluegen (eu klauchen, glauch, s d.) = glühend
heisset Hautgefflhl mit Juckreiz haben (prnrire,
iu-nire, 1515; 1>. 28.r». 469. artlnr camis, prnrign ex der
umtilide).
Glück, n. ahd. gilucchl fehlt ; mhd gelücke -
glücklicher Zufall, Kluge ', 142 ; LI Jahrb. gluck, ge-
lueke! — Secundina — (island. fylgla 1. — filüek*-
haube, 2. — glfiekbrlngendcr Kugel oder Folggeist,
Roebfa. 1, 92 ff; IT, Iii] <;iuckshatibe (s. d.),
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Glufe — Gnass.
gnaugcn- gögel. 197
Glüekahelm, Kindahaut (D. G2S). — ^glückt
(1592; 8eb. 2M) = mit einem Glück verheissenden
Zeichen versehen. — i. I74:s) Z/wgltick, 1. — Epi-
lepsia, fallende Sucht, schwere Krankheit etc.
als unglücklicher Zufall («;r. w. iv, 2. 2253; mm.
Medik. 445; A. v. H. I, 801; aoldscbm. 149; Wuttkc
334). - 2 = (14. Jahrh. noch slueg ny chain ongeluch
aanü, /.. f. d. a. 188», s. 112) = übler Zufall hei
der Wundbeilung, Wundsucht z. B. — un-
glücklich werden (nein) = abortieren , einen
Unfall haben und die Mutterfreuden verlieren;
fansee couche (hämmert V.-Med 101 ; Pauli IS). —
01ück8-//<i«tf, -Htlm, -Kappe, -Kind, -Kleid,
-Milch, -Rose.
Olafe, f. Klufe (ansH. dute - «plca; itbd. ebtnl
= forclpula, t ■raff IT, M7; zu Kluft, die durch Nadeln
/.uMimmeo «ehalten wird — Stecknadel) = die Spindel
(Hein) b. Pferden (1.792 , s«h. 176). — Olafen giessen.
Glut, f. n., ivorgerm. «10«; Renn, gl<>, gle; ahd.
\i\uo\ ; angln, glt d j uihd. gluot . ndl. gloed Kluge*, 112 ;
engl, glect = Nachtripper, Lehf. 77 - brennendes Illu-
uetühl in der Harnrohre) ^ die glühende Hitze. —
Fieber-Qlnt (t:r. w. III, 1621) - Fieberhitze. —
heissrs Glut = heisaes Rotlauf (s. Feuer) (in preuss.
Bespr , Krisehb. 84). — Gluder (glutendc; . I ;
Glutsch ! gl ut sehen, glutzen [1668], Glutzger,
Glucksen, gluckzen, kloxen, glozgen) (onuumo-
poletlsehe Bildung de» Klux-Toue* beim Helschen. s. d.)
- SingultUfl (Huck 19. «4; Belm dler [, 980; Hochhob
in Zcltschr f. Myth. IV. IM; Beynon 127; Birllnger I,
Ml. 10); (vergl. kluxen).
glozen (glucksen) ». Klux (Singultua).
Omilb a. Milbe.
Omilk ». Milch, melken.
Onad (-gaat) ». nennen.
gnager, s. nagen.
Knappen s. knappen.
gnarscb.cn h. knirschen.
Gnass, in. Onatz, m. Onatze, f. Gnäss,
Gnätze , f. Gniss , Gnit zc , f. Gneis s , Gneist, 1
gn atzet (vielleicht zu ahd. [g]nclzon — eniclare; uihd.
[g]nelzcn - bedrängen, plagen, beschädigen, Schindler
I, ViM , dann wäre Unel«i) = Qeneüs = die öfteren
Plagen, namentlich durch juckende Ausschläge,
die nach früherem Glauben ein Kobold als nag- '
ender (engl, gnaw — - nagen, Kaltsch. I, 275) Gnatz-
oder GneisBwurm verursacht ; da solche Aus-
schläge auch oft nässen (s. netzen), so lehnte
die Volksetymologie gleich hier mit „Nasse" an
(aluachs., 13. Jahrh. gniden — fricare, I). 217; mhd.
guau, Lcxcr 82 ; IV Jahrh. gnatz ■ glaher, kohl?, platte
Htelle, D. 2*1 ; 1482 gnaUeter - glaher , kahl [durch '
Kraukheit des Uoarbodcn«! Zenitig. Vor. 11; 16 Jahrb.
gnetz = Hautge»chwür (?], Or. W. I, 1746; guetzlg =
unrein, ritudlg, kratzig. <ir. W. V. 2081 ; finatz = Kratze,
Orint, Schindler I, 980, 1620 gniitxe = Knude, Zeitseh.
f. d. Philo!. XXVI. 242; IMS gnatz = Herde Baude,
Coler Ff. 374, gnatz — porrlgo, Krbgrint. Kehrend 3-*».
41 ; gnclss — crusta lactea [ 177«»]. Bchrt .nd 5 , öchw. 2>7 ;
nablet, porrigo, Krbgrint, Behrend 35. 44; Ii nein t m
Schuppen auf dem Kopf, (Jrint, Ackerm. 508; Qneias
Scabies, aeborrhoea capillitii, Ummer! IIS, Gneis j
- Seborrhoe«, Pchmecrfliisi«, Kichbonit H; Uuelrt =
Üucu capitis Pauli U4, guilzu = Undftiillochte, Kalke
I, 345) - Hautunreinigkeit, die andauernd juckt
(und nasst): a) Grint (s. d.; Favus); b) Sebor-
rhoea, vermehrte Hauttalg-Sekretion (Schtner-
fluss) (Puchs II, 22«), Akne sehacea (Köhler II, 843 ;
cienatz-natjan, nezzen [s.d.) = ni«s machen?) (Flüesel),
triefende Räude (Favus); c) Krätze, Porrigo,
Schäbigkeit, Juckausschlag (I^ser.s2; rrnuell 1895.
s. 44); d) Kahlheit als Folge von a— c, wie auch
der Grint (ahd.) — Alopecia ist ((iraff IV, 330)
(s. fuchsen u. grantig); e) Pferde-Räude, Schaf-
räude, als juckende Hautkrankheiten. —
(16. Jahrh.) gnatzig, l. = grin.1ig, rauh durch Ek-
zema z. B. (II. Paul 188; Heyne 1216). — 2. = phleg-
matisch, mürrioch (1645; Coler II. B. 108). — (1687)
Ȋugender Gnatz (der selgende gnatz = acor, D. 10)
= der Erbgrint auf dem Kopfe der Säuglinge. —
Gnatz- Kopf, - Wurm. — Gneies-fYVcAfr,- Wurm,
gnaugen «. nauen.
gnengen = näseln (lautmalend ?).
Gnier (Gnirr) a. knarren (knirren).
Gnitz, m. Gnitze, f. s. Gnatz. — Gnitz-
Fleehte.
Gnnder (Gnüder) = allerlei knotiges, schlech-
tes StOckfleisch (fir. w. V, lvn).
-gnuegen — vergnügte Beine.
gnubbern s. knuppern,
gnurschen s. knirschen.
Gocken, pl. s. Gögel und Gauch.
Gods- 8. Gott.
Goder, m. (Gonder, Köder) (ein vermutlich im
Worenrcrkehre mit dem romanischen Illrtcnvolkc von
diesem übernommenes, uns guttur entstelltes Wort ■
uhd. gutter — submentum, UyrÜ, K. W. 7 ; 14«2 goder-
leln vorn am hals = eplglotti.<<, faux, r>. 2M ; Zen. Voc.
1 5, n 3 ; 1 19'> goederlein = guttur, Wamme an der Ochsen-
brust, Rlndcrdrosscl, D. 406 , Bchmeller I, 873; 1612.
Ii. Sachs; franz. goitre), 1, = Gurgel, Schlund, Gill,
Hinderdrosael. — 2. = Kehldeckel (Epiglottia) ;
3. = die äussere (beim Kaufe zur Futtbemeaaung
befühlte) Gegend vorn am Halse unterm Kinne
beim Schlachttiere und (übertragen beim) Men-
schen ; Doppelkinn, Fettaack, Palear (A. v. II. 11.
130; Schindler I, 873. 1226; Ilintiier 7. 15); dazu (?) :
Goderle, Golle f. = Halskehle (Schnuller I, 893).
(vergl. Keutel).
Goeck s. Gaeck und Goegel.
göcksen = rülpsen, aufstossen, koppen (beim
Pferde) (<:r. \v. V, lT'.u) (m. köeken).
gögel (gogel, Gocken, Goeckerl) (zu gaurkein ,
germ. guu. geus. Raug — sich hin und herbeweßen ;
mhd. gogel — auscelassen. lippiK, Klugu , 129, Reil,
jucken ; 1 149 fioeßel — seil, Schmcller I, 871» ; 1 182 gogel
= geil, Zenlng. Voc. kl). - Gock = juckende
Kratzepuntel (Schmcller i, ssö), Finnen, Beulen,
Pocken, als juckende Knötchen- Ausschläge, bei
denen man kratzend (gauckelnd) sich hin und
her bewegt. — Gockerl, 1. = kleine Hautcrhöh-
ungen, Pusteln , welche jucken (daher tiaekarsch
— Kosa canlna i„ = Ar«chkltzler, Hagebutte, Jessen 33»).
— 2. - Kretin, nörgeliger Mensch, Fex (Z f. d. Ph.
III. nr;'.; Annrau) (». auch Gogel
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1J)8 Gögel— Gosse.
Gott— Grit!.
Gögel, n. = Kengl, Gbängl, Schleimtapfen,
der herabhängt (Gr. w. v, 630).
gölgezen s. gilgezen.
Goel 8. Gögel.
Goelsen, pl. 1. = 8. Gehe (Galt). — 2. = (goelsen,
pulsen = satlrus, saturiaases, verreis volant, Culex, Stech-
mücke, n. U4). — Goelsen- Tnppel.
Goelt 8. Galt (Gaelte).
Göm «. Garn.
görpsen (goerschen) >. gorbsen, ruetuare
(D. 502).
Gogl(Gagl, in. Gagile) (zu gögi = stwu* [Tirol],
= kleiner, zwergaitiger, menschlicher Körper,
Kind (Hintncr 5. 10; Schnieder I, 879) ; hieher wohl
ScArecA-Goeckerle ( = Gagele)^ein die Kinder
erschreckender, kleiner Hausgeist (Köhler V.-ui.
137; Volgtl.); (s. Schrecktnannlein, Goeckelmann
u. gagein).
Gold, n. (indogerm. ghcl = cell» »ein ; vorgerm.
ghlto; poth. gulth ; ah<l. gold ; mhd. golt, Kluge*, 112;
(iold und .Silber haben das Slarischa und Gerinanlsehu
gemeinsam durch den Handelsverkehr, der von Osten
her da» Vieh nach Deutschland, da» «iold und Silber
aber nach dem Slavtschen brachte) ~ glühend rotgelbes
Möhnetal, wertvolles (ield, das die Ml inschen alt
„Glück" betrachten. — Gold- (golden V, er, es])-
Ader, -Büchslein, -Biischel, -Finger, -Haube,
-Pforte, Träger, - Wurm.
Golken, f. = die Eiterung bei der (juckenden) '
Hilude (gocken, 8. d.) (C. v. Schm. 2.»).
golksen (1513 golkotzen, golkatzen, goelgesen =
gurgulare. ruetuare, D. 271. 502) ^görpsen, goerbsen,
rülpsen.
GoUe, f. (aus friinz. colller; mhd. kolKr, kolller,
gollier, goller ---- Halsbekleidung, Kluge*, 20s ; kolder
— eollarlnm). — Gollen Kopf.
Golzen. — Golzen- Kopf.
Gondel, n. - der Zweichfellechlitz fflr den
Durchgang ^on) der Speiseröhre (II. v. Gend. 13;
Druckfehler?).
gorbsen (görpsen) (i6is gürpsen ructiiari, Hehn».
I, »37; Zw. 860 = gorksen. gocksen [lautmalend ?J ss
rülpaon (Rochhulz, Zeititchr. f. d. Myth. IV, 116).
Gösch, f. |
Gosche, n., f. ] (vom Kmicü [coMe] u.
di r Mühle oder vom Gusstein der Küche [Gosse] über-
trugen auij 1. = ein grosses, viel aufnehmendes,
entstelltes oder böses Maul (löt.ogoscben, H. Sachs
Schweiler i, :>:,2 ; Wulf i5A). — Bären Goschen =
iW Goschen - breiter Mund. — Brutl-Qo-
schen^ weiter Mund des VieleBsers (Schoieiior i,
369). — -P/Wl-Goschen - Pfnultgoschch (.Schm!
I, 963). — /fo/z-Goschen — St/it7c/«-Goschen =
schiefes Maul. — 2. = die N'ates („gössen" in alten
Vocabularen. ü. l'JÖ; Ilyrtl, K. W. 1U9J ; wieöfter wird
der Mund mit dem Anus verglichen. — goschet
s. gausehet.
Gosse, f. ( = die Ansgusstelle), I . - Gosche (s. O.). I
— 2. = (1603 die Übersetzung de» Infundlbulnm.
beiW. die I-acuna der Arahlst Hyrtl, K. W. 148) m
Gehirntrichter. — :t. - Gosse, eine fleischliche
Krankheit tu. ir.) am Podex (e dem i natu*).
Apo-
plexia,
schwere
Krank-
heit, Not,
die selige
Krank-
heit etc.
der Jeder-
Gott, m. (Indogerm. ghuto = das augerufene Wesen ;
gem.-germ. guda; ahd. got; mhd. got, Kluge*, 1«;
mhd. der gütes ulac. Ur. D. M. I, 17
Anm. ; Schickung Gottes. Gr. D. M.
II, 1106, eine christliche Auffassung
einer Krankheitsursache, die auf na-
türliche Welse nicht erklart werden
kann; 11507 HandGottcs, Kuland; 152«
die handt gottes, H. v. Oersd. 99 ; 1532
hand gottes, Kries 75; 1615 hand
gottes u. gottes gewalt (St. B. Mir. ;
1724 gottes gewalt „ein jahllnger Zufall,
mann für Augen und den Menschen so plötzlich über-
fallt, dass man bei den Meisten keine gewisse l'rsache
sagen kann, daher es auch die Gewalt Gottes genannt
wird ', Th. s. Ur. 574). — Gottes-, ist auch = Godes-
(Gode ^ Opferpriester der heidnischen Ger-
manen) ; Gutschlag ist nicht = Gottesschlag sondern
gut-Schlag; gutta -- Tropf (g. Gut und Tropfen). —
Gottes-GeWf, -Band, -Leber, -Lunge, -Sclilag.
Gouch s. Gauch.
Gouder b. Goder.
grabein, grabbeln s. krabeln.
Graben, m. (zu graben; ahd. grnbau, grabu ; mhd
grabe, Kluge *, 143 ; gTaeving = Dachs, da» grabende
Tior, Brehm II, 115). — .4r*cA-Grabc»» =■ Aiterkerbe.
Gradel (Graitel, Grätl) s. Grfttl.
Gräfler, Graeving, 1. - s. Kraffl (Kräfüer)
und Graben. - 2. = Aflerklauen beim Kindvieh.
Graenellen, pl. (ItaL graaetU, Sciuueiicr i, wa)
= Hirschhoden, Geschröt.
gräntig (gräig) s. Grantner.
Gräte 8. Grat.
Grätl (Graltl, Grattel iKrattel1, Grätsch,
grätschen, Gratschnng) (zu mhd. gritcu [«. reiten]
= mit ausgespritzten Beinen gehen); dazu [JJjJJJ f'
1. = die Stellung der Füsse, auseinander gesperrt
wie beim Ueiten (Schenkelachluas). — 2. = der
Zwischenraum zwischen d. so gestellten Beinen,
Damm (Hlrllnger Sltt. II. 232; Sehmeller I, 1017) n
Kochonc Hipp., Perineum. — (i6is) grait'en
= divaricari bei Mensch und Pferden, mit weit
auseinander gestellten Füssen gehen (schmellor
I. 1016; Zippcrl. 131), — Grattel (Schwaben) - ein
Fingergeschwär (Panaritium) an den Sehnen
der Hohlhand, wobei die Finger auseinander
gestellt werden, wie bei der Graittelstellung
der Beine [C. v. schm. 240). — grietet = hohl-
beinig wie ein Reiter (Wolf 156». sich ver-
(«er-)graiteln (1590 die beln rergretten = varieare,
D. 607 j 1«. Jahrh. von einander grillen. I. cod. ; 13. Jahrh.
zergritten, zergrvitel = ilivarteatU», D. 1S8; 1590 zer-
grickeln, zergriggeln, I. cid.) = die Beine so weit
auseinander setzen (z. B auf dem Eis sich ver-
renken), dass sie nicht wieder können zusam-
mengebracht werden (Sehmeller I, 1016 ; C. v. Schm.
121), auch auf die Finger der Hand übertragen.
— (1777) Graetschling (varlenlus, d. eo7) -= einer,
dergraetsehet. — graitsch=graitisch^ grätsch.
— grätschen = graitiBch gehen, grätschen (vari-
cari), krumm gehen. — grätschon (Iterutivhiidung
uns griitsen und graten] - die Beine spreizen. —
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Graffl— Grantner.
grappeln— Gräte. 191)
gra(d)lawatach — graitl-weit, mit weiten Knieen.
— grätsch in ii k f t fgraachlngad,grauchhcnglch[C. v.
Schm. 421], gratschinket) = hinken mit grätsch-
igen Füssen, wobei die Füsse, bezw. Kniee in
X oder O-Stellung «ein können ; {1797 krft'scbinkigt,
Denis, Lcsefruehte II, 126) - übelgebogene Füsse,
enge Kniee, wie beim Kuhbein (Gr. w, V. 2551)
<>d. bohlbeinig, wie beim Säbelbein. — Grätsch-
Bein, -Fuss. (Vgl Grittel).
Grafll (Gräfner) s. Krafti, Kräffler.
grageln, graiteln, 1. -b. Graetl (Wetten«; 1741
grageln, D. 18-") = graite In (divaricari). — 2. - siebe
Kragen.
gralewatsch - knieweit = graitelweit (s. o.
tirütl) (Schmeller I, 1017)
Gramein, pl. - (Rai. grat.elH. Schweiler I, 999. 990
ss .Schaf- u. BockB-Hoden (s. tiraenellen).
Gramm, n>. (Gramerin) s. Kramm. — (um)
Ftus-GrammcWn = podagramm = Podagra (8. d.)
(r.r. w. VII, um), Fusskrampf, Fassgrimmen. —
'l^j5äT I 0ramm = Fussgramm (Schrad U;
<"<ilcr, H. A. 23«; l'fotetikranipf, jaci causa male saltans,
„well da« Podagra <len Pfoten de« Menschen grossen
Graru und Schmer* bringt".
grammein (grammen, Grammel, pl. Gramm-
ling) (vorgerm. ghroruo [fremu, knirschen]; goth.
irratmi, ahd. graruon ; tnhd. graimucn, Kluge6, MS) —
mit den Zahnen knirschen, z. B. beim akuten
Hydrocephalus; dazu: Grammel, die (gram-
melndon, knirschenden) Zähne. — Grammling
— die Kinnlade, worin die Zahne stecken (Hintner
f.. 15). — f/ncji-grammr/n-gristgrammen, knir-
schend mit den Zahnen grammein.
gramsen (gramsein) = kratzen, jucken (Schw.
*7j und dabei vor Reiz grammezen, d. h. die
Zahne Öfters über einander beissen.
Grand, n, Grant i vorgerm. gtmndb j dazu Orinl
[», 4.; frendo = knirschen]; germ grand ~ mahlen;
angU. Krinda«; nhd. grand - Sand, Kitige», 113). —
(1699) Grand, m. = Aphthenblttschen (s. Grint)
b. Pferden, (Mehl) Mundschwämmchen ( — Soor
beim Menschen) (v. M. I, 89). — //«rn-Grand
— Sand und Gries im Urin (Krau», E. 8-53). —
M'i- ' Grand = SandfoBS, wie Sandniehl ausge-
streuter weisser Soorpilz (Mehlgrat). — grantig
— mürrisch, launisch durch den juckenden
Grint (Grant) am Kopfe (wie fuchsen u gnatzig).
Granne (Gran), f. (indetem. gru = »pit*, borstig;
Island, granar, granir — I.ippcnbart. Edda, Jordan 102;
goth. grnn«; ahd. grana — Schnurrbart, grvno, II. '/..
VI, .2... mhd grau, f.) = Haarspitzc (Kluge* U3),
1, -= Barthaar an der Oberlippe, Schnurrbart. —
2. — buschige, borstige Augenbraue (Schneller 1,
99^) (Supercilium). — 3. - Möns Veneria, der sich
bartet, Crinis pubescens (Sehmeiler L eod.) —
4. = Gräte (Kluge». 14t). — 5. = Krauel (Krone).
— Grann-^rt*nye.
Grans 'mhd. grau« — gcruuus [ — Tkrinaul], I.exer
SL 192) - Vulva als Baueblei I.
Grantner (grantig, grantig [ gräig ) (in der
rolwUlaehen Gaunersprache lief Mittelalters) — die-
jenigen, die des Mitleids wegen als Bettler die
| Epilepsie, Ausschläge, Geschwüre etc. simu-
lierten ; (traue« bourgeols, Kleinpaul, d. Mlttelalter609).
— (1&18) gräntig (ss qutrulus , Scbmeller I, 1003;
Buck 15)=- verdrießlich, hypochondrisch, wider-
spenstig. — (ij. Jahrh.) Grantigkeit ss Molestia,
Reizbarkeit, Verdriesslicbkeit (D. 3«r>; zu Grane
— Borste, Stachel? oder zu r.rant (». d.], knirschend)
grappeln (gräppig, grappig) (hs2; zening.
Voc. pp 4) - zappeln, Palpttatio (cordis). —
gräppig (grappig) = einer, der grappelt, nicht
gut geht, noch zappelt, sich erst erholt, Rekon-
valescent, der wieder zu Kräften kommt.
Gras, m. — Gras St u
Grassein (Grass) = (Steiermark) Roseola (Ma-
sern, Scharlach), wegen der Hautlöte verglichen
mit dem wilden Rot-(Blut-) Hänfling ( = Grassl,
Grasl) (Schmoller I, loi«. 1009. 1010; Fossel 139).
grassieren = häufiges und starkes Auftreten
von Krankheiten (l»t. grassari, zum Streite geben,
weit und breit morden, Du fange II, 607; 1617 gras-
sleren, Kluge», 144).
Grat, m. Gräte, f., pl. Graet, n. (Grithe)
(zu Wurzel gra — splu, borstig sein, Kluge», 144; mhd.
grat = Rückgrat, Ahrcngrane ; 1 182 grat, vinhgrat —
ass« - Jossa), D. 5.'- ; 1198 grat -= Halswirbel, tir. W. VII,
SM; 1907 graet, grat — ossiculum [Glttc '], 1). 102, 1528
grot = Rückgrat, H. v. Gersd. ; 17. Jahrh. gralh = Ruek-
grat; graet, n. - ITerderuckgrat, R. A. 85; 1718 graetc
= spinn naris, K a. 87).
Gräte, Grat, 1. — die Spitzen der Rücken -
und Halswirbel — Rückgrat (Processus spinosi).
— 8. ss die borstigen Haare am schrundigen
Pfurdefuss (Rattenschwanz) — 3. = Nasen-
rücken. — 4. = Rückgrat und Rückenwirbel-
dornfortsatz. — 5. = a) die Raspe am Sprung-
gelenke und b) die Knochenleiste an der Ge-
siebtsfläebe des grossen vorderen Kieferbeins
beim Pferde (Falke I, 34«). — Zfrusf-Grat, m., n.
(bei Tieren) - Spina pectoris (Ur. w. II, 449; erst
seit Goethe „dos" Bmstgrat, Gr. W. VIII, IMS). —
(1593) gedruckter Grat ~ gequetschter, fratter
Halsteil beim Pferde (seb. 149). — HaU-
Grat — Halsteil des Rückgrates beim Ochsen
(v. M. I, 67). — Kinn - Öraete — linienförmig
, starrer Vorsprung in der Mitte des oberen
Randes der Kinnlade bei Pferden (Falk« Ii, 12).
— AfeM-Grat - Aphthen, Soor, Mehlhund
(Sebmeller I, 1038. 1507; = Mehlgrand, Sandfoss.
— Riick- (Rucken-, Ruck )Qr&t, Ul., n. (= Über-
setzung der tat. «ptna dorsalls) ss der knoebenstar-
rende, fettarme Rückenteil an dem die Dorn-
fortsätze wie eine Kette (ebaine ss »atena; eagne,
chagne, cagnon, Briss. 3t) an einander gereiht sind
und wie die Spina des antiken Zirkus (Khlup.
161) hervorragen ; (14. Jahrh. ruggrat ss «pina dorti,
Voc. opt. W. 12, 1429 niggengrat; 1482 nick- [rucken-]
grat — nucha, Zening. Voc. bb 4, bb 6; 149S ruekgrat,
Gr. W. VIII, IMS; 1599 niggeugrad ; 1616 ruckengrat,
l'aracel». , Bcynou 239 ; ndl. ruggegniat) = Wirbelsäule
als Kollektiv der Wirbel (grat). — (1677) erkäl-
teter Ruckgrat -Rheuma der Ruckenniuskeln,
Lumbago (Tabwn.). - Rück- Grats- Krampf,
-Schmtri, - Wirten. — Grat- (Gräten-) Ecke,
■Rilcken, -RUrklcin.
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200 Grätsche— Groif
Grätsche (Grotsche), f. = Hand (Schindler l, I
1017), su: grätschig, gespreizt (vergl. Grattel).
Grattel, f. = (i55i) Panaritium der Hohlhand ,
(^das Mittel, s. d.) (Bock, KegUtcr), wobei die
Finger der Hand graitteln (d. Ii. gespreizt
gehalten werden), die graitelnden Beine also
b Graitel. — Grattier = die Gangart mit ge-
spreizten Beinen (Buck 12). — <ir.94) 7>v;>i-Gratt"'
einer, der eine falsche Beinstellung hat,
Pes varus od. valgus (Gr. W. I, 138«). — Mocheles-
Grattc/ (Birlinger, Sitten II, 232) - der Zwischen-
raum zwischen den Beinen, wo der kinder-
bringende Mochele (s. d.) die Kinder heimlich
verborgen halt (heimlicher Ort).
grau (grab) (vnrgerm KhrdghWO- [ ], ahd. griio;
mild gm. Kluge5, 1«), 1. = die Farbe (s. d.)
zwischen weiss und schwarz. — 2. - traurig,
langweilig, öde. — Grauer (In preuss. liespr.,
Frisetab. SS) = einer, der grau ist, z. B. ein
stechender Wurm (Schlange) oder ein Fieber
bringender elbischer Dämon (Schwartz 883). —
Gräue, f. (u. Jahrh. BTeuwin) = Canities, das
Grattwerden der Haare (Voc. opt. W 40; Bayern:
Kral. — Krau); grau ist die Farbe der Krankheits-
diimonen (Würmer), welche da« Fieber bringen
flS. d. V. f. V.-K IS»'., s. 30) (a. o.). — -t Kranen
= anfangen, an den Haaren grau zu werden
(Vicrordt 64). — grau(<*r, e, es) -Alter, -Blume,
-Elend, -Kopf, -Staar, Stein, - Wurm.
Graupe(n), f. = (Hagelkorn, Elsgraupe; U. Jahrb.
ein wahrscheinlich im Slavischen beheimatetes Wort,
KluBe »" 1«, das = Genie tat). — (1616) Grütt-
Grauprn - das Gerstenkorn an den Augen-
lidern, das wie ein Grütz- (Gries-) Korn her-
vorragt (Chalacion) (Gr. w. iv, l 1187).
grausen grauwen - ekeln, Abscheu
haben vor dem Essen, Nausea (D. 376; Coler,
IL A. 1S2). — Grausig, n. = Gespenst (Alpbg. 132).
Greb s. Heb.
Greben s. Grieben.
Greck (Grieck, Groicken, Greucken) (1200
griekeh — llppus, vom Schleim in den Augenwinkeln
,üc> "<int diu oiigcn grlckcch", Pfeiffer 6r>, 1IS2 greek
in den Augen ~ pituita, morblM galltnarum = Zypff
l = Influenza, Gripp«], Zolling. Voc. m7 ; LV32 gregk =
lippa, Bchmellcr I, 993, croudum) --- die eingetrock-
neten Scbmeerkrüstchen der Meibom'sehen
Drüsen (s. Schlaf) in den Augenwinkeln; aus
krachen (s. d.) od kracken (wie die gerösteten
Fettgraupen) umlautend gebildet; ebenso:
gregget - verkrüppelt (wie dürres, krachendes
Astwerk (Wolf I.V.;. — Gregge, m. (Karnthen),
Gregger, m. (Tirol), Greckele, n. (Tirol), Grick
sei (Walz) - ein kleines, unansehnliches, ver-
krüppeltes, verwachsenes, elendes Kind (Gr.
W. V, 1928. 1929; Hintner 5. 10; Wolf IV.), (vergl.
(iriebe, Griebs).
Gredel s. Griti.
Greif, in. greifen, Griff, m. ßndogenn. gfarib;
geni.-germ. grelpan ; Kenn, gnpo, ahd. grifan, grilo,
griffe-; mbd. grifeu, Urtfl IV, 319! — Greif (uripo)
= der Vogel Greif, der Krgreifer, ein fabelhafter
Geier- Vogel, heraldisch darges teilt mit Adler-
Oberkörperu. Eöwen-Hinterkorper.den Löwen- I
greinen— Greis.
Schweif durchgesteckt zwischen dun 2 Greif«
fQsBen, mit denen er Menschen u. Tiere ergreift
und entführt (Kluge*. 14-4. „Aqulliculus =• daemou.
<iui in similitndlne aquilac apparei", Du Gange I). —
greifen ■ mit den Fingerspitzen oder Krallen
lassen, tasten, fühlen (1530; Besolt). — Greifing
— der mit den Krallen grabende Dachs (Brehm II, 14*>).
— Greifung (ndd. ; In. Jahrh. gryppynK, griplng,
griffung) = Haptus, geistige Verzückung (D. 4s.j;
durch den sein Opfer ergreifenden Geist oder Dämon ;
engl, griping — kneipender Leibschmerz, dry grypes =
trocken« Kolik. Bleikolik, Blcldarmgicht. Kaltschm ;
ndl. 147:. grypende ■ ravus [Raptus, rabies], D. 486).
— (H. Jahrh.) Griff, l. = die Stelle, wo Fettan-
häufnng oder Milzvergrosserting durch Greifen
konstatiert wird (8chm. I, 1755; Fries 112- „herdte
de» niili am griff"). — 2. = (17. Jahrh. griff. Kr. Kr. B 64)
Tactus, Taslung, Empfindung. — Angriff, 1. ■
Milzbrand, Rauschbrand, vermutlich ist der Vogel
Greif (ahd. grif, grUb, (iraff IV, 319; 1227 griffi, griphu»
— aquilae celeriter convolantes, Du Gange IV, 112)
genieint. der als Furie (s. d.) rauschend vom Himmel
herabfallt und anfnllweise dvu Milzbrand als Viehseuche
erzeugt, wie die Gottesgcwalt den Menschen mit !'<>■
dogra „begreift" (Hayerland 1892, 8. 479) und wie der
Lindwurm die menschliche Test erzeugen sollte
(s. Lind- und Höllenwurm, Drache); dun:
gripper (s. Grippe); (manu agripare carnem nu
ungulbus arripere. Du l ange 1,237 ff. ; Miiller, Wissenseh.
d. spr. n, 2.W). — 2. ■ (1748) Angriff - Insultue
febrilis, Krankheits-Anfall überhaupt (Maschenb.
325), namentlich direkte oder indirekte An-
steckung mit Krank heitstoffen; (bei Psracebroi
• Med el Ir Centr Bl 1896 B IW] daher «ypliilit
Infektion. — 3. = in den Lege* Ijingobard. Ist An-
griff: Anogriph, Anagrlp, Augrlp, Angrelff a) = der
Angriff auf die geschlechtliche Frauen-Ehre
und b) - Secretum mulieris (Du lange I, 237 ff.)
— (16-15) Begreifung (obere) = Vergicht, Raptus,
Kpilepsia, als ob der davon Befallene von
einem Dtlmon oben beim Kopfe gopackt und
niedergeworfen würde (D. 484; (der, Test 297;
u. a. 54] — - greifen - mit dem Geiste, Ver-
stände etwas von allen Seiten fühlen, groifen,
verstehen, erfassen. — (1692) AacAf-Grlff-
der Angrill eines Nachtgeiates 's. nachfolg.)
(Wirsung, Arzu, Much 31. 33; Gr. D. M. II, 1116), diese
Krankheit wird durch Messen vi.lksmedizlniscb (Schind-
ler 180) behandelt, d. h. durch eine genau abgemessene
opf, rg«l.e wird der gefurchtste Dämon beschwichtigt.
— Tuten mann Griff (uorw. doedmands greb, Llebr.
z. Volkk. Sl» Totenknitf («. d.) plötzlicher,
lahmender Schmerz, durch Jen Grill' eines Dä-
mons oder Geistes aus dem Totenreiche veran-
lasst angenommen (vergl. Geist-Kneifen) (Heiser
S46). — Greif-, -griffigtes) Fleisch, -Fuss, - Klaue.
greinen [VOrgOim. ghrl; germ. grt; angln, gninlan
«rltiseii ; uhd. grinau; mbd. grjueti — den Mund
verziehen, grinuen - knirschen, Kluge5, 144; engl,
grr-nn sa iuhzen, *t..hnen, to grin). — Greinung —
Gannitio, Zahnung, ZUhnetletschen (D. 257).
Greis, m = >ler grau behaarte Mann (Griese),
Mann in hohem Alter. — Greisen -. 1 "<■>■.
Bogen, -Fieber, -Krankheit, -Hin,), -Steifigkeit,
— Warze
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i
greislet— Grien».
Griedl-Grille(n).
•201
greislet = greuslich, grieslich, kornig = iler
sedinientierende, trübe Urin.
Grell s. Grfttl.
grelzen b. grölzen.
Grenze, f. (18. Jahrb. pnli, r. im deutschen
Ordenslande aus poln.-ru-». graniea aufgekommen,
Kl DK*1 \ 14ö = Mark). — Ars '.-Grenze !Anf. <i. XV.
Jahh. grenlcz Tor dem ars = podicu«, pars cull ante
foramen, P. 443) = Arachkrinne, Arscbkerbe.
Greps s. Griebs.
Gretl ■ Margaretha. — Gretcheu in der
Küche, eine noch ungeborene Tochtor analog
zum Hftnnschen (8. d. u. Kflche) im Keller.
(Näheres darüber in Wackernagei. Abhdlngn. m, 137).
Greube s. Griebe.
Greucken a. Greek.
Grldl (Gridel) «. Gratl.
Grlebe(n), (Greube, Grubi, Griube) [abd.
griobo, grlebo, grlubo, griupo, GrafflV, 310 — crcmlum
— ausgelassener [gerösteterl Fettwiirfel, Kluge*, 121;
engl greaves; grulbc, greub, grewben, gliche, gribc,
griben, gryben, grebe, grile, griffe, greifen, griefen BtQ ,
I». l '< b, dasselt* wie Grcck [«. o.y^das eingetrock-
nete Sekret der Meiboiu'achen Drüsen (den
Kettgraupen ähnlich; Krücke); der hat Gre-
ben, Groelwn, Grüben, Grieben geleckt («. d.)
oder hat die Grieben beim Schlachter geholt
= er hat fettgraupenähnliche Herpes- Bläschon
im Geeichte (Rosenb. 28 t).
Griebel s. Kribbe), Kriebel.
Griebs, f. m. (Grips, f. Gröba) (mim. grobiz,
grublz = Kerngehäuse im Obst, der harte Mittelpunkt
d.s obste» [Blitzen] , damit ist verglichen) : 1. = Kehl-
kopf, Poraum Adaini (Klage 145). als harter
Luftröhrenknoten im weichen II altoteil: „bei
der Griebs packen" (im lsarthal werden (Jratulauden
„gekraxelt" [«, d.] am Namenstag — ,,1m I der Grieths
packen" [Bayern, Tirol, Mahren, Schweiz). Gr. YV. II,
JW; V. 2329). verallgemeinert: 2. - Hals und
Kehle überhaupt (Sehmeiler I, 1007 [Mittelrhein],
lt>0 larynx, Stieler, Heyne 1254). — 3. — (17A8 kryps, !.,
Rubemann 37, anleimend au Pieps) — Influenza
(= Grippe), wie der Zipf, Greck, I'liiF« etc.
(■. d. ; a. die Grippe, Kripps und Kroup). —
Adams- Griebs (Gröba) — l'otuum Adarni, „weil
dem Adam der Griebs des von der Eva dar-
gereichten Apfels in der Kehle stecken ge-
blieben sein soll", s. Adamshissen u Adams-
apfel (Volksetymologie ; Gr. W. I, 176 ; [Hessen] Adam*-
Grups; [Kaaael] Adanu-Gruwc» ; [Leipzig] Adams Greps,
Kluge *, i) (vergl. oben 1).
griechisch. — griechisch (e, er) Awtmtz,
flechten, Liebe, Seuche.
Grieck s. Greck u. Krücke
Griggel b. Krücke.
Grien s. rinnen.
GrieSS (GrtitX, Gries) (Kerm. grüt Korn. angl*.
greot = Sand, altnord. grjöt — Gestein; ahd. gruzzl,
Saud, Kies, inhd. griuxe, grinUe, grti/, griez -
-«aodkorn, Sand, Kies, Kluge5, 14">. 117. |.\7« das Gries«.
Theopbr. Bod. , MM grutzeu an sewen - liruscnbeulen
bei Sehweinen, glandnla, I>. 26-1; lüOV das Gries« =
Nierenstein. ,,elne (iebtirt der Vonu*" i'), Guar 1146;
1620 das Griess. Dr. Minderer; 1615 grle« = griesniehl-
artiger Soorpllz, Grand, Oldlnm, 8cbwammchen, Coler,
II. A. 130, 1744 (iries — dolor nephrlücus [nephralgla].
Zw. 744 ; 1756 das Gries - Nierenstein. A. v. H. I, 113;
j das Gries» = Blasen- oder Nierenstein, Wallb. 406; Gries
- Harnsand, Huck 18), l. = der reissende Schmerz
bei Nieren- und Blasensleinleiden , Lithiasis,
Nephrolithiaais, la gravelle. — 2. = jede Urin-
beschwerde wird (Oberbayern) als - „an Sand und
Griess leiden" angenommen (DyBuria). — 3. =
das sandige Harn- oder Gallen-Sediment selbst
(chellus 11, 221). — 4. = die weisse Bräune = Soor-
pilz der Mundhöhle, welcher weissen, gries-
kornähnltchen, mehligen Beleg (s. Semmel u.
Grand), Schwärnmchen macht. — grieslicht
(griesig) (12*0 griexich. griozeloht, groutelobt) - san-
dig, sedimentierend (Pfeiffer 22. 23. cc). — Blaaen-
Gries = der nach dem Entleeren des Harns aus
der Blase in diesem entstehende sandige Nieder-
schlag (uach Hippokrates Lehre , Fuchs II , 261). —
Gallen Griess '-in feinkörniges Sedimeut wie
eingedickte Galle in der Gallenblase (Elchhorst)
- Barn Griess b Harnstein , körniger Harn-
sand (Alcola Paracelsi, Sabultim urinae (Heyne
1247 ; Kraus. K. 43 ; Kalke I, 309). — (1756) H.<u<- Griess
- Hautgrütze (Milium), Bildung von griesskorn-
ähnlichen Talgdrüsen-Knötchen in der Haut,
die beim Hinübertasten eich etwas hiirtlich an-
fühlt, wie Griesel (Horripilatio) bei der Gänse-
haut und beim Frostochauder (A. v H. i, 74a). —
Len>l ■••Griess = Colica nephritica, Nephritis
acuta (Zw. 744); die Nieren liegen in beiden Len-
deneeiten (Lendenstein) (Gr. W. Vi, 743). — UMsj
AVcrrn-Griess sb Lenden-Grieae, Niereneand,
der sich namentlich bei der Gichtnicro , also
schon vor der Entleerung des Harns, im Leibe
körnig niederschlägt (Or. w. VII, 833; Heyne 1247;
Fuchs; Hipp. II, 2611. — roter Griess — körniger
Harnsäure-Niederschlag im Urin, Sedimentum
lateritium, heute noch als ein Zeichen der über-
wundenen Krankheitsmaterie betrachtet (Leuba-
.Salkowsky, die Lehre vom Harn S. 413). — (1766) Sand-
Griess — „Niereuscbmerz von dem erdichten
(s. lehmig und Erde) Sand in den Nieren,
welcher sich durch den sandigen Harn zeigt"
(engl gravel- Nierensand, A. v. H. I, 1063) (Nieren-
Griess) — ä'frtn-GrieBB, L = der in Griesform
gebildete Harnstein. — 2. = Nephritis calculosa
= der Nierenstein-Schmerz (Colica nephritica)
(A. v. H. I, 1063). — weisser Griess — eiu durch
harnsaure Salze weisslich undurchsichtiger Urin
nicht zu verwechseln mit der Chyluria— milch-
iger, fetthaltiger Urin, infolge von Filaria san-
guinis, die äusserst selten in Deutochland beob-
achtet wurde. — Griess Gallen, Gerinn,- Harnen,
•Kolik, -Schmerz, -Stein.
Griedl, GrieU, Grieggel s. Gratl.
Griff, m. Griffel, m. s. greifen. — Griffel-
Hein.
Grill = Grittl, s. Grtttl.
Grille: n: f., pl. (angel«. gryllan kuirM-ben,
Kluge*, 145. 11»;, grell tonen; ahd. grillo, tSU j mhil.
u-rille Heimeben [s. d.). niebl aus demlat. gr. Yp'i.Wov
= Heuschrecke, Kluge * 11"., MtnOem zu „grell" «regefj
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Grimasse— Grimm(e).
Orinn— Grint.
ihres Tone», Heyne 1248 . — er sieht ans wie eine
Grille ■ er ist dflrr, mager (Z. f. ö. V. K. 1896. 331),
wie ein Heimchen (e. d). — grillisieren
(latinisierend im 16. Jahrb. gebildet , Kluge*, n.Vi.i
= Grillen im Kopfe haben - (drollige) Einfalle
haben (= Schrullen, s. Alp VI, Made, Sekten
und Raupt- 1 (avolr des grillon» [=le ver coquln
s Alp] dang la tete, Bris«. 26«; dan. «rille; hell,
gril ; sehwed. grill — Schrulle, Laune, Pierer 7 ; schon
1220 all musca in cerebro aufgeführt. Wustmann
ISU ; 1517, l'.UOgryln im kopphe ~ atra Ullis, 1). 57; s. mania
— melanchnlia: li.isluxus locustalisParacdsi[s. WUfU*
stichigl, Pr II, 76) = melancholisches Irresein, als
ob man Wurmmaden \ß. Alp, Elben, Heimchen)
im Gehirne hätte wie ein tölpelhirniges Schaf,
das den Drehwurm hat. — Fieber- Grillen =
die subjektive Gehörempfindung dea Grillenge-
zirpes im Ohre, das bei Blutwallungen, Fieber
z. B., manchmal stark sich bemerkbar macht
[tir. w. m, 1621). — Grillen /Ww^fn.
Grima8S6, f. (1739 grimace, f. — wunderliche Miene,
Heyne 1219 ; aus dem Franzosischen entlehntj - Fratze
(b. d. u. schneiden).
Grimm(e), (grimmen, Grimmen, m., n.
Grimben, pl ) [tudogaiiu. WA gma — knirschen ,
vorgerm. ghromo; Roth, grimtna = graui, unmu-
tig, wild, Kluge*. 1«; ahd. grimml. ehrlminan;
mhd. gnimme = wütender Schmer«, Lexer HO . inhd
grimme; 14. Jahrh. griui, krlmme — passlo ili[a]ca,
Voc, opt. W. 41; 15. Jahrh. grymmen = ehrlarc, sevire,
I>. 157; 1440 grimmung = tortis (t"rmen intesttnorum]
D. 589; 1482 grymen - pfet/.en , kneipen (Im Leib],
Schindler 1,997; 1521 grym, f., 1587 grymmen - tormina,
1). 588; 16. Jahrh. das grimmen — Bauchweh, Luther;
11509 der '.rimtnen = der Krampf, (Juar. 121; 1(120
die (trimmen, plur. = colica. Meyer 526; Pr. Min-
derer ISt. MO; 17'rf> das «irimmeti — inliea, tormina,
• lyseuteria etc.. A. v. H. 1, 1289; 'irimmeu = Kolik,
Pauli 68) = kriminen (s. d.) = der heftige, wilde,
rcissende, krampfhafte, kneifend packende
Schmerz; a) in den Gedärmen (Colica, s. Kolik)
bei verschiedenen Krankheiten, namentlich
im Grimmdarm (Colon), der davon seinen 'und.)
Namen hat, wie die Kolik von der l'assio colica
(Ilyrtl, K. Vi. 65); b) in der Gebärmutter (Dysmen-
norrhoea colica, einfacher bloss „Bftnuutter"
genannt i> d.); c) in den Gliedern (Gicht, vgl.
krimmen). Grimmen -Kraut = Scneelo vulgaris
(Jessen 371), da» beim AKinann (s.d.) gebrauchte Greta«
(Kreuz-) Kraut-, auch Iieutarlo hull.lfcra — Scharnikel
(oder Bruehschuelderkraut) = Grimmwurz, Holl. 243). —
Grimmung^Torturaiiiteslinortim, der Zustand
beim Grimmen (D. 690). — Barn /»-Grimmen d^i
= colica, tlr. W. I, 1167 ; 1725 — colica, Thes. san.
lir. 7(H>), wie Darmgrimmen. — /tfur-Grimmen
= jeiie Kolik beim Vieh, deren Ursache das
Volk nicht kennt, bei dem es aber eine lUnt-
lasse vornimmt ; (der Namen beherrscht hiebet die
Therapie). — Darm - Grimmen Darmkolik,
Darmvergicht, besonders daB heftige, windende
Iyeibschneiden im Grimmdarm — Strophus Gii-
leni (Kraus, E. looO; <:r. \v. IT, 781). — färrh grim-
mig (mhd. verehgrlmme, Lexer 317) = bis ans Leben
wütender Schmerz (b. Furch). — (1687) Frauen-
Grimmen Colica uterina (ueorg. 43511, heftiges
Matterweh, Muttergrimmen. — (1590) FustQrim-
men (podagram [- Podagra], anlehnend an gram in
(Krampf] = Fussgicht als heftiger Schmerz («ir. w.
iv, 1. 1028). — (1744) Gallat-Qrimmen = Colica
biliosa (GallenBteinkolik) (Zw. 640). — (1744) Gicht-
Grimmen = krampfhafter, heftiger Gicht-
1 schmerz (Zw. 115). — (i502) Än7>- Grimmen (das
gTlmmen Im leib oder bermutter — colica, Würzburger
Apotb.-Ordnung, 1>. 589. .90; 1615 grimm Im leib e
tortura, tormen, D. 590) ~ heftiger Leibschmerz in
Krampfform. — <17. Jahrh.) Lenden - Grimmen
= Lendengriee, Nierenkolik, Lumbago (Kr. Kr.
B. 401). — (1756) Mutter Grimmen = Tormina
hj-Bterica s. Colica uterina (Uterinkolik) (A. v.
H. I, 451. 806. 1289; (ir. W. VI, 2817). — (1744)
Xieren - Grimmen = Nierensteinkolik , Colica
nephritica (Zw. Ulf. — die obere Grimme (<ir. D.
M. II. 1111) — das Bauchgrimmen zum Unterschiede
von dem unteren Muttergrimmen. — (1744) Winr/-
Grimmen= Windkolik, Colica flatulenta(Zw. 11.'.).
— (mhd.) icMot-grimme = wutgrimmig (Lcxer Uft).
— grimmige(r) (grimme r , Grimmen-, Grim-
mer )Bauch, Darm, -Hitz, -Hunger, -Krimme,
•Mutter, -Siechtag, - Tod.
Grinn b. rinnen (Gerinn).
Grint, m. Grinden, pl. Grinder, pL Grind,
(SrÜlt? l'ngarn); vorgerm. ghrendh; angls. grindau
= mahlen ; ahd. grint = Impetigo, pustula, alopecia:
,,pllos in alhutn mutatos colorem ut grint facit",
tiraff IV, SM; crint = Grind (glabrio], Wackcrnagel;
11. Jahrh. grint — alopecia, glabrio, II. Z. III, 36*
-alopecia. H. Z. III, Prager Handsehr.; 12. Jahrh.
griut = alopecia, H. Z. XV, 33; VI, «1 = glabra,
H. Z. XV. 363, Anm. 1769) = calvus; 12. Jahrb.
Urintwurz [Physica St. Hildegardis) ; 12. Jahrh. grlnd
~ Impetigo, Scabies, Pfeiffer 19. 65; mhd. grint —
Kopf , Wackernagel 117 ; 14. Jahrh. grint — rasta
[= rautaj, Baude, D. 485; 15. Jahrh. gryndt, grint,
alopecia, scabera, Schmcllei II, 40ti; I». 637; 1475 grynt
— porrlgo [morbus porcorum], D. 448; 1482 gryndt,
grind — glaber [Kahlheit], seubies. Pruritus, prurigo —
ardor carnls, I>. 469 ; Zenlug. Voc. ni7 = ccrua[ = favus],
Zcning. Vor. m8; tinea [Wurm], D. 25; rawte .Baude,
Kankkorn], D.448; morphaea [ Aussatz], Schübe, Zcnlng.
\ ... 11 :: 1 .21 grund . scabl« 1, II. US; Dag« *, ttf;
1540 grind frelssum [s. Fralsam] ; 1615 grlnden, pl.,
Coler, H. A. 84; 1756 ürind = Scabies, A. v. H. I, 1207;
1775 grlnd - fralssam [s. d.]. Kluge4, 145, 1776 r.ründ
— tinea — taeiiln [Wurm], Behrend 5; 1783 Clrind
ausgetrocknete ..Binde", Ptatner I, 330, Schorf; 1797
grund, J. P. Frank V, 127; l&i'J (irlud = Borke, Kruste,
Behrend 19. porrigo, dessen Krusten einen widerlichen
Porry [Allium l'orrum]-(;erucb geben. Behrend 45; nnd.
grund — Grint [oldbg.]; Cioldschm. 134; confer. lutu-
mella ■ g0ach*fOUener<lriti(l, I». 30«'.; grynt, grind — livor,
acor, acora [ = achorlon], U. 334. 636). — Grind, 1. —
jeder borkige Ausschlag mit Bildung grantähn-
licher, feinkorniger Krusten ( = jrumc , ccorce ,
Binde, Briss 221: u. zwar fast ausschliesslich auf
dem behaarten Kopfe (namentlich der
Kinder) da, wo das Haar getlochten wird und
die Haarflechten sich befinden, Porrigo favos
infolge von Achorion (Schonlein; 1839) <Grint-
llechte, s. Hnchten): diese Bezeichnung war schon
in gwmanlBCh«M Seiten ublli h, da die <>cnnanen sehr
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Grint.
Grint
2o:i
viel auf I ... hielten und großen Werl uul die*«
legten. Nach Pe Cock 9. 10 wiir Im 10. Jahrh In einer
flandrischen Stadt eine eigene Frau (OrindthuMerln,
». d.) ange*tellt an den Schulen, um die Schulkinder
von ihrem Schorfhaupte, d. h. von ihrer grintigen
SchürfUgkeit nnd Kopfläusen zu befreien. „Zitterach"
ist auf der übrigen Haut, „Kaude" ist noch
allgemeiner, „Grint" geht fast nur vom Kopfe
aus als Hautausschlag (=Kopfraude) und ist
ohne allgemeine Symptome. — 2.=
da als Grind fast ausschliesslich und ursprüng-
lich wohl nur der Kopf- oder Kopfflechten-
Ausschlag (infolge von Pilsbildung daselbst,
Acor, Achorion) bezeichnet wurde, so galt
Grint — Kopf, Schädel (aber nur in deshalb
l>ejfriindetem , verächtlichem Sinne als Driudkopf.
Sehmelier I, 1003; Zingerle HS, Kluge*, HS. In dem
cimbrljichen Wörterbuch« 12(1 - S 1 1 r n c. Nach Wacker-
nagel Ist Griut eret mhd. = Kopf; der ahd. Griutau«
»chlag wäre also da« altere, C. v. Schm. -.'43; Huck 12;
1482 gryndtlclu — glabella, Zenlng Voc. m 7 = 8 1 1 rn e ,
Kluge HS »teilt grint zu fron» urverwandt?). — 3. —
die Kolgen des G rintausch lages;
diese sind: a) Kahlheit, Haarverlust, Schäbig-
keit, die manchmal der Genesung folgen
(Trichophyton tonsurans; Porrioo decalvans) ;
b) Jucken, das mit dem Ausschlage der Haut
(Favus) verbunden ist (Schärfe); c) die kleien-
artige Abschuppung; d) der unvermeidliche
Parasit, die Kopf-Laus (s. Grindlaus). —
4. = der Wundenschorf, die Kinde der Haut-
wunde (8chw. 265). — 5. = Borken bildende Räude,
Milzbrandpusteln und Wundenschorf auf der
Haut, namentlich am Kopfe beim Vieh (Müller,
Krtrbch. 39; Falke 1, 319; Herlwt HS). — 6. - Aussatz
(auf d. Kopfe, Lepra, Morfea); auch andere Haut-
kiankheiten (Lupus, Psora, Herpes, Scabies). —
Der Grint schlagt sich u. a. wie der Welchselzopf
(«. d.), nach Volksmelnung auf die Lungen, wenn er
t. B. ein «krophuloser Hautausschlag ist , du* i«t Aber
nur eine Verallgemeinerung de» Hegriffe» und eine
Volk»erfahning au« Jüngerer Zelt. Auffälliger Welse wird
dertJrlnt fast nur pflanzlich behandelt. Grint-Kniutcr
«Ind die altbekannte Arctlnm lappa, Lappa personata.
lapathom, die zu Ifellung»zwccken larvenartig auf-
gelegt wurde, daher ihr Name, ferner Rumex obtu-
«ifol. ; CheUdonla{ = grintwurz, «irafTI, 1U51!, Fumnria
olflcinalU f — Alpraute, Roll 206). Heyne; II, 12SO] »teilt
i;rind mit Recht In Ablaut und engste Verwandtschaft
zu Granl = Sand, grober Klesaand ; dann wäre (Jrint m
Krustcusaud auf dem Kopfhaarboden. — Grinden,
Grinder, pl. — die Borkenkrusten beim (Jrint,
bei der Kappe, Staupe etc. (Kalke n. :j7.\; Ktfbtef
V. Ol. 350; engl, uppergrinders — die mahlenden, Sand
od. Orint machenden, reil»endcn MnhlziUinc, Knlt«rhm.
I, 722, the grinder» »tone Mahlzahn. I. e. II, 272). —
grintig - grlndicht (II. Jahrb. grlndoehte - atopl-
tiosu», B. z. III, ahd grlntohUr - anircus [yrnrohu>]
= irrugntu», hlreutu* = hantrunzcllg, I>. 52, 310; mhd.
grlnttlngcn. Oerman. XVIII, 261; 14«! gryndlger, gryti-
dechter= »eahrosu*. »cabldu«. lorldu», Impetlglnosu»,
Zening. Voc. ro.7; l». 33«; IV Jabrh. grindecht = in-
turtu«, I). 30«; grinniger = «eahrosu« ; I>. 515; 1515 grin-
dig = morpheatlcii», I». 3fis ; |.r>21 gnitidig - *cnbidii\
I». 5is) = mit Grint (1— *',) behaftet (Schmeller l.
lütM ; <;ebr.ZingertelI, 198). — grinten tmhd.Krinden,
I l.exer U) = grintig werden. — (1551) allerhand
Grint (Hock 42; man hatte also schon damals die
KopfuussehlAge zu differenzieren begonnen). — Al(p)-
Grind = das mit dem Alpzopfe behaftete Alpkind
(s. d.),ein verwachsener Kretin mit dickem Kopf,
Wechselbalg (Aargnu ; Z f. d l'hllol. III, 336) — (1839)
.4ifce«/-Grint = Tineaatuiantacea, „ein Ekzema,
dessen Sekret längs der Haare hinabfliesst und
um jedes einzelne Haar an seinem Wurzelendc
eine Art von Hülse bildet ähnlich einem Asbest-
fuden" (»ehrend) — (16. Jahrh ) aussätziger Grint
fl.uther; <.r.W. I,yi4i = Lepra, Aussatzkrankheit. —
Barm- \ Grint B> Börn8«-int- — Bart-Qrint
Bartfinne. — (17. Jahrh.) beissendtr Grint -
beissender juckender Hautausschlag (Fr. Kr.
B. 199). — (1839) ß/o«< ."-Grint. 1 = Rupia, Schmutz-
borke, Schmutzblase, ein Hautausschlag, der
sich aus einer Blasenform zuerst ausbildet
(Bahrend 28). — 2. ~ Ecthyma (die Phlyzacia der
älteren Autoren, Phlyctides, Agrin, Scabies fera,
Furunculi atonici etc.1 (Hehrend 48). — 3. = s. Bla-
senkratze. — Blut-Orbit^ mit blutigen Krusten
bedeckter Grintkopf (Fanli in). — ßdm-Grint
Xauenburg; bomgrind, Wuttko 316) ^ Kinder-Grint
lahd.bam = flliu». * bar; bernegrund, hernegrind, barm-
grund , Frtsehb. 35 ; in prcuM. Besprech. , «.Feder).
I — böser Grint = a) (1">07 mit WUrmleiu vermischt,
I H. 8.) (= Favus?); b) eine Geslalt der Malytzy
(Malatia- Lepra) (Hort. San.) (Krebs od. Lupus ?),
meist wohl, namentlich seit dem 17. Jahrh. als
Impetigo contagiosa (Erbgrint), Tinea, Crusta
lactea angesehen, wenn dabei die Hautgeschwür-
ehen „b" »sättiget" und das Leiden hartnäckiger
waren (a.v. h. I, IS; II, 491. lasn. 1287; Ackerm. sio),
deshalb auch sehr gefürchtet als „gar böBer
Grint" (Beynon 62; Heyne 12.51); c) (1460 böaser grlndt
= Syphilis, Fr. I. 35«; 1197 t.-.ser «rlnt au dem leib,
Fuchs I, ::10, 1701 böser grlnd ~- Kaphat um [Sapbatl
Arabum), L. ch. 75; Heben, I.. ch. 15) — ansteckende,
syphilitische IlHutatTektii>n. — i9o//fn-Grint.
l.sErbflrint (Haarwurm) (Rochholz Zeltschr. f. d.
Mythot. IV. 112), der Grint auf dem Hirnbollen
(s. d.) - Hirnschale (Schmeller 1, 232). — 2. = dicker
Kopf, auch BQffel -Grint genannt (a. Benediktiner
Jahr 121; C. v Schm. 84, ! Im) (wie Grint 2). —
(17. Jahrh.) jBrus/-Grint ■ Hautkrankheit an
oiler auf der Brust (der Frau) (Fr. Kr. B. 690t. —
dürrer Grint (1394 ttirre, dürre grint = papula, D. 473;
1482 durrgrint, Zenlug. Voc. f3; Or. W. II, 1715)
= Impetigo, die trockene Borken setzt durch
Verhärtung und Austrocknung des geschwür-
igen, pustulosen Hatitsekretes (harter, trockener
(Jrint). — Eiter- Grint - eiterbildender Aus-
schlag, Impetigo. — Erb- {erblicher) Grint
jeder erbliche, d. h. (in der Volkssprache) an-
steckende, Übertragbare Grint, der sehr ge-
fürchtet war: a) Impetigo contagiosa, Porrigo
favona, Favus-Pilz, Achorion Schoenleini K auf
der Kopfhaut; b) Ekzema capitis der Kinder —
fiiessender Erb-Grint 117. Jahrh; Fr Kr. B. 355);
c) syphilitischer Hautausschlag auf der Kopf-
haut der Kinder (engl, heredltary »call, »curf,
-call; 1.51 der messend Krbgrindt , Hock 139; 1576
I rbgrindl - alopieiu, Tlieuphr. Bod. ; MM Frb-
grind = porrigo, Ür. W. III. 721; 1'arnouUu»; 172'.
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204
Grint.
Grint.
K.rbgrind - tinca, „trockene oder Messende Baude
nl.cn. K»nze Haupt", The». San. Br. 114; 1764 Krbgrind
— Impetigo, Unea capitis, A. v. H. II, 491. 831 j 1761
Erbgrind sa ptora, L. eh. 71 ; 1776 Krbgrlnt — Scabies
capitis lupiua, Kehrend 46 ; 1777 erbgrind acor —
[1839 Acboriou Bchocnleinü], I), 10. 1807 Krbgrind —
aii-teckcnder Grlntauswhlag . Ackerro. MO | 183V ge-
niciuer oder wahrer Krbgrint = porrigo favosa, Hehrend
II; [bl* 1893 hatte man 9 Arten von Kavus-Pilzen ge-
funden]; die Synonym:» [nach Kehrend 44] Cerim,
« crea [Honigwabe, Wach«,, Kavus [Hntilgwabc], Scabies
rapid* [Ilauptraude], Psora capltüi [der Griechen und
Homer], Saphatlm der Araber, Tinea, Tinea favosa et
fleosa [Fclgengriut]. Pityriasis [der mittelalterlichen
Autorin], Krfaehorfde [s Erbschorf]. Douw-worm der
Holländer, Onatx oder Gneis* [s. d.), e. Hotiig-Grint).
— ritt- (rr-)grülten = rändig werden (Schmeiler
i. low). — Fetgen-Onnt = Tinea (syph.), welche
Ähnlichkeit mit der Feigen frucht haben soll,
„«obald die gelbe, harte Rinde de« Borkenaus-
schlagea weggefallen ist, liegt da« (feigen)rote
blutende „Fleisch" (= der Feigenpulpe) bloss,
das den inneren Feigenkörnern gleichsieht"
( v. v. II. I, 66«. 667. 1287). — feuchhr Grint [1888
leuchte (rrynd, II. v. Gemd. 96) = „eine Veiun-
reinigung der Haut mit Gesehwären, Schuppen
und Hurtigkeiten" = (1889) Impetigo (Kehrend 46)
= fiiesaender Grint. - Flechten- [flechtender)
Grint = der Grint. der die Haare deB Menschen
zu Flechten xusammenklebt ( = Flechten, s. d.),
Kkzcmu, Tinea serpiginosa; dieser Grint gab
V eranlassung zu dem Namen „Flechten" als
menschliche Hautkrankheit. — (1699) flietaender j
Grint - Ekzema capitis, missende Hechte, näss-
ender Grint [r. M. II, IM). — fressender Grint =■
eine um eich greifende Borkenkrätze (Ausschlag,
Serpigo diffusa) auf dem Kopfe (Fuchs II, 626). — I
GYi«« Grint- ein aphthöser Borkenausschlag am
Maule von Sauglämmern (Kipp. 64«j (Maulseuche).
— (1744) gemeiner Grint, 1. = Porrigo favosa
(Kehrend 44). — 2. = Ansprang («. d.) (Zw. 4M),
der allgemein sichtbare, bekannte Kopfgrint
(der häufig war. da«« man z K in Holland au den
Schulen besondere , die Kopfhaut der Schüler über-
wachende Krauen Im Mittelalter anstellte, HaescrII. 81U).
— (1797) Gesichtä-OnnA (Grind) — Finea faciei, ,
Ceaichtsausschlag, Eczema, Herpes (J. P. Krank
v, ii'7). — Grow-Grind, 1 - O6-10) Capito, der
ein grosses Haupt hat (Kluge *, 146;. — 2 -
(ll'JO gros« grinht, gross grint — morphea Laxari,
l>. 368) — der grosse Hautlläehen einnehmende
Aussatz, Ijizaruskrankheit. — harter Grint -
dürrer Grinl (s. d.) (17. Jahrb. .; Kr. Kr. B. 106). —
Haupt-Qrint (grint auf dem haupt, 1>. 630) = jeder
abschuppende Kopfausschlag, Achora, l urlures,
Serpedo capitis, Furfuratio, Pityriasis, Porrigo
U>. 630; A. v. n. I, 19; II, 629). - dürrer Haupt-
grint^- trockenes Ekzema capillorum fTabern.).
— fliessender Hauptgrint = nässendes Kkzema
capillorum. — (1688) rufrichter Hauptgrint =
Impetigo, Krusten-Ausschlag auf dem Kopfe
(Tahcra.). — Haut-Qrlnt (11*2 gryndt auff der haut.
Zening. Viic ms, pp8, udd. grlui uff der heut, hude,
hudeu, I> 630) = der die blosse, nicht behaarte
Haut befallende Grint = .Serpedo (Serpigo, Fk-
zema, Zittermal, Zittcrsch). — Honigioaben-
Grint ■- Tinea favosa, Favus Melicerum, weil
nach der Kntfernung der Borkenkruste (Rinde)
die den Honigwaben ähnlichen, geschwungen
Vertiefungen sichtbar werden ; der Favus-Pilz
bildet schwefelgelbe, becher- oder näpfchen-
förmige Krusten, die mit den Honigwaben ver-
glichen wurden = Cerua (Zening. Voc. in 8) (Honig-
fiechte, Wachsgrint), Impetigo (Zss Hdb. d. «p
Path. u Ther. XIV, 233; Rehrend 46). — hilldrigcr
Grind ■ hohler Kopf (verächtlich. Wolf 158). —
/in/ Grind = ein Borken bildendes, räudear-
tiges Strablgeschwür am Pferdehufe (la teigne)
(Kalke I. 418). — Hunds-Qrint (hundsgrint, grint
auf! den hunden — serpedo, I). 630) = Hunds-Übel,
Hundschflppel HundiiUide. — Kahl- Grint -
Rasiergrint. — Äindcr-Grint = der bei Kindern
häufiger bemerkbare Kopfgrint Grinlkopf,
Milch- oder Börn-Grinl). — (1666) Äinn-Gnnt
— Menlagra, Ausschlag im Kinnbarte (Gr w. v,
778), im Gegensatze zum Grint auf der nicht be-
haarten Haut. — ff<Vim- Grint ^ die Haut-Ab-
schuppung, die mit Ausschlagen der Haut des
Kopfes, Bartes etc. verbunden ist (Hautklcie)
(1776 Porrigo; 1889 Pityriasis, Kehrend 6. 66. .7;
Pauli im). - j Grint (zwischen Fell u.
Fleisch (17. Jahrh. ; Kr. Kr. K. 178) = kleine Kratze
od. Kratzlein mit mehr Juckreiz, als man nach
der oberflächlichen Erkrankung d. Haut erwar-
ten sollte (begrinnende WanderuDg der Krätz-
milbe in die tieferen Hautschichten). — Kötcn-
Grint - Mauke (s. d.) an der Pferdeköte (Zipp..i«oj
(Javart). — (1830) Kopf- Grint - Hauptgrint,
Kopfschäbe, Impetigo capitis, Favus, Ekzema,
Pityriasis tabesc. (<ir. W. V. 1774; Bohrend 12; da-
gegen sollte da.« Kopfgrlntkraut • helfen, Wuttke, V.
a. 198.616) — (1*16) gutartiger Kopf-Grint= Favus
(Neumann) {Kehrend n) (s. Grintkopf)- — Waben-
Kopfgrints. Honigwabengrint. — imi) krätziger
Grint (B, s.) ■ krätzeähnlicher Ausschlag am
Kopf. — a6ji)ATtV</ieH(icrGrint(Kock 49) = Lepra
Graecorum (Lupus?). — AViurrn-Grind (tauto-
logisch) = .Schorfausschlag (Kalke 1. 1%). — Mah-
nen Grint = schuppende, lokale Pferderäude
unterm Kamme uer Mähnenhaare (Kalke II, 8«;
Mayer 76). — >iW-Grint , 1. - Teigiuaul (s. d.),
scüorfiger, aphthöser, ekzematöser Ausschlag
am Maule des Saugkalbes, I-ammes und Fohlen
iZipp r.77; Kalke II, 104). — 2. = Mundgrint. —
M<hl Grint, L — Aussatz (s. d.; Alphus, Leuke,
Vitiligo). — 2. = weissgraue Hautkrflstchen bil-
dender Kinderausschlag, StrophuliH (Kuchs 11,
si4). — jUi/f M-Grint, 1. as (1669) der krustige Kopf-
ausschlag der Säuglinge, Crusta lactea, Börn-
grint (Gr. W. VI, 2194; 1776, Kehrend 6; „honigartige
tiesehwure" — Favus der Kinder [I.orry], Hehrend f.;
eroüte laclcuse, Hrlss. 221) (Milch-Rufen). — 2. —
Teigiuaul (Crusta lactea) oder Mundgrint (Falke
II, 116). — Afwnd-Grint, 1 die Lippen-Krusten
beim Herpes labialis (I.auimert 2H3I. — 2. - Skor-
bul(.'escliwüre im Munde. — (1839) nässender
Grint - feuchter, fliessender Grint, nässende
Impetigo, Hechte mitEiterbhlschen, namenlich
am Kopfe (Kehrend 46) = Ekzema capillorum. —
1776 Saget- Grint Tinea nngitim, Onyehounr-
Lufis (plenk, Kehrend selten auftretende Loka'li-
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Grinl
Grippe — grolsen.
2or,
Kation des Favus-I'ilzes auf die Fmgernagel-
gegend. — Pocken- Grind - Kopfgrint (Borke)
Sehafpocken, Pferdepoeken (Falke i. 337; II, 209.
404). — ßanittom-örint [Ü. Jahrh. raininren
griudt = porrlgo [Innrmltas porcorum], U. 448) = der ,
l'uatel-Aussehlag auf dem Kopie der Schweine
beim Rank-Korn (s. d.) (D. 44R; Gr. W. VIII,
106). — Äostrr- Orint- Herpes tonsurans, Tinea
tondens, eine parasitäre Flechte (Trichophy- ,
ton tonsurans), die im Ilaarboden bei Mensch
und Tier kahle, wie ausrasierte Stellen ver-
anlasst (s. scherende Flechte) (nach Huber l»
vermutlich die Mentagra Plinit, die an« Alten durch 1
einen römischen Finanzbeamten nach Kom importiert
wurde, von der aber Sklaven und Frauen verschont
blieben). — roter Orint (1470 rotte grint. rot grinth
- papula, D. 411; roth grund, Oldcuburg ; IMS grint
under den augen so einer rot Ist ; rot under den äugen
an angeslcht = roorfea, D. 368; Zen. Voc. «3, bb3) =
Blattei l< in , Warzen, Aisslein, vermutlich der
Aussatz (Lepra) od. Lupus, im Gegensatze zum
gelben Grint (= Favus); er gilt als bösartig,
schwer heilbar. (Goldachin. 134; oldbg.) — Rufen-
Orint = Impetigo capitis, ein mit Borkenbil-
dung verknüpfter Hautausschlag am Kopf. —
(1551) schäbichür Orint - Kinder-Grintmit Haar-
ausfall (Grint-Schäbigkeit) (Bock 385) (Tricho-
phyton tonsurans, Porrigo decalvans). — (14«2)
scharfer Orint = juckender, beissemler, frischer
Giintausschlag am Kopf, (Scabies, Pruritus,
Prurigo) (Zenlng. Voc. cc. 2, m7) (h. Juckung). —
im'.i, schildförmiger Orint ■ ein Grintausschlag,
l>ei dem die Kavus-PuBleln keine Ringe (wie
beim Ilaarwurm) bilden, sondern Scheiben
oder Schilder in Gruppenform (Behrcnd 46). —
Schlangen- Orint = eine schuppende Ausschlag-
Form (Ichthyosis) (Schwaben ; Bnck 12). — Schleim-
Orint = Impetigo Inrvalis, die eine mehr schlei-
mige Sekretion des Geschwürs -GrundeB hat
(Behrend 47). — Schmutz - Orint = Impetigo
(Rupia), Schmutz- Flechte (s. d ). Synonyma:
Psydraeia, Meliceris (Aetii;, Meliceria (Celsi),
Liehen humidus, Herpes humidus, nässender
Grint, nässende Flechte, feuchtor Grint, Honig-
Flechte (Behrend 46). — ScAuppcn-Orint = Kleien-
Grint in. d.) (Buck 16). — StV»«A-Grint = Pityriasis,
Kleiengrint (Buck 15). — Tonaur-Qxint - siehe
Rasiergrint. — trockener Orint (1414 drucken-,
dracken grint = Impetigo, 1). 2*8; 1482 druckener grlut
= Impetigo, Zcning. Voc. f 3; 1582 truckene gryud,
II. v. (jeradorff; 1781 trockener Grind = lurfurutio,
L. cb. 30) = der dürre Grint (s. d.) im Gegensätze
zum nassen, Iiiessenden, feuchten (irint (Gr. W,
11,1745). - Tüppel- (Dübel-, Dw/e/-)0rint = Kretin
mit einem Bullen-, beulen ( = Tüppel) Kopf (sieh.
Tüppel)(Z. f.d. Pihlol. III, 336). — (16W) venerischer
Esels- Orint (Guar. 11.19/ = syphilitischer Borken-
Ausschlag, den man durch eigene Schuld sich /.u
gezogen hat. — (17. Jahrh.) verwundeter Orint —
Wundschorf (Fr. Kr b. Ts;.;. — voll Orint (rai rel
grund ^ Hcabiosns. D. 511) = grindig. — (1764)
HWu-Orint = Favus, Tinea favosa, „wo der
Kopf oben viele grosse Geschwüre und Locher
hat, dass seine ganze Oberfläche wie ein Honig-
kuchen aussiehl" (A. v. H. II, 491) = Wachs-
rnfen. - Waffeln- ( Waben [- Weefhj Orint , HVi-
bim ■ Kopf grint ) - llonigwabengi int (Buck 15);
diese Honigwaben gleichen in ihrer Kegelmüssig-
keit den gewebten Fadenkreuzen oder auch den
Feldern des Honijr-Wahenkuchens 's. Waffel).
— (1507) weisser Orint = ein weisse Hautschup-
pen bildender Ausschlag (Lepra?) (II. s.), der
von einer „undäuigen" Leber herstammen sollte.
— U'o(/s-Orint- Forrigo lupinosa, Favus, Erb-
grlnt (s. Wildnis). - Q^f.*6^ j Ausschlag,
■ Batten, -Blasen, -Busserin, -Buttel, -Faust,
-Hauptschorf, -Knopf, -Kopf, -Krusten, -Laus,
-Nase, -Hufen, -Schäbigkeit, -Schüppel, - Teufel.
Grippe, f. (au* dem frnu*. Krippe, f.), 1. = (1743)
Inttiieiua und jeder starke Katarrh 1. 2; (,.dlc»e*
Drlppe rieht selb*! wie deutsch nun", Gr. W. V, 2326;
Haeser II, 801; Kopp III, 24; IV, 26«. Vergl. o. Gricb*
■ Influenza; ferner grippen - angreifen [s. d. u. Kluge :>,
III]; angrlppen [agripper); lirippe - die zum Zugreifen
bereite Hand [Düsseldorf], Z. d. V. f. V.K 1892. S. 82;
engl, grlpps - I,elbkticlfeu , I-ebf. 48, 61. grlpinge,
griffunge tactus, I». 571 ; le tac [lactus] Influenza
[*. Tag]; Angriff - eine Seuche, s. greifen). Grippe war
früher fast nur in Frankreich gebräuchlich (Kuhein. 10;
ctre grippo — enrhume. Bris*. 168). Die Polen (. t'hrypkii,
bei Kuhemann 29 Anna.) haben das Wort seihst erst von
den Deutschen. — 2. Grippe = Krnp (■». d.) (Pfalz;
raull 6i). — Grippe -P»ckrn.
Orippen 8. Kippe u. Krippen.
Orips s. (iriebs.
Orif« s. Gries u. Riss,
gristgrammeln s. gramnieln.
Grithe s. Grat.
Oritt (Grittel, Oritteln, Oritten, griten)
s. Gratl u. reiten.
gritzen = schluchzen (lautmalend, wie kluxen,
heischen etc., Singultus i<;r. w. iv. 1 1267).
Oriube s. Griebe.
gT0D = (gerob; angls. hrcof; ahd. riob -= scabiosus,
Kluge*, 145) = rauh, unfein. — grobes) Augen-
irciss, Hände, Leibestcinde, MalUey.
grochsen (grnchzen, grogezen [mhd.], grach-
litzen) Schweiz, Nebenform zu krochen [krachen)j
= mit einem krachenden Tone (bellend ) husten
(Gr. W. V, 2348).
Orodel s. rodeln.
Oroeb(n) s. Reh.
Oröbs s. Griebs.
grobsen - rilCtari Igerenpacn, <lr. \V. V, 17vt).
s. ropsen, Geröpsen.
grölbezen 1609). grölzen (grelzen) (1020)
rülpsen (s. d.) = ruetan; gerUlpten (Guar. 885. 88«;
«Jolcr, R. 91; The», tan. Br MW{ Gr. W. V, 1791; VIII,
H79; Schmeller 1, 991). — H-77 saures OrÖlzen
saures Aufstossen (Beynon in]
Oröme (Qrömmleln) Gromen.
Oroene, n. = s. grün.
Qroicken t. Greck.
grolzen = grölzen (s. o.), rülpsen, ruetari
(«•'chmellcr I, 991) tierolls, S Rolle.
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Gromcn— Grube.
Grube.
Groraen (Gröme, Grömmlein) :u. Juhrh. gn>-
men, Schindler I, UM; UM gromrucn, Hyrtl, K. W. 66,
vom lat, crumcn» -- l.edcrtawhc. l>. 15k), 1. — Hoden-
sack = Grdmensaek (ZerssHckel.Ivuffiansbeutel;.
— 2. = Hoden als Inhalt de« Giömensackes;
(ir.«»7 grambldn = nodennrueh [angMborencr], Si. B.
Mir. 33« gromlctn oder Hoden, Schindler I, IM; 1725
grooimeti — testen. Zw. 6*2; 1-iTT grommen — Hoden,
Beynun). — 3. = (UM) Samendrüsen (Hyrtl, K. Vi. M).
gronen ». grünen.
gropfezen (grophezen) s. ropfezen.
grOSS (Indogertn. ghrud; vorgerni. ghraudo; golh
granta, ahd. gröz; mhd. groz, Kluge*, 146; 1260 gröz
— dick, schwanger, I'feiHer 2-». 05). — Ain<(es-grOSS
[mild, Müdetgroz 1061 gross zum klode) — SO gross
schwanger sein, daases zum Gebaren des Kindes ]
kommt (Gr. Vi. V, 70y) = am Kinde gross gehen
;ur. Vi. L eod.j — gTOBSen (mhd. grözen), 1. =
schwanger werden. — 2. = an Fleisch, Wachs-
tum zunehmen (Leser 85; D. 2>,9). — grosB- ) , er, es)
Grössen- Adern, -Arm, -Augenwinkel, -augiger,
-Bauch, -Bläst, -Blatttrn, • Blatternpest, -Blut-
rohr, -Darm, -Drüsen, -Fantasie, -Finger, -fuss,
•Galanterie, -Gallr, -gehen, -geschwollen, -Gesicht,
-Haarwachs, -Hauptweh, -hörig, -hüftig, -Husten,
-Kehle, Kopf, -Krätze, -Krankluit, -leibig,
-Lungen, -Magen, -Maul, -Maua, -Nagel, -Nerve,
-Pocken, -Flesten, -Rohre, -Rufen, -Schelm,
-Schenkel, -S<hlag, -Schmecker, -Sehne, -Seite,
-Seuchen, -Siechtum, -Spannader, -Sterben, -Stirn,
-Sucht, -Tod, -Übel, - Walin, - Waffeln, ■ Wang,,
-Zäpflein, -Zehe, zersig.
Grotsche s. Grätsche.
Grotzen — Gioeps, Griebs,
grotzen = groppezen, grolbezen (s. d.), ittlp-
sen, ruetari (Schindler I, 10191; (vergl. krötzen).
Grube, f Grttbdl, n. (zu graben i vorgerm. ghrabb ; |
gem.-gcrm. grnli -r 'irnb, goth. gröba. Kluge*, 113,
nbd. gruolm, gntblloli — bohrend Kraben; mhd. gniohe;
gruebden, Kluge*, HC nimmt Knllehnung aus ruli
mtllat.] grupta [Grotte, lirurt] an). — Die autlalligste
Grube (Vertiefung) um mensch!. Körper ist das
Grübe! = die Magen- od. Herzgrube (s. d.) (Gr.
Vi. VI, 2683). — Grüben (Gräben), 1. = (bei den
Deutschen in Südungarn; Kindcrki tit?.« angeblich,
well die Kranken wegen des Juckreizes bohrend in die
Haut graben? [grippen — kratzen], Schmellcr 1, 10U6,
vergl. engl, grub = Wurm, Made, Kngerllng «. Haut-
wurm, OnetHWurtn u. Sürrigrublcr], = Grieben ^s. d.,
als Krustcnkoiner beim Gesichtsausschlage der
Kinder. — 2. = ;icss) Pockennarben der Kinder«
blättern (Beysea M. 214 = lea lomi [des vüroics],
liri**. — grublen — bubienden Schmerz
haben .Bück 19). — grübeln - nach einer Kcke
oiler Tiefe hin mit nein Blicke starren, stieren,
nachsinnen ; vom Pferde, »las den sogen. Lausch-
koller hat. — Grüblein, 1. = die Zahn-
fächer, Alveoli dentium. — 2. — Grübchen. —
3. = die eine Grube aussen unterm Auge
machende Oberkiefer- Fistel : Bolhrion, Ulcus [
cavum in oculo, Botbor d. Araber (D. 77; l. cb. in.
— Grübler s. Stirngrübler. — Grübchen = die
kleinen Vertiefungen der Wangen oder hacken
bei manchen Leuten (Nymphae); (US2 grnWdn
In ein» [1 ] wuebeuden menschen wang — Incumilla
[laeuuula;. D. IM). — .4 chscl - Grube ■ Achsel-
liöhle. — j4rm-Grnbe = die Vertiefung zwischen
der Bru9t un<l den Vorderfüasen des Pferdes
(Zipp. 97,i. — (1515) 4u#en-Grube = Augenhöhle,
Augenring (Orbit») (U. 399; Gr. Vi. I, sob.i.. —
ßacA-CTi-Grübchen s. o. — Zfaitc/i-Grube^Fossa
ventris ;d. 315) = Magengrube. — i&iffern-Grube
= Blattern - Narbe , Pocken - Narbe, die die
stärksten Vertiefungen macht von allen Haut-
krankheiten (<;r. w. ii, 7äj. — Zfr-u«(-Grübe
= die 3eckige Vertiefung in der Mitte der
Vorbrust der Pferde (Falke I, ici). — Dreck
Gmbe (15. Jahrb. dreggrub* ca polypus, foetor naris,
D. 445) = die durch Krankheiten übelriechende
Nasenholde. — (l«T.*>) Hand-Qmbe = Vola manus
(Hyrtl, K. W. 55. 213). — ZZerrGrube (15:10 hertx-
grublc — preeordlum , ü. 452; 1561 herzgniblin ; 158s
herzgrubldn ; 1645 hertzgrübichen = eardia, Ooler, H. A.
80; 1701 Herz-Grube, Gr. Vi. IV, 2. 12 17) = die Magen-
grube (s. d.), Scrobiculus cordis (Hyrtl, aast All.
418), oder das „Grübel" (s. o.), das sich unterm
Brustbein ober dem Nabel in der Regio epiga-
striea befindet (Wuttke 4» .. 523. 575). — Herzgru-
ben Bedrängung, • Drückung. — (1541) Him-
Grube - Hirnkammer Ulyrtl, K. Vi. 84). — Hunger-
Grube- Hungerlücke, Hungerloch, eine 3eckig
vertiefte Grube beim Kinde und Pferde, xu
beiden Seiten der Lenden (Flanken) wo, nament-
lich links, das Fett am raschesten schwindet,
e. B. bei trachtigen Kühen (Frank 117; Falke I,
74. 425), od. bei abgemagerten Pferden. — (15S0)
A'i»d*6ia/rern-Grüblein = Pocken-Narben (Gr. Vi.
vi, 1700). — iiccc) K in n Grüblein = die Vertief-
ung zwischen Unterlippe und Kinn, Nympha
(<ir. W. V, 778; Sehrader 405). — Kurbel -QrnbleVa
= Oberlippen-Grube (s. Kurbe) (Hyrtl, K. Vi. 123).
— LacA-Grüblein -= 7 M&sIvqi, Wangengrübchen,
die sich durch Spannung der (ieeichtsmuskeln
beim Lachen bilden (Kraus. K. 414). — (1677) Lieth
Grüblein ■ die Furche in der Mitte der Ober-
lippe (Hyrtl, K. Vi. ist), die beim Kusse in Be-
ziehung kommt (Nympha). — jtfa^en-Grube ■
die schmale, ebene, aber vertielte Fläche an
der oberen Bauchwandung, die namentlich un-
term Schwerlknorpel zu einer Grube eiueinkt
(Hyrtl. Anat. 411), unrichtig auch — Herzgrube
(Gr. Vi. vi, Hio). — .!/.•.'• Grubchen ■ die Ver-
liefung an der Warze der Brust (oder Milch-
drüse, Euter). — (15. Jahrb.) ;\ aeivn- Grube =
„die flache Grube zwischen den Muskelnwül-
sten der oberen Nackengegend", wo die Fonta-
nelle (s. d.) gesetzt w ird - Fontaneila, coneavitas
retro in oeeipite (Gr. W. VII, 243; D. 242). — Ohr-
GrÜbler ( GrÜbel), 1. = (ahd. orgniblcr; U, Jahrb.
orgribler. orengrubel, oregribel, <;raff I, 15'.»; D. C2. 63s)
^- Ohrtinger, Digitus auriculans IScbmeUer I, 984)
— 2. .ler Ohrwurm (Gr. w. VII, 1255) (s. d.). —
Pocken- Grube (UM) -<grübig) = Pocken-Narbe.
Blattern-Narbe, blatternatepplg [Thee. s. nr. US;
v. M. II, 212; «ir. Vi. vn, 1905) (Gruppen - Blatter-
Narben,,. — R ^rz-Grüblein - das Oberlippen-
Grüblein, wo das Nasen-Sekret Bich anhäuft
(Hyrtl, K. W. 128). — Sr/wwi Grube navi-
cularis (Slcbold 34j in der weiblichen Scham. —
SYim-Grübler die Bremsenlarven, die in den
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Grubi— Grund.
Nasennebenhöhlen od. .Stirngruben bei Schafen
und Ziegen sitzen (s. Schleuderer) und die so«,
falsche Drehkrankheiterzeugen (Kalke II, 344; 149).
— H anflcn-Grübchen s. Grübchen. — Gruben-,
Gräbel Gesicht, -Kopf, -Kranklieit, Sucht.
Grub! s. Griebe.
gruchzen s. grochsen.
Gr neben, pl. fl. Grieb.
grübig (grtiwig) = geruhig =» Rekonvalescent
(s. ruhen).
Gruebs (Grueps) b. Grieb«.
Gruecken = Krücken (s. d), Heine (sehmeller
I. 9«;, Hintncr S. 19).
Grügler s. rogel.
Orttll, f. = ürittel, s. Grätl.
Grülle s. rollen.
grültzen = grölten, rülpsen fv. SC. Et, 33).
grün (grünen) (indog. ghrä [Gras]; angin, growau
s wachsen, gedeihen ; germ. grü (gra] — wachsen,
grünen; nh<l. gruoni ; mini, gnienc, Kluge5, 144. 147
— die Farbe de* frisch gewachsenen Graves) ; meist
nieht das Volk gelbgrün (berggrün) für giün
an; hlaugrün ist ihm darum schwarz (s. d.) (1483)
welches Menschen Farbe grün oder schwarz ist,
der ist böser Sitte, sagt <J. v. Megbg. (Heyne II,
1262), sie ist dann eine Missfarhe u krankhafter
Art, die Giftfarbe. — grünen (grünen) (1343
gruenen, Pfeifler, Forsch. D. Kritik I, 80) = körperlich
gedeihen, lebltulte Farbe bekommen, von Kin-
dern (Birlinger Ii. 37) («.Farbe) — Grüne, f. = die
grüne Farbe. — Grüne, n, I. — das, was grün
ist. — 2. = das Gerinn (s. rinnen) (v. M. I, 291:
Seb. 302. 587). — Grünling - Ilirsciihoden (ent-
stellt aus: Graenellen, s. d.) (Schindler I. 999). —
zirkelgrün = grün wie der Urin im (früheren,
grünen) l'ringlase, optische Täuschung beim
hellen Harn« asser, s. Zirkel (Colcr, II. A. 187).
— grün (e, er , es) -Altrr, -Eisen, -Fleisch,
■Fraisen, -Gelbsucht, -Harn, -Lefzen, -Materie,
-Milch, Phlegma, Pips, Räude, Hinge, -Sthuxiss,
-Siechtag, SiecJttum,-Seite,-Sucht,-St(Mr, Wurm,
— Wasser, Zahn, Zirkel.
grüssen (1260) die fallende Sucht gruezet den
Menseben = (bildlich für) befallt (s. empfangen)
(pfeifler 44). — Gmss- Krampf, -Sucht.
Grutz (eine dialektische Nebenform zu Griebs [s.d.),
Kluge* , 121).
Grütze, f. (germ. »mit = Korn ; ahd gruzzl ; 1282
jrrmzhin^gnitum. Grütze, Du Call«« VIII, 4M; »nhd.
Krütte[ = «trüttbrei;, Kluge \ 147; engl, grit ; Orot!
[fiahe verwandt zu Urie*]) — Gries (s. d.) , Furun-
culosis, Akne, die Hautknötchen, welche wie
ein Grieskorn aus der Haut auflagen. — er hat
Grütze (im Kopf) = s.GrOtzkopf. — i7au<-GrÜtz
(Milium), s. Hautgries. - GrÜtz-ßenM, -Grau-
pen, - Kopf.
Grund, m. (vorgerm. ghrentu ; germ. gruudu ; ahd.
grünt; mhd gnind. Kluge 147), l.=der Buden des
{Schädels ( = grund ve«, Hyrtl, K. W. lsi) als Basis.
— 2. = s. Grind. — Jfajm-Grund — Fundus
ventriculi, die blindsacklörmige Ausbuchtung
Ürnpfel— Guinea. 207
der linken Magenseite. — Grund- ßet«, -Feste,
-Feuchte, Fieber, -Krankheit, -Säfte, Stoff".
Grnpfel s. Kröpfet.
gruseln (gruseln, grüseln) (zu gramen : <">'»•
grusön.gruwison = Schrecken empfinden ; mhd. grüsen.
Kluge6, 114. 147; Heyne 1210. 1269). — GrUSSele, n.
(Schwaben) = Vulva (C. v. Scbm. 24')) (wegen der
Sensationen?). — gruseln (lättl grle»eln, II. Sachs;
Sehmeller I, 1013), Hautfrost = Gansehaut, wie
bei der Horripilatio ; (lf.18) gruselen » Formi-
eatio, Ameisenlaufen (Schmellerl. eod ) — Gruse
(Aargau) = Ekel, Schauder (Kluge 871. — Haut-
gruseln = Formicatio cutis. — Herz grüseln -
Pochen des Herzens bei Schrecken und Schau-
der (Kaufbenren); (daxtl krutzeln).
gucken, 1. - jucken (*. d.) (D. 4i,9). — 2. =
s. nach folg.
Gucket, pl. = Augen, mit denen man guckt,
neugierigschaut (mhd. gucken, Kluge *, 147; Buck 13 ;
vielleicht zu og ~ da« Auge ; ge-og = beide Augen,
die man bei der Neugierde besonders anstrengt xum
Schauen). — i>7*rn-Gucker = ein Pferd, mit einem
sogen. Hirschhalse (s. d.), das mit seinem hoch-
gehaltenen Kopfe ausguckt, als oh es gegen den
Himmel blicken wollte (Hafer St \ Falke IT, SU),
— Guck-<-ii<0ciV.
gudern (Gtidel, Gidel, Geudel) (MW tMel,
Bfftt, K. W. ii8 ; lf>28 güdel, m. — Omentum, Bauch-
fellsnck, clrbus, IT. v. Gersd. 37; 1541 geudel, Kyff 4<", a
= Netz; gudl — gude = Füllsel im Netze [''], Sehmeller
I, 874), 1. m das herabhangende Netz bei Tieren
u. Menschen (Hyrtl, K. w.fi». C9). — 2. = vielleicht
auch bei Tieren die Bauchwampe, der Wam-
pensack (aus Goder [s. d ] , dem fleischigen Hant-
sack unterm Kinn, entstellt und ubertragen) und da-
mit bei Menschen: gudern = gurren im Bauch,
kollern (C. v. Sehm. 216; Buck 17. 19).
Guegken (Gügl , Gunggele) (Ganken), 1. =
gunkelnde, gaukelnde, baumelnde Beine(HintniT
8. 19; Sehmeller I, 8*7). — 2. — (V<90 gneggen = miilirc,
D. 374) = gilken, giksen (s. d.). — Gueggis (Gun
kes) - (Teufel als Hampelmann, s. Frquell V, 1891.
8 . 242, Kluge a, 112; guukns = Teufel). — Ruefen-
Gueggis — Grindteufel, Grindrufeu erzeugender
I »Simon (s. Teufelskopt) (Rochholz 1, 39). — das
Gunggele ist ein Weiblein, bei dem die Brüste
hängend sich hin- und herbewegen (gaukeln,
gonkeln), baumeln (Tirol; nintner s. 17).
Guelbe, f. s. gelb (gilb).
gülden s. golden.
Güle, f. Gesicht, Mund (Tirol; vom Italien, culo,
Hintner 6. 13).
Gülle, f.- Jauche.
Gürtel (gürten) «.Gurt.
Gutterchen (Gütterlein Güttgen) s. 0 Uttel.
Gugel, f. {ahd. kugula ; mhd. gugele = die Tuch-
kappe, die uberden Kopf gezogen wird '.Monchskapuz<-]i
= Prmepuüom nl* Hülle der Glans penia (Hrrti,
K. W. 141*.
Gugger B. Kukuk u. gucken.
Guhr, f. s. gären 11. Gur.
Guinea- Wurm.
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20S
Gull — Gurgel.
gurpsen— Gurt
Gull. r. Gulle, f Gullen f. taill« auglna por- ]
■ ..mm [gulli, gallo], I). I IH ; porrigo - Vitium porcorum ;
au« lat. gula - Kehle, Sohlund; U. .Inhrh. pulten =
miwn, gullen - imu*ciirc, I). 37m, 1. Liehen,
Sohlund, Hai«, Kehle (Schindler I, ***). — 2 =
Milzbrand im Hachen der Soli weine. — 3. = das
Würgen im Schlünde. — (altrtch.) Gulsichkeit
(holl. gulnigheid ; 1 IT'i gulhieboit — crapula, 1», IM ; eine
Neubildung aus ratlui. guloslta«. I». 271) — Hunger-
gefühl im Sohlund« (>. Geil), Wiirgreir.
Gnm, m. s. Gaumen.
gumpen ( durch atossetide, pchwappeude Be-
wegung etwa» heraus oder bmnfbrinKen [den Ton
sum nachahmend, - ndl-< h. pumpen). — c« gumpt
im Kauehe = schwappt fBuek 1'.»)- — es gumpt
im Kopfe ■ schläft (wie ein l'umpwerk) mit
Schmers im Kopfe (Huck H).
Gund (Gunt) (ahd gund.gunt - Kiter, <.ift, sanics,
huinor tahidus, tabes, livor, Graft „'ltl. 220. goth. gunds
- Kiter', Kluge1, M7j gunl - Übe«, Tim». It. Z. XV.
363; guud, guntigiu ~ labidus hnm.ir, II. Z. XVI, 55.
71. 76. M) = Piie. Da» tieiiache, duroh Kibb ver-
mittelte Gift war Kiter (b. d ), das duroh Be-
rührung ausleckende Gift der Seuchen — Gift
(>«. d.), das flüssige, rinnende Gift — Gund; (die
gundereba [12. Jahrb. Physica Pt Hildegard!«] hat wohl
dazu Beriehungal« Heilmittel).- (12.Jahrh.)Gc/r>GuJld
(ahd. gela kunl [gunlV] = morbus regiu», II. Z. XVI, 82;
I). 642) -die gelbe, flüssige Gallo, alsoals Gift, das
das Rheuma („morbu> reglus, ld c«t nima", II. z. XV,
3A3) oder auch den Galltluss (Gelhsuoht 3e etc.)
veranlasst.
Our, f. (Cur, Gor) [Glrong, Spund tiefe, Boden'
satz-Ilefe , Garungs-Pllz , Sohmeller I, '.'31; ultn<>rd.
Gor = das halb\erdaute Kutter, der MageubodensitU ,
«iorr [Schweden] = Jrt-t, "•Ischl, Spundhclc, <Jr. \V. IV,
1 1.117; aui h Kahm Gur. Weinschw rtmmehen ; also
«iur) = dasselbe wie Hefe, Heb (■». d ), Kahm,
Semmel, Gries, Schwitmmchen (h. d.) - Oidiom
nlhioanB - der Mundhöhlenpil« , der mit der
ärztlichen „Kur" |<;r. W. II, r,40) durchaus keine
etymologische BeKiehut.g hat — Our- Fäule,
{-Fay, Fei, /et), -Fosa {-Fona, fotch, -Fes», -Fi»«),
-Fr es».
Gurgel, f. (Gorgel) (ahd. gurgnla. ein auffallend
frühes Lehnwort [wie Goder und (iroiMo] aus Im.
gurgulio, da« ein „damit urverwandtes, eohtgorni Wort
verdrängte", nämlich ahd guCrchala, guercha - Gurgel,
Ringe*, W; vermutlich durch den Viehhandel mit i
den Koinaneu oder Hörnern eingeführt , mhd. gurgel ; |
1.V92 gurgele, u. - Irinnen, I» 219, cnirl gargle, Borge, I
Kalt-schra. II, 197), 1. - Jugulum (liiu.s.scl, Üiussel,
lllyrtl, K. W. l»), Schlund, Sohlundkopf, Luft-
röhre, Speiseröhre, Kehle (äusserlich u. inner-
lich). — 2 = (1301) Kehldeckel [Had. Jun.; ür. W.
V, 391) als Teil derliurgel (Schlund) — 3. = (iiVi7)
Zäpfchen, Klatt (Gurgeldrüse und Gorgel) =
Uvula (ityrti, K.W. 21). — (i"..M) Luft Gurgel Luft-
löhre (Hyrtl, K. W. 131; lwi::, <;r. w. vi, I2i>i) = Luft- j
lohre (s. d.) als luftzufiihrendes Gurgelrohr. —
(15611 .Mayen-Gurgel = Stomachus, Speiserohre,
Schlund ;als .Magenmund, unteeipando) (Or. \v.
VI, 1H0). — schlöttiye, acklutzriije Gurgel Wölf in
mit Schleim belegler Lachen — unircktt
Gurgel Luftrohre — (l Ml) Ii'- Gurgel •
u-iirgclin) = l'omiim Adami, Adams-Apfel, dessen
llervorragung Saufknubbel, Bierknoten) frü-
her als Zeichen des Küfflings angenommen wurde
Hyrtl, k w US | Kluge*, t). - gurgeln. 1. = dumpfe
knurrende Töne aus der Gurgel hervorbringen
(HoSm. I. 37ft). — 2. — die Gurgel ausspülen. —
Gurgel- A der, -DrUse, -Knopf, -Knoten, -Ritte,
■Roh; -Stimme.
gurpsen (gurksen, gorksen, gurrezen, gur-
ren) (lautmalende Bezeichnung Iur rülpsen und gurren,
ractari ; UM guri>s = rnetna, Had. Jim. 37», C v. .Schm.
23S; ßchmcller 1, 932} - rülpsen.
Gurre, f. 1. Mund (Tirol; Hintner 6. M), —
2. = langer weiblicher Körper (namentlich Stute)
[Hlntoer *>. 9). — Die Weiblichkeit und der Mund
haben manche etymologische Gemeinsamkeit
i Gauffe, Fotzc). — pergurret = bartsohlächtig
wie ein alter Stutengaul (0. v. Schm. 2ö0).
gurren (onoBatopotct). — (16W) der Magen
gurret ihm (<>r. w. VI, H3") = der Magen macht
gur-gur, stomachus latrat. — (172.5) kurren =
gurren Im Leibe (Thes. «an. Br. 29ö). — Baueh-
Gurren - flöten (bei Wallachen) (Kalke I, 105).
Gurt,m. Gürtel, m. gürten (germ. gerd -liarten,
Zaun, goth. gairdan - gurten, ahd. gurten, gurtjan,
gurtil - Gürtel; mhd. gurt , gurten, gurten, gürtel.
Kluge*, H7 ff. ; engl, glrdlc, ginh, UM. 47, Kaluehm.
- starke, sehr breite Binder zum Gurten), 1. - als
strangförmiges Gebilde im menschlichen Leibe:
u) der Nahelstrang (gurt . gurten . girdten , llyrtl,
K. W. 71) (Nabelgurte); b) das Leberband (Liga-
mentum teres) s. u. Nabelgurte. — 2. = gürtol-
ahnlich sich um den I<cib oder ein einzelnes
Glied schlingende und wie „ein feuriger Um-
lauf" sich ausbreitende Krankheiten: a) „der
Gflrlel" (1799) ■ ilerpes loster; b) Zona. ignt» aacer
<iul medium dominum amblt cingitqne (Du Cange VIII,
133; 15. Jahrb. peMlleiilis morbi gravisitimum symptoma
«piod /onain vulgo nuneupant, Hecker a. T. 7. 15; llufe-
land 216; »ehrend 37; J. P. Krank II, 30. 40) m Pest-
flecken. Synonyma Ignls sacar. Zoua ignea, repens
aerpiglnoaa, < ingulum, Zlncilla, < Irclnus, Eo'slpelas
bullosiim, Kryslpelas Zoster , Ignis St. Antouii (nach
Behrend 37 ti. Richter 1, 101), Keuergurtel , Ontola
herpetica. — 3. — vlie Güttelgegend deB Menschen
Taille), Unterleib (s. Nabel). — (177(5) Brenn-
odei Feuer - Gürtel = Herpes Zoster, Uretlo
zoster (Behrend 5; Kraus, L\ 5.".j). — Brust Gürtel
Schullergürtel. — Flechten- Gürtel = Keuer-
gtirtel (s. d. u Gürtelrose). — Kabel - Gurte,
1 - Nubelstrang, Uhorda umbilicalis ;i">öl nabcl
gurten, Hyrtl, R. W. 71). — 2. (1W6 hlntadrlge nnbel-
g.irde) Ligam. teres hepalis (Hyrtl, K. W ). — 3. <="
(1«M lufftige Xabelgurl) die vertrockneten Nabel-
Luftadcrn (Arterien) = Ligament, vesico-umbil.
later. (Hyrtl, K. W. 71). — (17M) Rotlauf- Gürtel
— Feuer-Güilel {*. o ), Herpes Zoster (A. v. II.
II, 13i:>). — ScJiultcr- Gürtel = der Knochenring,
welcher wie ein Keingürtel oder Hängewerk für
die beweglichen Arme aus den Schulterknocben
gebildet ist u. vorne vom Krust bein geschlossen
ist (Harles. 2. 177). — muruektt Gürtel - die
den After- oiler den Scheiden-Hingang gürtel-
förmig umgebenden PlftCqUefl (Xcnmann, neuer
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Gusche— Haar
Gtitlol-Haar.
200
VeuuMpicgel -JO). — Gürtel- A Umschlag, -Flechte,
-Kind, -Rose, -Schlag, - Wurm.
Gusche, f. = Gosche (s. d.).
GU88, m. (ahd. gu», *a giesaen. s. d.), 1. = das
was gegowen wird. — 2. = du womit man giesat,
ausschüttet. — GuB — Penis (Schwaben), die Harn-
rohre, da der Harn darin seinen Lauf hat
(Buck 16). — Gass, m = Bluterjmss. — (1646) An-
gTlSS {eine getreu nachbildende Übersetzung der Int
affiuio = Kriech parenchyma) = Placenta (Hyrtl, K. W.
204). — Ei guss = Effusio sanguinis, fellis etc.
— Mal guss (malgus, Schindler I, 1593) = Menstru-
atio nimis, Abortusmole mit Bluterguss (s. Ober
einen Guss gegangen).
Gust, m. Güster, m. Gusto, (U. („das dem lat.
nillab entstellte alte Kust", Schmeller 1, 955)
(jeschmack.
gut, Gut, n. (gerin. god, gath, dazu Gatte, Ge-
gattei; Grundbedeutung ist: zusammenpassend , ge-
hörig, ahd., mhd. guot, Kluge5, 14«; engl, good; ndd.
good) = Sache, Besitz. Stoff. Werk. Davon versc hieden :
(1495 guot - gutta, ßchlag, Ueruhrt, I>. 571) - 11591)
da« Gut = l'aralysis, Apoplexia, Tropf-Schlag
(Had. Jun. 373; Schmeller I, 965; De rock 40; 1612
gutta = ein art der gyeht, D. 271 ; 1592 das Gut = Tropf,
Beb. 00; 1602 da« gutt - apoplexia, Rochholz I, 41;
in gutta = Schlag [s. Tropf], in. goutte; 13. Jahrh.
goutte rose - Kotlauf. l*r. I. 337 ; 1*1 den Flandern
ist ein St. Gotte I'atron gegen die goutte = Gicht
[Tropf], De Cock 1. c.; Andrcscu »6; goutc felonnesse,
Du Cange IX. 223 = Epilepsie , engl. gout = Gicht, hlp
gout ~ Hüftschmerz, I/ehf. 179; Kaltschm .); aus den
Medizinschulen als Gut entstellt übernommen ; ebenso :
Qnt-Schlag (wenn nicht = Gottesschlag, s. Gott).
— Gute, f- = der Kosenamen für einen Krank-
heitsdämonen und die von letzteren) gebrachte
Krankheit (= das Sälige), Apoplexia, Vergicht
(Schindler 171). — (1683) «las Fratss- (heilige) Gut
» das wie das heilige Gut (corpus Christi)
respektvollst behandelte oder wie der schreck-
liche Fraisam gefürchtete Karfunkel-Geschwür
(Anthrax), Ignis persicus, wilde Feuer (Milz-
brand-Karbunkel) (Or. W. IV, 2. SS7). — (1633)
Heirat-Qnt = Penis (Tr. II, 262). — gut (f, er)
Dinger, Eiter, Farbe, Faid, Helden, Holden,
Kinder, Leute, Mann, Sachtigkeit, Sack, Schlag,
Schweis*, Sinne.
Guttel, (16. Jahrh.) Gütterchen, Gütterleüi,
Guttlein, tum Gttttgen (Jttttel) (mhd. gutir =
Bilwiz, Kobold, clblscher Hausgeist - Heimchen, Hein-
zelmännchen, Wichtelmännchen, gute Leute, good
fellows, Z. d. V. f. V.-K. 1895, 8. 223; Stubcnvolt 65;
Schm. I, 963; Kluge 162; Slmrock, n, D. M. «64 ; Urquell
IV, 33 ; auch Berggeist (Gr. W. V, 1540], der Ton den
Bergleuten gesehen wird in der Gestalt kleiner Funken,
die sich in den Glashütten oben über den Schmelz-
pfannen zeigen, wenn es Zeit ist, das Feuer abgehen zu
lassen. Gr. w. iv, 2. 2407). — Gutteren ^Gütterle)
— Wasserblattern, Bulla, Blätterle, Papula (senm
I, 963); vermutlich — der Nachtbrand (Herpes
phlyetenulosus), der durch diesen Hausgeist
verursacht angenommen wurde. — das Jttttel
Gflttel) hat das Kind verbrannt ■ rote
Flecken, Ölflecken*, Alpflecken (Masern?) (rergl.
avoir du bren de Judas = Sommersprosien; Briss. 207),
im Gesichte der Kinder (Gr. D. M. II, 112; simrock.
D. M 454. 53:,). — das Jttttel (Gütchen) spielt
mit dem Kinde = das Lächeln der kleinen
Kinder mit halboffenen Augen (Gehirnreizungs-
Symptom beim akuten Wasserkopf); dann ver-
langt die Volksmedizin, das* man dem Jüttel etwas
zum Spielen gebe, damit o« von dem Kinde abla«se
und dieses nicht sterbe ; A Hertel. 20t ; K-hlcr, V.-Gl. 477 ;
Laiitner II, 212),
gW Bi qu.
Gyps. — gTPSig — mit harn- od. phosphor-
satiren Kalksalzen (Tophus) durchsetzt, hart,
kallös (A. v. H. I, 143) («. rechtes Gliederweh und
Speichelstcin). - gypsichtefr) Körper, Materie.
Haar, n. (germ. hera = Haar [möglich, dass dieses
mit harwa = Flachs zu verbinden Ist], ahd., mhd. h«r,
Kluge*, 148; früher dafür auch vahs. fuhs [jetzt ver-
acbollen] gebraucht; engl, hair; ndl. haar), I. — das
menschliche Haar (Kopfhaar, Barthaar etc.);
Coma = das Haar der Frauen auf dem Kopfe
(A. t. H. Ii, 134); Caesaiies = das buschige, ge-
wellte Männerhaar, das dem Cä*ar eigen sein
sollte (A. v. H. II, 134); Pilus = Capillus (capitis
pilus) . du- lange Haupthaar, das äussere Kenn-
zeichen des freien Deutschen in früheren Zeiten ;
Crini» = Cincinnus - Kraushaar; Cilia = Wim-
perhaare; Glandebalae^ Achselhaar; Vibrissae
= Nasenhaar; Tragi = Ohrhaar; Mystax =
Schnurrbart; Julus = Backenbart. Für das Haar,
das ein besonderes Zeichen der Männlichkeit, Kraft,
Freiheit und der ZengnngsfahigkHt war.
die Germanen, die einen grossen Wert auf die Haar-
pflege legten (Kochholz II, 219), eine grosse Auswahl
von bezeichnenden Namen; „welcher mau vil hiirs hat
an dem part und an der prn*t, der macht schier kint"
C. V. Meghg. ; Heyne III, 338) (». Zehe). — 2. - das
Tierhaar (Borstenhaar) (Gr. W. II, 11). — 3. = (16S7)
die zu haarfürmigen Fäden (Spene) geronnene
Muttermilch (Lac mulieris), die geronnen auch
dann „der Käs" (Gr. W. IV, 2. 12} genannt wird.
— 4. => s. hart. — Kr hat Haar auf den Zähnen
s. Zehe = er ist ein haariger Kerl. — haaren
här<-n) ■ Haare verlieren oder wechseln. —
haarig (hoarig), 1. = mit Haaren versehen
hirsutus). — 2 .^heiser, als oh ein rauhes Haar
im Halse wäre (vergl. Gr. W. IV, 2. 89; wo „heiser "
auf kesara ss Mähne, Haar zurückgeführt wird; Steier-
mnrk. Fo^eV — 3. - hungerig (Schmeller I, 1132)
14
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210 Haar.
(s. Hnngerhaar). — (isoi) Haarigkeit ■ abnorm
behaarter Zustand (Weikard 1211. — .i" Haerung
— der in verschiedenen Jahreszeilen auftret-
ende Abfall von Haaren bei Pferden. — Achsd-
Haar= Uechsenhaar (s. d.) Unterüehsen (s. d.).
— itorf-Haar = daB Haar, das den Bart bildet.
— #au< /i-Haar das Haar am Bauche (in der
Linea alba zumeist). — behaart {13. Jahrh. he-
hür, German. XVIII, '.'<il) — mit Haaren bewachsen.
— ÄVwiz-Haar- durch den Kobold, Bilwiz (f.d.)
verwirrtes» Haar (Wichtelzopf, s. iL) (SchmeUer I,
•jao). — • Haare - «He am Ohr- Eingänge
büschelförmig (bei alteren Leuten) berausrag-
enden, dichteren u. längeren Haare (Vibrissae,
Tragi) (Hyrtl, Annt. 566). — Ztorffat-HMM = bor-
stig aussehende Stichel - Haare. — ßrawu-
(fi»*«-)Haar (l-riilinr, brohnr, Sch melier I. 17*2. 1145)
^= die Haare an den Augenbrauen. — Brenn-
Haar = die brennenden Schmer« auf Haut und
Schleimhäuten verursachenden Haare der Pro-
zessionflraupe(Chctocampa processionea (Brehm,
Tlarlcben ix. 42«. 429). — itö- Jahrh ) ito/vl-Haar
= Utlspelhaar, Cincinnus (l>. 120). — Brippel-
Haar — die widerspenstig unter den auderen
Haaren hervorstehenden einzelnen Haare, die
einen zänkischen Charakter anzeigen sollen
(Schnuller I, 303) (Uauchhaar). — Deck -Haare -
die kurzen, glatten, weichen, helleren, die ganze
Hautdecke überziehenden Ilaare beim Tiere
(Falke I, 10*). — (uns) falsches Haar, L = Coma
adoptiva (Schindler II, 3s7), angeschUftete Per-
rücken. — 2. n schlechtes Wollhaar bei Schafen.
— F-nw,, >» -Haar — das feine Wangenhaar,
namentlich an der Frauenwange (Hyrtl, Anat.
527). — (14S2) /Wi-Haar = das Haar oberhalb
des b'isels ( = Penis) — Pubes (cir. W. IV, 1. 45;
1). 85), Burgulio (Budschurl?). — (HS2) Fotten-
Haar = das Haar ober der Fotze (*= Vulva) =
Pahes, Burgulio m. 85; Gr. w. iv. 1. 45). — Fühl-
Haare- die Tasthaare an der Schnurre, Uber-
lippe mancher Tiere (Falka I, 291; II, 357). —
Gart- (Gnrsf-)Haar imbd. garzchAr. öehtueller I,
SM'»; l > xcr Co; — das Milchhaar, das mit garstigen,
ranzigen Urintborken (Crnsta lactea) durch-
dachten ist, wie os hei Kindern vorkommt (psrznn
= Knabe [garcon). I.cxer CO). — Gnuch B.&SLT (1582
gauchhaar, Gr. W. IV, 1. 15:14 ; IV ::17 — laimirn; 1589
gauchhaar — w Idcrhoratige Zunkbiuirc, Panu-eNus ; Gr.
W. IV, 1. 1531, 1091 guughaar, Ilad. Jun. 23), 1. =
das Wollhaar, das den (tauchen (Kretinen) au
Stelle des dichteren Mannerhartes w liehst
(- Kretinenbart); ebenso 2. das erste Bart-
haar, das die jungen Milnner bekommon, die
noch manchmal Gauche — Thoren sind, Daunen
(dumet, duvel), poils (Milchhaar, Hungerhaar);
sowie das erste, leine Haar am Möns Veneria
(Kran«, K. :::u; Hri«-. si). — .'i. das widerborstige
Zankhaar (lirippel-llaar) ; der Gauchs Kukuk
gilt als zornig (7). — G'.haar (G'bar) - Capil-
lamcntum = dicker, voller Haurschmuck (Sehni.
I, 1146). — (15. Jahrh.) haaret — crinitiis, be-
haart (D. 158). — (t776) gespaltene Haare (Plank;
Batnaad 6), „es wird als ein Fehler der Haara
angesehen, wenn das äusserste Ende der Haare
entzwei gespalten ist". — Grmf-Haar (mlid grint-
hAr, UmM): das Haar auf dem (.mit 2 ( Kopf).
Haar.
— U'>. Jahrh.) /«7rt-haerig (hertherlg - htrclpllomi»)
= hockshaang, steifhaarig (1). 278). — Haupt-
Haar (mhd. houbet-här, I.cxer 106 ; het-hoar, Schm.
1, 1145), 1. = Capillus hominis, Kopfhaar. —
2. = Mahne. — heimliche Haare = Pubes (Gr. w.
iv, 2. Ii). — //"»/"-Haare = Kotenzopf (s. d.,
heim Pferde) (Gr. w. in, 1692). — JIunrfs-Haare
verschluckt haben = Neigung zum Erbrechen
haben, wie ein Hund, der ein Haar (Gt&ser)
verschluckt hat (s. gerben) (Cr. W. IV; l*J6 ;
Schmeller I. 1129J. — Hunger Haar (ahd. hnn-
gerhar = pill pubertatis vel faml«, Oraff IV. 982),
l. m Lanugo, das wie eine Hungerpflanze küm-
merlich wachsende erste Gauchhaar, Milch-
haar, der erste keimende Bart (Gr. w. IV, 2. 11.
1946; vom Wollhaare der hungerfeinen [s. d.] Sehnte
übertragene Bezeichnung). — 2.= das Ohrhaar bei
Pferden - Silber (s. d.), bei Hungerzustanden
oder mit mangelhafter Ernährung einhergeh-
endan Krankheiten des Pferdes im Ohre starker
sichtbare, mit einem weissen Hautepithel be-
legte Haare. — JWas-Haar — rotes Haar (s. rot)
(V. K. 1895. S. 212). — junge» Haar (13.— 14. Jahrh.
jutichnr ; Uli jnnghar, junghair = pubes, D. 470) =
das Schamhaar der mannbaren Jugend, Milch-
haar. — (1825) Xi»n-Haar=* Kinnbart (Or. w. v.
778). — A'of-Haar = Kötenzopf , Hufbaar (Gr. w.
V, 1896). — Kraus Haar (1">. Jahrb. kruMiar. Gr. W.
V, 1090. 2102) = krauses Haar (Crispus). — (1580)
Kruspel-'RdMt = dassich krospelicht, knirschend
anfühlende Haar (Pferdehaar z. B.) Gr. w v,
2110). — (14. Jahrh.) 7in<*ü«'/ Haar(cruespelhar, Voc.
opt. W. 10; Ii. 120; Gr. W. V, 2333) = Ctncinnus,
namentlich Pubes (f. v. Hchm. 32s) - gerispeltes,
krauses Küspelhaar. — (1515) LocJt«i-Haar =
Capillilium, Gaesaries, das in Locken (s. d.)
herabfallende Haar, wie es die altfränkischen
Könige (Keges criniti) trugen (D. 97; Kolbe ioj
(Spannhaar). — AfarAt-Haar (IM. maga-här,
Sehmcller I, 156t) = Schamhaare am Gemachte.
— (1521) M:n,u- Haar — ('aesariee, das kurz-
beschnittene Mannerhaar im Gegensatze zu
den langen Frauenzöpfen (D. 116). — meliertes
Haar = menschliclies Haupthaar, das mit
grauen Haaren gemischt (fr*, mele) ist. —
(H14) AfiicA-Haar, 1. = Lanugo, das Wollhaar
der Säuglinge. — 2. — das zarte Haar des keim-
enden Barles (Hungerhaar, Gauchhaar). — 3.=
Pubes (milch-, melllch , melk har, I). 470, Gr. W. Vi
engl. iHllkhalr, J.ehf. 35). — A'<WH-Haar — Vi-
hrissae, die Haare, die bei alleren Leuten aus
den Nasenlöchern herauswachsen u. den Staub
abhalten sollen (Gr. w. Vit, 412). — AVid-Haar
— 3 — 4 lange, über den Augen des verhexten,
„Verneideten" Viehes befindliche, beim Be-
sprechen desselben ausgezogene Haare (s. ver-
neiden). — OAr-Haar - Hungerhaar (s. d.). —
/iatVn -Haar = rabenschwarzes Haar. — (1561)
ranrh Haar = (1.M2) rauh haar»? (mchhartg = hir-
cutna, D. 27» ; Gr. W. VIII, 266. 272) = mit rauhen
1 Liaren belmftet, Gapilli asperi, borstiges Haupt-
haar. — fie<"d-Haar (ZU ahd ridan. rei.len ■ drehen,
.Sellin. II, 57. 58; 15. Jabrh. raidbaar. « . v. fchm. 423)
— kraus gedrehtes Haar. — rofrs Haar s. „rot".
— Rüspel-, Rüspel- CÄMi'»;j«'/-)Haar = krauses
(gerispoltes), gelocktes Krüspelhaar G4. Jahrb.
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haben.
Haber— Hachse. 211
rüspclhaar. Voc. o|»t. W. 10; cinrinnus, SrhumluMUr,
Pubes. Hyrtl, K. W. 132, <.r. \V. V, 2333; VIII, IV*).
— (14. Jahrh ) Scham-HULT (raraex, Voc opt. W .
12; D. 6IS; l i<;2 schamhar b ramex; 1515 scham-
har-^ pubes, pecten [s. Kamm}. I>. 41«. 470. 483) — die
Haare an den Schanigliedern, Pilosilas in pu-
dendis ( = ratnus. rnmlx, rame« = mcntula vel vlrga
vlrilU. Du Cange; Gr. W. VIII. 2115). — JJjjJ
Haar = das Haar am Scheitel (SchndelX —
ScAfT-Haar = da« abgeschorene Haar (Gr. w. VIII,
SS87). — (16J2) »cAinn haari;/ = haarlallig, wobei
die Haut .Schinnen (s. d.) fallen lasst fschmdlcr
II, 42ö). — (mhd.) Spann-Haar (spllnhar, Lexer 239)
= das hobelspanartig geringelte Haupthaar
(Caesaries) (Voc. opt. w. io; D. 116). — Spur-Haar
= Nasen haare, Fahlhaare (bei Katzen) (Hyrtl,
Anat. :»27). — (1613) Staub- (Sfaup-)Haar = Lanugo,
das erBte Wollhaar, Stoppelhaar, Feg-Haar, das
wie eine Statippe (Kegerute) auf der Haut er-
scheint (Hyrtl. K. W 56; u. nach P. Ahraham a Santa
(laraim vierzehnten Jahre om die Lefzen heraus „stnpf-
flei", eohmellcr Ii, 7761 — (1748) stechende Haare
= die bei der Distichiasis auf die Augenlidhant
stechenden, weil falsch gestellten Wimper-Li-
lien) Haare (K. ch. 225). — Sftcfoi*- Haare = einzeln-
stehende, steife Haare, die schon einen Stich
ins Graue haben, oder sonst auch zu einer Ver-
änderung in Form oder Farbe neigen , wie ein
Spiesskäs , der angestochen eine andere ab-
stechende Farbe erhalt (Falke II, 341; Schindler
11,724). — «iVÄ-haar = mit steifen, starrenden
Haaren (Schindler II, 729). — last Haar = Ffihl-
haar. — (1482) £VA*«i-Haar (Zeniug. Voc. hh 7;
Hyrtl. K. w. 150) = Lanugo, das Achsel haar. —
[.'n/cr-Haar (15. Jahrh. unterhar pnbes, Schindler
I. 1145; D. 420) = Haar am Unteren (s. d.). — rrr-
haeren ■ die Haare ganz verlieren. — irildc
Härle (Haare) = Distichiasis, Wimper-Haare,
die wegen ihrer falschen, irrigen Stellung die
Augenbindehaut reizen; sie bilden gleichsam
eine Reihe von unnatürlichen (verirrton? =
wilden) Cilien (Buck 13; Pauli io). — Wimper-
Haare ■ Haare an der Windbraue (Wimper)
des Auges (Cilien). — Woll -Haar ■ Lanugo;
a) das feine Haar (Milchwolle) beim Foetus im
fünften Schwangerschaft-Monat; b; bei Kindern,
Frauen, Kretinen und Kastraten. — zerstrühltes
Haar (1743, r». i57) = Criniapassus-<las in «rosse
Mrahlen zerfallende, weibl. Haupthaar. — Haar
Balg, •Bein, •Bleichsucht, -Flechte, -Flicsxung,
-Fotz, -Gefässe, -harnen, -Keim, -Kopf, -Krank-
heit, -Kugel, -los,-Mangel, -Mensch, Milben, -Pein,
•Bänke, -Rohren, -Scheissung, schlächtig, -Schratt-
lein, -Schuppel, -Schuppen, -Schwarte, -Schwund,
-Schteinde, -Sträuben, Stumpf, - Tauche, - Ycr Hand-
lung, • Wach», - Wechsel, - Weh, - Wirbel, ■ Wuchs,
• Wurzel, ■ Wutzel, Zopf, -Z-dte, -Zange, Zwiebel.
haben (vorgenn. khabh; gerra. habal; ahd. baMn;
mhd. haben, Kluge*. 148. 149 - habere, besitzen als
Eigentum). — Was hat er ? - woran leidet er?
— Kr hat es vorm Herzen, auf der Brust in der
Kehle, im Magen =auf der Brust in der Kehle,
am Magen krank sein (Ooldschm. lioj. t — Ge-
habe, ürh&be (ahd glhaba, Schm. I, lOM.i-Habi-
tus, Befinden - Kindt Habung M »] Haberin
— A-iWc*haft (md) = schwanger sein, ein zu ge-
barendes Kind habend, gebarend (<;r. w V, t*»;
Schmeller [, 1261). — übel (sich) /-haben [b«l Luther ;
H. Paul 170; 1618, Srhmeller I, 1031 ff) - seine üble
Schmerzempfindung doreb entsprechende Ge-
bärden ausdrücken. — r»i<7rhabe{nnd. ungaewe)
— Ungesund, Gebrechlichkeit, keine feste Ge-
sundheit zeigend Goldschm. 131 ; Schmeller I. 1032),
— (1MW) unter- | jj|fljf?^ | ('ul1- onderhevig, l>c
Cook 92) = einer Krankheit leicht unterworfen
sein, unter d. Einflüsse eines Gestirnes stehend.
— tttJWrhaft (« Jahrh wazarhaft. Graft I, 1128 m
hydroplcui) = der Wasser im Leibe hat; (vergl.
Haber). — Hab -Drusen
Haber, U. (Hafer), t. ■ («hd. habaro; mhd
halHT, man leitete das Wort gewöhnlich von altnord.
hafr = Ziegenbock, lat. caper ab, was [abseihen von
Habcrgciss] etymologisch nach Kluge*. 14$ unm»g
lieh Ist; manchmal aus a) ahd. avarön = rügen, oder
b) aber, aftir umgebildet, z. H. Haberfeld, Habcrgciss ;
LalMner). — A ugr «-Haber. 1 . = Aegilops, 8. Geiss-
auge ( ■ „superiluaecarnesin angulls natne oculorum".
Du fange 1, 115 ; 1584 „eine Feuchtin [ = Flu«] zwischen
der Nasen und grösseren Augeneckc, die sieh auch xa
Zelten nach lengs In die Augenbraune •eist", Wimnng
Ann.-U. ; 17'.6 „ein Thranengeschwiir beim grossen
Augenwinkel ohne Verbindung mit dem Hauptthräuen-
gang zum rnterschie<le von der Thrllneti (ie«chwul«t
und Thranenflstel", A. v. II. II, 28 ; Aegllops helsst auch
eine Hafer Art, Krause, K. 28). - 2. = der „Haber"
tritt beim „Augen-Haber" Hordeolum, Ger-
stenkorn (s. d.) an die Stelle des „Korns", weil
Haber «las älteste und für ganz Deutschland
ehemals das gewöhnlichste Getreide war. I'as
Aegilops , „Ziegenauge" (Bocksauge) hat that-
sachlich keine etymologische Beziehung zueaper
(haber - Ilock, Kluge*, Hl; hafr [s o.] - ZiegenWk) ;
Bocksauge (s. Bock) ist bloss fvl>ersctzers-FJy -
uiologie aus dem (falschen) Aegilops ^richtiger
Ankylops). — J7iiz-Haber-Singultus (Hitsch,
Heisch) = einer, der Hitscher, Hetscher hat
;Memmlngcn). — Haber- Geiss, Klaue, -Tlarr.
Habicht ( — der seine Nahrung mit dem Schnabel
tcstpuckcndc , hebende [caplo] Vogel). — Habicht-
Sasc.
hachen - keuchen, mit Beschwerde atmen
[nd.-silchs., Krüns, K. 137).
Hachse (Hächse, Häckse, Haxen, ro.
Hechse, Heese, Hehse, Hesse) (uriudog. k«k»a
[coxa, roxlm] = Arhs.tgrnbc. Hüfte, Kniekehle, goth.
hahsl ; ahd. hahsa - Kniebug des Hinterbeins, <;raff
IV, .S00; atigl. hi.\etie, hohsina; mhd. hali-e, helise,
hach«e, hehsen, pl., Kluge*. 159 ; Schindler I. 104«; ;
UiO huhsn - poplex. 1». 443; IIS'» heehsso = poplex.
Zening. V««c. ol; h«?chse — Sehne, (ilos«. Pehentil ;
Hyrtl, K. W. 113; 1*7 hese = poplex, I». 443; 15. Jahrh
hesen nates. I>. 376; ndl. hesctic, heisene - poplex.
D. 443; |«N he.cn, h.'«sen - Haechsc. v. M. I. 52. BS;
Kulte I. 392; engl, honghsene, fries. hoxene Knie-
kehle), ]. z- KiiK'liug und Kniescheibe iZftiine.
Vor oii. Kniekehle, Poplei (Bcbw. 275; C r.8chm.
252) mit Sehnen und Biindi-in, besonders bei
\ ierfüssern (Schmeller I. 104« , Falke T. X.»). — 2. =
iint«-re Extremität üb.-rhaupt (verächtlich bei
14'
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Hacke- Hacke(n).
Haeke(n).
Menschen); beim Kind vieh:Sprnngi?elenkflpitie,
hintere Fusswurzel (C. v. Schm. 262; Schm. I, 104«;
Falke I. 858. 892; II, 48). — 3. = die Gegend um
die Achilles-Sehne, die grosse Flechse. — 4. =
das hinkende oder krumme Bein (Augsburg, c. v.
Schm. 252) (beinhaltet, l^lhmhaxe). — 5. = ein
dürrer, schwächlicher , knochenzeigender,
menschlicher Körper (Ulntner 5. 11; Tirol). —
hechsen (heesen, hessen) (ahd. hahslnön; inhd.
hohsenen, Kluge*, 159) = subnervare, die grosse
Achillessehn" durchschneiden (s. hemmen und j
ham). — (fii/Tiaechsen — den Penis zur Errek-
tion bringen (Schindler I, IM"). — bein- (bon-)
hazet - auf einem Beine hinkend (Delling). —
/• 'i Haxel = einfüssigerMensch.— /mim/>-haxet
(oberd.) = krumm füssig. — hih haechsig, -hes-
sig , -hösig, flechsig = mit einer unschönen
Stellung behaftet, von Pferden, deren Haechsen,
Hinterkniee, wie bei Kühen stark >< nach
einwärts gerichtet stehen, im Gegensat«* zur
Säbelbeinigkeit (Kalke II, 48). — /»my-haxet =
langfüssig.— Lr»i;>rn-Hachsen - Lähmhechsen,
gelähmter Fuss (Schm. i, 1471). — schrlch-haxet
= schiefbeinig (schlecht geheilte Knochenfrak-
tur z. B.) (Schindler II, 105). — Haxen =
spandünne Beine (Schweiler I. 66S).
Hacke (Haeggele) Hackel, f. — HackekEi.
Hacke(n), f., m. Häckerlein, Häckerchen,
Häckelein (Haechel, Haü) (alid. hacko - Baaken, j
gebogenes Gert» «um Festhalten; hahü - auch«,
oeeiput, Graff IV, 797. 880; hall - hahll, I). 302; mhd. I
hacken, m hecken — stechen, hdssen mit den Zahnen,
[Gr. W. IV, 2. 74.5] der Hechte (XII. Jahrh. haecchid, ;
Pfeiffer 60J «nd Schlangen besonders, Kluge*, 151;
12. Jahrh. gehekken = morsus serpentls, Pfeifler 1»;
„die Schlange ein Wurm, wenn der einen Menschen
heckt oder sticht, so blutet er sich jsu Tod = hac-
morrhols", Zening Voc. cc5; ndl. hak, hid; angl.
höh - Ferse, heia [as hoehila)); hackenförmige
Gebilde im menschlichen oder tierischen
Körper sind: 1. = Zähne ; a) = die ersten Zähne
der kleineren Kimler, die durch das Zahn-
fleisch durchstechen (Häckerchen) (Gr. W. IV,
2. 105; Heckerlein. Hackertein, 1680 Heekdetn, Belsscr-
lein, dentleuli infantis primi emissi, Gr. W. I, 1-102 ;
IV, 2. 105; V, III; Schindler I, 104'.»; C. v. Schm. 2*5;
H.tekerii, Franken); (IMS) die Hacken sind ge-
schossen = rasch durchgebrochene Kinderzähne
(Coler, H. A. .r-0 ; b) = die nach dem Ausbruche
der Backen- oder Stockzähne (beim Hirsch
und Pferde) folgenden 2 stumpfen Zähne im
Uberkiefer, sowie die Hauzähne des Wild-
schweins (Gr. \V. IV, 2. 178, Brehm III. 545). —
2. = der Vorsprung des Fersenbeins,
der den vom Unterschenkel hackenförmig
umfassten Teil des Fusses (Hiele) bildet
(12. Jahrh. hacchun, hacken m calees, GroH IV, 763 ;
Gr. W. IV. 2. 100; Kluge», 14», Hyrtl, Anat. 366; 14^0
hacke - calcanenr-, D. 89; 1507 hack = eulx, I). 92);
durch Verallgemeinerung: 3. - (Urf>7) die Ferse
selbst , die beim Auftreten und Stampfen
mehr Druck und Stoss ausübt und auszu-
halten hat als alle anderen Knochen des
Fusses (Hyrtl, K. W III; Gr. W. IV, 2. 100). —
4. = die Fussohle, Planta pedis (Hyrtl, K W.).
5. = Häker (s. il.) = Hetacher, Singultus (Blr-
Hnger II, 39). — 6. = der oberste vorspringende
Punkt de« Sprunggelenks oder hochhervor-
stehende „Bürzel"- Knochen am Hinterknie
des Pferdes (Meyer 45; Falko I, 358; v. IL I, 46).
— 7. «= der hackenförmige Vorsprung am Hin-
terhaupte (Hail-Anke). — Hackler, Häckler
(ndl. bakkda&r = begue), l. = einer, der hetochend,
abgehackt, stammelnd, stotternd spricht (engl,
haw, Kaltschm. I, 293; De Cook 39). — 2. = Finger
(engl, hook, Kaitsc hm. I, 307), mit denen man
„tiackelt" (Schmeller I, 1071). — (1717) das Glied
sitzt in seinem Hacken = es steht in seinem
gehörigen Verbände mit dem nächsten I/eibes-
teile (wie ein Kleid am Hacken). — Haechel
— Gelenk aus festhaltenden Hacken gebildet
(Schmeller I, 1041). — (1680) hcickern (häcken,
hecken) = dentire, die ersten spitzigen Zähne
bekommen (Gr. w. I, 884; IV, 2, 105. 106). —
hackein --- mit den Fussen (Hacken 2-4) beim
Gehen wie mit einem Häckel scharren. —
(1697) aujrhäcken (Zähne) - dentire (Gr. W. I,
884). — /faum-Hackel (1482 paumuaeckd. C. v.
Megbg. ; l">lß poumheckel — merox, D. 3"<S) — jucken-
des Haut-Kkzema, das Schrunden macht, wie
der Baumhackel ( = Spechtvogd, Picus) an der
Baumrinde sie aufhackt (Schindler I, 1048. 240;
dafür sollte da.« Bauinhtickclkraut , herba meropis
helfen, c. v. Megbg.). — 2. = die Blatternarben
.»Is Hautveränderung, die wie aufgepeckt er-
scheint (daher franz. beque = frapi*- n coups de bec
= Variola. Brlss. 134 und bee«juerlau = herpes des
ICvres, Nachtblatter}. — FA-H&CÜe = ein eiför-
miger Pip-Hacken (s. d.; b. Pferde; Hacke 6).
— /•'K.-s-Hacke = Ferse, Hacke 3 (Gr. w. IV,
L. 1028). — //ihackt - wie durch Hieb abgeteilt,
verkleinert, z. B. Hals, Darmkot. — (1678) HaU-
Hacken = (übcrseuuug der) TonBÜla, Halsruan-
■ leln, (tonsilla = der hackenformic/c Schiffspfahl im
Hafen, Coler, H. A. 126; Hyrtl, K. W. 74). — Hascil-
Hacke (beim Pferde u. Kinde) = das doppelte
Knie (la courbe), „eine längliche Erhabenheit
am Unterteil der Hinterseite des Sprungge-
lenkes" (Hasenspat), ungefähr eine Handbreite
unterm Hackenbeine der Vorderfüsse (Mayer
101 ; Herbst 155; Gr. ff. IV, 2. 537), eine Auflockerung
der Bänder und Sehnen mit Wucherung von
vorspringenden Knochenmaasen auf der hin-
teren Seite des Pferdesprunggelenkes (Förster
II, 1909; Falke I, 375), die das dadurch weniger
geradehnig gewordene Bein dem Haseolauf
ähnlich machen. — ArticA-hacken = mit dem
Krücken-Hacken gehen a's altersgebrechlicher
Mensch (Mecklbg. ; Z. d. V. f. V.-K. 1894, 186). —
JruA-häckig -= vom Pferd, dessen Hinterbeine
mit ihren Kniehacken / \ sich nahezu be-
rühren und beim Gehen ' ) fast aneinander
stossen wie bei d. Küheu ' \ (Gr. w. v, 25i6)
( = kuhhilchsig). — J/ärr-Hackel - ein kinder-
schreckendes Gespenst in Tirol, das den Kin-
dern die Schenkel (Schinken) abschneidet
'„Blutschink") (Zlngerle 4. 5. 7; Leistner II, 31 ; Man
[s. d.l = Tod). — Milch- Hacken = die backen-
förmigen Milch -Zahne bei frischgeborenen
Schweinen (Hacken 1). — Jfi/z-Hacken = Milt-
stechen (s. o. Hacken) und Herzklopfen (Back 42;
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Hadern— Hämorrhoiden.
Hampelehen- Härte 218
15V2 so einem du Miliz huck;, Beb. 192); nach »chwab.
und bayer. Volksglauben hat man Schnelläufern In
der Kindheit die Milz ausgeschnitten , sie könnten nur
deshalb so schnell laufen, weil sie keine MUx haben.
— Neid' (Gfü-)Hacken(r), 1. = Neidnagel (d.d.),
Nagel» urten (Gr. W. VII, 558; Andreren 202). —
2. = (conf. nldhauggr, Edda, Jordan '.'6. 3*>. 71} Neid-
wurm (b. d. u. Hacker 2). — X_i,'-Hackchen
= kleiner Nesthocker (s. d.), Nestküchlein. —
Piep-, ity-Hacken = eine hackenförmige Haut-
verdicknng oiler auch Schleimbeutel-Ausdeh-
nung am Sprunggelenke des Pferdes auf der
Spitze des sogen. Hackens (Ferse), ahnlich dem
Sporne eines Piphahnes 'Stollenschwamm, Tu-
mor cysticus calcaneus) (Förster II, 1026 ; Mayer 96 ;
Herbst iv>); (vergl. Pi packen). — Sau^-Hacken
UM') üuegkhaken = tonsillae) = die hacken förmig
vorspringende Umgebung am Gaumenbogen,
der Halshacken (s. d.) der Säuglinge (Coler, H. A.
12«). — Zähn>. Hacker = die ersten über da»
Zahnfleisch hervorragenden häckchenartigen
Zahnspitzen bei I. zahnenden Kindern (A. v. H.
n, 308). — (1777) Zähne haecken - dentare (D. 173).
— ^hackär } Änke> -rortotg, -Ftu,, -Gang,
-Hals, -Natt, -Schmerz, -Stock, -Zähne.
Hadern, pL — Hadern-A'ranfcArif.
Hachse s. Hachse u. Hexe,
häckelig s. heikel.
Häcker, Hackler (Schwaben), 1. = Hetscher
(s. d. u. Hacke 5), Singultus fBuck M. 64; c. v.
Schm. 265). — 2. = (1645) ein hackender, stechen-
der Wurm, der Pferdewurm. — 3. =» eine diesem
vom Volke zugeschriebene nuasRrosse Beule am
Hufe (Coler, PI 378).
Hacke rlcin ! Ha ckelein, Ha ckerchen i siehe
Hacke.
Haft lein, n. (vorgerm. kap (capio); genn. haf —
haben, haltend ergreifen; ahd. haft; mhd. haft, Kluge*,
ISO; 1551 hafUln = flbula [Wadenbein], Hyrtl, K. W.
79) ; „das Wadenbein der grosseren Haustiere hat
Ähnlichkeit mit einein Bpitzen Dorn, mit dem
man früher die Kleider zusammenheftete" (flgere
= heften, flgibula = flbula). das tierische Bein gab
dem menschlichen Wadenbeine diesen Namen.
— IxhittoUr Mann.
Häggele, f. s. Hexe.
Hämorrhoiden (Hämeritten) («riech. at|io£-
fOl;; «tu.« = Blut; j>iut = fliessen. t'utcr haemor-
rhols Terstand man Im Mittellatein: 1) lnflrmltas;
2) serpens ; 3) varlx ; 4) venarum 1111x11* ; 5) inetrorrhagia,
D. 201 ; 1391 haeuiorrbols ist ein ader An dem hyndoren
venstere dy blutlckt dlrke sere; eine seuche wenne von
dem menschen nidenne blut geht, I». 201; 15. Jahrh.
emorroida das sint funff ädern ober den rucken brtl
zu dem zagel die gont mit bluol, I). 1.40. Die 'z'fiof,-
'fri\'il'. der Altgrierben und des Galcnus waren; a) die
Uamorrholdal-Veueu , b) deren Vurleen ; c) Bluterguss
aus diesen; dj lilutung aus dem After uud f) blutende
Feig Warzen am After, Kraus, E. 443] - BlutflOsse
Oberhaupt, namentlich die aus Blutknoten
(Varicen) am After, worunter man aber ehemals
auch Kondylome (Fei«, s. d.) und gutartige
Warzen, nicht bloss Goldader- Varicen <>tc. ver-
stand (HyrtJ. K. W. 71; IC. Jahrh. Uuterschlaug [s. d.J
oder Blutwurm [s. d.], ,,cin Schlang, welches Bisse
oder Ilaecken macht, das* Blut ausfliegst", nach alt-
griechischer Lehre, tir. W. IV, 2. 745; 1801, ndl. speeuen,
ambeyen [s. Angbcorc], daamen, Vogel V, 93 ; sie spielten
am Ende des vorigen und im Anfange des jetzigen
Jahrhunderts eine grosse Rolle als Ablöser der alteren
„Goldader" [s.d.); 1645 „wlcwol sonst die Haemor-
rholden ein gemeines Wort ist, wird es auch von den
Medicis gebraucht für alles Herausbrechen des Blutes,
es geschehe an welchem Theile de*s Leibs es auch
geschehen kann", Coler, H. A. 121); sie sind heute
hauptsächlich eine Bezeichnung für 1. - Moli-
mina haemorrhoidalia. — 2. = die Goldader
(s. d.;. — (1801) . I ftt r-Hamorrhoiden im Gegen-
satze zu den nachfolgenden (Vogel V, 112). —
(i80i) ZMiam-Hämorrhoiden = Scbleim-Hämor-
rhoiden der hypertrophischen Harnblase, über-
haupt wiederkehrende leichte Blutungen au«
derselben (Vogel V, 112; Köhler II, 443). — (1761)
blinde Hämorrhoiden (— «1 ■t'JSÄai aijiof^ovSic
des Paulus Aegin , Kraus, E. 443) = nicht Über den
Anus hinaus zum Vorschein kommende, also
nicht sichtbare, am Sphinkter ani internus
sitzende (innere) Blutader- Knoten (z. T. auch
die Mariscae der Alten) (I.. ch. 39). — (1801) fliet-
sende Hämorrhoiden = blutende oder blutig
secernicrende After-Varicen (»las Feig, s. d.).
— (I801) Mutter- Hämorrhoiden = Bluterguss
aus der Blutader am Halse der Gebärmutter
(Vogel v, 112 las). — rote Hämorrhoiden = die
blutroten Aderknoten am After im Gegensatze
zu den weissen Hämorrhoiden. — Sack- Hämor-
rhoiden - abgesackter Bluterguss aus den
Blutadern in der Aftergegend (Vogel V, 93). —
Bchleimichte \ Hämorrßoiden = die mit Schleim-
sekretion verbundene Varikosität der Mast-
darmschleimhaut. — (lsoi) unterdrückte Hämor-
rhoiden = die angeblichen Folgen des Ver-
schwindens von Hämorrhoiden durch künst-
liche „Stellung" (Stillung) des Blutflusses aus
denselben; „sie werfen Bich aufs Kreuz, auf
die Lunge etc." — (1797) toeisae Hämorrhoiden
— Abgang von weissem Schleim oder Eiter aus
dem Mastdarme (b. weisse Goldader) bei .Mast-
darmkatarrh (Tripper, Syphilis, Proctitis etc.)
(j. p. Frank v, 19»; vi, 229). — Hämorrhoidal-
Beutcl, -Blut, -Flechten, -Kinder, -Kolik, -Krank-
heit, - Triebe.
Hämpelchen, Hämpelken Md. , zu trampeln,
sich zappelnd bewegen, ür. W. IV, 2. 325) - Penis.
Hämpfel (Hampfel) (= Handvoll [Hatupfelns];
Pranken) = ein Scbnupfen mit massenhaftem
(ss handvoll) Sekrete.
Hankol s. Hanke.
Häppe (Hippe) s. Happe.
hären s. Haar.
Häring, m. ■ eine dünne magere Person nach
dem Vorbilde des schlanken lianeren^ Heer-
flsches (Schmeller I 1117; V. K. VI, 5). —
Neue.
härmen s. Harm.
Härte s. hart.
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luiser — Halft.
Hals.
häser - heisch.
hässig. — AuA-häBSig s. kuh-hftckigu. Hachse
(Hesse) (Mayer 46).
Hätsch b Hasch.
hätschig — schlüpfrig-schleimig (wie dl« Kroto
- Het-ich, Hltaob, BehmeUer I, im-, C. v Belm, M8).
Hauslein s. Haus.
Häutl (bäutlen) ■. Haut.
Hafen, m. ,'vorgcrm. kap; germ. linf — heben ; ahil.
havan; mhd. haven; ein spuzlt. oberdeutsche« Wort,
Kliit;.; ir,^ Topf [s. d.i. Behälter, der etwas fa«st, liebt)
— da« Häfle (Schwaben) Perineum (Burk 17),
weil man sich darauf setzt. — Gf/7-Häferl -
s. überlaufen (Gallenblase). — (r>28) Haupl-
Hafen-Calvaria (llirnschfldcl, Hirntopf) fhubt-
haven, It. v. Gersd. 96; llyrtl , K. W. »7j. — den
Hafen «erbrechen - detiorare (b. Ofen) (Gr. \\.
IV, 2. 122). — den (ierm-Hafen «erbrechen =
einen hefegelben Stuhlgang machen (n.-Bayerni.
Haffer, m. s. Höfel.
Hage- (da/u hegen, ah.I. hag; mhd. huc = Elu-
friedung; angll. haga = oehege ; hagau — glgnalla,
Kluge*, IM), l'-y. lfio, nhd. heguu; uihd. hegen -
pflegen, bewahren). — J Bart, -Drüsen.
Hagel, m. (da* einzelne Hagel-Korn nanute man
Stein; mlid. HugeUteln, Kluge IM)), 1. - das Haber-
korn » Chalacion. — 2. = (i&s3) Augenstern
(Linie) wegen der Form -Ähnlichkeit (Ii. v.
ticmd. 5). — Hagel- Rötung.
-hagen (indogertn. rak — stark sein, Itchilllich teilt ;
vorgerin. kak; ahd. blhagao = behagen ; mhd. behagen,
Kluge5, iso) = beiluden, behagen. — gutes hagen
sein (innd. „gudes hagen »fwn") — gut befinden
Mag Harth 103b), — !<«''• hagen („wan du un hagen
bin", Mug. B. 1. eodj — sich übel befinden.
hager — rahn (s d.) ;mhd. hager— macer, Or, W
IV, i, r>13; Heyne Ii) = mager, mit wenig Fleiflch
versehen — Haegere, f ■« hagerer Zustand.
Hahn, n. mdog. kan [ — cano] ; altgerm. hanan ;
goth. hana; ahd. bano; mhd. han = Sauger, Knth-
vogel. Kluge*, IM). — Pi/>-Hahn - Penis, der mit
ili-m die Öllnung verschliessenden Fass-Pip-
liahn Verglichen wird tZ. f.ö. V.-K. 18U7. 321) (siehe
Zapfen^. — Ziri'c-Hahn = Zwitter, utrius.pie
sexus bomo, der zweierlei Penis hat (Schmcllerli,
1170). — Hahnen-//«/", -Schritt, -Spat, -Sporn,
Stick, -Tritt.
hai b. Hag.
halb-, halb'r, er, r.- -Blut, -Franzosen, -gestor-
ben, -Outsehiag, -Ifauptwch, -Hirn, hörend, -Kre-
tinen, -tappet, +Nnrr, -Nerven, -Rippen, -Schlaf,
-Schlag, -sehen, sichtig, - Tertüwfirber, -tot, - Ver-
renkung.
Habt, (gem.-Rcrm. h*l*a-, Kluge* 1S3 s* Collum
[ — colMim] = hervorragender Körperteil [exeello] ; goth.
beb; ahd., 7. — H. Jabrh. hui», Ca«». Glon«. ; 8. Jnbrh.
linliu, Kero 72; 9. Jahrb. hals — Collum, Itab, Muur. 6t,
11. Jahrb. hal« - cervlx, H.Z III; mhd. hal«; 1'». Jahrb.
hals« ~ guloaita«, I». 271), 1. = der zwischen Brust
und K<.pf gelegene „Stiel des Kopfes" (llyrtl.
Auat. \<r>). das Bindeglied zwischen Kopf und
Kampf (s.d.) sowohl aosserlich wie innerlich
inel. Nacken. — 2. = der Sitz der luftführenden
Kehle, Stimme, de* epeiseführenden Schlundes
und der Halskrankheiten (Or. w. tV, 2. 242:, der
„zugeht" (Tonsillitis) (Pauli 10). — 3. = Hals-
Ähnliches, d. h. schmalere Teile zwischen brei-
teren, z. B. Haarhals (Kalkei, 412) (Schenkelhals).
— 4. = das Leben (in der Rechtssprache), weil
der Scharfrichter den Kopf am Halse abschlug
; Hal tau» 783). — 5. = s. balz. — (1645) er hat (das
Unglück) die Pest um Halse = sein Leben ist
durch die (Pcst)krarikheit bedroht (Coler 308;
l. c. H. a. 207). — halsen (halsen) (ahd. baisön , mhd.
hulseu = umhalsen, Kluge1, 15.1;, l. = (1661) coire (Or.
i w. IV, 2. 261 ; Schmeller 1, 1095). — 2. - das Kragein
(8. d. und Griebs) [C. v. Schm. 258). — 3. = aus
dem Halse entfernen. — /tussrn-Hals — äussert'
Seite des Halses (Coler H. A. 142). — ausgehauener
Hals Achselhieb (Zlpn. 87). — 2Mö)i-Hals
Struma hyperplastica, der nur beim Aufblähen
sichtbar werdende, durch Kropf dicke Hals
(s. blähen). — ftöse Hälse (sie regieren) = Hals-
Geschwüre durchs) Diphthcriaepidemica (s. Un-
kraut) (Coler, II. A. 12'., 1V.0 bo» halaliu? [bueg-
hAlalin], or. \V. IV, 2 1664); b) Schweinebrilune
(Milzbrand) (1777, a. B). — rficAw Hals = Schild-
drüsenanschwellung , Struma (or. W. II, lOsi;
wallb. 371), auch Fellhals, Speckhals, Satthals.
— £>ro*sr/-Hals, 1. ^ kleine Struma in der Dros-
selgrube oder 2. = der Fettwulst unterm Kinn
(Ilalsdrüssel). — du nner Hab) = mager am Halse.
i — (16, Jahrh.) Farren-HalB , 1. =* runder Hals,
wie ihn der Farre (Stier) hat. — 2. = die am
Halse (s. Strosse, Strotze) herabhängende, fett-
strotzende Falte beim Rindvieh (Wamme, Pa-
lear), Pellia e gutture tauri pendula (s. Cioder).
(eine beliebte CnterKuebuug^ütelle aiil Fettrcichlum de«
HandelviebeH, llyrtl. K. W. 157. Or. W. III, 1334). —
.fVieWatf-Hals = Sonntaghals, Feiertag-Schlund,
Gurgel für den Feiertrank. — /•',/,' Hals = Speck-
hals, ein durch Fettwulste oder nicht abgrenz-
bare Fettansammlung verdickter Hals. — (16S0)
Gänse-Hais, 1. — ein langer Hals, der mit dem
dünnen Halse der Gänso verglichen wird (bei
Mensch nnd Pferd). — 2. - ein Trinker-Hals
(Gansewein, gilnseheiser) (Gr. W. IV. L 1271). —
gehackter Hals - Hieb 2. — OVr-Hals - der
| Tritger eines gierig schlingenden Halses oder
, Rachens; der alpartige, bltitsaugende Vampyr
(H. a. Ith. 421). - (1783) heiserer, heischerer Hals
= rauher Hals (Ksslch 128). — Hirsch-Kais (bei
Pferden) wenn die beim Pferde sonst oben
bemerkbare Rundung des Halses mehr an der
Kehle sich zeigt und der Kopf hoch getragen,
aufwärts gehalten wird wie zum Sterngucken
s. d.) t<ir. W. IV, 2. IM; 7 , Mayer 34; Falke I, 339). —
Kropf-Hals- Struma (Baum. 422), Hals miteinetn
Kröpfe <Ütnsekragen). — kru m mer Hals (1577
krumb-, ndl. eromhal» ~- übnüpu*, I). 3'J0), 1. = (1591)
Caput <»l)stipum, seitlicher Schiefhals, Starr-
hals (Gr. W. V, 2462; Dad. Jim. :;93). — 2. = (1756)
Lordosis (A. v. U. I, WO), Verbiegutig des Halses
bei Riickgratsverkrümmungen. — 8. — Angina
(Burk 16); Kranke mit Halsgeschwüren halten
den Hüls wegen der Drüsensehwellungen ein-
seitig etwas steif. — langer Hals - (iinsehaia.
— Irt:>* Hals offener, ratdier HaU J.ultrohre),
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Hain.
halt-halz.
der wie verwundet, verlctxt sich fühlt (akuter
Rachen-Katarrh), St. M artinspluge, mal ä la gorgc
(Pauli 140). — jtfu/tVr-Hals (1C7T) bereits unter-
schieden in a) der grosse oder Mutter- Hals
(stricte sie dictum) = Scheide, Collum longum
Bartholini = Vagina, d. h. hei den alten, die Ge-
burtshilfe äusserst selten ausübenden Ärzten
bis zum 17. Jahrb. = Vagina uteri (Zw. 94; 1047
GeburUzangcnerflndungt); b) der kleine — Cor vi x
uteri = Collum breve (Bartholini) (Kosam. XII.
XIII, Hyrtl, K. W. 74). — (1592) 06-Hal8(Set> 14!» — Rü-
ckenteil des Ochsenhalses. — .•f/imv Hals (1521
offen hals - palatus, D. 4üö), L - (1640) harter Gaumen
Mundhimmel, Bühne (Hyrtl, K. W. 116). — 2.
der ollen sich fohlende, sehte, letze Hüls (Ha-
cb.„-K.U,rh) _ gg ~*-| Hals- R»««k1o.
Hachen- und Kehlkopf-Katarrh, der die Stimme
pelzig (s. d.), rauh (s. d.), belegt, heisch macht,
Heiserkeit und das Gefühl der Räuhe im Halse
veranlasst (Gr. W. VI», 267; Pauli 9; Cola W. 353).
— (1521) Satt-, Sott- (1793) iW-HalB, 1. =ein mehr
oder weniger starker Grad von Halskropf
(Struma), mehrals der Blähhals, weniger als der
eigentliche „Kropf, ein gesättigter, in seinen
Geweben vollgestopfter Hals (wie bei den ge-
kröpften Vögeln; grosse Kehle, dicker Hals)
gutturosus (Seh melier II, KU ; I> 272). — 2. ~ der
Träger eines solchen (r.r. w. vi», i»30). — schel-
eher, sehe pH = Schief - (lfisoj schiefer Hall "Tor-
ticollis (meist rheumatica) , krummer, steifer
Hals (Collum obvtipum) (ctre <|uinttM [gnlogola, /u
cuincher hangen] UrU«. 299. Gr. W. VI», 2683; Böhm.
», 06; Huruü V, 291) , der nicht gerade gehalten
oder bewegt werden kann. — schlimmer Hals,
1. = (15. Jahrb. «Umhals - obstlpua, l). 390 , 1734 Cervtx
obstl|Mi, lleyno V, 393) — schiefer , krummer Hals
(s. schlimm) — 2. - innerlich kranker Hals (An-
gina, Rachen-Katarrh). - ScAm Hals = Blürr-
maul (s. d.) («Inn. skraalbnl« ; schwed. skrlkhals). —
(1592) Schwanen Hals = ein schön gebogener,
ruhig getragener, glatter, langer Hals bei Pferd
und Mensch; bei ersterem im Gegensätze zum
sog. Hirschhalse (Schräder 260; Zlpperl. ; Seb. 209).
— Schweins-Hsils - ein kurzer, dicker Pferde-
bals mit breiter Brnst und schlechtem Kopf-
ansatz (Falke II, 304). — Sonntags-Kala ■ unrechte
Kehle oder Gurgel = Schlund, Feiertags-Gurgel
für den Sonntagstrunk (ülrlluuer 1 , 494. 13). —
(1592) Hals = wulstiget Fetthals bei Mensch
oder Pferd, die dadurch kurzatmig und keu-
chend werden (Seb. 177 . 209; Huck 16; Mayer 35;
ColscPt 300). starker Hals = dicker Mals,
Struma. — starr halsig — krampfsüchtig (Teta-
nus). — steifer Hals — Torticolhs rheutu., Hals,
der wegen rheumatischer Schmerzen nicht be-
wegt, steif gehalten wird (Puull 9). — stinkender
Hals = übelriechender Atem (Gr. W. IV, 2. 255).
— (17'.7) venerischer Hals = syphilitische Han-
gesch wttre (Bauwl »7 . 453). — (1551) verwundeter
Hals - Halsentzündung mit dem Gefühle des
Wundsehmerzes (Bock 74), sehrer, letzer Hals.
— (1495) Wdrr-Hals (1521 da« vorder am ha!« =
wenk-
Kiita. D, 271) Kehle, Drossel. — (uci) mmk-
(14. Jahrb.; wind-
j halsen - colli snprema retorsione nuaerero
(Schmeller I, 1096; Ii, 949. 959); mit krutnm gedreh-
tem Halse seitlich schauen. — Werktag-HAls
(Werft Inhal«, Ruck 16), Gegensatz zum Sonntaghals.
— trunj-halsen (ndd. wruckhalsen, Goldachm. 106)
= aus dem Halse würgend entfernen. — wunder
Hals - letzer Hals (s. d.) (Krau«.. E. 468). — Zahn-
Kola = der engere Teil des Pferdezahns unter
der Krone. — Hals- Ader, -Anthrax, -Band,
■Bein, -Beulen, -Blatt, -Blatter*, -Bräune,
-Bug, -Drüsen, -Drüssel, -Fäule, -Flüsse,
-Garbe, -Geschwür, -Geschwür, -Gesehwulst,
-Gewerbe, -Gewäclis, -Giclttem, -Grat, -Hacken,
•Katarrh, - Kitzel, -Knödlein, -Knöpfe, -Knorpel,
-Knoten, -Krankheit, -Krapfl, -Kröpfe, lähmig,
-Löcher, -Mandel, -Mängel, -Fest, Ring, -Rohr,
-Schlag, -Schlier, -ScJtmerz, -Schwellen, -Schwind-
sucht, -Sehne,- Sehrigkeit, • Siechtag, -Siere, -stark,
-Starre, -strack, -Trockne, -Wamme, -Weh,
-Wirbel, Zapfen.
•halt s. halz.
halten (iudoRerni. kalt o. kol (xöXo; = Herde?];
allgcrm. haldan = einc Herde hüten, zusammenhalten ;
Kein. -(renn, haldan JVleh weiden]; ahd. haltan, be-
wahren, erhalten; inhd. halten, Kluge*, 153; engl, to
hold ; ndl. houden; angl». bealdan — In l'mfanir und
in Hut haben). — Haltung = das Verhältnis,
die Art und Weise, wie die einzelnen Körper-
teile zu einander gelagert sind, —anhalten (den
Harn) =» den Urin dauernd zurückhalten, um
Abtluss verhindern. — anhaltende Fieber. —
Atem halten — eine hei Kindern benbachtbnre
mehr weniger lang dauernde Atempause in-
folge eines Brustmuskelkrampfes = Verfangen
| (Pauli 59). — (1693) 7l<haltung ~ Beiwohnung,
Coitus (Schmeller 1, 1101). — (1532) Behsltung der
Feuchte — Amenorrhoe, Verhaltung der Menses
(Kries 106). — .Frudit'-Halter — Cterus als Be-
hälter für das sich entwickelnde Ei. — Kind-
f.' -halten = das Wochenbett einhalten , die
Bettruhe bewahren nach der Gehurt (Gr. w. V.
727). — konnliche Zu haltung (16U koulichu
| zuehalttinjj, Z. d. V. f. V.-K. 1896, 42») = Coha-
bitatio polen s, eheliches Zeugungsvermögen.
— Blumen-, Harn-, Milch-.Samen-, Stall-, Urin-,
Wasser- Vorhaltung - - der Zustand beim zurück-
gehaltenen, nicht eingetretenen Monats-, Mut-
ter- ( - 1-qehaemlaSoraui, Kosum 36J, Milch-, Samen-,
Uriufluss (Zeit), der sich sonst regelrecht er-
goBsen hat. — Der Kranke hält - verhält sich
ruhig (bei einer Operation), nimmt sich zusam-
men (Gr. W. IV, 2. 284 «ub 7a.). — H'aa»fr-halten
snrinam inhibere= Urinverbnltung (Or. W. IV,
2. 286). — En fiialtaamkeits- Tripper.
-halz (-holz) (Roth, hall» ; ahd. halz ; 1 i. Jahrb.. , ndl.
halt, l>. 12C; mhd. balz [ein Im Deutschen erloschenes
Wort), Schmeller I, 1061; Schw. 211 ; I.exer 90 ; aucls.
heilte; engl, halt = hinkend, lahm, I^ehf. 181) =claudus
hinkend, lahm. - (mhd ; halzen = hinken. - (mhd J
gehalten — lähmen (LexcrM). — hnft-hdlz : Mufe-
halz) (mhd. huf- [huflc-]halz ( halc/, hufaltz, hufUo'.ti]
= hüftenlahm, Schindler I, 1063. 1103), 1. = hinkend
durch Hüftleiden, Cuxitis chronic., Gicht oder
Schenkelhalshruch,claudus,ehiinhis(Hyrü,K.W. ;
i . x. r 108). — 2. = der Träger eines solchen Ia}\-
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210
ham— Hammer.
Hampel — Hand.
denB. — /ä'Am-halz (angl«. laerapihaU = lurdus [leuip-
hald] H. Z. V. : schwed. laghalt, Pier. 7; D. 340) m (tan-
tologtsch) infolge von Lähme hinkend. — 2jjj££
halz (holz) = das Rind , dessen Fuss lahm ist
(Zlngerle 55 ; ndd. o»senhals, Goldschm. 167). — Sprung-
halz (engl, springhalt, KalUchm.) = am Hahnentritt
(8. d.) leidend u. so beim Sprunae lähmig, hin-
kend. — spur-halz (mhd. spnrihalz , Leser 2t4 ;
Müllonh. Scherer IV, I und 279) = sparlahm (von I
Pferden), fusBtapfenlahtn oder auf einem Fusse |
so lahm, dass das Pferd nichts verspürt, keine
Spur hat = empfindungslahm ist. — rerhalzen
(hillzen) (mhd. verhälicn [verhalzen]) = verlahmen,
ganz halz ( = lahm) machen (Lexer 321; Schmeller
1, 1103). — gäh ivrhalzen = plötzlich lahm sein
(gaehlu verhelcet, Schmeller I, 1103).
ham (ahd.i, Hammeln), f. Hammel, m., n.
(gerui. ham = verstümmeln, verkrüppelt; engl, ham-
«trtng — die Knfekehlensehne, mit deren Durchschnei-
dung der „ham" gehemmt [*. d.], gelahmt Ist; goth.
hammn; ahd. ham = lahm, durch Lahme gehemmt,
gichtbrüchlg , hamal — verstümmelt, lahm [dazu hem-
men], Kluge*, 154. 164; hammalön — - verstümmeln
[durch den Stein-, , Hammer" '], Schw. 277; ahd. hamma,
Gass, i'iloss ., Dici 12U = campa jjainbon, jambe], poplites,
I). 93 ; 12. Jahrh. hnmmen = suffragines, capita femorum,
H. Z. II, 20-"» IT.; mhd. hamme — suffrago, Schlegel,
Kluge ; (ir. W. IV, 2 ; hameln — verstümmeln ; 14. Jahrh.
hnmme = suffrago, I>. 565; 1175, ndl. ham ol scholder
of schonck = ancha. laganum, D. 34 ; 1482 ham = suffrago
[Stelzfuss], Zenlng. Voc. n 6, f f 1 ; knye ham ss suffrago
[Kniebug], Zenlng. Voc. aa 2. In (Ir. W. IV, 2. 309
wird Hammel, Hamm iu der Wurael hnm = biegen,
krümmen bezogen; hamma = das Gebogene, Krumme;
ahd. ham - verkrüppelt, gebogen, lahm, stclzfüssig;
engl, ham = Kniebeuge, Kuiekehle, Schinken. Schenkel,
Lende, L*ht «1. 94. IU; Kalt*chm). — Hämmling,
Hammel, m. ■ Castratus, Eunuch (s. d.) als
Verstümmelter (verschnittener Widder), auch
geschlechtl. unreifer Mensch (Kluge*. 154, H. Paul
201; Gr. w. IV, 2. 311). — hammein - kastrieren
(bei Lämmern) (Merk 25«). — Hammel, n. = Nach-
geburt der Kuh (dies wie ndl. bam, haem, hamr,
(De Cock] = Nachgeburt, Eihaut, Kindeshülle, zur in-
dogerin. Wurzel kam sich bedecken [schämen, sham);
uhd. hämo "Decke, Hülle, Hemd [s. d.J, Eihaut; = diu
kleine Hülle (hamel,, die das Kalb verhüllt
(Gr. w. iv, 2. 307); dazu der Hammeini = ein
beutelförmigea Netz tschw. 276; Gr. W. IV, 2. 307).
— Hamme, f. (ahd. hamma; mhd. hamme; 1C1R
hammeu = Dicchfleisch, Schmeller I, 498. 1106) (s. o.)
= Sutfrago, Poples, das sich biegende, krüm-
tnende Glied, 1. = menschlicher Schenkel. —
2. - Hinterkeule, Schlegel, Hinterschlegel (beim
Tiere), Puma (Gr. W iv, 2. :;oy). — 3. = s. Ham-
mer. — trhammelt ahd., in:jtj bihamaloter = muti-
latus, Schmeller I, llot>) = bei der Hamme gelahmt,
verschnitten. — Ä.',.. - Hnmme (s. o.). — Rotz-
Hammel = unreifer Junge (s. Rotzer) (Z. f. 0.
V.K. 1896, 8. 282). — Hammen- Strang, - Wamme.
Hammer, m. (Hämmerlein) fgem.-germ. = stein,
steinerne Waffe [s. dengeln]; ahd. hamar; mhd. hamer,
Klupo *, 154), Im altgerm. Donnr-Thor-Kulte das Symbol
des befruchtenden Phallus V < orr. f. A. K. ü. tSM,'
s. 62), daher: Hammerwurf = Befruchtung („der
smlt von ot>erlande warf «inen bamer lo minea »ho«1'.
Frauenlobs Marlenlied). — hämmern - klopfen
(vom Herzen z. B.) Palpitatio cordis, itaAu,oc
Hipp. (Euch« 1, 491; 11, 43). — Hämmerlein, 1. =
(16*7; CberacUung des malleolus, Hyrtl, K. W. 97)
Knöchel. — 2. = Tod (s. d.) - Meister Hämmer-
lein. — (1592) fii«rf*-Hammer (Hammen) (Über-
setzung des franz. maru-au sa martellus = malleus
[humidus]; „das Wee oder die Krankheit, welche die
Franlzosen die Rindshammer vnd Martcau nennen",
Seb. i;.i)= Rotzstränge, harte Wurmknoten (v. M.
1. 68; Falke II, 238; Du Gange V, 291). — Hammer-
-Bein, -Stiel
Hampel, m. = Einfaltspinsel, Kretin; ver-
mutlich zu Gampel (s. d. und Heimchen).
— hampeln, 1. = einfältig, weinerlich thun
(Schmeller I, 1118). — 2. = gebeugt einhergehen
(Z. t. d. Pbiloi. in, 344). — Hampel- Mann.
Hand, f. (die meisten lndogennan. Sprachstammc
haben bereits je eigenartige Bezeichnungen für die
fangende, fassende, greifende Hand; goth. hinthan —
fassen; gem.-germ. hant m manus, Kluge*, 1.54; goth.
handus; ahd. hant; mhd. hant; engl, band; ndl. band;
angls. hond), 1. = die menschliche Hand vom
Handgelenke bis zur Fingerspitze (incl Finger)
(Gr. w. iv. 2. 324 ff.) als Teil des ganzen Menschen,
der Hand und Herz, Hände und Füsse hat —
2. = die rechte Hand des Menschen, als die
eigentliche zumeist thätige, fassende Hand, das
Organon organorum, daher (engl, bowhand — die
deu Rogen spannende Hand ; spear-hand — die rechte
Hand des Reiters, der den Speer tragt, Kaltschm.). —
3. - die Affen- oder Tierhand (Gr. W. IV, 2. 324).
— 4. = hant- ist In einzelnen Fallen Entstellung aus
ant-, /.. B. hantprahti statt antpraeten, contractu« (Graff
IV, 970,. — 5. = mythologisch ist das Händepaar
die natürliche Kraft, das Symbol der mütter-
lichen Plastik, Zeugung und Fruchtbarkeit
(itacbofen 173—175). — handeln s. Handel. —
äussere Hand = Handrücken. — aufgesprungene
Hände — ein bei Arbeitern häufiges Ekzema
palm. chron. > irint , das bei äusseren Schäd-
lichkeiten durch Hinrisse in der sonst schwielig
harten Haut sich sehr bemerkbar macht, (daher
engl, seahand [bei Schiffern oder Seeleuten], Finger-
kork). — auf der Bens er Hand sein - ein Zustand
des Besserwerdens (Schmeller I, 1122). — (1591)
Beutel -'H.&nde = durch Gicht zitternde, beu-
telnde Hände, Tremor manuum (Gr. w. I, 1762).
— Bogen- Hand — Hand 2. — böse Hand = quam
Hand (s. d.). — Zta - Da - Hand (Klnderspr.) m
schone, rechte Hand (s. d.). — Darr- (dürre,
dorige) Hand (goth mana gatbaursana habend« handu
[einlas]; abd. thurnin hant, Graff V, 200) m paralytisch
atrophische (verdorrte) Hand, die abmagert.
— die denke Hand (1260 teDke hant, Pfeiffer 4s
= linke Hand; 1332 die tenken band; 1417 tenk hant ,
1182 tenke bandt, Zenlng. Voc. gg 4, 1 2) = die lang-
samere, ungeschicktere linke Hand, main basse,
main pote (= lourde) (Du Gange IX, 258; Bris». 38;
Schmeller I, 524; ndd. luchte hand; engl, bridle band
— die Sattelhand, welche den Rosszaum halt). —
er thut alles tenkisch (mit der linken Hand)
[8chm. 1, 524). — DU fcs-Hand = eine durch Hände-
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Hand.
Hand.
217
arbeit (Stehlen) rauhe Hand (Kaltschm ). — ein-
händi'/ (»tad. alnhentlr = mancu«, T). »46; mhd. ein-
hendec, Lexer 41) = nur eine Hand habend. —
(17«) flache Hand - Palma manus n. Metacarpus.
— gäbiscke (gabische, gabige, abiche) Hand, 1. —
ungeschickte Hand. — 2. = linke verkehrte)
Hand (gabisch zu Gau; mb<l. goenwisch, bäuerlich,
gaulscb. Schtneller I. 8*>7, »43; Hintner 7. 16). — ge-
streckte Hand (U. Jahrb. gestrachtl, 15. Jahrb. ge-
streckt hant, Voc. opt. w. Ii; D. 643) - Palma
(Strackhand). — (14*>> glinke (gelenke) Hand
(Zenlng. Voc. gg 4) = Manus sinistra, tenke Hand,
die schräg (gelenkte) verkehrte linke Hand
(gvlcnke a. Schmeller I, 624; 1573 gelenke hande,
Plos« Bartels II, 146). — (1507) GotteS-R&nd (1587
unsere» herren gottes band, D. 41 ; 1592 schlag oder
band Gottes, 8eb. 30, 1608 band «iottes, Schlag, Sehm.
I, 1120) = Apoplexia (s. Gott), als Ursache einer
sonst nicht erkl&rharen Krankheit, die (1940) bei
Pietorius 77 bereits als eine Verstopfung der (ichlrn-
kaatlein erklart wird (Coler, H. A. 107). — Grind-
Hand = die aufgesprung. Hand (s. d.) (Kaltschm.
1, 569). — (1692) grobe Hand - rauhe Hand (Seh M).
— harte Hände (15. Juhrh = eaüoau, O. 91) =
durch feste Schwielen rauhe, derbe Hunde (engl,
bardbanded). — ftVti-Hand s. Königshand. —
Httiter-Hand, 1. =der zwischen Carpus und den
ersten Fingergliedern liegende Teil der Hobl-
nand (Heyne HI, 169). — 2 = die Hinterhand
oder Nachband bei Vierfflssern (Gr. w. iv, 2.
1506; Falke I. 596). — (1561) hohle (Hohl- Rand =
Palma manus, Manus cava (Gaufe, s. d.), ein-
wärt* gekrümmte Handfläche (Gr. W. IV, 2. 1714).
— innere Hand (13.-15. Jahrh. inhant, lnhende =
vola manus, D. 628; 1507 eynrehande, D. 233) — innere
Handflache (Palma) = ir-Hände (1420 irhende -
cleiTal. Tola manu». D. 126) - Ir s. d.) oder i(nne)r
Hand. — innerhand- Ungemach. — (iöS2j kalte
Hand (des Todes, der alles, Gross und Klein,
kalt friast) (Gr. w. v, 77). — klamme Hände -
von Frost erstarrte, krampfige Hande inains
potelees) (BrUs. 3s, or. w. v. 936). — £7aur/i-Hand
= eine lange bestehende Lähmung der Hand-
nerven, wobei die Finger-Endphalangen volar
klauenförmig gebeugt sind. — kleine Hand (vber
Setzung der Manus parva der Arablsten, Hyrtl, K. W. 16]
m Däumling (s.d. n. Handkopf). — Ä/u»i/>-Hand
— Talipomanus vara s. valga (congenita), eine
klumpig (massig; verwachsene Hand, eine un-
förmliche Hand mit Verkrümmung des Hand-
gelenkes nach der Kleinfingerseite hin (r,r. W.
V. 12»» . Förster n. 981). — Knochen-Kind. - eine
fettarme, knöcherne Hand (ur. w. IV, 2. 328) —
A'm /t'-Hand - Elephantiasis manus (Lepra), die
apfelgrosse Hautknollen an der Hund macht.
— knotige Hand = schwielige, haut- und kno-
chenharte Hand (Gr. w. v, 15U). — A'om'^-Hand
= die das königsübel (Kropf und Hals-Skro-
pheln) durch Auflegung heilende Hand der eng-
lischen u. französischen Könige (s. Wehrwolf)
(Bircber 3 ; Nicolai II, 261), ein Volksglaube, der darin
«eine Erklärung finden wird, dass l>ei den Xoniger-
manen die weltlichen Herrscher das Götteropfer leiteten
(Oolth. 619) , die Opferhand war die hellende Hand ;
darum Ist auch Wodan, der Stammvater aller angrl-
sacliiiscben Könige (tiolth. JV9) Zauber- u. HeUkünstler
j (i. WodaMflnger ; i. auch Z. d. V. f. V.-K. 1S96. 443). —
kranke Hand = leidende Hand («r. w. V, 2024;
I 15. Jahrh. eyn krangh band = ehiragTa, D. II. 91). —
lahm? Hand = gelähmte Hand, die, wenn die
Lähmung sich nicht hebt, zur Darrband wird
(engl, brokenhanded = lahm an der Hand wie durch
Knochenbrueh, Kaltschm.). — lasse Hand = m0de
Hand (fir. W. VI, 268). — Z.e6cT-Hand (OberseUting
der Manus hepatls der Arablsten), 1. ss der Leber-
lappen, dersich bandförtniganden vollen Magen
anlegt. — 2. = die Pfort-Ador, weil sich die
Leber derselben wie einer Hand bedient, um
denChylus anzuziehen (Hyrtl, K. W. 74) (s. Leber .
— linke (luchte) Hand s. denke Hand. — (1743)
-Uif f"' Hand, 1. - Metacarpus, Palma manus, die
die Mitte zwischen Fingern und Arm bildende
Hohlhandfläche (bibl. Mcdlk. 2«3). — 2. - der
Mittelteil des Pferdekörpers zwischen Vorder-
und Hinterhand. — Na ch Hand = der hinter
der Reiterhand befindliche Teil des Pferde-
körpers im Gegensatze «ur Vorhand (Mayer 26;
Falke I, 396. Ii, 141). — 06e»-Hand, 1. = der obere
Teil der Hand (Handrücken). — 2. = Hand-
wurtel (Gr. W. TO, 10BS). — offene Hände - auf-
gesprungene, hautkranke Hände. — Patsch-
Hand = die Gruas-Hand, Dadaliand, schöne
Hand, rechte Hand, in die man beim Grusse
schlägt, dass es „patscht" (patsch, ein lautmalendes
Wort). — platte Hand = Palma manus, flache
Hand. — quate Hand -die böse, durch Zauber
krank machende Hand (De Cotk so). — (1599) räu-
dige Hände - Hände, die an der Räude, Scabies
(b. d.) erk rankt sind (Grindhand) (ür. w. VIII, 256).
— rau/icHand = durch Ekzcma,Syphili8,Tylosie,
Scabies (Grint), wie rufig, dick, unfein sich an-
fühlende Haut der Hand, Grindhand, Seehund,
Diebshand, Fingerkork, Fingerlohn (Veiel in Z.
Hdb. d. sp Tath. u.Ther. XIV, 1.365). — rechteR&nd
«. Hand 2. — ifu/ite-Händigkeit s. tenk. —
rUferige Hände = rauhe Hände (Gr. w. VHJ, 1408)
(s. rauhe Haut u. Rufe). — schändliche (schänd-
line) Hand = linke Hand, die nicht schöne (häss-
liche' Hand. — (kaü scherbichte Hände = schrun-
dig gespaltene, zerborstene Hautschwiele in der
Hoblhand (Coler. H. A. 144). — schlimme Hand-
kranke Hand (nintner 7. 16). — schöne Hand =
die Rechtshändigkeit ist angeboren (auch bei den
afrikanischen Bagirml ist die rechtu Hand die sch<>ue
Handj. — Schwi i s - Hand - stets schwitzende
Hand. — .SVr-Hand s. aufgesprungene Hand.
— StrackH&nd (= manus extensa. D. 407), s. ge-
streckte Hand. — tenke Hand 8. denke Hand.
— Toten- Hand, I. — die Hand einen Toten,
welche nach dem Volksglauben wie die Königs-
hand den Kropf (Königsflbel) heilen sollte
(BlreherS) (s. Wehrwolf). — 2. -manus mortua,
dead person, der eine Erbschaft hinterlassende
[ Gestorbene. — (1743) verdorrete Hand — hand-
lahm, eine Hand, die durch paralytische Atro-
i phie (oder Gicht) magerer, trockener geworden
I ist (s. Darrhand) (bibl. Med. 487; Lipp. Chr. 180). —
(1713) Fon/cr-Hand, 1. = die menschliche Hand-
wurzel, CarpUS (Hyrtl, K. W. 75; bibl. Medikus 263).
— 2. - der vor der Hund des Reiters befind-
liche Teil des Pferdekiirpprs Mayer M; engl,
lorcbaml;. — wehe Hand - eine verletzte, Weh
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21 S Handel— hangen.
Hanke— Hann».
ver jrsachende , kranke Hand. — iru»<< Hand
(ahd. wlnstern hant, n. Z. VIII, 116) = linke Hand
(„wüst im Gegensatze zu hott") (Schmeller I, 962).
— Zesem Hand (abgentorbene» «ort; ahd. MMrea-
[xe«euuaj-hant - rechte Hand, n. Z. VIII, 116 \ Schm.
I. 621. 962. II, UM). — (ü. Jahrb.) z ugcthane Hand
= geschlossene Hand (pnlmus[»iei], Voc. opt. W. ll).
— Hand (Hände-Mder, -Ballen, Bein, -Berg,
-bloss, -Furche, -Gelenk, -Getücht, -Oichl, -Gift,
•Gleich, -Grube, -Hohle, -Knubel, -Kopf, -Krampf,
■Krümme, -lahm, -los, -Mal, -Marn, -Podagra,
-Rauchigkeit, -Räude, -Rechen, -Rinne, -Rist,
-Rucken, -ScJitceiss, -Schwellen, -Sihtcitzen,
-Schrunden, -Seuren, -Sohle, -Spanne, -Stiel,
■Sucht, -Teller, -Tisch, -Weh, Wurm, Wurzel,
-Zipperlein, -Zittern.
Handel, m. (tH huflelO — mll de» Händen lassen,
arln-ltcn, die Waren mit den Hunden vorzeigen) —
(1752) Kupfer- Handel — Facies ebrosa, die kupfer-
rote Nase der Weintrinker, alB oh diese mit
Kupfer handeln würden, Acne rosacca (Gr. W.
V, 2759. 2764) (Kupfer-Nase, Kupfer-Finne, (Jutta
rosacea) (13. Jahrh. goutle ro«t< , IT.) (s. Kupfer)
(Bück IS; Behrend 5. 60; A. v. II. II, 721. 7:il ; Nicolai ;
Hau tul. 429). — (1592) \'< -nua-Handel sa L'oitns
iHeb. yj'i). — (1609) W«'6er-Handel~ Weiher-(Je-
Mhtfte, weihliche Blodigkeit (Menses) (Guar. 932)
— Wcinbluni< n Handel = Gutta rosacea der
Weintrinker, die auf eine feine Blume Wert
legen (s. Gewerbe 2) (zw. iso).
handig (hantig, hantig) ; hantig = fest, scharf,
bitter, salzig, sauer, heftig schmeckend (im Ge-
gensatze r.u süss). — Hant, in. - Bitterkeit
(8chmeller I, 1127). — (1790) GaM-Haendte (li'.ls)
f/rtW-hantig- gallebitter (Schindler i, 89o 1137). —
hantig'.'. «% es) Blut, -Firns, Gall, Geblüt.
hangen (hängen, Gehäng) (gem. germ. tmnh;
Roth, hfthan ; ahil, hAhnn ; mhd. bähen. Kluge5, l.Vi)
— hei Korperteilen meist Zeichen der Schwache
der Muskeln oder der Nerven, z. B. den Kopf
hängen lassen. — auch einem eine Krankheit
an den Hals hängen (hangen machen). —(1748)
.1 /'hangung - der Zustand des Herabhängen*,
st. B. eitie entstellende Geschwulst des oberen
Augenlides, der Wamme, Schlichten etc. (K. ch.
323), — (HU) anhangend — anklebende, wie an
den Hals fest angehängte oder durch „Befleck-
ung" (s.d.; l'ontaginm: übertragene Krankheit
(s. Sucht; (D. n&. mg). — (1646] «««hängen =
etwas so verdrangen oder in soiner Lage ver-
ändern, dass es nach aussen zu herabhängt,
z. B. sonst im Inneren befindliche Organe bis
vor die äusseren Leibes.dlnungen heraussenken
lassen (Fterus, l'enis equi) (oder. II. a. 21 i). —
ßrhäng der bei der Kote de« Pferdes herab-
hängende Haarzopf, der viele starke, lange
Haare hat, desgleichen am Pferdeschen kel ((Je-
hflng 4). — />a»hang s. Vorhang. — GVhäng
(1656gehenk Omentum, (Jr. \V. VII. 639; 1581 gehenck
= exu, Ilyrtl, K. W. 57. 5». 191; D 219; 1592 «ielieu. k
— Schafolunge, Seb. 166; lüso gehange, <ir. W. V, 59),
1. - alle« hängende Eingeweide der Brust und
des Bauchs (Wamme, Intestina) (Ilyrtl, K. w. 191);
namentlich hangen die edlen Teile der Brust,
Herz, Lunge, nach der Volksanschauung nur
i an einein Faden (= Herzbände] oder Lebens-
faden). — 2. = namentlich das dünne Gedärm,
welches an einer langen Bauchfellfalte hangt
(Schweinsdarm, Kalbsgekröse) (ö«terrelch. Ilyrtl,
K. W. 57. 68, 1680, Gr. w. V, 5y). — 3. = die herab-
hängenden Ohren des Jagdhundes. — 4. = Köte-
zopf beim Pferde (Behang) (Gr. W. III, 1692;
Mayer 38!. — Brust -Gth&ngel (Kengel) = das in
der Brusthöhle hangende Brusteingeweide (c. t.
Schm. aus). — .Ein^raeirtVGr-häng [15M . heuek
nmb die eingeweid = prnecordla,\ Gr. W. VII, 639),
Nett, Omentum. — A nit -hängig - die Ellenbogen-
I (s. d.) Stellung der Pferde, wobei die Knie wie
beim Ochsenknie (s. d.) nach vorne hängen. —
[1592) «6cr-hängig - wenn ein unteretändiges
(s. d.) Pferd mit Brust und Hals vorn überhängt,
mit den Vorderfüssen zu weit unter den Leib
gestellt ist (Seb. 222; Kalke II. 383). — Vorhang,
1. — am Gaumen = Gaumensegel (Kalke 1, 308;
Heyne II, 1035) (Palatum molle). — 2. -(17011 Haut-
Fürhang — eine hautige Umhüllung, z. B. (Cal-
lus-Sehwarte) vor einem Knochensequester
(vierordt (u,). — hangende, Hänge- (Hang)-£a-
cken, -Bauch, Brüste, -drüsslet, -Lanken, -Maul,
■Spint, -Ucen.
Hanke, f. (Hänkel) (ahd. ancha; mhd. ank.
„dem sich wlu Ofterl elu h vorgeschoben", Gr. W. IV,
2. 4>5; 171C hanke [= Anke]; engl, haunuh - Hüfte,
ixdif. 54. lsi), 1 = Hüfte, Schenkel, Lende,
Hinterleib; heim Pferde namentlich die beiden
Seitenteile der Kruppe (Kalke I, 365). — 2. =
menschlicher Schenkel, Bein (henkel, hänkel;
Tirol, Gr. W. IV, 2. V<h; Hlntner 8) (vergl. Henkel
u. Anke). — Hankerl = Heinkel, Helmke!,
Heimchen (s. d.), Zwerg (Schoenwerth II, 316;
Lahmer 11, 186), — Km-Hanker (Tirol; i.h istner 1,
7.1; 11,90.91 ; enonger; Zingerlc, Sagen 96; uennangger),
1. — einhüftiger, einfüssiger Mensch. — 2. =
auch Alpdämon mit halber Menschennatur,
halb Geist (Sphinx); (auch [Ante hlesscn $0 al»
Dämonen, Alpb. 263). — 3. = s. halber Mensch.
Hanns, in. = Johannes («. d .). Der häufige
Haueriinaine Hann» galt ab Scherlbezeichnung lur
verschiedene Begriffe ein besonders kräftiger
Mann (Schi. 3). — Hannsen, 1. = dl« Unterhose
der Weiber, die Genitalia femluae wie eine Kutte, Kotze
>. d ] verhüllend. — 2 = Gehnrtsteil der Kuh
schmeller 1. 1135). — Hanns«! (Hänslein) = Penis
(Gr. w. iv, 2. k.ii - Hämischen im (ausm)
Keller («eherehalt) — das mannliche Kind im
Mutterleib, das nach dem Glauben der Kinder-
stube aus dem Keller des Vaters kommt
(ndl. hauxjo ult den kelder, I r<iuell VI, 218; Heyne III.
60; Gr. W. IV. 2. 402 . Waekcrnagel, Abhdlgn. III, 132)
(Kmbryon) s. G retchen im Keller. —
(15. Jahrh.) A-A-A-Usum» = (blessiu, halhui, D. 77)
— einer, der nur abgehackt, stotternd oder
slainmelnd spricht. — Fasd -Karins = Über-
spannter Mensch (Huck 15), niitrischer Hanns
[FHcInacbl ; s. Fasel u. Ki-ei). — f-WAM-Hanns
«. Fuchtel (Huck 15; Schmeller I, MS). — langer
Hanns = Mittelfmger (s. d.) (Iliutner 7. 17)
Scbamlinger). — .WW/ir-Hanns = ein nach
Älpart aufhockender (s. d.) Mar (Hilmon) des
anterfrankiaclieu Volksglaubens (i.aistuei 11,
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Hippe— Hann.
Harn.
22J). — il77"; l\.-p Hanns Popanz, Alphito, ein
kinderfressendes Gespenst (Poppe) des Volks-
glaubens (Lalitnerll, 209, D. 36). — Schmal Hanns
= ein schmaler, magerer Mensch (eugl. nlggard).
— SrAramm-Hanns = ein mit vielen Narben
bedeckter Mensch, Raufbold (Wackern. Abhdlg.
Iii, im). — Hanns- Mors.
Happe, f. Happen, m Häppe, Hippe (»hd.
hnppa; mhd. happe, (. ~ das sichelförmige Wlnzer-
meuer, Gr. W. IV, 2. 471, Kluge*, 168). — Hape
(Happen, m., Happ), 1. = Habichtsnase, Adler-
nase (Germania XVIII, 24; Buck 12). — 2. = Haupt
(Cr. W. IV. 2. MW). — 3 = Processus falciformis
durae matris (Oyrtl, k. w. na). « 4. = ein gutes
Fleischschnitzel, wie mit der Hippe geschnitten.
— hippig = ein krankhaftes Verlangen (Lust 2)
auf feine Bissen (Pica) habend (von schwan-
geren Weibern), gelüstig (Gr. w. IV, 2. 1554;
Schmeller I. 1139).
hapl ^- gebrechlich, verkrüppelt (von Vieh
u. Mensch) (Scbmeller I, 1143).
happern (innd. hapereu ^- verfehlen, stottern
Kluge*, 155) = stottern, mit dem Munde schnap-
pend sprechen.
Harant, m. (Ktidrun : böraut; 15. Jabrh. der hnruut
— calamlu, lnflrmita«, D. II, 6.'.) , zu Heer = ver-
heerende Pestseuche (porsonif.).
Harb, n. e. Hör.
Harm, ro. Harn, ts. n. Harin, Hurin, m.
harnen, härmen, härmen (aiundiseh ikar
ausglesaen, Gr. W. IV, 2. 487 [sxiüp — Kot]; allgcrin.
«kam = Kot, abd. harau = Urin, Kluge*, 156; 1260 dai
harn, Ffeiffer 21 ; 14. Jahrh. da« harn, Germ. XVIII,
71 ; 1482 barem, harui = «ayehet, urlna, Zcnlug. Voc.
n 7, bb<; härmen — prunren, 8ch nieller I, 1162, mhd.
harn, H Z. XV, 350, härm — minetura, I) 361; 14*1
härm, C. v. Megbg. ; 14*9 härmen, Gr. W. IV, 2. 483;
härmen. Zcning. Voc. n7; 15. Jahrb. harnen, Hyrtl,
K. W. 133; 1531 hären, m. = urin, Krautw. I.XIX). —
harnen » den Leibesbrunnen entleeren, aus-
giessen, laufen lassen. — Harn ■ Urina,
Minetura, Mictio. — /;• tt harnen (1529 betharnen,
Kriea 119; 1725 Dettharuen, The«, s. Mr. — Enuresis
nocturna, Bettpissen. — (1699) bleifarbener Harn
— livider, nicht dunkler Harn (v. M. II, 233),
optische Täuschung durch die ehemaligen
Uringläser (s. Zirkel). — (1744) Blut harnen
Stetiger Harn) — Mictio seu Urina cruenta,
aematuria, Haemoglobinurie, Blutbeimisch-
ung zum entleerten Urine (ndl. bioedwatcnug, Ew.
877. 781; Vogel V, 19»; bluet geharmbt, Schm. I, 1162).
— (16. Jahrh. )brennender Harn (Harm) = Dysuria,
pisse rasoirs, Tripper, kalter Piss (Pausa; Arzn.-
Bueh 52; Pnüst. Amt 1871. 8. 12-j), s. Harnbrennet),
Ardor urinae. — Eiter- Harn - Mictio purulenta,
Pyuria, Eiter (mit Blut) im Urin (Gr. \v. III, MS;
Zw. 781). — (1797) £w/s-Harn-der durch Scheide-
sekret (Weisslluss) , etwas getrübte, weisse
Frauen-Urin (j. p. Krank v, lao; crina Krina mppo-
kratU. der Harn der l'tlauzenire*ser L-t häufig trüb und
dünn, Vi. I, 227). — (1477) feister Harn (Ortolph,
1699 v. M. II, 233), 1. = dicker Urin, in der Farbe
gesättigter Harn. — 2. - feister Zirkel (h. d.) —
JV/f Harn t'byluria, Fottbeimengatt|{ zum
I Urin (bei Filaria sanguinis), Milch-Harn. —
(16. Jahrh.) fiebriger Harn, (la. Jahrh.) Fieber -
Harn, 1. ^ die bei Fieber auftretendo Urin Ver-
änderung, die sich meist in dunkelroter Sedi-
mentierunu (Sedimentum lateritium) kennzeich-
net (z. Hdb. IV, 2. 73). — 2. = Eiterharn mit
FieberfroBt (Arz.-Boch). — Grrö-Harn s. Gries,
Stein, -r (1260) grüner Harn, 1. = eine damals
prognostisch schlechte Farbe des Harn (s. grüner
Zirkel) (Pfeiffer 65). — 2. ^ (carobus = caprasmus,
carnls visio est Speeles coloris urinae [viridis], Ü. 102 ; II,
76) friscberUrin. — (1762) Haar harnen = „wenn
mit dem Urin Haare abgeben" (A. v. H. II, 1291),
durch Kommunikation der Harnblase mit einer
Dermoidcyste (Zw. Hdbch. IX, 381). — (1530) hart?.
Harnung 'Ii'- Handlungdes schwierigen Harn-
lassens (Künigssp. 51). — (1726) kalter Harn, 1. =
Stranguria, Harnwinde, s. kalt (Th. San. Br. i**.j.
— 2. = Tripper, Ardor urinae (calidus). — (169»;
kreisloser Harn -ein Urin ohne Zirkel (v. M. II.
235) (s. grüner Zirkel). — (1599) lauter harnen -
Urina potus, klaren, hellen Urin entleeren,
lauterstallen (Gr. w. v, 379). — (1752) Jfi/cA-har-
men, -Harn = Diabetes chylosa, Chylurie, Fett-
harn, ein milchig aussehender Urin durch Fett-
beimengung (bei Filaria sanguinis) , wobei der
Harn wie Milch Feltrahm absetzt (Schindler I,
1162; Gr. W. VI. 2194 ; Frank 149) — (1699) ölerhter
Harn s. feister Zirkel (v. 11. 11, 231). — roter Harn,
l. = (1533) Urina rubens, rubra, rufens, Sedimen-
tum lateritium, wenn der Harn einen roten,
ziegelmehlartigen Bodensatz zeigt (Gr. w. IV, 2.
487; Künlgsp. 32). — 2. (15. Jahrh. dlssenteria, Ü. 641)
= durch Blut rot gefärbter Harn, s. rot pissen,
blutharnen (Merk 139; Kalke II, 216). — aandichter
Harn = ein Harn mit sandigem Sedimente
(Gries, Urina arenosa) (Gr. W. IV, 2. 4*7). — (1699)
schuppichter Harn = Kleien (s. d.) im Harn
(v. M. 11, 234). — (1591) schwerlichea Härmen = be-
schwerliche Urinentleerung (Taben». 53g). — Stau-
uri0»-Harn=ein dunkler, konzentrierter, meist
etwas eiweisshaltiger Harn bei Stauungen des
Blutes durch Herzleiden, Schwangerschaft etc.
— Ston Harn = Harnsand, Gries, Harnstein
(s. d.) (Kraus, K. 572). — (1699) »tücklichter Harn
-= Harn, in welchem die Tripperfäden (s. d.)
als lange Schleimstücke schwimmen (v. M. II,
235). — Trupfiein- {tröpfelnder) Harn (1477
troeptllngeii harn, Ortolph; 1532 das tropfllngen
harnen, Fries 118, 1551 da» droepffelieht harnen, Bock
12») - Stranguria, Dysuria (Blasenkrampf),
Ardor urinae (Tripper), „wenn der Harn beim
Abschlagen brennt, wegen Schärfe zum Ab-
schlagen treibt und dennoch nur tropfenweise
gelassen werden kann" (Zw. 749. 778). — (i">92) übel
harnen - schlecht urinieren, Dysuria (Seb. 587).
— (16. Jahrh.) überflüssiges Härmen = Hamlluss
[Am, Buch). — ungedäuter Harn (1532 uugedewte,
uugedowte lmru = diabete« [Inslpidus], ,,et ixl nicht
anders, dann eine Viele des llarus und Bcglerd zu
harnen, und Ist doch der ltam nicht genugsam ge-
kocht, deshalb dieser Brest vergleicht wird dem Bauch-
Ihm Ltonlerie", Fries 119). Nach der Galenischen
Schule war der Harn die Uberflüssigkeit (s. d.)
und das Resultat der S. Diiuung (in der Leber);
Verdauungsstörungen machten sich demnach
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220 Harpfe— hart.
Hasch— Hase.
nach dieser alten Physiologie vor allem im Urine
bemerkbar. — (16. Jahrh.) vergessener, verstan-
dener Harn = Dy 8 nria, eine Harnentleerung, die
nicht im richtigen Gange ist, sondern fehler-
haft zeitweise stille steht, sitzt. — verschlagener
Harn ^ lechuria, ein Harnrluss, dessen Entlee-
rang schnell eich verlegt, so das« er an normaler
Stelle gar nicht erfolgt (R. A. 462) (verstandene
Blattei). — (16. Jahrb.) wilder Harn = der un-
natürliche, nicht normale, auf schwere Krank-
heiten hinweisende Urin (Gr. W. IV, 2. 4S2). —
wolkiger Harn s. Wolke. — (1672) Zucker Harn
= Diabetes mellitus, der zuckerhaltige l'rin,
der schon seit Ayus Veda bekannt ist (Salkowski-
Leube 294). — Harn- (Harm-) Blase, -Blatter,
•Brand, -brennen, -Brunnen, -Bruntz, -Drüsen,
-Faserlein, -Fass, Fieber, -Fistel, -Fluss, - Gang,
-Grand, -Gries, -Häutlein, -Haut, -Krankheit,
-Kreis, -Läufe, -lassen, -Leiden, -Leiter, -lösen,
-Mangel, -Pfeife, -Rinnen, -Rohre, -Ruhr, -Säck-
lein, -Sand, -Schnur, -Schweins, -Sperre, -Stein,
-Strenge,-treiben, -tröpfeln,- Verstopfung, Wasser,
-Wege, -Werkztvg, - Winden t - Wulst, -Zicang.
Harpfe, f. auf der Karpfen liegen (Harpfe =
ein Scbuubau für Getreidegarben aus aufgerichteten
Baumstämmen mit tjuerstangeu, der Ähnlichkeit mit
einer Harfe [geni.-gcrm. harpa; ahd. harpha; tuhd.
harpfe, Kluge*. 166] haben soll) = auf der Struu
liegen (s. d.) = krank sein (da» Krankenlager war
neben der Schieder- oder Lotterbank, früher im ITeu
des Kubeis, Gr. W. IV, 2. 476).
harsch (zu hart [s. d.]; engl. harah - streng,
I.ehf. 107). — ./'harscht (ahd. giharscart, Graft IV,
mc) = verhflrtet, contractu». — t < » harschen =
harten, festen Schorf machen auf der weichen
Wunde (Rufe), die sich rauh anfühlt wie der
Harscht oder gefrorene Schnee (barsch = hart.
Kluge», 186. 29»). — harsche Haut.
Harscherl, n. (zu baischen, Hilfe lordern, z. I.
d. Phil. Hl, 334) = armes Geschöpf, Kretin.
hart, Härte, f. (Wuml kar=Mhun, machen, vor-
genn. kartüs; gem.-gcrm. hartus ; goth. hardus; ahd.
hBrti = hart; mbd. hertc - Schulterblatt [als knochen-
harter Teil] Schweiler I, 1170, mhd. hart = hart, fest,
schwer, schmerzlich, Kluge*, 150; haertin ■ scirrhus;
engl, hnrd , hardness) , 1. — schwer, schmerzlich
((ieburt, Druck, Krankheit, Gehör z. B.) (Heyne
Ol, 67). — 2. - harte Stellen am und im Leibe
(UrOscn, Beulen, Huf, Leib, Knochen, Rippen
etc). — die Härte (ahd. hertc = spatula [scapulaj,
D. 546: 1521 herte - cnllu«, D 91; franz. durUlon -
i-alloalte, Bris». 211 ; 1616 die hartin) - harte Körper-
stellen im Gegensätze zum weicheren Fleisch
{Paracelsus; Gr. W. II, 190). — Als klinisches
Sym ptom scheint „die Härte" nicht vor dem
15. Jahrb. sprachlich im Deutschen sich fest-
gesetzt zu haben, zuerst wohl als Kotvorslopf-
ung, dannals Uterushbroid - Mutterverhärtung,
sowie = (1687) hart um die Rippen - Rachitis
(Georg. 4.:.2j; hart = verstopft im Leibe. — 3. —
als besondere (bei dem Opferkulte und Speer-
stiche) auffallende Härte, das Schulterblatt (ahd.
- ik.-rti, herti. hurti, Graft IV. 1026 ; Klug* *, 3-1«; altnord.
hordhar , über das anlautende S s. Z. f. d. A. 1^8. 195;
ahd., 7.-8. Jahrh. unter hartiuum = inter scapulas =
spatium, quod inter scapulas est, Gass. Glösa. Diez 95 ;
Graft IV, 1026; mhd. hertc ■ scapnla, 8chm. I, 1170),
der harte Nacken ergab: hartnackig. — 4. =
Hart (Haar) = Herz (s. d ). — (1*92) Härtigkeit
= Scirrhoma (8eb. 112. 34»), verhärteter Zustand
der Gewebe. — (1677) Härtung = Verhärtung
(Beynon 163). — (1495) /■' iui ,V Harte (hert In dem
bauch = consUpatus, P. 145) — Verstopfung durch
harte Kotballen im Leibe. — (1777) Bein- Harte
- Knorpel, Ossilago, Kruspelbein (D. 402). —
Erhaltung = Verhärtung. — Hand Härte (harte
In den banden ; 1470 cyn hert in der band — callu«,
I). Ii, 67) = Callosilas, Handschwielen (Gr. W. IV,
2. 616). — Haut-Härte (1482 bert in der haut =
bocio, boihrlum)^Durities manus = Handschwie-
len (D. 77) (l. harte Hand). — Mih-Rarte (mnd.
14 —1'. Jahrh. der mlltchardichcit, J. f. nd. Sp.-F. XV,
131 ; berdte des miltz am griff, Fries 112 ; 1588 haertung
des miitzcus, Arz.-Buch) — der harte, greifbare Milz-
tumor. — (1677) Xieren- Erhärtung — Nieren-
schrumpfung (Beynon 232). — (7nfrr-Härte -
Mittelschulter (s. d.). — (15. Jahrh.) twhärtet;
(1754) Verhärtung, L = Sklera (Hippokratee)
Scirrhus — barter Faserkrebs, Carcinoma. —
2. = der Zustand des abnorm Hart- und Steif-
werdens auf der Haut, an Gelenken, Knochen
und sonstigen Organen (A. v. H. I. 1210; Fuchs
Hipp. II, 64; Bavarla II, 2. 882). — Drüsen- Ver-
härtung = Lymphomat«, Scirrhositas glandu-
larum. — Geblüts- Vt rhärtung = Thrombosis,
Infarctus (Baas 384). — (1507) Haut- Verhärtung
(Hort. San.) = böse Räude (s. d.). — (1744) Leber-
Verhärtung Scirrhus hepatis Hippokratis (Zw.
st4), Leber-Infarkt (A. v. H. 1,782). — (1420) im Leibe
verhärtet — Induratio faecum, Constipatio, Kin-
trockungdes Kotes im 1 ,eibe (Coler, n. A. 220; D. 145).
— Lungen- Verhärtung = ein durch Schrumpf-
ung des Bindegewebs veranlasster Zustand des
Hartwerdens des sonst weichschwammigen Lun-
gen-gewebes. — Magen- Verhärtung - Magen-
\ krebs (franz. avoir le pylore, Briss. 112). — Mandel-
Verhärtung Mandelliypertrophie (Kohlcrll. 52)
'harte Eicheln). — Mutter- Verhärtung (1561 die
verhärte Muter, Bock 14) - Uterusflbroid, Scirrhus
uteri. — (1699) Nieren- Verhärtung Hodentumor
(s. Niere) (v. M. Ii, 40). — hart^e, er, es) Anstehen,
Beingeschwulst, -Beulen, -Blatter, -Blut, -Brust-
geschwulst, -Butztl, -Drücken, -Drüsen, -Fäule,
-Fieber, -Geblüt, -Geburt, -Geschwür, -Gesehwel-
len, -Gesrhicür, -Geschwulst,Grint,-härig,-Hand,
-Harnung, -Häutigkeit, -Höppel, -hörig, -hufig,
-Husten, -Kehle, -Klieren, -Knüppel, -lieber,
-leibig, - Lungen f aide, -Mammen, -Masern, -vtäu-
Kff, -Milz, -nackig, -Nerven, -Niederkunft,
-Schädel, -Schlaf, Schleim, -Seite, -Spann, Stät-
tigkeit, - Warzen, - Wurm, -Zitterach, -zustehen.
Hasch (Hätsch) = Hetsch, Heschen, Klus,
SilJgultUS (Gr. W. V, 1260).
Hascherl s. HaraeherL
Hase, m. Das schncllAufige, kleine, äusserst furcht-
same und fruchtbare Wild mit den Springbeinen und
langen Ohren, der eigentümlichen Lippenbildung und
den im Schlafe angeblich offenen Augen dient *n
manchem Vergleiche. — Hasen - Auge, -Hacke,
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Haspel— Haube.
Hauch.
-Kopf, -Lippe, -Mund, -Ohren, -ScJiaden, -Scharte,
-Schlaf, -Spat, -Sprung.
Haspel, f. Hispel (Gispel7) haspeln (n ait-
germ. haupa = Thürbarken und Garnwinde , Ha*pe ;
fthd. haspa und hasptl — Garnwinde , mhd. Haspel.
Kluge *, 157 ; 1018 hospcl — perturbatus, Burk 15 ; Schm.
I, 118.'); Schwaben; Oberpfalz) = der wie auf einer
Haspel aufgewunden, umgedreht, (geistig) über-
spannt ist. — haspeln ■ gehen wie ein Krumm-
beinigvr.dessen Fasse wie verwickeltsind (Gr. W.
IV, 2. 645).
Ha ss , m. hässlich — . hassig - Ii vidus, blau-
striemtg verunstaltet (I>. 834; die* nach Sehtncller
I. 1174 zu Eisse («. d. 8. 1101.]; cgisltch, elsllch). —
AuA-h aasig « kuh-häukig und Hachse.
hastig. — hastiger Siechtag.
Haube, f. (indogerm. kup = Haupt; germ. kaup
[rouput, caput] , ahd büba - Milnnerhaube ; mhd. hübe
(Frauenbanbe und Uelrn, l'ickclhaube], Kluge*, 157 =
Hülle dir den Kopf und Kopfforrnigcs, sowie hauhen-
artige l'mhüllung), 1.= l'raeptilium (1528 hub — prac-
putium, H. r. GerRd. 15; Hjrtl. K. W. 111; Schwant/.-
kappe, Qugel). — 2. - der zweite Magen der
Wiederkäuer wegen der Ähnlichkeit mit einer
aus Garn hergestellten netzförmigen Frauen-
Haube (Gr. w. IV, 1. 1368; VI, 4), Netzmagen, Lab-
haublein. — 3. = das (JlückshUublein (s. d.) (15M
lianbleln, Gr. W. IV, 2. 565. 588; die Kindshaut, Schaf-
haut, A v. iL n, 633; 1677 twIHAdchei) ; beim Knaben
oder Degenkind der Helm od. Glückshelin, s.d., Hyrtl,
K. W.8I) (s. Kleid, Kleidchen). — 4. = der Träger
einer Haube. — Glüt ks- Haube — das Kinderbalg-
Jein, Pileus, Caput galeatum, Vitta ( — mitra), nc
coitfe, nascer vestito ( = Amnion oder Wasser-
haube) oder «He Schafhaut, die manchmal auf
dem zuerst beiderGeburt erscheinenden Haupte
des Kindes wie eine Haube oder ein Helm (s. d.)
aufsitzt, welche Ober den Kopf gespannte Be-
deckung als ein besonders gutes Omen (peau
divine, s. Glück) seit den griechischen Zeiten
und an den verschiedensten Orten betrachtet
Wird (Pauli 110; J. Grimm, D. M. 829; Wuttke 203;
Rochholz I, 92; Bavoria IV, 2. 346; Stein I, «8; Ploss-
Bartels II, 253; Mannhardt, Zcitschr. f. d. Mylhol. IV, 3 ;
Kwai* de Mjrthol.. Max Müller; Briss. 321); sie wurde
früher sorgfaltig aufhewahrt o. unter derThür-Sehwclle,
dem Datnonenplatze, verKraben (s. l'iistatte); das Volk
wahnte, der Folge- oder Schutzgeist (s. d.) des Kindes
oder ein Teil seines eigenen Ichs habe darin seinen
Silz; auch als sieg- und glückbringender Schutz gegen
Verwundungen wurde sie neben dem Krrtten-Segen
verwendet (Gr. I). M. 828. 829; Gr. W. V, 733. 760 2423;
Wuttke 125; Urquell 1892, S. 117] und am Leibe getragen,
daher als Kamillenheiligtum getrocknet u. aufbewahrt
(Lammen 114. Anm. 115; vcrgl. Haupthut; Slmrock,
H. D. M. 165); aie heUat auch: Glück, Wester Haube.
Webmuttcr Haublein, WcMerhemdlein, Lab Hiiuhlein,
Klndcrhalglcln. Balglcin (a d. Verfassers Volkü-ModMn,
S. 204). In England soll die Glückshaube beute noch
in den gTösslen Zeltungen für Geld (eil geboten werden
(Huber; Soranus 132). In Island heisst sie sigur kufl,
Norwegen slgerhuva; gowiellkvar-belgus = (inadetibatg
= Opfergabe (Eihaut des Kalbes, Z. d V. I. V. K. 1H%,
8. 236). Schweden i segerhue ; Dänemark sejr skjorte
= 8iegs«hürtze (rrqucll 1892. 117). - OoW-Haube
— Glückshaube (s. d., Gold, Geld = Glück) -
Glückskleid (Z. d. V. f. V.-K. 189«, S. 253;. — Hirn-
Haube (mhd. hirnhubc ; ndd., IV Jahrh. hernhawbe --
ineuica, pellis quae eireumdat cerebrum, D. 3'<6 ; Gr. W.
IV. & IM0) - Hirnhaut, Meninges. — Königs-
Haube = Helm, Glückshaube, pean divine (Falke
II, so). — Lo6-Haublein, l.=der 2. Magen der
Wiederkäuer (s. o. Haube 2). — 2. = auch (nach
Ploss, das Weib) Glückshaube. — Schlaf Haube
— eine schlafsüchtige Person. — SrAnen-Haube
= Galea aponeurotica , die sehnige Kopf-
SOh warte, die den Schädel bedeckt (Kraus, E.806).
— Sturm Haube = „eine besondere Art eines hef-
tigen Kopfschmerzes, der ringsum den Kopf
wie ein breites Band oder wie eine Sturmhaube
cinschlicssl" (A. v. H. II, 63«) (Neuralgia). —
VFasÄrr-Haube — Kihant mit Fruchtwasser (l'loss
Härtels ii, l'.'»3). — HVA»mtt<r Haublein = GlüekB-
Haube, Westerhemdlein, Helm, Schafhaut etc.
;ilavarla IV. 2. 346, Gr. I>. M. II, 828). — (16. Jahrb.)
IVVnfVr-Haublein ,,das Fellln, das die Kinder zu
Zelten ob ihrem Angesicht mit ihnen an die Well
pringen" (Blrlinger, Sitten II, 234 ; wo weiteres über
den dabei gebräuchlichen Al>erglauben ; vestis — Kleid)
(-. Glückshaube, Westerheuxl). — Hauben -
Stork.
Hauch, m (hauchen), Hauck, Haug, hau-
chen f., ein aus Luthers IHlielspriiche in der 2. Hälfte des
18. Jahrb. auflebendes Wort" fur blasen, wehen; oberd.
schnaufen; mhd. bücheu, Kluge*. 157). — Hauch
i> Hang, Hauck, Huck), l. = das Zapflein oder
die Stelle, wo der Hauch als Atemluft aus der
Atemrohre hervorkommt (s. Bradem) (ahd.ucco,
mnd. huch = frumen, 1). 219, angel*. hnf. I). L c. ;
14.-1.'). Jahrb. mnd so welich in in «che deine sin huch
[hnghe, büke] hniighct an ileme halse, J. f. nd. 5p,
F. XV, 115. 16. Jahrh. hueck = uva colli, D. 632;
16. Jahrh. houg |hauck] = uvula [Uauchblatt] ; 1646
hugk - uvula. Zapflein, Coler, U. A. 126; 1773
huge - uvula, Gr. W. IV, 2 570; 1S55 Hauck =
uvula, Knllsehm. II, 206; engl, hock, hockherb =
Malve, 1. eod. I, 303; gegen Entzündungen des
Hauches (Angina) sollte das Hnueh-, Huck-, Haucke-,
Hocckc Blatt helfen, Campanulatruchclinm, Ruscus h> -
poglossu« etc., Malva Althea, Jessen 76.3'8). 391). — 2. =
beim Pferde (leis hang, haukj - Pterygium -
Flügel (Nagel, s. d.), Hauch blatt, ein Augen-
übel, eine haucharligeHornliauttrübung(Nagel),
iJie wie nebelig, wolkig ist (Gr W. VII, 263; Coler.
It. 108). — 3. (nach Fulke I, 37ö) - der stärker vor-
tretende Bhiii-hautknorpel (Nagel) beim Pferde
ohne Hornhauttrübung; letzlere ist die Hau-
ckenblindheit. — 4. = Huck — Hauchblatt (s. d).
— hauchen, 1. - die Atemluft ausblasen. —
| 2. = kauchen, kauern (ScnmcUer i, 1012). — An-
hauch-die Vorstellung, dass Krankheiten wie
lurch einen elbischen Anhauch (Elf- Anhauch)
veranlasst, wie , angeblasen" den Menschen be-
fallen (s. Wahl), ist eine weitverbreitete (Gr. 1».
M.II, 1120; schwed. elfveblrtst.alfgust ; norm elfblaest,
Maniih. 62; Golth. 132; v. Gebren 7. 8; Venin!. 6;
i:ie/.ler 13 j Schwarz IM. 411) ; dieser Flatus dämonum
-. Genius epidemicus (Miasma) sollte a) (ilie-
• lersch wellung, b) Pestbeulen, c) Nachtbrand
(Herpes labialis) oder Nachtschaden (s. Un-
htiltte) erzeugen; auch d) die Influenza kommt
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222 hauen— Haupt.
Haupt.
wie „angehaucht" (Uuhem. 11). — (i»v».%) .4i«/<>»
Hauch = Hang 2. (r-oier. rr. s.vj). — Prirf -Hauch
^verpestete Luft, Pest qualin ; der Atem ilcr rost-
kranken galt als giftig und ansteckend; früher war der
Klben-Anhauch (s. d ) als Ursache angenommen. —
Hauch , Hauck-ß/n«, -Blindheit, ■ Tropfen.
hauen, Hauer, m. (vorgerm. kow - schmieden ;
gcrin. hauw; abd. honwan ; mhd. houwen, Klnge5, 158).
— Hauer = die Slosszäbne, die mit den Hau-
zähnen der Wildschweine Ähnlichkeit haben.
— es houet im Bauch = es schmerzt wie ein
schneidender Hieb (Buek 19). — es houet im
Kopf = es hämmert (schmerzend) im Kopf
(Buck 14). — Knochen - Hauer — der mit den
Knochen hämmernde, klopfende Tod (Z. d. V.
f. V.-K. 1896, 8. 342). — vi i -hauen = durch Hauen
verletzen. — E&vl- Krankheit.
Haufe, m. Hauflein, Hüfel) (vorgerm. baub
[dazu lat. lnCUbo = Alj»] = dle Erhobung; gotb. haups,
hüpa [Hufe, Hüft« Kind Ablaute dazu); ahd. hüfo, bouf,
hiuflla, Wockernogel 186; 7.-8. Jahrh. hinffllon, Ca««.
Clous.; 8. Jahrh. hiufllon = genae Inferiores parte«
oculorura, Itab. Maur. 64; mhd. hufe, honte [Haufe,
Schaar], hiufel. Kluge*, 158; Schindler 1, 1056). —
daB Häuflin, 1. — Bucca, Gena, Wange, als
rundlicher Fleischhügel (hawfl, hufelin, D. 259;
Schmeller L eod.; Schw. 36) (s. Huf, Hüfte). —
2. = weibliche Brust (Wackcrnagel 136). — 3. =
Hüfel - schadhafte Stellen (/Häuflein), Höfel,
Hu fei, die neuerdings leidend werden, oder
Nacbwehen einer noch nicht gehörig verheilten
früheren Krankheit sind (Scbm. 1, 1064 ; Lammen 85)
(s. Höfel). 4. = Hufel = ein grosser Hofer (s. d.)
(St. B. M.). — AnYi&vdungen (von Würmern)
(Müller, Krtrbch. 766) = Wurm -Nest (s. d.). —
ÄVW«i-Hufe (11. Jahrh. gelehufe — anglna, 1». 35),
1. es eine die Kehle beengende circumscripte
Anschwellung. — 2. — Kehlbüchel. — hauifg
= angehäuft (Zw. 126). — häufend ßecken.
Haupt, m. Haupp tOstenctch), Haut (Heupt)
itidogenn. kabh, hubh, Grimm W, IV, 2. .97 - empor-
ragen, Heyne III, 70; kelt. fcab, ahfranz. cab, Bri». SO;
kotipot, Kluge4, 158 [caupnt = caput, XcS.«/.Yj); das
sanskrit. kapalo« bedeutete .Schädel, Schale, Scherbe;
die Hirnsehale als Gcfn«s wie der Kopf [«. d.] aufge-
faßt, Gr W. V, 174». 174»i altgerm. hanplt; goth.
haut.lth [Haupt]; ahd.. 8. Jahrh. houblt, Kero71; mhd.
houbet, hout.it, houbet ss Kopf; 16. Jahrh. letzter«*
beim Menschen dafür eintretend, aber beim Vieh noch
langer bleibend, lfiSl noch ,,Haupt"weh [Manuskript
de« Dorfbaders von Hohenaschau], Bcitr. ?.. Authr. u.
t rg. B. 188», 8. 166 Anm. 2; 146U haupp »Haupt, Gr.W.
IV, 2. 596 [Österreich]; 15. Jahrh. lieubit, houbt, heupt
cervix. Haupt [Mittelrbein], Ii 115, Gr. 1. cod.;
gegenwärtig Im Volksmuudc ObcrdeulKchiand« fast
ganz verschwunden, oder auf die edlere Sprache be-
schrankt; da« „Hinterhaupt" bürgert sich aber wieder
allmählich ein , ndl. hoofd ; ndd. hoevet, hoeft = Haupt,
Goldschm. 17; De Cock 70; mittelengl. heved, hCd —
Haupt — engl, bead , Kluge I. c. — Kopf, dazu bar
headed — barkupflg; eoolheaded ~ kaltkopllg; clot-
head — Klotzhaupt, Dummkopf; elubheaded = klump-
kupllg, dickköpfig; glddy headed — »chwindelkopilg ;
growt-head = Krautkopf, Dickkopf; heavy headed =
«chwcrkr.pflg, dumm; light headed leichtkftpflg.
hohlki.plig, verrückt, longhcaded — langscbhdelig,
spitzfindig; mad-, maggoty- headed = madenkopfig,
grillenhaft!« ; hogshead; d*n. oxehoved; schwed. ox-
hufvud; ndl.. ndd. okshoofd = Schwetnskopt [Oxhoft]
1 als Getränke-, Klüssigkeiubottlch [s. Bottich]; dän.
l>arhovedct; schwed. barhufvud, I1ercr7; dan. krus-
hoved — Krauskopf; achwed. lokigt bufond = Locken-
haupt; struphufvud = Drosselkopf, Kehlkopf; holl.
«trottenhoofd - Drosselhaupt, Kehlkopf). — Haupt,
1. =s das Tier- und Menschenhaupt als das Her-
vorragende und aufragende Glied des Körpers
(Gr. w. iv, 2. 697), das nach der Farbe der Haare
auf dem Schädel und am Barte seine Farben-
Bezeichnung erhält — 2. m Hauptähnliches,
was hervor- oder aufragt. — 3. = Haupt =
Gehirn (Hauptentrichtung). — 4. = der ganze
Mensch, das ganze Tier als der Trager des
Hauptes (Stück) (Gr. w. IV, 2. 697; bibl. Med. 114).
— 5. = das flechsige, sehnige Ende des Muskels.
— (15. Jahrb.) /1/Ycr-Haupt= Hinterhaupt (D. 392).
— (1551) blödes Haupt (Bock 57) = Blödhauiptigkrit
(Gr. W. II, 141) = InÜrmitas capitis (namentlich
bei Schnupfen) = schwach durch den Haupt-
fluss (s. d.). — Breit- Haupt = Breitkopf (Knrz-
schädel). — i^sW-Haupt (mhd. rtsclhoubet, Gr. Vf.
V, 1769; 15. Jahrh. viselhawpt = praepuüum, D. 466)
= Glans penis, Schwanzkopf. — (1483) flüssiges
(1668 fliessendes) Haupt = Coryza, Nasenfluss,
Hauptfluss (Beynon 14; C. v. Meghg. ; Gr. W. III,
1863), ein Fluss (s. d.), der das Hirn (Haupt)
reinigen sollte. — (1588) ein (leichtfertig) gesund
Haupt = ein leicht auf dem Halse bewegtes,
freies Haupt (Gr. w. vi, 642). — JzWer-Haupt
= Occiput; (dieses ninterhaupt [Afterhaupt] war zur
Zelt A. v. U. nicht mehr viel gebraucht, gegenwartig
ist es durch die Arzte wieder etwas in den Volksmund
gebracht). — /firn -Haupt = Freu = Hirnleil des
Kopfes (D. 246). — (1528) Lcfcrr-Haupt, 1. = (Ober-
Setzung des caput hepatl« der ArabUten, Fries, Arzncy-
■pfegcl, ; Hyrtl . k. w. 77) der rechte Leberlappen
als der tun meisten hervorragende Teil der
Leber. — 2. = (Übersetzung des gibbum hepatls der
ArabUten ; 1544) die gesamte Oberfläche der Leber
(Hyrtl, K. W. 78. 105). — Lotrcn-Haupt, L = ein
[ dicht behaarter Kopf (schwed. lelon hufvvtd). —
2. = der Träger eines solchen. — 3. = s. auch
Leontiasis bei Aussatz. — (1G66) Luftröhren-
Haupt/ein = Laiynz, Kehlkopf (Hyrtl. K. w. 90;
Gr. W. VI, 1261). — JftfM-Haupt (1414 mytolhoblt;
15. Jahrh. mlddclhouct; 16. Jahrh. niittelheubt, mittet-
haupt e= interclput. D. 303) = der Scheitel als Mitte
zwischen Vorder- und Hinterhaupt. —
Haupt fmhd. überboubet) = der vordere oder
obere Teil des Kopfes (Gr. W. VII, 1090; Hoffm.
I, 396). — (1534) {feuchtes) pf miselich Haupt (beubt)
Niisen-Katarrh (<;r. W. VII, lTsfi). — Huuch-
Haupt -■- der Träger eines wollig -rauhen
Kopi haares (s. Raucbfuss). — Hufen - Haupt
(13. Jahrh. reutTenheupt — cabus, D. 86; engl, »cald-
headed, Kaltsehm.) — Kufenkopf, Grintkopf. —
(1645) schwaches Haupt c oier, n. it. tu) s. Haupt-
schwachheit. — (mhd.) 7'ofcn-Haupt (töten houbet
z= calvaria, D. 91; Lexer M9) = Totenkopf. —
jM./cn-Haupt (ahd. tutlenhttubit, Graff IV, 759) -
I Papilla, Brustwarze ids aufragender Teil der
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Hann.
Bant.
Tutte («. d.). — (1)78) ungeachaffenes Haupt -
unförmlicher Kopf, unnatürlich gebildet (z. B.
Kretinismus} (Gr. w. v, oso). — (I52»i vermorschtes
sermorschtes) Haupt (IL v. Gersd. 27) — ein zer-
spiitteter Hirnschädel. — Vor - Haupt [tobt.
vnrhoubet, Lexer 361 ; 12. Jahrh. furhoubct, Pfeiffer
IL 8»; 15. Jahrb. fürhouj.t = »inelput. 1>. 644; 147',.
ndl. Torhoyfde. vorhoofd, D. 19; De Cook 72; engl,
forehead. Kluge5, 482), 1. — Votderkopf, Stirne.
— 2. — b. Vorkopf. — HVrg-Haupt = ein flachs-
haariger Kopf. — (l3t/9) Z-ry.'.s-Haupt - Glans
penis (Schmcller II. mv). — Haupt- Ader, An-
Sprung, -Baart, -Balg, -Blatt, -Bolle, -Braue,
-Drehung, -Drüse, -Dünnung, -Entrichtung,
-Fachs, -Fehler, -Finne, -Fleisch, -Flwss, -Ge-
scheid, -Geschein, -Giebel, - Grint, -Haar, -Hafen,
-Hir, -Hitz, -Hut, •Krankheit, -Laus, -los, -märig,
-Mangel, -Maulwurf, -mierig, -Milben, -Mittel,
-Nagel, -Niss, -Pein, -Pfanne, -Sand, -Schabe,
-Schäbigkeit, -Schädel, -Schale, -Senats, -Scheitel,
-Schlotter , -Schmers, -Schuppein , -Schussel,
-Schwachheit, -Schwären, -Schcarte, -Schwere,
-Schwindel, -Sehre, -Seuche, -Siechtag, -Siech-
tum, -Stechen, -Strang, -Sucht, -fettig (-tobig),
— Tosung, -Übel, • Verwirrung, - Wackelung, - Was-
ser, -Wassersucht, -Weh, -Wehtag, -Wirbel,
— Wunde, - Wurm, - Wut, -Zerrüttung, -Zittern,
•Zwacken, -Zwatzerung.
Haus, m. (indoijrcrm. küth [dazu cutis]; gerui. hüd
- bergen ; irolh. hü« (Bergende*; eustns, Hütte]; Hhd.
böa; mhd. hü«, Kluge*, 168. 176, Heyne III, 74), 1. =
bildlieh für die, die geistigen und körpei hohen
Teile bergende Hülle des Menschen. — aus dem
Hausl, Häuschen kommen = ausser sich sein,
ausserhalb seiner Sinne, ausser seiner Hülle
(Haut) sein (s. d.), geistig krank (Ruck U; II. i'aul
207). — das Haus knackt (Schmcller I, 1177) = die
Geburtsstunde naht (Gr. P. M. II, Uli). — das
Haus ist eingefallen = die Geburt iet erfolgt
(Or. d. M. n, im); (vergl. Hafen u. Ofen). —
2. = Spezialisiert: (1591 hauaxlin = Mutterleib;
16. Jahrb. hcuslcin , Gr. W. IV, 2 <'>79; Vulva. —
3. =■ (1624 gehauslln. Hyrtl, K. w. Ion) Orbita, die :
Augenhöhle als das <lie Aujjen bergende Haus.
— Augen-EÄnslein ■ Orbita (s. Haus 3) (Hyrtl.
K. W, 103). — J3rni-Hau8 (anifls. banhüs, Roehholz
I. 290) = der menschliche Körper als Knochen-
gerippe u. sterbliche Hfllle. — Birnen Hauslein
(H.77; Hyrtl, K. W. 20; 1754; A r. H. II, 32) - der
Ciehörgangmitdem honigartigen Ohrenschmalz.
— 2,'ifcr-Haus (Häusle) = Kiter- Auge, Eiter-
Kopf, der Zellengewebspfropf in dem Furunkel
(Huck 19 72). — (1613) /fcrr-Häuslein, 1. = I'eri-
cardium, der Herzbeutel als bergende Hfllle für
das Herz (vergl. Herzbilndel). — 2. = Herzkam-
mer (Gr. W. IV. 2. IMS; It. A. 390; L. rhir. 66). —
(17. Jahrh ) /iirn-Häuslein = Caput, Crmnium,
Hirnschadel als bergende Hülle für das Hirn
(Or. W. IV. 2. 1560) — Kropf Haus - der Kopf,
die HiHte Aber dem Kröpfe (Gr. W. V. 2402). —
Seelen-H&US, 1. - Kopf als Sitz der Seele, s. Ge-
bin] (nochh. I, ztt; Tirol). — 2. - Herz als Hirn-
kasten (Blut - Seele im Volke). — (161.,) e$Üt rer-
haust = actum est de eo (Schindler I, ins) — es ist
um ihn geschehen, er iBt aus seiner Hfllle ge-
schieden. — (1515) Fojrf-Haus - Vulva (s. vö-
geln) (D. 633}. — (15. Jalirb.) W Virmi-Haus = Anns
(wegen der Feigwarzen) (Ehlingen). — Wurm-
Haus die im Leibe des .Menschen angenom-
mene Wurmbehausung, die In Obcrd. utsehland am
Allerseelentage , im Oldcnburgischen am Krcltag oder
Samstaß (Itochholi II, .56; Goldschm. 144J offen sein
sollte, daheran diesem Tage Abführmittel geRen Wurmer
uehrauehi (Rochholzi (Wurm-Nest). — M7C1) Zahn-
Hauslein Alveolns dentis, Zahnfach (L. ch. 3).
— Haus-jVrx, -Kreuz, -Plage, - Tripper, Übel,
- Vater.
Haut, f. HautU n. Haeut, f. (sing.) häutlen
(indugerm. khud [verhüllen; daxu Haus, Hütte]; sku
[bergen, bedeckeu] , Grimm; Kluge *, 15* ; vorgerm.
kütis = lat. GUUS; goth. ht'nh« = Haut ; ahd. hüt, hütili
(-dünne Haut, Hantrhen]; mhd. hüt = Haut, Gr. W.
1, 1085; hit - Haut, Hyrtl. K. W. 17; mnd. huet. hiu-
tclin- Haut, Mag. Itarth. K«; 1 >29 hutlein. Rrunf. ; 1612,
o.-rf. Haut, f., Sehmelier I, 11*7, angel». hyd ; engl,
hide, coat, horuy coat — Hornhaut, lilinzhaut). —
Haut, l. = die Hfllle des ganzen, menschlichen
und tierischen Körpers (Cutis, Corium, cuir) ;
gegenüber dem (früheren) Fell (s. d.) ist uns
houte die Haut stet« etwas Dünneres, Feineres,
Zarteres. Zum normalen menschlichen Körper
gehören mehr als „Haut und Knochen" oder
„Haut u. Bein", es fehlt dann dabei das Fleisch
[Gr. \v. IV, 2. 705) ; aber , Haut und Haar" ist
das Kollektiv des Süsseren Menschen (Gr W. IV,
2. 706), in bildlicher Redewendung: mancher
steckt in keiner „guten Haut", weil man seine
Krankheit, z. B. (1761) Kachexie (L. ch 12), schon
von Aussen erkennen kann; er möchte dann
gerne aus seiner Haut fahren: der Zählebige
hat wie die alten Weiber od. Hexen (Gitschen)
' ' Häute, weil er so ausdauernd ist, wie ein aus
9 Hauten zusammen gefertigter Koffer oder
Ledergurt, so dass der Bader t)X das Schröpf-
eisen einschlagen muss bei demselben. In Reiui?
auf dl.- Kntitebung der organischen Wesen nahm die
altere Bcbötdungsthcorlc au, dass die Geburt der Tiere
und das Auskeimen der l'tlanzeti etgeutlieb nicht«
als die Itefreiunp des warhsenden Kmbryous au»
einer es umgebenden und umhüllenden Haut sei;
die Rückbildung Ünvolutlo) Rnit darum als ein Zu-
rückkehren In diesen häutigen Zustand und wer be-
sonders lang lebte, hatte schon von Gehurt aus
darum 9 Haute. Hallt Fell = cutis : pellis (Gr. W.
III, 1495). — 2. = dünne Decken u. Umhüllungen
an Teilen des inneren Körpers (Gr. w. IV, 2. 7rx. fff,
t. B. Schleimhaute, Magenhäute, Rocke (s. d.),
Tunica membrana. — 3. = der sich bildende
CbefMJg oder Decke auf gerinnender Milch,
Blutgcrinnseln, Geschwüren etc. (Heyne III, 82).
Speckhaut, Milchhaut. — Zwischen Haut und
Fleisch, s. Fleisch 8. 15b\ — 4. = s. Haupt. -
Häuter, m. 1. - ein Pferd, dessen Haut schon
dem Schinder zugefallen ist Schmcller I, IIS*). —
2. = armseliger, kranker Mensch (Wolf 15S). —
Häutlein = Fellieula, Gutieula {Gr. w. IV, 2. 712;
1IS2 hentlein. do ein kint oder die frucht oder ein todt
klnd Inn lljtt. Zcning. Voc. 06) = Secundina. —
(1634) HäUteln Liehen Btrophulus, die Kinder-
llautpapein, Schälknötehen, die sich rasch ah-
häuten und bald wiederkehren (Bclirend 50). —
häuten = die Oberhaut verlieren. — Häutung
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221 Haut.
h. Abhäntnng und Mauserung — häutig (mhd.
hiutee; 16S0 heutig, Gr. w. iv, 2. 711) = mit einer
Haut versehen oder aus einer dünnen Haut
bestehend. — .1'- Häutung 'lf" mehr (lachen*
hafte, weiche Ablösung der Oberhaut, gegen-
Oher der Abschillung, die mehr trockene, rund-
liche llnutgebilde entfernt. — (18. Jahrb.) Ader-
Haut = Chorion ; a) = Nachgeburl (v. Hicbold UJ
•lie äussere, mit Adern durchsetzte Haut des
Mutterkuchens (Hyrtl, K. W. 183; Grimm [XV. I, 179]
denkt an Entstellung aus Achterhaut, Nachhaut, Nach-
geburthaut); h) im Auge (Chorioidea) ; c) die
Tunica der Blutgefässe (Schulausdruck). — Augen-
Haut = die den Augapfel bildende Haut Tunica,
weisse, harte Augen haut, Lederhaut 4 (Selero-
tica) (Hyrtl, Anal. 545; Gr. W. I, 806). — Au-jen-
Häutl, 1. - «las Hautl (Fell, s. d.), ahnorm im
Ange gewachsen (Pannus, I.eucoma, Pterygium
etc). — 2. — (1560) die Hornhaut als erstes Augen-
häutlein (Plctor 81). — 3. — (16r.o) die Linse als
zweites Augenhitutlein (i'lctor 82). — £<i«c/i-Haut
— die zarte Haut, diedie Innenhohle des Bauches
auskleidet (ur. W. 1, 1167; Hyrtl, K. W. 150), Peri-
toneum. — (1742) jBrin-Haut = die feine Haut
auf «lern Knochen, Periosleuui (Zw. 29$), — Mini-
(ZMite-)Haut- die nagel- oder halbmondförmig
gebogene, knorpelige Nickhaut oder Vogelhaut
im Auge des Pferdes (s. Augen-Nagel d und
Haut 3} (Gr. w. VII, 203). — bosc Häute = Mere-
trices, die ansteckende (hose) Hautkrankheiten
haben (s. rauhe Haut), Trüllerin (Schindler I, 661.
1187; Lammen 89). — /frowce-Haut ■ Mor btiB Ad-
disonii wegen der schmutzig, bräunlichen Ver-
färbung der Haut (s. Addisonsche Krankheit).
— £rtwt/-Haut= Brustfell, Rippenfell (1532 „das
hentlln der brnst" ; in ihm erwachst ein gescbwtr, von
dem der hust knmpl", Kriech»; Pleura, A. v. H. II. 322;
(Ir. W. II, 440; Löveling 2t)9). — 7Atr»i Haut = das
die Gedärme umgebende Bauchfell und die ein-
zelnen, den Darm bildenden (lewebsscbichten.
— /Jai-Haut — „in der Daxhaut stecken" =
menstruiert sein (s. Dax). — dicke Haut —
Schwiele, Hautveihartung, HautdOrre, Callo-
sitas, Elephantiasis (dan. tykhud, r,r. W. II, nwi).
— ZWfcr-Haut = Zona peilueida des Eies. —
dünne Haut - Eihaut (Hoss-narteli I, Ml; 1396
dunnshaewtel, Sehmeller I, 1188). — Ei Haut, 1.=
Cuticulaovi, (Schafhaut, Kindsbalglein (Gr. W.
III, 1495). — 2. (1513 hut in dem ay — meinbninum
tenue InOVO, Ü. 35.-.; 146« huitly Im eyg; egeshud
membrana, I). 11, 250) - das weisse Hautchen am
Ei des Huhnes. — (i»30) Entiundungs'H&nt -=
Speckhaut (s. d.) (Kopp IV, 402). — (1783) falsche
Haut - kallose, fungöse Wucherung an <je-
schw ürsrandern [r.ssleb NO). — /V^-Haut, 1. =
(1788) Membrana adiposa [<<r. \v. III, l .-.73; ltiebter
I, 102,- Plenk Zergl. 220), Pannicuius adipOBUP,
die unter der Haut hegende, zellgewebige Fett-
sehichte. — 2. = (17S3) die Speckhaut des Blutes
(Euleli 240). — Fli rh sen Haut - eine dünne, breite,
haullormig ausgedehnte Flechse (Gr, W. III, i7jhj.
(Aponeurosis). — (18. Jahrb.) Fleimh'Ra.ut ^Pla-
tysma myoides (Hynl, K. W. 62). — /»'/wy-Haut -
das bei Menschen zwischen den Fingern oder
Zehen wie bei den fliegenden Tieren (Fleder-
maus) ausgebreitete, von normaler Haut be-
Haut.
I deckte (iebilde. — JVtrr-Hattt = Gänsehaut
(s. d.) beim Frost oder Frieren (b. Friesel) (Eck-
«teiu d. Monatsh. 1895. April 106). — l'rMC.Ar-Haut
= die Schafhaut, Kimisbalg, Wasserhaut, Harn-
haut, Amnion, die sich aus der Keimhaut der
Frucht abhebt und diese bis zur Geburt um-
schlieSBt (s. Haube) (Gr. W. IV, 1. 273). — (1590)
Oän Haut - Peripsyxis s. Phrykia (Hippok.),
Cutis anserina, die fröstelnde, menschliche
Haut, die Bich durch die Wirkung von glatten
Uaut-Muskelfasern in Fältchen legt, wodurch die
Haartaschen der Haut emporragen u. ungefähr
wie die zahlreichen Hauthügelchen (Gänse-
drüsen) der gerupften Gansehaut (s. .Staupe)
aussehen; sie „überlauft" den Menschen (engl,
gocuo »kin, Lehl. 38; Hyrtl, Anat. 512; Gr. W.III, 1497;
Samuel 138; Z. Hdb. XIV, 1. 229). — (1677) Qeburta-
Häutlein ( Haut) = Frucht- Haut, die das zu Ge-
barende (Embryon, Foetus) einschliesst, Am-
nion (Gr. w. IV, l. 1909). — (1761) dickes Geburts-
häutlein ** Chorion , Schafhaut (L. eh. 18). —
(Vf/öwi-Haut, 1. = Aderhaut, Chorion, aussei c
Eihaut Hynl, Anat. 745). — 2. = Tunica der Blut-
gefässe. — (17>4) (teilen Haut -die Tunica testig
(I lodenhaut, s. Geilen) (A. v. II. II, 410). — Oe-
«icAfr-Hant = die ßichlbaro, von den Haaren
(auf der Kopfschwarte) unbedeckte Haut. —
geschärfte Haut = Intertrigo, Kxeoriatio, haut-
letz, fratt sein, sehr sein (A. r. H. II, 417). —
fr(,'v. hl- Haut = alte Hexe, die 9 Haute (s. o.)
hat (Z. f. d. 0. V.-K. 1896. s. loo). — Qlas Haut -
die den Glaskörper umgebende Membrana hya-
loiilea des Auges (Sohulau>dnick, Hyrtl, Anat. 558).
— Harn Haut, (is..i«hrh.) -Häutlein, (17.-4) -Häut-
chen, 1. «s AilantoiB, „ein Glied des uropoie-
lischen, harnbildenden Systems des Embryo"
(Hyrtl, K. W. ; A. v. II. II, 31; Falke I, 369), da«
zwischen dem Amnion uud dem Chorion als
hautförmiges Gebilde in der Nachgeburt liegt
(Gr. W. IV, 2. 488) (Harn-Sfick)ein). — 2. = das
schillernde, irrisierende Hautchen, daa sich
auf dein langer Btehonden Harne bildet. —
harsche Haut = durch Schorf bildung harte Haut,
Haut-Kruste (c. v. Schm. 26). — (1761) hartes
Häutlein ^Sclerotica membrana oculi, die den
Augenbulbus bildende Leder-Haut (L. ch. 49). —
//arf-Häutigkeit = der ZuBtand der Trocken-
heit, Steifheit und Harte beim chronisch er-
krankten Rindvieh (Zipp. 564; Kalke I, 77). — Hei-
dVn-Haut = die Haut deB Neugeborenen, die
sich nach dem kalten Bade der Taufe abschuppt
(Hyrtl, K. W. 519), s. Heide. — heile Haut = glatte,
unversehrte, un verwundete Haut; (1783) von
heiler Haut entsteht ein Schaden, d. h. ohne
sichtbare, äussere Verletzung (Platner I, 124). —
//WZ-Haut (schlechte) ■ eine meist bei Skrofu-
lösen beobachtbare Anomalie der Haut, welche
selbst bei einfachen Verletzungen nur langsame
Heilung zeigt. — Ha * -Häutlein {lfi«6) (-Haut)
rs Herzbauslein, Pericardium, als Herzbeutel
oder hüllende Hecke über dem Herzen (Gr. W.
IV, 2. 1248). — Wirn-Haut, (1587) Hirn-, (KftO) Ge-
hirn HäUtlein tmhd. hlrnhüt, Gr. W. IV, 2. 1560;
hvw tiein in dem biru - mirtagn [tuculngeaj; 1587 hirn-
i Imentlein — meniea [meningea], 1). 356. 3G3) = obere
| u. untere, harte u. dünne H.-H.; letztere = pia
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Haut.
Haut.
mater als hüllende, schützende Decken Ober
dem Gehirn (Meningen) (Gr. w. IV, 2. 712 ; nach
Da fange VII, 231 auch Rarratclla [von salvarv] ge-
nannt). — (1680) IiirnscAa/en-Häutlein - Peri-
cranium, das Zäserhautlein — Knochenhautlein
unter der straffen Kopfseh warte, auf und über
der Hirnschale (Gr. W. IV, 2 712). — (1761) Born-
Haut I ^ = ^orneB» n^e hornharte, glatte,
durchsichtige vordere Augenhaut (Gr. w. IV, 2.
1826; I.. ohlr. 19); Honih&VLt- Bruch, -Flecken. —
2. — dicke, hornharte, kallöse Stellen der Haut
(Siegfrieds Hornhaut); dazu Hühnerauge; siehe
Ilürnenauce* (nord. horund m<m horn ; Welt irisch,
9. Jahrh. conganchnesu, z. t. d. A. 18*8. 293) (s. Haut-
horn). — innerste Haut (1515 Inderste hut am ynge-
weyd = xlphac, Peritoneum, Dlef.j — lnneufell,
Bauchfell. — (1748) Jungfern -Häutchen = Hymen
(SU'boldss), Scheidenklappe, Jungfernschlösslein,
Jungfern -Schatz, Hochung Hyrtl, Anat. 715;
K. a 56). — ÜTiKfo-Hautlein = das Hautlein (s. o.)
(1632 ..das bcutlin da daz klnd Inn liest, xecundina
genannt und wird von etlichen wclbern genannt die
ander geburt", Fries 126) = Eihaut, Fruchthaut,
Schafhaut, Kindsbahr, Kindsfell, Lämmern-
Häutlein. — Meinet Hautlein = Epidermis, Cu-
ticula, das oberste nautlein der Haut (Hyrtl, K.
w. 94) (Oberhaut). — Kopf Haut Kopfschwarte.
— (1482) krätzige Haut = Cutella, räudige Haut,
Kratze (Hautkrankheit) (Gr. w. v, 2081 ; I). 165).
— Kn ,t, n - Haut ( — la grenouille [ = Frosch), la peau
conKtarament moulUce, Bris». 210). 1. = stets aufge-
weichte, leicht einreissende Haut (d. Wascher-
innen). — 2. = warzige Hant (s. Warzenkönig)
(Alpbg. 216.) — A"ic7ir(4-Haut — Chorion, die am
Mutterkuchen befindliche Eihaut (Kalke u, 46). —
i La IM tm r n - Hautlein (Übersetzung des) A mnion
= Schafhaut (Vesal führte statt des grlech. amnioa
die [cutis] agnina und damit diese Übersetzung ein,
llyrtl, K. W. 81. 104); beim Schafe sieht man das
Embryon durch die hesonders zarte Schafhaut
hindurch. — Z,edev-Haut, 1. = Corinm, Narb,
Derma, Cutis, die die streifenförmigen Bauch-
runzeln bei der Schwangerschaft (Striae gravi-
darum) u. die Narben der Hautwunden bildende
Hautschichte, welche beim Tiere durch Ab-
kratzung der (beim Irchener [von hlrcus - Hock]
durch Lauge erweichten) Oberhaut als Leder-
haut zur Gerbung vorbereitet wird (llyrtl, Anat.
513 -, K. W. 183). — 2.= das Chorion, die äussere,
dichtere Eihaut d. reifen Embryon (beim Foetus
oder beim jungen Ei ist es eine zottige Flache)
(v. fllebold 5«). — 3. = die Crusta pleuritica, Ent-
zOndungsschwarte auf dem Blutkuchen beim
Fieberaderlass (Huteland 45). — 4 = die harte
Augenhaut (Sklera). — Liri-Haut - die Haut
des Augenlides. — (1699) Ifacuss-Häutlein =
die das MauBfleisch (Musculus) umhüllende
Haut (Fascia) (r. M. Ii, 134). — Jfa</r«-Haut =
die Umbüllungsdecke des Magens. — Magtums-
Haut (15. Jahrh. hüte des inaytutnes, d. 277) - Jung-
fernhäutchen — Maledit- (Afa/«fy-)Haut «
Lepra (Malaua, s. Maltzey), die schwarz pig-
mentierte Haut beim Aussatze des Mittelalters.
— M arA-Haut , 1. = die Haut im Innern des
Knochens, die innere Beinhaut. — 2 = die
Netzhaut des Auges (Retina) (Gr. w. vi, 1640), die
vom Markhflgel (Colliculus nervi optici) aus-
geht und als Retina sich ausbreitet, „das Ge-
hirn des Auges" (Hyrtl. Anat. 554). — Menschen-
Haut (14. Jahrh. menschenhud, D. 165) = Cutis (s. o.
Haut). — AfüeA-Haut^das sich auf der gerin-
nenden Milch bildende Oberhautchen = Hexe
(s. d.). — (1001) das nächste Häutlein = Dum
mater, das Hautlein (hfitlin), daB zunächst auf
die Schadelknochen folgt (Hyrtl, K. W. 116). —
Nagel Haut ■ der sog. Augennagel beim Pferde,
die am inneren Augenwinkel befindliche, nagel-
harte Nickhaut (Mayer 29). — .V. i Id Haut ■ die
Haut am Neidnagel (s. d.) (Gr. w. vi, GM). — (17S3)
j\Vrtw-Haut = die nervenführende Haut- oder
Schleiinhautschichte (Essich 143). — (1756) Netz-
Haut (-Häutlein), 1. = Retina, die aus mehreren
Schiebten besteht u. sich wie ein Nerven-Netz
becherförmig im Inneren des Auges ausbreitet
(Gr. w. vil. 612). — 2 =das Chorion der Eihaut,
das netzförmig den Foetus umspannt (A. v. II.
Ii. 37). — Nick- Haut ss die das Auge schätzende,
knorpelartige, bewegliche, nickende Blinzhant
(s.d.), Membrana nictitans.Blinzknorpel (Hauck)
am Pferde- Auge. — (1529) OiMx-Haut, 1.^ Epi-
dermis, Cutieula (kleines Hautlein) (Besolt, Brunf).
— 2. — die Narbenseite der Felle gegenüber der
Aasseite ( = Unterbaut) : (Närb) (Gr. w. Vit, 1090).
— (178«) Ohr, «-Hautchen = Trommelfell (s. d.)
Meringa (D. S58).— peckete Haut = eine durch viele
Aderlass-Stiche (Pickeisen) narbig gewordene
Haut (Birlingcr Ii, 15). — Pergament- (Perment-)
Haut (pcrmentlsch bautlln), 1. = die Herzklappe
(al« übersetz, der [r>61] Membrana pergamenica, Hyrtl,
K. W 121). — 2 - Hymen (1646. Hyrtl, K. W. 1. eod ).
— 3. = (1551) das Neurilemma nervi optici als
Membrana = Pergament genommen (Hyrtl, K. W.
121. 122). — rauhe Haut, 1. = ein bei Arbeitern
häufiges Ekzema palmare der Hohlhand , die
infolge äusserer Schädlichkeit rauh wird, un-
eben, schorfig aufspringt (aufgesprungene
Hände, rauhe Hand), Scabra cutis (Gr. w. vm.
265). — 2. (engl, rawhlde = nure [s. böse Haute],
KaltKchm I, 301) s Psoriasis palmaris syphilitica
(s. Elle*). — Regenbogen-'Ha.VLt = die wie der
Regenbogen vielfarbige, hitutförmige, kreis-
runde Augenblendnng (iru; vom ägypt. Irl- Augo,
Baas 36) (Traubenhaut). — Ripi>m-Haut (Häut-
lein) - Rippenfell (s. d.) (Gr. W. VIII, 1031)
Pleura. — (1776) rote Haut = Hautröte (Belm nd
— (1713) J2o/z-Häutlein ■ Nasen-Schleimlmut-
stelle, Membrana Schneider! (MM Med. 48.1). —
(1769) Rücken- \^lf6in) = Rippenhaut (Pleura),
an den Rücken-Rippen sich ansetzend (Vad.-
mecum 54 ; Gr. W. VIII. 1363). — (1729) rUtlZclichte
Haut - die Schleimhautfalten in den Gedftrmen
(Hotlmann VII, 277). — (1591) scfiäbichte Haut
krätzige, rttudige Haut bei Menschen od. Tieren
(Gr. vv. vm, 1953). — .s, ;,-,•./.,' Haut - Pericraniuin,
Kopfschwarte. — 6VAa/-Haut = Amnion, die
innere Eihaut des Kmbryon, die man der (cutis)
agnina (Vcsal) nachbildend so ins Deutsche
übersetzte (Iranz. ognelette, Itrlss. 310; span. zurron.
Hyrtl, K. W. 81; Anat. 743; Ärtzl. Intellgzbl. 1882. 125;
v. Siebold 55) (Lammcrn-Hautlein, s. d. <>.). —
16
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22U
Haut.
Heb— Hecht.
Sdi nein-- Haut = Gansehaut, beim Frost-
achauder auffahrend (Gr. W. VIII, 2305). —
Schrill, «-Haut, 1- = die Schleimhaut der Va-
gina (Scheide, s. d.). — 2. — die einen Körper-
teil wie eine scheidende Hülle umgebende
Haut (Tunica) (anatomischer Schulausdruck, Or. W.
vill. 2*u). — (1713) Schdmen-Hvit = eine nach
dem Volksglauben durch TeufelskQnste (siehe
Schelm) unverwundbar gemachte Haut (Cr. w.
vill, 2.*>U). — er ist ein Schelm in der Haut
(Schindler I. 1187) = ein Teufelskerl. — Schleim-
Haut = die Auskleidung der Innenhohlen
jener Organe, welche mit der Aussenwelt
durch Öffnungen kommunizieren, und die
durch ihre Drüsen Schleim (Kote) absondorn
(SchleimflllBS) (Hyrll, Auat 210. 212; holt, slijmhuld;
dän. sltmhut; schweu. slcuihud). — (1783) Schmeer-
Haut = Membrana adiposu, Unterhautfettge-
webe (Lcvellug- 308). — (1743) sc hwarze Haut = der
schwärzliche Ton der Pigmentierung bei der
Lepra-Haut oder Maledithaut (biblisch. Med. Hl).
— SpecAr-Haut = die oberste, weiss gelbliche,
wie Speck od. Fett aussehende, häutige Schichte
des in der Aderlasschüssel geronnenen Blut-
kuchens, die aus Blutfaserstoif ohnu Blutkör-
perchen besteht; ihr Vorhandensein galt früher
als Entzündung*- oder Fiebersyuiptoui (daher
früher Crustainflammatoria.s.Bl'utentzündung).
— (1743) süchtige Haut = eine Hautkrankheit,
die immer wieder eintritt, chronisch geworden
ist, wie eine Sucht (Ekzema cliron.) (bibi. Med. 494 ;
Samuel 124; Kopp iv, 402). — (17. Jabrh.) stinkende
Haut = durch faulige üeschwürssekretion übel-
riechende, meist tierische Haut (F. Kr. u. »84).
— (1677) 7 'raub, ii Haut, Las (Übersetzung der Uvea
[<ialeni], Hyrll, K. W. 161) - Iris. — 2. = (19 Jahrh).
Membrana uvea, die hintere, pigmentierte
Fläche der Iris. Die Traubenhaut der griech-
ischen Autoren ist - Iris -f Chorioidea, „vermut-
lich weil sie zusammen dem Balge einer Wein-
beere ähnlich sind, deren Stiel am Sehloch
angerissen wurde" (Hyrtl, Anat. 551;. — Trommel-
Haut — Trommelfell (h. d.), Membrana tympani.
— f/Wer-Haut = Aasseile des Felles, wo das
Unterhaut-Fettgewebe ist. — unterhäutig <=
subkutan. — (1M7) verhärtete Haut (Hort. Sau.)=-
böse Räude (s. d.; I^pra). — Fo^ei-Haut ■
die nach Art der Vogelaugen blinzende, nickende
Schutzhaut (3 Augenlid) am l'ferdeauge (Zlpp
82; Falka II, 418). — For- (ForrlVr-jHaut^rber-
setzung des praeputium ; franz. avaut |>eau und St.
l'npuce, Briss.66; 12. — 13. Jahrh. pruepulitiin : Data illa
vlrills dlgitl [s. elfter Finger] pellicula, Hchtn. 1, 7:11 ;
13. Jahrb. praeputium daz mau deu judeu abesuyt an
dem dinge fom, D. 4'>€; 1399 Vorderhaut des Zügels,
Sc hmeller I, 332; 1429 die vorderhaut an dem cxagel
— praeputium, D. 4:*; 1482 vorhutt -appendlx, Zening.
Voc. mm 2; 16. Jahrh. hut vornen am zers, die vorder-
haut an dem zers, D. 456). — Vorhaut- Enge. —
1 i ii rst -Hautlein (»chulgemasse Übersetzung der Al-
lantoia, A. v. H. II, 31) — Harnhaut (s. o.), die die
früheren Anatomen miteiner Wursthaut ( Wur«t-
Säcklein, wurstartiges Schläuchlein) wenig wäh-
lerisch verglichen (Hyrtl, K. w. 109). — [Uta] Zäser-
Häutlein (ceterhütlin, Frie» 97) = die Faserhaut
oder Beinhaut der Hirnschale (Hyrtl, K. w. ai».
die nach der stratTen Kopfschwarte durch die
Faserung au Hallt (Zaser = Faser. Schindler II, 1164).
— (17. Jahrh.) Zotten-YL&uX, ■ Crusia villosa ven-
tricula, die faltige Magenschleimhaut, die den
sog. Netzmagen bildet. — Zwei /-Hautlem -
„das die Brust der Länge nach unterscheidende
Zwerchfell" (R. A. 246) beim Pferde. — Haut-,
hautige >, r) -Ansteckung, -Ausdünstung, -Aus-
schlag, -Bälge , -Beschwerdnis, -Beutel, -Binar,
-Blüten, -Bräune, -Dörre, -Ei, -Entzündung,
-Finnen, -Flechten, -Flecken, -Fresset, Gallen,
-Gewächs, -Gicht, Gries, Grint, -Grütt, -Härte,
•Horn, -Jucken, Kleie, -Kräuspen, -Krebs,
-Krummen, Krunsel, -heim, letz, -Made, -Mann,
-Moos, -Plaqr, -Räude, -Röte, -Runzel, -Sack,
-Salbe, -Schauder, -Schieissen, -Sehmiere,
-Schmitze, -Schrunden, -Schüpprln, -Schwiele,
sehr, -Seuchte, -Siechtigen, Staar, -Staub,
■Sträng, -Striemen, -Talg, - Unsauberkeit, -Übel,
■Vorhang, -Wachs, -Warzen, - Wolf, -Wunde,
■ Wurm, - Wurmsucht.
Heb, f. (oberd.) (Hef, Hefe) (Indogerm. kap [capio] ,
guth. hafjan ; germ. hat — hebend. Kluge *, 159; das
Mittel , wodurch sich in der garenden Flüssigkeit
etwas emporhebt oder beim Herausschopfen gehoben
wird; altnord. hetja. Jordan, Kdda 388 «s heben (Hcb-
amme] ; ahd. hevo, hepfo, hevllo ; mhd. heve, hepfe,
hevel — (iärungspilz , mundartlich : Hebe = Hefe,
fermentum, Gr. W. IV, 2. 718; 1087 Frheb Sauerteig,
Georg. 29<), 1. - Mundpilz = Oidium albicans
(Soor, Schwämmchen, Mehlhund, Mehlgrat,
Fasen, Foss, Spreu, Kahm, Our etc.). Vermutlich
wegen des Anklang« an die iiedeutung heben - hatten,
zähe kleben, blieb das altere ..Heb" im oberd. Volks-
muudc bestehen, wahrend dieser bei der Bierhefe von
,, Hefen" (Hepfen) spricht. — Dos Volk hatte demnach
schon laugst eine Ahnung von der parnjitlschen
Fflanzeuntitur der Heb, Soor, Kahm, Voss etc. —
2. = Heb 1 (= Soor) wird oft mit Diphtherie
und Aphthen verwechselt (Hort, san.); Alcola
der Arabisten (Gftrungspilz: Alkohol?). (Vergl.
dies und Hefe, Hepfen). — (1699) Afunrf-Hebung
= der Zustand des Belegtaeins der Mundhöhle
mit dem Heb-Pilz (v. M. I. 166).
Hebel, D). hebig (zu heben; ahd. hevllo; mhd.
hebcl - das Mittel, etwas aufheben zu machen. Kluge5,
159). — (169-j) anhebig = an etwas besonders
gerne haftend (v. M. II, 130). — Augen-Hebel
(-Gchebel, -Hobel) = Palpebra, der das Augen-
lid hebende Deckel (Schin. I, 373, l. Zelle, 1036. 1038)
heben (indogerm. kap [capio, X4MCV)]; goth. hafjan
= aufheben ; augls. hebban , engl, to heave ; ahd.
hefTau; mhd heben, Kluge * 169). — „68 hobt mich"
= der Magen erhebt sich zum Erbrechen, übel-
keitsgefilhl (wie durch einen angreifenden Dä-
mon). — er hat sich -hoben -= durch über-
mässiges Heben sich einen Schaden (Hernie)
zugefügt. — Heb-^irtV, -Mutter.
Hechel, n. s. Hacke.
Hechse, f. s. 1. Hachse und 2. Hexe.
Hecht, in. (als der häufigste Fisch auch am
httuilgsten zu Vergleichen getiraucht). — Hecht
(Hechtm-) Bauch, -Qebiss-, -gesund, -Kopf,
-leibig, -Maul, -Stime.
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hecken— Heil.
Heil.
227
hecken, 1—8 Harken. — 2. = fortpflanzen,
gebftren (hegen, heien) (Falke I, »81 ; Kochh. II, 68).
— Hecke -Ihn»,,
HectUc, f. s. Hektik. '
Heer, m. (= grosse kriegerische schar). — Heer-
- Brand, -Krankheit, • H urm.
Heese, f. s. Hachse u. heis«.
heesch ^ heisch (s. d.) (Goldscbm. in). —
heesche Stimme.
Hefe, f. (Hefen, f. Hepfen, f.) (ahd. heffo,
hevo, m.; mhd. heffe, m.. f.. Schindler I. IUI, als
hebende, tieb emporhebende und dann als Bodensau
zurückbleibende Masse [fermentum] ; zu beben, s. d.
u. Heb). — Hefe — Unverdautes, Erbrochenes,
das mit der Bierhefe verglichen wird = Grund-
sappe (Hahn) des Magens. — (ltt») Blut- Hepfen
= das nach alter Lehre grobe, wie Bierhefe
dicke (melancholische) Blut (s. d. u. Galle 8. 180)
(Guar. 868).
Heft (Höft), n. (zu heben [halten, fa*«en]; ahd.
hefil — Messer- oder Schwertgriff ; mhd hefte. Kluge»,
160). — (1592) i in vfhafft (htifft) — heftet = fest
nach einwärts angewachsen; von der Haut
(Seb. H9) (s Lederbund 8. 43). — Heft-Bein,
-A'aae.
hegen, Heg- s. Hag.
Hehse, f. s. Hachse.
heickel (häckelig) (,,elnc Sekundarblldung zu
Ekel'« [s. d.], Kluse». 87).
Heide, m. ( = paganns [4. Jahrb.] ; goth. haithnö =
Heldin, die BAaerin auf der Heide wohnend und län«er
heidnisch als die früher christlich gewordene Städterin,
Kluge», 161 ; ahd. heldan j mhd. helden . 1") Jahrh. beide.
Alles l/ngetaufte Ist — Heide, also auch das Neuge-
borene. solange es noch nicht getauft Ist, Zeitschr. d.
V. f. V.-K. IM«. 262). - Hrtdif>> | AuucMa!''
-Blut, -Dreck, -Elben,' -Feuer, -Fleuch, -Haut,
-Kot, -Pocken.
heien (goth. beiwa = Haus; altnord. hjü = Mann
nnd Weib; angls. hlwan; ahd. hiun = beide hatten;
14. Jahrh., ndl. biwelec eoneubitus, coitus, D. 130.
139, 16. Jahrh. hiwen = colre, D. ISO). — heien.
heielen = beischlafen, schlafen (dazu Heirat).
— etnheieln = ein Kind (= haje [XIII. com.) ^
Kind) einschlafern (Schmeller l, 1028). — -,'- heien
(keien) = coire (D. 130) (s. Keutel). — Heirat-Ottf.
Hell- 8. Hacke (hahll, hall).
HeiL n. (heil, heilen hallen , heilig). - heU
[indogerm. kailo-, Kluge*. 161; vorgertn. kailos =
vollsUndig, ganz unverletzt im Kampfe; altpreus».
kailustikan = Gesuudbeit; altgerm. bailaz [dazu der
Kinderspruch „heilah"; über diese s. Kuhn, Zeitschr.
f. vergl. 8pr. -Wissensch XIII, IM]; goth. hails = ge-
sund , heilsam; ahd. hell = gesund, ganz, frei von
Krankheiten; mhd. heil - gesund, ganz; engl, heal
- heilen; halc = heil, unverletzt), 1. = unverletzt,
frei von Krankheit, körperlicher Verletzung
oder Wunden (für die ans der Schlacht Zurückge-
kehrten die erste Anfrage und BegruMting in den
kampfesregen Vorzeiten, Gr. W. IV, 2. 818; heilah!
ruft man noch den Kindern zu, wenn »le bei latentem
Unfälle weinen [eine Art von Segen sgruss oder Bann-
ungswort]; mit dem Kindringen In die Kinderstube
hörte dasselbe auf, thatsachlich als Segen verwendet
zu werden, Kuhn, Zeitschr. f. vergl. Spr.-Wlssensch.
XIII, IM; dazu Allheil, engl, allheal - Gliederkraut
für verwundete Glieder). — 2. — geheilt, hergestellt
von Verletzung, 8chäden u. Gebresten, t;»vrr,-,
Hipp. (Fuchs II, 236; Gr. W. IV, 2. 818). — 3 = (all-
nordisch Ist hcUl = nicht schwanger [Liebrecht, z. V.-K.
491], gesnnd ; well krank [s. d. 3] = schwanger ist). —
heil werden von Wunden oder Geschwüren =
heilen (h). — heilen, 1. — (ahd. hellän; mhd. hellen
ss , .hellmachen" und ahd. hellen — ,, hell werden",
Kluge». 161; Gr. w. iv, 2. 823) a) herstellen von
einer Krankheit und b) heil werden ; (1482 heylen
— sanare, curare. Zenlng. Voc. m 2; D. 163). Volks-
tümlich ist nur „heilen" (gesund werden) ; das
! Gesundmacben, heilen ist feinere SprachQbung :
(1482 hayl machen, Zenlng. Voc. n 3). — 2. ss (1425
heien, heylen = eist rare, D. 105; Schmeller I, 1077)
kastrieren, lOppen, verschneiden (sprachlich nicht
identisch mit hellen (1), Gr. W. 1. cod.). Hier mag
erwähnt werden, dass das lat. mederi morbo ursprüng-
lich bedeutete „der Krankheit fluchen", d. b. dem
Krankheltsdkmon einen Fluch entgegenwerfen, so dass
dieser vom Kranken ablasat (Kuhn, Zeitschr. f. vergl.
Spr.-Wlssensch. V, 8. 52). — (1645) der Heiler, 1. =
ein junges, verschnittenes (gelipptes) Pferd
(s. Wallach, Spat) oder Rind (Gr. W. IV. 2. 826;
Coler, Pf. 340), dem die Hoden — Geilen (Schweiz)
ausgeschnitten sind (heilen 2). — 2. = der
heilende oder Heilringer (s. d.) an der Heilhand.
— das Heil (salus, ahd. belllda, Kluge». 161; mhd.
hell) = Gesundheit, Befreiung und Genesung
von Krankheiten (Gr. w. iv, 2. 818). — Heü
(Schweiz) = Hoden = Heildrüsen, die man aus-
schneidet (heilt, s. o. 2; s. Drusen u. Geildrüsen)
(Kluge*. 170). Zu beachten ist. dass Uppen und hellen,
beide die Bedeutung des Hellens u. Kastrierens haben.
— (16. Jahrb.) heilbar = was wieder herstellbar
ist (Gr. W. IV, 2. 822). — heilig = Heil habend und
spendend, sanetus, sanus; goth. hellag = welhs;
letzteres das altere altheidnische Wort, Kluge», 161;
mit dein christlichen Teufel, mit dem die Menschheit
kämpfen sollte, zog auch das Heilige ein — das Ge-
fürchtete (»eil. Wesen, Krankheit, Werk). —
die Heiligen = Saligen (s. d.) (Tirol ; h. a. Rh. 261) ;
Aipbg. 21). — Heilige, in. ■ ein Kretin, der das
Vaterunser sprechen kann und wie ein un-
schuldiges Kind (s. d.) angesehen wird (Zeitschr.
f. d Philol. III, 365; Aargau). — das, die Hellig
(seil. Krankheit, Leiden) (dat hillig; Mecklen-
burg), 1. = Epilepsia bIb gefürchtete Krankheit.
— 2. = die Kose (Erysipelas) (Jahn, Zeitschr. f.
Volksk. I, 80; Zeitschr. d. V. f. Volksk. 1895; Kuhn,
Zeitschr. f. vergl. Spr.-Wlssensch. XIII, 148; vergl. das
Iii. ctiit oder heiliges Weh = Epilepsia). — a n - heilen
= heilend anwachsen. — '/'"''/-heilig tahd. kang-
helll. gangkaill, kankhelll, (.raff IV, 864) = heil (1),
gesund (im Gang) auf den Füssen im Gegen-
sätze zu eang-raech (Gr. W. IV, L 1250). — mni-
heil (debilis, Schmeller Ii, 'J7s; - gleichsam heil,
halb heil. — Unheil (ahd. uubail — insauus, tiraff
[ IV, 863) = nicht gesund. — ... heilig («hd. »au«-
helllc, f. = eine Krankheit* ;Scuche-;Bczeicbuung bei
, Cir. I>. M. 11, 1105; ürafl IV. 864 ■ debilltas; wanaheil
15'
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Heim— heisch.
Fleische— Heiter.
-debllis, gebrechenhaft, 8ch melier II, 917 ; Kluge*, i
394). mangelhaft od. fehlerhaft heil (8. Wahn 2). I
— heilig f, er, es) Bein, -Blutader, Ding, Feuer,
Gicht, Gut, Krankheit, Pulsader, -Tod, -Weh,
• Wiirch, - Werk. - HeÜ-, «/«-heilt, heil'/, es)- Anke,
■Bern, Drüsen, Hand, Haut, -Mann, maulet,
■Stätten.
Heim (heim) (gotb. haims = Wohnung, Dorf;
nhd. heim; rahd. heiin). — Heimliche, n. (mhd.
heimliche, Lexcr SM) = CoitUB. — heimeln =
Heimweh (Nostalgia), Heimsucht haben (C. v.
Sehm. 27o). — heimlich = geheim, verborgen, |
beim ; dazu Heimen ss Mannshoden als geheime
Glieder (c. v. schm. 270). — Heimchen, Heimiii,
I. = dio Schutzdämonen, Heimgötter, Stittte-
götter, Hausgöttlein (Wichtlei n) (uord. sknrdRodh,
die wie die Wlchllein («. d ], als geschnitzte od. Wachs-
Bilder an der Hcrdatitttc [s. Ehren] des germanischen
Wohnhauses standen u. Ihren hegenden Schinndienst
gegen Krankheiten bringende Walddainonen o. Sippen
geister versahen, Itochholz II, 134; Scheible III, 461 ;
Kohler V. til. 183; Lippcrt Chr. 416. 4."i0. '.Oi). — 2. -
die elbischon Maden als andere Gestalt des
Alpes oder Heimwichtes (Lalftaer II, 190J = Heim-
chen, Chimken, Gimken (1. c. II. 76. iuo). — er
sieht aus als hatte er Heimchen gegessen, siehe :
Bohnen essen, Erbsen u. Fabian (Lolstner n, 190).
— die Helmen sind an ihm = er sieht aus als
ob die elbischen Maden mit ihm zehren (s. Mitt-
esser) u. so mager machen (<;rafaeh.Mark j Lalalaer
L c.) ; er sieht aus wie ein Hiemk (Heimchen)
(Hinter l'ommcrn 1. eod.) = wie ein altes elbisches
Wichtlein oder wie ein Alterchen (s. d.). — der
Frauen ( Weiber) Heim/irAArt7 = Menstrua (14 bis
15. Jahrh., mnd. der vrowen hemelicheyt, Z. f. nd.
Bpr.-P. XV. 133; Ortolf; Tabern.). — 7n-Heim (lares:
hiheimon, Hatlemer, Denkmale III, 001) - Heimchen,
Hauskobold (als Inleute), der Nattern- oder
Grillengestalt annimmt (s. Heimchen). — die
unfertige Heimlichkeit = Amenorrhoe, wenn die
Heimlichkeiten (Menses) noch nicht fertijr sind
(s< hm. 1, 1109). — heim-ifif/i, -lichre,er,es) Durch-
sucJicn, Enden, Fieber, Fluss, Geblüt, Gemächt,
Glieder, Haare, Krankheit, Mutter, Ort, Plagen,
Saphena, Stätte, Stich, Treiber, Wicht, Waschet.
Heinerich = ein jammernder Mensch der
immer hient (Schm. i. 1120; nuck 13). — Heinel
- ein närrischer Mensch. — Freund Hein(erich)
= Tod. — knöcherner Hinrik -= ein äusserst ma-
gerer Mensch (Wackern. Abudlg. Dt, 149. ISO; old
Harry — Teulel).
heisch, heesch, heischer (17. -ib. Jahrh j heiser,
heister, Heiserkeit, häser [m tmd. ; Umringen ;
O.-Sachsen ; gerni. hals, hwTs[wlspeln, flüstern, klstern] ;
goth. haisa, Kluge», 163; ahd. heis, helsl, heiserl. f.
helsunga, f.; 11. Jahrh. faehlr, f. = raucedo, H. Z. III;
halicr - raueus, II. Z. XV, 101; 12. Jahrh. helslr =
raueus, H Z. XV, 361 ; heisce - raucedo, H. Z. XV, 347 ;
haeiser. Pfeiffer 29; 1S40 heli«ch ; mnd. heesch, Mai,'.
Barth. S9b: de heesch 1s uude kan nicht wo] gheluden
[lauten] an der stemmen; mhd. heis, heütch, hetsc.
heiser [rauh, heiser], Hoffm. I, 376; die helserin; mndl.
heersch, heesch, Kluge I.e., engl. honr«e — heiser;
1(8.) haiserhait = raucedo. C. v. Megbg. ; 15. Jahrh.
heysz =- Heiserkeit, (ir. VC. V. 2165; 1528 die helzerc,
Gr. W. IV, 2. 902; H. v. Oersd. 88; Frie* 87; heisch
[vom 16. Jahrh. ab fast aucscbllesslich]. Gr. W. IV, 2.
897; zu klstcru [(). Gr. W. V, 499; 1688 die heischer.
diehelscre ; 1668 heissere* Beynon 106 ; IS. Jahrh. heiser,
wieder wie im ahd.; 1731 Heiserkeit = raucedo, (ir. W.
IV, 2. 902; 1752 Hclseherkeit — raucedo, morbus brau-
chus, A. v. H. I, 231. 1169; 1737 die Heischer = Heiser-
keit, Blum. 213 ; 1761 heischer, Gr, W. IV, 2. 900) -
rauh, belegt in der Stimme. — Heisere, f. ■ Kau
cedo (schmeller 1. 1167), der Zustand des Heiser-
seins. — heister, heisterig (Schweix) ^ heiser
(Gr. W. V. 199) (heisere Kehle). — Heschheit (ndl.
heeschheid. De Cork U0; Arteriasis [arteria aspera ■
Luftröhre], Hieschheit, D. 185; schwed. heshet; dän.
haeshed) - Heiserkeit, Raucedo. — Heiserkeit
= Raucedo = das Heiser sein (D. 486). — Heiser-
nng — der Zustand der Heiserkeit, Raucedo
(D. 185). — (1596) G/fnsrheiser (ganseheiser) - durch
Trinken des kalten Wassers od. Gänse-Weines
(Gänsehals, s. d.) heiser ((Jr. W. IV, 1. 1271). —
heisere(r) -Hals, -Kehle, -Stimme (vergl. haarig
U. [(ir. W. IV, 2. 897]).
Heische, f. s. 1. = H Oiuche, Heunsche. —
2. = Heiser.
heiss (Heisse, f. Heisch, n. Keisch) germ.
hlt [dazu Hitze] ; goth. helu, heitö ■-■ Fieber, (ir. VC.
III, 1C26; ahd. hei = HlUe; heiz, Kluge*, 163 ; mhd.
hei«, hei, gehe! - Hitze ; 15. Jahrh. heys = arteri-
neus, artheticus, rheumatieus, D. 51) — heiss (hoher
Grad der Körperwärme), im Mittelalter und bis
auf die neuere Zelt wurde eltie hclsse Komplexion,
Natur, Konstitution angenommen (neben kalt, trocken
und feucht) ; der Sanguiniker war heiss und feucht,
der Choleriker aber heisser und trockener Natur (siehe
Cholera), namentlich waren die Fieber, Suchten, Ge-
schware, Brandstellen etc. „heiss" und deshalb Ätio-
logisch als Folgen der heissen Komplexion betrachtet.
— heisch - entzündet, heiss (lu Segensprüchen
gegen Geschwülste so öfters, Lammert 206 ; also In
personiflclerter Bedeutung). — das Heisch = Ent-
zündungs- Geschwulst (Lammen 204). — die
Heisse(n) = Hitze, Ardor, Aestus (Gr. w. iv, 2.
»«*; Schmeller I, 1175). — der Heiss - Krunkhcits-
hitze (c. v. Schm. 271); „er geht aus" und „wird
ausgetrieben" (wie ein Krankheitsdämon). Die
alte damonistische (Jrübelel der mittelalterlichen Hell-
künstler extra scholam Hess nicht nach, immer wieder
eine PersonlllkoUon der Krankheits ursachen in Sccne
zu setzen. — brenn- (brinn-) heiss = durch bren-
nende Fieberhitze erwärmt. — (1722) hunger-
heiss = Hitze fühlend im Magen aus Hunger
(Ode); (Tiber. 352). — heiss(tf, er, es) Ader, Atem,
Beulen, Blattern, -blütiq, Blut, Brand, Darr,
Feigwarzen, Fieber, Fieberhitze, Fluss, Ge-
schwär, Glut, Harnwinde, -herzig, -himig,
Hunger, Koller, Koortsen, Leber, Magen,
Mut, Natur, Pein, Podagra, Ritten, Schlaf,
Suchten, Würmer, -zornig.
Heiss, m. l.=eln lautmalendes Wort für den Sin-
Kultus (Hetsch, Hesel», KIux) (Gr. W. IV, 2. 89ö;
v. 1260. 216.-.). — 2. = Hinnulus, das wiehernde
Fullen (Schmeller 1, 1179) = hinnend, heinezend,
Heiuss = Heiss. — 3.-s. heiss.
Heiter, m. s. Haut.
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Hektik— Heuid.
Hemelte— Hering. 229
Hektik, f (Hectika) !». Etüch, morbus ethicus, I
(ebri* etbtca, ethlcalls, ectlca ab I;:; — habltus, Du
i'ancp III. 229. 325; febril hoctlca, solutu dlfficüt», qua i
Uboram tabescit) = das Schwinden, Abnehmen
infolge andauernd hoher Fieber (Beynon 131;
Brun. 1»). — (177») Hektikus = ein magerer,
dürrer Mensch, der sozusagen nichts als Haut
und Knochen hat (M. H. I.; I, 326; Hippel II, 415).
— hektische(r) Schwein, Röte.
Helfs. Alb u. Elb (Olf)-
hellen, hellig, hell, hellig {Terminlich zu kellen
S*. d.] = <i<i*l«a; „dunklen l'rsprungs", Kluge* IM;
mhd. heiligen — plagen, quälen ; hellic, ermüdet, er-
schöpft ; nhd. heilig) = ermattet, ermüdet, sehr dur-
stig von Fieber (Goldschm. 156 ; Schindler 1. 1082). —
Helligkeit — brennendes Gefühl im Magen =
Magenleere,Magen-Oede (Pauli 65). — ^ heiligen
(1334 erhclgen, Schmeller I, 1082). — »chinder heilig
m matt, entkräftet tum Abdecker bereit (Schm.
1, 1082). — «pf/ten-hellig = mager, zaundürr wie
ein Spalt (Schmellcr I, 1082). — Hell-Wtntf, -Sehen,
-hungrig.
Helm, m. (lndogerm. kel = hehlen, hüllen, eclarc;
vorgerm. kelmo-; geui.-germ. helma- ; goth. hilnui,
Kluge*, IM; ahd., mhd. heim = Helm, plleus, galea ;
als Vergleichungswort für :) 1.= Kopf, Caput (Tirol;
Hintucr 5. 12), wie man für letzteres auch „Dach"
sagt. — 2. = (1632) Amnion = Haube, Glücks-
haube, die ganze Schafhaut (s. d.) als Haube
(d. d.) gedacht (Hyrtl, K. W. 81 ff. ISO. Gr. W. IV.
2. 977; [s. auch Uaupthut]; 1740 Helm = Kalea, „eül
Teil des Amnion, welches manchmal ein Kind auf
dem Kopfe mit inr Welt bringt", Kulmus 190 ■ pOflOI
naturalis, membrana vel pclllcula. qua Interdum pueri
caput involutl nascuntur uude quo« Jelices esse didi-
clmus aut futuros auguramur = nez coeffez, Du Cangc
VI, 323), s.Glück, Glückshaube. — Oeburta-
(Qlücks- (1677) Kutih!' in Reim ~ die hauben-
oder helmartige Kopfhülle, die die ganze Schaf-
haut über dem Kopf des zu gebärenden Knaben
(oder Degenkind; beim Mädchen Haube) bildet,
wenn dieselbe beim Wassersprunge nicht an
der tiefsten Stelle einreisst, sondern über der
Kopfstelle, so dass der unter dem Kopfe lieg-
ende, unversehrte mit Wasser wulstig gefüllte
Teil der Kindshaut wie eine Kopfbedeckung
sich anfühlt und aussieht, waa man als ein
glückliches Zeichen betrachtete (Glückshaube,
f. d.. Hyrtl. K. W. 81 ff; Gr. W. IV, 1. 1909; vergl.
Wehmutter-Hftubletn, Hemdlein, W'esterhemdlein).
Hemd, Hemet, Hemat, Hemdlein, n. = Hülle
lurgcrm. kamitjo ; Renn, hama = Kleid [eamlsla —
tunica Interior; 5. Jahrh.] ndl. kamingja, De Cock,
Folklore ; goth. kamitjo. hameithl — Kleidchen ; lat.
vestls - vastja; goth.. angla. haam ; engl, heam ;
ndd. haam, Engel. 274 » Nachgeburt. Hemd; ahd.
hemldi - langes Unterkleid ; mhd. hemedu = Hemd,
Kluge*. 164; D. 93) — Hammel, n. (8. d.) = (1632)
Hemdlein (hemmetlin - camlsla der Arablsten, vcslis)
= die innere Eihaut des Kindes (Wehmutter-
Häublein) (Hyrtl, K. w. 81). — Fohlen-Kemd
= die Eihaut des Pferdes (Kolbe 70). - {im)
;./•</ 'er-Hemd =-- das Wehmutterhäublein oder
die Schaf haut des Kindes im Mutterleibe
(Plenk 32). — rTesrrr-Hemd (mhd. Westerheide,
Lezcr377) = da» Wostcr [vestls ; seil. Hemd); IV Jahrh.
eyn weMirhomde = secundina, D. II, 333; das (MOS]
Westcrlcin, das „Chrysamhemd", das das Kind bei
der Taufe als neophytos erhalt, dessen Überrest noch
als „Taufhaubchcn", von dem ,,Gothe" geschenkt,
figuriert, und da* lifters in Mlrakelbueheru ;i696)
als Stellvertretung des Kindesoplers zur Erreichung
des Kindersegens ex voto erwähnt wird ; ein durch
das gothlseh-roniUche Christentum, dessen erste Kennt-
nis von den «iothen der Batkanbalbinscl unter die
Übrigen Germanen drang [Kluge XX], vermitteltes
Lehnwort „vestls", das. mit dem (urgermaniiehen)
-Hemd verbunden, die Bezeichnung des Täuflings-
Hemdes = Weiterhemd Im Mittelalter wurde ; dieses
ist nun übertragen auf das Wehmutter-IIäublein
oder die Glückshaube, die Schafhaut, Eihaut
(A. v. EL II, t«:i; Ploss-Bartels II, 263) (f>. Wcsler-
haube). — Hem(e)d-Lrtiz, -Stingrl.
Hemelte s. Himmel.
hemmen (zu germ. ham - verstümmeln [durch Be-
sehneldung oder Zertrümmerung des Hodens mittels
des Hammers au« Stein ?1 ; ahd. hamal — verstümmelt,
gelfthmt; nammel, Kluge*. 154. 164; weiterhin durch
Resehneidung der Sehnen [s. Ham u. Hachse] lahmen
[s. auch Spat], das Weidepferd hemmen).
Hendsch (Hentsch) s. hünisch.
Hengel, Henkel, m. (zu henken; nhd. henken;
mhd. henken = aufhangen, henken; der <; egenstand,
der das hangen, henken vermittelt - Henkel, vergl.
auch Uaukel , mhd. hengel , Lalst. 11 , US] ■ das
Unterkinn, we Iches als Fettwulst herabhängt.
— Henkel- Bein
Hengst, m. (germ. hanglsla; ahd. hcngUt - equui
castratus . mhd. hengest), l. es männliches Pferd
(Kluge*, 16'.). — 2. = (entstellt) Hex, m. (0. T.
Schm. 277).
Henne, f. Von dem brütenden Zuchtvogel werden
i manche Vergleiche bezogen (h. auch Huhn). —
Hennen- Ba um, -brü tend, - Bu rzel, - Fä die, ■ Sprit U,
- Trittlein.
Hentsch s. Hünisch.
Hepfen, s. Heb u. Hef.
her- (die Zusammensetzungen mit dieser Vorsilbe
suehc beim betreffenden folgenden Stamm« orte).
Herbst, m. = dle Jahreszeit zwischen Sommer und
Winter [September, Oktober. November), in welcher
das M-hwarze. verbrannte Blut sich im l.eibo ver-
| mehren sollte (1530, Besolt). — Herbst- Fell, -Fieber,
■Katarrh.
Herd, Ol- {- Feuerstaue, gem. -germ. her - brennen,
I Kluge», 165; foeus). — Amt' i \ i in g • Her d = die
Stätte, von wo die erste ansteckende Krank-
heit sich weiter verbreitete und epidemisch od.
epizootisch wurde. — Eiter-Keti s. nachfol-
trendes. — Kran kheits Herd - die Ausgangs-
Stätte, wo die (Fiebcr-)Hitze (und die Eiterbild-
ung) zuerst beginnt und zur Krankheit (zum
ApoHtem) wird, Atrium morbi, die Stelle, wo
die Krankheit ihren ursprünglichen „Sitz" («. d.)
hat (Kraus, K. :m) . wie der Krankhoitsdämon
seinen Ehren (s. <l.) -Platz um Herde hatte
(s. Wichtlein und IMattenweiblein).
Hering, m. s. Uäring.
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230
Herr — Her«.
Herz.
Herr, TD. herrschon (ahd. heriro — Herr, der
hehrere; [»hd. her = hehr, ehrwürdig], herro — Brodherr;
9. Jahrh., engl, hearra; alt«, herro — zumeist Anrcde-
wort des rntergebenen an »einen Brodherrn; weiter-
hin wurden auch die gefürchteten Krankheiten wie
dAmonistlsche Personen angesprochen, «.B.Herr Kipp?
Herr Tod ! Herr Nagel !) so auch der IV:. - als Herr
Mann (Hermann) (Wackern. Abhdlg. Iii, 87). —
KU i 'i-Herrchen (Kleynherchen = larva, D. 819) =
das Schrat lein (s. d). — otVr-herrig (vom sog.
wilden Fleisch) = durch zu üppige Wucherung
vorherrschend (Goldschm. 88). — herrschen — do-
minari; von Krankheiten, die in einem I.and-
gebiete ihre Herrschaft zeigen, Endemia, Epi-
demia. — Herren-AVan&Äct'f, Maus, Zipfel.
Hersen, f. (heute nnr ndl ; gcm.-Indog. her., her«
= Kopf; altgcrm. herxn = Kopf; altnord. hjarso =
Kopfwirbel; m.-engl. hemes, ndd , 1420 harsen ; ndl.,
13. Jahrh. hersc, hörnen = freu, Ü. 246; Kluge *, 169;
Schmeller I, im) = Sinciput , Occiput, Gehirn,
Hinterhaupt (s. H itzel). — Hersen- Decken, - Bein,
-Pfanne, - Vlies».
Herz, n. (Herte, Harte, Hart, Hearte [od.},
Hertza, Hertz, Herze (hd.) (zum ollertU testen
Wortbestande des Indogermanischen gehörend, Kluge*,
59; altlndogertn. kerd — cord[ls], cardia; germ. horten;
goth. hatrlö; 4. Jahrh. herto, l'lfllas; nngls. heort;
engl, heart; S. Jabrh. herzu, Kero 73; mhd. herze,
Heyne III, 141 ; 13. Jahrb. berizo = praecordiiim, I). 4">2;
15. Jahrh. die herl« — mammne, Schmeller 1, 1171;
1482 hertzen, Zening. Voc. p5; 16. Jahrh , 1881 herU
= herz [herrschende Form] = praecordium. D. 452),
1. = das menschliche oder tierische Herz (als
Blutumlaufs Organ ; Herzmuskel u. Herzbeutel,
Vorherz), das wie ein zweites lebende« Wesen
in dem Körper, Leib, Busen, Brust lebt, sodass
es wallt, hupft, schwillt, bebt, zittert, in Angst,
Not und Pein gerat, gezwängt, verstrickt und
gedrückt wird, bricht (vergl. auch Ferch);
(„ain prunn und aln umprlnch der kreften aller andern
gllder und ein schntzlAdlelu de* leben»", C. v. Megbg.).
— 2. = der wie ein Uhrwerk regelmässig
gehende Herzschlag und die Herzbänder (Gr.
W. IV, 2. 1210). Weil das Herz in netzförmigen
Bändern (Uerzbändel, s. da.) liegt, so kann
es auch, wie ein Kasten, „brechen" oder
„bersten" (Gr. w. Ii. 343); es ist schwer (herz-
schwer) U. hart (hartherzig) (engl, hardhenrted).
— 3. = die äussere Herzgegend (franz. courtau
conrec [cura<,'°n!, Bris». 163 = cor u. Magen), Brust,
weibliche Brust (Mamma, Kern), J/eher- und
Magengegend (s. Herzgrube) = Regio epiga-
Btrica (entsprechend der grlech. kardla. die L Herz,
2. Magcnelngang. S. Lebergegend bedeutete, l. Fuchs,
Hippokrates I, 245; Goldschui. 99, Pauli 110; ir>. Jahrh.
hertz dye nlt saugent, Schmeller I, 117; Bück 10; Dr.
Br. -Schaffer, 25). — i. - in Redewendungen
Herz = der Mittelpunkt des menschlichen
l^eibes, der Sitz aller Lebenskraft (Gr. W. IV,
2. 1210) und des Gemütes; das Innere eines
Dings. In neuester Zelt brachte man Herz (kerd) mit
Herd, Fcuerstelle (gem. -germ. herdö = Herdboden,
Kluge*, 1C5) In etymologischen Zusammenhang; die
ältesten Vorstellungen über die Physiologie
des Menschen (wie die vom Blute, der Milz etc.)
sind oft der Häuslichkeit entnommen; nach
H. v. Oersdorff (1628) blast und weht die Lunge (wie
ein Blasbalg auf das Herdfeuer) so auf das Herz zur
Krqulckung, sonst entwickelt sich der „Ilerzdampf"
bei ungenügender Tbatlgkcit der Lungen. In der Nahe
de» Herdfeuers befindet sich auch In der Regel der
Vorrats-Kostcn ; »o hat auch nich der volksübllcben
Vorstellung das Herz noch einen Reserve Blutkasten,
dessen Ausglessung und Fluss („das Herzblut Ist zu
fllessen gekommen") die unmittelbarste Todesursache
Ist. An diesen Blut-Kasten (Herz) „stosst Ihm der
8chmcrz an" (1608, St. B.-Mirakel) = Choq, Hentcnleld;
„es liegt mir und steht mir für dem Herzen"
(Gr. I>. M II, 1112), sodass der Blutkasten (nerz) nicht
frei aufgeht, gehemmt Ist; der Kasten, der gedruckt
wird (Herzdruck), (knarrt und) seufzt sehr (C v.
Megbg.); ein Wurm lebt In Ihm (Herzwurm) und speist
dem Menschen das Herz ab, wie im Vorratkasten der
Mehlwurm. — .r>. = Herzader (15. Jahrh. herzen
[seil. Ader] — porta lactis s. vena mediana, D. II).
— herzig (hirzig) = vom Herzen ausgehend
oder zum Herzen gehend. — ,W-herzer
(ahd. aherzer = exeors — herzlos, Gruft iv, 10t."-,
| ahd. nnaherza — vaecors, Graf! IV, 1016; 1420
ndd. hartcloes ; 1472 hcrtzloss, hertzloysse — exeors,
D. 616) = herzlos, ohnmächtig. — (1893) Bier-
Herz (BolUnger) = dilatative Hypertrophie des
Herzens durch zu starken Biergenuss und oft
zu starke körperliche Anstrengung (D. Med.
Woeh.-schr. 1894, s. 203). — .f Vt7-Herz, 1. — die
Zunahme des Fettgewebes auf dem Herz-
muskel. — 2. = fettige Entartung des Herz-
muskels. — gebrochenes Herz, 1. = das zu
Rupturen neigende, fettig degenerierte Herz-
lleisch. — 2. — die gebrochene Herzader (Lun-
genblutader) (engl, a broken heart). — Ge«'t*-Herz
(ahd. goleherzi ■ lasclvia, Graft IV, 1017) — durch
Gedheit aufgeregtes Herz. — heiss-heTZig,
Iltisses Herz (ahd. halzherzt [belzherzi) ^ furor,
Graft IV, IM7. 1076; U, Jahrh. eyn do eyn heyt herte
heft =■ carditus, D. II, 76), 1. - heissblütig. — 2. =
(1534 das hertz muss zu solcher Wirkung (Ausbreitung
dos In der Leber gekochten Blutes in die Nervengelster]
der langen auch stetz gebrauchen, denn die obgenann-
ten gelsler werden nicht allein auss dem Mut, sondern
auch aus der lufft, die durch die luugcn geholet und
wider aussgelasten wlrt, gemacht, so muss auch das
heisse hertz mit dcrselbigtn lufft on untherlass ge-
kület und erquicket und von dem raueherichten dampft
oder Flaust [ =" Blast], so in solicher kochung entstehet,
gortuger[t] werden, Kuriclus Cordus, nach Peters II,
184) = das thiitige Herz. — krankt» Herz (raud.
14. -1.1. Jshrh. den luden de en Krane herte hebbet,
J. f. nd. Spr.-F. XV, 132), 1. -- ein krankes Herz.
— 2. = einen kranken Magen (Herz 3) habend.
— Lowen-Herz = Cor grossitudine praestans,
ein grosses Herz, wie es König Richard Coeur
de Hon gehabt haben soll (VKrordt 34). —
(1601) Üffl<7«»-Herz (Übersetzung der) Cardin
des Magen» (Hyrtl, K. W. 110). — O.Äsm-Herz
— Cor taurinutn s. bovinum, ein sehr grosses
Herz (Hypertrophia cordis). — (ahd.) n> herzt
— exeors (Graft iv, 1040). — (1779) verkehrtes
Herz — Situs cordis per versus, das in der
rechten Brustscite, also verkehrt liegende
Herz (Hippel Ii. ISS}. — Vm-(Für-)Rerz, 1. =
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hesch— Heschen.
Hesse— Hexe.
231
Cbersetzung der) pmecordla IHjrrtl, K. W. 126; ahd.
furihcrclda = praceordla [s. FHrch], H. Z. XV, S. 62) —
Zwerchfell. — 2. = Pericardiuro, weil vor dem
Herz gelegen; (1512 ingeweyde vorm hertz; ndd. vor
hcrte ^ praecordlum, D. 452; 1497 vierherz, Hyrtl, K.
W. 83 ; 1 182 vorhertz = Brust, Zening. Voc. z 8). — 3. -
Card» de« Marens (1528 Vorhertz, H. v. Gersd.
10. 18; Hyrtl. K. W. l.r>C ; 2. tut ein vermutlich Rita der
Opfer-Anatomie stammender Ausdruck (vergl. Fftrch
u. Corr-Bl. f. A. 1896, 8. 1 ff). — 4. = die sog. Brust-
geschwulst (avant coeur) bei Pferden (Falke II,
421). — (1512) weh-herzig = (vecors haben« vc In
corde, I). 608) — ohnmächtig infolge von Iler/.-
weh. — weiche» Herz = schwache» Herz (engl,
weakened heart = Ohnmachtszustand, Herzschwäche).
- weuses Herz s. weisse lieber; letztere als
Blutauslaufst«lle nach alter Schullehre an-
genommen wie das Herz (SchmeUer I, 1171). —
mitende» Herz (abd. wuotanherx, I-alatner 11, 411
= tyrannu«) = bOser Wicht (I>öwenherz?). —
Herz (ens)- .4 rier, -Angst, -Antündung, -Asthma,
Aug, Bändel, -Bäuchlein, Beben, Bein, -Bengel,
- Bestremmung , -Bestrickung, -Beutel, -Blatt,
•Blut, -blöde, -Bräune, -Brand, -brennen, ■ Brüst-
lein, -Buckel, -Büngcl, -Dampf, -Decke, -Drücken,
-Erweiterung, -Fehler, -Feibel, -Fell, -Fieber,
-Finger, -Flämmlcin, -Fleck, -Fleisch, -Flu*»,
Ganter, Geäder, Gesehtcär, -Gespann, Gesperr,
-Geicächs, Grube, -Haustein, -Häutlein, -Haut,
-Hitz, -Innader, -Kammer, -Kastel, -Kaule,
-Keistern, -Kister, - Klappen, -Kleittem, -Klemme,
-Klopfen, -Knoclien, -Knopf, Knorpel, Krampf,
-Krankheit, -Kröte, Kuchen, -Kulk, -Lähmung,
-Leere, -Leiden, -los, -Mangel, -Mattigkeit,
■Nabel, Netz, -Noth, -Ohnmacht, Ohren, ■ Ohr-
läpplein, -Pein, -Pochen, -Polyp, -Pünkel,
-Piitzchen, -Puffen, -Pumpern, -Putzer, -Rad,
■Bebe, -Rick, -Rippknchen, Riss, Ritten, -Ritz,
-Schelm, schlächtig, Schlaq, Schlagrti, schluckig,
■Schock, Schrein, -Schwäche, -Schwäre, Schwund,
■sehr, -Seite, -Seufzen, -siech, -Siechtag, -Spann,
-Stammeln, -Stechen, -Steffen, Stein, -Stich,
■Stoss, -Strang, -Sucht, -Vbel, ■ Verstricken,
■ Wasser, ■ Weh, Wthtag, • Werkstätten, -Wunde,
Wurm, Zittern, -Zwang.
hesch s. heiser.
He sehen (Hesch, Hösch, m. He sc he. Hat sc h,
Heschge , he sengen, heschzen, het sehen,
Heschitzer, Hosehetzer Haecker, Heiss ,
hi.se hen, hicken, hichzen hitzgen. hixen !,
gesehen, gischen G hätsch, G hotsch, Jest
■. d.) (ahd. besket sa slngultus, Graff IV, 1062; mbd.
gesehen, gischen, Gr. W. IV, 2. 1267, hischen, hesch.
Gr. W. IV, 2. 1266. erblichen, I-exer; 12.-14. Jahr),.
Mische, m. = Schluchzen, Hoffm I. 51. 376; 1445
beschiu - singnltus, Schmeller I, 1184; 1483 ht.sche
— slngultus, t\ v. Megbg ; 1182 hesche — slngultus,
Zening. Voc. 06; 1507 hosch = slngultus, Hort, san.;
1529 hotsch = slngultus, zittern des magens, Paneels, ;
1533 hescta, Fries 104. 100, Ur. W. IV. 2. 1261,, 1561 hixen
ss «ingultus, Gr. W. IV. 2. 1 >86; 1569 hcsehcn = sin-
giiltus. Gr. W. V. 1260, 1584 heschen, hesebitz — sin-
rultus, Winrong ; 15*8 heische , hetsch , heschgen
(Tabern ); 1591 hixen, hatsch = singultus, Ha«l. Jun.
378; 1609 heischen s slngultus, Guar. 888; Bayern :
HeUichcn, netschcr, heschen, bischen; Franken:
Hatscher; Pfalz Hetsch; Schwaben: Hesch, Hoseh,
G*h<>tsch, Hacker, h lechzen, hischen ; Tirol: beschgen.
besehen, heschzen; Schweiz: Hitzgen, Gr. W. IV, 2.
1266. 1267; V, 438, C. v. Schm. 275. 277. 322; Schm. I,
1184, flaml. hick , franz. höhnet; engl, hicket. beckup.
Brias. 167) = lautmalende Bezeichnungen ftlr:
Singultus. Man stellte sich früher (1532) vor. dass
der Hescher eine unnatürliche Bewegung, ein Krampf
des Magens sei. wie der Husten ..eine Beweglichkeit
der Lungen" ist (Fries 104. 109); 1569 eine heftige,
damonistisch aufgefaßte , daher durch Besprechung
behandelte Bewegung oder ,, Anfhohrung de» Magens"
(ufborung. Gr. W. V, 1260). Das Wort selbst Ist ein
Typus der Tonmalerei in 8prochlauten der dialektisch
verschiedenen Zungen, die ungefähr den Schluchzlaut
nachahmen wollen, die formlich sehr weit von einander
I abstehen , aber begrifflich alle diese Gemeinsamkeit
dos Naturlautes haben (vergl. Kluxer, Keller-
geschoss, Schnackler, Hick, Marbriegen).
Hesse, f. Hesen, Hessen, pl. s. Hachse
(Falke II. 41*). — ÄruA-hessig s. llechse (Hachse)
n. Hacken.
Hessen. — blinde Hessen = eine Bezeich-
nung des von den Weifen sich ableitenden
Volkes der Hessen, die wie die jungen Hunde
(Wolfe) dann auch blind auf die Welt kommen
sollten, blinde Weife = blinde Hunde (Mehr. 21;
II. Paul 217). — hessische Kranklwit, Seuche.
HetSCh s. Hesch.
Heu, n. (zu hauen sa zu bauende* Gras, Kluge *,
166). — Heu Asthma, -Bauch, Fieber, -Geigen,
-schlechtig.
Heuel, m. s. Holle.
•heuer (indogerm. keqro; ahd. -hiuri [stnik], un-
hiurl — grausig, schrecklich, ungihiuri — unheimlich,
! schrecklich. Kluge *, 3h6. 131) — (1609) Ungeheuer
tun Iure — eigentlich schrecklicher Berggeist aus dem
Walde). 1. = Menses (Guar. 934). — 2. - (rahd.
! ungihiuri, 1394 ungeheurin ; 1420 eyn ungehuecr =
tamln, D. II, 227; Schweiz unghür) ■ der Alp
(Incubus) (l>. 293; Hoffm. I, 358; «orresp.-Bl. f.
Anthrop. 1»S6, s. 10.5), auch Nachzehrer (s. d.),
der Krankheiten bringen oder den men-
struierenden Woibern arg mitspielen sollte.
— 8. = Rotlauf als Wildnis oder wildes Tier
(s. d.) (Alpdrache. Lalstner II, 278; Riesen-Geb ;
Reinsb. 22). — 4. sa Kinder-Kuteln , Masern,
Schafblattern (if.99; v. M. II, im
heujänen = hochaufgähnen (Fromm, vi, 212).
heulen = das Darmgeriiusch bei der Pferde-
kolik fit. A. 375).
heimisch Uunsoh.
Heupt, D. (15*1 das heupt, Tiihernacm. 76 c) =
das Haupt (s. d ).
heute. heutiger Mann (heute = hin meu
= an diesem Tage, 11. Faul 217).
Hexe, f. Hechse, Hex, m. ahd. bagamuuo =
Haagweib, Waldwalb, Weigand I. SM; Kltigu*. 167;
anels. haegtesse ; mnd. hagftisse, <;olth. 116; 13. bis
14. Jahrb. hegeclsse, Gr. W. IV, 2 1299; mbd. h. c«e -
»triga. strix. furia ; engl. hag. Das Wort „Hexe" drnng
[nach Golth. 116] erst im Gefolge der Hexenprozessc im
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282 Hexe.
10. u. 17. Jabrh. weiter ins Volk ; vorher war rnholdin I
[*. d.] vorherrschend), I. = Hageweib (Haeggele)
weiblicher Dätnon aus dem Walde, feindselige
Waldfrau, die in der Hexennacht ausfahrt (s. d.).
Wie olle Krankhcltsdaraoneu aus dein Walde, dir t'm-
hcgung der Sippcnslcdclung. stammen und die vou
denselben ins Haus gebrachten Krankheiten wieder
daliin zurück gebannt werden, so steht auch die Hexe,
die rnholdln au« dem Walde, zu den Krankheiten in
inniger Beziehung. Die Erklärung dieser Stellung wird
in zweifacher Weise versucht. K. Eckstein 'in Wetter-
manns Monatsh. 1894. Apr. 114) und A. nehmen an
(eonf. schott, haxa — Oberpriesterin). das« das Wnld-
welb eigentlich nur die in der Umgebung des germa-
nischen HelllgtuniB als zaubcrkiiudigc, giftinisehctido
Priesterlti lebende Hexe gewesen sei, die dann später
nls Christusfelndllchc Erinnerung aus dem Hei<leutum
mit dem Satan in Verbindung gebracht wurde und ,,als
Hofgesinde des Teufels" mit diesem sich in das Kult-
Inventar, aus der heidnisch-dämonischen Zeit iilier-
nommen, teilte, »o dass der Teufel selbst zum „Hex-
erich" (Trudercr) wurde. Andere hinwieder halten,
und wohl mit Recht, die Hexe für einen schon primär
germanisch-heidnischen, weiblichen t'nholden-Dttmou
(Lipp. S69. 571; Oolth. IMS.; Weiler): „Aul gemein-
samer Grundlage, auf dem Maren- und Seelenglanl.cn
erwachsen, müssen Hexcngeschiehten überall (auf röm-
ischen wie germanischen Boden) ähnliche Zuge auf-
weisen" (Golth. 118), u. wie alle germanischen Dämonen,
so galten auch die Hexen als besonders schädlgcnde
Weseii, deren „Werk" (s. Hexenwerk) bestand in: 1.=
Herbeiführung von plötzlichen uner-
klärbaren, durch übernatürliche Kräfte,
Zauberei („Hexerei") hervorgerufenen
Krankheitserscheinungen bei Menschen
und Tieren, z. B. Hysterie u. Lähmung. — 2.=
derTruden-od. Alpdruck (s.d.) (Meyer 177; Wund.
B. 376; Golth. 654; Kohler V.-Ul. 421), s. Hexendrurk.
— 3. = diezopfformigeVerfilzung von Haaren hei
Menschen und Tieren (Zipp. as) (Hechsenzopf).
— 4. = das Blutsaugen (s. d.). — 5. — das Ver-
zehren von Menschenfleisch und Kinderherzen
(s. Zehren) (Da Cange VII, ein. Ol t ; Lex sallc. Capttul.
Carol Magn. . Bleitor). — ü. - die Behexung, Krank
wachung der Menschen durch den bösen Blick
(böses Auge, Gluderauge, Hexenauge). — l.~
das Ausblasen des Augenlichtes (plötzliches Kr-
blinden). — 8 = sie senden den Menschen Stiche
(s. Schüsse), mittels „gellender Speere" (gyllende
guras, Golth. 630; Mannh. Cö ; Baader 69 ; Birllnger I,
136. 137. H3) und verwanden [Laistua ii, 420). —
9. — sie machen Hexenmilch (s. d.) (Meyer 175)
Hexenhutteretc, melken die Kühe aus, machen
sie unfruchtbar und ihre Milch versiegen. —
10. aa sie plagen die Menschen als Succuba
oder Incuba im Traume und erzeugen Hexen-
eier, Mondkalber. Sie gleichen demnach in
ihrer Thätigkeit vollkommen dem (indogerm.)
Alp (s. d); nach dem Volksglanben verwandeln
sich die 100 Jahre alten Hexen in schwarze glüh-
augige Katzen, ihre Kinder sind Kätzchen (catuli
lamlae) und die elektrischen Funken der Katzen
haare helssen engl, hag - Hexe (Kaltscbm. I, 887;
Schräder); sie verwandeln hieb aber auch, wie die
anderen Krankheit« - Dämonen in Nachtschwalben.
Schmetterlinge, Habergeiis, Ziegenmelker, Kröten (s. d.)
Hexen— Hieb.
Eideohsen etc. (Abergl. 113; Stubenvoll 96 , Gr. W. I,
1341; IV, 2. 1299; Gr. D. IL I, 187; II, 1042; F. Dahn
Baust. I, 209; Schindler I, 1068. 1387; H. Z. IX, 542,
Anm. 65; Z. d. V. L V.-K. 1895; Golth. 120; Riezler;
Alpenbg 256. 259. 260; Buck 35; Wuttke 163; Schw.
419; Zingcrle 33; Laistner □, 188. 251. 318). —
H. Unter dem Einflüsse der christlichen
„Hypertrophie des Dogmatismus" (Stedar) wurde
als Hexe auch nach dem allgemeinen Volks-
glauben jede weibliche (erst sehr spät und
sehr selten auch männliche) Pereon (auch
Frauen von Juden s. d.) angesehen, welche
im Verdachte stand, mittels eines Bundes mit
dem Teufel (s. d.) übernatürliche, d. h. Zauber-
kräfte zu besitzen, die sie immer nur in einer
schädigenden Weise gegen Mensch und Tier
ausübe. Diese die Geister (s. d.) beherrschende Gewalt
oder Zauberkunst (Hexerei) musste erlernt und er-
worben und geprüft sein; daher es auch 1683 experi-
mentierte, in Ihrer Kunst approbierte Hexen gab. Als
solche Wesen stellte man sich vom Teufel „ge-
zeichnete" (s. d.), meist versch rümpfte, alte,
zahnluckige, halbblinde, triefäugige, z. T. bär-
tige, blutarme, kahlköpfige, hinkende od. daher-
schlurfende Weiber mit zusammengewachsenen
Augenbrauen (s. Ratzel u. Schrattel) vor (Vergl.
Itiezler; Brinzing, Apokalyptischer Leuchter311 ; Köhler
V.-Gl. 420 ; Wund. B. 72). — Hex, m. = männliche
Hexe (Laistner Ii, 188). — hexenWf = Hexen-
zeichen (s. d.) an sich tragend, nach Hexenart
gezeichnet (Klezler). — (1699) angehext = mittels
Hexenkunst angezaubert (v. IL EL. Anh. 28). —
Bock Hexe = die nach dem Volksglauben auf
einem Bocke (Gabel, Stock) reitende Nachttnar
(s. d., Walriderske), welche Alpdruck (s. d. u.
S. 12) macht (Wuttke 255). — M 1: ixe = die
in der Gestalt eines Nachtfalters (Ziegenmel-
kers) die Milch ausmelkende, d. h. zum Ver-
siegen bringende oder Hexenmilch (s. d.) mach-
ende, weihliche Dämonin (Martlny). — Nacht-
Hexe (engl, nighthag) = weiblicher Nachttnar.
— Sehn ><mc/-Hexe = Milchhexe (Schwand = Mileh-
sahne). — Spänn-Hex, t. = goldene Ader,
Hämorrhoiden (ndl. spönen - Hämorrhoiden), beim
Mastdarmtripper, wobei milchähnl. Schleim-
hautsekret auslauft (s. laufende Spenen), wie
wenn „Hexenmilch" im After sich erzeugt hätte
(S. Goldader) Birlinger Volkst. I, 96; Schindler I,
1047). — 2. = Milchhexe, f. Hexengespänn. —
TV-ut/rn-Hex - Alpdruck machende Hexe oder
Trade (Aipbg. ^oj. — m-hext, 1. = durch
Hexerei hysterisch (Pauli 62), „der hats die
Hexe angethan" (s. d.). — 2. - durch Zauber-
gift verändert (Boehh. II, 119). — Hexen-.<lt<.;',
-Drtuk, Gespanne, Gespinst, -Qewerk, -Läuse,
-Milch, -Schutt, -Schweigen, -Stich, Zeichen,
•Zopf.
Hexen, f. s. Hachse (Hehse).
hichen = kichen, keuchen (nieders., Krau»,
E. 137).
hichzen s. besehen.
hickeln — hinken (Hchm. I, 1050. 1133).
Hick, lacken - Heschen (S i n g u 1 1. ) (Do Cook 170)
Hieb, in. (17. Jabrh. Neuschöpfnng aus hauen), l.m
Hiebwunde, Hiebspur (Gr. W. IV, 2. 1307). —
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Hicle — hinken.
hinlich — Hippokrates.
233
2. = eine fehlerhafte Vertiefung an der Achsel
zwischen dem Kamme and dem Anfange des
Widerristes beim Pferde, die wie mit dem Beile
gehackt, ausgehauen erscheint (Gr. w. i. cod.;
Falke I. 95. 218) (gehackter HalB). — 3. (bildlich)
= Rausch, Schwips (H. Paul 217) (Stich 6). —
(5uÄi> )Hieb = Hieb 2- -m**-sp«r> -
Hiele, (angl. höh, helft, hoehllo; nord. haoll; ndl.
hiel; engl, heel, heeled, narrow heeled = engen Huf
habend, zwanghuftg, Kaltschm. I ; Kluge 1 1 19) ■ Ferse,
Hacke. — Fuss Hiel (15. Jahrb. *ubtel = »ubtalu*,
i>. 644) = Fusshacke. — (iöm) Kak Hielen =
Frostbeulen an der Ferse oder Fusshiel (s. d.)
(De cock soi).
hiemen.hienen, 1. = weinen, hündisch heulen
(Schneller I. 1120) (s. Heinrich). — 2. = wiehern
(ndl. paarden-gchlnnlk, De Cook, Folklore). — 3. =
mit dem eigentümlichen biem-Ton atmen, von
Pferden dieden Pfeiferdampf haben (Falko Ii, 194),
Hilderer = Höhler.
HÜ sehe, m. = Heschen (s. d.).
Himmel, in. (nltgorm. ham — bedecken, verhüllen
(Hemd]; gcm.-germ. himana, hiinlna, hemeno = Decke,
das alle« Überdeckende, Himmel, Heimstätte derootter,
(Wtcrheim ; goth. himin« = Decke ; ahd. himll. hlml-
llzxi; mhd. hlmel, himelxc, Kluge5, 187 ff. ; 14. Jahrh .,
ndl. himelte, D. 406; mnd. hemeltc = Zimmerdecke und
liaumen, Schüler-Lübbcn II, 2S7 b; ndl. bemelen,
V. K. IV, 15 = agonisare sterben; gchemelte =
Gaumen, Pierer7 ; altbarer. himmel — Krde- u. Zimmer-
decke) = Qaumenge wölbe (Palatum). — bim-
meln = sterbend (Agonie) gegen die Zimmer-
decke schauen (ndd. hemmein , Fromm VI, 260).
— himmlizen - öfters zur Zimmerdecke starr
schauen (beim Hydrocephalus acutus infan-
tum %. B.) (ahd. himmüixzi, Or. W. IV, 2 1371;
8chw. 289). — der gestirnte Himmel ■ An-
gina follicularis, weil die weissen Punkte der
Lacunen-Pfröpfe auf dem roten Schleimhaut-
grunde der Mandeln wie die Sterne auf dem
dunkeln Himmelsgewölbe sich ausnehmen. —
Mund | ^^^g1]161 !1592) j (übersetz, des Coelum
ort« der Arabluten) = der gewölbte, harte Gautuen
als vorderes Mundgewölbe (Sei». 176; nyrtl, K. w.
116; nranoi Hippokratt*). — rerbimlizt sein = ge-
storben sein (s. himmeln) (Schmeiier i, 1112). —
For-Himmel (alttachs. vorbomclte van dem munde ;
1507 verhemelt van dem uionde, D. 106) — PalatUlt),
Mundbimmel (s. Bühne).
himpern,Mmpezen(himpelzen.himpfelzen;
= gleichsam humpelnd, hinkend, abgebrochen
weinen, stossweise Bchluchzen, Singultus (8chm.
1113).
Himsche, f. s. Hünnsch.
hin- (die Zusammensetzungen mit dieser Vorsilbe
«iehe beim betreffenden folgenden Stammworte).
hinern weinen, hienen (Schm. I, 1121).
hinken (Mckeln) (indogerm. kheng ; germ hink;
ahd. blnkan, binchan = elaudlcare, mhd. hinken,
Klug«*. 188 = claudicare, Graft IV. 962 ; 1182 hinkender
■ varua, Gr. w. v, 2443), 1. = lahm gehen, kramp
sein. — 2. = stottern, mit der Zunge stockend,
happernd sprechen (Thüringen; Gr. W. IV, 2. 1444).
— Hinke, f. = die Klauenseuche der Schafe,
weil diese bei derselben zuerst zu hinken an-
fangen. — lh-rck Hinke e. Moderhinke. — (1826)
französische Hinke = Krüme, eine bösartige
Klauenseuche (bei Schafen) (Falke I, w.; IT, 32»),
durch spanische Merinoschafe 1826 aus Frank-
reich eingeschleppt. — (1807) freiwilliges Hinken
= das ohne nachweisbare äussere Ursache
durch blosses, funktionelles Unvermögen ver-
anlasste Labmgehen (Krau«, E. 273; Helm 70; engl.
Hip-Joint), meist beginnende Coxarthrokace.
— ^räfscA -hinken = ein graitisch (grätsch)
gekrümmtes Bein haben, bo hinken, dass ein
Bein in der (irätsch-Stellnng ist : |< oder j)
(s. grätsch). — f/oMr-Hinker (angli. hcllehinca,
Kluge*, 168) = Teufel (s. d.). — Moder- Hinke
= eine sehr häufige, aber nicht bösartige, durch
unreine, modernde Ställe verursachte Klauen-
seuche der Schafe. — sehr hinkend (16. Jahrh
claudlcusquicito vclsacpc Claudicat, D.126) — schmerz -
baft, lahm gehend durch Versehrung (s. sehrung-
erstorben). — apanische Hinke = französische
Hinke (Falke II, 323; eine vermutlich von den
menschlichen Franzosen [s. Ijlhmc] In die Veterinär-
medizin übertragene Bezeichnung). — Hinke- (hin-
kend er, es) -Bein, -Bürzel, -Bote, -Fuss, -gehen,
-Pink, - Weh.
hinlich s. Hund.
hinnern (1445. Schmellcr I, 1118) - wiehern wie
ein Füllen (s. iieiss 2).
Hinsch s. Hünnsch.
hinsken = weinen, heulen wie ein Hund
(Schmeiier I, 1121).
hinter, Hintere, m. (ahd. hlntaro, daz hinderora;
mhd hiuder — posterior. Kluge*, 16«; Schmellcr 1,
1138; 1529 hyndera, Brunf.). — Der Hintere (1783)
Hinterste = Posteriora, der äussere Teil des
Podex incl. Fut (Liebrecht z. Volksk. Mi; in Tirol
gilt ,,der Hintere" als ein vornehme» Wort und wird
dort seltener gebraucht, Balthasar (s. d ); Hintner7. 17;
i'latner li, 184). — hinter für = geisteskrank, bei
dem das Hintete nach vorne gedreht, d. h. ver-
kehrt, verrückt ist (Buck 13; Reiser 206). — hinten
sein = in der rückwärtigen Kreisstatt (s. d.), in
dem Wochenbette liegen (Schm. I, ii36)(s. (unter-
kommen). — (1688) der schicärende Hintere -
Anus exulcerauB (Gr. w. IV. 2. 1497) (das Feig,
8 d., Kipparscb). — Hinter- hinter [e, er, es])
-Angel, -Arm, -Backen, -Bein, -Bug, -Darm,
-Fenster, -Fuss, - Qewölbe,-Hand, -Haupt, Hüfte,
-Knie, -Knollen, -Knopf, -kommen, -Maul,
-Mausen, -Patzen, -Quartier, -Rücken, -Scham,
-Schrunden, -sinnen, - Teil , • Thürlein, -wärt*,
— Warzen, - Wust, -Zahne.
Hippe, f. hippig s. Happe.
Hippel h. Höppel.
Hippokrates (gebor. 160 v. dir. auf der JonWchcu
Insel Kos, ,,der Gcburt*>*liltU) «1er heutlgeu Well-
inedizln", nls Sohn eines Asklepladcn und einer Heb
antat , Baas 37. 61). — hippokratisches Antlitz,
-Gesteht.
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284 Hir— Hirn.
Hir, f. (plnr?), m. (ein ausgestorbenes Wort: goth.
hauri = Ignls [brennender Schwcrtscbrnerz?] ; I I. Jahrh.
hier = dolor, Schmeller I. 1155, aus dem Nachfolgendes
entnommen Ist). — (10. Jahrh.) hirlich = vehemens
(Notker). — (/ehiren = schmerzlich machen (Schm.
I.e.). — grosses Hir (Gliederschmerz?) = grosses
Weh. — (mhd.) Haupt -Hir (houbethlr, I^xer 106;
1638 die haubthlrcn, Schmeller I, 1156) rt Cephalea,
Kopfweh (s. d.). — OÄrcn-Hir^Otalgia, Ohren-
weh (der hir di r oren). — Schaden-Bil = Dolor
vulneris inflammati, ulcerum (der hir zu den
schaeden).'— Schläfe-IIii = Schläfe-Schmerz (die
schlaffendt hir an dem schlaffe, Schmeller I, 1156).
— schlagender Hir («Iahender hir) - klopfender
Schmerz.
bircheln (hörcheln, hürgeln , hirchezen,
hinten, Hirxer, Hirge) = rollend rasselnde,
gurrende, röchelnde Geräusche (Rhonchi) aus
dem Halse oder Bauche hören lassen (A. v. II.
I, 1180; lautnachahmendes Wort [wie hetschen und
röcheln] Buck 19; Gr. W. IV, 2. 1802); a) = Oedema
pulmonum, SchleimraBsoln (C. v. Schm. 280; Schm.
I, 1159; Lammen 129); b) = da« anstrengende
Hüsteln, wobei der beengende, nicht ausge-
worfene Schleim noch röchelnd gehört wird =
hinten (Herzgesperr) (Buck 19; Gr. W. IV, 2. 1246);
c) = der dabei ausgeworfene Schleim (Sputum),
Hirxer (Buck 19); d) = die geschwollenen Hals-
drüsen (Beulen), die solches Schleimrasseln im
Halse veranlassen (Hürgc) (c. v. Schm. 293). —
(1588) hörcheln (Taberu.; Gr. W. IV, 2. 1802. 1246)
= röcheln (Herzgesperr). — der IToffn-Hirchel
■ die letzten röchelnden Atemzüge des Ster-
benden (c. v. Schm. 280) ^ Oedema pulmonum.
Hirn, n. (gem.-lndogenn. ker. kons - Kopf [cero-
brum aiiH ceresruin], XSpac [Horn]; altgenn. herzn,
hersn- [s. HerHc]; Roth, hvulrnel, f., hnirtil, nhd. hirni,
hlrne, hiren, herne, Kluge b, lf.H; 11. Jahrb. hirni —
cerebrnm, II. Z. XVI, 69; GraiT IV, 103r.; mhd. hirne;
1531 das hyren, Kraut».; nltnord. hjarne, dftn. hjnema;
schwed hjerna, l'lcrcrT; mittclerigl. bernes; cnRl. barns
= Ulm, Kaluchni. I), l. - der obere gewölbte Teil
(Hirnschale) des Kopfes (fir. W. IV, 2. 1665) ~
Fron», Fren, Stirnteil (Bayern. Tirol), Hirnschädel,
wo beim Schlacht- u. Opfertiere da« Gehörn sitzt
(das Hirschkhurn = Hirschhorn). — man fallt auch
aufs Hirn (Stirn) (Miltner 5. 12) - ist dumm, ver-
wirrt, wie ein durch Sturz Betüubter. — 2. =
a) die Gehirnmasse uls .Mark dcB Kopfes (Me-
dulla capitis), die früher als eine Schleim be-
reitende Drüse angesehene weisse und graue
Substanz innerhalb b) der Hirnhäute (15. Jahrb.
hirn -tenuissimn pellis eerebri, I). 240) und des Schä-
dels (Üerebruni, Cerebellum, Medulla oblong );
(1661 hirnclin, byrnelein = cerebellum [Kleinhirn],
Gr. W. IV, 2. 1061; Hyrtl, K. W. 82). — 3. — der Sitz
der Denkkraft, die beim Fall auf die Stirne
(Hirn) naehlässt oder schwindet, „aufs Hirn
gefallen sein" — 4. = obere, rundliche Teile
von Gegenständen od. Organen. — bimig (1495
capltosus, i>. y7) = grossgrintig, einen Dick-
schädel habend, ein krankes Gehirn habend.
— hir neu =■ nachdenken (Schmeller 1, H63), mit
dem Gehirne thätig sein. — aus- (♦ r-)hirncn
(ahd. arhirnjau = excerebrare, Graf! IV, WM) - das
Hirn.
Gehirn aus dem Schädel nehmen. — (15. Jahrh.)
i4u»«cr-Hirn = Dura mater, äussere Hirnhaut
(D. 192). — blbd(es) Hirn (-hirni«/) = Schnupfen,
der auf der Stirne KmpÜndungen macht und
als Schleim-Abfluss aus dem Hirne (Stirne) an-
genommen wurde (hebe») (Gr. w. II, Hl). — (1512)
fco8-hirnig = cerebroBUS, toll durch bösen Hirn-
wuest (s. d.) (n. in). — eigen- (rin-) hirnig (1495
eygenhürnlg, cinhiernig = astrosus — lnnaticus, I>. 56 ;
Schmeller I, 1163) = eigensinnig wie ein Gehirn-
kranker (Mondsüchtiger, Rasender), den man
von den Gestirnen beeinflusst früher annabin.
— fliessendes Hirn = Naaenkatarrh (als AbÖuss
aus dem Gehirne früher angenommen), Hirn-
nii88, Coryza, rhume de cerveau. — (16. Jahrh.)
Gehirn = die Gehirnmasse, Medulla capitis
(Hyrtl, K. W. 82), die „drüsige" Gehirnsubetanz
Malpighi's, die die NervengeiBter absondern
sollte in die Nervenröhren. — (1668) gesunkenes
Hirn - das Verlieren des Verstandes (Beyn. 88)
durch Hirnschwund. — //. . Hirn = ein nicht
vollständig geistig normaler oder schwach be-
anlagter Mensch (Blrlingcr, Volkst. I, 460). — (leos)
Ams-hirni«/ = hitzig im Haupte (Gr. w. IV, 2. 9is).
— (15. Jahrh.) innw-Hirn - Pia mater, inneres
Hirnfell (D. 432). — (l&ui) kaltes schtoaches Hirn
= ein durch den kalten Hauplfluss (Coryza ■
weisser Nasenschleim) geschwächtes Gehirn
(h. weises Hirn), schwache Kopfnerven bei Kopf-
und Nasengebresten (Tabern. 37 c, 53 D). — (1590)
katzen-hxrnig = toll, närrisch, schwindelig (von
Pferden), wie ein Mensch, der Katzenhirn (Hirn
vom heiligen Tiere der Liebesgöttin Freya) ge-
gessen hat, was nach altem Aberglauben toll,
namentlich liebestoll, veigiftet und gedächtnis-
schwach machen soll (Katzenkrankheit, s. d.)
(Gr. W. V, 2%; Schräder 170. 175; Blrlingcr, Sitten I.
416). — Xaih-Hini = Kleinhirn, weil es bei den
Tieren hinter dem grossen Hirn liegt (Hyrtl,
K. W. 82) (Cerebellum;. -- (1577) 8rAr<7-hirni.'/ ■
durch Krankheit Behellig (s. d.), hirnrasend,
auch = Bchiefhirnig (schelch), unsinnig, ver-
rückt iv.t. w. III, 1215; vm, 2501) (8. hirnschellig).
— (1681) sc/itriwiW-hÜrig (hirnig) = vom Gehiin
aus schwindelig (Brinslng lll). — fähiges Hirn =
betäubt im Hirn, dumm (Schm 1, 579). — tippel-
hirnry a blödsinnig (t:. r. Schm. 125) (tölpelhirnig).
— tolpe /-hirni? = vom Drehwurm (s.d.) behaftet,
verrückt, dumm wie ein Tölpel (s. d.); (1789 ist
das Tölpelbohren [— diu KröfTming der Srhadelkapsel
durch Bohren, um den l>rehwunn Im Gehirne aufzu-
suchen] eine besondere Kunst der Vieh-Hirten, Leg.
f. d. gem. Mann 209, couf. Kselbobren bei Schräder
S. 74); violleicht sind die Kunde von prähistorischen
trepanierten Schädeln auf diese Vorstellung eines
Wurmes im Gehirne auch beim Menschen zurückitn-
fuhren. — thorichtes Gehirn ■ lymphaticus, durch
Wasserscheu (Wassersucht, Lymphe), Hunds-
tollheit erkranktes Gehirn (D. 330). — Unter-
Hirn = Kleinhirn, weil es beim Menschen
unterm grossen Hirn Hegt (Hyrtl, K. W. 82) (Cere-
bellum). — »reiches Hirn = die weiche Stelle der
Stirn (Hirn 1), Fontanella der Kinder (A. v. H.
1, 667) (Blatt). — (1615) weisses Gehirn = kaltes,
schleimiges (s. weiss) Gehirn - Coryza, Nasen-
katarrh, als Abüuss aus dem Gehirne angenom-
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Hirsch-Hitze.
Hitze.
men (Coler, H. A. 105). — (16. Jahrh.) wölken farbiges
Hirn — graue Hirnrinde (Hyrtl, K. w. 166) (Hirn-
borke). — wüste Hirn= Hirndruck (vergl.Wüst).
— zerrüttetes G.hirn = der geistige Zustand des
Wechselbalges (s. d.) (bei Luther: zurütt gehlrn),
der mit einem gewaltsam erschotterten Gehirne
verglichen wird — Blödsinn (= Kretinismus)
(Gr. W. V, 680). — Zerf-Hirn = Glans penis (Hyrtl,
K. W. 170; Schindler II, 1152) (Hirn 4; s. Zers). —
Qi hirn- ) ■ ^ rtnut, -Bauch, -Becken, -Bein,
-Blatt, -Blöde, -Bolle, -Borke, -Brand (u.*),
-Bruch, -Brüten, -Dampf, -Erweichung, -Fell,
-Fiber, -Fieber, -Firns, -Fuge, -Futteral, -geil,
-Geister, - Geschwür, -Gespinst, -Gewölbe, - Grube,
•Häuslein, -Häutlein, -Haube, -Haupt, -Hödlein,
-Hohle, -Kammern, -Kasten, -Klotz, -Kopf,
-Kraft, -Krampf, -krank, -Lähmung, -Lappen,
-Lauf, -Leiden, -los, -Magen, -Mark, -Materie,
-Nieren, -Pfanne, -I'oUen , -Putzer, -Quese,
-Rebe, -rissig, -rützig, -Saft, -Schädel, -Schale,
-Scheibe, -Scheidung, -Scheitel, schellig, -Schiel,
-Schlag, -Schwamm, -schweinig, -Schwindel,
-Schtdnge, -Schwund, -Sengel, -siech, -Sinnigkeü,
-Spiegel, -Spreissen, -Stall, -Stein, -Sucht,
-täppig, -Teil, -Tobigkeit, -toll, - Topf, -Tütten,
— Typhus, -unsinnig, - Verstopfung, - Wehe, - Win-
dung, - Wirbel, ■ Wust, ■ Wütigkeit, -unmd, - Wurm.
Hirsch, m. ( — das gehörnte [männliche] Jagdtier).
— hirschig, 1. = pfinnig (beim Rindvieh) oder
„hirsig", wegen der kleinen Finnenknötchen
{= Miliaria oder [1699] Hirschbreinbltttterlein)
(Hirlinger II, 243; r. 31. D, 132). — 2. ~ an der
Hirschkrankheit (s.d.) leidend. — Hirsch- ßaucA,
-Krankheit, -Kugel, -leibig, -Rute, -Schalen,
-Stein.
Hirse, f. (— Milium, xtY'/po- Hlppokratl*. Fuchs
I, 321, II, 173; In den schwell. Pfahlbauten gefunden;
ahd. mllll und hlrsl, hlrao. Kluge*, lt,9). — Hirse-
Sucht, -Korn, -Krankheit, -Pocke.
hirxen (Hinter) «. hircheln.
hirzig s. herzig.
hisch, hischgen (hlcsgen, ie*gen; angln, iesca —
Mngultu«, I>. 537) s. hielschen. — Hischhcit -
Heiserkeit (s. d.). — (14. Jahrh.j erhischen - auf-
Blossen, schluchzen (Hoflm. I, 3Cf>).
Hispel s. Haspel.
», f. Hitzen, plur. (ein n „hei*»" selten-
verwandtem Wort; gerin. hft i halt — helss; gotli. hilja,
hell« = Kleber; ahd. hei, gehet, htt/a, hi/za — uredo,
calor, fervor, eauina, Graft IV, 1073; mhd. hitzc, hizze,
Kluge', 163. 169; 12(10 hltze; 1482 hytzlgkelt - callditas,
Zenlng. Voc. o6;D.2ll; preua». heet Klebe
53; engl, beat - Ritzhlilschen, KalUchui. II,
Zustand des Heissen, namentlich vun lioher
Körperwarme bei Krankheit etc.; 1. = die nn-
törliche Wärme (Komplexion, Hitze) im Innern
des Menschen ; erhöhte Lebens-Ausserung ; lokal
erhöhteaTemperatur-(Hitze-)Gefühl (stechende
oder brennende Wärme); (12^.0 die Wanne und die
Hitze [als Komplexinn de« Mcnochen] hat dieser von
dem Keuer, dem Natur- Kiemente [2 deutsehe Arzney-
hücher. Pfeiffer 20]). — 2. - Krankheiten, die mit
Hitze (Fieber) einhergehen, Fieber überhaupt.
— die Hitz (ahd. hlzza) = hitzige Krankheit, Ty-
phus, Kauma Hippokratis, akut fieberhafte
Krankheit überhaupt, Fieber (Schweiz, Bayern).
— 3. = der Brunstschleim der hitzigen bluten
(Gr. W. IV. 2. 15*3). — 4. = fieberhafte Hantaus
schlüge. — hitzig = erhitzt durch innere oder
äussere Warme, heissmachend, brünstig (Gr. w.
IV, 2. UM sub 5; Falke I, 400), eine sehr häufige
Bezeichnung bei Krankheiten. — (1531) Hitzig-
keit = brennende Schmerzempfindung (Krantw.
xxxil). - (1744) After-Bitze = Ardor ani, Ery-
thema, Intertrigo, Hauthitze, Böte am After
■» »-SÄ«-!811"*""1"
Augen oder die hitzige Apnsteraen In den Augen,
Seb. 9:.), 1. = Psorophthahuus, entzündl. Binde-
hautkatarrh mit Ekzema palpebrae, das ein
starkes Hitzegefühl auf der Haut veranlasst
(Zw. 217). — 2. = Augengeschwftr. — Blut-Hitze
m heisses Blut (engl, blood heat, Lehf. 145). — (1177)
böse Hitze (Ortolph; 1607; H. san.), 1. = Fieberhitze
bei schweren Infektions-Krankheiten. — 2. =
Urinverfärbung b. solchen Krankheiten (Ortolph).
das Symptom für die Krankheit genommen. —
eimeendige Hitzen, pl. = dio äusserlich mangels
sichtbarer Ursachen vom Laien nicht wahr-
genommene, aber doch angenommene Hitze
innerer Organe, die sich durch Durst, trockene
Zunge etc. bemerkbar macht (Bayern, Pfalz) (inn-
hitziges Siechtum). — Fackel -Hitze — (Fabel-
bitze?) eine Hitze mit Delirium (Fabeln) (Pauli 27).
— (1680) fieberische {Hebrichte) Hitzen = nicht
vorübergehende, flüohtige, sondern durch
länger bleibendes, wirkliches Fieber veran-
lasste Hitze des Körpers (stieler; Heyne, A. v.
H. 1, S8S). — fliegende Hitze — das schnell ent-
stehende und rasch (s. d.) verschwindende
Hitzegefühl mit äugen hlicklicher Gesichtsröte.
— .y.;/j-hitzen = rasch erzeugte Hitze äusser-
lich bemerkbar machen (Schindler I, 888. 1191).
— (171S) giftig erhitzt ■ Phlegmone (infec-
tiosa) (Tolle lege 97) — entzündliche Hautröte
durch Infektionsstoff erzeugt — (b'.is) grimme
Hitze = heftige Hitze (Schmellcr I, 99»;). — (1477)
Harn- [ fftf**6** J = »die böse Hitz d. Harns"
(Ortolph); 1. = böse Hitze (s. o.). — 2. = (1&31)
der brennende Schmerz b. Urinlassen (Tripper)
(Krautw. XMII). — Haupt-Bitze = Kopf- Warme,
heisser Kopf, Congestio ad caput. — herzige
(hirzige) Hitze ■ Dyspnoe, die vom erhitzten
Herzen (lilutwallung) ausgeht (Sehm. II. 848). —
) Hitze = einwendige Hitze mit
dem Gefühl des inneren Brandes (innhitzig);
[IUI Inbrunstig hyt* = ardor, I). 46; Pauli 26). —
Hitze (14 -16. Jahrh. mnd. de mike van der
helle der lereren, J. f. nd. 8p. -F. XV, 10t>) s. er-
hitzte heisse Leber. — (\~-<0) Milch-Eitze -
das Hitzegefühl beim sogen. Finschiessen der
Milch der Wöchnerin oder nach dem Ab-
nehmen des Säuglings (starteius 273). — Mund-
Hitze - Mundkatarrh mit brennender Em-
pfindung auf dem Mundschleimhaut. — Nacht-
Hitze — das durch das Nachttnännchen (s. tl.),
welches die Nachthlatter = Hitzblatter (s. d.)
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230
Hitzel— hoch.
Hocke.
nach dem Volksglauben bringt, verursachte
Hitzegefflhl (ehr. Sam. II, 161). — (1609) natürliche
Hitz = die natürliche Körperwärme als Grund-
feste ruenschl. Gesundheit (Guar. nos), gegen-
über der unnatürlichen krankhaften Fieber*
hitze. — /'' >'tl> ni -Hitze = die FiebcrhiUe
des Pestkranken (Gr. w VII, 1574). — (U77)
rittige (Ortolph.) = (14. Jahrh.) Ätffcn-Hitze (Voc.
opt. w. 41) = Fieberhitze, Paroxysmal febris
gegenüber dem Kälte-Stadium im Fieber (sieh.
Ritten) (Zcn. Voc. bb2, Gr. W. VIII, 1052). — (1513)
Humen-Hitze = die grossere Sainenwärme sollte
Knaben erzeugen (Ploss.-Baricls I, 469). — (1609)
schlecht hitzig = einfach heiss.ohne eigentlichen
bösartigen Infektionscharakter (v. M. II, 127). —
Schweil-Hitze = die Zeit der Pest- Fieberhitze,
bei der die Haut zu schwellen beginnt (v. M. II,
123), (s. Schwell-Merge). — (1699) Schnur-Bitze =
die Zeit der Fieberhitze bei der Pest, in der sich
die Peetstreifen, Striemen (Lymphangoitis) be-
reit, ausbilden (v. M. 11.130). - ^ fjj£
Hitze = Sonnenstich (Bock 37" ; F. Kr. B. 174)
(s. Schwarmzeit). — (1502) stete Hitze = Febris I
continua remittens, Peatilenzial-Synocha (s. d.) !
(W»rzb«rger Apotheker- Ordnung). - JJJJ JJ^ ]
Hitze (der Leber) (ortolph; D. 62) = Calor super-
Uuub, Morbus, Entzündung, entzündete Leber.
— (1507) unnatürliche. Hitz (Hort, »an.) = krank-
hafte, gesteigerte Fieberhitze. — (1742) Venus-
Hitze, geile (Zw. 72) = Inflamuiatio pudendorum
(s. Venus-Krieg und verbrennen). — (16. Jahrh.)
ivrhitzt (ndl. verhlttlnghc, De Cook 148), 1. = durch
Krankheitentzündotod. in übermässig« Körper-
wärme versetzt (U.Z. XIII, 382), z. B. verhitzt(es)
Geblüt, Glieder, auch = St. Antonius-Fouer ;
ferner 2 — eine Schafseuche mit hohem Fieber
(Merk 244). — Hitz (hitzig[f, er, es}) -Ader, -Apo-
steme, -Augen, -Augenweh, -Aussrfdäge, -Beule,
-Bläschen, -Blase, -Blattern, -Blutchen, -Blut, \
-Blutfieber, Brand, -Bresten, -Bruch, -Dusel, |
-Feigtcarzen, -Fieber, -Flechte, Flüsse, -Frorer,
■Füsse , -Gall , -Geblüt , -Gebresten, -geitig, - Ge-
schwür, -Geschwulst, -Gicht, Gift, -Gichtflitsse,
- Glieder, -Gliederweh, - Ha ber, ■ Ha u p t weh , • Husten,
-Kollo-, -Kopffieber , -Kopfseuchc , -Krankheit,
•Leber, -Leibesbescfutff'mheit , -Leute, -Magen-
entrichtung, - Magenweht um , ■ Materie, -Natur,
■ Nerven firber, • Pocken , ■ Podag ra,-Ruhr,- Schäd en ,
-Schlag, -Schuss, ■ Sehn arhheiten , ■ Seitenstich,
-Seticlien, -Siechtum, Stich, -süchtig, - Versehrung,
■ Wassersucht, -Wimmerl, - Wut.
Hitzel, m. ss Genick, Nacken ischmellerl, 1194;
wo es 7.n Hersc [s. d.] gestellt wird, Hersel?).
hitzgen (hixen, hischgen.higschen, gischen)
8. Heschen (Gr. W. V, 4a». 1200; D.
hoarig haarig (h. d.).
Hobel (Höfel), in., l.-{i'.»2) die wie mit einem
Hobel ausgehöhlte Furche (Kanal) zwischen
den Hinterbacken an der Krupp des Pferdes
(Seb. 210; Strassburg). — 2. = Hebel.
hoch (hauch), Höhe, f. (vonrenn. könko [Hügel,
Krhohuug]; gem.-gerui. hnuh hoch; ahd. höh; mhd.
hoch, Kluge9, 169) - erhaben (heilig). — hochein
z. B. das Herz hochelt = hoch aufspringen
(klopfen) (Taben».), Palpitatio cordis. — (1429)
der Hoch (choch) = Bulla, die hohe Blase (Gr. w.
v, 1662. 1S86). — Hocher (Höchel), 1. ^ Wirbei-
säule Hofer) (Hyrtl, K. W. 129). — 2. - dos
Genick, Oberkopf (Hintoer 7. 16). — das Höchst
(seil. Siechtum) = Epilepsia (als heil. Krankheit),
hoher Siechtag, hohe Sucht (Zeltachr. d. V. f. V.-K.
1895; Frtechb. 46; Gr. W. IV, 2. 1597). — (1530) Leber-
Höhe = Lebergipfel (s. d.) (Künlgssp. 49). —
Magtums-Hochvng (13. Jahrh. eyn hochunge des
mattüz = hymen , D. 277; das emt von Fallopla
1523— 1562 beim Menschen nachgewiesene, Mb dahin
von AHers her viel bestrittene) jungfräuliche
Hymen, ' das man (anlehnend an hymnus — IToch-
gesang) uls eine kronenartige Erhöhung der Va-
gina auffasste. — Schulter-Höhe = Acromion -
der am meisten nach oben u. aussen vorragende
Vorsprung am Schulterblatte. — höh (c, er, es)
(hoch-, Höhere-Achsel, -Balg, -Bruck, -brüstig,
-Fussspur, -Knochen, -lefzig, -Nabel, -Nieren,
-Not, -Rücken, -Schlaf, -Schulter, -sehicanger,
•Schwindel, -Siechtag, -Siechtum, -sonnig, -sünnig,
-Stirne, -Sucht, -trächtig.
Hocke, hocken (huckeln, huchen) („ein nr-
altes Wort" aus der weit verbreiteten Wuntcl buk,
hukk (hoch, Hügel], Kluge*, 170; mhd. huchen) —
sich ducken, kauern. — Hucke = der hohe
Kücken (8chw. «02). — an , au/nuckeln ~- Alp-
druck (Br. -Schaffer 33) als Druck eines auf der
Brust kauernden, elbischen DämonB ange-
nommen (s. Alptraum) (13. Jahrh. ich vorhithe dir
aneblascn, Ich vorbithe dir alb ruche, cruchen vn ane-
hutchen, siu.-Ber. 1867 . 7). — huckend geboren
werden = in der Steisslage des im Mutter-
leib kauernden Kindes (UrqueU 1894, B. 254).
— huckeln - hinken, auf einem Beine hüpfen
(A schaffen borg ; Cr. W. IV, 2. ]«48). — Hock
'engl, hock = Kniebug, Springgelenk beim Pferde;
hocka Fus*e, Kaltschm. I, 303) = Kniekehle,
Ferse (Hacke), die beim Hocken sichtbar
vorspringenden Beinteile, Fflsse (Schw. 297). —
Hocker, m., 1. = einer der hockt. —2 = In-
cubiiH, AI)) als Aufhocker (s. d.) (D. Br. Schaff. 33).
— Hocke s. Hauch. — Hockauf, m. = der Alp
(s. d.), der den Leuten unter verschiedenen Ge-
stalten (Mahre, Habergeiss, wilder Jäger etc.)
aufhockt (Aufhocker) (Gr. W. IV, 2. 1648) (s. auf-
buckeln) ; daher: er hockt mir — ich bin wider
Willen übler Laune, weil ein schelmisch plagen-
der Alp auf mir hockt und mich dazu zwingt.
— (1591) 1 \< hocken. 1. = im Volksglauben ein
elbischer Dämon (s. Alp, S. 11), der als Schrfttz-
lein (s. d.), Trade etc. in verschiedener Gestalt
auf den .Schlafenden sich setzt (Incubus, Suc-
cubuB, s. besessen) und dadurch Alptraum
(s.d.) oder Alpdruck veranlasst-, er setzt sich
auch nach dem Volksglauben auf die Leichen
der Kindbetterinnen (bei Abortusmole, Fehl-
geburt, Wochenbettkrankheit, s. Krott-Olf) neue
Opfer verlangend ; auch der Mittagsalp (siehe
Geist) setzt »ich dem Wanderer aufs Genick
(Sonnenstich) (Gr. W.I, 670; Z.d. V. f. V.-K. 1895. 85 ;
l-aisluerl, 18«. 219. 220; II, 222. 238). — 2. - das
Gefühl, als ob „etwas" auf dem Kücken sitze,
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Hocker— Hoden.
Höber— Hölle. 237
Schwächegefühl am Racken bei Herz- u. Unter-
leibskrankheiten. — Nes f Hocker = der jüngste
Neugeborene, der zutatst im Neste (Mutterleib)
war, schwächer, kleiner geblieben ist, der noch
flattert (s. FlQtterling). — Hieher vielleicht auch
Högerl = Singultus (Schnackler), der den Kran-
ken „stosst" (Schm. I, 1069), wie der Bock (s. d.),
vielleicht anlehnend an den dämonistischen
Hocker, Aufhocker, der diesen Zustand hervor-
rufen sollte.
Hocker, in. (Hoger, Höger, Höcker) (die jün-
gere Form des ahd. hovar — Hofer (s. d.], au« dem es
im 1.1. Jahrh. umschlug (nach Gr. W. IV. 2. 1651] in
hoger u. hocke, in.. Hoffm. I, 376; 1482 hoger= hofer
= gibbus, Zening. Voc. o»; mhd. hoger. hocker (In den
ersten Jahren des 15. Jahrb.], hoker; 13. Jnhrh. hocker
— Buckel ; 1591 boger - tutnor rotnndns. Hart. Jun. 383 ;
1646 boger=H*cker= haustra coli, Darmbuckel, Hyrtl,
K. W. 12; 1762 nocker = gibbus, A. v. H I, 680; Höcker
■ prow!«us anconaens am Ellenbogen, ein Knochen-
vorsprung, A. v, H. II, 248). Höcker (heute üblich
nur in der Schrtf taprache , mundartlich sonst oberd.
Buckel), 1. = buckeliger, krummer, runder, harter
Auswuchs am Körper, namentlich am Kacken.
— 2. = (1740) Olecranon (Höcker, Hocker) (Kulmus
21. oo). — 3. = Buckel-Ähnliches (Darm-Hoger,
z. B.). — 4. = (1588) Podagra als Gichtknoten
(Anneybucb). — höckericht (högericht, backe-
richt) = gekrümrot, gibbosns, ineurvus, cebuluB,
strumosus, gebrechlich, lahm (1482 hogereebt =
squammosus, Zening. Voc. 08; 1508 hochrecht - gib-
bosus, Gr. W. IV, 2. 1652; 1561 hogerächtig, Gr. W. IV,
2. 1651. 1705; 1591 högerachÜK = gibbosns, Had. Jun.
395 ; 1742 högericht = gibbosns. Zw. 160 ; 1756 höckericht
» lordosts, a. t. h. Ii, 680). — -Bruaf-Höcker =
Gibbus pectoris, vorn erhöhte, höckerichte
Brust (= Kyphosis, Lordosis, Scoliosis) (Gr. w.
II. 449). — Ellenbogen-Höcker - „die zweite Fort-
setzung" (des Ellenbogens) über den Kondylen
(Heyne in. 180) = Olecranon, Enke. — Högerl
s. hocken.
Hoden, m. Hodden, plur. Hotten, Hode, f.
fahd. hodo, hodun, huodun = coleus [cotleus], Kluge*.
170; Gr. W. IV, 2. 1653; 8. Jahrh hodo = testlcull, Rab.
Maur. 65; 11. Jahrb. bodoloser = hernlosus, Gratf II,
271; mhd. hode = testiculus; 14. Jahrh. hodo — testls,
Voc. opt. W. 12; 1420 hoden = genitale, D. 2<",0; 1482
boden, Zening. Voc. 08; 1521 hod = coleus, D. 181;
18. Jahrh. hode, f. ; engl, cod j häufiger hört man für
noden : Eier, Nieren, Geilen, Grommen) = die den
männlichen Samen bereitenden Geschlechts-
drüsen. — (1491) Hödlein (hedlln = testlculus,
D. 581), 1. = Testes minores = Prostata als 2 lap-
pige Drüsen an der Harnröhre (Hyrtl, K. w. loo)
— 2. = übers, des Testiculus = Hoden. - hödig
= Hoden habend, unverschnitten (Schmeller I,
1064). — Ein Hode = Monorchis ; einer der nur
einen Hoden bat, im Gegensatz zum normalen
Doppelboden und zum ebenfalls abnormen
3 Hodenbesitzer fconf. Klclnpaul, Das Mittelalter,
8. 606). — (1497) geschwollene Hoden = luetische
Hodengeschwulst (Puchs I, 310). — Hägi -Hoden
= die Hirsch- und Biberhoden (Bibergeil), die
heimliche, versteckte (gehegte) Drüse (Buck 46)
(s. Hei- o. Hegdrüsen). — Htrn-Hödlein = (alter
anatomischer Schulausdrnck für das) Corpus qua-
driReminum im Gehirn (Hyrtl, K. w. 26). — Leisten-
Hoden = die im Leistenringe oder im Leisten-
kanale zurückgehaltenen Hoden. — (1530)
Manns Hoden s. Hoden (Künigssp. 51). — (167-j
oberliegender Hode = (1756) Ober - "Rödlein —
Nebenhoden, Übersetzung der Epididymis (.*. v. II.
II. 391; Gr. W. VII, 1092; Hyrü, K. W. 119; LeveUng
197). — ÄO»8-Hoden (nach Gr. W. VIII, 1263. 1271 ,
in Verwünschungen : „dass dich der Rosshoden schau d
und blend '" entstellt und verstümmelt aus) Gottes
Odem (Atem). — Sand -Hoden = Sandkloss,
Venushoden, Gumma testiculi (Pr. II, 473). —
S lecker) Hoden = syphilitische Hoden-
geschwulst (Gumma) und Epididymitis gonor-
rhoica Nebenhodenentzflndung (A. v. H. Ii. 12S5 ;
J. P. Frank 158). — (1810) weihlicher Hoden - Eier-
stock (Grulthulsen 15 ; bis 1667 galten die Eierstocke als
weiblichen Samen bereitende Hoden , Baas 94. 312 ;
testesrnnllebrea). — Hode(n) -Adern, Balg, Bruch,
-Geschwulst, -loser, -Sack, Stein.
Höber s. Höfel.
Höchsten, s. hoch.
Höchel, m. hocken s. Hacke (= hecken)
(Krautw. I.X).
Höcker (Höger) s. Hocker.
Höfe s. Huf.
Höfel (Höfel, Hofer, Höber, Haffern, Hufer)
(dies die alte ahd., heute durch „Hocker'1 [s. d.) ver
drftngte Worttonn, die im Oberdeutschen bis ins 16.
Jahrhundort ausdanerte, Gr. W. IV, 2. 1664; 7— 8. Jahrh.
hova roebter = gyppus, Cass. Glos*. ; Dlex 120; H. Z
VII, 7; XV, 340, hofar. Kluge 145; Graft" IV, 838;
11. Jahrh. hover = glppus, H. Z. III; bovir = gippus.
n. Z. XV. 355; hover = gubtos = gippus, H. Z. III. 368;
hofolt = hernlosus, ponderosus, H. Z. III; mhd. hover
= Buckel ; 13. Jahrh. hoffir in dem beruen = gibbus ;
1521 hofer uff dem rucken = gibbus in domo, D. 262 ;
1528 hofer = gibbus, H. v. Gersd. 97; hoffart, haffern
= gibbus, Schmeller I, 1063; 1530 hofer = gibbus ; IM!
hofer = Kropf, Gr. W. IV, 2. 1664 ; 1687 hofer = Buckel,
Georg. 391 ; Slebbg. heffl , ndl.beuvel = Hügel, Kluge*.
173 ; Hofer = Höcker, Buckel. Gibbus, C. v. Schm. 283 ;
Höber = Höcker, Gibbus, Gr. W. IV, 2. 1590. 1661).
— ho f rat. hofrechte (Stirn = Stirn beule),
hiefrig (höfrig) = gibbosus, verkrüppelt (Gr. W.
IV, 2. 1309; strumosus, D. 557). — Hofer, 1. = Er-
höhung, krumme Erbebung des Rückens,
Buckel, Höcker (Horzbuckel, Rückenbuckel). —
2. = Auswuchs, Kropf. — 3. = (in ahd. Zeit auch
Hodenbruch [s. o.] hovalobter = ponderosus, hernlosus,
Cass. Giosi. Diez 120). vergl. Hoppen, Hüfte,
Haufel.
Höft s. Heft u. Haupt.
Höhe, f. s. hoch.
Höhle s. hohl
Höhnische s. f i ansehe.
Hölle, f. (zu Höhle; indogerm. hei [verbergend
verhüllen]; gem-germ. hei — lnfenium [Halja — die
Todesgotthelt der Uennaneii]; ahd. hella [HadesJ, mhd.
belle; 16. Jahrh. hülle, Kluge 171 — dunkler Aufuut-
haluort der unterirdischen UeUter). — höllisch =
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238
Utflne— hören.
Hösch— hohl.
aus der Hölle kommend oder geschickt, stark,
heftig. — Höllen- (hÖllucft[e, er, es]) Darr,
- Drache, -Feuer, -Furie, -Hinker, -Pein, -Schmerz,
- Wurm.
Hölne, f. s. hohl.
hoenen (honen), huenen = nlgnen (Fromm.
VI, 3*1).
Höppel b. Hoppe).
Höppin, f. (Bayern; iHoppmg, f. [(Tierreich],
hopps) (zu hüpfen; altgerm. huhbon ; ahd. boppon ;
uibd. hoppen , Kluge \ 175). — Hopper , in.
Höppin, 1- ■ die (hflpfende) Kröte [C v. Scbm.
jsi ; Fromm. VI, 212). — 2. = damit wird auclt
verglichen eine närrische, ausgelassene Per-
son (c. r. Scbm. 1. cod.), die eine hopfende
Gangart hat, die hopsasa oder hobbasse geht
(Duck 12). daher hopps sein — (berauscht,
närrisch und auch) schwanger sein (Gr. W. IV,
2. 1800; Schindler I, 1142; C. T. Scbm. 2*1). Die
Höppin seicht, Bpritxt (spürzt) nach dem
Volksglauben dem Menschen auf die Haut
(Scbm. I, 114a) und erzeugt dadurch Geschwüre
(Lymphangoilis). Da die Kröte auch = kranke
Gebärmutter (Organbild und Krankheit) ist
und den Namen Höppin führt, so wird die
kranke Bftrmutter tu einem hüpfenden elbischen
Tiere: „die Barmutter ist einer am Bache »chlafenden
Krauen zum Maul herausgekrochen, sich in dem Bach
Kdwdet und wie ein Mausleiu in aller Kile wieder zum
Munde eingekrochen ; von alledem habe die Krau nichts
empfunden ; aber die dabei gesessenen Hirten haben
zugeschaut und haben dieses erzahlt" (The*, san. Br.
262). — buntete Höppin - eine runde (s. Bunzen)
weibliche Person (Schindler I. 1140). (Vergl. aber:
Aufsteigen, Irrgang, Kröte, Mutter, Krottolf).
hörcheln s. hircheln.
hören, -hör, horchen (lndogerm. ous, Ob» (Biidire
-- ausdire): vorgerm. kous-; gem.-germ. hauzjan ; ahd.
hören, börechen; mhd. hören, horchen, Kluge*, 172;
angls. hearcian ; mittelcngl. berken , engl, bearing —
Gehör, I.ehf. 41; to hearken m horehen) - durch du«
Ohr wahrnehmen (s. lusen). — horchen = mit
Absicht lauter hören. — Höret, n. - Gehör
(1482 hurdt = auditus, Zening. Voc. p. 1 ; UM das ge-
hoerd — Gehörsinn, <'. v Megbg, ; 1528 das gebort;
mud. van dem hörende, J. f. nd. 8p -F. XV, 116) =
Auditus (II. v. Gersd. 96) — (16. Jahrh.) Loaes Gehör
= blöde« Gehör (1677, 1099) Blödigkeit des Ge-
hörs = Auditus laesio, Surdita*, Schwachhörig-
keit (Beyn. 140; v. M II, II; Thes. san. Br. <i27) oder:
(I532) bresten der v hord Gehörleiden (Krles83).
- /'"'./-huren = fehlerhaft, schwer, schlecht,
Übel hören. — ■ hörig = leicht hörend ; (nach dem
Volksglauben boren die Sterbenskranken vor Ihrem
Tode ttesonders gut, Sehm. I, 1136). — Grosa-Hörig-
keit — Schwerhörigkeit (Steiermark, Kossel), hart-
hörig (8chm. I, 101.1). — halb -hörender (ahd. halp
horter = semauditus, D. 525) - «1er nur auf einem
Ohre Töne empfindet. — (1701) /wrMiörig =
Schwerhörig (Gr. W. IV, 2. 513; I'auli 110; engl, hard
of bearing, Lchf. 100; mlshear). — Sau- Gehör =
die Gehörknöchelchen des Schweins, die durch-
bohrt als Amulett gegen Ohrschmerzen getragen
werden. - schweres Gehör - schwierig oder
falsch hörendes Organ (Ackcrm. 217). — stumpfes
Gehör ■ ein in der Einpfindunirpschärfe schwach
gewordenes Hörvermögen (n. I'aul 448). — (1582)
übeles Gehör = schlechte« Gehör (Fries si \ Zw. 679).
— ungehÖTcnd (14. Jahrb. uugehorender = surdus,
Voc. opt. W. 15) = einer, der gar nichts hört. —
das GeAdr verschlägt sich, verfällt, d. h. die
häufigsten Gehöratörungen treten erfahruntrs-
gemäss nach Schlag oder Fall ein, welche Be-
zeichnungen auf andere (mit Empfindungs-
störungen verbundene) Krankheiten des Ohres
übertragen wurden. — hören ist auch = riechen,
einen Geruch geben (Scbmeller I, 1157), wie auch
schmecken und riechen, taub und stumm ver-
wechselt werden. — Hör-SeAne, -Sucht.
Hösch, m. s. Heschen, Singultus, Bulimus,
Magengeiz (16. Jahrh.; D. 643. 644).
-hosig s. Hose.
Hosten s. Husten.
Hof, m. (eingefriedigter, abgegrenzter Platz), l. =
farbiger Ring um die Augen (s. King) bei
schwachen Menschen (Heyne III, 181). — 2. =
(1740 hoff; 1759 hoefgen) Areola der Brustwarze,
Warzenhof (Kulmus III; Vadem. 60) als farbiger
Kreis um diese (Heyne III, 182). — Maden-Hof:
„der kommt auch bald nach M.-H." = in8\Vurni-
land (s. Pierland), in den Friedhof (z. d. V. f. v.-K.
1894, 187). — TFarre»i-Hof=die runde Verfärbung
(Area) um die Brustwarze herum (der weru hoff
= area, D. 46). — hof iren = cacare.
Höfel (Hofer) s. Höfel.
hoffen (zu lndogerm. kug; germ. hugön, hopön;
mhd., 1150 hoffen. Kluge 5, 170 = auf Zukünftiges ver-
trauen). — Hoffnung = der Zustand des Höffens.
(18. Jahrb.) guter = (19. Jabrh.) tn der Hoffnung sein
(auf ein Kind) = schwanger sein (Gr. w. IV, 2.
1675). — Vorgebirg der guten Hoffnung = Pro-
montorium d. Geburtshelfer. — (17. Jahrh.) unter-
hofft = Sterilitas.
Hoffer, m. s. Höfel.
Hoger s. Hocker.
hohl, Höhle, f. Hölne, f. (griech. *oti.ov =
Hohle; lat. coelum — Himmelshalbkugel; germ. hei
l [umhüllend verl<ergen]; goth. hula = Hohle; ahd. holi
= Höhlung, hol — hohl; hola — hernia; holohtcr =
pouderosus etil humor viscerum in virilia labitur =
Hydrocele, Enterocele, Schindler 1, 1083; mhd. hüle
[Höhlung!, hol - hohl. Kluge*, 170 = Ausbuchtung
oder Hohlraum im menschlichen Körper; 152s höly =
Bauchhöhle, H. v. Gersd. 38, carum abdominbi, l&öl
holen = Zahnfacher, Hyrtl, K. W. 87; 1678 bovine =
Geschwürsraum, hohler, Pr. II, Ml; 1692 huliu — Herz-
kammer, veutrlculus cordis, Wirsung; Hyrtl, K. W. 83,
engl, bollow) = Hohlraum am, im Leibe, Hernie,
Hydrokele, Knterokele. — Das Höhle (Tirol) -
Nackengrube als hohler Teil (vielleicht auch -
ut ile — [noll] HluterUauptiigrube, Hintuer 6. 12). —
Hohligkeit = der ausgehöhlte leere ZusUnd
(F. Hotfmauu vii, 24). — es hohlelet (im Haucb)
= es tönt wie in einem leeren Fasse (gurrt)
(Duck 19). — (1483J ÄcJUer- (After-)Rbhie - Arsch-
grübe (Pr. i. 374). — (1743) .-IcW-Hohle = Arm-
höhle, Üchsen (Gr. W. I, 1C4; blbl. Med. 259) -
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Hohle.
hojahnen — hold. 289
Arm - Höhle = Armgrube unter der Achsel,
Achselhöhle (Gr. W. I, 559; engl, armhole). — (1120)
/tr«c/i-Höhle - Anus (Hyrtl, K. W 1*0; I). II, 296).
— ^U^«M-Höhle (dun. oiehule; holl. oogholte;
schw. ugouhal, I1erer7; 1591 augcnholy, Had. Jun.)
= der Schädelraum fOr die Augen, Orbita
(engl, eyehole; Gr. W. I, 80C; Hyrtl, K. \V.).
— (H82) Backen - Höhle = Faux, Mundhöhle
(D. 228). — Bärmutter - Höhle = Muttermund,
Orificium uteri (Gr. W. I, 1137). — Bauch-
Höhle = Cavum abdominis, „die Höhle" für
die Baucheingeweide (Gr. W. I, 1167; II. v.
Gersd. 38). — Becken - Höhle = das mit einem
Barbierbecken verglichene elliptisch gestaltete
knöcherne Behältnis am Unterleibe (s. Becken).
— Brust- Höhle, 1. = Cavum pectoris, die Höhle
furdießrusteingewefde (dan. brysthulo; holl. borst-
holte; si-hwed. brosthala. Pierer 7). — 2. = hohle
Brust. — Darm-Höhle = das Lumen des Darms.
— /Viesen-Höhle = Lumen glandularum, der
Hohlraum für das Drusen-Sekret. — (1790) Ei/er-
Höhle = der Eiter bergende Hohlraum des
Abszesses (Richter i, 64). — (15M) .FVriVrn-Höhle
= CalamuB scriptorius, frflher Schulausdruck
für einen Hirnteil (Hyrtl, K. w.). — *t««-Höhle
(1468 fusshülln ; 15. Jahrh. tGsshulll ■ subtal, l>. II, SU;
1482 fusxhole; 149"» fuoszhtllln, Gr. W. IV, 1. 1030;
1507 hol von dem (uou, Hyrtl, K. W. 53; 1628 die fuss-
hüly, H. v. Gcmd. 18) = Planta pedis, der aufwärts
gebogene Teil der Fussohle (Gr. w. IV, L 1030). —
//rt/irf-Höhle (1507 hol ran der haut off van den voesseu
(D. 62»)- Vola manim, Concavitas, s. Innerhand,
Ir, Handfläche. — Hirn-Höhle, 1. = die Schadel-
höhle als Hirnballe. —2 = die Höhlen (Ven-
trikel) im Innern des Gehirn«. — Hu/-Höhle
(1.12 huffholen = chelidon equl , H. 110) = die Ver-
tiefung auf der Hornsohle des l'ferdef». — (1577)
Kinn- Hohle = das Kinngrüblein (Nympha)
zwischen Unterlippe und Kinn (Gr. W. V, 778). —
Amt - Höhle (augls. cncowholen - entoholueu, enio-
holen — Vlctoriale, ruscus, allium, I). 24. 604. tiis ; diese
l'flanzeiinatncn für Kuobloch mögen wohl Mlssver-
standnlsse »ein: Knieloch?) = die Grube in der
Kniebeuge. — Leber Hohle (14. Jahrh. leberhüll ;
15, Jahrh. lebhlel - syraa, D. 534. 641) = die Konka-
vität, KrQmmung der Leber, in der die Leber-
pforte liegt, Sima (Cima) (Voc. opt. w. ii; Zenlng.
Voc. • hier Druckfehler : leberbolm statt leberholin).
— Lnies-Höhle = der Hohlraum im tierischen
Körper, welcher die Bauch-Eingeweide (Leib 5)
nmschliesst. — (178.1) Jfa^cn-Höhle = der Hohl-
raum des Magens (Essig 219). — (16. Jahrh.) Mund-
Höhle (das hol des mundos, Gr. W. VI, 2670) - Cavum
oris, Bucca, die im unteren Teile des Kopfes
zwischen den Kieferbacken liegende Höhle. —
iVacA-m-Höhle = Nacken-Grube, wohin man die
Fontanellen zu setzen pflegte (holln bey dem nack).
— Natt n Hohle [IB. Jahrh. naaenhol = naris, D. 376)
■ die Geruchshöhle untor und zwischen den
beiden Augen bis zur Rachenhöhle. — (1530)
OAmi-Höhle (orenhüle, Künlgssp. 17), l.-^Ohren-
muscbel-Höhle (Concha externa). — 2. m der
breite äussere Ohrgang (Concha interna). —
OAr-Höhler (Höll) = der in der Ohrenhöhle be-
obachtete Ohrwurm (s. d.) (1429 orhol ; ltilS obren-
hell, Scbm. I, 10S3; ehr. Sani. II, 262; Tirol Ohrcu-
hllderer; Fromm. VI, 148). — (14. Jahrh.) Richen-
Höhle (rachenhüll — faux, \'<>C. opt. W. 10) , der
mit der Mundhöhle und Nasenhöhle kommuni-
zierende, vor der Wirbelsäule liegende Teil
der Schlundhöble. - <™> j Höhle =
Vagina, xoXrco? Sorani (Kossm. ; a. v. 11. II, 683). —
St •hin i.vs Hohle (15. Jahrb. = sweysa- ; nd. swet-höl
= porus, D. 449)=Schweissloch. — Stirn-Höhlen
= die Hohlräume des Stirn beinknochens, Sinus
frontales. — Wangen-Wöhle = Backenhöhle. —
Wurm-Höhle (engl, wormhole) = das Wurmloch
im wurmstichigen (s. d.) Knochen. — Zahn-
Höhle - Alveolus dentis (Kasten, s. d.). — Hohl,
holl(e, er, es) -Ader, -arschig, -Aug, -Augenge-
schioär, -Bein, -Brust, -Darm, -Flanken, -Fuss,
■Geschtcär, -Hand, -Husten, -Ort, Schädel, Schä-
den, - Teü, - Wand, - Wangen, -Zähne. — Höhlen
Oicht.
hojahnen, hojoapen (onotnatopoletlach, L. eh.
64; 1761; Engel. 220) - oscitare, gähnen. — Hoi-
Mann.
hold, Holda. f. Holle(nh Holl, Holdichen, pi.
Hollinen, Hulden (altgerro. hal - sich neigen ; gcm.-
germ. hold ; goth. hultb - gnädig ; ahd, hold, hald ■ ge-
neigt, güusttg; holdo = genlus; mhd. holden = penates,
Kosenamen der Holdichen, Holderchen, Ilolllnen, die
sonst böse Elben [Elfen, s. d.] u. eigentlich Unholden
[s. d.] sind ; conf. dlo Kosenamen : Trut, Adel, Sallge,
Perchta) d. h. üble Hulden, gräuliche Holden
(Lalttner VI. 403). — BercAi-Holden = glänzende
(s.precht), erlauchtel Iolden (Kosenamen) (precht-
olterln, brechbold, C. v. Schon. 93; Meier 45; Laistner
II, 399 ; sie teilen sich nach Laistner II, 400 in zwei
Kurzformen ) a) die Berchteln (= Schrättlein,
Heimchen); b) die Holden (s. o.); nach dem
Volksglauben sind sie nachts umfahrende Gei-
ster, welche den Kindern Schrecken (s. d.) be-
reiten und anderseits die Schar der elbischen
ungetauften, unzeitigen Kinder (Laistner II, 402.
4<M). — ^JjJjJ | Holden (w»n»noW» = unaholda,
Kogel) =» ungnädige Holden , die ihre geneigte,
günstige Eigenschaft nur falschlich besitzen.
— Frau Holde — die aus der Schar der Holden her-
vorragende, zur Anführerin derselben Im Volksglauben
gewordene Dumonln, die mit Perchta, Stampa, Sempa,
Trempn übereinstimmt ; (Xordfranken) Hollefrau,
Frau Holl (Schnuller I, 1084). — gute Holden (gut
guede, gude, de guten hojden, guten helde, gode holten,
hulten = penates, 1). 122) = die als gutthätige Elben
(Wichtlein) aufgefassten Hausgeister des Volks-
glaubens, die man In efflgle auf dem Ehren (s. d.) od.
über dem Herdfeuer als Wlchtelmaunchen aufstellte,
als Hausgötter (stetlgot = genius) oder auch Im Leln-
gadeu als „pllde zu gedechtnus der todten" (1482,
Zeu. Voc. ; D. 422) oder in ,, heymilche kammern da
man abgoct anbetet" (1512, D. 422) ; ..heyuieliche kamer
of afgoden Ol beiden dair äff " (1507, 1». 422; *. Kobold)
im Gegensatze zu den Un-holden (s. d). —
iVacAf-Hulden (mhd. nahthuldc, Laistner II, 40:1) =
die im Säldenheere mitfabrenden, wilden Sal-
den, nachtfahrende Dämonen, die im Alptraume
(s. d.) die Menschen minnen (s. d.) (Laistner II,
354. 403). — Schön Holden (Scbanholden) = gute
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240 holen— Holstein.
Holz— Horn.
Holden , blondhaarig*) weihl. geburtshelfende
Dämonen (Kluge *, 206; Westfalen). — schweigende
Holden (angls. tagantes hclde = Artemisia, D. U ;
goth. thahan - abd. dagen - laeere, Kluge *, 260) ~
die stummen Holden o. lispelnden 3 Schwestern
als gute, geburtabelfendeDämonen („all der holden
Kräfte, die In Pmcht und Blüte schlafen'", 13 Linden,
8. 23). — L'n-Hold(e), f ID. (goth. unhultbö dA-
monion j ahd. untaoltba = dlabolus ; unahnlda. una-
bolduu (Kogel in Bcltr. i. Gesch. d. d. Spr. XVI, 612]
^lamla, raonstrum, R Z. II, 546. 547; XV, 88; 1022
dcmouuui turbaquam vulgaris stultttla homlnum [un-V]
h<it< Um vocant, Riezler 25; 1484 Frau Bcroht oder Krau
Hold, Riezler 31 — Anführerin der nachtfahrenden Dä-
monen |Hexen]-Schar; 1578 ein unholdt — der Hexerei
[8. d.l verdächtiges Weib. Riezler 164 ; 1590 unholden
oder zailberiunen, Riezler 192 ; 1605 unholdin — nexe,
Riezler 178 ; 1625 unholdere! s Hexerei, Riezler2M. 222).
Im Volksglauben stimmen diese nicht holden Dämonen,
die wie die Hexen 1 auf Baumen (,,1'nholdenbaumcn",
Huck, Flurnamen 110) u. in Thalern („rnboldenthalcr",
Riezler), d. h. Im wilden Walde wohnen (auch Im
Wasser, als Wasser-, Brunnenholdcn, Meerfeen, Meer-
katzen) mit den n «entfahrenden Hexen (s. d.) überein.
I. Als KrankheitBdämonen, 1. = durchziehen
sie als Warmmaden den Körper nnd zerfressen
ihn wie die zehrenden Elben; 2. = machen sie
Wundfeuer (Friacbb. 4»), weshalb sie in Wund-
segen rittend (Rito, s. Ritten-Fieber), splittend
od. spleissend (offene Stellen machend), blasend
und schwellend (- Hautblasen, Rotlauf) be-
nannt werden (Gr. D. M. II, 1109; Schindler 171;
Martlny 26} ; 3. = sie minnen (s. d.) und lahmen
die männliche Potenz (SchmeUer I, 1576) ; 4. =
nehmen wie die Hexen (s. d.) den Kflhen die
Milch weg; 6. = verwirren wie der Alp, die
Hexe, das Wichtel, die Trade, der Bilwiz etc.
Haare (Gr. D. M. I, 433, Ii, 1109) und 6. treten
(Schwaben, Unnot = Unhold, Meyer 266) als kimler-
raubende Spukgestalt auf; darum erhalten sie
auch als Hollinen im Wachholderbuschc Nahrung, da-
mit sie des kranken Kindes vergessend, dieses nicht
holen (Wuttke279); das luholdenkraut (1587) - Rhodo-
dendron (D. 500), Kplloblutn angusUfolluui (Jessen 139)
Ist auch elu gegen Milzbrandrotlauf, St. Antonius-Feuer
(s. o. 2) gebrauchtes Volksmittcl — f7nholden-^V8«,
Hollen-Kopf, ■ Volk, -Zopf. — II. Unholde ist
auch - Hexe 2.
holen (gerin. hal, hol [ciliare = zusammenrufen]
xa'/.ilv; ahd. holön ; mhd. holn = rufen, einladen,
herbeiführen, Kluge *, 171) = die Krankhcitsdtt-
tnonen holen die Menschen und Kinder als
ihre Opfer und machen sie verwirrt. — Atem-
holen (1420 daz odtm hol = arteria, D. II, 35) = Luft
atmen mittels der Luftröhre.
holla = hol-auf ! richtig, wohlauf; nicht holla
sein = nicht recht bei Sinnen sein (Fromm. VI, 153).
Holland - holländürrrur Pips, -Sucht.
Holle ( = Heule, Ueulemuttcr - Holla, Hulda) -
Holleneopf (Aargau ; Rochh. I, 333).
holpern = „mit dem Fusse beim Gehen an-
Stossen" (H. Paul 225).
Holstein — holst ein it cfo r Aussatz, -Bauern-
krankheit, 'Leiden.
Holz, n. = harter Stoff des Baumes unter der Rinde
■ (in übertragener Bedeutung), Penis (Rute, Prügel)
I (Gr. w. iv. 2. 1766). — er hat ein Hölzl im Munde
= er spricht mit gehemmter Zunge, stottert. —
sie hat Holz bei der Wand (Htttte) = ist hoch-
busip (Schindler I. 1103; Wolf 158; Tirol, Bayern,
wo Holz vor dem Hause aufgespeichert wird). — (1546)
Im Holz liegen = Syphilis, d. h. eine Schwitzkur
mit Franzosenholz (Lignum Guajaci) dagegen
im Holzhauee (1619) anwenden (Laminert240; Schm.
I, 1103). — In die Holzbirnen gehen = sterben ;
1 die heidnischen Rclhengrabcr wurden in christlichen
Zeiten nicht selten mit (verwilderten) Obstbäumen be-
pflanzt u. bilden manchmal traditionelle FriedesUltten
(Freithof). — Der Holzmeier (Dorfmeier) ist der
Tod (Gr. D. M. Ii, 810) (der Förster, der die Baume
umschlägt). — Rinderholz b. rinderhalz. —
Holz -fressen, -Krankheit, Mann, -Mar, -Meier,
\ -Stimme, Weibchen, -Zunge.
honen 8 höhnen.
Honig, m. Mit dem von den Bienen bereiteten, in
den Honigwaben abgelagerten, süssen, kornigen (xov.;
sa Staub) Safte wurden manche körperliche Sekrete
verglichen. — Honig- Beule, -Flechten, Flecken,
•Geschwulst, -Harnruhr, -Mal, - Wabengrint.
honaz- (*') honacktsch = galant — onax (s. d.)
heimlich eine galante Krankett (Schmeilcr I, im)
haben, krank sein.
Hoppen, f (Hoppern, Höppel, Huppe, Hü-
belchen, Koppen) (zu Hofer, s. d ). - §2JJJr
= Buckel, Btlckelchen, Erhabenheit der Haut,
Akne, Varus, Jonthus (Schindler 1. 1140; Krau«, E.
1082), meist mit ungleichmässiger Verteilung und
von borkiger, rufiger Beschaffenheit (Beyn. 163;
; 1584 hoppen, Wtrsung ; 1592hoppen = Pferdehautkrank-
heit, Seb. 262) = Akne (l'fochen, Finnen) (1687 hop-
pern = Finnen, Georg. 380; 1683 hoppen = Pocken,
I Finne, Schw. 301 ; Brinslug401 ; Hoppen = Blntgeschwar
i Im Angesicht, A. v. H. II, 1297), Hoppen-Gescbw&r
= Furunkel. — Huppe (Schwaben) = Hautbläs-
chen, das sich in die Höhe hebt (c. v. schm. 288). —
[im Hübekhen | (lC9w h,ppcl = p'pul*e> pu,tuUe'
v. M. n, 130; Kopp v, 128) = knötchenförmiger
Masern -Ausschlag, BOckelchen. — harter Höp-
pel- hartes Hautknötehen, das Ober das Niveau
emporragt (v. M. II, 102). — (1629) ruf/Hopp en
(rot hoppen unter dem angesicht, Laubflecken, Schm. I,
mo sb Leutigo) = Akne-Knötchen (Gänsedrnsen).
— hoppet^voll Finnen (= Federstoppel).
Hör, m. (ahd. horo; mhd. hör — lutum; horwe,
harwe, harb ; 1125 hör. horch, D. 310; 8chm. I, 115;
Vieh-Kot, Schmutz). — O- hör, Grhül •• = Kot-
menge. — Hör- Sack, -IVt»rwi.
horchen s. hören.
Horion s. Influenza.
Horn, n. (lndogerm. ker [xtfjt- = Horn], dazu Hirn,
s. d , u. Hirsch ; gem.-gcrni. horna [cornu) ; ahd. hörn ;
mhd. horu; engl, com — Hühnerauge, Leht, 157 —
Hornauge, hürnen Auge {;], Klugc',172) - harter, spitz-
iger Auswuchs, 1. — das Horn mancher Tiere
(Hörner, Huf). — 2. = HornähnlicheB beim Men-
! sehen u. Tiere; a) Morbui campanui HoraUI (6 Satyr.
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hornnägeln.
Horst— Hucke.
241
1 Hb.}, syphilitische Exostose am Stirnteil des Schädels
(engl, borneholic = chorda, s. Zink) ; b) Comu hu-
manuni, Excrescentia Cornea ; (1010) das Horn,
ein hornartiger Auswuchs, meist an besondere
gedrückten Stellen (les cor«) u. beim Verbrennen
wie Horn riechend, auch an Hunden u. Füssen
als Hühnerauge vorkommend (Behrend Ki ; Gr. W
IV. 2. 1816 ; 1819 sub, 12) (Huf 2); c) (ahd.) die Auf-
blätterung und Zerbröekelung der Nägel und
Haut bei Lepra nervorum, Aussatz (vgl. Horn-
fall, Hornniigeln, Hornbruiler) (Schmeller I, 1165,
ziemss. Hdb. xiv, L 634) ; d) (1599; „ein fleisch-
licher, aber hart wie Horn werdender Auswuchs
auf dem Rücken des Pferdes, der dasselbe ver-
sehrt" (= Callus) (Gr. \v. IV, 2. 1319), dasselbe
auch an der Wurzel des Hufes, V* Ei gross, sog.
Zwang (s. d.) (Gr. w. iv, 2. 1*50). (Hornlein). —
hörnen — aus Horn, hornhart, z. B. hörnin ouge,
hürntnouge, woraus durch Entstellung Hühner-
auge (s. d.) gebildet worden sein soll (Z. I. ö. V.-
K. 1*96. :!24). — flfhürnt = mit einem Horn ver-
sehen. — (1776) Haut-Horn = Cornu cutaneum
(Horn 2a) (»ehrend 5; (l'apillouia), tierhörner-
iihnlicbe Hauterhebungen , aus Hornmassen
bestehend und bornartig konisch gekrümmt
(POlMer II, 1049; Kohler II, 847; Fuchs II, 431). —
Küster-, LottcA-Hörn'l — Nase, ähnlich dem
hornförmigen Blechgefässe (cteignoir), mit
dem der Küster die Kirchenkeizen ausloscht,
di impft (ndl. kostenhoren, doniphoorn. domperhorn,
V. K. VI, 22. 92 II. 52). — Mutter-Homer = (1712)
„die Erhöhung zur rechten un<l linken .Seite der
Gebärmutter, in welche ein sonderbarer Kanal
oder Gang geht, der von der Geilen (Ovarium)
herkommt" (Zw 288), — j Horn = 8. Ran-
Korn. — (unj ackavmcnd icü$t(e*) Horn (Seb.
176) = ein Pferdehuf mit Mauke- Ausschlag,
dessen wüstes Sekret wie Schaum aussiebt.
— tchell hörnig — im Scherze für schellhirnig
(s. d ). — (1843) totes Horn = «las von der unteren
SohlenÜache sich ablosende Horn (Falke II, 371).
— versunkenes Horn = durch Schwund ein-
gefallener Pferdehuf (Seb. 150). — Horn-,
Hörner- .4 usumchs, -Beulen, -Blättchen, -Bruch,
-Bruder, -Durchfäule, -Fall, -Fuss, -Haut,
-Hüjten, -Javart, Kluft, Kolik, -Krankheit,
-Mauke, -Nachlass, -Nagel, -Nessel, -Pocken,
-Ritz, -Schaden, -Schuh, -Schwamm, -Schrung,
-Sohle, Spalt, -Strahl, - Wüchse, -Wand, ■ Warze,
— Wurzel, - Wurm. -Zapfen.
hornnägeln (hornigeln, hurnigeln, hur
nie Ion. hornageln, hurnögeln, urneglen.
fnirnöglen. uraigeln, ausigeln, oanigeln, igeln,
ilgern, SChumigeln): Allen diesen verschieden
lautenden, aber doch ahnlichen Wortbildungen liegt
das Gemeinsame des Begriffes „in den Finger-
spitzen empfindlich sein" zu Grunde, das
Prickeln der mit Nageln versehenen Finger
oder Zehen (durch Kalte z. B), die sogen.
Formica, die namentlich bei den Lepra-
Kranken sehr unangenehm auftritt. Die Lepra
nervorum macht paroxystnenweise auftretende,
lancinierende Formicationen, die ein patho-
gnomonisches Anfangs-Symptom der tuberku-
lösen Auasatzform (= Hornfall) sind; die
Hornnägel der Lepra-Kranken gaben Ver-
anlassung zu der Bezeichnung dieser gleich-
zeitigen Sensibilitätsstörung durch „horn-
niigeln"; (älteste gedruckte Form 1612 hornageln,
Gr. W. IV, 2. 1826). Die Volks-F.tymologtc suchte tinch
dem Verschwinden der Lepra (am Ende des 1<'>. Jahrb.),
da c« den „Hornfall" (s. d.) und „Hornbruder" (s. d.)
nicht mehr selbst «ah, da und dorthin tastend nach
Anknüpfungen mit anlautenden lUzciehuungen von
Empfindungen, z. B. ilgern (.Stumpfwerden der Zahne,
Schmeller I, CT), das Stechen de« Igels etc. (Ur. \V. IV, 2.
2046); das Horn wurde zu hum, urn, ja seilist mm
Fnir (reuer); (Gr. W. IV, 2. 1827); es wurde sogar der
Stich der Hornisse »ur Vergletchung herangezogen,
obwohl daselbst bereits auch der Zusammenhang mit
„Horn" geahnt wurde. (Pbcr die verschieden wech-
selnden diesbezüglichen Anlautworte s. Gr. W. IV, 2.
1826; Schmeller I. 52. 135.; II, 116ö; C. v. Öchm. 287;
I Fromm. VI. 389).
Horst, IU. (1120 horstiger -horripilatio, 1). II. 2ÖC)
= borstige Haareteile am Rist (Falke n, 436).
Horwe s. Hör.
Horzn, m. horzen, Hoerzi: (Ablaut aus hor-
chezen, hochern, hober mucheu — öfters aufragende
Stellen bUden, z. B. beim Hocken). — Horzen. Dl.
= Höcker. — Hoerzi, n. - im Wachstum zurück-
gebliebenes, knorrig verbildetes, verkümmertes
Vieh (Fromm. VI, 154).
Hoschetzer s. Hachen.
Hose, f. (germ. Bezeichnung für Belnbeklcidung.
j Kluge * 173 [s. Buxe u. ItuxenwolfJ) — stark ent-
wickeltes Muskelfleisch an dem Rind- und
Pferdo-Hinterechenkel bis zum Sprunggelenke
(Mayer 14; Falke I, 113) entsprechend dem mensch-
lichen Hosenbein (s. d.), das hei Landsknechten
fleischig drall durch die Hosen bemerkbar
war. — gut behost — wenn <lie drallen Mus-
keln, wie bei einer gut gemachten anliegenden
Laudsknechthose ausgebildet am Pfcrde-
scbenkel sich bemerkbar machen. — kuh-
hÖSig (verderbt aus kuh-hehsig) s. Hächse (PlercrT).
Hospital, n. s. Spital. — Hospital- Fieber.
| Hosten, m. s. Husten.
Hotsch, Hottel, f. (s. Höppin) = weibliche
; Person (Kröte) (Fromm. VI, 155).
Hotten, pL hotten, l.-s. Hoden. —
hotten = coagulare ,'D 1. 133).
Hotzel-Potzel - Culus, Po<lex, einer, der an
den Hocus-poeus-Handgrifl' der Taschenspieler
I (Wimm. 229) erinnernde Bewegungen in eoitu
muclit (Schmeller I, 119'>).
huchen s. hocken.
Huck, m. Hucke, f. (15. Jahrh. hnech = nva.
passlo gutturis; 1502 die hoeck in den hals i» uvu.
I). II, 387) - Hauch (s. d.), Hauchstelle, Hauch-
blatt (s. d.) - l'vula. — abgefallene Hucke, f.
(Frischb. 64), s. nachf. — abgeschossener Huck
(ndd. dalgeschattcne huk) = da« vom weichen
Gaumen infolge von plötzlichem Kinschuss
herabgefallene d. h. verlängerte Zäpfchen
(Goldschm. 8. 116) (Angina, s. Hauch).
Hucke (hu ekeln), Hucker, m. Huckel, m.
zu hocken («. d.), gekrümmt sein, sitzen mit
16
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242 Ilübelchen— Hüfte.
Hiigcl— Hünsch.
vorspringenden Hüften. — (13. Jahrh.) Hucker
= Höcker (Hoffm. I, 377). — Huckcl = Buckel,
Rücken (Schw. 302 ; engl, hucklc as Hüfte, Kai lach m. |),
— huckeln — auf einem Beine, auf einer Hüfte
(seitlich gekrümmt) hüpfen (Gr. w. iv, 2. 1305),
hinken. — Huckepack = Aufliocker, Incuhux,
die Trud, Alp (s. d.), der wie ein Pack auf dem
Kücken hockt (Br.-Sehff. 32). — anhucken
liocken. — irrhuckt — verkrüppelt geslultet
(Burk 12).
Hubelchen s. Hoppe. — HObel-Krankheit.
hUbsch, Hübsche, f. (gehOrt zu hoflsch; ahd.
hublsc; nthil. hühesch, hüvesrh. Kluse *, 17:;; «;r. W.
IV, 2. 18M = das »m Miseueliui auf die Btnnc wirkt,
angenehm auffallt). — dioHübsch, 1. ■ die Schöne
(h. d.), Erysipelas, Dermatitis, wegen der roten
Hautfarbe (h. rot). — 2. — (15*1) schöne I^ibes-
gestalt (Krantw. XXI).
Hüfel s. Haufe.
Hüfte, f. (Bayern, Tirol) Hilft. (Tirol, Kaminen)
Huf, Huff, (Siebenbürgen, Sachaen) Hoff; (die «illere
Wurzel ist (Or. W. IV, 2. 1871) cu (cumulusj, von der
eine Reihe Worter abstammen, «lenen der gemeinsame
Begriff des Emporrasenden, Kmporstehendeu liine
wohnt vorgerm. kübl [x'ißo; Hohluns von der
Hüfte] ; gerni. hüpl; golh. hups; ahd. huf, Kluge*,
173; Heyne III, 206; mhd. huf [dauert auch noch im
nhd. an, vgl. Höfel, Haufen, Hüfel]; engl, hip - Hüfte,
Ii0bf. 183; ndl. henp, De Cock 307 ; 15. Jahrh. huft [hat
»ich noch erhalten in Mundarten]; die Hüfte ist eigeut- 1
lieh der l'lural von Hüft, m.), 1. = „der zwischen
den letzten Kippen und dem Schenkel des
Menschen u. Tieres befindliche, äussere, etwas
erhabene Körperteil unter den Weichen, der
vom Hüftenbeine gebildet wird" = Hüfte, Coxa,
(eosela [euUse, coisse, «jueuase, cauches, cüsses], cossia,
COm, Du Lange II, .'«92. 593 ; Brlss. 29} mit Umgebung, I
z. T. also auch Femur u. Lende (Lumbi) [Ut. W.
IV, 2. 1871), sowie Climen (8. Jahrb. hufphi = clune«,
coxae, Itab. Maur. 65. add. huf = os coxae, roxa, femur
lumbl. Hyrtl, K. W. ; U. Jahrb. huff — femur, Voc. opl.
W. 12; 1Ü0 huf — nates, D. 37C; 1482 hufft — femur,
Zcnlug. Vor. p2, IC Jahrh nin huff — asrella, Vorder- I
hiifte, I>. 53; 1506 hyff = Hüfte. Inchenh. Mir.; 1561
huff = femur, Or. W. IV, 2. 1871; 1691 huff = femur.
Had Jun. 35; 1618 hyff s coxa. Schweiler I, 10»«, 1652
hufft = femur. Hyrtl, K. W. 38). — 2. (hufft = hofer,
i. d.) = Gibbus, Kyphosis, Höcker als der her- I
vorragende Teil (s. o.) (Sehw. 304 ; Iliutner ». 18;
1628 hufft = Hofer, II. v. «Jered. 97; gibbus). — 3. =
Hüfel, s. Haufe und Hufcl. - hüftig, 1. - auf
die Hüfte oder 2. = auf den Huf (s.d.) bezüglich.
— 3. = s. heften. — (1699) aufgelöste Hüften ■
Schlotterbeine, die wie aus der Hüfte ausgelöst
baumelnd bewegt werden (v. M. I. 67). — Bein-
Htifte^ Hüftbein (s. d ), Os coxae (Gr. W. 1, 1387)
zum Unterschiede von der fleischigen I,enden-
hüfte (Lumbi). — «w-tjrhttft s. heften. — ein-
hüftig = mit einer Hüft« niedriger oder diese i
nachschleppend gehen (Mayer 93), einseitig an
der Hüfte schwindend, Kinhanker. — (1449)
FraUi K-HÜfte (frawenhüff = feinen, Schm. 1. 1063)
— die weibliche Hüfte ; sie ist weiter hervor- j
ragend als die männliche. — gehörnte Hüften
= wie ein Kuhhorn stark hervorspringen. le !
Hüflknochen beim Pferde (Zlpp. 9»). — gross-
huftig (engl, great hipped) = mit hohen, stark vor-
springenden Hüftknorren versehen. — (lMftj
Hinter- Huft Hinteischenkel d. Pferdes (« «der.
Pf. 8M). — (1419) A/nw«*-HÜfte(manshuf. huffe. hufft.
•huff. Sehmeller I, 1063; D .222 j nmnxtbul, niaoueabufft.
man hufft femur, «ir. w. IV, 2. 1871). — Schenkel-
Hüfte = 11 tili" am Schenkel = Coxa, Coxendix
(Gr. W. IV, 2. 1871) zum Unterschiede von der
oberen (Lenden)- Hüfte. — Vorder -Hüfte =
Pferdebug. — uxin hüftig s. Huf. — Weiber-
Hüfte (1428 weybhuffte - fernen, Zening. Voc. nu 4;
16. Jnhrh. wybeshofl, welbeshufft = fernen. Gr. W. IV, 2.
1871) = Krauenhufte. — Hüft-^rfcr, -Bein, -Drüse,
■halz, -Holz, -Knochen, -Krankheit, -lahm, -Pein,
■Ifonne, -Schale, -Schloss, -S<huss, -Strauch,
-Sucht, - Weh, - Winkel.
Hügel, m. (zu hoch [s. d.) m massige Erhöhung).
— /)ojo/)f/- Hügel — weiblicher Busen (Heyne III.
206). — (17. Jahrh ) kleine Hüglein ■ Carunculae,
Keigwarzen (Pr. II, 296). — Leber- Hügel - die
Erhabenheiten an der Leber neben dem Pfort-
ader-Einsrange, Tuberculnm papilläre et cau-
«latiim (Wenk 282). — Scham-, Schoss-, Venus-
Hügel - Möns Veneris (Slebold 31). — Thränen-
Hügel - (1728) Thrilnen- FleiHcliehen = Caruncula
lacrymalis (l.eveling 304 ; Hyrtl, K. W. 18»),
Hühner s. Huhn.
Hülle s. Hiebt u. Höhle (sub: hohl).
Hülse, f. {irerm. buhl [verbergend verhüllen j ; ahd.
huiisa. hulsa, mhd. hülse, Kluge*, 174) = häutig«'«
Behälter. — (1.28) Schwan tz -Hülse - Präpu-
tium als Hülle des Penis (H. v. Gersd. 14, Hyrtl,
K. W. 141).
huempeln b. humpeln,
huenen s. hienen.
Hünsch, f., m. Hinsehe, Himsche, f. Hendsch.
hunnisch (entweder zu 1. hune Kiese, Henne [Huiiu
in Ortsnamen ist - Hoben] oder sehr viel wahrschein-
licher zu 2, hüne l'ngar [limine,, urgerm. bnnB
— hochgewachsenes, riesiges, fremdes Volk. Kuhn,
Z. X, 275; aitgerm. hunike ( = hunnisch); germ. hune;
ahd. hun; mhd. hiune = Riese [dies erst seit dem
13. Jahrh. 1 = Henne, Kluge* 175; hiuniseh ~ hünsch,
hlnseh. «.r. \V IV, 2 1202; eouf. hnulsc druba -■ hun-
nische Weintraube, e<iuus büuiscus — Wallach [hongre]
und heunlscher Wein = t'ngarwein , II. Z. VI , 267 ;
hutintscl as ctjui ex huuguriu, Du fange IV, 265). —
I die Hünsche (««•iL Sucht oder Krankheit) ist
vor allein eine aus dem Ungarlande (z. B. die 82t)
und 1223 am l'ngaru gekommene, Schnurrer I, 172)
durch den Viehhamlel uiul Keldzüge so und so
oft nach Deutschland gebrachte Viehseuche «ler
Pferde (Rinder, Schafe, Schweine ; vergl. auch
Kog) (1551 hynseh^eine Seuehe beim ltindvleh. Bock
126. ;i09; 1". Jahrh. huensch, f. - Bindviehseuche, K.
Kr. B. 391 ; Schweiz : Hündscbe. Hündscbl = eine brand-
artige Seuche unter Menschen und Vieh, Gr. W. IV.
2. 146S) u. zwar : a) AI i 1 z 1» r a n d , iler auch heim
Menschen vorkommt, namentlich aber ist der
Milzhratul beim Pferde gemeint, d.h. die
hunnische Blattern - Milzbrand- Karbunkel,
Anthrax-Beulen, ungarische Kose, Drache (s. d.
-Lintwurm) (Schindler ist' — :r-vO der lau/ende
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Hansell.
hüpfen— Huf.
Hendsch — eine Pferdekrankheit (= laufender
Brand, im Gegensatz zum Flugbrande) (Gr. w.
IV, 2. 085. u.> stets auf eine Krankheit der
i'ferde mit innerliehem Brande bezogen; sie
beginnt damit, dass das Tier von Zittern
und Schaudern ergriffen wird, dann fahren
rasch (laufen) gelbe Knöpfe (Anthraxbeulen)
an den Adern, die von der Leiste bis zur Brust
verlaufen, auf; daher auch „kalte Geschwulst"
o. auch der „gelbe Knopf" genannt (v. M. I, 53;
Kochholz, Zelucbr. f. J Mjrth. IV, 117) ; da dabei auch
Lungen- Krscheinungen vorkommen können,
so werden auch herzsehläehtige , keuchende
Ro«se als „hinseh" bezeichnet (1591. Had. Jim. 63;
vgl. Ali» XII, wo schweres Atem, Keuchen hol Pferden
als Hintsch [durch den Alp verursacht] aufgeführt
wurde , Gr. W. IV, 2. UM. 1470] , h) der II I ] z-
hrand am Euter der KDhe (Anthraxbeule)
mit Eiterbildung (ungarische Kose, s.d.) (Bayern,
Übeln!' Hessen], durch Übertragung vom
Pferde auf die Kahe durch das Melkerpersonal
damit auch der Name übertragen (ür.w. iv,2. I4«s),
eine Verbreitungsart, die beim Volke sehr oft
als durch Verzauberung, Verhexung, An wünsch-
ong oder sonstige dämonistische Einflüsse er-
folgt angenommen wird (Gr. W. I, i?46 , Seh melier
L 1119); e) (l^os) Pest fie bor beim Menschen,
namentlich wenn sie durch den Verkehr mit
Ungarn (Orient) herausgeschleppt wurden. Hie
Hünsch = Beulenpest (Gr. W. I, 1746; iv, 2. 146S.
19.3) ; heunsche Blattern = Pestbeulen (1621) =
Bubo (pestilentialis) (Dr. Minderer; Schm. [, 1119).
Das epidemische oder epizootische Auftreten
solcher Seuchen hat das Volk von jeher Krank-
heitsdämonen, namentlich solchen in Drachen-
gestalt zugeschrieben, u. diese letzteren erhielten
dann den Namen der Krankheit (eonf. die l'estin,
das Gefraisehlein etc.), so dass 11. der Hünsch
- die Hünschen (Hüntschen, Höhnische)
Gr. D. M. II, Iii:.; Wutlke § 697; Knhu Wcstphal.
Sagen □, 211) als Krankheitspersouen in Segen-
sprüchen, Verwünschungen, Flüchen auftreten
(s. Alp XII), da nur böse, fremdartige, alpische
(elbische) Wesen nach früherer Annahme des
Volkes solche Krankheiten herbeizaubern
konnten. Die Beziehung (I) zu Hünen - Kiesen, wie
sie tiriuim (1. c.) und seine Nachfolger in den Vorder
grund stellten, ist demnach nicht nötig. III. Daus
Hinsch — Keuchen des Kindviehs od. Alp (s. d.j
ist, erklart sich aus dem Gebrauche de» Hünsch
krautes (- Hanfl gegen den Alp (12 Jahrh. hn-
nlchlschie würz = espurium [eupatorium cannat.inum.
Jessen 147. 3i" ; D. 210] = Alpkraut , vergl. was Kluge1.
VA über das Wort Uanf sagt; das Bedürfnis nach nar-
kotischen Mitteln war sicher uralt). — hünnisch
([1591] heoniSChj (bayerischer Wald, Wiüsern) in Be-
tug auf Hunger ist nur Verschlechterung au*
hündisch (Schm. I. 1119; Gr. W. IV, 2. 1291), l. =
heisshungerig (s. Hunger ;, Bulimus. — 2. - siehe
hündlieh (Hund). (Uegen die Hinsch versuchte man
das Hinsch- ;(Jüuz-]Kraut — 15a3 hyuM-hkraut — cha-
maepitys, D. 92; 1V,1 Solanum dultauiara, Stnlliix, Bock
309; 17. Jahrh. Hynd»chkraut = Amara duli )|l ( Dul-
camara], F. Kr. B. 43; Taberoaemont. ; Jessen 38. 152.
381; schon ahd hunlica [herbaj. Wackeru. Wetsobr.
Ütb. S. 82, auch Heun-Wurz ■ Helleborui aiger, Brand-
würz; als ,,Alp" vertreibendes Mittel ist hiebe! nur
der aus dein Heunenlande bezogene orientali.-che Hanl
zu betrachten).
hüpfen (hoppen) (tnhd. hupten, Kluge \ 175 ; engl .
hop). — Dan Hupfen im Leibe = Kindabewegnng
(Floss-Bartels I, 574). — (1795) Sehuc /i-Hüpfen =
Muskelzuckungen, wobei auch deren Sehnen-
fäden sich mitbewegon , Subsultus tendinum
(Frank 59).
hürgeln s. hircheln.
Hütlein, n. s. Haut.
Hüttel.n. = Güttel, s. d. u. Hut (Kohler V.Gl. 398).
Hütte, f (ahd. hutta, nihd. hutte, aus der gleichen
Wurzel wie Haus und Haut [s. d.] = bedeckter Schul i-
ortl. — (tOul) //crr-Hütte (hutte des herUens, Hyrtl,
I K. W.) = Herzkammer, Ventricnlus cordis, als
Blutkasten (s. d.). — Hütten- Katie, -Kotz,
-Krätze.
Huf, m. (vorgerm. kopo ; gerrtt. hofa ; goth bofs,
ahd. huof, Kluge 5, 173; 14 Jahrh. huob = ungula, Voc.
' opt. W. 12; htiffo = hubo = hübel — uvula, H. Z. VI.
32'.; tnhd. huof, hueve, pl. ; 1182 hufT = ancha, Klaue,
knewl, Z^ning. Voc. p2; HS2 huelf — ungula e<|ul,
Heyne III, 201 ; ndl. hoef-die hornartigen Klauen
(Knäuel) am Fussende mancher Tiere, bezw.
des Menschen, 1. = der mit Horn umgebene Teil
des Tierfusses, Ungula, Hornfuss. — 2 = die
MlrrUr« Srrahlfurcht
Ballen
Hornstrahl
Trachren-Wand
EcKarreben
Seitenwand
' Weifse Linie
Zehen -Wand
^ Horn-Wand
Horn -Sohle
Hornhaut an den Händen, die sich durch
harte Arbeit (Fingellohn, s. d.) bildet (('allus)
(<ir. W. IV, 2. lSM-,1. Ii. (Zapfen, eine Erhöhung,
Rundung, Knäuel Im Schlund. H Z. VI, 326 = Huf
Watt, schm. i, nx>»> = das Zäpllein (s. d.) als
i knäuelformig geschwollenes Organ (wohl be^er
nls entstelltes Huch [s. d.] zu deuten). — After-
Hufe, pl. = überzählige, kleine Hufe meist an
j den Vorderbeinen des Pferdes; ein Küek-
j schlag auf Vielhufer-Ahnen (Pierer7. r.aö). — (lctö)
G-hufe, -Grhöfe, n - Hahnhuf der Pferde
(< oler Pf. 371). — au</cn-hüng= wenn der Pferde
huf Löcher (= Augen, Auge II. 3) hat (<:r. w.
I, KM), — (IM»] WucA-hüflg - flaehhulig, platt»
hufig (•'olerl'f. 371). — Bock-Hof = hochträchtiger
Pferdehuf mit senkrechter Zehenwand und
stockartig, steilgestellten sogen. Bocksbeinen
(Falke 1, 143). — ««</(<• hüfig = einhüftig(s. Hüfte),
einseitig gehend (Burk 12). — (l >92] /Vs./a-Huf -
schmaler, hoher, aber kleiner Pferdehuf (Herbst
14; Seb. 211; Falke I, 2«.:l)- — flach-, hart-, tief-,
. imYA- hufig (selbstverhtändliche I lufbezeich-
j Bangen). — Gagen- (hmsj GY</tn-Htife = der iä|>-
pige j». d.) Zustand an der dem eigentlichen
16«
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244 Hufe— hugen.
Hnhn— Hund.
Hufe des Pferdes gegenüber stehenden Köte J
(etiler Pf. «71; v. M. I, 56). — (17. Jabrh.) Hahn-Rvd •
(lianhufi, K. A. 677) = ein rauher, schuppender,
warziger Pferdeimf (Hahnenhorn, s. Sporen 2, i
Anhuf). — Igels-Hut - Igelfuss (b. d.) (Falko I,
432; K. A. 677). — Klump-Haf s. naehfolg. (Falke
II, ls). — /.•'«•/.• hufig — durch Kntzündung des
Hufbeins und krankhafte Hornbildung an der
Hufsohle, namentlich am Zehenteile knollig
missgestaltet (Mayer 39. ii6; Kalkt- II, 28). — Oclisen-
Huf^= Hornkluft, Hornspalt, wo der Pferdehuf
gespalten ist wie beim Klauen-Vieh = Ochsen-
spalte (Or. W. VII, 1135; IJalke II, 170). — platt-
hufig (mhd. blatehuof, Kluge »,2*7; Mayer 125; Gr W.
viii, is3ü) - satthulig, flachsohlig, so an der Huf-
sohle ausgefüllt, vollhufig, dassdie Wölbung der
Sohle sogar über der Trachten wand nach unten
hervorragt. — Räch-, 2?c/«-Huf = eine entzün-
dete Huflederhaut mit Formverilnderung des
Hufes u. Funktionsstörung (s. Hufrache) b. Pfer-
den (Kalke II, 231). — Ring-, Ringel-Hof = der Teil
des Pferdchufes, den das sog. Kingbein bildet
(Mayer 56). — (i:>41) Sfl/f-Huf, JJ^jU j L-eln
Pferdehuf, dessen sog. Leben (Kern) zu stark, j
zu voll, zu dick gewaebseu ist, so das* er des
Lebens zu viel, mehr als notig hat (1592, Beb. irr..
177. 212 satt hüftig = dc la acte uu »elule; Gr. W. VIII,
18.10). — 2. (salhtefig «= plOtUI Ut eijuus, D. 442) m
klumpfüssig. — schiffer Huf - ein Pferdehuf, j
dessen eine Trachten wand niedriger als die an-
dere gestellt ist (ZIpp l'Jl ; Kalke II, 27'.). — »prüder |
Huf = ein leicht splitternder, gebrechlicher Huf.
— Stock Huf Bockhuf. — strupf-ho&g = mit
einem Straubfuss (s. d.) behaftet (lt. a. 828). —
Vol!- { hufig um 1 - ein M- ",Ier Platth,lf
höheren Grades, wobei die Sohlenwölbung be-
sonders voll erscheint (Scb. 212). — (1102) wann-
hüftig ( N'W-Hueff) (Seb. IT... 177) - fehlerhaft
(s. wan) gebildeter Huf des Pferdes. — Wasser-
Huf = ein besonders weicher, angeblich durch
zu vieles Waten im Wasser weich gewordener
Pferdehuf (Kalke II, 129). — Zienng-Kof m
ein Pferdehuf, deswen Strahl verkleinert und
dessen Hallen emporstehend ist, so dass er
hinten zusammengezwängt erscheint (h. lluf-
ZWailg) (Falke II, 165; Mayer 119. 122} — Huf- Abfall,
•Brand, -Eisen, Erschütterung, -Falz, -Grint,
-Haar, -Hohle, -Knötigkrit , -Lähme, -Mangel,
•Rahe, -Ring, Scldag, -süneeinw , -Sehuinne,
-Schwund, -Seuche, -Spalten , -Wand, -Zehe,
-Zwang.
Hufe s. Haufe.
Hufel, n. (ah<i. hiuflia, Muteten = Buckeiucbltfe,
GralT IV, n:i2; mhd. hnt, hinfel, hüfcl. I.cxer 102. 103.
108; 15. Jabrh. büflel — Rena. 1>. 641; 1468 huffel
— geua, est pars factel tibi barba Inchoat naquo ad
oniloa i.roiensa, D. 11, 190) = Hacken, Wange, die
lleiechigeren, runderen Teile an derselben.
Hufer s. Höfel.
Hug, m. b. Hauch.
hugen, -huge [nord. htigr Men»chensecle, Golth.
M; [uianiialiiiKiri, ahd. hugjan - denken , mhd hugen
■ gedenken, buht = Gedächtnis , Hoflraann I. 377,.
— ßrhüge, f. n (ahd.. 8. Jabrh. kyhukkiu; 1260 gc-
huifet; mhd. gehügede, f. — tiedacbtnl* , Pfeiffer 63;
Pfeiffer, Korseh. u. Krit. 11,32; ndl. geheugen, DeCock 7;
das<;ehüge liegt naeh frnherer Lehre [1260] iu einer Zelle
[ = Slebbcinzellen], worin sieb auch da« Phlegma [RolxJ
befindet, daher Niesmitlel das Gedächtnis bringen
tollten, Schindler I, 1061).
Huhn, n. — Hühner . !> < '', -Augeu.*, -Bein,
-Bline, -Brust, -Cholera, -Gall, -Geile, -Nest,
■Pest, -Pocken, -Sucht, -Weh, - Wurzeln, -Zip f.
Hummel; hummlet, hummelich - keine
Horner haltend (naeh Schindler I, 1112 au» dem
■tev. komoiy). — hummel-K?i**%.
Hummer s. Hunger.
Humor, m. (oberbayer.) Hamor ; (sauskr. hu -
Opferguss ; vorgerni. ghud = ehymus, //»JA« — Krguss,
Kluge'. 139; Brlaa. 85; lat. humor ■ Feuchtigkeit,
Keuchte). 1. = der Lebenssaft (s. Feuchte) im
menschlichen Körper; entsprechend den -I äusseren
Natur-Elementen nahm man bis auf Paracelsus auch im
menschlichen Körper t Huuiores an (Cholera, Sangul«,
Phlegma, Melanclmlia), welche dessen Konstitution be-
dingen (s. d )sollten ; daher aueh 2. Humor (16. Jahrb.)
Laune (s. d. u. Cholera, Sanguiniker, Phlegma
u. Melancholie) als Gemütsstimmung, die der
betr. Keuchten (Humor 1) entsprechen sollte.
— Humoral- Krankheit.
humpeln (humpen, himpen, [Schweiz] huem
peln) (18. Jahrh. Ablautform von hinken, Kluge 174;
sehmelier I, 1113) = plump, wie hinkend gehen
(Gr. W. IV, 2. 1908; Sehw. 305; engt, hlmple).
Hund, III. Der Vermutlich nach seinein htinenden
(Sehmelier I, 1121) Ilellaute benannte, behaarte llttud.
dem Bts-Igkeit , Gefräßigkeit und Geilheit zum Vor-
wurfe gemacht wird , gab trotz seiner guten KJgen-
schatten als grenzenlos verachtetes Tier zum Sehimpf-
worte „Hund" Anlas*, (indogerm. kun — Hund [eanis,
schon getrennt von „Wolf"]; gern -germ. hunda; ahd.
bunt, mbd hund, Kluge4, 174); dies soll in Namen-
Verblnduugcn uiei-l du* Verächtliche, Unglückliche (als
Kegleiter der Hella, Tode-gOttiu, Koebholz I, 159). Ver-
fiuebte andeuten ; bei den Sudslaven Ist nach F. 8.
Krauss Hündchen eine Koseform für Aphlhenbläscben
oder Sch wammchen, die iu Segensformeln besprochen
und damoiilstEsrh aufgefaßt wurden. — GicAf-Hund
= tler heissend gefühlte Gichtschmerz, wie von
einem wütenden, fahrenden Tiere (s. d.) verur-
sacht (Sehl 127). — J/e/d-Hund = Oidium albi-
cans, Soor, Hebe, Sch wammchen, Alcola (Avl-
cenna), das Mehl, Mehlgrat etc., zum Unterschied
vom roten Hund auf der Haut, Mueor glauctis
— Hundahaar (Schimmel) (Gr. W. II, 640; Schm.
I, 1129; Falke II, 108; A. v. H. i, 49) (vergl. Hunds-
Alter) — roter Hund, I. — Sch weiss- und rote
Ines. -In (Nciaeln? Röteini) (1577, ndl. roothont
= sudatnlna. D. 56| j 1591 rothont st Zittertnal ['], rube-
obie. Krau«, E 906; ndl. roothont [Im Volksmnnd ent-
stellt roudvonk, roodjonk], l>e Cock 170. 2"K); Hatl.
Ivo. 381; (ir. W. iv, 2. 1919; Gr. D. M. II, 1108) als
eine Art von beissender, juckender, quälender,
verfluchter Krankheit. — 2. = Hunde-Räude,
| die rote, aufgekratzte Haut macht.— 3. = Tropen-
i Ausschlag, Liehen tropicus, prickly beat, wiedie
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Hunger.
Hnppe— Husten. 245
Hunderäude (Hundsgrind) nesselartig juckend,
Erytheraa laevo, papulosum 8. bullosum {M. M.
w. 1S97, S. 92). — 4. = auch Scharlachfriesel (nach
Hccker 22«). — weisser Hund (Gr. D. M. II, 1108).
vermutlich der weisse Mehlhund (s. o). — hün-
d(i)sch - kränklich, elend (bei Bauch- u. Kopf-
weh) (Gr. W. IV, 2. 146$). — hündlioh (hinlich)
iBaull 140) — matt wie ein Hund, hundsmatt. —
Hunds (hÜndi*ch[e,er,a\)-Alter, -Appetit, -Blat-
ter, -Bräune, -Elend, -Fleisch, -Fotze, -Frass,
-Fud, -Grint, -Haar, -Hunger, -Husten, -Kopf,
■Krätze, -Krampf, -Krankheit, -Lachen, -Leben,
■mager, Mensch, Nase, Fest, Pocken, -Raserei,
-Räude, -Ring, -Rott, -Schlaf, -Schnatize,
•Schueppel, -Schüttler, -Seuche, -Sporn, Staupe,
-Sucht, -Täube, -Taubsucht, -Tollheit, Übel,
•Unsinnigkeit, - Wurm, - Wut, -Zahn.
Hunger, m. udogerm. kenk, konk [= nuälen,
schmerzen! ; vorgerm. knkru-; gein.-germ. hunhru-
( Hunger], huneru; germ. hanhon , ahd. hungar; mhd.
hunger, Kluge1, 175) = Farnes (vergl. Appetit), Ess-
begierde als Gemeingefühl, dessen Steigerung
zur krankhaften Qual wird. — itöroi-Hunger,
1.= Wolfs-Hunger, der alles auffressen konnte
wie der gewaltige Bar (13. Jahrh. hunger-giilger ber).
— 2. = Honig-Gelüste (Wöstmann fio). — blutiger
(ß/u/'-Hunger = ein Hunger, der das Blut in
Wallung setzt (Heiss-Hunger), vehementissima
fames («r. w. II, 1.84). — brutiger Hunger (Algan)
= brutheiHser Hunger, Heisshungor (Schmellcr I,
374). — GoA-Hnnger- Heiss hunger, dei jäh ein-
tritt, namentlich bei hysterischen Weibern, Bn-
limia hysterica (Eichhorst II, 7«;2), darum auch als
„Hexen"-Wirkung u. Folge des Gäh-Wurmes
vom Volke angenommen wird (s. Hexe) (Buck 13;
ndl. geeuw-, vee-hongcr. De Cock 1S4). — (14*2) grim-
»»«'Hunger = schrecklicher Hunger (C. v. Megbg. j
rnuli 131). — 2Zeü«-Hunger = ein das Blut in
Wallung versetzender Hunger, Bulimia (Samuel
176). Appetitus caninus, wobei ein hoher Grad
innerer Wärme (Vagusreizung) verspürt wird
(«ir. W. IV, 2. 918; 1352 orexia s. orexis, ardor a tartaro
i ii st'imacho excitalus, Du fange VI, 631. — heiss-
hungerig = hflnnisch = hündischer Hunger
(Schindler I, 1119). — h eil hungerig = bis zur Er-
mattung fs. hellen) Hunger leidend (Sehmelier I,
10*2) — Hunds Hunger = hündischer Appetit
( Loniceru«), Farnes cani na, der starke Grad des
Kressfiebers (h. d.), Kuh- o. Wolfs- Hunger (,,ver-
mls lacertae slmilis In stomaeho hominis habitat" [Herz-
wurm, *. d. 2; vgl. aueh Magen und Werren 51, Or. D.
M- II, 1112;, l. = der nagende Hunger (1533 Hunds-
hunger — ..eine Erfüllung de* Magens In soleheu Matthen,
duss er nicht befindet die Leere anderer Glieder; ein
Hunger aller Glieder ausgenommen des Magens" (Fries
103} ; (1576), .Ilundshunger eine Krankheit des Menschen,
wobei dicLcut nimmer satt werden4*; (1603) eine Krank-
heit der Pterde, appetitus caninus (Gr. W. IV, 2. 1937;
1019 Hundsshunger, Wildbrunn, Wcluheim 17; <ir. W.
IV. 1. 138; V, 2556; 1725 Hundshunger, Th. S. Br. 612).
— 2. — auch das Magengeschwür, habituelles
Erbrechen und der M agenkrebs scheint darunter
verstanden worden zu sein, „wenn die Speisen
immer wieder ausgebrochen werden trotz allem
Hunger"; der «efrässige und nagende Hund
wurde «um Vorbilde für diese Art von Hangar*
I Gefühl. —3 = Hnngerübel (s. d ). — Kuh-
\ Hunger = der Bulimus, Bolisinus |ävi>.:u.©e, (D. »5;
aus Aviecnnn clurch Übersetzung übernommen ; 1532
küw-hunger, Fries KU; 1615 kuhhunger, Coler, H. A.
1*0 ; 1725 = fames canina „zu starker Magen -Appetit",
Zw. 82») = Ochsenhunger, fahnde boeuf, boulimie.
— Lw/f-Hunger= Dyspnoe im Gegensatze zum
Speisehunger dos Magens. — Or/tsrn-Hunger
(Übersetzung des £o''>.V.u.«i£ - jjls-j ot^ Xt|ii>':, also eigent-
lich bulimus — 1475 ein scer groyt hunger; 15. Jahrh.
unezeydiek hungir, unsclellch hunger, D. 85) = ein
grosser Hunger, wobei der Körper trotz des
Essens doch nicht zunimmt. — (1532) Ohnmacht-
Hunger = Fames syncopalis (,, daran stirbt der
I Mensch; eine Blodigkeit des Magenmundes", Fries 103)
— ein bis zur Ohnmacht führender Hungerzu-
stand. — Ji'. ..sv-Hunger = gewalliger Hunger,
Ochsenhunger, lalm de Choral, fames caballi, faim-
calle (fringales, vielleicht fames calida^ Helsshungcr).
I — (1660) Wolfs- Hunger = Appetitus caninus,
Heisshunger, Hundshunger, Bärenhunger (Pictor
7»; R. A. 330; Coler, H. A. 18«; Z. t. Ö. V.-K. 1896. 210,
Guar. 871; Gr. VY. IV, 2. 1937; dan. ulvehungcr). —
zerssiger Hunger = der Geschlechtstrieb der
Hirnen, das Verlangen nach dem Zers (s. d.)
(Schm. Ii, 1152). — Hunger-/rin, -Fieber, -Fran-
zosen, -Qrubc, -Haar, -heiss, -Kasten, -Krankheit,
•Linie, -Loih, •Lucken, -Pest, -Räude, -Sucht,
— Tod, - Typhus, Obel, - Wurzel, -Zahn, -Zitze.
Huppe s. Hoppe.
Hur ', f ( -- der gewölbte UnuehKing, wo der lUuch
..hurtig" zum Dache hinauszieht [in Oberbnyern so ge-
nannt], Schindler I, 1157; mhd. hurreu = sieh schnell
bewegen [hurrah '], Kluge*, 175; [in .Schwalten noch
heute in dieser Bedeutung gebräuchlich] ; dazu i
8. Jahrh. huruwa = palatum, Hab. Maur 6C) = Gau-
mendach.
Hure*, f. (ahd. huora; mhd. huore => feile Dirne;
ndl. hoere; in Namen medizinisch verwendeter Bilanzen
oft <a Hexe, Dümonln; engl, whore); Kornmutter
(der grieeh. Demeter entsprechend, I.aistner II, 29*).
— Knien- Beulen, -Blattern, -Cholera, -Kolik,
-Krankheit, -Lust, -Seuche, -Spiegel, -Sucht,
•übel, •Zeichen, -Zink.
hurnigeln (hurnielen, hurnögeln) s. horn-
nftgeln u. ljjoln.
Husar. — Husaren- Tripper.
Husten, m., f. (Wüesten) (indogerm. kas =
Husten, Bietet in Kuhn Zciischr. V, 317 (viele Worter,
die mit der Kehle in Beziehung stehen, gehen uul die
W urzel ka zurück ; kuka ist der erste Hustcntnn des
Kinde«]; vorgerm. käs; gerin. hwos \lnzu das Schweiz,
„wuestcu" = husten], Gr. W. IV, 2. 1976; goth. hwosta;
ah<l. huosto, ni. , huosta, f. = tussls, f., Kluge*, 175;
H. Z. XV, 16. 349; Gr. \V. IV, 2. 897; Sehmeiler !,
1186; 14. Jahrh. huost, VOC opt. W. 41 = tuaiis; mhd.
I huosie; 1477 die husten - tussis, Ortolph ; 1182 hiis=t
— tus«is, Zening. Voc. p 3; 15. Jahrh. husten — tussls,
Gr. W.; huesten, Gr. W. IV, 2. 1976; 1531 die hosten,
Krautw. I.XIX; 1532 der „hust" Ist ulcht anders dann
eiue natürliche bewegliehkeit der austreibenden kraft
der überllüssigkeit von gelegenheit der brüst, Fries s*;
1561 der husten, Gr. W. IV, 2. 1976; 1592 hoesten, Seb.
IM ; 1609 „die Husten ist eigentlich eine Klngerung
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Husten.
Husten.
der Brost", Guar. 885; 1666 die Hust [ObernfaU, Bayern,
Hochfranken], Gr. VV. IV, 2. 1977; ndd. hoosten; ndl.
hoc«; engl, haust) = krankhafte, mit Schall ver-
bundene AusstosBting der Luft aus den Luft-
wegen. — der Husten bricht sich — löst sich
ab durch Schleimauswurf. — hüsteln — leicht
(»der öfter leise husten. — husten - Husten
ausstossen. — alte Husten = chron. Lungen-
leiden, Bronchitis, Tuberculosis. — böse alte
Husten = unheilbare Lungenleidcn mit Aus-
wurf. — Baut rn -Husten = grober Husten, bel-
lender Kselshusten. — .BlASf-Husten = ein mit
bestandigen blaäenden Geräuschen u. Atemnot
verbundener IluBten ohne Auswurf (Kraus, K.
law) — blauer od. HM,- (Bayern, Wal*, Schwaben]
Husten (MM) plaen husten, it. z xv, ui; 1675 m»w
hust«n, Gr. w. IV, 2. 1977; H. Sachs) - Tussis con-
vulsiva (Pauli 61) = der Keuchhusten, wobei die
Befallenen im Gesichte durch die krampfhaften
Anstrengungen blau (eyanotisch) werden. —
ü/oc&-Husten = dor Husten, ähnlich d. blocken-
den Schafhusten (croupähnlich) (Kopp IV, Z7S).
— (178.1) B/uf-Husten = Husten mit Blutauswurf
(Haemoptoe, Haemoptysis, Tussis cruenla)
(Gr. w. II, 184; Ksslch) , Blutsturz. — bösartiger
Husten Hunten hei unheilbaren Lungenleiden.
— Brust - Husten , 1. = von der Brust selbst
ausgehender (nicht rcllektor. erzeugter) Husten
(Ackerm. 22-1 ; mnd. ,,der host de langlu* ghewaret heft
Iti deme mynschen unde der borst [Hnist]", Magist.
Harth. 89c). — 2. — Keuchhusten (Gr. W. II, 440).
- dämpfiger Husten = HuBten mit Dämpfig-
keit (b. d.) - aHthmatiflcher Husten (chron.
Bronch. mit Kmphysema pnlm.). — (l.Vil) dürrer
Husten — trockener Husten ohne Schleimaus-
= Husten mit eitrigem Auswurf (Heyn. SM; Ksslch
148). — £w/.s-Husten, 1. = jeder stark bellende,
und dem Eselsgcschrei (reprise) gleichende
Hosten. — 2. — namentlich der Keuchhusten
wegen der Bogen. Reprise. — (1782) fruchter =
flüssiger Husten Husten mit leichtem, Hfls-
Hlgcm Auswurfe (Ackerm. ÜJs, M. It 1. I, H09). —
i'Mf/is-Husten, 1. - Keuchhusten (Gr. W. V, 189)
(Hundshusten), vielleicht verächtlich wie der
M aleflzhus ton . — 2.^ Gottesacker-Husten (s. d.). \
— (172-'.) gichterischcr Husten = Husten mit
Gichtern (s. d.) = Convulsiones, Tussis convul- |
siva, Keuchhusten (A. v. II. J, 476; Thes. ssn. Hr. 49).
— Gof/f.Srtc/.v»--HU8ten | - tonx de renard. Schmidt,
d.-lr. Worterh. 18«".7, S. 404, <jul conduit au terrier
[ — tnmbeau], qni mene jusc|u'au lerrier, Brlss. 199;
parier rennud = le crl du renard - raucedo) = mit
bellend rauher Stimme husten (wie ein l uchs,
der sich in seinen Bau zurückzieht) bei Phthi-
sikern, die bald ins Grab kommen. — (1..04)
grosser Husten = eine wie die grOHse Pest auf-
fallend grosse Anzahl von Menschen befallende
Influenza (s. d.), deren Hauptsymptom der |
quälende Husten damals war (Kocln, Lerseh 205;
1174 tussis gravissima, Kersch 89). — harter Husten
-- schmerzhafter Husten. — heisser {hitziger)
Husten — Pneumonia, trockener Husten hei
fieberhafter Erkrankung. — (1735) hintentclliger
Husten = ein nach anderen Krankheiten sieh
einstellender oder zurückbleibender Husten
(Thes »an. Br. 10t). — hohler Husten = ein Husten
mit dem Kluck-Ton, der aus Hohlräumen der
Lunge (Kavernen) kommt. — Z/u urf*- Husten
= Keuchhusten, Tussis convulsiva (Gr. W. V,
isy), eine die Krankheit verächtlich machende
Bezeichnung für den bellenden Keuchhusten.
— (1677) kältiger (trockener kalter) Husten =
durch Erkältung zugezogener Husten, oder
Husten ohne Fieber mit wenig Auswurf (Beyn.
220; Vi. Kr. B. 341). — fiararrAaZ-Husten = Husten
infolge von Katarrh (Ackermann 22-3). — Kehl-
Husten = Husten bei der Kehlsticht (s. d.)
(Kalke i, s). — Keirh- (Keuch-, -Kich, keuchete)
Husten - Husten mit Kelchen (Blasen) un.i
Atembeschwerden (hlauer Husten, Stickhusten,
Kinderhusten, Krampfhusten) (la Quinte [if.95] -
Tu sali nuinta) (s. Quint), Tussis convulsiva seu
ferina — die Keuch (vgl. d.); die älteste Husten-
form-Bezeichnung (vielleicht die Udyuga in dem
Atbarva-Veda, Zcitsehr. d. V. f. V.-K. 189., 17; schon
der Schlnimelreiter o.lin wird um ein Mittel gegen den
Keuchhusten gefragt ; angls. clneuug; engl, kink —
kynanche, squlnantla [?| chln cough (nasaliert aus klk);
ndl. kinkhoest. Kluge*, 191; Liebreehl, r. Volkskunde
1897, B. Ml; Schnurrer II, l»2. 226; Ackermann fil9,
Gr. W. V.439; altfrz. quahouette, .|iiehnettc [BeniehonJ
B COquelnclM (s. Influenza], Hriss. III — Huhiierweh
[— chln cough), Kaltschm. II, 22."»). — (1668) (junger)
A'mrtYr-Husten = der hei Kindern besonders
häufige Keuchhusten (Gr. W. V, 439. 7.19 ; Ackerm.
,r.19; Boyn. 282). — King - Husten (Holstein; ndl.
kink-, kiek-, Ulk hoest, De l ock 88. 191; Kluge*. 191) -
Kich- tuler Ketii'hhusten (s. d.). — Kirehhof-
Husten (engl, the Choreh ■ y ard cough, Kaltschm. 1)
». Gottesacker-Husten. — /w'::. '-Husten, l. -
Husten mit Kitzelreiz im Halse oder Bachen
(<;r. W. V, 875; engl, tickllng cough). — 2. = ein
durch Kitzel reflektorisch erzeugter Husten;
vergl. Kitzel. — AYam^Z-Husten (1717 Gr. w.
V. 2011; 17f>2 tussis BpanmfifUfft. ein trockener Husten
ohne Auswurf mit ErsltokUQg*-Anf Allen, A. v II. I.
12119) - der höchste (irad <les angestrengten
Hustens ähnlich dem Keuchhusten 'mit Pa-
roxysmen (Riegel; Ziems». Hdb. IV, 2. 02. Hit, Z.H.
v. f. V.-K. 189'», 8. 17). — ArecA-Husten = ein
schwindsüeht., keichender, mit einem krachen-
den Tone begleiteter Husten (Gr. W. V, 2318). —
Kropf- Husten - ein Husten (Kehl, Grippe,
Feifei etc.) mit kropfartiger Anschwellung der
Halsilrösen bei Pferden (Gr. W. V, 2102:. — Leber-
Husten, 1. — Magenhusten, den man von der
lieber ausgehend annahm (Hnfeland :;00), nament-
lich bei Greisen. — 2. - Pneumonia asthenica
mit Icterus conjunctivae. — 3. - ein auch sonst
bei Berührung von lieber, Milz, Magen reflek-
torisch eintretender Husten (Pierer 7). — Lungen-
Husten = Brusthusten (Hnfeland 802, Merk H2)
■= chronisches Lungenleiden bei Mensch und
Hornvieh. — iini; Mag, » Husten, 1. ■ ein von
den Magen- und Rachen-Nerven (Nervus vagus)
reflektorisch ausgeloster, namentl. hei Trinkern
und Bauchem morgens, aber auch nach dem
Essen sich einstellender Husten, Vomitus matti-
tintlH I17..7; HSU ml. 213; A. v. H. I, 1299, Hnfeland
802; Aekerrauun 224; tir. W. VI, 1440; Pauli f,7). —
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Husten
Hm— Hysterie.
247
2. - eine Bronchitis mit Magenerscheinungen,
oft aus Selbsttäuschung einem kalten Trünke
zugeschrieben und von den Lungensüchtigen
vorgeschützt für den eigentl. holden Lungen-
husteu [I'auli 67 j Goldschm 112). — 3/af>/ir-Hu8ten
= verächtlich machende Bezeichnung für den
Lungensuchtshusten (Buck 22). — (1812) Masern-
Küsten = der Husten bei Masern (s. d.) (Heim
.21). — (I7M) Muttei Husten - Tussis hysterica,
ein von den Nerven der Gebärmutter (?) ausge-
loster, sonst aber objektiv nicht begründeter
Husten (a. v H. i. **>) mit Mutterbesch werden
(Gr. w. vi, 2*18). - Xacht- Husten = ein namentlich
bei Kindern nachts eintretender, meist nervöser
Hustenanfall, falsche Braune (Scheeh). — Rachen-
Husten — ein von d. chron. erkrankten Rachen-
schleimhaut ausgelöster, bei Predigern und
Sandern häufiger Hustenreiz (frani. hcml [ono-
matopoiet .]; Schech 102, Briss. 117). — (1*43) Reiz-
Husten = sehr heftig auftietende Husten-Pa-
roxysmen bei nur geringer, selbst vollständig
fehlender Expektoration (Falke II. BS; Riegel; ,
Ziems«. Hdbch. IV, 2. 62). — 1 hustig = eine |
Kehlkopf - Krankheit der Pferde, wobei sie |
einen rollenden, rauhen Hustenton erzeugen j
< r w vni . 11191 — Schaf- (io Jahrh) Schaft-
Husten. 1. = ein trockener, laut bellender 1
Husten ohne Auswurf, ähnlich dem Husten der I
Schafeis. Luftröhren- Kratzer) (Gr.w.vill, 2039 0.;
A. v. B. I. 363; Gr. W. IV, 2. 1977; Z. f. Ö. V.-K. 1896,
2S2<. — 2. = a) Keuchhusten, Tussis convulsiva;
b) (Obersetxung de» Iran*, moutonc {1580]; ital mal
ili caMrune (*. Schataglft) = (1899) Influenza (s iL)
wegen des quälenden, bellenden, keuchenden
Hustens, weshalb auch der eigentlich der In-
fluenza zukommende Namen coqneluche spater
auf den Keuchhusten übertragen wurde (I.ench
2«l, Rulionmnn 12; v. M. II, 128). — 3. — eine wahre
Kpizootie, durch den Drehwurm der Schafe
il.> ukart 35j veranlasst, die sich als Luftröhren»
Kratzer (s. d.) äussert. — u.v>i) scharfer Husten
= harter, schmerzhafter, kratzender Husten
(K..clc 47). — [1783) Schleim -Husten = ein Husten
mit Schleiinauswui f fUsMt h 143). — Schramm-
Husten = ein trockener Husten mit dem Ge-
fühl des Wundseins, Schrainmens (s. d.) auf
der Brust (Goldaebm. 112). — gehrer Husten =
Husten mit dem Gefühl dos Wundseins auf der
Brust (Ortolph, <;r. W. VI, TS<,. — zeitiger Husten
= Husten beim Seitenstich = rneumonia, Pleu-
ritis, rieurodynin. — Spinnen -Husten — ein
Husten, wobei die Kranken am Schlüsse einen
zähen, spinnenfadenähnlichen Schleim aus dem
Munde wehen (s. Glufengiessen), namentlich
bei Tuberculosis. — »porer Hüsten - trockener
Husten. — St'rft- Husten = ein in unreinen,
staubigen Stallungen auftretender Pferdehusten
[Falka II, 339). — »tarker Hüsten ■ scharfer
Husten, der keine Ruhe zulässt. — Steck- {Stick-)
Husten = ein Husten der Krstickungsnot macht
(Schw. 674). - ttrupf- ) | 1 " Bräune"
huaten (Diphtherie;. — 2. = ein Pferd, das
lollhustig ist (h. d.), wobei der Hustenton
struppig, rauh (wie bei der Bräune) wird (.Inn.
«mbe ho«le. I'iercr. Gr. W. VIII. 1149). — (1782)
trockener Hüsten = ein HtiBten ohne Auswurf
sporer, dürrer Keldhusten (M. H. L. I, 509). —
II /-Husten. l. = ein Magenhustea (Vomitus
malutinus), reflektorisch bei Bandwurm vor-
kommend (llufeland 3O0). — 2. = der bei Wurni-
parasiten vorkommende Hustenreiz (Bronchitis
verminalis) bei Tieren (Kalkei. 426; 11.44«). —
zahn- Husten fl55l der dürre, zehe husten; Bock 16;
F. Kr. H. 29M — Husten mit zähem Auswurfe. —
il7.i6) /:' nl Husten = der Husten, den nament-
lich zahnende Kinder durch Fortsetzung des
Mund-Katarrhs auf den Rachen etc. oft haben
[A, v. n. 11, 309). — Husten-Fit-frcr, -Beiz, -Seuche.
Hut, DO. dndogerm. kädh, kät [caaaüt — Helm';
gerra. hattu-; ahd. buot; mhd. huot, Klug«*, 175 ff. =
Kopfbedeckung [«. auch Haut)). — Hutchen (1652
hudekln vel h oedekln darumb da» «ie In eines armen
Man« Gestalt mit einem rauen Flltxigen Hut bedecket
erschienen, Crusiu* 315) — Alpdätnon des Volks-
glaubens. — (1532) Haupt Hut (huot des haupt«,
<la* plleum naturale der Arabisten) = Amnionshaut,
die bei der Geburt in einem um den Kopf de«
Kindes herumgehenden Kreis einreisst = Galea
Helm) der Degenkinder oder Knaben, die Vitt»
oder Haube der Mädchen, Glückshaube (Hyrtl.
K. w. 81), Helm, Schafhaut, Kinderbälglein etc.
— Zumpfen-WMein = Praeputium penis (siehe
ZnmpO (nyrtl. K. W. 1:1).
Hüt, f. Hüter, tu. (germ h.'.d [ä. Hut, m.]; ahd-
hu<«U; mlid hnole , huot = Schaden verhindernde
Aufsicht, Kluge5, 176). — Hilter = der die Auf-
sicht am Tbore führende Wächter, Pylorus
(K. «. 39). — (1601) .4/YrroW-HÜter = fermeur,
Sphinkter ani (II>Ttl. K. W. 138). — p /hütet -
durch »He Aufnahme der Larven des Leberegels
beim Weiden auf feuchten Stellen, also durch
Schuld des Hüters an der Leberegelseuche (der
Schafe) leidend (PteMf 7).
butteret (Tirol; Fromm. VI, 157) = haderig,
kränklich, schlecht aussehend.
Hützel, f — rr» hutzelt = zusammenge-
schrumpft wie ein gedörrter Obstschnitt. —
Hutzel-ß«'n.
Hypnotismus, m. (tu t\sw©5 = Schlaf) ein [tMl]
vn>n liimes Rraid (daher mu h Braidismus, eingeführte*
Wort für den fruher ,, magnetischer Schlaf" (s. u.)
bezeichneten Zustand der durch die sogen.
Suggestion veranlassten Herabsetzung der Er-
regbarkeit der Gehirnzentren mit gleichzeitiger
einseitig und circumscript erhöhter Enegbar-
keit anderer Gehirnfunktionen.
Hypochonder, m. Hypochondrie s. Milz-
sucht, Kippsucht, Milz, Melancholie, Spleen;
xu i-',fytw.'i%'i^ = der an der MiU. die unter den
Kippen li<'^t, Leidende.
Hysterie, f dO am dem Munde der neueren Ante
in» Volk gedrungenes Won fur Frauenleiden jzxtfim
n uteru», morbus uterij verschiedenster Art, deren
Frsachen dasselbe nicht kennt, und die das
Volk an manchen Orten dem „Verhextsein"
zuschreibt (ja. Hexe). Auch inet Tieren nahm man
■Fieber, -Sieche, -Übel.
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jftcken— Jahr.
St. Jakob— Jammer.
jäcken = jucken (s. d.) (Goldschm. 88).
jägeln (jegeln) 1129, 1187 jechcn, Jacchcn - fugare,
Schindler I, 1205; D. 250). — &ui-jägeln (Schwaben)
coire, mit den Beinen (Giegeln) jagein, heruui-
jagen (Huck 18). — nieder-^pjegelt = durch zu
starkes Hetzen mit den Beinen nach vorne
überhangig und ho niedriger gestellt (v. Pferden)
(ehr. Sam. I, 9).
jäh ( = g«ch [w ie Jauche zu Hauche] dialektisch zu
jiUi entwickelt ; alul. gnhi; mhtl. gache, glich = schnell,
plötzlich) s. gib. — Jach. in. der gilbe Tod. —
jähr(r, ») Blase, Blut, Sterben, Tod, Überblut.
jähren = Ritren (s. d.) und jilsen (s. d. und
Juni) (Schindler I, 1211). — (1584) Jährling (Tabern.;
Gr. W. IV, L 1425) - l'utrefactio. — (1725: Jährung
im Magen (The«, sau. Br. 14) - Magengärung.
jäppen s. jappen.
jäsen s. Jast
jag- k. gaggen u jilgeln.
Jahr, Ii. (gem.-germ. jflr = Lenz, Frühling, utpa ;
Roth, jar; ahd. jar; mhd. Jar, Kluge*, 178) - Zeitraum
von 365 Tagen. — die Jahre, 1. - vorgerücktes
Alter, Altersstufe. — 2. - Wechseljahr, Klimax,
kritisches Alter. — (IG. Jahrh.) fcrjahrt - alt ge-
worden. — beste Jahre = provinziell verschie-
den lang ausgedehnte Jahre der besten Mannes-
kraft. — Bräune -Jahr = ein Jahr, in dem die
1 hphtherie (s. Braune) besonders stark herrscht ;
(anno de loa irarrotlllos [ic.i.'I], Heeker 242). — klimak-
terische Jahre, 1- = das neunte .Stufenjuhr (s. d.).
— 2. — spezialisiert beim Weibe auf die Zeit des
sogen. Wechsels (s. Wechseljahre, Menopause
= Annus climactericus (Kossm. ;to). — Milch-
Jahre das unreife Alter. — (16. Jahrb. ) 8cham-
Jahre - Anni pabertatii (Gr. w. vin, 211»). —
Schelmen- Jahr ein Jahr, in dem schelmische
(ol bische) Krankheiten herrschten (Gr. W. VIII,
2514). — SchwitKhuchln-Jsihie - die Pubertäts-
zeit, in der die Tubcrkuiosis ihre meisten Opfer
holt (Pauli IG; couf. Hipjwkrates Aphorts. V, 9). —
.s'ir/i»jahr- Zähne. — Sterb- Jahre = Seuchen«
jähre für Mensch und Vieh. — (1609) Stu/m-
Jahre - die Abstufungen der sogen. Wechsel-
jahre (Klimax, \ x>.ijiot£) „in <ier menschlichen
Leibesverkehrung" (Guar. 25); schon Hippokrntes
teilte auf grund der heiligen Zahl Sieben dos Menschen-
leben in Altersstufen (Uarhofcn 2!>0) von 7 — 9 Jahren ,
„da* Jahr 63 Ist gemeiniglich der Alten Tod, weil es
SOWOM von 7 als 'J Jahren (7X9 und 9 X 7) ein Stufen-
Jahr Ist" (Ahcrgl. 35G); dieses war das allcrgcfiihrlichste
Lebensjahr und < galt als eigentliches klimaktcrWchcs
Jahr iKossm. so). — die Fo//stufe der JiJue ist
nach Heyne (III, 1257) — die Grossjuhrigkeit; „die
Jahre 411 — ö*3 Jahre sind die bedenklichsten"
(A. v. n. I, 432) für die Gesundheit, bexw. das
Leben, da sich mit denselben, als den grossen
Stufenjahren (1749; Zeitschr. f. d. Philol. XXVI,
252), die senilen Veränderungen einzustellen
pfiegen = neuntes Stufenjahr 0J X 7 - 63). —
tt/wr- jährig (14.— 15. Jahrh.; mnd. oberjarich, J. nd.
Spr. XV, 118) = chronisch, übers Jahr dauernd.
— üblen Jahr («r. 1». M. II, 1113; Übersetzung de»
malum rnalannum), 1 . = carbuuculus rcl malae Pustulae
(= Milzbrand), quod malum vulgo dicunt ..malamp-
num" ; eine dagegen gebräuchliche Pflanze hiess Ma
lannus (ahd. achalm, Ach-Halm?, wenn nicht = achalp;
alpe, pl. = semidel = malanmis, D. 344a) = (Milz-
brand-)Karbunkel, üble Blatter,Anthrax (D. 344h),
der zeitweise in Kpizootien oder Epidemien
auftritt, bezw. auftrat. — 2. = Augeukrebs
(8. Schwamm 1 c) (otulorum morbus, quem Kranci
per antiphrasin morbum nomlnant bonnm rnalan-
num. Du fange; ,,ipse orbls, Ipsa supercilia nasusque
»patium, imum a tumorc execsserant , tot« facies
largtus extuberabat", Du Cange V, 191. 205; vermut-
lich zu „malanum" entstellt aus Melanoma — schwarzer
Angenschwamm, Cancer melauodes, Kraus, K. 167.002).
— 3. — Morbus comitiali8 (Kpilepsia, s. d.). —
Das ü blo Jahr, vermutlich nur die Übersetz-
ung des (latein.) malannus, dürfte als Name
die Volkserfahrung (das Gesetz der Multipli-
citat der Fülle) wiedergeben, dass in manchen
Jahrgängen gewisse Krankheiten (und krank-
hafte Auswüchse?) häufiger zur Beobachtung
gelangen, ohne gerade epidemisch zu werden
(das malum malaunum w urde in ahd. Zeit [1070 — 1090]
als Schwamm [s. d. 1 c] durch Heschwoningsspriiche
behandelt, s. Holtmann, Mt.-Schr. f. Schles. 1829, II,
762; Waekernasel ; Wcssobmnner Gebet, Anhang 09).
— voqtbare Jahre (1513 volk-, vogk-, vogt paro iarc
= pubertns, D. 470) = die geschlechtsreifen Jahre,
in denen der Jüngling und die Jungfrau sich
selbst vertreten können, mündig sind. - Wechsel-
Jahre - Klimax, die Jahre der Gewebsmeta-
morphose heim Weibe (45.— 50. Jahr), s. Stufen-
j jähr u. Klimax.
St. Jakob, (über St. Jakob si.hc Kultkalcndarinm
In Zeltschr. D. ü. A.-V. 1893. S. 201). — St. Jakob-
Strasse.
Jammer, m. (Amer, Gammer) ;«sk. am - aegro-
tum esse, < i rnlT I, .'>9<i, dazu: Ti|JU£iO" - sanft, milde;
yama — Zügel, durch Zügel gebändigt, niedergehalten;
I goth. jetnara; ahd. jämur, n. = da» Traurige, miseria;
: mhd. jämer. Kluge4, 17S; entspricht am meisten dem
I mhd. vreissam [Fraisen, s. d] — Schrecken; (Tirol]
Ammer), 1. = das Autfahren d. Kinder im Schlafe,
I Puvor nocturntis (Wallberg) = Schrecken, Fraisen
(s. d.) = der Wehschrei, Nacht-Kisse, Nacht-
geschrei (s. d.). — 2. - QMS) Kpilepsia (schwere,
heilige Krankheit, Fraisen) («r. W. IV, 2. 2253;
bibl. Med. 445; Maschenb.215). — 3. = apoplecti former
Milzbrand, da« Hinfallen des (seuchenkranken)
Viehs unter Zuckungen (Gr. \\. IV, 2. 2253). —
4. ■ der Katzenjammer (s. d.) (Gr. W. IV, 2. 2253)
als jämmerlicher = jämmerig(er) (gammerig)
Zustand. — (ICC'".) /torwi-Jammer - I>armfraiB
(s. d.) (Gr. w. U, 781). — Kotten- (Kotten-)
Jammer, l.-dm Ktnplindung eines klaglichen
körperlichen (physischen) und moralischen
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Janus-Jast.
j auein— Idiot.
249
Zustandes (Gr. w. iv, 2. 2203), wobei das Katzen-
geheul (Kater) Obertragen ist auf die Empfin-
dung des Hörens solcher „katzenjanimerlichen
Musik" (Andreaen 11 ; Gr. w. v, 296) .- aus der Studen-
tensprache (moralischer Katzenjammer). — 2.~
Tussia matutina, Vomitus matutinus (Hufeland
30i), Magenhusten, Status gastricus alcoholicus
(physischer Katzenjammer) ; die Studenten stei-
gern den gemeinen Hauskater zum gestreiften
Wollkater und grauen Elend. — schlagender
Jammer = Eclampsia (Epilepaia) infantium,
der mit Schlagen der Glieder (Zuckungen) ver-
bundene Jammer 2. — jämmeriger Tod.
Janus. - Janus-A'o/»/".
St. Jan s. St. Johann.
janen ^gähnen (D. J75).
jappen (ndl. gapeni = gaffen, den Mund auf-
thuen, schnappend Luft holen (beim Sterben)
(engl, jaw = Kinnbacken).
Jarret, n. (Ganet) (korn. gar = Bein ; kymr gar
ss Schenkel; bret. gnr — Schienbein; prov. garra —
Kniebug; «pan., port. garra, Körting, roman. Wörter-
buch; 1592 (Jarret - Leitung [u. Keldung, mal], Seh. 176;
altfranz. garret ; frz. Jarret, jaret, garex, geret, garret,
Brl«* . 20. 38 , ltal. fjaretto, paretta. Sehne über der Ferse
und Kniekehle, le creux popllte. ; mtl. 1113 garcttuni
»eil. cruris — «uflrago, pople» [bei l'etrtis ("rescentius] ;
garectum, Du Gange IV, 32 ; IX, 217; weitere Ktymo-
loste fehlt), 1. = Kniekehle heim Rinde. — 2. =
krankes, leidendes sogen. Ochsen-Knie beim
Pferde. — 3. nach Im Gange IX. 241; IV, 280 ist
Jarie, Jarreia, Jaretta i'Jarrect« — Garrecta) auch eine
menschliche Krankheit; (1 »67 le »juel Kanon H plaigny
d une Jarie et dit on que pax esenivissemeut mauvaiMie
et malice ce dudit garjon ou aatrement lul vint une
i.minado on bosse Tosten] eu laync [in an.)], grosse
eammo le polng) = eine Beule am After (Du Caoge
IV, 280).
Jast, m. (Jäst, Jest, Jescht, jeschen
gischen . jasen joesen) («u einem aus der irxcit
ulK-rkommenen Wortstamme ja» [Jls] — zischend spru-
deln; ahd. Jcsan; dazu ahd., mhd. gast, Gr. \V. IV, 1.
13.2; engl, yest = Hefe, (Sarstoff J. — Jast Je st.
Jäscht) ■ der Schaum als Produkt der Garung
(Schindler I, 1211; Sehvv. SU; Graft I, 611; 1482 JoM =
Biertarung, Zen. Voc. p 5). Die Physiologie früherer
Zeit Obertrug die Vorgänge der häuslichen
Küche (s. Blut, Verdauen, Herz, Eiter, Milz etc.)
auf den menschlichen Organismus; die Thätig-
keit des Blutes hei fieberhaften Krankheiten
äusserte sich durch den Jäst ■ Orgasmus, Auf-
wallung, Hitze, Unruhe in den Adern, Nerven-
Heftigkeit (Schw. 308 ; a. v. H. H, 1173; Buck 19);
man nahm (I72ßj einen Gärungssehaum Jäst
im fieberheissen (ieblüte an Thea, »an. Br. ioi0),
von wo er in die Drüsen uuter der Haut und durch
die Bewegung der Glieder fortgeschafft wurde, von
den Gedärmen au» sollte stets neuer Jast durch den
Ductus thoracica dem Blute zugeführt werden (Zw.
3«. 50. 52. 5.'.). — < nasen — von Eiter auf- und
untergeschworen (Gr. W. IV, L 1364), wie wenn
alles im Grunde in Gärung wäre, Putrefaclio
(s. eitergierig). — das jästende Geblüt (Zw. IM]
ist also = Fieberwallung, erhöhter Stoffwechsel
im Fieber.
janeln = kläglich wimmern (bei Kindern)
(ndd. Tonwort nach dem Hundegeheul, Heyne III, 250).
Jauche, f. (Gauche) (ein buh dem BUTtsehea
[Kluge6, 178, oltslov jucha = Suppe ; altind. yüsän =
Suppe, 1. eod. 187] entnommenes, durch die modernen
Arzte allmählich eingeführte« Wort [Jus = Brühe]; 1411
Jüchen jus, D 312; diabetisch Gauche; 1645 Jauche
= eitrige«, scharfes Augensekret, Coler, H. A. 112) =
anormale Eitermasse, die durch Beimischung
von Blut graubrflunlich wie eine Suppenbrühe
gefärbt ist. — Bfuf-Jauche = Blut mit Eiter
(Gr. W. D, IM). — (1842) Brand Jauche = die
beim Brande der Extremitäten etc. (s. Brand)
abgesonderte Jauche (Falke I, 15©). — Eiter-
Jauche = die durch Umwandlung des Eiters zu
einer missfarbigen , dünnen , übelriechenden
Flüssigkeit entstandene Masse. — (1790) faule
Gauche = missfarbige. Obelriechende Eiter-
masse (Richter i, 81).— (1790) Krebs Gauche = miss-
farbige Absonderung aus Krebsgeschwüren
(Richter I, 2»2). — (1790) salzichte Gauche = miss-
farbiges Sekret beim sogen. Salzflusse (Richter I,
491). — (1*13) W urm-Jauche ■ die missfarbige A b-
sonderung aus Wurmgeschwüren (geschwäten)
(Falke Ii, 446). — Jauche, jauchiges Geschwur.
Javart, m. ,,Ce mot, tire du lcxi<|UC vetcrinalrc,
designe , selon lAcadeinie, une tumeur ulecreuse au
ba« de In Jambe du cheval. L etymologie en c«t in
1 connue, ce <iul nc l'a poliit empechc d'etre usite dnn«
le rleux fran<;ai* pour toutes les vorictes de maladies
uleereuses ; mals il est sitiKtilicr de le voir perslslcr
jus«iu'a nos jours et servir u designer 1'afTection »cor-
buti.pie des geneives" (Iltis«. S. 153 Ann». ; Du Gange
IV, 281b; IX 241); Javarina = haatae g. JacuU speck-,
lancea ; Javelina - «pecies hastae ; Javart = Carcinoma!!»
Speeles, homlnum tnorbi trenn«; 1 IIS Ie<]tio1 Kobin avoit
une grant inaladle ipie l'on nppelle chancre ou Javart
a la verge. — Die deutsche Veterinärmedizin, die dieses
Wort au« dem Französischen (16. Jahrb.) über Btraas-
bürg ubernahm (Seb. 176; Falke I, 279. 411. 430; H, IS),
versteht darunter (1842) : 1. = ein fistulöses Fessel-
oder Koten-Geschwür bei Pferd und Ochs
(Klauenwurm, Kröte 5), eine „ausfallende"
Mauke, und unterscheidet einfacher Javart, » enn
diese Mauke nur die Haut u. das Zellengewebe
betrifft; //orji-Javart, wenn das Geschwür sieh
am Saurnbande oder unter der Hornwand be-
findet; Änor/>f/-Javart, wenn der Hufknorpcl
infolge geschwnrigcr Entartung abgestossen
wird; Sehnen- Javart, wenn der entzündliche
Prozessmit Eiterbildung auch die benachbarten
Sehnenteile befallen hat. — 2. - syphilitischer
Schanker beim Menschen. — 3. — skorbutiihn-
liche Mundhöhlen- (Kiefer) Erkrankung beim
Menschen (Syphilis?).
ichaezen = ächzen (.vipbg. 192).
Ichsei, f. s. l'echsen.
Idiot, m. (0 ".ouuTTj- =der für sich allein labende,
Sonderlliur!, 1. = Blödsinniger (1420 Idiot« = torc,
D. Ii, 20si. — 2. = nach dem Volksglauben ein
elbisches Wesen, z. B. Kobold (s. d.), der das
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250 Idee— ilgern.
Ille— Influenza.
menschliche Wesen in ein solches seines
Gleichen verwandelt hat (Z. f. d. Phil. III, 832).
Idee, f. (Kriech. '.Stit = ltus*ero Erscheinung. Art.
das gedachte Ding). — (1810) fixe Idee = eine feste,
fixe Vorstellung Ober einen Gegenstand, von
der einer nicht abzubringen ist, l. = ein abson-
derlicher Gedanke, ständig gewordener Wahn,
den jemand nicht aufgeben will od. kann (Waat«
mBun 244; Hlldcnbr. GS). — 2. = Wahnsinn (itufc-
Und 251), mit einer prävalierenden Idee, die die
ganze Phantasie des Kranken beschäftigt. —
Ideen-Flucht.
Idoma, n. ( = 1528 Oedema, H. v. Ger*d. 99).
idrüchen s. ruechen.
jecht. — Gc-jecht s. Gicht (Ge-icht).
jegeln s. jägeln.
jeren (1502 yeren als Uer = babire (biliare], D. II, 47)
— wiehern.
Jest, n., 1. = (1528 »ingultus, II. v. Gersd. r.'J)
Klucks, Hetscher (eine Nebenform zu Heisch, Uesch,
Gr. w. v, 1260). — 2. s. Jast.
Jcxen, pl. s. Uechsen.
Igel, m. Den, pl., 1. = Igel (Echinus); als bor-
stiger Igel auch die Gestalt eines aufhockenden
(8. d.),clbischen Dämons (Schrätzlein) des Volks-
glaubens (Laistner I, 9t; II, 66). — 2. (- Verwerhs-
luug mit Egel; ahd. egala; mhd. egel [Wurm, Grille],
Bcbm. I, 52) ; a) (lMl)eine Viehkrankbeil, zwischen
d. Klauen, wovon das räudebebaftete Vieh hin-
ken miiHs (nr.w.a. 2015) (Wurm, Egel); b) (1645) Ilen
= Igeln, Egelwfirmer an der Schafs- Leber (Coler
geh. 4M). — 3. = Igel - Nickel. — Feuer-Igel -
Feuer - Egel , nach dem Volksglauben „ein
Wurm, der im Leibe Hitze und Kolik macht"
(Bthnol Mitt. au* Ungarn isu;;, in, im) (Eiericb). —
Jtfcrr-Igel = Werren-Nickel (P. xi2). — muh iglet
- langhaarig und bnrstenhaarig (beim Vieh)
durch Abmagerung (s. Bürste) übertragen auf
den Menschen (Kehmell. r II, :>-2j. — Schlaf Igel —
l.angschläfer, Besinnungsloser, der einen Egel
(4 1 rille, s. Alp) im Kopfe hat (Schindler I. 52). —
HYrrai-Igel = Werren-Nickel (D. 158) — einen
Igel stechen = coire (das üble folgen haben
kann) (Gr. W. IV. 2. 2044). ^j^™ j - «l|?**rn —
Igel- Jim, -Huf, -Kälber.
Jicht, f. = Gicht (s. d.).
Den, pl. 1. = Igel 2 b. - 2. - Ellen».
Ilf s. Alp u. Elf.
ilgern (igeln , eilig) (ahd. liki famen, Stridor
dentium, tiratt I, 245; 11»2 illgcrn = ohstupescera, Zen.
Voc. p5; 15UH lllgern ta ot.siupescere; 15. Jahrh. oyllck ;
ober«, eilig; frank, elger - acerbus, ilentaa aeldl *.
itanefaetl, D. »; 1520 yglern = ilgern, Gr. W. IV, 2.
2060; 1615 die eilige der Zahn.-, Uolei 11 135) = das
Stumpfwerden der Zähne durch saure Speisen o.
durchdie Vorstellung davon (Ur. w. IV, 2. 2060). —
an- I
ein- Jigeln - (l6l«)algere,|?"|den Zähnen stumpf
horn- I
fühlen (D. 22). — hurn- ! igeln, s. hornnägelü (Gr.
um- I
W. IV, 2. 2046 wird ganz richtig dieser» „igeln" von
„ilgorn" getrennt, im Gegensatz zu '.ir. W. III, 108),
— Jltck-Hge [ahd. juklltgi — i>rurlgo, ardor carnls,
! Graff I, 593) = Ameisenlaufen u. Juckempfindung
der Haut. —(1482) Zahn Ilgern (zuuillgeru. Zenlug.
Voc. |ip5)-obf»tupescere. «las Stumpfworden der
Zähne (s. Eilige).
Die, f. s. Elle.
Illen, f. 1. = Beule (Schwaben ; Schmeller I, 61),
vielleicht zu Elle*. — 2. = Egel (Igel b).
impfen (7. — 8. Jahrh aus dem lat. putare [ — Baume
beschneiden] entlehnt ; ahd. impitön . Irapfltön —
pfropfen; mhd. Impfen, impfeten = pfropfen, Kluge6,
176; Gr. W. III. 222; ein Propfreis durch Schnittchen
einsetzen; 18. Jahrh. beizen, einpfropfen, Impfen) —
Vaccinatio, Inoculatio, Revaccinatio, durch
Jenner (1798) populär gemachte Pockenschutz-
melhode, wonach Pockenstoff von Kühen auf
Kinder (Menschen) übertragen wird, durch
einigeSchnittchen in die Oberbaut. Jenner. Wund-
am in Borkelou (Gloueestorchirc), fand kalbst schon die
Erfahrung unter dem Landvolk*- vor, das* vorher durch
Kuhporken Angesteckte nachher von Menschcnblattern
nicht mehr befallen wurden. In China null man schon
Im Jahre 10-10 PockenstofT eingeimpft haben (Gerhardt
1,600; Pfeiffer; M. Med. Woch l»y6, S. 442) (s. beizen).
— Poe ken Impfung = die Impfung a) mit dem
Stofi* aus menschlichen Pocken (Variola, siehe
Pockenkaufen); b) mit dem Stoll aus Kuh-
pocken (Vaccina). — Impf- Bläschen , -Blatter,
■Fieber, Narbe, Pocken, Rotlauf, -Schaden,
•Stoff -Syphilis, - Wunde.
Indien. — indische Brechruhr, Cholera,
Krätze, Pest.
Indigestion, f. = akute Dyspepsie, wobei die
Speisen nicht verkocht (s. d.), nicht digeriert
werden nach alter Schullehre.
Indruch (Indruck) s. ruechen.
Infektion (zu lat. infleio - etwa* hineinbringen in
den Knrpvr, anstecken [*. d.jl — quade, hässlirhr
Infektion [tS. Jahrb., ndl i|uaede Infamie, Pr. I, SI9)
-Ansteckung mit Lepra, Syphilis etc. — Infek
tions -Krankheit, -Sucht.
Influenza, f. (von lat, Inflnere ■ eiutiieucu; in
Italien ursprünglich eine Bezeichnung fur alle mög-
lichen, durch Gestirne und äussere Wittern nga-,,Eta-
Ibisse" [- lnfluenUa, 1611 „Elngiessung des (istirns",
Wl Oboet 11] angeblieh verursachten epidemischen Kr-
krtltungükraukhelten, welche die italienischen < hronlkcr
meist mit den Worten anfuhren . fu nna Influenza da
freddo ■ , daran* entstand nach Zevianl [Mcmorle dl
mathem. et dl flMca etc. 1804] der Name für unsere
moderne Influenza, der erst seit der 174»- Epidemie
durch Iluxhum eingeführt wurde und von da ab für
diu späteren Epidemien verblieb), l. = die durch In-
fektion mitdem 1'feill'erVchen Intluenza-Bacillus
veranlasste Krankheit, Influenza des Menschen
I (1743; Heren Synouyuia sind s Febri« tnasteulOM Bippo
, kratis, I.ersch 13 ; »27 Pestis .pia-si et tu.ssl«, Kersch 58 ,
| »77 febri* italica [ ^ italienische* Husten lieber] dolor-
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Influenza.
Inger— irr.
251
<jue oculomm Germanlcntn populum graviter rexarlt ; I
S89 itallc« lehri* tussfendo perplnrlmos rexabat, Dn
fange III. 428; Fieber, linkten u Auge lisch merz [durch
ganz Germanien] ; 11. Jahrb. ziphiz; 1173tn»sis intolera-
bttti et inaudita omne teutonlcnm regnum pervasit.
Schnurrerl, 211 ; 12. Juhrh. pflM*; 14. Jabrta. Kebl-
flusj« [flosze lu der kelcn], ganscr; 1»:»» bcrzel ; 1366
Tanawetzel, Tanabeczl, Tusl ; 1387, 1403 una Influenza,
miraquaedam epidemia, bürzcl, burczel, byrczcl, eoque-
lnche, 15. Jahrb. bippsez; 1401 Purzel od. ßterb, Nürn-
berg; 1414 Bütczel, Tannwaschel, Taunweczschel ; 1401
le Horton (=SWos, s. Blatt und Sonnenscbuss; Horton
— Iiundstag, Sirius und Schlag, tac, Uctu!«, auf den
Kopf] ; coqneluche, 1401 le tac, quaedam pestls univer-
sal! rntarrhl et frigoris et tustis, quod vlx homine*
poterant respirare, Du l ange II, 222; Schuurrer I, 361;
H14 en mar« au dit an cotnmenca u Pari* une maladie
populairc qu'on nommait le tac ou horion qul dura
3 semalues au plus et plus de } 00000 personne* furent
»tu inte» ; mal» nul n'en mourrolt [Briss. 142] — la grippe ;
in der Normandic belMt die Influenza noch horion.
Bris*. 9; entsprechend unserem Blitzkatarrh, der wie
ein Blitzschlag den Menacben berührt oder wie ein
Dämon begreift ['irippe'j; I V Jahrh. Struche [Sträuchen]
= Pestis [Influenza?]. I». II. 290; 1427 I-a Dando , La-
demio. I.er*ch 182; 1482 G reck = Zipf; 16. Jahrh. Kehl-
Aus.* ; 1510 coqueluche, coecoluehe, coccoluccio, quod
qui morlm tenebantur ciiculllone [Monchsgugel] caput
velarent, Schnurrer II, 61; gravedo anhclosa [Pfnüscl,
epidemisches Kopfweb;. I.ersch 20». 1551 pips ; 1557
roquel liehe ; 1560 Piperlein ; 1580 catarrbus febrilis,
febrii catarrhalls. dolor capitis, Schnurrer II, 186;
»panischer Ziep, spanischer Plp, Scbafhusten, Schaf-
krankheit. Schafgift. Hühner Ziep, Hühner-Web. male
del castrone, malo dl castron« l = Scbafhusien], Lorsch
263; Mazouchi, Moutone; Baraqnette. Kolctu-, Allure I
chapeau quarre, I.ersch 261; 16'>8 catnrrhns epidemicus,
the vernal feaver ;morbus vernus] ; 16S7 Fluss; 1699
Schafhnsten '.tnoutone], v. M. II, 128; 1712 a la mode,
• ialantcriekrankheit, Modefieber, 1725 Flussfleher ; 1708
morbus vulgari nomine castronis, I.ersch 334; 172".' Ka-
tarrblleber; 1738 tabardillo; 1712 la grippe, Schnurrer
II, 275. 295; 1744 Flussfleber ; 1762 baraquette. petite
postc, petit Courier, allgemeines Bru«t leiden : 1781
maische Krankheit, die von der chinesischen Grenze
Kiachta' her sich ausbreitete . 1782 russischer Katarrh ;
nordischer Kaiarrh, la Kusse, la piadosa [ = gutartige, j
milde Kraukheit], Schnurrer II, 373. 376, la flippe, Blitz-
Katarrh , Mode Krankheit , 1788 neues Flusafieber,
Knyps ; 1800 Kopfwustigkeit ; 1801 Ziep, 1806 la Gregor-
ienne. weil um diese Zeit Bonnpart den gregorianischen
Kalender wieder eingeführt hatte; 18.10/31 Grippe,
russische Krankheit ; 1831 la cholerine, Kraut, k. 228;
[s. t holerinc] ; 1833 Grippe, HuBtenseurhe , 1S5"> I.nnd-
«hnupten, allgemeines Flu«stieber ; lS8y sibirische»
Fieber, Modekrankheit . BliUkatarrb . Influenza, la
grippe, Blitzlleber, nene Krankheit, Faulenzia, Infal-
lenz. Dusel, la foletto, la coquette. la ltu«*e, la grenade,
la generale, la collete, däu. snue med feber). — 2.= I
Influenza der Pferde, Schelm, FloHskehle, Kahl-
and Kehlsucht (1840; Kalke 1, 183), Krnstsetiche,
Pferdestaupe iMeyer, Conv.-L«. *. III, 5*9). — Tier
Influenza» ein Sammelname, unter welchen ganz
verschiedenartige, mit der Menschen-Inlluenea 1
nicht einmal klinisch ähnliche Tierkrankheiten
fallen (Rubemann 188).
Inger, m. s. Engerling.
Ingetum 8. thuen unter: -than.
Inka — Inka- ämocäcw.
Inkurabel, m. - Lepra oder Krebs-Kranker,
Siecher, Unheilbarer.
inn- (ahd. lnna, Innaro = inwendig; mhd. inne.
innere. Kluge», 182; 1515 inderst). — lxa^en)Ader,
■Bein, -Brust, -Darm, -Geräusch, -Geschlackt, Gc-
irart, -Geiceide, -Haut, Mark, -Ohr, -thum.
innerlich, innerer. — innerlich(c, er, es) Aug-
apfelgcschwar, Faulung, Feuchtung, Gicht, Glieder,
Halsweh, Hirn, Hitie, Knollen, Kräfte, Krank-
lieit, Mund, Muttermund, Ohrwurm, Schlotts,
Schmer, Sträuchen, Sieclitag, Tramin, Wurm.
Innida (ahd.. 7 — 8. Jahrb. ludinta linnlda) = Ein-
geweide; (aus dem roman. Intrange, lat. interane«,
< as». (ilosa. ; Diez 100).
InnUOlu, III. (ahd., 8. Jahrh. hinnuoull, Rab. Maur.
65; Uran' 1, 298; durch Vermitteln!)-- de» Romanischen
aus dem lat. geulculum, Wackernagcl ; Schm. I, 95) —
Viseera, Innader (a, d.).
innwendig (einwendig) » «enden.
Inschlitt ([Unachlitt] , Inschelt, Inschel.
Insel t) (alter ungslit ; ahd , 8. Jahrh. unsllt = sebum,
Kero 88; mhd. unslit, Insllt, insclt = Talg. Kluge 868 j
Inschlitt eine Nebenform r.ntii eigentlichen l'nschlitt,
Gr. W. IV. 2. 2141). - Inschlitt (UnsiMitt )Drü*ai.
Inster. ii Iniestina. interiora, Falke I. 414; ndd.
dat insler kop, hnls, arm de foelt bot an de Kncc d«l
heet he goeaekroe» , Z. 1. d \ 1888. 8. 170) = Ein-
geweide beim Schlachtiere (aus InseW [». satzl
gebildet).
St. Job (— der An»»atz-, Skorbut- und Syphilis-
Patron, ersten-s nach der BIbol, letzteres durch Über-
tragung aus Jener). — St. JaibarKrankhctt, -Sucht,
-Übel.
.locken h. jucken.
St. Johannes (Über St. Johannes s. Kultkalcn-
darinm in d. Zeltschr. d. D 6 A. V. 1898, S. 191. 19-,
216; St. Johann übernahm in den Volksgebräuebeii
öfters Teile des heidnischen Kultin ventars aus der Feier
der Sommersonnenwende). — Hanns-, St. Johannes
(8t Jan- Busse, -Druck, -Feuer, -Krankheit,
-Moer, Mors, -Rauch, -Sucht, - Tanz, Übel.
Ir (ahd. lr, yr, Graft IV, 566; 1521 lr) = das Mittel
der Hand, die innere Handfläche ir = l(un)r,
D. 126 = tenner [s. d.J, D. 642) — Jx-Hände.
Irchsen (Ichsen)= Uechsen.
irden (irdisch) (zu Knie |». d ] zur Krde gehörig,
Im Gegensatz zum tlelsl [Seele, = meUncholleus. siehe
Melancholie, Maschenb. 402, Bcsolt). — irdene(s)
{irdische) -Blut, -Suchtuni}.
Irmel, m. h. Arm.
irr, irren, Irre, m —errate (ersare), (vorgerm.
ers; goth. alrzels — delirarc [ = aus dem Gelelse, lira,
kommen]; ahd. lrrl w erzürnt durch Abirrung des
Geistes, irrön; mhd. Irre närrisch], irren, Kluge4.
177 = Irre geben, irre sein) = geistig gestört, wahn-
sinnig (Gr. w. iv, 2. yyi). — Irrling - das mit
der Drehkrankheit behaftete Schaf, das sich
von der Herde verirrt (Zipp. 624). — gag- {j(ij-)
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irrtichen — Juck.
Jud— Jungfer.
irrig — irrig, verlegen, wie aufgescheucht (8ctam.
I, 1303). — (1532) Mutter-Irrung (-Irrigkeit) = das
Verlassen (Abirren) der normalen Gebärmutter-
stelle ( = Irrgang, s. d.) (Fries 128; Ortolph), Sulfo-
catio matris. — Fcrirrte, n. = Irrsein u. hyster-
ische Konvulsion als eine angehexte Krank-
heit (Tirol, z. f. ö. v.-K. im, s. 150). — Irr-Gang,
-laufen.
irrüchen'-s. ruechen.
Ischias, f. Ischiatik, (Schiatik) = Passio
ischiadica, Ischiast(Hippokratis - Hüftweh),
Arthritis coxae (A. v. ü. I, 835; Kossm. 17). — (1754)
Schiatik = Hüftweh (A. v. H. II, 879; Buck 65;
lschlatlk. A. v. 11. I, Ö70) ; etatique ( = ciutica passjo,
s. guttu oder ciaita, dolor ischiaticus , Du fange II,
323); Ischias = '*"/.'•* ^tt laX*1 T0''> Ulb-rjiixo')'.
(Roseubaum 216) bedeutete : 1. = die Muskelinasse am
unteren und kuneren TeUe de? os illum. — 2. = das
Kauze Oesass. — 3. — die Weleukpfunne des Ober-
schenkels; Izyiw.v.iz — der an Ischias 1 — 3 Leidende.
Italien. - italienische Drüsen.
itern (itrichen, iterachen, iteruchen, itru-
cken, lydrigenj) s. ruechen.
Juch. — Juch-Krampf.
Juck, m. (jucken, jucken) (keii. irisch gicgii, z.
t. d. A. 188S. 8. 287 ; germ. jukk ; goth. jukkjan ; angls.
g} Scan, gyccil, 1). 469 ; gyeda — pruritus, Scabies, Kluge*,
179; [s. Gicht IL Glget]; engl, itrh — Rande, l.ehf. 87;
ahd. jucchnn, jnechido, n., m., Kluge4, 159 - Kratze,
prurlgo, Impetigo, «.raft I, 592. 593; H. Z. XV, 528. 619;
Gr, W. IV, 2. 2347; 11. .lahrh. jukedo = petlgo, prorigo,
uredo, H. Z. III, 368; H Z. XVI, 48. 321 ; juchede, juch-
edo petigo, prurlgo, H, /. in Pragei Mandschr. ;
Gr. H. M. II, 1112, Juehido = petigo, prurlgo, Scabies,
uredo cutis, H. Z. XV, 346. 346. 318. 353. 828; 14.-15.
.lahrh., mnd. jocken, de jockc, J. f. nd. 8pf. XV, 131;
1 12U gucken prurlgo [wlcGauchc m Juucbcj — jucken,
1). 169; llv.' juck, jucket — eine .Sucht zwischen Kell
[Haut] u. Fleisch, Zcnlng. Voc. rT6; D. 303. 3*1; Krätze,
Zen. Voe. r3; jucken ■ frleare. Zen. Voc. p. 7 ; tnhd.
jucken; 148»;, 1507, 1529 jucken ^ tltillare, palpiuire,
Hort. san. ; Brun!. ; D. II, 277 ; mnd. joeken ; ndl. jeukeu ;
und. jaecken, Kluge 1. c ; Goldschm. 88; Do Cock 40;
1V77 jeuktc ; 1839 Jucken, n. — prurlgo, Juckbluttcrchcn
[s.d.], Bohrend 51) Hautreiz, Kitzel empünden,
diellaut mit (geigenden ?) Fingern kratzen bei
den verschiedensten Hautkrankheiten' (scalpu-
rigo, n. 516). — Juck.m. f. -die Kratze, Kratzlein,
kleiner Grint (Gr. \V. V, 2073; Schindler I, 1201). —
(1482) Juckiger = hcabidns,( irinti^er (Zcn.Voc. p7).
— Juckung (1182) - Handlung des Juckens,
z. Ii. bei Grint, Baude, scharfer Grint (Zen.
Voc. p 7). — (1714) ^IrscÄ- (Aft er ) Jucken - Pru-
ritus ani (Zw. l .7), das juckende Gefühl im After
infolge von Erylhema, Intertrigo. — au/-jucken
— frieare cutetn, die Haut aufreiben durch den
Juckreiz (Gr. W. I, 673). — (1529) .dti^tn- Jucken
= fratte, juckende, offene Haut um die Augen
herum (Ekzema) fColcr, H. A. 113; llruntels). —
Haut Jucken = Prurigo, Pruritus der Juckreiz
auf der Haut (Gr. w. IV, 2. 712). — /w7/-jaecken -
leicht schmerzend jucken (s. kellen) (Goldacbm. 88).
— Wangen Jucken den Aberglauben dabei, ■.Gr. D.
M. II, 1071). — ZdA'tc-Jucken = Udaeismus, das
Beissen und Reiben der zahnenden Kinder am
Zahnfleische (A. v. H. II, 1157, Gr. W. IV, 2. 23is).
— Juck - Ausschlag, -Blätterchen, -Bläschen,
•Blatter, -Finger, -Geschwür, -Ilge, -Knötchen.
Jud, m. Judas, Juden, pl. — Jud, 1. = die
jüdischen Ärzte standen im Mittelalter Im Verdachte
der Zauberei (s. Judenblick), ihre eigentümliche Haar-
11. Bartfrisur in manchen Gegenden gab Veranlassung
zu einigen Vergleichen ; daher Jud — Ü8 petrosum,
Felsenbein amSehtldel, das un verbrenn bare,
steinige Bein, das ganz einem Kopfe mit spitzem
Barte ähnelt (Qef. Mittig. des U. M.-Kat Dr. Huber iu
Memmingen) (s. Judenknochen). — 2. -das Volk
der Juden war ausserdem grenzenlos verachtet ;
daher man auch den sonst Podex, Arsch-,
Schand-, oder Mittelfinger benannten Finger
Jud nannte (1482), wobei das christliche Volk
die Legende erfand (n. 613) , dass die Juden an
jedem Christi Kreuzigungstage durch den After
Blut verlören, das sie dann mit diesem Schand -
finger wegwischten. — jQ^en[-^ic*» -Baar
-Fleisch, -Knöchlein, -Laus,-Nase, Zopf.
Jüttel (Jütel, Jtidel) s. Gutta) (= Gate),
Gütchen).
Jüttland. — jüttländische Krankheit.
Jugend, (jugendlich); sie hat ihr Jugend-
liches verloren — Amenorrhoea ehlorotica (Pauli
SS). — Jugend = Kind (Neugeborenes) (Tirol ;
Z. d. V f v.-K. UM. oOsj. — Jugend- Krankheiten,
Sünde.
julfern (onomatopoiet.) heulend weinen
(From. VI, 214).
jung (Junker) {indogerm. yu = jung «ein ; yuwren
[juvenis]; vorgerm. yuwenko-s [jnveneus] ; gem. -germ.
jung»; abd. jung. mhd. junr, Kluge*, 179) - tinbe-
jahrt. — Junge, m. (Junger) (ahd. juiigir-I'ul>es,
Uraff I, 602), Penis (Gr. W. IV, 2. 2377). — (1618)
Jung, n. — Kingeweide bei Hausvögeln («las
Entenjung, Gänseklein, Gftnuekrös), der kleine
gleichsam unentwickelte, jun^e, unansehnliche
Abfall (die jung gans - acrocollo anseri», Srhmeller
i, 924), übertraKen auf das Geflügel vom fleisch-
ilrmeren Jungvieh = das am kleineren Tiere
allein Verwertbare (s. klein). — Junker Tun-
kerle i -~ roter Junker [OdL roodjonk, De Cock 230),
1. - Kothhund (s. d.) als juckender Hautauschlag.
— 2. = rote Hautblilschen, die um die Pubertäts-
zeit auf der StirneeiHcheinen,(Vemi8blümchen),
Corona vencris, Akne (C. v. Schm. 302). — St. Ur-
bans- Jünger einer, der an St. Urbansplage mit
Anteil nimmt, daran leidet (From. IV, 7; bei
Fischart) (s. Bruder). — Jung{c, er), jüngster
Ftnger, Franzosen, Fmuenbauch, Binar, Seufzer,
Strupfen.
Jungfer, f. mhd. Juucvrouwe es Edclfraulcln, junge
Frau. Der Stund der Juugirauschaft war bei den Ger-
manen in hohen Khren). — S'uu-Jungfer = das
erste und zweite Wirbelbein an der Stichstelle
im Genicke unterm „Hoch-Huck" der Schweine
(BlrUnger, Volkst. 1, 122. [179 ] MO. [584]; das vermutlich
den als Zauberer verschrieeneu Juden zu nbcrglaublgcn
Zu ecken dienen sollte, w egen seiner Form, die man so
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Jungfer— Käfer.
Juppiter— Käule.
258
ansah, als «iUse eine kleine Figur, Jungfer in einem
Bade-Zuber oder Melzgerkufe; es ist cler sogen. Juden-
knochen [s.d.], Auterstehungaknochelchcn, Luss [siehe
l.ui], Suuludi, Koenig etc. (s. d.], das beste am Span-
ferkel still das sogen. ..Krauzl" sein [IlalHWlrbelMellc;;
der es erhalt, Ist die „Jüdin", Hirling.r 1. e. ; s. Z. d.
v. f v k isyö.s. ioi). - Jungfert>0-/lrftT> -Bort,
-Ding, -Fell, -Häutchen, Kathl, -Kitzel, -Krank-
heit, -Krone, -Milch, -Schitz, -Schloss, -Schtoer-
mut, -Sucht.
Juppiter. — Juppiter-Sh>tiP.
juschen tu»-', »• n. 3to) ^ besehen, hitschen,
singultare.
Kaat, n. (Koat, Kaht, Kat), 1. Kot, Quat
(8. d.). — 2. = Eiter ((ir. W. V. 1892. 1896). — 3.
(tnnd. ghaet, Mag. Barth. 97a) Krebsgeschwür, das
eitert und fault. — (1749) auat&tern = die Haut
von Kot, Schmutz befreien (Zeitscbr. f. d. PhttoL
xxvi, 237). — 3fu«-Kat, 1. = Kinderkot bei
Mehlbrei- (Mus-) Ernährung (Mltt. z. n. v.-Kd.
1S96, 3). — 2. = Muskat - MaUBkot (Dicfenb. 373).
— Kz$X-Blattern.
Kachel, f. kachen {zu koehen und Kuchen ; ahd.
kachala, mbd. kachele, Kluge* ISO = Kochgeschirr).
— kacheln = (in das Geschirr) urinieren (siehe
ausserdem Kuchen, Topf, Hafen). — //fkacht
(ir.. Jahrb.. D. 129 = coctua).
kachezen (kächezen, kakatzen, kächzen,
kecksen) (rabd. chachazen — cachlnare, Hyrtl, K. W. 7)
— husten, trocken husten ohne Auswurf (Delling;
Z. f. Ü. V.-K. 1896, II, 73; fJr. \V. V, 438. -139) wie ein
Schwindsüchtiger, d. b. den Naturlaut kaka
(s. d.) ausstossen, keuchen. - die Kächse (Kekse)
Schwind8ucht8-Husten.
Kacke, f. (kacken, Kaktus) = menschlicher
Kot (s. gaggen). — kacken (= aus der latein.
Studentensprache; 1">21 kacken, D. SC = cacare. ex-
onerare alvum, Heyne III, 26«; Kluge 180; engl, tocack)
(dazu Kaktus; s. auch Gack und Quack). —
Kackele = Ei, das per anuru gelegt wurde
(Krotnm. VI, 181).
Kader s. Köder u. Kater,
käch s. keck.
kächezen (Kächse) s. kachezen.
Käfer, m. (= da« mit den ,, Klefern" nagende
geflügelte Insekt oder Schädling, vom Volke wie die
Haupen. Grillen. Egel, Würmer etc. [*. d.] als Alpgcstult
aufgetaut) = Magenwurm (s. d.) beim Pferde
(v. M. i, 61). — einen Käfer im Kopfe haben =
Gehirnreizung (Delirium) = spinnen (s. d.) etc.
(vcrgl. Alp VI, S. 12) (Duck 13. i:>). Alles kriechende
Gewürm, vor dem unsere Vorfahren (und z. Teil heute
noch das Volk, einen grossen Abscheu hegten, war als
die Gestalt einer bösen Macht, eines alpl»chen Geistes,
Kraukheludamons, angesehen, unter der sich dieser
In des Menschen oder Haustieres Leib begeben, dessen
Organe er zu ganz ungewöhnlichen Äusserungen ?er-
anlaasen konnte ; der Käfer ist hierbei als ein geflügeltes
Wesen nnd Wurm (*. Vogel, Sekt, fliegen) gedacht. —
GäWc/i-Käfer b. Knolster u. Magen wurm; ein
elbischer Dämon in Mistkäfer-, Maden-Gestalt
beim Vieh (D. st:. — Käfer- Wurm.
Kahle, f. s. Kehle.
käken (köcken, göggen [Schweiz]), 1. - unter
dem Naturlaut käk rülpsen (kachezen), würgen,
erbrechen, Übel sein zum Erbrechen (Gr. w. V,
13«7). — 2. = seine Stimme verändern, wie z. B.
nach dem Käken (1) od. Würgen (garrire) (Gr. w.
V, 49). — käkig = kränklich aussehend als wie
nach dem Käken (1), ohne Farbe, gelblicht
(Gr. W. V, 49; Thüringen). — K&ck-HUlcn.
källen s. kellen
Kälte s. kalt.
Kämmerlein s. Kammer.
Kämpfer. — Kämpfer- Wunde.
Kanslcin (Känzli) (zu kens, Uns = Verdickung
[clavus]). — Känslein, Känzli (Würzburg) — Haut-
schrunden innerhalb der Hautverdicknngen
(Schwielen) der Hohlhand (Fingerlohn), von
harter Arbeit (Schnuller I, 12C7) (s. Ken).
Käppel, n. s. Kappe.
Karben = kirben (s. d.), röcheln (Gr. w. V, 790).
Käse, m. (Kas) (vor dem 5. Jahrh. zu den Ger-
manen als castus [rulgarlat.] gedrungen, Kluge*, 187).
— 1 m (1508 kose — gramiae; lft&O kaese) Gramiae
= Augenkäse, Augenbutter, Schlaf etc., das
Sekret der Meibomsehen Drüsen des Auge»
(Gr. W. V, 250). — 2. = 1687 kaes = da« Haar, s. d.)
die zu haarförmigen Fäden geronnene Mutter-
milch (Gr. w. IV, 2. 12). — käsen (keesen) = das
Aufstossen einer geringen Menge von Magen-
Inhalt, käsig geronnener Milch, kurz nach dem
Trinken der Milch bei Säuglingen (Goldschm. löfi;
Kohler II, 132). — käsig (kasi) = käsebleich (b. d.)
(Schmeller I, 1300); s. auch kask. — (1741) Augen-
Käse *s Augenbutter (s. d.), Gramiae, Katha-
reinlein (s. d.) ((ir. w. i, 805 ; l>. 269). — Ferkäs-
ung = Tyrosis, die mehr weniger vollstäudige
Umwandlung eines sog. Tuberkels (= lympha-
tiBche Granulationsgeschwulst) in einen küse-
ähnlichen, trockenen, gelbweissen Herd, durch
dessen Erweichung das tuberkulöse Geschwür
entsteht (Samuel 248; Kossm. 40). — K&S- Fuss,
•Magen, -Masse, -Rinne, - Wasser.
Kästen s. Kastanien,
kätzgen s. katzgen.
Katzlem 8. Katze.
Kau (käuen) s. kauen.
Käule B. Keule.
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254 käupeln-Kakh-käkh.
Kaktus— Kalb.
kaupeln (keupeln). — umkäupeln i =-ai»»rtire,
Hr. D. M. II, Uli = umkippen, umfallen wie eine
Kaupe [a. Kluge sub kaufen] oder Kaufwarc, Gr. W.
v. :!6l) = verwerfen (h. d.) durch Abortus.
käusen (Soll weil; zu kauen, s. d.) — den Ton
erzeugen, wenn jemand den sähen Speichel erBt
im Munde sammeln iuubs (wie zum Kauen),
ehe er ihn auswerfen kann (Gr. w. V. au).
käustern s. keistern.
kahl, Kahle, f. (= ealvus, von «lern es {nach
Kluge*. 16. 181] wegen de* Verkaufes von germanisch
blondem Haare in Korn entlehnt ist; gerin kalwa-,
ahd. chalo = Kahlkopf, Gr. W. V, 27; chalawa = cal-
vieles (ealvaria ■ Schädel, fleischloser, kahler Knochen ] ,
12. Jahrb. ehalwe; mhd. kal, kalwe; 14. Jahrh. kclwin
= Calvities, Gr. W. IV. 30; 1420 kal, kael = ealvus,
ü. 92; 1512 kal - depills, D. 174; 1591 kaal - ealvus,
Ifad. Jim. 391; ndl. kael hey t, Ue Lock 288; engl, callow).
kahl — von Bedeckendem entblösst. — Kahl-
heit (15. Jahrh. kalekelt = c*lvtüci; 1501 kaelheit =
calvaria, D. 91) = die kahle Stelle besonders am
Vorhaupte. — die alte Kahle (ehalwe, Pfeiffer 42)
- die Kahlheit d. alten heute. — ur-kahl (urcaler,
Schmeller I, 1232) = ganz und gar kahl. — tor-
kahl (vorkal, acalviis, Schmeller 1. «od.; D. 6; 1521
voer caell, vornen cal) = au der Stirne vorne kahl
(". Glatze); (das Kablwerdeu wurde vom Volke als
die Folge elbischer Datnonenthtttlgkclt aufgefasst (siehe
Htmrwurm), Alpenbg. 207). — kahl i , er, < a (Kahl-)
Gebein, -Giebel, -Grint, -Kopf, -Statt, -Stirne.
Kahm(en), m. Kahn(en), m. Käm, Keim,
Gam, Kon, Kum, Kuhn (< ■in wahrscheinlich g*m.-
germ. Wort = Hülle, Kruste, Heyne III, 270; mhd. kam
[kän); 1482 kon - cauma, D. 108; Kluge', 181; mit
sehr wechselnden Formen) - Schimmelpilz (Weltipllz,
i.itruugspiljt [Gur, *. d.}, Schw. 322; mueor, coagulum,
ur. \v. v, 32 (cauma]) = Lampe Hippok., Oidium
albicans (Soor, Heb, Schwämnichen , Gur,
Foss etc.), der Mnndhöhlenpilz, der mit dorn
auf Wein gedeihenden Garungspilz verglichen
wird (Schmeller I, 911. 1253; Pfalz). — Kulm (1482
kon - Mehlthau, Kutzuudung [seil, der Mundhöhle],
Zening. V'oc. r 3; Bayern Kün; Pfalz Kuhnen. Pauli
125) = Soorpilz. ..Mit der Entdeckung des Soorpilze*
K Su.ir, 1S40) l»t in Erfüllung gegangen, was das Volk
M-it Jahrbuiiderteii In den treffenden Bezeichnungen
.Schi» Arnim heu, Kahn, Kuhn vorausgeahnt hatte" (Hohn
in i.erbardt III, 82; IV, 2); (8. auch quinen).
Kaib, m. s. Keib.
Kaiser. — Kaiser- Geburt.
Kakerlak, m. (nach einem Volke (bakerla* auf
der Insel Java, das welssgelbe Hautfarbe und licht-
scheue Augen haben soll [Falke II, ;!], benannt), 1. --
Leukaethiops, Leukopathia, Dondos, Blafardt
(Hyrtl, Anat. 527), weisser Neger, Albino (bei
Mensch und Tier), weissüchtig (1802; Auknrleth
§ 991). — 2. = mit Unrecht (Kraus, E. 703) auch
Kretin (s. d.).
Käkh-kakh = der Naturlaut des Kindes beim
Husten und Schreien aus vollem Halse («anajrrlt
kakulaka - der Kehlkopf, Gr. W. IV, 2. 570). Die ver-
schiedensten Formen entwickelten »ich aus diesem
uralten Worutamme, (vergl. keuchen).
KaktUS s. Kacke.
Kalawatsch, 1 -Dalle- Watsch. — 2.= (nach
Schmeller I, ISN ; II, 105*) eine (mhangtasche , damit
ist verglichen d er Mums-(Parotitis und Parolis-)
Sack (s. Watsche).
Kalb, n. Kalbe, f. (germ. glbb, Kluge *, 181 ff. ;
i;oth. kalbo, ahd. cbalb; mhd. kalp; engl, calf — Junges
vom Rind, vitulU ; Kalb, t. = zeugungsfähiges weib-
liches Kind; das Kalbfell [Bültliug] wurde als „Bottich"
für verschiedenen Inball (Wasser, E*.«1r, gehacktes
Fleisch etc'; benützt ; der prall gefüllte Hautsack [Balg),
an dem die abgeschnürte Haut der 4 Extremitäten in
Stummelform abstand , diente zu verschiedenen Ver-
gleichen mit menschlichen Tollen und Gebilden), 1. =
bottichartig entstelltes, verkrüppeltes Kind
(Mondkalb, Wasserkalb, Aberkalb); auch =
Dummkopf. — 2. = balgartig, weiche Fleisch-
pulpa (1517 kalb— pulpa, Gr. W. V, 53; 1777 kalf van
bet hont, muys — pulpa, 1). 472. 512; engl, calf —
Wade [Brat]), die dem Inhalte des Wurstbalges
I (Sarcina) ähnelt. — kälbern, 1. = sich mit
hasslichem Laute, wie ein blockendes Kalb
erbrechen (s. Ulrich) Schräder 90). — 2. = ein
Kalb werfen. — Aber- (<4/Ycr-)Kalb = ein un-
echtes Kind (Gr. D. M. II, im), das man nicht
als daa seinige anerkannte, weil es als „Alper-
kalb" (e. d.) entstellt, entartet war (Molen-
Schwangerschaft, Hydrocephalus , Totgeburt,
fötale Rhachitis) und das mit dem Kalbsbalge
(Waaserbalge, Wasserkalb) verglichen wurde.
— 4iner-Kalb = die andere Gestalt des Alp X,
(S. 12), die entstellte menschliche Frucht; (iu Bc
sehwürungsformeln [s.Z. d. V. f. V. K. 1WKS, S. 213] heisat
es: „Alp, Alp, du bist geboren wie ein Kalb"), das
.Afterkalb ist diese Gestalt bezw. Produkt des
AlpilämonB, der die Menschen minnet (s. d.)
and so dieses Unwesen erzeugt, daher auch Fex
= Kretin (vaccas fetas — ahd. chuai mit chalbirum,
Graft; l». 232); Fex (s. d.) - Alpkalb, die Frucht
des AlpdUmons. — böse Kälber = die sich schwer
ablösenden Mutterkuchenteile (Cotyledones,
Multerdrüsen) bei dem Klauenvieh, die dann
leicht brandig (böse) werden (Falke I, 144). —
iyrb-Kalb = die bei der Umstülpung des ent-
bundenen und vorgefallenenTragsackesder Kuh
sichtbare, frucht- (Kalb) ähnliche Geschwulst,
die mit blumenkohlartigcn , gestielten, leicht-
blutenden Warzen (Rosen = Decidua serotina)
wie mit Blutegeln besetzt ist (Frank 31) (s. Igel).
— (10. Jahrh.) Mahl-Kalb (bei Luther; Zeltschr. f d.
j Philo! XXVI, 55) = Mondkalb oder Wechselbalg
(s. d.) (udd. mall, mal = thörlcht, närrisch, also) ein
verstand- und geistloses Wesen in Kalbs -Bült-
ling-Gestalt. Möglich wäre auch: Molkalb =
Molen-Kalb (s. Mole), da begrifflich identisch.
— Monat-Kalb = Mondkalb (Kraus, K. C30). —
ÄfOM-^ 'Kalb (engl, aooncalf) — eine entstellte
Frucht (Molensehwangerschaft , Wasserkalb,
i Muttergewäehs), zuerst als das blosse Produkt
„verhaltener Monatszeit" (nicht als na-
i türliche, menschliche o. tierische Frucht durch
Kmpfängnis von einem Manne) erklärt; das-
selbe sollte in der Gebärmutter wachsen und
nach alter, uxtiologiseh-glilubiger Anschauung
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Kalk
Kaleh.
255
{1680} „unterm widrigen EinfluBBe deB j
Mondes" zu einer Missgeburt in Gestalt eines
unförmlichen Kleisehklumpens entarten, der
Wasserball? , Wechselbalg (s. d.), Wasserbutt
etc. genannt wurde; noch spater, als man die
Erfahrung gemacht hatte, dass doch ein be-
fruchtender Beischlaf vorangegangen war bei
solchen Missgeburten, suchte die Volksetymo-
logie deren Entstehung zu erklaren (172C ,,\vcil
du Weil» solche Frucht während des Monatsflusses
i Mondzelt] cotizlplcrt hat", ,,o* ist ein Stuck Fleisch,
so kein vollkommenes Leb« 11 hut 11. weder Rein nnch
Inngeweide hat und demnach sich sn 2 — 3 Jahren in
der Rarmutter enthalten kann", TheR. san. Br. 2*8);
jede nicht lebende, entstellte Fötus- und dege-
nerierte l'lacenta- Bildung (Traubenmule) (Vogel
V, i«*.i) wurde tum Mondkalbe, d. h. zum wasser-
balgähnhchcn, mit dem Mondeinflusse in Ätio-
logischen Zusammenhang gebrachten Wechsel-
balge (l>el Luther; Gr. W. VI, 2So8). Aberkalbe od.
Wasserbalg oder Büttling, der aber auch beim
Rinde vorkommt (s. Wasserkalb) u. vom Land-
manne den Folgen eines Versehens am Frosche
oder an einer Bulldogge oder einer geschlecht-
lichen Vermischung des Menschen mit einer
Kuh zugeschrieben wird, so dass er sphinxaitig !
halb Mensch halb Tier ist (da er bei beiden I
eben vorkommt); je eher, je lieber muss dann eine
solche Kuh mit Haut u. Haar verscharrt werden (Krank !
3*7; Coler. R. 397). So gross war die Furcht des Land- j
manne« vor diesem Mondkulbe oder (1777) Monkalb,
<Ia«s er dieses, sobald e« von der Kuh geworfen war, an
der Nabelsehnur mit einem „seidenen" Kaden von der
Mutter abband, diese rnterhiudungsatelle mit heiasem
\Va*M r oder Milch reinigte und den Nabelschnur- Rest
wieder in den GeburtsAchlauch zunirkbrachte, damit
die Kuh davon vollständig getrennt sei ; eine solche
.Visageburt „voller Knoten" ( = Poschen) durfte die Kuh
nicht einmal sehen, sonst geht die Kuh darauf. (Bewahrte
Arzneimittel für das Rindvieh; Frankf. u. Lelpz., 8.20;
1777. Ueilbrunn); der Name dieser fötalen Miss-
bildung bei der Kuh wurde auf alle mensch-
lichen Missgeburten (incl. Abortus) übertragen
und so wurde Mondkalb, 1. = Mola uterina, Caro
in utero nascens (1548, ,,der Weiber Mole od. Mond-
kalb", Ruland; A. v. H. I, 101»; Gr. D. M. II, Uli),
auch Uebärmutter-üewächs; (1G87 Mondkalb, „in-
dem die Natur ihr« Wirke durcheinander In eine Un-
ordnung werfend verwirret, so wird aus dem Samen
und diesem Geblüt ein rechter ungeschnffener Klumpen,
das wir Mondkalb nennen und das «Ich gewoniglich
anderswo nicht erzeuget als nur in der Frauen Ihrer
llnrtnuttcr uud sich nimmer mehr od. doch gar selten
In allen anderen Tieren In der Barmutter, well diese
keine Monatzeit haben, linden UUat", Moriceau, How
Bartels I, 576; 1687 Mondkalb = „ein Klcixehklumpen
ohne Beine, ohne Gelenke und t'uterschled der Glied-
maasen ; der hat keine Gestalt noch ordentliche uud
ausgemachte Bilduuss und wird wider die Natur in der
n&nnulter, nach dem Belschlafe von des Mannes und
Weibes verdorbenen Samen gezeuget", I.e.); diu Tier-
medizin unterscheidet auch a) Fleisch-Mond-
kalb = Mola carnosa; b) Blasen-Mondkalb —
Mola hydatidoea (= Trnubenmole, Hlasenmole)
(Lolcr, R. 397; Falke 1, 28«; 18. Jahrh.; Gr. W. VI, 2504.
2^os). Mondkalb ist auch = Uternsftbroid, Cyst-
ovaritim, ,.cin fleischicht und sehwammicht Gewächs
in der Mutter, ein Stück aderig Fleisch ohne Rein und
ohne Leben" (Bttuml. 513), (vergl. Kugel). — 2. =
der Fötus in den ersten Schwangerschafts-
Monaten (Gr w. VI, LMsr.). — 3. = Abortus-Mole
(Zw. »06; Selm. 1.18; Plattier II, i7y. 48fl) — Mond-
kälber, die aus Überresten der Placenta oder
Abortusmole entstehen sollten (s. ausserdem
Mond). - Muf {cr-Kalb = das in der Gebär-
mutter wachsende Wasser- oder Mond -Kall»
(Wechselbalg, Wasserbalg etc.) (Zw. 906) (Uterus-
übroid). — (1645) Nieren - Kalb („wenn .10 uud
mehrer Kalber auf einmal geboren werden ; jedes ein
Finger lang, Coler, R. 3i>7) = Chorion-Myxom, ein
Konglomerat von traubenähnlichen Wasser-
bälgen (degenerierten Chorionzotten), das das
Volk den männlichen Hoden (Nieren) vielleicht
genetisch zuschrieb od. den überflüssig Wasser
(Harn) bereitenden Nieron. — Spr, /,-Kalb =
Wasserkalb, dessen Zellgewebe speckig, fettig
infiltriert ist (Schweiz; Falke II, 328 j Hpp.). — Ver-
kalben - ganz fehlerhaft ein Kalb gebären,
verwerfen, namentlich epizootischer Abortus
(s. käupen) (Falke Ii, 405). — Wasser-Kalb (ahd.
uuazarchalp — hyilrops, GrBfl IV, 391; 13. Jahrh. wasir-
kalp - seto, D. 631, 1260 wazerchalp - eine im Leibe
wachsende, den Bauch blähende Geschwulst, Pfeiffer
26. 16 ; mhd. wazzerkalp, Lcxer 370; wem der panch
/.eplat [s. blühen] ist, dem das Wasserkall» wachst; wem
der panch vast geplaet ist oder wem das wasserchalb
wachsen wil, Schweiler I, 1238; 1429 wasserkalb = Tolea
[ = ?J. I). II, 366), 1. = die Molenschwangerschaft
und das fötalrhachitisch geborene (kretinöse)
Km 1 oder haarlos geborene, gleich entartete
Kalb, das man mit dem Waaser- Büttling aus
Kalbsbalg verglich (Abbildung s. Ranke II, 349,
Frank 387; Zeitschr. d. V. f. V.-K. 1896. S. 56; vergl.
Oxhoft = Ochsenhaupt als FlüssigkelUbalg} ; (1687) aber
auch das unreife Kind (= Schürften od. Schüb-
ling, s. Schorf) (Georg 410). — 2. = vermutlich
auch wegen der Laien leicht möglichen Ver-
wechslung der Schwangerschaft mit Hydrops
ascites et ovarii auch = Bauch- und Eierstocks-
Wassersucht (- Hydropißis gravida, b. Infantia)
(Du fange iv. 352), die man sich beim Ausbleiben
der (iebutt und Fortbestehen des Ascites oder
Hydroovarium als pathologisches Produkt einer
stagnierenden Masse vorstellte (Lammert 2t<i;
Schm. I, 1238;. — Das menschliche wie tierische
Wasser -Kalb ist eine Haut Wassersucht mit
Höhlenwassersucht, meist auch mit kongeni-
taler Rhacbitis (Kretinismus?); die kleinen
Füsse stecken tief in wässerig gedunsenen,
speckigen , faltig aufgebauschten Hautge-
sehwülsten, die bei der Haarlosigkeit des
Kalbes ganz das Aussehen eines wasserge-
fü Ilten LederschlaucheB haben; beim mensch-
lichen Wasserkalbe (Kretin) ist „eine erwach-
sene Haut über einem verkümmerten Skelette"
(Virchow) es, welche die ganze Abscheulichkeit
dieser Monstrosität hervorbringt (s. Ranke, d. M.
II, 349; Frank 387) (b. Mondkalb) — Kalbe-,
Kalbs-, Kälber-Ju^«*, -Drüse, -Euter, -Fieber,
-Lähme, -Mayen, -Milch, -Mumie, -närrisch,
-Nüst, -Ruhr, -Sack, - Sucht, -Zahn.
Kalch, m. s. Kalk
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256 Kaldauncn— kalt.
kult.
Kaidaunen, f., pl. (mti.-iat. eaiduna, Du Gange
II, 28; keltisch coluddyn — Darm; spat-rahd. caldüne,
koldun, Heyne III, 273 ; calduuln, ealdunc, Du (ange
VIII, 443; Ableitung des Grundwortes caldüineu von
Int. calidiiK, caldu«, Kluge*, 182; 15. Jahrh. kaldune,
kolditne , ealdunc — scrutlnutn oraasius [omentuiu]
Purpura [purlupn, Kuttelfleck], praecordia, D. 396. 396.
474. 52l)-stripin, Stirpe, D. IM), l. = das dampfende
Eingeweide frisch geschlachteter Tiere. — 2.=
aber auch Eingeweide der Menschen (Heyne m.
27;t; Kleinpaul. d. Mittelalter 190; liest keltisch. Kultur
In Deutschland :). — 3. - dann Gedärme, Kuttel-
fleck (h. d.) (nach Gr. W. V, Gl ; nur md. u. ndd. Wort).
Kalender, m. (15. Jahrh. kalender aus tat. calen-
darium = Zeitbuch, TageweUer; eugl. calenture; nach
A. v. H. I, 263): 1. = „eine besonders fremde
Krankheit (Seetieber, Matrosenfieber?), womit
besonders diejenigen ergriffen werden, die nach
Westindien schiffen, wenn sie nahe gegen den
Sonnenwendzirkel (Tropico) kommen ; sie äus-
sert sich durch verdorbene Einbildungskraft,
Schwäche, ungleichen und langsamen Puls ohne
Fieber, ohne Hitze". — 2. = der 3. psalter-
förmige, wie ein Kalenderbuch (Büchlein) in
Blätterreiben gelegte Wiederkäuermagen (Gr. W.
vi, 1196). — Das Alter hat den Kalender am
Leib — verspürt die Jahreszeit. — Sie hat den
Kalender verloren (Siebenbürg, Sachsen) = sie
ist schwanger, weil sie nicht mehr nach dem
„Monatlichen" zu rechnen hat (Ploss -Bartels I,
•so). — Sie hat rot im Kalender = sie ist monat-
lich so regelmässig menstruiert (Gr. w. VIII, 1289),
wie die rotgedruckten Tage im Kalender regel-
mässig sind (s. Kurdinal).
Kalk, m. — KaXk-Bevie, -Materie, -Niere.
Kalke, f. (altnord. kJAUd; 15. Jahrh. kalke, D. II,
353) = Su bmentum (s. Kelch).
Italien (bis zum i:>. od. 17. Jahrb.; nhd. cballon;
nihd. kallen) = laut reden, schreien, garrire (Gr. W.
v, C9); (vergl. Gall). — (17. Jahrh. j tVnkallen, n.
— mit einer Stimme reden, die nicht mehr hallt,
verfallene Sprache (F. Kr. H. 439). Dazu (kälUen-j
kelzen (s. d.).
kalt, Kalt, n. Kälte, f. (gerin. Wurzel kal- =
kühl, gelarc; goth. kulds ; nhd. knlt, clinlti, f.; mhd.
kalt, kelte, Kluge *, 1S2, eigentlich = gefroren, Wurme
entbehrend; engl. cold). — kalt, 1. - der Gegen-
satz zur natürlichen normalen Körperwärme,
Lehenswärme, Erkaltung, Erkältung, die Todes-
kälte, die kalte Natur (s. d.) oder kalte Kom-
ploxion, die den vier Elementen (s. d.), speziell
dem kalten Waeser entsprechend, im Gegen-
satze stand nach den früheren physiologischen
Anschauungen zu der heissen Natur (s. kalte
Krankheiten, Flüsse, Gebrechen, Schäden etc.).
— 2. = dio abnormalen körperlichen Wärme-
und Kältegrade, Frostompfindungen bei Fieber,
Schmerz, Alter etc.); kalt = afebril, iieber-
hitzelos, schmerzlos. — 3. = Kolt = Kolk (s. d.)
(D. 131, Falke II). — 4. = kolt au* lat. calida entstellt.
— Kälte, f. 1. = das Kalte. — 2. - die kalte
Natur, kalte Komplexion (s. Frauennattir); (1200
die chehen hat der Mensch von dem Luft(-Eleinent),
Ptelfler 10) s Schleim, Phlegma, Katarrh und 3.^
I Fieberfrost (1420 die caclde = febrU; 1507 die kalde
van den Vierden daghe = (ebrls quartana, D. 228. 477 ;
engl, to catch cold = sich kalt holen, einen Schnupfen
bekommen ; wird besprochen. Frischb. 53). — Kalt«, D.
(mhd. doz kalte. T.exer 118; mnd. dat kolde oder de
rede, Mag. Marthol. 89a; 1414 daz kalde = febris quoti-
dtann, D. 154; 14V» das Kalt = das Fieber, Schmeller
1, 1241 ff., 15. Jahrh. dat knlde = febris (In einem
Manuskripte Segcnspruch), H. Z. XVII, 429; Hoffmann,
Mon Sehr. f. Schlesien 1829, 1, 90; Blrliugcr, Sitten I,
447; 1500 die colde - febris. D. II, 169; 1507 dat kalte ;
1613 du kalt = frigor febrb, D. 247 ; UM das Kalt =
da* kalte Fieber, das kalte Weh, febris synocha, febris
nlglda; 1582 das Kalt = der Frorer, Gr. W. V, 85. 86;
164". da* Kalte = das Heber, Coler, H. A. 183; 1709 das
Kalte = Weber. Gr. W. V, 86; 1754 du Kalte = febrl»,
A. v. H. I, 63«'.; [Schweiz] das Kalt = Fieber, Gr. W.
V. 87; Schw. 198; Zeitachr. t. d. Mythol. IV, 107;
[Schwab. 1 das Kalte = Wechselfleber, Meyer 519; 't koole
— Wechselfleber [Oldenbg.], Goldschm. 17. 125; [Neu-
Kuppln] kollet ^ kaltes Fieber, Z. d. V. f. V.-K. 1*97.
8.76; ndd. kohlt = kaltes Fieber, Frischb. 53 ; [Pommern]
das Kalte = Fieber, Wuttke 158). — das Kalte ist
demnach: 1. = jedes mit Kältegefühl oder Frost
(Schüttelfrost) einhergehende Fieber (nament-
, lieh Febris rheumatica), Febris ephemera, Kalt-
i weh, kalter Siechtag, Kaltvergicht (s. Gicht),
1 l'algide, la fiövre froide, le froid (Schmeller I, 1242;
Heyue III, 276). — 2 = speziell das Wechselfieber
als typisches, mit Schüttelfrost beginnendes
Fieber, Malaria intermittens = der Frörer =
Stadium algidum. — 3. = (1618) kalte Seiche,
kalte Pisse, Stranguria, Harnstrenge (Tripper;
Gonorrhoea - pissa „calida") (Gr. w. V, 87; Schni.
1, 1242) (s. kalt 4). — 4. = das Zeichen der kalten
Natur (Phlegma, Schleimkatarrh ; s. kalte Netze
oder Seiche). — 6. = was sich kalt anfühlt. —
Kälten, n. (1C99 ; v. M. II, 125; dy keld oder der
seuche = febris, l>. II, 169) = eine kalte Empfin-
dung oder Fieberfrost haben. — Kaltigkeit
(14. — 15, Jahrb.; mnd. koldechelt, J. f. nd. Spr.-F. XV,
I 140) = der Zustand der Kälte 4. — C'Ao/cra-Kälte
= das Stadium algidum bei der Cholera morbus
(Kopp 11,526). — Dnfrcnfa^s-Kalte, n. (ndd, darden-
diigskolde, Fromm. VI. 2->8) = 3tägiges Fieber (s. d).
— #rkältun<J (1592 erknltung, Seb. 177) = eine
Modifikation der Erkaltung, d. h. der Zustand
und die Empfindung hochgradiger Erhöhung
des Wurmeverlustes oder hochgradiger Vermin-
derung der Wärmeproduktion; eine Temperatur-
depression leichteren Grades führt zur Ver-
kühlung (s. d.), d. h. zu krankhaften, unter
Umständen noch auBgleichbaren Störungen ein-
zelner Organe (sogen. Erkältungskrankheiten,
z. B. Schnupfen, Diarrhoe, Rheumatismus,
Amenorrhoe, llautrote etc.). - erkaltete Nerven.
— /lYoer-kalt (18*1; engl, fevorish cold wlth palns
in the lluibs = Typhus, Vierordt 75) — durch fieber-
hafte Krankheit kalt sich fühlen (Gr. w. in, 1622).
— ö/itvf<r-Kälte (H*2 knelte in den Gliedern, Olit.
IV. 131) = Gelenkrheuma. — LcicAcn-Kälte =-
Algor mortis. — (14S3) J/a^cn -Kälte = Magen-
Katarrh mit kalter Natur (= Schleim, Phlegma)
(c. v. Mgbg) — Mutter- Kälte, 1. = angeblich
kalte Natur => Katarrh (Phlegma) des Frauen-
Organes, der Gebärmutter, die (durch den Ka-
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Kamel— Kamm
Kammer— Kamp.
tan Ii) Siorilttät verursacht (Gr. W. VI, 2ais)
(9. kalte Männer, kalter Bauer, kalte Hef-
matter). — 2. = ein hysterischer, nervöser
Schänder (anämischer Frost) bei schwangeren
und weissfiüssigen Fraaen (A. v. II. I, 807). —
Starr-Kälte — Rigor (z. B. bei Cholera)
(Ha.l. Jnn. 390) (Starrfrost). — (1477) das w»i-
gehende Kalt = eine Epizootie (Schmeller I, 12-12),
d. b. das Anfangs-Syinptoin einer fieberhaften
Infektionskrankheit bei Tieren, welche wie
ein I>äruon umgeht (s. d.) — Hauptsucht beim
Kinde. — Yerkältung = die häufigste volks-
0 bliebe Krankheitsursache, der zu abnormer
Kälte des Körpers und Schleimhautkatarrhen
führende Zustand stärkerer Verkühlung («. d.),
meist Febris ephemera (Paul! 5; holl. iwarc
Terkoudheld = Katarrh). — (17. Jahrb.) verlegene
Kälte = verlegener Schleim (Phlegma) = kalte
Materie, s. verlegen (F. Kr. B. 364). — Kalt-
kalt [e, er, es]) Abscess, Atem, Bauer, Beulen,
Blase, -blutig, Brand (u. *), Braten, Brunz,
Feuchtigkeit, Feuer, Fieber, Flüsse, Gebrechen,
Gedärm, Geschtculst, Gesucht, Geicerb, Gicht (u.»),
Gichtflusse, Gischen, Glieder, Hand, Harn,
Harnen, Hauptfluss, HaupUceh, Hefmutter,
Hirn, Husten, Katarrh, Koortsen, Krankheit,
Leber, Leut, Lungen, Männer, Magen, Mark,
Materie, Milzsucht, Mutter, Narr, Natur,
Nerven, Netze, Oedem, Pein, Pest, Pisse,
Podagra, Samenfiuss, Schaden, Schlag fluss,
Schleim, Schmerz, Schweiss , Seich, Seuche,
Siechtag, Siechtum, Stechen, Sucht, trockener,
Übel, Taubsucht, Vergicht, Yergift, Verstopfung,
Weh, Wehtag, Weiber, Zipperlein.
Kamel, n. («mit. gamal ; gotb. albandus, s. Ele-
fant'). — Kamel- Tier.
kamlet = g(e)hummelt, ohne Hörner («ehm.
I. 1112).
Kamm (Kamp) (vorgerm. gonibho- [föftfor] =
gezahntes Werkzeug; altgerm. kamb = Kamm; goth.
kamt.«, abd. katnb, cbamp; mhd. kam — Kamm — mit
Zahnen versehenes Gerat (mit weitestem Sinne], Kluge*,
lsS). — Kamm (Kamp, Kaempf), 1. - der
obere Teil des Halses bei Tieren (Pferd), auf
dem die Mähne wächst, vom Kammhaare,
das kammähnlich angeordnet ist (IMS; Seb. 177),
auf den Halsteil übertragen. — 2. = das
Sehl ach tfleisch (Kamplgratstück) zwischen Bug
und Nacken. — 3. - vom Tiere auf den
Menschen übertragen = Nacken, Schopf (fir.
W. V, lo:,). — 4. - (11*3) die behaarte (s. o. 1)
Schanißegend (kamp, dA daz püscbel [s. Bueschel
S. 82) steht; kamp du die rauben piischc wachsen! ;
item sein semllrhe weil» duz in der kainpli M« irt [uleus
luvtirum] als dy man licy ir sein gewost, dax ist ain
gross prech. Schmeller I, liSO = xtivs; Illppokratis,
X«:; Galeni, Fuchs, Hippokr. 1, 325; Kossm. 9. XII;
Ital. 1363 pettignone; peeteti ; mon« Veneria, pulte«,
<:. r. Megbg., Schmeller I 1250. Ii. 418; l'r. I, 31 )
. — 5. — - Kamp (*" ahd. kamb ~ Kamm =s crl'ta),
b das gauze Darmbein, das herdförmig ab-
fallend, wie ein Kamm aufragt (II. Z. XV, 337;
Ilyrtl, K. W 91) (s. Kamp). — F/cwrA-Kamm
- Caruncula, eine gezackte, papilläre Haut-
wu.-herting, die deischrnt i-i [ür w in U'.y).
• — Hahnen-Kamm (zu ahd. kumpa - crista galli,
Heyne III, 279), 1. = (übertragen) spitze Kondy-
lome (s. Kleinod), papilläre Hautwucherungen,
die dem Hübnerkamme gleichen (cretes de coq,
Brlss. llö; crista galli; Kohler II, 561). — 2. = die
sogen. Strahlgruben-Hfigel auf der Innenilächo
des Hornstrahls am Pferdehufe (Falke I, 412). —
(1645) P/eyfi«-Kaempf = Kamm 1 (coier, Ii. a. 8i).
— Trauben-K&mm = der angeblich durch den
Genuss von abgebeerten Weintrauben (Träbern)
-stielen (= Traubenkamm), auch des Beeren-
laubes entstandene Knoten- Ausschlag auf der
Haut des Rindes (Falkell, 375) od. Pferde-Mauke
(s. Träberkrankheit). — Kamp-ScAicären.
Kammer, f. (Kämmerlein) (ein mittelalterliches
Kulturwort aus dem [gem.-rom.] camara — Zimmer,
camera = domus lapidcus, Du Cange ; griechisch :
xajiäpa — Kaum mit gewölbter Decke; abd. ebamara
— Gemach; mhd. kamer. Kluge6, 183 — Inucnraum),
1. = höhlenartige Abteilung im menschlichen
Körper (Herz, Auge, Uterus, Ohr, Gehirn)
(Gr. w. V, 114). — 2 = ta8cbenförmigo Ver-
tiefungen in den Gefässwandungen , t. B.
Kämmerlein (1677 kärnnierlein, Hyrtl, K. W ), solche
hinter den Venenklappen. — 3. = (in Banufor-
meln. Friscbb. 71) Häuslein (s. d.), der Ort,
wo die als Kröte (s. d.) gedachte Gebärmutter
ihren Ruheplatz bat — die Kammer ward
entlochen = die (Uterus-)Kammer (3) hat ein
Loch bekommen, die Geburt ist vorüber (Gr.
D. M. II, ml). — .4 u^ftt- Kammer - der Kaum
im Auge zwischen Hornhaut und Linse. —
Dt nk Kammer - Cella memorativa in capite
(1482; 1466 danckkaintne- = eellula memorativa, D. Et,
83) (s. Zelle EL Hirnkammer). — (1677) Herz-
Kammern, 1. = Herzbeutel, Herzhäusl, Peri-
cardium (Hyrtl, K. w. 83). — 2. = die beiden
Herzhöhlen (Ventrieulus cordis) im mensch-
lichen Herzen. — 3. ^ (Jagdspr.) der Ort
zwischen den Vorderläufen unter den Bügen
der Jagdtiere, wo die Rippen enge zusammen-
kommen , und wo das Inngeräusch (Herz)
liegt (<ir. \v. IV, 2 1250). — (1679) //(.'-«-Kammer,
1. ■ Hirnventrikol (Gr. w. I, 114). — 2 = (148S)
Schädelgruben. Noch <\ v. Megenberg hut die Ge-
hirnschale 3 Kaminerlelu (Zellen, Gruben) : eines für
die Phantasie oder Einbildung, eines für die Vernunft
und eines für das Gedächtnis (s. Hug U. Zelle). —
(1676) Luft Kammer = Luftröhre (Bronchus)
(Hyrtl, K. W. 107J als Luftraum. — (M01) Nieren-
Kammer = das Nierenbecken (Hyrtl, K. W. 123)
ab. Hohlraum. — (1795) S/Kif-Kammer ■= die
Stelle am Pferde-Knie-Oeleuke, wo durch
räumliche Ausdehnung der Gelenkkapsel ein
sogen. Spat (s. d.) sich ausbildet (Abllg. M). —
(1677) Spei» -Kammer des Milchsaftes = Cy-
sterna chyli (Hyrtl K. w. 123). — Kammer-
Gang, -I*auge, -Mäuslein.
Kamp m. (aus Int. rampus — eiugebegtes Stuck
Kehl, campus Marti« — Kampffeld ; mndl. kamp,
Kluge*, US). — Der kommt bald nach Küsters
Kamp (Mecklbg.; Zcitsehr. d. V. f. V.-K. 189«, B. 1*7)
= aul Mesners Alm (O. -Bayern) — er stirl»t bald
timl kommt dann in den Friedhof (Maden-
I Imf, s. d ).
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258 Kamp— kapores.
Kappe— Karbunkel.
Kamp ', Dl. (vermutlich entstanden mm kappen
[s. dl.], kapeu, Cir. W. V, 13-1. IU5); Kamp (1590 kampj
= der „Wulf (». d. ; Krythemn intertrigo,
lupus), der Einriss, das Frattsein fler Haut
(II. Snchs; conf. kaempe — „ein zahmer Eber", Heyne
III, 282) (s. auch Katniii).
Kampf, in. (zu Kump ', s. iL). — TWrs-Kampf
s. Tod (z. d. v. f. v.-K. um. 1*6; mtl. Agoae, Komm,
xvi). — Venus Kampf- Ohus (f. Hoffm. vn, HS).
Kanada. — Kanadische Krankheit.
Kanal, in. (Int cannli* zu carinii ■ Kohr. Kraus,
E. 187) - llohrgang, IJohl-Grtibe (b. Pferden) -
Hobel, b. d. (1S9S; 80b. 228).
kanen s. Kahm u. quinen.
Kanker, m. (Kanzer) (uralte deutsche Bildung;
germ. gongro {'{'»'{ 7J>^i - Auswuchs], dazu f*? -ff«a;v.t
— krebsartiges Geschwür und Cancer, nlid. cancher
(»raff IV, 154, eaneur, ehanchur = Krebsschaden an
Pflanzen und liaumcn; 1196 cangreim Schanker-
HMWbwflr, rnchsl, 30; 1S54 kaneker = Krebskrnnkheit,
De Cock 2t»3 ; 157-1 kankerkraut = elehorium intybus,
Krebskraut, Jessen 9H; engl, ranker — von einer an-
steckenden Krankheit zerfressen werden, Kaltschm. I,
95; canker rose = wilde Kose « Hagebutte). — Kanker
Ist Vermischung de» gnt gerinanisehen gongro mit
einem gTieehi-ehen oder lateinischen Fremdwort«
(Kluge1, 184; daxu : Schanker fc d.J, Or. W. V, 163
[«. Krebs]; 13. Jahrh. eyn sere dat het de Cancer na
deine creuete [Krebs] und« so grefl et lnwart alzo de
Grevel achter riigghc cru|>et unde leuet . . . nndo
strouwe dat in den canehcr. .Magist. Harth. 05a, b =
Carcinoma — canceroma, cancerauma - aposlemata
retrogredientia m Cancer, quod genus morbi inett-
rabile nieiiici derivato nomine a caneere cancerauma
vocltant = cancrenuin, Inn ange II, 81; ndl. kankerbloem
= l'apaver rhoeas, Koll 17t = Blutsaugerblume; ndl.
kanker, De Cock 12; kankerachtlg = krcbslg, räudig,
I. r HO; Pierer 7). In der Wortsippe Kanker, Kanzer,
(iangriin, Schanker spiegelt sich die Kläglichkeit der
frühmittelalterlichen Geschwulst- und Geschwür-Lehre ;
sie bedeuteten : 1. -- Auswuchs mit Ciesehwfirbil-
dung, und zwar: a) Krebsgesehwflr (Kanzer)
(H.'.7 eyn gestückelte malcdle dy man nennet den
kanker, Kriegt i, 527) (Careinom; siehe Krebs);
b) I.upus-tieschwür ( = Noli me längere; Kank-
rom); c) syphilitischer Schanker (s. d.}; d) der
Wolf (Fuchs i. SM). — 2. - brandiges GeechwOr
(Uangraenuj üherbaupt, namentlich an den
.Schienbeinen, bezw. Enterextremitaten.
Kanz, in. s. Kens u. K:lnslcin.
Kapann, m. (angls. Captin =- gallinnccu«, Kluge *,
185; P. 256; engl, capon; uhd. ehappo aus dem lat.
eappo; gem.-rom. cuppnriern ; HOC caponoK, [>u fange
II, 143; mhd. kappün — gallinuccus, castratus c 1183
homo castratus, c, v, Megbg. ; Iis;! alu maldcn oder
ein eappaun (dax isl ain man der seiner gezeuglein
niht hat] der Ist poe«er slten, C. v. Mcgbg. ; Schmeller
t, 1569 ff.; 1701 komu castratus) = Eunuch (s. d.). —
(1..S.0 pfoteniframmische Kapaunen impotente
Podagraieten (lischart ; Ur. W. V, 182; Heyne III, 288),
— Kapaunen-.S7ni«.
Kaporal s. Korporal
kapores [ein hebräische* kaporah - der geschlach-
tete Opfcrhahn; kapporelh Suhliopfer) kaptlt, tot
I (Schräder 502). „Am Vorabende des jüdischen Ver-
si'hi'tingstages wird das sog. Kaporrhuhndlan Stelle des
Sündenbock» geschlachtet" (Kleinpaul 56).
Kappe, f. (Kapuze) (nicht vor dem 8. Jahrhundert
au» dem int. -lat. cappa — Mantel entlehnt; ahd. chappa
~ Mantel; mhd. kappe; ndl., 1577 cappeken = Kapp-
chen, I». 156 = mantelartiL.es Kleid, Kopfbedeckung,
Kluge6, 185 = Haube, haubenartige» Kleidungsstück).
— Kapuze (au» mtl. cnpncium, lud. capucclo ent-
lehnt - Mönchskappe; dazu Kapuziner, Kluge6, 186).
— Kappe, l. = die Eiterhaube, da« Eiter- Auge
am Abscess = Kappele (Buck 72). — 2. = eine Haut-
verdick 1 m lt. die wie eine llaube oder Kappe am
Hintergelenke eines Pferdes aufsitzt (ür. w. V,
195). — 3. = (1776) Haube, Netzmagen der Wider-
kftuer (Heim 17). — Elbel Kappe, 1. = die Tarn-
kappe iler Elben (Mumme, s. Letzelkappe). —
2. - alte Weibsperson (s. Mumme) Schm. 1, 1268).
— GliU ks- Kappe = Glückshaube des Kapuzen-
kindes (Urquell VI, 205). — Letze. Kappel (Wcissen-
burg; Latstner I, 155) = der Name eines Alpdämons
(s. 1/etzel), der eine Tarnkappe (Hütchen) trügt
und Alpdruck macht. — (1197) Loci, Kapplein
(loch-kappclin, Hynl, K. w. 202) = Praeputium clito-
ridis in rima vulvae. — Sc Auvittz-Kappe = Prae-
putium als Haube für den Penis (Hynl, K. W. Hl).
— verkappt = verhüllt, verlarvt (s. d.), wie ein
DAmon. — Wanst Kappen - Hungergrubebeim
Vieh, die bei Hunger einfallt als „Hungerlücke",
! wenn es sich aber vollgefressen hat, als eine
I kappenartige Aufblnhungsich zeigt (von Magen
Gasen), wo man den Luftstich macht (Cr. W. V,
195). — Kappen -S/ünrtVr. — Kapuzen- Ä'tnd.
kappen (15. Jahrh. gekappet = gallinaceu», castratus.
I>. II, 188) = spalten (s. Spat), abhauen (couper)
= durch Spaltschnitt die Hoden entfernen. —
(1618) Kappen = Schlagbeule (Schmeller I, 1270 ;
Kluge *, 185).
Kappes, m. (zu mhd. kabez = Kopfhohl [Dalla
Torre 19); übertragen) — Dummkopf.
kaput (17. Jahrh. ein französischer Splelcrausdruck
für tot [matt] im Spiel) - entzwei sein, tot (Wöst-
mann 257; besser ist wohl Schräders Erklärung 502 =
volksublifhe Abkürzung für Caput mortnum [Totenkopf]
auf den (tlascrn der Alchymlsten , In denen der un-
brauchbare, <|uasi tute Kückstnud war).
Kapuze a. Kappe.
Karbe, f. s. Kerbe.
Karbunkel, m. (Karfunkel) m. (mhd. kartmokel,
aus dem lal .-.» I -in. „).,v l'hnil 1 e)»l, Adr.; kleine
Kohle [». Kohle] entstanden). — Karfunkel (eine
Nebeaform unter Anlehnung an den roten Funken des
Kohlenfeuers, Kluge °\ l.s6) — Kohlen beule, die wie
j eine kleine glühende Kohle brennt und rot
1 glänzend oder glühend, dann schwarzbraun er-
scheint, (iss3) „eine akut und cirkumskript ein-
bergehende Entzündung der Kutis und des
Unterhautzellgewcbes, welche von mehreren
Punkten aus zu Mortiükation iler befallenen lie-
webe und durch den progredienten Charakter
zu einem grösseren Brandherde führt" («ieber,
/. Hdb. XIV, 1. tili; 15. Jahrb. carhuncillus ein ge-
I M»cr ist zum ersten ••warlz darnach rot als ein gliigende
I l«.riloelifeuer] Kole, 15JHcarbuncnlo, II. v.Hersd.
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karcheln— Karnoffel.
72; „eiue l>osarUge blutige Kote die viel liebreslen zu
Ihr leicht"; 1577 Carfunkel, Bodenst. ; Carbunkel =
ignls persicus, 8clle ; 1743 Karbunkel = schwarze Host-
blatter, bibl. Med. 438 ; 1754 Katfunkel = Pest-Carbunkel,
Anthrax, „gewöhnlich Zeichen und Wirkungen einer
Pest, doch geschieht es auch, das« man sie ohne diese
wahrnimmt", A. v. II. I, 101; auch = pruna der Altcu
[Braune], Bchrend 61); demnach 1. = Milzbrand-
(Kotz-)KHrbunkel, Qble Blatter (Anthrax) beim
Vieh (z. Hdb. in, 469 ; XIV, 274). — 2. = Pest-Kar-
bunkel (Ignis persicus ?) (A. v. H. 1, 101 ; Behrend62).
— 3. = „Es scheint mir, das» bei Aetiua unter dem
Namen Karbunkeln nichts anders als Pocken
(s. d.) an verstehen sind" (Lersch 34). — 4. = Fu-
rxtncnloflis der Haut, von der der Karbunkel sich
nur durch die Ausdehnung und (nach Helm 88)
durch ein asthenisches Fieber unterscheidet,
Blutfinne, Blutschwär. — 5. = ein Fieber (Basel j
Gr. w. v. 212), das sich mit der Bildung eines
Karbunkels beendet (Zw. 454). — 6. = (1561) Kar-
nöffel (s. d.) als Anthrax-Beule (Heyne Iii, 292).
— 7. = Teufel als Krankheitsdamon, der solche
Krankheiten bringt (Birtinger, Sagen I, 128). —
brandiger Karbunkel = Pestboule, die mit Brand
(= Synocbalfieber) einhergeht (Behrcnd 62). —
hitsige Karfunkel (1592 die hitzige carfunckcl der
huffweh, Beb. 2») = Phlegmone bei Coxarthro-
kake (?), Leistenkarbunkel, Variola mit Lum-
bago. — iLOß/"-Karbunkel = Milebrandbeule am
Schweinskopf (zipp. 673). — Maatdarm - Kar-
bunkel = Milzbrand mit Lokalisation des An-
thrax-Karbunkels in der Nähe des Mastdarms
(beim Vieh) (Z. Hdb. ni, 469). — Miltbrand-K&T-
bunkel = eine Angio- Neurose durch Milzbrand -
Bacillen - Infektion mit vorwaltend phlegmo-
nösem Charakter der Hautentzündung (z. Hdb.
Pest-
XIV, L 274). Pustula maligna. - ^ p„tiltntt_
Kar(b, Dunkel = entzündete Pestdrüse (Seb. 317).
— (1587) roter Karbunkel = Pestdrüse, Pest- Kar-
bunkel, Pestilenz-Aposteme, die bei Abscess-
bildung (Phlegmone) äusserlich rot werden (Or.
w. viii. 1289). — Äote-Karbunkel = dasselbe wie
Mtlzbrandkarbunkel, aber durch Rotz-Infektion
(Maliasmus). — weisser Karbunkel = im Gegen-
sätze zum roten K. = weisser Brand, Kausch-
brand (akut purulentes Oedem) (Falke Ii . 434).
— Karfunkel- (Karbunkel-)Btoif«-n, -Fieber,
-Gesicht, Krankheit, -JSase.
karcheln = rochein, hircheln, hörcheln (s. d.)
(Gr. W. V. 790 ; lautliche Xcbenlorm n letzterem).
Kann — Kerbe.
Kardinal, m. (anlehnend an Kardinal-Kot, aus
[Minus] cardinalis (HauptUuss de» Herzblutes] ge
bildet, Hjrrtl, K. W. 30) -roter Monaisfluss, Men-
slruatio.
Karnöffel (Karnüffel. Karnoffel, Karniffel,
Karnefel , KamiVOl) (ein ohne Zweifel von den
Ärzten den Mittelalters ausgegangenes und durch die
Arztknechte und Bader verbreitetes Wort, da* in seiner
eigentlichen medizinischen Bedeutung 1460 [Pr. I, 355]
als karoffel vorkommt; 1175 bat das Wort [noch Gr. W.
V, 219] der niederrhelnisehe Teutonia: carnuffel als
Landsknecht [s. d.] im Kartenspiel Inns conilfollnm
Karnoffel. 259
Hornblatt? Schräder 421 ], an da* vielleicht eiu anderes
aus dem lateinischen entnommenes und beim Ab-
schreiben entstelltes medizinisches Schulwort leichten
Sinnes angelehnt wurde. Dieser Irrtum, durch die Schuld
des Abschreibers veranlasst, wurde zur geschichtlichen
Thatsacho [vergl. über analoge Fälle Diefenbach XI] ;
carnofel tritt 1632 zuerst auf In Fries 121 : ,,die briieh
werden geteilt in syben teil ; der erst hernia ventrosa,
ein windischer bruch ( = Windbruch], der ander hemia
nquosa ■ ein wassrlgcr brueh , der drltt herula carnofa
= eln fleischiger [ = hernia earnosa des Mondini 1314].
Die Carnofa [ = Carnöffel, Fleischbrnch, s. u.] Ist dem-
nach ein zur Zeit der ersten Buehdmckerei entstan-
dener Druckfehler; [über diese Zelt hinaus Ist der, .Kar-
nüffel" überhaupt nicht nachgewiesen]. U. v. Gersdorff
[1628] hat ihn noch nicht. [1543] karnoffel [Ulm] = ein
Bruch, der geschnitten werden muss, Or. W. V, 220 ;
karnüffeln daher auch — schlagen, durchblauen, Haut-
wunde; 1551 Karnoffel = Hodenbruch, Bock 245; 1561
karnöffel = carfunkel, anthrax, durch Mlssverstandnis
verwechselt, Gr. W. V, 212 ; 1561 karnöffel, ein schäd-
licher Cebresten an den Gemachten; 1561 carfunkel
oder karnöffel = nnthrax, von Maaler missverstanden,
Heyne III, 292; Gr. W. V, 210; 15*1 karneffel = alters-
schwache Hoden. Gr. W. V, 220; Schindler I, 1293;
ein Begriff, der sieh erst einstellen konnte, nachdem
die Karnöffel durch Kastration geheilt wurden ; 1588
karnöffel = ein Bruch, Paracclsus; 1591 karnöffel =
ramex, Had. Jun. 381 = membrum virile ; 1592 karnöffel
~ ramex rarnoxux [ — bubo syphiliticus] Landsknecht,
[s. d], Gr. W. V, 220; Seb. 110; 161C karnoffel = hernia
carnosa, Gr. W. I. eod. ; karniffel = ein Bruch der Ge-
machten rupto perltoneo eplplocele intnmescit. Gr. W.
V, 219; 1618 karneffel ~ ramex, Schindler I, 1293, 1666
karnöffel = Fleischbruch, herula rarnosa, ramex —
Hodenbruch, Gr. W. V, 220; 1680 karnoffel. karniffel;
j 170S karnoepfel = nodenbracta oder -Gesehwulst, Gr. W.
V, 219; 1735 Carnöffel = Fleischbruch, Th. san. Br. 180;
1744 Carnöffel - sarcocclc, Flelschbruch. „er Ist ganz
hart und gibt dem antastenden Finger nichts nach",
Zw. 69. 416. 425; 1754 Carnüfel -- sarcocele , Fleisch-
brach, A. v. H. I, 1204; II, 1263; karneffel a Brach,
Schindler I. 330; carnöffel = epiplocele , cuterocele,
Gr. W. V, 219; Karnoffel = I nterbrach, Schm. I. 1293;
Kartiival = Saudstein [Hoden] = Orchitis, Pauli 45; 1801
carnüffel = eine fleischige Vergrösserung des Hodens,
Fleischbruch, Welkard 67). Der Karnöffel als „Wind-
bruch" (= Hernia ventosa, Zw. 416) wurde sogar scherz-
haft auf Windbruchstellen Im Walde übertragen (Kar-
nüffel bei Seeshaupt am Starubergcrsee (. B.) aualog
der „Fratte" = verwundete Stelle im Walde [HoUUobt*,
Holzschlag, (ir. W. IV, 1. 67) Wie der knollige, knü-
tellge „Lauch" ein Bild für den Prügel wurde (Gr. W.
VI. 300). so konnte auch der vtelgesehifiiue VolUsvcr-
gleich den kiiolligeu Hoden-Karniiffel tiehmen all Bild
für dasselbe Wort, so dass (185S) karnüffeln - schlagen,
stossen (mit der Kneipfaust), knflffeln Ist l'Kalt.«rbtn.
II, 236; Fromm. VI, 173. 216), dies um so leichter, als
nlffeln (Sehwelz) s stechen, stossen, und als der Kar
nuffelkratike geschnitten, hart behaiid. lt (gl -schunden)
dermanzt wurde (Schmeller I, 1293). Die Karniffel-,
KarnoffeUvurz — geum montanutn (Jessen 164) lint
ihren Namen rOD gurlffd. carynphylluin, der nclkenduf-
Karnöfel. i
(enden »enedielenwur/ — KarnÜffel,|l Fleisch-
Karofei, I
11*
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'260 Karpf— KaBtcn.
Kaßtrat— Katarrh.
brueh. — 2. = Hodenanscbwellting. — 3. — Bubo
inguinalis, Uernia venerea (Pr. II, 399). — Im
16. Jahrhundert unterschied auch Tabernae-
ruontanus : .FVmc/i-Karatiffel = Hernia carnosa,
auch Elephantiasis scroti (Fuchs II, 704). — (1668)
Kinder-EMTDÄSel = Kinder-Hodenbruch (Beyu.
241). — (Hftü) Xieren-K&ToSel = schmerzhafte
HodeniresehwulBt (Pr. I, 356). — Wasser-K&T-
ntiffel = Hernia afjuosa (Hydrocele).
Karpf, in — Karpfen Gebiss, Maul, -Rücken.
Karspcl, in. Karschbein) (zu karsen m knir-
schen; dazu : 1616 karibetD - Knorpel bei n. cartilago,
Gr. w. V, 230; Hyrtl, K. W. du) - Knorpel.
Kartanie, f. (mhd. kartanie, I-czcr 120) = Quar-
tanlielier, s. Quartan.
Kartharr (Kartar) - Katarrh (Ackern». 225;
Pauli 7).
Kartoffel, f. (= Üal. laxtula. lurtufola bs Trüffel,
übertragen auf die Im 16. Jahrb. durch die Spanier
mich Italien importierte amerikanische Knollenfrucht ,
1691 taratouphli; 1675 tartufUen; das anlautende t
sprang leicht in k um, Kleinpaul 133; Kluge*, 187). —
Kartoffel Hauch -Kolik.
Kas s. Käse.
kask (oldbg.) = rüstig, frisch, von alten Leuten
= gehasig (Schmciler I, 173; Goldsehm. 155-, ha«ic
= platt ohne Hautkrankheit [Tirol], Kromra. VI. 146;
hasanön = venustns).
Kastanie, f. Kästen - die kastanien- dat. cu-
stanea; ahd. cheMinna; xisw» = Stadt am Pontus ;
armen. Koskenl, Kluge5, Iss) artigen, runden Horn-
warzen am unteren Innenteil der Vorderfüsse
des l'ferdes (Gr. W. r\", 2. 1832; V, 627; 1599 keste
— hornige Warze am inneren Pferdeseben kel, <ir. W.
v, 209. 627); sind sie spitzig, so heissen sie
Sporn (h. d.).
Kastell, n. (ndl. kasteel = podex, V. K. VI, 11) =
geheime Statte (s. Schlose).
Kasten, in. (eigentlich Irdener Topf [kasaj; gnth.
kasta; ab<l. kasto; mhd. koste, Kluge *, 188) = vier-
eckiger Behälter, Ann>ewahnuig«ort). Ha die Korper-
teile mit einer gewissen Vorliebe wohl «hon in uralten
Zelten nach den einfachen Hausgeräten (der alteren
Zelten) vergleichweise benannt werden (Kopf, Hecken,
Bottich, Butte, Pfanne, Kolter etc., Gr. W. V, 267. 1747),
Ml kann es nicht Wunder nehmen, wenn auch der
Kasten In vielfneher Weise zu Vergleichen genommen
wird, nm Hohlräume oder Sekret Reservoir1« zu l>c-
nennen , dämm aneii Kasten = Zahnhöhlen in
den Kinnhacken (Laden) (Gr. w. V, 26»; Heyne
in i :tou). — Blut- Kasten - Cista sanguinis
(Schweiz, Bayern), 1. — das Herz als Bluthöhle
(Gr. W. II, 180, V, 207) und Schrein, in den man
jemand geschlossen „verkasteh" (Schin. I. 1306)
hat und den man uuh.se hättet. — 2. (UM) Vena
cuva, die Hohlader, die am meisten Blut heim
Ktollhen zei^t (Guar, sog). — 8. = Uterus, als
.Schrank für das Weiberblut (Mutterkasten), „er
fällt um" - Uetroflcxio uteri cum metrnrrhagia.
— enger (verstopfter) Blut-Kasten (Schweiz) =
Engbrüstigkeit, Astbma. — unreiner (gefälsch-
ter) Blut-Kasten — Morfea (Lepra); mau stellte
sich vor, da« wie im Spcl«cschrank eine «chlmmdige,
unreine Speise die anderen , guten Vorräte an.sU.-ekt,
auch hei Lepra dos gute Blut von einem (durch Lepra-
hacillen) verunreinigten , gefälschten Blute lanciert
werden könnte. — (1800) /o-u*/ -Kasten = die Brust-
höhle als Herz- und Lunken -Schrank (engl. ehest
- Brust, I.ehf. 152; Gr. W. II, 186; V, 267; Stein). —
(1684) EU r- Kasten = Eierstock, Eierkorb, Ova-
rium (s. auch Hodensack) (Gr. w. V, 267). — (1560)
GeAim-Kästlein = s. u. Hirn-Kasten. — Htrt-
Kasten(-Ka8tl), 1. (1077hcrzkiUtlein.nyTtl, K. W. 83)
j = Herzbeutel, l'ericardium (Mein Herze wlrt in
jnmmcr da verkAstclt, Sehmelier I, 1306). — 2. =■ das
Herz als Blutkasten Sohweisskasten). — 3. =
Thorax, Rippenkasten (Buck 16). — (18. Jahrh.)
Hirn- (1560) CrVAtrn-Kästlein (kestlin de« gehim»,
Pictor. 77), 1. = Hirnschale, Hirnschädel, Hersen-
bein, Hersenbecken, der Kopf, Cranium (Gr. w.
H. 186; IV, 2. 1560; V, 267; Hyrtl, K. W. 88). — 2. =
Uehirnkammer (Ventrikel). — Hunger Kesten
= Magen ((!r. w. II, 186). — Mannsxrhutz Kast-
lein = Samen bläschen, Samenkästlein (Hyrtl, K.
w. 133). — (1084) Mu/i fr- Kasten = der Blutkasten
der Frauen, Uterus (Gr. W. V, 267). — (1677) Pro-
riant -Kasten = Magen (Beyn. 160). — Rippen-
Kasten = der Brustkorb als ein Knochengestell
aus Kippen (Gr. W. VIII, 1034). — (1705) Rohr-
Kasten = die röhrenförmige ('interna chyli
(Übers., s. nachf.) (Hyrtl, K. w. 123). — (1769) Sam-
mW -Kasten = Keceptaculum chyli, Cysterna
chyli, die geräumige Ausdehnung des die
Lymphe (Milchsaft) des Verdaaungskanales
sammelnden HauptstammeB des Lymphgefäss-
systemes (Vadem. 36), den man mit dem Milch-
kästen verglich. — (1677) Samen - Kästlein =
Samonbluschen als Aufbewahrungsraum des
Samens, Vesictilae neminales (Hyrtl, K. W. 133).
— aehtmriy alliger Kasten = Neben-Nieren (Über-
setzung der capsulae atrahilariae s. glandulae supra-
renales, Hyrtl. K. W. 53; die atro bllis Ist die breUge
Marksubetanz der Nebenniere, Hyrtl, Anat. 682). —
Schweina - Kasten (Jogdspraehc) = Blutkasten,
Schweis* (s. d. 2) - Blut. — UVi'nAdt1«- Kasten
(mhd. der wize kästen) = Frons , Stirne (= Hirn,
s. d.) als .Sitz der Weisheit (Gr. w. II, 186).
Kastrat, m. Kastraun, m. (14. Jahrh. castrawn;
1515 gaxtraun, D. 374-mnto, D, II, 260) - castrattis,
s. Kapaun und Eunuch. — Kastraten- Stimme.
Kat s. Kaat.
Kataer, f. ». Katarrh.
Katharina (Kathl, Katherl) (anlehnend an
diesen Namen bezeichnete man wortspielend damit
| froher >lns x'iit'xf,|i'z = Verunreinigung, Wackernagel
Abhdig. Iii. Iis). — Kathareinlein = verhärtete
Ans;enbutter, Käse(s. d.) Gr. w. V, 276). —Jungfer
Kathl ■ Menstruatio, monatliche Reinigung
(Gr. W. V, 276; Sehmellcr I, 1309). — laufend Kathl
= Bchnelle Katharina, Venter solutus (alter
Schulwitz): Diarrhoe, Darmkatarrh (Gr. W. II, 609,
V, 270; Schindler I, 1309; Tirol ■ geha-wondl — geh
schnell !, Wolf 154) (s. laufende Spenen). — schnelle
Kathrin" (Trine, Trenne) Darm -Katarrh
(Gr. Vi. II. 009; V, 270; Schm. I, 1309). — katharii.ß)
- mit Schnupfen behaftet. — Katharina- Wiel.
Katarrh, m. (Oatarrh, Catarrhe, Kater) (von
x<xt*j*5,ttv = defluere, KMvm, Flow [«. d.) zn den
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Katarrh
Kater - Katze.
20!
Gliedern: xatifiot = früu/z-a, Hlppokr.; 1331 cx I
„catarrbo" mortuus est, Du Gange II, 225; 1621 cat&rr
— catarrhus, D. 106 ; 1615 desllllallo catarrhus vulgo
dtcta = InflucDia, Schnurrer II, 100; 1645 x»tdpf.oc =
„ein Fluss, der vom Haupt durch den Schlund und
Hals in den Magen oder aut die Lungen fallt", Coler,
fl. A. 96 ; cattanu, der Flu«« von dem houbt der off
die brüst flüxset, D. 639; 1699 catarrh = pflffsen der
huenner, v. M. I, 91; „ein abfallender Klus« vom
Haupt", l.eod. n, 9; „Katarrh" Ist erst seit der 1. Hälfte
de« 17. Jahrb. aus der ärztlichen Schule (1660 entdeckte
Schneider die sog. Schneider sehe Membran als Geruchs-
schlelmhaut , Baas 29. 309] in die besseren Kreise ge-
drungen und jetzt ganz volksuMirh durchden Umgang
der Kranken mit den Ärzten ; früher wurde dafür und
zum Teil wird noch gebraucht: Sträuchen, Schnupfen, ,
Kluss [rheuma], Rotz, Influenza, Hlrnfluss, nauptfluss,
Pfnüael [tampho] etc.; 1521 catarr^ Sträuchen, Cr. W.
V, 273 ; 152» catarrhus ein Haupttluss zur Brust, H. v.
Gersd. 99; 1609 Catbar, Gnar. 8*2; l«j*4 Catarrh, Ca-
tharu, Gr. W. V, 273; 1687 die Calärrhen, Catarrhcn,
Georg. 382; franz. catherre, Brlss. 97; 1731 wenn die
ochsen ein Geschwär oder Schwall unter der Gurgel
im Kühnbacken oder im Hals bekommen und Blut-
zelchen, da« belsst man Catharren [ = Rotz], A. 11. 27 ;
1777 daskatarrhen, 1. eod. Belm Volke blieb Katarrh
= CoryzA. In den Medizinschuh n nntersebied man
schon im 16. Jahrhundert den auf die Brust „fallen-
den" [s. d.] Haupttluss; „cum tluit ml pectus, vocatur
rheuma catarrhus, ad fauces branchus, ad uares esto
coryza", A. v. H. I, 231 ; branchus — „morbus branebus
= rauce»lo pulmonum indo et tussla fit", Du Gange I,
73A; 1677 „Katarrh ist ein abfallender Fluss vom Haupt
(». fliesslg.. Häupter], der sich In die Kehle. Nasen od.
Brust senkt und daselbst Verstopfungen anrichtet",
Beyu. 123). — Katarrh, 1. — Coryza, krankhafte
Scbleiinabsonderung aas der Nase, schleimiger
Nasen- Ausflugs, den man vor Schneider (1660)
von der schleimigen Gehirndrüse (s. Hirn) ab-
gesondert annahm, DestiIIatio,Gravedo, l'ituita,
KoUigkeit, Strauche (Kopfkatarrh). — 2. -Ka- I
tarrh = Influenza( Symptom) od. auch Bronchial-
-Katarrh. — 3.-^ RotzkrankheiL — 4. Schul- J
gemäss ist Katarrh (nach dem Vorbilde der am
häufigsten beobachteten Nasen- u. Luftrohren-
Bchleimhautkatarrhe) = Schleimhautentzfind-
ung Oberhaupt, bei der eine Exsudation auf die
freie Oberfläche der Schleimhaute erfolgt in
Form einer schleimigen Sekretion. — (1774) Bla-
.wi -Katarrh *■ die katarrhalische Entzündung
der BlasenBchleimhaut, Blasenhämorrhoiden i
(bei Vogel V, 110; Pr. II, 473). — (1729) Bit .': Katarrh
= Influenza (s. d.), die den Menschen wie eine .
elektrische Influenz-Maschine plötzlich durch-
zieht und befällt (the suddenness of the attack was
aatbonlshlng. Schurrer II, 274 ; 1889 - Influenza, Rnhe-
mtnn 83). — (1782) Brust- Katarrh — Bronchitis
catarrh. (M. H. L. I, 517). — Bostock scher Katarrh
— Heuasthma, Heufieber, Herbstlicher, das
von J. Bostock (18191 als Catarrhus aestivus
zuerst beschrieben worden war (z. iidbch. n, 215).
— (1846) Frühjahrs - Katarrh (Saeuiisch) - eine
seltene Varietät der Conjunctivitis, die meist
im Frühjahre beginnt und in der wärmeren
Jahreszeitexacerbiert(Arlt, 7. Anm.). — (Ulf, 1809)
FntAsoiMw« -Ka tarrh ^ Heu lieber (*. <1 ) schech
188; Phocbu« naco Uuber). — (1782) ÜaÜ-Katarrh
= Angina catarrh. (M. H. L. I, 517). — Herbst-
Katarrh — Catarrhus autumnalis = das meist
gegen Ende August auftretende Heufieber (s. d.)
(Med. chlr. Rundsch. 1875. S. 889; Deutsche Med.
Wehschr. 1880, XII, 141). — (1677) kalter Katarrh
= ein durch Erkaltung entstandener, mit Frost
einbergebender Nasenkatarrh (Bern. 126; a. v. u.
i, 345). — (1782) Jfop/"-Katarrh"Coryza, Schnu-
pfen in der Nase mit Kopfschmerzen (M. H. L.
I. 517). — (1842) Nasen - Katarrh (brandiger) =
Rotzgeschwüre beim Tiere (Falke I, H9). — (1782)
nordischer Katarrh - russischer Katarrh (Ruhe-
maun 34). — (1782) russischer Katarrh, 1. = In-
fluenza, weil diese damals in Russiand zuerst
beobachtet wurde (Ruhemann 34). — 2. ( = nach
Kraus, E. 891 wäre dies auch — Raphania, Knebel -
k rankheit [?]). — (isla) Sommer- Katarrh = Heu-
fieber im Sommer, Catarrhus aestiviiB (Elchhorst
i, 250; Ii, 939). — (1790) &/ec&-Katarrh = erstick-
ender Schleim hautkatarrh der Kinder (Pneu-
monia catarrhalis). — trockener, versteckter
Katarrh = ein noch nicht durch Auswurf oder
Schleimfluss nach aussen sichtbar gewordener
Katarrh der trockenen Respirationschleimhäute
mit wenig Husten. — Katarrh- Fieber, -Materie,
•Schärfe.
Kater, m. 1. = Katarrh, einen Kater auf der
Brust, eine pelzige Stimme haben (Laryngitis
crapulosa) (Heyne in , soo). — 2. = Status ga-
stricus, Magen-,, Katarrh", in der Studenten-
sprache vielleicht aus letzterem umgedeutscht
unter Berührung des „Katzenjammers" (s. d.)
(Gr.W. V, 273; Audresen 201 ; udl. katterigheld — Kal/en-
jammer); (gemeiner I laus- Kater, gestreifter Woll-
Kateretc). — 3.-8. Köder (kater — parasynauche,
aus-erliches Halsgeschwar, D. 112). — Kam '.-Kater
= Kater 2 infolge zu starken Rauchens.
Kathai-tiks (iadetzik.
Katze, f. (Kätzlein.) (ein gcruelneuropalsohes
Wort, das in der Volkerwanderungszelt den Germanen
von einem Nachbarvolke von Aegypten her [Kleinpaul
127 ff.] zugeführt wurde, für das l«haarte, augeufun-
kelude Haustier, das, wenn es 20 Jahre alt geworden,
nach dem Volksglauben zur Hexe [s. <l.] wird, Kluge*,
188. Die haarigen Itlütenkolbchen gewisser Straucher
[der Weiden z.B.] helssen Katzeln, Kätzlein); damit
wurden verglichen 1. = die Morfea (Lepra), die
Hautknöllchen macht. Bei den Südslaven bt nach
F. S. Krauss „Kätzchen" in Bespreehuugsformeln der
Kosename für die damonlstisch aufKefasste Kotlauf-
bcule (Phlegmone, carbunculus). — (UM) ice isse KätZ-
lein, 1. — Engerling (s. d.) im Angesicht (Wirsuug;
1597 wisse Kittzlein, fir. w. V. 3<>4). — 2. - eine
Nasonkrankheil (Burk 13), vermutlich Akne in
den behaarten Übergangsstellen der Nasen-
löcher. — 3. — der Möns Veneria, Feminal (conf.
Mautze , Mütze) Sehmeller l, 1313). — katzlen
— kotzen, sich erbrechen (Gr. W. V, 1905; Tirol).
— i/ufrVn-Katze - HüttenkoU. Würgkrämpfe
oder Erbrechen bei der Bleikolik der Hütten-
arbeiter in Bleibergwerken, Colica saturnina
(Malerkolik). — K&tzen-Aut/en, -Beule, -Fleisch,
hirnig, -Jammer, -Kopf, -Krankheit, -Peter,
-Sporn, - Veit, -Zunge.
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2<»2 katzgen— kaufen.
Kaule— Kegel.
katzgen (kätzgen) (Bayern. Schweiz. Tirol) -
würgen, stottern, Ekel empfinden; zu kacken
(8. d.) = kftkezgen (Intensivbildung; Gr. W. IV, 1.
1517; V, 1996).
kauchen (mbd. kücben , eine alle Nebenform zu
hauchen, Gr. \v. v, Mfi) keuchen. — Kau eher, ui.
1. = der Hauch. — 2. = einer der (kauernd?)
keuchend haucht (Schmeller I, 1041. 1219; engl,
cough).
K ander, m., kaudern — ein unangenehmes
Vorgefühl eines öfteren Wechsel, im körper-
lichen Befinden (Aigin), das Inkubationsstadium
einer Krankheit, die man noch nicht erkennt,
die einem unverstandlich ist, wieder Kauderer
(Kauderwlilsehe) (kaudern , Iterativ zu kauten =
lauschen, handeln, wechseln, Kluge 163; Schmeller I,
1221) (vergl. kludern). — kaudern = Unverstand -
lieh schreien, plappern (waischen). — kauderig
= ein leicht wechselndes, zweideutiges Uosund-
heitsgefühl (Schm. 1. cod.; C v. Schni. ;i07) ; (vgl.
kuderig).
kauen (käuen, Käu, f. Koie, Kai) - man-
ducare, masticare, mit den Zähnen die Speisen
verkleinern, beissen und essen (liidngenn. gjü,
giw = kauen; vorgerm. glw; gerrn. kiw, ku ; ahd.
chiuwan, chiwan . mhd. kuwen, kiuwi-n ; engl, lochew,
to ohaw , Kluge*, 189; Gr. W. V, 311) = mit deil
Kiefer-Zähnen zermalmen. — Käu, f. (ahd. chlwa,
chowc, dumm, chöwe ■ fanx ; 12. Jahrh. chof = rumen
in guttuie, Gr. W. V, 1769; II. Jahrh. visch-cao, chlwe
— hrancia, D. 80; Voc. opt. W, ; mhd, kiwe, kiuwc;
15. Jahrh. keu, f. = mondibula, faux, Gr. W. V, 305;
1517 koy - niaudibula cui duntes inflxl, Schm. I, 1211;
1590 kacu, kew ^ Kinnbacken, Gr. W. V, 1800; kouwe
- fauces, H>rtl, K. W. 187; [Bayern] Käu a Kieler, Kinn.
Gr. W. IV, 1. 1577; Koi = Kinnbacken, Gr. W. V. 1600;
ausserdem auch— Maul, Gr.W.V, 777; subih; Wange,
Gr. W. V, 665, sub 3; [Tirol] Kole = dns [kauende] Kinn,
Hintner 6. 15 , rösterreich] Kol, Kuie ; engl, chaw e Kinn-
backen, Eehf. l .i) — Die Käue = Kiefer, Maul,
Kauwerkzeuge, Kinnbacken, Kinn, Wange (Gr.
W. V, 305). — afterkauen [aberkuwen, aderkowen.
D. 505) - ruminare, wiederkäuen. — «kauen
(eercauwen, ü. 503) = ruminare, vollständig aus-
kauen. — .Vä</fJ-Kauer = einer, der aus„grillen-
hafter Gewohnheit" (angeblich aus erblicher Be-
lastung nach Berillon, in La semaine medic.) an den
Fingernägeln u. Nagelwurzen kaut. — gespitztes
Koi = spilziges Kinn (Schm. I, 1214). — it-, iter-,
wir^er-käuen (15. Jalirh. widderkuwen, -kewen,
-keügen, D. 503, l. = aufstossen, das Essen wieder
heraufgehen, itterruechen. — 2. (1807) = d. seltene
Anomalie beim Menschen, das sogen. Wieder-
kauen, Ruminatio (.Schmeller I, 176. <H7 ; II, 19 , J. P.
Krank VI, 319; Kohler II, 132); eiue bei sog. ner-
vösen Konstitutionen u. ungenügenden) Magen-
(Cardia-) Verschlusse willkürlich erfolgende
Heraufziehung des Mageninhaltes aus dem
Magen In die Mundhöhle; (beim eigentlichen
Wiederkäuer wird dieser dann noch einmal ge-
kaut zwischen den Zahnen). — Käu - Adern,
-Gesucht.
kaufen. — Porkai kaufen - den zum Zwecke
der Pockenimpfung, d. h. zum Schutze vor
schwerer Pockenkrank!), hergegebenen Pocken-
eiter aus isolierten, leichteren Pockenfallen zu
landesüblichen Preisen bezahlen; ein Brauch,
den die griechischen Handelsleute vermutlich von den
Chinesen kennen gelernt hatten; die Griechen über-
lieferten diese Methode der Erzeugung milderer Pocken
an die Venetlaner u. Italiener, diese an die Englander
(buylng the atnallpox) ; (1722) „im Herzogtum Cleve
und in der Grafschaft Mors stellte diesen Gebrauch
Dr. Schwenke 1713 bereits fest u. fast ein Jahrh. früher
erwähnt ihn Bartolin in seinem Briefe über die Über-
tragung der Kränkelten, der In Kopenhagen 1637 ge-
druckt wurde" (Tagl. Rundschau 1896, 8. 450). Man
steckte sich mit den gekauften Pockenpusteln leich-
terer Krankheitsfälle künstlich mit Blattern an, um der
Krankheit den gefahrlichen Charakter zu nehmen.
Kaule, f. (Kaulchen) (eine Nebenform zu kugele ;
mhd. küle, Kluge5, 189 = eine Kugel von geringem Um-
fange ; ndd. kühle, Goldschm. 120; 1517 dy kule =
clunieuius, r>. 128). — Kaule. L = die Keule am
tierischen Körper (Clunieuius). — 2. = Beule,
Geschwulst (namentlich am Halse), Überbein,
wässerige, Dellen machende Geschwulst (Oe-
dema), Pünkel, Gichtknoten als kleinkugelige
Anschwellungen (Gr. w. v, IM). — (1645) Käulchen
= Keulichen, kleine, geschwollene Halsdrüsen
(Gr. W. 1. cod.; Coler, H. A. 142). — käulicht =
kugelichtgeschwollen,schwanger(Gr. w. m,l>S3;
V, Ml). — (1615) böse Kaulen (boss kaulen, Coler,
R. 406) — bösartige Lymphdrüsen - Anschwel-
lungen beim Vieh (Rotz, Milsbrand, cambuca).
— Hirrr-Kaule (ndd. hart kühle, Goldschm. 100) =
HerzpUnkel an der Magengrube, Herzbuckel,
Herzputzchen. — Kaul- kau/t'c/i/V. er, esJ)-Arsch,
-Finger, -Kopf, -Kropf.
kauxen = kauchezen, keuchen (Gr. w. V. 43»)
(s. kauchen).
KaUZ, DD. (Käuzen) (vielleicht zu Kodcr. Goder)
- Unterkinn = die Fetthaut unterm Kinn bei
starken Leuten (Kienzl) (Gr. w. v, 870; Tirol ;
Fromm. VI, 292).
Kebel s. Kiefel.
kebig s. Kaib.
keck, Kecken (Kicken) (urindogenn. giw =
lebendig, lebhaft sein ; gfwös =■ lebendig; vorgerra.
giwo- [virus]; goth. giwa - lebendig; ahd. quec, chec
= lebendig; mhd. kec, guec, Kluge*, 190). — sich
kecken (kicken) ■ sich erholen, beleben = er-
kicken (Schmeller I, 1223) (s. queck). — Keck-
(kecke) -Ader, -Fleisch, -Leib.
kecksen s. kachezen.
Keelen s. Kehle.
Kegel, m. (vorgerm. gagho = Pflock. Nagel, Keil ;
goth. kagils ; ahd. kegil - Pflock, Knüppel, Kegel ; mhd.
kcgel = conus. Kluge*, 190), 1. = beim Pferde,
a) (1066) die Gegend des Tauben- bezw. Bug-
Gelenkes, wo die Schulter endet n. der Schenkel
(Vorarm) anfängt bis aufs Knie (Armbein);
b) (1599) der runde Teil des Fusses unterm Schien-
bein über dem Hufe, über den Fesseln und
über der Köte (Bebt*. 211; die kegel als nerolich
wie das .«chlubeyn auffhört, blss auH den Preiss oder
Huf. Gr. W. IV, 2. 1624; V, 383). — 2. = runder
rollender Gelenkknochen, der zum Spielen be-
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Kehle.
Kehle
2«3
nützt wurde (lamolcttc, Bris*. 297; 15. Jahrh. ,,.|Uodam
os in pede Übiae et surae cum qno luditur", Gr. W.
V. 383. 3Ä6). — 3. (mhd., 1*82 - spurt us, D. 549) -
aneheliches und jüngstes Kind des Kebsw eibes,
•och Bankert, NestquÄckchen , mit dem man
scherzend spielt (Schmclter I. 1231 ; Kluge*. 190);
vergL „Kind und Kegel" [WuMomn 26" ; Schräder
452). — Kegel schieben = coire, mit dem Penis
spielen (s. d.), kegeln (Gr. W. v, 390). — (1578) auf-
kegeln = sterben, wie ein getrolfener Kegel um-
fallt (vom Schlachtfeld genommen) (Gr. W. V,
2163). — i!<-kegeln ~ aus den Gelenkknochen
(Kegel 2) herausfalle:; (Gr. W. V, 383), die Kugel
des Beines aus dem Gelenke verrenken (Buek iß!
oder auch beim Kegeln sich den Oberarm aus-
renken (wie austreten, ausfallen, ausschlagen)
und dann auf andere Gelenk-Luxationen über-
tragen; demollete — ausgekegelt (Bris*. 297); den
Arsch auskegeln = sterben (Schmeller 1, 1231). —
.lu-s-kegelt, n. (1592 ausskeglet, n.. Seb. 177) -■ der
ausgekegelte Zustand beim Pferd. — Auter-
Kegel = der Hinterschenkel beim Kuheuter.
— Hüft Kegel - Trocbanter majur femoris. —
kurz- /-kegelt (1592; Seb. 211) = kurze Kegel 1 I»
habend. — ATe*f-Kegele (Schwaben) = „letzt»-«
Kind einer Ehe" (Schneller I, 1231). — Kegel-
Ader.
Kehle, f. (Kehl, Kehln,f. Kahle, f Keelen. f.)
(vorgerm. gila — gula [Kehle]; goth. kil<>, Kluge'', 190;
ahd. chclä, Graß* IV, 3.*M~g\ila, guttur. fauces, brancla;
S. Jahrb. chula = gurgullo, Hab. Maur. 6t ; chcluuti —
gulae, Kero 77; IL Jahrh. kela = gul». D. & III. 368;
XV. 340; kela = trolla, II. Z. XV, 354 ; 1260 .He chel,
1'feilTer 27 ; mhil. kele ; 1420 keel = gula, D. 271 ; 1482
kcl — guttur, Druss-el, Zening. Voe. i|2; jngulum,
Hyrtl, K. W. 154 - vordere Halsgegend, Ilyrtl, K W. »9;
15. Jahrh. gyel, gyl = (rula. guil«. D. 271 ; 1528 kael »
cplglottl.», gula, guttur. EL v. Gersd. 97 , nach Gr. \V.
V. 395 ff. im) Kehle, I. = Biegungs-Höhlung am
menschlichen oder tieiischen Korper, Röhre,
Kinne, etwas Ausgehöhltes (Ilyrtl, K. w. 89), 1. —
die Biegungsbohlung , in der Hals und Kopf
unterm Kinn zusammentreffen, mit Einschlug»
der benachbarten Teile des Halses, die eigent-
liche Kehle im Gegensätze r.ur Kniekehle: a)
Hals überhaupt, z. B. die Kehl abschneiden,
an der Kehle packen; b) Luftröhre und Kehl-
kopf (Lungenkehle) , als vorderer und innerer
Teil der Kehle, welche Töne hervorbringt;
c) Schlüsselbein -Grube, Jugulum (nyrtl, K. w.
89. 154); d) Fett und Fleiseht«ile unterm Kinn;
Kehls (Schwaben ; Gr. W. V, 504; Bück 16) - beim
Vieh die herunterhängende fette 1 laishau tdleyne
III, 312); e) Speiseröhre, z. B. durch die Kehle
jagen, unrechte Kehle (Schw. 334), auch wie der
Hals (s. d.) als Sitz des Geschmackes angenom-
men (Schm. I, 561 Zeile 2 r. o.) (Ksskehle, Magen-
kehle, Speisekehle). — 2. — die Biegungshohle
an dem Arme unter der Achsel (Brustkehle),
mit einer Kehle verglichen. — 3. = die Bieg-
ungshöhie unterm Knie (Kniekehle). — 4. = die
Biegungshöhle unterm Fuss (Kusskehle). —
II. = die bei I. 1. a-e sitzende Krankheit: Kehl-
sucht, Flosskehlen, Kehlfluss - Kehlen, Kehl
(„die kühne Kursung • Kehle . für die**) Krankheit»-
iiaiuen »out eine grosse Häufigkeit .)er Krnnkueit nnd
des Gebrauches des Namens voraus", Gr. \V. V, JOvj. —
III. Kehle = Kiehl (s. d.). — kehl-- » (kehlsen)
n aus voller Kehle öfters bellend husten und
würgen (1482 kclssen - )ugultare, würgen, Zening
Voc. q2). — (1498) die 4 B> «>.' Kehlen, eigentlich
= Achselkehle mit 4 seitlichen Muskelhündeln,
die eine Höhlung bilden (Braunschweig; Chirurg.
105; „das* der arm sich ruck für sich [ = nach vorne]
HUB vordertheil und das gesehit selten um der vUe
wegen der nerven [Sehneu, Blinder] und um das vor-
stehen der 4 kehlen der brüst oder grübleiu oben an,
die das beschirmen", Gr. W. V, 3961. — / - - Kehle =
Oesophagus (Hyrtl , K. \V. 200). — falsch* Kehle
= unrechte Kehle. — i ^ Kehle [UM tinue-
kelen, I.ersch 179; Gr. W. V, 509. Schnurrer I, 332) ■
KehlfluM = Influenza, Flusskatarrh (Bhmss). —
Fuss-Kehle -die Höhlung unlenn Fuss. — (i'6lj
grosse Kehle = Struma, Satthals, der den Kehl-
kopf ftusserlich vergrossert erscheinen lasst
(Gr. VV. VIII, 1830). — harte Kehle (H77 hartigkelt
der kele, ortolph ; 1551 harte kille, bock 40) = schmer-
zende Kehle, Kachenenlzündung. — heuere
Kehle ■ Larynx- Katarrh. — hohle Kehle ■ die
Kehlkopfshohle, Lumen laryngis (Gr w. VIII, I52i;.
— h'iin -Kehle (mhd. kniekcl, I.exer 128j — Fossa
Poplitea <le jarret [ - garra. pople«), Briss. .» ; a) heim
Mensehen ein ungleichmassig vertieftes Dreieck
in der Kniehöhle mit der Spitze nach oben, an
der Hinterseite des Knies, welches die Gefasse
und Nerven dieser Gegend einschliesst und mit
der Halskehle verglichen wird (Hyrtl, Anal, ist) ;
die seitlichen Sehneu- und Muskelbündel als
Leisten der Kniekehle gaben auch Veranlassung
an der Brust (Achsel) 4 Kehlen (s. oben Brust-
kehle) ZU suchen (Brauuschw. Chirurg., Gr. W. V,
1129); b) s. Jarret l; c) beim Pferde: der
Kniebug am Vorderknie, bezw. die Hinter-
rlachc des Backen- oder SehenkelbeinH (Kalke
Ii. i9j. — rTm>kehlen-ddVr. — (I609) Lungen-
Kehle (Guariti 65) a Luftröhre im Oegensatz
zur Magenkehle. — (1609) Magen - Kehle -
Ksskehle, Speiseröhre, Schlund («iiiarln. 869).
— raulte Kehle (1551 ; Bock, Krtrbch. ; i »9i rauhe
Keel, Tabern. 21 B; ..racuehe der keelen"), 1. b
die Empfindung des Rauhen beim Kachen-
und Kehlkopf-Katarrh (rauhe Stimme). — 2 —
Trachea, Übersetzung der Arteria aspera wegen
der ungleichmäßigen Knorpel-Oberllache der
Trachea im Gegensatz zur Innenwand der
eigentlichen Arterien (Hyrtl, K. w. 131). — reine
Kehle = freie Stimme, reiner Larynx. — scharfe
Kehle , 1. = schmerzender Rachen (wie rauhe
Kehle 1) [15, Jahrh. die Schaerphing der kele, C. v.
Megbg ). — 2. = Trachea (wie rauhe Kehle 2)
(Hyrtl, K. W. 134). — (17. Jahrh l srhleimiijc Kehle
= Rachen- u. Kehlkopfkatarrh (Fr. K. B. 170). —
Speine - Kehle — Oesophagus, Ksskehle. —
(15. Jahrh.) Uber- (CHfcr-)Kehle = der obere,
bezw. untere Schlundteil der Kehle (Gr. W. V,
39C. ;jy7, I). 2iy), Ingluvies, Frumon (s. Kelcti). —
(16. Jahrb.) unrechte Kehle = Trachea (Hyrtl, K.
W.yj , die Arteria aspera, die falsche Gurgel
(s. d.) (Gr. W. v, 397;. — (1551) verwundete Kehle
— oftener, rauher Hals 'geschwüriger Rachen-
katarrh) (engl, sore thruat = sehre Drossel, Kaltschm. ;
' üoek 162). — (1507) zerschtcMeiie Kehle Hurt, san
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kehren — Keim.
keipeln— Kelch
- Angina, als Geschwulst in der Kehle Hals).
- KehKenM<fcr (« *), -Apfel, -Apostem, -Bart,
-Boss, Bein,- Blättlein, -Bräune, -Brand, -Bruch,
-Bühel, -Deekel, -Drüsen, -Engung, -Fleuch,
-Fluss , -Gang , -Geschwür , -Geschwulst, -Hufe,
-Husten, -Knopf, -Knorpel, -Knoten, -Knüppel,
■Kopf, -Krankheit, -Kropf, -Krospel,-Fein,-Ritze,
■ Rohre, -Schlund, Seuchte, -Sucht, -Sod, Stimme,
- Wehtag, -Zünglein ; (vgl. Kelch).
kehren (goth. knrjnn ; ahd. chcriiin, kerian - fegen ;
cherren, keran = wenden ; tnhd. koren = fegen; keren,
kerren = wenden, Kluge5, 191 = auf die andere Seite
wenden; Island, kar =- Schmatz, Hautunrclnlgkelt).
Kehrer = Putzer, die Drüsen, welche Organe
vom Wust (s. d.) reinigen, fegen (Glandulae)
(Hyrtl, K. w. 29). — h kehren (Bekehrung) = um-
kehren (14. Juhrh. bekerd, Voc. opt. W, 11; 14. — 15.
Jahrh. mnd. so wan he bekeret an dem swete, J. f. nd.
Spr.-F. XV, nr>) = Krisisder Krankheit — Wendung
zu einem anderen Stadium der Krankheit. —
Bekehrung (15. Jnhrh. bekerde ; 1129 bekerung des
slcehtaRcs) = Krisis morbi = iler kritische Tag
(s.d.), der urteilende Tag in der Krankheit
(Schmeller I, 59:»). — 17&<T-Kehre (ahd. ubareharn
- perlpsoma, Klnge *, 191}- Hatltunrcinigkeit auf
den neugeborenen Geschöpfen. — nmkehren,
den Magen i. B. - Ekel verursachen, aufstossen
(renvoi) durch die vorgestellte Wendung des
gefällten Magens, Anatrope Galeni. — f7»ikehr
umj^ Vorfall (der Gebärmutter, d. After«) (Kalke
II, 3»5). — (1.30) Ferkehrung (der Aughrauen)
= falsche Stellung, Lage oder Richtung der
Augenwimperhaare (!)istichia8is\ auch des Her
7-ens (Hippel II, 132; Künigsp. 47).
Kehrlecken, pl. s. Lücken.
Keih(e), m. (Kaib, Keb) («chwab.-alemnn.; 1314
cayb — calcaneus [Schclmc-nbeln], Hacser I, 3:18 [Aas-
fcnoehw?]; 1482keyb=pestls, Sucht; kcyblger - peatl-
lens, schelmiger, süchtiger, Zen.Yoc. q2; Gr. W. V, 432.
488; 1491 kclb = Leiche. Ana. Hyrtl, K. W. 106; 15. Jahrh.
keblg sebclmlg [Mlttelrheln]. Gr. W. V, 133; kalb =
l'est , eine schelmische Krankheit, ('. v. Sellin, r.04 ;
Schm. 1, 1216 ; keub [tu einem älteren Viehsogen, Mone's
AOS. VI, 467] - Seuche, Sncht [beim Vieh), Cr. \V. V,
432), 1. = Aas vom gefallenen Tier (Kluge» IM).
- 2. = Viehseuche ( = Schelm, s. d.). — 3. =
Pest, Seuche, Sucht, Epidemie, Epizootie(l>. im ,
Bchtnellcr I, 1216). — keibig = schelmig; (den bo-
endlichen Zusammenhang von 1. 2. und 3 vermittelt
wohl die Verschairung «Ks gefallenen Tieres Ik;I Pest-
seuchen).
keichen s. keuchen.
Keidel s. Keutel.
keien s. heien.
keif (zu mhd. kiben; nhd. keifen, Kromm. VI, 293)
= fest, derb, heftig. — Kei(- Fleisch.
Keil. — Keil- Arsch (s.aucb Keutel u. Keule).
Keim, m. (gerra. ki [dazu Keldn = Sprossllng, siehe
Keutel] = keimen , bersten, zerrilatzen . aufspringen;
goth. keirna; ahd. kirn, kimo; mhd. kirne, kim; aiikrls.
uluu - UU> Sprung, Klug« \ IM), 1. Blutt n a, .;.<-
was aufspringt, emporprosst. — 2. ~ s. Kahm,
keimen (1730; Btaric. 2soj - an den emporgerich-
teten Brustwarzen aufspringen, Schrunden
machen. — (1477) <iu/"keimen (Orlolph; Schmeller
I, 1246) = aufschwellen, aufspringen, z. B. der
Zunge. — Haar-Keim - Papilla pili, das kleine,
gefass- und nervenreiche Wärzchen, aus dessen
Grunde das Haar aufkeimt (Hyrtl, Anat. 524). —
Krankheits-Keim, 1. = der Mikroorganismus
(Bakterium, Mikrobe), durch dessen Wachstum
innerhalb des lebenden Körpers die Krankheit
(s. d.) entsteht. — 2. as die (latente) erste Ur-
sache zu einer Krankheit Uberhaupt (bildlich).
— Keim-Drüse, -Fleck.
keipeln s. käupeln.
KeiSCh (eine Nebenform zu heisch [s. d.], <Jr. W.
V, 499). — keischen - keuchen (s. d).
Keist, m. (keisten, keistern, Kister, Kisten,
kistern, käustem); Keist, l . = der menschliche
und tierische Samen, Keut (s. d., Sperma), „als
das von innen herauskeimende Mark" ? vermut-
lich eher als speichelartiges Sekret (s. Speichel)
(Gr. w. V, 499. 655). — 2. = ausgeworfener Schleim,
Speichel, Sekret. — keisten = onanitare (Gr. W.
V, 499), den Keist (1) auswerfen. — keistern,
1. — Schleim auswerfen, screare; den Samen
auswerfen heisst auch (Bayern) — speien (siehe
Speichel) (Gr. w. v, 199). — 2. = heiser sein mit
schwerem Atem (kistern) (Schmeller I, 1306). —
3. — keichen (Schtneller 1. cod. ; Gr. W. 1. cod.). —
Kisterer — ein Engbrüstiger, der Auswurf hat.
die Kistere (Keistere, das Kister) (15. Jahrh. ki
siigl — tuis [ptisis], d. II, 366), 1. = Heiserkeit mit
Auswurf. — 8. = (1668) Engbrüstigkeit (Heyn. 232).
— kisterig, keisterig, keisterisch ns. Jahrh.
kmartrlach -= pltaltosus, Gr. W. V, 199; IMI kysterlg-
asthmaticus, Gr. W. V, 499; kclchend; 1591 kystcrlg) =
iistbma(ticus), d vspnoicus (iiad. Juu. 3«5). — Brust-
Kisten, Kisterei ( Keisten) (mo bruat kisirie =
phthlsis [ptyais], D. MS; 1I7S brust-kysty - phthlsis,
Schleim-Auswurf bei Urustschwindsucht, Gr. \V. V, 499;
VI, 1305; 1182 brustkistrle = phthlsis, Zening Voc. e 3)
— Phihisis, da» Schleiraauswerfen des Luneen-
süchtigen (Gr. \v. v, 199). — Herz-Kiste (-Kei-
stern, Kleistern) (IS. Jahrh. herzklat, D. 644) =
Herzschwäche (Syneope), Schweratmigkeit mit
Herzschwäche, Engbrüstigkeit (Oedema pul-
monum) (Gr. \V. V, 499; Tritons Adlholtz. 63).
keitzeln s. kitzeln.
Kelch, Dl.| f. (nicht zum entlehnten lat. kallkem
= Kelch [Gefitss] «ouderu zu Kehle; ahd. chüla; aanskr.
gala = Kehle, gula ; anord. kiälki - maxllla. I). 560 ;
aubinentum, Kalke, 1. eod. ; ahd. kclca - slruma, n. Z.
XVI, 109; chelcha e» strnma, II. Z. XVI, 48; chelh.
cheleh, keleb, D. 557 ; Hattemer, Denkm. III, 607 ; chelch
= stromae, lumores, II. Z. XVI, 26; ehelh — Struma,
Gr. W. V, BM; 11. Jahrh. chelo - Struma, II. Z. III;
chelch = Kropf — atrutua, Graft IV. 385 ; mhd. kelch
= Struma, -ehelich = Struma, Schmeller I. 1210; chelch
— Struma, tuuior, Ib. (Tin I, 37 S ; 15. Jahrh. kalke —
submentum [slruma], (ir. W. V, 501), 1. — Kettwulst
und Haut unterm Kinn, Doppelkinn (Schmeller
I, 1240 , tir. W. V, 504). — 2. - Kropf« ulstam Halse,
Strun^a. — Kelklelli (kelklin, Schmeller I, 1240) -
! die Haut unterm Kinu,Ingluvies,tori. — kelchig
(kelch«'!) (ahd. Chetchobtcr, Schuieller 1, 1210; Cirall
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Kelheim— Kengel. Keimung— Kern. 265
iv.385) = strumosus, mit Auswüchsen, z. B. Kropf,
behaftet. — Kelch- Kropf '.
Kelheim. — Kelheimer-Basd*.
kellen (killen) = das Ilgern (s. d), Stumpf-
werden der Finger u. Zehen hei starker Külte
quälen [«. d.]; ahd. qnelan, quellen, wie keck zu
quec, germ. qel ; Indogerm. gel — «techenden, quälen-
den, tobenden Schmer* In den Gliedern haben. Kluge *,
164. 291 ; 8chmeller I, '.»36. 1234—1237; J. f. nd. Spr.-F.
XV, IIS; Z. d. V. f. V.-K. 1897. S. 5«; Jordan 270; 1 17fi,
ndl. kellen, kellyng = algina, alginare, durch Frost-
cinpßudung Schmerz haben, D. 22; kaellcn, FrUichb.
HD) = quälend, hrennend schmenten in den Fin-
gern, Zehen (namentlich bei Frost, Gicht oder
Wundfeuer). — okellen ahd. erchelon [Notker],
Schindler I, 1236 0.) = erkälten, erfrieren unter
■ luälenden Schtnerzenipfindungen (Goldschm. 66).
— m/ü kellig - empfindlich, schmerzend (Gold-
schmidt 156). — kill (kell-)jäckcn. — kellende
Oicht
Keller, m. = unterirdischer, gemauerter Raum als
Behälter lür Wein- und Bier-Ueratc. auch der Aul-
enthaluort des Hausgeistes. — liannscheu im
Keller, s. Hanns. — Der ist in /friM/au-Keller
gegangen (Mecklbg.) = in der Meerestiefe verun-
glückt (z. d. v. f. v.-k um. 19;:) — Keller- Fieber,
-GeMchoss, -Krankheit; (s. Greteben u. Köche).
kehrte rn (kelzen, külstern) (*u kiistcro. s. d.),
1 - mit widrigem Tone aus voller Kehle bellen,
husten, würgen (C.r.8chm.2i9). — 2. = keuchend
und tief (aus der Kehle) husten mit Auswurf
(Gr. w. v, 704) (vgl. auch kölstern, kolstern).
Keminat, f. (ahd. chcnilnAta ; mhd. kemenäte -
Camera camlnatA, heizbaren Zimmer, Wochenstube mit
Kamin ; ze chemenaten gan) ^ hinterkommen (». d.)
{Schmeller I, 1137).
Ken (Kens, Kins) (»7". in den banden reeten,
spleeten of kernen — plemen [phlcgmcn] , I). 239 —
tumor sanguinis; 1152 ken[ds?) = kynu = knuchel an
dengelaichen — condu* [Verdickung 1 cundylu«], D. Hl ;
Zolling. Voc. qä; Gr. W. V, 779 wird es als „Gelenk-
knochen" vermutet ; es dürfte aber als tophus, callui,
Knebel , Knoten zu deuten und in dieser Bedeu-
tung aul die Gelenkkuocben übertrugen »ein) = Ver-
dickung (Condylus, Nodus); vergl. Kauz —
Kücken, Nackenerhohung (Buck, Fiurnam. I3u).
— Kinsen. Kinsten (Quintsele) = Hautverdick-
nngen mit Schrunden (Krebs?) (Scbmeller 1, 1266).
— Kenle {osterreich) = knorpeliges Fleisch an
der Kalberbrust. — Kinseln (166» küentzkn.
Beyn. 143) = Drüsenknollen in der Weiberbrust.
kenden s. kinden.
Kengel (»chw ib., 1577kcngel -stirla, I). .53 = Rotz-
kengel [s. d.) = Rinn«, Rohre, Kanne). 1 . — Bein-
rrthre (Schweiz). — 2. ^ Bruströhre, Brusthöhle.
— 3. - Schleimrinne, namentlich an der Nase
(c;r. w vi». 1329). — firtwr-Kengel = Brusthohle
(Schwaben; Gr. W. V, 530) (s. hangen). — (1609)
Federn- Kengel (Schindler I. 1266) - Federn-Kinne
oder -Stengel — Calamus scriptorius im Gehirn
(Hyrti, k. W. 17). — (uu) ß»/;- Kengel = Stiria,
Cuneus, Kotzrinne au« der Nase [Or. W. V, 530;
Vlir. 1330; D 162. 553; 1018; Sellin. I, 1206) (s. HoU-
Keutel!. - (i5i7j Schmuler- Kengel Schleim-
Kinne durch den Schnöder, Schnupfen veran-
lasst (Gr. W. V, 530).
Kennnng, f. s. Kundung.
Kens s. Ken.
kenzen = kratzen (kinaen) zu Kens - Ver-
dickung der Haut (Schmeller I, 1206).
Kerbe, f. (Kerb.m Karbe, Kann) (mhd. kerbe, f.
korp, m. = die F.inkerbung, der Einschnitt am Holze.
Rinne ; ndl. dialekt. kert, I»e Cock 250 kert - podex, V.
K. III, 121 ; engl, carre — ausschneiden), 1. ss Körper-
spalt, Kinne. — 2. = Vulva, Anus (Krinne, s. d.)
(15. Jahrh. ; Gr. W.V, 558; ndl. kert, ket, kit. De t'oek).
— 3. = der Klanenspalt beim Rindvieh (Gr. W.
v, US). — (im;.) kerhicht (kelbieht) = schrundig,
auf der Haut gespalten (Colcr, H. A. 127. HO). —
j4r8CÄ-Kerbe (14.S2 arsskerbe ; 1 17u arskarbe, Zenlng.
Voc. ; pari» culi ante foramen, scissurn ani, 8chmcller
I, 14«; D. 443. 585; Gr. W. V. 558; 1C66 kerbe zwischen
den Hinterbacken, Heyne III, 324) = Arschgraben,
Gesftsspalte, Podex. — Auskerbungen (Auskerf-
hungen) = mit Feinschnitten in die Haut ver-
sehene Stelle. — (18. Jahrh.) Brust Kerbe = die
Rinne auf der Mitte des Brustbeins f<;r. w. v. 558).
— Hala&rhnen YLerbe (ahd. halssinikerl . friesisch.
Gesetz; Gr. W. V, .v»7j = eine Wundrinne infolge
von Durehschneidungder Hals-Sehnen. — Kerb-
Schmerz, - Weh.
Kerker, tu. ( = ciefangni*). — Kerker Fieber,
— Typhus.
Kerl, in. teoth. karla — der Mann in voller Mann-
heit. Kluge*. 193; ahd. charl. I». 319; karnl = amutor.
maritus; angln, ceorlian - heiraten; ceorl = Mann;
mhd. karl, Schmeller I, 1291) = Penis (Gr. W. V.
1319).
Kem, m. (altgerm. korua. kerna ; golh. kairoo;
angls. cyrnel ; engl, kernel ; nhd. keruo; mhd. kern,
Kluge*, 193 — der bessere, lebensvollere, testere, mar-
kige Teil unter einer Schale , Äusseren Hülse , Fett-
schicht« etc.), 1. = der empfindliche Teil des
Pferdehufes, das Huf- o. Hornmark (I592geren,m.,
Seb. 177; 1599 der keren, Gr. W. V, SOS; Seb. 194), der
Huf-Kern als Zeichen des „Lebens" im Hufe
(<ir. w VI, 423) (s, Leben). — 2. = der Knochen-
punkt, der Knochenkern, als Keimpunkt des
Wachstums für den Knochen. — 3. = die
„Bohne" an den 12 bleibenden Rosszähnen der
Pferde (<ir. W. V, 596 - die kernung an den zilhncu), an
deren schwarzgetüpfelter Kernfinur (Kunde od.
Kohle, s. d.) man das Alter der Pferde erkundet,
da sie sich nur bis auf eine gewisse Zeit des
Lebens erhalten (Abu*. 3). — 4. = eine der
Gaumenfurchen (Staffeln, Stuhl) imPferde-Maul,
wo der „Kern" gehrannt, bezw. mit Hirschhorn-
spitzen gestochen wird (vergl. Korn u. Kern 9)
(eine uralte Behandlungsmethode diu den Aderlaas ver-
tritt). — 6. = derbweiches, knochenloses Fleisch
(Brustkern, Wadenkern) unter äusseren Fett-
schichten hei Mensch und Tier. — 6. = die ge-
sunden , drüsigen Teile, besonders geschlach-
teter Tiere, bei denen oft der Schnitt in den
Kern, ins Mark der Brüse fällt (8. Korn) (Schweiz
cherna. cherneli - gesunde Drusen, Gr. \\. II, 115S;
dazu das in einem altheidnlsrhcu Segensprucho fur
Drüse [Malsdrüse, I'forlieu, Mandeln] auftretende kyr
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260 kerren- keuchen.
keuen — Keule
iiill [= kerncl, II. Z. XIII. 194], der in nhd utierselxl
lautet ,, Kernlein [Druse?], die nicht aufhört, fahre du
Wicht nun In einen Pfahl ['-]; es zaubere dich Thor,
der Herrscher, dich, Kernlein, da« nicht aufhört, auf
andere Männer'" Ob diese Ueut u ng kyrnill = Drfiae
die richtige Ist, iit noch ungewiß ; Kern ist sonst nur
die gesunde Drüse , diu beim Schlachten als „kern-
gesund" gefunden wird, vergl. engl-, 14. Jahrh. called
kernels = geschwollene Pestdrusen, Hecker sch. T. 10).
— 7. - die weibliche Brust - Mamma, das Herz 3
(<;r. w. V, 59«; Schweix), als gesunde Drüse oder
als Xueleus pinguetudinis (Bruatkern) unter
der Fülle äusserer Fettschichten ; in Nürnberg
int Kern^der bultergebende Milchrahm, Milch-
kern (Schindler; Kluge*, 133; engl, kernmilk ; desgl.
mndl. kerne; Island, kjarna) — 8. - (1534) Penis,
Ülans penis als Kern hinter der Schale (Prae-
putium) (Gr. W. V. 1606; Pr. I, 355). — 9. m ver-
dachtige (Kotz-)Druse mit Gaumenersehlaf-
fnng, wobei dann der Kern am Gaumen ge-
brannt oder gestochen zu werden pflegte (Falke
II, 111). — 10. = der Mittelpunkt od. festere Teil
von Darmsteinen (Falke L c.) — .luvt Kern =
das aus den 3 durchsichtigen Teilen (Glaskörper,
Linse und Augenwasser) bestehende Innere des
Auges (Hanke I. 572). — Brwt K*Tn, 1. ■ (1616)
der abgegrenzte Teil des weiblichen Brustfettes
— Mamma (Gr. w. III, 1172). — 2. -das knochen-
lose, markige, feste Fleisch (Kügerl) unterm
Fett der Kinder- oder Kalbsbrust (Gr. w. v, 596).
— 3. — das Brustbein (Sternum), als der kernige,
feste Teil unterm Brustfeit. — Fleisch-Kern
das fesle Muskelfleisch (Heyne III, 327!. — Kno-
chen-Kem - Kern J. — Krankheit» Kern - der
Mittelpunkt des Übels (Or. W. V. 598). — Milch-
Kern, 1. - Sahne, Kahm, als dichterer Milch-
teil. — 2. = (ndd.) gewisse drüsige Teile des
Srhweins-Futers (Heyne III. 813). — schwarzer
Kern = Bohne (s. d.) und Kern 3. — Waden-
Kern = das knochenlose derbe Fleisch unterm
Fett der (weiblichen) Wade. — Kern- Fi eisch,
•gesund, -Milch, -Schumi, -Schwinden, -Staar.
kerren kirren.
keschen (kischen) [tontnalsade Bezeichnung de«)
Hetsch, Hesch, Klux (Schluchzen), Singultus
(0r. w. IV, L 1267).
Keste, f ■ Kastanie.
Ketsen s. Konrtsen.
Kette, f - Ketten- Wurm.
kettern (ndl.) - kichern (t>. 108).
Ketterle, n. s. Köder.
kettig (ketschig) (zu Kot, s. d.) - schleimig,
breiartig «eich, von Wunden und Schilden, von
innen herauseiternd, schwärend (Gr. w. v.277;
Sehmellerl. 1310; MM. Medikus I"-!). — (1761) Unter-
Kötung, unti ' kuttig — unterschworen, eiternd
unter der Oberfläche (unterküttig) (L. eh. 31).
Ketzer, tu. - Sodomtt tltuek, Fluni, in?),
keuchen (keichen, Keich, Keuch, m.
Keiche. Keuche, m., f. Keucher, Kucher, kei-
schen, keuchsen, keuken) (germ. klk; [nasalten
zu: klnk. ». Keuchhusten' , uhd. chiclinu haiicheii,
horhnrstark iitmeii, btelicu ; nngli. cohhcltnti huste! ,
inhd. kieben = schwer atmen, stark hauchen ; tnhd ,
mndl. küchen [schnaufen], kiebe , f., I/txer 123 —
Asthma, Keuchhusten. Kluge*, IM; 15 Jahrh. kichung
= pteuresis. f). II, 295. 15U7 keiegen umti dy brüst =
asthma, D. 56; 1M5 keUchen = phthlslcare, D. 585; die
landschaftlich verschiedenen Ausdrucke für das hör-
bare Atmen gehen [nach Gr. W. V, 434 ff/, alle ron
einer Grundbedeutung des keuchenden Klanges
' [Tonmalerei aus dem uralten .Stamme kakh, a. o.] ;
15. Jahrb. keichen = Üsicare sicut pueri flentes tisicaot.
Keuchhusten, Or. W. V. 435; 1477 kench = tussU con-
vulsiva. Ortolph; 16. Jahrh. der Kelcher - asthmaticu«
pulraonarius, Gr. \V. V. 439, 15o7 kycheo, Hort, «an
= asthma, dyspnoea; 1632 da* Kelchen = asthma, Gr. W.
V, 439; 1542 keichen = Keuchhusten haben, Gr. W V,
434; IM? das keichen ss schwerer uthem, Heyne III,
333, anhelatio, 1591 kelchig - asthmatleus, Had. Jun.
395, dyspnoea; 1599 das keuchen = Enge der Brust,
Gr. W. V, 439; 1605 diu Keichen - das Keuchen. Keuch-
husten, Gr. W. V, 434; Schineller I. 1219; li.64 der
Keichen - Engbrüstigkeit, Gr. W. V. 439; 174» Kelchen
= trocken keuchen, asthma, Zw. 159; 1754 das Kelchen
— Orthopnoe«, A. v. H. I, 1095, asthina. resplratio
dlfllcills [dyspnoea]. A. v. II. I, 154; 1757 das Keichen
— Engbrüstigkeit , linuml. 257, Schweiz: der Kelch,
("hieb = atmen, Keuchhusten, a*thnm. dyHpuoea, Gr. W.
V, 134. 137, [Kucken], sogen, eimbrisehe Gemeinde,
Kaiche - asthma; Gr. W. V. Iii; keuckin.le Sucht
— Orthopnoe«, Keuchhusten , Schineller I, 1223). —
keuchen ist demnach 1. = laut, stark oder
schwer, angestrengt attuen (Dyspnoea). — 2. —
den Keuchhusten haben (Tussis convulsiva).
— 3. - mit Engbrüstigkeit husten. — Keachung
(Kiehung) = die Handlung des Keuchens bei
Brustkrankheiten. — keuchig, 1. - kurzatmig.
— 2. sa asthmaticus. — 3. = mit dem Keuch-
husten behaftet (Gr. Vi. V. 439). — keuchsen -
keuchezen, schwer atmen (Gr. w. V. 439). — an-
keuchen ~ anhelare, anhauchen, anblasen. —
böser Keuch - ansteckender Keuchhusten mit
gefahrliehen Erscheinungen (Heyne III, 333). —
gicfUerisches Keuchen = Keuchhusten mit Gich-
tern ( = Krämpfe), Asthma convul?ivum,
Krampfhusten (Zw. 160). — H532) Lungen-Keu-
chen - Dyspnoe (Gr.W. V, 189), die schwere An-
strengung der Lungenthatigkeit — (1597) melan-
cholisches Keuchen — Dyspnoe aus Plethora
(Gr. Vi. v, 439), eine Atetnstorung mit I-eberer-
seheinungen. — Keuch- (keuchend re,er]) Atem,
-Brust, -Ilusten, -Siechtag, Sucht.
keuen s. kauen.
Keule, t Källle, Kulen (Nebenform zu Kugel
[s. <!.]. Kluge*, 194. 219; mhd. küle [Kaul, s. d ); kiulc
— Keule, Stock, Stange mit kugelförmigem Kude ; 1420,
ndd. kule - livor [Beule] . morbus cambuoa, D. 92 ;
kewle - cancer [Gcschwar, Kolben - mentula], (ir. \V.
V, 35ii. 619; 1577. ndl. cullekenscruyt — Hoden- oder
Knubenkraut, i>. 399). 1. lünterschenkel, Uinter-
bugu. das Ellen bogen bein von Tieren (Fferden),
sowohl die Fleischteile wie Beine unterm (Hin-
ter ) Backenknochen (Gr. W. Ii, 494; V, 649; Hyrtl.
K. w. 37 ; Heyne III, 333); letzteres früher als Keule
gehraucht. — 2. - der dicke Schenkel von Men-
schen (scherzhaft derb), Diech, l'etnur (Adelung).
— 3. - Schanker-Geschwür (Kolb, s. d.) (Ur. W.
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keupeln— -Keut.
k «Mitsein— Kiehl.
267
v. 350. 849) mit kugeliger, kolbiger Anschwellung
der Glan« penis und des Praeputium infolge
de« Geschwüre ( = Morbus cambuca, s. Syphilis).
— 4. = Kuli = übermässig grosse, kugelförmige,
krankhaft«? Anschwellung der Hoden (Urquell
Ii, «3«) und des Hodensackes, Hernia, Hydrocele.
— 5. = (1507) Kulen, Kuleken = normale Hoden
als eiförmige, kuselige Gebilde (les couillons)
(Jtyrtl, K. W. 59; Schm. I, 123«; die Volksetymologie,
die aus der volksmedlzlnlscheu Behandlung (Durch-
Ziehung de* Kranken durch Keilspaltenl abgeleitet Ist,
». Frtachb. 58 Keile , f. = Knie) — 6. = 8. Raul
(Keulchen). — akulig - kugelig abgestumpft,
z. B. Zähne (Köhler 892). — ^^"} Arsch.
keupeln - käupeln.
Keur. — Kera-Wunde.
keusch (künsch) [intJogerra g«, gSw (-fp'/iu];
altgcrm. Wurzel ku - zart und rein, zur helligen Opfer-
Handlung zugelassen. Gr. W. V, 654; Kluge*. IM;
dazu germ. küml — schwächlich, kümmerlich. Kluge*,
ISO; ahd. chüskl st enthaltsam; mhd. kinsche; Ii, bis
15. Jahrb., mnd. kuslik - kenschlich, J. f. nd. Spr.-F.
XV, 114 ; ni7 künsch, s. hm. 1, 1303) r^rein, zart, zier-
lich, fein, schwächlich. — unkeusch - unrein
(von Wunden), angesteckt, namentlich durch
den Beischlaf (13. Jahrh. „Ist da« Weib iinknsch »o
nym Werniuth, Sesseln, Ciren.«ing elc. und gib ihr den
AbMid zu trinken I Abende und I Morgen so wird ihr
dink [genitale, s. Ding] gut", nach Magist. Harth. 91 b;
11. Jahrb. vncheusch = unrein von Wunden, Z. f. d. A.
1*88. S. Hl ; 1447 der unkünsrh coitus, Sehmelier [,
1301; onkeusch, diu unküsch. 1. eod. ; 149'. vnkeusch
= ganeo [«. Bufflan). O. 2S7). — / r keusch, f. (ahd.
nnküski = Schmutz, in üblem Zustande Befindliches,
Kluge *. 194). 1. = Coitus (Schmeller I, 1303). — 2. (vn-
kusch = luxuria; IS. Jahrh. — luxus , H. 642; unge-
hewsch = luxuria, Schm. I, 13041 — Syphilis (siehe
Luxus). — (1477) Feuchte der (7nkeusch (Ortolr.h)
= Semen, Sperma, Gonorrhoea. — (1551) ledige
i .'ikeuschheit (lt. Jahrh. lidige unkusckelt, Schm.
I, 1439) — der außereheliche Beischlaf. — Uöer-
fluss der /'»ikeuschheit (Rock, Krtrbeb.) = Gonor-
rhoea, Spermatorrhoea, als starker Ausßuss
des Genitalsekretes. — keusch geboren. — un-
keusche Blatter *, Glieder, Gelüste.
Keut, n. (Keutel, m., n.) Keut (vergl. Keist)
(1507. ndd. dat kuyt - pulpa carnis, I). 472; 1502 dat
kuyt van den been - »ura, D. II, 3.56), 1. = Kin-
greweide, DarmnetzniitFettklflmpehen, Wa«lon-
fleisch. — 2. = männlicher Samen, Sperma
( m Keist 1) (Bchmeller I, 1226) (s. Keut austreiben).
— Keutel (1422 kewtil = palcar, Gr. W. V, 655; D. 400),
1. = sackähnlich herabhängende Wamme oder
Unterkinn (Köder, Goder) und Darm (heim
Schwein). — 2 - eine kleine, harte, geschwol-
lene Halsdrfl.se, die (wie ein Keutel 1; herab-
hängt (Gr W. V, 65«, Sachsen, Thüringen). — Xasen-
Keutfrin, I.™ Nasenschleim. — 2. - das Grüblein
an der von der Nase herabhängenden < Iberlippe
ohne und mit dem Nasenschleime (Gr. w. vn,
412). — J; '.- Keutel (Keil) (Gr. W. VIII, 1330) =
«las aus der Nase herabhängende Kotzstltck
(Kotzschlägel) («Höh» „Kell" ist jedenfalls ans Keidel,
Keutel ciilslan.lcn).
keutzeln & kitzeln.
keuweln, keweln (itenllv-BUdnag u kauen,
«. <l.).
Kichel, dl s. Kochel,
kicheu s. keuchen.
kicken (kickezen gigezen]), 1. = nur den
unbedeutenden Naturlautkikkik hervorbringen
= stammeln, stottern (H. A. Ith. 310; Gr. W. V,
661. 662), balhutire, ahstossend husten, lachen
wie ein Kobold. — 2. = s. kecken. — kikazen
(ahd. kichazzen — lachen. Kluge*. 194) — kikezen
(gigezen) (oberd. Weiterbildung zu kiken), 1. = öfters
u. nicht laut husten. — kichern (nhd., onomato-
poletisch = udl. kettern ; angls. ceathettan, Kluge *.
194; D. IM) = öfters kiken oder keuchend husten.
Riefe, Kiefel, m., f. Kiffel, Kiefer, m. (Kufel),
Kiff, n. (zu «hlwan = kauen; vorgerm. geph, gebh,
germ. kef [kaf], keb [kab]; goth. klfru, Kluge 191 ; ahd.
ehina. (irafTIV. 931; 1477 kew, Ortolph = Kiefer; 119S
kuflel = Kinnbacken. Gr. W. V, 777; mhd. klnwe, kiu-
wel. kewe, klvcr, klvcl, kiveie = Kiefer, Kinnbacken,
maxilla; I V Jahrb. kieffel = palatum . D. 406; 1528
kyfel - Zah n fleisch , Klnnbaeken . II. v. Gersd. 86;
1.90 kiefel, Gr. W. I, 536; 1594 der kifel = Kiefer, (ir. W.
V. 665; 1612 kiefel — Kinnbacken, Cr. W., V 665; 1616
kyfe, küftel, kufel. kifel, llyrtl, K. W. ; Coler, II. A.
138 = ober- und fnterkiefer; 1684 knie = maxilla, Gr.
W. V, 661 , 1684 kirbel - maxilla, Gr. W. V. 789 [Neben-
form zu Klefer]; 1716 kiefel - Zahnfleisch, glngiva;
Österreich Kebbcl = Kiefel). — Kiefel (ist eine K«.rt-
bUdoat von Kiefe und oberdeutsch im Volke vor-
herrschend, Gr. W. V, C65). — KÜWekhen (Nassau ;
Gr. W. V,'G65) m Kinnbacken (Kieferchen). —
Kieftmg (ahd. kiwunga, Graß IV, 535) - IctUS
dentium , Kauung. — kiefeln = benagen mit
den (zahnlosen) Kiefern, leer kauen. —
Kiefe, Kiefel, Kiefer (nach Gr w. v, 665), 1. =
Kinnbacken, Kinnlade, Maxilla, Mala, als kau-
ende Werkzeuge (Ober- und L'nterkiefer) ((ir. W.
v, 669). — 2. = Backenwange als fleischliche Be-
kleidung des Kinnbackens oder der Kinnlade.
— S. — Kinn — Mentum, Tauta, Gauta (DuCange
IV, is). — 4. = Zahnfleisch (ohne Zähne, Gingiva,
Zahnkiefer). — erkiefen = (1512 erkyfft - rosus,
p. 500) — abkauen, mit den Kiefern abnagen. —
Hinter- Kiefer — Unterkiefer beim Tiere (Falke
i. 397). — 06cr-Kiefel (-Kiefer) (Zw. ns) = Ma-
xilla superior. — (1592) Äoss-Küfel ■ l'ferde-
kiefer (Ganaschen) (Seb. 206). — tVn/er-Kiefer
— „die untere, bewegliche Hälfte des Gesichtes,
gewissermassen die in der Mittellinie verwach-
senen Arme «los Kopfes" (llyrtl, Anat. 724). —
Za/in-Kiefel (Zw. 713) = Ginciva (s. Kielel-Zahn).
— zusammengefallene Kiefel = dünne Wange,
Backen , unter denen man «lie Knochen sieht
(Gr. w. v, (kvi. - Kiefer- (-Kiefel-).4tt««a^, -Ge-
schwür, Klemme, -Podagra, -Stellung, - Wurm,
-Zahne.
Kiehl, Kiel. m. f. ?, 1. (U7H kiel = Quell [Kropf
brnnoen ?|, Matberios, ^arepta 68 b). — - 2. = Kiehl
ist im Dialekte auch = Kehle (s. d.) (ahd. chlel
branchla, cruiT IV, r,87). — 3. = lluminkopf,
T.dpel ( KielkropP' Kretin (Sehn. I, IÄ16). —
Kiel- Kopf, Kropf, Sucht.
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Kien— Kind.
Kintl.
Kien s. Kinn.
Kienz (Kienzl, (Kienzlen) s. Rine.
Kiesel, m. (Kiesel = kleine« Kiesutück.) — Kiesel
Lunge.
Kiff (Kiffel) s. Riefe.
KÜbe, KÜber f (ahd. chllpara; mhd. kilberc,
Fromm, vi. 3M) = ein weibliches Schaf, das noch
keine Jungen hatte.
kilkezen (gilgezen) - gilgezen.
killen i. kellen. — killende Gicht*.
Kilpe, f. = Nase (s. Kolben) (Schlesien; Urquell
II. 168).
kilstern (geistern), Küster, m., 1. = hüsteln.
— 2. ^ Schleim auswerfen (vergl. galstern, gei-
stern). — Der Küster = schleimiger Auswurf
(Gr. W. V, :w) (dazu kelzen, geistern).
Kind, n. (Kindl, Kinnl) (indogerm. gen [genus.
"i'J^t,. s. Knie); germ. kun, kcu, kan = gebaren, or"
zeugen [s. Kuuue] ; golh. kinthu [ =: das Erzeugte],
Kluge*, ISN?; ahd. chlnd, chinth In wamlm kifestinot
[- graviditas. Kinderhände] Puerperium. Graff I. 8.V.;
8. Jahrh. chlnd - infantes, Kero 79; mhd. klut; engl,
kln — Verwandte; klnebin - Kindchen; Kind — Ge-
schlecht, KoltBchm. I, 357) — menschlicher Sprosse,
1. — da« von den Eltern erzeugte Junge (Puer),
das bei der (Jeburt „ansteht" (s.d.), Leibes-
frucht (1716 Kind im Mutterleib = embryo; gcborcues
Kind - foelus, unzeitig K. = abortu«, K. a. Reg.; 171.»
allweileu der I.elb ein« Kinde« also klein unter dem
nmtterlirhcn Hertzen lieget, da ihme die Scol wird ein-
gegossen . dnss solchen l.elb ein Ymhlcin mit seinen
Klügeln überdecken kunnte. Toll. leg. SHVt). — 2 = dem
Kinde Ähnliches: a) im Bilde (s. Kindlein u.
Augenkindl); b) im Aberglauben kindlich kleine
Dämonen, Kngel. — 3. -Kinn (s.d.). — (UM)
Kindig, n. — das Kollektiv von Kind (Sehmellcr
12611 ~ (17S2J SSdisch|=einemKin,leg,eich'
wie ein alter Mensch , der aberwitzig wird und
thnricht spricht. (Kraus, E. ,V.>; M. II. L. I. 679). —
kindbar kindertragend, schwanger (Schindler
I, 860) ; in der Kindersprache heisst das Kind
„Titti" (s. d.). - kinden (kindein, kindern)
(kenden, kinnen*! (ahd. ehind.,n ; mhd. kinden =
infanture, keimen, Schnieder I, 1303) , 1. = Kinder
irebaren (t;. v. Schm 318; Schindler I, 1268; Gr. W.
V, 731. 782. 744). — 2. = eines Kindes genesen
(Gr. W. V. 782). — 3. = im Kindbette liegen, Puer-
perium (Kftrnthcn; Gr. W. V, 7 !1). — (1309) auf-
boren zu kinden - Klimax, (Urminne, s. d.),
nicht mehr empfanden (Ur. W. V, 732). — (loisj
mit dem oder zum Kinde kreisten oder gehen
(s. gehen) = gebaren und schwanger sein (Schra.
1, i2ci). — (iMKi) zum Kinde mißlingen - abor-
tire (Inch.-Mlr.j , durch Ab<irtus die rechtzeitige
Rutbindung eines Kitides verfehlen. — am
Kinde sterben — an der Kntbindung sterben
(ür. W. V, 709) — vom Kinde kommen, 1.- ent-
bunden wei den. — 2. - meist abortire. — eines
grossen) Kindes sein (1602, 8ob. tos) = (hoch-)
schwanger sein. — eines Kindes genesen: siehe
genesen. — mit einem Kinde niederkommen
zu liegen kommen, sich niederlegen müssen
wegen der Geburt eines Kindes (Gr. w. v, 708).
— (1561) Kinder verderben = Abortus (Bock ioö).
— ein Kind verlieren = eine so leichte Geburt
haben, dam das Kind ge wisse rmassen entfallt
(Gr. w. v. 709). — kindeinen, kindeinzen, kind-
einzeln (Obpf. ; Schm. 1. 1263) = kindisch sprechen.
— Kindl, n. (Kindlein), 1. - (Überzetzung des
lat. pupilla, i'llniu«), da« verkleinerte Reflex- oder
Spiegelbild soincr selbst, das man als Augen-
mannlein (s. d.) auf der Hornhaut Ober dem
Augenstern des anderen sieht, das verkleinerte
Bild, das Püpplein (Pupilla), daskleineMadchen-
bild als Puppe. — 2. = übertragen auf den Raum
im Auge, in dem dieses Bild l sichtbar ist, das
Sehloch, Sehe, Fenster, Augenstern (1M1 kindlin
= pupilla, Hyrtl, K. VV. 93; 1569 kendlelu, Gr. W. V,
768; 1V>1 kindlin = pupilla, Gr. W. V, 768; 1612 kindletn
= der Sternen, pupilla, Gr. W. V, 768; 1675 zwei kindlln
— pupillae. Gr. W. V, 76s). Durch die ganze Welt, darf
man sagen, stehen sich In Bezug auf die Behandlung
der geborcueu menschlichen Leibesfrucht zwei nur
durch die Rohheit früherer Kulturpcrloden erklärbare
Gegensätze gegenüber. Von der Ängstlichsten Kürsorge
für das Gedeihen derselben und für deren Schutz vor
den kinderraubenden <s. d.) Dämonen einerseits Ms
zum Klndes-opfer und Kindermord anderseiu. Da**
bei den Germanen das Kindesopfer Volkssltte war,
lasst sieb (unter Hinweis auf Grimm, I). M. I, 40; Jahn
18, Ann», u 61) aus den deutschen Volks-Sagen er-
hchliesscn. Wie sollen wirden tirolcrischen Blutschinken
(s. d.), deu klnderraubeuden DAmou andere deuten
denn als einen Dämon , der ein blutige« Kinderopfer
will ' Warum schneidet die kinderentfuhrende Stamj>a-
Percht« den Kindern den Kauch auf? Warum wirft
man bd Keuersuot die In deu Gohnachten gclmckencu
Kinder Teigllgureu in die Klamme ? Das volle Kindes-
opfer ist es, was dahinter verschleiert Ist, wie l>eim
Kinderblute , das als Heilmittel in der Alteren Volks-
Medizin galt. Nach Upper! (Kultur-Gesch. II, 84] ist
das Kindesopfer bei den Nordgermanen sogar geschicht-
lich bezeugt. So lesen wir auch noch Im spaten Mittel-
alter (Schme.ller-Krouiann II, ltt'.7) ,,So man ein kind
oder ain gewandt opfert zu aim pilbispawn und daselbs
lugel machen , uud das pllbls Ist nit anders den der
tewfel"; dies lehrt uns, dass das Kindesopfer vielleicht
das letzte blutige Opfer war, das unsere Ahnen voll-
zogen, denen dos kindliche Leben unter Umstanden
weniger Wert hatte als das Leben der Erwachsenen ,
denn erst die l'apltularlcn Karl dei Grossen und die
Gesetze der Westgotheu setzten deu Kindermord dem
Menschen-Mord gleich ; diu Kindesopfer war aber auch
vielleic ht das erste, das durch Stellvertretung (Tier,
Kleid. Nfirbgeburt, GehHck etc.) unter Umstanden er-
setzt »erden konnte, auch aus diesem Rudimente
können wir auf ein volles Opfer zurücksehliessen. Der
diese Stellvertretung besorgende Kultpriester erschien
dann ebenso als zaut>erkundiger Heilkünstler ; mit dem
Christentum kam der Gi dauke an das ursprüngliche
volle Opfer ullintihllch ganz in Verfall, das Rudiment
aber blieb ein Heilmittel gegen Dämonen wie Jenes.
In der Volkssage erhielt sieh noch die verhlasste
Krinnening an das Kindes-Opter In schleierhaft um-
wobencr Korui; so erklärt sich denn, das« das ge-
opferte Kind wie die opferkuh zum Lurod (Lalstner).
zum L'lbWcb.c.11 Wesen wird; daher auch die Umwand-
lung der nicht getauften (heidnischen) Kiuder in Ko-
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Kind.
Kind.
263
holde, Bilwize und Heimchen, die einen Zuwuchs bil-
deten mm Gefolge Wodan "s oder «um Kinderzuge der
Slanipa-Perehla, die Ihre auserlesenen Opfer in den
Göb- oder Kindcniachtcn oder an anderen bestimmten
unglücklichen (weil heidnischen) Kult-Tagen, Alpzeiten
(». Llppert , Christentum 592) kennzeichnete und die
„kinderrauhend" (*. d.) sich diese holte als Rache für
das vertagte volle Opfer; so werden uns die Sonntags-,
Freitags- u. Montags-, Bilwiz-, Quateml>cr-, Frohnfastcn-
nnd Glückskinder ebenso verständlich, wie der Aber-
glaube, dasa pulverisierte Klndcrbelne ein Medikament
für Geschwülste oder Geschwüre am linken Bein (s. d.
= Schwangerschaft), d. h. für Frnchtbarkeit sein sollen
{1790; I*g. f. d. gem. Mann), dass die Kindesbeine (s. d.)
schon im Abd. bezeugt sind, in welcher Zeit Kein noch
im Gegensätze stand tu Fleisch oder Brat, und du»»
die Kinder als besonder* wichtige Welssngungs-Organe
galten (Köhler, V.-B. SM). — ahgestorltrnes (abgestan-
denen Kind = Totgeburt (1515 klndt das In muttet-
lyb krank ist - (hy]stcrieu* , D. 551 ; Bcyn. 158). _
^//rr-Kind, 1. = Nachkind (Posthumus). —
2. = falsches, uneheliches Kind (Gr. w, V, 710). —
rjSEö- 1 Kind (s. Alp X S. 12), 1. - jedes durch
den Einfluss des Alpe« od. der Elben abnorme
Kind (Embryon nnd Fötus), namentlich a) der
vom Alpdämon untergeschobene Wechselbalg
(s. d.) (Golth. 79; Lalstnerll, 336) (Alpkalb); b) das
unzeitige (ungetaufte) Kind (Abortusmole, Kitt-
tenalp, wilder Alf). — 2. = (13. Jahrh. albesklnd
in withelin, Sluber. d. Akad. 1867, S. 7) das elbische
Wichtlein seihst, in dessen Wesen l.a. h. ver-
wandelt sind. — (18*7) angewachsenes Kind, 1 • —
ein Kind, das schwer od. nicht geboren werden
kann (Georg. 445), weil man es mit gewachsenen
Bftndern an den Mutterleib befestigt (s. d. und
Entbindung) glaubte (Bcjro. 171). — 2. = jede
beliebige rätselhafte innere Krankheit der
schwangeren oder gebarenden Frau , die die
Entbindung erschwert und die das Volk dem
Anwachsen (1) des Kindes zuschreibt (Dr. Br-
schff. 26). — 8. = s anwachsen. -- (1569) Augen-
Kindlein = das Kindlein (s. o.) (Or. w. v, 76S;
A. t. H. u , 878). — ausgeschnittenes Kind (mhd.
üzgesniten kint, Laistnerll, 273; 1482 ausgesnlten klnde;
15ir> geschnitten klnt von der mutier — ceso [caesaries],
D. 116; II, 87) a durch den Kaiserschnitt aus dem
Mutterleibe entferntes Kind (s. Kaisergeburt u.
ungeboren). — Bank-Kind - Bankert, das auf
der Bank erzeugte uneheliche Kind (Kegelkind),
Bastard (Wustm. 207; orW. i,i 112). — Beruf 'Kinder
b. berufen. — Beschrei- (low) beschrienes Kind —
Paedatruphia (s. beschreien und berufen), ab-
zehrendes (verzaubertos Kind) (Kinder- Fttieh)
(v. M. II, Anh. 27; s. d. Verbissen. Volks-Med. S. 29 u.
207). — Bilmes- (Bilwiz-, Wiletz-, U i7<Vr-)Kind,
1. = ein Kind, dessen Haare durch Bilwi/.-
Äotten (s. d.) verwirrt sind infolge der vermeint-
lichen Thätigkeit des koboldiscben Bilwiz (s. d.)
(Schmeller II, 890). — 2. = der Teufel [Delling I, W),
als Nachfolger des Bilwiz im Volksglauben. —
3. - das am ßilwizbaume (s. o.) geopferte Kind,
welches am Altmann, Alterle od. Baum* leidet,
d. h. durch den Bilwiz hilwizähnlich, alt, greisen-
haft aussehend wurde (s. irquell is'J7, s. 33). —
Ä/afrmi-Kind-ein Kind, das die Blattern hat.
— Loses Kind, 1. = Abortus, Frühgeburt, Miss-
geburt, Totgeburt (s. hose Wochen) (Gr. W. V.
709). — 2. — (ndl. poezcligeklndcren, De Cock 58. 69)
an Veitstanz leidende Kinder (bfisc ist oft =
durch Zauberei veranlasst). — ßorw-Kindl = neu-
geborenes Kind (Reinsb. 543; Volgtl ; bornkinnel,
Köhler, V.Gl. 2S7) — Deqen-Kxnd (ahd. degan-
chlnd, H. Z. XVI, 65; 1260 degenchint, Pfeiffer 2S;
altgerm. Degen - Held, Krieger, Kluge 51. 52; 14. bis
15. Jahrb., mnd. deghenkint, J f. nd. Sp.-F. XV, 12-S;
1483; C v. Megbg. ; s Helm) = mas infans, Knabe.
— (1483) Dirnen - Kind — Madchenkind (C. v.
Megbg.; eigentlich das Kind des Knechtes oder Cn-
freien, daher selber unfrei nnd Dienerin. Kluge6. M
^Dlrnl (Bayern]). — Elben-Kind - Alpkind (s.d.).
— jFVM-Kinder - die in gewissen Familien durch
Vererbung od. Anlage besonders häufigen, fett-
leibigen Kinder. — (1687) flüssiges Kind = ein
Kind, das am Fluss 4 (Ekzema, Impetigo) leidet
(Georg. Sil). — Freitag -Kinder = die an einem
hl. Freitage geborenen Kinder ; (sind sie an einem
Sonntage getauft, so gelten sie einem sog. Sonntags-
kinde [s. d.J gleich; nach dem Volksglauben hal>en sie
im Leben viel zu leiden, Wuttke 57 ; Rochholz IT, 54).
— Frohnfasten-Kind — ein am Sonntage Prohn -
fasten (Februar-Qnaterobcr, Schwarmezelt der Elben
und Umzug der Frau Perchta [s. d.] oder Stampa (*. d.)l
geborenes Kind ; (ein solches Kind, das gleichsam
von diesen elbischen Dämonen abstammt oder Ihnen
gehört, kann nach dem Volksglauben alles voraus
sagen, wird al«er, well besonders gescheit, nicht alt.
z. d. D. ö. a -v. 18S1 , 1S9J (s. Sonntags- und
Witzboldkiml). — (i:.yi) frVwc/if-Kind = ein
lebensfähiges, ausgetragenes Kind als volle
Frucht der Eltern im Gegensatze zur Frucht-
mole (s. Kalb u. Mondkind) (Bad. Jun. 14). —
-FruA-Kind, 1. = ein sogen. Frühling (s. d.). —
2. = ein Kind, das im ehelichen Frühling, im
ersten Jahre der Ehe , zur Welt kommt (tir. w.
IV, i. 297). — /\Jttfr-Kind = ein nicht oder nicht
mehr mit der Mutterbrust genährtes, sondern
mit Brei gefüttertes Kind (Kraus, E. no). — ge-
wendetes Kind - ein durch Selbstwendung oder
durch gcburtshillliche Entbindung (Wendung
aus der Schieflage im Mutterleibe) geborenes
Kind, (was die Volksmedizin auch durch Abbeten er-
reichen will, Fossel 29). — Glücks-Kind, 1. =ein
mit der sog. Glückshaube (s.d.) geborenes Kind.
— 2. = ein mit 2 Wirbeln (s. d.) auf dem Kopf-
haare geborenes, dadurch ausgezeichnetes Kind
(Wuttke 203. 357). — Gürtel -Kinder s. Mantel-
kinder. — gute Kinder (13. — 14. Jahrb. Kinder guode
= neustes, D. 422; Lipp. Christ. 441) - «Ute Holden,
Wichllein. — (isoi) hämorrhoidalische Kinder
ein mit angeborenen Afterblutknoten (s. Hämor-
rhoiden) infolge von Loberleiden behaftetes
Kind (Vogel v, 109). — AViDNZcn-Kind - das mit
der Glückshaube (s. d.) geborene Glückskind
(Pommern; l'r.piell Vi, 205). — Kindbett Kindlein
= ein Neugeborenes einer Kindbelterin , das
selbst krank ist (Bituml. 550). — A'om-Kind -ein
Seuchen (Kornstaupe? Kankkorn?) bringender,
kleiner Korndftmon, Mittagsalp, Kornengel, der
namentlich Mittags gespenstig erschreckt (Golth,
15«; Rochholz I, 67). — lediges Kind = ein im
ledigen Stande erzeugtes Kind (Bayern). — Mantel-
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270
Kind.
Kind.
Kinder - Kinder, welche von den Brautleuten
vor der Trauung erzeugt und bei der letzteren
von der Mutter „bemäntelt", «1. h. legitim ge-
macht wurden, indem sie ihren Mantel (Gürtel)
über das Kind ausbreitete. — Maren-Kind =
ein durch den Einfluss der Mar auf die Mutter
erzeugtes Mondkalb (s. d.). — Milch-Kind =
Säugling im Gegeusatze zum Fütterkinde (Gr. \v.
Vi, 219:1). — Monat- (Mond-, Mohn , Mon , Manen ?•)
Kind, 1. (Zclt*ehr. f. d. I'hilol. XXVI, 65; engl, aooter
ktn = Monkalb, Manen- [Maren?! Kind. Kaltschm. I,
605; bei Luther eine unrechte, vertragene Geburt [Km-
bryon]) die von selbst dahinstirbt uml verdirbt) m
Schwangerschafts-Mole, Missgeburt, Mondkalb,
Plaeentar- Reste, Blut-Coagula (»r. W. VI, 2486.
2508; Colcr. W. 347 ; Plenk, Zergl. 52. 83), Cystovarium;
(1754 „wenn Int gellen Weibsbildern ohne Beischlaf
«ich uuter dem Just di r übertrieben wohllimlgen Em-
pfindungen ein Kl vom Eierstocke losgerissen hat und
ohne weitere Befruchtung weiter wachst, oder wenn
nach einer wirklichen Geburt etwas von der Nachgeburt
zurückgeblieben ist, oder wenn sich geronnenes Blut
in der Gebarmutter angesammelt hat", A. v. n. II, 1033)
(s. Mond- und Mondkalb). — 2. =das geborene
1 Monat alte Kind (Gr. W. VI, 24*«). — Montag-
Kind. — ein an einem Montage (Schlechtes be-
deutender Tag) geborene« Kind, das nach den)
Volksglauben, wie das Freitagskind, eines
schnellen Todes sterben soll (Wuttkc 57. 59), —
Morgengabs- Kinder — die mit in die Ehe ge-
brachten, sog. ledigen Kinder, welche der Gatte
der Braut wie eine (altgerm.) Morgengabe, Mit-
gift bei der Verheiratung übergibt. — A>ti-
sonntag-Kind = an einem Sonntag im Neumonde
geborenes Kind (Kärathen). — (1766) niedergeseg-
netea Kind = ein durch Segengebete u. Zeichen
vor unheilbringenden unmilden Geistern ge-
sichertes Kind, an dem die Klnengewalt durch
den Segen nach dem Volksglauben nieder-
gehalten ist (Laistner II, 71; Bauern-Kegeln US). —
jVicA-erta-Kind = die vom elbischen Nickert (s.d.)
nach dem Volksglauben eingelegten Wectisel-
bälge (s. d. u. Kielkropf), Alpkind (Abcrgl. 60).
— Quatetnber - Kinder — Frohnfastenkinder
(Wuttke 351). — ram , mn-Kind - ein Kind, das
nicht mehr sangt , sauber und entwöhnt ist
(Schindler II, 103). — Schenk-Kvad - ein Kind,
das die Mutter selbst schenkt (a. d.), Brustkind
(Heiser 321). — SY/tftvms-Kind = das nach der
Ammensatfe vom Storche o. Schwane gebrachte
Neugeborene (Rügen; Leipzig; Froncl! 1S94, 251;
1S35.4). - (ivs3)«c/»i/vrrit« Kindlein - du- schwarze
Pupille ly>t. w. V. 7iW). — Siebenmonat-Kind -
ein im 7. Schvvangerschafts-Monate neborenes
Kind. (Schon Hippokrates [Aphor. IV, 1) wu«stc, da*s
dieser Monat besonders häufig zu Frühgeburten günstig
l»t). — Siebente» Kind = das 7. Kind einer glei-
chen Reihe von Madchen oder Knaben einer
Mutter: (die Zuuhcrzahl 7 [s. d.] wirkt hier nach (lern
Volksglauben so ein, dass das betr. Kind zum Alp,
Wehrwolf, Mar, nur Walridcnike wird; es kann Alp-
zauber losen, und darum traute man Bolchen Kindern
wie dem Millinger [». d.J oder den Hcllhandcn [siehe
Kouigsubcl) besondere Heilkraft zu, Laistner 1, 273; II.
so. 354). — (1779) SonMfa^Ä-Kinder - die an einem
Sonn- oder Festtage geborenen Kinder, welche J
nach dem Volksglauben (Tirol, Pfalz, .Schweden) be-
sonders gekennzeichnet sind durch einen Kreuzkopf
( — rhachltlsche Schftdelfontanclle) und als fnihreif, be-
sonders klug, ja sogar als geistersehend gelten und
welchen gegenüber auch die Schrattlein machtlos sind
(s. Frohnfasten- u. Witzboldkind, Köhler, V.-Br. 358;
Gollh. 647; V. K. IX, 14; Hippel III, 585; Zlngerle 75,
Birlinger, 8. 1, 129). — .V< m-Kind Lithopaedion,
Mumie, eine im Mutterleibe extra uterum ab-
gestorbene, durch Kalksalzablagerung hart ge-
wordene lxjibesfrucht bei der Extrauterin-
Schwangcrschaft (Kraus, E. 671). — 7Vu/eZ*-Kind
— Alp- od. Markind (s. Kielkropf). — totes Kind
= Totgeburt, Abortus (14. — 15. Jahrb., mnd. dot
klnt. J. f. nd. Spr.-F. XV, 142; 16. Jahrh. ein totte«
klnd in dem bauch, D. II, 3). — (1728) eines toten
Kindes genesen = Totgeburt (Zw. 261). — tot-
geborenes Kind (16. Jahrh. ein tot geboren klnt =
abortivus, D. 4) — totes Kind. — totschwaches
Kind = Kind, das mit Zeichen der Asphyxie
auf die Welt gekommen ist (Bauml. 552). — (1515)
ungeborenes Kind = unteitig geborenes Kind,
Embryon (D. 199). — ungefreite Kinder = die
ungetaufteu , nicht auf dem Freithofe be-
grabenen Kinder; sie geborten nach dem Volks-
glauben (II. A. Hb. 176) zum Kinderzuge der Frau
Sttlde, Solde (s. Alp, Wlchtleln. Sehraitcl, PerchU).
— ungerechtes Kind, 1 = Abortus, die nicht
rechtzeitig, nicht natürlich ausgetragene Lei-
besfrucht (Steiermark; Fosael 65). — 2. — das
durch übernatürliche Künste verzauberte, ver-
schriene Kind (s. beschreien). — unschuldige
Kinder = als solche bezeichnet das Volk die
ungetauften, ungefreiten Kinder, die durch den
Einfluss der elbischen Dämonen in Bilwize,
Wichtlein, Heimchen (s.d.) verwandelt wurden.
In schweizerischen Thälern sehen die Eltern in
ihren Wechselbälgen (s. d.) od. Kretinen- (s. d.)
Kindern sogar Sehutzgeister des Hauses (Z. f. d.
Phil. III, 336). — (1591) unvolltragenes Kind = Puer
abortivua (Had. Jun. 15), das nicht vollzeitig aus-
getragen« Kind (Leibesfruclit). — unteitig ge-
borenes Kind (13 Jahrb., udd. ein onzidlgkint geboren
= abortus, I). 4 ; 14. Jahrh. unzitig geboren kint - abor-
tivu», Voc. opt. W. 14; unzitec kind. Laistner II, 273;
1482 unzeitig geporen klnd — abnrtivus, Zen. Voc. kk 6)
= Abortus, Fötus, Embryon, Flühgeburt, als
Krötenalp die Gestalt eines Aipwesens (Elben,
Wichtlein) (Laistner II, 273). — (1715) Pcmtw-Kind
= ein dem Venusdteuste sich hingebender
Mensch (Toll. leg. 867). — Vermeint- ( Vemeid-)
Kinder = Kinder, die dem Teufel od. der Hexe
aus Neid (s. d.) oder bösem Blicke (s. d.) (Wuttke
152), verzaubert (s. d.), vermeint (s. d.), verrufen
(s. d.), zugedacht sind (— Paedatrophia, Kinder-
Ettich und rhachitische Kinder) (s, d. Verf. Volks-
Med., 8. 207). — verrufenes Kind = vermeintes
Kind (s. d.) (Frischt». 8; ein solches hat sauren
Schweis* auf der Stirn und schreit viel , weil es
durch Hexen verzaubert, berufen Ist) (s. Huf). —
rersprungenes Kindl (Kinnel) - Keratitis phlyc-
taenulosa, wobei sich auf der Hornhaut desAuges
ein Gcechwürchen ausgebildet hat, so dass der
Pupillen-Teil, das Sehloch der Hornhaut (Kindl,
s. o. 2) ollen, aufgesprungen ist (Pauli 40). — (1799)
verworfenes Kind [18. Jahrb. eyn vonvorpen kiut
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King— Kinn
Kinnel-kirbcln. 271
jp abortivu.1, 1). II, :{) — Abortusmole, als Frucht,
die ausgestossen wurde. — Tor-Kind = ein
Kind aus früherer Ehe (Schin. 1, 1-J62). — wach{t)-
getauftes Kind = ein durch die Nottaufe buh
seiner Asphyxie erwecktes scheintotes Kind
(Vernal. 46) (Wegtaufe in Ungarn). — Wasser-
UV, hsel- Kind (mhd. wehselkint, I.cxer 372), 1. =
Wechselbalg, Wechaelkind, Kielkropf, Wasser-
butt (Gr. W. V, 6*0; Kiezler 336); man verglich sie
mit dem Wasserkalbe ( = Wasserbalg aus Kalbs-
haut) und glaubte, Bie seien durch Dämonen
ausgewechselt worden (s. Kalb u. S. 25) ; „es gibt
in Schwaben nicht leicht einen Zwerg, Krüppel
oder Kretin, der nicht als Wechselkind an-
gesehen wird" (Meyer 274 ; ,.ron der unnatnrllchcn
gu>*»y de* haupt* der kind, darum m»n sie wechsel-
klnd hallt", Schindler II, MO = cambio, Weehsling
[». d.]) bs das fötalrhachitische oder kretinose
Kind, (Jauch (a. d.). — 2. = ein Kind mit einem
Wasserkopfe (s. d.) (Schmeller I, 1353). — Wülez-
Kind s. Bilwizkind. - (v*i) Wit:bol rf-Kinder
-solche, die früh witzig.altklug (Kluge*, 4io)sind,
aber nicht leicht „geraten"; der lebhafte Blick
der rhachitischen Kinder läsat nach dem Volks-
glauben diese besonders gescheit sein; sie'
werden aber nach demselben auch nicht alt (da
sie anderen Krankheiten häufiger erliegen),
ebenso wie die von der Stampa gekennzeich-
neten Sonntags-Kinder. — (1645) W'ocAcn-Kind
= ein Kind (Säugling), dessen Mntter in den
Wochen liegt (Coler, H. A. 132. 362 ; 1748 ; K. m. ch. SS).
— Zeit-Kin& = ein bis zur rechten Zeit nach
7 X 40 Tagen ausgetragenes Zehnmonat-Kind.
— (mhd.) ZwilichKind- Zwilling (s d.) (Kluge*,
424; Lexer4l2). — Kind-, kindlicher, -Ab-
sterben, -Ader, -Alter, -Arbeit, Balg, -Balsam,
-Bande, -Bei*», -Beschreien,-Bett, -Betterin, -Bett-
/Uber, -Bettßuss, -Bett/riesel, -Blattern, -Bräune,
-Brand, -brechen, -Brüche*, -Bürdlein, -Büch-
lein, -Cholera, -Ettich, -Fell, -Feuer, -Fieber,
-Flecken, Friesel, -Fuss, -Gebärerin, -Getön,
-Gewächs, -gewinnen, -Gichter, -Qrint, -grots,
-Habung, -Häutlein, Husten, Insätz, -Karnüffel,
-Kolik, -Kopf, -Koortsen, -Krankheit, -LäJtmung,
-Lage, -Leute, -Lid, -Mangel, -Masern, -Melker,
-Nett, -Nöten, -Ohren, -Pech, -Pest, -Plager,
Pocken, -Porten, -Qual, -Räuber, -Bührunif,
-Schleim, -Schmalz, -Schmerz, Schwämmchm,
■schwanger, -Schwarten, -Schwere, -Spiel, -Stätte,
-Sterben, -Teil, -Tod, -Tracht, -Verschnürung,
-verthuen, - Watter, - Wechsler, - Wehen, -winster,
— Wurm, -Zahn, -Zeichen, -Zelle.
King-, Kink- s. keuchen.
Kinn, n , m. (Kien, Kanne, Cnins, Kinge,
Kind, Kinne, f.) (indogerm gen | = zerschneiden ].
Dum", 196 [gena = Wange]; *an«kr. Moni => maxilla.
<ir. W. V, 774; goth. kinnu* => Wange, Backe; ahd.
kinnl, chinni = maxilla, mala, menuim. Graff IV, 450;
angls. «Vnln, D. 510; engl, chln; 7. — s. Jahrh. chinni
~ mentiim, (.'«**. Gl««.. I>iez '.Kl; 11. J«hrh. chinne
— tneutum, H. 7.. XIV, 298; XV. 364. 528; kln, kyn,
chind, kin. Hyrtl, K. \V. 92 = tnlerklcfcr. 1462 kind
sa Kinn. I>. 357, 1IS2 kynne - mentiini, Zcuiug. Voc..|4;
15. Jahrli. knnne = mentum, <Jr. W. V, 776; mhd.
kinnt- [Mi zum 16. Jahrh.|; 16. Jahrh. kyn = Maul,
Mund, <.r. W. V, 777 min. I; [Schweiz.; kind, kün ; [Tirol]
Kluge, Hinttur 0. 15), 1. — Kinnlade als die zer-
schneidende oder kauende, zermalmende (kaen)
oder als die den Mund öffnende (gähnende).
— 2. = das bebartete Kinn, weil früher jeder
Mannbare einen Bart trug. — 3. = (vom 16. Jahrh.)
Maul, Mund. — 4 -- Wange; (die ursprüngliche
goth., nord. und ahd. Bedeutung des Kinns war die
ganze riesichtsllache unterhalt) der Augen, namentlich
die Wangen [s. Kinnzahn]). — Apfd-KiOXL = (Über-
setzung des Os malae [mall], Gr. W. I, 53t 535) = ein
besonders rund gebildetes Kinn. — JSorJts-Kinn
= ein Kinn, bei dem das Mittelstück desselben
(Corpus maxillae) etwas mehr wie beim Bocke
zugespitzt ist; (nach I-avaterein Zeichen de« Hange«
zum Gell, Hyrtl, Anat. 274). — Doppel{f)-KiBH -
das Kinn und das darunter hängende Felt-
oder Unterkinn (s. d.). — wn rkinnet = ein
gespitztes Kän habend wie der Bock (Schmeller
I, 1256). — riiizig Kinn ^ rotzbedecktes Kinn.
— spitziges Kinn = Bockskinn — dl. Jahrh.)
/ n >' r Kinn (ahd. uuter chinni, underkynue = sul>-
mentum, Graft IV. 451; D. 560; 1». Jahrh. under kynn,
1). 644) = der Fettwulst (Kinnsack) unter ilem
Kinne(Fettkinn); (Tirol) Unterkinge(Hintner7. 15)
— Wackcl- (zittericht-)Khin - ein bei Auf-
regungen oder nach Lähmungen wackelndes,
zitterndes Kinn (Gr. W. V, 776). — Kinn - --1
-Packen, -Backenbein, -Darf, -Bein, -Borke, Ge-
brochel, -Geschwür, Gräte, -Grint, Grüblein,
-Haar, -Hohle, -Krätze, -Krebs, -Lade, -Bxid,
■Räude, -Raffel, -Reff, -Reif, -Saek, -Zahn.
Kinnel (Kinnl) - Kind.
Kins (Kinsen, Kinsten) s. Ken.
Kinz(e) (Kienz, Kienzl, Kienzlen) (kineinzein,
der kleine kienze. [16 Jahrh ] = Doppelkinn, Gr. W. V,
774 779; 15*3 kinx [Kücnrel] — die Gegend des Kinn
harte«, Gr. W. V, 370. 779; 17. Jahrh. »chlaffcunlz =
der bartahnliche Auswuchs an Rosen, den man als
Schlafmittel unter da« Bettkissen legte. Fr. Kr. B. 114;
1668 Küenulen [zu Ken. s. d.]) = kleiner Knebel,
Knebelhart, Fettansatz unterm Kinn (Wackern.,
Abhdlg. III, 165).
kippen | = schlagen, auMossen. umschlagen [siebt
kappen!. Kluge*. 196; H. Paul 246 stellt kippen zu
Kippe ~ Ecke, Spitze; kippen — im Begriffe sein um-
zustürzen). — t4m- kippen — verwerfen (s. d.,
Abortus . — Kipper = Köper (s. d. 4)
trockener Katarrh mit stossend - keuchender
Atmung (Pauli y). — kipp-baMcAen.
kirbeln (Kirber, Kirbel, körbein) (die Kon
hildung von einem Stamme klr [*. kirren] oder kar,
Gr. W. V. 790). — kirben, I. ■ das Köcheln,
Morcheln des Sterbenden Oedema pulmonum)
(Schw. ;:i0). — 2 = jedes schwerfällige Atmen
mit kirrenden, knarrenden UaKselgeräuxehen,
namentlich beim l'lithisiker (Schnuller I, 1286)
(keUtfero). — 3. si<-h erbrechen (k<">rl>elli)
(Schweiz; Schw. 361; tir. VV. V, Ihd;.). Kirber, "i
(Kirbel), 1 — das schwerfällige, rasselnile AUiumi
des l'hlhisikers. — 2. - (KWi! Maxilla (eine N\ i».n
form zu Klefe {«. d.J. Gr. W. V, 788). — Uri4jrf-Kirber
= Lungen-PhihiHis, bei der die Kranken kirben
(2, 8. o.) (Schmeller I, 12*6 ein prustklroer).
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272 Kirehhof-kitzeln
kitzig Kladde.
Kirchhof, tu. —Kirchhof Bldmlcin', Hunten
St. Kiriss s. Quirin.
Kirn, n. — Gehörn.
kirren (kirschen, kirnen, kyrren, kerren).
— kirren (kirnen) (ah<l. chim-n . cherran; rnhd.
klnien, kerren ; kirren, Schmeller I, 128») — das ton-
malende Krepitations- Geräusch (Thoren- oder
Scheibenknarren) beim Atmen oder Husten, Ver-
schlucken (N'eulcderk narren ) ; Knochenreiben od.
das Zähneknirschen (Zw. 29. 165; Sebw. 3io; (ir. w.
V, 841. 842) heim Hydrocephalus acut. inf. z. B. ;
(vergl. knirren, knirschen). — (UM) kirschen
(Schweiz noch; verstärkende Nebenform) - knirschen
(Gr. W. V, 847). — (1618) sich erkirnen (tusslm irrilaro
clbo Tel potu guttnrl itnuiisso, Schmeller I, 1294) ~
iler kirrende Hustenton beim Verschlucken
(= »«-kirnen) (wninger i, 491). — (i5T6) Zähne-
Kirren = das knirschende Geräusch der sich
reibenden Zahne, z. Ii. beim akuten Hydro-
cephalus (Or. W. V, 8-12).
Kirsper, m. = ein lieiserer Husten (Schwaben ;
C. v. Schm. 313; Gr. W. V, 790; Weilerbildimg von
kirnen unter Anlehnung an Kruspel).
kischen s. kescheu.
Kissen, n. s. Küssen,
kistern s. keistern.
kitt- — kitt bauchen. — kittig s. Kdteu. Kot.
kittern - (1590) kettern, kichern (D. 87).
Kitz, n. — Kitz-Bar/, -Backen, -Niere.
kitzeln, Kitzler (kützeln), Ktitzel, n. Kitze-
lung. — kitzeln (germ. klt, kut; on<imati>p.-germ.
Ncuschopfutig, ,,cl!c elementaren Laute zum Malen des
erregten Reizes benutzt", Heyne III, 350 [hier wohl
den Kicherton beim Kitzeln nachahmend], Grundform
kulll.-.n ; ahd. kizzih.n, kuzzllon, Kluge »,198; 11. Jahrb.
chuzilnn = prurire, II. Z. XVI, 48; kltllAn - prurire,
It. '/.. XV, 528; mbd. kitzeln, kutzeln; 1482 kuUelu -
titillare, Gr. W. V, 877; 1476 küczellen ; 15.— 17. Jahrb.
kutzeln. kltzlen. kützlen, kutzeleu - titillare ; [Tlniriu-
gen, Sachsen, Schweiz! kutzeln und kutzüYh, Gr. W. V,
876. 884 ; engl, kittle, tickloj - juckenden Nervenreit
hervorrufen. - kitzlig (kitzlich) fmhd. kitzellich ;
11x2 kutzlleh. (ir. \V. V, 884; 1.'.. Jahrh. kitzelich) =
Kitzel empfindend (Gr. W, V. 886; kutzelig — titfl-
lieus, qui incitat vel ineitntur ad coltum, Gr. W. V,
87".). — Kitzeln m; (ahd. cbizllunga; LS, Jahrh.
kitzelunge; 1518 knlzelnrig) -r Tltlllalio, 1. = das
Kitzeln (aktiv und passiv). —2 = die Kitzel-
stelle. — Kitzel, in. (1498 kutzel, m. -die kitze
liehe Stelle unter der Achsel, Gr. W. V, §71; 15.TJ
kutzel, Ii. = das gleiche, (ir. W. II..; erst nbd. ( = ll-
lUIUi, k. Prurigo] aus dem Verl.um kitzeln gebildet,
Klutre; ls. Jahrb. Kitzler - clltorls , Cr. W. V, 881;
tentigo, <pine apparet in Vulva, Uli Gange VIII, 64;
demnach) Kitzel, ut., 1. = das Gefüllt lies (»e-
kitzeltwerdens, die durch den kitzelnden Ner-
venreiz befriedigte Empfindung, Gemeingefnhl.
— 2. = die Handlung des Kitzeins. — 3. das
Ding, womit man kitzelt. — 4. = die Fähigkeit,
den Heiz zu empfinden. — 5. - die Kitzelstelle
am Korper ((ir. W. V, *7l) des Menschen und
Pferde». — »J. — das durch blosse Vorstellung
des Kitzels (1) hervorgerufene Verlangen (II. l'aul
246). — 7. -s. Kuttel, Kotzen (Kützeu). — Arsdm
Kitzel, 1. = Pruritus in ano, der äusserliche
Juckreiz am After (Kr. Kr. ». 113; 1482 am« kutzel
= coniutn, die solchen veranlassende Hagebutte, D. 152).
— 2. = Tenesmus ani, der Krampf im After
(Zw. 163) mit dem Keize der Entleerung. —
l " !< '.'-Kitzel ~ Pruritus oculorum , wenn die
Haut der Augengegend zum Jucken reizt (Gr. \v.
V, 871). — j7/«i«cA-Kitzel = die Wohllust- Em -
ptindung, die Geschlechtslust, die von Alters-
zeit her zum Kitzel in Zusammenhang stand
(Gr. W. V, 872.877). — (1594) Gaurn- ■! Kitzel (gumeu-
kltzel, (ir. W. V, 871) = was den Gaumen reizt und
der Reiz selbst. — Hals Kitzel — der kitzelnde
Reiz (aktiv und passiv) im Halse (Gr. w. V, 871).
— Herzgruben Kitzelung ^ die Kitzelstelle da-
selbst (Ackcrm. 224). — Jungfern-Kitzel = CB-
toris, s. Nymphe (Sorani) (Gr. W. IV, 2. 2385). —
(1596) iVrtscM-Kitzel = der Kitzelreiz in der Nase
(Gr. W. VII, 412). — O/trcn-Kitzel = einseitiger
Juckreiz in der Haut deB Ohrganges. — Rachen-
Kitzel, 1. = das kitzelnde Gefühl im Rachen
und Schlund (Gaumenkitzel). — 2. = der Gegen-
stand , der dies hervorruft (Gr. w. VIII , 16). —
Kitzel- Husten, - Trutlein.
kizig = kitzig, kützig, kötzig, s. kotzen.
Kla, f. s. Klaue.
Klabater. — Kla.b&tet- Männchen.
Klaber, f. (Klaper, Klopper) (ii36) = Klaue
(s. d., Einger und Hände des Menschen) (Gr. W.
V, 888. 9.3, Schm. I, 1320. 1336).
Klachel, m. Klächel, 1. = das wie ein Glocken-
schwengel (Klockel) hin und her baumelnde
Scrotum u. Membrum virile (bei Tieren) (Gr. w.
• V, 889; schm. I, 1323). — 2. = ein grosser Mensch
j (Kronitn. VI, 173; Wolf 159). — <liiv > - klachel n =
j plump, schwerfällig gehen. — U idder Klacheln
= Hoden beim Widder (Sehm. I, 1323). — Hotz-
llochel] Kot*kenSel» Rotzglocken, herab-
I hängender Nasen-Schleim «ir. W. V, 888; Fromm.
VI, 295).
Klack, 1. = 8. Klag. — 2. (mhd. klac; 1529
kl.ick - flssura, I). 237) = Spalt, Riss. — Klack-
liruch.
kläubeln s. Klaue.
Kladde, f. (Klater), Klodden, Klatte(n), f.
Klette, f. (1»3. Jahrh , ndl. klmlde a linsaiilicrkcil ;
| 18. Jahrh., udd. kladde — Klitler- oder Schmutzburh,
siiilcll.iicb. Schmeller f, 1341; nndl. Klodden, De Gock
220; II. l'aul 217) a Menstruatio, monatliche Reini-
gung. — Klattung (MM klatting, D. II, 98) = kle-
bende Unreinigkeit, z. It. an den Augenlidern
Coalitus palpebrae. — klätticht (kletticht)
1 (15. .lnbrb. klctecht, klettich — hipputu«, pilosus, 1). 318)
mit filier die Haare verklebenden llureinig-
keit behaftet. — Klatter, f., 1. = Cacatio soni-
lans rsehmeller I, 1311) \ .•runri-tni^iing durch
Diarrhoe. — 2 ~- Marklatte (s d .), Woichselzopf
als llaarunreinigkeit. — A7/"Klatte (ndd., Sebw.
410; Pchelble IX, 409) = die durch den Alp IX od.
Mar nach dem Volksglauben veranlasste, die
Haare zum Weichselzopf verfilzende ünreinig-
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Klaff- Klappe.
Klar-Klaue.
278
keit Im Hurboden. — Ma> -Klatte es Klfklatte
(flrhw. 410 ; Irouell).
Klaff, in. klaffen -ein klapperndes Geräusch
machen. — Klaffer, m. (IHM . D. II, 147) = elingnis,
ein undeutlich Sprechender. — Arsrh -Klaff
(amciaff. Hurk. Fl. X. Ii) = Flatus tonans ex ano.
— Zahn- Klaffen JBehwaben; *;r. W. V. 847) =
Zähneknirschen, Zahneklappern (I4«i2 zanklaffcr.
I» II, 351).
Klafter, f., n., in. (ahd kläflra; mh<l. khitler,
Kluge6. 195; D. 160) - Cubitus, die klaffend aus-
gespannte Arm breite.
Klag (Klack); Klag- (Klick ) Feuer, -Mutter.
Klamm, m. Klemme, f. Klamme, f. Klamp,
klammern, klummern 'ahd. chlamma , hiehlemmeii
mit den Klauen packen, eug uni«chlie««cu ; mb<l
klamme, klnm, klemmen, klemme, klembe, Kluge *, 198)
— Einengung, Beklemmung, Zwang, Krampf,
Klaue. — Klamp (mhd. klambe. Gr. W V, y.M. 937 ;
klamme, Gr. W. V, 1138; engl, clamp ; eine Nebenform)
— der Krampf an Kunden und Füssen, Waden-
krampf (Gr.W. V, 911 , Obcrlausitz, Schlesien, Sachsen).
— es klammen die Hände m erstarren (Gr. W.
v, 938) — es klammert (klnmtnert) in den
Händen = starr an den Fingern sein durch
Kälte, frostkrampfig (Gr. w. V, 336 und KM). —
— Klamm, 1. = Krampf in ilen Kxtremitäten,
/. B. Fr«flt-, Schreibkrampf (Franken ; Gr. w. V,
BM] und in den Kiefermuskeln, in der Nahe des
Ohres. — 2. - Lnftrührenkrampf = Brftune
(Croup) (Schwr. 312; 16Ö6 klamm - cyuanehe, (ir. W.
V, 931) (Brualklemme). — 3. = eine Schweine-
krnnkheit durch das Rankkorn (s. d.) (Gr. W.
V, 935) im Gaumen mit Gaumenklemme und
Schlundkrampf. — 4. = der bei Krampfzu-
standen auftretende klebrige Schweiss (<ir. w.
V. 93Cj — klamm sein; (vergl. Klemme). — der
(die) OArcrt-Klamm>, er) (1545 ohrklamm ; 1588
obrklamb; 16 Jnhrh, ohrklamm, I). 414; 17. Jahrb.
ohrklammer. Kr. Kr. U. 163; - Parotitis, Olalgia mit
Kieferklemmung durch Schmer« n. Schwellung,
1. - das klemmend schmerzende Ohren-Ge-
schwär (= Ohrmfitzel, s. d.) {Or. W. VII, 12«4). —
2. = Ohren-Zwang (=-- Schmerz, r.. B. bei ( Hir-
A Bscessen), überhaupt jeder Ohrenschmerz,
nach dem Volksglauben (der Pfalz) meist durch
einen „Fluss" (Rheuma) verursacht (Pauli lio).
— 3. — Drusen hinter den Ohren (Parotitis,
nieist infektiös) (Gr. W. V. 935. 937; VII. 1256. 1264).
— Klammer)- klamm/, er.es : Hein,- Finger,
-Fun*, Hände.
Klaper - Klaber.
Klappe, f- (klappern) ''mhd. = eine onnmnlo
j.oiciivhc Wortbildung für den öffnenden oder sehlies-
g*nden Rchlagton au« Hohlen beim Hersten od. Klaffen ,
i B. der „fairen [ = Felshrthle] klappt, wie dl«
..ralv'ula [Herzhöhle; klappt, Sehmelier I, 1337; engl,
to rlapper! = was mit lautschallendem Tone sich
ötlnet, schliesst, bewegt; bewegliche Schluss-
vorrichtung. — Klapper, Klapperl, m. tv> Jahrb.
clepor, clappercl = fusutn, leproii, I). II, 187) — die
mit der Siechenklapper (»lechenklaff, r> II, 97) ein-
hergehenden Leprosen 0. Aussätzigen. — Darm
Klapp« s eine im Inneren des Darme« ange-
brachte Schlussvorrichtung, von Schleimhaut-
falten gebildet — Herl - Klappen = die die
Herzhohlen abschliessenden, beweglichen, häu-
tigen Klappen (Valvulae) — OÄr-Klappe = die
blattartigen, eckig eingestülpten Knorpelhäute,
die sich (beweglich beim Tiere) vor die Ohr-
höhle legen (Ohrhlatt.Ohrbock, Ohreck) Tragus,
Antitragus (Gr. W. VII, 1261). — St Actf/cn-Klappe
= Hymen, das vor dem Lumen vaginae sich
befindet (Stetmld 33). - Seh nen Klapp = Tenonto-
crigmus, Sehnenscheidenentzündung unter dem
Knie an der Beugeseite des Pferdefusses , bei
dessen Bewegung die verdickte Sehne ein kna-
ckendes Geräusch macht, als ob sie gebrochen
wäre (Sehnenbruch) (Forster IT, 102'.; Kalke II, 311 ;
Mayer 99; Kran«, K. 1«»; ZTpp. 107. 130). — (15. Jahrh )
/^rt/»Hr-Klappern II120 ezen clappirn — sinniere,
I» 11, 3..0) - d*s Geräusch der an einander schla-
genden Zähne der Mundhöhle beim Schüttel-
fröste (Gr. w. v, 2332) — Klappe(r,n) -Fehler,
•Fruit.
Klar, n. (aus lat. clariw; mhd. klar. Heyne III, 359)
hell, rein, frei von (II. mt -'Krankheit. —
.<iii£m-KlarAfi7 (c. v. Megbg.) = helle Augen. —
AVer-Klar ■ Serum ovi ; <lies fibertragen auf
das: (157*.) G'flpffr-Klar [Theophr. BodenM.) = Sy-
novia, das hellklare Gliedwas^er in derGelenk-
höhle (les cliUrcs = phlegma, Url<«. SC).
Klatte, f. I. (mhd klate - Kralle; 1510 klatc -
unguis, Kralle; 1618 klatte — ungui«, Sc hm I, 1341;
(ir. W V. 1007; Bayern, Tirol; Fromm. VI, 290; Hintner
7. 16) = die Hand (verächtlich mit der Klaue
verglichen). — die Klatten = Kralle. — IL siehe
auch Kladde.
Klane (Klo, Klanber, klauben, klaubein.
KlÖlein) (vorgerm. glu ; gern germ. klu {- Klaucl;
I gnth. kloua- Klaue, Kluge5, 199; ahd kläwa, rhloa.
klawenti — pnirientes, Cr. Vf. V, 10:-3 ; 12»i0 chlö =
Klane, l'fote l'felffer 69; mhd klawe, clawa, klu,
14. Jahrh. clauue = Klaue; kla = ungut«, Voc. opl.
W. 12; 15C1 klauw = unguis, Maaler; 161"< klowe =
uiigiiis. Schnuller I, 1319; Im ! den Heanzen in I ngarn
kl<"-, Fromm. VI, 3.1*,; en«I. claw — Klaue, kratzen,
Lehf. 163) , die Klaue = Kratzwerkzeug; daher
heim Menschen, 1. =■ Finger-Nagel. — 2. =r-
Pinger und Hand (<ir. W. V, to;w). — 3. = (Olden
bürg) Ktfttze, als das mit «h-n Fingernageln
auf der Haut Fi zeugte (Goldsehm. 134). — 4. =
Fussklaue und Füsse bei Tieren — klanen
(kläuen; klauben) (ah<l klawjau - prurira, «iraff
IV, 541), 1. = mit den Fingernägeln kratzen,
jucken (<.r w. v, 1033). — 2. = mit den Finger-
nägeln aufhehen, auslesen. — er klaubt sich
wieder zusammen = er erholt sich wieder, er-
hebt sich und seine Glieder wieder vom
Krankenlager (engl, claw off). — kläubeln (1709
kbibeln niminarc}. d. h. mit «Jen Klaubein
(Klauen) nagen, wie man mit den Zähnen
kaut; vom Nagen auf das Kauen übertragen
[Or. w V. 1019). — Klauber, m. - Klaue, Hand,
Fuss (Tirol; »regonzer Wald; <Jr. W. V, 1021, Scbin.
1, 1322; Wolf). — (1099) Aber- (After-, Habir-) Klaue
Hinter-, Wider-Klaue heim Vieh (iir. w. i,
33; IV, 2. S4; v M 1,3(3; holt, achterklau« en. Plcrvr).
— nii/klauben eine Krankheit sie sozusagen
18
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274 Klauche — kleben.
Kleek— klein.
wie einen Kleiderfetien mit den Fingern auf-
greifen und ro »ich mit derselben anstecken
(s. d.). — Klaub auf = eine hayerisch-tiroler-
i«rln* Dämonenfigur des Volksglaubens, diu
alles aufklaubt, was sie am Weg« findet und
Kinder frisat (Wauwau) ( Alpenbg. 4«. 60; Schm.
I. 1328), vermutlich geht diese Vorstellung vom
Grintklauben (grinlklawbcii. grlntcluben - Mribaft,
I). II, 328) auf dem Haarboden der Kinder ans
(s. Grintbusserin) [1439; D. 1. c). — falst >»■ Klaue
= After klaue. — (irai) Fuss-Klaue ((om Uawea,
Gr. W. IV, l. 1001} = die Hornbedeckung am Tier-
fusae. — (rfn/rti-Klaue = Gryphosis, klanen-
formige Veikrümmung der Kingerglieiler und
Nägel ähnlich den Vogelkrallen (s. Greif) in-
folge einer chronischen Nagelbettentzttndung.
— Haber Klaue - Aberklaue. — Ht.,tn- Klaue
(engt hindelaws) = die Klaue an den Hinter-
extremitäten der VierfÜ8ser (Widerklaue). —
Hubertus-Klivie = Wolfs-Klaue, eigentlich ein
rudimentärer, verkümmerter Daumen beim
Kace-Jagd- Hunde (St. Hubertus ist Jäger-
patron). — (lae) 7.« «/"-Klauen die Fttsse des
schnelläutigen Hirsches (»eb. 6«s). — (1473>
06«"-Klaue [OberClO, Schindler I, 1319; Seb. 672) =
die oberen Klauenleile (Hirsch). — Ochsen-
Klaue = Hornspalt der Länge nach beim
I'ferde, das dadurch die Klaue des Klo-Viehes
erhält (er. W. VII. 1136; Mayer 122). — (160«.») weuhe
Klaue (Glawe) = Nagelerweichung [Guar. 775).
— weite Klauben (wcitkionbm, w«.ir ; Tirol) ~
lange Küsse, die sich weit spalten in der Grittel.
— WiVf«r-Klauen = Hinterklaue, Afterklauc,
gegenüber d. Klaue am Vorderfuss (Gr.W. I.sa). —
UV/v Klauen - verkümmerte, höher stehende,
gleichsam verwilderte Zehen an den Hinter-
fflssen der Hunde ( 1 1 n bertus- K laue). — Klauen-
(Kläubel-, Kla-, Klo-) Abfall, Bei», -Fäule,
•Geschwür, Hand, Krankheit, -Schmalz, -rchr,
■Seuche, Stein, Sucht, ■ Folg, ■ Vieh, Weh, Wurm.
Klauche, n. Klauter, Klauren (vermutlich
mi glatichcD = glänzen, glühen, brennen; vergl.
Glaocbfeuer — Rotlauf dir Haut and glw gen,
Klauche Rlutbla*e[Oet*rUnd], Ur.W.V,
1025; Klaureu Ha]sdni»ciiire«ehwulst,
Gr. w. v, UM [stobenbüner sach«eu);
Kloler ' | <!r W v- 10j:'
[Mitlelrheln] ; Klaudcr - aufgelaufene
harte Hinitsiclle von Insektenstichen.
Schw. 342; Schm. I, 1326 [Wetterall,
Kfirmviiuli]) — umschriebene, rote,
entzündet*», glänzend geschwellte IIaOt-6 teile
ist der gemeinsame Begriff. — klauch
klauig (glauich) - bleich und aufgedunsen
(Sehmeller l, 9t>y:. — 2>/u/-Klauche = rot farbige,
glänzende Blut blase (Gr. W. V, 102V. — Klauch-
(Olauch-)Fcurr.
kleben (vorgerm. glip. Kluge*, 200; germ. kllb =
klelien ; Roth, kliböu ; ahd. chleben ; mhd. kleben —
•Ahe hat Ich , feM nllzcn , Kluge4, 19v); vom Sehweisse
hauptsächlich gehrancht, der klebt unil klebrig
i-t bei Kranken (Phthisikern) J daher auch (MM)
klebrig = kränklieh, schwächlich, zart (vom
Körperbau, wie der Phthisiker), schmächtig,
land-
schaftlich
Kfaiedene
Neben-
formen
knapp (C. v. Sellin 31.; Gr. W. V, 1050; Sehmeller I,
1322), einer der bloss herumhockt, und überall
klebt, sitzen bleibt. — klebern = engbrüstig
sein, viel atmen, wie die klebrigen I/eute (Gr. w.
V, 1050) (s. auch Klepper). — ankleben = Krank-
heiten anstecken; beklebend raachen, eineThä-
tigkeit der Hexen des Volksglaubens (Alpb. 256V
— In kleben ^bekliwen) (Oldenburg) = mit Krank-
heitstoli bekleben, anstecken (Goldschmied 17).
— (1735) rof-klebicht = mit einem roten Blut-
punkte an dem Boden klebend (V. n. 71). —
kleberne Brust, Leute, Natur, (uieher gehört
wohl auch da« ndl. klera - Hebe [■. d.], der anklebende
Sonrpllz [Mundschwämmchen], De Cock 75).
Kleck, m. (mhd. klar - Riss. Spalt. Kluge5, m).
- Kleck- (oder Klack )Drueh.
Klee, m. Elee-Kranklteit.
kleibeln s. Klaue und Leib (geleiben).
kleiben (vorgerm gllp; germ. glif, klib = kleben;
altnord. klifa = klettern, klimmen; ahd., mhd. kleiben
— machen, das« etwas klebt, festheften. Kluge*. WO;
1104 klibben = Im Leibe bleiben. Lcrsch 177). — Klei-
bung (iöi.i-maculatio) = Ansteckung (1). 342) Con-
tagium. — ankleibig (ndd., i:>07 anciivich, D. 1.12)
= ansteckend, contagiosus. — ' kleiben (ahd.
plcblipun, piehleib, plchlelp. Schm. I, 1322 ; allsach«.
bikliban - kleben, haften, Kluge; 151'. foedare. niaeu-
lore ; D.238; 1123 beelalbt = intertedatns, I». II, 219), 1. ■
anstecken, bei Jemand einen Ansteckungsstoir
haften machen, empfangen, coneipi in utero. —
2. = verhungern, durch Schwäche «u Grunde
gehen (Sehmeller I, 1322), klebrich werden.
Kleid (Kleidchen), n. (die zur Bedeckung de*
Korpi rs angezogene Hülle) = Kinderhälglein (Am-
nion), das Häufchen, womit das Kind im Mutter-
leibe umgeben ist (Schafhaut, s. Haube u. Hemd)
(Gr. \V. V. 733. 1072. 1074). — Gl ii cks Kleid = Glücks-
haube, Goldhaube des Kindes (Island, liknar
belgur = Gnadcnbalg, Z. d. V. f. V.-K. 1896. 236. 233).
Kienen I. f. kleigen ( = zerriebene Getreiiiehülsen,
Abfall au« dem Getreide, Kleber (Wurzel kl i = kleben],
MeblUele; ahd, ehlia. chliwa. Kluge*. 200; 1260 chliwe
■ Kleienfarbc de» Harns als Zeichen eines Lungen
gesehwnre*. furfiire«, Pfeiffer 23; D. 253; mhd. klie;
1410 kleib = furfur, Sehmeller I, 131»; 1588 kielen =
Hautschuppen. <ir. W. V, liifC, ; 1592 kleycn = Haut
schupfKii. Sei. y.i). 1. = Hatilkleie (s.d. u. Fuchs).
— 2. = kleienartiges Urinsediment (s. Kleien -
materie) — (17M) Haut- Kleie = Furfnralio
(n. hrend 5!, Pithyriasis = Kleieii-Grint, Kleien-
lleehte, I laarschuppen, Schund, Schinden ; eine
chronische, oberflächliche, nicht ansteckende
Hautkrankheit, die sich durch äusserst kleine,
kleienartige, leicht abfallende Hautschüppchen
kennzeichnet (Bohrend 56; A. v. n. 1, 682). — Kleien
Aussatz, -Flechte, -Grint, -Materie.
kleien klauon (s. klauben), mit den Finger-
nägeln kratzen (II. l'aul 248).
kleigen (K«. Jabrh. clergen - eutella, D. II, 12'.) =^
so kratzen auf der Haut, dass Hautkleie abfällt
klein [clgentliehe Hedeiitung — gesalbt, mit Fett
oiIit Seife beitrieben , rein; daher engl, eleanse —
reintgCD, *lobero; cl«an«lngs w«»< benbelirelnlgimg,
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Kleister— Klemme.
Lehf. 15. 391 ; Wurzel : kli = kleben [durch Öt?j; ahd.
chliol, chleini, zierlich, rein, sauber; mhtl. klein —
rein, zierlich, fein, zart, mager, unansehnlich, Kluge4,
200; nebensächlich Uirtnse-, Hasenklein, la j>etite nie,
als Küchenabfall, s. Jung, Kleinod]). — Kleines, II.
Kind. — Der Kleine = Penis (<;r. W. IV, 1
2377 ; V, 1102), als kindliche Kleinigkeit o. Kleinod
(8. d.: Od). — Klein- (klein e,«,«]) Ader,
-Arm, -Armrohr, -Bauch, • Blatter, -Bürden,
-Darm, -Eingetceide, -Faust, -Fieber, -Gericht,
-Glied, -Grint, -Häutlein, -Hand, -Herrchen,
-Hitzblatter*, -Hügel, -Knie, -Mut, -Isätse,
-Laus, -Mut, -Niere, -Not, -Od, -Pest, -Rippe,
-Ritten, -Röhre, -Rosen, Schilm,-Sterb, -Stimme,
■ Schwären, -Sucht, - Wurm, -Zehe.
Kleister, m. (germ. Wurzel kli [ = kleben] ; ahd.
chleuan, ehlelman — kleben, schmieren ; mhd. klenster,
khster. Kluge*. 200 - Klebemilte]) m Speichel (Gr. W.
V, 1134). — FrurAf-Kleister = Vernix caseosa,
das schmierige Kindsschmalz (s. d.), das an der
Haut der Leihesfrucht nach der Gehurt wie
Firniss (Vernix) kleht (v. sicbold 6f>).
kleistern (fehlerhafte Nebenform zu kellern [s.d.;,
Ä<r*-kleistern = lungensücbtige Kngbrüstigkeit
(Schmeller I. WO).
Klemme, f. (klemmen) (Nebenform zu Klamme,
«. d , mhd. klemme, klemde, f.. Kluge *, 198). —
klemmen, 1. (ahd. i>lchlctnmit, mhd. klemmen:
mit den Klauen packen, das Gefühl des Klem-
meiis (Gr. W. V, im. Duck 19}. — 2. = mit einem
klemmenden Holzinstrumente die Tiere kast-
strieren (Seb. i%). — Klemme, f. 1= der Klamm,
die Klamme (s. d .). — 2. -(1791) Kinder-Krampl
(Pavor nocturnus) (Gr. W. V. lins). — 3 — ein
krampfhafter Schmers überhaupt mit der Km-
pfindung der Kinklcmmung (Muck 19). — 4. =
eine Schweinekrankheit (s. Klamm iJ u. Pank),
ein kornartiges Gewächs (s. Kankkorn) im
Gaumen (Gr. W. V, 935. msi. — ">. = eine Pl'erde-
krankheit = die sogen. Hirschkrankheit (s. tU
(Abiig. »s; Gr w. iv, 2. UM; v, 933). — klemm -
beklemmt, enge (vergl. Klamm und kleben). —
fccklemmen (holl beklemmen; schwed. beklrtmma.
— bei einem Organe beengen, beklomtueu sein.
— Bruch-Ein klemmung = Hernia incarcerata.
— Brust- Beklemmung = Anbelitns, das Boge-
gefflhl auf <ler Brust heim Atem holen (Or. \v
II. 447). — .Brtttf-Klemme = Brustbräune, An-
gina pectoris (Klamm 2) (Eichhorst I. 210). — Hebe-
mut :'■ .'--Klemmen [14.— r>. Jnhrh., mnd. so welliker
vrowen de hevemodor klemmet umme dnt herte. J. f.
ndd. Spr.-F. XV, 120) = hysterische Herzklemme
(«. Hebemutter). — Herz-Klemme (hartklemm,
Oldenburg; Golduchm. 99) = Herr- Angst, ein Be-
klemmungigefühl (Krampf) bei Herzkrank-
heiten und Hysterie. — Kiefer- (174«) (Mund )
Klemme = Trismus, der tonische Kiefer-M tickel-
kraropf, der das Öffnen des Mundes verhindert
(d*n. mundklemme, Gr W. V. 77« ; Pchech 46 ; K. eh. 252)
(Maulsperre, Mundsperre). — M utter Klemme
s. Hebemutter -Klemme. — Ohren - Klemmer
(-Klemme), 1. = Ohrklamm (s. d.\ Ohrenzwang
(Gr. W. V. 1138, Heyne III. 376). — 2. = der Ohr-
mfltzel (s. d. : oder Ohrkäfer (Gr. W. VII, UM). —
(17. Jahrh .) xer klemmet = durch Klemmung ge-
Klengel-Kloben. 975
j quetscht (Kr. Kr. b. 3is) — Klemm- (klemme)
äuget, -Brust.
Klengel, n. (zu ahd kachlankian, kichlenkan ; mhd.
klanken, Henken = formiere, schlingen). — Klenkel
( - Klengel — Schling». Strick oder geschlungener
Knoten) = der Schleimzapfen an der Nase, Uotz-
klengel (Gr. W. V, 952. 1145). — .Kofr-Klengel =^
Kotz zapfen [Gr. W. v, 952; Schindler I, ir,35j.
Klepper, m. (1561 das mit kurzen schlagenden,
kleppernden Schellen versehene l'ferd, Kluge1, 200;
Seb 18H) = ein abgehetztes mageres Pferd. —
-kleppern s. kleben.
Klette, f. s. Klatte. — Kletter- Afar.
Kletzeln s. Klotz.
Klieren, pl. fangls. hleor — gena, Wangenge-
[ «ehwulst, l>. 259; holl. klieren = Skrofeln [s klier -
| Schlier']; klierachtlg = skrofulös; 1507 etyren * totes
(= tnnsllla], l>. 586, 1741 ndl. harte klieren = Driisen-
bculen, IT. II, 40S7; 1777 llerc = gena, D. 259; Schm.
I, 533) - Schlier, eiternde Drüsen beule , Bubo,
skrofulöse Drüsengescbwilro. — Klier en-Si«7if\
Klima, n. (xX:p.'x = FlAchcnneigung; Weltgcccnd,
| die mich ihrer Hodenllüchc und Sonnenstände ver-
I achiedenc W arnieverhaltnisse zeigt). — Klima-, kli-
matische -Fieber, Krankfait.
Klimax, f. (xXtuag = stufe = stufen jähr [«. d.].
= Climacterium „ist ein unglücklich gewählter
Ausdruck, der bei den Alten vorkommt" (Komb.
30, Anm); „wie man siebt, hat das Stufenjahr
eigentlich mit der Menopause gar nichts zu
tinin" (l. eod.), die menschlichen Stufen- oder
Wechseljahre ( — Klimax) wurden auf die
Wechselzeit (Menopause) des Weibes erst spat
spezialisiert bezogen. — klimakterisches. Jahr.
Klimse, f. s. Klumse.
klingen [gem.-germ. klank, eine selbständige ODO-
I matopoictische Bildung vom singend klingenden
Sehwertton ahd. chlingan ; mhd klingen [im Ohre;.
I Kluge* 20i). — (1531) O/ircM-Klingen, 1. - die
subjektive, klingende, sausende Tonempfindung
(Gr. W. III. 1671; V, IIS«; VII, 1227. 1256; VIII, 1932)
— 2. = dasselbe infolge von Hlieuma als Kei-
zungserscheinung (Gr. w. V. ll«6), früher häufig
als ein charakteristisches .\vmptorn der Syphilis
mit Unrecht angesehen (I*r. II, 362). Pas Ohren
klingen wird als Wirkung einer üblen Nachrede durch
abwesende Ilritte vom Volke aufgefasst Unlehnuug an
die dikinonisiischc Ätiologie der Krankheiten, vergl.
Wustmann X51I; wenn um rechten Obre es klingt, so
bedeutet es (ilück.
Klinke, f. der klingende, tonende Thürricgel, Thür
schnalle, Schnalle (s. d.) = Cunuus (Kud).
Klitsche, f. = (ilatze (s. d.), oder Glitze [1686
durch etymologisierende Verwechslung, Gr. W. V, 1211).
Kutterling, IU.a Piuterling, Homo inürtuae,
dubiae valetudinis (Schweiler I. 1341).
Klo, f. s. Klaue.
Kloben, m. (zu klieben, Indogerm. glubh =- mit
einem scharfen Messer bearbeiten; germ. klüb ; goth.
klübati — spalten ; ahd. klobo - H«,lzs|,alt zum Vogel-
fang; mhd. klobc - gespaltenes Holzslück, Klegel,
Spalt. Fuge, Kluge \ 201; H20 kloven = niplare,
IS*
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276 Klocken- Kloes.
Klot-klucken.
zahnen, klafen. tv 5««; 16 Jahrh., nrt.l kloeven =
rfOHM i rhagades, I). 483 ; cloue , klonen s rhagade*.
Impetigo, D.II, 211- fcmlnal, Luxer 127; ndl. Kloven,
kloot!", De ('ock :i02; engl, clew) -= 1 1 .m : i ,--<■ an den
Händen infolge von Frost. — <ler Kloben —
Vulva als weibliche Leibesspalte (<:r. \v v, 1216).
— Klob(en)- (klobige) Darm, -Spaltumj
Klocken s. klopfen u. Cilorke.
Klodden s. Kladde (Klecks).
Klöbeln (Klöwern) s. Klopern.
Klo lein s. Klaue.
Klo ten. Kloetres s. Kloss.
Klopern (Kloben, Klopen, Klöbeln. Klo
werl, Klopper, Kluberln) («o klauben [mit den
Fingern); 1588 kloppern = Kluger . (ir. W. V, 1222;
Königsberg; Kranken, 1609 Kloben), I.-daa 5 spal-
tige Kndteil an Händen und Küssen (llyrtl. K.
W. 95). — 2. Kloper, f. = Hand (Schnell« i, 133t,
noeli heute heisst man in Wien kurze. ktauenfortnige
Finger mit latiRen Nageln Klöbeln, Schweix Kiepen
— Klaue und Finger, (Jr.W. V. 1222; Schw. 348; Ct. \\.
V, IfttO; Sehmeiler I, 1.119. (Tromnielsehlilgei -
ünger der Fhthisiker). — Klop- Finder.
klopfen (Ablaut xnm Schallwort klapp [*. 0 .1,
Kluge*, 2U1 ; goth. kluppön ; ahd. chlopfuii [chloehön,
klockön], «iraff; 8. Jnhrh. clohhot - pulsal, Kero »'•;
mhd, klopfen, kloekeni — pocher, wie ein Polter-
geist oder als Zeichen des pulsierenden Blutes,
das anklopft und Bein Dasein meldet; darum:
Ader-, Mut-, Brutt-, Gefäss-, Geschwür- Klopfen.
— BaurA-Klopfen-dassftusserlich wahrnehm-
bare Schlagen der grossen Blutgefässe im Be-
reiche des Unterleibs bei Aneurysmen, Knt-
zündungen oder Geschwülsten verschiedener
Organe, auch beim fortgepflanzten stärkeren
Herzschlag (Nervöser s. B.). — (1580) Hert-
KM.' j - »'«"Pitatiocordis, Fulsatio arte-
liarum (Hippokr.), le pantellement (Th. % nr 661 :
Or. W. IV, 2. 1251; Zw. SO?,; Hufelaud 2%). als Anfall
beschleunigter und meist auch verstärkter Herz-
ihatigkeit, die meist subjektiv empfunden und
als Herzklopfer personiticiert wird. — Ohr-
Klopfen = das subjektive Empfinden des Fuls-
schlages im Ohre (<;r. W. VII. 1264). — Klopf-
Milch.
Klops, m. (1756 eine Kurzform für) Klopf-Fltiseh
(Kluge», 21«).
Kloss, m. (Klöten, Klotten) (germ. um =
Kl..--, Rallen; goth. klutta- [klauta -]; ahd. klöz - Hall.
Kugel ; inhd. klöx — Klumpen. Knollen, Kugel, gehallte,
runde oder formlose M*«v, i ir. W. V. 1210 lt.; Uli;
14. Jahrh. cloM, kloz, clot ■ testieulu». I). 561; U, 36;: ;
UM kloM, Tabernaern. ; 1646 kloetres = Hodenpaar
heim Werde, Coler Pf. 340 = Hoden, (ir. \V. IV, 2. 1658;
V, 350. 1247; Österreich, Nassau; Hyrtl. K. Vf. 9>: 16"»9
klotten, t. M. I, 68; engl, clod), 1. « Hoden, Testi-
culns, als kugelförmige Gebilde (<;r. W. V, 1246;
Hyrtl, K. W. 59; Heyne III, r.85) (vergl. Kugel und
Brtuler). — 2. = (1554) Geschwäre, Geschwülste,
soweit sie rundliche Form haben (Gr. W. V, !2S3j
(vergl. Klotz). — 3. — Hornballen am Ochsen
(v. M. I, 68). — 4. = Kugel (s. d.). — Nerven-
~ Globus hystericus p. Kugel 4. Mutter-
kugel 3. - (1754) Snnd- j^jLel (n'J' ' 17,1 zn'U
kloot = testleulus veuereu§, Fr. II, 408) — alte, rund-
klumpige (Hoden- und) Nebctihodenanschwel-
lungen, die beim Anfühlen die Empfindung
eines auf denselben liegenden Sandes geben (V)
(A. v. H. Ii, 1285; iv. II. 41.1. 473) (Karnüftel, Sand-
stein, Sandbai), Sandhoden), Kpididymitis
gonorrhoica, Hernia humoralis :.,sand" Ist hierbei
wohl als Pberselxung des tophu« [Tuff) - liumma
STptaU. aufzufassen (s. am Sand 5). — Spüal Klosse
- das zusammengebackene, zu Kügelchen ein-
getrocknete Sekret der Meiboru'schen Drüsen
\ugenbutter) bei unsauberen , unreinlichen
Kenten, armen Spitalern. — Kloss Sack.
Klot. - Klot-Frw.
Kl ölt s. Kloss.
Klotz, m , n (Klutzen) i'germ. klnt [Hallen];
goth. klutta , ahd chlox; mhd kh>x, Kluge1. 202;
vertritt [ober,!.] die Schwester form Klos» [*. d.) =
trnneus, massa. globus, (!r. \V. V, 1250; 1414 klox =
Testleulus, Gr. W. V, 1253; 1532 klötx - Hoden, Ur. W.
I eit; ndl. kloot = TexticOtaa, De Cock; engl, clotted
= klotzigt, 1. = Augen- Klotz (>«. d.). —2. = Hoden
(Klotzen, Klutzen, Kugel). — 3. = runde, harte
Geschwulst (Klotzfleisch). — 4 — Leibesfrucht
(Mola), als klumpige Masse aus Klotzblut (engl,
elottcdblood' bestehend (Burk 2s), (Kloizfletsch,
s. «I.). — f>. = ein grobgestalteter Mensch. —
klötzeln = in Stückchen abbrechen. — auf-
kletzebi |"in kleinen 8ch°rfteilen aufbrechen
(von Wunden) (Wien; Schindler I, 1342). — Auqen-
KlotZ — Augenapfel (üchkloz bei den Sielienhurgcr
Sachsen, fir. \V. V, 1252) — (15411 //tm-KlÖtze -
d. halbkugell'örmigen Gehirnhemisphilren (Hyrtl,
K. W. M), — MauArn -Klötze (15. Jahrh. musen clote
= (MtlcuU, D. 681) — Hernia carnosa, KarnofH,
runde fleischige Hodenanschwellung (Kpidi-
dymitis) im Gegensatz zum Wasserbruch, Wind-
bruch (Maus -Fleisch). — (1554) runde Klötze
— runde, harte Geschwulstknollen (Gr. W. V.
1253). — >■■,.■■/- Klo t siehe Kloss. — Klotz
i klotzt e, er, *»;) Fleisch, - Kopf, -Materie, -Milch,
■ Wunde.
Kluberln s. Klopern.
Klubs s. Klux.
Kluck, m. (Klück, Klux), 1. - Hfthnerweb,
„der reizbare, kränkelnde Zustand, in dem sich
die gluckenden Bruthennen befinden, flber-
I ragen auf Frauen"; (vergl. brüten). — 2. =
(1 MO) der Fips der Hühner (Gr. W. V, 1258. 1260 ;
VII. 1704, (Ffipfs).
klucken (glucken, gluchsen, glucksen,
klukezen, klukzen. klutzen, glotzgen, glucke
Zen) (zu ahd. chlocchön ; mhd. klocken — klopfen,
puiMire. Schraeller 1, t?.2S. 1.-H8 klunkexen, Gr. W. V,
1299; Sehw. 346; 16X7 klutzen = kliKkxcn, Gr. W. V,
1309; klucken, klukezen, kluxen, Sehmeller 1. 13?.5).
1. — klopfender Schinerz durch das Fulsieren
des Blutes an krankhaften Stellen: a) bei Neu-
ralgin capitis (Kchw. 257); b) bei Abscessen, (Je-
Bchwaren: der pulsierende Kiterungsschmers
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Klucks— Klump(en).
Klumsen— Knarre 277
(Sehw. 257; Gr. W. V, 1228. 1261). — 2 = kluxen
hetschen (s. ».).
Klucks (Klux, Klubs, Kluxe, kluxen, kluken,
Klocker, Kluxer, Olutzger, kluxern, kloxen,
klucksen, kluchzen, klukzen) (germ, Uakk
[onomatop]; ringls. clocclan - kluksen, Kluse *, 202;
15. Jabrh. klux — slngultus, D. 644; kloxcs = siiigultus.
Dil fange IV. 490; UM klux, H. V. Gcrtd. 39. 100; 1532
kluxen, MM 101. 1533 klux. Gr. W. IV, 2. 1266; 1561
du kluxen, Bock 172; 1576 gluxen, Gr Vi. IV. 2. 12t»;
1584 kluken. Cr. Vi. IV, 2. 1267; 158« klux, Tabern. ,
1591 kluxen = Magenaufstossen, Tabern. C3 B ; Plctor. 57 ;
Waekeruagel, Abhdlg. III, 15& Aom ), 1. — das den
kluk- oder klux Ton des Hetschern (Singultus)
lautmalende Wort (= Hesel), Heise, Hetscher,
Schnackler etc.), da» landschaftlich, ja sogar indi-
viduell verschieden wiedergegelien wird (Gr. Vi. V,
1267. 12C9 ff.) uud durch lulcnslvbildungen weiter-
gebildet l«t. — 2. = der gleiche Ton heim schluch-
zenden Weinen, der einzelne Schluchzer (Gr. Vi.
v, 1221). — 3. = Has Schluck -Geräusch beim
Sauglinge (Gr. w. V, 1259). — 4. = (l'.si) der Un-
willen und die Unlust zum Husen, die sich
meist bei Magenleiden (mit Singultus) finden
(Anorexia) (Bock 172). — 5. — das Klucken =
klopfen (s. vorig. Wort) des Aufbrechenden
AbecCM-Eiters - Sphygmos Hippok (Fuchs I.
131; n, 43; Gr. W. V, 1260 ff). — 6. ^ der Kluck
(«. o.) — Hnhnerwoh (Gr. w. v, I26u) — Magen-
Kluxer (ie. jahrh.) (-au/kluxen) = Rioguttae
ftomachi, llesch, Schnackler etc. (Gr. Vi. V, 1257.
VI, 1440).
kludern (anklingend au ,,kaudern" [*. d.J) =
krankein, frösteln (Schwei*; Gr. Vi. V, lu>6. 154»).
Klück s. Kluck.
Kluenker. — Klunker- /uss.
Klünsel s. Klumpsen.
Klufe, f. s. Glufe (u. Spindel).
Kluft, f. (indogerm. glubb; germ. klüb - mit
einem scharfen In«trumentc bearbeiten . getn. altgerm.
kliuhan [spalten]: ahd. chluft — Spaltung; nihil, kluft
Spalte, Kluge*. 202; Heyne Iii, 387) ■ Kralle des
Kaubvogels. — (1592) Horn-Kluft ~ eine krank-
hafte Hornspaltung in die (friere am l'ferde-
hufe, Esel etc. (Seb 177. 211; Mayer 124; Coler, IT.
370, Abllg. 87; Gr. Vi. IV, 2. 1829).
klumern s. Klamm.
Klump(en), n. (Klunk-), m. (ans ndd. klump;
ndl. klomp in. ^ Klos«, Klotz; nord kltlttibn = Keule ;
nasalierte Lautfonn zu Nel<cnf. klubha; goth. kulhan
Stock mit knolligem Ende [globtis], Kluge", .112.
208 — Kolben, runder Klotz, Kcnle mit klotzig dickem
Ende, verkrüppelte* hing; engl, clumps — ein plumper,
schwerfälliger . dickköpfiger Mensch. Kultschm.). —
(Tirol) Klumper = «In an .Schwindsucht leiden-
der, lungenkranker, siecher, dürrer Mensch
(Wolf 160). — <>• kluinpfen = zusammenge-
schrumpft, dftrr, an den Beinen %. B. (Schindler
1, 1331). — Klump Blut, -Finger, -Frucht, -Fuss,
-Band, -Huf, -Milch. — klumpicht = giobosua,
informis. — Klumpel (mit Nebenform): (1710)
Klunkel = Geschlinge, Hnnr- Flechte (Itlrllnger,
Sitten I, 407; mhd. Klungelcr, f. = Troddel, Klugo*,
202); dazu die K lungere (Zürich; Alpbg. 49) =--
Holda, Perehta (s. d.), die so als Dreckzottel oder
Sudel benannt wird, wohl weil sich das Volk diese
DHrnonenflgur mit IlaaxzoMeln behaftet vorstellte.
Kl ■.nnsen. f. (Klunsen, Klimsen, Kluntz,
Klünsel) (mhd. klunsc, klumac, klumze m Spalte,
Kluge* "01 . HW clunwMJU — rlina, I). 498; Sehnicllur
I, 1336; 1497 clunaen), 1. = Stiturae cranii, die
Schftdelnahtspalten (nyrtl. K. Vi. 53). — 2. =
Weibsperson, ex rima vulvae (sehmcllcr 1, 1336).
Klunkel s. Klump.
klunkezen = klukezen (nasaliert).
Klupe, f. (zu mhd. klübe, (ir. Vi. V, 1024; norweg.
klubha = Ra<les)-ge [Beiart 3] = syphilitische Entartung
der Fingerhant oder Nagel) = Kloben, Klauher,
Klaup, Kinger (Schweiz).
Klutzen, pl. s. Klotz (Gr. W. V, 1253).
Klux s. Kluck u. Kluck«
Knabe, m. (ahd. chnabo [Knabe, Knap|ic, Knecht];
mhd. knobe = männliches Kind), 1. = Penie (Knaben-
bube, s. d. u. Knecht). — 2. = Hoden («. Bruder).
— 3 = Hüilenhrneh (HS2 = henila vel tumor [scroti],
Geschwulst od. AusIIum des Ingewclds, Gr, ff. V, 1303).
— Bruch- Knabe = Und« (Orchis) im Bruch
(= Hose) ((ir. W II, 413; V, 1323). — glatzetcr
Knabe = Penis retraefo praeputio (Gr. \V. V, 1119).
— die zwei stolzen Knaben = Hoden (Gr. W. V,
1323). — Knaben-ßwAc
Knack, n. Knacken, n. (engl, knack; ..zu gründe
liegt eine latituachahmendo Wurzel, die dem Germa-
nischen eigen Ist", Kluge*, 202; Aberglaube über das
Fingerkuacken s. Rochholz I, 241; s. auch nagen und
Knochen). — Li, u v Knacker h : -dam ; Luseknecker,
Engel. 192) — Daumen (s. Krscker). — Sehnen-
knacken — Sehnenklapp (Kraus, E. 1033). —
TcitA/s-Knack s. Nacken.
Knäbel (Knäwel) s. Knebel.
Knappe, f. 1. - die Stelle des Körpers, wo
der Mensch am knappesten ist = Taille, l»Qn-
nung, Weiche (Goldschm. 156). — 2. = s. kneifen
(Knepe).
Knäuel s. Knebel.
Knäutel s. Kneuter.
Knaispel (Knarpel, Knarbel) (i5.— iö. Jahrh.
und z. teil noch heute) - Knorpel, Cartilago; zu
knarpen, knarheln, m. knarrendem Tone beissen
(Gr. Vi. V, 1351 ff., 1192; Bück 17). — (16C<) Nascn-
Knarpel = Nasenknorpel (Coler. II. \ («iehe
knerfeln). — Knarpel- Bein.
knallen s. knollen.
knappen, gnappsen (gnappen, knaupen),
l. - (15*7. 1018 knappen mit den fussen) - vaclllurc,
hinkend und kurz einknickend gehen (Buck 19;
I>. 313. 604) = kniekeln, mit den Knieen napfend
einsinken beim Gehen (Kchmeller I, 979. 1344. 1351.
1352. 1751). — 2. (1560 guapen mit dem köpfe) = mit
dem Kopfe kurz nickend wackeln.
Knarpel s. Knaispel.
Knarre, f. (zu mhd. knarren, «narren = knarren,
knurren. ..junge, onotnalopoletisehc Ncusehrtpfung".
Kluge Ä. 203 ; die Nachahmung eines rauhen, zitternden
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278
knastern — Knebel.
Knecht— knerfeln.
Schalles, Heyne III, ;;yj ; INeiilcdcrkuarreul). — die
Knarre ■ da« sog. Knarrband [bei Prtohb. 6» auch
„der" Knurrbuii.t) (s. iL), «las Gelenkknarren ; (hi.rt
mau nach dem Volksglauben im Walde die Baume
knarren und spricht man nicht gleich Scgcnsworte da-
gegen, so bekommt man ,,die Knarre", ». Kuurrbelu.
t r.jiietl 1894, S. 88; es wird besprochen, Trischb. 09).
— Knarr- Btnid.
knastern — ein krepiticrendes, knatterndes
Geräusch machen. — (i7»y) G< knaster = da«
Krepitationsgerttuseh (Zdtsch. (. d. PhU. XXVI, 244).
Knatterle, n. s. Knecht.
Knauer, m. h. Knurre.
Knauf, Knaupe, f (Knoppel) - vielleicht knor-
pelig harte, ubertlilchlich geschwürige Beule
(Knauf.') am Knöchelgelenke (Tumor albus tarsi,
TOpfana eXllleerallS (Gr. \V. V, 1470. 1471; ndl. knoop
ws KDOpf, Knauf, Kluge5, 203; knobbel, der kleine
Knopf, De Coek 288). — Knöpfel. Knaupel (Knob
bei)- Knochen, -Hose. — knaupen s. knappen.
— Knauperling = ein Knirps, ein kleines, im
Wachstum zurück gebliebenes, sozusagen ge-
knöpftes Kind (Schm. I, ir>2). — f/n/w-Knäufel
(1432 vnderchnnwfel = iulernodlum, 1). II, 219) =
Zwischenknöchelchen im Gelenke.
knaunchzen, Knaunz, f. = mit nasalem Tone
(naun) etwas sprechen, mit schnüffelnder Nase
reden, weinerlich sprechen (Schindler I, 1351). —
Knaunz, f.-eiue gnaunzende, winselnde, weh
leidige Person iscbtncller 1. c).
Knaule, f. s. Knauter.
Knaur s. Knorren.
Knau&s, m. Knausse, f. (Schwaben), Knaust
KnUSt (niederd.), Kneussel, n». = knopliger
Ansatz (Knauf), 1.- Knorren, Knöchel. — 2.=
knopriger Auswuchs am Nacken. — 3. — Beule
(Gr. W. V, 1373; Huck 19; Schindler I, 1334).
Knauster, m. = Knorpel beim .Schlachttier
(Lippe, Tromm. VI, 209).
Knauter, m (Knauder, Kneutel, Knäutel,
Kneitel, Kneidel, Kneust) (alte Nebenformen zu
Knoten [s. d.); knaule, t. = Knautcl, Kraus, K. 795),
1. = harte Drüsenknoten namentlich am Halse,
(Gr. W.V, 1S74). — 2. = harte Insektenstichbeulen
(Schneller I, 1326; Schw. 342). — 3. = Elumptusfl
als Knoten am Kusse (Gr. w. v. i:M2). — rot?
Knaule Scrofula fugax (Kraus, k. 795) — eine
vorübergehend durch Lntzündung der Haut ge-
rötete I.ymphdrüsenanschweliuug.
knawweln (ndd.) - knabbern, mit den Zahnen
liagcn (Fromm. VI,
Knebel, m. (Knöbel. Knabe! Knäwel, Kneu
wel, Kneuffel, Knäuel), t. Knöchel, Knorren
an Finger und (ielenken (and. knebii — Knöchel,
mhd., i:>. Julirh. knebel -- condylus, nodus, Gr. W. V,
1376; Kluge5, 203; Sehwaben, Sachsen, Thüringen.
Tosen. Niedcrlausitz). — 2. = (1616) verwachsene
Knopfe und Knoiren an Gelenken u. Knochen
(Gr. w. v, 1071). — 3. = die ganzen Finger (Knä-
Welen) (Gr. W. V. 1:77; Bremen, Tömmern). — 4. -
(1032) die kntUtelformig in einander geschlun-
genen, zusammengeschnürten Darmsehlineen
(Volvulus der Arabisleu) - Dünndarm (Ueum)
(die« [I] zu mhd. knebel — Kunltel, II. Taul 2"<7 ; wie
Kncbdbari, Hyrtl, K. \V. 96). — L >nte\ Kne bei siehe
K nobel (Knobel). — Knebel- Hein.
Knecht, m. — l'enis (Gr. Vf. v, mg) (s. Knabe,
Hube) (mud. knechtkeu - Knabchen, Mag. Barth. 94 a;
Infantulus [1419], Schindler I, 134«; OtM. v Wolkenst.
kniichtlin, Tromm. VI, 29S) dazu Knatterle -
Knechtchen, Knablein kleines Kind. — Landt-
Knecht (— ' Soldat im Picnste des Landes, Kluge &,
22"> ; der namentlich im Walschlnnde Im 16. Jahrh. in
üblem Uufe stand; als lombardischer Bruder (s. d.),
war er auch In Deutschland zweideutig ; die durch Ihu
vielfach verbreitete Syphilis erhielt seinen Namen ;
l'.tl landtsknecht, m., landsknecht [1550 und 1.581] als
femin., Tuchs I, 37.V 37C. 377) - Fraozosenkrankheit
(s. d.), besonders die Feigwarzen (malafrantzoss)
und der Karnöirel (Ramex carnosns), der die
Doppelbedeutung Landsknecht (im Kartenspiel.
Schräder 424) und Bubo inguinalis, Orchitis gonor-
rhoica hatte.
Kneidel s. Knauter.
Kneif, m. kneifen, kneipen, m Kneiper,
Knepe, f. (altg. kuib, hmp - kneifen, Kluge \ IM;
md,, 13S4 kneipen = das Zwicken ; 1<V40 kneufen; 1729
knepu, f., pl. [Itostock], v. Gehren —das durch Kneifen
Erzeugte; IV Jnhrh. kneifen [noch wenig bekannt!,
(ir. \V. V, 14i»2; ndd. gnoepen; eugl. kulfe — Kneif;
to nlp = kneifen) = zusammendrücken, klemmend
schmerzen = Tormina (Eichh. 1,793). — Kneif, in
l. = Colica, das Bauchgrimmen, als würde man
innerlich geknippen, gezwickt (Gr. w. V, M08).
— 2. m das Kneifen der Haut (kniffen, kniffein,
kniften) = kratzen (C. v. Schm. 319; Schm. I, 13j0).
— (17. Jahrh ) Kneiper, 1. - der (kneipende)
ZeigeÜnger. — 2 = das Bauchkneipen. — 3. =
das einzelne Kneiperchen, d. h. der plötzliche
Aufschrei der Kinder durch ein vorübergehendes
Hauchgrimmen (ur. \v V, m>.»). — kniften -
kneifend kratzen, reihen (Schm. I, 1350). — (1M0)
/i<n«c/i-Kneipen- das Kneipen, Bauchgrimmen,
Colica (Gr. W. V. 2307. 1108) (Knipperdolling). —
(1729) Geint -Knepe = Maculae liveecentea et
luridae sugillationes, die durch deu kneipenden
Pruck gespensterhafter, elbischer Geister ver-
anlassten Blutaustritte unter de» Haut (Alp-,
Totenflpcken)(v. Gehren, von Gespenstern 8). — (16S0J
Ohren- Kneipen, 1 der kneifende Ohiren-
Bchmerz [Gr. w. VII, 1256), — 2. - Ohrwurm (■». d ),
als der einen solchen Schmerz veranlassende
Parasit im Ohre (conf. hniplngr, Kdda, Volotpa). —
Tuten- Knepe. I (dan doeding* kneb, l.iebrecht, r..
V. K. 313) - der Totemanns -Griff (s. d ), eine
plötzliche Lähmung durch den kneifend zu-
greifenden Dämon aus dem Totenreiche erzeugt,
nach dem nord. Volksglauben (s. Geistknep)
(z. il. v. t. v.-k. ih93. h. 25). — Kneip-Fm^r
•Nagel, -Zahn.
kneisten [Tirol) = kreisten (s. d.), schwer
atmen, schnauben, stöhnen (Gr. W. V, 2162; Fromm.
VI. 298).
Kneitel s. Knauter.
Knepe, f. s. kneifen u. knapp.
knerfeln - mit knarrendem Knorpel -Tone
die Zahne bewegen, knirschend nagen (Tauli 52).
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KneuÜel— Knie.
Kniebel— knischen. 27»
[ s. Knebel.
Kueussel s. Knausse.
Kneust (Knentel) s. Knanter (ig Jahrh.; <.r. w.
V. 1373) = harte Drüsen KD den Leisten etc.
Kneuwel s. Knebel.
KnibeditS, tn. = Knirps (Aachen).
knicken (s. Knie). — L«its< • Knicker siehe
knacken) (diethmar*. Luescnknicker. Imucll II, so)
— Daumen (V. K. U, 142). — Knicke - Bein,
-Fuss.
Knie.n. (kniegeln)(irem.-lndogcrm. [genu, gerat),
gnu , Kluge*, 204; genu - Knie; dazu gea [griccb.) =
Erde al» grosse Mutter, Eckstein; germ. knu, engl,
knee; sehwed. knft; goth. kniu, kniwa (dazu knirken,
Kluge 1. c . u. glgncre = gebareu]; die kauernde Knie-
Stellung wird die ursprünglichere, natürlichere Geburts-
»tcllung schon bei den IndoGermanen gewesen sein ;
ahd. chniu, chneo ; 7.-8. Jahrh. chnlu - genu, Gass.
Glos«., 8. Jahrh. chnlu = genua, Knb. Maur. = jinuuola
[rom.] = mtl. genlculum, Gass. Glos*. ; Diez 96; Ii. Jahrh.
knnl = genu, Voc. opt. W. 1. 13. 2U8; 1440 knu - varlx,
I». 6.K1. 1482 knyo = nifTrago, Zen. Voc.; 15. Jahrh. knul
= genu. knyc = suffragines, popllces, V. 566; Gr. \V.
V. 1422; tnhd. knie; 152« kueu , II. v. Gersd. 53;
17 Jahrh. knü, Gr. W. V, 1121 ; Voralberg kneu ; Schwell
krnm; o.-pfali knel), 1. = das Knie bei Menschen
und Tieren als bänderreiche Verbindungsstelle
zwischen Ober- und Unterschenkel, und au (fäl-
ligster Beugungsort <lerselben beim Gehen und
bei der früheren kauernden Gebnrtastellung
(Sullrago, Varix, Genu, Vorder- u. Hinteiknie).
— 2 = die Stätte des Lusus venerotis (s. Galgen)
— Pas Knie des Ehemannes war der Vorläufer des
liabartMtUhl«, dn das gclxtrcnde Weih ehenuils auf
den Kuhn des Vaters die Kindsweheu verarbcitele ;
daher Ist Knie auch zur Bezeichnung der Verwandt
sehaft (h Knlebasleln *, 8chm. I, 1313) genommen und
bezeichnete die Erbfolge nach des Vaters od. der Mutter
Knie (Kochholz I. 211; Scheible IX, 26«J, Gr.W. V, 1421).
— 3. = Knie-Ähnliches, d. Ii. wie ein gebogenes
Knie winkelig Gestalteles. — Knielein (ahd.
chuielin -- genlculuin, Graft IV, 575; das kleine
Knie, z. ß. bei Kindern. — knie^eln (knickein)
— in den Knieen gnappen (s. d.), hinken, heim
Gehen mit den Knieen kurz einsinken (<.r. w. V,
1418; Scbm. 1, 1311); (vergl. Knickebein). - Bocka-
Kaie (beim Pferde) - eine Anschwellung der
hockähnlich nach vorne geboutrlen Kniec (<;-. w.
Ii, 20*). — (1020) böses Knie = (lWD brenthaftcs Knie
krankes Knie (l»r. Minderer; Hock 363). — Doppel-
Knie = ein darch Deformierung(r.. Ii. angeborene
Kniescheiben- Verrenkung auf den auss. Gelenk-
knorren, condylus) gedoppelt erscheinendes,
weil gleichsam 2 knorriges Kniegelenk (M. Med
Wi.ch. l«'.»5. s 58s) — gebrauchte Kniee (mhd. ge-
branchte chnie - geuua ineurvala, Schnuller 1, 338;
. brauchen«) - gebogene, gebeugte Kniee. —
UinU »--Knie = das Sprunggelenk beim Pferde
am Hinterbein (Mayer »4, Herbst 121, — Klein-
Knie (13. Jahrh. klein kney = genlculuin, I» 260) -
Knielein. — OcJisen Knie , 1. = die X-FOSM,
Genu valgum (engl, calfknee - Kalbkuie), beim
Menschen u. Pferde, wenn die Kniee wie beim
Ochsen allzu enge nach innen
(Gr. W. v, 112«; vi, H34) (Knieboluor). — 2. =
Boa, la infratione di Ii gambe = Tumor crurum
e labore viae collectus ; also ein einseitiges,
durch Geschwulstbildung, Ochsengalle (s. d.)
verursachtes Ochsenknie (Du fange I, 682; ctre
gambl, BrUa. 296). — Tripper Knie = ein durch
die Trippertrieht (s. d.) erkranktes Kniegelenk.
— Uber -Knie (ahd. uparknlul, Graf! IV, 575) =
Femur, der ober dem Knie befindliche Teil des
Oberschenkels. — Vorder Knie = das eigent-
liche Knie bei Vierfüssern (Kalke II, u». 419), d. h.
«1er Gelenkteil zwischen Kegel und Schienbein
an der vorderen Gliedmasse. In dem I.andc der
„englischen Krankheit" unterscheidet man Aussenknlc
(oulkuee) - Sabelbelnc, Bogenknle (bowknee) = O-Bein ;
Innenknle (inknee) = Baekerbein ; Ilauswagdkuic,
housemuidskuec (Knieschwnintu , ». d); Knockknie
(knockknee) as X-Bein (Lehfeld. 12. 81. 125. 183. 186. 205)
— Knie wider, -Aug, -Basel*, -Bein, -Beuge,
-Beide, -Biege , -Biss, -Blatt, -Bohrer, -Buek,
- Bug, Enge, -Galgen. Galle, -Gelenk, - Geschwulst,
• Gicht, Homme, -hängig, Holde, -Kehle, Knollen,
-Knoten, -Lotterer, -Paternoster, -Pfanne, -Rad,
•Rotel, -Schale, -Scheibe, -Schnapper, -Schwamm,
-Schwiele, -Sehne, -Spitze, -Stecher, -Stelz, -Sucht,
-Tropf, -Übel, -Weiche, -weit, -Wenke, - Wetzer,
- Winkel, -Zipperlein.
Kniebel, m. s. Knobel.
Kniffel, m. s. Knüpfel.
kniffen, kniften ~ kneifen (s. d.) (t . v. «ehm.
31B ; Sebm. I, 1350;.
knipfen, knippen = hinken, knappen (s. d.)
oder knippen (Schm. I, 1352)
Knipperdolling (1611 ein verhüllendes Scherzwort
für) Bauchkneipen (s. d.), Crepitus ventris (Gr.W.
V, 1437).
Knips, tu. (1691 ; Kluge &, 204) Knirps.
Knirbeln ~ kntfrpoln, knirschen mit den
Zähnen (Schmeller I, 1353).
Knirps, m. - ein kleiner, zwergartiger, ver-
krüppelter Mensch (zu Knorf, ndl. ■ Knoten,
Kluge *, 204).
kninen ■ knarren, knirschen («. d.) (Gr. \v.
v, 1414). — Knirr- (Gnier-)Band.
Knirxfil - Knirps (1788; Kluge», 201}.
knirschen, knerscheln, knirschein, knirsen,
knürfeln, knirbeln, knirbschen, kirschen,
kniseien, knarschen, knarren, knarpeln,
knarspeln, knaschen, knorsen, (udsachs.) gnur-
schen, gnarschen ~ eine tonmalende, den
hurten Ton der reibenden Zähne nachahmen-
des Wort mit vielen Verschlechterungen und
anlautenden mundartlichen Schwesterformen -
dentibuserepitare.griesgramen (Gr.W.V, Uli IT.);
, , . r, ., I knirren (iWl)
(oberd ) kirren (s. d ). - Zahne- ( knir8chen
— knirschen (schon In den nordischen t'rzelten als
launfrlftOir Zahnknirscher vorkommend, Slmrock,
II. 0. M. 236).
Knirwes Knirps (N.-ithcln). — Knir-Fcr
knischen s. niesen.
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280 knitschen — Knochen.
Knochen.
kni Ische n (kni sehen, tauschen, knisten,
knutschen, knusten, knüssen, knauzen,
knisten , knistern) (ahd. chnistian = oontorero,
GratT IV, 57 1 ; cbnussiiti = Widert', Kromin. VI,
■.»98; mhd. knisten, Kluge*, 204; 1599 knisten = zer-
knittern; l'.Ol zerknlslen = coniuudcre; mit einer
Reihe von Nebenformen, die alle eine gemeinsame
Bedeutung haben , indem sie onomatopoictlsche IUI -
düngen sind, die das ist- oder itsch-üeruusch de» Kni-
Sterns oder Knifchcns beim Quetaoben , Zermalmen,
Reiben nachahmen. Cr. W. V. Mit ff , 152«; dazu)
knütschW'in (knizblau). — Zähne- Knisterung
(Mit gulstcruugc der zene = Stridor dentluin, I). . •n«; .>
— Ziihneknirschung. — Knitschung, f. (Knist-
ung, Knitzung): /• • Knitschung (Knutsch.
UUg) — t),nct8chung (Trifona Adlb. 48; 1620; 1591
eontnalo, Rad, Jun. ;sst). — Knitter (udd., Lippe).
Knitzer (Schwaben), 1. = Hitzbluschen (Finnen),
die man aufkuitscht, aufquetscht (r„ v. Schm.
320). — 2. a die Quetflchungeetelle (<;r. W. V, 1417;
Sehmelier I, 1776). — knitterig - mit Finnen be-
setzt (Fromm. VI, 209).
Knittel, m. s. Knüttel.
Knitten, pL — Ge-Nitt, s. Niss.
Knohel, m. Knöbel (obd.), Knebel, Knowel
(od.), Knotfei (md ). Knübel, Km ober; Knobel
(seit dem 18. Jahrb., nach <ir. W. V, 1418), 1. — Finger-
knöchel (Schw. 352). — 2. = Finger, Hand, geballte
Faust, eofern die Knöchel dabei berücksichtigt
■lad. — 3.- Internodium, die an den Finger-CSe-
lcnken vorspringenden Knochenknöi rlein (Schm
I, 1345). — 4. - verhärteter Auswuchsknorren
(Hävern; Schm. I, 1346), — 5. — Schnupfen, „ein
auswendiger Fluss" (15 Jahrh. , N-Rhein) = dazu
[taUH Knobloch = ein Augenfehler (Kerato-
konus?) beim Kind (Seb. 150). — 6. = Penis
(Knofel). — Unter Knöbel [18. Jubrh. rnterknenllel ;
11SJ uutcrknebel— inleniodium, I). 304J = Zwischen-
knöchelchen. — (U88] knobelicht = <-in ver-
wachsener .Mensch <;r w. v. iti9). — Knobel-
Bcin.
Knochen (Knöchel, Knüchel, Knöchsel)
(Roth. knu<|ii; engl, kiiuekle — Knocbengelenk, Kall-
schm. 1 ; [dUU Knocken , m. d de* II. Sacht] , spat
mhd., 13. Jahrh. knoehe n Astknochen, Knorren, der
harte Knochen; mnd. knuken = Knochen, Mag. Hürth.
97 a; knochen fehlt noch bei Luther und ist im Obcrd.
[«. Gnack] meist durch „Bein" [». d.) gegeben;
(„Knöchel" Ist jedoch gut oberdeutsch geworden, letz-
teres verdrängend), 14S3 knoch = condylus, nodus,
tophus, Gr. W. V, 1101 «üb 2; Zeiilug. Voc. .| 8 ; laltts,
Gr. Vf. V, 145 » ; knoch bluten am nack m nueba, Zen.
Voc. <i S; knoch an holt/, Astknochen, Zen. Voc. r 1;
U>23kn«chel - knod, gleich, Kluge*, 205 ; 1748 knochscl,
Jiyrtl, K. W.W; Oldenburg, Ohcrpfalz kDBken ■ Kno-
chen, Goldschm. 16; Schm. 1, 1347). — Knochen (noch
ür.W.V, 1455 ff.) - fester Teil d. tierischen Körpern,
harter Wulst, Knorren (Unterschied vom Beine,
». d.) ; L = Knöchel ( = Enkel, b. d.). — 2. = Ulie-
derkuorreu (Condyius, Epiphysis, Tophus). —
3. = Gebeine Oberhaupt. — 4. - Zehen (nloderd.
knnken). — 5 = lebendes Gebein, (ilieder, Ge-
lenke. — G. — Tierknochen. — 7. — Totengebein.
— 8. = Fliese (Heine). — Knöchel (mhd. knogerlln,
knüchel, kniigcl, Kluge*. 205, „der kleine Knochen",
„kuolcnurtlge Erhebung", <.r. W. V. 14.1; dem mhd.
Knöchel wird da* Denken an „Knochen" den Sinn
verschafft hüben, Gr. 1. cod.; mhd. kuochcl, ktuichel
( — ■ arliculus, condyius, taluv nodus], nach Gr. W. V,
1451; 1615 kuochsel = talus pedum, Coler, H. A. 216),
1. = der Knöchel über dem Fuss (= Enkel,
Fessel, Malleolus). — 2. - Knöchel an der Hand
(osselets), Handwurzel, Ballen. — 3. — Finger-
knöchel an den Gelenken. — 4. = Faust, Hand,
Finger. — 5. = Zehenknöchel (Hyrtl , K. W. 97).
— B. = Knöchelgelenk u. Fesselgelenk (seit l«S2,
Falle« II, 28). — 7. = Kücken wirbel (Froc. flpinosi).
— 8. — krankbaftcr Knoten (Tophus). Die Kitte
der GCTinMlMI, dem Toten Knochen ins Gmb mit zu
' geben, Knochengalgcn u. ReinhUueer zu errichten, er-
klärt Rochholx (I, 237. 32«) mit der Wertschätzung der
körperlichen Vollkommenheit auch im Jenseits. Die
Lehre von der körperlichen Fortdauer noch dem Tode
war un die Erhaltung der Knochcnsubslauz selbst gebun-
den, n. der durch Jagd u. Krieg mit Wunden und Ver-
stümmelung geuugeud vertraut gewordene Germane
durfte nicht hoffen, alle seine Glicdmassen unversehrt
mit In daa Grob bringen zu können , daher gab man
ihm im Notfälle einen Ersatzknochen mit in das Grab;
was sagen unsere rhirurgen zu dieser Sitte V Die Wert-
schätzung des menschlichen Knochens ergab sieb ehe-
mals aus seiner tirüsse; nach den alemanUchcn, frie-
sischen und longobardisehen Gesetzbüchern musste
z R. ein Knciehenscjuester, der beim Wurfe auf dem
Schilde klirrte und nach einer Verletzung ahgestossen
worden war, mit Geld abgelöst werden : „cum os magne-
tudiuis est, vit jactum trnus viam publicam 12 aut 24
pedum in scutum acreum forte aut ferreum sonum ita
edut, ut atidlri posslt" (Du fange VI, 7U; Gr. Kcehtjs-
Alterth. 77; Rochholz I, 213). — knochig (1-182), 1.-
ossibus plenus, nodosus, condylotnaticus. —
2. — gichtknochig (tophis impositu») (Gr. W. V,
1461). — knöchericht — voll Knochen, au« vielen
kleinen Knochen bestehend, mager (Gr. W. V,
1401). — Knöchhr = Knöchel- (Knochen )
Mann, Tod, auch Hanns Knöchler genannt
(Gr. W. V, 1481; Wackernogel, Abhdlg. III, Iii). —
sltif-Knochen = Auswuchs, Knochen am Holz;
j Asi = Buckel, Auswuchs am Kücken od. (iliede;
Bich einen Ast lachen = den Buckel voll lachen,
' d. h. bei heftigem Lachen inuss man Bich
halten ; kann man sich nicht halten vor Lachen,
; dann fahrt der Kopf zwischen die Schultern,
I und der Lacher erscheint wie buckelig, hat
einen Astknochen wie das Holz (b. giehtastig)
(Wustmann 30). — ,lu/Vrsh7iuH7*-KnÖchclchen
Kr m , E. 57H Roi nholz 1 , 21» j Zeit« Ii r. .1. V f.
V. K. 1895, s. loi), s. Judenknochen und Lax.
— Awjen- Knochen - Backenknochen unter
dem Auge (Gr. w. i, 807). — autknöcheln = durch
Verstauchung den Knöchel aus seiner Verbin-
dung bringen. — iificAcn-Knochen = Os maxil-
lare, der unter der Backe [». d.) befindliche
Knochen, Jochbein (Gr. w. I, ioc.7). — Beckcn-
Knochen : die das Becken (Knochen - Ring)
an der Hüfte bildenden Knochen. — Brust-
Knochen - der Brustkorb (b. d.) (Wd.-R. 689). —
Darm Knochen -- Darmbein als der den Go-
ditrmcti nächster Knochenteil (<jr. W. 11, 782). —
iYrsrtfz-Knochen 9. oben. — /?.rrrrt>r-Knochen
— die bei altgedienten Soldateu im groBBen
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Knochen.
Knochen.
281
Brustmuskelsich bildende Verknöcherung, her-
vorgerufen durch den stetigen Druck des Ge-
wehres. — Finger-Knöchel, l. = dieNodi(Cei*us).
2. = Nodi et Internodia. — 3. — die Tophi als
knorrige, knochige Auswüchse bei der Gicht
(Gr. w. v. hö3). — Fiuz-Knochen, I. = Knöcliel
= Knkei (s. d., Malleolus, Fussknöchel) (Gr. w.
IV, l. IMS; V. 1455). — 2. = die den eigentlichen
Fuss zusammensetzenden Beine (Gr. w. IV, l.
1033). — 3. = die das ganze Bein (untere Ex-
tremität) zusammensetzenden Knochenbeine
(Gr. w. IV, l. loat). — Hai» Knochen (13. Jahrli.
eyn hals knoke = ola, D. II. 270) = Hals-Grat, Wirbel
und Schulterknoehen, Cervix, Nueha. — Hand-
Knöchel (1515 hant knlcbel = gausapium [carpusium],
D. 268) = Carpus (Handwurzel) im Gegensätze
zu dem Kussknöchel (Malleolus). — /< ••.••'knocb>;
= beinfest, auch langlebig (Roehhotz I, 29u). —
Herz Knochen, 1. = Brustbein über dem Herzen
(Hyrtl. K. W. 124). — 2. = das bei alten VierfflSBern
(Hirsch) am Ende der einen od. anderen Herz-
kammer oder auch bei beiden sich vorfindende,
durch Verknöcherung des Herzmuskels entstan-
dene Knöchelein (Krenz). — höchste Knochen
[13. Jabrh. de hoghesten Knokcn - pale, D. II, 27G)
= Schulterknochen (beim Tiere) u. Halswirbel,
Hochruck, Kist 2. — Hüft Knochen = Hüftbein,
Darmbein. — In l i Knochen =» der durch eine
Quernaht an dermenschl. Hinteihauptsschuppe
abgetrennte obere Teil dieses Knochens, welche
Anomalie Tschudi bei den alten Peruanern
(Inka*) sehr häufig fand und dieselbe als Inka-
Eigentümlichkeit autfasste, so dass Tschudi an-
nahm , jeder solche Schädel stamme ans Peru
(corr. f. A. E. 1896. 158 ff.). — [1740] Juden-Knöch-
lein, L — Processus odontoideus, Dens epistio- j
pheus , Reibnagel beim Schweine, Ossiculam
Judaeorum ; nach dem Volksglauben ein bezaubern-
der, »cblafbringender Knochen fs. Jude und Jungfer im
im Badej ; ,.cs soll dies ein besonders kleines Beiu um
menschlichen Leibe «ein , so bort und (est , das* ex
weder durch das Feuer noch au( irgend eine andere
Art zernichtet werden kann, und die Juden sollen sieh
davon bereden, es bleibe bis an die Auferstehung der
Toten unverändert, und au« Ihm werde bei der Auf-
erstehung der ganze Mensch gleichsam wieder von
Neuein hervorgebracht.. Inzwischen sind Hie noch nicht
anter einander einig geworden , was dies eigentlich
für ein Knochen sei; denn einige behaupten, er liege
zwischen verschiedenen Wlrbelbcineu >. Saujungfer),
andere gcl.cn vor, er sitze im Nacken, und wiederum
andere setzen ihn ins Kreuzbein". A. v. II. Ii. 925).
, ,Ks träumen die Rabbiuen noch von einem besondern
Heinlein, so sie -Lus- (s. Luz) nennen, welches ausser
allen diesen bemcldlcn Knochen um menschlichen
Korper zu finden und so hart sein solle, dass es durch
keine Gewalt zerschlagen noch durch Feuer od. einige
andere mögliche Zernichtung verdorben werden könne,
sondern bis au den letzten Tag unverweslich dauere,
woraus alsdann der ganze Mensch w ieder solle gebildet
und aufgeweeket werden. Sie sind aber bei dieser
Fabel selber nicht einig, indem es einige bald hier,
bald da, zwischen den Wirbelbeinen, im tienicke, in
den Lenden , am UeUigbeine , bald auch am grossen
Zehn vergeblich «uchen wollen" (Kulmu'52; I. Zctt«ehr.
<!. V. f. V. K. 1896. S. 101; sowie Itochbolz 1, 219. 2121.
— 2. - das äusserst harte Os petrosum, welches
einem Kopfe mit spitzem (Juden-) Barte ähnelt
(Gcfälllgu Mitt. des H. Med. -Rates Dr. Huber in Mein-
mlngen; [s. steiniges Bein]). — Knaupcl -Knochen
= Knorpel (Gr. \v. v, i486). — knorrichte Knöchel
= dicke Enkel (Gr. W. V, 1497). — Knusper-
Knochen (undd. knusperknaken , Kluge8, 205) -
Knorpelknochen (s. Knorpel und knuspern). —
(1788) AVr'ur-Knochen = Kreuzbein. — Laden-
Knochen = die Kieferlade beim Pferde (Mayer ..2)
— (1788) Linsen-Knochen = Sesambein, s. Roll-
knöchelchen (Schaarschm. I. 206). — Mark(»)-
Knochen = mit iMark (s. d.) erfüllte Knochen
(Gr. w. vi, 16»D. — (1482) Nacken Knochen (knoch
hinten am nack; 1482 nack in den knochen o. gepain.
Gr. W. V, 1156; ü. 384) = Cervix, Nackenteil
der Wirbelknochen. — .Y .'/('-Knochen = die
zwischen den Knochennähten (s.d.) am Schädel
befindlichen Beinchen. — Aasen Knochen =
Nasenbein (Gr. \v. VII, 412). — OTtr-Knochen -
der Knochen (Os temporis), in welchem das
Gehörorgan seine Stätte hat. — ß< .••■•Knochen
(Preusaen) = das Brustbein (s. d. und Gänsebein)
des Geflügels, weil es bei Tisch von 2 l'ereonen
zerrissen wird unter dem Wunsche: wer das
grössere Stück behält, dessen Wunsch erfülle
sich! (Gr. w. viii, 763). — Reit(er-) Knochen
der bei altgedienten Reitern in dem Addnctor-
Muskel des Oberschenkels durch langen for-
zierten Druck sich ausbildende, dem Exerzier-
knochen des Infanteristen analoge Knochen
(engl, ridersboue, Lebfeldt »8, Förster II, 1015). —
Rohr- (Ä-../ • .• Kncchen = die langen, hohlen
Extreraitätenknochen, Humerus, Femur, na-
mentlich aber die Tibia. — (i:s8j A'.j/( Knöchel
chen = Ossa sesamoidea, die früher zum Spielen
benützten, leicht gewölbten, linsennbnlichen
Knöchelchen (Hyrtl, K. W. 64; Schaarscbm. I, 206),
welche man als rollende, walzende Unterlage
für die Sehnen deutete. — /.''<. A-e-u-Knochen •
das den Rucken bildende Wirbel-Knochenge-
rüste (innd., lt. Jabrh. rtigghe knake ; 1420 rugge
knacke = spoudyle, I). 548; II, 346; 15. Jahrh. rocken
knoche — der Sitz der Kreuz- und Rückenschmerzen
bei Fraueuleiden, nach Mag. Barth. 103 a). — Schädel-
Knochen - Kopfknoehen, die den Schädel
bilden. — &7iam-Knochen = Os ischii, Schoss-
bein an den Schamteilen (Gr. W. VIII, 2ils). —
S hi Knochen - eine Knochenspange, die
sich in den Muskeln, namentlich im Brustmuskel
(Pectoralis), durch den Rückstoss des früheren
Gewehres beim Schiessen ausbildete. — Schulter
Knochen (is. Muh. MhuMerkaak« - scapuia, D. U,
t>9)-^ Schulterblatt als Knochenteil. — singender
Knochen Röhrknochen, Tibia, Canna (Roebb.
1,243). zur Schalmey verwendet — Spann-
Knochen = die Rückenwirbelbeine, an denen
sich die den ganzen Stamm spannenden Rücken-
muskel ansetzen (Falke II. ;>23) (z. B. beim Starr-
krampf). — Spart -Knochen - ein die Sparre
(g. d.j hervorrufendes Überbein (Falke II, 32$).
— (1740) S/arr-Knochen = der hervorstarrende
Börzel {«. d.\ Steissbein (Kulmus, Register). —
?/irn Knochen - Os frontale. — 7'inÄa-Knochen
bi Os tincae in der knorpelharten, vorderen
jungfräulichen Mutteruiundslippc, museau de
2S2 Knocke!— Knollen.
Knölster— Knopf.
tanclie, Ähnlich der Mundspalte einer Schleie
(Cyprinus tinca) (Hyrtl. Auat. TOD; D. sat). — (UM)
'/'»/«»-Kilochen = Skelett (Kluge * 850). — Yer-
knöcherun^ — Ossificatio, Exostosis, Synostosis,
1. = meist nur Verkalkung ohne bestimmten
Knochenbau oder 2. ^ pathologische Knochen-
Neubildung (wie der Spat beim Pferde), Ver-
einigung Bonat getrennter Spalten durch Kno-
chenbildung. — IVVrW KllOChen = der einzelne
Wirbelan der Wirbelsäule. — Z wisch en ■ Kno c h e r.
= die zwischen "2 anderen Knochen o. Knochen
enden liegenden Verbindungsknochen, Dia-
physis, Internodium, KnObel, l'nterknitufel,
Schalt-Koocheo. — Knöchel-, Knochen- (knö-
chern [e, er, es]) Auftreibung, -Auxwurhs, -Bau,
-Brand, -Bruch, -Brüchigkeit, -dürr,-Enreichung,
-Fäule, -Fett, -Feuer, -Fieber, -Frost, -Fuge,
• Gebäude, Geripp, -Gerüst,- Hauer, -Haus, -Haut,
-Heinrich, -Knopf, Krankheit, -Kreb*, -Macht,
-Mann, -Mark, -Mnitrie, -Saft, Schädel, -Schwin-
del, -Spalt, Spat, - Typhus, - Verwirrung, - Weiche,
— Wurm.
Knockel, Knocken, m. (Knöckln) (1120 knokei
a ascclla, iniemodium, I). .\3; H2"i knoke, 1). 103 =
cartilagii. r»'j0 knocken aus [goth } knu.pi, Kluge*, 2Üö)
— Knochen, 1. - Knöchel am Fuss, Finger oder
an den Händen. — 2. = Gelenkknorren. —
3. - (tC. Jahrh ) krankhafte Knoten oder Knorren,
Tophi (Gr. W. V. »61) (s. Knochen). — welket
Knocken d 128 tratadl knoke yn dem vlesehc —
cariihkgu, L>. kb) = feuchtweicher Knochen,
Knorpel
Knode, m. (Knödel, in.) s. Knoten.
Knöbel s. Kniebel.
Knöchel, Knöchsel b. Knöchel bei Knochen.
Knöch, Knöck, vermutlich - Geneck (siehe
necken)-
Knölster B. Knolster.
Knöpfel f. Knopf u. Kampe.
Knurr lein s. Knorren
Knörsung s. Knoreel.
Knörtzel s. Knorren.
Knötchen (Knödli) s. Knoten.
Knollen, Hl, («b zu nhd hnol, nol. nollo — Gcnoll,
Gnotl. Spitze, lüpf.«!. Hülfet, Schw. 352'' Noll); kelt.
Hollo; mini knolle; engl, knoll = Klumpen, Kluge*,
2U5). am Körper nahezu rundliche, mehr form-
lose, ungleichmässig feste Gebilde (Gr. w. v,
IM«!. 1. - Nodus, Tuber, Tumor, tiibbus, wenn
sie nicht besonders hart oder nicht ganz rund
Bind, — 2. = Drüsenschwellungen, wenn sie
sich leicht in Kiter verwandeln, Phvnin, Bubon
Hipp, Keulen, Furunkeln (Zu. *27, s.-b. 296,
Puchs, Uipp. ; 1013; Hyrtl, K. W. 97). Schwielen,
(159a) Brustdrüsen und Mandelanschwellungen
— 3. — geschwollene, gedunsene FingerknOchel.
— 4.. = eine unförmlich dicke, kurze .Menschen-
gestalt. — 5. = „Knoll, Knollen mit weggelas-
senem Anschlag -k heisst Kopf, Grint" (Stinler,
Schweizer Ortsnamen I«!). knollen knüllen;;
-= coire (zu -noll [genoll, s. d ], Sch melier I, 13'iO).
— knoll«ir = was viele Knollen hat. — uv.n
ß/M<-Knollen, L. - Varices, Blutader- Knoten
| »Gr. w. v, Mix. — 2. = Furunkel, Hautknollen
(aus dem Blute abgelagert nach früheren An-
schauungen (Bcbrcud 61). — (1620) französische
Knollen = Tophi luelici (s. Franzosen). — (1582)
Gleich- Knollen — Podagra der (Fuss-)Glieder,
Tophi arthritici (Tabcrnaem.). — (Utt) hintere
Knollen - Condyloma» ani (Tabernaem.). —
hitzige Knollen = entzündliche Beulen der Haut.
Furunculosia (Behreud Ol). — (MM) innerliche
Knollen — Mandelanschwellungen innen im
Halse (Bock 243>. — (1511) Knie- Knollen - Topiii
an den Kniegelenken (Gr W. V, 1*66). — iU>vj
iiOrtfraA7-Knollen = Gieht- Knollen mit krampf-
iger Stellung der Fingergelcnke (Tabern .). —
,V/i/c/*-Knollen = Milchdrüsen-Knoten. — [U&l]
Ohren- Knollen = ausserliche Knollen am Ohre
(Parotitis) (Hock ;;•.•;>. — (lwo; Sehl ■ ■ Knollen ■
akrophulose Drüsenknollen der torpiden phleg-
matischen Form (Phlegmata; (pblegma- Schleim,
Dr. Minderer). — Kno]l{en)- Aussatz, •Bein.-Fingcr,
-Fu8», -Hand, -Huf, -Krebs, -Milch, -Sucht.
1 Knolster, m. (Knölster) (i >»2; scb. 152 ; r.TT,
1C1S ktioel«ter, I) St; bupreslis, buprc&sa, Schmelier I,
l.r.l; lureulio, D. II, 62) - der F.ngerling, Magen-
wurm beim Kind.
Knopf, in. (Knöpfel, Knoppel, Knup, Knop,
Knoppe. Knoep, Knobbel, Knob, Knowel)
Korm. knup; goth knauppa- [knuppa, Knauf]; ahd.
euopf, ebnoph = bulla, Knopf [iJewsebs = Knorrv,
Knoten], Kluse 5, 20".. chnophen = nodos, H. Z. XV, 8;
enopf — ncrvin — Schncnknorpcl, H. '/.. XVI, 69; mini,
knöpf [du/u Knüppel, ». «!.); 1T3I Knopf — A nach Wei-
tung Im Halse des Rindes, A. M. 28; ndl. knobbel =
Ktiutcu, Schwiele; engl, knob; nach Gr. \V. V, H70fl )
schwülstige Krhöhung, 1. - Knoten, Knor-
ren, Auswuchs, kleine Warzen oder Drüsen-
geschwulst (Bulla); (al* solche letztere eine sicher
alte Bedeutung, da <lcr Knopf durch Segennpruche
bebanileh wurde; Knopfe - Beiden. Gr. W. V, 1171
(Tiroll; 173Ä Kurunkel; 1Ö18 Aunsatzknoten; IA»9
knoepftel I>rn«ciikti<-tcliL-ii []'araeel«ii!>], l,er>ch 221;
ir,i2 Knopf — Dössel, [*. d.]; 14112 Oberbein (Ganglion).
Gr. W. 1. c. ; 16-15 knoepücli) = NabelschuarkiioteD,
Oder, W. 3f7; Buck 19; Knopfe = Hämorrhoidalknoten,
Pauli 72). — 2. " rhachitische Auftreilmngen
der Gelenkknorhen und ktiopffrtrmige Ver-
dickungen der Kippen-Knden, als krankhafte
Knoten am Leihe (Kippen) (<;r w. V, 1471, I6M;
15. Jahrh. knöpf — tuber, inflatio pectoris, Gr. \V. V,
17<.9). — geknüpft Sein <iuil geknoopt, l>e l ock S3i
= Uhachitis vs Zwie-Wuchs und knüpfen);
dem rhachitischen Kinde ist der Knoten oder
Knopf des Wachstums gemacht wie von einem
SSopfknOteO bildenden Ditmon (vcrgl. t'rquell UNS,
- i:ü , heim Gi leihen sl ihm dann dei Knopf
aufgegangen ;nuek tu; (s. englische Krankheit).
— 3 - KnOchel (Tirol). Nodus und Internodinm
iknopf.-l. llintncr ls; Gr. \V. V. 1179; 1603 knoeppfe
malleoli, Knöchel. Hyrtl, K. \V. 97). —4. = Kopf
(kuoppedotz — Scha<lel, Kupf [Siebenbürgen], Gr. W.
V, M71). — 5. - Hoden, Testicttli, „die am
Dilltapp (s. d.) hängen" [Schmellet I, .wo). —
»}. = Nabel (Knöpfle) (Buck 16). — 7. ^ der
kleine, kurze Mensch von untersetzter (iestalt
Knirps. — S. - das runde Hude eines unter der
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Knorfel.
Knorpel. 288
Haut vortretenden Knochen« (Rippe) iMougcr-
u. Jacerspraehe. Schweiler II, 394 «üb Schalen). —
y. a die warzenförmigen Teile de« Mutter-
kuchens (Mutterknöpfe) hei Wiederkäuern
[Kalke II, 140). — 10. = der sogen. Übeiwurf als
knopfförmiger Bauchfellbruch (Falke II. IS) (bei
Tieren). — knoppert, knöpfet, knopficht, 1. =
durch Tophi verkrOturat, durch knotige Aus-
wüchse verändert (knappet), n >dosus, tubero-
»us (Gr. VC. v, HSO). — 2. - dick, untersetzt
(Schindler i. nit) (verg). Knüppel n. Knflpfel).
— <1716) Ader-Knöpfe = Variees, Haemorrboides
;zw .09, (ir. Vi. v, iiTi, =knotige Anschwellungen
der Blutadern. — U735) AusMitz Knöpfe =
Knopf 1; syphilitische üautknoten, Venus-
beulen (s. Aussatz) (V. U 61). — B n Knopf
- das verstärkte Ende der Knochenmasse
Gr. Vi. I, ia>:) — Z>ru«e/-Knopf - der beim
Hirsch stark vorragende Kehlkopf an der
Luftröhre oder Drossel (Brehm III, 13*). —
Gebärmutter-Knöpfe — die warzenartigen Er-
höhungen (Multerkuchenteile) auf der Schleim-
haut des trächtigen Uterus der Wiederkäuer
(s. Kufeidarm). — (1803) gtlber Knopf = Milz-
brand der Pferde (Anthrax; gelber Knoten)
auch gelber Wurm, -Brand, -Schelm (s. d.)
iZelUchr. f d. Mythol IV, 117, Kalkei. 32« ; 11,38;
Schnurrer II, iwj. — Ge/ewA"-Knopf — Gelenk-
Knorren, Condvlus, Condyloma (Kraus, E. 261).
— (1532) Gleichen- Köpfe = Tophi arthritici
(Fries 122) — die Gichtknoten an den Gelenken
durch den Tropf (s. d.). — Grin t- Knopf =
Schlier (s. d.) als grösserer Knäuel von eitern-
den Halsdrusen infolge von Kopfausschlägen
ll'aull 129» (s. Grint). — Gurgel Knopf - Pomum
Adami (Kehlknopf) (Huck 16'. — (1601) Hah-
Knopf (1V41 -Knöptfein) = Kehlkopf (Hynl. K
w. so). — //ai(/-Knöpf/i*tn ■ Furunculosis. —
Herz-Knopf (16. Jahrh. hertzkoopt am herezeu —
cardio, I). loo), 1. — das Gefühl eines Knotens in
iler Herzgrube bei Herz- oder Magenleiden.
— 2. - Herzknorpel. — (r l) hintere Knöpf
= Condylomata ani luetica (Bock 171) (s. Lust-
knöpfe)' — Stift' (Huß-^ Knöpfe [Tirol] -
Hüftknochen, die herausragen Hintncr 8 m).
— A'i hl Knopf - (ÜtMMSCUnng de* Nodus guttun*
iler Aral.Uten) Kehlkopf mit dem Pomum
Adami (le dwiiiI de la gow ; nilil. de knoep an der
kele, Kluge*, I; Hyrtl, K. W. »9, Gr. Vi. V, 399). —
(iTtu) Knochen- Knopf = Caput ossis, das knoj.f-
förmigo Ende eines Köhrenknochens (I.. ch. 14).
— [17M1 Lust Knöpfe ■ Phymata, Condylomata
(A. v. II. II, 1235), Feigwarzen bei der Lustseuche
(Syphilis). — (1761) A'a6<7- Knöpfe - Nabel-
schnurknoten (L. ch. so). — .Vasen-Knopf - die
abgerundete Nasenspitze, namentlich wenn sie
durch Frost geschwollen ist (Gr. \v VII, 112).
— ArM*e/-Knopf s knüpfen. — ÄucA-cn-Knopf
(MM roekcaknopff, D. Ii. 2:*) = Palus, Ruckbein-
spitze als das untere Ende des Rückgrates. —
'■ 'knüpft 8. knüpfen. — Wac/u»-Knopf = eine
nozige knollig angelaufene Leistendrüse
(sympatli. Bubo), als Folge des zu starken
Wachsens (Tuberculosis?) angesehen (l'auli i:so)
(Wachsdrüse). — Knopt-Getmrhß.
Knorfel, in s Knorpel (l'artilago Gr.w.v, um .
Knorpel, m., f., n. (Knarpel, Knarbel,
Knorfel Knorvel . Onorbel, Knörbel, Knor-
spel, Knuspel, Kruspel, Kurpel, Korpel)
IGoth, knuilm- [Knüppel] oder knanrha-, Kluge*, 205;
mhd. knon»el, knorbelbein. kno«|>«l = cartilago, mit
einer Reihe landschaftlich verschiedener Nebenformen,
die aber alle eine tonmalende liedeutuug haben und
das Knarren den Hclx«eus darstellen »ollen; 115*8 knar-
bel - Knorpel, 'ir. Vi. V, UM; 1512. 1518, 1529 knorpel,
knorblen = puIpa carnls, caro sine pin^uedlne, caro
grossa sine ossibus, D. 172 ; seit dem Knde des IS. Jahr-
huuderts überwiegt „Knorpel", Hyrtl. K. W. 100); der
Grundbegriff des Knorpels ist „halbweich, hall>-
hart", gallertartiger (siehe welker Knocken)
Knochenansatz; man knorpelt, knorpst an
demselben, wobei es knirscht (nach Gr. W. V,
um, demnach) 1. = Cartilago, Knorpelbein. —
2. = das derbe, sehnige, knotige Fleisch ohne
den harten Knochen, Caro grossa sine owibus,
Pulpa, Muskeltieisch, Hau (Heyne in. m). —
3. — Knöchel, Astragalus. — 4. - (in abcrglau-
bischen oebräuchen) — Penis iLiebrecht, z. V. K..
s. 330:. — (1719; knorpelicht = cartilaginosus
(Gr. W. V, IM«). — Äint/ Knorpel = die elastisch
festen Verbindungsteile, polsterähnlichen Knor-
pel (Cartilago tihrosa) zwischen den Gelenk-
enden. — Blinz- Knorpel — der Hauck 3; eine
vom inneren Augenwinkel her beim Blinzeln
hervorspringende knorpelharte Haut (Nick-
haut, Blinzhaut) bei grösseren Säugetieren.
— (1M6J brücken formiger Knorpel — Epiglottis,
Kehldeckel, der eine Brücke über den Kehlen-
Kingang bildet (Hyrtl. K. W. 189). — (1MI] guttcr-
igoder- förmiger Knorpel - Giessbecken-Knor-
pel, schlechte Obereetzung der Cartilago gut-
turnlis (Godcr. 5. d. = gultur, gurgellormig. Hynl.
K. Vi. 72). — //a/ncÄ/s-Knorpel^der Brustbein-
knorpel beim Pferde (Kalke I, ;>vsi, der wie eine
Vogel brüst oder Schnabel stark hervorragt,
wenn die Umgebung des Knorpels magerer
geworden ist, ein Analogon zum Processus
ensiformis — //«/-Knorpel (engl, canebone =
Rohthcfn, Gurgelbeln, Kaltsehm. II, MB) = Kehl-
knorpel. — I/erz-Knorpel — Brustbein-Ende
(Processus ensiformis sterni; Herzknopf, Schild-
knorpol) (Gr. w. iv. 2. i2öi). — AVW-Knorpel
m Pomum Adami (Kehlkuopf) (Gr. w. V, HM).
— (I61.6) iVciscft - Knorpel = Nasenzwischen-
knorpel iMaphragma narium) (tir. \\". VII, US).
— (IST«] Ohr- Knorpel — die halb weiche, halb
harte Zwischenlage der Ohrmuschelhaut (Cr. W.
V, UM; VII. 12«4). — £ifi^ Knorpel = der ring-
förmig die Luftröhre umgehende Knorpel. —
Rippen - Knorpel - Caitilago costarum. —
•SVAaMM-Knorpel = Processus ensiformis sterni
beim Pferde, handgritlnhnlicher Schwertfort-
satz am Brustbeine (Kalke l, 1, 11, 2721. — Schüd-
Knorpel, 1. Processus ensiformis am Brust-
bein des Menschen (Übersetzung des siutum iler
Arabi-d" n;. — 2 = der schildförmige Kehlkopf-
knorpel beim Menschen. — 3. ~ die Hufwand
des Pferdes als knorpelharter Schild für das
Hufhein gedacht (Mayer 120; llyrtl, K. Vi. «). —
Schopf- Knorpel = Qieasbeckenknorpel im Kehl-
kopf, das Giesslipcken als Schöpfgefäs« gedacht
(Hyrtl K \V 72: „Schuepf Druckfehler für , .Schopf").
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284
Knorren — Knorsel.
Knorspel — Knoten.
- Knorpel -Bein, -Ftitcl, -FUisih, -Gicht,
•Javart.
Knorren, n». (Knörrlein, n. Knor, Knorre,
Knauer, Knorrchen, Knörtzel) du»«i. knur
(chuorro, knorz]; mhd. knorre, knure, knont - Knoten
am Leibe [- Knaus; Schweiz]; 15. Jahrh. knorr =
lubcrculum, tuber, toi.hu*. (ir. W, V, 1489, runde,
harte HervorrntriiDK [Knollen], die knurrt, knirnsebt
beim Zerbetssen, Gr. W. V, 1489; engl, knar = Knorren
Noeh Gr. W. V, 1488 Knaner. Knaur = Geschwulst.
Heule; [Knor, Knuwer], Hchmeller I, 1*58), l. = her-
vorstehender, harter Knwhen (Hüfte, Wirbel.
Spondylus, Knöchel, Condylus, Kippe) (Gr. W.
V. 1488; Ktilmus, ReKist ). — 2. = namentlich die
Finger- und Fußknöchel, Tains, Malleolus
(Gr. W. V, 1152; Hyrtl. K. W. 20; Schw. 353; Heyne
III, 4lu). — 3. - (mhd.) Knorpel, auch = derbem,
sehniges, knotiges Fleisch ohne Knochen (an
den Waden) (nord. kropalr knuar, Kdda, Jordan 183,
191; Gr. W. V, 1184). — 4. - Auswuchs am Leibe,
harte, verwacliHene Stellen, Knochenheulen,
Kiss (auch Kondylome, Tuherculnm). — 5 =
(mhd.) ein kurzer, dicker Mensch (Gr. \V. v, 1492).
— Knorzl = ein kleiner Knorz, dicker Knirps
(Sehmeller I, UM). — (1528) Knörrlein = (1713)
Knörnlein - Knörrchen = Knörzchen, 1. ~
Olecrannn, Ellenbogenknorren (Gr. w. V, 1492,
Zciuchr. f. d. I'hllol XXVI. 244). — 2. = ein knor
peliges Gewebssiüek (Gr. w. V, 1487). — 3. -
verdickte, kleinere Stelle, z. B. Kiss (s. d.)
(II. — 16. Jahrh.. mnd. mennleb tnlnschc de Is vol an
dem antlate unde knorrech, J. 1. nd. spr.-F. XV, 113;
II. v. Gerxd. 70), als Knötchen (s. Knüerz). —
knorr i t t. knorzicht (ahd. chniurfg; chuorzzig,
Schiu. I, 1364) = knotig, derb, lest, hartknochig,
mit grossen Fumkoorren oder Gichtknoten
verschen (Kluge6, 20,'»; Gr. W. V, 1491), — (1C60>
flJSj/ | Knorren, 1. = (16. Jnhrh. vertibul».
vertebra, l). 614) ossiuni partes, besonders harte
Teile am Knochengerüste (Wierbelfortsatze). —
2. = Tophi arthritici, Knochenauftreibungen
von Beinhilrte, Exostose« (Cr. W. V, <V5). — (1.28:
Diechbein - Knorren -- Troehanteres, die vor-
springenden Kollhügel am dicken Schenkelteil
(Hyrtl, K. w. 36; H. v. Gerad. 11). — Ellenbogen-
Knörrlein = Olecranon, Anconeum (Gr. W. v,
1 IR'J) — Finger- Knorren -Condy Ins. — Fleisch-
Knorren - sehnige Fleischteile (Gr. w. v, uns .
— Ftm- Knorren = Enkel. — (nos) Gleit h-
Knorren = Nodi articulorum, vorspringende
Gelenk- oder Gliederknochen (Gr. w. v, nss).
— (löOl) Unis - Knörr/cin - Kehlkopfknorpel
(Adamsapfel bei Mannern) (<;r, W. v, iisy).
(15. Jahrh ) Rucken Knorr(cn) (1429 ruckenknoerr
= spoudlle, I). II, 346) = die hervorstehenden
Schulter- und Wirbelknochenteile (Spondvlus)
(Gr. w. v. I48S; viii, Li«.!). — II 7i</. «Knorren
(1521 knorren an waden — varix , D. 607) = d;c
Knochenvorsprünge unterm Knie ober der
Wade als Ansatzpunkte sehniger (adriger) Teile
— Knorr- (knoTrieht'e, er, es), Knurr -Bein,
-Finger, -Fleisch, -Gicht, -Glieder, 'Hautt/rtcäcltse.
Knorsel, Knörsung (U. Jahrh knoersung, <Ir. W.
V, 1492 - Nebenform zu) Knirsclinng, Zermaluiung,
tiuetsehung. - Knorsel -Bein.
Knorspel s. Knorpel.
Knortsch (Knorz, Knortz), m. (ahd.. mhd
knorz - Auswuchn. Knoten ; Weiterbildung vou Knorre ;
nach Gr. W. V, 1493) 1. = recht derber, harter
Knochen, Knorren, namentlich Handknöchel.
— 2. = ein kleiner Mensch, der nicht wachsen
will (Knirps, Knortsch, Knösel), mehr dick alu
lang ist im Verhältnis (Kluge5, 204; Pfalz).
Knospe, f (Knospel, Knorspel) 1 Wurzel knus;
mhd. knospe = Knorre [mit reich entwickelten Nchen-
fc-rmen], Kluge *, 20 VI ; dazu Knospel, Knospel, Knosp-
chen, als Deminutiv von Knospe; 1414 knospein =
| cartilago; 1610 kn<Mpeln - cartilago, Gr. W. V, 1496;
knospechln, Hoffm [, 379; 1016 knorspel = Knorpel,
Gr. W. V, 1492; 1016 knospein = Knorpeln. Gr. W. V.
Ii»'»); nach letzterem 1. = ein Knorren oder knor-
riger Auswuchs am Körper (Überhein). — 2. »
Knöchel am Finger- oder Handgelenk. — 3. =
Knorpel, als ein beim Beisseu knirschendes,
I knarschendes, knorriges Gewel>e. — 4 = Knöt-
chen der Haut (houtons). — knospich, knospet
■ knorrig, knotig, z. B. vom Penis gewisser
Tiere (Sehw. I, 1355). — AWn -Knospe (Knoster)
— NasHnspitz» , Nasenknorpel, Nasenknopf
(15. Jshrh. knoster der neue — Interllniuin, D. II, 219;
<;r. w. vii, 4i2). — llV«n-Knöspchen - Akne
(s. Weinhandel) (Kraus, k. ms). — Knospel- Bein.
Knoster - Knospe.
Knoten, m. (oberd.), Knoden, Knoder, Knödel.
Knotze, Knotten, Knötchen, Knötli, Knuten)
Roth. knattus (Ball]; »ltnord. knutr. knüta - Spiel-
kniichelthen [knottr], Kluge, engl knot; ahd. chnodo,
chnoto, kinoto, kuod - taln.s, Hyrtl, K. W. 20; 10. Jahrh
ohnoden - malleolus [Knöchel], Hyrtl, K. W. ; mhd.
knote, kuode. knotze — natürlicher Knoten am mensch-
lichen Körper [knotze], Kluge», 206; Gr. W. V, 1500;
knode - Fingerkm.chel, Hoffm. I. 379; 16. Jahrh. knod
— Bokel, Knorren am Fussgclunk, «ir W. V, 1500; 1512
knod — pulpa cnrnls [Knorpel, ». d.], D. 472, caro
OMIbM grossa; 1528 knod, H. v. Gersd. 43 = Gelenke.
Gr. W V. 1501; 1531 knoden = Kuöchel, Enkel. Gr. W.
1. cod ; 1561 knod = artlciilus, Gr. W. IV, 1. 379; 1575
knoden = Finger. Gr. W. V, 1.500; 1599 knoden - Kote,
«ir. W. V, 1500; 162S Knoden — Knöchel, St. II. -Mir. ;
SchuR-ller I, Ulis, Knotzen — Knie, Knorren am Knie,
Schneller i, im). — Knoten mach Gr. w. v. i5ooj,
t. die natürlichen, gewachsenen Knoten am
menschlichen Korper: l. an harten Teilen:
a) Gelenke (normal); b) vorspringen<leKnochen-
teilo am Hals, Nacken, Knie, Kücken, Fingern;
c) Finger und Hände überhaupt als hauptsach-
lich aus knotigen Knochen bestehend; d) der
Knkel (Talus, Malleolu«), Knoden (Huck 17),
e) die Pferde-K0te4 der Gelenk-Absatz zwischen
Huf und Schienbein; f) gichtisch verknotete
Gelenke. — 2. an tieischigen n. hautigen Teilen
als etwas, was den knochigen, harten Knoten
ähnlich ist [■pätet OKI übertragen auf diese (2) vou
den letzteren): a) die derberen, kernigen Fleisch-
teile (s. Kern, Pulpa); b) Hatttknolien (Fleisch-
knoten): c) Drüseiiknollen (luberkuloae, skro-
fulöse etc., z. B. Mandeln) = ilie Knödel im Hals
(Hyrtl, K. w. 97), harte Geschwulst od. Geschwür-
stelle, Fiterknoten (Heyne III, in), d") Aderknollen
(Wutknoten); e) Warm -Beulen (Karbunkel),
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Knoten.
Knoten.
2*5
Krebs-Geschwülste. — II. bildlich „dei Knoten
geht auf", ist zerrißBen, wenn da« Wachstum
eines Kindes wie durch einen fllpiseh (elbiseh)
«jder zauberhaft geknüpften Knoten verhindert,
war und dann ganz plötzlich sich entfaltet (Gr.w.
V. 1607); (vergl. knnpfen u. Knopf 2). nie Ent-
stehung von Knoten am Körper oder «on«t\vo sehrieii
•Im Volk friihcr mit Vorliebe dem Klnflumc von Krank-
liviUKcUtcrn tu (ü. Mannhardt 13 — IC. 19—22; Irunell
i«««. 8. 257). — Knbtlein (Knöt-hen, Knödli)
Jahrh. knodlln), 1. — Gelcnkknochel an den
tingern (Nodulus). — 2. = Internodium, das
Zwischenknochleiu von einem Knochenende
zum anderen. — 3. = Tuhercnlum, kleiner
Knoten oder Hautknoten, ytpn. Hippokratis. —
4. = Farulis als Beinhautknötchen (Cr. w. v. MM).
— knot g (IV Jallth. knölicht; 1551 knoderirht,
tir w. v. 1461. läii; l». 140) = rnndylomatirtis,
Pustulosis, hart, schwielig, rauh, knochig, mit
tiichtknochen behaftet. — Ader-Knoten (K*l
Hdcnrntitcn) = Varices, Haemorrhoides, Ader-
knopfe, als knolligaufgetriebenc Erweiterungen
<ler Klntadern (or. W. V, 1507). — Alrppo- Knoten
— eine in vielen Teilen Asien»«, namentlich in
Aleppo häutiger beobachtete Hautkrankheit
(sog. Bouton = Biskra- Beule in Algier), die
meist im Gesichte, meist nur hei Kindern und
Frauen, als einfacher od. lupusahnl. Fleck od.
infiltrierter Knoten auftritt. Polak (Med.-Chir.
Ktind«cb. 1S7.">, rt.'i, vermutete in ihn) einen Aus-
läufer der Lepra. — A rm- Knödel ü»9> <ia« koödel
inwendig oder oben anf dem arm) = Handballen
oder Handknöehel (ur. W. V, l'.ll). — Bauern-
Knoten (norw. Uoiida-hnuta, f., Liehrecht, z. V.-K.
36») = ein starker Vursprung am Knochen, wie
ihn ein raubeiniger Bauer, der starke Knoche!
hat, zeigt; beim Schafe oder Kindvieh - der
Sprung-Oielenk- Vorsprung. — /iicr-Knoten =
fSaufknnppel, Kehlknopf, Kehlknoten vor der
Gurgel ( = Weinstrasse) (Kluge*, 4). — (1761)
Blut-, (1790) Blutuder- Knuten - Aderknoten
(s. o.), Grumus (i„ ch. »/. — £ifcr-Knoten -
scharf umschrieb. Fiteranhkufungen im Inter-
hautzellgewebe = Vomica, wenn in der Lunge
hefindlich (Falke I. 210; Forster II, 1«1; neyne III.
411). — Euter- Knoten = Hiichknoilen (Falk. I,
266). — /(tischt Knoten = dl« stellen weisen An-
häufungen von Whartonischer Sülze, die Va-
ncen (Aderknoten) in dem Nabelschnurstrange
vortauschen (Hyrtl, Anat. 719; — /7rt</rr-Knoten
!ahd. uchon vorkommend — 1-S7 flngerknr>d, ein
knoeche] dz an den Fingern wach«<t, [). 140 = condylo*,
nodos [(Mü\i — Knoten J. 1 b, Knotlein 1 'Gr. W.
V. 1S0U; Heyne III 41o — i^/mrA-Knoten, 1 -
knotige Aus« Ochse der Haut oder in der ürual-
drüse, die sich wie Fleisch anfühlen Lipoma,
Sarcosig cutis) iBehrend 6» . — 2. — die l'ulpa
carnis, der Kern (s, d.). — 3. = 01. Jahrh die
Cotyledones am Cbonon, die fleischige Teile
eme« knotigen, runden Gewächses .Mutter-
kuchen) Bind (er«te Fruchthaat) Hynl. K. w. IS
— (15381 Fu*t - Knoten knoden d*r lue«. H. r.
(Mnd, 5J; knod am fuss — taln«, - F'i**-' ielenk -
Kmvchel, Talus, Malleolus. — G* f a*» - Knoten
— Aderknoten 's. d.) an Blut?efu---n. — \-s:
= Milzbrand (Anthrax), der
- s. falsche Knoten
durch Lyn.pbgof-issentzOndllOg gelbe Hatil-
knoilen macht (gelber Knopf, s. d.), aus denen
eine gelhe Sülze abHiesflt (Pater 130; Förster II,
»02), — Gelenk- Knoten ■ Podagra, Tophi, tiieht-
knollen auf den (ielenkfliichen (Cr. w. V, 1801).
— (1719) Grttc/uVKnoten - krankhafte Hatit-
verdickungen im Gesichte, z. B. Furunkel (<;r w.
v, ifioi). — GieJU-, (n Jnhrh ) G/«'rA-Knoten =
harte Verdickungen durch Gichtatoll", der an
den Knochen-Gelenken abgelagert ist (Tophi
rtrthritici) («ir. W. V, 1501). — (1557) grosse Knoten
an den FflBsen) — scaurus, einer, dem die
FtiBsknorren stark hervorragen, so dass er zum
Kanehbein (Rauchfuss) (= dasypodius) wird.
— Gur^cZ-Knoten, 1. - Kropf (Struma), der
um Halse auf der burgel aufliegt (<;r. w. v, UN).
— 2. = Kehl-Knopf (le noeud de la gorge). —
1616) Unix - Knöd/ci n rrnhenia«.m.) = Struma
liutgelknoten, Kiopf) (»Jr. W. IV, 2. 201) — Haut-
Knoten - knollige Verdickungen der Haut. —
[isn) Huf- Knoedigkeit - Knollenbildung am
Hufe (Knoiliiuf) (Seh. US). — (1829) Juck- Knöt-
chen = C'nesmus, Tubercula, Liehen, Juckreiz
verursachende kleine Hatiterbcbungen (Behr. in.
— (1718) A">A/-Knoten (knoten an >ler kehl, K. a
lieg.) = der Adatimspfel. — A - Knoten (..der
knod under dem knie") = die die Kniekehle
luldetiden N'orsprfinge des Kniegelenkes, Suf-
frago <;r. \v. v, 1001). — (1761) M>^ h Knoten =
Knollen in der Milchdrüse «<i. Kuter (I.. ch. m -■
SaM- |
Sabfhrhnur- }
(Sieboid 68). — Nacken - Knoten = Elautknoten
im Nacken, Bock*tern (Furunkel) .«.r W. V, lsoi!
— (1756) Kercen -Knoten = Ganglion (A v. II II,
i~M). graue Nerven- Verdickungen od. Anschwel-
lungen dunen eingelagerte tianglienkugeln Hyrtl,
Anat 171). — flSfit] O/irrn-Knoten - Parotitis
Hock 858), knollig hervorragende OhrdrOsen-
arisch wellung. — P/irrdc-Knoten — der Al>satz
zwischen dem Hnfe und <lem Koten-Gelenke
Heyne III, 410 0 ). — ÄOM-KnÖdel = Uossballen,
Pferdeexkrement« (Soh melier I, m9). — Rotz-
Knoten = knotenförmige Haut- (Lymphgefa**-)
u. Schleimhaut-Anschwellungen (Wurmknoten,
s. d. u. Granulationsgeschwulst; heim Pferde-
Kotze — // Knoten n Jahrh roekckiMta
= -j "n'lyli. l> =die Dorn foi taatze der Wirl»el-
knoohen als durch die KOckenhant hervor-
ragende Teile l'ir. w V, VaH)s, — Schäl-Knötrhrn
— ahsciiälen le, frieseUrtige, rote Hauiknotrhen
besonders ttei zahnenden Kindern), Feuer-
Hechte, Liehen, Stropbulu« (Kobler II, tOO). —
S> hwind-EjkiiUhcn = gruppenartig heisamruen-
t-tehende, rote und weisse Papeln, die unter
kleienformiger Abschilferung heilen 'Schwind-
H-'chte). — Sehnen - Knoten Man. aeneknude
Ilerer 7,= Überbein 1 b. — fii32i Km**- Knöt^ien
= Akne, O<rona Veneris, HautknOtchen, l»ei
j-inüen Venus-lienern hau Ii/ rBehrend Mr.. —
Wrhnder- Knoten = Aderknoten (Varices) an
der Franen- oder Kinds-Ader (s. <\ ). — (IsM,
It'urm-Knoten - Botrknoten; Wurm = \iul%
'Malleus huiiiilu«^: tlie Lyniphgefa^«e beim
Kotz bilden stran/f»rmi^'e Knoten fforner II.
Z>i Htl 10- 2 Falk- II 44«: l^nkart «0 —
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286 Knowel— Knüpfe!.
Knüppel — Knüttel.
i knotige >, er, es}) Ader, -Aussatz, -Bein, -Qe-
tehculst, -Gicht, -Glieder, -Krankheit.
Knowel s. Knopf.
Knuat, f. (ahd. ehnuat; lat. natto; goih. knods ss
substantia, natura, Cr. W. VII. 429; 3. Jahrh. man
na«klu ehnuat = natura humaua, Kit« TS. 82; Sc hm.
I MB] = Geschlecht, Erzeugung, natürlich Ge-
wachsenes.
Knubel s. KnQbel.
Knubs, m. = Knirps (Hessen , Mecklenburg;
Kluse \ 204).
Knucbel.m. (Knugel. Knügel. Knucken)
(ah<l. enugel, EL Z. XVI. 326 = Flngerknochel ; 1489
knuchel der geli<nler = condylu», vcrlehra. Zen. Voc.
«1 8, r 1 ; 1182 knuchel an <len gclaichen as condylu«,
Gt lcnkknorren, Gr. W. V, 779; UM knuckel = condilus,
D. II. 107; 1606 knügel, knuchel a tnallcolus, llyrll,
K. XV. 97; knuchel = occanu», ocuus, D. 393), 1. m
Gelenkknorren, Knochenfortsätze (Wirhel\
Enkel, Knöchel, Fussknochcn (Schmeller I, ms.1.
— - 2. = kleiner, untersetzter Mensch (Gr. Bf. v,
1514). — 3. = knorpeliges Stück Fleisch vom
Schlacht- Vieh (Schm. I, UMS),
Knucke s. Knuchel.
Knübel (Kntiwel, Knübelen, Knubbel,
Knobbel)fmhd knubel, Kluge5, 206. 15. Jahrh knubel
- Kingcrknocbel, Gr. W. V, 1513; 16*0 knuhel - talus,
er. w. v, 1M4), l. = Knorpel (Kuorbl, KnObl,
Knühl, Knel>el), namentlich das Internudium
der Zwischenknorpel zwischen 2 Gelenkenden
(Schmeller I, 134*; llinlncr 7. 17). — 2. = die knollig
vorstehenden Fingerknochel (Gr.W. V. 1126 1452.
1613. 1514; Ilintncr 7. 17] (Knubblein, Knublen\
Finder-, Faust-, Fussknochel. — 3 - verhärteter,
krankhafter Auswuchs, Geschwulst (tir. XV. V,
1.M3; Schm. I, 134-0 — /Iriknübele ^ ein schwttch
liches geknüpftes (s. d ), rhn< hitisches Kind
(Schmeller I, 1345). — Hand Knubel (1515 knuhel
an der haut — gmin-pium carpu«lum, |). 25S1 —
Carpus, Handknochel. — Sau /"-Knubbel (Oatpr.)
Kehlkopf an der Weinstrasse (Gurgel, Gurgel-
knopf) ; Kluge», 4).
Knücken h. Knuchel.
Knüfel s. Knüpfel. — knüflg - klein von
Körpergestalt Schmeller I, 1350).
Knüffel s. Knüppel u. Knüpfet.
Knügel s. Knuchel.
Knüll s. Genüll unter Noll, Noll.
knüllen - coire = genollen, genüllen (s. d.).
Knüpfel (Knüfel, knüpfen, Knüpf) (abtaten-
des Deminutiv zu Knopf, Ringe*, 206; mhd. ehnupfc!
-kleiner Knopf [b. d.). Schm. I, 1S50), 1. m Drüsen-
Anschwellungen als knopfformige Knoten
(16. Jahrh. knlpfel = Ohrdrüsen, Halsdrüsen, Leisten-
drüsen, pannus, Cr. XV. V, 1518; 1599 knlpfel = Drüscn-
an&cbwellungen bei der Keblsucht der Pferde, Gr. XV.
V, 1518; 1620 knüpfel - Knoten, Knorren, Auswuchs,
Heule, Dr. Minderer; 17. Jahrh. knüfel - knoten- (
lonniger Auswuchs, Leehf. Mirakelb ; Sehwaben. Knü-
pfel — Anschwellung, Gr. XV. V, 1618; Bnck 19; Schm.
1, 1.:'.::). — 2. = ein kleiner, dicker Mensch
(Schwaben? (vgl. Knopf u. Knflppel. — ^knüpft
a= durch knopfförniige, rhachitische Knorpel-
Auftreibnngen verändert (s. Knopf) (da* Volk
legt etymologisierend einen ddmonistischen l'ntcr-
gtund sieh zurecht, conf. rrqnell 1892, S. 257 ; Schm
I. ins.:) (s. Zwiewuchs). — 11199) Settel- Knüpf
(»renn man in die Hosen Nesteln [huudslederne. vorne
geknöpfte Bandstreifen , welche In die Locher ein-
gesenkt w erden] des Khemanns heimlich einen zauber-
ischen Knopf macht, so wird jener nach früherem
Volksgla>il*n impotent, wogegen nur das l'issen durch
das [übergestülpte] Rohrlein eines Kelberbauraes [l*Ui-
raosls-Therapleinder Volksmedizin] helfen sollte [ — le*
aiguillettes nouees) — Phimosis oder Kinschnürung
der Vorhaut wie durch ein Band, s. spanischer
Kragen; (177S wurde zu Bordeaux uu nouenr d «i-
guillettes verbrannt fjl Zauberer, llriss. 303; Mal St.
I'aterne, s St. Algnebout ; Pahn.ltaust. 1. SO; Schmeller
I, 108| ; 1699 nestel nefariae ligaturae — Impotentla viri.
v. M I. 207, Z. d. V. I. V.-K 1896. 427; Z. A. 211;
starte. 265; v»drb. 63) = Ligatura neonymphorum.
— .SVritr/kntipfen -- Nestclknüpfen (s. d.) (141*
Senkel = ligatura. renda, Hosennestcl, Schm. II, 314 ;
i). 492). — verknüpft - wie durch einen zauber-
haft geschlungenen Knoten verwickelt , ver-
schlungen, %. B. a) an einer Darm-Verschlingung
leiden (Wuttkc 251); b) geknüpft sein an den
Knochen. (1782) Verknüpfung der Kinder -
Rhachitis (M. II. L. I, 236).
Knüppel (Knubbe, Knüppel, Knüffel, Knüp
lein) (mhd. knüpf,] Knüttel], zu mhd. knöpf =
Gewiichsknorren, Kluge*. 206), 1. — (1620( verhärtete
Knüppel - lUihones lymphatici ;i»r. Minderer»,
als knotige Geschwulst. — 2. = {ifius) die grossen
I.ymphdrflsenbenlen unterm Ohre und Kiefer
hei der Kehlsucht oder Kopfstrenge der Pferde
l eifel), dieselben machen die Haut strang-
formig gespannt , so dass die Tiere den Kopf
und Hals pfeif (strenge) halten (Gr. \v. v, 1M4.
1.23. 1780. 2104). — 3. = Kehlkopf als knotiger
Vorsprung am Halse, Knüpplein (Hyrtl. K. W. 90).
— 4. = (1588) Hautknoten (Gr. \v. v, 1.22 1533).
— (1719) AV/i/ Knüppel (Knul>el) = Knüppel 3.
(Kluge*, 4).
Knürfel (Knurspel, Knürspel) (Nebenform zu
Knorpel [i. d.J; Schwaben: Gr. W. V, 1484; nyrtl. K
W. 98. 119). — knorspelicht = cartilagineus.
knuerz = wie ein Knorzelein angeschwollen,
verdickt werden durch Wassersucht (bei der
Leberfäule der Schafe (Falke n, :to).
Knüsel (Knüssel) s. Knusel.
Knüspel 1. Knuspel.
knüssen (knütseben) s. knitschen.
Knüttel, tn. [|Q Knoten [s. d ]; ahd. knntil, Pemi-
nutivvon knoto= Knoten [s. d.]; mhd. knüttel, Kluge *,
206; Gr. \\ . V, 1531; 1556 = Schlunddrüsen, Ohren-
drüsen, I.eistcndnis, n, Gr W. V, 1*33; knüdel = Flnger-
knochel, HoCfin. I. 379; 1-C1 knüttel =- pannus, Dussel.
Gr. W. V. 1533; VAS = megere [s. Magere], Gr. W. L eod. ;
1 90 knittel - Dussel, Ausw uchs, pannus, D 410; Gr. W.
1. eod.; 1591 knuttcl - [phlegmoue] pannus, Had. .tun.
383 = kurzer, derber, astiger Stock, ästiger Auswuchs).
1. = Knochenknorren, knotige Hervorragungen
derselben. — 2 = Finger, Fingerkntichel (Gr. \v.
V, 15:2; neyne III, HO. — 3. ^ Phlegmone, Beule,
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Kaflwol— Kobel.
Koher— kochen. 287
Hautknollen , Haut - Auswüchse; (UM) oufge-
*ckieoV> n> Knüttel (<ir. W. V. l.Vtt; Heyne III, III)
= harte Drüsen-Knoten (Dflasel, Drflse, Pannus)
(namentlich Im Allemaulschen) (Magere) (Gr. W
I. cod.). — 4.= ein kurr.er, fettwanstiger Mensch
(c.r. w. i. cod.) — ar.99) TWcn-Knüttel = Toten-
bruch (s. d.), Pestbeulen, die als ein lethalea
Symptom galten (v. IL II, IM).
Knuwcl s. Knftbel.
knüppeln, knuppern (Onupper) ■ an etwa.«
Hartem nagen, mit den Lippen Hängende Be-
wegungen machen. — Gnupper = das an der
Traberkrankheit («. d) leidende knuppernde
Schaf. — (Onupper), Knnpper- Krankheit.
knappet = knöpfet (S..hmeller I, 1.138).
knurren, 1. - i, Knorren. — 2. -= der Magen
knurrt — Borborygmus, kollerndes, rumpelndes
Geräusch aus lufthaltigem leeren Magen.
Knurspel s. Knftrfel.
KnUS, m. Schweiz ; zu Roth, knus, Kineo &, 20".. 206)
— Knorren, Auswuchs. — /ÄrrArn-Knus (mhd.
backenknus) — das Zusammenstoßen des Ba-
ckens, so dass dieser knorrig hervorsteht
(I^-xer 10).
Knusel, m. (Knüsel, Enüssel) (ivji isuusci
defttntua ad naret, Had. jnn sro» Ablaut von tfnuael
[«. d.]) = Bfnfl8el, Schnupfen, Hauptrtuss, Nasen-
schleim, Nasen katarrh, Gravedo, Coryza [Gr.W.
V, 273. 1326).
Knuspel, DD. (KnÜspel) Nebenformen zuKnospel
[-. d ], Gr. W. V. 1527).
knuspern = mit hartem Laute nagen. —
Knusper- Knochen.
Knust s. Knauese.
knusten h. knitschen.
Knuten s. Knoten.
Knutze.f. = Knflttel, Knoten , Geschwulst
(Huck 19).
Koä = der Schrei eines Süuttlings (kakhak,
s. d.), kaxen, koaxen wie ein Frosch (Gr. w. V,
15H7).
Kobel in. Kobler, tu. Kobold, m. (ein echt
germanisches Wort [Kob«r od. Kobel]; rahd. kobel =
onecs Hau«, angls. cofa = Gemach; etiu-l eove - Ob-
dach, Kluge *, 206; dazu Kobold ; eigentlich kubn
hultli* = Schützer de» Kobens od. Kobel«, de* Hauses,
des lli im«. holder Hausgeist, Spiritus famillarl«, I'ac-
tolnm ; 12. Jahrb. Gobcllniis, Covalus, Hu fange; Pro-
culin* ; engl eol.alt, angls. Cofgodas - Iure«, cofgodu
-- penates, Golth. III; D. tC2; Lalstner II, 279; Hoch
holz II, 112; Al<ercl 57; Engel. 75; als tolebe elMsche
ITansgelster [Helmehen] galten Im Volksglauben da«.
Wichtelmännchen, Heinzelmännchen, Iiutzitnann,
Fanken, Nix, Mar, IV.ppelmann, Gütchen, Mnmmart ;
mit dem Namen Kobold Mnd sie als vorwiegend gut-
artige, elbische Wesen charakterisiert, deren Thutlg-
kelt besonder» an die Wohnstatte. Sehwelle, Raiken,
[Okel]. Dachtraufe geknüpft galt, Golth. 125; Lalstner
II, 27'J. 317; so lange ihm täglich Opfer gegeben wurde,
war es hold gesinnt und lebte als guter Hausgeist
[». d.] mit den Hausgenossen mit ; wurde diese? Opfer
übersehen, so strafte es die Menschen n. zwarl 1. —
mit V'iehseuclien, die dann „der Kobold" oder
der Schelm (s. d.) hiessen (— Milzbrand) (o.-pf. ;
Schweiler I, 1217; Gr. W. V, iwo). — 2. — durch
Auswechseln der Kinder j ein solcher unter-
gelegter, dickköpfiger Wechselbalg (s. d., sowie
Alp X, S. 12 b) (LaT.dsherg i. Pr ; Neumark ; Z. d. V.
f. V.-K. 1S92 79) heisst ebenfalls Kobold. — 3. —
da man früher die Dämonen In effigle am Ehren (s. d )
I oder über der Herdplatte (s. d ), über dem Ofen (s. d.),
aufstellte (12.-11. Jahrh. kopold - Idola, D. 611) so
wird der Name Kobold für = Gelenkknöchel
! (s. Klaubelbein) der Schafe als Belnflgur des Ko-
bolds, die dann spater zum Spielzeug (Krampus) wurde,
zu deuten sein (Gr. w. v, l vio). — 4. = als elbischer
Danton ist der Kobold auch „ein kleines, rauhes
Dingelchen (s. Wicht u Alp), wie ein Wurm,
der die Pferde reitet (s. d.) u. ihnen den Koller
(fl. d.) macht" (1790; Legende für d. g. M. IV, US).
— 5. = wie alle elbischen Dämonen machtauch
der Kobold Alpdruck (15. Jahrh. kobult = pro>
cnbus. d. Ii, 3oi). — (ins) Kobler, m Köblerin, f.
= die im Sieclienkohel oder Mannskobel unter-
gebrachten Lepra- Kranken (t.oehner, d. Sonders,
in Nürnberg, S. lS9j. — koebiseh (15. Jahrh. koe-
visch. eoueeht = morbidus. D. II, 25) = krank wie
ein Kohler. — Kobold- Werk.
Kober, m. (Köber) (mhd. kol>er Tasche, Korb.
Kluge*. 20C. figürlich für) L - Hauch als Ksa- od.
Fress-Kober (Gr. w. V. vat.). — 2. = Gibbus, ala
Tra>{korb (Docker) (<:r. W. 1, eod .). — 3. = ein
I klagender siecher Mensch (Tirol, v. Horninn n 116)
= Köhler (Kobler). — .Ro/z-Kober ■ Kotzmaul,
Kotz- Nase, als am Rot/, kranke Teile (Gr. W.
VIII, 1330).
-kobern (erkobern, erkofern) (ahd. irkoboK.n.
vom lat. reruperare; altfr. reeovrer; ,,das lateinische
Wort hatte offenbar noeh ans alter Zeit her von der
ganz westlichen Kulturwelt Besitz ergriffen ; ihm kam
das germanische koveru [ — sieh vom Kampfe erholen]
j schon in verwandter Bedeutung entgegen; das latei-
nische recuperare aber erhielt von dem deutsch-fran
kischen irhal6n (= erholen] seine weitere Richtung,
drang aber so, innerlich uingcdeutscht u. neu geboren,
auch selbst nach Osten vor", Gr. \V. III, S79; Schwann,
t ntermain, Bayern); (vergl. kofern).
Kobold, s. Kobel.
Koch, m. s. Hoch.
kochen: wie \iele andere Ausdrücke ans der germa-
nischen Küche [Tgl. Herz. Blut, Milch, Galle ete ), so
wurde das mit der besseren, ans Italien eingeführten
Kochkunst (im 5,-6. Jahrh. 1 für das „sieden" ein-
tretende, fremdländische ,, kochen" («hd. chohhön aus
lat. OOqolR, coqnere. Kluge*. 206) verwendet (nach
Hippokrate* Vorbild) als Ausdruck der grieehiseb-
lateln. physiologischen Chemie früherer Jahrhunderte,
die das sog. 2. Stadium der Krankheit, den Höhepunkt,
als eine Dlgestio oder Söcking auffasste (= coctio)
wie sie auch die Bluthcreftunir als eine Kochnue des
Blutes In der Leber (s. d.) sieh vorstellte (conf. schwante
Küche = Alchjrmisteti-Laboratorium). — «las Blut
kocht; der Mngen kocht; (U*>. Jahrb.) der Schleim
wird gekocht in der .Mutter und auf der Brust,
ja sogar das Kind wird im Muttorleibe „ge-
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2S8
kocken— Koder.
Köb— König.
kocht" (Flandern; De (ock 63); auch „die Krank- I
heits-Matciie war im 18. jahrh.) gekocht, wenn |
nie sich von den gesunden Säften, denen sie i
beigemischt war, schon so abgesondert hat,
dass sich der Körper ihrer entschQtten (ent-
ledigen) kann" (Gr. W. V. 1556), wie die Mutter
ihres Kindes: (hol), gekookt zijn = i-ftbi: Hippok. =
Obetreif, lätschig, ermattet sein, Fuch*. Hipp. II,
im). — (i"."8) Kochung, 1. = Magen-Verdauung
(s. d.) (Gr. W. v, 1564). — 2. = Gärung der Krank-
heit; nacb Hippokrates Lehre die Scheidung
derjenigen Stoffe vom Blute, welche als kritische
Ausleerungen dann nach der Krisis (s. d.) weg-
gehen (Sydenbam). — (1477) [/»kochen (im I-eibe)
(« irtolpb) = Verdauungsstörung, Indigestion. —
i'" kochen = verdauen.
kocken, ko ecken - koppen, ruetuare (D. 602 j
Falke Ii, 31. 76) - l.uft aufstosseo mit Koeck-Ton.
Köder, m. (Köder, Kötter, Kuder, Kader,
Kater, Kotter) (goth. i|tiithu« = Rauch ; ahrt. qnerdar
Docht [vielleicht verwendete man hlestu ehemals Qnrgel-
teile1,; mhd. koder. köder [Ij»j»|K!ti] , Kluge *, 2W7 ;
15 Jiihrh. ködern = auswerfen, husten, Gr. W. V, 1573;
1699 koeder = l.ungenanswnrf In Kt>rm von Sehlelin-
faden, v.M. 11,25; nhd. koder — fadenfonnigerStreifcn) ;
17:51 keder = Koder; angls. eudu, cweodu; engl, eud
- der innere Teil de* .Schlünde* bei w iederkäuenden
Tieren, Köder. Kluge 1. 0 ), 1. = Unter- (Doppel-)
Kinn (Kett läppen), Submentum (D. 560), l'alear
(vgl. Goder) , Fettkropf (Schm. I, 1226); hieher
wohl auch Ketterle (Kolter), Ködeil) =
Brüste (weibl.) (Köhler. V.-Gl. 289). — 2. = näher,
fadenförmiger Schleim in a) (auf) der Brust
(1508, 1590) Phlegma, Pittrita (D. 239. 439), Zipf,
Lungen- Auswurf, Rotz; als solcher wird der
Koder von den inneren Organen gekocht ( = „er
röchelt"), wie der Lampendocht im Leacht
fette (Burk 19. 22; C. v. Schm. 322), und herans-
geworfen, wenn er ausgekocht, ausgebrannt ist;
I») (icio) Koder = menschliche Feuchtigkeit und
c) (1583) ebenso -(ieifer, Speichel i^Koderei,
Kctdericbkeit) (Gr. W. V, UM. 1573. 1886). — 3. =
(16. Jahrh.) auswendiges llalsgescbwilr, das Kiter
oder Wasser entleert, gänseeigross beim Vieh
und Menschen (Zipi^rl eis ; oder, ILA. US; R. 4M;
paraeynanche - kader , Gr. W. V, 1569; D. 412). —
4. = Kiter (c. v. Schm. 322; Gr. W. V, 1569) aus
der Lunge, der ausgeworfene eitrige Schleim
(Pauli >0). — 6. = Vormagen, Schlund", Gurgel
der Wiederkäuer = Goder (s. d.) = guttur, als
Stelle, wo dieser Koder häutig stttt?). — (lWii)
Koderichkeit = ilalsverschleimung (Gr. W. V,
1573). - |ödereT'm') = ein a'^ Hustcr, Spu-
tator (Gr. W. V, 1573; D. 549). — koderig, I. =
schleimig, rotzig, pituitosus. — 2. = phleg-
maticuB, die kaltfeuchte Komplexion als Ur-
sache der Schleimbildung (Gr. W. V, 1573). — Ii. —
kränklich (Gr. W, V, 1568) (vergl. kauderig). —
(1MB] blutiger Koder = blutiger, schaumiger
Auswurf (Gr. \V. V, 1569). — Brust- (Lungen-)
Köder t'*!; Tahem.) = Lungen- Auswurf. — (1596)
galten - ködert«/ — phlegmatisch -cholerisch =-
schleimig oder schleimbildend infolge phleg-
matischer und cholerischer Komplexion [Gr. w.
IV, 1, 1591). — (K.. Jahrh ) grosser Koder = Husten
mit viel Auswurf (Gr. w. v, 1569). — Mai Koder
(Kudder) — ein im Frühjahre auftretender
I Listen bei Ziegen (Gr. W. V, 1568; Westfalen)
( = Lungenwurm). — (1619) phlegmatischer
.Verven Koder- schleimiger, angeblich von den
Gehirn-Nerven herabkommender Nasen-Ana-
wurf (Wildbrunn-Ueschrcibung von Weltzhetm). —
Koder- (koderig) Fleisch, -Gang.
Köb, DB. (ahd. trquepan — emortuns ; mhd queli
— dampfen). — KäÖW (Altmarki — Husten, Schnu-
pfen (<ir. W. V, 1547). — köb-ln (Sehwatien) — an-
eckeln (<ir. W. V, 154) (vergl. köppeln). — köb?-
lich ■ Kkel empfindend, krank (C v. Schm. 321).
— (1620) köbisch ^käbscb) (kubisch) = unwohl,
kränkelnd, von Menschen, Hühnern u. Schafen
(Gr. W. V, 1547; Sehmeller 1, 1215; Coler, v. d. ff, SM).
köbeln a koppen.
Köber s. Kober.
Kochel, ro., n. (Küchel, Kichel), (zu hoch)
1. - Httfel, Höfel, Höchel, Höcker (c. v. schm.
283). — 2. = das erhabene Brustfieisch vor <ler
Brusthöhle (beim Ochsen) (Sehmeller I, 1219).
kocken (göggen, gäcken) (onomatopoieiisch,
den koek-, heisch-, he«ch-, klux-Ton naehahmend ;
16 Jahrh. koecken ; dazu kokezen «a kotzen [s. d.]),
1. — speien, erbrechen, rülpsen, übel werden,
aufstossen (Gr. \v. V. 1567; 1500 göcken. II. Sachs).
— 2.= Koppen der l'fcrde (* d.) (Herbst 17). —
«n*köcken=-eructuare, ausrülpsen (Gr. ff. I, sv*« ;
Sehmeller I, 885 1223); (vergl. kolken).
koecken = koppen (beim Pferde).
Köder s. Koder.
köfern s. kofern, kobern.
koegeln s. Kegel,
kolkern s. kolkern
koellisch, Kölschen, f. (r>90 koeiüsch von su-ei
chen - suglllatio, D. 565) = blaue Stelle auf der
Haut durch Blutaustritt (kölsch = kölnisch blau
[s. d.J, vom blauen Kölner ZeugstolT, Gr. W. V, 1622).
kölstern s. kolstern.
können, können, Könne(n) (indog. gon, gn.*.,
gen; altRerm. kann; angls, cennan — gebaren; alid
kunnan j nihil, kunnen = können, im Stande sein.
Kluge", 209; 1200 konuc ; alts&chs. knn; 15. Jahrh.
kunne, koeue), 1. = Gesch lechUvermögen (siehe
Macht und Kunne). — 2. = Hoden (Schweiler 1,
1258). — (tint) könnlich = potent (z. d. v. I. v.-K.
1896, 428) — Kon AfflMn, - Werk.
König, m. (- ,,Sohn [s. können] eine« Mannes
von vornehmer Abkunft" (Kluge 209]. Oberster des Ge-
schlechts [nobiiitas]i = Dens epistropheus, Kpistro-
pheus, 2. Halswirbel, welcher einen hervor-
ragenden, eapfenförmigen Aufsatz (Krone) trägt
(s. Judenknochen, Jungfer im Bade) (Rochholz
i, 227). — (1..80) iVascti-König - Nasus oblongns,
einer, aer durch seine lange Nase hervorragt,
wie der Kinäugige unter den Blinden (Gr. w. VI,
m; vii, 412). — Rippen -Königin s. Kippe 1. —
roter König - ein Körper- Glied oder eine
Lebensperiode, die durch Röte auffällt, 1. =
(mhd ) Penis, durch die rote glans = l'faffenzink
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Köper— Körper.
Köte.
nir. \v. V, irtvj). — _'. - Menses und Mennes nimii
(<ir. W. IV, 1. 1794; VIII, 1289; Blick 43). — Warzen- !
König, 1. ss einer »1er doreb viele Warzen auf- i
lullt (<Jr. vi. V, ltijwj. — 2. = nach dem Volks-
glauben auch eine Warzenkröte, als Gestalt
eines elbischen Dämons, der solche Wanten
erzeugen kann (s. Mediz. Mllrcbeu von Phllander 71).
— H'«r»i-Könlg (Schweden ormkung) ein be-
sonders durch seine Grösse auffallender Wurm-
Parasit. — Königreich = Kindbett (Srhm. i, 1268
i»;i) Kindshof, Kindbett-Hof. - König(s)-
Ader, Hand, -Haube, -Reich.
Köper (koppeln) s. koppen.
Koer, Koerb, Kor- = Gurgel und alles, was
daran bangt, beim Schlachttiere, Geschlind.
— Koe(de)r, Koi.dc IT lehr. Sam. I, S; Österreich).
— Koerl - Koederl (Schmeller I. 1281. 1285) =
Gurgel, Schlund. — Koer-LdcAen {Lachen),
— Wunde.
körben s. kirben.
Körper, in. (indogerm. krp; oltgcrm. corp [ = cor-
por-, corpus, urverwandt] dazu nhd. href — Mutterleib;
hralw = corpus; 19. Jahrb. korper, korpcl, kor|»er;
15. Jahrb. corper; IM.» kr>n>er; 15H6 cor]>el = corpus,
I». l'>2 aus [dem lat.] corpus = I.eich [s. d.] entlehnt.
Die McdUlnschulcn nnd noch mehr da» Corpus Doinlnl
lHilm Abendmahl der Kirche trugen zur Einbürgerung
des Wortes bei. Kluge', 210; in der Volks-Medizin fehlt
es vollständig. Nach Hr. W. V, 1*3:5) — Leib; 1.=
Kadaver, toter Körper, Leichnam. — 2. =
lebendiger Leib; da „Leib" zu »innlich belebt galt,
so wurde (Im 13. Jahrb.) ,, Körper" vorgezogen, das
einen gewissen gelehrten medizinischen Anstrich hatte.
3. — Kumpf, „das Körperliche am Körper am
eigentlichsten darstellend" (Gr. w. L c). — 4. =
Substanz des I^eibes, Materie, Wesen, Stoff,
Art, Form (1C16 „drei sind der Sul-stanzen, die da
einem jeglichen sein corpus geben, das ist, ein jedes
corpus steht in 3 Dingen" [Sulfur, Mercurius, Sali,
l'nraeelsua; Hoescr I, 456; 161« das corpus der Frantzo-
sen m syphiliUsche Korm , Franzosonart , l'arncels. ;
Pr. II, 791. — korpulent = wohlbeleibt. — (1740)
ß«*M-Körper = Skelett (Kulmus 33; Hyrtl, K. w.,
I..veling 59; A. r. II II, 1266). — (1551) drUsicJiter
Körper = Pankreas (e. Wampen-Bries) (Hyrtl,
K. w.), eine Substanz im Leibe, aus drüsigem
Gewebe bestehend. — Fremd- Körper = jeder |
ins Innere des menschlichen Körpers gelangte |
und daselbst fremdartige, nicht natürlich dort
entstandene Stoff. — (UM) gehäufte Korpcl =
Cadavera congesta (Gr. w. V, i»34). — Gelenk-
Körper — freibewegliche Konkremente fibröser
od. knorpelicher Natur innerhalb der Gelernt -
höhle (s. Gelenkmaus). — lila» Körper = Corpus
vitreum, das von der Glashaut eingeschlossene
wasserklare, sulzige Wesen in Kugelform im
Auge (Hyrtl, An. 55*). — (1712) gypriehter Körper,
1. «■ die harnsauren, weisslicben, dem Gyps-
pnlver (Tuff, tofns) verglichenen, harnsauren j
EkUae, in den gichtisch erkrankten Gelenk-
Machen abgelagerte Materie (F. Hoffra. VII. 227).
— 2. = syphilitischer Gallus, Topbus (s. Materie
u. Sand). — (1783) üTrystoW-Körper - Augen-
linse, die Substanz der Krystall- Linse (Leve-
ling toi). — (b-No) 7>t7>c«-KOrper = Rumpf, Ka-
daver (Gr \v. v, i*34). — menschlicher Körper
— nach primitiven Anschauungen eine beseelte
Quelle von I/cbenskraft, an deren Wirkungen
allcTeile des Organismus, selbstder Hlick,ihren
Anteil haben ; menschlicher Ix>ib (s. Leichnam).
— M u/fer-Körper = der grössere, nicht in der
Scheide befindliche Teil, der eigentliche Leib,
die Substanz der Gebarmutter (Corpus uteri).
— Ober -Körper m der Unter-„Leib'< ist der
Gegensatz zum Ober-,, Körper" („Oberleib" ist
Kleidungsstück). — Re Korper chen = reis-
kornahnliche Gelenkfransen, die sich von der
Synovialtneinbran ablösen und freie Gebilde
darstellen (Corpora oryzoidea). — Riesen-
Körper - der Leib eines Riesen (s. d.). —
7'orrn Körper (16. Jahrh. die todten cörpel, Gr. W.
IV, L 1109; 1561 todtner cörpel = corpus Inane.
r,r. W. V. 1834; ISN ein todtcr cörpel - cadaver, I>. 87;
1609 todter corper, Guar. 514) = Cadaver, Leichnam,
Aas. — Körper- Bai«, -Kraft, -Säfte.
Köte, f. (Köthe) (lrles. kate, f. = Gclenkknochen ;
U. Jnbrh. kote; 1470 kutte; sortis««, artteuli, os cum
quo In. laut pucllae, P. MS; 1501 koete = Knöchel,
Glied, 1507 koten — spondyli, D. 548; 1615 kotten =
sortis*», D. 543; 1577 koten = talus In bubns, D. 572;
1517 kotbo = vertebra, ludus, 1». 614 ; mnd., 1588 kote
Gelenk am l'Ierde-IIufe ; 1599 kot = Geschwulst am
Plerdeschenkel [s. auch Kot = Milzbrand); Gr. W. V,
1S86; 1640 kotben = Flngcrknöchcl und Kote 6; 1716
kotte — koten [Kote 6]; 1719 kote — Knöchel; 1777
pickel vel kote ■ talus (sordissa], I). 543; ndl. koot,
Kluge*, 211); nach Gr. w. V, 1886 ff. 1. = mensch-
liche Fuss- (Finger-) Knöchel. — 2. = Rück-
gratknochen, 8pondylia. — 3 = das Horn an
den Tierfüssen. — 4. = Tierknöchel (Spiel-
knoehen, Loswürfel). — 5. = die Köte beim
Pferdefuase (schw. 3«0i, d. h. Gelenk in dor Köte
über dem Fessel, wo das Schienbein aufhört;
(im 18. Jahrh. rechnete man die Fessol noch
dazu) (Gr. W. III, 16»2; IV, 2. 1624). — 6. = die
Fessel (18. Jahrh.) (s. d.). — 7. = der starke
Haarzopf an der Köte des Pferdes. — 8. =
(ieschwulst am Schenkel des Pferde« (wenn
nicht zu Kot, b. d.). — 9. = Blütchen im Gesichte,
weiche llautgeschwttre (N. Kheln; Gr. w. V, 1901;
ob zu kote — flufgelenk? und nicht besser zu KMM Od,
Kot ?). — aus- (über-) kot n es aus der Köte heratis-
od. über die Köte hinaustreten = Verstauchung
im Kötengelenke. — (1688) über die Köte ge-
HchoKsen, über Kot schiessen (Gr. w. V, 1886). —
Bickel-Köte s. Pickelkote n. Klaubelbein. —
(UM) geschwollene Köte = Köt»-n-( iehnk-Schwel-
inng (Gr. w. V, 1888). — hoch kotig - hohe Köten
tragend (Gr w. rv, l 1624). — iyVrvfc-Köte
Köten Gelenk (Köle 5) beim Pferde (Knuten)
für. W. V. 1886). — Fkkel-Kote (13. Jahrb. ptcklt
knie; 15ßl bickel koten; 1517 plekclkothe. D. 543. 672)
= Talus, Sortissa, ein Spielknochen, I-oos-
knochen zum Schicksal fsors) erforschen,
Wttrfelbein in Pickelform. — (1796) übergetretene
Köte = Distorsion <ies Kötengelenkes durch zu
starkes, übermässiges Eintreten des Fusses.
— ti/xr-köten = die Köte über die Norm
hinaus„schiesHcn" lassen, wobei das Pferd
nicht mehr durchtritt, sondern die Kote zuerst
nach vorne und dann erst nach rückwärts
PJ
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290 Kötter-Kohlc.
Kohlt— Kolben.
l>ewent (Zipp. 10»; Ablg. 7s). — unter -tätig
-küttig) ■ unterschworen , von innen heran»,
unter der Oberfläche eiternd (wie die Mauehe
am Kötengelenk des Pferdes?) (Schw. 7:ir>; Gr W.
V, 1886 ; Schmcller I, 1310), besBer r.u Kot (s. d. n.
ket). — KöKenJ-ßnn, -Gallen, -Gelenk, Grint,
-Haar, -Locken, - Warten, -Zopf.
Kötter h. Köder,
kotzen (Kötze) s. koteen.
Kötzle b. Kot*,
koevisch s. Kol>er.
kofern; fi'")» kofern (Bayern) = sieh erholen.
(TkÖfern (Schwell, ahd. obercoverön, Gr. W. V, 1544)
(vergl. kobern).
Kog(e), m. (Koger) grote knghe - grosses
Peststerbe n, Pcstscncbe, Lcrseh 202; 14. Jabrh.. ndl.
coko = contaginm, D. 14". ; 1475 coghe ■ porrigo [inor-
bns poreorum], D. HM; coutagium , I>. Mi; cotghs,
kngisch - contaglosus (schelmisch), 1>. 14t ; 1«. Jabrh.
coge = Schelm, contagtum, Gr. W. V. 1577), 1. we Aas
( = Schelm, Keib) (Bayern, Schwell, Vorarlberg,
Schwaben ; Schindler 1 , 1231 ; Kogenschinder = Ab-
ilecker, der da« Aas schindet, abhäutet und da« Kogen-
bein Im Schindanger vergrabt ; das» das Aas infektiös
«ein könne, muss eine alte Krfahning sein). — 2. =
Contagium vaccarum, porcorum, ovium (Milr-
brand ?), eine ansteckende Viehseuche = Schelm
(s. d. u. Kobold) und (*lav.) kuga =- Pest ; da es
im Slavlschen auch eine Pestgöttin oder Pestjungfrnu,
kuga, kuha, gibt, »o denkt (<ir. \V. V, 1577) man an
Import des ,,Kog" vom Osten her; die Viehseuche Ist
eben auch eine schelmische (= aashafte) Krankheit;
Schelm und Aas wechseln cticnso wie Schelm nnd
Seuche; der südslavlsche <;inube, dass der in ein
scheckige« Kalb umgestaltete Krankhcllsschelm durch
sein BUvcken das Vieh lote (Schmeller I, 1231) fand
sich (im 17. Jahrb.) auch in Oberbayern; mit den Vleh-
. seuchen kam wohl auch die volksübliche Ätiologie
derselben von Osten (vergl. Hünnseh). — 3. = ein
Krüppel, siecher Mensch oder sieches Tier im i
allgemeinen (Schwaben; Huck 18; Kouenflieker =
Wunderdoktor oder Plergenblndcr s. Hliirre , Kuck 18 ;
Lammert, V.-Med. w); wie hQnn'seh = seuchen-
krank und kränklich, so ist auch Ko>j-^ Seuche
und Krankheit überhaupt (vgl. kuggeln); beim
Begrille des „Siechen" verhält es sich ebenso.
— kogeln = aashaft stinken, futuere (Gr. W. V,
157s). — (1... Jabrh.) kOgisch (1401 kogesch - mit
Influenae behaftet. Lerseh 177; krank, <ir. \V. V, 1678;
1420 cogesch = morbldus. I). 367; 1175 colghs kogisch
o. schelmisch = conlaglosui. D. 116), 1. = schelmisch.
— 2. - ansteckend, coutaitinsiis. — 3. - kränk-
lich (morbidus). — groxs Koge (ndd. grot koghe.
Schm. [, 1231) = grosse Seuche. — Kogen-ßcn,
— ßcngel.
Kohle, f. (Kohl), n. (gem. germ. kol, abil. kölo.m.
mhd. kole, f.; ndl. kool = die schwante, ausgeglühte
od. feurige, noch glühende Kohle), 1. der schwarze
Fleck (Kern, Hohne; s. d.) in den Hohlen <ler
Eckzähne der Pferde, zu deren Altersbestim-
mting benützt. — 2. - Übersetzung de« Kar-
bunkel (Carbo = Kohle, charbon) der Medizin-
schulen, demnach St. Antonius-Rache, St. An-
tonius-Feuer ^sacer iKnis, santo igne, Anthrax,
Pestbeule (du ctan a, \*o, i>e «ock MO). — (is»)
Pest-Koble = Anthrax oder Pestkarbunkel
schwarze Pestblatter (v. M. II. 102. \. v. II. I. 101 ;
r.r. w vii, i.75). — Kohlen ■ Beute, Lunge,
-Sucht.
Kohlt, n. a. kalt.
Koie, 1. - m. kaoen. — 2. - Rah.
Kol, m Kolle, f. (Kolben) Im knhi ; aha, cha
lawa; mhd. kalwe | - Calvities); nach <;r, \V. V, 1601.
1">17 dy kulbe, kollw — calva, calvaiia, 05 capiti*
nbi capilli esse consuevere, I>. 91 ; kol [kolck]^ Vertex
capitis, n. 614). 1. — Vertex, Scheitel, Kopf, Hirn-
schade), soweit man ihn kahl sieht ((ihtfze). —
2. = Haarschopf als Teil des SchftdeJs. — 3. =
der weisse Fleck auf der Pferdeslirne ((Jlatxe).
— kolben = kahl seheeren. — (1C12) kolhet -
platt geschoren (Schmcller I, 1239).
kolbe, Kolben, m. (indogerm. gi-bh [globtia] dtekes
Kn<leeine«Ob|ektes, Menschenkopf. fir. W. V, MOS, 1409;
germ. klumb; goth. kulban — Stock mit dickem, knol
ligem Bude; ahd. cholbo - Pflanitcnknollcn. Wosser-
knollen; mhd. kolbe = Kolbe, Keule, Knüppel, Kluge \
208 = Keule [n. d.] chancre, Gr. W. V, 360 suh 3 ; 1429
kolb = Cancer In virga vlrill, D. II, 70; 15. Jahrb.
cholben = cambuca, virga [Rute, mcntula — Schanker-
geschwür am peni»), D. 92; 1482 kolble ■ Cancer
( = 8chankcr-Gcsehwür] tnnc signlficat infirmitatein
membrl vlrllis, Gr. W. V, 1611 = cambuca [ m Keule,
s. d.], Cir. \V. V, 1606, 1611; 1521 kolb - cambuca
virga, D. 92, 1561 kolben = Riss. Gr. W. V, 160V.;
16. Jahrh. kolben = eine männliche «ieschleehtskrank-
helt, Gr. W. V. 1129; 1576 kolb = cambuca [Keule.
Stab, Kolben, 8. Du Cange III, 44) ; „ein Geschwister!
des Schliers" [- bubo], Tbeophr. Rod.; 1591 Kolbe -
der Kopf eines reifenden Furunkels. Had. Jun. 3*5 ;
lf«03 kfilblln — eine harte Driisenboule an den Schenkeln
des Pferdes, ans kaltem Phlegma entstanden, »Ir. W.
V. 8«. 1811; 1609 kolben = ein durch den unreinen
Ooltoa erworbener Schallen, Ouar. 8M ; 1616 „derkolben
kompt von der miiteri des schliers" (umgekehrt iler
l.ubo [ — Schlier] kommt vomSchankcrgeschwur[cancer]
am Kolben des penis (^Kolb), tir. W. V, 160»'. ; I>. 94 ;
1618 kolben = luxus virgalis, Parncels. ; Pr. II. 76 =
cRmhncca Panicels. [ - Vorbote der Syphilis, noch nicht
harter Schunker, der noch nicht ,,in die franiosi*che
Art" übergegangen ist , was erst durch den sogen.
„Luxui" [■. d.) geschehen aollte. Pr. II. 72. 73 ; 17 io
kolben ■ Franzosen. Z. A. ; nach (Jr. W. V, 1605 ff;
Heyne III. 419: Kolben ( s Stange mit dickem Knde),
1. =der menschliche Kopf (in Redewendungen)
mit Haar und Haarschopf (Kulpe) ; Calvitium
(= kolbe auf dem hanpte), s. Kolbe. — 2. = Kehl-
kopf als dicker, rundlicher Halsteil (Sehw. 3-56)
und Ende der Luftrohre. — 3. = (1534) tilan»
penis (Hyrtl. K. w. iis9) = Eichel («. d.). — 4. =
der Eiter-Kopf, Caput in abscessu, ubi erup-
tionem minatur (Kiterbutren , s. d. n. l"*l Sagel-
kopf bei Maaler), sowie venlicktes Haarwuntelen.le
bei Schweinen. — 5. = Ulcus syphiliticum Sim-
plex (h. Schanker und Syphilis) et induiatum,
Schanker-tieschwflran der (llans penis mit dem
Schlier (= Kuho) verbunden (Schmcller II, 533)
= Satyrion, Kollien-Cieschwnr, dann immer nur
an Geschlechtsteilen, wobei das männliche (Mied
wie ein Knflttelstock ( Virga) oder Stab-Keule
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Kolch-Kolik.
Kolik.
2f>l
kolbig anschwillt (dagegen sollte das Kolblein»-
kraut, Sanqnisorba, Ruthkopf, Jcswn 362; Stabwiir* etc.
helfen). — Ii. - keulenförmiger liinterjich<»nkel
an grösseren Tieren. — 7. = Dröaenbeule od.
Knochenauftreiliun« daselbst (R. A. 672). — 8.=
Schlagheule (eainboule) (nri*s. B). — Destillier-
Kolben = «las immer tröpfelnde breite Nasen-
Ende 'Ruck 12). — (15<m) /)«4tYl-Kölblein, a) -
Penis (er. W. II, 1150) wcjren der Ähnlichkeit mit
(ahd. tntileholbo = Rohrkolben, Schindler I, 654; der
selbst verglichen ist mit ilcr) b) BrUStspitZe? (l'utte).
— (1793) Z>r<M»r/-Kolben -Kehlkopf als dickeres
Ende der Luftrobren f<ir. \V. II, 1137). — (1591)
Srlncantz-Kolben = Glans penia (IM Jnn. ni •
Gr. w v, iTco). — Kolben-Art*«.
Kolch s. Kolk.
Solchen, 1. - Kolik (Colica, a. n.). - 2. -
a. Kolk.
Kokk .«. Kolk.
Eolde, Kolle, n. s. Kalt.
Köhler, m. s. Koller.
Koldun, 1. - Kaidaunen. — 2. - Knltan.
kolen = m kohlen (ahd. fereholcn , Notker;
Schmeller I, 12!" ; ahd. Ablaut zu quelMI ; mhd. queln)
= unausgesetzt peinliche Schmerzen leiilen
(vergl. «.^ual, Qualm).
Kolik, (Kolk, Kulk, Koolke) (an* dem tat.
eoliea [seil, posslo] = Darm- [Colon, xiii/.v/ - x',:).^,
vw/o; hohler sei. Dorm; Schmer«; auch abgekürzt In
Kolk, Kulk; Ilyrtl, K. W. 124 = colica jumentorum
[Vcjrtlii], Slrophus [Galeni] , Kraus, F. 10OO; 13. bis
11. Jahrh. ,,wem weh ist in dem Kntichc das heisst
pasüio colica. da hast dieses zu kennen er ist triu;
uii.l unmuthig und schwillt gross an binnen in dem 1
Lclbc und ihm wird das Kleber, das da helsst »eiiu"
1= Peritonitis V). nach Mag. Barth. 90a; 1420 kolek,
kolk — eustus. weisse Blatter, I). 165; [Blasenkolik ;
15. Jahrh. eoliea eyn sucht des niderstrn darms
[Colon] da dye spisse tiss get und kommet von eym |
geswer «n Ist urab das gernecht goswollen , I). 13t
= bernia tacarcerata et Peritonitis; 15. Jahrh. eyn
de de kolk heft = eolicus, Ii. II, 100; 1517 kol,
kolk - Vertex capitis, D. 6U ; [llauptschmerz ? s. kahl];
1564 colicompas - passio collea, De Cork 1*9; 1699
eholic, v. M.l, 177: 1741 eollekc = ventrleulo*us, der das
Banchwehe hat, Kirsch 12J5; bei den Ostpreussen wird
die Koolke, die im Kopfe, Mark, Hera, Plauze oder
F.ingeweide schmerzt, in Besprechungsfnrmeln w ie ein
krampfhaft greifender [s. d ] Krankheitsdamon , der
die«» Schmerzen verursacht [vergl. Krampf und engl,
trtpas] ermahnt, doss sie in ihr Bettehen schlafen
■•be, Z. d. V. f. Volksk. 1895. S 22 ; Frischt). 791 und
auch an anderen Orten wird sie l>eschworen, Wacker-
na«fel, Wessobrunn er «lebet, S. 69, Anm.) ; demnach
i«t Kolik, 1= Bauchschmerz im Gedärme, Colon,
volksübhch meist der genossenen Nahrung zu-
geschrieben. — 2. = Bauchschmerz überhaupt.
— 8. - windender Kontraktions-Schmerz auch
an anderen Gliedern, der qualitativ mit Kolik
verglichen wird (Kopfkolik, Nierenkolik, Herz-
kohk). — 4. = Kolk ans Kolt, Kalt (..kolt. kolk,
knicke ein suchte". D. 131) ^ eoliea (*. Kalt). —
6. - Kolck sUtt Kol, s. kahl (1517 vortex capitis,
1» SM). — 6. = Kolk (Koiiik. RnteLai, Aon,»). —
Augen Kolk (14 Jahrh., ndd. eyn ogh kolek. I) 561 ;
snboculare) - Augenschmerz unter dem Auge,
infolge von Rhenm«, Xeuralgia infraorbitalie,
s. Oberkolk). — (1778) bauchlaute Kolik = Baad»
schmerz mit kollerndem Geräusche (Gr. W. I,
lies). — Blatt-Kolik ■ Bauchschmerz durch Blilh-
ti n gen veranlasst (Windkolik) (Sobernheim 167).
— (lxoi) (vegetabilisch) (1782) /?/«'-Kolik = Colica
saturnina darnnoniorum, die durch Bleiver-
giftung verursachte Kolik, z. B. bei Trink waasern
in Bleiröhren (.Madrid, z. B.) oder die Kolik «1er
unter den Bleidächern eingesperrten Gefan-
genen (Blei = saturnum vegetabile) auch Maler-
kolik (Cr. W. II, 101; J. P. Krank 111; M. H. L. I,
204). — (1783) Blut-Kolik = eine durch «lie Blul-
wallung bei der Entzündung des Bauchfells er-
klärte Banchkolik (Falke I; M. H. L. I, 213). —
Brcch- Kolik = Cholera, Brechdurchfall mit
Kolik. — Bruch-Kolik. = Leibschmerz infolge
einer Hernie (Bruch) (Falke I, 156). — Cydcr-
Kollk = der Leibschmerz vom jungen Apfel-
wein (Cider, stxspa) (1769 the epidemieal collc of
Devon. Schnurrcr II, 268), die epidemische Ruhr,
die man dem Cidergenussu. auchBleigeschirren
zuschrieb (Kraus, K. KS9; lo carmet, Briss. 172). —
7)nr»i Kolik = windender Gedärmschmerz (holl.
darmkoiick). — Entzündung» - Kolik. — Bauch-
schmerz infolge von (Gedärm-) Entzündung
(Aekerm. 244). -- Frauen - Kolik = Mutterkolik
(Kugel. 265). — (is42) FMrrpr Kolik = (1878) Wnrm-
krankheitder PfenlefBoliingcr). ein Leibschmerz,
der dem übermässigen Futtergenusse zuge-
schrieben wurde (Gr. W. IV, 1. 1078; Falke I. 300)
(Darmgicht der l'fer«le, Pferde-Kolik). — (17IK)
Gallen- (gallige) Kolik, 1. = der Schmerz bei
der Gallenstein- Kolik, bei der öfters Gallefarb-
KtotF im Urine oder auf der Haut zum Vorschein
kommt. — 2. = Colica biliosa (Gr. w. I, 1191 ;
Maschenb. 109), ein Leibschmerz, der dem Er-
güsse von Galle in die Gedärme zugeschrieben
wurde (Aekerm. 247), Neuralgia hepatica. — Oicht-
Kolik ■ Melaslase der Gicht auf dio Gedärme,
welche kolikartigen Schmerz macht (auch Blei-
kohk mit Bleigicht) (enpl. arthritlcal «rripe»). — (1782)
goldene i4rfcr-Kolik s. liämorrhoidalkolik (siehe
auch Spännhex) (M. II. L I, Sei). — (1754) Gries-
Kolik - Nierenstein-K«)lik (A. v. H. I. 451). — (1782)
Hämiyrrhoidal - Kolik --- Schmerz ilurch Mast-
darm-Krampf bei Entzündung der Hämor-
rhoiden (Köhler II, 275; M. II. L. I. 204; Voecl V,
101). — 7/c»r-K0lik (herzkulk. Gr. D. M. II, 11121-
Colica ventriculi, kramplltafter Schmerz in <ler
Herzgrube. — /iurcn-Kolik, 1. = Hurencholera
(Kraus, E. KS). — 2. — (engl, honicholic. Kaltschm.
I, ;to) — Chorda gonorrhoica, Harnwinden mit
hogenlörmiger Steifheit <les Benis. — Kartoffel-
Kolik - die «lern Kartollelgenusse zugeschrie-
bene Pferdekolik (Falke I, 6) (Futterkolik). —
(1782) 7fiMf/Mfm'wrM-Kolik = Nach wehen (M. H.
L. I, 5»7). — (1782) Kinda -Kolik = Leibschmerz
bei kleinen Kindern [U. II. U I, I9ö). — Kopf-
Kolik — krampfartiger Koptsehmerz, Ce-
phnlea intermittens. — (1737) Krampf- j^^^^
- krampfartiger Bauchschmerz im Magen od.
Gedärme (Baum ".nc.; si.» wir.1 beproehen und
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202
kolkern
Kollane— Koller.
gebrochen, Frischhicr 71-, Ii« neu :!06J. — Kujifer-
Kolik - durcli Grünspanvergiftung veran-
lasster Leibschmerz. — (178'.') lieber - Kolik
= Gallenkolik , I«eberselimerz (Köhler II, 30R).
— / n/7 Kolik = die Kolik beim luflkoppen-
den (s. d.) Pferde. — Madrider Kolik - Blei-
kolik (Plcrer7. II, 1329). — (1782) M.e/fH -Kolik =
Magenkrampf (M. R. L. I, 207). — (1782) Maler-
Kolik = die bei Malern (Bleiweissfarben) häu-
fige Blcikolik, Coliea pictorum (Sobernh. 279;
m. h. l 1,202). — Mtoortiitd-Kolik^ein Pferde«
milzbrand mit Koliksymptomen (Ztpn. 2*%). —
(1782) Miserere - Kolik - die Kolik mit Kol-
erbrechen (s. Miserer») [M. 11. L. 1, 199). — (1843)
Mist-Kolik — Fntter- oder Vorstopfungskolik
bei Tieren (Falke 11 , IM). — Mutter Kolik
der Leibschmerz bei Gcbnrmuttcrleiden der
Frauen. — (1532) iVicren- Kolik, L — Nierenstein-
Kolik. — 2. = Nierenentzundungsachmerz (Falke
II, 164) ,,»0 der Schmerz vou den Nieren knmpt, so
Ist er hinten im Leihe behaltet um die Gelegenheit
der Nieren und im Harn erscheinen Fasslln (Filserchen)
und Sand" (Frlei 113). — (17«1) OtVr-Kolik = Clavtis
hypochondriens s. hysteriens (a. Nagel) , die
als Migräne am Kopfe auftretende, nach oben
„versetzte" Hämorrhoidalkoük (L. eh lfi) (Augen-
kolik) Neuralg. supraorbitalis. — (1706) Pettitenz-
Kolik = Ruhrkolik, wenn die Ruhr epidemisch
wie eine Pestsenche auftritt (A. v. 11. I. 452). —
Pferde- Kolik, I. - Luft- oder Wind-Kolik der
Pferde. — 2 — Wurmkolik der Pferde, fast immer
verursacht durch ein Wurm-Aneurysma in den
Gelassen der Baucheingeweide, wo sich em-
bolische oder thrombotische Vorgänge unter
Schmerz entwickeln (Bollinger; I.euckart 168). —
reissende Kolik = reissender Bauchschmerz
(Baum 306). — (1782) Huhi - Kolik = Leibschmerz
mit Blutabgang (s. Ruhr) (M. H. L. I, 207). —
Samen ■ Kolik - ein meist bei Tripper oder
sonatiger geschlechtlicher Reizung entstehender
Krampf der bei dem Blasenhais mündenden
.Samengflnge (Ductus ejaeulatorii) (Schmidt, Jahrb.
185. Bd. n», sc). — i?cAi/F*-Kolik = Bleikolik durch
verunreinigtes Trinkwasser auf Schillert (Köhler
II. 193). — (1782) SclUeim - Kolik - l*ib- oder
Magenschmerz mit Abgang von Schleim durch
Stuhlgang oder Krbrechen (M. II. L. I. 211; Falke
II, 281). — (1782) Sfrin-Kolik Nieren-Kolik
infolge von Nierensteinen (M. II. L. I, 207; Falke
I, 205; D, 338; engl »tone cholie ~ <irie«knlik|. —
Uberfütterungs-Kohk s. Fntterkolik. — Wttxscr-
Kolik, f. (Kolk), m. (Oldenburg woterkolk, «iold-
schmtd 103) - Wasserspeien, Wasaerwürgen,
Sodbrennen mit Magenkrampf, zu kolkern 2
(B. d.) (Köhler II, 107 , Kraut K. 4S2 . Kopp IV. 4). —
(1782) Wind Kolik = Verstopfung mit Blahkolik
bei Mensch und Tier, Mal St. Agapet (Apagc?)
Colica flatulent» (Ackerai. 2ih; itriss. 122). — Wurm-
Kolik = Pferde-Kolik 2 (Mayer 152). — Kolik-
i K»l lc-) Darm.
k o 1 kern (kölkern, kelkern), kolken, kolksen,
Kolch, Kolk, i (Kulk) [16. Jahrh. de colk ejm snke,
I) II, 100; c-ilk = rheuinu, profundiUM aipine. 1>. II,
318; eyu kolk — guffula, bumor gutturi«, 1». II, 198;
kulk Ithcnma, Schnupfen; Kolllk = Kolk, tiefe
Wasserstelle, Engel. 20, Antn. 21), 1. = das Kollern,
Rumpeln, das Geräusch des wie in einem Kolk
(~ Wasser-Strudel, - Wirbel) plätschernden od.
«urgelnden Wassers im Magen, Hachen od. in
den Gedärmen - das Kluck-Khick (»ie beim
Schlucken) (ein onomatnpoieiisthes Wort, Gr. W. V,
1613; ndl kolken sprudeln; ndd. kölken). — 2. -
rfllpsen, (sprudelnd) sich erbrechen (s. auch
kolpem) kolkizen (Schmeller I, 1211). — 3. ~
(1578) hohl husten (wie ein kilkezender Brust-
kranker mit Lungenkavernen) (Gr. W. V, 1612.
1613). — 4. = s. Kolk (-Kolik) Kork u. Kolch. —
WjflOCr | kolken! ~ ^'°,n'lU8 matutinus, das
sprudelnde Krbrechen wässerigen Schleimes
bei Gewohnheitstrinkern. — kolkwt - mit gur-
gelndem Tone sprechen, unboholfen sprechen.
— den Magen rrrkolken(kulchen) = den Magen
ganz venlerl »eu bis zum hörbaren Erbrechen
des Inhaltes.
Kollaue, f. - Kolik, Kollern (Cholera) bei
Pferden (Frischb. 43; in Besprech )
Koller, m. Kolder, Kolderer) fahd. cholem,
choloro, aus dem grieeh. yoXtf.'x; lat. cholera [siehe
Cholera], durch die Sprache der Ärzte eingeführt.
Kluge *, 208, cholorin plur = coli dolores rentri«, (iraff
IV, 390; Chcrgangsform: rindere, eholcre* - hu innre«,
Du Cange II, 100; mhd., 14. Jahrh rholere. kolre =
ausbrechende oder «title Wut, Kluge*, 208; 15. Jahrh.
koler— koler«, cholera, Inhitzige» »tut, Gr. W. V, 1616
— Wut. Neigung zur Tobsucht ; Tirol Kolderer; Schweiz.
Schwaben Kolder, Kolderer , engl, collar ; holl. kolder ;
sehwed. kotier, d»n. kuller), 1. - der Zustand des
Zornigen, Wutigen, lleiasblütigen, als Folge
der cholerischen Komplexion (Cholera 1), die
den Menschen zum Kolerer (Kolderer) , chole-
ricus (s. Cholera) machen sollte («ir. W. V. 1612.
1617, 1618; Falke II, 32), durch Anhslufungsch warten,
verbrannten, zu stark erwärmten, inhitzigen
Blutes, das eich in der Leber (s. d.) bilden sollte,
und durch Krgieaaung dieser hitzigen Galle aus
letzterer (171fi). Die Diagnose des Kollers (— Paulo
cbolerlca) war (1260) ,,wenn dem Menschen das Haupt
stets weh thnt, so ist das eine vom (4berniass der Blut-
menge kommende Krankheit (Siechtum), die Augen
sind rot und der Kranke kann nicht schlafen, er kann
den Sonnenschein (s, Sonncnschuss) nicht anseheu.
die Ohren sausen , die Ilaare fallen aus, der Harn Im
dünn und rot ; der Kranke hat dos Blutes SO viel
(nicht aber des Blutfeiines, s. d.), der Feuchte hat er
zu wenig : so ein Kranker inuss aus Zwang (Not) gaeti-
1 mutig (zornig) sein ; denn Ihm entbrennt die Galle so
stark, dnss dieser Hitze die (natürliche) Feuchtigkeit
nicht mehr zu widerstehen vermag" (noch l'fetffer21. 39).
(13. Jahrh.) der colericus ist nach dem Magister Bar-
tholomaus „ein Mensch, dessen Wasser (Clin) dünn
und rot ist, der des Blutes zu viel hat und der Feuch-
tigkeit zu kleine von dem Wasser und der tnuss aus
Not gor zornig sein und das kommt ihm zu von der
Gallen wegen, wenn diese entfacht wird und die Feucht-
niss ihr nicht widerstehen kann" (I.e. 101b) ; desgleichen
(87 a)- ,,dem das Haupt stetiglich weh thut dein lietrt
passio colera darlnn und die Sucht kommt von über-
fltissiKeiu Blute; die Sucht erkenne also; die Augen
sind ihm rot und er mag nicht schlafen (schweigt) und
er mag nicht nach der Sonnen Schein sehen und dl«
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Koller.
kolpern- Koltun. 293
ohreu »u«tn Ihm All« Zoll." ,.dls siut coleiici genant
die werden ahm* bekam griin rodehafft ial Ir farwe"
( = sie sind warmer und trockener Natur, Adelung,
Nachrichten von altdeutschen Gedichten II, 164; 14. bis
IV Jahrh , mnd. der kolre, der rode colre (*. rote
l 'holen] , der hete colre , der bose colre van deine
maghen. J. f. ndd. Sp.-K. XV, 129, 130, 131. 13'.') ; in
dieser Zelt bildete sich al»o In Ndd. „der" Koller aus.
(15. Jahrh ) colericus (D. 610 coroblcus) ist ein sucht
in dem hanbt, da von die lutte kallent und in su er
gedrnmmet und ftiehent das liecht. — 2. — die in-
fektiöse Wutkrankheit der Pferde (Meningitis,
.Morosis cquorum, Lyssa\ Schieber, Happel 3
(1592 das vierdt laster des gemiit« ist dieses wann ein
Ross cholert, welches der vnsinnigen weiss nicht vnaun-
lleh. Seh. 260; Coller oder würfig, 1. eod. 177; diUuo-
n Misch aufgetaut, ». Kobold, Huck 4«; Gr. VY. V,
1617 ; Mayer 130. ('. v. Schm. 322; Schw. S5C; da-
gegen «ollte hellen i das Koldcrkraut , Kolerkraut,
Gallenkraut Veronica chamaedrys et otlicinalis oder
der Kollerbusch ( Hexenbesen J. sowie der Gamander,
Gauchheil, Jessen 433). — 3. = der rollende Klang
(s. kolkcrn) in den Eingeweiden, Borborygtni
(Gr. W. V. 1617; Klchhorst I, 793). — 4. = der Leib-
schmerz (s. o.) der dabei empfunden wird. —
5. = ein Pferd das den Koller 2 hat — Kollerer. —
kollern, 1. = den Koller haben. — 2. = einen rol-
lenden Kollorton (zu ndd. knie - Kugel, Kluge * 208)
in den Gedärmen hören lassen. — kollericht
(koller'seh, kollerig), 1 - eholcricus.gahzoruig,
durch trockenhitzige, cholerische Komplexion
(Gr. \v. V, 1617). — 2. = den Koller habend. —
'"-■kollem (1592 8iraa«burg; aus» gecholiert. Seb.
2»vo) - uusgetohi beim Koller. — bwrr Koller
(innd., II.— 15 Jahrh. der bose colre van dorn magheu,
j. f. ndd. Sp.-K. xv, 132) - infektiöse Cholera
(Kühr). — / 'im,, </( Koller, 1. — stiller, apathi-
scher, lethargischer Koller, ein chronisches Ge-
hirnleiden, welches sich durch Schwache des
Bewußtseins und der Empfindung äussert, im
Gegensatz zum rasenden Koller hei Pferden.
— 2 - Lfthmungsstadium hei der hitzigen
Kopfkrankheit = akuten Gehirnhautentzün-
dung der Pferde (Koller 2) mit Herabsetzung
de« BewusstseinB (Mayer 161, Kalke I. 223). — (1691)
jo/if-n-kollerig - durch die troekenheisse Kom-
plexion u. schwarze Gallo aufgeregt (Gr. w. IV,
I. ii9i ; v. 161«.). — ^'"f} Koller, 1. = scharfer
Koller. — 2. = Aufregungsstadium bei der Ge-
hirnentzündung der Pferde (Kalke I, 401). — (1*43)
Lautch-KolleT ~ ein I'ferdc- Koller (2), wobei
das Tier durch Gehirnreizung Gehörstfiusch-
ungenhat, infolge deren es lauschende Geberden ■
u. ein unregelmassiges Ohrenspiel macht (Kalke |
II, co). — (im2) Magen -Koller, 1. = rollender,
kollernder Klang im Magen. — 2.~ Aufregun^s-
stadium bei Magenentzündung, Magenkolik der
Tiere, Meningitis equorum, der Mutterkolik zu-
geschrieben (Kalke I, 115; II. 92). — Mm I Koller
= eine Art von Pferdekoller, die sieh angeblich
nur beim Mondschein äussert (Gr. W. VI, J -os). —
M uff er- Koller, 1. - ein bei der Stute nach dem
Volksglauben „durch teuflische Anfechtung*'
unter dem Werfen des Jungen auftretender
um:>) Pferde- Koller (Dummkolier) (coier pt. itt).
— 2. ^ Samenkoller (s. d.) der Pferdestuten
(Mayer ifil ; Kalke II, 139). — (1716) ratender Koller,
1. — das erste (Reizungs-)Stadium (beim Pferde)
der Hirnhautentzündung (Meningitis), die mit
Erregungssymptomen (Toben, Käsen) beginnt
(Abllg. 16; Mayor 161; Kalke II, 227). — 2. n perio-
dische, tieberlose Tobsucht der Pferde. — roter
Koller = rote Cholera (J. f. ndd. Spr.-K. XV, 130.
131). — (17. Jahrh.) Sa nun Koller - ein bei Pferde-
stuten durch zurückgehaltenen Geschlechts-
trieb mit der Befruchtung sich verlierender
Mutter-Koller, bei Pferdehengsten angeblich
auch durch zurückgehaltenen Samen entstehen-
der Koller (Mayer 10, 161; R. A. 34). — (14. Jahrh.)
scharfer Koller (die ncarfu kolre, Gr. \V. V, 1616) —
«lie scharfe, hitzige, akute Cholera (s. d.) m
Ruhr, Dysenteria, — Sehieb-KollGT = Schieber
(Kidke i, 223). — Schlaf - Koller - stiller oder
Dumm-Koller (s. d.) (Falke H, 279). — (1843) Sonnen-
Koller, 1 = eine Art des rasenden Pferdekollers,
die sich angeblich nur beim Sonnenscheine od.
anhaltender Hitze (Siriasis) äussert (s. o. Mond-
koller). — 2. = die Drehkrankheit der Schafe,
ehemals fälschlich dem Sonnenstiche zuge-
schrieben (Kalke II, 312). — Spring Koller = ra-
send, toll, wütend machender Koller der Pferde.
— (17. Jahrh.) stiller Koller, 1. ■ das Terminal od.
Knd-(Lähmung8-)Stadium des rasenden Pferde-
Kollers. — 2. — auch leichtere Form des Dumm-
kollers, wobei die Pferde apathisch, besin-
nungslos werden und schlafsüchtig verenden
(R. A. 31 ; Abiig. 46 ; Falke II. 342). — (17. Jahrh.)
tauber Koller (taub coUurcr, R. A. 63; Kalke II, 367)
— Dummkoller, ein sogen. Hauptmangel bei
Pferden. — (17. Jahrb.) toller Koller - rasender
Pferde- Koller, Morbus peracutus, Phrenitis
(K. A. 45). — Tod Koller = Schlafkoller. — urii-
tender Koller- das erste od. Keizungs-Stadium
des Ausbruchs der Pferdewut. — Koller
Ader.
kolpetH (kolpezen) (Seiteuforni zum klang-
mnlenden kolken, kolkcru [s. d. o.]), 1. - rülpseil.
— 2. - abgestossen husten (Gr. W. V, 1622). —
Kolperer, m. = Magenwind (Bebm. I, 1241).
knistern (kölstern, kolsten) { = lßie <iuchstcrti
«. <iuai*teru) -= das Husten gebrechlicher alter
I*eute, die den zähen Schleim (= Kolster,
Ijtialater) nicht heraufbringen (Gr. W. V, 1623)
(s. knistern). — (leso) ein alter Kolsterer = ein
alter Mann, der immer hustet (kolsterl) (Gr. w
v, 1623). — dämpfig kolstern = husten mit
Dampf (beim Vieh), Dyspnoe, Emphysem (Gr w.
V, 1628,\
KoltOn, Koltun. Ul. (1">70; Weese 4S; rotruüs.
kolton, koltau, koltun zu kol = Pfahl, Og. 2; 16O0
plica, quam l'oloul Gwozdziec ( = Nagel], Roxolaui
koltunum [= Pfahl] vocant, Og. 29, Anm. a; 1S30
koli..n - Pfahl, Og. 6; ,,elu au» verdorbenen Halten
sieh entwickelndes Obel, das von den Knochen durch
die Haut gedrungen der Gicht und Kratze gleich-
kommt und «Ich besonders durch das am Haupte ver-
flochtene Haar, das empfindlich Ist und einen Nagel
oder Pfahl darstellt, ausspricht", og. 6; bei den Ott-
preuiwen ein durch Hexen angezauberter Weichsel-
zopf, Krischb. 96), 1. Weiebselzopf (s. d.). - 2. -
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21M
k<iinmen.
Kon— kontrakt.
die angeblichen Folgen (?) oder Ursachen des-
selben (Syphilis, Skrofulosis). — Koltun-Ge-
scJncür, -Krankheit, - übel.
kommen (Kunft) (indogcrman. Wurzel Kein
[ — veuio] ; urgerm. i|Uctnau , Koth. qiwau : ahd. kueaiau
[<iucman] = kommen. Kluge4, 208. 1200 trehumen,
Pfeiffer 43; mhd. kotneu — wohin gelangen), l.=das
Eintreten einer körperlichen Sekretion oder
Funktion (Sinne, Milch, Samen): „es kommt
ihr, ihm" (Gr. w. Vi, 2187); za sich kommen -
eil seinem eigenen Ich wieder kommen (Gr. w.
V, 166») = er kommen (s. o.). — 2. = das Aus-
stossen und Verlieren eines körperlichen Teiles
(oder des Lebens), z. B. der Frucht (Gr. W. V,
70'.»). die damit anderswo hingelangt; vom Kind
kommen = Abortus , ums Kränzchen kommen
■ Defloratio (Gr. w. V, 2067). — 3. = die Entfer-
nung, der Verlast einer normalen Funktion, so
zu sagen das Fortkommen derselben aus dem
Körper; von ihm selbst (vom Zeug, von Sinnen)
kommen = den Verstand verlieren , Alienatio
mentis (Gr. W. V, 1669 ; 15. Jahrh. vt dem synue
kommen sa exutsis. D. II, 16::); ums Augenlicht
kommen. — 4. = das Hinzutreten, llineintreten
des Körpers iu eine andere Lage: (UMS) in eine
Krankheit kommen (fallen) (Gr. w. v, 2038). —
Kunft = s. u. — (lMs) das -I1' kommen (des Lei-
bes) = Phthisis (Kuland), der Verlust von Ixsibes-
fülle. — (1618) der Krankheit abkommen - sich
derselben entledigen (Schmeller I, 1247). — (IM»]
es kommt ihn eine Krankheit an = es befallt
ihn eine ansteckende Krankheit [Coler, P. 313).
— das Aufkommen = die Änderung des Kör-
pers, aus der Bctllnge wieder auf die oigenen
Heine kommen, genesen, gedeihen. — auf die
Well kommen = als Seele aus dem Engellande
(s.d.) des Volksglaubens von den kinderbringen-
den Heistern auf die Welt (s. d.) gebracht und
geboren werden. — au» einander kommen —
den normalen Gedankengang nicht mehr
haben, den Verstand verlieren, wahnsinnig
werden. — /.kommen - wenn etwas neues
zum Korper hinzutritt, z. B, eine Narbe; auch
eines Kindes bekommen (scbmcllur I, 1247). —
keine Luft bekommen ~ wenn der normale,
ungestörte Luftzutritt behindert ist (Dyspnoe).
— es bekommt ihm gut - es macht keine
Störung, er vertragt es leicht. — davon kommen
---- vom Kind kommen (s. o), abortieren. —
d"u> c/ikommen = durch die Gefabren der Krank-
heit hinwegkommen, diese (iberstehen. — er-
kommen (ahd. arqneman; 1200 erchiiiueu, Pfelff«
43, 62) - aus einer Lage (Schlaf, Krankheit) zu
sich kommen — Aufschrecken, Zusammenfahren
der Kinder aus dem Schlafe, l'avor nocturna*.
— das Ei kommen, die Erkomme (dta trohüme,
Schmeller I, 1218) = l'avor. — (1068) /irrat-kommen
(der Bar-Mutler in den Leib) - Senkung der
Gebarmutter, Lageveranderung iHeynon. 183). —
herab-kommen - Veränderung zum Niederen,
Schlechteren. — hinter kommen - in das hin-
tere, separierte, andere Lager (Kreisatatt)
kommen, gebaren (niederkommen) \tt tframe-
naten gan, Schmeller I, 1137). — Aot/t-kommen
erbrechen aus dem Ma*en nach oben. — das
iYacA-kommen Sekundinae, das, was nach der
ersten (Kindes-)Ueburt noch nenerdings nach-
kommt, das Nachwesen (a. v. H. Ii, 1269) Pla-
centa(Afterburt). — Nachkömmling — ein nach
längerer Konzeptionspause nachträglich noch
geborenes Kind. — nirrtVr-kommen — das sich
Niederlegen auf das Kranken- oder Geburts-
lager -entbunden werden, gebären (diiu. komme
ned, Gr. W. VII, 768) (Niederkunft). — runter-
kommen ■ abkommen, aus dem aufrechten in
den gebeugten, niederen Körperzustand kom-
I men, an Kräften abnehmen. — umkommen ---
um sein Loben kommen, unterliegen (Gr. w.
V, 1677). — »oW-kommen (whd. volkomen) - zum
Ziel gekommen, mit der Entwicklung ausge-
bildet (Kluge*, stflt), — (171») n-r -kommen = zu-
erst hervortreten, vorliegen, z. B. vom Mutter-
kuchen (l'lacenta praevia) (Pleuk 322j. — vurher-
I kommen = die ersten Zeichen der Schwanger-
schaft, antezipiert für das (Unterkommen (s.d.)
der Wöchnerin (Hlrllngcr, Sitten 11, 2T.2). — (16-M)
Zusammen -kommung (die Vereinigung am
| Kreuzungspunkte) = Chiasma nervorum opti-
corum (X) (Ilyrtl, K. W. 172 ff.).
Kon (Kan), m , f., 1. - s. Kahn. — 2. - siehe
Kunl. — Kon-Mann.
Konduktoren, pl. - die Frauen, bezw. Mütter
von „Blutern" (s d., Haemophilie); der Volks-
mund hat denselben, da sie selbst von der
Bluterkrankheit (s. d.) frei bleiben, aber doch
dieselbe auf ihre Kinder übertragen , diesen
, Namen beigelegt (KtehtaonM U, »31).
Kone, f. Konde, f. e. Kunle.
Konstitution, f. («u lat. con-statuo - tesuetaea)
~ festgestellter Zustand im Körper und in kör-
perlichen Saften (s. d.)i Katastasis. — kon-
stitutionelle Krankheit.
Kontagion, n. (aus lat. contagltim = Berührung
(i. d.] — Befleckung, Uekleibuug, Im fange II. 530,
die mau früher datnoulktisch [». Schelm, Kog] auffalle,
nach l'aracehus aber In einem geisterhaft fluchtigen,
unsichtbaren [miasmatischen] Snl/.e (sal volatili-s] im
ltlute suchte, welche» den l.eib des Menschen „feind-
lich Unfällen" [lfi'j"J; v. M. II, 138] und dessen Gebllil
in Wallung und Aufregung verseilen, von Mensch zu
Mensch umgehend jeden *o llefalleueu [mit Miasma]
beflecken sollte; 1600 coiitagion - peste a lu gorice.
Bris». 186 = Diphtherie oder Sebulpett) ■ Seuchen
erzeugende Ansteckung (Bekleibung). — kon-
tagiöses VM.
kontrakt (Kontraktur) (ans dem lat. contraher«
~ krlinpfcn, krampten (B.d.J, durch dieamllchc Sprache
ins Volk gebracht, wi>lur mau früher ,, versumpft",
„verkrümmt" [». d.J gebrauchte, Gr. W. V, 2444)
-gekrümmt a) durch Parese oder l'aralyse =
Lähmung, b) durch Krampf, c) durch Vei-
wachsungen (Gliedersucht, Adersucht, Kon-
trakt-Knollen) - kontrakte Nerven. — (1742)
Kontraktur - der Zustand des Gekrümmtseins
durch: 1. — I'aralysis, e\ colica (m Vergicht)
(Zw. Hl], 2. — i'seudoankylose; i$. = Krampf
(Spasmus). — (1687) O/w/cr- Kontraktur (Georg
:K.i| -(iliederverwachHuiig, (ielenksteitik'keit. —
Afrj/-Kontrakt syphilitische Pseudo-Kontrak-
tur uml Atrophie (Lahme) bei der mala frantzo-
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Kontur— Kupf.
sen (s. d.) (eine Abbildung derselben lu Dr. v. Heuss,
chirurg. pathologische Tafeln V; Fuchs I, 427).
Kontur, ra. = (le contour - Uinriss). — Kontur
Schuss
Koolke s. Kolik.
Koors- Gallenfieber (Oldenburg; Goldschm. 125)
= Koorlsen (b. d .).
Koortsen, pl. (Korsen, Ketsen, Kessen)
(ndd. Oldenburg; Goldscbm. 125; uindl. cort*e; 15*7
het acneomcn der cortsen - paroxysmus lebrilK D. 414 ;
iittfh J. VerronUle'« etym. W.-H. 1890 zu [sankr.] jurtl;
von jvar s glühen (analog, jnra: gara: Karl. Kerl],
ebenso Ten Doornkaal Koolman. Worterb. d. oslfr. Spr.
1882 i nicht zu <i<>»rta [febris], Kleüip. 141, da das „s"
u. d. I'lur. dabei unerklärt bleiben). — Koortsen, pl.
_ die glühende FieberhiUe, Fieber übeihaupt,
sowie lleberhafte Krankheiten, les fievres,
FebreB od. Auszehrungen (l>e Cock 37. ts2. MO);
Petechien, Mnsern etc. (s. nachfolg.), (m> nicht
die ndd. „kurzen" Wlcbtleln bei den „Koortsen" Im
Spiele sind'). — rtiMXrflr«ttdcKoortsen(uylteerendc
kortse. De rock 232) = AuBzehrunjjsfieber. — ein-
gesessene Koortsen (uangezelto koortsen, De rock
2X!) = eingewurzelte Fieber-Krankheiten, welche
gleichsam durch bösen Kinfluss den Menschen
in Benitz nahmen. — heim, (MM] hitzige Koort-
sen (heete, hitteghe cortsen, kortsen, De Cock 232;
Ursen IM) « hitzige (Influenza-) Fieber. — kalte
Koortsen (koude können, Do rock 232) = kalte
Fieber. — ATeWer-Koortsen («dl. kelderkoort*.
Cranell 1*97. 87) - Keller-Uesehoss. — - Kinder-
Koortsen (De Cock 2:r.>) = lieberhaft« Kinder-
krankheiten. — AnörAfZ-Koortsen (ndl. kuockei-
koorts. Züchter lu Z. ndb. II, 2. 4SI) = das Dengue-
Fieber auf Java (1779). welches die kleinen
Gelenke befällt, schmerzhaft und unbeweg-
lich macht (b. Knöchelfieber und Dengue). —
lanqdauernde Koortsen (gedurigbe, laugudurende,
De rock 232) ■ langwtthrende Fieber. — l'est-
(pestighe) Koortsen (De rock 232) = Festlicher.
— /ytTf/c-Koortsen (ndl. peerde koorts; hij
beeft de koort* gellgh een peerd, V.-K. IX, 90) —
ein gewaltiges Fieber. — Purpur Koortsen
(holl. purperko'orts) = Purpein u. Friesel (s. d.) al«
fieberhafte Exantbeme. — rote Koortsen (1770
kwaadartlgo rotkoorts, rotte koorts, De rock 8*. 2.'*.
Dl; schnumr II, 356) = fieberhafter, ruter Haut-
ausschlag, z. B. Masern (Morbilli) u. Petechien.
— ScAartocA-Koortsen (holl. soharlskenkoorts) =
Scharlach tieber. — Schleim - Koortsen inoll.
Mijmkoort*) = Schleimfieber. — schmeiMliche (smet-
telijke Koortsen = ansteckende, fieberhafte
Krankheilen (De rock 23?). — Sehnen- Koortsen
(holl. zenuw koorts) = Nervenfieber. — Spät jähr-
Koortsen (1782 najanrs [Nachjahr] koortsen , Lersch 373)
= Malariafieber (in Seeland, Flandern), Herbst-
fiel,«.,.. _ viertägige Koortsen (l&M Vierde daegbsche
kort«?. De rock in) = Febris quartana. — »
Koortsen - iwlssel koort«; ,.dat de koort* haar
vorsprong heft In dulvels en hek«erij, geldt in de eerfte
plaal* voor de wlsselko orts", De rock 229). — Koort -
sen Leiden, -Siechte.
Kopf, m. (urgerm. cop l?J ■ Spitze, oipfcl ; altgerm.
koppa; goth. kuppa(Vl; angls. cuppc = Kopf, D. 886;
Kopf 395
cugl. Cup - Schale, Kopf; cop - Kuppe, Gipfel,
Kallschm. ; dan. kop = Schale, Schröpfkopf; ein echt
germ. Wort mischte sich frühzeitig mit einem mtlat.-ro-
manischen Worte (ertpa], Kluge * 209 ; ahd. köpf, chuph ;
11. Jahrh. chopf = ocelput, Ur. W. V. 1747; mhd. köpf
= Trlnkgefass, Hirnschale. Kop' [caputj; erst In der
mhd. Zelt ohne Zweifel aus [dem ahd.) Kopf - poculum,
calix entwickelt, das alte „Haupt" (•. d. = engl, head]
verdrängend ; es bedeutete zuerst nur den Hinterkopf
oder das Hinterhaupt als denjenigen Schadeltoll, der
einem Becher oder einer .Schale ähnelt ; die Hirnschale
— Hirnkopf wurde zum kürzeren Kopf und bedeutete
nach Gr. W. V. 1747 ff. (1425; ndd. cop = Caput, Haupt,
D. 99]): 1. m der ganze lebende Menschen- oder
Tierkopf = das altere Haupt (b. d.) sowohl in
seiner äusseren Erscheinung als in »einen
inneren Bezügen (Gr. W. IV, 2. 597) alfl Sitz der
Gedanken, des Willens (u. der elbischen Para-
siten), z. B. Mucken, Grillen, Tauben etc. im
Kopfe (= Gehirn) haben (b. Alp, S. 12). —
2. m (nhd.) Haarschopf (Kopf-Haar). — 3. =
I Stirne. — 4. = Glan8peniB, Rutenkopf.Schwanz-
kopf. _ 5. = Haarwurzel (der Kopf, Kolben
j des Haarfadens). — 6 = das dickere, obere
Ende der Luftröhre, der Hand, des Zahnes,
Schlundes, Armknochens, Oberechenkelkno.
chenB (Platncr II, 341; Kulmus, Kegist.). — 7. =
runde Geschwulstforraen. — 8. - die knopf-
förmige Anschwellung unterm Schröpfkopf. —
I 9 = der durch Krankheiten veränderte Kopf,
I Kopfkrankheit. - 10. = der Träger den Kopfes.
— köpfig * grosaköpflg (r>r. W. V. 1775). — (I8ti>)
AlUceiber Kopf = ein langer, schmaler, hagerer,
hohläugiger Pferdekopf mit hangender Unter-
lippe, traurigem Ansehen (Kalke I, 39; Gr. W. I,
i 275- Mayer 27). — (1551) ausgebrochener (1725 aus-
geschlagener) Kopf = Kopf mit Hautausschlag
(Kxanthema, Ekzema), meist mit Erbgrint (s. d.
U. Grintkopf) (nach Vlerordt 87 die Krankheit dos
13 jahrigen Schiller, 1773; Ackern». 166; Hock 5; »eh-
rend 44). — (1682) ausganaiteter Kopf = ab-
gespannte, erschöpfte Kopfnerven (Olli. IV. 132).
— Biwi-Kopf = ein verworrener (unruhiger
baseln = trippeln. Schindler I. 286) Mensch (Fromm.
VI, 51). — J3au(tt)* Kopf (Schlesien; t:r«|uell II,
139) = dickaufgeblähter Kopf. — blauer Kopf =
Kopf mit Blutbeulen (blaues Auge) und blauen
Flecken (Gr. W. V, 174«). — blöder Kopf = ein-
genommener, wüster Kopf mit Schwächegefflhl
(C. v. Schm. 77). — (1712) böser Kopf ~ ein durch
auffallende Hautkrankheit, z. B. Ekzema capitis
b. capillorum, Porrigo, Favus, entstellter Grint-
kopf (A. v. H. II, 495; Zw. 481; Gr. W. II, 249; V. 1750;
Buck 16; Kehrend 44; Platnerll. 140). — Borken Kopf
= Kopf mit Grintborken (Crusta lactea) (Buck 15).
— ßrr^m-Kopf (ndd , 15. Jahrh. breghen cop =
craninm, D. Ii, inj = Hirnkopf (s. Bregen). —
Data-, Dnmmels Kopf = Tös- od. Taumelskopf
(Schlesien; t'r.|ücll II, 139) (s. Sch würbel-KopO- —
DicA-Kopf, 1. - runder Kopf (Kappes) (Tirol)
bei Menschen (homme tcHu, cabochard) und
Tieren, Pact hycephalus (Buck 12). — 2 = grosser
Wasserkopf des Wechselbalgs (». d.) (Wuttkc)
— Doppel ^ Kopf, l. -eine Missgeburt, z. B. bei
Kühen; einfacher Rumpf, worauf 2 Kalbsköpfe
sitzen (Frank MS; Kraus, K. 159). — 2. - ein Kopf,
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29ü
Kopf.
Kopf
auf dem noch eine grosse Balpgeschwulst als
zweiter Kopf sitzt. — Dreh Kopf = das mit
Drehkrankheit behaftete Schaf (Kopf 10)
(Falke I, 217). — Dusel Kovf (Schlesien; l/r.|Ucll II.
139) = der Trüger eines beduselten (s. Dusel)
Kopfes. — eingenommener Kopf = ein in seiner
Funktion nicht freies Gehirn, dessen äussere
Bedeckung dabei durch Blutwaliung drückend
und wärmer gefühlt wird. — Fisch-Kopf, 1. —
Hechtkopf (s. d.). — 2. = ein Kindskopf mit
ähnlicher Verunstaltung (aufgezogene Nase,
Hammelnase (nach alten Gesetzen sollten die Weiber
Fische essen dürfen in der Schwangerschaft, weuu sie
Gelüste hatten; anderseits sagt das Volk, das« schwan-
gere Frauen dies nicht thnen sollen, sonst t «.'komme
das Kind einen Fischkopf, Y. K. II, 24; engl, the poll
u tisch = Kaulquappe). — Fliegen-Kopf m Caput
muscae, Myokephalon (Pnuli Aej ) = Vorfall der
Regenbogenhaut dureb ein Hornhautgeachwflr
und Verwachsung derselben mit der Hornhaut,
so dass vor derselben ein mfickenkopfförmiger
Gewebsteil der Iris vorliegt (Fliegenmaul). —
— Gä > Kopf - einer, der nur Gänsewein
(Wasser) vertragt (Schräder 49. 243). — (1783)
gekrönter Kopf = der Kopf des Kindes in der
Krönung (s. d.) (Stein I, 163). — [1SU] Oemer-
Kopf (13. Jahrb. keruder, garoer — Karncrkopf, aus
dein lat. carnariutn [Flciachkammer] ~ ossuarlum der
Friedhofe) = ein Beiner Schwarte u. Fleischteile
entledigter Schädel (Hyrti, K. w. 61). - (17. jahrh.)
G/afZ-Kopf (ndl. gladkop, kletskop, V. K. VI, 8) =
Caput calvutn, Calvities, Kahlkopf. — Onatz-
Kopf, 1. = ein durch juckend quälenden tinatz,
(8. d. = Gneissilechte, üneisswurm) grintig
entstellter Kopf (II. Faul i»s). — 2. = ein mür-
rischer, launischer Mensch (bildlich), den sein
juckender Kopf gleichsam fuchst (s. d.) (l'r-
uuell Ii, 139). — Gölten Kopf = Goderkopf, ein
Kopf, der ein Fett-Collier, Fettkoller tilgt
(Hiuk 12). — Go/ren-Kopf — Acephalia spuria,
eine mit dem Golzenteil eines Schubes ver-
glichene Missgeburt mit erhaltenem Gesichts-
schüdel und fehlendem Hirnschndcl (Kraus, f.. s).
— (177«) Grau-Kopf = ein Kopf mit grauen oder
weissen Haaren, l'anilies (Uehrend 6). — (1751)
Grmf-Kopf = die stärker entwickelten Haut-
krankheitb-Formen von Tinea capitis, PorrigO
capitis, Crusta lactea, ein grintiger Kopf, Gnatz-
köpf; (s. Grint); (A. v. u. II, 4M; Ackern. 500; i'r-
>iuell 1S90, Ö. 130. 139; Gebr. Zingerle 11, 198; Pauli III;
Kopp IV, 223. Man betrachtete früher den (Jrfiitkopf
nls „etwas Gesundes", was man nicht vertreiben dürfe,
da der Grint als eine vom Gehirn ansgoschw ilzte Keuch-
llgkeit, die an der Luft eintrocknet un<l eine Krusten-
Kinde bildet, angesehen wurde ; von dieser Feuchtigkeit
[ßptyui — twfeuchtcn] haben die ossa bregmatlca und
der |3pi /nie = Vorderkopf, vielleicht auch das Hreglicn
[s. d.] - Gehirn ihren Namen, Hyrtl, Auat. 250). —
(IUI] Gruw- Kopf, 1. = Hydrocephalus congeni-
tus, der durch angeborene Hirnwassersucht
vergrosserte Kopf (Wasserkopf). — 2. = der
durch Khachitis der Sehiidelknocben grösser
erscheinende Kopf, Capita lata Celsi (nach
Hcunlg in Gerhardt I, 17). — 3. - Macrocephulus,
der Träiter eines solchen (Had. Jun. 391). —
Gn<6c7-Kopf - ein nachdenklicher, grübeln-
der Mensch. — Grtifz-Kopf , 1. - einer, der
Grütze, Gries, Sand im Kopfe bat, Dumm-
kopf. — 2. ^ einer, der skrophulöse Grütz-
beutel, d. h. DrQsen mit Grützbrei -artigem
Inhalte am Kopfe hat (siehe faustdick). —
Haar Kopf = der stärker durch die Mähne
behaarte Teil des Pferdekopfes (Mayer 2s). —
(1781) .Hand-Kopf- Daumen als der dickere Teil
über der Handwurzel (Hippel III, 2. 575). —
.Hasen-Kopf, 1. — ein Kopf mit einer Hasen-
scharte (nach dem Volksglauben eine Folge des Ver-
sehens od. Erschrecket!* an einem Rasen, I'loss-Bartels
i, n06; Kanke I, 154) (s. Hase). — 2. = (1692) ein
breitstirniger, engmauliger Pferdekopf mit einer
grossen Blässe (Stirnfleck) (Gr. \v. IV, 2. 53S; K. A.
3«. 63; Beb. 206). — Hecht-Kopf, l, — dicker, breit-
stirniger, vorne an dem Nasenrücken etwas ein-
gebogener Pferdekopf, wie ihn die arabischen
Pferde haben. — 2. = ein damit angeglichener
Kindeskopf mit Missbildung der Zähne und
eingefallenem Nasenrücken (Gr. \v. IV, 2. 740;
Mayer 27, Falke I, 381; II, 151). — (1CS0) Hinte» -
Kopf = OcdptJt ( - Kopl im U Jahrb., Gr. W. IV,
2 1509). — HYrn-Kopf (hirnecop, D.II, CS-calvarla;
15. Jahrh., ndd. hirnekop, D. 614; II, 117; 1502 hirn-
kopfi) = Hirngefnss, Vertex capitis, Cerebellum,
Cranium (Gr. W. V, 1747). — Holler-Kopf = ein
Kopf mit Hollerzopf (s. d.), durch die Holden
oder die Holla verwirrtes Haar (Wuttke M. 26).
— Huromf/er-Kopf - Bombus, abgestumpfter
(eigentlich hornloser) Kopf (Huck 12). — Hunds-
Kopf, 1- = ein den Menschen erschreckendes
Fabelwesen des Volksglaubens, halb Mensch,
halb Hund, 3 beinig (s. d.) u. mit einem Hunds-
kopfe ausgestattet (.Schindler I, 1129; reters I, 167).
— 2. = Hundsmensel) , Wehrwolf. — Ja nun-
Kopf (nach Kraus, K. 520 bei Zschocke) = eine Miss-
gebtn t mitdoppeltem Antlitze, wieder römische
Gott Janus, der am Kingange und Ausgange
der Thflre (ja""») abgebildet war. — Kahl-Kotf
= Klatzkopf (Rauml. 131). — A'arzcn-Kopf = eine
Missbildung des fötalen Kopfes (Acranius,
Hemicepbalus), die mit dem Katzen- oder
Krötenkopfe verglichen wird wegen der grossen
seitlich gerichteteu Augenhöhlen und der stark
vorspringenden Kiefer (KrOtenkopf) (Samuel 295;
Förster II, 556). — (1684) AanJ-Kopf = ein Kugel-
oder Keulenkopf, ein dicker Kopf, wie ihn
die Kaulquappe hat — Wecbselbalg (s. d., als
Missgebnrl) (Heyne III, S07; , .unartige [d. h. un-
natürliche] nnd verwerfliche Geburten ( — Missgeburten,
Ausgehnrten] pflegen wir Wechsellialgc oder Kaulkopf
zu nennen", 1713, Gr. W. V, 351 ; die Kunst des 17. Jahrh.
stellte Verdammte und Dämonen in dieser Gestalt dar,
vergl. Kielkropf). — AV/U-Kopf (ahd. kclachof =
strutim, ii. i. xv, 528), 1. = dicker Halsteil infolge
von Kropfbildung. — 2. — Kehlknopf (Larynx),
das obere, knorpelige, dickere Ende der Luft-
röhre; (1591) Caput et Ustitim arteriae asperae;
roniuin Adaini, Adamsapfel, Adamsbissen (s.d.)
(engl, head of the wlndpipe; lind. Jun. 22; Gr. W. V,
39». 1769), Luftrohrenkopf. — Kehlkopf- Pfeifen.
— Kiel-Kopf = ein mit Kielkropf behafleter
Wecbselbalg (Schindler 1, 1236; Brandenbg. koel-
koepplje kluger, Engel 205). Klotz-Kopf "dicker
massiger Kopf (engl, elotpftt, Schmeller 1, 1348). —
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Kopf.
ÄVdte-Kopf - Grint- oder Gnatzkof Urquell III,
250). — Kraus-Kotf (holl kroeskopi - ein Kopf
mit kt aasen gelockten Haaren. — Kreut-Kopf
= ein durch Rhachitis ungewöhnlich grosser,
weicher Kindskopf, dessen Fontanellen- Ecken
kreuzförmig weit von einander abstehen (siehe
Wasserkopf 2 u. Sonntagskind); (der Volksglaube
«pricht solchen Kindern besondere Gelehrigkeit xu.
Srhmeller I. 1390; Lammen 118; Zlngerle 76). —
Kriebcl-Kovt = Grflbelkopf. — AVöfcn-Kopf
Katzenkopf (s. o.) (Samuel 295; Forster II, 558). —
krospelichter Kopf - Caput hutneri, der Ober-
arrukopf mit seinem Knorpel-Überzug (Zw. 24).
— AVitnim-Kopf, 1 = Caput obetipum, Schief-
hals. — 2. = ein vorn von den Ohren bis nur
Oberlefze bogenförmig gekrümmter Pferdekopf
[Gr. W. V, 2464) (Ramskopf. — Kurz- Kopf =
Kurzschädel, Brachycephalus. — Lan<7-Kopf ■
Langschädel (Dolichocephalus), als Gegensatz
zum Kurzkopf (iuerkopf). — Lctus-Kopt ^
sin mit Lausen besetzter Kopf, bezw. Trager
desselben (Urquell H, 139). — (18. Jahrb.) Le7*--Kopf
— Kretin, der vom Letzel (a. d.) — Schienz (ahd.
•le*o) veränderte Wecbselbalg des Volksglaubens
(Zürich ; Z f. d. l'bllol III, 33.",). — (166.5) Luftrolircn-
Kopf = Larynx, Kehlkopf (s. o.) (Gr. w vi. 12a).
— AfoArm-Kopf — Kopf mit krausein Haar und
dunklem Teint (Huck 12). — Mollen-, (1592) Mollis-
Kopf - ein dicker Kettkopf (ur. w. vi, 2ü*o),
Gtchwollschädel (ruol = welch, zerrieben, fettle).
— Motten-Kopf - Wuesenkopf [Urquell II, HS).
JfMcÄm-Kopf = 6. Fliegenkopf. — Nagel-
Kopf ■ die Erhöhung beim Augennagel (s. d.)
,Krau*, k. 4«8). — Xiss- .nissiger) Kopf = Kopf
mit Nissen (s. d.) in den Haaren (Gr. W VII, •»«)).
— Niete*-, Noellen-Kopt - der kretinose Dick-
köpf, der einen Noll (s. d.) macht (Z. f d. l'hll.
III. s.v.). — O&cr-Kopf = Oberteil des Kopfes. —
ü hm n Kopf, 1. = Setikopf (s. d.). — 2. = ein
dicker, unten wie oben fast gleichförmiger
Pferdekopf mit breiter Stirne, plumpen Ga-
nssrhen, dicken Lippen (Gr W VII, 11%; Kalke
II, 172; Mayer 27). — Patz- {B<itz-)Kopf = ein
Kopf, auf dem Haare und (irint (s. d.) in einen
Batzen gebacken sind (Gr. \V. VII, 1510; entspr.
rtan. «moerkop, die gegen den l'alzknpf, •Schmerkopf
verwendete lllanzu FlcarU ranunculoide*, Roll. 66).
— Pi - '-Kopf (boll. pealkop, I roucll III, lt.9) -
Träger eines entstellten, durch schwere Krank-
heit veränderten Gesichtes (Kopfes). — Quatsch-
Kopf =■ der Trüget eines kaulojnappenartig ver-
breiterten Kopfes [i rquell II. 20S). — (^inr-Kopf
bnracfKttff, Bück 12) ^ Brachycephalus. — Quesm-
Kopf = der Trauer eines elbisch verwirrten
Kopfes, in dem der Ouesen wurm oder dieQuäse
(s. d., Mottenwurm) als elbischer Dämon sitzend
angenommen wird, ein Mensch mit verrückten
Einfallen (II. l'aui). — Ranis Kopf, 1 = Widder-
ts* Kam-) Kopf. — 2. = ein vom Scheitel über
d. Nasenrücken bis zur (Iberlippe mehr weniger
convex gebogener l'ferdekopf, wie ihn das
Dorische Pfenl hat, ähnlich dem Widder- (siehe
Rain-) Kopf, Krumkopf; (vergl. Ramsnase). —
3. = ein halber Katuskopf, ein w eniger gebogener
Ramskopf 2. — 4. = ein Pfenl mit einem solchen
Kopf (engl, ramshead, Gr. W. VIII, W), Falke II, 151.
Kopf. 297
2^ij. — Rappel-Kopf, 1. ein Kopf, der den
Kappel (s. d.) hat (rr ,ueil n. 209) — 2. = Koller
beim Pferde (Rappel 3). — 3. = das Pferd, das
einen solchen Rappelkopf 2 bat (Gr. w. VIII, 117).
— (17. Jahrb.) rappeiköpfisch, 1. — dem es im
Kopfe rappelt (s. d.\ geistesverrückt. — 2. =
ein Pferd, das den Koller hat (Gr. W. VIII, 117).
— (1591) roter Kopf, l. = rothaarig (Had. Jun. 3vi ;
brennrote Haare gelten wegen de» Fuchse» In der Tier-
fabel als unschön im Volke, obwohl sonst rot = schon
ist [s. rot u. schon]; ndl. goudkop — Goldkopf, V. K.
1. 277). — 2. = ein durch Blutfülle gerötetes An-
gesicht. — Rufen-Kopt - Borken-Ausschlag auf
dem Haarboden des Kopfes (Buck U] (s. Rufe
n. Rufenhaupt ;,. — Run /-Kopf = Rundschädel,
Trochocephalus. - Äu*rAW-Kopf = d. unruhige
hastige Trilger eines Kopfes (H. Paul 36«). —
fi«/m-Kopf= Caput virgae, Glans penis (a. v. h.
11, va) (== Pfaffenzink) — $cAä<iW-Kopf= Hirn-
schale (Gr. VI. V, 1748). der trinkgefflssähnliche
Teil des Schädels (Craniam, Tests). — (IMS)
5< /"'/s- Kopf, 1. = ein Mensch mit Schafs-
gesicht, Ramskopf ähnlicher Nasenbildang. —
2. = eine bestimmte Pferdekopfbildung mit
I schmaler, langer und etwas gebogener Stirne,
die dem Schafskopfe (s. Ramskopf) ähnelt und
als schön gilt (Gr. W. VIII, 204«; Falke II, 269; Seb.
205). — Schenkel - Kopf = Caput femoris, das
kugelförmige obere Ende des Schenkelknochens
(s. Kugel). — Scherbellen-Kopt - ein mageres
Scherben- (Knochen-)Gesicht (Gr. W. VIII, 2864).
— Schief-Kopf, 1 =Torticollis rheumatica, ein
durch Rheuma der Halsmuskeln einseitig steif,
schief gehaltener Kopf (Krummkopf), Caput
obBÜpum. — 2. = schiefgewachsener Schädel,
Plagiocephalus. — 3. - verrückter Mensch. —
Schlägel -Kopf ^ ein kurzer Pferdekopf mit
oberem breiten Teile, unterem schmalen, spitz-
igen (Lippen-) Teile (Falke Ii, 280). — Schlund-
Kopf — der hinterm Kehlkopfe liegende Teil
des unteren Rachens, derohere, dickere, weitere
Teil der engeren Speiseröhre (Fauces). —
Scftimr-Kopf s. Patskopf. — Schorf-Kopf m
Grintkopf. — Schüttet Kopf e Hauptwackelung
(Ouatsehkopf)- — schwacher Kopf = ein Leiden
mit Blodigkeit (s. d.) de9 Haupts (Katarrh). —
S hu inz Kopf = Glans penis (Gr. \V. V, 1769). —
, ScJiceiw»-Kopf = ein kurzer, dicker Pferde-
kopf mit eingedrücktem Nasenrücken bezw.
Stirnbein u. herabhängenden Ohren (Mayer 27;
j Falke II, 151. 304). — Schwindel Kopf = einer, der
Schwindel im Kopfe hat (Schwtlrbelkopf) —
(1,560) Srhwoll-Kopf = dicker Kopf, Schwellkopf
(Schm. Ii. «30 631). — Schwürbel Kopf - das Gefühl
des Wirbels od. Schwindels im Kopfe mit tosen-
den Ohrgeräuschen (Däs-, DHtnel-, Dusel Kopf).
— Setx-Kopt — ein Mensch mit Eigensinn, det
sich boshaft den Vorschlügen widersetzt (Z. f. d.
fhilol. III. 3-- 1 — (1511) Spitz-Kopf, 1 - geg*«n
den Scheitel zugespitzter Turmkopf, Cilu,
Procephaluf, Homo angusti capitis, Oxycepha-
lus, Caput acuminatum, Kephalon (Sad. Jun. 391 j
II. A. Ith. 315; l>. 119, Buck 12). — 2. ■ der Träger
eines Kopfes mit spit/mnusartigcin Munde
(Volksglauben). — sf>i/<r Kopf (hüll Myfk-,.
rrqnell Mi. ifi'.O schiefer Kopf. — StänKopf
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2»S
Kopf.
Koppe— Koppen.
— ein besonders knochenharter Schädel im
Gegensatz zum weichen Kreutkopf. — Stroh-
Kopf — „ein dummer Mensch, doBsen Kopf
gehaltlos ist" (H. Paul 446 ; der bildliche Gegensatz
zum schweren mit .Jerlel Korn gefüllten Kopfdreier). —
— Strübl- (Strobl) Kopf, I. - Kopf mit krausem
Strubelhaar. — 2. = der Träger eines solchen
(s. Strubelpeter) (f. v. Schm. ">14; Buck 12). —
(17-11) &7ufr-Kopf = Capilo, harter Kopf , der
einen StoBB leicht atiHhält (Kirsch 181). —
Trufels-Kopt (ahd.. 9. Jahrh. tnfelskoph (Hattcmer,
IX-nktnale I11>60h] in Beschwörungsformeln auftretend)
= der durch Dämonen in seinen Haaren verfilzte
Holler-, Bilwiz-,Grint-od. Rufenkopf (s. Teufel).
— ToiCTl-Kopf (nihd. tölenkopf, Lcxer), 1. = hohl-
äugiger lebender Kopf (Buck 12). — 2. = Gerner-
kopf (s. d ), Calvaria (IBM; n. 91) — Tottel-Kopf
(udd doddclkop, Fromm. VI, 67) = ein ungeschickt
sprechender, stotternder Mensch. — (1647)
£r£-}Kopfl 1 = dio Trud fr welche
nach dem Volksglauben an die Betttarge
trottend Krankheiten, namentlich Alpdrücken
und Trudenzopf, bringt (Z. d. V. f. V.-K. lsstö.
.S. 216; n. de« Verf. Volksmedizin, S. 23) (s. Bett-
Zairle). — 2. = ein Kretin, der von der Trude
zu einem Wechselbalge (». d.) verwandelt
wurde (z. f. d. Phllol. in, ss«i). — (i.vjoj Tünnel-
Kopf = Schwindoikopf (Ur. w. Ii, 1788J. —
Ten üdItTr \ KoPf- 1 = Verrückter, dessen Kopf
und Gedanken sotusagen an eine andere Stelle
verrückt sind, Wahnsinniger. — 2. = fehler-
hafte Haltung des Embryokopfes, der gegen
die falsche Seile umgewendet ist. — (loisj
verhüllter Kopf — ein bei der Geburt mit der
Glückshaube (Helm, Sturmhaube, Hütlein,
Käppiein) bedeckter Kindskopf (Coler, lt. A. 347).
— Vttie Köpfe = ein gleichsam mit kleinen
Köpfen versehener, mit Balggeschwülsten
(Atherom.) besettter Kopf (Schmidt IS] s. Doppel-
Kopf. — Vogcl-Kopt, 1. ~ ein Mensch mit star-
ker Habichtsnase (Huck 12). — 2. =- eine Zwerg-
bildung mit Vogelgesicht (Naturspiel?), z. B.
Pobus .länos aus 1'ngarn (is»>). — Vor Kopf
b das Caput succedaneum (engl, forehead), Vor-
baupt), die meist am Vorderkopfe bemerkbare
Geschwulst (Cephalhaemntom) bei neugebore-
nen Kindern (Kneipp 146). — Wasser- Kopf,
1. - Ansammlung von Serum- Wasser im Kopfe
( H vdroeephalus chronic); (der Aberglaube dnlwi
s. I'loss-Bartels II, 507). — 2. — der rhachitische,
grossiie wölbte Scbildel (h. Grosskopf 2). (Nach
dem Volksglauben Millen die Wasserköpfe nicht selten
ein frühreife«, erregtes Seelenleben bekunden, diu*
lebhaft glänzende Auge iRehange] <ler rhnchitlxchen
Kinder mag wohl die Veranlassung zu diesem Ulaubcn
sein [». Kreuzkopf]). — hitziger Wasserkopf -
HydrocephaliiB acut. inf. fieberhafte Gehirn-
bohlenwRssersucht (s. Ver-meinen 3) Morbus
cerebralis Whyttii (t7l 1—1766). — (1787) Weli-
Kopf ■ ein schmerzhafter Kopfausschlag (Im-
petigo). — HVi*s- Kopf = Kopf mit silberweißen
oder hellblonden Haaren. — icildcr Kopf —
ein Grintkopf, bei dem sich der I lautauHScblag
entzündet hat (s. Wildfeuer, Wildnis) (ehr.
8am. Ii, 39). — Wolfs-Kopf - ein Mensch mit
einem Wolfsrachen (s. d.) als tierähnliche
Missbildung. — Wotfen-Kopf ■ Kopf mit sogen.
Wollhaaren (Mohrenkopf) (Buck 12). — zer-
brochener Kopf = der Träger eines zerrütteten,
verwirrten Gehirnes, Geisteskranker. — (M8J)
zersih wollener Kopf = ausgedehnte Anschwel-
lung des Schädels durch Uedem a capitis,
Erysipelas faciei (Bock 162). — (1807) zurück-
geschlagener böser Kopf = s. zurückschlagen
(Ackermann 3%). — Zu; Kopf = Doppelkopf
(Krau«, E. 150). — Kopf- .-1 der, -Angst, -Anthrax,
-Bein, -Blödigkeit, -Brechen, -Brunnen, -Drehe,
■Druck, -Drüse, -Fieber, -Fleisch, -Fluss, Frais,
-Geburt, -qerecfit, -Geschwulst, -Gicht, 'Gichter,
■Grint, -Haut, -Karbunkel, -Katarrh, -Kolik,
■Krankheit, -Laus, -Niss, -Pein, -Pfanne, Räude,
■Rose, -Schabe, -Sclielm, -Scherbe, -scheu, -schiech,
■Schmerz, -Scliwarte, -Schwellen, -Schwindel,
-Seuche, -Starre, -Stimme, -Strenge, - Typhus,
•Ungeziefer, - Unsinnigkeit, - Wackeln, - Wasser-
geschwärlein, -Wassersucht, -Weh, -Wehtag,
-Wirbel, -Wunde, - Wut, -Zu/all.
Koppe, 1. ss s. Kuppe. — 2. = Ochs mit
kurzem Hals und dickem Kopf (ahd. chape «=
eaptto, schmellcr I, 1271). — 3. = Koppen, Kapaun,
s. kappen.
koppen, Kopper, m. Köpper, koppeln,
koppezen, köbeln (köcken) (u. Jahrh. koeppal*
= aufstocken und aufstossen machen, <;r. W. V, KS*;
IUI kopier, Kr«utw. XI. III; zu kopp, m. — ruetns fl571],
den kopp [kok]-Ton laut werden lassen, wie der kop-
pende Habe, <;r W. V, 17H4. 1790, vielleicht nur ein
angewandtes kippen = plötzlich umschlagen, nach
o»>cn schnappend aufsteigen). 1. = aufstossen aus
dem Magen, kotzen, rülpsen (1632; Fries it»;
A. v. H. I, HV2), den Magen umkippen, umwenden
(Gr. W. V, 17S8), wiederkäuen, Ekel empfinden. —
2. = heftig atmen, nach Luft schnappen mit rülp-
sendem, kuppendem Köck-Tone (bei Pferden,
die dabei ihre Zähne auf die Krippe aufsetzen)
(Schw. ::.v») (pipaken, 8. d.). — 3. — husten bis
zum Erbrechen. — (lösi) der Kopp, Kopper
(llaii. Jim. 378) (Köper, Kiper), 1. — der einzelne
Rnetus, ßombus («:. v. Schm. 32lj, ein volksüb-
liches Zeichen normaler Verdauung, Magen-
wind, Koppezer ((ir. w. V. 1791). — 2. - das kop-
pentle l'ferd (l. cod.). — 3. — der rülpsende Mensch
(I. cod.). — 4. = ein trockener Katarrh der Brust,
wobei nur kuppend gehustet wird, ohne Ent-
leerung von Schleim. — koppeln, (1483) koppeln,
koppezen, köppizen öfters aufstossen (Schm
I, 1272). — mit der Kehle koppeln -- nach Luft
schnappen unter Kehllauten (Schindler, 1. eod ).
— koppet — das Koppen habend <<;r. W. V, 1791).
— (184;!) Luft- od. U'iW-Kopper - ein nach
Luft schnappendes, ohne aufzusetzen kup-
pendes l'ferd (Falke II, 440; Ur. W. VI, 12-57) im
Gegensatze zum {]m] ggtw». j Kopper " ein
l'ferd, das beim Koppen die Zähne auf dem
Krippen-Barren aufsetzt Herbst is; scn. 222). —
Kopp- Ton.
Koppen, pl. - Huppen (s. d. u "; Furunculi,
Akne) (Zw. 82; d»n. kopper = Blalternpustel ;
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Kor— Korn.
Korn.
kopper — Kinderbeuern; hopar-koppan t — blatter-
narbig; schwcd. koppor, koppaerrlg, Herer 7).
Kor, m. — KoT-tcachen.
Koralle, f. (579 coralcs, Schnurrer I, 110) = rote
Hautpustel.
Kordel, f. (Int.-griech. chorda; fr«, corde; ci>rdelle
— Schnur; ndl. koord; schwed. koertcl = Schilddrüse ;
balskortcl — Mandel. Pierer 7; dän. kjertelsvag —
drüsenkrank ; begrifflich) = Stränge! (s. d).
koren (»25; ndsAchs. coren ; 1768 koeren, D. 621»)
= vomere = kolleren (s. d.; ko[lleJren).
Kor s. Kör.
Korb, in. (zu einem ererbten altgcrmauischen Wort
[da* Korb bedeutete] wurde in jüngerer Zelt [da« Int.]
corbls eutlehut, Kluge', 183; ahd. korb, chorp, churlb
[ corbU], mhd. korb — geflochtenes, tragbares (Ma)i
1. = Behälter für Organe des Menschen. —
L'. — eine Pferdekrankheit, eine Art von »Spatz
(vom itol. corba oder franz. la courbe, Gr. W. V, 1804)
(a. Kurbe 1). — Brust-Korb = Thorax (Rippen-
korb) als bewegliches System von Knochen-
Kpangen, die die Brusthöhle umfassen. — (1677)
£i'er-Korb = Eierstock, Uvarium (HyrU, K. W.).
(17«) Loffel-Korb = der Mund als Behälter für
diu mit dem Löffel zuueführten Speisen (Bauern-
regeln, s. SM). — (i5«>0) Nonnen-Körblein = Vulva
i<;r. w. V, 211; VI, 884). — Rippen-Korb = Brust-
korb, den die Rippen (Wirbel und Brustbein)
für die Brustorgane bilden, Thorax.
Kork, m. 1. ■ (nd.-f.ach».. = Kolk, Falke II. Sil;
(= Wasserstrudel]) , die Wassergeschwulst bei
leberfaulen Schafen (Knlke II, 83). — 2. = (an» lat
rortci ; ital. scorza; span. corcho; ahd. scorza[9ebcrtzlJ ;
ndl. ai-hors — Binde, Kork; 1663, ndl. kork; engl, cork
- Kinde, Kindenbolz. Kluge*, 210). — Ftriz/er-Kork
= die rauhe Haut in der Hohlhand («. Finger-
lohn), die sich wie Kork anfühlt, namentlich
bei Seeleuten, Taglöhnern etc. (Kalt-cl.ra. I, 569).
Korn, n. (vorgcnn. grno m [gninum] ; gein.-gerin.
korna— da« einzelne Getreidekoni, Kern; gotli. kaum;
ahd. korn ; mhd. körn ; engl, corn, Kluge*, 210 —
kleiner, rundlicher Fruchtkor j>cr, bildlich gebraucht
lür) korngrosse, kornähnliche Auswüchse; a)
namentlich am harten Gaumen bei Tieren und
Menschen, korngrosso Anschwellungen (sieho
Kern) [Niederbayern) , auch beim Zahnwechsel
der Fohlen vorkommend (s. Grane); b) Haut-
ausschläge (1508 korn - glandula bei «Innigen Ferkeln,
Gr. W. V, 1820; 16. Jahrh. körnig, cornich - innig
[vlnnieosns, naevosus], tir. W. V. 1837}; c) (15.« k..ru-
kin; 1592 kornlln der lelfel genannt, Seb. 178) = Drü-
senanschwellung o. Bildung von Granulalions-
geschwülstcn beim Feifei (s. d. u. Kern) (Tabern ;
«r. W. III, im); d) Korn =s die Kleien-. Malcrie
(fi. d.) im Urin (Mag. iiarthol. io3a). — Körnung
. Kornbildung, Granulation. - (,7W) Jjjj*
Korn - Ohnlazion, Granum bordei, Grützbrei
enthaltendes Gerstenkorn von der Grösse eines
Hirse{Brein)-Korn8 (M. H. L. !, SS; D. 40). — (1645)
Geraten - Korn , 1. ■ Hordeolum , Chalazioii
(Augenhaber) (MM eyn gerMeukorn im äuge, i>. Ii
20'.; 1777 = Sycosis, D. 532; crithe, D. 15»; Zw. 221 ;
Coler, II. A. 118; Du Cange VI, 57; Brlss. 110, 301;
A. v. H. II, 802; Pistner I, 242), grain d'orge, les
orgeolets, le compere loriot, Hagelkorn, Augen-
gerste (s. d.; älter ist Haber, s. d.); man nannte
es vielleicht deshalb Haber oder Gerstenkorn,
weil man den mitessenden Elben (s. Mitesser),
welche als Maden, Werren od. Würmer (siehe
Wurm) das Ühalazion verursachen sollten,
Gersten- oder Haber-Xhren (auch Fleisch) vor-
hielt, damit die verzauberten Dämonen durch
„Transplantation" in das Korn hinein sich be-
geben (vergl. die allen Volksmittel der Edda [Jordan
2M], unter welchen die Ähre als Zaubermittel gnlt ;
Mannh. Baumkult 17; Schindler 181 ; Kugel. 264; die
Kurmetbodo gibt in der That hie und da den Namen
für die Krankheit, vergl. Rlumen-Flck). — 2. = das
erbsen- bis bohnengroese Hankkorn, Milz-
brand beim Schweine (Zlpp. 672; Merk 26»;
Falko i. .tu). — Grie*-Körner = rundliches,
griesgrosses, kornäbnliches Harnsediment. —
(1748) Hagel-Korn, 1. = Hordeolum, Chalazion,
Grando, vielleicht entstellt aus Haberkom,
korngrosse Entzündung der Augenlid-Drüsen
(A. v. H. II, 201. 723; Platner II, 36; K. ch. 225). —
2. = auch die verkalkten, steinharten Beste
des Hordeolum. — .ötrÄi'-Korn - Hordeolum,
Chalazion (Gerstenkorn) {Gr. W. IV, 2. 1572). —
(1754) MW-Körner — die sogen, blinden Hä-
morrhoiden, die als geschwollene Köpfe o<ler
kornähnliche Blutknoteu der Mastdarm- Venen
erscheinen (A. v. H. I, 7U; Gr. w. VI, 1719). —
Mutter-Koni- Brand. — (1699) iye/frr-Körnlein
= kleine, livid gefärbte, korngrosse Pestblat-
ter, aus der sich ein schwärzlicher Pfropf
(Butzen) entleert, „so aber au* solcher Pcst-Hitzc
Fcnerblatterlein enUtehcn ohne Kiterung von allerlei
Crosse und Farbe, so bekommen «le den Kamen Pfeffer-
körner, persisches Feuer, Jhelsser Brand", v. M. 11,
102. 152) (wegen dieser Ähnlichkeit des Haut-
ausschlages mit Pfefferkörnern heisst man die
Krankheit auch Pfefferpest, s. d.). — Ran-
{Ron-, Rank-, Ranf) -Korn (-Horn) „ein in
alten Glossarien vielbezeugtes Wort" ; mhd. rankorn ,
13. Jahrh. rankkom — anginn. I». 35; 1170 rnckkoren;
1483 rnnekorn, 15. Jahrh. rantkorn, rnnkhorn, rankorn,
rankborn ---= porrigo, lnflrnilins poreorum [ab: porcus),
I». 418; Lcxer 192; Kluge 293; Kon Korn, Schin. II,
loa), 1. = eine kleine, korn- oder erbsengrosse,
anfangs weisse, später schwarz werdende, bran-
dige, rtinde Blatter, welche den sogen. Hank
(s. d.) hervorruft, am gefurchten Gaumen der
Schweine (Milzbrand) und Hirsche (= Maul-
o.ler Gaumen-Anthrax s. d., Klamm) (Ziemten,
Hdb. III, <70; Kluge*, 293; V.-B. 69; Fuchs II, .'96;
<.r. Vi. V11T, 108; Bchmeller II, 102; llnrdcleben 1, 300;
das Itankkorn [s Kornkind] wird , .gelost" und heisst
auch [1731] Kau Horn [verstümmelt]. A. M. .30). — 2-
(übertragen wie Kauk 2) die Cynancbe (Diph-
therie oder Croup) beim Menschen (Gr. W, VIII,
108). — Rankorn — frangeude Bräune oder
Hank-Korn, Kenkkorn, wobei der Hals gerenkt,
gestreckt wird (s. Hank). — fl7s-j) Sand-Korn
«las verhärtete mit Kalksalzen imprägnierte
(ierstenkorn (M. H. L. I, 38), - Körner , Korn
Enget, -Kind, -Krankheit, -Staupe, -Muhme.
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300 KorpeI-Kotz(e).
kotzen— krachen.
Korpel 8. Knorpel.
Korporal, m. (frz. caporal ; 1600 , »ehm. I, 1295)
^ Kahlkopf, der ein Caporale trägt.
Korpulenz, f. = Polysarcia, ein fettreicher
ZusUnd des Körpers.
Korst b. Kruste.
Kortsen a. Koorlsen.
Kosak (Kossack) s. Sack.
kosen (ahd. kösön ~ Gesprach fuhren, plaudern ;
uihd. k"8*n — [hessisch-thüringisch. Zip«]. Kluge *, 210).
— abkOSen (delirare, Schweiler 1, 1190; II, 55) =
geistesabwesend sprechen, plaudern.
Koss. — Ko&s-Hauch.
Kot, in., n. (Koat) (indotremi. o,u = caccare; In-
disch «|Utha- cxcrcmcnta; vorgertn. , ;. •,!> . [•. kellig] j
goth. qeda; ahd. <juat; mhd. köt, qua», kat = Bierens,
Kluge», .»II ; 15. Jahrh kantt, quadt, D. Kl; 1691 koat
— alvu«, exerementuro, Mad- Jun. 20; 1092 kat — L'nrat,
Schmutz, l>reck, Seb. 94); nach Gr. W. V, 1»90, 1. =
Angriff (s. d., Milzbrand od. Anthrax) (Schwele)
als Viehseuche. — 2. ■ fliegender Brand (Rausch-
brand) als Viehseuche, beide (1,2) mit schimpf-
lichen Namen belegt wie bei Dämonen (siehe
Schelm). — 3. = s. Kaal, Ouat. — kÖtig = kettig;,
ketschig (s. kettig). — (1609) (verhaltener) Bauch-
Kot = (zurückgehaltener) Stuhlgang (Guar. 871).
— Bleistift-Kot = ein dünner, bei Dartnver-
rengerang eintretender menschlicher Kot mit
sehr geringem Durchmesser wie der eines Blei-
stiftes. — (IM. £r6-Kot — Mekonium, Kinds-
pech, Sordes infantium recentium a partu, das
erste, was das Kind oder Füllen entleert und
sozusagen von seiner Mutter mit erhalten hat
(<Jr. W. Iii, 727; V, 760; Herbst M ; Kalke I, 257). —
Heiden-Kot — der Krbkot oder das Kindspech
der noch nicht getauften Kinder (Mekonium)
(Gr. W. IV, 2. 800). — (1583) Rnsb Kaat i : ose - K ol
(Gr. W. VIII. 1266). — Mntrr-kötig s. Köte. —
Kot-.fi/aMcr, -Erbrechen, -Fistel, Fleisch, Sack,
-Stein.
Kote, f. s. Köte.
Kothc , f. (angls. eodha = l'cttkrnukhelt . Kuhn
Zcitschr. V, 301 ; nord. kudua ~ marcc«ccrc ; 1120 rede
kotbe an der »ythen = hesper [ - herpes] , ennceus
1-cancreus, Kleba), noli me tätigere ; 1 »76 ein slecbtum
der lu den rlppeu geswillt, D. 276) = roter (Krebs )
Karbunkel (s. Rohr mich nicht an); (frcKnau
cot he j angls. - mlsererc. Schw. 213= ? freiig Jwreng]-
cothe, Windende, krimmende Krankheit).
Kotter s. Köder.
Kotz(e), f., BD, (Kötzle) (ein spezifisch deutsches
Wort; ahd. kozzo , in. chozza, f.; eozun = eureullo
[Engerling], l>. 163; GrafT IV, 039; mhd. kotze, m. =
grobes, zottige* Wollzeug, Kluse 211), 1. — einge-
trocknetes Sekret unter behaarten Stellen:
a) Augenbuttcr (Augenzieger, Augenkäse, Au-
genbutze), (iramiae an den Augenwimpern;
b) Eiterbläschen, Pustulae («. Engerlinge, Mit-
th.-ei ) auf der behaarten Haut (Sofa Waben; tir.W.
V, 1901 ; BcJuneller I, 1318; C v. Schm. 823; Ituck 19).
— 2. = behaarte Stellen am Korper, Vulva
(l'uhes) (f. v. Schm. 207, 323; die Kutz KueUen —
Kotze, Schm. 1, 1308; davon kotzin — Hure, Schm. I,
1317). — 3. = s. auch nachfolgendes kotzen. —
kotzig = voll Eiterbläschen (C. v. schon. 323). —
(1&87) Augen-Kott = Kotz 1 (Gramiae) (Gr. W I,
905; II, 590; V, 1901; D. 268). — Kotl I . ;./, -Sucht.
kotzen, kotzen, Kotzen, n. Kotz, n., m., f.
Kötze, f. kuetzen, Kotzung (1476 koczung ~
nausea, D. II, 262 ; 1482 kotzen = vomere, Zen. Voc. r 1 ;
1490 koczen ■ vomere, Sehmelier I, 1318; 1029 kotzen,
Paraccls. ; 1512, 1591 kolzung = vomltus, Had Jun. 378 ;
D 629. kotzen. Tabernaemont). „Obwohl im 10. Jahr-
hundert erst auftretend, doch sicher weit alter; der
Ijiiit des Hustens und Würgens, der das Krbrecbeu be-
gleitet, ist gewiss der eigentliche Inhalt des Worte*"
(Gr. W. V, 1906; „wohl aus kökexen", s. kneken,
U. Paul 259), 1. = sicherbrechen ( vomere ; zskr. ram ;
franz. vomlr, gomlr [s. gerben]). — 2. = übel werden
zum Erbrechen = „mir kotzet". — 3. - kraftiges
Spucken. — 4 — starker Husten mit Auswurf.
— 5. — räuspern, die Kehle reinigen durch Aus-
wurf (= Kotz, Kotze) (Westerwald, Elfel, Thüringen,
Sachsen; Gr. W. V, 906. 1900; Buck 19). — (1669)
kotzern - öders zum Erbrechen reizen (Schm.
I. 1318). — Kotze, f. 1. =die Thätigkeit beim
Husten oder Erbrechen. — 2. = das dabei Aus-
geworfene. — Kötze, f. L — (Futter- oder Hress-
Korb [Kotze, Kieze), Kluge*, 185). — 2. = (damit ver-
glichen) = dicker Bauch (Gr. w. v. 1904). —
| (1741) Kotzer, m. l. = der Vomitor. — 2 . = der
Screator. — 3 = der Husten selfast (Gr. w. V,
1907; Schm. I, 1318; Kirsch 784). — Kotzete, f. =
da« Erbrechen, das Erbrochene (Gr. W. V, i9oa).
— kotzieht ([16. Jabrh.] kotzerlieh, [1684lkötZerig
[külzig, kizigj) = vomitorius, Erbrechen erre-
gend (evomens), verschleimt (mucosus) (Gr. w
V, 1907, 1908). — Kotzigkeit = Phlegma (s. d.),
Katarrh, Schleim (Gr. w. V, 1908). — Blei Kotze
s. Hültenkotze. — ää«<m-Kotz(e) = (s. Hütten-
Katze) Colica saturnina «. mineralis, s. picto-
rura, Erbrechen bei der Kolik der Blei-Arbeiter.
— hau/m kotz-7 I. i« = eine Pferdekrank beit
(Influenza mit Husten, Kotze) (Blrllnger II, 9, 243).
— (gelbes) Wasser kotzen = Herz wasser, Magen-
wasser (mit gelber Galle) erbrechen (Gr w IV).
— Kotzen- Jammer
krabbeln (krabeln, Kräbel, Krabler) (voiks-
etjmologlschü Anlehnung an KrabW [der nordische
Meerbewohner], mhd. krappein, krabelen [Iteraliv-
| bUdiing zu graben, s.d.). — krabbeln, 1. ■ kratzen,
mit den Fingern tastend graben (Gr. w. V, lult).
— 2. - kitzeln, ein krabelnde?, gl abendes Jucken
empfinden (Gr.W. V, 1911, 1912; engl, grapple, grabble).
— Kräbel, f. = die Kratzwunde, Schramme
(Gr. w. V, 1914). Krabler, 1. = der dritte, vierte
und fünfte Finger (Gr. W. III, 1650) (vgl. KrafH).
| — 2. — ein langsam gleichwie ein Käfer sich
fortbewegender Mensch, Kralewatsch (Schm. I.
1308). — brgrabeln (er hat sich wieder beitrawwclt.
z. d. v. f. V. K. 1891, 187) - er hat sieh wieder aus
dem Bettgrabe aufgerichtet (s. Bell), steht wieder
auf. — CMr-Krabler = der kleine od. Ohrfinger
mit dem man im Ohre krabbelt (s. Ohr-Finger,
S 147).
krachen (krachezen, kräckeln kräglet,
kriegletl) [vorgerm. Kfg, B«rm. krk ; goth. krakta;
I ahd. chrahh.On; mhd krachen, KliiRe", 212 — einen
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kracken— Kr» he.
Krämer— Krätze.
M»1
scharfen, kurzen Schall od. Knall geben ; nach Gr. W.
i:ma , 1922). 1. - das Krachen der Finger und
Gelenke, CSrapillM. — 2 - das sojrcn. Kraehen
des Herzens (Herzkastens, Herzbttndels) bei Ol
Sterben (nihd. herzekrachcn , Lcxer 99; ICH da**
der herzbendel kracht, Flichart; Fromm. VI, 329;
bildlich). — 3. = das Krachen der Stimme, (1447)
des Brustkastens, des l^ibes (Alvus) (engl,
rracker = podex, Kaitschin. I, 148 ; Schm. I, 1308). —
4. = das Krachen des l^eihes (Kippenkorbes)
im Alter = kränklich, gebrechlich sein (Schm. I,
j3.jfl). — 5. = das knickende Gehen wie mit
krachenden Knochen, wie eine Kracke = Schin-
derroähre (Gr W. V. 1923; Schwabei.). — krach.-! n
(krächeln, krachen) = seufzen, mit krachender
Stimme stöhnen, näselnd reden, heiser, lallend,
mit gebrochener Stimme reden, rauh hnsten
(Schwaben; Gr. W. V, 1916; Lippe; Fromm. VI, 217).
— kräglet (Schwei«) (krieglet [Bayern]) = mit hei-
lerer Kehlesprechend (Gr. w. v. 1965). — Kracher
(Krachsler), Krachezer, l. = ein alteregebrech-
licher Mann (ahd. krekil = krank. Fromm. VI, SOI ;
Back 12; 8ch melier I, 1360); (verj<l. Krackler). —
2. =■ Sputator, ein Kodcrer, der heiser ist u. viel
ausspuckt) (Schweiler L c. ; D. 549). — Krach(el)-
Brin, -Husten, -Wadrl.
kracken (gracken, gräggeln, krecken,
Krack, Kracke, Kräcker, Krackler) <*u
krachen, s. o ), 1. = mit krachendem Tone aus-
werfen, rülpsen (krachsen, krachezen) (Bayern),
(«ragKlen) (Schwel«; Gr. W. V, 1931). — 2. = ein
Glied verrenken (unter Krachen). — 3. — die
Glieder knacken, krachen machen (Tirol; Gr. W.
V, 1931). — Krackler (12. Jahrh. chrachender, Graft*
IV, 589) = ein vor Altersschwache in den Knochen
krachender Mann, decrepitus (Kracher, Krachs-
ler, s. o.). — Krack, Kracke, f. = decrepiter
Zustand eines durch Alter oder Gebrechlich-
keit gekrümmten u. arbeitsunfähigen Kranken
oder auch eines schlechten Pferdes (Schräder >6),
eines rhachitischen Kindes (Island, krackt ** tcnel-
lus puer, Schm. I, 1362; Gr. W. V, 1928; Mittelrhcln ;
Schwaben). — Dein Kracker franz. etre bancroche
- arolr les jambe* (= beln, ban] crochues [crach] =
rhachltlsmc, französisch gemachter deutscher Aus-
druck. Brise. 155) s. Krachbein. — Laus Kräcker
= der die Läuse mit krachendem, knackenden
Tone U)teiKl6 Daumen (ndl. luUo kraker, V. K. II,
142; Hlntner7. 17). — wrrkracken (UMj Schm. I,
1362) = verrenken.
Kräbel s. krabbeln,
krachein s. krachen.
krächzen (krächzgen) (zu krachen, s. o. ; ahd.
chrocchexan = krächzen, crocelzan; mhd. krorhzen) =
«las Ach und Krach bei schwerer Arbeit (Ge-
burt, Krankheit), kreisten, seufzen, stöhnen
mit mangelndem Atem (Gr.W. V. i»25, Kluge*. 202).
Kräcker s. kracken.
Kräfler s. Kraftl.
kräglet s. krachen.
Krägli (krägeln) B. Kragen.
Krähe, (- <ier krähend* Vocel). — Krähen-
•Augr, -Schnabel.
Krämer, m. (Krämpl) Krammer, m. ( - der
eine Krame [Zeltluch libcr der Ware] hat. Kluge*,
212), s. Kramm. — Beinl Krammer (Bayern) =
/'".'. t, Kranipel (Bayern) — der Tod, der seine
Knochen im Skelette auskramt. — Edelstein-
Krammer — einer der mit Akne rosacea oder
Karfunkel-Nase (s. d. und s. Weinhandel) be-
haftet ist, — Prozets Krämer = 3er am (Juern-
lanten-Wahn (s. d.) Leidende. — Krämer-
Flechte, Kräfte.
krämpeln = kratzen, wie mit einem Krllmpel
(Wollkamm) (Fromm. VI, 334; Heanzen, Ungarn).
Kränke (kränken, Krankling s. krank.
Kränzli (Kränzchen) s. Kranz,
kraetsch, 1. - grätisch. - 2. = krötisch.
Krätze, f. (Krätzen, f.) Krätt, f. (zu kratzen
[s. u.]. Kluge 214, zuerst sanskr. nagha = die Nagende,
Gr. W. VII, 270; auch kba*A = Kobold-Mutter genannt,
well die Kraue früher als ein böses Wesen aufgefassl
wurde, Bietet in ZelUchr. f. vergl. 8pr.-Korsch. V, 336 ;
aber auch 1. eod. sanskr. pAman a Kratze, die dnreh
pA maghnl [Schwelel] vertilgt wird. „Vielleicht Ist es
nicht zufällig, dass gerade für Krau« und Ausschlag
mehrere übereinstimmende Benennungen sich in den
indogermanischen Sprachen Huden; denn diese Krank-
heit musste bei dem Schmutze und der ITnreinllchkelt,
von denen wir uns das l/eben der l'rzeit begleitet
denken müssen, besonders häufig sein"; auch ahd.
fehlt „Kratze", dafür riUidc, Jucken, grint [s. d.]; erst
mhd. kratz, kreU; 1480 die krett. II. Foltt; Gr. W. VI.
177; ndl. krett, I>e Cock 347; 1618 kraelzln, f. = syphi-
litltchcs Kxanthem, Paracelsu«; IT. II, 77; 1782 kratze
— Aussalz, M. H. L. I, 70, 75; Krälzenblume sa Chcli-
donlum majus. Roll. 196; Afel- [«. d ] Schlnn-Kraut ;
Krätz-Heil = Fumarla [ - Alpraule oder Grlntkraut],
Roll. 206; Xeu-Rupln Kratt, 1., Z. d. V. I. V.-K. 1897.
8. 65). — Krätze = jede Krankheit der Haut,
die zum Kratzen derselben (ahd. jukldo, s. Jucken)
oder zur Abschabung der Haut (la grateile,
la pale, le räche, Schäbigkeit) Veranlassung
gibt ; demnach, 1. = Scabies, Milben-Krätze und
alles, was man früher unter „Kratze" verstand
(1482 die kratze = Scabies. Gr. W. V, 2073; dasa Para-
siten die Veranlassung dazu sein konnten, vermutete
man schon im 12. Jahrh. [s. Siren - slrones, Brlss. 232];
aber man [z. B. Hahncmann] hielt slo lür etwa« Zu-
fälliges, Sekundäres, das man nicht vertreiben noch
i zurück verhalten sollte [s. Psora, Kratxesiechtum, Krtttz-
■ stoff], wenn man nicht die Konstitution durch Meta-
stasen verschlimmern wollte, Kichh. II, 298). — 2. =
die „Räude" (s. d.) als Hautkrankheit der Tiere
(Schal«, Gnatz, Gneis), die sieh (im 16. Jahrb.
beiläufig) von der Krätze (Räude) des Menschen
trennt. — 3. = Mauke der Pferde (*. Mauke)
und der Milzbrand der Schweine (1699 = la «öle
du porc — la rogne, v. M. I. 77; Brlss. 230; Gr. W.
V. 207d; nerbst 145). — 4 = 1'rurigo, Pruritus,
weil mit Jucken verbundene Hautkrankheiten
(Behrcnd 35; 14. Jahrh. kratz = pmrigo, Voc. opt.
W. 40; 16. Jahrh. die kretz — prurlgo, <ir. W. V, 2073).
— 5. - Herpes (?) (Sielermark ; Kossei) It, Kkxemn.
— U. a Psoriasis als abschuppende Flechte. —
7. - svphilitische Exantheme.— 8. ^ Synonyma dei
alleren Autoren (nach Behrend 35) i Psora ( - Impetigo],
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•Mi
Kratze.
Krälze.
Kuesmo* (x\<iC<o = kratze), Knisinos, Hysmos der
Griechen, Kcabrilies, Seabretudo, Seabrilia cutis. Scabra,
KultiK". Kcabrosilas, Bcahrcdn. Asperilas sordida (Du
fange), I'noriasiMNeunuinuMM), LepnfA.T. EL I. 120*),
Psydracia; franz.« >n. ]a mau vaise Ja charmante | Urins.). —
krätzig (mbd. kretzobt — scablosus. <ir. W. V, 2U81 ;
1482 kretziger = pruriginosus, entieu«. inturtu«, Gr. \V.
v. 20SI ; D. 30«, 469), 1. = mit der KrüUe behaftet
(scaliioBiis) , laudig. — 2. = schäbig, äußer-
lich ekelhaft (<;r. W. V, Jost). — Krätzigkeit
(Krätzige), f. (1561 Scabies; 1591 prurlgo, Had. Jim
304; Gr. W. V, 2us2) = der Zustand des Behaftet-
seins mit der Krätze. — krätz'dn - kratzen
'Gr. \v. v. 207'.). — (1699) Krätzlein, 1. ^ ein gut-
artiger, krätzeähn lieber, leichter Hautausschlag
(v. M. II, 130). — 2. ~ s. kleiner Grint u. * — (1794)
ächte Krätze = die wahre Krätze (Behrend c), die
aber erst mit der Kntdeckung der Krätzemilbe,
Sareoptes scabiei hom. (Hebra), »cht und wahr-
haft befunden wurde. — ägyptische Krätze =
(149«) Nu iisi egipeinea (Kracostoro, Lopez de Villa-
lobM, Pr. 1, 67; Ii, 151) = syphilitisches Exanthem
(in Ägypten soll die I.nes nach dienen Autoren schon
hingst gehaust haben). — , /»kratz. / (mhd. onkreuic,
Gr. W. I. 387 ; V, 2072. 2081) = mit der Kratze an-
gesteckt, behaltet, räudig, mala prurigine in-
fectufl. — arabische Krätze = arabischer Aus-
satz, KlephantiaBis Arabum, b. Klefantenkrätze.
— (1754) Ati'it n Kratze = Ekzema orbicnlaro
faciale, die Bläschenflechte um die Augenlider,
die durch das katarrhalische Sekret der Binde-
haut juckend wirkt (A. v. H. Ii, i2ßi). — Bade-
Krätze = Psydraciathermica, Miliaria balnearis,
der sogen, kritische Hautausschlag, durch un-
nötige Überreizung der Haut in den mittel-
alterlichen Badehäusern veranlasst (falsche
Krätze, Badefricsel). — (1839) fWcAcr-Krätze
— Ekzema (Behrend 32, 5tJ). Scabies pistorum, eine
juckende, durch die Hantierung mit Hitze, Teig
und Mehlstaub unterhaltene, zumeist an Armen
und Händen sich zeigende Hautkrankheit (Gr. W.
V, 2073). — Äirr-Krätze = Bartflechte, die juckt
.^Sycosis) (Behrend 48). — .ßfiss-Krätze («hd. pets-
kres — mordax, Graft III, 232) — die jllckenUe, boi8-
sende kratz, krankheit. — (IStt) ßlasen-Kiütze
= Stranguria, Dysuria, infolge von Urinblasen-
Verschwärung, Scabies vesicae Hippokratis,
Cystilis blennorrhoica = gonorrhoica (engl. acal-
ding In the urine, Knltschm. I, 563; scald = Grint,
Kratze), die aut üeiu Boden des Uringlases sicli
Indlndende kleienarlige Abschabsei, Schleim-
Fäden und liewebshäutchen liefert ; dabei
klagen die Kranken Ober ein unerträgliches
Jucken am Möns veneris und kratzen sich be-
ständig daselbst (Blasentuberkulosis?) (Pr. II,
121. 179 , 1, 224; Mural. 368; ruschmann) — bösartige
(tW) Krätze- bösartige Räude, Syphilis (\. v.H.
I, 1208; Haaer II. 221). - BorAm-Krätze = eine
mit starker Schorf- oder Borken bildung ver-
Imndene Milbenkrätze, die bei Fiebernden
leicht mit Pocken verwechselt werden kann
[KlobbOMt II, 1191 = 1848 spcdalskhed. Huber; %. B.
Itndesygc; Gunter« 4 , infolge von Hareoptes seablei
criisiosac. die (nach Braun, tier. Paras. 1895, B.26lj eine
in Norwegen besonder« hilnlig vorkommende Kritu-
milbe ist). — (l">. Jahrh.) dürre Krätze (1515 dürre
kretz ss Impetigo, Ii. 2sx) — Aposyrmala i'auli
Aeginetae), Impetigo, Scabies sicca (trockener
(irint), jede trockenen Schorf liefernde, juck-
ende Flechte (trockene Räude) (A. r. H. I. 121 ;
Gr. w. 11, 1742 ; v, 2073). — Elefanten Krätze =
(1615 hoe erat scabiei genu» Klephantlae nomine appel-
latum , I/erseh so) = seuchenhaft aufgetretene
l'ocken mit konfluierenden Pusteln und hoch
gradiger Hanlgeschwulst. — (1791) falsche Krätze
= Psydracia spuria, Psoriasis (Daniel ; Behrend t.i.
die wie die wahre Krätze Hautabscbälferungen
liefernde, aber nicht juckende Sehuppenflechte
(Psvdracia, Ekthvma, Ekzema) (Fuchs II, 182). —
fette Krätze ■ feuchte Krätze (s. u.), weil sie
wie fetlgelb aussieht (Behrend 3.'.). — (17'.7) feuchte
Krätze, 1. sa eine sogen, nasse Krätze beim
Menschen mit stärker secernierenden Eiter-
bläschen , Scabies purnlenta (Banml. 395; Behr-
end 31). — 2. = (1796) eino Pferdehauikiankheit
(Mauke) mit Absonderung einer Feuchtigkeit
(Abilg. 44). — (17..1) flechtende Krätze - Men-
tigo (s. Geflecht) , hose Kinnräade (mentagra.
D.M6; L.chir.49). — fran zösische Krätze ( = Rog na
franclosa; 1496 «cnblcs gallica; 1499 racana1, I'r. I,
375; II, 151. 155; = Exanthem hei der Syphilis
(s. Franzosen). — Fuhrnianns-Kl&tze -Scabies
cachectica, eine durch die schlechte Konstitution
böBartige Krätzform ; Fuhrleute galten als solche,
die auf ihre Gesundheit am wenigsten achten,
n. deshalb als besonders ungesund (Behrend 36).
— .Fuss-Krätze = eine epizootische Epidermis«
erkrankung an den Füssen der Hühner infolge
von Dermatomyctes mutans (Milbenart) (Meyer.
Con.-Lex. XIV, 496). — (1741) garstige Krätze —
= rauhborkige oder abschuppende Haullleclit«-,
Psoriasis, Räude bei Tieren (Kirsch 977). —
Gfl'fVNJWIcfc-Krätze (1751 = Psoriasis scroti, A. v. II.
II, 12.30) = Ekzema scroti, eine juckende Hodeu-
sackflechte (trockene Geilensackkrätze). —
gelinde Krätze — eine wenig ausgebreitete und
juckende Krätze (A. v. II. 1, 1208). — gemeine
Krätze = die alltäglich und überall vorkom-
mende Krätze, Scabies vulgaris (Behrend as).
— (153».) gesalzene Krätze (hei Malachias tieiger.
Körnig. II, 19) — Ekzema als Salztluss ,(s. d.)
— Gewürz- Krämer-Kr&tze = Bläschenflechte
(ähnlich der Bäckerk ratze), gale des epiciers,
vielleicht auch nur ein bis zur Bläschenbil-
dung gesteigertes Erythem, wozu der Reiz des
Material-Staubes Veranlassung gibt (Psoriasis
manus — Kkzema manu», Behrend 56. 32). — giftige
Krätze - ansteckender Hautausschlag infolge
von Syphilis (Scabies gallica) (Fachs 1, 417). —
(1782) grosse Krätze = stärker eiternd« r, ausge-
dehnterer krätziger Hautausschlag (M. II. 1.. I.
587). — Hätten Krätze = ein in Hütlenberg-
wciken durch »I. Metallstaub (Blei, Arse tik etc.)
veranlasster juckender Hautausschlag, meist
Ekzema (Sobernheim 2791. — (1782) -Hunds Krätze
= die Hundsräude al- Krätze auf den Menschen
übertragen (M. II. L. I, 582). — indische Krätze
= Scabies indica (Pr. I, 328 ; II, 151) = Syphilm
(aus Wesiindien durch die Spanier angeblich
gebracht). — innere Krätze = als Krankheit
name eint* unsinnige Ausgeburt des Hom.no-
[ pathen llahneinann — Psora (s, d.) (Kopp II, 37s.
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Krätze.
Kränel-Kraft. 303
»*. in). — A'i'n»- Krätze = Mentagra, Bartflechte
(h. d.) (A. v. H. II, 1025). — Ärämrr-Krätze -
s. o. Gewflrzkramer- Krätze. — (1618) melancho-
lischt Krätze, 1-- einetrockene Hautkrankheit,
tlie aus dürrem, dickem, schwarxgalligeui Blute
(Dyskrasie , s. Melancholie I), nach früherer
Anschauung hervorging (im Gegensatze zur
feuchten Krätze) (i*ansa, Badeordn. 2) mit Neigung
zu Haut-Krehsbildung. — 2. = Purpura scor-
butiea?. — (174») Milben Krätze = da« durch die
Obertragharen Milben-Parasit«n (e. Hautmilbe,
Aearus acabiei L. s. Sarcoptea hominia Kasp.,
Sarcoptes scabiei Braun), veranlasste juckende
Hautleiden. — (1782) misse Krätze = mehr ei-
ternde, pustulöse, krätzige Hautkrankheit (H.H.
L. I. 587) (feuchte Krätze, Wasserkiätze). — nea-
politanische Krätze = Scabies neapolitana (Pr. i,
32» ; II, 151), Syphilis (a. d., mal de Naples). —
noncegiaihe Krätze s. Borkenkrätze. — (1892)
I'itraf fin-Kr ätze = ein durch den chronischen
Keiz von unreinen Paraftlnprodtikten ver-
an lauste« Hautleiden (Kkzema) mit allerlei
Schuppen und Warzenbi Uhingen (Schmidt, Jahrb.
1892. 4. it.). — (1782) schäbige Krätze — trockene
Kratze (M. II. L. I, 587). — Schnridrr Kx&tze =
Scabies vulgaris, die Schneider haben durch
die alten unreinen Kleider der Kundschaft oft
Gelegenheit, die Milben-Kratze zu bekommen
(lichtend 35). — (1754) Schuppen^ (schuppichte)
Krätze = Psoriasis (Sehup|>entlechte, Käudig-
keit, trockene Flechte) (Behren«! 65), weil die
rauhe kranke Haut immer neue Schuppen auf-
wirft ; „sie ist das Mittel zwischen Aussatz und
gemeiner Krätze" (1754 ; A. t. n. I, 1153) (trockene
Krätze). — spanische Krätze = Scabies hispa-
nica = spanische Kaude (Syphilis) (l'r. I, 328;
II, 15D. — 2'rcr-Krätze - ein durch den chron.
Keiz von unreinen Teerprodukten verursachtes
Hautleiden (Ekzems) (Schmidt, Jahrb. 1892. 4. 65)
(ahnlich der Paraffin- Kiätze). — (U, Jahrh)
trockne Krätze, 1. = Impetigo {— trockene
Kaude), im tiegensalz zur feuchten (Kkzema)
Kratze (A. v. n. II. 831, W2; lunml. 39:.; Ackern. 1«).
— 2. - Lepra (A. v. II. I, 1208; II, 831, 832), trockene
Auesatzkrankheit. — (1743) rtturitehe Krätze,
1. = eine krätzefthnliehe syphilitische Haut-
krunkheit, deren Ursache man damals in der
Anwesenheit einer Menge länglichter Würm-
chen im Blute annahm (MbUscb. Med. 149), —
2. = (1795) Syphilis bei einem Kratzigen, d. h.
mit der Krätzmilbe Behafteten (K. o. V. III, 114;
Nicolai Ii, 531, 541). — reraltete Krätze - ein-
gewurzeltes, unheilbares Hautleiden (Müller,
Krtrbch. 644). — Wäscherinnen Kratze = Ekzema
lotorutr., durch die Schärfe des Laugen- Wassers
erzeugt. Hautatisschlag(Krötenhaut). — ll'uascr-
Krätze — Scabies lymphatica, Ekzcma-artige
Scabies, bei der die Bläschen mit etwas mehr
Serum oder Lymphe (Gewebs- Wasser) gefüllt
sind (Bebrend 35) — {1754) wilde Krätze - fres-
sende und abschilfernde Flechte oder wilde
Kaude (s. d.), Psora s. Scabies sicca s. agria
s. ferina (Lepra?) (A. v. n. I, 1250). — Ziegen-
Krätze Kappe, Kaude bei Zielen (Fromm. VI,
Ii«). — zurückgetretene Krätze = ein wohl mit
Ekzema acrofalosum verwechselter Hantaus-
! schlag, dessen plötzlichem Verschwinden man
früher und iioch jetzt angeblich höchst gefähr-
liche Zufalle zuschrioh (Bohrend 35). — Krätze-
(krätzig e, er, es\) -Blasen , -Fleck , - GeschwUr,
-Oift, -Grint, -Haut, -Kopf, -Krankheit, -Ma-
terie, -Milbe, -Räude, -Siechtum, -Sucht (s. auch
Ratze).
Kräuel (Krauwel, Kräwel) fnh.i. kronnii
nnguls, Graft; erowU — creagra; D. 155; chrouw&n,
k ron w ö n ; mhd. kroeuwcl. m. ; 1419 krtel, rreul; 15S9
creel. kroel), 1. = Kralle, Klaue (Kluge*, 214; Schm.
I, 1357). — 2. = (1512 krawung prnrigo, D. 469; ndl.
kraauwel - Kralle, Finger-Nagel, kraauwen - kratzen,
krauwage, krauwscl) = durch das Kratzen mit den
Fingernägeln verursachter, peinigender Schorf-
ausschlag (De Cock 217 ; Schwell) Kräuel. — Kraul
ler, m. = Kratzwunde (Schm. I. 1357). — Marter-
Kräuel (14. Jahrh. marterkrewel = unguis, Voc.
opt. w.)- Kräuel 2. — (1551) quate Krauwagien
(belgisch, De rock 252. 293) = bösartige, juckende,
krätzeahnliche Hautkrankheit (scalpurigo, D. 51C).
Krausei s. Kraus.
Kräupen s. Krospel.
Kraffl, f. (Graffl, Orappl, Kräfler) = Hand
(Tirol; Hlntner 7, l«), als krallendes Werkzeug
(s. Krauwel). — Kräfler (Grätler) = Afterklaue
bei Tieren.
Kraft, f. (zu irre Ken (s. d.J; die Kraft de* Armes
[s. Armschmalz] oder der Hand Iniim Greifen war die
ursprüngliche Bedeutung, Gr. W. V. 1934; ahd. chmfl,
kraft [geistige und körperliche Kraft]; mhd. kraft ■
Lebenskraft [vis], Zcugungskratt ; 1483 F.mpflndung«-
(und Keaetions-]Verraogen, C. v. Megbg. ; die causa
a. vi» efrtciens, Helmont; Haser I, 479; Btldungstrieb,
Blumenbach), 1. - das Greifvermögeo des Armes
und der Hand. — 2. = körperliche und geistige
Kraft, Zeugungs- und Lebenskraft. — 3. — tae-
tiles Empfindungsvermögen (,,die kraft des greyf-
fens ist in dem ganzen Leichnam um ein Setzlein
gezogen zwischen 2 Hautlein, deren eins die Ober-
haut, das ander In dem Fleisch ist", 1530; Besolt). —
4. = Sinnesempflndungs- S'ermögen überhaupt
(1530 dec 5 k reffte der 5 Btnne [Auge, Or, Nase, Zunge
n Hand], Resolt). — 5. = die Causa efficiens. — (1477)
Ab- (zl-)Kraft(dei geistigen Glieder) (<:. v. Megbg )
- Ohnmacht des Nervensystems (Fnkraft),
sexuelle Schwäche. — Enfkl&ftung = Infirmitas
(Tode*- Ursache) Erschöpfungs-Schwttche (Or.W.
III, 562). — geburtliche (gebärende AVirwr-)Kraft
= Zeugungskraft (C r. Schm. 107). — (1687) Hirns-
I Kraft, sinnliche = Starke der Gehirnnerveit«
I Empfindungen (Georg. 355). — (i.i. Jahrh.) inner-
liche Kräfte = Viscera, Eingeweide als Kraft-
quelle (D. 623). — A'örp<r-Kraft _ Leibeskraft.
— Lebens- Kraft = Enormon (Hippokratis) , Ar-
cheus (t. Helmont), Anima (o. k. suhl). „Die
Ärzte des vorigen und noch der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts wussten sich nicht anders
zu helfen, als dass sie eine besondere Kraft im
Innern des erkrankten Individuums annahmen ;
sie personifizierten (als 1/chensgeist, s. d.) die
Kraft gewissermassen u. schrieben eine solche
eklatante L'mstimmung des Krankheitspro-
zesses, wie wir sie z. B. bei der Pneumonie be-
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ri04
Kragen.
Kralle— Krampf.
ohachlen, «1er Lebenskraft zu. Sic Klaubten,
«lass ein (zugreifender) Spiritus rector liinter
den Heilungsvorgängen stehe und «lie Lebens-
funktionen «lirigiere; auch da, wo oll'enlmre
Keeinllnssiing durch Medikamente zu kon-
statieren war, fassten Bie die medikamentöHe
Wirkung immer ho auf, das» durch «ie die Thil-
tigkeit der Lebenskraft in nndere Bahnen ge-
lenkt wurde; immer aber war es diese geheim-
nisvolle vitale Kraft, welcher bei günstigem
Ausgang die (Jenesung r.u danken war. In
unserer Zeit ist die I^ebenskraft und Naturbeil-
kraft in .Misskredit gekommen" (Behring, Zukunft
20. X. SM). — (15. Jahrh ) LflWKraft » Körper-
starke («r. W. VI. in»?). — Lenden Kraft = Zeu-
gungskraft, die man in die Inenden (s. d.) ver-
legte (Heyne Iii, 459). — Manne*»- Kraft - l'otentia
virilis (*. Grimms Keehts-A.95fT.). — natürliche
Kraft = Semen, Virus, die aus sich selbst etwas
erzeugenden Stolle (Cr. W. VIII, 172»; Heyne V, 201).
— iVfram-Kraft = die Spann-Kraft der dehn«
hären Sehnen (= Nervus, s. Nerve) und Mus-
keln. — (I7S2) Sr#W(7-Kraft = Tonus, Spann-
kraft der Nerven (M. H. L. I, 213). — (I2fi0) Un-
Kraft = Abkraft (s. o.), Kraftlosigkeit (des manne*
nnchratt, I'feltfcr 33. 85 ; Wackernngcl, altd. I.cseb. I,
1C60; Kleinpaul, A. Mittelalter COS). — rrrkraften
(mhd. verkreften, Lexor 322) m ganz entkräften,
schwachen. — (1483) versuchende Kraft - das
Geschmack- Kmpfindungs- Vermögen heim Ver-
suchen, Verkosten der Speisen (<". v. Megbg.). —
Kl&ft-Ader, -Bein, -Gänge, -loa, -Sauger in.
Kragen, m. (Krage, Kragel, Krägli, krä-
geln)(vorgerm.grongho( = ßP'TX''' = Kehle, Schlund.
Luftwege] ; goth. kragn — Hals, Kehle (colliim, faux],
Kluge *, 212; ahtl. kra, chragu — guln, Jugulum. llcn =
Eingeweide, D. 328; Ci raff IV. 587; Hyrtl, K W. IM;
mhd. krage ■ Halsbekleidung, Hai«, Nacken; engl.
crng = Nacken, Genick; von kragen - laut, aus vollem
[Kragen oder] Hals schreien [kragelcn] wie die Hühner
(engl, craw = Kragen, Vogelkropf, Magen] u. Kinder,
(ir. W. IV, L 13<«; V. 195«; ; 1300 krage = Eingeweide;
1482 krage = Milz, Darm, Or. W. V, li>62; 1761 kragen
Mesenterium [Gekros], L. ehlr. jO); nach Grimm, 1.=
Kragen, Hals von Menschen und Tier (inner-
lich und äusserlich). — 2. = Nacken. — 3 . =
Halsbekleidung (nach dem 14. Jahrh.?) und was
damit Ähnlichkeit hat. — 4. = Gekröse des
Schlachttieres, Eingeweide, obwohl vom ton-
gehenden Kragt u (1) ganz verschieden, wogen
zufälliger Ähnlichkeit des in krausige Falten
gelegten Gekröses mit Kragen (3) so genannt u.
umgedeutet. — Kragerl (Krägli) — Schweine od.
Gänse-Eingeweide (Schw. 362). — krägeln (kra-
gein), 1. = krachende, krilhende Töne hervor-
hringen w io «lie Hühner. —2. = lallen (Schwanen),
heiser sprechen aus rauhem Halse (Kragen)
(.Schwei*, Bayern; (ir. \S. V, 195-'.). — 3. = bei «1er
Griebs packen (vgl. Schindler I, I3«i) Bei Namens-
tags- od. Geburtstags-Wüuschcn. d. h. bei der Namen-
gebung pllcgt mau Im Iaarwinkel wie Im Bohmerwalde
den betreffenden Gratulanden bei der Griebs zu packen,
Ihn zu krageln (iihnlich «lern Drisehel Würget iu An-
dorf; der Helsete oder Würget«' In Aargau; Hochholz
II. Wff.); es Ist dies ein Zeichen näherer Verwandt-
schaft; es scheint, dass der Familienvater früher das
n*phykitM he K«U*BUoreU0 su lange IcUOttcttO nud
würgte, bis diene* Blut von sich gab. Dieser väterliche
Dsu* oder Verwaudtschafthhanillung hat sich vielleicht
auftieiHieburtslHKuKrtragen ; weshalb auch die Volks-
meiuung geht, dass, wenn man jemand aus der Ver-
wandtschaft sieht u<ler spricht, ohne ihn zu kenneu.
man Nascnbluleu (s. brüderlich«'» Geblüt) bekommt.
Im (12. Jahrh.) Kenaut de Montauban, einem Iran
zosiKchen Gedichte über die urdeutachen Hcimons-
kin«ler, umarmt der Vater der letzteren seine ihm bisher
unbekannten vier Sohne; dabei drückt er den jüngsten
so fest an sich, dass dem Jungen die Nase zu bluten
anfangt, worauf er ihn erkennt. — kragezen (krfl-
gezen) — ruetuare (ü. 612). — '.'•!>»>« -Kragen.
1. = (I69ö) langer Hals, Tiinkerhala (Gr. W. IV. l.
1271). — 2. = (1534) Kropf, Hals (Gr. W. V, 2395),
Struma. — (1742) spanischer Kragen = die krank-
haften Veränderungen an der Kichel und Vor-
haut des Menschen, wodurch unter dem Kopfe
der Eichel ein kragenähnlicher Wulst entsteht,
l'araphimosis (Zw. 602 . 882; K. ch. 289); diese
schnellende Zurückziehung und Einschnürung,
Einstrupfung der kragenähnlich umgeschla-
genen Vorhaut mit Geschwulst geschieht ab-
gesehen von angeborener Fhimosis (s. Nessel-
knüpf), namentlich infolge von: a) Gonorrhoe
(Eichhorst II. 1080) ; b) Schanker (Klchhorst Ib. ;
A. v. II. II, 145. 222; l'lanterll, 108), c) syphilitischer
Sklerose (l'araphimosis venerea) (Pauli 43). —
Kragen Bein, -Fett,
Kralle, m. = ein kropfiger Kretin, der, wenn
er hustig isst, aus dem Schlünde ein rollendes,
grabendes Geräusch hervorbringt (Schwaben;
Z. f. d. Phil. III, 334).
Kralle, f. Kraller, m., 1. = hornartiger spitz-
iger Auswuchs an den Zehen von Tieren (zu
mhd. krellen = kutzen). — 2. = Hand mit stark
entwickelten Fingernägeln (Tirol; Hintner 7, icj.
— Kraller, m. = die mittels «ler Fingernägel
durch Kratzen erzeugte Hautverletzung (l'ong-
lade) in Streifenform (Krauler).
Kram, m. Kramb, m. Kramm, m., 1.- siehe
Krampf. — 2. - Ware. — (i74;s) französischer . Ju-
irt'icn-Kram = (ialanterieware- Syphilis (troussc
galant, Unser II, Anh. M; Hahn) (s. Galanterie,
Ueiratsgut, Gutsack).
Krampf, m. (Kramm, Kramp, Krampe, Ram,
Rampe) (vorgeschichtlich nach Gr. W. - klainpf mit
Wechsel des 1 in r, germ. krampa = spasmus, Hippok ;
eontrnetio, extensio, Du Cange; gern -westgerm. cramp
= Krampf, Kluge i, 213, mtlat. ernmpa [crombe,cn«m|>c],
Du Dange II, 606 = krumm gebogen, zusammenge-
zogen; ahd. chrattipfo, cratnpp = ungulae, arthesis,
articulorura dolor, H. Z XV, .23; XVI, 94; angls.
hrnmma, Schm. I, 1379; 12. Jahrh. rramfo = ebiragrn,
Gr. W. V, 2010; 18. Jahrh. crampho - eine Krankheit*-
Person, H. Z. XVII. 560; cramphe, Pfeiffer 18: 12. — 14.
Jahrh. krame, kraminen, m., Hoffm. I, 322. 379; mhd.
krampf, kram, kramph - tenasmus, tetanus, Vor. opt.
\V. 41; 14. Jahrh. krnmpz — tenesmus. D. 577; 1411
ehratnp, Zlngcrle 1W> ; 1420 raem, ram, ramme = spas-
mus, D. 544; 147"., ndd. krnem, crame — Puerperium,
D. 171; holl. in <le kranm komen — niederkommen;
1482 krampff ~ spasmus, tetanus, Zening. Voc. r, 2 ;
1483 der kramm, C. v. Megbg. ; 15. Jahrh. chrem, chramp
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Krampf.
Krampf. 30«
— spasmns, Gliederstcifhelt, Gr. W. V, 2003; 15. Jahrb.
kranipfc, kramph = ehlragra. Gr. W V, 2U10; I). 121;
15 Jahrh., ndd. kramp«, f., I>. >U ; kramp = spasmo*,
<Jr. W. V, 2011 ; crampc = cyn »uke condilo-
i, Gliederkrampf (Kondylenl, D. II, 107; 1502
chram - Rpasmns, D. II, 344; 1532 kratupff - ,,ciu An-
ziehen oder eine Ausbreitung der Nerven nn<l Lacerten
des ganzen l^cibo«, und sonderlich des Hnl«cs" [= te-
tanus, Krie* 76]; 1589 krampt = Gicht [Vergleht] ,
. wenn die Nerven und Muskelileisch wider unseren
Willen und Begehren unnatürlich gedehnt, gespannt
oder gestreckt werden, Gr. W. VI, 18£S; 17.VI Krampf
— spasnnis eyuleus, Verzückung, grarapu«, A. v. II. I,
1231; 1M1 eine Verstriipfung des Geilders [Muskel-
werk»]; engl, cramp; liel den Masnrcn sind Krämpfe
nne ..Strare" Gottes. Frischh. 73; «Wrr. kramb m
Krampf. Chr. tfam I, S). — krämpfiger (14SJ kremfT
Igtr, Zcnlng. Vor. 1 1 ; 1515 kramptlg = apRstnaticus,
eyner den der kramp czuget, D. M4). — (kriimpf ::.
krampf krampt mift, krampig, kramig), • m
arthetieus, glieGerbruehig, vom Krämpfe ge-
plagt, befallen, gesogen, vom Podogra behaftet,
breathaft an den Gliedern (Gr. w. v, H2i, 2010 ;
Schindler I, ir.68). — 2. = alte Glieder willkürlich
steif zusammenkrimpfend.z. R. die Hände (<ir. w.
v, 2015). — 3. = ein in der Kmptlndung dienern
Ahnliche» TaubheitsgefClhl in den llitnden od.
Füssen habend. — 4. -das Wesen einer diimo-
nistischen Krankheitsperson (Geist) habend,
durch deren Hinflugs dieGlieder in krampfhafte
Stellung ti. Schmer« geraten [turnt. Mhwed, irasta
kramning = Gelstcrkrampfung, Z d V. f. V. K. 1S'.»T,
s. 61). — 5. = „zusammengeschrumpft, mager,
kriinklirh, schwächlich" (.«ehm. I, l?.>A), — Kram-
pein, pl, Krampen m , 1. = die kurzen, kriim-
nien, krumpflormig gebogenen Finger, Krallen,
Klane (Gr. W. V, 20ns,, ityrtl, K.W. »ehm. 1, 13«i;
beim epileptischen Krumpfe druckt man, um den ganzen
Krampf xii l«>sen, flen I>aumeu auf; dnher ahd. crampo
— nngulae, II. Z. XV. 523; d. h. die krampfhaft ge
schlosscncn Fingernagel [Kramme], <!r. W. V, 2004).
— 2. ss g. Krämer. — Krammel (Kramme) -
rauher Hals mit Schhtndkrampf (Gr. I». M. II.
1112; Gr. W. V, 2001). — (IS. Jahrli ) krampfen
(krütnpfen) (ndl. krampen, c.t. w. v. 2m i) = im
Krampfliegen, z. B. Eclampsia parturientium
(m. krempfen) od. Cholera (De Hock 306). — (Nach
«;r w. v. 2010) Krampf - Spasmus, Contraetio
(— Kramp, Kramin}, 1. - das klommende, wie
mit Klammern (Klauen) ausgeführte, unwill-
kürliche Einziehen der Glieder, da« subjektiv
menschliche) Gefahl des Packens, Reinsens,
Ergreifen», Krimpfens durch einen Dämon mit
Klauen (vergl. Angriir) wider den Willen der
Kranken, allgemein od. in besonderen Körper-
teilen (fast nur beim Menschen); ■) Arm- oder
Bein-Glieder, (Gicht, Vergicht, Chi nigra, Po-
dagra, Kpilepsia, Eclampsia puerperahs) ; ««*)
letztere Krampfforni ubertragen auf; (knuun
ndd. ndl., Oldenburg; kraen [kracui], Italtan* 1127)
— Wochenbett, Kindbett, d. h. tieburtswehen
(Nachwehen) im Wochenbett« (Kluge4, ist'. ;
Gotdaehmld 92); daher ,M) Misskraam - Miss-
Woehen (Gotdsrhm. Ib.) n. Kraen, m. - Kindel-
bette fkrclssendc Kitulbetlerin, vocifcratis pnerpera,
Haitau« 1127 . kraem-rrnnwe - pnerpera, Hnlti.us ib.;
I'loss Bartels U, ir.0; Kluges Etymologie (212 IT.]: ndt
kraam, f. Wochenbett, komme von der Bedeutung
kram — ausgespanntes Bettuch (Ober dem Wochen
1-ctte] trlfTt sicherlich nicht zu) ; b) Hals (Krammel,
8. o.), Genickkrampf, Drehkrampf; c) Hände
und Finger (Krampel, s. o., Chiragra). — 2. -
der einzelne solche Krampfanfall n. die rasche
Wiederkehr desselben als Kollektiv der ein-
zelnen Anfülle. — 3. sa die wie durch einen
Nervenkrampf veranlasste krankhafte Ver-
renkung und Stellungsveränderung der Glieder
durch Verdickung derselben und l.ähuiung
der Muskeln, Nodositas membrorum, l'assio
condylomatica ( •= Knöchel- u. K norrenschmera),
Gichtknoten (<;r. w. v. i i«i)(Arthritisdeformans,
vgl. Ramm, Kampf) (Krampfkniuter sind nament-
lich die Distelarten; Onopordon acanthlum, Je««pn 2."v:.
:w6). — Krämmling — einer, der krumplig
(krnmmig) ist. — /trtVr-Krampt - iler durch
Ulutstauungin den Muskeln K rümpfe derselben
auslosende Aderknoten, Varix (Gr. W, I, 180)
Krampfader) — .Ik.;- n Krampf (mhd. ougen
krimpt, Gr. W. I, $07), 1. = Blepharospasmus, Lid-
krampf, die durch Lichtscheu reflektorisch ver-
anlasste krampfhafte, andauernde Verschlies-
sung tler Augenlider. — 2. =Spasmus nictitans,
Nystagmus, das Öfters sich wiederholende, kurz
dauernde, krampfhaft erfolgende Augenzwin-
kern (Klchhorst 11. 374). — Harken Krampf- siehe
Kinnbacken-Krampf. — Zfoucft-Krampf, 1 -
Rauchgrimmen durch krampfhafte Bewegung
.ler Gedärme (<;r. w. I. lies). — 2. - klonischer
Bauchruuskelkrampf (Blehtaanrt Ii, 37'.»;. — Hein-
Krampf- Wndenkrampf, 1'iilerschenkel - Hein
- />Vr<;-Krampf — Brustbeklemmung«). Asthma
auf Bergeshöhen (s. Asthma). — Blähung*-
Krampt- krampfhafter Bauch-Schmerz durch
Harmbltthungen. — ßArsoi-Krampf Cysto-
spasmus, Urinblasenkrampf. — lilutnrnmaihcr-
Krampf = Kingerkrampf bei Blumentnachern.
— /;.'■. '-Krampf frlltier wurde als solcher
der Alpdruck falschlich bezeichne! und der
Überfüllung des Körpers durch Menstrual- od.
lhlmorrhoidalbhit zugeschrieben (BArner i D. —
/fodVn-Krampf, I. = Podagram (Potengrarom).
— 2. = Kpilepsia, die zu Boden wirft fz d v r.
V.-K. IMS, S. W6; mal de terre, Brlss 2V2J — BrOtt-
i hial-, Brmt - Krampf Bronchial - Aalhma,
Anfall von Atemnot mit Brustbeklemmung
(Börner 13; Kielihorst I, 351), wie er u.a. fälschlich
auch beim Alptraum (s. d.) angenommen wurde
s Alpsucht, S. 11). Cyart-cnmar/irr-Krampf
— der beim Wickeln der Zigarren entstehende
Kinger-Muskelkrampf (Kicbborat II, MS), — (1799)
M»-W-i5rämPfUn«! - die Schmerz -Bowe-
I Krampf \
gungen nn<i der Zustand des Menschen hei der
Darmkolik (Gr w. Il,7s2; rienk — Drechnler-
Krampf ein klonischer Muskelkrampf in den
die Drehbewegungen erzeugenden Unterschen-
keln bei Drechslern. - /Vr/i-Krampf ein
klonischer Krampf di r Halsmuskeln mit stän-
diger «Drehbewegung nach der kranken Seite
liinfKIchh. ii, »77). — erkrampfen ■= am Krampf
(s. o.) erkranken [Hr. W. V. 20H). — (ir40J EM*
Krampfs knunpfhafterwnrgen.ler Ivselshtislen
20
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306 Krampf.
Krampf.
[H. Sachs; Fromm. VI, 7; r,T. \\. v, soll), wobei die
Hände und Füsse Li neu und zittern und eine
Reprise genommen wird wie beim Schreien des
Esels. — Finger- Krampf — ein dem Schreibe-
krampfe sehr nabe verwandter klonischer
Krampf der Finger-Muskeln. — (15. Jahrh.) Fuss-
Krampf (H20 der rui cramp — podogra, 1>. D, 290).
I. == klonischer Fussmuskelkrampi bei einzelnen
mit dem Fusse hantierenden Beschäftigungen.
— 2 = Podagra (Pfoteukramm) (Gr. Vf. V, 2011 ;
D. 443). — < ■ ahn Krampf = üscedo s. Chasmus,
ein meist durch Anämie (Blutleere) des Gehirns
veranlasster kloniscber Zwercbfellkrampf mit
reflektorischer Mitbeteiligung der KespirationB-
muskel (Giihnsucht, Ocbsenlieber). — (1822) Gc-
nir&-Krampf= die Genickstarre bei der eitrigen
Hirnhautentzündung , Meningitis erehrospi-
nalis (Kichhomt n. 1207). — GrricAfo-Krampf =
der tonische oder klonische Krampf im Gebiete
des Gesichtsnerven (Nervus facialis), wozu aucli
der Augoukrampf zahlt (Eichhorst II, 34.3 ff.j. —
Gt'o/ir-Krampf — Zusanimenziehung der Glieder,
Verkrümmung der Gelenke infolge von Gicht,
il est crampu de goutte. — Grmrwr-Krampf =
eine Art des Fingerkrainpfes bei Graveuren, die
bei der mit der Loupe geführten Grillelarbeit
sich überanstrengen (Eichhorst II, m). — (I62si
grosser Krampf = Tetanus „mit Kinziehung der
Nerven vom Haupt im Kücken" (H. v. Gcrsd. 10oj.
Starrkrampf. — Gruss-Rrampf - Nickkrampf
(s. d.) (Elchh. II, 375). — i/and«"Krampf(ls. Jahrh.
hendekrampf, clilrw«, 1>. 121 ; 15. Jnhrh heudkraniph ;
1 132 hcmlchram, l>. II, 91; hentchrain; 1174 der kramp
In der hant, 1). 121; Heyne Hl, 437; Ot. W. V, 2003,
2011, 2444) ~ C'liiragra, Handgicht, die durch Stcl-
lungsvei ünderungen in den Gelenken die Kinger
zusammenkrümmt. — Harfenspieler- Krampf-
eine Art von klonischem Finger-Muskclkinmpf
bei Harfenspielern (Eichhorn II, 5».T.i, ähnlich
dem Scbreihckrampfd h. d ). — (law) Urrz-
Krampf, l. = der früher in den Herzbeutel ver-
lebte krampfhafte Herzecbmerz, Herzbraune
(ür. W. IV, 2. 1251). — 2. = der Herztetanus (Elchh.
II, t501) beim Starrkrampf. — i/i»«-Krampf ■
• las tiefühl von krampfhafter Beengung und
Eingenommenheit im Kopfe mit Verwirrung
und Angst (M. Med. WocheuMhr. S. 2<tl. —
Holtsäger- Krampf ~ ein klonischer Finget -
muskeikramjit i Elch hörst II, .v.sj. — (ni») Humh-
Krampf — Spasmus cynicus, Kynospastuus
(Actii et Celsi) - die Veränderungen des Ge-
sichtsausdtuckes durch das Verziehen des
Mundes nach dem Ohre zu, laconvtilsion canine
(Hits*. 278). mit Freiwerden der Zahne gleich dem i
Lachen oder Zürnen eines Hundes, oder dem
Mienenspiele eines Sardonus ähnlich (= Risus J
sardonicus, s. sardonisches u. Hunds-Lachen),
verursacht, 1. - durch Trismus, Kieferklemme,
Kinnbacken-Krampf; a) beim Tetanus O. Starr-
krampf (Beek 1".; Ma«chenl>. 650; A. v. II. I. 526, I
i»i,or.w.v, 20U); b) bei derllundswut (Habite,
Lyssa); c) beim Ti Ismus der l'ferde (Itnck 4SJ.
— 2. = durch Lähmung gewisser Gerichts- i
m Datteln, — Ji«7r Krampf (Elberfeld) ■ der mit |
einem juchzen. leti Schiel verbundene Stimm- \
ritzenkrampf der Kinder, Laryngismus »tri- |
dnbiH (Kopp v, 355). — A'o*»t«rcr-Krampf = ein
durch das Aufzahlen von Geld oder Banknoten
entstandener klonischer Fingermuskelkrampf
(Kichhorst II. 568; ,,le petit juif", parce<jiie la con-
tBIlOfl du nerf culdtal derriere le coude lalt t>rus«jue-
ment (eruier les dolst*, Urls*. 7S). — ÄlWer-Krampf
Eclampsia infantium, Kindlweh (s. Fraisen,
Gicbtern). — Kinnbai ken-Rrampf = Trismus,
KisuH sardonicus, sri donisches Luchen, Hunds-
krampf (s. o.), die Kieferklemme (»Jr. W. v, 778),
die beim Starrkrämpfe (s. d.) in Vordergrund
tritt — /f/nrürrspiWcr-Krampf — ein nament-
lich beijungen Damen gewöhnlich in der rechten
Hand vorkommender, durch Überanstrengung
beim Klavierspielen veranlasster, klonischer
Fingermuskelkrampf (Eiehhorst II. r.67). — Kopf-
genick -Krampf = Meningitis cerebrospinalis
(s. Genickkranipf). — La cA- Krampf, 1. — ein
klonischer Zwercbfellkrampf unter respira-
torischen l^achbewegungen aus meist centralen
(hysterischen) Ursachen (Eichh. II, 379). — 2. =
krampfhaftes Lachen mit der Mundbewegung
(s. Hunds-Lachen), Trismus sardonicus. — Läm-
. Krampf Starrkrampf (?) bei Lämmer-
schalen (Falke II, 65) (s. Gelenkseuehe). — Lid-
Krampf = Blepharospasmus, krampfhafter
Versen luss der Augenliuspalle. — Lunken-
Krampf- Bruslkrampf (s. d.), Atemnot-Anfälle
Astlima bronchiole (Eichhorst I, 354, ».>rner 13).
— (1632) jV(i^«l-Krampf (ndl. roaaff-kramp, l>c « ock
17.1), l. ■ ein krampfhafter, anfaliswcise auf-
tretender Magenschmerz (Cardialgia), den mau
bei I'ferden auch „vermuton" kann (nach Kalke
II, 92). — 2. — Hesch (r>32 ,.elne unnatürliche He
weKuug des Magen«, wie der Husten eine Hcwexlich-
keit der I.uujre ist", Erl« 101, 104) (Slligullus). —
Mann t Krampf = etu klonischer Fingerkrampf,
der das Führen der Maurerkelle vereitelt (Elch-
homt Ii, 5i.8). — (1861) AfWA-Krampf = der klo-
nische Fingermuskelkrampl, der manchmal bei
Melkern beobachtet wird (Eichh. II. 668, encl.
mllkmnld«crainp}. — Afws-Kram(pf) (ndl., ndd.
mlsskraam, mlskraam) = Ahoi tue, Mole, Miss-
wocheu, d. h. 1. = der Akt der Fehlgeburt
durch ilie Misswehen ;keine eigentlichen Ge-
biirweben), welche nur eine Mole ausstossen.
— 2. -das daran sich anschliessende Wochen-
bett (PloM-HarteU II, 150; tioldichm. 92; De ( ock 59;
A. v. H. II, 12; /.cllschr. f. d. Piniol. XXVI, 216). —
A/um/ Krampf, 1. ^ Kiefersperre, Mundklemme.
— 2. — sardonisches Lachen (s. d.), Tortura
oris spasmodica , Srtrdiasis (Kraus, E. 1036). —
Mutter Krampf, 1. = krampfhafte Geharmutter-
sch merzen. — 2. ~ allgemeiner Gliederkrampf,
infolge von sogen. Mutterkrankheit (Hysterie)
(17 -1) Spasmus hystericus = Hystero-Kpilepsie
i.V. v. II. 1, ms; Pauli 63; »it. W. VI, 2819). — Näk-
Krampf - ein klonischer Fmgeriuuskelkrampf,
d< i su-li unter Umstanden heim Nahen ein-
stellt, itbnlich dem Schreibekrampf (Eichh. II.
• v. — A7i/i>WJA<7ii«fM-Krampf - ein klonischer
Krampf von [JnterecbenkeiruUBkeln , der eich
unter lUnstUnden beim J'reten des Nab-
maachinen-Brettee einstellt (Eichhorst n, sca). —
AuA-Krampf ■ Salaain-Kranipf, ein klonischer
Krampf in den beiden Kopfnicker - Muskeln,
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Krampf.
Krampf.
307
wobei der Kopf Nick- o.ler Uruasbewegungen
marht (Salaam — tJniss ; Kichhorst II, 376). — Sie»-
Krampf- l'taimus, Sternutatio convulsiva, ein
klonischer itespirationsinuskelkrampf unter
Niesbewegungen, meist auf centraler, seltener
auf peripherer Ursache beruhend (Klcbh. II, 379),
«lann meist von der Nase aus reflektorisch nusge-
lOst. — Orgelspieler-KlAiapf = ein dem Sehreibe-
oder Klavierspielet-Krampf ahnlicher Finger-
muskelkrampf (Eichhorn II, :*7). — (1&9U) Pfoten
(Kramm), Krampf = wie Bodenkiampf eine
scherzhafte Umdetiluug des podegrain (- po-
dagra) (hei Ki-cliart ; (ir. W. I, 2011; nach Amlnweii C">
auch bei Aachen nml im \Vt-st<;rwal<lc Bel»rmichli<-h).
— rti**en<lcr Krämpfen — eine im Voigt lande
l>espn>chene kramplhalte Sehtnerzart, die zum
Krankheitsnamen wurde u. die «lamonistische
Aetiulogie des klammerartig packenden Kram-
pfes \h. o.) bezeichnen sollte (Z. «I. v. t. Volksk
, „• a (mv.) Rücken- l- . r. ■
189... s. 27> - ßuekgratt,\ Krampf ( >(.«-
thotonus, Uückenmuekel -Starrkrampf oder klo-
nische Krämpfe der Muskeln am Kuckgrate in-
folge von l'olioenccphalitis; das 20 jahrige
leiden Heines (Vieronll (.8; Kalke II, 247). —
■Su/omn Krampf iiru*skrainpf (s. o.) Spasmus
nutans. — Hehn u'< d ■Krampf = ein klonischer
Finger- und Arm-Muskelkiampf, der die Füh-
rung des Hammers unter Umstanden unmög-
lich macht (Kichb. II, V57). — >>'rAn»*i<7t-r-Krampf
— ein klonischer Arm- und Finger-.Mmkel-
krampf, der die Führung von Nadel, Scheere etc.
unter Umstanden unmöglich maclit (Kichh. II,
'*'>"). — Srkrn Krampf ein klonischer Krampf
der Uespirations-Muskeln unter Bcbreibew»-
gungen, ähnlich den Lach- oder Wen, krum-
pfen, meist auf zentraler (hysterischer) Ur-
sache (Ricbh. Ii, 879). — Sclireibe Krampf
Ciiaphospasmus , Oicirospasmus , tonische
oder klonische Muskelkriunpfe, im Haumeu,
Zeigefinger, dritten Finger, in den soge-
nannten Schreibe-Muskeln eintretend und das
.Schreiben unmöglich machend (Kichhorst II, v,r,;
«r. W. V, 2011; enffl. »ritersernmp, Mrivt-nerscraiup,
r. — Schriftsetzer- Krampf - dei beim
>elzen der l/Cllein , ähnlich wie heim Uhr-
macherkrampf, unter Umstanden eintretende
klonische Finger-Muskelkrampf. — Sehuxtcr-
Krampf - ein klonischer Finger- und Arm-
inuskeikran.pf, der die Führung der Pfrieme
unter Umstanden unmöglich macht (Kichhorst
II, v,7), eine Ueschaliigungs-NeuroHe. — Starr-
Krampf, I. = Tetanus Qftlefli (147G tecanus est
tnorhn« dtf 'lern menschen <ly »«lern Uunniucn t/i w ct
das er nicht mair nml.seben. D. Ml ; teunm von tsivu»
— «lehnen), iU« Aultieien von lomscheu Muskel-
krampfen und klonischen Zuckungen, nament-
lich in den Httckenmuskeln, infolge deH vom
Tetanus-Bacillus gebildeten Tetano-Toxin , so
«lass der Kranke (Mensch, Tier) w ie eine starre,
tote Masse daliegt (Totenkrampf) bei vollkom-
men erhaltenem ßewusstsein. — 2. - (1831) Te-
tanie (Archive general. «1. tne«l . ls.il. 190 ; Kti<nuanl,
Berl. kl. Woohcn»chr. 1S72. Nr. 37). — 3. - Husch-
krankheit .ler Pferde (Mayer lfrl ; übertrafen ti»
auf da.« llausllerj. - (USS)
Sti\
tm Krampf, 1. = eine Kinderkrank-
Stimm- J r '
heit, hei welcher es zu kurz dauernden An-
fällen von Muskelkrampf der Stimmritzen- Ver-
engerer kommt, so dass dadurch die Atmung
unterbrochen wird (Kichhorst I, 313), Asthma thy-
micum, Spasmus glottidis, Asthma Koppii, le
mal St. Loop (s. Wolf). — 2. - ein auf neurasthe-
nischer Grundlage eintretender Stimmbänder-
krampf in Verbindung mit allgemeinen hysteri-
formen Krämpfen, die sich bei lotonations-
Versuchen einstellen iKmm, K. 788). — Stre»-
Krampf = die krampfhafte Bewegung beim
sogen. Hahnentritt (a. d.) »ler Pferde, die
liesonders beim Umdrehen od. Seitwitrtslreten
in »ler Siallstreu hemeikhar ist. — Strirk-
Krampf ein dem Nahkrampf ähnlicher klo-
nischer Finger-Muskelkrampf (Kichhorst II, .v.9).
7Viiuo--Krampf- ein Fuss- u. Waiten-Musk«-!-
krampf (Kichh. II — Telegraphistett-Krtimpt
(»»nimn«) - eine Art klonischer Finger-Muskel-
krampf, wodurch Telegraphisten nicht mehr
imstande sind, ihre Schuft an »lern Dnu kappa-
tate wiederzugeben (Kichhorst II, ."«7). — Todes-
Krampfs »ler Kintritt de« Todes unter krampf
tieften Erscheinungen (der Brust z. B.) Heyne
III, 457). — (I7 .t) Tuten - Krampf Tetanus
(Hiprmkr). »ler scheintodtUinhehe Zustand heim
Starrkrampf (A. v. II. I, IUI; J. V. Krank V, U;
Kalke II, 37»}. — Uhrmacher- Krampf ein klo-
nischer Finger - Muskelkrauipl bei den Uhr-
machern, »lie mit den Fingern feinere Schrauben
einzuführen haben (Kichb. II, 508). — Unterteil*'
Krämpfe (klemmende, kneipende, grimmendc)
- Mutierkiampfe ; Unterleib ist meist Um-
sein eibunt; für w eibliche Genitalien: „es krampft
mich im Unterleibe" (Gr. W. V, 8014). (nihil.)
■ 'krumpfen ■ krampfliaft zusammenzucken
ii^»er 322). — ViolimpicUr-KnMtt ** ein bald
die greifende Linke, bald «lie bogenführende
rechte Hand befallemler klonischer Musk«-1-
krampf (Kichhorst II, fr»'). — (1 Jahrb.) Waden-
Krampf Klcr kramen in »lern wal«chlnkel, Schmeller
II. vm| - UrampUH, « in tonischer, schmerzhafter
Krampf in der Waden-Muskulatur (namentlich
bei t'h<dera) (133.'i rnnftis [crnniftis, rramptis], Im
OUf« VII, 14; uach Falke II ), seihst bei «leli nonst
waden losen Tieren ^ Fuhlen) angenommen siehe
Fohlenlahine; , wenn ein oder beide Hinter-
Schenkel unbeweglich starr gehalten werden.
— H'etrr-Krampf » in mit «lern Sehreihe- od.
llolzsau'er - Krämpfe etc. Qbereiustimmemler
Hand- n. Finger-Sluskelkrampf, «ler heim Hin-
u. herwerfen des Weherschi Hebens untei Um-
standen entst. iit Kichh. u, M8). — »'. (»-Krampf
= ein klonischer Zwerchfellki am pf mit Heaptra-
tionemaekelbeleilignng unter «ler Brecheinang
<les Weinens (meist auf zentraler «•. hysterischer
Ursache) (Kichhorst II, 87v). — UuiVr-Krampf
ah.l. wi.lerchrami.h. «.raff I, C37) - krainpthaltert
Hemmen <lei Muekelhewcgung. — HiiHiftdin-
Krampf ein Starrkrampf von Verwundungen
aus. — Zahn Krämpfe - die durch «len Kein der
schiebenden Zahne ausgel« >sten Konvulsionen
«ler Kinder, meist Hydm«-ephahis- Krämpfe (mal
St. Loop, mal d'AJfQtrlV«, BrU*. 201). — Zeichner-
2U*
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.108
Krankheit
Krampf - .Schreibekrampf (Kichhorst II, 5C8). —
Zifkertpulcr-Kx&Tajif = ZilherBpielerkrankheit
(s. d.) fBerllncr kl. Wochcnschr. XVII, 21, 8. 304). —
(1817) Ziffer Krampf = Schüttellähmung, Zitter-
bewegungen mit starrer krampfartiger Rigidität
bestimmter Muskeln (meist Sehreibestellung
der Hand, Paralysin agitane). — Krampf-
(krampflg>,<r,f8]), Kx&mm. • Ada- , -Aderge-
schwär, •Bett, -erbrechen, -erstarrt, -Frau, -Ge-
üder, -Glieder, -Husten, -Kolik, -Krankheit,
-lachen, -Leiden, -Rias, -Schlag, -Schmerz,
-Sucht, ■ Trechung, -Übel, - Wehen, -Zittern, Zuck-
ungen.
krank (Kränke, f. Krankheit, kranken,
kränken, Krank, m. Kran kling Krankler);
krank (zur Wurzel kring ; indogerm. grengh = sich
drehen [Krlng]; angls. cringan, cranc = gebrechlich;
engl, eriukle, crineum m Zusammenziehnng ; schwed.
krank — der böse (iclst, Schindler I, 1875; gem.-west-
germ kriHikn — sich windend wie ein tödlich Ver-
wundeter; ahd. chrancholon = gebrechlich, schwach
werden, Kluge *, 213. 21«. 325; rohd. erste Hälfte des
12. Jahrh. kmne = tnllrmus, acgTotus, delombls, im-
bcclllus, Ihiccldus, D. 237 ; UM kranck — fragilis, Sellin.
I, 1371 ; der durch Verwundung Gelähmte, diu Hin-
geschrumpfte, Schwächliche, Krnltlose [durch Alter
und sonst]; noch t;r. \V. V, 2023; 1. = lei beBBchwach,
kraftlos, schlaf!', durch Alter, Verwundung(<;r W
IV. 1. isla) oder Krankheit gelähmt; Im 15. Jahrh
w ar unser „krank" noch durch „siech" wiedergegeben ;
krank war damals = verwundnngsschwach , ohn-
machtig, kraftelos, emembris . debilis , (I>. II, H8) ;
exeors (I). II, 100), invalidus, welche nedenluug bla
mm 17. Jnhrh. andauerte, aber seit dem 13. Jahrh. das
alte „siech" («. d.) zurückdrikugte ; bei „krank" Ist der
altere däinonlstlsche Hintergrund noch im nermau
isclirn vorhauden gewesen. — 2. = krank, d. h.
abnehmend und schwach, kleiner werden; im
ärztlichen «Inno, d.h. durch eine Lcibeskrankhelt
schwach (damit im «.egensatze zu „gesund") erscheint
„krank" erst im IG. Jahrhunderte und so von der
früheren Itcdeittuiiv (1; = Invalidus vollständig abge-
löst, aberitn 15. Jahrh. noch durch den Iteisatz „Leibes"
auf diu heutige liedeutung beschrankt, Schm. I, 1371).
— 3. — speziell innerlich leibe.skrank (16. Jahrb.)
im Gegensatz zu Biech (= allgemein krank),
leidend, ungesund, kränklich, unwohl, unpass
[» male aptns — franz. malade, Kleinp. 18; 15. Jalirli.
krank - aegrotus [aegrlle], leprosus, Gr. W. V, 2021; ;
namentlich galt man auch durch Schwanger-
schaft, Periode u. Wochenbett „krank" (blöde)
(l.iebrecht x. Volkk. 191); desgleichen war krank
- pestkiank, weil dieses Kranksein sozusagen
selbstverständlich, beziehungsweise die l'est
eine häulige Krankheit war (Heyne III. 160). —
4. - schwach im allgemeinsten Sinne (dünn,
gracilis). — (1C97) krank Rein- krank liefen, in
eine Krankheit fallen. — kranken (kränken)
'11S2 die seuche krenkt den menschen und macht ihn
allgesrhaffen — gebrechlich machen, Zcn. Voc. d d 7 ;
HH3 das Parnlys krankt. C. v. Megbg. ; 1177 kninken =
kleiner machen , zum Abnehmen bringen . z. lt. die
Milz, Ortoll; HS2 krankeu - deeumliere, <ir. W. V,
2030; schwach, bl.nl werden, anheben zu kranken,
Gr. W. V, 2i»29; Oldenburg kn.nkeii stöhnen, <i»ld-
scimiid 157), 1 - krank sein, krank werden, |
schwach werden, erlahmen. — 2. es erkranken
(an etwas). — 3. — krank (kleiner) machen
(Gr. w. v, 2029). — 4. = an der fallenden Sucht
leiden (<;r. W. V, 2030). — kränkein = leicht krank
Bein. — kränklich (mhd. kranclich. nach Gr. W. V,
2039) 1. ^ Bchwach. — 2. = kränkelnd. — 3. =
krankhaft. — Kränklichkeit = Aegritudo imper-
fecta. — krankhaft, 1 . = körperlich kränklich. —
2. = anormal, gegenüber der Norm, nach Gefühl,
Aussehen, Keiezustand. — Kranker (n. Jahrb.
cranker = dchills. Gr. W. V, 2023 ; 1182 kranker = im
lK?oitlus, Zeil. Voc. r2), l. = ein Schwacher. — 2. -
ein an einer Krankheit Leidender. — Krank, m.
(mhd. kranc. krank), l. = (1119) Krankheit (5?chm. I.
1371). — 2. - Krampf, Spasmus (Gr. W. V. 2012.
mb III, 7. 2029 sub Iii ; v, 202«); (vgl. der Gesund
= die Gesundheit) (Tirol). — Krank, n. (seil.
Lent, Mensch) = ein kranker Mensch (Fronni.
vi, 301). — (17.— 19. Jahrh.) Kränkler (Kränküng)
= ein kränkelnder Mensch (oder Tier), einer
der viel kränkelt (Schwächling) (Falke II, M;
Qr.W.V, 2010). — Krankheit (mhd. krnncheit), 1.=
der Znstand des Krank-, Schwächlich-, Kraftlos-
seins, Infirmitas. — 2. = (seit dem Ii. Jahrh ) wirk-
lich krank durch eine richtige l.eiheskrankheit
(1111 nmentla, I>. 29 ; 1512 negrimonia, aegritudo, 1>. 197;
vecordln, I). fiOS; pondo [= lAst, I«a.«tcr] . I). 117
Nosos Hip|K.kraiis) namentlich war a) die Ix;pra;
b) Pest; c) die weibliche Periodo (Menstruum)
und der WoehenfluBB „die Krankheil") (Pfeiffer
III, ICl ; Kriegk. I, 30) = die Sucht (ij. d.) und
im ärztlichen Sinne - i-eibeskrankheit im all-
gemeinen. — 3. = spezielle Organkrankheit
(r.r. W. V. 2038; 1563 war nach den Lehren der Hn-
moralpnthologle die „krankbeit eine fehlerhafte Com-
plexlon des korpers und hauptsächlich der liuraores",
i Keuchte s. d.J, I'iclorius Mff. ; d. h. ein Miswcrhalt-
nl.i in der Mischung der 1 tirundfeuchten, ein Über-
gewicht der einen oder anderen dcrsell>eri ; 1609
„krankbeit ist ein Verwirrung der natürlichen Ordnung
derlelber", Guar 25). — (issO; Krankheit = Störung
des typischen Ganges der Funktionen des Or-
ganismus, soferne die Regulation derselben,
das Anpassungshcstrebcn an diese Störung in-
su fficient ist - anomales Weiterleben (Samuel ] ;
Miinch. med. Wochenscbr. 1895, 8. 196). — HieKrank
heit dachte mau sich früher wie den Tod als
etwas ganz Personliches, und alle Äusserungen
derselben w urden in solchen persönlich-aktiven
Bedeutungen sprachlich wiedergegeben, na-
mentlich waren; 1. Vergleiche mit dem Gegner
im Schlachtenkampfe sehr gebräuchlich: die
Krankheit befällt, ergreift, packt, «chflttelt,
rüttelt, rcisst, wirft nie.ler, streckt hin, ver-
folgt, sticht, tötet; ferner: 2. Vergleiche mit
der Thatigkeit einer feindlichen dämonistischen
Gewalttbat von aussen : die Krankheit ist an-
geflogen (w ie ein Pfeil oder das Geschos« der
l'lben; K. Hahn, Hausteine I, 270; Härtels, Med. d. N.
V, S. Mtl.); sie haftet am Menschen als „Vincu-
lum Diaboli" (Luther VIII, 2-12), ist angethan
(s. d.), angewunschen, gebt um wie ein Geist,
wird aufsteckt, wie ein mit Krätzemilben be-
hafteter Kleiderlappen, und so „vererbt". —
■'{. Die Krankheit ist selbst ein od, gar mehrere
Dflmonen im Inneren des menschlichen Leibes
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Krankheit.
Krankheit.
300
(Parasit), die man bespricht u. vertreibt; solche
Krankbeitsdämonen aind: a) die Geister der
Verstorbenen {«. B. Mora, e. Mar); b) Tiere
( En tozoen , I'arasi len .niedere Organ isuien) (eouf.
Pr. O, 346) («. Kröte, Wurm, Grille, Küfer etc.);
e> der (»eist einea Tiere«; d) ein dämonischer
Mensch, ein feindlich gesinnter Nebenmensch
mit bösem Wicke, der leibhaftige Feind. — 4. Die
Krankheit ist ferner: ein Fremdkörper oder
Giftstoff, der ins Innere gelangte, die Orts-
veränderung eines Organea, selbst das Heraus-
treten aus dem Körper, der Verlusteines Körper-
bestandteiles, Entstellung. — Die Krankheit
tritt darum heraus, schlagt aus, bricht aus
(A. t. 1J. 1, i») oiler aie schlügt sich hinzu und
zurück, steigt auf, stosst an, wächst, nimmt ab,
frisst, schlägt, reisst, nagt, zehrt, sticht, brennt,
macht sehr, nimmt Besitz (besessen) uud stirbt
selbst wieder ab. Dieser Dämonismus in der
Aetiologie der Krankheit ist fast immer be-
gründet in der „Strafe" der (iultheit für Ver-
säumnis der Opfer, daher die Behandlung der
Krankheit durch Sühneopfer (Lipp ehr. 179). —
5. Der Begritf, dass man nicht bloss durch
äussere fremde, sondern auch durch eigene
körperliche Schuld (Boden, Diät, Excesse, Dis-
position) eine Krankheit sich zuziehen, „holen"
kann (aus einer anderen Gegend), dürfte erst
aus jüngerer Zeit stammen, namentlich aus der
an Beobachtungen reicheren Zeit der mittel-
alterlichen Bäder (s. Haineomethodik im Mittelalter
vom Verfasser 8. 14). Den Übergang zwischen
dem altüberlieferten Dämonismus u. der neueren
Nosologie bildete wohl die Anschauung des
Paracelsus (16. Jahrh.)i wonach ein Krankheits-
samen in den Körper gesät wird, aus dem
dann die Krankheit« - „Materie" erwächst;
„dasselbe, das Erwachsen ist die Krankheit"
(Hmms I. im) (nicht die Materie, nicht der
Samen); vergl. auch Kochen. Nach Pastenr sind
«liu Krankheiten Prozesse, welche von zwei Fak-
toren bestimmt werden, von der wechselnden Ite-
schafTcnhcit der Parasiten einerseits, von der lte-
wlmrTcnh.it des Wirtes andererseits, also von einem
Kampf ums Dasein, dessen Ausgang- von den ver-
schiedensten und grösstenteils noch Ranz unbekannten
Einflüssen bestimmt wird. Es ist aber alles »chon
einmal dagewesen; setzt man «n die .Stelle des
Parasiten den Wurmdtluion , so wiederholt sich In
Pasteurs I.ehro die uralte voltsühllchc Nosologie. —
Krankt, f., m. (Kränket, f. Kränkte, [IMl]
Kränke) (am ,, Krankheit" zusammengezogen und zu
. Kranke" verkleinert; noch Gr \V. V, -041), 1. =
Krankheit im allgemeinen. — 2. = Epilepsie,
{um Gicht, Krampf, Fest, Leibeskrankheit,
Schwäche. — 8. - Teufel = Krankt, in. , um
den Namen des Teufels nicht aussprechen zu
müssen. — 4. — die schwache, leere, dünne,
weiche Stelle am Leibe (Weiche, Dünne, Öde,
(s. d.) (Ur. W. VII. 1H6). — (Kranken) Kränket -
Kpilepsie. Pest (Ur.W.V, U0I1). (Vorarlberg, Karnthen)
Kränke - Krankheit, Kränklichkeit (Ur. W. V,
a>29 ff ). — (Nieder- Kheiu) Krenke, Krenkde =
Korperscbwftcho (Gr. w. v, 2084. joii). — (Franken,
Kl»**«, Hais] Kränk, f. Krampf, Epilepsie, Pest
II Paul 2«o; r,r. \\. v, atwuj. — Demnach ist als
„Krankheit" (stricte sie dictum), weil die
schwerste und auffallendste oder weil zeitweise
(bei einem Individuum) häutigste, meist ver-
standen: n) Epilepsie (Sehmeiler I, 1.(75) ; b) Fest
(Schindler 1. cod.); c) Seuche; d) die Kränklich-
keit im allgemeinen, Aegrimonium, Morbus,
Inlirmitas; e) weibliche Periode (s. Blödigkeit)
(1631, Kraut w. XXI; I73'i mcnMruum, V. 11. 7"i) Luther
nahm schon „mehr denn JOO Krankheiten, die des
Menschen l.eib plagen", uu (Zettsehr. (. d. Piniol. XXVI,
3*J. 86); im Laufe der Zeit sind sie nicht weniger ge-
worden. — (läMJ Alkiänkung - Inlirmitas, das
Schwachwerden, Abnehmen (Gr. \\. I, 61). —
(1G2.h) abnehmende Kr. — das Zehrfieber, wobei
der Kranke an Fülle des Körpers abnimmt,
Febril hectica (U. r. Gcrsd s-.»). — (1630) abscheu-
liche Kr. = die schreckliche, arme Krankheit,
Epilepsia (Frais, s. d.) (St. «.-Mirakel). — (1616)
absterbliehe Kl. — eine Epidemie, die allmählich
von seihst aufhört (Paraeelatu, ap. i, J89,- Gr. w. I,
131). — (1*64) Addison sehe Kr. — die nach dem
englischen Arzte Thomas Addison, der über
dieselbe 1S55 zuerst geschrieben, benannte
Bronzekrankheit (s. d.), eine allmählich ein-
tretende, dunkle bis bronzeartige Verfärbung
d. Haut mit auffälliger Muskelschwäche (Neben-
nieren-Erkrankung; nach anderen eine Er-
krankung durch den Nervus sympathictis),
Melasma stipraronale (Averbeck, d. A. Krkbt., i»C9,
Erlangen). — äayptische Kr. s. Augenkrankheit.
— (17504/7^- Kr. = einescheinbare, eingebildete
Krankheit (wie der Afterglaube kein wahrer
Glaube) (a, v. H. I, izua). — Aleppo-Kl., 1. - ein
KollektivbegrilT für eine Reihe von Hautkrank-
heiten, die nach früherer Annahme etwas für
Aleppo Spezifisches haben und selbst auf Tiere
übertragbar sein sollten (Kalke Ii. Ii) — 2. —
Aleppo-Beule (s. d.). — (17*>) allgemeine Kr.,
1. — eine Epidemie, die allgemein herrscht,
„umgehende Seuche" (A. v. II. II, 699). — 2. -
die den ganzen Körper beherrschende Konsti-
tutionskrankheit (Scrofulosis, Gicht etc.). — (1862)
Alkohof-Kx. = Gesundheitstörung infolge von
Alkohol (s.d.*) Vergiftung (Pierer 7. 1.C06). — Alp
(älpische, elbische) Kr. = s. S. 12 b u. Nacht- Alp,
| elbisch, Elfadl, Alpschuss, Alpdruck, Alp>lusel,
Alprasen, Alpstich, Alpsucht, Alptrug, Alpzopf,
Nachtmar (Incubus) (Gr. W. VI, H66; alc werden
am Donnerstag, dem 'Inge Donar'*, de« Klbenbehcrr-
sebers, beschworen, Hochholz II, 31; K. Dahn, d. G.
I, 296). — alt-kx., -Kr., 1. = chronisch krank,
diu aegrotus (Gr. w. I, 273). — 2. - durch Alters-
schwäche krank. — 3. = (ir>i2 «In altkranckhelt —
Inlirmitas quac lacit hotnlneni diu languere, D. 616)
eine Krankheit, die durch ihre Dauer, ihr Alter
den Menschen schwächt (ehron. Krankheit). —
(1743) amerikanische Kr. - die angeblich durch
Matrosen des Amerika- Entdeckers Christof
Columbus nach seiner Kückkehr aus den ameri-
kanischen (westindischen) Ländern mitge-
brachten spanischen Pocken Spanische Rande,
indische Krätze} = Syphilis (MM. Medik. 160). —
(1316! St. Andrcas-Kr., 1. - St. Antoniu«feuer
(s. d.), Ignis sacer (Du fange V, 61«) (Schweine-
rotlauf, Milzbrand); St. Anton und St. Andren*
hüben Itezug zum Schweine ; am St Amlreastage opferte
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310 Krankkeit
nun mit Weizen gemästete Schweine (Kolbe 119);
ilaher St Andreaskraukbelt er (1317) iiilinnilai saneti
Anlonii; die Autouilcr wieder hatten ein Amlreas-
kreuz im Wappen (Ilaeser II, 121 *. auch l*r<|nell
18U7). — 9. = Gicht, weil St. Andreas (licht
patruii ist (Vergickt, Kaltwek). — angeborene
Kr. = eine Krankkeit, welche dos Kind kei
der Geburt mit auf die Welt bringt, die also
sekon im MuMerleike auagebildet vorbanden
war. (1A7SJ angetcunscfienr Kr. (~ „Jede Krank-
heit, welche vuiu Teufe! dem Menschen am gotl-
lieber Vcrluingni* angcwuiiMcht winl", Thiirnci*scr ;
<;r. \V. I, .'»22; [Tirol] ungewungehte kn-nket, Wolf)
die nach dein Volksglauben durch neidischen
Wunsch angezauberte (s. vermeinen) Krankheit.
— «»kränkeln - anstecken (s. d.) mit einer
Krankheit (<ir. W. I, 887). — (I7jf.) ansteckende Kr.
— Morbus contugiosus (s. anstecken 1), jede
«buch Infektion mittelst (ibertragbarer, wenn
auch nicht immer sichtbarer Mikroben ent-
gehende Krankheit(A. v II. 1,470). — St Antonius
Kr., I. - St. Antonius- Feuer (s. d.). — 2. =
St. Kiakrius- Krankheit (In maladie St. Antoine)
— Feigwarzen (Feig) (itriss. iso. 219] (s. St. Anton).
— 3. = 8t. Andreas-Krankheit (s. o.). — (ir.32)
St. Apallinnrü-Kx.^ Vergeht, Gicht, Analepflie
[ A poUinari* - WSHer waren «chon seit etrmki«(lut>
Zelten tieriihmt, und «lern (Julie Apollo schrieb man bei
Ucnesungen den Hauptaaleil zu [BeiInge z. Allg. 7.. ls;*,
IMS. 8. 4]; gegenwärtig Ist Apollinaris - Wasser ein
Ulcntwasnr [s. ßt. Apollinaris]). — (is7:i) Arbeiter-
Kr. - eine Krankheit, die durch den Arbeiter-
bernf veranlasst ist — arme Kr. ■= Epilepsie
(Samson : die Schutzheiligen), als hemit leidenswerte
Erscheinung: daher auch (l^sy maladie obecore,
Da Gange V, :.18) = Morbus obscurns (s. fallende
Krankheit). ■ (1751) Armee- Krankheiten
Krankheiten, die eine Kriegsarmee befallen
kdnnen, wie Ruhr, Petechialtyphus etc. (K. u. 1'.
I. 121; Pringle Un ding). — .-lrZM<*»-Kr. = eine durch
Hcilmittel-Missbrauch erzeugte Krankheit. —
;n;-.".<: antratet he Kr. ^ die nach früh. Glauben
durch die Gestirne (aster) beeinfiussten Krank-
heiten, die man durch das Tragen von Metall-
kk.'cken, als Anziehern der magnetischen Kraft,
heilen wollte (1719, W. Mag. 77; t. M. II. 210). —
Äugen ~ KT. = Morbus oculi; die nutkklligstcn
Augenkrankheiten der nhd. Zeit waren: Blind-
keit, Staar, Sckielen, übersichtigkeit, Horn-
hantflecken, Flügelfell, Mondauge; der Binde-
haut-Katari h (Kit) Augcnlider-Kr. — (lsi'j)
ägyptische Augen-Kr. die seil Napoleons
Ägyptischer Expedition 17t IS — IS01 in Europa
unter den Soldaten herrschende, ansteckende j
Uindehautentzflndg ., Ophthalmo-blennorrhoea
epidemica militari», contagiosa s. granulOM s. ;
diphtheritica etc. (Arlt 41; Ilaeser II, C77). — (U-90)
äussere Kr. — ehirutgische Krankheit (s. d.),
Hautkrankheit, nicht in inneren Organen,
Sitflen od. Nerven sitzende Krankheit (Stemm.
266). — (isla) ausdorrende Kr. (Aatgau) - Febri«
hectica, eine Krankheit, wobei der Korper
magerer, trockener wird (Kochholz, Z. f d. Ifythol,
IV, 110; Z. d. Yer. t. V.-K. 1894, 8. 4"*). — (180A)
ausländische Kr. - vom Ausland mitgebrachte '
Krankheit, Syphilis z. 13. — Ausschlags - Kr. = I
Krankheit.
Kxanthema febrile (Sobernheim ISA). — (1810)
Basedowsche Kr. = die Glotzaugenkrankeit
(h. d.), (aiieh Maladie de (Irnrcs; ls.T'< Graves dlswwt;
il morbo «Ii Flajnni [vom römischen Arzte Klajan ziem-
lich genau beschrieben], Villar. I, IM», Ann.; ,.1M0
beschrieben von einem Mereeburger Arzte Basedow",
Huber). — (l.v.i) 6«urA-kr. = Leibschmerz em-
pfindend (Hock 214). — (1417) Bauern-Kl , hol-
steinische - Mutterkorn -Vergiftung unter der
dortigen Bevölkerung (liecker 317). — (1510) be-
fleckte Kr. — durch Ansteckung, Befleckung
(Contagium) erworbene Krankheit (I). 146). —
(t69i>) Bei-Kx. = das bei einer bekannten Krank-
heit vorhandene nebensächliche Symptom (v. M.
11, 114). — Bein-Kx., 1. - eine Krankheit am
Reine (Fuss). — 2. = Wochenbett (s. Fuss 8
8. 173) (Mebrccht, ». V.-K. 4M ; ItochhoU, aleraan-
nlacbe Kinderspiele 127 IT. ; Zcitschr. d. V. f. V. K. ls->i,
8. 48). — Berg-Kr., 1. = (K.ie) die von der Berg-
manns-Arbeit herrührende Krankheit im all-
gemeinen (Permoebnu), chronische Phthisis durch
Staub-Inbalation (Bergsucht) (l'r. II, 93). — 2. =
(1S.M) das Bergasthma (s. d.), mal de montagne,
mal ile ballon (Luftschifl'er-Anamie), Mal de
Buna, di Buna, Sorroehe, Marco, Hypsonosoi«
(Alex. v. amöboid; Krau», K. 61d; Mltt. d.'p.-Ü. A. V.
iss'.,2t>, iierer.7. 1.sss). durch Luftverdünnungund
Muskelanslrengung in Höhen (Höhenkrankheit)
verursacht. — 3. — der primilre Lungenkrebs
bei Bergwerksarbeitern (Lungenkrebs) (Archiv
f. Heilkunde 1878; Samuel 2431). — 4 die Grtlhen-
krankheit (s. d.). — 5. = der Kretinismus als
Oronosos, dessen Entstehung man dem Mangel
an Licht auf der Schattenseite des Gebirgen
(». Alpenkropf) oder dem B«»rgwa«ser zuschrieb
;Kraus, E. 703). — 6. = engl, miners clbow, ViU. U, 316)
■ eine kei den englischen Koklenarkeitern ke-
ohacktele Anschwellung am Ellenbogen (Bursa
olecrani). — Berufs-Kl. ~ eine Krankheit,
die man sich durch Ausübung seines Berufes,
Geschäftes, Gewerbes zuzieht. — Bcschälcr-Kr.
— Krankheit, Seuche (s. d.) der Beschltlpferde
i Franzosen). — besprochene Kr. = durch zauber-
haftes Besprechen (s. d.) veranlasste Krankheit
— (1713) Bettel-Kr. = die hei gemeinen oder
Bettel- Leuten hantiger beobachtete Lepra (Aus-
salz) (blbl. Medikus 577). — 2. s Bettelmann. —
(1787) Bibel - Krankheiten = die in der Bibel
erwähnten Krankheiten, die der bibl. Medikus
(I7t:t) zusammenstellte, z. B. Aussatz, St. Jobs-
krankh , Zaiaath, St. Lazaruskrankh., Fest etc.
(Pr. I, 86; 1(172 morbt biblicl Bartholini. llut«>r). —
(I.VJ6) blätteriehteKr. » Blattern k rankheit(ZeMeehr.
f d. Phllol. XXVI, 238). — Blasen-Ex., 1. = Urin-
l>lasenleiden. — 2 = Blasenansschlag, Pem-
phigus chron. (Fnobi II, 4MJ. — 3. = Maul- und
Klauenseuche als Morbus apbtboaus (Bläschen).
— St. Blasius-Kx. ^ Angina, Gynanche (siehe
St. Blasius) (Zcitscbr. d. Ü Ö. A. V. 1893, 8. 181;
l»u fange V .".17; - 1 laiskrank h. - (ir.18) Blaltern-
Kr., a) (l'arnrelsiiH : nlvo vom Schlier und AuwaU
ist entsprangen die kranckhett tlcr blatern) Syphilis
s. Blattern) (l'r. II. 147) ; b) = die Pockenkrankheit,
Variola (Menschenhlnttcrkrankkcit). — blaue
Kr. Blausucht i's. d.) (Fuchs II, 349). — Blei-
Kr. = die durch Bleivergiftung veranlassten
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Krankheit.
Krankheit.
311
körperlichen Veränderungen, Morbus satur-
ninus (s. Kolik, Gicht, Epilepsie). — blcieheKl.
— Bleichsucht {Cht. Sam. 1, 210). — Bliit-Kl , 1. "
eine Krankheit, «lie im Blute liegt, d. h. aua
fehlerhaft. Blut«|ualitftt entspringt, z. B. Anämie,
Skorbut, Leukämie, Hämophilie, Chlorosis uml
andere konstitutionelle Krankheiten (le* mnla
■lie* dans lc saug, Kichhorst II, 7'JO H ). — 2. = (174'.»)
Blntanhiiufung im Mastdarm (Schindler I, 3.*»;
Kulte I, rnj (s. gähes Blut, üherhtut), Anthrax
od. Milzbrand in der unteren Rfiekenmarks-
höhle = Milzblut -Krankheit. — 3= früher
= Saftekrankheit (s. d ). — Bluter-Rr. - krank-
hafte Anlage nnd Neigung zu unstillbaren
Blutungen (Blutfluss) selbst nach geringfügigen
äusseren Verletzungen (Haemophilia, Melaena
neonatorum) als Ausdruck der sogen, hämor-
rhagischen Diathese (h. Konduktoren) (K<»iifr,
< hinir*. I. 30). — (1775) Blutfleeken-Kl. Morbus
maculogus Werlhofti (Ziems». Hdb. xiv, l 32ä. 321»).
- (1M6) Blutlebens-Kx. ■» eine Krankheit, die
mit der Änderung des sogen. Blutlebens (regres-
sive Metamorpliose, b. Mauserung), z. B. im
Alter, in Verbindung gebracht wurde, z. B. dir
grane Staar (Gr. W. II. 1*6). — böse Kr., 1. - jede
schwere, besonders auffallende od. Ansteckende
Krankheit, Morbus mslignus, r •:. Typhus (als
mechanle tievre, Bris« 131; Gr. W. II, 249). — 2 ~
Kpilepsia (A. v.H. 1, COI; Steiermark; l'lalz; ruuli 54;
Kaltsrbm. II; 1711; Kirsch 10t). — 3. = Morbus
ini<pni8 s. malus = heiliges Feuer (s.d.) (im CaiiKe
IV. 3.*, V, 517). — 4. = (1620) Pest (Dr. Minderer;
s. d. Verl. V.-Mcil. S. 226). — 5. - (1631 mala fnuiio-.se.
Lainraert, V.-Med. l'j«) Syphilis (Neumarkt 1. Opf.)
— G. = vergl. hundertfältig hose Krankheit,
durch bösen Zauber angethane (s. d.) Krank-
heit — tW«-kr. - seekrank (Uklbg.j Z. d. V.
f v. K. 1S95, «7). — Borna »che Kr. ■ eine seuchen-
haft aufgetretene Ccrebrospinalmeningitis bei
Pferden, die von einem Thierarzte in Borna
Sachsen) zuerst genauer beobachtet wurde. —
(1827) Bricht sehe -Kl. = (die nach dem Londoner
Ararte R. Brtght [1789- 18,1s] benannte] Nierenkrank-
heit. Albuminurie und Wassersucht bei akuter
oder chronischer Nierenentzündung (Baas 460;
Bricht Kehrauehte die Ausdruck«- [Iv.-T] Disease«! kldney
in dropsy, [18t3] Renal disea-u nec ompiiKiiled »Ith
letnaÜon of albuminous urine'", Huber 4). — (ls56)
Bronze-Kr. s. Addison'sehe Krankh. (« anstatt.
Jahr -Her ). — ^iff. ! ^T- - Stiersucht (s. d.).
— (1577) Brunner -Kl. — eine Syphilis-Endemio
in «1er Brünner liegend (Österreich), durch das
Schröpfen in einer Baderei entstand. -n bezw
verbreitet (Schnurrer II, 12V; Kuchs II, 7 16 ; lt<>sen-
tS; pr. II, 40], — (IMS] brust-kl., 1. - (Leipzig)
eine verhüllende Umschreibung für Verrückl-
sein (Wustmann 426). — 2. = eine Krankheit der
Brustorgane, namentlich Pneumonie und Eng-
brüstigkeit (Gr. W. II, U\>; Colcr, II. A. 11«;). — (MM)
giftige Brustkr. = eine ansteckende seuchen-
hafte Krankheit mit vorwiegenden Brust -
Symptomen (Fnentnonia c. Petcehiis ?.. B.) (v. M.
II. 121) — seuehige Brustkr. = Pferdegrippe als
Epizootie (Mayer 174). — (17^-J; chinesische Kr. *
Influenza (isoi, Dr. Vogel;, aus China, angeblich
durch Miasmenbewegung verbreitet angenom-
men. — (if.it;) chirurgikalische , (isu7) chirur-
gische Krankheiten - «lie durch äussere hand-
greifliche (wundarzneiliche) Manipulationen
Operationen) heilbaren örtlichen Krankheiten
gegenüber den sogen, inneren und allgemeinen
Krankheiti-n od. inneren Siechtagen fl'antrelst» ;
Haeser II, 161; Helm 84). — (1531) Vhulera-Kl. -
Cholera morbus (s. Cholera; (iioeser II, 731). —
deutsche Kl. = Syphilis (Kichhont II, UM}; von
«len polnischen Nachbaren der Deutschen ge-
brauchte Bezeichnung; die Deutschen machten
die Kranzosen hiefür verantwortlich. — dietmar-
sitche Kr , H7S.1) Morbus dithmarsicus (Inauc -
Dlss. W. Genters. Kiel 1878). 1. = Radesyge (Nor-
wegen), schlechte Seuche, l.epra bolsalica, nord.
Aussatz, holsteinischer Aussatz itchrcud 72). —
2. = (noch Ziems» Hdb. III, 17 und K. u. I*. III, 112
nicht I.iprn. sondern) Syphilis (nach «ienters 1. c.
Syph. hereditaria tarda) in «lietmarsischeni Lande
(= deutsches Marschland), wo unter den meist aus
Norwegen, der Heimat der Radesyge, stam-
menden Deicharbeitern an «1er Westküste von
Holstein u. unter den Leuten in den russischen
Ostseeprovinzen diese Krankheit herrschte;
(vergl. Marsch-Krankheit). — (1616) Dreck-Kl.^
Syphilis (?) (s. schlechte Krankheit u. Radesyge
b. Syphilis) (Or. W. V, 2039, ruraeelsus). — Dreh-
Kr., 1. B Drehsucht der Schafe, die mit ihren
charakteristischen, durch einseitigen Blasen-
druck im Gehirn veranlassten Drehbewegungen
's. Rausch) eist einige Monate nach der In-
fektion des Gehirns mit dem Blasen- od. Dreh-
Wurm, Coenunis cerebrales, tjuase (Schöps-
drehe) auftritt (l.eukart 17 t, <ir W. II, 1367; Wustm.
101) (s. verwerfen u. Cmgiinger*). — 2. — beim
Menschen: Schwindel mit Neigung zu Ohn-
mächten, Ilingus fTheophrasti) (Krau*, K. 527;
Müller, Krtrbcb. 572). — 3. = (nach Alpb«. 110
angebtleb auch) Rausch (als Rausehbrand). —
falsche Drehkr. = die durch Larven der Schaf-
bremse (Oestrus ovis L), die nur in den
Nasengruben (s. Grübler), nicht im Gehirne
sitzen, erzeugte Schleuder- Krankheit oder
Bremsenschwindel bei Schafen. — DriiHcn-
Kr., L - Scrofulosis (s. d ), welches A 11-
getneinleiden sich fast stets mit lokalen
Drüsenanschwellnugen sichtbar macht (Gr. W.
II, H62). — 2.^- Perlsticht d«^r Rimlcr (Tuber-
culosis glandularis) (K. u. r. II, lü). — 3. —
ir.vj clandium) P«'st 's. Beulenpest und Sterb-
drüse) (Schnurrer I. M8). — (1848] Eyel-Kl. =die
Krankheit der Schafe (s. Leberfaule) durch
ilen I eber-lytiel I Mstomum hepaticum i alke
II, 53). Kijersund-Kl. ~ Radesyge (Syphi-
lid) im norwegischen Eirersunde Vill. I, IM).
— einfache Kr., L - eine ohne weitere Zufalle
oiler Komplikationen nach dem schulgemttsseti
Krankheitsbilde verlaufende Krankheit. — 2. «
eine leichte Krankheit. — eingebildete Kr.
Afterkrankheit (s. d.) o.ler eine solche, die nur
in «1er Einbildung existiert. — einheimische Kr.
- Morbus enchoricus, Endemia, eine an einem
b.-st;niitd<'ti t »rt»- bes«in«lers oft wiederkebr«n«le
o«ler beobachtbare Krankheit, z. B. Kropf, Kre-
tinismus, Malaria, Typhus etc. (s. Landkrank-
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812 Krankheit.
heil). — Ei«<n-Kl. - nach dem Vorgänge von
Karacelsus (Haas 20s) die Bezeichnung für eis«
Huret) Eisen heilbare Krankheit. — elbisdte
Krankheiten - s. s. 12 b u. ob. Alp-K rankheit.
Elephaiitcn-Kx., 1. ~ Elephantiasis arabica,
die den monströsen Elepbnnteu - Kuss (s.d.),
Knollfuss (Makropodie) macheiule Lepra (Hohr.
01) (». elephantische Aussätzigkeit \4], Knoll-
Sltcht U. Klephant); (951 clefaneiasi pestc, Lorsch 6«;
I i. Jahrh., mini. Klcphnncin ( ■ Lepra, Aussatz] das
l«l eine Sucht, wie tialigcuus l>eschiiel>en, ilic wird
davon , wenn einem Menschen da« Ulm beginnt xu
faulen »11 seinen Adern und aus der natürlichen Hitze,
die da Ist in dem Magen und in der Leberen und in
der Lungen, wann die beginnt aufzubrechen, und das
wahrt *>■ lange, bl« der Hitze nicht mehr Innen Ist,
110 winl das Herz bcschwarl und muss siech werden,
dieweil es dies vermag und das« et die natürliche
Hllxc hm ; diese Sucht [suke] ist allcrschw erste und
heisst Kl< phaneia nach einem Thiure, das heisat elephas,
und «las ist stark und gross, und diese Sucht erkenne
uls«i . die Augen sind ihm senuevolt [— Augenschmer-
erfüllt] und die Wynbraune lallen Ihm aus und ist
rodclachtkh [rotllcht] unter den Augen und sein Blut
ist also faul innerhalb [bynnen] und seine Haut ist
alle Zeil (ett. als üb sie geachmieret sei, und kein
Wasser kann darauf halten, nach Mag. Harth. 62b B.j.
— 2. = Stauung»- oder Kntzündungsoedem,
vuriki.se Lymphangoitis (ehron.), als Ursache
solcher abnormer Verunstaltung der Küsse. —
3. -der Kaden wurm (als Ursache von 2), Kilaria
sanguinis. — 4. — Hypertrophie der Extremi-
latenknochen durch Syringomyelie. — 5. =
manchmal auch vielleicht Syphilisaffekiion und
l'ocken (h. Elephantenkrittze). — ti. = der liaut-
rotz beim Pferde, der durch die Rotzbazillen-
wncherung eine unförmliche Verdickung der
Küsse macht. — (1050) englische Kl., 1« - Kha-
chitis, die (1613 cc.) näher erkannt und (lßi?)
von englischen Ärzten zuerst genau geschildert
Win de ( l>'K»plnc U. Tlcot, liruudriss der Klndcrkrank-
heilen S. i.e. Lersch 2 so Auw.) . uuterwaehsen,
iloppeite Glieder, geknüpft, lieinkrümme, engl.
r-ii-u<d>le, Zwiewuchs, Zahnen durch die tilieder),
Morbus anglicus engl., ltiüu tue rlkela; dan. riset,
Z. d. V. f. V.-K. 1*97, 49; KichhoM II, 90S; A. v. II. II,
6.HH; Ackerm. 622; IT II, 505; l'latuer II, Btt; Stbnurrcr
II, 158; l>e lock 79). — 2. » (fälschlich auch)
• >slcomalacia, Knochenerweichung (Kraus, ]■. ,.
— 3. — eine pyümisehe lielenkkrankheit der
l.itmmer mit Anschwellung der Knochen (Merk
259). In Skandinavien unterscheidet das Volk mehrere
Arten >on Khuchitis ( _ sVcrlva, skefva) a> Kak skerfva,
eine Kuchen Uh. (s. Kuchen); b) Jord-skerfva — Krd-
Kli. (mit Käsen behandelt) , e) llor-skcrfva durch Hurcn-
blick (bo-er Mick) veranlasst; d) Lik-skerfva — Leichen-
Kh., die bald zum Tode führt (Z. d. V. f. V.-K. 1SU7,
52. 63). — £njAuttsfl»i/.eiN-Krankheiten = die
angeblich aus der geschlechtlichen Abstinenz
entspringenden Krankheiten bei Miinnern und
Jungfrauen (Griesinger 203). — (1889) Entwicklung**
Kr. — ein wahrend der geschlechtlichen und
koiperlichen Ausbildungsperiode (Wachstum)
sich einstellendes Leiden (Kraus, k. 388). — (17SJJ
/.'«^«Hdnnf/.s-Krankheiten - die mit Entzün-
dung (s. d.) einhergebenden (akuten) Krank«
Krankheit.
heilen (M. H. I. I. 598. GOG; Helm 277;. — (16. Jahrb.;
Erb- (erbliche) Kr., 1. - Morbus contagiosum,
ansteckende Krankheit, ursprünglich wohl die
in der Sippe fortcrerbte od. aus der Erbschafts-
Sippe übernommene Kraukheit, die man [1661]
schon durch die Anschauung (contagio aspectus :
eines Kranken erhalten zu können glaubt«
(Gr. w. III, 731) und die man in andere Dörfer
mittelst eines Gegenstandes (Fleck) vertragen
I konnte (s. Befleckung u. Ansteckung). — 2. —
Morbus a parentibus propagatus s. hereditarius,
s. eonnutritus, dies die wirklich vererbte, von
deu Erzeugern u. ihren Ahnen durch die Zeugung
überkommene, von l'aracelsus zuerst als „erb-
lich" (heredit.tr) bezeichnete Krankheit tivri und
werden also Krhkraukhcilcii daraus», wie wir dann
scheu, das es auch unter uns Menschen geschieht,
das et w ann das leidig Podagn Uttt6M, BWttkea Od«
Kendenweh, Apoplexia, Mangel des liesichl, Hoeler
und dergleichen such mehr in ein üe-schleclit ein-
wurulen, Seb. 221; Krbkranckheilen, das* sein ncmlich
diejenigen, so einem Kos» von seinen Kltcni her und
also von Natur angeboren werden als da Ist ein boess
liesicht, Speckhalsig, ein schwerer böser Athen), satt
od. vollblütig, tlussige Schenkel u. andere dergl. Krauck-
heiten mehr, Seb. 261; 171C , .solche Gebrechen, diu
von Natur oder von den Kitern angeboren werden")
= hereditäre Krankheit (<Jr. W III, 727, VIII, lll.s;
Pr. II, 71 ; bibl. Med. 3».2). — 3. = (speziell) die
durch Ansteckung (s. Erbe) erworbene Syphilis
(s. Erbsucht) (Uaas 195). — Erkältung* -Kl. =-
eine durch Abkühlung der Haut (s. kalt) ent-
standene Krankheit; Erkaltung (s. d.) ist eine
der häufigsten Krankheitsursachen im Volke,
eigentlich nur die Disposition zur Krkran'-ung.
— Falkadisehe Kr. = s. Falcadine (Schnurrer
II, a7). — iuz>)falUnde Kr. = die fallende Sucht,
St. Valentins- Wehtag, schwerer, strenger, büBer
oder empfindlicher Wehtag, Waih-Tag (dies
die alteren Namen für); Epilepsie (s. d.), die
Kränkde (s. o.), weil die Kranken bewusstlos
hinstürzen und von ganz auffälligen Krämpfen
befallen werden (1119 fallinde kräng hell, Kricgk l,
5. 27; or. W. III, 12S6; V, 2011; A. v. H. I, UiOl ;
Synonyma Morbus cailucus, gn>ssus s. magnits *.
comitlnlls s. siicer s. dlviuus, « Jaleni; Morbus 81. Ger-
man!, üu fange IV. 142; V, 517; ias9 Morbus obscu-
ms ( — la maladle obscure]; 1401 Morbus puleher
— 1404 [le bcau, grant, gros mal], Du lange V. 518;
IX, 260 (ex adverso); 1463 Morbus St. Nazarll; Morbus
St. Muthurinl = 114S maladie St. Mathurin [1. c] =
Mit, Morbus -t. MatheUnl; Morbus St. I.upt - Uli
iiinl St. Leu; 1113 mal Monsieur Saint Kotip; 1.152
morbus beali l.upl; 1:152 Morbus sonticus, Morbus
I St. Valenlinl, 8t. Johannis, mal de sein; 1382 mal
j d'Avertin [adversaltts] — morbus qui n sensu avertit;
1425 maladie d Avertin de lesle liommcc gotlte Islehe
Tropfen'); mal de l'Ksvurtlu - l:kS9 aveurc mal caduc;
Du fange 1 c. j engl, falling sickuess). — Die gross
fallende Kr. - Epilepsia im (iegensatz zum
[franz.) le petit mal (Iiock 222). — i"rtmi7if«-Kr.
— eine in derselben Familie öfters aufgetretene,
zumeist vererbte Krankheit (s. d.) o<ler Krank-
heitsanlage, z. B. (ieistesslörung. — (Knde des
l« .inlirh Faul-Kr., I - putride Infektion (Ty-
phus) (üolüachin. 155, Or. \v. in. 137».; uls Krauk-
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Krankheit.
Krankheit.
31.1
heit, die durch Fäulnisstofle, die in den Körper
(Hängten, entstanden wäre (auch Dyskrasie)
{Kvll III, 282; eh. L. Holtmann i 1721 — 1807] war nach
Haas 3vl ein Uauplvcrtreler dieser Doetrin). — 2. —
die Waldkrankheit (s. d.) der Schare, weil die
Tiere dahei sehr faul, kraftlos werden (AMIg.
126,1. — 3. - die Federsucht (s. d.) (Goldschw. 15.. .
— (i»2S) Feigtcarzen-Ki. = tum Unterschiede
von der Tripperseuche (s. d.), die mit Condy-
lomen sich äussernde Venerie oder Syphilis
Sycosis llahnemanni, s. Fiakers -Krankheit)
(Kopp II, M9; Kraus, E. 1010; llaeser 1, US). — (174»)
Feld-Kl. ~ Armee- oder Lagerkrankheit (a. d.)
(K. m. ch. 168). — Fett-Kx. ---- Fettsucht — feuchte
Krankheiten — - in der alteren Medizin die aus
Phlegma und Hheuma (s. Natur u. Feuchte)
hervorgegangenen Krankheiten (Gr. w. V, so). —
Feuer-Kl. ■ wildes Feuer (s. d.) oder Milzbrand
Kankkorn) der Kinder (Gr. W. 1586. 1587. UM;
dazu auch das Feuerkraut = Helleborus, Wrnnijkraut,
(1591) St. Fiakers-
Bmodworwl, Kol. 82. 87). — St. Fikarius-
(1741) St. Fikards-
Kr. - Apostemata (Du caiigc v, 517 (syphilitica)
53 Schanker und Condyloma ( = tuberculum ex
iuflainuiatione natis eircum anum, Du Cause II, 487)
- Feigwarze); (auch der oberdeutsche Si. Fiaertua,
d h St. Leonhard [Neptun us e^uester] war Patron bei
Syphilis, wie auch St. Mouuu, St. Valcntiiiu«, St, An-
tonius; die Reliquien des hl. Fiaerius wurden von
Meaux nach l'aris gebracht, um den After de» Kar-
dinals Klehelieu N heilen, Itriss. 17»; Zeitschr. d. D. Ö.
A. V. 1493, S. 199 ; Beitrage xur Anthrop. und Urgeseh.
Häverns 1894, 3. 65; Had. Jtin. 386, Morbus St. Julian!,
». 8t. Diacrii, St. Evogrii. Du lange V. 517; le fle d«
St. l-'iacre [fle-atre — schwarzes Afterblut, s. Itriss. 179.
IM)] — cenus cancrl, carnosls partibus adhaerere aolitu«.
primo calli instar dures. il [ludurlerter Sehanker], dein
callus in pus converstis, proxlmo» partes sensim de-
pudroi [- phagedanUchl, Du fange VIII, 3.5. 3«7),
— (1777) St. Fickards-IÜT. - Condylom« <D. 110)
— unter Anlehnung au Plg-Arach Condyloma) um-
Rebildet au« St. Fiakrius- Krankheit (s. d.). —
fieberte., 1. - mit Malaria-Krankheit (Wechsel-
tieher) { = Intermittens s, pyretos Galenit behaftet.
— 2. — an einer mit Fieber («. d.) einhergehen-
den Krankheit leidend. — Filaria-Kx. — eine
durch die Anwesenheit eines Fuden- (filum)
Wunnes (Filaria medinens. s. Bancrofti, Guinea-
Wurm, Goldwurm) im Blute, in der Müs, im
Hoden, Samenstrang etc. veranlasste Krank-
heit, wobei nicht selten infolge von Lymphe-
stauung in den unteren Extremitäten ele-
phantiasisartige Anschwellungen am Moden-
sack und Unterschenkel eintreten; der Wurm
kommt in allen Tropenlandern vor, also in
den früher zumeist von Arabern bereisten tie-
bietet), daher Elephantiasis Arabum. — (1838)
.Finnen -Kr. — Erkrankung an Eingeweide-
würmern, z. B. Cysticercus (s. Finne, auch
Trichine) bei Schweinen u Menschen (Bothrio-
cephalus- Anämie), Franzosen beim Hornvieh
(Leukart 1»9; Merk 155). — (19. Jahrh.) Fisthnchuppen-
Kr. =■ Ichthyosis ■ Albarras nigra (Bua 133),
eine angeborene oder erworbene abnorme Bil-
dung von Hautschuppen-Massen, die neben-
einander liegen, wie die Fisehsehuppon od. die
Eidechsenhaut (Kehrend 83, Förster 11, 1017; Klein-
pauI, Mittelalter 605). — (1860) Fiume-Kx., 1- -
Pellagra (s. mailandische Kose, Alpenfleehte),
die in den oberitalienischen, subalpinen Pro-
vinzen Vorkommt (»ehrend 74). — 2. = die (17W)
im Fiumer-Comitate epidemisch aufgetretene
Syphilis, mal di Fiume, mal di Fueine, la maladic
de Scherlievo (K. u. i'. III, 112; Sehnurrer II, MI).
— ;ici6) flechtende Kr. — Kühr, die als eine
ansteckende Krankheit, wie eine wuchernde
Flechte sich ausdehnt (s. flechtende Seuche
llaeser II, 381). — fleischliche Kr. (13, Jahrh. Ileiss-
tiehe kraukeil efteuiiuatus , I). v>;,\ - Wohltust
(s. d., Brät u. Sünde), \o0;o; JH/.ita, Pae<lerastia,
Psychopathia sexualis (Pi I, 27). — (is42. Fluss-
Kr. * Fluss (s. d.), Rheama Falko i, 2SSJ. —
Fotge-Kx. = eine namentlich durch die Beob-
achtungen hei den venerischen Krankheiten
gewonnene Bezeichnung für Nachkrankheil
' (Nachtripper z. B., s. hinkender Bote) (Pr. Ii, <oi.
— 1629) französische Kr. =■ Franzosen (s. d.)
(Beitrage z. Anthrop. u. I rgesch. Bayerns lsyi, S. 65;
faracelsus; Pr. Ii, 173). — (1472, löioj Franzosen- Kr..
1. — Morbus frnnciosus = Franzosen (s. d.)
(Mainzer Urkunde; II. Sachs; Fr. II, t*.7; 1762, 17s2,
L. ch. 4«; Vierordt 33; Fucha 3IC. 377; Du fange
V. 517). — 2. = die Peilsucht der Kinder (siebe
Franzosen, Finnen) (nuo, Heim 51 „warum man
diese Krankheit die Franzosen genannt hat, kann ich
nicht sagen; vielleicht well sie mit den Feigwarzen
bei den Venerischen unseres Geschlechtes Ähnlichkeit
haben. Unter den Schlächtern geht noch eine alte
Soge, das» einmal eine ganze Familie, die derartiges
Fleisch gegessen, die wahren Franzosen [I.ues venerva]
im hoehsten Grade bekommen hal>en soll" [*. Fraii-
zosen]). — (15. Jahrh.) Frauen-, (ls. Jahrh ' (Fraticn-
zimmer-) Kr., 1. Menses (Krankheit 2) (H82
frawenkraukheit, Zenlng. Voc. e 2 = menstruum =
•{Iii semel struens in mens«, Gr. W. IV. t, so 152-s
frawenkranckheit — Menses, H. v. Gersd. 100; 1881
newe frawenkranckheyten , Paneels. = Blnlflun lu-
folge v tiuecksilber-Missbrauch , 15^0 frawliehe knitu k-
heit, Küuigssp. 51; 1551 Krawen ihre krankheil =
menses; verlegene Frauenkrankheit = amenorrhoea,
Bork 151. 165. 108; 1630 Frauenkranken — menses
ILonlccni»], Fraueublodlgkelt, Fratienzeit). — über-
flüssige Frauenkr. = Meno-, Metrorrbagia. —
Frauenkr. ■ die Spuren der Menses im Hemde
und auf der Haut, zu abergläubischen Zwecken
verwendet (Menstruum). — 2. = ,nw: Morbi
mulierum, Krankheiten des weibl. Geschlechts-
apparates (1725 Fraueuzimmerkrankheiteu, The« sau.
Br. 214 ; v. sicbold ; Frauenzimmer = Frauen-Gemach
[1467] = der Anfenthalt sittsamer Frauen; in der
2. Hälfte de* 18. Jahrh. hlesu jede wohlgesittete, vor-
nehme Frau Frauenzimmer, Gr. W. IV. 1. 83; Georg
438); (veral. Weiberkrankheit) — li'JT) fremde
Kr. = ieyne vre m de krenckde heyseh sent Jobs
kreackde, Fuchs 313; i^rsch 201) St. Jobs-Krank-
heit (s. d ), als ausländische Krankheit (s d.) =
Syphilis. — Fress- Kr. - Fresstieber, Heiss-
hunger (Or. W. IV, 1. 138) (BoHtnie). — Frählings-
Kr. - Kronosos (llippokr ), Morbus vernus = die
durch die klimatischen Faktoren des Frühlinirs
| häutigeren Erkrankungen, wie Schnupfen, An-
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314
Krankheit.
Krankheit.
ginen, Katarrhe überhaupt (Knuis, E. 380. 6C8).
— (X14.V Fuchs-KV. (Jl'uur.i/Ä'i) (= Alopecia, .piod
rulpei crebro Id mortri pailatur vcl nuod aimcant
herlme, HU lolitim vulpis lueril eflusum, l)u «'ange 1,
franz. alopiste, alopeele, peladc, isrtss. 22V) — Haar-
ausfall, weil die Füchse hei der Kaiide (s. «I.)
die Haar6 verlieren [Cotor, B, A. >i) (s. Fuehg).
— Fullen-Kx. - Fohjenlfthme (Kalke i. 298). —
fnrchtsame, -bare Kr. =* Epilepsie als schwer©
Krankheit (s. Epilepsie) (Schindler I, 759). —
Furunkel-Kx. ^eine anhaltende Erzeugung von
Hlut*ehwären (Furtiuculosis) (Ki.jh> II, 331 -Tagax
[t.ucilll] „» taugen«!«» dletus"' ['.'); frans, furonele* ;
im ferougle. Da « äuge III. IM; IX, 199; froncle« -
le und St. Clotid [« Ions elavus = Naget, Hlutsehwar);
funiiniilus = der klrine Iiiuli, weil er ah Mitesser,
«I. h. Nahrung wegnehmender hieb in Wurmmaden-
gestull galt - larroneel — latniuctilus — kleiner Dich.
Bris*. 292; Du fange III. OK; VIII. 12; andere stellen
IM sa fervmu uliis = Feuer- oder Mit/eblatterV , Kirsch
497, oder xu tuivus — «litnkclsehwarz (-], VIII. 1,0-15).
— (1002) Fuss (-kr.) Kr., 1. — an den Ftlssen
leidend durch «diene Stellen der Fusshant
•»der Unterschenkelgesehw Are. — 2. = Fubs-
gtcht (Podagra). — 3. = Maul- und Klauen-
seuche hei Tieren ((ir w. IV, l. 1033). — 4. -
I lufkrankheit (Seh. 176). — Grtrun^-Krank-
heiten — sogen, zymotischo Krankheiton, deren
Entstehung man der Ferment- (s. garen)
Wirkung eines Infektionskeitnes zuschrieb (seit
den Kelten des Hlppokrates, der In der I.eber eine
($|M»9tC annahm, Fuchs II, 196). — galante (Galan-
terie-) Kr. Geschlechtskrankheit (Veneric
durch nohle Galanterie (s. d ) zugezogen ((ir. W.
IV, l. H5a, Pr, 11, %44), die an den Höfen im
Iii. Jahrh. zur Mode (a la mode) gehörte (siehe
Modekrankheit und nohle Krankheit); ein ftmo-
aoMM-her Kdeiniann soll na« h Vierordt gesagt liaheii
ponr etre genlilhonmie, II laut avoir etö fournaise et
retosda pour le inoini sept IoIb. — 2. = (1712) In-
fluenza, weil sie ehenso ä la mode war, wie
«he Influeimt 1ÜS9 00 als „neue Krankheil"
(Kuhemann 21). — (1015) Gallen Kr. = eine Krank-
heit, «leren Frsache mau früher in einer zu
reichlichen oder zu verdorhenen (lalle suchte,
Cholacmie , < iallhlüt igkeit , Gallen vergifl ung :
a) galliges Erbrechen mit Durchfallen (Ackcr-
inailti 2*1; Oder. II. A. K", US); h) die gallflüssige
Cholera (Morbus) («;r. w. IV, l.lltl). — (15**) gall-
flitssii/r Kr. (Tabernaem.) = Clmlera (Morbus;
< iallenlluss, s. < iallenkrankheit) ;w. iv, i. ny»;). —
(in?") gallische (li?»7) gallige: ,n;iö) gallsächtigc Kr.,
1 - Krankheit der Leber, als des «lie Galle be-
reitenden Organen, ouer des Magens, der beim
Magenkrebs sogen, schwarzgalliges Erbrechen
macht. — 2. - Cholera Morbus) als Gallfluss
(s. d.) (Iteynon). — 3. = Gelbsucht (Galletiver-
stopfung, ( ialh-nüberlaufen) (1617, 1699; < «>ler,
H. A. 107, 168; v.M. II, M). — (1787) schwarz-gallige
Kr. - Morbus nigerHippokratis.:?; (Milser II.
«las im Magen veränderte Blnt sah mau als
schwarze Galle an — gastrische Kr. - Magen-
krankheit fllnfetan«! 234). — (HVI5) gen btf Kt.
Erbkrankheit (s. d.) (Coler, II. A. 166; 1682 con-
togln==kran<kheit, die [jrr]erbt, K. W. I, r.7l). — (1529)
gefälschte KT. (INirm t lhii» , de Impo-sluris), 1. «
falsch erkannte Krankheiten. — 2. = Krank-
heiten, deren normale» Bild durch die Therapie
verderbt, verändert ist, i, B. Syphilis durch
Quecksilber (-Missbraueh). — geheime Kr. «■
heimliche Krankheit. — gcistes-lu. ~ geistig
schwach, geistig gestört, anomal in Bezug auf
das Geistesleben. — GcistesKx. = Hirnkrank-
heiten, bei welchen die Prozesse des geistigen
Lebens, nicht mehr den äusseren Anbissen
entsprechend, sondern unharmonisch mit den
Vorgängen der Sinnen- oder Aussenwelt ab-
laufen. ..Unsere Sprachen besitzen nicht nur eine
Menge von Ausdrucken lur die verschiedenen Arten
und Urnde von tieistes.«tortingen , sondern das
hantige unil weilgrcilcnde Zusammentretten dieser
Wörter in allen Zweigen des grossen, indogermanischen
Stammes (»eweist auch, <lass diese Krankhei'cn uralt
sind, unil dass der Mensch immer narrisch genug
gewesen ist" (Pletet in Zeitsehr. f. vergl. Spr.-Forsch.
V, 322); als solche (ielstesstorungen von indogerm.
Alter sind nach dieser Quelle anzunehmen ausser Ile-
trunkeiiheit (mattus. Meth) die Unsere! (mauia), sowie
Tor, Uuscl , toll , dumm (s. Geistes-Gebresten).
— (1T77,1 Gelehr tcn-Ki. = die durch die sitzende
Lebensweise, wie sie Gelehrte meist einhalten,
verursachten Gesuiulheitsstörungen (l.eher-
anschoppung z. B ). — (17*2) Gclenkc-Kl., 1. =
die Gleichsucht (s. d.) (IL II. I« I, 626). — 2. -
Füllen-, Kalber-, Ferkellahme, infektiöser
Gelenkrheumatismus vom Nabel ans bei jungen
Tieren. — fis. Jahrh.) ganeine Kr., 1. - Lepra
(Aussalz) als allgemein damals bekannte Krank-
heit (Kriegt I, 30). — 2. — Endemia, Morbus
populuris, Sucht, Mause (1941; Kirsch —
! (17*3) Gemüts Kx. m eine Anomalie der em-
plindenden, denkenden und wollenden Seite
des Seelenlebens (= Gemüt), Herzbetrübnis
und Herz- Angst (auch Heimweh) (BIM. Med.
SM; 1781; nippel. III, l. H>) — Geschlechts-
Kr. = eine venerische, durch den Venusdienst
erworbene Krankheit (Syphilis, Schanker,
Tripper. — (iv/2) geschwinde Kl. = Febris
acuta, Eclampsia febrilis, hitziger Siech-
tng (Seb. no). — Gctcfl/irs-Krankheiten - von
Rechtswegen bestimmte Krankheiten beim
verkauften Nutztiere, die innerhalb einer ge-
wissen Zeit sich herausstellen müssen; ist «lies
nicht der Fall, so hört die Gewahr einer Ent-
schädigung auf; solche sind u. a. Hartsehlüeh-
tigkeit, Rotz, Kaude, tauber Koller, Lungen-
n. Leberfaule, Mondblimlheit etc. — Qeicerbe-
Kr. — die durch den Beruf als Gewerbsmann
zugezogene, den einzelnen Gewerben in ge-
wissem Sinne eigentümliche Krankheit, z. B.
Gewerbe- Ekzeme (Geweihe 2). — gicht-)s.x
(18. Jahrh.) (jjichtische Krankheiten) = am Po-
dagra (s. d. u. Gicht) oder an Krankheit«!),
die auf gichtischer Komplexion beruhen,
leidend (Macser I, 733). — (1699) giftige Kr.
Infektions-Krankheit (v. M. II, 128), bei der ein
wie Gift (s. d.) wirkender Stoft" vielen Menschen
zugleich oiler auch nur einem einzelnen ein-
verleibt wurde. — (16s*) Glieder- Kl., 1. -
Krankheit einzelner Organe gegenüber den
allgemeinen Krankheiten («ir. \V. I, 181). —
2. = Morbus sagittae ;>ohuss, Einschuss),
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Krankheit.
Krankheit.
315
(Du rmisre V, sis) oder (1713) Rheumatismus arti-
culorutn acutus, als hauptsachlich die Glieder
befallende 1 i s-)Krankheit ((iutta, Podagra,
Morbus articulorum artheticu bei Du Cantrc),
Aderv'icht (S. 1!M) u. *), laufende Gicht (BIM.
Medikus IM; Nlemeyer). — Glotzaugen- Kr. = ma-
ladie do Graves, Graves disease, Morbus Base-
dowii - ein ständiger Krregungszustand der
van<idilatatorischen Fasern des llals-Sym-
(■athikus, wodurch a) Glotzauge (s. d ), h) Sehild-
drusenansch wellung (Kropf) und «•) Herzschlag-
bcsehleuni»cnng (Taehycardie) entstehen. —
Gmwper-Kx. s. Knupper-Kr. — (!«■*") grassie-
rende Kr. — weit und breit herrschende, epi-
«leinim-he Seuche (Georg. 31 i; MM. Medikus 613).
— (1S.V7) Gmacn-Krankheiten = die senilen
Veränderungen im höheren Alter des Mensehen
und deren Folgen, z. B. Verkalkungen, Blut-
stauungen , Sekretionsverminderung etc.). —
Grillen-IZz. = das hypoehondrisch-hysteriBche
Temperament a»cmokr. in. »). - g^X£
Kr. - Syphilis, istrische Kflstenseuche (Fachs II,
719; K. u l\ in, 112). — grosse Kr., 1. - (16. Jahrb.)
Kpilepsia (s. o. S. 114), Morbus gr«>ssns sen
magnus (miil d'llereule, le grnnd mal, Du «ange V,
•'•17 ; Fuch* Blpp. II, IM; <oler, II. A. 101) — 2. — (IA99)
Verlieht - Kheumatismus articulorum acutus,
beide als schwere Krankheiten. — Gruben Kr.,
1. - die hei den Grubenarbeitern des Gotthard-
Tunnels zuerst genauer beobachtete Erkran-
kung durch den Kingeweide-Wurm , Ancylo-
stoma duodeni, «1er sich hei Ziegel- und Berg-
arbeitern findet und durch italienische Ar-
beiter verbreitet wird Ägyptische chlorosl«,
mul «octir [Antillen], Tun Tun (Kolumbien), «>|»ilacao
[Brasilien), itrann, tier. Parasiten ls»5, s. 23»). —
2. = s. Bergkrankheit. Gritbcl-Kl., 1. ■
Kriebelkrankheit. — 2. — Grübelsucht. —
Grnnd-Kr. - «lie bei einem krankhaften Zu-
stande die llaupterscheinungen, sozusagen den
Grund bildenden Symptome, die einem be-
stimmten Krankheitsbilde entsprechen, im Ge-
gensatze zu den zufällig gleichzeitig vorhan-
denen Nebenerscheinungen. — Haar-Kr.,
1, = lljHteria, „ein itrowr Schmerzen «1er BrMt,
den die Weilar bekommen, wann nie etwa uugetrthrllch
ein Hiu«r eintrinkeii" (Taburnaem.), Anomalie der
Empfindung auf hysterischer Grundlage. —
2. =• (17*2) das Ausfallen der Ilaare am Hinter-
haupt«* (Crnnio laben) der rbachitischen Kinder
(M. Ii. 4. I, 479). — 3. = Eiterpusteln im Uaar-
bodi-n, flherhaupt Krankheiten des letzteren
(= Trlchtaola, Hlppokr. ; Kraus. F. Ii«!). — 4 - die
falsche Stellung der Wimjierhaare (Distichiasis,
Tiehinsis oculi). f>. = der Wichtelzopf (M. II.
i. l. o.; Felke II, 376). — (1870) Hadern-Kr. - der
durch das Sortieren der Wolle aus den Hadern
Verbreitete Milzbrand frngpi. ker* disease, l.ehf. is;
Bollinger). — (179o; Hämorrhnidnl Kr. =• (Gold-
ader, Hämorrhoiden (s. d.) (Vogel V, 111). —
(1602) H(d*-¥LT., böse - Diphtherie uls lnf«-k-
tionskrankheit (» ynanche [SrpilnantUi], es.julnanee,
mal Monsieur St. Marlin; 1343 Inflrmlla» 8t. Martini,
MwtbM St. BtaslI; n. St. Rlasiui u. St. Marlin; Inclienh.
Mirukülb. ; Du couge v, &17;. — Harn-Kx., L - eine
Krankheit, wobei das Harnen behindert ist.
— 2. — eine Krankheit «1er Harnblase. —
3. = eine Krankheit des Harn- und ßeschlfiehte-
ap parates (Gr. w. IV, 2. 491). — harte Kr. =
schweres, schmerzhaftes Leiden. — Hau-Kx.
— eine durch Aufnahme von Blei in «lie Kin-
geweide bei Rindern veranlasste Erkrankung,
wobei die Tiere krampfhafte, an das Hauen
mit ilen Hörnern erinnermle Kopfhewegungen
machen. - - Haupt-Kx. (thürlng.-hunneberg. liaet
kränket, Fromm. VI, 017), 1. = die grosse, haupt-
sächliche Krankheit, Morbus epidetnieus (1579
neue llauptkronkheit jetziger Zeil = Pestis, l'hreiicsis
(Typhus), Ur. W. IV, 2. f.is). — 2. = eine Krankheit,
«lie vor allem im Haupte, Kopfe, oder Ge-
hirne ihre vorwiegenden Symptome hat (Haupt-
weh, Migräne, Hauptgeschwilr, Wehtag des
Hauptes, llauptgesficht etc) (<it. W. L eo<l.;
Ooler, B. A. KU) l'hrenitis, Mania fehrilis, De-
lirium eitrn febrim, auch Kpilepsia (Frais). —
3. — K»fi6, 1637, 1677) Morbus hungaricus, ungarische
Hauptkrankheit (s. ungarische Krankheit),
„welche vom Lager von Komorn (in Ungarn)
aus mit dem entlassenen («leutschen) Heere
(Iber S«d-Kuropa sieh verbreitete" (ir.i.fi; Lereefa
•,M7) untl wegen «1er vorwiegenilen Gehirn-Kr-
scheinungen (Kopfschmerz, Schlaflosigkeit,
Delirium) so benannt wurde (Zw. 7SS) — l'ete-
cbial-Typhus oder l'etechinl-Fieber als <i .7-j)
gefahrliche Hauplkr. (I.erwrh V<0) - (1699) „hitzige
Hauptkr." o«ler „ßtflii;e Hauptkr." (A. v. II. I,
643; v. M. II, 121. 126; Lerscb 249; Baeser II, 369.
115; Schnurrer II, 1S2). — • 4. — siebe auch:
Grundkrankheit; ursprüngliche Hauptkr. (1483
nuprinekUelM knutekbelt des lumbpu — müemnua,
«lolor capitis, D. 200) - Migrftue (s. d.) als Krank-
heit des Kopfes, die in den Haupt- oder
Gehirnnerven selbst ihren ursächlichen l'r-
sprung hat. — (i»2y) ^«u/-Krankheiten — „alle
Veränderungen der Textur und Farbe der
Haut sowie auch alle funktionellen nnd dy-
namischen Störungen derselben" (Hehren«! II)
Veiwhledsnt ButllkrMkbcItcn (Kratze, /itterncli, lt"it
luul, Flechten, <»lim, blättern, Muttermal etc.) hatten
schon in liidoKermaulsnben Zeiten ihre llexcichnuugtll ;
iiberhaii|>t »lud <lle Namen fiir Ilautkrankheiteii Im
Volkomuntlc »ehr hflnlig und in ihrer Art u. Weise oft
K»nz treffend gewählt (Kuhn, Zeilschr. V, 311). —
(1620) Heer-Kx. — die beim Kriegsbeere häufig
vorkommende Krankheit, Dysenteria v«ir allem,
(Dr. Minderer), Febris petechialis, Lagerrubr,
Feld-, Armeekrankheit, KriegBtyphus. — (iv,i)
heftige Kr. - Morbus acutus, scharfe, hitzige
Krankheit {<;r \v. vm, 2181). — (W4Ö) heilige
Kr. (- i"berset/.unK des Morbus saeer Hipiiokr., mal
sacri1, Hriss. IfV; Fuchs II, .'»!), „weil sie mit Kni-
• idiuuuk' «ler «iotlhelt und Itesehworuiiir der Dämonen
behandelt wurde", 1. - Lepra (Alfiis, Vitilig«»)
(Du fange I, 176), als gefürchtet«', weil unheilbare
Krenkheil — 2. = Syphilis lcs Morbus sacir,
mimliili" intirmitu«, Fuchs 311. 117, cui diviui aliquid
inest), vor der die ganze Menschheit zurück-
schauderte. — 3.-- Fclampsia infantium (Bippo
cratea, do aere III) (fl. 4). — 4. = Hieronosos
(Arutaui) (Kram, K. 168) = Kpilepsia, eo <|Uo«l
| sacrai hominis partes ut est caput et meutern
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310
Krankheit.
Krankheit.
oceupnt; bei vielen Naturvölkern so bezeichnet,
als unheilbare und besonders au (fällige Krank-
heit (bei Kindern ist die Eclampsia alt«
Kindlweb mit Kpilepsia vom Laien verwech-
selt) (Du Cwig« IV, 142; Colcr. H.A. 101, Baas es ;
Itipfiokr. 1. c.J. — Heim-Kx. - Heimweh (s. d.;
Noslalgia) (engl, homeskk). — heimlitlu; geheime
Kr. ■ innerliche, nicht offene Krankheit fia
inuliulle »eeretc, [VA>v] oli-cure - Kf.ih j.siii «. H , Du
tenge v, 5is>. — //.rWKranklieiten = die
schon hei HippokrateB (Aphorismen III, l) er-
wähnten, mit der rauheren Jahreszeit ein-
tretenden sogen. Erkältungskrankheiten und
herbstlichen Malariatieber. — Herden-Kx. =
die unter deu Herden des Weideviehs oder
des Wildes auftretende ansteckende Krankheit
(Pocken, Wildseuche, Kunde). — (low) Herren-
Kr., lustige, reiche — Podagra, Misoptochos,
das zumeist die Lebemänner befallende, die
Armen mehr verschonende Zipperlein, Gicht
Ciliar. n::t; A. v. H. I, in) (Mannerkrankheit). —
Herz- (-kr.) Kr., 1. - Herzleiden, Morbus eordis
s. eatdiaeus, den Veda-Indiern schon be-
kannt {liuns 48). — 2. — (mal de coeur) Magen-
leiden (s. Herr.). — hessische Kr., 1. — [1803) die
durch hessische Truppenkontingente nach
Deutschland eingeschleppte Syphilis (K. u. P.
III, 112; l»r. II, 506). — 2. - (1693) ein „giftiges",
in Hessen grassierendes „Krampfticber" (Er-
gotismus, Kriebelkrankheit?) (v. M. II, 160). —
3. = s. hessische Seuche. — Heun sehe Kr. -
die HOnnicbe (s. d.) und die ungarische
Krankheit (s. d.); d'Heüseh, Haische (Losch,
Würit. Jahrb. 1890, 227). — hinn'sehe Kl., 1 . - die
Httnnicbe (s. d.) und ungarische Krankheit.
2. — der hündische Appetit [a. d.; Bulimia). —
Hiobs-Kx. s. Jobekrankheit. — ÄiVn-kr. -
geisteskrank (<ir. W. IV, 2. vm). — (las) Hirn Kl.
kalte (TiiiK-rnui m.) = rheumatischer Kopfschmer«.
— (l"'.i:. Hirseh-Kl., 1 das Steifsein (s. Räch)
des Pferdes auf einem oder auf allen Gliedern
(Hr. w. IV. 2. 13i'.8). — 2. i= der Trisrnus (Tetanus),
Starrkrampf beim Pferde, Kieferklemme, Maul-
sperre, Kinnhackenkrampf, Klapbia, mal de
cerf (AlitlB. 58; Mayer 161; Gr. W. VI, lSus.; engl,
hari-evll, Hlnchübel), wobei das Pferd den nach
vorne gestreckten Kopf durch die Halsspannung
(s. Ranke; so tragt wie ein Hirsch. — üsi2
Hirse-Kr. - Hirst'sn.'ht (Falke 1, 399), — (17. Jahrb.)
Iiitz-kl., 1- krank durch Sonnenhitze, Sonnen-
stich, Hitzschlag. — 2. - durch eine hitzige
Krankheit (». d.) (Fr.-Kr. B. iuh). — (1781) hitzige.
Kr. (nhd. hiwn. m. Hitze), 1. Kebris calida, Ücvre
chande, Morbus calidus, mal cbault, mal de
clialear (Dadug« ix. 2r,o), je.le akut fieberhafte
Krankheit überhaupt. |z. ü. [Ti:-.l] hluigu kn.iiket
Lungenentzündung, Wolf, ille llnitmc [s. it.], 1,'hr.
Snm. II, 12; ländlicher rniversaluams aller Krnnl.
beltea, Hippel III. 266). — 2. - Pestis (Petechial-
Typhus?) (bei Abraham «St. rlaro). — £ = Typhus
abdominalis IHavarla II, a. »79; l>r. Br. Sch. 27). —
Hodgkin sehe Kr. ; die von Hodgkin (i7v^ — ix.r.j
zuerst (1832) geschiblerte Pseudo-l.eukaemia
(lfabw). — Hohen-Kx. = Bergkrankheit. —
llirner-Kr. ~ ein bösartiges Katari hallieber
beim Klauvieh, wobei die Fleisch wand der
I Hörner und Klauen sich loslöst und fault
(Zli>p. 52» IT.). — Holz-Kl. e. Waldkrankheit. —
Hormeurm-Kx. die durch den Aufenthalt der
Sehafbremse (Hornwurm)-Maden in den Nasen
höhlen der Schafe verursachte Krankheit (ZJpp.
626). — (17&* ) 5»*. Hubertus-Kx. = Lyssa, Rabies
(au« «lern Kran*' tischen entnommen ; le mal ilc St. Hu-
bert, Bulletin de Kolklore 18;i3, II, B; in Frankreich ist
St. Hubert l'utron gegen «lie Ilundswtit, deren Bl*s-
wundeii mau mit dem llubertusuchlussel ausbrannte
[wie anderswo mit den» Aldlngor oder l'cters . llrichs-
Schhissel], A v. IL I, 129 ; Leutheuuinver, Forst 32;
namentlich um das Jahr 17.1.'. scheint die Hundswut
besonders stark oplzootiscb aufgetreten zu »ein) (siebe
w innig und Hundswut). — Hupel- (Hiebel)-Kx.
- die Kriebelkrankheit (s. d.) (law. IM), welche
kleine brandige Hüpel (Knötchen, Pusteln)
J macht (Schnurrer 11, 9S. liti; weuu nicht fulsch gc-
) lesen: W iehclkraukheit [s. Wtebel»ucht]i. — (1529,
15U) Huft-Kx. * Ischias, der Schmerz an dem
hinter der Hüfte ausgehenden Ischias-Nerven,
I „ein kalter Schmerz" (- Rheuma) (Bock 166). —
— (1529) neue Hüflkr. = Nierenschmerz bis zur
I Hüfte, dem damals bei der Syphilisbebandlung
eingerissenen Quecksilbertnissbratich zuge-
schrieben (Paracelaus). — Humoral-Kx. = B&fte-
j (=Humores) Krankheit (Kalkei, OO). — hunnsehe
Kr. s. Hünsche. — Hundc-Kr., 1. = Morbus cani-
i nus, corebereus (H99) - Syphilis ; ein Scheusal
I gleich einem Höllenhunde, so nennt ein Regens-
burger Domherr seine Krankheit in wegwerfen-
der Bezeichnung (VoohsttS, m). — 2. = ein epi-
sodischer Darmkatarrb bei jungen Hunden
(sog. Sucht), vermutlich durch einen Parasiten
im Fleische verursacht (Gr, W. IV, 2. 19S2). — 3. =
8. Hund (engl. dog*lck). — hundertfältig boxe Kr.
ss eine ungeheuer bös?, schwere Krankheit,
wofür man früher 77 od. 99 sagte (s. 77) (Kuhn.
! Wolf, sagen II. 213, M6 ; Zeitschrift für vergl. Spr -
Wlawnacb. Xlll. 1:10). — Huudsfoder-Kx. — Nost-
! algia , Heimweh (Nicolai, Reisen), eine ver-
| ftehtliche Krankheit, deren man sich schämen
soll (Schweizerkrankheit). — hunyarischt Kr.
= s. angarische Krankheit. — Hunger -Kx.,
- die bei ungenügender Krnilhrung besonderH
in Hungersnöten meist seuchenartig auftreten-
den Krankheiten, z. B. Flecktyphus.Skorbut etc.
- (1713) Huren Kr., a) = Syphilis (Hlbl. Med. M7);
b) bösartiger Tripper (1761 ; L. cb. 3s). — Jährt»-,
I jährliehe Kl., 1. — die Krankheiten, die das
ganze Jahr hindurch vorkommen, wogegen
man ehemals den St. Johannisgürtel trug
ILonlc. 181; 1-W kriiuekheiten dess JnhrsV — 2. —
(151 > jahrliche kranckheit - aunolus [morhusj, I>. :t6;
Kirsch 62) = eine alljährlich sich bei einem
Individuum oder in einer Gegend einstel-
lende Krankheit. (1797) ^airx-Kr. (morbus
Jnw» dictum, 7. 1101). XIV, 1. 70S; Toepelm. 293 . Hirsch.
lldijch. d. b. gen«, l'ath. 1883, Ii, 69) = ein parasi-
tkres, syphihsalinliches Hautleiden, das durch
Sklavenschiffe aus Afrika nach anderen WeH-
teilen verschleimt wurde und bei den Malayen
unter dem Namen Jaws verbreitet ist. — ihre
Kr. = Menses (Frauenblödigkeit). — Infektions-
Kr. eine hauptsächlich unter den Erscheinun-
gen von Kntzüudung u. Fieber sich äussernde
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Krankheit,
Krankheit.
317
durch die Ansteckung (s. d.) od. Aufnahme von
Krankheitsgift »h?r Mikroben in den Korper
veranlasste Krankheit. - } Kr.,
1. = eine in den inneren Organen «ich entwick-
elnde Krankheit, im Gegensatze zu den äusseren
Krankheiten. — 2. = die Psora Hahnemanni
(s. Krätze). — 8. - Epilepsia, Eclampsia, von
inneren Organen, dem Nervensysteme aus-
gehend froler W. 353). — (HW) St j'ohs-Kl. (Seut.
Jobs krenekdc), 1. = Syphilis, Morbus gallicu«,
8. St. Maevi (n»ser II, 222; Krau«, E. 633; Pr. I. 71,
86; 1« mal St. Job, Bris* „MO , eonf . engl. Jobs dock
— ein Schwitz- Kasten zur Behandlung des Speichel-
flusses bei der merkuriell behandelten Syphilis,
Kaltscbm.i. — 2. = I<eprn Hebraeoruin, Zaraull)
(*. auch 8t. Jobssucht), Morbus Job. (Fuchs i,
AIS), 1510 ,,mlt dieser Krankheit, vermeinten etliche
Menschen, halten die Teufel durch Yerhnngung Gottes
den geduldigen Job gestraft" (1. c.); der biblische Job
litt an einem schweren, entstellenden, in Geschwürsfonn
übergegangenen Ausschlage mit Knochensehmerzen
'Syphilis) — morbus pustularum quem morim Joii
pleri<jue appellavernnt f 1 "> 1 1 u. H99; Fuchs I, 312).
(16910 St. Johannes-Kl. = fallende Sacht, Epi-
lepsia, Veitstanz (s. Tanz) (die durch den Gennss
von Geiss [Bock-]r*lei|sch [Kulie'sen ''] verursacht an-
genommen wurden («. St, Johannes], v. M. I, SO; auch
Morbu« solsütiali« genannt [ltri«s. 2M. 256), wegen
des St. Veits- oder St. Johanncstnnzes in der Zeit der
Sonnenwende; dem hl. Johannes wird aneh In Flan-
dern ein ,,le!*endes Her/" in f. estalt einer „Itlgrlm"
genannten Henne geopfert, De <ock V.-K. 1H9.'i, 8. 12)
— (1785; jutländische Kr. — dietmarsche Krank-
heit (s. d.) = Syphilis (K. u. P. III, 112). — (175-1)
jM^cnrf-Krankiieiten, 1 . solche Krankheiten,
die in der menschlichen Jugend häufiger Bind,
wie Blutsturz, Nasenbluten, l.ungentuberkel,
Skrophulosis, hitzige Fieber f.\. v. H. I, 813). —
2. = bei jungen Tieren, z. H. Fohlenlttlime. —
. ,.i ., (1706) Jungfrauen-
"■ = J'^ndsündcn. ~ flT2.-.» Jungfern.
Kr., l. = Febris amatoria s. flava (Liebeslieber,
s.d.), Morbus virgineus — Chlorosis (Dr. Pommers
Han*val«-rbneh ; Thea, «an. Br. 201; A. v. H. I, 395;
«;r w. IV, 2 23sr,; _ die bei mannbaren Jung-
f rauen häufige Bleichsucht (b. d.) (Pauli 88). —
2. = cblorotisches Fieber (- progressive, per-
nicioBe AnUmie) (Elehh. II, 793 ; die sog. Jungfern
krank heilen [Partheuonosos] wurden namentlich zu-
erst von Gnill. Haillou^l'AH — 161»'. Paris] beriicksfchtlgt :
Mennig In (ierhardt I, 34). — flÄtt) kalte Krank-
heiten = aus kalter Kumplexion (s. kalt 3) er-
folgende cltronische Gelenk-Krankheiten oder
Katarrh (Flüsse) (Maachenb. 1*1 ; Kraut» XXIV
— (isoi) Kanadische Kr. = dio in der nordamen-
kanischen Golonie Ganada am Huronsee ein-
heimische Svphilis (Toepelm. 293; Pr. 11,606). —
(1822) Karbunkel), & _ Milzbrand beim Vieh
(1S20) Karfunkel )
(Anthrax - Karbunkel) (Feser 130; ltardeleben I,
300; Zlerossen ndb. III. 469) (s. Karbunkel). — (1670)
Katien-Ki., 1. = (16«0) katzenhirnii.' >. d), als
ob man Katzenhirn gegessen hatte , das als
eine zauberhafte Arznei betäubt, schwindelig,
toll, närrisch machen tollte (Gr tv V, 296). —
2. — s. Kalzenveit. — KehlKr. fl7. Jahrb. krnnk-
heit der Kehlen, Fr. Kr. B. *:*>) = Krankheit an der
Kehle (s. d.). — (172..) Ä'inrfer-Krankheit<en),
1. - hauptsächlich die im Kindcsaltcr hau-
filteren (zuerst eingehend namentlich von A.F. Herker
[lTi.3 — mi] beschriebenen) Krankheiten , z. B.
Keuchhusten, Masern, Diphtherie, Veitstanz,
Rhachitis, (1625) Scharlach (Pr. II. 620. 701 ■ Hecker
222). — 2. =lm The«, sanll. Br. (127) wird speziell die
Khachitis als „die Kinderkrankheit" bezeichnet,
wie sonst der Keuchhusten als Kinderhtisten.
— 3. = die Kinderblattern (s. d.). Im Durchschnitt
ergriffen die epidemischen Blattern alle fünf Jahre die
pockenfithlge Bevölkerung Da nun diese Pocken-
fähigen grösstenteils aus der seil der letzten Kpideinie
durch Getmrt zugewachsenen Bevolkcriingsklassr be-
standen, so wurden die Blattern allmählich eine Kinder
kraiikheit, und zwar eine solche der schlimmsten
Art. — 4. = (scherzhaft entschuldigend) = Jugend-
sflnden (s d.V — (1795) Klauen-Kx. = Maul- u.
Klauenseuche mit Blasehenhildung zwiachen
den Klauen des Hornviehs (Ablg. Iis). — Klee-
Kr. = eine bei Pferden bisweilen auftretende
Maulentzündung infolge von Fütterung mit
Hastardklee (Trifolinm hybridum), eino der
LnpinOfle (s. d.) ähnliche Krankheit. — klima-
tische Kr. — die in dem Klima einer Gegend
begründete Krankheit, s .Frühlings-, Ilerhst-
krankheit (Kraus, K. MS). — Knir-Kl. - F.xo-
stosen und Synostosen am Garpus (Knie) deH
Wildes und Kindes (Forster II, loio). — (1792)
K nochvn -Krankheiten = die im Knochen-
system auftretenden Krankheiten (Pr. II, 497).
— (1822) A'Mo/cH-Krankheiten, 1. - Karbunkel-
beulen bildender Milzbrand. — 2. = Kausch-
brand, weil beide Hautknoten machen (Feser
C9, l.-oV — Kmtpper (<7«up/wr)-Kr. = die Tralicr-
krankbeit (s. d.) oder das Schruckigsein iler
Schafe, wobei die Tiere nervöse Keizungs-
erscheinungen darbieten, z. H. Knirschen mit
den Zahnen, Benagen der Haut (Knuppern),
Zusammenbrechen im Kreuze (Kreuzdrehe,
Kreuzruhe) (Zipp. 627; Falke I, 345; II, 13.68). —
Königs-Kx. s. KonigB-Gbe). - - (UM] Körner-
Kr. = Conjunctivitis granulosa, Trachom, Binde
hautentzttndung mit Bildung von froschlaich-
artigen, körnigen Wacherungen auf der
Schleimhaut des Auge« <PIcrvr7, II, 26; M. Med.
W. 1897, S. 182. 453; „eine Volkskrankheit, deren
Kenntnis bei den Ärzten der hippokratischon Schule
eine ganz vorzügliche war, Im Mittelalter ntver gänzlich
verloren ging", L c ). — Koltons-Kl. s. Kolton. —
konstitutionelle Kr. eine auf der Anomalie
aller Safte des ganzen Körper« beruhende
Krankheit wie Scrofulosis, Syphilis, Gicht. —
K<>pf-K.T. (mhd. houbetsieeh, Gr. W. V, 177*",), 1. —
eine Krankheit oder ein Leiden im Kopfe
(meist ■ Gehirn). — 2. - eine akute kalarrha-
lische oder diphtherische Entzündung der
Nase und Stirnbeinhöhlen (Gehirnhäute) im
Kopfe des Haus-Kindes = hitzige Kopfkrank-
heit mit starker Benommenheit des Bewusst-
seins und Schlafsucht = Katart halfiehcr 2
(Förster II. 335, Martin-, Zipp. ''17. 292). — 3. = der
Kopfgrint der Kinder (1*01; Weikard. Kegist. ). —
Krtitzi -Kr., innerliehe (Hahnemann) - jede nicht
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Krankheit.
Krankheit
syphilitische, nnf sogen. Blutschitrfe (Psorn)
beruhend angenommene chronische Dyskrasio
(Kopp Ii, 378. 398. in). — iiVa»Mp/-Krankheiten
— Krankheilen mit Symptomen von Konvul-
sionen oder Krämpfen (Asthma, Epilepsie,
Eklampsie, Koliken, Keuchhusten etc.) (So-
bernheim 199). — (1561) KrebaKl. — Cancer (siehe
Krebs) (Hock, Krlrheh. ReRisl. ; morbus dracuncnll
= morbus cunori, DnCQOgt V. ">17). — (1M1) Kriebii-
[Kribbel-)Kl., 1 — Krampfsucht, ziehende
Seuche, Kricbelsucht, Mutterkorn Vergiftung
(Ergotismus; Pellagra?) nach dem dabei vor-
handenen juckenden, knebelnden [grübelnden,
daher auch: „GrübelBucbt") Hautgefühle, na-
mentlich in den Spitzen der Extremitäten
(= Ameisenkriechen, Formica) (Unser Ii, 351. 4:ty.
ISS j 1374; Lcrsch 166; Ackermann ts-i , Kichhorst 11,
235. 5T.2; Sehnurrer II. 137—151, Herker 316. 318;
Kram. K. 645. 891; Gr. \V. V, 2015. L'JOT»); (1648)
Plnueneche Kriebel-Kr.=die damals im Büchs.
Vogtlande herrschende Mutterkorn-Vergiftung
(Ht-ckcr 321). — 2. — Kaphunia, Formicatio — «las
krankhafte Gefühl des Ameisenlaufens als
uliopatischcH Leiden. — 3, = als Übersetzung
des alten Krankheitsnamens Formiea: a) Ignis
sacer (s. St. Antonius- Feuer); (leu «aerc [11. Jahrb..]
Villar I, 598; 1828 Kryttaenia cpidcmleum. Vill. I, 30);
Ii) Anthrax (s. d.) (Kolke II, 45); Vieiordt (75)
sagt über diese Verschiedenheit der Au Häu-
sling und des Verlaufes des Ergotismus gan-
graenosum: „es bedarf nur einer Veranlas-
sung, vor allem des Einsetzens irgend einer
akuten Krankheit, z. B. Typhus, Pocken,
um in dem durch Mutterkorn vorgifteten
Körper die schlummernde Neigung zum
kalten Brand (s. Feuer) hervortreten tu
lassen". — (UM) Krimmische Kr. = „eine be-
sondere Kachexie mit 1 lautleiden" (Bebiead;
Piarar 7; II, 110) (Aussatz, Lepra taurica). - Kropf-
Kr., I. >tnima, die Kropf-Bildung mit ihren
krankhaften Folgen und Störungen beim
Herwehen (Bobenheim an). — 2. = Pferdekropf
(1796] (s. d.) (Abllg. 28). — 3. = katarrhalisch*- F.nt-
zündung der Luftröhre beim Rinde mit An-
schwellung der Ualslymphdrosen (Nfartin). —
KtUttn-Kx. = eine nur an Küsten, nicht aber
an hochgelegenen Orten vorkommende Krank-
heit, z. B. gelbes Fieber. — Kurländische Kr.
Syphilis od. lithauische Krankheil (IT. II, 506).
— Laden-Kl. — Krankheit od. Verletzung heim
Pferde an dem zahnlosen Teile der Kinnlade
(Gebiss; s. Frosch). — lAhmunga-Kx. «■ die
Pferdeheschal-Seuche, welche in Lahmungfl her-
geht (Zipp 329). — (1734) Läitsf.-Kr. (leu« krankheit)
— Pblheiriasis , eine frflher als Morbus sin
generis angenommene Krankheit, wobei Lause
und Maden den Körper angeblich durchkrochen
(Gr. W. IV, 2. 639), und an der selbst Könige und
Ahle gestorben sein sollen; es ist aber wahr-
scheinlicher, dass diese Todesfälle durch chro-
nische anderweitige Krankheiten verursacht
waren, die ein langes Krankenlager zur Folge
hatten, wobei auch bei sonst reinlichen Leuten
l'ngezicfer sich einstellte [Ktohhont II, MM), das
dann überhandnehmend diese Rogen, l.aus-
krankheit darstellt (Irans, le* tfro* j.oux * appe-
latent „etrani [s Sircii] de St, Job" 11 n'en laut .|nc
trola pour faire Uli ladre [ - AmüsaU], Itrls» 224 ; ?*£'.f<
■ Lau» [pen]; Thes .«an. Br. 141) (vergl. Lausesucht).
— (1752) J^iger-Kx. — Morbus castrensis s. mili-
taris, jede ansteckende Krankheit unter den
Soldaten im Feldlager, namentlich der Petechial-
typhus und die Ruhr (Feldkrankheit, Krie«-
krankheit, ungar. Krankheit, Lagersucht etc.)
(A. V. n. I, 840; Gr. W. VI, 68). — (1754) Land-Kx.
= Endemia der alten Griechen, jede Krankheit,
die in einem ganzen Lande endemisch oder
I epidemisch herrscht (Skorbut in Holland t. H.)
i (nach A. v. II. I, 598; L. chlr. 51). — (1546) lang-
urieriqe Kr. = chronische Krankheit, die schwer
; zu heilen ist, Morbus tenax (Cir. W. VI, 1S7), im
Volksmunde zu (1743) „langweiliger Kr." um-
gebildet (Andre«en 99; Hahn). — St. LaxurUS-Kx.
(1369 mortui» 9t, I. azart, Dil Cnnce V, 517; 1699 de«
Lazarl krnnkhclt, v. II. II. l:tt; mal St. Ladre - la
ladreric, AiiMatz) — Lepra, Aussatz, an dem der
biblische Lazarus gelitten haben Boll (au* den
l.eprogcnhauscru entwickelten dich die Lazarelho,
Kehrend 66; Mihi. Medik. 576). — Leber Kl., L —
Leiden an der Leber (s. d. ; Morbus hepaticus).
— 2 - (161 S alt leberkranekhelt) = Syphilis (l'ara-
celBii»; IT. II, 79); diese Krankheit sollte nach
alter Humor alpalhologie ihren Sitz in der blut-
bereitenden Leber haben. — Lebercgcl -Kr.
m Leber faule (s. d.). — Leibes- (leibliche) Kr.,
I 1. = {14331 eine wirkliche Krankheit des Körpers
I gegenüber der blossen Schwache oder Krank-
heit im alteren Sinne (s. o. S. 30S) (Maycrland 1892;
I a. 479). — 2. m (1G16) eine innere Krankheil im
Gegensatz zur äusseren Verletzung oder Wund-
krankheit, die vom Wundarzte zu behandeln
war (IT. II. 78; Gr. W. VI, 604). — 3. - leibliche
(physikalische) Krankheit (vom Physikns zu
behandelnde Krankheit) im Gegensatze zur
Seelen- oder Gemütskrankheit, die vom Seelen-
arzte oder Priester zu behandeln war. —
Leinweber-Kl. = Scabies, Krfttze, die bei Tand-
lern und Leinewebern hautig war wegen der
leichteren Übertragung durch alte Leinentlecke
(s. Bedeckung u. Ansteckung) (Mehrend tt). —
Lenden-Kl. (1512 cranph, krank in den lenden -
clumbia, Ii. 199; II, 130), 1. = (1741) Khachitis
(Lenden fang, s. d.), weil die Kinder lenden-
schwach sind, u. der Lendenteil der Wirbelsäule
lordotisch nach vorne gebogen ist (Kirsch 1037).
— 2. = lendenschwach überhaupt (Gr. w. VI, 743;
M. H. I,. I, 267). — (1779) Linden Kl., -kr. (erwahnl
in Hippel II, 419. 491; III, 1. 141. 3.x;. .Jeder I.tuden-
baum brachte sie, gleich zun» Tiefsirin Wenn die
Linden Mühten, war sie immer in Thränen; die rc-
inciru ii I oute uannt< n c« 6tM UudewkflUÜchQll . ,
„der I.indenliuuin, der BO nlt wie sie war und In ihren
letzten Wochen MMgtenti habe ihr den Kopf ver-
dreht" die UndeokMnkhelten, die oll Betthr-
licher olt leichter als die Lcll*gebrochcn sind") —
(nach dem Volksglauben) eine Krankheit, von
der man befallen wird, wenn man im Linden-
schatten (Lindendtift) schlaft; eine Weiter-
bildung des weitverbreiteten Glaubens an den
Miltagsalp (Lnisincri, 9"), der die im Freien
Schlafenden mit dem Alptraume (s. d.) = mit
elbischer Verwirrung überfallt (Rocbholz I. 78).
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Krankheit.
Krankheit.
819
— (isa.) lithauische Kr. = in den lithauiBchen
Lankern beobachtete Syphilis (K. u. I\ III, 112;
IT. II, 506). — Lothringer Kr. = Syphilis; loth-
ringische und spanische Truppen verbreiteten
dieselbe im Anfange dea IG. Jahrh. (Gr. W. IV,
l. 11»). — Lungen- ( kr.) Kr. = Leiden an der
Lunge, meist Tuberculosis (ringelten sollten die
verschiedenen Lungenkrautcr helfen). — Lungrn-
icurm-Kl. = Bronchitis veruiinalis,eine Epizootie
unterm jungen Rindvieh und bei Schafen, durcli
die auf der Weide aufgenommene Brut des
runden Strongylus Wurmesindie Luftwege ver-
anlasst (Forster II, 309). — Lupinosr-'EkX. 8. Lupi-
nose. — (I6ls) Luxische Kr. = Syphilis (h. Luxus)
(Paracelsus; fr. II, 7»j. — (IS. Jahrh.) Männer-
( Mannes-) Kr. = Podagra, die meist Manner
heimsucht (Herrenkrankheit) (Gr. w. VI, 1575;
vn, 1967). — (14*3) Magen (-kr.) -Kr. («Je« magen
krankhalt, 0. v. Megbg.) — krank am Magen, ein
blöder Mayen. — (15^9) neue 'Magenkr. = Sin-
gultus mercurialis, Quecksilber- Kachexie mit
Magensymptomen (Paraeels). — mailän.: Kl
1. = AussaU (Lepra). — 2. - Pellagra (s. Alpen
skorbnt, mailandischer Skorbut, Alpenflechte,
lombardischer Aussatz, Sommeraussatz, mai-
lilndiache Kose) mal de misere. — (1785) Mar&h
Kr. ■ dietmarsische Krankheit (s. d.) in hoi-
steinschen Marscldändern = Syphilis (Bchrond
72 — Lepra? als holsteinischer Aussatz, Beiart 33;
Ziemsscn, Ildbeh. III, 17; K. u. I*. III, 112 = Kadcsyge
[ss schlechte Seuche], Kuch» II, 746). — [IMS] »wir-
tkdüche Kr., 1. = nach Paracelsus durch das
magnetische Kisen (inars) heilbare Krankheil,
(BluUluss z. B.) (Coler, n. A. 216). — 2. m mar-
tialisches Feuer (s. d.). — 3. — mal St. Martlal
,,trop prochö parent do St. Martin [s. St. Martlnskrauk-
hcitl du iiiüIds pur la forme de son nom rx.ur u'avoir
luv« les mt-mes vertu» quo lui", Iiriss. 21<>). — St. Mar-
tinx-Kx., 1. ■ (mal st. Martin [ebrieto*]) Katzen-
jammer, weil St. Marlin Patron der Trinker ist
[OOBf. das Kultkalcndarium in Zeitschr. f. D. Ö. A. V.
Is»!, S. 209; Schmeller I, 16u*; propter vina, niiae in
feriis [Anfang de* germanischen Jahres; St. Martins-
Minne] seu nundinis vinariU circa lextum St. Martini
dUtrahuntur; raalSt. Martin - ivresse, Du ( ange V, 517;
IX. 260). — 2. = llalskrankheil, Schlumlbraune
(1342 Morbus St Martini = Angina, Cynanche = e*-
qnlaanctoi Du < ungo V, 517; IX, 2H0, iulinuitu> gulnc
St. Martini propter magnam inflaturam in trnla [= rin-
ii. ii. ler Zapfen], Mal monsieur Saint Martin, s. St, Mar
tin). — 3. - de feu St. Martin) martialisches Feuer
(s. d.)— Kiysipelas (Roliauf) (on appclait „racaille*
du man St. Martin" les roclures de 1'eryslpele, JtrKs. 21»;).
— Mascrn-Ex. s. Masern. — Mam Acn-Kr. =
IJippina s. Etjuina s. Mauke (Kraus, & 469). —
Afenschen-üt. (13. Jahrh. meniche krnnkheid, mensch-
lich krangheit ^ anthroposp.itho* , passio humniia,
D. 39) - die das Menschengeschlecht betreffende
Kiankheit im Gegensätze zu den Tierkrank-
heiten. — Merkurial- Krankheiten, 1. = die
von Paracelsus zuerst beschriebenen krank-
haften Krscheinungen hei der Einverleibung
von Quecksilber (Pr. II. 70) (s. Merkurial lieber).
— 2 = die durch Merkur (Quecksilber) heil-
baren Krankheiten (Panu-ctsu*). — ntilzkx. an
der Milz leidend. — MUz-Kx., 1. = Morbus lienis,
I ein Milzloiilen = Mi Ufr an (s. d.) (die Lecsa der
Letten, welche durch drohende Itannworte nu* den
I Kranken tu weichen veranlasst werden soll ; veruiutlteh)
m Milzbrand (Härtels. Z. d. Ver. f. Volksk. 1995,
t S. 22; Kochholz II, 275). — «. = (1660) Morbus
hypochondriaeus (vergl. Spleen, Milzsueht und
Hypochondrie) (Maschenh. 279. 292. 02S; B&nmlerSM;
Gr. W. VI, 2221; Itlbl. Medlk. 470). — 3. = (17 13)
Skorbut (s. Schar bok), weil mau diese Blui-
krankheit mit Milzvei Änderungen , d. h. mit
Veränderungen «les Blutes in der Milz, in Zu-
sammenhang brachte [Bihi. Med. 47ü). — Milzblut-
Kr. = Milzbrand (s. Blulkrauklieit 2) (Falke II,
129). — (18<<) Minen-Kx., 1. = diejenigen Krank-
heitserscheinungen, welche beim Aufenthalle
in Gallerien nach Minensprengung durch die
Einatmung gefährlicher Gase Kohlenoxyd) ent-
stehen (K. u. P. III, 27$). — 2. = 8. Grabenkrank-
heiL — Mode-Kx., 1. = (1712) eine neue Krank-
heit a la mode (s. d.), die gleichsam zur Mode
gehört, wozu man früher (1782) die Inlluenza
(Grippe; s. Mo.lefieber) (KuhcmannSt; Rchnurrcr
II, 247) zahlte, wie auch lBSy/UO, zu welcher Zeit
man auch lächelte Uber diese „neue Krankheit"
(a. d.) (Ruhemann 34. 55), wozu ferner 2. =■ in
neuerer Zeit nach verschiedenen ärztlichen
Aussprüchen die Neurasthenie gebort (vergl.
neue Krankheit). — 3.^ eine Krankheit, welche
man als Folge einer gewissen noblen Mode
(«. B. der Kleidung, Korset) oder eines Mode-
lasters (Galanterie s. d.) halt (Gr. \V. VI, 2rts). —
(1592) Monats-Kx. <= die allmonatlich wieder-
kehrende Frauen blödigkeit (Menses) (Seh. 343).
— Mond- Krankheiten ■ Krankheiten, die
durch den tintlusa des Mondes (s. d.) ver-
anlasst werden sollen, z. B. Mondsucht, Nacht-
wandeln (s. Mond) etc. — 8t. Monus- (Möns-,
Möns-) Kr. = Malfranzois oder Lues syphilitica
(„die blättern genannt krankheit St. Menns ..der on-
trackt mal die Frantxosen"; versl. Zeitschr. d. D. O.
A.-V. 1S93. 8. 199; Sehuieller I, S25. 1619; II, 1011).
besonders die Feigwarzen oder wilden Warzen
bei Syphilis, — Jtfioid-Kr. = eine Krankheit
im Munde. — Muskel-Kx. - Krankheiten der
Muskel, z. B. Rheumatismus, Lähmung, Krampf,
Degeneration, Schwund etc. — (1761) Mutter-
Krankheiten, 1 — alle Krankheiten des weib-
lichen Geschlechtsapparates. — 2. = Gebar-
mutterkrankheiten Speziell. — 3. - Hysteria,
Allectus hystericus, weil früher meist mit der
Gebtkrmutter (s. d.) in Verbindung gebracht
(la aaladle de la merc, L. ch. 41; bris«. 258). — (1593)
Aafcf/-Kr, - Kiankheit am Nabel des Lauches
(Gr. w. vn. 6). — AacA-Kr. - eine im Gefolge
und nach einer voran (gegangenen anderen
Krankheit (». B. Syphilis, Tripper) zurück-
gebliebene Störung des normalen Organismus
mit fühlbaren Folgen. — (15m) nackgthendt
Kr. — eine Nachkrankheit (s. d.), die sich nach
den ersten Lokaleracheinungen einstellt, z. It.
Syphilis (Gr. w. VII. 61). — iVöAiMasc/u'ncn-Kr.,
1. — der Nithmaschinen-Krampf (s. d.). —
2. ss die Perimetritis und Perioophoritis, die
sich bei bleichsflchtigen Mitdcheii durch das
Treten des Nahmascldnenrades einstellt. —
(1743) Xational-Kx. - eine Krankheit, wovon die
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SSO
Krankheit.
Krankheit.
meisten einer „Nation" (französelnd) oder
eine« lindes hefallen werden (Blbl. Med. SC2). —
(1035) natürliche Kl. (Lonlcen«), 1. = der natur-
gemässe Wochenfiuss ioi Kindhette (Puer-
perium). — 2. = die Periode als „natürliche
Frauensucht". — 3. = die nicht durch (iifi
(8. d.) veranlasste Krankheit. — neapolitanische
Kr. = Syphilis, Lues italicn, (1491) bei der Be-
lagerung von Neapel den Franzoflcn (s. d.)
„angehängt", mal napolitain (mal de Naples)
(Zw. 583; Michail!« u. Helmont sprachen die Vermutung
au«, dass diese Krankheit nicht« anderes als l'Ierderotz-
K rankheit gewesen sei, l'r. 11, [*. Franzosen wunn]).
— iVcrmi-Kr. = eine Krankheit, die sich im E£D-
Iralen oder peripheren Nervensystem ahspielt:
n) Krampf, Vergicht (Gicht), Lähmung, z. 15. Te-
tanus venereus, Kpilepsia, Apoplexia ver.erea =
venerische .V, .•„•kr.mkheiten (bei stoii. l'r. II,
•»:.:!); h) Schmerz (Nenialgia); c) Geisteskrank-
heit ;d) Gehirn- u. Kückenmarkskrankheit (Gr. W.
VII, 114); e) als „hitzige Nervcnki." = Typhus,
der vorwiegend mit nervösen Keieungs- oder
Lähuiungssymptomen einliergeht (Dr. Brenner
Schff. 27) ; I) schleichende Xer venia. = chronisches
Nervenleiden, namentlich solches venerischer
Natur (Kalke II, 2si). — Nrssel-Kl., 1. = Nessel-
siicht (s. d.). — 2. — (1761) Skorbut wegen der
roten Purpur-Flecken (Gr. \v. VII, «19; L. chir. 27).
— neue Kr. — A) jede wieder, angeblich oder
faktisch neu auftretende oder nur mit einem
neuen Namen belegte Krankheit; B) nach
Paracelsu» (<ie Import.) selbst das erste Stadium
einer Krankheit, die erst entstanden ist;
'1529 ,,<ler neuen kranckheyten endt seind noch nlt
geporn", 1. eod. k2), 1. = (1193) Franzosen (s. d.)
(1493 noviiH ille et Rravissimus homlnnm morbus quem
ralfO nmlum frnm-luat voennt, I!nc«er II, 229. 228,
1490 newe knuicktiL'it niulcn Frantzosen, Fuchs 1, nWi ;
l'r. II. ici). dass 14113 die Sy p h 1 1 i s eine ganz,
„neue K i an kheit" gewesen, ist durch die jüngsten
Forschungen (I'rokseh n. b.) unhaltbar; vielleicht
wurde sie von den Ärzten von da ab erst als
eine neue Krankheits-Spezies aufgefasst, d. h.
als eine Krankheit sui generis (Haumler iu
'/.. IMbch.; l'r. II, 4), deren Symptome unter ver-
schiedenen anderen Krankheitsnamen figurier-
ten. — 2.-^(14S6) Scharbock (..zuvor unerhört",
Haeser II, 98; 15S0 newe krankhelt der zehoorbock,
Fuchs I. 377; IUI newe krankheit Scharbork, Gr. \Y.
\ in, -iT- - lijoi die Peit im Morgen*
lande (St. .Tobssucht, e. d.) (Gr. W. V, 2041:
die nnewe krenkde [Köln]). — 4. ^ (1502) Pe-
techialtyphus, „nova et dira aegntudo"
(U'rsch2oi; Haeser II, 326). — F>. = (1510) Influ-
enza (Ruhcmann). — 6. — (1529) die durch Queck-
silbermissbrauch bei der Syphilis erzeugte
M e r k u r i a 1 k r a n k h o i t (s. d.) („so durch die
Irnnlzoesisehen Ärzie [- Sjrpnilissj.eir|alisten] gemacht
und aulcebra« ht worden", 1'arncelsus, de imposl.,
l'r. Ii, 93). — 7. = (1579) die neue Hauplkrank-
heit jetziger Zeit — Pestis und Phrenesis
(Phrenilis, Typhus); (1684) der Koltun (s. d.)
oder Weichselzopf (s. d.) (oK. 22. 28). — 8. =
(i»>7; ir.97) K Hebel krankheit] <iie aber
schon (i;t7i) in Deutschland u. (insi) im Lfine-
burgischen aufgetreten war (HH«erM, 352; Heeker
317; Lcmch 1C6). — (1693) neue Kindrrkr. = Schar-
lach, der gewiss alter ist, nur von ähnlichen
akuten Exanthemen nicht unterschieden wurde
(Beekes 222; Gr. W. vm, 217s). — 9. = (1455)
Scbweissfriesel bei Wöchnerinnen (Ha*er
II, .505; Schnurrer II, 190; Leipzig); sowie (1441] neue
Krankheit: ein ansteckendes Nervenfieber, z. T.
mit Ilalsdrüsenanschwellung (Israeli SOS). —
10. — (1709) larviertes Wechselfteber, Tertiana
perniciosa, Malaria (Hauer II, 515 IT.). — 11. =
(1763) Diphtherie, auch Severinsches Hals-
weh genannt (im Berner Siementhal; Hi.scr II, 13«)
Schnurrer II, 253). — 12. = (1837) A I p (e n) b t i e h
(Pneumonia epidemica astlienica; Neumodi-
krankheit) Schweiz). — 13. m (ISM] Influenza
(Kuheinnnn 9. 86), aber es ist „Alles schon dage-
wesen", nil novi sub Bole. — 14. m (1991|
Schlaminkrankheit (s.d.). - (1513 ) Nieren-
Kr. = Nephritis (18. Jabrh.) morbus renum. Gr. W
VII, 833). — noble Kr. = galante, vornehme
Krankheit (s. d.) = Gonorrhoea (Tripper) und
Lues ( = Franzosen) mit ihren Folgen. —
Nonnen Kr. = die in Nonnenklöstern häufigeren
Krankheiten (Anämie, Tubercidosis etc.) (Ar. w.
VII, nhi). — (1782) nordische Kr. = Inthieiua
(l»r. Vo^ei:, die man vom Norden (aus Kussland)
gekommen annahm (s. nordischor Katarrh). —
(1700) Olter-Ki. = eine mehr zur Begründung
der Aderlass-Therapie eingeführte Bezeichnung
jener Krankheiten, bei denen an den oberen
F.xli emitäten die Blutader eröirnet wurde
(Wd. B. 202). — Ohren-Kr. - Allectio aurium
— (I8.v.'i Organ-Kx. —- Krankheiten, die in
einem bestimmten Körperteile ihren Sitz
haben (s. Organ) (Uadenmchcr; Itaa.« 2»8). — ( 1 s». 1
Papageien-Kx. = Psittaeosis, eine spezifische
Infektionskrankheit, welche eine typhöse Sep-
tichaemie ist und von Papageien auf Menschen
übertragen wird (M. Med. Wochen Sehr. lsyc. X. 45,
!*. 1122) — pe8t-kx.~ui\i der Peel (8. d.) behaftet.
— Fest- (pestilenzialischi) Kr. = Pestseuche und
jede äusserst kontagiöse Krankheit mit hoher
Sterbeziffer (Gr. W. VII, 1574. 157%). — ir.99) petc-
chialische Kr. s. Petechien v. M. II. 121). — (1494)
pfinniije Kr. — Franzosen, die linnige, pocken-
ähnliche Ausschläge machen (Facta I, S2). —
(1018) physikalische Kr. (lVimcelnun ; l'r. II, 78)
s. Leibskrankheiten II. — (is43,i P»/z-Kr. - eine
durch parasitäre Uautpilze verursachte Krank-
heit (Wabengrint, Favns, Tonsurgrint etc.). —
jo«c/ic«kr. = blatlernkrank. — (I6f.2) Pocken-Kr.,
1. = f.l«. vonjitti^e krnnrheit der pocken) Syphilis
Puehl I, 376) (s. Blattern u. Pocken). — 2. =
Variola (Ackermann 90. 10»), wahre (gutartige und
bösartige} Pocken (falsche P. = Varicellae). —
(1735) polnische Kr., 1. = die in der polnischen
A rmee damals herrschende 1 <agersenche (Kriegs--
typhus) (HiiM-r II, 13t). — 2, = polnische Mochte
(s. d.). — (isat) Porzvllan-Kx. s. Porzellanfieber
(Urticaria) IJuaddelkrankheil (Kraus, K. 3^3;. —
jPrirrtf-Kr. — die im Gegensätze zu der Landes-
krankheit den Einzelnen, privatim Ixjfallende
Krankheit (v. II. II, J22). — (juaddel-Kl. =
Nesselsucht (s. Quaddeln) (Gr. w. VII. 2291). —
Quecksilber-Kx., 1. etne Metallintoxikation bei
Arbeitern in Quecksilberbergwerken, Fabriken
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Krankheit.
Krankheit.
SSI
oder hei mit Quecksilber behandelten Kranken
(s. neue Krankheit n. Merkurialkrankheit). —
2. — nach «lern Vorgänge von l'aracelsiis (Raas 20s
eine von Rademacher (1772 — 1SI'.») gewählte Bezeich-
nung für eine durch Quecksilber behandelhare
Krankheit. — lläh- [Bäk-, Reh)Kl. s. Rühe
(lir. W. VIII, 1120; Merk 2».; fievre de courbaturc,
lirl««. 132). — [14. Jahrb. reihte Kl. = eine richtige
Krankheit, keine blosse Seh wache, kein „Kran-
ken" in früherer Bedeutung (<.'r. W. V, 203S). —
lv Jahrh ) rtijierendc Kr. - herrschende Krank-
heil (< hr. Sam. I, 226). — fl«;.*<») reicher Leute Kx.
- lustige llerrenkrankheil (h. Podagra) (Gr. W.
VII, 19"6 ,.cibo* regios »cntintnr morbi regii ul lii|>u»
[ — Kcigwarzcn] et gutta ( — (ürhi oder Tropl], • j n t mm
litanter qulescnnl in hoininlbiiN j.nni* et labnriosi«",
Im fange V, l.Vfi; «lie Podagra wollte (Wackernagel,
Abhdlg. III, 134] nach ihrer Prophezeiung tai reichen
llannwn nnd gro««cn Herren zur Herta ixe einkehren ;
s. auch Vierordt AI). — ■ rrrirr- kr. — der nieht iui
Lazarete, sondern im Hevier (Quartier) bchan-
delte kranke Soldat (ür. W. VIII, »Vi). — (US!)
rheumatische Krankheiten (Kraut«. LXZII) =
die durch Kheuina (s. d. u. Huss) zugezogenen
Krankheiten, z. B. Schnupfen, Katarrh, (Glie-
der-, Muskelschmerz. — Rigy'sche Kx. — eine
chronische Zahnw urzelhaiitentzOndung, na-
mentlich bei älteren Leuten, die der Arzt Uigg
zuerst beschrieb (Meyer Kon v.- tax. XIV, 761). —
Rote- I „
(181") Hotel i ~ ^n';, r(,,,n1"rrain rote« Sterben
[bei Schweinen), Kaluchm. I, r.2»; Heim 315), 1.
Schweinerollaul (Siabrhenroilaut). — 2. =
s. ROteln. — [UM] Ross-Kx. - Pferdekrankheit
(Tatarnaem.) — Rotz-Kl. — Malleus humidus,
Wurm (s. d. 2e), eine durch ein fixes Contagium
(Uotzbazillut) verursachte Krankheil hei Pfer-
den, die auch auf den Menschen übertragbar isl
(s. Franzosenwurm). — Riirkm Kl. — Spina
nodosa, Khachitis «;T. W. VIII, UM), die. die
auffälligsten Entstellungen am Kücken hinter-
lassenden Krankheiten. — (mt/82) russische Kr.
— Influenza, nordische, sihirische, chinesische
Krankheit (la Kusse), die durch diese Lander
sich über Fmland und Polen nach Deutsch-
land verbreitete (Dr. Vogel 1»01; Lerscta 37«; Robe-
mann 34, Ann.; Milser II, »tu ; 1n"0 31 russische
Krankheit = Influenz«, Kuheinann 40) (f. Krips 3
u. russisches Heber, russischer, nordischer
Katarrh). — (Ant. d. 18. Jahrh.) Sä/te-Kl. - eine
in den Körpersäfteu (s. Humor, Feuchte, Safl)
begründete Krankheil, la maladie dans les hu-
meurs, Morbus humorum, im Gegensätze zur
solidar pathologischen Auflassung (Krau*. E. 177;
Pr. II, SM; Krina. IM). — (1741) Sauf-, Sauf er Kl.
= Ciapula (Kirsch 3lo) (Morbus St. Martini), eine
zusammenfassende Bezeichnung für krankhafte
Veränderungen und Störungen im menschlichen
Organismus, die durch Alkoholmissbrauch her-
vorgerufen sind. — (18!>C) Saibon-Kl. = die in
gewissen Jahreszeiten od. festgesetzten Jahres-
perioden auftretende Krankheit, z. B. lleuüeber
(taweh 210). — (1862) SartenKx. = eine endemische
Hautkrankheit bei den russischen Barten, das
sogenannte Taschkent-Geschwür, Granulati-
onstumor durch einen Parasiten veranlasst
(Zifinwn, Hdh d. »p. I'nth. n. Ter. XIV, 1. »,1M --
SViH-Kr. (1512 snukrunckheit forrigo, D 148;
1561 ^wkranekheii) = augiiioser Milzbrand der
Schweine (s. m. Antonius- Feuer, Schweins- o.
Kankkorn) im Halse (Kork 116. 214; Regen dieselbe
sollte da« Srtukrnut oder, weil eine «chclmischc Krank-
heil, der Nachtschatten helfen). — Sauschädet-Kx.
(Steiermark) - Parotitis epidemica, Munis, weil
sie einen dicken, unförmlichen Kopf macht.
— (l,v*o) Schaf -Kx. (rnoulone), 1. — Influenza,
wegen des bellenden Schal hustens (s. d. 2 b);
(1699 „wegen der Glelelinn*«« dieser Thierzu.«taende",
v. M. II, 128; Ruhemann 12). — 2. = S. Sciilalsucht.
— Schofiker Kr., 1. - <»ie auf Schankerinfektion
(nicht aul Tripper) folgende Syphilis (s. Schan-
ker) (Kopp II, 349). — 2. = die Beschälseuche
bei Plerüeu, die man mit dem menschlichen
Schanker verglich. — scharbock-Tu. = krank
durch Skorbut oder Scharbock (s. d.). — (15.il)
scharfe Kr. ~ Morbus acutus, namentlich akutes
Infeklionslieber ((ir. \V. VIII, 2184; Krauiw.
1. xxxvii). — Scharlach -Kr. = s. Scharlach-
tielter. — schein kr. - scheinbar krank durch
Einbildung oder Simulation. — Scheiss-Kx.
(Schwaben) = eine allgemeine epidemische Krank
heil (Sucht), bei «ler man wegen ihrer schein-
bar geringen Symptome keine ärzliche Behand-
lung braucht, «lie aber doch dem Kranken zum
Ärgernis gereicht (Kuck 18) und so verächtlich
benannt wird (vergl. Unkraut u. Scheissen 5).
— schelmische Kl., I. = epitiemische, durch den
Schelm (s. d.) veranlasste, auc)i „älpische"
(elbisch) genannte Krankheit, die in der
Schwarmzeit der Kiben (Krankheilsdämonen)
sich ausbreitet (Infektionskrankheit; Dusel,
Alp, Khren, Plag, Milzbrand etc.). — 2. = plötz-
lich, d. Ii. ohne für den Laien erklärbare Ur-
sachen eintretende Krankheit (Nachtschaden).
— (1790) Scherljevo Kx. s. Fiumekrankheit und
Scherljevo-i'bel (Sehuurrcr II, 434). — schiecheKx.
— die hässliche, enlsleilcude Biatlernkrankheil
(z. d. v. f. Volksk. i>>9;., s. M). — schiß-}a. = see-
kiank. — {WM) Siläaf Kr., L— Influenza, ver-
mutlich mit (jehirndepre&sions-Krecheinungen
(-Nona, s. d.), die der Sehlummersucht gleichen
(taweh 315. 163; Schmidt, Jahrb. 1892, 1. 147). —
2. — t'otua febrile (vei^l. Scldaffieber und
Schlafsucht). — 8. = febriles Depressions-
Stadium bei PferdekrankheKen (R. \.). — 4. =
das urämische Coma beim Kalbelieber (Eclamp-
sia puerperal!«) (Falke n, 279; üsterr.j. — dsai)
Schlamm-Kx. = eine nach üoerschwenunungen
auf schlammigem, morastigem Boden (oder-
geblet) aufgetretene, fiecktyphusartige, lieber-
liafle Erkrankung (Schlammtieber), die nament-
lich unter den Drainage- Arbeitern beobachtet
wurde (Münch, med. Wochenschr. 18W, 8. 77i). —
schlechte Kr., 1. = Syphilis, well meist von ge-
meinen Huren erworben (i r-iuell 1890, t>. 130),
deshalb aus Decenz umschrieben (Radenyge
[rada — schlecht, «yge sa Krankheit] Norwegen). --
2. - Kiebs (umschreibend) le ninuvoi* ou mechant
mal - - eancer, lirl«*. 118; Schanker u. Kanker hatan
gleichen etymolog. rwprong; *. KthnoL Mltt. au«
1 ngarn, 1891. B. 214). — (1699) sc/Urchthttziye Kl.
= eine einfache, schlechthin bloss mit Hitze
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Krankheit.
Krankheit
verbundene Krankheit ohne eigentlichen bös-
artigen uder infektiösen (Fäulnis-) Charakter
(v. M. II, 127). — »chleichrtr (ndr) Kr. = siehe
schleichendes Fieher u. Nervenkrankheit (Wolf).
— (1759) Srhlrim-Kl. = Morhun mucosus, Schleim
fieher, Typhus (Haser II, 4ir.). — Schleuder-Kl .
= Bremsensch windel (s. d.) heim Hopenannten
Schleuderer (s. d.); falsche Drehkrankheit dei
Schafe. — schlimmeKx, — F".pilopsia, als schweres
ühel (s. d.) (Steiermark) oder schwere Krankheit.
— Schniutz-Kx., 1. = im Laufe der Zeit ent-
standene Ablagerung von Schmutz auf der Haut
mit Bildung von panzerartigen llornschildem,
auf denen sich der Schmutz sozusagen ab-
krystallisiert (Schnii.lt, J. n. l.ss3, III, 185). — 2. -
Stiimutzflechte. — 3. s. unreine Krankheit.
— Schneider- Krankheiten = die b. Sehneider-
gewerhe häutigen Krankheiten, t. B. Lungen-
■ - >«-
fluenza der Menschet), die in manchen Epi-
demien mit starken Nasenschnnpfen (Cory/a)
verbunden ist (vetgl. I'fiffis, Zipf, Börzel)
(Vogel Ii, 202; Hncscr Il.sat). — 2. — ein meist durch
tuberkulöse oder actino-mykotiHcher Prozesse
in den der Nase benachbarten Knochen ver-
anlasstes Katarrhallieber bei Schweinen, wohei
die Tiere schwer atmen, schnauben, schnüffeln
(Zipp. <".7fi; Kalke I, ins). — schul-toc. = das Schul-
lieher (s. d.) habend. — Schul Krankheiten =
diedurch dieSchule verbreiteten od. erworhenen
Krankheiten,«. B. Wirbelsäulen- Verkrümmung,
Kurzsiehtigkeit, Bleichsucht, Schulkropf, an-
steckende Krankheiten, vor allem Diphtherie
und Masern etc. — Schuppen -K.T., 1. — siehe
Fischschuppenkrankheit — 2. — Schuppen-
fiechte. — (1754) schxcarxe Kr., 1. = Morbus
niger, ui>.atv« (vcoop) IJippokratis, Abgang
von schwarzem Blut oder schwärzlichem
Stuhlgang durch den After, schwarzes Kr-
brechen hei Magenblutnng (A, v. R, i, 1021,
„well ohne nllc Kusscre (iewalt durch den SttihliratiK
beinahe nichts als schwarzes, geronnenes nchlüt ab-
geht", Hufeland 461 ; Vogel V, 74 1 J. P. Frank VI. 201 .
die Melaena der Neueren ist »»Ions bei den Neugeborenen,
Klchlioret I, 812). — 2. = (bei den Bulgaren den
wahren Namen (1. d.] umschreibend) Kpilepsia
(KthnoL Mi», au« Ungarn, 1894, 8. 290). — 3. —
schwarzes Fieber (m. d.), eine l'estepidemie (1462)
zu Itegensburg (I.ersch 190). — 4. = sibirische
Seuche, d. h. Milzbrand mit schwärzt. Brand-
pusteln (I.erseh 431). — 5. = Cholera mit Abgang
von schwärzl. (blutigen) Diarrhoen (VIII. I, 302).
— 6. s. schwarzer Tod. — (1735) Schweinc-Kx.,
L- Rankkorn (s. d.) (V. B. 68) (s. Saukrankheit).
— 2. b Skrofelkrankheit (s. d.). — Scliwcins-
berger-Kx. ~ eine Leber-Cirrhose mit akuter
Dyskrasie bei Pferden, welche Bcuchenhaft
auftritt und von einem Tierarzte in Schweins-
borg (Kurbessen) zuerst genauer geschildert
wurde. — (1705) Schtrcizcr-KT., 1. = (ein au*
Scheuehzer's „Seltsame Naturgeschichte des Schweizer
I-andes" Nr. IS, 8. 57 stammender KrankheltMiauic,
der auch in andere Bücher überging, Cr. W. IV, 2. 884)
— Heimweh, Nostalgia, die besonders die aus-
wandernden Schweizer befallen soll (Hundsfod-
krankheit, s. o.) (\. v. u. I, 10:2; Ringe MS). —
2. — s. Schweiss (s<-h«-iu). — (1518) schwere Kr.
(Kränke), 1 - lang dauernde und schmerzliche
Krankheit, Morbus ponderosus (im «'«nee v, Ms.
Gr. W. VI, 62« sub 8), Kheiimatismus. articulorutn
acutus. — 2. — Kpilepsia u. Fx-lampsia (nvdXmatin.
Mnn -Sehr. Schlesien 182".» I, 219, l>r. Brenn. Schliff. 30;
Schin. 11, 527 . 645) ■- (it«:t) schwere Not, St. Va-
lentin- oder St. Johannes - Übel , hinfallende
Krankheit, Frais (fir. W V, 2029; Coler, W. 353;
II. A. loi; im fange V. 517), Morbus gronMis h.
magnus, als ganz auffallendes taiden. — 3. =
schwer zu heilende Krankheiten, lgnis sacer,
Fisteln, Karbunkel (Anthrax), Krebs und „ner-
vöse Leiden aller Art" (Fuchs, Hipp. II, 537; II. \:
Certd.; Schmeller II, 211). sq/tliixche Kl. -
Morbus foemineus Scythnrttm Hippokr.,
voösor (llerodol) — weibliche Krankheit, Viri
molles, I'athici, Cinaedi (s. Itnsenbanm. «Jcsch d
1 .11 s t sc n eh e ; ferner Friedrich, Aualcktcn /.. Nni «ir- und
Hellk.. Wurzlig. i*u, s. 2sj, perverser Cesehlechts-
trieb infolge v. (ieistcskrnnkheit. — (1696) See-
(krank) Kr. - (itoh „die schändliche WonHntf oder
Seekrankheit", schcnthalt jo benannt — \'x'>ttH| [tlip
pokrales, Aphor. IV, 14], Morbus iiaulicns, s. navalls.
Nansen, Nnutn, Voinitus marinns, le mal de mer, le
mal d'amarry, Itriss. III. 153. 165), 1. = ein die
Schilfsleute, die zum erstenmal auf der See
fahren, befallendes, hartnäckiges Erbrechen
mit hochgradiger Apathie und beständigem
Schwindclgefühl (A. v. II. I, 1023; Bans SM; die
SchinNkrankhcit ist sehr wahrscheinlich schon bei
den 'Indogermanen bekannt gewesen; vcrgl. ultnord
voma; Kriech. silSuj; lat. vomo; »kr. vam, Schräder,
Spr.-Vergl. [lsyo] COS; Hauke II, 542). — 2. = das
Gleiche (1.) auf »lern Lande. — 3. = Skorbut
der Seeleute. — 4. = Seehand. — Behrendt Kr.
— schmerzhaftes Leiden (Schmeller II, 32-.'). —
(1616) Scirh-Kx. = Dysuria (Paracelra«; Gr. W. V,
2035). — (1615) SeUen-Kx. ~ Seilenstechen (s. d.),
Lankobel, mal de flaue (coler, H. A. 14s). — (1C4«>)
! »erbende (tfirteende) Kr. = auszehrendes, ent-
kräftendes Leiden (Schmeller II, 324; ZeiUohr. d.
Ver. f. Volksk. 1891, s 450). — sibirische Kr., 1. "
j (1822) Siiltbrand (s. d.), der aus Sibirien einge-
schleppt wurde (PeaarlM). — 2. = (1782) Influenza,
die (1779) von China und (1782) vom sibirischen
I Norden und als sibirische, chinesische, nor-
dische Krankheit auch nach Deutschland kam
(Dr. Vogel [1801] II. 193). — 77 (72, 7()) Kl. = 77,
die gedoppelte Siebenzahl, ist die heidnische
(ialgenzahl, die das Ü bergrosse, Immense aus-
! drücken sollte; sie bedeutet das unzählbare
Kollektiv v. Krankheitsarten, die durch Segen-
sprllche wie Dämonen gebannt wurden; 72 u. 70
sind Oelehrten-Zu«ittze spaterer Zeit (Kuhn. Zeit-schr.
f. vergl. Spr.-Wissetisch, XIII, l'C. Ct>er die einzelnen
Krankheitsformen. die mit der verdoppelten Sieben-
zahl (77) auftreten, siehe unter „Sieben" (7). — Silber-
Kr. - Argyria, die graue Verfärbung der Haut
infolge von silberhaltigen Arzeneien. — «inn«r-
kr. (1481 vast kräng an sinen synen, Kriegk. II, 354)
- geisteskrank. — (178.5) Skropliel-Ex. ~ ein als
„•Krankheit" wohl nur durch die neueren Ärzte
(llufclandj und Ihre Bücher vermitteltes Wort für:
1. = Scrophtilosis.die von sus scrofa ( = Schwein)
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Krankheit.
nrnl scrofula (- Ferklein) ihron Namen hat, '
d. h. von den Drüsen (glandes), wie sie nament-
lich beim Schweine vorkommen (daher auch
Schweinekrankheit genannt) (Krau», K. 22f.) und [
wie nie der Mensch durch konstitutionelle
'skrophulose) Pradisposition ( — Phlegma fs. d.],
htimeurs froides der alten Schulen) erliitlt (franz.
«-ernnelles; Sobernheim 2«'.l) (s. skrophlllos). — 2. —
ilie Darrsucht des Kindes (skrophuloKe, tuber-
kulöse Erkrankung der <lekros«lrüsen) (Forster
II, m; lliuwr I, 819). — (ic:iT) Snldalrn-Kx., 1. =
KcMkrankheit, Fa«crkrai.kheit (Ma«ol.enb. IM;
^hmin-er II, 1S1 ; v. M. II. 121) - Petechialtyphus
oder (V<CC) ungarische Soldatenkr. (fchris militari*.
Schnurr« II, 113J (ungarisches Fieber). — 2.
Ophthalmoblennorrhoe», die Ägyptische Augen- j
krankhcit (s. d.) (Krau», K. 9-.w). — (1831) Fommer-
Kx. - die in der wiiimeren Jahreszeit häufiger
auftretenden Krankheiten,»:. 15. Kinder-Cholera
(Brechdurchfall) (Haeser II. «23), - (17 V.) spanische
Kr., 1. — lothringische Krankheit, l.ues venerea ;
das spanische Kriegsvolk soll die „Franzosen"
(spanischer Kragen,», d.) erst durch den Kriegs-
mc Karls VIII. nnch Neapel erhalten haben;
rtoeh war s|eher «lie Krankheit srhnn vorher <la (Bloml.
in Kteausm, IHK d. sp. Path, n. Thor. III. 9; K. r. II.
I, 922; Proktch I. II) „Wahrend <lic Italiener he- '
hanpteten, die ..neue Kriinfcheit" (s. il.) von «Ion Kran-
iwn art(niri« rt tu hnlxn (mortui« Rallicus), lx<haup
t»-ten die Krnnjtoscn das «~;<?Kenteil un<l nannten «lie
Krankheit mal de Nantes (I'r. I, 119); M wurde so fast
allenthallien Hrnueh, if io Seuche nach demjenlRcn ;
Votice zu benennen, mit welch om man dien lu Be-
nihruns Rekommin war". — _'. = spanische Kopf-
seuche «ler Pferd« (s. d.) (Falke II, IU). — 3. =
spanische Hinke (bei Schafen). — Spttaf-Kr.
In'ireeg. «pcdalskhed. Kraus, E. 961) = Lepra, die
die damit Befallenen am häufigsten in die Ho-
spitaler, I-azarethe o. Siechenhäuser brachte. —
s nssr i & - **- "'»«»""'««
( = (ieniusen«lemieus), eine beständig l>eobaeht- \
bare und wohlbekannte Krankheit an einem
Orte, die daselbst nicht gerade epidemisch
herrschen muss, die aber immer wie auf einem
Wachposten „lauert, um loszubrechen" (Kraus. E
Haeser II, 630). — (17"j6) Stein-Kl., 1. = Nieren-
oder Blaaensteine, Lithiasis; Steinkolik (Falke
II, 339). — 2. = durch Kalksalzablagerung ver-
härtetes Chalazion (Drüsen-Sekret, Werren) in
einem Augenlide, „die wie kleine Kieselsteine
aussehen" (A. v. II. II, 921), eine Kalkbildung in
den Meibom'schen Drüsen (Arlt 11. 30). — (1800)
Steinhauer -Kr. — die chronische Lungenent-
zündung durch Einlagerung von Steinstaub bei
Arbeitern auf Strassen oder in Steinbrüchen j
[Sehlehdorfer Sterbebueh [Ohcrtiayern] ; frz. calllontc, |
ttrim. 17). — (1779) Sterttens- ! . ** [l.m schwere, 1
l KT., !
leicht zum Tode führende Krankheit (Hippel n,
■112). — 2. = so schwach sich fühlend, als ob
man sterben wollte (Andreren 273). — (1582)
sterbliche Kr. = letale, zum Tode führende
Krankheit (Lonic 47). — Stich-Kx. (bösartige) ,
= Seitenstechen bei der epidemischen Pneu- i
monia asthenica (s. Alpenstich). — (üM3) Sturm- \
Krankheit, 323
I
Kr. ~ die mit stürmischen, heftigen, akuten
Krscheinungen der Tubsuclit und Raserei ein-
hergehende Gehirnhautentzündung der Rinder
(Falke II. 349). — (1374) TVjMZ-Kr., a) = die Pro-
zession der springenden I (eiligen, die in Echter-
nach a; Rhein den sogen. Willi brordus - Tanr.
(s. Veitstanz) aufführen, indem sie im Reigen
ohne Rast Ii, Ruhe zum Friedhofe der St.. Willi-
brordtis-Kircbe springend sich begeben; b) — -
Tarantismtis (s. Veitstanz) [1761, I-. eb. 83). —
lartarischc Krankheiten -• Jnaeh l'araeelsus) die-
jenigen Übel, die sich durch Ablagerung fester,
nicht ausgeschiedener Krankheitsprodukte aus-
zeichnen und sich aus den (tartarischen) Nie-
derschlügen im Urin am besten erkennen lassen
sollten; ,,eitie jeirliche ultima materia <lcr wachsen-
den Dingen, so nie Im Leihe (aiiN)Ke»cbei<len werden,
hei<*t tartarus" (l'araeelsti«); wenlen sie nieht aie-ire-
«■chledcn, kommt e« xtir tnrlar. Krankheit (Haeser I.
144; Bau 209). — Tolprl-Kl. - s. Tidpel (Parotitis
epi«l.) (navaria l, 2. 10-^7). — tixlliche Kr. ~ Morbus
letalis, eine Krankheit, die zum Tode führt.
— fW-kr., I. = sterbenskrank bis zum Tode
sich fühlend (Andreren 273). — 2. - bald sterben«!.
— Trafor-Kx., 1. - die durch den Drehwurm,
Coenurus, im Gehirne verursachte Schafkran k-
heit, wobei «lie Tiere wie angetrieben in gleicher
Richtung dahinlaufen (= wtirllg). — 2. — ein
Rückenmarksleiden der Schafe mit erhöhter
Empfindlichkeit (Reizung« - Symptomen) und
nachfolgenden l>ahmungserscheinungen, wobei
die kreuzrähen (s. d.) Tiere hin- u. herschwan-
kend und trippelnd kleine Schritte machen
oder im Kreuze zusammenbrechen, sehruekig
(.. d.) sind. - } Kr. - «He durch
Fütterung mit Trübern (= Traubenkamm) o«ler
Trestern angebl. erzeugte Pfer«lemauke (siehe
Traubenkamm) (Zipp. "M; Kalke II, 373). — (1872)
Trichinen - Kr. die durch Triehina spiralis,
einen seit 1SJ8 bekannten Schmarotzer und
Parasiten, verursachten Krankheits- Erschei-
nungen, «lie namenll. in den zumeist besetzten
Muskeln sich Äussern (üraun, I'aras. 232; K. u. P.},
Zflfti — Haare; weil «1er 1 mm Innce Parasit haer-
formiK l»t untl In Spiralen anfirow iekelt >ich einkapselt.
— 2Vo/)rn-Kr., 1. = eine Krankheit, welche in
den Tropen (ö X'ix/.o.; Tpoitixo- = Wendekreis, wo
die .Sonne «irh K'letrhsam xn »enden scheint, Kraus, E.
ior.6) h.tidig ist. — 2. = speziell Malaria. —
Tuberkcl-Kx., 1. = Tuberculosis. — 2. = Finnen,
Franzosen, Peilsucht. — 3. — Mauke oder
Straubfuss wegen der warzigen Bihlungen (?)
oder wegen Übertragung «ler „Franzosen" auf
diese Hautkrankheit der Veterinär- Medizin
(Falke II, 378). — ritnnc/-Kr. , l. = Grubon-
(oder Minen-) Krankheit (Korr.-Bl. f. A. K. r.
1882, s. 63). — 2. = s. Bergkrankheit. — über-
fiUsngf (Frautn-) Kr. = s. o. Frauenkrankheit.
— (l«v,6) ungarische, (i:.67 numerische, hiinn-
sche) Kr. (lßflT rnfreriaebe kranekheit, fct.Hs DMNfna
cum maeuli< rubei.s Renent, < IberiMtff.) (1557) Morbus
hungaricus (i.ersch 2;«), Lues pannonica, Syno-
chns putridus s. lenticularis, F«'bris hungaria,
1. = der aus Ungarn verbreitete Petechial- oder
Fleck-Typhus (s. ungarische Hauptkrankheit),
21*
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324
Krankheit.
Krankheit.
der als „Krankheit" (jüngerer Name gegenüber
dem [1M2] alteren tingarischen „Fieber" [n. d.]) aus
dein Lager des deutschen Ueichsheeres vor
Ofen (Koniorn) verschleppt wurde (Soldaten-
krankheit) (v. M. II, HL ISS; Wichner35. 114; nae<er
II, MO lt.; Lnth, Gesch. d. Kpid. Zuge d. Stadl Erfurt}
— 2. = „sonsten kannten auch elnive in dem Geblute
gesammelten Würmlein (Hirnwurm) zu dle«<r Krank-
heit VeraulasMUig geben, innren mm durch die Ver-
fn"<'^"eninK-i l<lii'«'r beoltaehtete , das* in dem GcMut
der mit ansteckenden Krankheiten Ix-hafteten Personen
viele kleine, lange Wurmer sich gereckt haben" (Zw.
618; nach Athann-Ius Kircher) = (lT2-r»; 1 latlptsucht,
hitzige« Fieber (Thea, -an Itr. 492. 199), \'ernie.M
cerebri (Hirnwurm),typhttsesLngerfiehor(.\. v. Ii
I, 617; Schweiler I, 109; Gr. W. V. 20.19; Genre. 362.
Haeser II, 3io «.). — 3. = die orientalische Beulet i-
pest mit verschiedenen Lokalisationen in in-
neren Organen (A. v. II. I, 647; Chr. Sam. II, 71. 73)
und „mit bösartigen heulen" (Lues pannonira,
vergl. ungarisches Fieber); Krato von Kraft-
heim (ici:i) unterscheidet die ungarische Krank-
heit vmii Petechialfieber als eine besonder«'
ansteckende Seuche. — -4. = die Kühr = ruhr-
artige Diarrhoen, Frbrechen, pestartige Bräune
(im Hals) (The«, san. Hr. MS, 4U9; Dr. Minderer 91. 92).
— 5. — Malaria endemica oder Wechseifieber
fllae-er II, 340) (vergl. die Hünnache); Fngarn
war im 18. Jahrb. „das Grab der Deutschen".
— (17. Jahrh ) unnatürliche Kr. - jede durch
Zauber oder Gift (s. d.) veranlasste Krankheil,
die durch ausser Uer Natur liegende Stolle ent-
standen ist, z. B. die dämonisch veranlasst an-
genommene Seuche beim Menschen oder Tier
(Kr. Kr. ii. i75). — (i:.29) unreine Krankheiten ■
Syphilis u. syphilisahnliehe GeschlecliiHkiank-
heiten (Paraeels). — (18. Jahrb.) Unter-Kx. — der
Gegensatz zu Oberkranklieit (s. d.) (Wd I». 202).
— unterlciba-kx. - umschreibend) mit einem
Frauenleiden behaftet. — Untcrmaiser-Kl. =
das alkoholische Delirium (s. d.) tremens; „die
l'ntermaiser (hei Meran) zahlreichen Wein-
schiinken sind am meisten von Trinkern be-
sucht, daher das Delirium unter denselben nicht
selten vorkommt" w-df). — {ismj f7r-Kr. = All-
gemeinkrankheit, die mit Urstotl'en (Urtinktur)
behandelt wenlen soll (BadenMrtMf 1772—1849;
Raa« 2U*). — (I8l.li Urinwerkzi W)c-Kx. — Nieren«
oder Blasenleiden (Salzachcr Krel-Mntt isi3, S. 1182).
— Urmen-Kl. = Lyssa, Hydrophohia (Dr.Wbdoeki ;
Crmen — Schlf k'alsfruti, die diese Krankheit M einigen
Zli.'euncr'tauiincn 1'ngnrn« veranlasst, l'ripiell 1*91,
8. 13..). — St. ValmtiM>-, St. Valtena-, St. Vcltina-
Kr. (I II'. Mal <:<• St. .lehan, epilepsl» qul et morbus
Valentin! dlcitur [s. grosses Fbel), l'eijpers 92; V<ß.
Fnchs I. 376; UM St Velten [seil. Krankheit], Hoff-
manu, Mou. Schrift dir Schlesien 1S29, I, 249; 1582
St. VeUIns-Kranckhcit, Martin 107), 1. - die fal-
lende Sucht (s. d. und St. Valentin), Epi-
lepsia, Morbus St. Valentini Had. Jun. 392;
Coler, H. A. 101; Du fange V, 61«). — 2. = Veits-
tanz (s. d.) (Wiehner 7; Schw. 738): St. Valentin
ist Patron der Liebenden. — 3. = vermutlich
auch Syphilis (St. Valentin ins Franz. entstellt —
8t Foutlti, Bris». 2-10). — (1S94) Frt0Ci/>C<7-Kr. =
eine durch das Sitzen und Fahren auf dem
Velocipede hervorgerufene Adektion an den
Dammorganen (Harnröhre und Venenentzün-
dungen) (Munch. Med. Wochen-chr. 1S'.»4, S. 219 —
(174S) venerische | rr_ . ,
; , , Kr., 1. — 1527 Morbus vene-
(i v.»2,i V cnn»«nr/icn-| '
rens (s. Venerie), alle infektiösen, im Ge-
schlechts- od. VTenti8dienste erworbenen Krank-
heiten des Menschen (Tripper, Schanker und
Syphilis) — 2. = (mit menschlicher Syphilis
verwechselt, s. Franzosen) beim Tiere: aj I'eil-
sucht (Tuberkelkrankheit); b) Wurm, Kot*.
(Faike iv. 399). — (i:.29) verderbte Krankheiten =
gefälschte Krankheiten (Paracet«, de Impost .). —
(1722) vergiß te te) Krankheiten -giftige Krank-
heiten (Tiber. 120) — (Kurie de« ls. Jahrh.) verlern te
Krankheiten — die unter dem äusseren Hilde
einer anderen Krankheit, *. B. Wassersucht,
Luntrensucht, auftretende innerliche Krankheit,
t. B. Syphilis (Syphilis larvata), Eingeweide-
Syphilis (Hr. II, 543. 549. 577; Falke II, 406). —
(lsi.:) verwickelte Kr. ;- eine in dem normalen,
glatten Ablaufe durch dazwischen eintretende
schwerere Zufalle gestorte Krankheit (Kom-
plikation) (Kalke IV, 410). — (174H) verzehrende
Kr. = Febris hectica (s. Hektik, Kttig), Zehr-
fieber (A. v D. I, 1310; Maschenh. 281. 383; Fr. II,
6.r.) — Veterinär- Krankheiten =- Tierkrank-
heiten (s. Veterinär). — (1795) Volks-Kx. —
eine die Gesundheit des ganzen Volkes be-
drohende Krankheit (I'andemie, Endemie)
(J. V Trank III, 142) — vornehme Kr. = galante,
noble Krankheit (s. d.
(isj.) M7ir7«fuwj?-Kr.
Kntwicklungskrankheii. — (17951 Wald -Kr.,
1. = eine Krankheit der Schafe (Drehwurm,
s. d.), welche sie angeblich bekommen sollen,
wenn sie in Holzungen (daher auch Holzkrank-
heit genannt) auf feuchtem Boden weiden. —
2. = andere Haut-l'arasiten ( — le mal St. Syl-
vain) bei Schafen (Falke 1.406, Abiig. 127; Rri.s.«. 2.14).
— 3. = Milzbrand (Typbus sylvestris), dessen
Entstehung man dem Genüsse von Waldbaurn-
Spnisslingen zuschrieb oder sonstigen Schäd-
lichkeiten auf der Waldweide (Falke II. 425); ver-
mutlich Meckt hinter dem Namen eigentlich die Vor-
stellung eines Walddamons (Sylvanus - Fangg) (siebe
Milzfrau, Bettelmann, Holzweiblein). — 4. =
Blutharnen, das beim Rindvieh am häufigsten
auf Wald- und Buschweiden vorkommt. —
Wander -Kx. — die von Land zu Land wan-
dernden Epidemien (Ven'.ffentl. d. Kais. Gesnndh -
Amtes 1877). — Waren 'sehe Kr. = ,, Waren, nom
donne en Westplialie a uue maladie herxdltaire dans
pltisk'urs fumilles; eile « annonce par douleurs vague«
et tresvives en tont le corps et partieulicrement au dos
et aux lombes etc." (Mure et Robin Dietionnalre de
nudecitie II, p. 1657; Peypers 87) = vermutlich here-
ditäre Syphilis in der mecklenburgischen Stadt
Waren. — H839) BVc/isc/-Kr. = eine Krank-
heit mit intermittierendem Typus, ähnlich dem
Wechsellieber (Ilaeser II, 93). — (1680) weibliehe,
,iö:.i) HVi&rr-Kr., 1. — Menses, Gynaecia, als
Weiberblodipkeit, Weiberschwäche, Menstruum
IL. eh. 38: KünlgUp. 61; Bock 21; Cr. W. V. 2039). —
2. = (16. Jahrh.) Wochenbett, J schien (Gr. W. V,
2039; blbl. Med. 457). — 3. = Schwangerschaft
(Zw. «98). —4 = Frauenkrankheit 2 (e. d.)
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Krankheit
Kranl— Kranz.
fll»erhaupt. — f>. = weisser Fluss (h. iL), alt*
(U>8i) „weisse Weiberkrankheit" spezialisiert
(Endometritis suppur.). — 6. = auch sonstige,
das weibl. Geschlecht vorzugsweise befallende,
auch infektiöse Krankheiten, z. B. Sehlauim-
krankheit (Münch. Med. Wochenschr. 1*91, S. 77"-).
— (verborgene) Weichseltopf -Kl. — s. Weichsel-
zopf (Uutcland 587) , (1599) Morbus cirrorum, Cir-
ragra; (i«83) Morbus vulgo dictus plica polonica,
Lues pocutiensis (Gabzien;, saruiatiea (Polen)
coltonica (s. Kolton), Trica ineuborum (s. Alp-
zopf), Trieboma, Heiotis, Ropalosis etc. (Og. 6.
26. 26). — Wride-Kx. = im Gegensätze zur Wald-
k rankheit (s. d.), jede der Fütterung auf der
Feldwcide zugeschriebene Tierkrankh., Staupe,
Milzbrand etc. {Falke II, 337. 132). — !17i:.) Werlhof-
sche Kr. = eine skorbutabnliche Erkrankung
mit kleinen llohstichartigen Blutaustritten unter
der Haut; (1775) Morbus tnaculosus Werlhofii,
Purpura haemorrhanicn (Werlhof, i'anl Gottfried,
let.te 1*99 -1767, linier). — IPcte-Kr. - die Traber-
krankheit der Schafe, wobei «lie Tiere sich be-
ständig am Kreuze wetzen, scheuern, an der
Nase reiben (s. Keiber). — (1.07) ir»'rrf«--kr.
(= rectdlvuf, I». «7) — rückfällig an derselben
Krankheit. — (lstM) Wiener - Kr. - Morbus
Viennensis (Dr. Kämmerer) — Luniren-Tuberku-
losis, in Wien früher sehr häutig (nach einem
Vortragt auf <ler 66. Naturforscher- u. Ärzte-Versamm-
lung zu wie»). — (i7w) H'iriirt -Krankheiten =
solche Krankheiten, die im Winter häufiger
sind, z. B. Schnupfen. Husten, Oberhaupt Re-
Bpirationsschleitnbaut-Katarrhe (a. v. ii. 1, 790).
— (Uly: UVr/crwn^Ä-Krankheiten s. klimatische
Krankheit (Herker 221). — W<Jhortiaer-Kx., L —
eine infektiöse Lungenentzündung, durch den
Wollstaub verursacht. — 2. = Hadernkiank-
heit. — teumtkx., (löie, lFioirf-Krankheiten,
1. = verwundet, aeger ex vnlnere. — 2. —
von einer erhaltenen Wunde aus krank oder
auch nur schwach (Gr. W. V, 2023). — 3. ~ die
Krankheit, die sich zu einer olfenen Wunde in
ihrem Verlaufe der Heilung hinzugesellt, z. B.
\Vundsucht, Wundfieber, Wundstarrkrampf
i Tarncelsu», Baas 209; Haescr I, 4'i6>. — (1018) wund-
artzntyische Kr. = Leibskrankheit 2 (ParaceliHi* ;
Pr. II, n). — (IT«) Wurm-Kl. = die ktankbaften
Zustande im menschlichen Körper infolge von
Eingeweidewürmern, namentlich durch den
.Spulwurm (Helminthiasis) oder auch nur mit
Symptomen, die bei solchen Entozoen vor-
lianden sein können, Morbus vermieularis
(Bremser; Leukart IM. 157. ISO; Itavaria II. 2. 8*3 ;
Lebert in Gerhardt IV, 2. 291; bibl. Med. 579). — (1741)
Wurst-Kl. — Farciminium (Vegelii) (Kirsch 43S)
Hautwurm, wurstförmige, infarzierte Rotz-
knoten beim Pferde. — Wui-Kr. - Lyssa,
Rabies, eine akute Infektionskrankheit, welche
bei den Tieren des Hundegeschlechtes manch-
mal seucheuartig auftritt und auf den Menschen
und alle Haustiere ubertragbar ist und unter
Wnterseheinungen (rasende, tolle oder stille
Wut, h. d.) zum Ausbruch kommt (Bollinger
in Zienwen, II.1t. III, :m) (St. Hubertuskrauk-
heit). — (MM) ZauberKx. = eine durch Zauberei
(s. d.) veranlasst angenommene Krankheit
(über die der kalserl. Hofmedikus Maximilians II.,
Namens Karrichter, sogar eine Abhandlung schrieb;
v. M. II, Anh. 1; bibl. Med. 670. 710, Uegister). —
(18S7) Zehr-Kx. = verzehrende, serljeude Krank-
heit, chronisches Leiden (Schmidt, J. lt. 1887 Ii,
237). — (1896) Zeit-Kx. = eine unserer Zeit
eigentümliche Krankheit, z. B. Morphinismus
(Dr. Biedert, Diätetik S. 7). — (ls»0) Zitherspieler-
Kr. = eine professionelle, lokalisierte, dege-
nerative Finpcrnerven- Entzündung, durch über-
triebenes Zitherspiel b. sonst gesunden Spielern
veranlasst (s. Echo vom Gebirge 1889, 7. 71; Berliner
klln. Wochenschrift XVII, 21. 301). — Zorn -Kr.
(kranckheit des zorns dair die hals vys kompt - agli»
(aiiKina) glandolac, D. 18), 1. = Halsdrüsen-Mandel-
abscess mit Entleerung von gelbem (s. d.) Kiter;
gelb = die Farbe des Zorns. — 2. - Wutkrank-
heit (s. d.) — 3. = Koller (s. d. u. heisszornig).
— Zucker-Kx. — Zucker- Harnruhr, Diabetes
mellitus. — (iv.i) zufallende, (17. Jahrh.) zufällige
Krankheiten - symptomatische Eclampsia als
t'onvulsiones aecidentes, die mehr zufällig ein-
treten, ohne das Wesen der eigentlichen Krank-
heit zu sein (Bock lie); auch die Parasiten hielt
man zuerst für die ausschliessliche Ursache,
dann für einen Zufall bei einer anderen Krank-
heit (Krätze t. B.) — zymotische Kr. s. Gtt-
run ks krank heit. — Kranken-, Krankheits-,
(krank [e er, es], krankhaft) Anfall, -Asthma,
-Aussehen, -bleich, -Bruch, -GescMecht, -Gicht,
-Glieder, -Herd, -Herz, -Keim, -Kern, -lahm,
-Laus, -Materie, -Men*h, -Mütigkeit, -Mutter,
-Samen, -Scliärfe, -Schlaf, -Schtcitzen, -Sinnig-
keit, -Stimme, -Stoff, -süchtig, - Tag, - Tritt, - Ver-
dauung, -Verzehrt, - Wechsel, - Wicht, -Zeugung,
-Zustand.
Kraul - Schneidezähne beim Hirsch; (zu
Krone ?).
Kranz (Kränzli, Kränzchen) » (reifartiges
Ziergetlecht; ahd. krauz; mhd. kränz), 1. = sinn-
bildlich für den bekränzten Zustand: ums
Kränzchen kommen — Defloratio (Gr. w. V, 2037).
- 2. = kranzförmiges Gebilde, z. B. a) Ziegen-
und Kälber-Därme (Schweiz; Schw. 362) oder
b) der Haarkranz nach der Mönchs-Tonsur
(10. — 12 Jahrh. cranz - cirros, crlnc, Schindler I,
1376) (vergl. auch Saujungfer). — 3. = der Urin-
Zirkel (s. d.) (13 — 14. Jahrh , mnd. de crans, Magist.
Barth 102a). — .4w7cti-Kranz ■ Corona oculi
s. Iris = Faltenkranz (Kirsch so&). — Ehren-
(Jun'ifem-) Kränzchen = Jungferschaft, als
dereu symbolisches Zeichen auf dem Kopfe
von den Mädchen ein Kranz getragen wurde
und zum Teil auf dem Lande noch getragen
wird (Gr. w. v, 285). — .F<i/rc»-Kranz ■ das
strahlenförmig gefaltete Corpus eiliatum im
Auge (Schulaiisdniek, Hjrrtl, K. W. 166) (gefal-
teter Ring). — -Suscn-Kranz, 1. = die bei der
englischen Krankheit (Rhachitis) zu beobach-
tende Auftteibung der Rippenknorpelverbin-
dungen, die auf beiden Seiten des kindlichen
Brustkorbes einen Bogen bilden, der beim
Darüberfuhlen mit dar Hand den Kindruck
macht, als ob man über die Kugelehen des
1 Rosenkranzes (Paternoster; s. Nüster) hinweg-
S2G Krapf- Kratze.
Krauel— Kraxe.
gleite. — 2 = «lie Menses (s. Blumen), die
einen roten Sekret-Kranz machen (Österreich).
iKr Kosenkraux hat vermutlich von den zu Kränzen
aneinander gereihten Samenkörnern der oiehtrosc
»einen Namen. — 3. ^ die Kuau 9. — Tuttcla-
Kränzl (tuttel» grausel) — die von dem Warzen-
hof kranzförmig Umgebene Brustlätze (Wolfram
von Kschcnbach , l'arzival II, 1G29; l.exer »I). —
Vt-mwi- Kranz - Corona veneria- die auf der
Stirne bei Syphilitischen oder Venerischen
beobachtbaren roten Haulknötchen (Seumann,
neuer Venusspiegel 42; cha|.elet puslukux, Dornbl. 2t)
— Kranz- Dann, -Kopfweh.
Krapf, in Krapfen, m. Krappen (alid. kftpbo,
Gr. W. V, 2063), 1 — Klaue, Kralle, die »ich
zusammenkrampft , krümmt wie ein Haken
(13. — 14. Jahrli. crapphe — uneus, D. t>26). — 2. =
kmptig gestaltete Hautwarzen beim Pferde
(15U2; 8cb. ITC — Krapf, tu. = kleine, verwach-
sene Person :, melier I, i::7'J). — iiWs-Krapfl
— Hulskrapfchen, der gewölbt, klnuenförmig
vorspringende Adamsapfel. — Krappen-AfaL
krappig s. grappig.
kraspeln (1483— ieis) = crepitare dentibus
(Helmieller I, 13S2; C. v. Mcgbg.).
kratteln = graitteln (reitlen).
Kratze, f. (Kratz, m. Kratt, f. Kratzer,
kratzen, Krätze), kratzen («hd. ohnoOn,
krazjnu. kraxün - iHrrfrlcarc, sealpcre [dazu franz.
grattcr]. Uralt I, 586; mhd. kratzen, kretzen, knitt..n
[eine hochdeutsche Verschiebung]). - die Kratze,
Kratzet (10. Jahrh, ; nhd. ehraxznta — facies diisecla,
Mfittemer, Henkln. III, 6'.*6; mhd. kretz, kratz, Kluge \
214) = der Zustand des Gekratztseins. —
Kratz, in. Kratzer, m., 1. = das einmalige
Kratzen (Kratz) (Heyne III, 462). — 2. m die
durch das Kratzen entstehende .Schramme (der
Kratzer o. Kraller) u. Kral-wunde (egratignure).
3. = die Finder und Nittel, womit man krazl
(Gr. W. V, 2072) (die Kratze, der Kratzer!. —
4. = (1C80 der kratzer, Gr. W. V. 2ü7'J) derjenige
i,s. Fuchs), der kralzt oder die Kratze hat,
seabiosus. — 5. - die Krittze (s. «1.) oder Rande
(Scabies), (14. Jahrh. der kratz — prurigo, Voc. opt.
W. 30; IS. Jahrh. der krau — Knude, Ur. W. V, 2071).
— 6. = der Schorf der Kratzwunde (Gr. W. V,
2071) — 7. <= (1578 die kratt) eine Halskrankheit
(Gr. W. V, 2070). vermutlich eher zu Kröte (s. d ).
— (is. jahrh ) krättig (kretti«), t. - räudig
(beim Vieh). — 2. = mit dem Hautwurm («. d.)
behaftet, kratzig ;ur. W. V, 2071, alemannisch). —
kratzen, 1. -= aktiv kratzen. — 2. = die Ktn-
ptinduug des Juckens, Kitzeins, Kratzen«
haben oder auslosen (Gr. W. V, 2077); auch die
Gebärmutter „kratzt" (wie ein Tiei — ab-
kratzen - eigentlich Ins Uro» bellend (». d.) und
den Sandboden mit den Klugem erfassend, kratzend
in der Schlacht sein Leben aushauchen -- verenden
(Spless II, 2). — Ader- Kratze = [alld. adar creti,
alhargrnti. adargrati [I.egea Itaiuw. 1. 3), Graft IV.
all; Du Gange I, 4">o) — wenn eine Ader so ver-
letzt, angekratzt war, dass das Blut nicht
ohne Feuer gestillt weiden konnte; ein Aus-
druck, der vermutlieh von der alleren Form des
| Ülutabloftiteu« lAderlassj, die Ader durch eluen Dorn
aufzukratzen, ut<erlrageu wurde, spater wurde sie
I aufgeritzt und aufgepickt). — auskratzen (und.
uzknuon, Graff iv, 587) - die Adern und Ktn-
geweide (Augen) herausnehmen mit kratzenden
Fingern. — Lti/Yro/irc»-Kratzer— «ler Lungen-
wurm (Strongylus tilaris), der bei den Schafen
den kratzenden, krächzenden, bellenden „Schaf
husten" macht.
Kraupel, m. - Kroppel, Knorpel (sebm. 1. 1378).
kraus fein, geringelt (ns2 krau, crau* =
tortilU, ur. w. V, 20*»ff.) (dazu Gekröse, s. d.). —
Kräuseln, pl. = die geringelten Sehlehnfaden
im Harne. — Kraus-, krause) s) tjlicdrüj, Haar,
-Kopf, -Linke, -Stirne.
Kraut, n. (Indogeriu grüto; goth. kruth C'J,
Kluge*, 214; ahd. krüt; mhd. krnt , vielleicht
geraule - da» Kollektiv des kleineren Mauerwerkes
1= Raule] bei IMIanzen, Zeluchr. f. Yolksk. 18*1/91,
s. MC). — krautig (krutig) = lebhaft und
frisch wie ein frisches Kraut, frisch auf (von
Rekonvaleszenten), gesund (Gr. W. V. 2121 . —
Ab- (An-, (1017; t/n-) Kraut - jede Krankheit,
die man vor Abscheu und wie ein unbrauch-
bares, unnützes (Zauber?-) Ktaut wegwerfen
mochte (Gr. W. V, 2105. 2110), in wegwerfender,
verächtlicher Bedeutung (zu kruit, krudde, Sehw.
794, in keiner liezichuug, Gr. I). M. II, 1110). I.-
Kpilepsia, ilystero-Kpilepsia (Schw. 734; Wuttke
3:ts). — 2. = Eclampsia infantiuni (Wuttke 33s ;
Dr. Br.-8chff. 30). — 3. - stille Gichter der kleinen
Kinder, Fraislein (schmeller I. 13%; Scbw. 734).
— 4. = heftiger Kopfschmerz. — 5. - Wurm
am Finger (Panariliutn) (Schmeller 1. eod.i. —
tj, = böser Hals, Diphtherie, Croup (isis; z. d.
V. f. V.-K. im. s. 29it. — 7. = Galle (Paracelsns).
- bosca Kraut, 1. = (noch Z. d. V. I. V.-K. UM,
s. 216J bösartige Kose (welche besprochen wird).
— 2. = jedenfalls auch Unkraut 1 — ü. Auch die
Krau eine» Walddüiuuiis oder Schratts wird als „Krau
Übelkraut" bezeichnet (Z. d. V. f. V.-K. 1896, 8. S24).
Hei vielen Volkern tiudel sich die Vorstellung, dun»
die I'tlanze der Wohnort eines iHttnons Ist; die von
diesem Ditmon [l'nkraut; verursachte Krankheit über-
nimmt dann auch den Namen s. Daum*) de>sell>en.
— [1482] </>oss-krauti'7 (C. v. Itagenbf.) - auf-
gebattseht wie das Ulatterwerk einer Kraut*
pilanze. — f*;M-Kraut, t'n-Kraut s. Abkraut
U. böses Kraut. — Kraut-.Jdcr, -Bauch.
Krauwel (Krauwagien [od.]) a Krauel.
Kra(w) (Krön), n. lahd. kraiw]; 1300 kraw [Nurn
lierg); 13«t kra [Wien], Schmeller I, 1373 ~ llcn, Ge-
därm des Menschen, Tiergedarm: „ein Wort, das bis
vor die Teilung der germanischen Stumme zurückgeht"
und vermutlich aus der Opfer-Anatomie genommen ist,
[ worauf es In die Anatomia cullnaris überging und
noch weiter begrifflich ausgedehnt wurde, Or. W. V,
1062) = alles, was mit dem Kra- (Laut-) Organen
(IJachen, Luftröhre, Lunge, Magen) zusammen-
hangt und spater zum sogen. Kragen (s. d.)
w urde = Kingeweide (vet gl. Kronfleisch, Krcb).
Kraxe, f. - dürrer, magerer menschlicher
Kot per (wie ein langes TraggetteÜ, HeU,
Krachse) Türol, lllutner b. 11).
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Kreatur— Krebs.
Kreb«.
827
Kreatur, f. (creare - schaffen, D lr>3) - Ge-
schöpf, Kunder.
Kreb, D (KrÖb, Krebe), DD., n. (ah<l. krftwi;
nihil, kraewc; ml. gcrcb [Bayern], da» Kreb [Uro],
Österreich], Fromm. VI, 30'.';, 1. --- das Eingeweitlu
geloteter Tiere (Lunge, Leber, Milz, Herr),
die oberen, mit dem Kra- (Laut-) Organe
(Karben, Kragen) zusammenhängenden, doeli
bei der Opfer- Anatomie mit diesen gemeinsam
herausgenommenen Eingeweide von Tieren
(Gr. W. V. 1%-'. 2137. 2.12'.; liehe auch fiercb hei Hebe;
«Iii- hcruiiitastende Volksetymologie schuf gerade l>ei
alten. In Gebrauchverfall kommenden Worten ver-
schiedene, die Deutung erschwerende Nebenformen).
— 2. — dureb Schwindsucht kranker Körper.
- Ha, -in- Krepp - Gemsen- Leber (Noc. «.sterr.
seehuch 84). — lumpete Gröb das übel lieh
befindende Eingeweide (Gedärm) (Österr. Jahr-
buch Ihm, S. H7).
krebeln = kräbeln, krabeln (Schnuller I, IS»).
Krebs, m. Krebsen, in. ich goth. krabita; ahd.
chmpfn = Hacken, chreblc; daraus romanlslcrt: eerc-
TtaM, Müller. Spr.-W. II. 267; der nackige, scheren-
tragende Kreb.., Kluse \ 2U. chnpaco, chrepa* =
cancer; mhd. krebeze - das dem Indogermanen be
rcits bekannte [Schräder, spr -Vergl lsyo, 8. 376] krab-
belndc Flussiicr [Gr. W. V. 2129], das von Galenus »um
Vergleiche gewählt wurde tur die krebsfussfthnllchen,
rndienturmigen Aderschlangclungcn uro da» Krebs-
Beschwur herum; mhd krehec KreVki-inkbeit,
Lexer 132, als Cbcrsetcung des alten Cancer, canenim
[13. Jahrh.], II. Z. XVII ~ Schanker [s. d.], IT. I, 406,
gaugraena. Gr. W. V, 2129; II. Jahrh. krebs = Cancer,
Voc. opt. W. 41; 1466 krebss = Cancer [morbus}. D. II,
70; 1482 sichtuom der der krebz haizt, C T. Megbg. ;
IM}* der siechtag des krvps = Cancer, (ir. W. V, 212V .
1617 krel«"is = |>ect(>rale [Brustkrebs j , l). 41S, 1528
krebs In dem antlitz — noli me tatigere [ = Lupus] :
„ist der sieche alt, so warn ich -lieh, tlrn deine hiindt ab.
es Ut nicht gut, da*s du in unterstandest anzururen".
H. v. Gcrsd. 74, „derselbe erscheint etwau klein und
ist zu sanft und nicht schmerzlich, ein ander ist gross
und hat auch grosse schmerzen" [a. c. L eod.], „eine
andere lose blatter als der anthrax" [I. eod.]; lr>::J der
kreps ist ein melancholisches [s.d.] geschwftr [apostema
melaueholtcum] rotunder ligur mit grossen schmer/eu
und nagendes Heisch, Fries 135; 1577 krebs i«t, wenn
die wunden sich erhitzigen und in derselben ein lluss
einfallt, der neben der wunde rSClWt und um sich
».clsst. Theophr. Bod. ; 16. Jahrh, kreb« s fauler Seha-
den. Are-Buch; 1590 [beim I'fcrd] ein schaden, der
die haut und fleisch hlnwcgfrlsst , <ir. W. V, 2129;
17. Jahrh. das faule Fleisch oder krebs in der Nasen
genannt, Fr. Kr. B. 502; 1616 krebs ein messender
vchaden vorne oder hinten am leib [nicht Im Angesicht
oder Hals], Faracelsus; bei letzterem ein Luxus [s. d.]
Noll mc tangerc mit Ausgang in Uangraena, anfange
syphilisahnliches Kplthelcarrinom, Pr. II, 75; Gr. W.
IV, 1. IST; 1699 krebs ein wehtutnb der entsteht unten
bei deu f u essen [des Pferdes; und untersten kette
[Kote] auf der kröne beim fnss, v. M. I, 53 - Strahlen-
krebs beim Iterde). — Krebs 1 — ein fressendes Ge-
schwür, so genannt, well die um das Geschwür He-
genden und verstoidten Blut-Adern Krebsfüssen ähn-
lich sind, Schw. 3«5; nach dem mnd. Magist. Barthu
lomau-s 95a, l> betest ,.der cancet [s. Kanker] nach dem
Krebse, und so greift derselbe eiuwarls, wie der Krebs
rückwärts kriecht und lebt; man erkennt ihn also: er
ist groas geschwollen und liegt darum ein Knud" =
I Cancer, Carcinoma, carcinus, noll nie taugere [= Lu-
pus c. T.]. serpigo [der Alten], upostema caiicrosum,
uposteiiia liielalichollcum , thermiutus, Behretid CS,
-cyrosis, sciroma [seirrhusj, Uu fange VII , 383. Im
I ; Jahrhundert wird der Krebs [cancrum], wie der
Wurm, als eine persönliche Krankheit besprochen,
II. Z. XVII, 560; die Milch , .dampft" den Krebswurm;
die \ crschlcdeiicu ,, Krebskrauter" werden dagegen
angewandt [Krebsdistel, lierba Kuperti, Scrofularia etc.],
Ii. v. «iersdorf 74. Bei den Magyaren wird der Krebs
durch den Namen eines Kratikheitsgeistes ,,Fene" be-
zeichnet, Ethnol. MItt. aus Ungarn 1891, S. 214; In
ahnlicher Weise wurde nach Du fange III, 458 der
Krebs [ = cancer aut quid simile «piod partes alTeclas
corrodenilo Tulneret] atich felsus [ein Märtyrer oder
Plagheiliger .-] oder f elos [ = Kelos] benannt ; [le mal de
8t Olllea], le mal de St Julien ; 137C le mal St. F.loy
I [—skorbutisches, melancholisches Geschwur, Cancer
scorbuticus], St. Loup. De C'ock 290. 295; Du fange V,
517; le mauvais mal, le mechant mal, mlserere, Briaa.
118; die Krebs-Distel = ouopordon acantbium L. Ist
die bei Frauenleiden gebrauchte Krampfdlstel, Jessen
2V5, ndd. kraewt = cancer, Carcinoma; dän. kraeft =
cancer, Goldsehm. 91). — Der Krebs ischulgemasse
Übersetzung des lat. cancer), 1. = zuerst offenes,
dann gangränöses Geschwür, Vulnus cancre-
num s. Kanker u. Schanker. — 2. = Krebsähn-
liches. — 3. = Organverhärtungen. — krebsen
— (scherzhaft) wie eine Hebamme in den weib-
lichen Genitalien krabelnd tasten mit den
Fingern (Schindler I, 1359). — ,1 dar Krebs =
eine Krebsgeschwulst mit zahlreichen und
I weit ausgedehnten Blutadern. — (1529) auf-
\ gebrochener Krebs — offener Krebs (Brunf.). —
i ii :• ii Krebs — ein Krebs an der Bindehaut
lies Auges w. (Ildes Jahr 2) (Ur. W. l, so7). —
(1742) Bein-Krebs, L = Paedarthrocace, Spina
ventosa, eine Speoies cariei, „die vor der Venus-
seuche nicht bekannt (?) war, vielleicht Ist sie von
dieser gekommen" (Zw. 311) (tuberkulöse Caries,
Beinfrass \ — 2. - Knochenkrebs (Osteosar-
conia). — Drüsen-Krebs ^ der Krebs in drü-
sigen Organen (isoliernhelm 334;. — (1528) rissiger
Krebs - der schrecklich aussehende, stinkende,
jauchig ulcerierende Krebs (II. v. Gersd. 74). —
fliegender Krebs ndd. de fleegnde krew, Jahn M]
= Morbus dracuneuli — der Krobsgesch wären
ähnliches Kotlauf (Milzbrand?) bringende
Drache (s. Lintwurm) des Volksglaubens in
Schleswig-Holstein. — fressender Krebs -
geschwürig zerfallender und peripher um sich
greifender Krebs. — Fuss Krebs — Fuss-Fäule
= Klauenseuche tler Schafe, deren Hornklauen
stinkend abfaulen oder verfaulen wie beim
I Cancer (Gr. W. IV, l. 1024. 103:!) (Fuss-Rotz). —
I (WI7) gelinder Krebs — weicher Krebs (s, d.)
icheliu» II, 37li. — (16. Jahrb.) ge-, verschworener
Krebs = geschwüriger tistubiBer Krel» (Arzn.-
Buch; Zw. 439). — luirtcr Krebs = Seirrhus Hippo-
kratis. — (1817) 7/au^-Krebs ^ Krebsknoten
in der Haut Cancer terebrans - ofTenes Carclnom.
Behreud 69; Chelius II, I i — Huf -Kie\)9 =
32*
K reb».
krecketi— Kreis.
Rtrahlenkrebs. — Kinn-Krebs - Mentagra
(Aütii), hose Kinnräude als {Kraun, k. eus) ge-
schwuriger Prozess der Haut um das Kinn
herum. — Km- '.• •. Kul:>, 1. = Knochenfäule,
Knoehenfrass, Caries, Beinkrebs. — 2, =
Krebsgeschwulst im Knochengewebe (Osteo-
sarcoma). — 3. = Beinkrebs. — Knollm-Kiebs
■Cmen blanc(?) Keloid, le erabe, „weil der
wiihrc KuoIlenkrebH (in der Haut) Jas An-
sehen einer Krabbe hat" («ehrend 71). — (17499
Leffzen- (Lippen-) Krebs = <ler Krebs an der
Lippe (Zw. mo) (Raucher-Krebs, s. u ). —
Lribes-KiebB (1100 krebs» de» lü>es - ouon mi.rt.u«,
I). n, 70) = das Krebsgcschwür am Leibe im
Gegensatze zum Gliedschanker an den Geni-
talien. — (1M3) Lun /( « Krebs, 1. = Lympho-
sarcoma endotheliale bei den Schneeberger
Grubenarbeitern (Bergkrankheit 3). — 2. =
Lungenseuche bei Tieren (tiangraena pul-
monum). — 3.— Leberlunjre (s. ds. ; fianz mit
Unrecht aus 2 entwickelt) (Kalke Ii, M). —
M '■!■ n Krebs — Krebs im Magen (Samuel 981;
franz. avoir le pylori-, Itriss. 112). — 3/ftftcr-Krebs
= Krells an der Gebärmutter. — AViscn-Krebs,
1. = wirkliches Kpithel-Carcinoma der Nase
(13. — 14. Jahrh. peRen den Cancer, da <ln ausbliebt an
der nczen [Nn.se; oder andenwo. Mnit. Harth 97a). —
2. = Nasenpolyp (früher; (s. u.). — iiaaii) neuer
Krebs = das nach Krebsart um «ich fressende
syphilitische Geschwür (l'araceK) (siehe neue
Krankheil). — offener Krebs, 1. = (17«3) ge-
schwflriger Krebs (PUtoex D, 144; Falte II, 174).
Carcinoma Hippokratis. — 2. — il7.vi) alle chro-
nisch ulcerierenden Hautatrektionen, Lupus,
les loups, ulceres louvetieres, phagedünischer
Schanker, Anthrax, Krebs (A, v. II. I, IUI;
Htbss. 290; liecker 263). — 11592/ Ö/ir(c")Kreb8 ~
= ein parasitäres krebsähnliches Milben-Ge-
schwür am Behang (Ohren) der Jagdhunde
(Gr. W, VII. 12.-.7; Kalke II, 41. 176; Beb. 679), sogen,
äusserer Ohrwurm; le cancer aux oreilles. —
(177'.; Parafßn-Kxebs — ein durch den chro-
nischen Keiz von unreinen Paraffinprodukten
meist auf die Hodenhaut beschrankter Haut-
krebs (Schmidt, Jahrb. 1*92, 4. ü5,. — Raucher-
Krebs -ein durch den chronischen Keiz der
Hauch pfeife auf die Unterlippe veranlasster
Epithel krebs (nur Lei Männern. Samuel 257}. —
Russ- Krebs = Schornsteinfeger - Krebs. —
Ä'c/i!ca»i»i-Krebs — der wie ein Baumschwamm
hervorwuchernde Krebs ((lehrend 8»), — 177..
Schornnteinfegcr-Krebs - ein durch den chro-
nischen Heiz des Kaminrusses veranlasster,
meist auf die Hodenhaut beschränkter Epithel-
Krebs, Concor verrucosus, Russwarze 'Schmidt,
Jahrb. IMG. 4. 65; Kehrend 6»; POMtOT II, 376). —
Strahlen-Krebs = ein geschwüriges Papillom
(Hautwucherung) am sogenannten Fleisch-
strahl des Pferdehufea (F0«ater U, 1095. 1090;
zt|.p. 20.), wobei die Hautzotten wie Kronen-
slrahlen vom Hufe abstehen. — {1775) Teer
Krebs ■ Paraffin-, Kuss- od. Schornsteinfeger-
Krebs, durch den Keiz unreiner Teerprodukte
veranlasst (Photogen - Krebs) (Samuel 217). —
umfr -tauender Krebs — gesehwflrijjer Krebs. —
<17»3) verborgener Krebs - die Krebsgeschwulst,
die noch nicht aufgehrochen ist (l'latner II, 241).
— (Bado d. 18. Jahrb.) wahrer Krebs = der eigent-
liche Krebs (Carcinoma) im Gegensatze zu
krebsähnl. All'ektionen, z. B. Noli me tangere
(s. Röhr mich nicht an!) (fr. II, 439). — (is2>j
H*a«8cr-Krebs -= Ulcus noma (yj vojir, = Weide-
l-lttU, Hof). Mundbrand (ObersettunK des holland.
woterkauker, vau der Voorde; Iteusner), der mit
einer wässerigen (ödematosen) Geschwulst auf
der äusseree Wangenhaut beginnt und mit
einem brandigen, hofartinen Schorfe auf .1er
Innenschleimhaut der Wange sich weiter ent-
wickelt. Synonyma ,'nach Kehrend 70) Aphtliac.
t'alarrhu» ad ^IiiRivas (Fnbrlc. Hildan.), Stomaciwe
Kiuiwraenosn. Mundfaule (s. d. — le caucer blanc). das
Mulum mortuuui, Miserere, la male mort (Hris*. 229;
nnch Henning, Geneh. der Kinderkrankheiten, Cierbardt
l. II) = Cancer ae.irbutteus. — (1817) weicher Krebs
= der schwammige, linde Knollen bildende
Markschuamm (< heiiu* II, 374). — (1731) Zungen-
Krebs, 1. = der Krebs (Carcinoma) an der
Zunge. — 2. = (17*6) Milzbrand - Karbunkel
(Anthrax) mit Geschw ürs-Lokalisation auf und
unter der Zunge oder am Gaumen des Rindes,
Schafes und Pferdes (nicht Rinderpest) (Ke*er
| 116, Bardelebeu I, 300; Merk 167. 249; Schnurrer II,
6.(. 27H. 393; I.erseh 9*). — Krebs krebsü/[c, er, es])
Auqen, Enden, -Brust, -Fleehten, -Fuss, Ge-
schwur, -Gestank , -Gicht, - Hautübel, -Jauche,
Krankheit, -Loch, -Materie, -Ruhr, Schaden,
Schärfe, - Siechtag, -Übel, - Warzen.
krecken = (1680, 1749) erbrechen, vom krachen-
den, würgenden Tone (Zeitschrift für d. PhUol.
XXVI, 214).
Kreepel, m. = Krüppel (fronen in, im).
Kreide, f. (lat. erüta - Erdart von der Insel Kreta ;
ahd. krida; rohd. kride, Kluse5, 215). — kreide -
Haas, -bleich, -Gesicht, -weiss. — Kiei&ling —
Kretin (s. d ) wegen der kreide« eisseti Haut-
farbe [Kraus, K. 27tl; Meyer, Konv.-Lex. *, X, 693).
— Per-kreidwM(/ = Arteriitis chronica, Sklero-
sis, die Ablagerung von flachen, harten Kalk-
Konkrementen in die Aderhaute der Blut-
gefässe (CMeriaier'j 200).
Kreis, nu. (ahd. clurets; mhd. krei*. kiur«*, 21:»;
12. Jahrh. chreiz - clrculus urinae, l'feiffer 21 ; 1".. Jahrh.
krnlss = Kranz, Hinjr, Kreislinie, Rand , davon ge-
nommen 1. = Orbita, Augenring (tir. W. V. 21&2).
— 2 . = der Harnzirkel (s. Zirkel, Kranz, Bokcij).
— yli<yoi-Kreis = Gibita (Gr. W. I, 807). — Harn-
Kreis (IS. Jahrb.; mbd. der ehreli de» bartiK, die
eonnia de« Job. Actiiariux; 1C99 harn» -crelssen , v.
M. II, 234} = der Harnschaum an der Peripherie
der Urinoberlläche im kreisrunden Uringefass
(Salkowüki u. I.euhe, die Lehre vom Harn 18s2, 8. 29»).
— (1741) ÖArcn-Kreis - Helix, der randliehe
Knorpelrand am Ohre (K. a 8»; Kirsch ?>62). —
Riss Kreis 1 • Jahrh. kralsi des rynsls = vibex est
»Ikiiuui quod remuuet post laeslouetu) = der rOt-
liche Hand der Schwielen, Narbe (Gr. w. V,
2152). — kreisen - im Kreise herumgehen,
laufen. — das Blut kreist in den Adern =
Circulatio sanguinis (Blutkreislauf) — Kreis-
. Fluss, -Lauf.
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kreischen— kreisten.
K rem ine — K reti n .
kreischen (zu ahd kriskan; tnhd. krischen =
scharf schreien. Kluge*, lsu, n<ll. krijscheii, grijzeu,
De Coek TT), 1. = kreissen (e. u.). — 2. = auch
(vom zischenden, krischenden Klange d. Bratens
genommen) Fieberhitze bei tödlicher Krankheit
haben 0«. u. IT. Jahrh.; Gr. W. V, UU). — auf -
kreischen - Pavor nocturnus, das scharfe
Schreien (s. d.) der im Schlafe auffahrenden
Kinder iTrakt. Arzt tsTt, S. 293; le pliorant [lAusannc],
Z f .1 PbIL III, Uli.
kreissen mhd. krizen. „eine der drei Ausgestal-
tungen des Stammes kri = schreien", Gr. \V. V, 21rH
= getnere , sebarf schreien, stöhnen, ächzen; iifteh
Gr I. c.) 1. = stöhnen, schien, mit gellender
Stimme schreien. — 2. = ächzend husten
(15. Jahrh. da« krlsxeu in der kein — kreissen, Gr W.
V. C16S1. — g. — ohrenkhngen (16. Jahrh. die ohn-n
kntaten, »;t. w. v, 2165). — 4. = das schmerzliche
Stöhnen und Schreien der Gebarenden. — 5. =
(früher) der gesamte Geburtsvorgang, das Ge-
baren selbst; (, .schriftstellerisch ist da* Wort noch
über Wasser erhalten durch das lloraz sehe : parturtunl
tnonteK, nascetur ridietilus mus [der krclssende llorg]",
Gr. W. V. Jict: 1677 kreuszen — gehären, «ir. W. V,
3M& öle Krklärung: kreisten - im Kreise sich beim
Gebaren hin- und herbewegen [l'loss Härtels II, 78) ist
nicht zutreffend,. — Kreissung (16*0 kreussung.
Gr. w. v, 2166) kreiBsende Wehen. — Kreiss-
Statt (Kreischte) - Geburtsstätte, I -agerstatte,
separates Heulader, Kreistbett.
kreisten (kreischten, kressen, kresten,
kneisten), Ereister, Krester, Kreisterin,
KreistUng («nhd. kristen, Kluge», 215 = gemere.
parturire; ndl. krijten, De Cock 77 ; „eine der drei
Ausgestaltungen eines Stammes kri schreien", (Gr.W.
V, 2161); nach letzterem 1. — stöhnen, ächzen,
anchlzen vor Schmerz u. Anstrengung (16 Jahrh.
kreisten = stöhnen, seufzen, <;r. W. V, 2162, 16S.8 auch
bei Werden, Gr. W. 1. c). — 2. = unangenehm
husten, rülpsen (159u kreisten == ächzend husten,
Gr. W. V, 2162; kresten [Westernu, Nordb..hra., Na«sau]i
— räuspernd husten, jammern, stöhnen (Gr. w.
I. Md.). — 3. — schwer atmen, namentlich bei
Kindern (Bayern, üstorr , Tirol), mit Schmerlen
schnaufen (Schm. I. 1383 - kncUtcn [Tirol], krallten
[soifen. eimbrische Gemeinde]; ndl. krijschen, krijten,
«rijzcn, Du Cook 77). — 4. — das Stöhnen der Ge-
bärenden. — 5. — «las Gebitren selltst (157$ zum
klud kreisten, Gr. W. V, 709. 2162; 16*7 kreiden de
Weibspersonen [Nürnberg], Gr. W. V, 2162). — Ü. =
Wehen (Kroistung). — 7. = schwere Krankheit;
hieher auch «las Kreusscn (Schnuller I. 115 sub
voce Antraten) — schmerzhafter Schaden. —
Kreister, m. 1. — ein Stöhnender, Ächzender
(Gr. W. V, 2163). — 2. = das einzelne Stöhnen,
Ächzen; (17*2) der Stöhnlaut (Gr. w. V, 2163). —
3. = ein zäher, schleimiger Auswurf, der unter
Kreisten herausbefördert wird. — Kreisterin
— (1678) die in Kindsnöten gebarende Krau, die
auf tler Kreisstatt sich befindet ;Gr. W. V, 730,
2lt>3). — Kreistie, n. 1. — der kleine Kreistlaut.
— 2. = das kleine kreistende Wesen. — 3.
Bauchgrimmen, Schmerz überhaupt, aus der
Sprache der Mütter und der Kinderstube, wo
hantig Krankheitsnamen personifiziert werden;
I „das Kreistie kommt und krümmt die Kinder
im Ixnbe mit allerlei Krankheiten" (s. Geist-
knepe, Stradl, Druckgeist, Druckerle etc.) (Gr. w.
[ V, 2163). — Kreistung = (1687: Kindswehe (Gr.W.
V, 2103). — Brüx! Kreisten 'II Jahrh brüst kristin)
= BruBthusten (kreisten 2), i'hthisis (Voc. opu
Wack ). — rrrkreistcw - sterben (unter k reisten -
den Tönen) (Kftruthen ; Gr. W. 1. eod ). — Kreist-
Bett, -Statt.
Kremme, f. ■ krampfige Steifheit, Krampf,
: Kramtn (s. d.) (Karnlhen ; Gr. W. V. 2003).
Krempe, f (Krampe) (aus dem nhd chrampf —
gekrümmt und ahd. chrauipt — ltakeu, umgebogener
lund, Kranz). — Ohl Krempe = Helix, der
nusserste, nach vorne umgebogene Ohruiuschcl-
tand (Gr. W. VII, 1264).
krempfen - krämpfen (16I6 „weun sich eines
zu tod schlaft, zu tod wütet, zu tod kitidhveht, l'ara-
ceUu«; Gr. W . V, 20HJ - Kclampsia parturientium,
eine epileptiforme Krampfform der Gebärenden,
die mit Cotna abwechselt.
Krepp, f. Kreppa, f. - Schwindsucht (Tirol;
Kromm VI. 302), zu Kreb (s. o ).
krepieren (1600 aus Mal crepare; franz. crever,
Klnge*. 215; ron lat. erepere = ein Geräusch gaben,
wie das verendete Tier als aashaft aufgetriebener,
knisternder Körper) — (in gemeiner Rede) sterben.
kressen, kresten b. kreisten (Köhler, V.-l»r.293).
Krester, m. b. Kreister.
Kretin, m. — der mit Kretinismus Behaftete
(1790 ,,eine besondere Menschen-Abart in den Alpen",
Chelius II. 310); das Wort K. ist eigentlich nicht volks-
üblich, nur durch die Arzte etwas bekannter geworden
und natürlich auch entstellt im Volksmunde , dasselbe
Ist weder von chn tlen, Christian!, noch von creatura
(rom. crellra) = armer Tropf (Z. 1. d. l'bllol. III, 331)
abzuleiten, auch nicht vom Thonerde- (eretu) lioden
(*. Uergsurht, Alpenkropf; Allara 239; Kraus, K 2T0);
man nieinte auch, das Wort sei aus dem lat. creta --
Kreide entnommen (Med. chir. Kundseh. 1876, 911),
well die Voll-Kretinen eine fahlweisse (s. Kakerlak),
kreidige Hantfarbe hüben In der alten bündnerischen,
romanischen Sprache bedeutet das Wort cretlno einen
Dummkopf (Kluge! ; vielleicht ist eretiuo romanlsiert
uus Kröte (s. d .), die vielfach den Kretinenkropf be-
zeichnet. In der Tiroler Volkasage legt der verkrüp-
pelte Norgg Dämon eine ,,Kr«>te" In da» Kindbett ein,
• 1 h. ein Wesen seines Gleichen«. Fast jeder Krank-
beltsdämou ubertrug seinen Namen auf die Kretinen.
die Wesen nach ihrer Art waren, d. h. von ihnen
im Alptraum (s. d.) erzeugte Kinder. Die Kr..te ist
nach dem deutschen Volksglauben (Wuttke S. 111.
H8J oft die audere Gestalt eines clbischcn Damotis.
Synonyma sind: Wallis: Tarrur (s. Tater), Tschaag
(= lolpothaiter Slreuner), Tschenggen, T*chlngge
(siehe Zanken), Tscholina (Ischoli) - Slrobelkopf,
Tschejetto , Tschcgetta (s. Ucbeggen), Triffel (siehe
Tribel), Goichcn (Gauch i, Marron. Italien: «'ristiamdl,
I Innoceut, Goj , Mattel, Marron, Gavas, ltotola,
Magotu, Pazzl Frankreich: Cietfn, Innoeent,
t agou (« agoil (Du < ange IX. 92]: Oavo = Kropf).
Capnts (Norrli.yrenäen), (caboche, caboss«, ciilK.ce
caput, tote [Vermummter], Brlas. 30; Du Gange IX, Kt),
l'affo» (worunter aber auch l.epra-Kranko verstaudeu
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MO Kretaohling- Kreuz
kribbeln— krimmen.
wurden, Du Cange II, 17); (Piemout) l'azzl. Detitsch-
latul: Alp, Alpgrind, BuU. Dackel, f.. Iiamler. Daut«-
Maule, Dickkopf, Düpe*, Dilluiaun, Hippel u .*, Dogger,
Doggcl, Dost, Dübel*, Fax, Faxenmacher, Kcx (Kechin),
«lacken, Gauch, Gimpel, (Solch. Kuuipol, Hanipel-
mann, Hauskreuz, Kielkropf, Kralle, Kropfllug, KMUe,
l.afTe. Utile, Lappe, Letzkopf, l.oll, Narr, Neil. NolleB,
1'oppel, Talpl, Tapp, Tapp. Tapps, Tappel, Tarrcr,
Talcrcr, Tnlcrmaun , Temler, Teppek , Teufelsbrut,
Thoreiibuh*, Tillli pp, Toekel, Torker, T»lpel, T"lii,
Tolk, To(a)llpatsch. Trolle, Tralle, Trallewatsch. Trall-
paleeb, Truppekill. Tropf, Trottel, Trottenkopf, Trüsscl,
Trutschel , Tschalf. Tschmite, Tschaute, THchluggcl,
Tscbor, Tschürgcn, Tsebörper, Tschrlatsehel, Tschumi,
Wasscrkulb, Wasserkopf. Wcelmdbalg . Wcehsclbutt,
Zwcrgl (Allara, d. Kretinismus 12. 231»; ltircber 8" ff.;
Schindler, Knapp; Z f. .1. l'bilol. III , «il IT.). —
(17%) Kretinismus^ eine endemische, mit MiBs-
gestaltung des Kürpers (Kropf) verbundene)
psychische Entwickln ~ - Hemmung (Idiotis-
mus, 8. Fexismus*) (von \V. Hofer [WH— lBSlJ zuerst
beschrieben). — (iso2) JiW6-Kretin = t-in mit ge-
ringerem Grade von Kretinismus Bcbafleter. —
<iso2) Voll- Kretin = ein mit ausgeprägter ex-
tremer Kretiuen- Degeneration Behafteter (Auten-
rleth 8 1018).
Kretschling s. Grätschling.
Kretz, m. = Kratzer (Erbe 7).
kreuspeln s. krospeln.
KreUZ, n. (ahd. ehrüzi, 8. Jahrh. nach Hyrtl, K, W. ;
mhd. krluz — ein aus dein lat. cmci Im 8. od. 3. Jubrh.
mit der Ch ritt Un toteren* eingebürgertes Lehnwort,
wofür im Germanischen „Galgen" gebraucht wurde,
Kluge4, 217; creltz, chreticc. krütz, Hyrtl, K.W. 32;
engl. cross; nach Gr. W. V, 2185), 1. = das unterste,
kreuzförmig erhöhte, erhabene Ende des Rüek-
grates (Kreuzbein = das namentlich bei Eseln
und Pferden kreuzförmig erhabene, grosse Bein,
Krupp) (nach Hyrtl 1. c). — 2. - der ganze Rück-
grat vom Nacken bis zum Steiss (Tirol, Bayern,
Wal-ehtlrol). — 3. = der After und die Seham-
teile. — 4. -= «1er Herzknochen (s. d.) an der
Aorta beim Hirsch (». d. Verf. Volks Med. 8. 163). —
5. (1611 da» der liebe (iott selben [den Abt Johann IV.
In Adinont] mit ein solchen khrelz begäbet, da» 8le
ein Anlrax oder vielleicht ein Kistl auf khrebsarlh, so
etwan von der natnr aussgeworfeu oder au« KIngiessuug
de« (i«lirns hergctlossen, jm Angesicht haben sollen,
Wirhner u). = Plage, Qual, wie «1er Tod am
Kreur.e. — (17;iy) AlpKxeVLZ (-- Trudeufuss, dessen
Figur zum Vertreiben des Alp an Hausgeräte gezeichnet
wird, Abergl. 139). — abgesihli(f enes, abschüssiges
Kreuz Esels- Kreuz = ein Pferdekreuz,
welches nach hinten und unten wie abgedacht
rasch abfilllt, in der Mitte aber nach Eselart
hochstehend ist (Mayer tri; Zlpp. 91; Fulke I, X 1
2*13). — gespaltenes Kreuz - ein Pferdekreuz,
dessen mittlere Oberfläche eine Kinne bildet,
als ob das Rückgrat in seinen Dornfortsatzen
gespalten wate (Kalke I, :t si — J/Viua-Kreuz ~
ein l'nheilbarer, dessen Pflege dem Hausbe-
wohner zur Plane gereicht, namentlich der
Kretin. — lahnus Kreuz - kreuzlahm, Lumbago.
— nm&Vl Kreuz - ein nach den Seiten bin
rundlich abgewolbtes Pfordekreuz (Kalke II, 2 .1).
— Sth Kl ;z — ein sowohl nach hinten
als nach den beiden Seiten hin stark abge-
dachtes Pferdekreuz (Zlpp. M; Kalke II, 3trjj. —
spitzes Kreuz — ein mit stark vorspringenden
Wirbeldornfortsatzen versehenes Pferdekreui
(lalko II, &tü). — Truden- Kreuz ^ Alpkreuz,
Trudenfuss. — Kreuz -Bein, -Drehe, -Fuss,
-Galle, -Oeschoss, -Kof, -krwnm, -lahm, -Rahe,
-Sehläger, -Schmerzen, -Verzückung , -Weh,
— Werk,
kribbeln (kriebeln, grübeln) - krabbeln (mhd.
krlbcln = kitzeln, milden Fingern l.rabeln. Kluge 216;
Schmellur I, 1358), 1. — - der sinnliclie Kitzel der
Wohllust. — 2. — wimmelndes, prickelndes
Hautgorflbl (aucli in der Nase) (ür. W. V, 2202).
— 3. - das flble, nagende Gefühl im Magen.
— kribbelicb - empfindlich, fuchsig, reizbar
(Lippe, Fromm, vi, 211). — Knebel- A'oyi/, -ÄVa/i*
heit, -Seuche, -Sucht.
Kriben, Krieben. f. 1. = (ifiw) Grippen, Kippen
(Coetae) beim Hochwild (s. Krippe) (Seb. t>.s;
Hyrtl, K. \v. ls.i) — 2. = s. (irieben.
krickelig - krittelich, launisch von krilnk-
licheu Personen u. alten Leuten (Spiesa II, HO).
kriechen. — Ameisen -Kriechen s. Ameisen-
laufen (IMerer'. 1, 727).
krieglen s. krochen.
Krieken s. Greck.
Krieg, m. - Kriegs- Augenentzündung, -Fieber,
I Pest, -Seuche, - Typhus.
Klimme, f. s. krumm.
krimmen (krimmern. grimmen) (ahd. chrim-
man, chrummun, Uraff IV, <K)8, mhd. krimmen;
krümmen, Falke II, 10), 1. = mit gekrümmten
Klauen otl. Fingern packen, drücken, lahmen,
verwunden (vom Tode oder Teufel, die |nach
Volksglauben] Krallen haben). — 2. = mit
den Nageln kratzen, zerkratzen (Gr. W. V, 2305,
I 8chw. 3«.7). — 3. = sich krumm einziehen,
krampfhaft vor Schmerz sich winden, wie
ein wimmelndes Gewürm (<ir. W V, 2305). —
4. = jucken (kratzen), frieare, prurire, titillare
(IMS, 16-3 krimmern, Coler, H. A. 162; Gr. W. V,
230V 2310; 1743 ein gewisser Ausschlag, welchen
manehu verbluhmt das Krümmern, ehrliche deutsche
Biedermänner aber ml) dein rechten Nahmen die Kratze
nennen, Hahn). — 5 - Bauchgrimmen (s. d.),
Bauchkneipen (Or.W. V, 2305, 15. Jahrb. das krjrmen
= Lelhgrimmeu — iliaea, eolica [passlo], D. 011: Gr. W.
V, 2307, 1C0.1 das krimmen — ein Sehmerz des l'nter-
baueus, colica, Gr. W. 1. cod). — Ii. — vom Krämpfe
«•ifasst sein, wie von einem anfallenden, an-
stossenden Dilmon (»;r. w. V, 2300. 2307). — (1583)
Augen- Krimmen - Ascberschrimpf (s. d.),
Beissen und Jucken der Augen, Pruritus oculi
(Augenkrampf) (t'r. w. I, 807; V. asn?). — (ndd.)
ß(iHf/(-Krimmel^ Bauchgrimmen (Krimmen 5)
(Andre«e»i x i — grimm Krimnie (M latait
gritu krimme - iliaea, l>. 277) — lebhaft krampfen-
I5SSS*H
zeiii kriseiimmon — iuedim, I». II, 21">; chriskrimmon,
eruscrimön, crlstcrimmuuc ; V: Jahrh. gri-gramung
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k ritn pen — K ri ppe(n).
Krips — Krith.
Ml
D. 536. Graff IV, 320) - Stridor dentium, Zahne
knirschen; (..krisen" — ein Schallwort, das da«
Knirschen wiedergibt; mbd. grustgrauien, Gr. W. V,
5»-'). — [160Q) Haut - krimmen = llantjueken,
l'ruritis cutis (<.r. W. V, 23«7). — iftiZ/tr-kriinmeil
■ Muttergriuimcn , da» krampfhaft windende
Krinimen in der Gebärmutter (auch vom Manne
genommen) (<.r. W. VI, 28l*j). — ifäAne-Krist-
krimmen (h. letzteres). — klimmender Sivchtuij.
krimpen (krimpfen) (atad. krimlcn , 13. Jahrfa,
crymphen - sc con trübere Ivon Kranken), Physlc.
U Ildes; l>. 11. III; 1389 krippen - krimpen. Gr. w
v, 2326) = durch Alter, Schmers oder Verwach-
sung, durch kurt dauernde oder bleibende
ZuKamiuenschnOrung einschrumpfen, «ich
krflmuien, krumm oder krampfhaft zusam-
menziehen (Gr. W. v. Mll. 2312). — (iw&) Ader-
Krimpen = Bünder- und Sehnenkontraktur an
den Gelenken (c\»ier, h. a. 207). — (i6o:i) Glieder-
Krimpen — Convulsioncs, schnell vorüber-
gehende, einziehende Glicderzucknngen («.mir.
KS). — Krimpt- Sucht.
Kringe, f. s. Krinne.
Krinne, f. (ahd chrinna; mhd. krinne = Kerbe
[von der Murke Im Kerbholz Benommen) ; 1515 krin =
fluni», 1>. 128; 13, Jahrb. krinne — vulva), 1. = Vulva,
die naturliche Kerbe (Gr. w. V, 2318; Schmellor I,
1372). — 2. = A räch krinne. — (147ü) ^rscA-Krinne
(arskrlnnc, arsskrynne [Kringe; Tirol].! - Scissura ani,
Nates, l'odex, Chinin, Arschkerbe (Gr. W. V,
2318; Mutner 7. 17; Zening. Voc.; 1). 448. 383; Sehm.
t. 1372).
Kripf. — Kripf- (Krüpf-) Zahn.
Krippe:n i. f. (krippen) (ein Wort aus der Opfer-
anatomie. da* mit „nippe" wühl zusammenhangt, wie
auch mit mhd. krebe = Korper, die aber beide Neben-
formen «im! zu einem mhd. rebc und uhd. reba
I» Rebe), deren Bedeutungen zwischen Hebeln, Leib und
Bauch wechselten, Gr. W. V, 232~>, Kripp, I. Oberleib,
ganzer Körper; Wolf; llintner t> [Tirol, Bayern.
Steiermark], 1811 dürre krippn, Sehm. I, 137»), 1. -
Korper d. Menschen, der gleicheani mit Rippen
durchtlochten ist, wie der Korbschlitten mit
Hüten oder Holzspaltcn ; eine alte Krippe =
altes (iestell (Hlutner I. c; Z. d. Ver. f. Volksk.
lhUÄ. 8. 92). — 2. = „das lang gewölbte Brustbein
des Geflügels" (Schindler I, 1378), d. h. das übrig
bleibende Leibstück (Laterne) mit den Kippen.
— 3. =(1392) die Zahnfächer, ähnlich den Kutter-
rinnen oder Krippen (kripten, krippen, Wirsung,
Ann .-lieh. IM; ein« Übersetzung der pracsepiola der
Arabkteu, Hynl, K. W. 98); (vergl. Zahnretf und
Kinnzahn). — 4. damit auch = Maul (beim
Pferde) mit den Zehnfachem (G v. Schru. 327;
Schwaben). — 5. — der ermattende, knochen-
starrende Leib des Kranken, an dem die Kippen
su sehen sind (s. Gerippe) (Fromm. VI, 313). —
ü. = die Krupp (s. d.) des Pferdes. — krippen,
1. - (ift.su) krimpen (s. d.) = verkrümmen —
2. = siechen, kranklich sein, den Zipf (s. d.)
haben, an Influenza (Krips) krank Gr VV. V, 2326.
2328). — krippich — krippend (am Gerippe krank)
sein. — Krippen-//(i.ssrr, -Drucken, -J'usfer,
-Setzei; - Wetzer.
KripS, m., f (Grips, Griebs) (= dasselbe wie
Griebs, «. d.), 1. - Kragen, Hals (in Redewen-
dungen): bei der Krips M irips) packen (Sehm.
I, 1007; Mutucr 10). — 2. - Kehlkopf, Kehl-
knopf |iuü.; <lcr ülHirgaug von Krips — Kerngehäuse
znm Kehlkopf kuorpel den Mannes [Krips, Griebs!,
erklärt sieh durch den Adams Apfel [l'oumm Adami];
1711 krüp« — cartilago peltalU, Kirsch 189; Gr. W. V,
233H) (a. Adarns-Grübs). — A. (1782, 178* kryps. f.
cryps) =s Influenza, Grippe, als Krankheit mit
allgem. Körperschwflche (s. Grippe u. Krippe);
,,es ist eine kuriose Krankheit um die Krips" ; man sagt,
sie kommt aus Kussland (s. russische Krankheil), und
eine gelehrte Zeitung versichert, sie komme aus
Spanien und schreibe sieh mit dem rechten Zunamen
,,1'ips" (s. d. ; Zuschauer In Bayern IV, 345; Hullern. 37;
Häuser II, Mit) — spanischer Tips.
krischen (krissen, kristen, kritzen) (laut-
malende Worte, die den krl-I.aut nachahmen; inhd.
kristen), 1. -= knirschen, mit den Zahnen klap-
pern (Gr. W. V. 2332; 1010 kristen - knirschen mit
den Zahnen, Gr. W. V, 25.H). — 2. ~ begehen
(Singultus) (krissen. Gr. W. V, 2332 - 8lngultus: das
krlszen in der kein, Gr. W. IV, 2. 896 - singultus ;
15. Jabrh. gryschen [gritzen]) = Bingultire (Gr. W. V,
2105). — 3. = stöhnen, jammern (Gr. \v. V, 2334).
— (1630) Sunt Veite» , St. Veltis- (St. Valentins-)
Kriseln (Krischem) = Kpilepsia (= St. Valen-
tins-Krankheit, s. d.), wobei die davon Be-
fallenen mit den Zahnen knirschen u. stöhnen
(Wnckeruagel, Abhdlg. III, 104; Fromm. VI, 2. f.). —
Krist- (Krisch-) Bett, -Merge.
Kri Schöna, f. (= eine der 3 Baseler Schwestern,
die analog sind den 3 Kraucnrother Schwestern, von
denen eine ,,Krisch-Merge" heisst [Simrock, H. D. M.
316; Sepp. Altbayer, Satrenschatz 281). d. h. sie ist etat
Merge [Mnrleti-Stellvertreterin], die auf dem Krislbclte
~ Geburtslager hilft).
Krise, KrisiS, f. (ztl xpivu» = schet<len; vorgerm.
krf - siebten, sieben, dazu: rein = gesichtet, Kluge*,
299), 1. = das hippokratische 3. entscheidende
.Stadium der Krankheit mit Abfall der Hitze
und Ausscheidung der Krankheitsstofle; die
Wendung oder Bekehrung (s. d.) der Kiank-
heit (s. urteilender Tag). — 2. = der als
eine Wirkung des animalischen Magnetismus
[Mesmer'ü 1734—1815 angesehene sogenannte
kritische Schweiss (s. d.), der namentlich beim
weiblichen, erregbareren Geschlechte leichter
eintrat u. FrAiieH^immer-Krise genannt wurde
(Haas 37J; Abergl. 231). — 3. = das Ende der weib-
lichen Periode bei Hippokrates (Fuchs II, 79).
— kritisch — eine Krisis herbeiführend, mit
deren Eintritt eine schon bestehende Krank-
heit oder auch Krankheitsanlage eine Ver-
änderung erfahrt. — kritisches Alter, Aua-
leerung, Auschlag, Jahre, Schweiss, Tripper.
Krispinus, m. (der Sefaoatetpatroa ; IST» st. crt-
splnus piirms, l>u fange III, 437) = ein kleiner,
magerer Mensch, an dem nur Kruspeln sind;
solche Leute werden mit Vorliebe zum Schuster- oder
Sehneiderhandwerke ausgewählt ; (Grisehjierl) (Sehm.
I, 1383; Demokr. XII. 161).
Krith, n. (xptd-i) = Gerate; franz. crithe) -
Gerstenkorn (Meyer Kouv. Lex. VII, 688).
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tSS kritisch- Krös.
Kröspel-Kröte
kritisch s. Krisis.
krittelich, 1. s. kribbelJch, — 2. b. Gritt.
Kritz, m. 8. Kretz (Krbe 7).
Kritze s. Grütze (Spics* n, 141).
KritZel, »1. (15. Jahrh. tililltttio, l> II, 30C) ^ clor
Kitzel, Beiz zum Kratzen.
Kriu (Criu) = der Name eines chronischen
Übels, welches durch eine ßannfortiiel auf einer
nordischen Rune verbannt worden »oll, die nach II. Z.
XIII, lUSff. lautet: ..Lange schon setzte sieb der üble
criu auf Du KrauipfgeiM fahre Ins tibi» (Krystall)!
Schreit' in» Gerat'" (des wandernden Zauberers). Nach
obiger QU«lle wird ein Plaggcist oder die Personifikation
eines plagenden, t.. verliehen Übels, vielleicht eines
juckenden , kratzenden (mbd. kriuwen = kratzen!
Schmerzes, oder ein drückender Alp (Krampfgclst) an-
genommen.
Krobel, in. (zu kroppe [s. d.], tir. W. V, 2317). —
uis2j Kr obelein (Zening, v..e. n 7) bs Knorpel,
Cartilngo. — Krobel-Zfcör.
KrOChel (Krogel) (- croke, crockcl, krockel,
kroehel, krogele = roga, D. 503) -- llautfalte (Rtlga),
Runzel (Or. w. V, 2347), hartgebogene Stelle (tie-
ruge?). — kroglet — krumtu, verbogen (Schm.
I, 1367).
krochen (kröchen, kröchein, krieglen,
krächeln) Jahrh.) kroecheln (Gr. W. V, 2317);
«challnachahmende Worte, die das kra oder kr<> des
rasselnden, röchelnden .Schleimes wiedergeben sollen,
daher 1. = mit einem krachenden, röchelnden
Tone wie die schweratmenden Schwindsüch-
tigen husten und keuchen, stöhnen (alemann.;
ür. W. V, 1*347. 9848). — 2. = kränkeln, sich leidend
hinschleppen wie solche Kranke (tir. W. 1. eod.);
(vergl. kracken, krocksen, krochzen). — Kröch-
Husten.
krocksen (krochzen, krochzen) ahd. chrocke-
znn. Fortbildungen zu krochen [s. o.]; nach <ir. \V. V,
•jus ff.). I. -- stöhnen und quakend husten
(>;r. W. v, 23K>). — 2. das Gebären (wie kreissen,
s. d.) unter stöhnenden Lauten.
Kröb s. Kreb.
Kröba = Giöbs, Adanisgröbs, Krips (<ir. w.
V, 2347).
kröchen (kröchein) s. krochen.
krochzen s. krocksen.
Kroflfel, m. - Kroppel, Kröppel; zu Kroppe
(s. d.) - Knorpel, CartMago (Ujrrtl, K \v. ■»). —
KioS-Bein.
kröglet s. kriglet,
Kröp, kröpfen = Kropf (s. d.) und Krupp
(Slcdcrlaudc).
ErÖpel, in. (nordd, Nebeuforni zu Krui.pcl (s. «1.,
II. Paul 203).
Kröppel, DD. 1. = Külps, Kuctus (Schindler I,
i",~s). — 2. — s. Krop])el.
Krös (Gekrös, Kres, Krösl) (zu kraus [s. d.]j
ahd. ehritsl, ebros — strumn, II. Z. XV. 3 ">3 ; mhd.
kroese, gekroese ~- kleines (icdiirmc, Kluge 10S;
15. Jahrh. kros — senitinnm, Omentum, ür. W, V, 2fU>;
1 IM krocs - Meuschencingeweid«, tir. ff. 1. cotl. ; 1561
kroes — Fett um dos Eingeweide, tir. W. V, 2106; 1607
kro«* = tiekrose, Mesenterium, das krause, In Falten
gelegte Gedärme, Hyrtl, K. ff. ; 16. .lahrh. kres — in-
testina oviutn, venter cum intestinls, Sehmeiler I, 13S2;
[Bayern, Tirol. Österreich} Kroge, Hintuer S. 20), 1. =
das krause Gedärm (8. Gekrös). — 2. = Bauch-
eingeweide Oberhaupt. — 3. - Bauchfett. —
4. -- Kropf 3 als Eingeweideteil. — Kros-.
— kleines (iekrö«e kleiner Tiere (Ur. ff. V.
2409). — Gänsc-Kröse = lnster, Gänseeinge-
weide, Gänsekloin, (jansjung. — Gekröse -
das Kollektiv für die krausen Gedärme; „da
der dünne Darm viele Krümmungen macht, so
muss sich die grosse Bauchfellfalte, mit welcher
dieses Gedärm an der Wirbelsäule aufgehangen
ist, ebenfalls wie ein Jabot (Halskrause) in
Kalten legen und erhielt deshalb den Namen
(iekröse — Gekrause" (Hyrtl, Anat. US] = Mesen-
terium (Hyrtl, K. W. 98). — (15*8) /ui/ts- Gekröse
(krösz) - die fettigen, milchigen Teile des Kalbs-
eintreweides (tir. W. V, M). — (17I1J Rücklein*-
Gckröse =^ Pankreas (s. Rflcklcin) (Kirsch 85o) als
Teil im Baucheintreweide. — Krös- (Gckrös-j
Ader, -Darm, -Drüse, -Mantel, - Verstopfung,
'Zwicken.
Kröspel s. Krospel.
Krössel (krösen, Kröser) s. Krossel.
Kröstel (Kröstlein) s. Kroetel.
Kröte, f. (Krötten, Krott, Krotte) (ahd.
chrot«, chreta, en ta — rnna, bufo (Frosch] vermis
venenosus, lt. s.1 — „Kröte, sed vulgo contraria seu-
ttunt", (iraff IV. 593, mhd. krote, kroete. krete. Kluge
217 = Hoppln [s. d.J, Bn«ilisk, I nke, Muggel, Mog.
Lorch, Auke, Deskrotz. fletsche , Protz), I, = die
träge, unheimlich geltende Kröte (oft verwechselt
mit Frosch — rana;; der KrOtensaft gilt und galt als
SO giftig («. Kiter . das« schon das Walgern eines Pferde»
auf einer Krote diesem faules Fleisch am Leibe muchen
rollte (1699, v. M. I. 54; *. d. Verf. Volks-Med. S. 147);
sie schwillt an vor Bosheit, «oft und Galle, und saugt
dftmonisiisch nRCh dem Volksglauben (A. M. 20) das
Kuheuter aus. In deutschen Volkssagen ist die
Kroteautfallend häutigzur Bezeichnungmensch-
licher Abnormitäten des Körpers benützt; sie
ist der Kröten-Alp (Krotolf) oder sogar der
den Ali» vertretende Teufel, der sich unter
dieser elbisehen Gestalt innerhalb des Leibes
auch aufhalten und als Kröten -Alp Wesen
Meinesgleichen erzeugen kann, z. ß. Windeier
(Abortusmole), Mondkälber (Alpkalb)etc. Unter
Krötengestalt erscheinen Norguen, Nicker,
Zwerge, weisse Frau, Alp, Hexe, Mar (14S3, 166*;
Ileynon 221; C. v. Megbg; namentlich stehen Hexen
und bi.se Weiber zu den Kröten im Volkxaberglauben
mannigfach in Beziehung; die gicher uralte Beschwö-
rung der Krote als damouistiache 1'rsache von Krank-
heiten ist somit erklärlich, (ir. W. V, 2419; Delling).
— 2. — eine kleine, ,,verkrottete" (vom Kröten-
Alp erzeugte), verkrüppelte, tinausgewachsene
Person (s. muggeln u. Unke), Wechselbalg oder
kropfiger Kretin (- krotenähnlieh) s. Kröte 4
(Krötli) (Tirol u. Schweiz) - verhüttet (s. d.) (ür. W.
V. MM. 2428; Z. d. V. f. V.-K. 1896, S 263 j H. A. Ith. 33»;
Schm. 1, 1387), namentlich bei kleinen Mädchen
(KrOtlin) (17ü;; die Krott -- kleine, weibliche Person
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Kröte.
krötzen— Krone. SS3
mit einem Backet, Ahr. I, 179. 2*6). — 3. = die
Gebärm ntter : a) als Krankheit (Colli») ; die-
selbe wird in Bayern und Österreich bei Vollonen
in Krotengestalt dargebracht (vcrgl. darüber Bei-
trage z. Anthropologie 11. I'rgcschichtu Itayems 1K91,
8. 127 0.; <ir. W. V, 2417); (vergl. Höppin Und
B:trmutter); b) als krankes Organ (In der krnten
we tun, Keller, Fastnaehtspicle 34. 55); (vergl Krotoll
unter Olf 11. Alp X). Nach Talicrnacmontanus soll
schon Plato gesagt hnlien „die Gebärmutter ist ein
lebendiges Tier, des geberens begierig, derohalben wo
es iinzeltiK »ufgeboben nnd lange unfruchtbar bleibt,
so wird e* unwillig und ungeschlacht . erhebt »leb,
durchschleift den Bauch, verstopft damit die l.uft
lAcblciii, dass man nicht atmen kann, wirft also in
Innerste Not und Oefahr mit Erwcekting allerlei
Krankheit." Nach (14K3) Conrad von .Megenbcrg totcl
man die Kr..te mit der hochheiligen Itaute, die ja
»ell>st ein Mutterkraut Ist. (Über Kröten Segen s, (ir. \V.
V, 212.5). — 4. — (Übersetzung der) Kanula (der
MedUinsehule) - FroMcli 1 (s. ti. u. DrOMel *),
Halsgeschwulst bei Mensch oder Tier (1671 die
Kröte - hochaufgclauiene Zunge (Gr. Vf. V, 2419] oder
[l«4A] ein Ziingengeschwitr. Coler, II. A. I2S; 1..S7 die
Krott unter der Zungen [b'.dm Menschen] ss rnnnbi,
Georg. 38*".; 1710 wan im hals eine Krott oder anderer
In Mail) wachst, Chr. Sana. II, 91; 17'."0 kniete unter
der Zunge — Kielkropf [beim Kretin], Abergl. CO).
— 5. = (1616 kroete = „eine geschwulst de* vich,
welche von giftigen thieren sonderlich von kroeten
herkommt") Lymphangoitis, Krystpelas, die durch
das Kröten - Fiter (Gift), das Anseichen der
Kröte, auch durch deren Saugen am Kuheuter
veranlasst sein soll, wie noch heute das Volk
annimmt; (Alpbg. 350: es gibt eine Ktihkrnnkhelt [in
Tirol;, die heis«t „die Kröte" od. bäurisch ,,*s Krocll",
eine Art Klanenseuche [V] [ItebandSnng mit Wilwu-
nüMen] — Klauenwurm); namentlich an der Fessel
des Pferdes heisst eine solche kranke Mauke-
Stelle (Javart, Oapaudine) häufig Kröte, Krol,
Pagge, Pojjgc, auch Klauenwurm 'Kalke II, 45;
Frlscbb. SO; Gr. W. V, 2350. 2U9. 2123; Coler, K. 40:1;
A. M. 20; Heyne III, 4y0, crapaldu« — buffo. Du fange.
Nach dem Volksglauben [Z. d. V. f. V.-K. 1*97, S. 111]
machen Kröten auch Hautwimmerln). — G. - die
Schweinebrtluno (Milzbrand) = («lie Kröt, Cr. W.
V. 2419 = Frosch [ranulaj) als llrflsen Geschwulst
in der Zungennfthe und am Halse. — krättig,
krätsch (krett'g) = krötig, d. h. mit der
Kröte (4) = Hanula, Frosch (s. d.) behaftet
(Gr. W. V, 2119; Cranell H, 139). - Alp-Klöte (Krot,
8. Alp X u. Krot-Oll). — äußerliche Kröte =
stasserlieh sichtbare Kanula (Gr. W. 1. eod.) =
Halskröte beim Pferde. — (I6ss) Hals-Kröte -~
Kanula (Frosch) (1592 kroete im haiss = wuleken,
Seb. 9S; krott am hals = parotis [R. A. 726], eiternde
I.yrnphdrusenschwellungcn am Halse; „ein Gewächs
von Fleisch, wie eine Kröte anzusehen", 'ir. W. V,
2419), 1. m Parotitis und Obertragen auf llulw-
drOsen beim Pferde. — 2. = Milzbrandbeulen
im .Schweinerachen mit Würgen (Beb, 9h). —
Üferr-Kröte, 1. = eine Krankheit des Kmdviehs
durch Blutandrang (Gr. w □, 174; V, 2419), ver-
mutlich daaeelbe wie 2. — 2. — eine Thromben-
bildung innerhalb des Herzens (Leichenerschei-
nong), geronnenes Blut (vergl. Beltr. z Anthrop.
u. I'rgcseh. Bayerns 1S01, woselbst eine Abbildung dir
Herzkroten). — innerliehe Kröte - eine innerlich
sichtbare Kanula (beim Pferde) Mir. Vf. V, 2U9).
— (1592) »chtrinende Kröte - eine Halsgesch willst
dos Kindes, welche Abmagerung (.Schwin-
den) macht (verschluckter Fremdkörper?
Milxbrandbeule?) (Reh. iv.«; v. M. i. ia). — rer-
krottet = ganz und gar in eine Kröte 2 ver-
wandelt (durch den Krott-Olf). — (1592) würgende
Kröte — Kngwfllgnng, infekt. Halsgeschwulst
| beim Kinde (oder Fremdkörper?), welche Kr-
stickungszuständo und Würgkrampfe macht
(Acünotnykosis) (Seh. iv>; v. M. I, fis). — (nie)
Zungen- Kröte, 1. - Kiopfdrüse lieim Menschen
(Kielkropf) (1790; Abergl. i,o). die man als eine
Kröte unter der Zunge ansah (vielleicht darum
„Kretin"). — 2. (..die krott unter der znngen"
[beim Pf.rde], <ir. w. V, 2H9) Kr«.i.- 4. — Kröten-
Alp, Bawh, Eiter, /W, Gerick, Gift, Hunt,
-Kopf, -Maul, -Stein.
krötzen s. Kr>>iz.
Kroll, n. a Geroll, die rollenden Haarlocken
(Gr. Vf. V. SttL ÄIV2).
Krom, m. --= Krampf (Tirol).
Krumme, n. s. Krumm.
Krön, m. - Krampf (Tirol; Fromm. VI, M3}.
Krone, f. (ahd, coröna; mhd. kröne; ans dem Int
Corona, der runde, kranzförmige Hanptschmnek, das
Herrscher- Abzeichen [die HnuptMnde der Germanen,
Kluge*, 217], diente zum Vergleiche für obere oder
rnndc Teile des Korpers), 1. — Krone - gezackter,
hackenformiger, eckiger, oberer Zahnteil gegen-
über der Wurzel (Krane [Grane], Kranl, Kronl,
Krönlein) (Levcling 15), s. Krohnrahn. — 2. =
die Iris und Augenpupille als runde Gebilde
(Krönlein) (15<>| cronlin = Übersetzung der Iris der
Artlblstcn, nwl. Jim. 25; Hyrtl, K. W. 161; niedcrliind.
Kr»nchen = selera ocull, Gr. \V. V, 2364). — '6. = (in
Redewendungen) Kopf und Schädel. — 4. = (mhd.)
die Tonsurstello am Schädelbaar = Corona
clericalis s. sacerdotia mit dem stehen ge-
bliebenen Haarkranz (wo die Corona Veneris =
[15C0] papulae carnosae in fronte Ihren Plati hat im
(iegensatze SU la couronno de lft nature — behaarte
Venusberg. I.exer 134; D .W ; Fr. II, 361; llrii-s. 70)
(s. Kranz.). — 5. = (1603) <ler obere fleischige
Teil des Hufes (Fleischkrone) mit dem rings
um den oberen Kand des Hornschuhs ziehenden
Haarkranze Saum, Strahl, Preis, Fuge, Horn-
wurzel, Hui) fiir \\. IV, I. 379). — — das Kron-
tleisch oder Zwerchfell heim Kind = Krone
(Metzgerspraehe ; Cr. \V. V, 2378; Krön ans Kro, Kraw,
s. d. o. s. 32»'»b). — 7. - (16611 Krönle = ein Knoch-
lein (Astragalus), vermutlich auch = Kronen-
bein 2 = ein würfelförmiger Kinderspielknochen
(Schweiz; Gr. W. V, 2389). — 8. Ktone - Krane
(Grane) (mtl. erontis, os pisels, D. II, 121) = Grate.
— Krönung = der Zustand des L'mgobenseins
mit einem runden, krönen förmigen Gebilde,
„der Kopf steht in der Krönung" (la ti-te au
couronnement) = wenn der in Schadellage vor-
liegende, „in (lie Welt scheinende" Kindeskopf
bei der Entbindung vom weit eröffneten Mutter-
munde umsäumt ist (Stein I. 16S; Pauli 99). —
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Kropf
Kropf
im>) Augen- [ A ugapfel-) Krone ■ Papilla ocoli,
IriH (tir. w. V, 2361. 2ts9), als rundes Gebilde um
das Sehloch herum. — [1782] Eichel- Krone
der wulstige Rand der Eichel, Corona glandi*
penis (Platner II, 2i>i). — Fleisch-Krone - eine
runde, fleischig wulstige, hlutgef assreiche Er-
habenheit, die in der Saumrinne der Hornwand
liegt und rings um den Huf his «um Hnfhallen
(Kleischwand des Hufes) geht. — (1137) jung-
fräuliche Krone = (s. Hochnng) Hymen (Lammen
97). — '/,. ihn Krone = der obere, Wiek ige Teil
iles Zahnes. — Kronen)- Bein, -brechen, -Fistel,
■Fleisch, -Fuge, Geschxcür, Naht, ■Xiekcl, Rund,
■Schäbe, Schaden, -Spalt, ■ Tritt, ■ \Vul»t, ■ Wun»,
■Zahn.
Kropf, m. (UrhedeutnnR- zusammengeballte Masse,
hervorstehende Knndung; ahd. kröpf, kroph = Aus-
wuchs am menschlichen Hals; kröpf — Vogcl-Vor-
magen [Erweiterung der Speiseröhre], Struma, Collum
columbarnm. vesicula, (iruff IV, WS = dicker Hals,
n>M. kröpf, Kluse *, 217) = eine der auffälligsten
und relativ fiflh erkannten und benannten
pathologischen Organ - Veränderungen (die
Warze ist noch alter), als „nnrecht gewach-
sener Auswuchs, der krumm wird oder krumm
macht und verwachsen gestaltet" (Or. W. V.
2391; 11 Jahrh. chroph - strnmn, II. Z. III ; in. Jahrh
crop — »tili». Schlund, D. 27!; 1120 crop, grnpp —
vesieula columbarnm, D 86; lls2kropfT ~ hoger. hofer,
glhhcr, glbbus, Struma, Xcning. Voc. r»; D. II, 192;
I V Jahrh rrop, kropp = tonsllla, I>. II, 3G7; 1182 frawen
die xö gn>* kr«>pf halient, daz '1 sich streckent iinx
auf den nabeln, •'. v. Mögen hg. ; kropff — struma,
Itothinm. P. 638; kroph — brocio [bronchus], I). 82 ;
ISOS keel op crop = rnma, D. II. 322; 1512 kropff
rinnen. I>. 603; 1532 kroepl = Adererweltcrongen an
der Rauchhaut der schwangeren Krauen [liel Zwillings-
schwangorsohaft] Fries 121 ; 1512 ,, kröpf wachsen von
übriger feuchte des haupts , welche sich herabsetzt
durch die nerven [— Muskeln] in den hals", Gr. W.
V, 2391; 1.7.. kroeff = Mrusenboulen, Gr. W. V. MM;
1677, ndl. krop a Ingluvics, IX 298; 1591 kroopfßg ~
gutturosus, Had. Jim. 3'J5; lf.92 heydrusen oder kroepffe
= Keifcl, Seh. 178; 1593 das kroepfen — eine Anschwel-
lung der Halsdrüsen Lelm Pferde = Stuben, Konistaupe.
Gr. W. V, 2103; 18» . kröpf - aipialiculus. Taubenkropf,
Colat II. R. ; 17 Jahrb. kroff o.ler I bcrbeln, Fr. Kr. R
Iteg. ; 173-1 kröpfe = Blandes, Drüsen. A. v. II. 1, 7U3;
niederl. kroep = struma, Croup [Krupp], De Cook 150
[Kropffcuchte], Schweiz Kropf! — strumae, Bayern,
Franken: Kropf = verwachsener Mensch, Zwerg.
Knippel. Halskropf, Or. W. V, 681. 1929. 2475 snb. b;
engl, crop = Vogclkropf). Nach tir. W. V, 23'.'l ist
Kropf — Struma (= gavo, guttur, gutteria),
1. = ein schmerzloser Auswuchs (Drüse, Ge-
wiichs, namentlich Schilddrüsenansehwellunn;
Struma u. Bronchocele) am Halse des Menschen
(und Tieres), als rundliche Erhöhung. — 2. =
Halsdrüscn-Anschwellung u. gutartige Drüsen-
Beulen, Skropheln u. entzündete Hautdrüsen,
wenn sie äusserlich sichtbar sind am Halse;
namentlich: a) skrophulöse, älusserlich sicht-
bare Halsdrüsen hiessen Kropf (Struma oder
Malum regia) (= scrophulae gravts.«imae in collo,
Du fange V, 202; sie wurden erst von Boemmering am
Ende de« 18. Jahrhunderts begrifflich vom clfrcntllehen
Schilddrüsenkropfo getrennt ; ehemals wurden sie durch
•las Autlegen der Hunde von Königen [■>. Konig*hatide,
Totenhilnde, Königs ( bei] nach dem Volksglauben ge-
heilt!; b) Kntpf ist mu h (bei Pferden) Feifei
od. Hcidrüscn, auch Druse (Herbst 13.".), Strengel
(Mayer 155) wegen der dabei angeschwollenen
vergrosserten Halsdrüsen; desgleichen Milz-
braiul beulen am Seliweinehalse, Kgelgeschwulsl
am Schafhalse (Zipp. 6ts. f.70; Heyne III. iv.» ,
Kalke II, IC; flazu das Itrop ernydt, Kol. S7 — die geecn
Milzbrand angewandte Itrandwurzel, Helleborn«. Fener-
krant:. — ."{. - Vormagen im Halse <ler Vögel.
— 4. — Hals Überhaupt. — f). - fehlerhafte,
kleine, verkrüppelte Wesen (s. KiOte nmi
Kretin) (Fromm. VI. 15; ndd. krop); ausserdem
6. as Ader- Beulen (Varices und Aneurysmen").
7 Kropf - Kruppe, Pferdekreuz (Sohw. rxo. :!To).
— 8. = Überbein als rundliche Erhöhung auf
dem Knochen (Heyne III, 188). .Schon im Atharva
Veda (2mm v. < hr.) wurde der Kropf als ein von nn-
fraehtbmrrn llutnmelbienen vcnir«achtes Leiden durch
lte«chwöningen behandelt (Itireher 2; Stnbenvoll .Vit,
auch im Algüu (Heiser 271) Ist er angehext. — Kröpf-
lein — kleiner Kropf. — Kröpfling - ein Mensch
mit einem Kröpfe oder ein Kretin (Gr. w. V.
2103; Schweiz). — kröpfet (15'JI kTÖpfig, kTOpft«)
(MM kropfeehe — Mrumosus, gtbhotmii, «,r. W. V, 2lfrj;
ir>. Jahrh. kropfoter — stnunosuK; K<32 kröpfet leiit sind
bei « hur an vielen enden und als die cinwohner sa
Kond, so man einen glatten stecken nimmt und legt
in in etlich waaser bei Inen, so wird er kroplet", Fries
87; ndd gropig, Fromm. VI, is), 1. = uns Knollen
bestehend, mit einem Krople behaftet, kropf-
ühnlich. — 2. = fehlerhaft verwachsen. —
(1615) kröpfen (sich), 1. = durch Drüsenan-
schwellungen am Halse Eiter entleeren, k ädern,
ködern (t oler Seh. 4M), — 2. — Bich verwachsen,
verkrüppeln, verkümmern (Schindler I, 1380). —
3. = sich vor Schmerz krümmen (krimpfen)
(Spicss Ii, 112). — (1045] Kröpfen, n., 1. = Druse
des Pferdes, das Halsdrüsenanschwellungen
erhalt (Coler, Pf. 376). — 2. = Anschwellung (Haut-
sfleke) am Halse der Schafe unferm Kinnbacken
(Kinnsack), eine Drüse (Kalke II, 45. 16), die
leicht brandig wird. — kropfezen = kroppezen,
rülpsen, grObsen (Schmeller I. 13S0). — (1712)
A der- Kropf = Varix, Hals-Blutader-Knollen
von rundlicher Form, namentlich an der häufig
zum Aderlasse bnützten Drosselader beim
Pferdehalse (varica — strnma. Du ( ange; Zw. 67;
Zfpp. 90). — (175C) Monat- Aderkropf - Bottum,
Bocium, Condylomata, Nodi (A. v. H. II, 116)
= Feigwarzen (Htlmorrhoidal - Varicen). —
Puls- (Schlag-) Adeikropf — Aneurysma (Gr.
\v. vil, 2211; Zw. 96), beide als beulenartig her-
vorragende Anschwellungen der Blutgeraase.
— .d//>-Kropf s. Krotolf und Ihlkropf. —
Alpen-Kropf = der schon von Juvenal be-
sungene (PlosK-Bartels Ii, 189), in den Alpen ein-
heimische Kropf, den man im IS. Jahrh. mit
den „alpinen" Erdformationen in Zusammen-
hang brachte (Uircher lsss) (birgischer Kropf,
Bergsucht) ; (UM pestis gntturosa, Du Tange ; morbu«
gntturis ex male olentium a<|uarum potn contractu^).
— anfangender Kropf (17tQ anfahende kroepfTe,
z A. 120) ■ beginnende Kropfent Wickelung. —
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Kropf.
kropfezen— Krospel.
(l.ssi) anqewaclisener Kropf nicht frei herab-
hängender, sondern mii aeiner Umgebung noch
in Zusammenhang stehender oder auch an-
geborener Kropf (BmI ft). — Balg- Kropf = ein
balgartig runder Oystenkropf. — (l'iso) birgischer
Kropfs Alponkropf (Gr. W. V, 239.M hei Leuten,
die in den Bergen wohnen. — BUüi Kropf -
Struma ventoaa s. Hatuosa, eine blutreiche
Schilddrüsen-Anschwellung, welche l>ei er-
höhtem Blutdracke sich mit Klüt mehr anfüllt,
aufbläht (Blah-IIals). — Blase» -Kropf - eine
Anschwellung der Schilddrüse infolge von
Blasenbildung in dieser; (tS2.".) Ilydrocele
s Struma cystica (Kran«, K Hr.). — //«/«-Kropf
fi.-.2s kröpf am hals boUnm, lt. r. Ccnid. 98 ; IM2
kröpf nn den hülsen, Krk-sHT, 172o hnlskropfc - »t rumac
scrophulac [HaMmwn], Tbc«, son. l!r. ».VJ; 1712 llals-
kropff = xtruma, bronehocele, Zw. 7M; I7i>2 Kropf
am Ilal* — Struma, scrophulac — Schlier , verhär-
tet«, aber RUtnrtiifv, geschwollene Drusen, A. v.
EL 1. 1213); demnach 1. ■ Struma (Kropf 1).
— 2. gutartige (skrophulöse) Halsdrflsen
(Kropf 2a). — //»/Kropf, I. = (vielleicht) Ilg-
kropf? (b. Egel). — 2. = Alp- (llf-, Olf-, Elf-,
II-) Kropf beim Rindvieh», Actinomykosis,
llalsdrusensehwellung durch den Alp (11p, llf;
verursacht angenommen (VIU II, 7). — Kaul-
Kropf, I. ■ Kielkropf (k. d ), Wechselbalg.
— 2. — kugelig runder Jiniskropf, der dem
Wechsel bälge (- Rhachitis facialis, Kre-
tinismus) eigen int (Gr. w. V, 2-122). — Kehl-
(Kelvh-) Kropf (nur ahd. ehelc kröpf = Struma, Gr.
W. V, "KM; ehelich crof — tuber, Minima, 11. Z. XV,
SCO, chelchroph , II. z. xv, ata — Minima, chelck ropf ,
Graft" IV, :ivo — Kropf n herin Kehlkopf (s. Kehle,
Kelch). — Kiel- (Keul-, Kall-, Kol-) Kropf
fl öH kllkrop. Gr. W. 1, 245; V, f»81 . kolkropf, «ir. W.
V, 1814; 1CS0 külkropfe, Gr. W. V. CHI ; 1790, I7it7 klel-
kropf - Wechselhnlg, Denis IM; Alien;!. «0; Laistncrlt,
:^.r>; Kaulkopf, s, <1.) = eine Missgeburt, Missgestalt,
Xiekcrts- od. Teufelskind, "Wechselbalg (s. d.),
Alp (s. d.) mit einem sogen. Kielkropf, d. h.
Kropf an der Kehle, oder nach dem Volks-
glauben der „Kretin" mit einer „Kröte" unter
der Zunge [Abergl. 60); das nach ilieser Knt-
stellung benannte Wesen hatte Zwerggestalt
wie der erzeugende Dämon und wie der Kretin,
grossen, dicken Kopf, war dickbalsig und meist
(s. Atiderbntz) taubstumm, gefritssig (Wechsel-
kind, Dickkopf, Wasserkopf, Wasserkind); es
sollte eine ,, seelenlose Teufelsbrut" »ein, die der den
Alp vertretende und die ethischen Dämonen ablösende
Teufel ausgewechselt hätte (Wuttke, V.-Abergl. 343.
360. 683); In welcher Weise »ich die Volksphnntasie
des 12. u. 13 Jahrhunderts solche Monstra per fabricam
alienam ausmalte, lehren die Abbildungen solcher
sogen. Kielkröpfe in Kleinpaul, Mittelalter K. 287 U, t.10 ;
daa ganze Bild entspricht medizinisch «lern
fötalen und kongenitalen Kretinismus, d. b.
der fötalen Rhachitis mit Kropfbildung, die
fast ausschliesslich verbunden ist mit Kreti-
nismus; daher ist mit grosser Wahrschein-
lichkeit anzunehmen, dass Kielkropf verderbt
ist aus Kehlkropf = Struma (s. Kiel 2) (Be-
ziehung mit Kiel 1 --- Quell als Nixen frsprong [der
klelkropflge Wechselbad Ist ein „Sendling der Waxscr-
elben", Golth. 118) oder mit kolken [ — platschern mit
klilck-kluck-Ton] sind zum mindesten sehr gesucht ;
nach der Kropf I' rauche, vielleicht ist kiel [l-.Ts]
Quelle liel Mathesiiis Karepia, als Kropfbrunnen, kropr-
| erzeugender Quell aufzufassen und dann — Wasser-
kropf; die Mutter benennt ihr kretinös degeneriertes
Kind nicht nach [Hehlenden oder kluxcndcn, kolken-
den] Nixeti-Gerauschen, sondern nachdem iHirfrtlllgsten
Krankhells-Symptom. nach dem Kröpfe nn der Kehle,
oder da, wo Kretinismus nicht endemisch vorkommt,
wird der Keblkropf des Wechselbades , Wasserballes
[s. d.] leicht, weil unverstanden, zum Kilehfcropf.
Kuhlkropf, Kielkropf; Schwenk [Xtt] wnr vcrmulllcb
der erste, der Kielkropf zu Keblkropf stellte; kiel =
hranchia ( m bronebns s. trachen], (JrafT IV. :~*7, durum
kielkropf keblkropf [s. ■>. Kiel)). — Pfcrdc-Krotf
— Kropf 2 b, Druse (s. d. 5) (AbUg. Bt). — (lrsiii)
St7m/-Kropf (nach Gulllaumc in Neuenbürg) m eine
Schilddrosenansehwellung bei schulbesuchen-
den Kindern, die während der Schulferien
abnimmt (Raginsky in Gerhardt I, «63; K. n. V. IV.
117). — (179'.) S/ctn-Kropf bs die abgekapselten,
harten , immer als „verdachtiga Druse" er-
| kannten Halsdrflsen beim Bferderotz, Stein-
rotz, Steindruse (Abiig. 64; Falke II, 339). —
wkropfcf = verkrüppelt (Schweiz; »ir. W. V,
247:i snb b). — H'o«8fr-Kropf - eine wässerige
(ödematöse) Anschwellung am Halse der
Schafe bei Fütterung mit Buchweizen. —
Kropf- Ader, -Beulen, -Brand, -Brandbeule,
-Drüsen, -Fluss, - G 'eschwellen , -Geschwulst,
•Gift, Hals, -Haus, -Husten, -Krankheit,
-Leute, -Materie, -Ohr, -Schärfe, -Seuchte,
-siech, -Strenge, - Tod.
kropfezen (kroppezen) = gröbsen, rülpsen
(Schmeller I, 1378). — Kroppezer. in. — Magen-
wind.
Kroppe(n), f. = (iew) Fingcrkrallo (Or. w. v,
2405; Schindler I, 1378).
Kröppen, m. (Kroppel, m. Kröppel), 1. ■
Kiobel (s. d.) = Knorpel (Hyrtl, K. W. 9t); Hr. w.
2405). — 2. = (16. Jahrh.) Krüppel (s. d.), claudus,
contractus, varicosus (r.r. w. V, 2171; ndd. cropcl.
crofel — contractu«. D. H7; claudus. I). 26ö; IM',
cropcl = Krüppel, contractu^, <!r. W. 1. cod.). —
/ •','<>■ < Kroppel (15. Jahrh. ; ndd. kro|>cl In den voeten,
D. II, 239) = loripes, am Fushu krflppelhafter
Mensch. — kröpelhaft = krilppelhaft (tir. W.
V, 2291).
Krosel s. Kröse.
Kroser s. Krossel.
Krospel, m. (Kruspel) (zum einfacheren Krosel
[Krossel] - Knorpel [s. u. S. 336), Gr. W. V, 2110; ahd.
('.». Jahrh ] krospel, crospcl, tiruH IV, <.17 - Ktiorjicl,
cartllago; 12. Jahrh. crospcl, II. Z. VI, 32S; 15. Jahrh
I krocspel = Knorpel. Hr. W. V, 2110; UM krosplen =
die härteren, häutigen Teile, fJr. W. V, 2410; UM
kressplen. krospelen cartlbtgo, Ilad. Jun. 19. 23;
I 1671 krospeln = Nasenknori>el , Iteynon 137; 1711
| krocspel = nrytenoliles, Kehlkopfknor|>el, Kirsch 113;
1749 kreuspeln = krusjieln, Z. f. d. Philo!. XXVI, 2Ö3;
sogen, cluibrische Gemeinde; 1783 kraeuspen — harte
Ilautstcllcn, Ksalch i3; krospel - Knorpel, Gr W. V,
2411; [Schwaben, Alemann., Österreich, Kranken)
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Kr ossel.
Krostel— Krüpfe.
krospel [kru«|*l, krospel! — SVhliindknorpcl, Gr. YV.
V, 2410: Hyrtl, K. VV. 100; ('. v. Schtn. 328), KrOSpel,
1. = der hyaline Knorpel an verschiedenen
Organen, namentlich der Nasen- und Schlund-
Knorpel. — 2. = knorpelslhnlich harte Gebilde
(Faserknorpcl), beide 1—2 als knirschende
«iewebsteil»?, bei deren Kauung die Zähne
kraspeln. — 3. - b. Krnspel. — kröspelichi
(kröspel tf, krospel, krospelhafi) (i56i kro.-spe
lacht) ^ rarlilaginntttti, kncrpli« ht (Schwei«; tir.
W. V, MIO, 2411; Hyrtl. K. W. 100). — (1783) UttUt-
Kräuspen - Gänsehaut, Kautsch wiclen, Haul-
ru nzeln (K* sich 53). — (i-r«M) //e»-za<ffT»i-KrOBpel
— der kruspeli^e, harte Faserknorpel der
Aorta, der ».rossen Schlagader am Herzen (Gr. W.
V, 2410). — (UM) Hirn - Krospel m die harten
Hirnhäute (<Jr. w. i. co«i ) — kohr Krospel -
Schlund und Kehlkopf als Knorpel-Teile ober-
halb der Brust (c. v. schm. :t2s). — AYW-Krospel
= Farynx, der knorpeliclie Kehlkopf (Hyrtl.
K. W Rt>). — (1..V4) Lehel- KrOSpel («Ii« krospeln der
laber. <;r. W. V, 24ii») - die kt uspelichten härteren
Faserteile in der Lel>er und in den Leberge-
filssen. — .iWiwn-Krospel — Krospel 1 (s. o),
rler besonders durch die Nasensyphilis bekannt
gewordene Nasenschoidewandknorpel (1.12s na*«
krospel, H. v. licrsd. — Intorllniiiin, Iiitcrscptuin.
fir. w. vn, 413; v, 2410). — iVenrn-Krospel (15M
die km.-(l|,.n .nvr nerven, (,r. \V V, MIO; Vit, BIO]
= die Faserknorpcl an Handein und Sehnen
(Flechsen^ Nerven im alteren Sinne). — Ohren-
Krospel (MM der krompel «los rechten ohrs, Gr. W.
V. 2110; 1901 «He kresplen am olir, Bad. Jim. 23; 1713
ohrkrospel, Gr. W. V, 2411) der Faserknorpel in
»ler äusseren Ohrmuschel. — Vcrkrospeli«»;/
(1743 vcrkrctispcliiiiff, Zcitschr f. d. l'hllnl. XXVI, KS]
— Verknorpelung, Schrumpfung der Gewebs-
fasem und Gcfllsso. — Krospel- (Krospel-,
Krosp-) -After, -Bein, -Fleisch, -Haar.
Krossel (Krössel, Krossen, Krosen, krosen,
krösen. Kroser, Kröser). — krosen, 1. -~
knirschen, knistern, mit knarsebendem Klange
zermalmen; diese lautmalende Befelebnnng ist über-
tragen auf 2. - das beschwerliche, röchelnde,
knisternde Atmen des Menschen, das bei ebron.
Gebrechen der Luftröhre u. Funsen vorkommt
(Zw. ir.6), daher 3. = plagen. — Kroser - einer,
der sich mit solchem prasselnden Atem plagt
(l'*0 krösen, Schindler I, 1382; Gr. W. V, 2410. 2b).
— 4. = Crepitatio ossiura fractorum, (1C12) das
knorschende Knochensplilterungs - Gentusch
ir.r W. v, 2ios; zw. 29). — Krossel, f. (Krossen,
KrÖSSel) langls. Tristan — cartilago. Massin. 143;
ahd. crosela = eartflairn, H. Z. V, 3Mb; Gr. W. V, 2t0h;
mhd. krosel; 15. Jahrb. krosel = cartilaRO. Knorpel,
Gr. W. L cod.; krose, krowel, krossel — ossilairo,
Knorpel, Gr. \V. V, 2111; D. 11, 270), 1. — Cartilago,
Knorpel (Hyrtl, K. W. W; Tal-ernaem ,). — 2. —
Hals und Gurgel, als knorpelige, beim Zer-
beissen oder Schneiden, knisternd krachende
Teile des Korpers (Schwei«; Gr. W. V, 2411). —
Kroser (Kröser), 1. = (aiem.) schwachling, ein
engbrüstiger Mensch, der mit knisterndem,
prasselndem Tone atmet (Gr. \v. V, 2410). — 2. =
der bei Beröhrung auf die Haut krepilierende,
knisternde Rausch brand beim Vieh (Feuer 69). —
Kroschel = Kro.wl faltnrh. fcroschcia = cartt-
I lajro, Gr. \V V. 2408; 1477 krnscheln = cartllosro.
C. Mcgbj. Gr. W. V. 2108) - Knorpel. — Nasen-
KrOSS (ahd. nase cros - Xa«enknorpel. II Z. VI. 325;
ndrh. iiosii urisle, II. Z. VI. 362; natekröw?) - «ler
obere Teil der Nase, wo dieselbe an die Stirne
grenzt (Rremmer Wörterbuch It. ssi; Gr. W. V. 2ias»
— OAr-KrOSS ahd. ..reroü = Knorpel, Gr. W. V,
21.«; H. z. VI, 32.,) = Ohrknorpel. — Wampnt-
KrÖ8SigA-«7 (lft. Jahrh cnisichcyt des wai»cn« ss
pallearlum, D. 406) =r der bei Berührung knisternde
Zustand an d. Kindswamme, r.. B. beim Rausch-
bran«l. — Kross- (Krossel-, Krössel) Bein,
-Fleisch.
Krostel, f. (Kröstel. f. Kröstlein) («um eln-
eitifachercn Blaminwortc Knisscl [*. d.) — Knorpel.
I Gr. \V. V, «10; abd. chruatilin = cartlbwo, 4traff IV,
•M = K^StJtba, cro^tala. crostila [H. Z. VI, S25],
erustula, chroMilla = cartilaRO; 10. Jahrh. crontel ;
11. Jahrh. crostila, Hyrtl, K. W, 00, mhd krocMrl,
<ir. W. V, 2112 - cartilaco. Knorpd; l.iOr. die krostel
~ Kaapnknorpcl, Fuchs 1. 314; aagi. irristle ■ Knorpel.
AWn-KrÖStel (14. Jahrh. = Inlerflnlum, Voc.
opt. \V. 10; 14S2 liR.«*kr..i«lel = interflnium , ZeniiiR.
VOC. x 3; lir. W. V. 242; VII. 413; p. II, 21») = Naseil-
knorp<d. — Kröstel-^cin, -Fleisch.
Krotte, f. s. Kröte.
Krotz(en) (-el), m , krötzen, krotzegen, 1. -
krössen (s. d.). — 2. = husten (H.dd, lth»ni>i>ie»rcl
1S8I. 8. 103) j (vergl. grotzen). — 3. = rasselnd
rülpsen (Gr. W. V, 2>.r_>4). — KrotZf(n), m. 1. ^
Kehlkopf, mit »lein man krOtzet (Gr. W. V, 2424).
— 2. - Kiiitze (Schmdlcr I. 13SH). — KrOtZ, f. -
Kröte 2 (s. d.), kleine, verschrumpfte Person
(Kohlen«; Gr. w. l. eod .). — Krotzel - Knorpel
(Krossel) (Gr. W. V, 2411).
Krücke, f. (Krücken), m. f. («rerm. kruk (?) =
„Stab mit Krümmung als «irift"; ahd. chruecka; mhd.
knicke, KliiRe 217), 1. = krummes Bein (Schmcller
I, 1869). — 2. = Fuss, Bein, Unterschenkel über-
haupt (der KrneKKeu [Tirol], Hintuer 8; Schmcller I,
993, hieher vielleicht die lincckcn, Schmeller I, 8S7).
— 3. = grosser, hagerer, aber unbeholfener
Körper (Tirol ; iilntner 5. 9). — Rauudürre Knicken
(Schro. I, 13C2). — krochen (I3. — 14. Jahrh. cnichen;
SIt«.-lJcr. d. Akad. im", s. 7. 12) = krümmend heran-
schleichen (v. Dämonen). — (1424) sich kracken
(chrucken) = sich krümmen, mühsam geben
(Schm. i, 1863). — Kruckel (Grieggel, Krücklein),
1. = ein nainenl). oben fehlerhaft verkrümiutes
Hing (Tier, Mensch) (Gr. w. v, 1929. 2429). — 2. =
„aufrecht stehende und nur gegen das Ende
krutumtfebogene Hörner d. Gemsbockes" (Schm.
1, 1362). — kruckelielit = krumm gewachsen,
krumm (Gr. w. V, juyj. — Krücke = Griebe,
Greck (s. d.), t'oagulum der Meibomschen
Drüsen (Hirsch — Thrftne), sog. Schlaf, Pech etc.
— Krück [en)-hacken, -krumm, -Lahmheit.
Krümme (Krümmung) s. krumm.
krümmern s. krimmen.
Krtinkel = krumme Falte, Runzel (t;r. w. v,
247o) s. K ringe.
Kxtipfe (krüpfen) s. Krupfe.
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Krüppel— krumm.
krumm.
337
Krüppel (Krüpfel, krappein) (mhd. krüppei
= verwachsene Person, Kluge*, 192 [verkruppt];
12. Jahrb. cruppel — claudus, clinlcus, gihbus, con-
troctus, Gr. W. V, 2474; GrafflV. 688; 14. Jahrh. kropil
(md.) = krüppei [od.] = Krüppel, Gr. W. V, 2473. 2474;
15, Jahrh. kripcl (kruppel, cruppel) = lorlpes, con-
tractu!!, paralyticus, Gr. \V. 1. cod.; auch ein vom
Teufel Besessener ; Iß. Jahrh. krüppk-r — Kriippcl,
rautilus, (ir. W. V, 2476; 1501 kruppel = claudus,
Gr. W. V, 2474; 174;t kriippcl = mancus, MM. Med. 418;
engl, cripple, Kluse 480; I,ehf. 159); demnach = ein
Mensch, der krumm und lahm ist, so dass er
seine vollen Glieder nicht gebrauchen kann,
sei es von Natur aus oder durch (teuflische,
däiuonistische) Lahmung (s. Schlag) bezw.
Verwundung (Gr. W. V, 2473); letzteres nament-
lich erst im 16. Jahrhundert, hIh sich infolge
der Vervollkommnung der Feuerwaffen die
„Invaliden" mehrten (Kleinpaul, d. Mittelalter 598) ;
die früheren Krüppel waren meist Brüchig.-,
Ijlhme durch Krankheit (Abbildung der letzteren
L eod. 597; Schweiz chrüft, chrüpfc; Elsas* Krüpfcl;
Schwaben Kropf, Kruft, Krüflle; Bayern: Kropf,
Kropf, Kluge*, 192). — kruppig = fehlerhaft klein
(Schindler i, 1379). — /u>»-krüppeln as „wie ein
Krüppel sich hinschleppen" (11. Paul 264). — ver-
krttppelt, -kruppt = ganz und gar verkrümmt
in seiner Gestalt (d«u. forkrobki; engl, crlppled,
Schmeiier i, 1379). — krüppelige Dorre*.
Krups s. Krips.
Krall, m. = der Träger eines kraushaarigen
Kopfes, s. Kroll.
krumm (kramp, Krümme, f. Krümpe , f.
Krumme, f. [Krimme], krumpfen, Krüm-
mung) (vorgerm. grumpo, YBtMtOC — gekrümmt, ge-
bogen ; westgerm, krumba = das krampfhaft zusauimcn-
gezogene, gekrümmte; ahd. ebrampf, krumpf, chnirah
— krumm, gekrümmt, verdreht, chrumpl. crumbl —
Krümme; mhd. krump, krumpf, krumbe, krumbl,
krimpt, Kluge . 218; 15. Jahrh. kramp, kram; 1500
crom — aneua, curvus, I). II, 2.1, das bayerische krump
hat die rein althochdeutsche Gestalt bewahrt, (ir. W.
2441; nach letzterem ). — krumm , 1. - an den
Gliedmaasen zusammengezogen, durch Alter,
Krankheit oder von Nntur (älteste Bedeutung,
1577 krümme „wann ein tilied durch Verwahrlosung
stracks oder krumm bleibt, das* man es nicht nach
rechter Art biegen mag", Theophr. B. = Contractur,
Gr. W. V, 2453; 1003 die knimme m „eine längliche
Geschwulst [bei Pferden) wie ein ';» Kl unterm köpf
des hinten au dem knie raus ragenden beln und wird
von den Italienern darum obn cwelfel curba geuannt
[s. Kurbe], well sie sich durch die l'nrcchtmasslgkelt
der Nerven [Muskeln] daselbst fast krumm macht",
(ir. w. V, 24W). — 2. = hinkend, gelähmt, krampf-
hafte« Einziehen der Glieder durch plötzliche
Lahmung od. Krampf. — Krümme, f Krümpe, f.
Kromme, n. = krummer Zustand : a) Krümmung
bestimmter Gliedmaßen, z. B. Kücken, Fuss,
Hand, Nase etc., z. B. beim Grimmen (Leib-
schmerz d. Menschen) (Falke II. 46) oder bei der
KrimpBucht (Ergotismus) , Kriehelkrankheit
(Hecker 317) ; b) bei Rindern und Schafen auch
infolge der Maul- u. Klauenseuche (entsprechend
dem mal coutroetder 8yphilislahme [s. d.) b. Mensc hen,
| Falke I, 295; II, 46; 1620 die krumbe = Krammhelt,
i Krampf, Dr. Minderer; das Krumm = das krumm sein
an den Beinen. Gr. W. V, 2444; 1677 krumme = die
Nattelformige. krumme Gelenkflache, Hyrtl, K. W. 27;
(Tirol) krampe, f., Zeltschr. d. V. f. Volksk. 1895. S. 92).
j — krumpfen i krampen) (ahd. die adare [Muskeln)
«ich ze saminc chrumphen) = Muskelkontraktion
(Graft 1, 166), auch -einschrumpfen (Goldschm. 90).
— (mhd ) krumpf (krampficht, krumphet) =
gliederlahm (Gr. W. V. 24*). 2470; 16. Jahrh. kratnpf-
oter = simius ; D. 399). Krüppel, variculua. — (1482)
kramheh = knöchlig, höckerig (hogerlich) (Zcn.
Voc. r5). — (1476) Krumpa i Krumm ing, Knmp-
ling, Kramper) = Krüppel (a. d.), ein gekrümmt
l einhergehender, hinkender, gebrech!. Mensch
(Fromm. VI, 334; Gr. W. V, 2441. 2104. 2108; engl, to
go crimpliug = einknickend, lahm gehen). — (1482)
krummen = sich krümmen, formlos sich ein-
ziehen, einschrumpfen, verunstaltend krumm
werden (Gr. W. V, 2460). — krümmen, 1. = krum-
men.— 2. = s. krimmen, jucken (Engel 283). — Bein-
Krumme, 1. = (1742) Rhachitis, englische Krank-
heit, Zwiewuchs (s. ds.), die die Glieder krumm
gestaltet (Zw. 306), namentlich die Röhrknochen.
— 2. — schlecht geheilte, difform gestaltete
ßeinfraktur. — ('<""■-)» rr-krampen ■ krumm
werden. — (1608) .Fuss-Krumme ( krtimmig),
1. = das rodagra, das die Fussglieder krumm
stellt (Gr. w. IV, l. 1033). — 2. = Lahmung der
unteren Extremität mit Kontrakturstellung
(Gr. w. v. 2475). — (1757) Gl ud- Krümme (männ-
liche) - Chorda venerea (Biiumler 444). — (1609)
6/i-;''( Krumrao {krampe der gllder, D. Guar. 963)
= krampfhafte Verzerrung der Extremitäten
durch Tetanus, Eclampsia (b. Ziehtier, Frais,
Vergicht). — W Avn krumm = an der Fersen-
hacke schmerzhaft in der Bewegung ge-
hemmt. — (1609) i/./;i/-Krummen. 1. =
Chiragra, analog der Kubb- Krümme (s. o. =
Fodagra) (I). Guar. 1131). — 2. = deformierende
Gelenkentzündung. — 3 = Lähmung der Hand
mit gekrümmter Kontrakturstellung (Gr. W. V,
2457). — AaM-krumm = nicht ganz krumm oder
gelähmt. — kreuz- in;- krump = im Rücken
(s. Kreuz) gekrümmt (Schmeiier 1, 1370). — krüekel
krumm (Urandcnbg. kriaeckelkrumm, Engel. 205) ms
krttcktmlahm durch Beinkrümme. — (16. Jahrh.)
Afau/-Krtimmen ( Ver -krummen) = die Ver-
zerrung des Gesichtes und des Mundes durch
Lähmung (Gr. W. V, 2458; VI, 1784) (l'aralysis
facialis). — (1532) .WiiHri-Krtimme, (UM) Er-
grimmen - tortura oris; „der mund oder die kinn-
backen werden elwan krumm dass sie nicht recht
stehen und dies beschiebt von dem krampt, welcher
die Nerven der kinubacken an sich zeicht, gleich als
so man ein leder zum fouer legt" (Fries 76 ; Taberuacui.),
1. = Trismus, Hunds- od. Kinnbackenkrampf. —
2. = Gesiehtsmuskcllrthmung (franz. bouche torte,
HrlM.278). — (i776)iVayci-Krümmung = GryphosiB
(Plcuk), Greifenklaue, krallig gekrümmte Nagel
(Behrend 5). — (1482) Nauen Krümme, 1. = Krumm-
nase (s. d.). — 2. = das Nasenrümpfen (Gr. W.
VII, 413). — (1741) OAr-KrÜmme (=concha,
Kirsch 268) = die rundgebogene Ohrmuschel,
Ohrkrempe. — Racken- Krümme - krumm im
Rücken. — (1699) «cAd krumm = mit sichel-
22
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JW8 krunken— Kruppe.
Kruspel— Krastel.
förmig gekrümmten (Sa bei-) Beinen behaftet
(v. M. 11,39). — spanische SLramve (s. Krümme b.)
.— die Klauenseuche der Schafe , wobei die
Schafe hinken (spanische Krankheit - Fran-
zosen). — rrrkrumpen (mhd. verkrumben. ver-
krumben) = ganz krumm werden, erlahmen,
verkrümmen, z. B in den Sehnen, Bändern,
Gliedern (Zeitschr. r. <i Pbfloi. xxvi, 263; LexerSS;
toler, II. A. 26) — wiedi r krumm (l 'l'i rennen«,
i». 497) nenerdinus hinkend. — Krum(p)-
(kmmm' r, er, <s\)- AHer , -Ann, -Bf in, -Dann,
-Eier*, -Fantasie, -Finger, -Fuss, -Gang, -Hals,
-lu>pf, -Mann, -Maul, -Na$e, -Nasenlöcher,
-Rüchen, schenkelig, sehen, -Sehnen, - Wicht.
krunken (krunksen) = stöhnen, ächzen,
röcheln, runschen (<;r. w. V, 2I70).
Krunsel *. Ransel.
Krupfe, f. (Krüpfe) - Kropf oder kropf-
ftbnliche Jlalsdrüse (<;r. w. v, 2471). — Schaf-
Kröpfe (1515 schoffkrupf, sehattkrupf = struma
[varieaU] ovi«, i». et".) = Helstlrtlse (Kinnsaek)
beim Schafe (s. Krupfel). — (mhd.) 6V/-krüpfe s»
die übermassige Anfüllung d. Kropfes (Lexer2>ni.
Krupfel (krüpfen), Krupfel (Krüppel), l. =
Knorpel (<.;r W. V, 2471; oberdeutsche Nebenform
tn Kni|>|iel). — 2. = Knute (Gr. W. V, 2172). —
«ich krüpfen = den Kopf oder Ober Leib nicht
gerade, sondern wie ein Krüppel gekrümmt
tragen (O. I'falx; <;r W. V, 2471 ; Sehmelier t, 1380;
k]u(?c 193), — eich fMeammettkrttppen - «u-
aatnmenkauern bei Leibschmerz (< ; r. w. V, 2172;
«ibt»rlausitz). — Nase n - Krupfel (1129 mhd. nas-
inippi li N'asenknorpel (<ir. \v. v, 2t7i; schmeller
I, eso) (Kseenkruppel, Unterscheid, l'nterthat}.
— (15. Jahrh.) Schaf Krupf - eine hlasenförmige,
kropfahnliche, parasitäre HalsdrÜsenansch wel-
lung (Kinnsaek bei Schufen, Struma ovis) (r.r. W.
V, 2171; D. 616).
Krupp, m. (Croup) («unnchst aus dem franz.
Croup entlehnt, du« die Franzosen [llris*. 117] als eine
QQMMtOpcc de In raucitc aphonc de In vciix dans In
dlphthcric laryncce« V auffassen), 1. (1713) llals-
briiune, Dipbtbeii« ttuerat von l'atrik hlalr, dann
von [1763) K. Home ln-schriehen), Angina poiyposa
(wegen der Pfeudomembranen), uIh Stenose des
Kehlkopf», wie sie auch beim Kröpfe (uoth.
kruppa] ■ Struma vorkommt. — 2. = ausserdem
besteht eine Pferdekrankheit, die „Kropf"
(8. d.) heiMt; es ist demnach (nnd mit IieiüehunK
auf (MpfM und Kruppe, g. u.) höchst wahrscheinlich,
da** der germanische knipp I - Kropt und kroupose
[ — kropfige] llalskranklxitl nach Frankreich kam und
von da als Croup naeh Deutsehland zurückkehrte
(<ir. W. V. 210«); auch In Flandern im kroep = Kropf
ü. Croup (De Coek Kr.'. H) ,j; der Kropf kann kroup-
ahniiehe KrBticknngs^efahr, anderseits kann
der Croup auch kropfahnliche Halsdrüsenan-
Schwellungen veranlassen. — (neu) falscher
Krup - Asthma Millari, Pseudocroup mit croup-
ahnhehen Symptomen ohne lebensgefährliche
Grundlage derselben.
Kmppe, f. (ans dem franz. Croupe n. mtlnt. cropa,
ernpa, Du CtOg« II, 625, 630; crupponns, m. - uto-
pygium. minima cltinium, grop, groppa |1 197] - clunes,
Dn Cange IV, IM) = das (kreuzförmig, höckerig,
btlrzelig emporragende) Kreuz ilor Reittiere
(franz. la Croupe, lo crouplon; ftal. 1a groppa — os
coccygls, ltriss. 26; engl Croup kamen »her selbst aus
deutscher »Juelle ; nordgerm. kryppa = Hocker, An»-
wuehs, Haufen ; mtlat. rruppa — huppfe, hopf, hoppe,
goepc, crewel, D 1>9; Kluge*. 217, 21s : Cr. \V. V,
2172; Heyne III, 4»5). — t rrkTUppen S. Krüppel.
Kruspel, m., f. (Kruschgel, Kruschpel.
KnurSChpel) (mhd. kruspel; H19 cni«p»'I - P»ll>n
rarnis, d h. das Fleiseh ohne Bein, alicr mit dem
weichen Knorpel, D. 172; 1129 chni«pel, Schmeller I.
I. "K.t; 1482 kruspel = krolielpayn, krolu lein, llaarwaeli»,
eartilairo, ZeninK. Voc rS, n7; 15. Jahrh. kntKbpel;
1191 eruspel = Interfitiium ; 15r,0 crüspel, Schmeller I,
1883; nach Gr. W.V, 21780.). 1. = Knorpel, Knorren,
t'artilago, inolle et teneritas ossium (Ituek 17;
Hyrtl, K \V. 99; Hlntner 7. 16, Hyrtl Anat. 18;:) = die
Kruspel [Bayern, Österreich, Kurnthen). — 2 = der
Nasenscheiilewandknoipel, Interfinium nasale
(L'nterthat). — 3. -• andere < »rganknnrpel. —
4. = Knorpellleisch fl 119 eruspel — pulpa [Krostel-
fleiseh, ?. d ], Gr. \\. V, 2479) (Krnspelspitz). — (1571)
//(ds-Kruspel = Gurguho, tiurtjel (knupel im
halss, D. 271; Oft W. V, 2178). — (K.99) Magen-
Kruspel - der schwertförmige Knorpelfortsatz
am Brustbeine oberhalb der Magenerabfl (v. M.
II, 106, 107). — (in«! Nasen- Kruspel = Nasen -
krustel = Nasenknorpel («ir. W. V, 247S; VII. 113).
Krusp(el)-(Krusel-)/^/n, Fleisch, Haar, -Spitz.
Kruss s. Krossel.
KniSte, f. KrUSt. m. (ahd. crusta; 11. Jahrh.
crt>ste; ndd. 1420 eorste - ernsta. D. IM; 15. Julirh
krost, I64M die krust - Kufe, llorkc. <ir, W. VIII, 1397;
mhd. kniste, aus latein. eru«ta, ein Uelehrtenwort,
■ la^ sieh er»t spat ciuhiireertr KIul'i ',218; nhwohles
an das einheimische knuspern und knirschen und
knistel Anklang hat, <ir. \V. V, 2180, ndd. korst,
koestke _ Kruste. Krustchcn, Fromm. VI, 217), 1. =
der trockene Schorf auf einer Wunde oder
einem Geschwüre, «leren Absonderungen auf
der Hantobertläehe eintrocknen. — 2. = Kopf-
tirint als Aiisschlagsform, hezw. dessen ein-
getrocknetes Sekret ( [1707| der Krusl). — (UOB)
dicke Krusten u. a. syphilitische llautborken
(Bupia) (Fuchs I, 421). — [1882] Fcig KiXl&ten =■
Mentagra, Keinmal, BartHechte mit feigen-
rotem Grunde (»ehrend is). — (1718) Grind-
Krusten = grimlartiger Schorf auf Nascti-
geschwüren (K. ch. 247). — (1832) Milch Krusten
(ndl. melk korst, De Cock 72) = Impetigo larvalm
(l'orrigo), Krbgrint lud Säuglingen und jungen
Kindern (Mehrend 47) (Kruste 2). — Krusten-
Grind.
Krustel, n., f. (ahd. cfanuttta, obroatnla, krusiiia,
II. Z. VI, 325; mhd. krustele, Cr. W. X, SI81; 12. Jnhrh.
chnistele, Schmeller 1, 1:58.".; 14. Jahrh. kruostcl =
inrtllrtk'o, Vor. opt. \V. 12; 1477 krustel — i Jelzin,
('. v. Selon. 328; 15. Jahrh. chrustl = cartilB4?o Inier
nun s vel cxtremltas nasi, Schm. I, 138.5; krustel --- Ohr-
lAppchen, 1. > od.) - Knorpel, GartiJago (Kruspel,
Krostel); das klanKmulende Wort erinnert an du
Knistern und Knirschen des Kebrateneu Fleische« ed.
an da« t;erilu«ch beim Kauen des irerosteteii Brodes
(<lr W. V, 2IS0). — A^f.Scn-KrUStel (anCls necs-
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krutzetn— Kuchen.
Kuchen.
KTi-xtlft*. IV 103; ahd. nasa «ni.iUla, II. Z. VI, 32.'.;
interfinium) = Nasenknorpel.
krutzeln zu kruacln, gruseln (s. d.) = kitzeln
(1177; Gr. V V, 2481).
Kry stall , Ul. (aus lat. erystallui = liehtbreehender,
dtm- hsirutlirer stein). — Krystallenen, Kry stal-
line - Bulla crystallina, Crystallina [Vt. II, 321.
X>7 ; Krau«, K, 17t">; Sehnurrer II, 157; ltoerhave), 1.=
Hautblase infolge von Verbrennung mit Krgnss
von hellem Serum. — 2. ■= (17— is. Jahrh ) der
angebliche Blasenschanker als primärer Initial-
afTekt bei der Syphilis. — 3. = -une eruptlon ve«i-
culeuse qni survient aux amyndalcs et au pourtour
des Um au cour* de la periode seconduire- (syphll.)
= cristalline (Bris*. 2:18). — 4. = der Herpes pro-
genitalis, Blasen mit hellem durchsichtigen
Inhalte hinter der (Hans penis. — 5. = Varicella
= Schafblatter oder Krystallblatter , die Cry-
stallini Vidi (Vidiu* - Gui.il + 1569). — Krystall-
Blatter, -Feuchtigkeit, -Friese!, -Linse, -Saft,
-Star.
kubelich «. KobeJ.
Kuchen, tu. (itnth. kökll»; Kcrm. knkan — Kuchen
— flacher, breiter, runder I laden ; engl, cake ~ Kuchen ;
ajjuc cake — Milztmnor bvi Wechnelflobcr, hornbl. 4,
ahd. chuohho ; mhd. kuoohe, KIiikp 21h; pu'u; kugen;
ndl. koeck, couke, m . V. K. IX. 92; mit diesem
Küchencehilde wurden «entliehen Kuc hen- od. Zelteu-
ähnliehe <>rpane oder pathologische Produkte). —
Kuchen, 1. - l'lacenta und Chorion Frucht-
kuchen, Nachgeburt («-. Siebold W») (s. Zelten).
— 2. = der Herrkuchen (s. d.) (ndl. de koek -
ein hard «eiwel nabij den nagelbulk [ = navel] dat
min of meer dir vorm he. ft van Den rondt-n koek,
V. K. IV, 93; man oplert dort dem h. Machutiu« auf
den Altor Iteerenknehen [*. eni{!i«ehc Krankheit ;
Knehcn-Ithaehitii] , die der korke van't ht-rteRCspannen
hohen, V. K IX. 143 ; den koek eu het hertegespan,
L cod. 5 die kiuderen vrelke aan den koek eu het
hfUeire«pan HJden . krlgsen een dikken en hardeu
btiik en wal man het hi-rte putje [Iterzputa] tineint is
onxic -hthare geworden, V. K IX, 112). — kuecheln
(ndl. kaehtelen. kachsch'ti , kasaeleo = ein .Tüntes
werfen. De <o<k , karhtel bedde = Fotalcnnaehgcbuit,
nieuw (tekaehteld venlen - rein neugeborenes Kohlen,
L eod.) (s. Küche). — Blut - Kuchen - das
breiige, kohärente, dunkle Gerinnsel des Blutes
( Hepar sanguinis in der Aderlasschussel (Samuel
124; Bris*. 4), das wie glasierter roter Kuchen
(sang glaeure) im Kochgeschirre (Becken) aus-
sieht. — Fieber- Kuchen, 1. = Blutkuchen und
Speckhaut (s. d ), ilio man früher als ein Zeichen
des Fiebers und der Entzündung (Pneumonie,
Pleuritis z. B.) ansah (Crusla inflammatoria,
l'lacenta febrilis), die aber für diese durchaus
nicht charakteristisch ist (engl, atme cake ; franz.
Uätcau febrile, Uhi. HS; Bamuel 124; Gr. W. III, 1S23).
— 2. — die akute brettharte Anschwellung der
(vorher meist schon chronisch geschwollenen)
Milz unter den kurzen Bippen bei dem ein-
zelnen Anfalle von Malaria ( = Fieber), die selbst
zu hämorrhagischem Infarkte (= dunkler Blut-
austritt in das Gewebe) führen kann = Iros
(Krmn«, E. Ml; Gr. W. III, 1622; Solmmhcim 291). —
.Frucrit-Kuchen ■ der Mutterkuchen bei der
Leibesfrucht, — flcrr-Kuchen, 1. = Scirrhu*,
s. Scirrhoma, Obstructio hepatis aut lienis (r,r. \v.
V, 2500), worunter man früher a) wohl meist die
Amyloid-Degeneration «ler Leber und Milz (als
Folge der chronischen .Malaria und Syphilis)
ansah (Speckleber, Speckmilz) oder b) den
hämorrhagischen Infarkt eines Organs (blut-
kuehenähnlieh) und c) Oberhaupt Leber- und
Milzturaoren ; d) (westflam. koek aan t hertc, earreau,
atroph!« mesenti rique, V. K. IX, 93) — Gekros-
drüsentuberkttlosis mit aufgetriebenem Bauche.
— 2. = Druckgeftihl auf der Brust, das man auf
solche Anschwellungen, d. h. auf die vom Herzen
ausgehenden Blutkuchen-Hildungen ursächlich
zurückführen wollle (Herzgespann) (V. K IX. 93).
— Herzripp{rieb-) -Kuchen (Gr. \v. v. 2ftoo) -
Rheumatismus der auf den Herz- Kippen (in
der Nähe der Herzgegend) sich ansetzenden
Brustmuskeln (Osten-., Schleiden); die ältere, blut-
gierigere Chirurgie stellte sich vor, dass, wie
bei den Milztumoren ein Herzblutkuchen unter
den Rippen sei, so beim schmerzhaften Muskel
rheumatismusauchäusserlich ü her den Kippen
ein solcher Blutkuchen vorhanden sei, den man
durch Aderlass u. Schröpfen beseitigen könne
(or. w. v, »00). — (I7W) Leber Kuchen - die
l'lacenta oder Mutterkuchen [Kulmu ISO), als
Übersetzung des Hepar uterinum der Alten
unter Anlehnung au den Blutkuchen ( - Mutter-
kuchen). — (iGf,c) Mutter-Kuchen - vx '»z'.i^t
Hippokratis, l'lacenta, Kuchen, Afterbürde, la
mere, Hepar uterinum LMutterküchl im Leihe der
Weibsbilder": 1606; Gr. W. VI, 2S19; ndl. moederkoek,
DeCock; Kolklore); die l'lacenta od. Nachgeburt
hat die Gestalt eines länglich runden, konvex-
konkaven Kuchens (Hyrtl, Anal 716. llriss. 320;
v. Siehold •"'«); der Vergleich wurde wohl zuerst
genommen vom Aderlass-Bltitkuchen, den das
in der Aderlasschüssel geronnene, feste Blut
bildet. — (17s:;) der eingesperrte Mutterkuchen
■ Incarceratio placentae (stein II, 13.>. 137), die
im Muttermunde o. in der Gebärmutter krampf-
haft zurückgehaltene Nachgeburt. — Rippen'
Kuchen (rShlwnknehen ; ndd. revkocken — lienteriu,
dlaphimrma, 1> 329), 1. — Herzrippkuchen. — 2.=
Sehulterripp- Kuchen. — 3. = (rhachitisches)
Herzgespann (Anwachs) (Gr. w. VIII. nov IftOl),
als vermeintliche Folge eines angewachsenen
Rippenkuchens. — 4. = Hhachitis der Hippen
= ange«vnchsener Kippenkuchen (Gr. \v. viil,
103.S). — ft. = Kütekuchen (s. d ). — Kitt- (Riet )
Küchen (M29 der rittkueh, I). II, 133 diaphragma ;
Ii--: I.M.i ril rytt-] kuch • •!• r -Ii.- hnot / .* i<chi n
dem inKewevde = dlaphnignia, inlirmita«, opilntio
Hplenls, I). 179; 17JJ rieikuchen — lienteri», dia-
phragina, l). 329), 1. Ihaphragma (Gr. W. VIII,
10») Oder die Haut zwischen den Kmge«vei.len
(Zwerchfell) (Zenin*. Voc. aa 8). vermutlich weil
man bei den Fieber (nto)-Kranken (mit Milz-
schwellung) unter dem Zwerchfelle einen Blut-
kuchen (Milzschwellung) sitzend annahm, oder
auch greifen (s. d.) konnte, der durch den Ader-
lass weggenommen werden sollte (Fieber-
kuchen). — 2. = Lienteria (Gr. w. VIII, lons), der
Blutkuchen unter den Rippen bei Kühr = Amy-
loid-Degeneration der Milz und der Gedärme.
22*
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840 knckern-kflhl.
kflmmen— Kugel.
— (ir.92) Rote Kuchen = ein Kippen - Kuchen
(1. 2) (v.r. w. VIII. 103 >) über den Kippen, der als
Blut- ( = Köte) Erguss angenommen wird (siehe
Kote 2) ; ein vermutlich aus der Zerwirktechnik
heim erlegten Wildpretegenomniener Ausdruck.
— Schulter- (Schultrrrieb- [rt/>p])Kuchen ■ ein
Kheumatismus in den Schultermuskeln , der
sich wie eine kuchenartig aufliegende Anschwel-
lung fühlt (Gr. W. V, 2'i<)0); in Analogie mit dem
Herzkuchen (s. o. 2) bei Milzansehwellungeu
dachte sich die ältere Chirurgie auch beim
akuten Kheumatismus einen solchen Blutkuchen
auf denjenigen Kippen, an denen sich die
Schultermuskeln ansetzen , und erklärte das
spannend schmerzhafte Gefühl desselben mit
der Existenz eines solchen Fieberkuchens da-
selbst (wie in der AderlasschÜHsel); der Schulter-
kuehen als Rheumatismus entspricht clor vUkandha
in Hesprcchungsfonncln des Atharva-Veda (Zeltschr.
<!. v. f. Volluk. 189 «. 8. 18). — vernagelter Eueben
(ndl. vernagelter kock, V. K. IX. 143) = ein Kuchen 2,
oder Wasserkuchen, wobei durch Ansammlung
von Wasser in der Bauchhohle der Nabel nagel-
formig vorgetrieben wird. — Ira«*cr-Kuchen
(ndl. waterkoek, V. K. IX, U3j = Bauchwassersucht
durch Milzanschwellung od. Herzkuchen (s. d.)
veranlasst. — Kuchen lluut
kuckern (r>i7cutuiiomitlaaram in ovando, D.M1)
— kückern.
KuckUCk, m. (Ougger) (alter: Hauch i. d.; 1482
eukuk oder atu ({auch, V. v. Megbg - cucitlus, mhd.
kuckuk; l'> Jahrh. eitiennotnalopnietixche Itczeichnung,
diu den Knt des gedeckten, eigentümlich gcschnabeltcn
Vogel* nachahmt; Kuckuck und (.auch ist auch =
Teufel ; der Teufel hlnterlasst nach dem VolW'lauheu
Gestank u. Schmutz, daher/ der gedeckte Kuckuck
hat ihm ins Gesicht gelacht (gemacht ?) = Som-
mersprossen («. d), Ephelides im Gesicht (ür.W.
V, 2T>2'>; ltnyern) (vergl. Kucklickllecken) (Sommer-
flecken, weil der Kuckuck der Vorhole des Sommers
ist). — Kuckuck- Beim, -Flicken, -Schecken,
-Sprecklrin.
Küche, f. (zu koclwn und Kuchen, *. d.). —
(i retchen in der Küche = Hannschen im Keller;
die noch ungeborene Tochter. (Nähere* darüber
s. WackernaKCl, Abhandlungen III, 137; der Aiisdnirk
Ist genommen von Trinkgelftssen. die um Hoden kleine
Kindlein aus Silber geborgen halten, die heim Füllen
der Gefasse unter dem Heeke! hervorsprangen ; die
Vorstellung eines ..Ilauskoholds am Uleu [». d.] und
Keller ", welcher Kinder briugt, ist wohl alter als
letztere l>arstelUingsarl.)
kücken => hüsteln [Schweis), keuchen (s. d.).
— AW-Kücken = Nestquack (Küchlein).
Küden s. Kutte.
Küfel, ktifflen «. kiefeln.
kühl fgem.-westgertn. köli [dazu kalt. «. d.]; engl,
cool, chlll; ahd. chuoll ; mhd. knol, küel. Kluge4, 133;
rand., 14 — 15. Jahrh. colen. J. f. ndd. gpr.F. XV, 132).
— Er- (r7r-)kuhlMn<7 = eine leichtere Erkäl-
tung-, die Ursache von unzähligen Krankheiten
nach der Volksmeinung. — alte Verkühlung -
chronisches Leiden, einer vor Jahren erwor-
benen Erkältung zugeschrieben (Goldschm. 18).
I — schwere Verkühlung = akuter Erkältungs-
zustand mit Fieber (Goldschm. 67). — verkühl/«*«
Blut. — kühlende(r) Gicht*, Schmert.
kummen s. kommen.
Kümmerer, m. kummerlich s. Kummer.
Kttnzel s. Kinz.
Kür, 1. ■ Lederhaut, Oorium (Franken;Sartorlus).
— 2. = (mhd. küre; angl* cyre = Wahl, Kluge*, 221)
— kür-ass*<7*.
Kürbis. - Kürbis- Geschwulst, -Wurm.
Kürbsen. f. s. Knrbe.
Kürfes (Kttrses), Kürfis «. Kurrfes (s. Koss).
Kuhns s. Quirinus.
küssk (Lippe; Fromm. VI. 217) - engbrüstig,
kistrig, mit Husten behaftet.
Küssen (Kissen) (ahd. eonsaln m Kusacn; mhd.
küsslu, aus mtlat. BBMIU, culcllinum, euleita,
Matratze, Polster, Kluge*. 197 — weiche i'nterlagef. —
dem thuen die Küssen (Meckibg. kuM») auch
nicht mehr weh = er hat ausgelitten auf seinem
Bette (z. d. V. L V. K. 1891, S. 191). — Küsslein
(I6W kiisslin, Hyrtt, K. W. 42), 1. = das kissen-
förmige Pancreas als Unterlage für den Magen.
— 2. - l'rostata, die Vorsteher-Drüse als Unter-
lage für die Harnblase (Ifyrtl, K. W. ino). —
/<rii*r-Küssen - Mammae feminae (Zw. 441) —
(1609) S> h im - Küsslein = die l^eistenbubonen,
die wie Kissen zur Seite der Scham liegen (Hyrtl,
K. w. 189). — SiW-/-Kissen = die vom Fleisch-
strahl bedeckte Bchwammig- weiche, polster-
artige Unterlage am Pferdehufe zwischen Huf-
bein und Hufballen (Zlpp. 16S. 167).
Küste, f. — Küsten- Fieber, -Kranklteit.
Küt (nieders.) - Gedärm kleiner Tiere (Kütz).
Küttel s. Kutte.
küttig (s. kettig, kotig).
Kütz - Eingeweide (Kuttelfleck) (o.-pfalz.
(ir W. v) (s. Kuttel u. Kotze 2). — kützen =
kotzen (s. kotzen) (Schweiler I, 1318).
Kützels kitzeln.
Kufe, f. (aus mtlat. cöpa, cüpa = Fax«, Kübel, vor
dem 7. Jahrh. entlehnt; alts. cöpa; angls. cöfa; ahd.
kuofa, Kluge*, 219 = Gefa**). — £rtn-Kufe (angls.
bau eofa — cuhiculum Itelulass (g. d.J, Kochh. 1, 290)
— der menschliche Leib als sterbliche Hülle,
! Totengerippe.
Kufel s. Kiefe.
Kuga s. Kuba.
Kugel, f. (obwohl uralt, doch erst mhd. kngel =
globus, Kluge*, 219; Gr. W. V, 2639 = völlig kreis-
runder Korper (s. Keule]). 1. m das zum Teil kugel-
förmige Haupt des Oberarmbeins, Schenkel-
beins und (Hinter-) Backenbeins beim Pferde,
Caput humeri s. femoris (Gr. W. 1. eod). das zum
Armgelenke noch gebort, daher: den Arm, da«
Bein aus der Kugel fallen = Luxatio humeri;
den Arm ans der Kugel drehen; aber häufiger:
sich die Kugel ausfallen. — 2. at der Köten-
kegel, der über der Fessel sich befindet beim
j Pferdefnsse (Gr. W. V. 38.V 2A39). — 3. = kugel-
ähnliche, rundliche Geschwülste (Bühel) (nicht
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kuggen — Kuh.
Kuha-Kummer.
341
Geschwüre, wie 1d Gr. W. V, 2539 ganz Irrig steht):
a) Mums, Bauerntölpel, Ziegenpeter = Parotitis
(1482 „kugel, die In dem mutul wacht — parrocida
(Parotitis)", „kUKel, dl«« in den or oder dabey wechst
= paradloU [parotis]". Zenlng. Voc. r. 7; Gr. W. V,
2539); b) (1688) Kugeln = Mutter-Gewächs, Molen-
Schwangeracbaft (s. d.), Mondkalb (s. d.); ver-
mutlicb wurden Eterusfibroid und Cyatovarium
damit verwechselt (Gr. w. VI, 2818) (s. Mutter-
Kugel); e) Kugeln = Testiculi, Hoden (Kloas,
Klotr.) (Gr. w. V. 390); d) die Darmballen (a. u.)
(deutscher YettlMb); e) Bru8tkern = Kfigerl (Wien).
— 4. = Globua hystericus (s. Mutterkugel). —
kugelt = kugelig, rundlich, knollig. — Alp-
Kugel (a. Hirschkugel). — «««kugeln - die
Kugel (1) aua der üelenkgruhe beim Fallen
x. B. luxieren (Luxatio). — (1561) aufgeblähte
Kugeln « Hatistra coli, die kugelförmig auf-
geblühten Rallen des Dickdarms (Hyrtl, K. W. 11).
— Elben - Kugel = s. Hirschkugel. — Gams-
(Hirsch-) Kugel (1692 Gambsen-, Hicrscn-Khugelii,
Wlchner Ii) = die runden, verfilzten Haarhallen
im Magen der Wiederkäuer (Hirache, Gemsen
und aogen. Mirakelochsen) (17km; g. d Verf. Volks-
Medizin, 8. 162; Legend, f. d. gem. Mann II, 173;
Konter II, 153). Aegagropila, aua Alpenkräutern
und Geäse beatehend; war deren Essen« aus-
gedrückt, so wurde die tauhc Schale derselben noch
verkauft , man nannte sie dann „taube Gemakugeln"
(Alpbg. 382) Nach Llebrechl (zur Volkskunde X87U.
S. 330 ii. Golth. 132) entsprachen diese Haarballcn den
nordischen Altkula - Alp Kugeln, den Geschossen der
Ellen (». Teufelsscbuss). — //«ur-Kugeln = Hirsch-
kugel. — (1677) kirim- {mittlere) Hoden Kugel =
Caput epididymia, kugelig angeschwollene
Nebenhoden (a. Kulleken) (Hyrtl, K. W. 119). —
Kugel, 1. - (im) „solche Mlssge wachse
lassen sich nicht leichtlich von einem ort an das andere
trellien, man drücke sie denn hart mit der hand" -
Uteruslibroid (Gr w. vi, 2819). — 2. = (1725) die
Empfindung einer kugelförmigen Geschwulst
im Leibe nur Zeit einer Molenschwangerschaft
o. bei Cystovarium (Thes. san. l»r. 293). — 3. = der
Globua hystericus, la boule hysteri<|ue (s. Boll),
wobei die Nerven- Kranken die Empfindung
haben, ala ob eine Kugel oder ein Klosa vom
Magen aus längs der Speiaeröhre in die Höhe
steige (Kicbhorst II, 757 ff ). — A'ascn-Kugel —
die runde Nasenspitze (Gr. w. VII, -»13) (s. Birne).
— (1788) OcAsoi-Kugeln, 1. - Ilirachkugeln
(s. d.). — 2. — Gallenhlasensteine (Legend, f. d.
gem. Mann II. 173). — Schmotz-Kugel — Schmutz
Kugel; als solche stellte man sich den im
Körper „angehäuften" Krankheitsstolf vor
(Ilavaria II. 2 89s). — Kugel- ;trt"cr, -Gelenk.
kuggen (kuggeln) = kränkeln; zu Kog 3
(*. d.) (Westfalen; Gr. W. V. 1568. 1577).
Kuh, f- (Koei) (gem. ludogcrin. göw; dazu yrj -
Erde (Eckstein); geui.germ. kö; ahd. km»; mhd. kuo;
das schon von den Indogermanen als fruchtbares IJaus-
Uer gepflegte, milehgebende, weibliche Rind mit ilen
grossen Augen, einwärts gestellten Kulecn, vollem
Bauch , vlelfressend , In Herden weidend , von den
Bremen und Fliegen viel geplagt [«. Elben, Engerlinge]
u. Eptioolicn vielfach ausgesetzt, diente zu manchem
Vergleiche bei menschlichen und tierischen Körper-
AnomalU-ti, wie auch zum Bilde der Dummheit und
Plumpheit; ausserdem war es früher ein Opfertier
[l.urod] für die Dämonen (Lalstner II, 80ff.3 u. nimmt
als solches wie das Kind [s. d.] elbiscbes Wesen an,
L c. 98). — (1680) Schtceizer-Knh = Mulier mam-
mosa, wie eine Milchkuh aua der Schweis (Gr. W.
V, 2549) (Tutten, a. Peter und Paul). — Kuh-,
Küh- (Koel-) A der' , ■ A uge, ■ Bauch, ■ Dein, -Bla Her,
■Euter, -Fladen, -Flug ( Fluch ?), häckig, hässig,
■hoesig, Hunger, -Lecken, Ohrrn, -Peter, -P/lätter,
■Pocken, -sättig, ■ Tod, ■ Wunde.
Kuha, f. = Kuga (Böhmen ; slav., »erb.. Schelble
IX, 633), die Pestjungfrau = Kog und KuIhIuk
(s d.) (Gr. W. V, 1577; „den 81ovenen Ist die Vieh-
seuche Kuga ein scheckiges (anspielend an l'estblat-
tern V) Kalb, das durch sein Geschrei Kinder u. Schafe
tötet", Schelble IX, 038).
Kuhn s. Kahn.
kuien eu kauen (ahd. chluwan |s. d.], Boek 17).
— Kui- Ader*.
kulchen = kolchen, kolkern (3, a. d.) (Mittel-
rhein; Gr. W. V. 1614).
Kulen (Kuhle), 1. - s. Keule und Kaule. —
2. = (1425 cnle = fovea, D. 246 = Grube; 1507 ndl.
cuilken in die waughen, la cunula, O. 31«, 816 ; Lippe;
külken, Fromm. VI. 214) = Wangengrübchen. —
a(h)-kulig s. Keule.
Kulika, f. Kulk, f., 1. — Kolik (s. d.) (Kaminen ,
Koscgger) = Kinderkolik. — 2. = Kolch (s. d.,
Rheuma, Schnupfen) (Slederrheln ; Gr. W. V, 1612;
I). 497).
Kulleken, Kullen, kullern (zu iat. eotous;
grlech. koleos — Hoden [s. d.], I). 131 ; frz. couillon,
coulllets. Brlss. 60; 1607 kulleken - tesliculus, I>. 5S1 ;
15M; De Cock 37; Nicderl.) = die mit Rollen,
Schellen verglichenen, kugelförmigen Hoden
(Schm. I, 1232. 1238). — kullern et kollern (s. d.),
I der rollende Klang in den Eiugeweiden (Gi-
därmen) (Gr.w.V. 1619) (s. auch Kulen). — Kull-
Sack.
Kulpe, f. = (H. Jahrh.) Kolben, Haarschopf
(Erzgebirge; Gr. W. V, 1621).
knistern (anklingend an kolstern, kilsteru, kelstern
1 [*. d.) — Schleim auswerfen, Gr. W. V, 2588), 1. =
ein wenig husten. — 2. ^ schleimiger Husten
1 mit Auswurf.
Kummer, m. (mhd. kumber = Not, Belästigung,
Bedrängnis; 1561 Kummer), 1. =- Aegritudo, Schatten
(Gr. W. V, 2698; Scbw. 372; Tabern. 93 A) ; X. B.
WeisBllusB. — 2. = der Kümmerer = Hypo-
chonder, der sich stete bedrängt fühlt. — 3. =
das beschädigte Wild (hodenloser, schwäch-
licher, kaum genügender oder sonst un voll-
kommener Hirsch) (Jägersprache; Gr. W. V, 2602;
Schw. 372; Brehm III, 138; 1 und 3 zu kümmerlich
und kaum; indogerm. gü, gow, yv/co - klage; germ.
küml = schwächlich [wie wenig zu weinen]; ahd.
I kümlg m kraftlos, schwach; mnil. küine; Schweiz
| ehum; ndhess., westf. kyme — schwächlich. Kluge*.
18ü). — '..kümmert (14. — U. Jnhrh., nind. so we
I becummert i» au sluer lunghen unde sere hustet, J. f.
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843 Kumpf— Kante.
Kunter— kurren.
n«ld. Sf.r. F. XV, 135) = beschädig , schwach,
Mode. — Kummer-Maser.
Kumpf, in. (uhd chumph; mini, kumpf - Schale,
Napf, iiullo). 1. -= (na..) Praeputium, der Stumpf
der Vorhaut nach der Beschneidung (Schnuller
I, 1252). — 2. = aufgeschwollene breite Nase mit
eingesunkenen Nasenrücken (s. Kumpfnase)
(Schin. i. cod.). — Kumpf-Äaae.
Kunde, f. Kunden - Gnomon, die nacli dem
5. Jahre beim Pferde eintretende, schwarze
Kernung in der Krone der Zähne, aus denen
man das Alter des Tieres erkundet (Bohne,
Kern, Kennung, Marke etc.) (Mayer 33; Kalke
II, 50). —J (tische Knude - die durch künstliche
Mittel (t, B. Schwefelsäure) gefälschte Kennung
(s. o.) hei Pferden, tum Zwecke der Täuschung
von Pferdehändlern vorgenommen. — I//kunde
(mini, ilie heimliche Urkunde, Urkunde , Lexer 307;
1475, ndl. künde = testlculus, i). Mi), 1. = Genitalia,
die von dem Geschlechte Zeugnis gehen (vgl.
auch Kunter). — 2. = (1530 urknnd der krankhelt.
Besolt) = Krankheitsymptom. — Knnde-Rosen.
Kunder, n. (Kunter) (ahd. chuntar = Herden-
vieh; mhd. kunter — monstnim, Kluge5, 221) = das
Geschöpf (s. Kunte), das erzeugte tierische
Wesen, Ungeziefer, Ungeheuer, elhisches
Wesen, Schratte!, das in das Kuter der Kühe
beisst (Schmeller I, 126.'.) und auf Kunterwegen
haust. Hexen- und Teufels-Kunter (Alpbg. ixj
sind Bezeichnungen des Volkes für Hexen- oder
Teufelsbrut. — cisslich Kunder = schreckliches
Tier.
Kunft, f. t'goth. gaqumtbs; ahd. kunft; mhd.
kunft, ein Vcrbalnintrnktum zu kommen [». d.),
Kluge5, 220). — (10. Jahrh.) ;l/7fT-Kunft- Hinter-
kommenschaft , Nachkommenachalt ([Ioffnuoo
1, 367). — NU «/Vrkunft (harte) - das Nieder-
kommen (s. d.) auf das Geburtslagcr, die
Schwere) Kntbindung daselbst (Georg. 445 ; Gr. W.
VII, 769).
Kunn, n. Kunne, f. s. Kunt.
Kunst, f. (zu können). — lateinixche Kunst -
Arsch (ars), Anus (13. Jnhrh.; 1616; D. :i9; lat. ars
= Kunst). — künstliche -Blatter», -Mauke.
Kunte. f. (Künte), Kunter, m. [ra können
[«. d.J, vermögen [s. Macht); germ. kun - gebaren ;
goth. kunnau, kunl; angls. cunnnn — können ; eennnn
— gebaren, erzeugen; ahd. kuunan.ehuntii, kiinni, uibd.
kunnen, kiinnu - Geschlecht, Kluge*, 100; altsacbs.
kun = iexus; 1260 kunte - Tcretrum, vulvn; könne
-sexus; 14. Jahrh hubs kune = Hubscherlu, Freuden-
mädchen, Schindler I, 1010 ; 15. Jnhrh. kunne = sexus,
kynttc - veretrum, D. 5:12. 612; ndl. conte — vulvu,
l). 6ü-j ; konde = testiculus ; gekune = sutyrion j D. 614.
6*1; 1611 koulich — geschlechtlich vermögend, Z. d. V.
t. V. K. 1896. 428; Tirol kuntin - Geliebte, Fromm.
vi mm — Kunne, f Kunn, n. 1 männliches
' * Kunte, f., m. f weibliches
Geinächte (Vulva, Veretrum, Testes, Satyrion),
als Organe des Geschlechts Vermögens, Könnens
(ScuwcUor I, 1258). — Kunter, m., 1. = Penis
{15. Jahrh. ; Liebrecht z. V. K. My). — 2. = Un-
geheuer, Monstrum (Kluge 221; Schm. I, 1265). —
(15. Jahrh.) menschliche Kunne (Kon, Könne) ^ |
Sexus, Geschlechtsvermögen (d. 532). — Weibes-,
Joannes Kunne (1475, ndl. maus ind wijfs kunne,
D. 346)= weibliches od. männliches Gesehlechts-
glied. — LVku&de s. Kunde. — Kon-Mann.
Kunter, n. b. Kunder.
Kupfer, U. (7. Jahrb. altes Lehnwort an.« lat. cup-
rum 3. Jahrh.; man sagte auch Kupperwein lür Kypcr-
wein, kypruu«her Wein.Klclnpaul, Mittelalter 218; Muller,
wisstnMh. d. spr. ii, 221). — kupfern (knpfericht)
= rot wie Kupfer, kupferfarbig; daher Kupfer
= finniges, rotgestipptos Antlitz (Gr. w. V. 2:59 ;
Scbw. 373) = Akne (= Akine, Kappe; Akne Ist Ab-
Schreibfehler bei Aetius) rosacea (s. Kupferhandel)
(Akne potatorum) (Heyne III, 616). — Kttpferüng,
1. — ein Mensch mit Kupfernase (s. d.). — 2. =
die kupferrote Nase selbst (Gr. W. V, 2765). —
Augenlid- Kupfer = Akne palpebrae, roter Fin-
nen-Ausschlag um und auf den Augenlidern
(Sobemh. 344). — Nasen Kupfer = das ünnige,
durch Akne rotnasige Gesicht (Gr. W. V. 2759;
VII. 413). — Kupfer-^n^e*4cA/, -Antlitz, -Aus-
schlag, -Blume, -t\nne, -Flecken, -GesicJit, -Ge-
werbe, -Handel, -Kolik, -Maul, -Nase, -Rose,
-Schmied.
Kuppe, f. (Koppe) (Nebenform zu Koppe [Kopf]
= Spitz« . Äusserstes Kode). — Küppchell (1615
kippchen, Colerölö ; v. d. Hühnern) = äusserst feines
Spitzchen der Hühnerzunge (beim PipB). —
Finyer-Kuppe - Fingerspitze (Or.W. V, 2771; finger
kopp = coppn, D. II, 113). — Ärü</c/-Kuppe (dous)
= ein Fingerschwär, Steinachwär, mit einem
Ix>ch (Panaritium) als ob ein Nagelkopf darin
Stäcku (De Cock 39; V. K. IX, 95; ndl. nagelkoppcn).
- (1741) Nase- (Nu»-) (f JJJJJ - Nasenspitze,
Pirula (s. Birne), Orbiculus nasi (Gr. w. VII.
413 ; Levetlug 329; K. a. 87; Kirsch 913).
KUT, f. (um 1500 aus lat. curare entlohnt, Kluge *,
221; in Arztkreisen gebildet und daraus popularisiert ;
1722 churen, Tiber. 373). — In der Kur (-Stube)
liegeu = an der Franzosenkur (im Holze, s. d.)
liegen. — (1618) er kuriert ■ ist krank (St. Kenn.
Mir). — Kur-6VAmicd.
Kurbe (Kurbel, Kürbsen) (abd churba [cum,
curvus] ; mhd. kurbe, Kluge 221 — krumm gebogene
Handhabe zum Drehen), 1. =ein das Sprunggelenk
hemmender, dieses zur Krümmung biegender
Knochenspat am oberen Knde des Pferdeschien-
beins (Korb 2) (Zipp. 117; Falke I, 191). — 2. = la
courbe, la eourve = tuba, morbus cquinus subtuscaput
in nmguo posteriore nervo «Uqan putrefactionem
faclena per [pwn longitudinem nervi, Du fange VIII,
202j - Nacken-Haut -Geschwür am sog. Degen des
Pferdes, wobei der Nacken krumm gehalten
wird. — 3. = Käcbkrankheit (franz. courbes,
.«eb. 17>i ; lievre de courbature, de fatl-jue, Ilriv;. Ia2>
Gliedersteifi.eit, Kürbsen, hinkend Web, Glie-
derkrümme. — 4. - Hasenhacke (s. d.) (Seb. 176).
— Kurbel = Oberlippe, die sich aufwindet
beim Kssen, wie die Kurbe am Brunnen (Hyrtl,
k. w. 123). — Kurbel- Grublein.
kurren s. gurren und knurren (1712 ; Uoflm.
VI, 297; IM»; Colcr W. 364).
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Klirrfes— Lab.
Kutte— Lach.
Bit
Kurrfes(Kürfls, Kuirfes, Kuerfes.Kuerses)
s. Gur, Fose und Fress.
kurrlen - sehleimrasseln, rOcheln auf der
liru*t (lautmalende Bezeichnung, Duck 19).
Kurve, f. s. Kurbe.
kurz (ndl. kort = trächtig, bedeckt [von l'lerden],
voll, im < ieg< 'usatz zu lanir, niagcr, leer, nicht trächtig,
De lock Kolklore). — kurz(e)-(j/»»''/. • Brühigkeit,
•gekegelt, Gesicht, -Kopf, -luftig, -Kippen,
-Schädel, gichtig, - Weil, - Würmer.
Kuschel, f. vermutlich = Goschel (s. Gosche),
Fetninal (Schm. I. isoi; Nonifr.).
Kusel, m. f. — eine Pferdekrankheit (Schm. I,
1303; noch nicht erklärt ; vielleicht zu nachfolgendem
oilcr nl» Dusel zu lesen).
Kusel, f. - Kuli, Kalb (Frowin. VI, 433; Tirol;
ltuck 9">).
Kust, f. (Indogerm. jus ss erwählen, (rem hüben ,
VurKcrui. KU» [gustare] , nenn, kus [kiesen, Kost],
Kluge*, 1«J5; ahd. kust delectus. electio, <;ralT IV,
511; hieher wohl kusg -- den* molaris, L>. '><H) ; Kost-
«ahn, Mahlzahn). — Ab-K\l&t (ahd. a kust, a chustl
— Vitium, dolus. passio, pravus appetltus, iusanabilis
mall |>estc, (iraff IV, "d4. M.*i) (s. Gust).
Kuttel, f. (Kutteln, pl.) (*n goth. quithtw =
Hauch, Kluge*, 1W5; ahd. cudel, cuddel ~ Darm der
Schlachtliere [colon], Crafl IV, M6; Uftfi kuttlen —
omosium, I) II, 271 ; lluö kuttlen — intestina, omasum
Colon, Hyrtl, K. W. 101; hieher? IV Jahrh. kutle;
udd. . cunnu», D. Ii«; K«31 kutteln, D.3W), 1- Kai-
daunen (h. d.), Menschen- und Tiergedärme
(Or. W. V. 2896. 2900; C. r. Schm. 330 j engl, gut ; holl.
! kuit; altnord. kloet ; »chwed. koett; dilti, koed, kioed,
Fromm. VI, 280) (vrgl. 1 jutti, Kotüeisch). — 2 =
Waden fleisch. — 3. = ISaucheingeweide über-
haupt. — Kutt(el)- Dann, -Fleck, -Sack, -Übel,
- Werk.
Kutte, f. Kutten, f. (zu Kenn, kotta; ahd. chozzo ;
mhd. koize, kulte — Mönchskutte; diesen weite Ober-
gewand | Kutte] Ist wohl übertragen auf da« weibliche
Wotlenkletd [l'nterrock — Ilannsol, a. d.). das die «ienl-
tallii temin U verhullt; daher [wie llnnnsel] IS, Jahrh
kulte; ndd. = cunnn«, D. 163; II, 124), l, = Fcminnl,
Kuttcrl (Schm. I, 1312; tjuitzmann, Itelig d. Baiw. 90).
— 2 = 5c25Jm \ = Waden (8" Keut u- KuWcl 2)
(Düsseldorf, Ostfriesland ; Coldschm. 156). — gelbe
KÜttel H. gelb (die gelbbailcbigen Suhlen (s d.]
stricken [wie die webenden Nomen] mit gellten Nadeln
gelbe (iewander, die sie als (Jellwuchtsfarbe anhangen,
oder — berühren, bestreichen mit der lielhsucht). —
I Stolpe- kutten [1420, ndd. Itolpe kutten = crimiarc
D. 1.18) = kreisten in Actu eoitus, ob ingentem
phallum in ennno (s. stöpseln, Pfahl und
Stolpe). — kutten toll.
Kutz s. Külz.
kutzeln s. kitzeln.
kutzen = kotzen (<;r. w. v, im;).
kuvern = kobern für. w. V. 1517).
elu Kuehstabu, <ler die glatte, gleitende, Schlüpfrige Natur Itiullich wiedergibt, daher <lie Lähmung*- und
Sprachfehler unter dieser Abteilung am meisten vertreten nind (conf. Klcinpaul. Strumgebiet; *. lispeln).
L- Sucht.
Lab, U) , Ii. (allgerm lubja — starke, scharfe l.s«cnz,
rihtnieusafl; angeln lyb - Gift; altnord. lyf = Arznei ;
engl. Up; ahd. luppi a todlicher Saft [s. luppen] ; lab
— Ilriihe. Kluge *, 2.'.;, mhd. lap, lab - sauere Flussig-
keit, Blühe, Üb; 1IM lob = Magenlnb, Zcn. Voc. r8),
1. — der von den Lab/.cllcn der Magenschleim-
haut erzeugte Magensaft , der intensiv sauer
reagiert, aus der eingeführten Nahrung den j
Speisebrei (Chymus) bildet und die Milch
(auch wenn der Magen getrocknet int) zum
Gerinnen bringt. — 2. = der sogen. Labmagen
beim Wiederkäuer, iler dieses l.ah 1 liefert
(echlnus, Kraus, E. SM; abomasus, J. P. Frank VI, 3.VJ) |
( - Lab, in.). — 3. = Salzw asser (Sehmeiler I, 1 H)2).
— Hasen-hsib — der, w ie die verBcfaiedeneu Lab*
(l>eb- krauter (- Galiuni), zur Gerinnung der
Milch verwendete Mayen des Hasen. — Käse-
Lab (ahd kä»i luppa; mhd. ka«e läppe nihil, kikse-
lap, Kluge*, 22.1; engl, cheesc Up ; angb. cys-lyb) =
der da« Geäse des Viehs mit Milch zur t.erin-
nung bringende, die Kaseerzeugung möglich
machende, scharfe Saft o. Uagentoil (s. lflp|H.>n). i
M • ; ■>. Lab = der tierische Magensaft oder der |
Labiuagenteil, welcher die Milch zur Gerinnung
bringt K,r. w. VI, >). — Lab ,
Labbe, f., 1. - Hängelippe. — 2. Mund-
lippen, Mund (s. Laffe u. Lappen) («;r. W. VI, i).
labet (lawed) (zu faire la bete, far la bestla;
17. Jahrh. im Karleuspiel matsch Werden ; (davon)
lahei entkntftet, krank Si hm. Her |, IIOJ, seh« .
376; (ir. W. VI, 8; henneh. Ia«<"ct, Spless II, Uli).
Labratsch, f. (Tirol; Fromm VI, 431) „verächt-
lich Gesicht, Mund wohl aus einem it. labbraeioV"
= dicke Lippe.
Lacerten , pl — (Iweruis [der Oberarmmuskel,
lacerta - Kldei hse]; frnn«. la rate, 1a sourls, die sog.
Maus [•. d.J; 15. Jahrh. lacertiis - llliilerarm, D. 642)
Muskelbfindel [Fries 7«), das Mttualein, Fleisch-
maue, Maushein namentlich am Oberarme,
Kllenbogen, Schullerblatt u Schienbein (D. SM).
Lach, n , m, Laechen, n. Laeck, f. (ahd. iah
Meikmal, laha ■ signa, Du tätige V, 11; Gdfl II,
UM). 104; mhd. daz lachen — Heilung bringendes
I Zeichen; 1618 lecken — malo, tnfortuuio multare
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844 lachen— lackizen.
Lade— Latsche.
[■trafen] = ein Lock {Schandfleck] setzen, Schmeller
I, 1432. 1434; [s. Laub]; dazu lahhi = der Arztflnger,
Arzt; lohhinon, lahlnön = uiit dem Arztflnger all Heil-
mittel ein [mennigrotes? s. Zauber] Zauberzeichen
machen, wie die geritzten Runen, »oaueh den kranken
Teil zauberisch [rot?] bestreichen). — er hat einen
Lach von Geburt aus (holl. Utk = Gebrechen, viiinm)
= er hat einen angeborenen, kranken, bleiben-
den Miss- Fleck, einen entstellenden, chro-
nischen Fehler. — Lack , Lacken (Lecken), m.
= Zeichen, Flecken, Mal, Schaden, Kiss, Wunde,
Gebrechen (Alpbg. 262). — GVlack, GVlachet -
viele solcher locken. — Kör(l)-, Kot- {Kuh)
Lacken („kehrlecken" bei Zingerle 27; koilecken :
„ein Fehler des Haares beim Menschen oben an clor
Stirne, der darin besteht, dass einige Büschel Haare
struppig sind und sich nicht legen wollen, Z. f. Ö.
V.-K. 1896. 8. 280) = Flecken oder Blatleruial an
den Lippen, Lippenhaaren (s. Neidhaare), die
Bog. Nachtbrand blättern (Herpes labialis), die
man nach dem Volksglauben in Tirol bekommt,
wenn man von einem Geiste (s. Nachtmännlein
und Unslätten, Kuh) nächtlicherweile „an-
geblasen", angeleckt (s. d.) oder geküsst wird
(der Herpes labialis Ist bei Ftthn Witterung häutig zu
beobachten). Bei den Norwegern heisst eine solche
böse Lippe: dankjys = Totenkuss (Liebrecht, z. V.-Kd.
310), hei den Franzosen becquertau (s. Baumhackel,
Brlss. 131). — (1839) Lähm- (lam-, Jaim-)lachet
(lacket) (Oberbayern ; Schm. I, 1171) = mit auffal-
lender Lahmheit behaftet, gebrechlich, lenden- 1
lahm. — (Vergl. Lecken, Loch, Laub, Laxner).
lachen (vorgerm. klak [onomatopoietisch]; germ.
hlah ; ahd. lahhan; mhd. lachen, Kluge", 223; engl,
to laugt); lauKhlugbysterics = hysterischer Lachkrampf).
— bitirr lachen (1582 den Hanenfuss nennt man
auch Apium rlsus, well es sich vergleichet mit dem
Epff, vnnd dass die Jenlgen, so es essen, darvon sterben,
vnnd gleich sehen denen die da lachen. Item Surdoula
Ucrba, dleweil es zu Sardls vbertlusslg wachst, daher
das I'roverbium kompt, Sardonius rlsus, das ist ein
bitter lachen, Lonlcer. l'J'Xi = sardonisches Laclien.
— llumls - Lachen = Kisus sardonicus, die
krampfhafte Yerziehung der Mundwinkel, wie
bei einem die Schnauze aufziehenden Hunde,
als ob der Kranke hündisch, höhnisch lache,
z. Ii. beim Trismus, Lyssa (= Hundswut, Hunds-
krampf). — 2fr«m/>/"-Lachen = s. Uundslachen,
Mundkrampf, Lachkrampf. — (17S2) sardonische»
Lachen ■ das Ansehen des hühnisch bitteren
Lachens beim krampfhaft verzogenen Munde,
wie er sich einstellen soll nach dem Genüsse
des in Sardinien wild wachsenden Lacheppichs
(Hcrba soidonlca — Ranunculu* bulbosus L. oder
scelcratus, Kraus, E. 918; Roll. 67) oder gleich dem
boshaften Lachen det Bewohner der zu Homer s
Zeiten schon bekannten Insel Sardinien (Homer,
Odyssee 20. 302; Schräder 361; Westcrni. Mon. -Heft
1876, 8. 593; Rol. 67 mit Literatur- AiiRabe; M. H. L. I,
693; Merklin, d. Talossage 1851; Demnkrltos I, 4'J). —
Lach-GrtfocÄf«, -Krampf, -Zahn.
Lachner s. Laxner. — Lachner- Wurm.
Lack. — Lack- Feuer.
lackizen (zu l-ach [s. d.]; 1717; Abroh. II, 105) =
fehlerhaft, lallend sprechen.
Lade, f. Laden, m. -laden (vorgerm. lat^ Brett;
germ. lath [Latte, Geländer], Kluge*, 133. 223, Grund-
bedeutung: Bretterkasten; ahd. Inda ['!] — Behälter,
Kasten, Fensterladen ; mhd. lade, laden — bewegliche
Vorrichtungzum Aufladen grossererod. kleinerer kisten-
formiger nehitlter; damit verglichen) 1. = der Unter-
Kieferknochen als Zahnbehalter in beweglicher
Form. — 2. = die grosse Lücke, die leeren
Zahn lieh alter zwischen Backen- u. Vorderzfthne
(Hackenzahne) des Pferdes, wo man die Pferde-
Kinnlade mit den Händen öffnen kann. — 3. =
(1783) der Brustkorb uder Brustkasten als be-
weglicher Lungen hehftlter (Levellng; Gr. W. VI,
38; Hyrtl, K. W. 93; Mayer 30; Falke II, 64). — Ader-
Lädlein - die wie Fensterladen beweglichen
Klappen- oder taschenförmigon Aderflflgel in
den Blutadern, Valvulae venarura (Hyrtl, K. w.
211). — Maden — betrunken, „er hat schwer
geladen" (s. Säbel). — 2. = belastet mit einer
Krankheit, z. B. mit Steinleiden (1682, Lonlcer. 30).
— JSrof/ Laden — Mund als Speise aufladendes
Organ. — Kiefer Lide = Kinnlade (Heyne III,
533). — Ä'wm-Lade(n), 1. = der Unterkiefer mit
dem Kinne und Kinnbacken als beweglicher
Zahnbehälter. — 2. = (1787) übertragen auch auf:
Oberkiefer als obere Kinnlade (Gr. W. V, 779;
Falke II, 12). — (1843) üoer laden = bei stark vor-
springenden Muskelpartien am tierischen Kor-
per, als ob das Tier zu stark belastet wäre
(Falke II, 383). — U'i'x, /-Laden = Bronchus, Luft-
röhre, mit den Windladen der Orgelpfeifen ver-
glichen (Hyrtl, K. W. 107). — (1761) Zahn -Laden
= Kinnlade (s. d.), Bothrion (L. chlr. n). —
Laden- Knochen, -Krankheit.
lächtig s. Lage.
Lacken s. Lach.
Lad s. Leid,
Läffli, läfhg s. Laffe.
Läger s. Lager.
Lähme - lahm.
Lalle «. lallen.
Lämmer s. Lamm.
Lämpen s. Lampen.
Läpen s. Lappe.
Lärcher s. 1/ercher.
Lärm (ahd. lannlda — cnliiinitiis , GrnlT II, 215)
= Jammer. — es lärmt - die Gebiutsstunde
mit den Kreischwehen oder die Geburtsnot be-
ginnt (Gr. D. M, II, 1111).
Läat, m. s. Last.
Lässer s. lassen.
Latizel, n. = ein Kuchen- oder Zeltlein ähn-
liches Gebilde, an dem sich das Fohlen ge-
wissermassen erfreuen (lat. laetare) soll; das
Fohlen in der Eihaut schluckt solche, in der
Allantoisflüssigkeit frei umherschwiramende,
abgelöste Kihautgebilde (s. Fohlengift, Fohlen-
brod, Zelllein etc., Hippomanes) in das Maul
ein, wo sie von dem Landmanne mit Kifer ge-
sucht werden; (sie sollen ein Aphrodistacum und
milchverinehrcnd sein, s. Nutzen).
Lätsche s. latsch. — Latsch- Feige
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lätzen— f,age.
Lager — lahm.
S45
lätzen s. Latz.
Läufer s. laufen.
Läutere s. lauter.
Laf, f. b. Lauf.
Laffe, f., cd. Laif, Laffen, L affer, ni. Läffli
(Nebenform tn T-abbe [*. d], „zurückgreifend auf die
Vorstellung eines Schopf- oder Schlurf -Gefasses", aus
dem man lappelt oder In kleinen Zügen trinkt, Schm.
I. 1496; Gr. W. VI, 7; gotb. löfa = Bache Hand, Kluge '
242; ahd. laffa — palma, palmula, Graft U, 205; lappo
= flache Hand, Kluge *. 29 - Werkzeug des Schlürfen«,
Schlürtgerat« und »war) 1. = die flache Hand,
Manu» aperta 8. cava, Gaufe, Galfe. — 2 - der
«um Klaftern oder Schlürfen benatzte Ann
(Lafter). — 3. = (ausgedehnt) daH Schulterblatt
beim Rindvieh (Schweix. Schwaben; Gr. W. VI, 57.
C. v. Schm. £»). — 4. = Lippe, Mund (a. Lefze)
(Heyne III, 536). — 5. Laffe, tu. = Kretin, I,appe
mit heraushängender Zunge u. läppisch redend
(Aargau; Z. f. d. Philol. III, 336). — 6. = B. Lauf U.
Löffel. — laffern (UM lafern = balbutire, 1). 76) =
läppisch, ungeschickt reden. — läffig Schulter-
(Laffe 3) frei, besonders vom Kinde, dessen
Schulterblätter flügelförmig abstehen (Falke n,
M. 293). — Laffer (15. Jahrh. bibuloi, D. II, 52) =
ein schlürfend Trinkender.
Laffet, n. s. Lauf.
Lage. f. Läge, f. (Lege), f. (ahd iäga; mhd. i«ge
— Legnng [Kluge5, 224), die Art, wie etwa« liegt; der
Ort, wo etwa« liegt; die Notwendigkeit tum Liegen;
ahd. lag! ,,«i coxam ruperit supra geniculum [= frac-
tura fcmorla] hoc est lagi", so dam der Betreffende
«um Liegen kommt, «Jraff 11, 101). — ab-, onlächtig,
lägig »ein: L. = (1420 ablegiger o ignavus. 1). II,
209; 1.-07 delirium, Hort, »an.) in schwerer Krank-
heit, ■' B. im apopleklischen Koma somnolent,
teilnamslos in Seitenzwangslage darniederliegcn
und (Fieber-) Delirium haben. — 2. = kraftlos,
schwach durch Alter oder Krankheit sein und
im Bette zur 8eite gegen die Wand gewendet
liegen (s. aufgelegt) (Scbmeller I, 142* w>z 1450).
— Anlage ■ Neigung zu etwa», Disposition,
Oiathese, Körperbeachaffenheit, Konstitutions-
anomalie. — /- lag. m. = das, was auf einem
Gewebe liegt, Kroup-, Pilz- Membranen im
Halse. — faUche Lage = eine regelwidrige, ab-
norme Lage eines Organes, Kindes in der Ge-
bärmutter, dieser letzteren selbst etc. — Fuss-
Lage = l'artus agrippinus, die Art des Liegens
de« Kindes mit Füssen voraus bei der Geburt
(s. Kubs- u. Steissgeburt). — (1632) Gelegenen/
=> die Art uud Weise, wie und die ganze Ge-
gend, wo etwas liegt, z. B. die Nieren (Fries IIS).
— ÜLrN'lVLage (ahd. kind*leceo; 126« ehlndelegc ;
mhd. kindelege. ehindelage, chlndelege, kintlcgc,
I.cxer Schmeller I, 14561, 1. = die Gebärmutter,
Matrix et Vulva («. Wamme) als Ort od. Stätte,
wo das Kind im Mutterleibe liegt. — 2. = (Schul-
ansdruck für): die Art, wie das Kind im schwan-
geren Uterus liegt (<Jr. w. vi, 59). — 3. = s. liegen.
— Lcovr-Lage (s. — 9. Jahrh. lebariago = uterinn»,
Graft* II, so. 94) ■ die im Uterus liegende Mutter-
leber, Bürdeleber oder Loberkuchen (s. d.),
worunter man die Placenta (Mutteikuchen,
Nachgeburt) verstand. — .YiViiVr-Lage = das
Zuliegenkommen infolgeciner Krankheit (H. Paul
32S). — (1783) Qno--Lage = eine (iberquer befind-
liche Stellung des Kindes in der Gebärmutter
der Schwangeren oder Gebärenden (stein II. 113).
— (17S3) »chief e Lage (der Gebärmutter), die
man früher als Ursache der Schieflage des
Kindes bei der Schwangeren annahm = schräge
Richtung der Uterus- Axe (stein II, 39). — siech-
lägig (mhd. siueblaegc, I.excr 230; - krank, auf
dem Krankenlager befindlich. — (17. Jahrh.) Un-
Gelegenheit - abnormer Zustand des Körpers,
eines Organe« (F. K. B. 296). — un-gel&chsen
(-loxen) = abnorm, fehlerhaft, thoricht (Schm.
I, 1427; ob hlehcr?).
Lager, n. Läger, n. Leger, n. (ahd. legar; mhd.
leger, Kluge*, 224; 15. Jahrh. lager) = der Ort des
Liegens, Krankheitssitz (1699; v. M. IV, 124). —
lagerhaft = lecto afflictus, clinicue = bettlägerig,
krank, siechlägig (Gr. w. VI. es). — (1730) seines
Lagers leben oder sterben (Z. A. 52) = an einer
Krankheit genesen oder sterben. - j^™"
Lager (angU. luudleogan , lculntlegü = renuneuli,
u. II, 316) — das Fett, in welchem die Nieren
und Neben-Nieren liegen (s. Gelegenheit). —
.Yof-Lager = das Krankenlager, die Krankheit,
die den Menschen nötigt, sich zu legen (Gr. w.
VII, 910). — Lager- Fuber, -Krankheit, -Ruhr,
•Seuche, -Sucht, - Typhus; (s. auch Leger).
lahm, Lähme, f Lahn , f. Lähmde, f. lähmen
(,,cin Wort, deinen mhd. ßrdeutung uralt ist" [Kluge *,
224], wenngleich innerhalb der indngerman. Sprachen
es keiu allen gemeinsame« Wort für ,,lahm" und
andere Gebrechen gab", Kluge*. 34; ahd. lahm —
claudui, gliederschwach, paralyllcua, hydropicus, do-
bili». 7.-9. Jahrh.; Caan. GIom. ; GraflII,2lO; 10. Jahrh.
lemi — fragmenlo membrorum pati, Graff 1. c. ; 1192
lerne = detrimentum membrorum; 1260 die lern an
den fuezeu oder an den handen oder an der ge-
swulste [Pfeiffer **! = lahmende nand- oder Fusz-
gcschwulst; 1276 lern = perpetna laesio, Haltaus; 1294
lern =■ unheilbare Wunde am Korper, Schmeller I, 1471 ;
13. Jahrh. lern — defectu*, bayer. Landfrieden ; 14. Jahrh.
lainer = cllnlcus \D. 127). gliederschwach, gelahmt;
mhd. meist nur als Folge von Trauma oder von ganz
auffälligen und schweren Infektionskrankheiten; ndl.,
II. Jahrh. lam = elaudtis, l». 126; 1417 lame = clBudi-
carius, 1». II, 95; 142i lemde — strafbare Verleitung,
Hultau« ; 1499 lemnlsse — Kampferwunde [s. d], Haltaus
1154; 15. Jalirh. lembde, Gr. W. VI, 71; mhd. lerne,
lemede, lern = Lahme, Lahmung, gelähmte Glieder,
laesio perpetua, enormis laeslo, Mon. Iwlc. V, M; lim,
1500 lern — syphilitische Glledemch wache. Fuchs I, 320;
1506 frantzosen un<l die luom, Inchenh. Mir.; s. B. z.
A. F.. I" Bayern* 1S94, S. 67. 82; 1507 lemde - krumme
«nieder. Gelenkkontraktur, Hort. san. ; 1518 laemy zu
teutsch paerlln [ =s paralysln] „das ist nicht der schlag
als viel wuhnen, [sondern] "las Schlafen der Glieder In
den Zyeh-Adern oder Schlagadern und ist die l'nver-
mogiichkelt derselben Schlagadern", H. v. Gersd. 88
- fnnktlonelle Gliedernnfahigkelt infolge von Ver-
ttopfung oder sonstiger Veränderung in den Blut zu-
fuhrenden, das Glied ernährenden Adern, die aich als
sogen. „Schlaf" [s. d. , abnorme Empfindung] dem
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::n; lahm.
Kranken bemerkbar macht, 151t liu-hin ■ syphilitische
t.licdcrachwaehe, luchi I, 349; Sehmcller I, 1471; 1529
die lecmin [l'araeclsus], lemyng, f. [I. c .]; 1533 leinl im
schiubeyn - syphilitische Schwache iluri'h Knochen-
krankheit nm Schienbein, Fuchs I, 372; 16(11 laome =
morbus articulnrum rbeumaticu* , Ostitis syphilitica,
tir. W. VI, 75; IT. II, S2; 17. Jahrh. laehrolHle, laerome
= der halbe Schlag [Dasypodius), (ir. \V. VI. 7»; ItilÄ
lebnn* — paralysis, opoplexiaui sci|ueni, Coler, II. A.
107; 1712 I.achmc folgt meist auf andere kränklichen.
Schlagfluss, t.leichsucht, (Jichter, Ciallengrlmmen, ist
mithin ein Zufall [ - Symptom] vieler derselben =
Monte, l'arese; Zw. 828; 171» Lähmung ist eine prac
tische Zaubcrcy des Teufels, Masehenb. U-'»U ff. ; engl.
lnme = lahm, i-ehf. oa). — lahm, 1. = glieder-
seh w ach im allgemeinen, im Gebrauehe der
Glieder gebrechlich, hinfällig, ungeschickt, na-
mentlich nach Verletzungen oder auffälligen
Krankheiten. — 2. = im Gebrauehe einzelner
Glieder durch Kiiochcnbruch (conf. engl broken-
hauded — lahm, Kaltschm. ; 15. Jahrh gelemet —
luxatus, D. II, 212; niss, loin.'ita — nilederreissen,
Klug« L e), Luxation, Gelenk - Entzündung,
Hhetima, Knochenkrankheiten, Geschwulst,
Wassers lieht, (erst spater) Nerven lähmung, Seh lag-
fluss, .Sonnenstich etc. behindert, paralytiens,
atonicus, attonitus, sideratus — sidere afHatus.
3. eingeengt auf: fusslahin (-bah, s. d.) oder
hinkend (claudus, cossus, contractus; mal
St. Claude), weil die untere Extremität am
häufigsten Knochenbrüchen ausgesetzt ist. Der
«ilaube früherer Jahrhunderte schob die Entstehung
solcher Lithme ohne ilewusstBcinstoruiig ulcht so fast
der Einwirkung eines Danioncnschlages (», Schlag) zu,
ul* dem Einflüsse von elbischen Wind- und .Sturm-
gotlhcitcn, den Sonnenstrahlen (s. Strahl, Schrnttlein
und l'feil) und <testlrtien, sprtter wohl auch der Macht I
des Teufels (s. d.) ; allerdings ist der einäugige (Sonnen-)
Uotl Wodan der Vertreiber und Ueherrscher der Elben.
In der Kdda ( Alvlsmal 17; Jordan 157) wird die Sonn©
,, leidige iJthmerln" genannt, die namentlich die licht-
scheuen Nachttrollcn mit ihren Strahlen lahmt, wenn !
»le an« Tageslicht kommen; auch mtl. sideratus
sldere afllatus ist — verlahmt, Schlag, Tropf, genihrt,
schningcrstorben (D. 533) durch den Einfluss des <ie-
stims. — lahmen, lähmen, lähmden:»hd icmj.m.
mhd. leinen; 1120 lemdeu = mutllare. D. II, 200;
15. Jahrh. lemmen ; 1«. Jahrh. laemmen, <ir. W. VI, 76),
1. — deltimbare, lahm machen durch Trauma
2. — lahm sein, lahm gehen, hinken durch
Trauma (spat erst durch Teufels Kinlluss; t;r. W. VI,
75; VII, 1S77) (s. -balz). — Lahme, f. (Umede,
Lämbde) = der Zustand des molor. Lahmen»
und zwar : 1. = Iah mungsartige Gliederseh wache.
— 2. — konstitutionelle oder Bckonvaleszenz-
Scbwiiche im allgemeinen nach ganz besonders
auffälligen Krankheiten. — Ii. = Behinderung
im Gebrauche einzelner Glieder (l'.eweiiungs-
stürung) nach Trauma, Kiwu-hetifraktur etc.
durch Rheuma auch ohne besondere Oitran-
verflnderung, ohne Kmpfindungs-Anomalie (r.7»i
„bMPmieri. wann ein ülled kelue Starke mehr hat
und zu schwach ist etwas zu lieben ••der zu lupfen",
Theophr. Ilod.). — 4. — ilie Knoehensehw äche bei
Kliachilis der Haustiere (Samuel 127). — lähmig
(1531 lemig, Krautw.) _ mit der Lähme, l'odagra ,
lahm.
behaftet. — Lahmheit = das Lahmen. — Läh-
mung (16. Jahrb. lemynge — muiilaiio, D. U, 260) =
jede pathologische Abnahme in der Erregbar-
keit der ilie Bewegung und Empfindung aus-
losenden Nerven (Paralysis) ; war die «nbjekti ve
Empfindung dabei gestört, ho wurde dies früher
der „Schlag*' (s. d.) genannt. — lähmern -
etwas lahmen, sowohl motorisch wie sensitiv;
daher auch = ilie taubpelzige Empfindung der
beginnenden Lähmung haben (rioldsehtn. 119).
Volksetymologisch ist in den Niederlanden St. Lain-
bertus (Lambrecht) l'atron bei der Lahmheit (HeCock
39. 314). — Lamech - ein lahmer, unbeholfener
Mensch fllenneb,; spiess n, i ie>. — «//-lahm —
dudum claudus, durch das Alter gliederschwach,
hinfällig (<Jr. \\. I, 273). — arm-lahm = am Arme
motorisch gelahmt. — //rm-lahm = knoehen-
lahni, fusslahm. — lähmen (mhd. beleraen,
Lexer ir.) - durch bleibende motor. Lähmung
oder Gliedcrsehw üche verletzen. — fcflähmern
= durch Ansteckung, Befleckung allmählich
lähmen. — itfaff-Lähme = am Scbulterblatte
lahm, Brustlähme, Buglähme [Fulke I, 126), —
Blei-Lähmung — Lähmung einzelner Muskeln
durch Bleivergiftung. — .Brn.s/-Lähme, -Lahm-
heit ■ Buglähme. — -ßii'/Lähmung, -Lähme
[es claudus armo, Cr W. 11, iit6) = durch Rheuma
oder Verrenkung (Trauma) verursachte Behin-
derung der Bewegung der Brust- und Schulter-
muskeln (Bug beim l'ferde), oft mit nachträg-
lichem Muskelsehwunde (Falke I. 101). Die uralte
Behandlung derselben durch Anblasen, wie es die
Sehmiede thun, lusst vermuten, dass die rheumatische
I.iUminiiK dem elbischen Wiintdikmou zugeschrielien
wurde. — Eisrnbtihn- Lähmung - ilie durch die
beständige Erschütterung in der rollenden
l Eisenhahn verursachte Erkrankungdes Kücken-
marks mit Lähmiingserscheinuntren (engl.. UM
railway splne, Ivrlchsen). — fr -Iah tut (1569 vom
paralys erlahmete glleder. Or. W. VII. H5S; 1515, 1.21
erlernt, erlaraat - mutllatus, verstümmelt, ü. 374) -
vom Schlagflusse lahm gewonlene Extremi-
täten, auch durch Klieuma, Syphilis, Trauma etc.
lahm werdende Glieder. — /'V/A-tZ-Lähme -
Kohlenlähme 2 bei jungen Schweinen. — Fetgd-
Lähme - lahm gehen infolge von Krankheiten
an dem Ken Sei (s. d ) (Falko I, 279). — (lGlsl fran-
zösisch- Lähme (1 Mb min, l'aracelsus; IT. II, 73. jw)
Gliederschwache infolge syphilit. Knochen-
allcktion und syphilit. 1'seudo-lUieumatismus.
— Fullen-, FMen -Lähme, l.^die rhachitische
KnochenachwAche heim Kohlen. — 2. = pyäm.
Koten- b.) Gelenkrheumatismus vom pyämisch
infizierten Nabel aus (s. Maisuchl) (Herbst U7;
Krank 5:t7). — /n.*.s-lahm (!«'•. Jahrh. Icmme nn fuessen,
<Jr. W. IV, l. 1031; VI, 73. 75) ~ claudus allero peile,
an einem oder an den Küssen motorisch lahm.
— (1H30) Qtbärmuttn -Lähmung -: Atonl« uteri
— liUimungsartige Schwäche der Uterus-Mus-
kulatur, die zu Mutterblutungen führt (Kopp,
I. D3). — Gri/tir/- Lähme = lähmungsartiger Zu-
stand beim Kalbelieher der Kühe (Eclampsia
puerper.) (Frank 1 15). — Gehirn Lähmung ■ eine
«las l etitralnerveuMystem bet redende oder von
ihm ausgehende Lähmung. — ^lähmen d >23
i geleuibcn, llultaus 4*4; Ii. Jahrh. gelcmet = uiuülatus,
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lahm.
lahm.
347
D. 371) — das Lähmen durch mehrfache Verletz-
ungen. — G/irrtVr-lahm, -Lähme (149> lembt der
Rlicder - Syphilis, Schnurrer II, Iß; Kersch 201; 1M1
la«mc der clyder, Krnutw.; 1612 gUedlahm; 1« lahm
an allen gliedern, (fr. W. VI, 73; MM. Medlk. 18'J) =
paralyticus, motorisch an den Gliedern, z. B.
durch Rheumatismus articulor., Syphilis, lahm.
— (1491) hals l&hmig = Torticollis rheumatica,
Rheumatismus nuchae, einer, der den Hals
nicht frei bewegen oder halten kann, oder mit
dem Kopfe wackelt (Kisehart ; <;r. \v. IV, 2. 265). —
/• • PI .' lahiu (10. Jahrh. hantn lamon — maueul, Gruft
II, 210; 1507 manck laetn = manetet [einhändig], I>- 346)
= in der Bewegung der Hand gelähmt (z. B.
Oistorsion). — Herz - Lähmung = Paralysis
cordis, Syncope, Collapsus, Schok. — huften-
lahm-in der Bewegung der Hafte und Lenden
gehemmt, einhüftig (siehe Kinhanker) durch
Rheuma, Colitis, lendenschwach (dun. hoftclnm,
Berne in, 20«; Kalke I, in). — Huf-, Hufgelenks
Lähme = die Behinderung der Bewegung, das
Lahmgehen hei der Entzündung des Kronen-
bein-Hufgelenkcs bei Pferden (Farster II, 1009} ;
Kalke I, 118), — (Iäio) Ä'irtdrr-Lähmung = eine
cerebrale od. spinale, motor. Nervenlähmung mit
Schwäche und Anomalie der Bewegung der un-
teren Extremitäten, bei Kindern vom 9. Monate
und 2 Jahren am häufigsten. — &r<in&/i?if-lahm
( 1 j1 8 lum von kranghelt, Gr. \V. V, 2443) = in) Gegen-
satze zu altlahm (s. d.), durch Krankheit oder
Verwachsung in der Bewegung od. Haltung der
Glieder verändert, krumm geworden. — kreuz-
lahm, -Lähme, Lähmung — in der Bewegung
der am Kreuze (s. d ) sich ansetzenden Rüeken-
muskeln, z. B. durch Rheuma, Schlag (Trauma)
behindert, lahm, Lumbago rheum. (Huck 19). —
2. = (hei Schweinen) rückensteif infolge eines
Parasiten (Stephanurus dentat ), der im Nieren-
fettgewebe des Rückens sitzt (Lenckart 180). —
3. — eine vom ROckenmarke ausgehende Pferde-
krankheit, wobei die Tiere unregelmilssig
schwankend, mit d. Hinterteile zuckend gehen
(sogen. Kreuzschlager) (Mayer 81; Kalke B, 41),
Kreuzverzuckung, Nierenwendung. — (1848)
Kreuz-Lähmung, 1. = der vollständige para-
lytische Zustand des ganzen Hinterteils hei
Tieren Kalke II, 41; dan. krydilam). — 2. — Kreuz-
riehe, schwarze Harnwinde. — 3. - blosse
funktionelle Schwäche des Kreuzes als Neben-
symptom. — ÄViiffcrn-lahm, -Lähmung, 1. -
so behindert im Geben, dass die Krücke not-
wendig ist. — 2. = durch den Druck schlecht
gepolsterter Krücken auf die Armnerven ent-
standene Lähmung, namentlich in der Funktion
des Trieeps (Villaret II, lfd. XI, Ärztt. öaehverst-
ztc. i. Mar« ihm). — La m mer -Lähme - eine
epizootische Krankheit, Gelenkseuche (s. d.)
bei jungen Schafen (Kalk? II, 55). — Lei 6s Lähme
{1561 lerne des leibt, Gr. W. VI, 75) = Baralgin,
allg«'m. Schwäche am ganzen Leibe. — lenden-
lahm ( 1 6«>i lull in in den lenden — dvlutnbls; 1CS0
lendenlaemde — lumbago; laiinc in den lenden; lt'.M
lendenlara = nervlcus, Gr. W. VI, 7:!. 712. 714; holl.
lendclain; seh »ed. Undlam), l. — einer, der in der
Bewegung seiner Lenden, auch Hüfte, gehemmt
ist durch Rheuma, Nervenschwäche, und da-
durch einen schlechten Gang hat. — 2. = kraftlos
im allgemeinen, impotent (Muck 19). da man in
die Lenden den Sitz der Manneskraft verlegte.
— 3. = das Kndstadium der Knupperkrankhoit
bei Schafen (Falko II, es) — Lid-Lähmung
Ptosis, Lähmung des das Augenlid hebenden
Gesichtsnerven (Hasenschlaf, Hasenauge). —
£i<»r7tfi-Lähmung = die Abnahme der Erreg-
barkeit des die Atmung bewerkstelligenden
Lungennerven, wodurch bedrohliche Folge-
Erscheinungen sich einstellen. — mund-lahm
(mild. In dem wunde lum, Gr. W. VI, 74), 1. = mit
einer Zungen- oder Sprachlähmung behaftet.
— 2. = durch Bell'sche Fazialis-Lähmung ver-
zojfeneMundwinkel-Verzerrung. — (18431 AVruen-
Lähmung - eine v. Nervensysteme ausgehende
oder dasselbe betrellende Abnahme der motor.
oder sensitiven Erregbarkeit (Paralysis) zum
Unterschiede von der rheumatischen Lähme
oder reinen Muskellähmung und von der all-
gemeinen Leibesschwäche (= Lähme) (Kalke II,
159). — rippen - lahm = in der Bewegung der
Rippen behindert: 1. = durch Schmerz bei
Fraktur, Rheuma, oder Entzündung am Rippen-
felle. — 2. = durch Ermattung, Schwäche bei
Überanstrengung der Rücken- und Rippen-
muskeln. — (1.8«) Scham- Lähme = eine die
Gliedmassen oder das Ebenmass der Glieder
durch funktionelle Bewegungsschwäche ver-
unstaltende, auffallend sichtbare Entstellung
(Schindler I. 1471). — Schlaf- Lähmung = eine
durch Üruck auf den Nervus radialis im tiefen
Schlafe, namentl. bei Alkoholikern, eintretende
Lähmung der Vorderarmmuskel. — (1719) schlag-
Iwftigc Lähmung, «rWriy-lahm (lnmer vom schlag
— paralyllcus, Gr. W. VI, 73; Zcitsclir. f. d. l'hllol.
XXVI. 250) = durch den Schlag (- Apoplexia
cerebri) motorisch gelähmt. — S< hreck Lähmung
= Kataplexia, ein lähmungsartiger Zustand, in
welchem Menschen wie Tiere aller Art, die
plötzlich erschreckt wurden, sozusagen kein
Glied mehr bewegen können, psych. Shock.
— (1817) Schnn. ' Lähmung = Abnahme der
Muskelkraft, lähmungsaitigu Schwäche einer
Muskelgruppe mit schüttelnder oder zitternder
Bewegung einer anderen Gruppe von Kx-
tremitätenmuskeln, Paralysis agitans, Chorea
festinans, procursiva (engl, »häkln« |>aralysis
[peltj]), — (isr>) 6,c7inior-Läbme - Buglähme
(Kulke II, 292; frans, palatine [». Malatfue] ; 1S17)
Parkinson sehe Krankheit. — Schwindel- Läh-
mung = ein von I»r. IlaUenhoff 1874 beobachtete*,
18S6 von I>r. Verlier (Keruey) zuerst beschriebenes, im
Kanton Genf endemisches Leiden unter dem in
Stallungen schlafenden Dienstvolke, das sich
mit Schwindel, Lichtscheu, Kopfweh und Lid-
lähmung an den Augen äussert (VtUwet I, 738).
— sjxiMahm = durch den spat (s. d.), einen
Pferdefehler am Sprunggelenke, in der Be-
wegung des Fussen behindert (Mayer 103). —
Strahlbi in - Lähmung — Abnahme der Fuss-
Muskelkraft infolge einer Entzündung d. Strahl-
beins oder Hufgelenkes beim Pferde ( Kontier II,
1009). — (1882) 7V<?mm/cr-Lähmung = eine bei
Trommlern auftretende Daumenmuskel -Jiih-
mung (Nürnberger). — nrlähmt (1176 vorllmet -
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348 Laich- Lampast.
Lampen— Lanke.
enervus (vm den äderen], n. II, 150; 1182 verlaeml,
vorlemet = rnutllatus, Gr. W. V. 2023; 1516; D. 374;
1577 v[er]lam [ndl.] = sideratu* [i. o.], I). 633; ndl.
verlammlng, PeCock 313; schwed. lorlamnlng, rierer7;
MM. Medikus 418) = ganz belli ndert in der Be-
wegung durch Verletzung, oder vollständig an
einem Körperteile durch Trauma, Luxation,
Krankheit (Sonnenstich) gelahmt, gehemmt. —
Zittei -Lahmung = Schüttellähmung (s. d ). —
Zügel - lahmen = das I^hmgehen oder die
hinkende Gangart des Pferdes, sobald es im
Zügel den ersten Antritt (s. d.) macht. —
Zungen-Lähmung, 1. = Abnahme der Zungen-
beweglichkeit. — 2. — (lingua — Sprache, Zunge)
Sprachlähmung v. Gehirne aus (Zungenschlag)
— lahm-, Lähm-arscAi/7, -Beulen, -Bünkd,
•Büppel, -FIusb, -halz, -Hand, -Knöpfe, -Krank-
-hrit, -Kreuz, -lachet, -Rücken, -Schcisse, -Sucht,
— Tag, - Wunde, -Zunge.
Laich, m., 1. - (allgcrm. lalk, Kluge*, 232; germ.,
golh. lalkan = springen, Klage5, 224) — Lubus vene-
reus. — 2. = s. Leich und Lecken 2; „die zur
Befruchtung ausgelassenen Eier eines Fisches
oder einer Amphibie" (U. l"aul).
Lak s. Lach.
lallen, Laller, m. (indogerm. ra ra, durch ur-
alten ]-amb<lazl«mns In la la verwandelt. R. Kleinpaul,
Da« Leben d. 8pr. ; mhd. lallen = lallArc, ki'htiv,
„oiiotnatopnletlschc , selbständige Neuschaffungen",
Kluge*, 225; Heyne III, 540) , 1. = mit Bchwerer
Zunge sprechen, namentlich bei Betrunkenen,
Blödsinnigen, Kindern. — 2. = der höhere
Grad des Stammeins (c<k'n 27). — 3. = am
Sauglappen mit der Zunge (Lalle) schnullen
(Beb. melier i, i4co). — Laller, m., Laller, m.,
Lalle, f., Lälli, n. - die Zunge als lallendes
Sprachorgan (Schwaben, Algltu. Schweix; <5r. W.
VI, 82; Muck 1C; Schmeller I. 1469). — Lälle, m.
(Lölle), Lalle, m. Lalli, m. = der schwerfällig
sprechende Kretin (Schwaben, Steiermark. Ober-
bayern, Knapp C; HIrchcr 87; Z. f. d. I'hilol. III, 33C).
— (1.M5) lallatzen, lalletzen, l. - öfters oder
Btärker lallen, trüge reden, stammeln. — 2. =
mit der Lälle schlürfend saugen (D. 316). —
Grt(nc/i)-Lälle (-Löh) = Kretin, Gauch (Z. t. d.
Phllol. III, 33fi; [Tirol] Krümm VI, 437). — Poppen-
Laller = ein Mensch, der eine kindische Aus-
sprache hat wie ein mit der Puppe spielendes
Mädchen. — Läller- Pappen.
Lamain, f. (aus fn. la matn = die Hand, Ina
llattdeutsch« übernommen, Hell. t. Atlg. Ztg. I89G, M,
Klelnp. 15) = Lland.
Lamm (Lamp), n. (urgi-m. Bezeichnung für ein
junges schlappohriges Schaf, Kluge*, 225)- — läm-
bern, läromern - Junge werfen (vom Schafe).
— verlammen = fehlerhaft oder zu früh lam-
mern (laiku ii, 405; Kolbe 5j. — Lämmer-
Oageln, -Krampf, -Ruiir, -Zahn.
Lampast, m. ().*|iJtftC = Leuchte; 159"2 1-ampast
oder Weelhumb im Maul da** ein Pferd nicht essen
kann. Seb. 176 [Strassburg] — lnmpas; L slguiflalt tantut
le gosler tout entler, Imitöt le planrher du gnaivr, en
d'autres termes r,,avaloir" ou „l'avalouere", Briss. 10;
engl., inilat. latnpas = la luettc) = Mond 3, ein mond-
sichelförmiger Schleimhautwulst (Staffel), den
man als Ursache verschiedener Pferdekrank-
heiten (Unlust cum Essen i. B.) früher annahm
und durch Stechen (Kernstechen) behandelte
(Frosch c).
Lampen, Lämpen (lempig), Lämp, m.
(Lempen)(ndl. lnmp — Lumpen ; zu lumpen = läppen.
Fetzen ; 16.84 laempeu, lempen, f. v. Schm. 353; Klnge*.
242; Schmoller I, 1474; 1590 lampend = marcldus,
D. 349; flaccldus, D.237). 1. = fei zig, wie ein Lumpen,
herabhängende weiche Fetthaut (Sehwaben). —
die schlaffe Hängebrust der Weiher. — 3. =
die Schweinstition. — 4. = 8. Lumpen. —
lempig (s. unten). — lampen = an der Mntter-
brust (Lampe 2) trinken. — (1699) lampecht
■ Bchlaff, schlottrig (v. K. i, H). — lampende
Ohren.
Land, n. (ein nordeurop. Wort; getn-gertn. lant
= (iegend, Vaterland, Kluge *.225). — landlen (Tirol;
Fromm, vi, I3vj = sich an das Klima eines Landes
gewöhnen. — En jt ! Land = das Toten- oder
«Jelsterrelch Jen&elts des Meeres, von wo nach dem
Volksglauben die Mar (s. d. ; Kraukheitedamon) stammt
(Lipp. Chr. 148), die Seelen au! die Welt kommen und
wohin auch die KnUundung bringenden clbischcn
Dämonen verbannt werden (Z. d. V. f. V.K. 1*96, S. 216;
(iolth. 77) (s. Engel). — er ist nach Piere- (Mollen- )
Land (ndl. pier = Kniwurm, Tauwunn, De t'oek;
V.K. IV, 14; Z. d. V. f. V.-K. 1895, 8. 2C.2) = er ist
tot und liegt im Boden (Wurmland), paya des
taupes, foyans, viers (Z. d. V. f. V.-K. 1995, s. 427)
(Piere, s. Pein). — Land-, ländisch Fiebir,
-Knecht, -Krankheit , -Lauf, -Plage, -Ruhr,
-Scharbock, Schnupfen, Setiche, -siech, -Skorbut,
-Sterben, -Sucht, -Tod, -Übel.
lang, langen (leng) (..urverwandt mit dem lat.
longus"; gem. -gern», laug; mhd. lang, laue, Kluge*.
226). — (151«) Lange, m. = Langdann (s. d.) od.
Mastdarm (H. v. tiorad. ll). — (ndd ) Langelei =
Mittelfinger (s. d.) langer Mar (Demok. Ii, 117).
— langen = lang werden, reichen, greifen,
holen, streben. — Auf länge, f. (ndl. ecn euen
langhe, I). 550; 10. Jahrb. uftengi, Ural II, 230) -
Slatura, die aufwärts reichende Kotperaus-
dehnung, Leibesgrösse. — be-, ge-, rer-langen,
t<läng»V; [»fiMJ (Mengsei, n. = Pica, das Be-
strehen oder Gelüste (s. d.) der schwangeren
Frauen, seltsame Speisen zu erlangen, zu ge-
messen (engl. Umging. I.ehf. 42 - pica. Fromm. VI,
489; Hock 390. 399; Schmeller 1. 1486). — gespenstiger
Gelänge = erotischer Alptraum (s. d.) {Scbin. I,
1491). — (1592) M'fcr-längt = mehr als gewöhnlich
in tlie Lange gezogen, z. B. Schlitzaugen (Sei».
205). — Zeil-lang hahen = Langeweile, Ver-
stimmung deB Gemüts. — lang (e, er, e«)
Ader, Darm, Dietrich, Gericht, Kinn, Kopf,
Lasse, Latte, Maier, Mar, Sucht, Tenne,
Würmer, Zahn, Zapfen. beltoaglichcr Siechtag .
— langsame Männer.
Lanke, f. L inken, f. (germ. hlanca; abd. lanca
b ,1m lutubl [als Bauchseiten], liruH II, 222; Manch»,
lancha, GM*, (iloss; 8. Jahrb. lanchou ■ lumbi, Kero
Glösa, Sl; 9. — 10. Jabrh. lancha — lila, Rab. Maur. 66;
HofTm. I, 57; H. Z. XV, 341; IL Jabrh. lanchon -
Inquina, IL Z. XV, 7. 34; XVI, 27; 12. Jahrb. lanco =
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Lanka
Lame— I>appe. 849
Uiam. H. Z. II, 205, lanche. Schindler I, 1493; lanche, (.
= Hüfte, Lende, Weiche, Pfeiffer 10; Gelenk, III«,
luml.i, rencs, Iloffm. I, 381 ; mhd. lanke. lanche = ilcr
biegsame, schmale Letbeatcil zwischen Hüfte und Brust
[mhd. ..gelenke Ist das Kollektiv dm, also diu Gelenk
des ganzen Körpers"; nhd. gclenk Ist auf jedes Beuge-
Glied übertragen]. Kluge *, 133), 1. = llia, Lumbi,
Inquina, Renes, die Seiten de» menschlichen
und tierischen Leibes von der a) Hüfte und dem
b) Schenkel = femur (I>. 229) bis zur c) Weiche
und d) Lende (Gr. W. VI, 187; Graft II, 223). —
2. - das fleischige Lendenstück beim Schlacht-
tiere (Kegensburger Metzgerspr.) (schmeller I,
149.:), dieser Teil der Anatomia culinaris, der
eine Opfergabe („tributa") war, dehnte sich
von der Lendengegend (im 9. Jahrb..) auf die
Weichen (10. jahrh.) und Nieren (li. Jahrh.) aus.
— lenken (mhd. lenken) — eine schräge, seitliche
Richtung geben, biegen, wenden, richten, (1523)
umwenden (Kluge * 235). — (1482) lenker (ahd.
lencha = Unke Hand, Schräder 371) = sinistrus,
linkshändiger (Zen. Voc gg4). — Lenkung
die Handlung des Lenken-, der Ott, wo eine
andere Richtung beginnt. — Gelenk s. u. —
Bug-Gelenk - die Beugestello am Pferdebug
(Mayer 90). — (1782) /ftnlenkting - der Ort, wo
ein Glied in eine andere Richtung von Natur
aus gebracht werden kann , Gelenkstelle
(Hjrrtl, K. W. 64). — (1605) //h.vs- Gelenk = das
den Fuss mit dem Beine (Schienbein) zur
Bewegungsfähigkeit verbindende Gelenk (Gr.
W. IV, 1 1026). — Gelenk (eigentlich Gelunk; mhd.
gelenkt-; 1561 gelcnk oder gleiche - articulii!«, Mnaler;
1S77 gelai-nke = die Rückenwirbel , die »ich in der
l.nnk. [s. o.) vor allein biegen, Beyn. 233), 1. = die
Beugung in der Lanke (s. d ), d. h. das Gelenk
des ganzen Körpers (Taille). — 2. = das Rück-
grat als Gelenk oder Gelenkstelle für den
«ameen Körper. — 3. = (erst nhd.) übertragen
auf jeden Glied und jede Stelle, wo zwei Glieder
in gleicher Weise (s. Geleich, Gleich) zusam-
mengefügt sind und nach verschiedenen Rich-
tungen gelenkt = bewegt werden können. —
.'• lenk (1482 geleho, gelenn) = biegsam, geschmei-
dig in den Gliedern, gelenkig (Pauli HO; Schm. 1,
149T!!. — »6«) Olenk, < ielenke, f. Biegsamkeit
(toler, H A. 109). — Glenkner, Glinker = der
besonders Glenkische oder Biegsame, der
seine Gelenke besonders biegen kann; in rot-
wälscher Gaunersprache des Mittelalters —
Simulant, der eine Gelenk-Krankheit durch
seine Gliederverbiegung simulierende Bettler
(Zen. Voc. ggl). — gross-gelenkig (1482 gross
Relenoiger, Zen. Voc. m 8) — artuosus, slarkglie-
derig, grosse Gelenkknotcn (Baueinknuten) ha-
bend. - — Hand- Gelenk = das freie Hand-
wurzel-Gelenk. — (1394) hangende Lanken =■
Coxa, gleichsam aufgehängte Fleischteile,
achlane Hüften, lahm von der Hüfte ab
(D. 154). — J/u/t- Gelenk = COM, das Gelenk
an der Hüftbeuge. — Huf- Gelenk = die
Kronenbein-, Hufbein- Verbindung beim Pferde.
— .Koten-Gelenk = das Gelenk über der
Pferdefessel (s. Kote). — (lsis) Kugel- Gelenk
- das Gelenk an der Pferdekugel (Hüft-
gelenk; Backenbein- Knde) (Kalke Ii. 48). — (164.9)
Li i'> '/'lenk, f. (die glenck des leib«, Guar. 52) -
die Gelenkigkeit der Lcibesglleder. — Leisten'
'.'lenk = das von der Kniescheibe (= leiste)
bedeckte Kniegelenk beim Pferde (Zipp. 114).
— (1699) 06er-Gelenk = Oberschenkelgelenk
(v. M. II. 101). — (1530) ÄHcAr-Gdenk (spondylus,
Ii. 518; Gr W. VIII, 1369 - die IJuckenwirhct-
verbindungen (Rückengelenke). — Rückgrats-
Gelenk = Rückenwirbel- (Spondylus-) Verbin-
dungen (Heyne II, 1038). — Schlott,, fr- lenk =
eine abnorme Gelenkverbindung, bei der der
eine Gelenkknochen baumelnd frei pendelt,
da derselbe ausserhalb der Gelenkkapsel sich
befindet, /.. B. bei Muskellähmung, Pseudo-
Arthrosis. — Sprung- Gelenk = die bewegliche
Verbindung: a) der menschlichen Fussknochen
mit dem Beine (Schienbein), b) des tierischen
Sprungbeins mit dem Schienbeine; in dieser
Knochenverbindung besteht trotz der grossen
Banderfestigkeit doch eine ebenso grosse
Beweglichkeit, wie sie zum Sprunge eben nötig
ist. — Ta üben- Gelenk — das Gelenk an der
sogen. Taube (s. d.) heim Pferde (Hinterknie)
(Mayer 4». 93). — ungelenk, (mhd ; Lexer 296; 1592
ungelencke, Seb. 539) = un biegsam in den Bändern,
Sehnen. — v, » lenken : . 0 m den ougen verbuchet,
in dem Udo verlenket, I'f elfter 31. 48. 87; vlrlenket,
verlenchet, Schmeller I, 1493) = durch eine Ver-
letzung am Auge oder Gliede so beschädigt,
dass das Glied aus seiner Richtung oder das
Auge wie aus einem Gelenke herausgebracht
ist. — (1677) Wider- Gelenk = das durch das
Widerbein (s. d.; = Fibula und Radius) ge-
l bildete Ellenbogen- oder Widerbein-Gelenk
imt winklich, d. h. wider einander biegsamer,
beweglicher Knochenstellung (Hyrtl, K. W. 164).
— zerbrochene Lanken = Inenden, die zer-
brochen, brüchig, fehlerhaft sind, lenden-
brüchig durch Nierensteine etc. (Schmeller I,
1193) (s. nachfolgendes). — (12. Jahrh.) terbrostene,
zerborstene Lanken - Innerlich in eiternde
Geschwüre aufgebrochene Weichen (Nieren-
Abscess) (Pfeiffer 16) (Lankschwären). — Lank-
(Lank ) Rühe, -Scheut en, -Seuche, Sucht, - Übel. —
G>lenk-/'' iniein, -Drüse, -Entzündung, -Feuchte,
-Galle, -Körper, -Kopf, -Krankheit, -Maus,
-tfanne, -Rollen, -Saft, -Schmiere, -Seuche,
■Steifigkeit, Übel, - Wassersucht, -Weh, -Wehtag.
Lanze, f. (lat. lancea; altfr. lancc ; mhd. lanxe,
Kluge*, 225 = Ritterwpeer). — Lanzen-SftcA.
Lapate, f. 'aus franz. la patte; Ins Plattdeutsche
übernommen, Beil. z. Allg. Ztg. 1896 Nr. 81; Klein-
paul 15) Hasenvordorlauf (s. Patsche).
Lappe, m. Lappen, m. Laepen, Lep (ahd.
lappa; lappara = alnlomen, D. II, 1 ; mhd. läppe b
niederhangendes Stück Zeug, Lumpenfetzen, Kluge*,
225; dan. lapset = lappisch; engl, lap; ndl. I»t
lap = voll [satt] betrunkener Lappe, Urquell 1597, S. 87 ;
ndd. lobbe = Hängelippe, Ualswamme, Fromm. VI,
US; formell angeglichen), herabhängende, Schlade,
fleischige Gewebeteile oder Organe, L = der
Mund mit Hängelippen, wie ihn der Kretin hat
(Schmeller I. 1496). — 2. = Penis (Lappe, Gimpel-
gampel) (Hiutner 818). — 3. = wie der Lump zum
Lumpen, bo der Lappe (Kretin, Blödsinniger,
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.150 Lappach— Larve.
lasch— lassen.
Latte) zum Lappen (mhd. lapc, läppe, Kluue*. SM;
16. Jahrh. läppen , in.) — Blödsinniger , Tatlb-
Btummer, Narr, Kretin, der im Lappenspital
untergebracht war (Sohra. T. 1496 ; Gebr. /.ingcrle
11.17; Knappe), — läppen, 1. - Flüssiges schlürfen
mit dem Maule (Reiser 270; H Paul 270). — 2. =
schlaf!" herabhangen. — 171-'.: .1k /> n Lapplein
(ülM rnetxnnK des) Pannus (— Fell), Augenbinde-
hautverdiekung (Zw. 209). — Bau ■'■ Lappe
Lobus ventris, iler «rammige, Üe;»ehige Teil der
Mnsrengegend beim Schluchtliere J«r W. I, IMS).
— '--läppt = bei dem Kopfe mit lang herab-
hängenden Obcrlefzen verweben (Falke I, 112).
— /inwir-Lappe (10. Jalirh. brusllappa - piiliarin,
liratt II. 38; 12 Jahrh. = thorax, II. Z. II, 205 fl.; prnst-
luppa m pt Hiuaria, D. II. 27C; 13. — 11 Jahrb. brust
Uphe — palear, l>. lor.) — Oehsentieischteil , da-»
lappenförmig von der wammigen Brust, dem
Ooder (*. d.) herabhangt. — Fleisch -Lappen =
Bulpa carnis, Teil vom weichen Muskeillcischo
(Hyrü, k. w 112). — Fi« f Lappen :i » Jahrb. tut-
lapp — labiinn majus [lahrum], Vor. opt \V. 12; D. 814,
«12; Hchraellcr I, 693; llyrtl. K- W. .1 ; <ir. W. IV, 1.
1061) = J.aiira Üianae (s. Fut) — AuM- läppet ~
halbblödsinnig (Z. d. V. I. V.-K. vm. 8. 83). —
//< • - La ppi'l (15. Jahrh. hertkpel - prerordlum.
I). II. NO] ■ Herzbeutel. — [1783] Htm Lappen
der lappenförmig abstellende Seitenteil des
< iehirns (anatom.) (LeveUns 201' - Leber Lappen
(angl*. librlaeppao = Hbra, I>. 232; II. 172; 12 Jahrb.
levcrln lnppan, II. Z. II, 20.) - der flügel- oder
fedetförmig abstehende kleinere Leberteil
(s. Fach) (anatom.). — A'as-, Nasen - Läppchen,
Lappen (15. Jahrh. noseleppclin primila ipinnulttj.
Ü. 613; Gr. W. VII, 413) = die kleinen Nasenflügel
o<l, Nasenlippen. — Lappen-, Läppchen-,
Läppl(ein) ahd. nrlappa = spinnnla, 11 Z. II, 205;
I». II. 292; II. Jahrh. onrlap = pinnln [pennula], Vor.
opt. W. 10; 15. Jahrb. orleplin, nrlcppel — rarÜlaKo,
dlx rlmen aiirlculoc, 11. 103; U'>S orleplln = plnimla,
I). II, 292; 1IK2 orleplein — nuriciiln, Zenitii:. Vor. yl,
<ir \V. VII, 1264; I .15 nrlcppel - plnimla, aurleula,
D. 136; engl, lap ol Ute car), 1. „der beutelformige
Anhang in der Hache des Ohrknorpels, der
nur dam Menschen tukommt" (llyrtl. Anat 661).
— 2. = (l.Vii ChcrucUun« der auricula enrdis) = ilie
ohrförmige Vorhofkammer am Herzen (llyrtl,
K. W. 120;. — 3 - der Ohrlapp-( Ihren zipfel hei
Tieren (Ohrlaseh), der zipfelförmige, herab-
hängende, sich harter anfühlende Ohrknorpel.
— Schi;-;. •'.••-Lappen - ein schuiäehtig, mager,
dürr wie ein Lappen gewordener, Hunger lei-
dender Mensch II. Paul 399; Spiess II, 21S). —
Lapp(en)-»i<i«*rr/, -Ohr.
Lappsch, m. Laps, m. n ippe, Fromm, vi, U2)
lappischer Mensch, s. Lappe.
Larcher (Lärcher) s. Lercher.
Larve, f. (15. Jahrh. aus lat. larra; 1129 larflVn =
Will »gl. 1>. II, 2H; 1616 larff — mcnstruira [mon-
slrum], I). 351 = das mit cluer schreckenden Maaks
verderkte Gesicht) = Os , Facies, Mund, (iesicht
lllintner 6. 13. II, Kluge*, 226). — (Auf. d. 18. Jahrb.)
ret larvt, Fcrlarvung = unter einer ganz anderen
0 estalt oder J>orm auftretend oder ausartend,
i. 11. Malaria, die als Neuralgia intermittens
sich äussern kann (leichter III, oi). oder Syphilis
der inneren Teile, die als Wasser- od. Lnngen-
sucht auftritt (l'r. II, 440. 577. 686) (s. auch fallende
Sucht). — tf t larvte Seuche, Syphilis. — Larven-
Gesieht.
lasch s. lass.
Lascho(n), f. (ahd. laska [lafska]; mhd. lasche —
I Streifen. Fetzen, Lappen, Klupc*, 226; engl, las Ii :
„verwandt zu Lappe"), 1. — Hautfelzen, fetzige,
sehlecht heilende Wunden. — 2 . — eine wund-
geriehene Stelle auf der Haut, eine Reibwunde
der Haut. — (i6so) cutem lerendo vulnerare =
sich ein»* Lasche reiben (Heyne in, SO). — 3. —
der auf einer solchen Lasche 2 sich bildende
Schorf (Kufe) (Gr. W. VI. 210; Thurincen, Meinsen,
Sehles-leu). — 4. - (1717) eine krusten zeigende
Brandwunde od. (1615) Ulattern (Variola)-Stelle
K'.der. II. A. 2*8). — f>. = der Ohrlappen bei Tieren
(Ohrlasch). — 6. = wie Fntlap (s. d.)= Feminale
bei Hindern u. Hunden (Tasche) (Gr. W. VI. 211;
Sehmellerl, 1520). — 7. (ennl. eye lash; ^ Augen-
wimper, Augenlid (Lehf. 171). — Ohl Lasch as
Ohrlappen iler Tiere, als herabhängender,
knorpeliger Hautlappen (Gr. w. VI, 210. iiintner
6. 13).
Laserle, f. s. Lazarus. — Laser- Weib. (l>azu
I.itserkraut).
laSS (lasch) [VOrgerm. lad [= lawnsl; urgerm. lat
| nachlassen j ; nhd. la.se, lazz = matt, thijre , milde
llassu«, ladlos;) ^ defefsus, defatiitalus ; auch von
Korperteilen, r.. B. Hand, Her« (Gr. w. vi, 26s;
Kluue*, 226; 1615; « oler, IV 297).
lassen, LäSSe, f. (vorperm. led ; urjrenn. let, Int
lnuchla««eti] , entil. bloo.llet — Aderhwts; eem.-irerm.
lAblaut) lad ; ahd. lnzzan ; mhd. laxen. Kluge*. 22* =
fr» i lassen , nachlassen , z. B.) das Fieber läSSt
jemand = hisst ihn frei, verlasst ihn (Gr. w. III,
13n5). — zur, an iler Ader lassen (14. — 15. Jahrh.,
tnnd. so wellch minsebe de sie an der äderen lat, J. f.
ndd. Spr.-F. XV, 115) = das Blut aus den Venen
frei laufen lassen (davon der Las [Lass-]Mon*t =
Januar [!»e7eml>er]. Weinhold, M. Namen ist. — dicke
lassen (14. — 15. Jahrh., mud. dicke Uten, J. f. nd.
Spr.-K. XV, lll) — starken Aderlass machen. —
sum Fcrcht lassen - zum Leben (s. Ferch) Blut
lassen (Gr. w. in, 1528) — eine kleine Lassen mnd ,
lt. — 15. Jahrh. en eleyoe laten. J. f. ndd. Bpr.-F. xv,
\ 113) as geringe Aderlässe — kreuzweise lassen
Hl.— 15. Jahrb., mnd. enieeivis laten an der äderen
an der vorderen band tindc an dem lnehtcrcn rot«,
an der ltichteren hand und© an deine vorderem Tote
tuschen den luttiken vinsrheren unde deine luttiken
■en. J. f. nd. Spr.-K. XV, Iis) = rechts- und links-
seitig zur Ader lassen. — lange Lasse = starke
Aderlässe (Kmram. VI, 439). — Lasse, f. (mhd.
l.i/.e, bisse, Waekern. Wrtrb, 176; Schmeller I. 1505;
I engl, blood lettlnjr. Lcht. 115) = die Aderlass-Hand-
lnngo.1. -Zeit (Usain, Liessin). — (1.M5) Lasser,
Lässer, m. 1. = einer, dem zur Ader (- an der
Aller) Blut abgelassen wurde («ir. W. VI, 211). —
2. - (1 132 lasser - cernoides, I). II, 86) -- Harnblasen-
Iwurm (Harnblaser*). — (1760) Lässlein, n. =
Aderlass mit geringer Blutentziehung. — ab-
lassen = von etwas w eg, frei laufen lassen, z. B.
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Last— Laster.
Uter— Lauch. 851
den Harn lässig machen. — «6 lassen = er-
müdet, erschöpft (Fromm. VI, 141). — (1591) Fieber-
Ablasa = der Zeitpunkt, in dem das Fieber den |
Menschen verlässt, von ihm ablässt, Apyrexia |
(Had. Juri. 3'jo). — vollkommener .Ulass — («eherz- |
hafti starker Durchfall, Durchlauf. — ndVr-lässig
(H70 aderlas*li:k - laxu«, D. 319) — dem die Blut-
ader (am Aftt-r) fliesst wie l>. Aderlass. — Atem
lassen (1516 otem l..n. K. W. I, s|) = die Atemluft
frei gehen lassen, respirare. — (l.'.i:.) «(//-lassen
flaxare. D. - öirnung machen (im l^ibe). —
• IWslaSSUng (1591 u«la«!sutig, H. v. (Jcrol. r>) — der
Ort, WO etwas frei auslaufen kann, die Aus-
gangstellen für KrankheitstohV, Sekrete etc.,
die den Körper verlassen; als solche Ausgänge
(s. d.) — Kmunctoria wurden ehedem angenom-
men: die Leistendrüsen, die Drusen hinteitn
Ohre (s. faustdick) etc. — ent-, d>r</(f) lassen
= bald kiilbern, bald entbinden, bald das Kalb
aus den Gebartabanden entlassen, daher auch
durch Absonderung der Milch im Kuter ein
Zeichen der Trächtigkeit geben, ein grosses
Kuter bekommen (Sehmellcr I. 1510) = werd(ent-)
lass. n (Kalke II, 3T.; Kromm. VI. «1) (s. neulern).
— Gelassen («hd. uataia, flhu) =» die ganze Stelle,
von wo Teile des Körpers frei weggehen. —
.'/'lassen = Milch in das Kuter absetzen vor dem
Kälbere (s. auch (IIa*) (Sohmeller I, 1510). — Lid-
Grlass [*bd li.liKil.v7, Sehmeller I, 1442] - Jnnctura
articuloriim, die Stelle, wo Korperteile, Glieder
von ihren festgefügten (»elenkverbindum.ren
(Fugen) weg frei sich bewegen kotinen. — (i.vjs)
jVfloAlass (des Horns) (Sch. 149) - Auflockerung,
Weichwerden des Klauenhorng beim Kinde. —
NotUT - Ä'fJcAlasS (' nterfr.) = Heb wacherwerden
der natürlichen Kraft, Kollaps, ( Hinmacht. —
fi7t;f>) währendes Lässlein - die Andauer der
Aderlasszeit (Hanernregeln J1T). — • .'lassen -
8. entlassen. — Lässe-, L&&S Ad> r, -Fistel. -Ge
schwulst.
Last, f. LäSt, in. (xn laden 1«. «!.], Kluge* 226).
Läst, in. - ein elbischer Wedelst, der als Auf-
hoeker (s. d.) zur Last wird (Keiner 339). — be-
lastet (erblich) = durch ein vererbtes Krank-
heitsmoment prognostisch schwerer, d. h. un-
günstiger y.u beurteilen (s. erbliches Laster). —
In Besprechungen belastet der (tichtdamon
den Menschen (Z. d V. f. V. K. 1*97. s. 171).
Laster, R. (*u Iahen tadeln ; nri^rm. UhMra;
ahd la«tar; rnnd. lasier, Kluge*, 226) r~ ein tadels-
werter Fehler, Makel, ein «iebreehen, oft um-
schreibend für Leid oder Übel (Gr. ff. VI, 238;
lto«onb. 16«), auch Beschwerde (Last) Morbus,
■rlw-laster Imhd. Master, Lexcr 3 ; 1561 nnlaster =
Gebrechen. Fehler, vitinra, maculn, Gr. W. IV, 1. 1S63)
«= ein anbangendes, jemanden angefallenes,
angeborenes Gebrechen oder Gebresten. —
7 ^nlaster (Or. w. l, 392) - alle angeborenen
Felder, die einer an sich hat (siehe Sieben). —
A ivfen- Laster (HS2 gegiehlma, Ü. 25s ; vermutlich
= kak.whymla, schlechter Klus«, Vitium oculonim.
I». 11, IS9 u. 5». 22) ^Saurau^'e*. — {17. jahrh.) erb-
liches Laster = ein von den Kitern, Krzettgern
geerbtes oder vererbbares (iebrechen (u A. «32;
HxppokratM). — geiles Laster ( tnf. d. 15. Jahrh. geyi
Inster as media [plczzo, *. Met«;], D. 51"; K.62 gayl
lasier = seedia, D. 330) ^ Figarseh (s. d.), Fikards-
krankheit, roter, olfener Anus infolge von Sy-
phylis. — (1183) JI/«7r-Laster (des milxcs latiir,
G. v. Mcgbg. , Gr. W. VI, 253. 2220) = das Milzubel,
Mitzleiden, .Milzmangel (s. d.) = Morbus melan-
cholieus (s. Melancholie, Milz, Milzsucht, Hypo-
chondrie etc.).
Later, f Laterne, f. (lat. loterna; ahd. latOrne,
Klag«6, 226 ; mit dem liehtaiisstmbleiiden, Innen Öl
und Fett verzehrenden Hcleuchtuiigs-Werkzeuge ver-
liehen), 1. = die zu beiden Seiten der Pferde-
stalle von dem lilasscnsterne gegen dio Augen
(Lichte) zu weiter als gewöhnlich sich fort-
setzenden lichteren Haarstellen (Kalke II, 69;
Mayer 17). — 2. = die nach dem Herausnehmen
des fetten Gekröses (Jung, Klein) noch zurück-
bleibenden hohlen Knochen- und Fleischteile
bei der entfiederten (ians oder Knie (Sehmeller
I. MOS). — 3. ^ (tranz. 1397 la lautem.- [Interne, landfe,
leMeaoe); mtlat. landlea, Du ränge IX, 261; V, 36. 49)
- weibliche tieschlechtsteile (Cloaca) = La-
trina.
latsch, Latsch, f. Latsche, f Lätsche, f. -
latisch, lässig, Schlad herabhängend (Gr. W. VI.
277; mhd. latsch, lotsoh. lotze, Krbe 17). — LatSCh,
1 — einer, der ein lLlngemaul 1 Latsche, f.) mit
schlall' herabhängenden Lippen hat (Sehmellcr
I. 1.13; llintuerö. Ii;. — 2. = einer, der schlurfend
geht, als ob seine breiten Frtsse nur schlall" am
Stamme herabhängen und mehr mitgeschleift
werden, Latschbein, Breitfuss, l'lumpfuss (Gr. w.
VI, 277. 278; Irr. vuin, vam). — 3. — einer, der mit
nachlassiger Zunge spricht und die Zunge beim
Keilen wenig „aufhebt" (Zuugensehlepper)(Gr.W.
VI, 277; Schindler 1, 1512). — 4. = die Art des
Sprechens mit solcher lutschen Zunge unter
Ausfall des „I" und „sch" (RhotaeisinuB, siehe
stammeln). — latschen - „schlall, lotterig ein-
hergehen" (H. Paul 272). — Latsch- Dein, -Feige,
-Fuss, -Maul.
Latte, f. (sn |,ailon (». d.) verwandt, Kluge*, 227).
- lamjr Latte, n. = laut: gestalteter, mensch-
licher Körper (Tirol ; Kromm. VI, ^2) (s. Stange).
Latten- Steiger.
lattern (zu laueh, b. d.) <= zittern, wackeln
(Wolf; Tirol).
Latz, m. (lat. laqueaa — Hchlinjre; ital. lae< io -
bVhnur; engl. Uee). — Lätzen, pl. l.=die Darm-
BCbUngen. — 2. — Faserstoll'gerinnsel in Schlin-
genform. — 3. — dumme, läppische Menschen
(Tirol ; Fromm. VI, 412 ; Klaass ; Latze, pl. = Hauern
- lA«sen, Lud de* Mitu-laltem).
Laub, n (nicht zu Laub [frOIU, lollnm], sondern
r.n ahd lih-lä = varix, lih lauui - cleatrlx; lih lüi =
vestiRium vulneris, <;ra(T II, 162. 163; Gr. W. VI, 2S9;
Schweix). — Laub, 1. ^ Laubllecken (s. d.) am
Korper (vielleicht hieb« nueh lepato; 10. Jahrh.
uwrns, maeuln, Graffll, 7S; Srhm. I, HOS = lanato,
laewato?). — 2. - Nessellieber (Urticaria) als
rotgelleckter Ausschlag (vcrgl. Loch). — Laub-
Flecken.
Lauch, in. Lßem.-germ. Wort von dunkler Grund-
bedeutung". Kluge», 227). — Lauch UVirzc
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352 lauen— laufen.
laufen
lauen (enutellt) = lallen, stammeln (Schneller
I, 1401).
lauern (nord. Iura = schlummern ; rahd. lüren =
versteckt Hegen, Kluge 227) = aus dem Dunklen mit
halbverdeckten Augen schauen (dazu Lorgnette).
— Glurren (b. Glorren, S. 1%) = Kollektiv
der lauernden Augen. — Gluri, in. s. •
laufen, Lauf, m. Läufer, m. (»pez.genn. hiaup,
hlMlbb , hlaurTcn ; aliil. loufTan ; mhd. loufen ; ndl.
lnopen; schwell. IdpM; ndd, löp — diarrhoea, I». 17'J ;
Kluge *, 228; laufen, wie der Wassern um seinen Ort
andern ; Schwab, gehen). — Lauf, in. 1.« tierische
Brunstzeit. — 2. = das Laufen der körperlichen
Sekrete (Thranen, Schweis«), des Hlutes etc. —
S. m das Laufglied oder Bein gewisser, rasch
laufender Jagdtiere. — 4. = (abertragen auf den
Menschen) Talus, der Sprung oder das Sprung-
bein, der erste von den 7 Knochen der Fuss-
warsei (Gr. w. vi, 312; IV, L looo). — 5 — der
Umgang dor Damonengostalten, z. B. der um-
gehende Viehscbehn, der Viehsterben (s. d.)
nach dem Volksglauben bringt (Gr. W. VIII, 2506)
Botlauf oder Milsbrand) (vergl. Wand, bamh
leypa = Hetndlaufer, einer, der in anderer Gestalt
(llulle = bannt] umgeht, vcrwandluiigstnhig Ist, i. II.
Hexe, Oolth. 117). — 6 = Krankheitagang , der
Zeitlauf (10. Jahrb. lauft, Notker; 1589 lauft*, »fach
223; Faracelsus; Schmeller I, 1449). — Laufen, n
= Auslaufen, Durchlaufen, Diarrhöe, Dttnne*
(8piess Iii, H8). — Läuferl, n. = der kleine Lauf
(Urethra, Penis), Harnröhre, Pfeife etc. (bei
Kindern). — Laufer, Läuter, m. 1. = ein per-
sonistischer Namen für Durchlauf, Durchfall,
Diarrhoe =((rx.) lacourante (conrance) (Hris» 172,
Wackern. Al.hdl. III, 155). — 2. = ein von der
Muttermilch entwöhntes, läufig gewordenes
Schwein (Splewt Ii, 148). — (it.S7) das Geblüt lauft
zum Herzen (Georg. 390 •* Blutkreislauf von «1er
Peripherie zentripetal. — «las Herzwasser läuft
einem -- das aun dem Magen herauf empfundene
Sodbrennen (Gr. W. VI, 322). — läufig (ndl. looplgh.
De cock) - brünstig, ritzig (v. Tieren). — läufelig
(1592 lelfllg, seb. 177) = ein Fehler der Ifufkrone
(vermutlich zu laufclu = enthülsen, Schuicllcr I, H6U),
wobei sich das llufhurn abblättert oder die
Fesselhaut maukeartig sich aufblättert. —
Lauf, f. (Ufr, Loff), Laufet, n. (Lftffet) =
Diatrhoe (Schtn. I, 1149; Fromm. VI, 435). — Ab&itz-
Läufer = der eine Gangart mit starkem Auf-
setzen der Ferse bat, wie sie bei Alkoholikern
häufig beobachtet wird (Huck 12). — Ameisen-
Lauten = Formicatio, ein prickelndes Gefühl
in der Haut, als oh auf derselben Ameisen her-
nmlaufen. — .Ulauf ■ schneller Anfall (F. Kr.
It. 721 ; 1582 anlauff der Fanlasey vnnd Imsen Geistes,
Lonic. 360). — (1742) .^-laufen = wie ein Fluss
durch Wasserzunalime am Bande rasch an-
schwellen (Zw. 710), z. B. durch Wassersucht an
den Fussen von unten naclt aufwärts an Vo-
lumen zunehmen. — auslaufen = durch sich
anhäufende Gase (Blahsucht) od. durch zuneh-
mende Flüssigkeiten (Blut, Wasser, Blasen etc.)
in die Höhe schwellen (Turgeseenlia) ; (ndl. op-
geloopen, De Cock; Schindler I, 1419) — Blattern-
A li/laufen (mnd., 14. — 16. Jabrb. so van dem vressemo
[& I'rabram] eyu bladdere uplopt an dem arme olt an
dem bene, I. f. nd. 8pr. K. XV, 115) = Anschwellung
(s. d.) durch hitzige Hautblattern. — (14S3) des
Leibes .-1 '(/"laufen (C. v. Megbg.) = Tympanitca,
Ascites, Meteorismus, Plethora ex ingestis (Meyer
521; ZetUchr. f. d. Mythol. IV, 117). — ftiils- Ab-
laufen— durch Zunahme nach oben empfundene
Milzanschwellung. — Brust -4 u/laufen - sicht-
bare Anschwellung der nach aussen und iu die
Höhe zunehmenden weiblichen Brüste. — Aus-
lauf, m. laufen, n. 1. - das, was aus einer
Leibesöffnung schnell fiiessend sich entleert
oder vordringt (Profluvium, Prolapsus, Stuhl-
gang Z. B.) (Gr. W. I, 905; II, 1641). — 2. = die
Krankheit bei Mensch oder Tier, welche von
einer Stelle aus wie ein Fluss sich sichtbar aus-
dehnt, oder auch Anomalien des Auslaufes 1
(15.-1; Hock 394; Gr. W. II, 1641; V. B. 42). — 3. =
der Ort des tliessenden Auslaufens, z. B. After
(Hyrtl, K. W. 14). — Augen- .lt<*laufen, 1. = die
I unomal gesteigerte Sekretion der Augenschleim-
haut bei Augenkatarrhen (Goldschm. 97), beim
Thntnen, Weinen. — 2. = das Ausdiensen des
Humor aquetis aus dem Augapfel mit nach-
folgendem Augapfelschwund. — (l.r.2sj Hirn-
w !!••-; -.1« -lauf (des hyrnswuestes usslaulT — cola
toritim, n. v. Gersd. 97) -die Stellen, wo der nach
der Humoralpathologie flüssig angenommene
Hirnwust (*. d ), die Maleria peccans phleg-
matica (Kotz), sich aus dem Gehirne abfliesscnd
und so dieses reinigend ansammelt (s. Samm-
lung), d. h. die angeschwollenen sympathischen
Lymphdrüsen, z.B. hinter «lemOhre (s. faustdick).
— (1608) Kinder-/lM*laufen -die Kinderdiarrboe
(SpeiselauO mit Abzehrung (Heyn. 234). — (1615)
Nabel - .-1 «-laufen = Nabelbruch durch den
ausgedehnten Nabel (Colcr, K. 358). — roter Aus-
lauf, 1. — (1512, 1518 das rot usslauffen = dysenteria,
llenleria, II. V. Gcrsd. 99; I). 329; 1582 da* roth auss-
tanden, I.onic. 16.!; 1615 rother ausnlaiiS - dysenteria,
Coler, II. A. 20C) = die blutigrote, flüssige Stuhl-
entleerung bei der roten Buhr; Kotlauf II. 8. —
2. = das wie ein Fluss sich ausdehnende Rot-
lauf I (F.rysipelas) der Haut. — (1541) tagliches
.liolaufen (des Bauches) -täglich sich einstel-
lende Diarrhoe (Bock 81). — (1661) /:.(«,',- Lauf
(lK»ucblault-llenteria, pantlce», Gr. W. I, 1168; D 329.
410; Meter. 53; ndl. buyckloo]>en, buikloop, I»c Cock
M. 20>) = Fluor ventris, Diarrhoea, Cholera
morbus, flüssige Entleerung von Darminhalt
aus der Bauchötl'nung am After. — (1729) bt-
laufen, l. = über etwas hinlaufen, s. B. aus-
getretenes Blut, das infolge von Blutstockungen
an anderen Orten bei einer Stelle eine Anschwel-
lung macht (V. H. 31 ; Gnldsrhm 101). — 2. = (von
Tieren) die Begattung vollziehen (Paul es). —
das Herz irläuft-das Herz verursacht ein Ge-
fühl, als ob etwas rasch über dasselbe hinweg-
laufe und einen Druck ausübe (Oppressio cordis)
(v. Gehreu 14J. — Blut-belatlfon (ndd. bloodbelopen,
Goldschra. 91) - bei einer Stelle des Körpers mit
rasch ausgetretenem Blute untersetzt soin. —
ß/uf-Lauf, L =» der seit KJ28 beschriebene
und der mittelalterlichen Lehre vom Pneuma
(h. Geist) in den Geistadern ein Ende machende
Umlauf des flüssigen Blutes aus dem Herzen in
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laufen.
laufen.
358
die Peripherie und von da zum Herzen zurück, j
Circulatio sanguinis (odl. bioedt loop, v. K. n, so)
(b. Abbildung). — 2. = der blutige Auslauf, der
Bauchlauf bei der roten Ruhr (Dysenteria rubra)
(Gr. W. II, 188; in Segensprüchen dea 16. Jahrb. durch
Hannformeln behandelt, n. Hoffm. Mtachr. f. Sohl. 1829
II, "62; Wackern., Wesaobr. lieb., 67. Anh.). — 3. —
bluibelaufen (s. belaufen). — 4. = Bluterguss
aus einer Wunde (De Cock 36. 277). — (15. Jahrh.)
Durch-l&uf, Dl., n. = die flüssige Entleerung
des Dartuinhaltes durch dio Afterörthung, Pro-
tluviuui alvi, Durchbrucb, Durchfall, Durchgang,
Durchmarsch, Diarrhoe bei Mensch und Tier
(Laevitas intestinorum Celsi) (Kirsch 681; 1466
dnrloefT, dnrchlaefl = lax™, lienteria, D. II, 230. 234;
Gr. W. II, 1641; Tabern.; Abilir. 38; Hufel. 185 etc.;
Krauiw. LX; «chwed. durklopp - Diarrhoe). — (159$)
durchläufig m mit dem Durch laufe behaftet
(Had. Jnn. 396). — (1645) gelbes />un 7, laufen =
s. weisses Durchlaufen (Coler, Ii. A.207). — Lober-
Z>urcAlauf = l^eberfluss (s. d.). — (1591. 1677)
Magen -Z)ur-cAlauf =-• die Entleerung des Magen»
Inhaltes durch den Darm, als flüssige Leibes-
nffnung (Beyn. 173; Tabern.). — (1677) roter Durch-
lauf = roter Bauchtiuss, rote Kühr (Dysenteria)
(Beyn ). — (1687) schmerzhafter Dur\ Mauf -
Diarrhoe mit Krampfschmerzen (Kolik) (Georj;.
39«). — (1694) strenger DurcAlauf = Lieuteria
(Gr. W. II, 164) = starke Diarrhoe. — (1615) weisses
Dur Manien — weisse Kühr, bei der weisslich-
gelbe Stuhlentleerungen erfolgen (Coler, n. A.
207). — (M»;{)/c«cAre(*)Laufen,Lättfe = wä88erige
Entleerungen des Kotes (C. v. Megbi?.». — Frau
von Laufender«/ (— scherzhaft personifiziert, wie
Katharina, a. d.) a Durchlauf, L>urchfall (Wackern.,
Abhdlg. Hl, 124). — Gänjici-Lauf-der I^auf eines
am Gangelbande geführten Kindes (Heyne II,
1022). — Ha rti -Lauf = Urin«, der Auslauf des
Leibbrunnens (s. brunzen) als Harnentleerung.
— (1725) unempfindlicher 2/arnlauf (The« »an. Br.
329) = Enuresis = der unfreiwillige, meist nicht
empfundene, unwillkürliche Harnabgang. —
(1483) ./Anlaufen, n. = das Hin wegfressen des
Kotes beim Durchfall (<:. v. Metrbir.). — (1502)
Hirn-lMtd (hirnlauff = crapcdla, D. II, 117) = der
Abrluss von Nasenschleim, früher aus dem
Gehirne (s. d.) kommend angenommen (Hirn-
fluss). — irr- laufend = regelwidrig verlaufend,
z. B. Fieber. — (1742) Äm's-Lauf (des Blutes)
= Circulatio sanguinis (s. Abbildung) (Zw. 31).
— Land-Lauf (ndl. landtloop, De Cock 313) = epi-
demische Kühr. — Nacht - Läufer (1521 nacht-
lonffer = noctlrtfru*. D. 382) = Naclitlahrer, Nacht-
wandler, N'achtgunger. — (tfi09) Peatücnz- Läufe
(-Läuffte) = die Vorgänge, Zeillaufe bei Pest-
epidemien — Oursus pestilentiae, die Pestepi-
demie als umgehende, umlaufende Krankheit
(Schmeller I, 1449; Guar. 410). — rin - laufen = im
Kreise sich drehen bei der Drehkrankheit der
Schafe (s. Umgang*) (Kalke II. 240). — Rot(er)-
Lauf , laufen, n., m., f. (tnhd. dax rotloufeu; 1419
da» roitiauff, rothlaufen = pu*ula [ — pnntnla], heri-
üipela, Heyne V, 143; D. II, 155. 474; 1551 rotlaullen, n.,
Bock 23; 1682 rotlauffen oder atulgang, Lonlc. 93;
(reysam md rotlauff, Lonic. 189; 1684 rothlauf! f. -
eryalpelaa. Wirsunjc, 1618 rotlau ff - lnxus nubeculae,
ParacelMis ; Pr. II, 76 [ = Gutta rosacea syphilitica] ;
1025 rothlauf - Scharlach, Hecker 222; 1661 roth-
lauften, n. = erysipelas, Tabern. ; 1684 rothlaiiffen, n.
— erysipclas verum, ignis 8t. Antonit. I(fnl» brunns,
iRnl« sacer, Rose, A. v. H. II, 612; [Schwabendorfer
bei Budapest] rodlauf, m., Ethn Mitt a. l'nifarn 1893,
8. 163; Ihüs! der rothlauf, Hell IV, 216): J. jede Art
von roter Hautentzündung, die sich wie ein
Fluss ausdehnt oder wie ein brennendes Feuer
rasch (s. d.) um sich greift; das ITöp ä-'jitov des
Hippokrates, das Visarpa im Sanskrit (Kuhn,
Zeluchr. V, 340), der Herpes oder kriechend sich
ausdehnende HautauHschlag der alten Medizin-
«chulen, St. Antoni- Feuer, St. Antoni-Kache der
Kloster, die Brandrose oder Braune, die Rose,
Scheine, Freisam* etc., Febris erysipelatosa
•Sydenhami, Morbus St. Sanctini ( = ignis sanetus
s. sacer, s. h. Feuer), (1839) Morbus St. Vorani
(Du Cange V, 518), maladie St. Othoine, mal
St. Antoine (sanlo igne), St. Damien, Ste. Gene-
vii've, St. (iermain, (1381) St. Santin, St. Saintain,
St. Murtial, St. Verain (Bris*, iso. 216), (1379) le mal
St. Messent (morbus St. Maxentii) (Du « ange V.
:>17), und zwar: 1. = die durch Kokken-Infektion
bedingte Kose (s. d.), Erysipelas (- rote Haut),
dio sogen, laufende Kose, bei der die diffuse
Hautröte flussartig sich ausdehnt unter An-
schwellung der Haut und Frostgefühl, Frost-
schauer, oft auch Erbrechen. Die Bezeichnung
Kotlauf bezeichnet viel besser den sich aus-
dehnenden Hautcntzündungsprozess als die
„Kose". — 2. = die Phlegmone (tp/.e-ruatvet* =
uri = brennen) des Hippokrntes, Erasistratus,
Galenus, Paulus von Aeginaeta, d. h. die rote
Hantfarbe bei akuter Entzündung des Unter-
hautbindegewebes, welche zur Eiterung und
z. Gewebsbrande führt (Brandrose, Karfunkel)
(Gr. W. VIII, 1311; Zlemss., Hdb. XIV, L 424), welche
Hautröte sich rasch ausdehnt, aber immer nur
einen örtlichen, nicht wandernden Charakter
zeigt. — 8. = die unter dem Bilde eines Ery-
sipelas verlaufende Lepra und Syphilis (Akne,
Gutta rosacea, Lupus) (Pr. I, 337; Eltnatt., Hdb.
XIV, L 624). — 4. = das sogen. Flugfeuer (s. d.
u. Fraisen). — 5. = die Masern (und Scharlach)
als Kinderrotlauf, mal St. Saintain, mal des
roses Notre-Dame, veröle cardinale (Briiw. 139;
Du Canpe V, 617). — 6. = der Ergotismus gangrae-
nosus, die Mutteikornvergifiung (s. Feuer) unter
der Form einer brandigen Hautröte (Lammert
219). — 7. — a) das Schweine-Kotlauf, früher
als Schweine-Milzbrand aufgefasst, aber durch
eine eigene Bazillenart (Rotlauf-Stäbchen , von
Loffler 1886 entdeckt) vom Anthrax, dem cigentl.
Milzbrände (Pustula maligna) unterschieden;
dies vermutlich das eigentliche St. Antonius-
Feuer (s. d.) (Bardeleben I, 300), Schweineseuche,
Schweine-Cholera, brand. Kotlauf etc.; dieses
Schweine-Kotlauf geht mit einer rotlaufartigen
Hautröte einher; b) hieher auch die damit (7a)
verwechselten Krankheilen, z. B. traumatisches
Rotlauf bei Schweinen. — II. rote Ausflüsse
aus dem Leibe: 8. = rote Ruhr, rotes Auslaufen,
roter Hinlauf (ndl. roode loop; ndd. roe loop, De
Cock 193; Gold<chm. 106; Gr. W. VIII, Uli. — III. bei
der Häufigkeit der Kose (Kotlauf) ist es ganz
23
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«54
laufen.
erklärlich, dass nicht nur «leren Hauptsymptom,
die Hautröte, verallgemeinert für ganz ver-
schriene Krankheit«- Formen nnmengebend
wurde, sondern auch 9. ihre übrigen Erschei-
nungen (Frost, allgemeine Körperschwache,
Kopfsehmen'., Fieber etc.), auch ohne Hautröte,
mit „Hollauf" bezeichnet werden; am Rhein
wird sogar jede Art von Bogen. KrkUltungH-
oder Eihitzungs-Krankheit, an anderen Orten
auch die hitzige Kopfkrankheit, die Pferde-
stalle, Katarrhallieher, als „K«jtlauf" schlecht-
hin bezeichnet; aucli fasst«» man die Vorläufer
akuter Exantheme al« Rotlauf auf. — Rotlauf-
Kraut — rotpreclit, roUriiitiKeiul , «Drantum, Kober-
tianutn (Do COCk 193 [*u PerebU?]; Dr. Rr. -Schürt. 2S;
<;r. w viii. nii, i'auii c); (vergl. Kosen ). — (lsoi)
Blasen - /foflauf = Herpes zoster als Blasen
hildender roter llautauschlag (Welckard •»10). —
brandiges ßoflatlf — -Milzbrand (s.d.) iZlem*«.,
Hdb. in, 470). — (UM] brennendes //.-'laufen -
brennende phlegmonöse Hautröte (Taborn.). —
Impf-i?orlauf - das durch die Schulrpocken-
Impfung entstandene oder eingeimpfte Kry-
sipehis (Med.-chlr. Rundlich 1S7S, hs). — Kinder-
n/lauf — die bei Kindern häufigen Mastern
(s. d.) o<ler Friesel (Ummert 176). — Milzbrand-
fioflavf — Hiütbrsnd, Kotlauf 7. — (l.v») neues
Äoflauf ■ eine durch Quecksilber erzeugte Der-
matitis, Hautröte (I»aracel«tn). — Schweine- J?0<-
lauf — iCotlauf I. 7 (le rouget). — (low) sehwie-
rendes //•••'lauf = Rotlauf mit Eiterung (v. M. II,
ins). — 0790) süchtiges Äotlauf - die habituelle
Rose (Richter I, 111) (s. süchtig). — überge-
gangenes /.'. .'lauf — eine Hautentzündung mit
rotlaufartiger Röte (Flugfeuer, Eczema acu-
tum, Dermatitis acuta), die man als ein sich
entwickelndes wirkliches Rotlauf 1 (Erysipelas
verum) ansah, die abor glücklich ohne solches
vorübergegangen ist (I'auii 7). ■ — (170.1) weisses
-ßo/lauf — eine blasse Hautschwellung, wie bei
der Rose, aber ohne Röte (Hautödem, Phleg-
masia alba) (Eaairh 318; cont. engl, whltlow =
(ftgelXMChwtr, Fin«<'rwurm). — Hotl&nf- Ausbruch,
-Firns, -Gürtel. — Schienbein (blaues) -Laufen
(diln. <v>ne hlauuwe scheen lopen , Schräder 319] =
sich durch das Laufen zum Mädchen und ituich
das Herabfallen vom Kammerfenster eine blau
erscheinende Kontusionsbeule am Schienbein
zuziehen. — •fyWse-Lauf (ndl. «plj*loop, De <:ock
186) es das Kinder-Auslaufen, die Kinder-Cho-
lerine, bei «1er die genossene Nahrung unver-
daut und rasch wieder abgeht. — Stcrbats-
Läuf («') (/<•) (1G05 »U-rbcnde letff, Schindler I. IM'.»,
IfiSO JUIrc SterbeindeuIIteu. d«i die I'estllenz sich «ehen
lcft [KoMock]; 16S7 •terbcnslaoulTte, (icorK. ITH) = «liü
ZeillUufe mit zahlreichen Todesfällen, lV-st-
epitlemie, Viehsterben, Viehschelm, Pestilenz-
läufo (s. d.). — (H96) tödliche Läufe = Sterbens-
Iftufe (Schnuller I, 5*6). — (1.V30) LW-lauf(cn) =
aus seinem gewöhnlichen oder noi malen Orte
über den Uinfassungsran«! hinaus an einem
anderen Platz rasch sich begeben, ein aus «1er
Küche entnommener Vergleich «les Aufwallens
von Blut Okier Galle: 1. = ilie Galle dachte man
sich in einem eigenen Gefässe und zwar über
dessen Kapazität hinaus so angehäuft, dass die
I überquellende bittere (s. d ) Galle den Menschen
„ganz grün und gelb" machen sollte; dann war
das „(iifthäferl" Ubergelaufen, und der bittere
I Geschmack im Munde mit Appetitlosigkeit ein
sicheres Symptom für diese volksübliche Dia-
gnose («toldschm. 103; Fr. Kr. B. 109); diese über-
gelaufene Galle ermesst sich nuu an andere
I Stellen, ins Herz, Blut, Gelenke, Magen, hohlen
I Leib et«", nach der noch üblichen, aus der
älteren Sehul-.Medizin stammenden, diesbezüg-
lichen Volksauffassung (s. giessen, flieasen)
(Kraut«. 49). 2. ■ - auch das Blut tlaehte man
I sich bei «ler Blntfülle (Plethora) bis ül>er «lie
Kapazität des Herzkamens (s. d.) hinaus an-
gefüllt in «liesem; dasselbe ergiesst sich dann
als Nasenbluten, Hämorrhoidalblutung, weib-
licher Blutfiuss etc.; Biut laufen ist dann
die volksflbliche Bezeichnung für solche Blu-
tungen; wenn aber «las „Herzblut" ganz über-
läuft, so besteht höchste Gefahr für «las lieben,
i — kaltes f7tVrlaufen = die Empfindung des
j FiostschauiTs auf der Haut (Gänsehaut), der
über «len Rücken aufsteigend rasch den ganzen
Körper durchzieht (Dr. Hr.SchafT. ; I'auii HO). —
l/m-lauf = «lie rasche Ausdehnung oder Be-
wegung um ein Glied, einen I/eibesteil, ein
Organ herum und zwar: 1. = von Anschwel-
lungen oder Ausschlägen der Haut: a) (1712)
i Panaritium, rotpovj^cov, ahscessns circa ungues
I (frz. la tmirnlnle. tournlottc, tournnre, Rriw. 292;
henneb. ocmlaf, Spiex« II, 263; ndl. omloop; V. K. IX,
143), als rot«', rasche Anschwellung der Haut um
«len Fingernagel herum (Fingerwurm, Nagel-
umlauf, Wurmumlauf) (Zw. ri«2; RHnml. «HM; Panli
122; engl, whltlow); b) Herpes zoster, Zona, als
eine gürtelförmig um den Leih herum sich aus-
dehnende Kote mit Blasenbildung (roter Um-
lauf, Bauchumlauf); c) das Rotlauf (ndl. omloop,
Do rock 201. 2t«) oder Erysipelas migrans, die
Wanilcrrose, die ihren Platz wechselt, wandert,
umläuft. — 2 = vom Blute, das um das Centrun»
(Herz) kreist nn«l den Säfte- Umlauf- Circulatio
huinorum (17.V,; A. v. H. II. 220) besorgt. — 3. =
von Sinnesetnplindungen, Sehbildern, die sich
im Kreise herumbewegen im Gesichtsfelde, z. B.
beim Schwindel, so hei der Gehirnentzündung
der Rinder und bei der Drehkrankheit der
Schafe (s. Umganger*) (zipp. 868; Falke n, M6;
1M2 umblntiffin von den äugen; «He «csulit laiifTen
um vor «len niwn, Fries 70. W,\). — Baueh- £7r»lauf
= Umlauf 1 b (Herpes zoster). — (17MJ feurig* r
fVwilauf = Zona, Uimnnus, Zoster, F>ysipelas
venans, Macula lata Plateri = der Umlauf 1 b
als brennende Gürtelrose (A. v. H. I, 613. 13.-.2).
— Nagel- tVrolauf = Umlauf la (Paionychia).
— roter «7»ilauf, l.ss Umlauf 1 b als roter Haut-
ausschlag (Herpes zoster). — 2. = «las Rotlauf
«■der Unilauf lc (Erysipelas migrans) (a. v. h.
I. 1351). — 3. = Umlauf la im Entzündunga-
sladium. — schwarzer tT»ilauf = Panaritium
gangraenosum, Brand b. Fingerwurm (Frisehb. 62).
— Wurm-Fwlauf = Umlauf la, «ler Finger-
wurm (s. d.) (Havarie IV, 1. 22:1). — J7nf«r-laufen
= hemmend zwischen etwas laufeu, rasches
Eindringen von Blut, Wasser, Eiter etc. unter
eine andere Stelle, z. B. am Auge = Molope
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Aetii (Kraus, E. 630). — anter sich laufen lassen
= die freiwillig nicht mehr zurückhaltbare Ab-
sonderung (Urin, Kot) in das Bettlager gehen
lassen. — rer-laufen = das vollständige Weg-
laufen, Vergehen und Verschwinden oder da«
Unterlaufen (s. d.) mit vollständigem Ver-
schwinden, z. B. von Blut unter der Haut (A. v. n.
n, 383) (auch Abortus). — Fcrlauf, m. (der
Krankheit) = zeitlicher Fortgang bei derselben.
— <rid' >■- laufen- a, B. sie ist widergelaufen =
hat sich angestossen und eine Geschwulst sich
zugestossen = sie ist schwanger (t;m»chrelbung
namentlich bei illegitimer Konzeption , welche viel-
leicht auch als eine Verhextini:, als Angaug (s. d),
Widerlauf, [mhd widerlouf, Golth .CM] gedeutet Wird [7],
Plmw-Bartels I, -WO). — wun '-laufen fratt werden
durch schnelles Gehen, Laufen (bei Hunden)
(Kolke H, 44t). — ruvo.j>,!,7i -laufen m das rasche
Vereinigen vorher entfernt gewesener kleinerer
Teile zu einem grösseren Haufen oder zu einer
auffallenden Gruppe; so laufen (messen) die
Blattern zusammen (= Variolae confiuentes),
indem die vorher getrennt beobachteten Pusteln
sich durch Vereinigung mit den nächsten
Pusteln zu einer dichten, diffusen Geschwürs-
fläehe ausbilden, die man als eine leicht zu
I'yaemie fahrende Komplikation betrachtete
(Niemeyer); so läuft auch nach früheren (ülauben
die Milch in der Frauenbrust zusammen, indem
die feinsten kleinen Milchteile rasch zu Flocken
und grösseren Klumpen sich vereinigen (ge-
rinnen, e. d.) sollen, wie die sauere Milch im
Topfe (Mastitis puerperalis) (Tabern.). — Lauf-,
laufender, ») -Auge, -Brand, -Feuer, -Gndcn,
-Gicht, -Hendsch, -Katkerl (-Katharina), -Klaue,
-Magern, -Rote, -Schäden, -Scheisse, -Spennen,
-Sucht, - W'axter.
Lauge, f. (Indogerm. low, lu — t.ailen , luk —
waschen [).ry/i'i\, ahd. louga; mild. Inge; uihd. louge,
Klnge*, 228 = über Holzasche gestandenes Walser =
[formell angeglichen]; - das im Topfe befindliche
Harnwasser, Unna (s. Urin) (c,r. w. vi, BS). —
Ärtwm« -Lauge = Urin, als Wasser beim Kam-
mergang (Stuhlgang); die Bader benutzten früher
den Termutlich auch sonst an Stelle der Lauge ver-
wendeten Urin ( = Kamraiauge) «um Eintauchen der
Kiimme; auch die Mädchen gicssen den l'rln l<elm
Kammerfensterln auf die Bursche (<ir. \V. V, 124). —
1 Ii der Lange liegen — i/ochia puerperalis — in
der Aschenlauge (in der Asche) liegen (s. d.),
in der Reinigung liegen wie die Wäsche in der
Aschenlauge.
Laune, f. (mhd. Iftne — Mondphase ; lat. lunn -
Mond; 1470 lewnisch ; 1482 lunlscher = lunntlcus,
D. 339; ndd. lünsk, Fromm. VI, 354). — launisch
(lQnisch) = vom Monde (s. tl.) bccinflussl, mond-
süchtig, gemütlich verstimmt, unmotiviert wech-
selnd in der Stimmung. — Laune, f. 1. — der
(angeblich vom Monde beeintlusste) Stimmungs-
wechsel im Humor (s. d., Gemüt). — 2. = hitia-
tischer Fluss, Hundswut (Kluge *, 22«. Falke II, 60;
Kohler, V. Br. 289). — 3.
— schläfrig thun , schlaftrunken sein, sich
faul strecken (Fromm. VI, 436; Tirol; Krl* 37).
a. nauneln u. lunien. — launische Mondtucht.
launeln
s.Staupe.- launtschen
LaUS, f. (ahd., mhd. Iiis = da* gem.-gerra. Unge
zlefer; Impetigo, D. 288; 1482 lyess = Cyrillus [surio],
I). 122; iSelren]; 15.-1 leusg 11, nyss, Bock 2*5; Kluge',
228; engl, lousc, sing., llee, pl.; f.. .fahrh. gross lüs,
Christ. Meyer 66; nord. lyss, pl. ; ndl. luis; angels.
lys, pl, ; frz. eirons [s. .Seiren] de St. Job, Briss. 224),
1. = die Laus, Pediculus speo. (Füssling*), frz.
poulx. — 2. = die mit diesem kriechenden Un-
geziefer verwechselten kriechenden Würmer
und Fliegenmaden (14. — 1-r». Jahrh., mnd. dorne de
lusc [= Würmer] den mogben eleu (essen, anfressen],
j. f. ndd. S|ir.-F. xv, 145), als Parasiten bei Mensch
und Tier. — 3. = die Folgen der Anwesenheit
dieses Parasiten bei Mensch und Tier, die man
früher als Ursache der verschiedensten Haut-
krankheiten (dämonistisch) bei Mensch n. Tier
annahm (und deshalb mit Besprechungen behandelte,
FrUehb. 164). - lausen = Läuse aufklauben. —
ihm läuft die Laus Über die lieber, s. über-
laufen n. Leber. — (14. Jahrh.) lausig = mit Un-
geziefer behaftet (Mannh. 290; solche Leute sollen
nach dem Volksglauben besonder« süsses, gesundes
Blut haben). — LaUSigkeit (1521 = Phthiriasis, D. 249;
engl, lousiness, LeM. 69) = der lausige , schäbige
Zustand (Läusesucht). — J5r6-LaU8 (Wetmarschen ;
Urauell I, 11 ; VI, 217 ; arflüüa) = eine von Sippe zu
Sippe vererbte (s. F>b), fll>ertragene Laus l — 3.
— Fili Laus (ahd. vilzlus = vitlusa. D. 619; mhd.
philczlans = gurgulio s. vermicnlns <jni frumentum
corrodlt (Mode], Du fange ; &chm. I, 717; 1162 flltzlus =
ascari«, V. 63; 146S fllezlanss - usum (uria], I). II, 386;
I4S2 Tiltzlauss — ascarides [— Fliegennmden bei der
sogen. IJtnsesueht), Zen. Voc. kk 4 ; 15. Jnhrh. vllu-
laus* — Jurta, pediculus, D. 312; UM fllzlaeus, Gr. W.
III, 1637 — pedlculus pubis L. ; 1668 phthlritis Inqui-
nalis Bedi; 1782 filzlaeuse = pinttone«, M. H. L. I, 345;
engl, crab-louse, prleklonse , feltlouse, I,ehf. 159;
Kaltsohm.), 1. = der fast ausschliesslich nur bei
der kaukasischen Kasse vorkommende im Filze
(villus, n. r.19) der Haare am Möns Veneris le-
bende, tonnenförmige Eier (Nisse) an die Haare
des Wirtes ablegende Parasit, Pediculus Morio,
Phthirius pubis L. : (franz. morptons ( = poulx <iul
mordent], Villaret II; 1726 „sie nehmen Ihren Irsprung
von unsauberen weiblichen Personen, welche, wenn
sie Ihre mondliche Reinigung gehabt und Ihre Scham
gliedtr nicht reinlieh halten und dabei schwitzen, so
Warbsen solche breite, vielfuessige IJiuse", Tbes. san.
»r. 143) (8. Steiglaus). — 2. = Schafzeeke (1741 j
Kirsch 497). — Grfnf-Laus (11. Jahrh. grintlus ^
Impetigo .Krbgrint auf dem Kopfe mit Lausen], H. Z.
III; „die Laus anf einem tirindt, gebort zum stolzen
Hofgesind, wie der Schreiber auf dem Boss und die
Hure auf dem Schloss*', Heyne III, 676) = Pediculus
capitis (impetiginosi), die besonders auf «1er
behaarten Kopfhaut, namentlich wenn diese
durch Hautkrankheiten (Pusteln, Geschwüre)
einen guten Nährhoden abgibt, lebende Kopf-
laus im Gegensatze zur Filz- oder Gewandlaus
(s. Grint). — Z/«iovf-Laus (1420 hanpt lwez — eml-
graneus, 1). II. 118), 1. = Kopflaus (s. d.). — 2. =
Hauptwurm (Migräne). — i/ftrm-Läuse - die
nach dem Volksglauben vom Hexerich (s.d.),
angezauberten Lause (z. d. V. f. V -K 1895. 8. 93).
— JudVn-Laus (Baden ; i niuell vi, 217) = eine
durch Juden (s. d.), angezauberte Ivrblaus. —
25*
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3.16
Laus.
lauschen— Laxner.
(1C45) Kleider-L&MBe - Pediculus tabescentium
s. vc9timenti Burn., die die sogen. Läusesucht
(s. d.) erzeugende Gewand-Laus (engl, bodylons.
Lebt. 128), die in dem am Körper enge anliegen-
den Wuschezeuge, namentlich hei schlecht ge-
pflegten, schwitzenden Leuten (oder Kranken)
lebt -- Läusesucht Laus (Braun ticr. I'aras , S. 271;
Colcr, II. A.84). — kleine LaUS (15. Jahrh. eyn deine
Iiis; nds. en klcene Ins — Impetigo, I). 2S8; II, 211) =
= der in iiautsekreten des liaarbodens nistende
Lausparasit. — (1646) A' y7 -Laus = die Laus 1,
Pediculus capitis sp. am Kopfe im Gegensatze
zur Filz- und Gewandlaus (Coler, H. A. 84; dazu
kopwurz = Delpblnfura staphlsagria — Lausekraul,
Koll. U8). — Kra ul' n Laus = Oewandlaus. —
/ . La us (1420 leyplucz ~ pediculus, D. II, 284) =
Gewandlaus in der Kleidung, die man auf dem
Leibe tragt. — Magen -"L&vlb = Magen wurm
(s. d.) (Spies* D, 157). — (Mr-Laus (14. Jahrb. oer-
lose = aurealia vermla, D. 61) = Ohrwurm, Ohrlitze
(s. d., les oreillons). — Pfaffen-La.ua (1617 pfaffen-
lus«, Hettlerlaus [fialinm nparine = lapa canina], 1). 318;
eigentlich eine kleine Klettenart, die Ihren Namen hat
von einer besonderen volkstümlichen Bezeichnung einer
Mcnschenlaus [Filz-, Steig- Laus In I'llanzennamcn
bat der Waffe oft Bezug auf Uenilalien). — Käud-
Laus (Reitlau*, Heilhese) (1723 reitlausc, reiUeltan,
A. v. H. 1, 101 ; 11, 1274; M. 11. L. 1, 652; Kraus, K. 6),
I. = Sirones, Comedunes, eigentlich nur di«
Lituse als Gestalt mitzehrendor Elben hei der
Kiludekrankheit (die Heiter = Läuse, Räuder);
das.« die I Jtuse als kleinen, clbischcs, werkthatiges, glück
dringende« Volk angenommen wurden, lehren uns die
Volkswagen (conf. Liebrecht 339. 369; Wuttke 108. 149;
Mannh. 19); ein weitverbreitetes Mittel der Volksmedizin
gegen Utuse ist der Totenknochen (Opferrudiment) ;
als Amulett getragen; ausserdem werden sie In den
Wald (Hollcrstaude) zurückgebannt. — 2. = die Räudc-
krankhcil seibut, die ihren Namen dann, wie
Öfter hei Krankheiten, vom betr. Parasiten er-
hielt (vergl. Kiitidlieaen). — rote Lauschen -
vermutlich kleine, braunrote, hJutsaugund«
Wanzen (('imex lectulariu) <C. Schmidt 14, Baden ;
Kinder die rote L. haben, beten nicht gerne [Im Bette]
wegen des zu erwartenden Juckreizes). — Sau-,
Sih •••,r,..Laus (1417 eyn swynlus = sya [uslal pedl-
culus porcorum iKinne, I». II, 337 ; 15. Jahrh. swynlus —
iirla [usiii] vermls porci qul urit, D. II, 386; sulus =
vila, i). II, 3S6) — tichweinslinne als Parasit. —
(1645) 6V/urms-LaU8 = Kleiderlaus (Colcr, H. A. 84).
— Steig- Laus (II. Jahrh. stiglüs, Schmeller 1, 1511 ;
II, 743) = die von den kranken Genitalien auf-
steigende od. auch auf andere Genitalien über-
steigende Filzlaus, die als „rauhes Ding" unter dem
Einflüsse des Skorpiongestirns besonders stehen sollte
(conf. Wuttke, S. 84 ff.) ; die viel geschäftige Volksety
mologie ersann wohl die ,,f?teig',taus als Uegensatz zur
missverstandenen Rande- („Reit"-)Laus. — TschUtt-
LaUS (Tirol; Mannh. 19; Jahn 19 = in «. T. roma-
nischen tiegeudeu für) Zitl(or) - Laus (s. d.). —
H /-Laus = s. Wanze (1517 wanüusskrut, 1>. 545;
1707 wandlcuss, Abrah. I, 67). — Zeug-Laus - Klei-
derlaus. — Ziffer - LaUS (ahd. citarlus; S. Jahrh.
etttarlus; 11. Jahrh. citerlus [couterlus] — impetigo,
tiraff III, 279; IV, 368; D. 288; <Jr. D. M. II, 1112 ; citterlus.
h. i. xv, 341), 1. = der im Zitterach (s. d.) -Aus-
schlage lebende Läuse-Parasit (Grint-, Räude-
Laus, TschQttlaus). — 2. = der von diesem
Parasiten nach dem Volksglauben erzeugte Zu
terach (s. d.) selbst; das Uuse-lTngeziefer war in
den früheren Knlturperioden eine so selbstverständ-
liche Belgabc, dass Ursache und Bedingung leicht ver-
wechselt werden konnte in Bezug auf die Ätiologie
sowohl der Hautkrankheiten als der dabei (symbiotisch)
lebenden Parasiten. — Laus-, Lause - auflesen,
-Bodel, -Knicker, -Krücker, -Krankheit, -Nickel,
-Nies, -Schuppen, -Sucht, - Werk. Vergl. auch
Liesen und Litze.
lauschen, laustem*, lusen. — Lausch- Koller,
laut, Laut, m. (iudog. klu [xXrjui, cluo]; vorgorm.
kliVtös ^ hörbar, gebort; germ. hlüda, hlfit, goth.
hliuma = Gehör, Ohr ; augl. hlcodor = Ton, Stimme,
hliid; ahd., mhd. lüt) = mit dem Gehör ver-
oohmbar.
lauter (urgerm. hIAt ■ gewaschen [lautus] ; ahd.
hluttar, luttar; mhd. lüter — purus, hell, rein, Kluge],
— Lauterste, f. = ein langer, hagerer Körper,
ähnlicli dem l^äuterat (= die den Backofen reini-
gende, läuternde, lange Fegestange, Tirol ; Hlntner6. 9).
— Bau A-LäUtere (1590bauch-lcntteren = panUcea,
D. 410) = Reinigung des Leibes durch Bauch Üuss
oder Diarrhoe. — erläutern, sich (Iis. Jahrh. er-
lutern, Scbra. I, 1531) - anfangt*», sich zu reinigen
im Woclienbette. — (1532) (Vnlauterkeit (de«
Blutes) = die durch Beimischung der schwarzen
Bluthefe nicht reine Geblüts- oder Öäftebe-
schafienheit, eine melancholische Geblüts- Ano-
malie der liumoral pathologischen Scbulmedizin,
s. schwarze Galle, schweres, schwante« Blut
(Fries 69). — lauter -Antlitz, -Auge, -Fleisch,
-Fresser, -Hamen, -Stall.
laxieren (von mlat. laxaro) sa eine Ölfnung er-
weitern, Lei machen, abführen, purgieren durch
eine Laxativum. — Laxier- Fieber.
Laxner, Lachsner, Lachner. in dem Buche
über Krankheitsnamen soll auch der Namengeber ex
officio selbst nicht fehleu. l>er Name des Heilkünstlers
In germanischen Kultlirperioden hatte noch keinen
indogermanischen Vorlaufer ; wenigstens fehlt Im Sans-
krit ein mit dem germanischen Arztnamen Lakt, Laecka,
Lachner, Lachsner etymologisch in Zusammenhang
stehender Name für Arzt (Kuhn, Zeitachr. f. d. M.
V, 31); die arische Urzeit scheint über einen Namen
für Arzt \-erfügt zu haben (Schräder Spr.-Vergl. 1890,
S. 609); die Uothou nannten ihn . lelkeis, leckeis; die
Angelsachsen : lacca, laeccdom = mcdiclna (D. II, 2.5) ;
engl, leech = Arzt; die Nordgermanen laecknari
( = einer, derlacknet, Lache macht) ; dazu Irisch Haie,
altslav. lekü (Schräder 1. c); die ahd. Zeitp«riode hat :
lähhi, m., u. lacbanarra, f., für Arzt u. Ärztin; lachita —
medlUa für Arzncy (D. II, 248) ; lähhlnön = durch Be-
sprochung heilen ; mhd. lachenaere, m. laechenaera =
der Zauberer («. d.) u. Hellkünstler, mcdlcator (Schm. I,
14 18J ; lacbenaerin , f. — lachanerln, ein den Hexen gemein
erachtetes Weib (Schindler 179); Besprccherin, Zauberin
(Uoffm. I, 380) und 1646 lochssner (Z. f. d. Mythol. IV.
118; Zeilscbr. d. V. f. V.-K. 1891. 8.448.449). In dernhd.
(Schweiz) Zeitperiode zieht sich der Vertreter der ger-
manischen Medizin, wie auch in anderen Beziehungen,
so auch In seinem Namen als Lachsner, Laxner
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857
= Viehbespreeher in du G«blet der Tolksühllcben
Veterinär - Medizin zurück , d. h. in das Gebiet dar
marbd antmallum s. bratorum (Schmeller 1, 14*4). Der
germanische Medizinmann oder »eine Kollegin
war in erster Linie eine des Zaubern 8 kundige
Persönlichkeit, die mit Zaubermitteln (Lacber-
krAmer u. a, v. 64) nnd Zaubersprüchen heilen
sollte; unter Zauber (ein Wort. das, wie der Lachner.
ipniUach germanisch ist ; taufra-, taubra-, Kluge * 414)
verstand man aber das mit (roter Mennig- ?) Farbe
eingeritzte Runenseichen, Mal, das Lach ( - «ig-
num) ; der iähhi machte das Lach mit dem Anh-
änger (= Uhbi) auf der kranken, leidenden
Stelle, er lach-nete als Lach-ner ; unter Beseg-
nungs- od. Beschwörung*- Formeln machte er
sein Zauberxeicben auf die Stelle, wo der die
Krankheit verursachende Dämon sitzen sollte
der Yorliufer der Tätowierung die sieb bei den nackt
gebenden Völkern mehr zum Sehmucke ausbildete;
Analotfeen t. Bartels. Med ix d 9. 196; über Tätowierung
bei den Deutschen . s. Korresp.-BL 1 A. 1892. S. 4J.
Schon das Bezeichnen der bösen Krankheit mit
dem Ked- Finger, eigentlich die blosse Berüh-
rung mit dem bezeichnenden Finger sollte den
Dämon zum Weichen u. F.nt weichen bringen;
die flandrischen Volksarzte weisen noch heute
mit dem Weisefinger dem bösen Geiste den
Platz an, wo dieser auszu weichen hat CD* Coek2i);
der Goldfinger war dieser Bescbwörungs- oder
Zauberfinger (lahhi (J^axneri [Cam Glösa.), der
zur Berührung oder zum Zeichen- dach' Auf-
streichen benützt wurde. In der Edda quida Bryu
blldar; Jordan Ml lehrt die Siegtraut ..In der
Höhlung der Hand ziehe die Zeichen mit der Spitze
de« Fingert, die Faust umspannend und bete dabei
um der Dysinnen Beistand". Bei den Gallotranken
war der Arzt | - mire. s. Schmer) mehr ein Schmierer,
der mit dem doiz [digiras. mire ; = le dolgt appele
medecin on annulaire]. Du • aoge IX. 1S3! die Salben
auttrug auf Wanden. — L&Xner ist demnach, 1.=
germanischer Medizinmann, der unter Zauber-
sprüchen Zauberzeichen zur Vertreibung der
Krankheitadamonen auf den Leib auftrug. —
2. = Arztringer fBucki. mit dem der Lachner 1
hantierte. I her die weiteren Seiten des ger-
manischen Anttums s. Jan tu 1897, S. 11 ; sowie
Berufen, Beschreien , Vergalsterung, wilde
Weiber, Llurker, Bässer, Zauber, Luppe, Königs-
hand, Königsübel, Skrofeln, .St Markolf.
Lazaret. n. St. Lazarus fLaserie). —
Lazaxet EM Lazarus, Erang. Lucae XVI. 20; mtl
lazaretum ; in der 2. Hälfte des 16. Jahrb. aas itai,
laxxaretto IVA gebadet; 13. Jabrh . ndl. die Laserle,
die komt dicken toe ran ghenoten aldus eist dat een
coitj een laserwyl daer of «oe tal bem »awn eene
Cjassflü infexcie ( - basslicbe Infektion}. Fr. I, 329 .
— Lasers (14. Jahrb., ndl Sasers — lepro. ... M7I
laxerye; l'<ffi lauerte; ndL = Lepra, D. 324; lVXi iazery
= morphea. D. U, 217; 1146 Laxari. Du . ange V. 49! =
die am (136»! Morbus St. l-axari oder Morpnea,
Laserie (1MC). Mal St. Ladre = Lepra (Du tauge
V, M7; IX, 2S0. (Aussatz) erkrankten sogen,
„guten I^eute", truher nnd «j*:er auch die Syphi-
litischen ; sie waren im Lazaret untergebracht D. 3*4 .
Kluge*, 2»; conf- engl Laxarwon ^ Laserkraut. —
Lazaret-, Lazarus (Laser-) Fieber, -Sucht,
■Übel, -Weib.
lee s. leilich.
Leben, n. leben. — leben (indogerm. iib ^
leben ; Up - bleiben [*. d.], beharren . altgerro liba -
beharren, goth. llban, ahd. leben, mhd. leben) =
beim Leibe beharren, aus innerUcher Kraft ein
Dasein fortführen (Kluge*. 220 2:2, Heyne III, W2j.
— Leben, n. 1. — die Kraft zu leben, das
I Zeichen, dass man lebt, Gesundheit. — 2. =
beim Pferde der fletschige, blutreiche und
empfindliche Teil zwischen dem Hornschuh u.
dem sog Hufbeine, der innere Teil, der Kern
des lebenden Hufes i<ir. w. vi. 423; Mayer IIa).
— 3. = der vorzugsweise Empfindung d. h.
Leben bezeugende Teil des Geschwürs (Fautl 119
— 4. =die besonderen Zeichen der Gesundheit,
Zeugung»- u Lebenskraft, Genitialia 'Joidschm.
133). — um das Leben fechten (mit dorn Tode
s. d.) = agonizare .D Ii, xvii'. — lebendig i'mhd.
lebendec, 1419 lebntig ; 13S1 lemptig, lempic, lendlc.
Schmeller I. 140S; Gr. W. VI. 432; D. 624; = I^ebens-
kraft zeigend, habend, frisch, kernhaft, rot,
im Gegensatze zu tot oder wild. — fl7. Jahrb )
Lebendig, n., m. = (1092 Lebend, n. 1. = Leben 2,
Uufkern t'R. A. 5*4). — 2. - das empfindliche,
blutreiche Gewebe unter der Haut warze Seb. i«<o.i.
— 3. = Teufel der leibhaftige (Frumm. VI. 443;.
— ltlt alt erlebt - im leben alt geworden
(Schmeller I. HOT). — 1*4«; Blut-Leben = die phy-
siologisch chemische Thatigkeit des Blutes, die
Bluterzeugung (Gr. w. II, l^-. (vergl. Ferch). —
Doppel-Leben = „Doppelbewusstaein , alter-
nierendes Bewuastsein, ein meist bei weibl.
hysterischen Individuen beobachteter, dem
I Uypnotismus verwandter Vorgang, in welchem
die Kranken abwechselnd in 2 ganz verschie-
! denen geistigen Zustanden >. zweites Gesicht)
; leben, so dass während der einen Phase das
j Gedächtnis für die andere vollkommen er-
loschen erscheint" fYilLaret I. 4^0), so dass ein
solches Individuum gleichsam 2 Leben führt,
zweierlei sieht. — Hund - -Leben — schlechtes,
elendes Dasein. — liebet Leben = Genitalia
| (Leben 4) (Cr. W. VI, 424). — wieder lebendig
(1445 widerlemtig. Schmeller I. 14ö- = redivivus.
neues Leben zeigend. — Lebe n. s> , lebendig,
leblich -Balsam, -Dieb, -Faden, - Glieder, -Kraft,
•Licht, -Linie, -lo$, -Saft, -Schwache, -Tag,
— Taubsucht, - Wesen, -Zeichen.
Leber, f Lebern, f. indogerm. Ijek 'Jecur, hepar] ,
nach dem Vorgange der Ktrusker galt den Römern
nnd Griechen die Leber als Augurium hanSpMa, da»
, Di Tinaüon» organ de« Heil [D U. 42] oder Eicgeweide-
beaehauer*. «le war da» caput eztorum, da» er»te und
wlehtig«te Eingeweide. de**en oenuva na<'h beutigem
deutschen Volk. «glauben un«icblbar rnarhen «oll. da
ea eine 054UIS|W|S> in Opiat fusli war, mit dem Ver-
1 scli«inden des ^.mi«<.•hen Heidentums rerliert «ieh
ao< h in den noch fortlebenden romanischen Sprachen
da« ;iat-] jecur «purlo»; auch der germanische Opfer-
priester [Gode] Terbrannte die Leber, und noch gilt
das Verbrr-Drjen derselben als ein Mittel rezren Hezen-
zauber Wultke 266), Hundebb» ete ; -t«r die beim
. Kultopfer ausgesondert* bitter« Ga^e »iehe die*e .
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858 Leber
and. lebaxa; 7.— 8. Jahrh. leparo — flgldo - ficatam
jccur, lc foie 'vom der durch Felgen, flgl, gemästeten
Gilnselcber], Cas*. (iloss. Ulcz 100 ; leucrn - ncatum,
D. II. 173; 9. Jahrh. ieber» = jecor. R. Maur. 65;
U. Jalirh. lebera = jeeur, II. Z. III, 368; XV. 341;
U. — 12. Juhrh. libora^ jeeur. Graft II, 80; „das e der
StnmmslUie int alte» I", Kluge*, SM; mhd löbcre;
mnd. levere; angl. llbr = ficatum, P. 233; engl. Uver),
1. = da« den flüssigen Speisebrei (Chyuius)
durch „Lab" (s. d.) nach alter (aber nicht rich-
tiger) Vorstellung von dessen liefe trennende
und beides, das Geläuterte, „Kdle", und die
Hefe (s. Melancholie) richtig leitende, „feucht-
warme", in der rechten Seite der Bauchhöhle
liegende Organ, das der Blutbereitung (s. Blut-
lauf Abbildung S. 353) zur Bildungsstätte dienen
sollte und demnach auch als „ein Brunnen der
blutreichen Adern" (1677; Heyn. 162), als der Sita
von Trieben, Leidenschaften u. Empfindungen
(Liebe, Zorn, Mut, Durst etc.), la cause materielle
de l'amour (itrigs. w), angenommen wurde (14. bi»
10. Jahrb., mnd. de äderen de van der leveren dat
blot ghevct deine live, J. f. nd. Spr.-F. XV, 132. 1018
„Die tatm Ist ein tilled der Adcrdawung [— Ver-
dauung des chymus In den Blutadern] und eine üe-
btrertn des Blutes [Mutbildungstittte] ; die unnatür-
lichen [s. d. — ungeordneten] 4 I.ebcrfcuchtlgkeltcn
(s d.] werden geshleden u. gesetzt zu etlichen statten,
die dazu bereit sind [die rote oder gelbe <ialle oder
Cholera zur Gallenblase ; die schwarze Galle zur MHz]
od. werden aufgetrieben von dem Leihe als die Cholera
zum tiallenfelle , die Melancholie /um Miltz , das
PbJegnM [Schleim, Keuchte] zu den Pugeu [Gelenken]
und die wässerige Feuchtigkeit [l'rln] zu den Nieren
und zu den Mosen", H. v. Gersd. 12. 1034 „Ks Ist
Jo die I-ebbcr ein gezaw [- Werkzeug] od. Instrument,
vermittelst welchem die notur das notwendige blut
setzt und on underlasa kochet Weichs darnach zu dem
hertzeu gezogen In die lebendig machende »ielster
(s. Lebensgeister] vollen breidt [bereitet] wirt", Kurl- ,
elus Cordus nach Peters II. 184); nach dieser hu-
moralpathologischen Lehre, die die Leber als
ein hauptsächlich Blut bereitendes und Blut
aussendendes Membrum generativum massae
hum<iralis(j!. B. Phlegma) auffa»ste(i:>24; Pr. 11,95), 1
konnte und musste durch Störung der Leber-
funktion („es ist etwas d. b. die Ualle über die
Leber gekommen", gegangen, gelaufen) eine
abnorme Zusammensetzung der llumores
(phlegma, sanguis, cholera, atra bilis), die sich
z. B. bei der Syphilis als Phlegma (guuima) in
die Knochen absetzen oder als Entsendung im
Blute bemerkbar machen sollten (Pr. II, 162), zu
stände kommen, damit aber auch die Consti-
tutum der natürliche „Humor" im allgemeinen,
verändert worden , z. B. cholerische Etnpfiu-
dungen,üble Laune (Melancholie,Milzsucht) etc.
geweckt werden : „es ist miretwas (Käfer, I>aus)
über das Leberl gekrochen" oder besser das
schwäbische „es ist mir das Leberle über-
lüden" (als Uallenstatte, s. Überlaufen) = es hat
mich etwas aus der (natürlichen) guten Laune
(= Humor) gebnebt (Heyneiii, 688; Schm. I, 1410).
— von der Leber räumen, s. räumen (reden).
- 2. = Leberähnliche« (Bürde-, Mutter-Leber)
(Kraus, E. 457). — 3. oft - Magen, dessen
Leber.
Krankheiten im Sprachgebrauche auf die Leber
übertragen wurden. — 4. = nach der modernen
Auflassung ist Leber die Drüse zur Bereitung
der (»alle , die Bildungsstätte des Harnstone«,
des Fettes und des Zuckere. — (17. Jahrh.) bau-
fällige Leber = faule Leber (F. K. B. 224). — be-
dampfte Leber (mnd., 14. — 10. Jahrh. de bedem-
l>edun leveren , J. I. ndd. Spr.-F. XV, 141) ^ eine
Leber, in der sich nach humoralpathologischer
Schullehre die aufsteigenden Gase od. Dämpfe
verstopften und anschoppten wie in einem
schlecht ventilierten Ofen = Leberanschoppung,
Infarctus hepatis. — btsehUitnte Leber 'mnd.
beslimel levere hevet he den vlote van deme hovede
so werd besllmet sin levere, sin lunghe, sin borst,
14—16. Jahrh.; J. f. ndd. Spr.-F. XV. 136. 144) =
Magenkatarrh mit Schleimbildung (s. Leber 3).
- bleiche Leber (mnd., 14. — 15. Jahrh. hevet de
mlnscho de suke van der hette (hitzige Leber 2] lang he
gedragen so is eme sin levere blek, J. I. nd. Spr.-F.
XV, 107) = Uber-Cirrhose, Säuferleber, Milch-
leber, weisse Leber, durch weisses Bindegewebe
in seiner zuerst roten Farbe zum (irauweissen
verändertes Leber-Organ. — (1616) blöd« Leber
= eine kranke, zur Blutbereitungsfunktion
schwache Leber (Pausa M; Tabem.) (s. Leber-
blödigkeit). — fco«e-Leber (U.— 15. Jahrh., mnd.
»M»sen leveren, J. f. nd. Spr.-F. XV, 130; 16S2 böse
I.ebcr , Lonic. 270) = schwerleidende, bösartig
(s. kalte Leber) veränderte Leber. — Brannt-
wein-Leber = Sauferleber (s. d.). — ßtirdV-Leber
= die Mutterleber (Placenta) als Leber für die
Bürde (Burt, Krabryon) angenommen (Hyrü, K.
W. 204). — dicke Leber (Tirol; v. Hörmann 47), 1.—
grosso Leber. — 2. = grosser Appetit, guter
Krnährungszusitand. — (1717) durstige Leber =
entzündete, heisse, trockne Ixiber (Abrah. II. 297).
— (l&ai) entzündete Leber, L = Schmerz in der
Lebergegend und Hitzegefühl, Brennen im
Magen, Durst (Bock loci j Peters II, 184). — 2. =
s. Leberentzündung. — (1699) erhitzte Leber =
s. hitzige Leber n. verdorrte Leber (v. M. II. 23).
— (12. Jahrh.) faule Leber (lülun lebere. Pfeiller
1k. 89)^- eine durch Fäulnis der Säfte verdorben
angenommene, erkrankte lieber. — (19. Jahrh.)
Fett Leber - Hepar adiposum , eine ausBer-
gewöhnlich reiche Fettinfiltration oder Fett-
degeneratiou der l^eberzellen. — (1645) feuchte
Leber - die aus feuchter Komplexion erkrankte
Leber (s. kalte Leber) (Coler, II. A. 166). — Qe-
leber (das gliber, Buck 17) = die ganze Leber. —
/»«x/Vi-Leber - s. Potz- Leber. — grosse Leber
lengl. livergrown) = da die lieber nach alter ins
Volk gedrungener Lehre der Sitz des Durstes
sein sollte, so musste der Trinker a) eine be-
sonders grosse (Säufer-) Leber (Gr. Vi. VI. 461)
und b) desgleichen eine hitzige oder entzündete
Leber (s. d.) haben, da Hitze Durst macht; ein
solcher hat die Leber nach dem Volksspruche
auf der Sonnenseitc. — (1677) harte Leber = I«ebor-
verhärtung (s. d.) (Beyn. 44). — (1507) heitse Leber
= die zu viel hitziges Blut(s. d.) bereitende Leber
(le foie ehaud) als Ursache der heissen Cholera
(s. d.) (Hort, san.) u. des cholerischen Tempera-
mentes. — (1645) hitzige Leber, 1 = dio heisse
Leber als Zeichen der sogen, biliösen Kompli-
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Uber.
Ubs-Ucker
859
kation bei fieberhaften, hitzigen Krankheiten
..wenn der Mensch Hand und Kussohleu sehr helss
hat. die Korbe des Leibes gilb ist und der l'ativnt zu
irrossem Durste geneigt ist" (Thes. san. Br. 9.1."); Coler,
II. A. 156). — 2. — die grosse I/ober des Trinkers,
der so viel Durst hat, weil er nach der Volks-
meinung eine zu blutreiche, hitzige Leber hat
(Gr. w. iv, 2. ii*4). — kalte, (lyoi) erkaltete Leber
(Hort. san.), nach humoral pathologischer Auf-
fassung, 1. = eine zu viel kalte Feuchte oder
Phlegma (s. d.) bereitende, aus dem kalten Blute
absondernde und in die Gelenkfugen (Kheiuna-
tisinus articnl.) ablagernde Uber. — 2. -= Leber'
cirrhose, als blutarme, bindegewebige , harte
Lebermit Bauchwassersucht (l'hlrgma, Ascites).
— m&A-leberig, 1. — eine wie Milch weisse
lieber habend ; die Uber als Bildungsstätte des
Blutes und der Triebe, nach alter Auffassung,
umsste beim zornentbrannten, heissblütigen
Menschen rot, beim weichmütigen , liebens-
würdigen,die lange Hitzeertragenden M ersehen
aber weiss wie Milch sein (die Milchadern im (i<-
kr-ise (Milchdarm) sind nach der Muhlzeit weiss gefüllt .
nach dem Ksscn ist jeder Mensch auch besser gelaunt
als im lluugcrzuslaudc ; bei jedem IMner kuun mau
die llumores im Gesichte selbst gebildeter Leute er-
kennen) (s. weisse Leber). — 2. = bleiche Leber.
— (164;.) mittelmässige Leber = eine normale
Uber, aus wohl temperiertem Blute (s. d.) sich
bildend, d. h. aus gut gemischtem, nicht zu
dickem, nicht zu dünnem Blute (Coler, IL A. 166).
— (1704) Mutter - Leber ■ Hepar ulerinum =
l'lacenta, Leberlage, Leberkuchen, Bürdeleber,
die Nachgeburt als das das F.inbryonbhit be-
reitende Organ (1564 AranUus. Hyrtl, K. \V. 5. 204;
17S3 ,.von dem Samen Ha Uc rieber, hepar uterinuui,
erhellet der Nutzen dieses Körpers, welchen mau
heutigen Tags besser die physiologische Lunge der
Knicht nennen konnte", Stein I, 96). — iVote -Leber!
in Flüchen entstellt aus GodeS- Leber; «ler Opfer-
priester hieas Gode (auch pluostrarll ; er nahm die
Uber und das Inngerausch (s. d.) heraus uns
dem Opfertiere (s. Los). (Vergl. du» Verl ltanm
und Waldailt S. 23 Anm. I und lorresp.-Hl f. Anth.
k. f. 1*9«, s. 13). — Säk/Vr-Leber Wniiver, gin-
[— Wachholderschnap*] drinkers llver, Lehf. 17»), 1. —
die grosse, heisse Leber (s. o.) = liyperaemia
hepatis. — 2. — tlie Uberverhilrtung, Cirrhosis
hepatis, als Folge des Alkoholismus (<ir. W. VIII,
1*83, «Ogt hobuail liver. Jkhuhzweckel Leber, DoiHbL
M; I/sbl. 183). — 5o/ra«-Leber - eine Fetlieber
mit safrangelber ikterischer Farbe des Leber-
gewebes. — ScAnrtr-Leber — eine durch zu
starkes Schnüren bei Frauen verursachte Miss-
staltung durch Furchung der Leber. — (n-r«)
trockene Leber, L = aus trockenem, dütren
Blute (s. d ) sich bildende Leber (Coler, II. A. 156).
— 2. [ndl. hij heett een droge lever, l'ninell lv.»7, s>«)
-- er hat eine Säuferleber 2. — (16ös) vadurretc
Leber - die durch Hitze (s. d., Alkohol) aus-
gedörrte, getrocknete, eingeschrumpfte Leber,
Saaferleher 2, Cirrhosis hepatis (Heyn. 2Ä4). —
[MM) verhärtete Leber - s. Leberverhärtung
iv. M. II, 23). — (1592) rertchrtr Leber - schmerz-
hafte Uber (r. M. Ii, 29-1; Beb, 191). — 11699) ver-
»topfte Leber = Uberverstopfung (s. d. u. be-
dämpfte Leber) (v. M. II, 23). — W ander Leber
= eine Leber, die ihren normalen Ort ver-
lässt. — weisse Leber — Milchleber (s. d.), le
foie blanc; der besonders weichmfltige, liebes-
empiindliclie und schlaffe Mensch soll nach
altem Volksglauben, der wohl aus der Schul-
| medizin diesbezüglich entsprang, eine milch-
weisse Leber haben; Frauen und Männer, die
zum drittenmal heiraten und damit den Beweis
besonderer Sanftmut und Liebenswürdigkeil
aldegen, haben darum nach diesem Glauben
als Ursache der letzteren Eigenschaften eine
solche Milch- oder weisse Leber (auch weisses
Herz) (1'r.iuell IV. 19); mit 40 Jahren aber mus« uaeh
demselben eine solche Krau mit eluer weissen Leber,
die auch vou Vergiftung kommen soll, Nierheu ; der
Manu aber, der eine weisslelKrige Krau hat, muss vor
dieser sterben! — Leber-.ldVr, -Apostem, -Diodig-
heit, -Blutfiuss, -Drüsen, -Egel, -Enttundung,
•Erhärtung, -Fach, -Fäule, -Feder, -Fehler,
I -Fluchteil, -Flecken, -Flui», -Gebrechen, -Ge-
bresten, -Geschwulst, -Gipfel, -Hand, -Haupt,
-Hitze, -Hohe, -Hohle, -Hügel, -Husten, -Kolik,
-Krankheit, -Kuchen, -Lage, -Lappeu, -Leiden,
•Lunge, -Mangel, -Netz, -Pforte, -Putzer, -Ruhr,
-Schwär, -Schwärung, -Seite, siech, -Stein,
■Stockung, -Sucht, -überhitz, -Verstopfung,
•Wedel.
Lebs, Lebse s. Lefze.
lech, lechen, leck, Lecken, lechzen, -lochst
(germ. lek — wässerig sein; goth. likan; engl. Utk;
mhd. b eben, leehezen - austrocknen, vor Trockenheit
Kisse , Sprunge, Schaden bekommen und so Wasser
durchlassen, Kluge *, 230). — Lecken, tu. -Schaden
(Riss, Sprung), wie ein leckes, (1717) zerlexnetes
(Abrah. II. 109) Wassergefäs (Schmellor I, 1433) —
lechzen ■ stark austrocknen beim Atem holen
(Or. w. VI, 477). — der-, er-, rrr-lechzt (-lechst),
1. = ardenter sitire, vor Durst und Trockenheit
brennen im Bachen. — 2. — (aus Durst) al>-
gesehlagen. — (1579) cr-leckert^ u »si erlechert,
erlechzt (Tabern.) = von tinger her ertrocknet,
ausgedorrt im Magen (Bachen). — (1C09) gute
Lecken (aufklauben) (Guar) = Schaden (Fran-
zosen-Geschwüre) sich acquirieren. — Kör-
Lecken - s. Lücken (Lach), lecken u. naschen.
! —Leck- Auge*.
Lechter, m. (lichter) (zu hh: i.eich [s. dl.
Körper; ahd. lehtar, y. — 10. Jahrb.; Ural! II, 162,
Kluge', 133) = Matrix, Secundinae: 1. = Gebar-
mutier und 2. = Nachgeburt als Inhalt von 1,
— lechtig = s. Uge — ent lichten Q&. Jahifc;
ontllchten - - exonornre, D. 217) — aus dem Ge-
lechter entschütten, abortieren. — Oclechter
(ahd., 8. Jahrh. gilehter. <.rnff 1. 162) - Matrix, die
ganze Gebärmutter mit ihrem Inhalte (daher
mhd. gelihter = Geschwister, Kamllie, Sippe, Kluge*,
US; bei Abraham u .St. Clara [I, 18t ; II, 59 Index] auch
üliflter mit Wechsel vou ff u. ch wie bei Olli u. (.icht).
Lecker, ni. lecken (skr. rih, rlgh durch uralten
Lainbdacismus (It. Kleinpaul. Leb. d. Spr.) verwandelt
In indogerm. ligh [llngere, lingua]; ahd. lekon ; mhd.
lecken, Kluge*, SM)) = lamhere, mit der Zunge
lecken (bUB bette nate* ! llngere culum, bei Cutull schon
| vorkommend. Schräder 294) = statt des l'apieres
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Wler— leer.
die Hundszunge gebrauchen (dm der Hund an
allem leckt , nicht bloss am Speichel seines Herrn,
sondern auch an dessen Geschwüren etc.). — er sieht
aus wie fleckt = wie frisch geputzt, rein. —
er hat gewiss /deckt (genascht) = HerpeB
labialis (s. Kör- Lacken u. naschen), durch
Naschen oder Küssen sich den BlalternauK-
schlai; am Munde zugezogen (Kosenbanm 2*4). In
Komeo nnd Julie, L Auf*. 4. Biene: „Oft plagt die
boxe Mab mit Bläschen diese (Lippe), well ihren Odem
Nascherei verdarb." (S. auch Grieben u. Toten-
knss); die damontsttsrhe Aettolofrle im alten Volks-
glauben ergibt sich deutlich. — er hat zu lecken
b er hat einen Schaden, an dem er wie ein
Hund zu lecken, zu verbessern hat. — Lecker,
1. = die Zunge (Gr. W. VI. 483). — 2. = (Tirol;
Fromm, vi, 446; Lade als laickender, sprin-
gender Geck. - ynM£/em-Lecker = moreeanino
cunnilingus (Schräder 154). — Kur - Lecken siehe
I. ach; siehe ausserdem: leebernd und Lack,
läeken. — Pfoten- Lecker (Brandenburg; polen-
lecker, Engel. 192; ndd. botterllkker. Demokr. II, 117)
= Butter- oder Topflecker, Zeigefinger, mit dem
man die Kost an die Zange bringt. — Leck-
■Auge*, Sucht.
Leder, n. (lOrgUUL letro-m; gem.-germ. lödar;
ahd. lednr; mhd. linier. Kluge*, 230 — gegerbtes Fell;
1182 leder), 1. = Trommelfell im Ohre (c. v Megbg. ;
Gr. W. VI, 491). — 2. = a) (In Redewendungen)
menschliche Haut (Gr. W. VI, 491; Schräder 295) ;
b) (anatomisch 1749 „das Mlttelntigerglled ist mit
weissblaulichtem, schier todt gebauchtem Leder wie
ein pauaiitium umgeben", ZeiUchr. f. d. Philol. XXVI)
= die durch feuchten Verband weissgebliebene,
abgelöste, bei Handarbeitern lederartig sich ab-
streifende Oberhaut der Cutis: 1. = Epidermis,
Corium. — 2. — Kuh- und Menschenkot, der
sich abledigt« (Schm. I, 1440). — ledern, 1. =
cacare (Schm. L c). — 2. = unempfindlich wie
eine tote Haut. — (mß) Niederung = Abhäu-
tuni; bei der Halsbräune (Woyt 91). — Arsch-
Leder — Gesässhaut, .Sitzfleisch, I'odex (Spiess
II, U). — Leder- Brand, -Bund, -Haut, - Wurm.
ledig Lein Wort, dessen Bedeutungsentwicklung
schwer zu beurteilen Ist" ; mhd. ledic, KluKe8, 230 ~
frei, UDbehlPJwt, Illegitim, solutus, privatus. — ab-
ledigen = etwas frei machen, ausräumen, ent-
binden, z. B. das Kind, Hiustschleim, Haut und
Haar. — (1692) V'or&M^s-Ledigung = Buglähme
beim Kinde, wobei eine falsche, d. h. zu freie,
zu bewegliche Gelenkverbindung (Schlotter-
gelenk) bestellt [Sab. iso). — ledig(r, er, es) Darm',
Kind, Unkemcfthnt.
leep (ndl. leep = llppus. qui habet malos oculos [D.)
leepen = llplre, D. 332; ?zu lüpp ( = GiftD = bösartig
(Goldschni. 92, Oldenburg). — Leep Auge*, Leute.
leer mhd. l&ri, mhd. lane, Klug«*, U3i> = ungefüllt,
lodlg), 1. - nicht trächtig, leer im Fruehtsacke
(vom Rinde), Tnajjer, nicht beleibt (Gr. W. VI,
608; schmeiier i, 1498). — (1789) ausleeren = pur-
gate ventrem, den Magen, I.eib durch Abführ-
mittel putzen (s. d.) (Gr. W. I, 9u6, Nicolai II, 321),
was der Körper bei der Knischeidung (s. Krisis)
der KrunkhoU als „kritische Ausleerung" thut
(Kraut, B. 277). — blut leer - sichtbar in den
I Adern mit Blut wenig gefüllt, blutarm, exsan-
guis (Gr. w. Ii, 186). — Ge-leer (Glär) = das
Geschlinge des rauschendes Leerdarraes (s. d.;
beim Schlachtvieh ; Inngeräusch) (C. v. Scbm. 232).
— flrrr-leer, -Leere, 1. — das öde, leere Ge-
I fühl in der Magengegend (Cardia = Herzgrube),
i von wo das sogen. Herzwasser aus dem Magen
aufsteigt; das Volk denkt Bich etymologisierend
dabei das Herz von flüssigem Blute frei, bloss
mit geronnenem Blute gefallt (Buck 20). —
2. = das Kalbefieber (Eclampsia puerper.),
wobei man das Herz des geschlachteten Tieres
blulleer fand (Falke I, 390). — schindet -leer —
(vom Vieh) mager wie ein Brett (Schmeiier 1, 1498)
(«pindeldörr), forden Schinder reif. — Leer («▼)-
Darm, -Überfang.
Leff, n. leff, Lefs, m. Lefz, Lefze, f Leftze,
Lefftzen, Lebse, f. Lepse, f. Lespe, f. (urgerm.
Icpas oder lefs-, germ. lep, leb = labinm, Lippe; ahd.
lefs, m., (iraff II, 206; altfranz. leffre, loffre, lofre —
l. vre», Bris». 40; 7. Jahrb. leffura - labla. Graff II, 203 ;
7.-8. Jahrb. lefsa, f. ss labla. Gas«. Glos«., Dies »4;
| 8. Jahrb. lefsa — labla, Kero 80; mhd. löfs, lefse, f., m. ;
| 1482 leff«, lebsen, 0. v. Megbg.; Zenlng. Voc. s5; 1523
lettre, Kluge*, 239; 1528 lebae, A. Duorer; [Schwelsl).
— Leff (Schweis) Läff, Lef, n. = Maal (Gr. w.
VI, 615; Schw. 388; (bayer. W.]). — Lefern = Hänge-
maul (Schmeiier I, 1451) = Lippe. — Lebs, Lefz.
Lefzg = Lippe (C. v. Schm. 340. $47; Bock 13;
Schmeiier I, 497 sub deihen). — Lefze, f. Lefzen, m.
(Bayern, Tirol, oberd. ; Htntner 6. 14). — Lefzlein
(1521 lefrtxllu - - labellum, D. 313) — die Lippen des
Mundes, Maules, der Augen, Scham, Wunde etc.
(Gr. W. VI, 616); sie sind dick, gross, mager,
klein, ofl'en etc. — (1766) auf gesprungene Lefzen
sa Lippen mit Schleimhautrissen, Khagades,
Fissurae labiorum (A. v. H. II, 506). — Augen-
Lefzen. -Gleff (-Gläff, -Glaff) ■ die beiden
Augenlippen, Augenlider (Gr. W. I, 806, Schmeiier
I, 971; Ii, xxi; Hyrtl, K. w. 13). — (1789) berggriine
Lefzen = neidiscli-gelbe chlorotische Schleim-
haut der Lippen. — (15. Jahrh.) GV-leff (Gleff,
Gläff, Gleft, Glepfen, Gleif) (1>. S14 . 402; Gr. W.
I, 806; VI. 515; 1472 Rllffer; 1477 glefer - oscedo, D. 402
= labla) — die beiden Mundlippen, der Mund,
die ganze Mundweite beim Gähnen u. Kleffern.
— (1668) geschundene, (1592) geschrundene Lefzen
= Khagades, Lippen mit abgestossenem, zer-
spaltenem Oberhautchen (Beyn. 119; Seb. 666).
— (l*>12) hm /Vleftzig = grosslippig (D. 82, broccus).
— (13. Jahrh.) Mannes-Qle^f = Labrum viri
(I.. 314). — (Anf. d. 19. Jahrh.) Muttermund Lefzen
= Orificia uteri, die den äusseren Muttermund
bildenden Cervix-Lippen (Rolffs 173). — Ober-
Lefze (mhd. oberlefse; 1440 oeberlcflU; 1495 ober-
lefftslln, Gr. W. VII, 1096; D. 314) = Oberlippe. —
(1677) «ScAam-Leffzen ■ Labia vulvae, (1793) Alse
majores, Labra Iminae (Hyrti, K. w. 52; Gr. W.
VIII, 2118; v. Slebold 87). — t'nfVr-Leffzen (mhd.
unterleffs; 1440 undcrluffti ; 1495 undcrlefftzlln, Wacker-
nagel; D. 314) ss Unterlippe. ■ — (1660) »er-glafern,
-glaffet - ganz abnorm weit den ganzen Mund
aufsperren beim Gähnen (Oscedo) (II. Sachs;
Schmeiier I, 1754; I». 402). — (1718) U'-i.vt r-Leffzen
= (Übersetzung der) Nymphae = Labia minora
vulvae (A. v. H. II. 1168; L. chir. 60; Keil, A. 5«),
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legen— lehren.
Uib.
36 1
die. uiich damaliger Anschauung den Urinstrahl so
lenken sollten , das* die weiblichen Beine nicht natu
werden (?). Nach Kosam. 11 war: Nympha = die
(von den Wasserleffzen umgebene) Clitoris
(Kraus, E. 671). — Weiber-Qrleff, -Lepfen (13. Jahrh.
gleffpderwibe; 15. Jahrh. weybes lepfen ■» labla, D. 314)
— Schamlefzen. — Wum /-Lefzen (1M9 lefzen
der wunden, Gr. W. VI, 517; 1742 wund-lcffucn, Zw.
800; a. t. H. Ii, 883) = die weit von einander
„zahnenden" Wundränder. — (1532) zerspalten*.
Lefftzen (Fries 84) = s. geschundene Lefzen. —
Lefzen- Ader, -Krebs, -mämmeln.
legen, legem, Leger, n. Lege, f. (indogerm.
legh (leetu* — Bett) ; ahd., mbd. legen ~ liegen machen).
— sich legen (seil.) auf das Bett = krank sein.
— sich auf den Rücken legen = sterben. —
es legert sich = allmählich unter mehreren
Absatzen sich niedersetzen, aufhören (vom
Schmerze «. B.) (Schmeller I, 1459). — (1260) Leger
= Lager (s. d.) (16. Jahrh. acuta [seil, passlo] die
Bucht bezeichnet roten harn der mit gelber Farbe ge-
macht ist. D. 643), Krankenlager (bei einer akuten
Krankheit). — er stirbt des Legers — er stirbt
an dieser Krankheit auf dem Strohlager (siehe
Stroh-Tod) (Pfeiffer 28. 71). — «t-legig = s. Lage.
— aufgelegt sein im Gegensatze zum „ab-
lägigen" Kranken = munter, frisch, nach vorne
oder oben liegend, guten Humors, guter
Laune, behaglich oder gutes Hagen sein. —
tt£eTlegen } = *™ — Li««, gebracht
sein, darnieder liegen, z. B. die Sprache oder
unbewegliche Zange (Bock 22). — Gelegenheit
= 8. tage. — Kindes-Lege (ohd. klndslecco,
G raff IV, 458; 1260 chindelcge = maüiz, Pfeiffer 24;
Schmeller I, 1458) = Kindeslage (s. d.), Matrix. —
f*7ngelegenheit ~ s. Lage. — (1551) vei legen =
was an einem andern, falschen Orte abgelagert
wurde, oder was fehlerhaft liegen bleibt, z. B.
Galle, Schleim, Exsudate, Winde, Periodeblut
(Amenorrhoea); hauptsächlich aber von der
Sprache (= Zunge), die bei der „Verlegenheit"
wie gelähmt ist (Schmeller I. 145; Bock 185. 168;
ürquell 1892, 8. 252; Anm). — Leg- Ohr.
Lehm, m. (lat. dünner Schlamm ; germ.
lalma, Um»; ahd. lelmo; angels. liim; mhd. leime;
ndd., md. lein = Lelm, Kalk, thoniges, welches Binde-
mittel, erdige« Konglomerat). — lehmig = dflnn,
schlaff, kraftlos (Tirol ; Fromm. VI, 437). - lehmiger
Stein.
-lehm s. Lank und lahm.
lehn s. lind (engl, lean) - Lehn- Fleisch.
lehren (Stamm Iis [dazu Geleise, Leist, leisten] =
gehen. Klnge», 232. 235; altgerm. lais [-gehen].
Kluge *, 141 , goth. lais = habe durch Wanderung
[Gehen] erfahren [1. eod. 232]; gern -germ. lalstjan =
nachfolgen, 1. c. 231; lalslan = lehren, wissen machen
(durch Nachfolgen], 1. c. 2.12; lubja-lela, -lelsel = gift-
kundig, Oiftkunde, Zauberei, Lüppclehre. Schräder,
Spr -Vergl. 609; ahd . mhd. leren (lat. lira = Furche,
gerade Linie]; mhd. gelArt, geldrt wer (durch Gehen
auf der Torgewiesenen Linie nachfolgend] unterwiesen
ist, Kluge». 232). — Qelehrten-.KVanAA«i\ —
Lehrer- Bräune "
Leib, m. (Indogerm. Up = bleiben, leben (b. d.];
altgerm. lfba = Dauer, Beharrung beim Leben , am
Leben bleiben ; ahd. IIb. lip = Leben, (lebender] Leib,
Korper, vita, corpus, Graff II, 39. 43; mhd. lip = eigent-
lich „die Gesamtheit der noch zurückgelassenen , der
noch nicht [auf dem Schlachtfelde] Gefallenen", Gr. W.
VI, 580 ff. , Heyne III, 605, d. h. der Zurückgeblie-
benen; so kam das Wort [be]leib[en] zum Begriffe
,,L«b[en]" [s. d ). dessen äussere Hülle der Körper oder
Leib Ist [I.elb = Leib, Korper, vita, persona, corpus,
ist bloss deutsche Bedeutung, nicht TordeuUch]), 1. =
die Leibesglieder, der Körper. — 2. = der
Leben zeigende und erzeugende, sinnliche
ganze Leib des Weibes. — 3. = (1477) Scham
und Uterus (15. Jahrh.; C. v. Schra. 348; Augsb.
Bibel; D. 631). — 4. = der gesunde oder kranko
Leib, Constitutio und Corpus im Gegensatze
zur Seele. — 5. = (auatom.) Unterleib, Rumpf,
Bauch, Aus8en8eite. — 6. = der frnchttragende
od. dazu bestimmte Mutterleib. — 7. = Vorder-,
Ober- und Hinter-Leib (Gr. w. vi, 580). — 8. =
das, was aus dem Leibe sich entleert. — 9. =
die Zeit, in der sich etwas entleert, bewegt
aus dem I.e. he. — 10. = Leben (1332; Schmeller I.
1412). — sich leiben = sich einen Leib, wohl
beleibt machen. — leibig = wohl genährt, feist,
mit einem Leibe behaftet. — Leibigkeit =
Corpulentia (Gr. w. vi. 603), der Zustand des
I^eihigseins. — leiblich = Leib oder Körper
habend, im Gegensatze zu seelisch, geistig,
corporalis (D. 152). — (1591) leibächtig (Had. Jun.
190) = corpulentus, leibig. — leibhaft (1418 lelpp-
haft. Gr. W. VI, 602; D. 152; Kluge». 160) = Leib
habend wie der leibhaftige (=auch Teufel),
mit Körper versehen, Leibesfalle, Feist habend,
greifbar. — Leiberung = die Thätigkeit des
allmählichen Leibsgewinnens, Erholung, Re-
konvaleszenz «X v. Schm. 350). — (1740) abdörrender
Leib = durch Darre (s. d.) abkommender, ab-
nehmender Körper, Phthisis (Chr. Sam. II, 100).
— a'' leiben vom leihe, Leben durch den Tod
abkommen, sterben. — ableibig = mortuus. —
(1686) sich selbst ableibig machen = Selbstmord
begehen (Schmeller I, 1413). — (1588) Ab-leibung
= Tod. — (1670) Selbst-^&leibMno- = Selbstmord
(Gr. W. I. 72; VI, 603; Schmeller 1. c). — aufgetrie-
benerheib = ein durch Blähungen (Tympanites)
nach aus- und aufwärt« vorgewölbter Bauch;
bei Kindern meist dnreh Schwellung der mes-
araischen Drusen veranlasst (= carreau = vier-
eckiges Polster, seil, des Bauches). — (1749) auf-
qeschtoemmter Leib — ein durch viel Flüssig-
keiten (Wasser, Bier) vollgefüllter Bauch
(Magen) (Zeluchr. f. d. Phllol. XXII, 2S7). — Aus-
leibung = Austritt eines Organes aus dem
Leibe (Vorfall, Bruch) (Bück). — oowm-leibig,
1. = (von Pferden) hechtleibig, hechtbauchig,
in den Flanken aufgeschürzt, in dsn Weichen
schlanker, wenig ausgebaucht (Falke I, 108) (eine
vermutlich von 2 auf das Pferd übertragene
Bezeichnung mit Änderung des Begriffes). —
2. = (von Kindern) mit einem sogen. „Baum"
behaftet; (1740) ,,dur Raum der Kinder, das erkennt
man also: es ist ihnen das Haupt Kar helss und torkext
Ihnen die Weich gar fast und kommt die Krankheit
gemeiniglich vom grossen Welneu und .Schreien . . .
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362 Leib.
auch von der Schwachheit der Kinder und gencraliter
ein übles Anzeichen ist" (chri.it). Sani. II, 107) m das
Flankenschlagen der rhachitischen Kinder (bei
Pneumonia, Capillarbronchitis). Solche rha-
chitische, baumleibige Kinder setzte man früher
beim Bilwizbaum (s. (Jrquall 1897, B. 33) aus, weil
sio am Altmann (s. d.) litten, d. h. der im
Baume hausende ethische Bilwiz erbielt damit
das Elben- (Alp-) Kind wieder zurück als Opfer
(Z. d. V. f. V.-K. 1896, 366; Laistner 1, 90) (s. auch
Lindenkrankheit). — ifeleibtheit = Ansät l von
Fett am Leibe (Korpulenz). — dick-leibig =
mit einem Sehmerbanch behaftet (Gr. w. Q, 1082).
— dünner Leib, 1. — schmaler Körper. — 2. —
dünnflüssiger I,eib 8 — Diarrhoe, Abweichen
(Gr. W. II, 1653. 1653; VI. 588; 14.— 13. Jahrb., mnd.
weme dat llf sere dun 1*. J. t ndd. Bpr.-P. XV, 14t).
— (UM) dünn giwobener Leib = eine zarte Kon-
stitution, wie aus dünnem tiewebe der Sehick-
salBfrauen (s. Saide) hergestellt (Hct. 67). —
AfMeibig - dickleibig. - Fettleibigkeit - Po-
lysarcia adiposa, Ohesitas, emhonpoint, Kor-
pulenz, Zustand abnorm starker Ablagerung
von Fett am oder im Korper (Eichhor-t II, 8">1).
— (1GC8) Fratien-heib — die weiblichen tie-
schlecht«- oder Geburtsteile (pars pro toto)
(Heyn. 147; A. v. H. II, 674). — (1756) gebrochener
Leib = ein brüchiger, bresthafter, mit einem
Bruche (Uernia) behafteter Leib (A. v. Ii. II,
717). — r/deiben = I-eih gewinnen, z. B. durch
Schwangerschaft (1560 clibeltag = dies conceptlonls
[Flschart], Weinhold, Monat-Namen 47). — (1646)
gescJtwollener Leib = durch Wassersucht auf-
getriebener Bauch (colcr, H. A. 193). — gross-
leibig, -.^leibet, -Leibs (H87 gross- ; ndL grot-
leibig; 15. Jahrh. gellbet, geübter, gclipt, -geleibt;
14K2 gelelptc, -gclebet - corpulcntus ; uild., 14. Jahrh.
grot-ghelivet , D. 152), 1. — grosschwanger, mit
einem bereits grossen Mutterleibe ausgestattet
(Kifel, Schwaben; Fromm. VI, 415 ; C. v. Scbm. 244).
— 2. = (1687) einen aufgetriebenen Scluncrbauch
habend (Georg. 403). — halber Leib = Ober-
körper" od. Unter-„Leib". — hart leibig (holl.
hardlijvlgheid), 1. = mit einem durch Stuhlver-
stopfung hart und fest sich anfühlenden, vollen
Leibe behaftet u. einen harten Leib (8), harten
Kot habend (dyscoelius, Obstipatio). — 2. = wie
Siegfried mit der hürnenen Haut eine dicke
I laut habend, invulnerabilis (Gr. W. IV. 2. 515). —
/ircAMeibig ■ bechtbftuchig (h. d.) (Falke i, ios.
318). — Hinter-Leib, 1. ~ Mastdarm, im Gegen-
sätze zum Vorleibe (s. d.) (Ur. W. VI, 589). — 2.=
der Bauchteil bei Pferden [Zlpp. 318 ; Falko i, 398).
— AirscÄleibig (von Pferden) — nnfgesehützt
am Baucbe wie ein Hirsch (Falke I, IM), — hohler \
Leib = der Bauchfellraum, dio Bauchhohle
(Dr. Ilr.-Schrtfr. 20). — (1561) kecker Leib (kaccher
leib. Gr. W. V, 376) - ein draller, gesunder, frischer
Leib. — Aran/rer Leib (1476kraiickcr leyp, D. 166) —
siecher Körper, corpus debile. — Lang Leibe, f.
ahd. lanc lipl, Graft" II, 46) = longaevitas, Lang-
lebigkeit. — Muttir-Leib iiuhd. muoter lip, Lexcr
170; Graft III, 159; 1611; S<1. ltenno-Mtr.), i. = der
schwangere od. Kinder gebarende Frauenleib.
— 2. = der Leib (9) = die Zeit, in der man ge-
boren wurdeausdem Multerleibe (conf. Kiudes-
Leich.
beine), die Fötalzeit (Gr. w. VI. 2820). — (lfiso)
Oi>cr-Leib = der ober dem Bauche (Leib 5) be-
findliche Körperteil, Thorax, Pectus (— Ober-
korper) (Gr. XV. VII. 1096). — offener Leib = dio
durch die Leibeslührung (s. d.) aus den Leib-
gängen (s. d ) erfolgte Kotentleerung aus dem
Leibe 5. - wjl iger Leib = der linde, weiche,
mollige Frauenkörper. — Schnu >■ - Leib bnbd.
smerleip, I.exer 235 ; 15. Jahrb. schuierlaih - arvina,
axungia, 0. II, 19. 45), t. — Fettbaurh, Schmer-
bauch. — 2. = das Fett am Bauche der Tiere.
— schwerer Leib - I^berfttule der Schafe mit
Anfüllung der Bauchhöhle durch Wasser. —
toter Leib (ahd. tndlelba, Graft V, 341; 14. Jahrh.
tote lip, Voc. opt. W. 22) = Cadaver humanuni,
s. animalium (Ilyrtl, K. W. 105). — träger Leib =
ventre parresßeux, das Baucheingeweide,
welches seine Unthatigkeit durch Verstopfung
äussert. — (1561) ungesunder, unreiner Leib =
Corpus mali habitus, ein Körper mit unreinen,
ungesunden Säften , namentlich ein mit Aus-
schlägen entstellter Körper (Gr. w. VI. 586). —
Unter-, unterer Leib-, leibuilg (1583 underleybung.
Fuchs I, 376; Chr. Sam. I, 515; engl, underllp, Lehf.
114; dan. underllv; h oll onderlilf ; schwed. underlift
= die Körperteile unterhalb des Bauches
(Nabels, s. d.), namentlich die (weiblichen) Ge-
schlechtsteile, Mutter 4, Uterus, Vagina, Pu-
denda; Unterleibung = Coitus. — rjwrcrleibs-
Drüscn, -krank, - Typhus. — (10S6) Vorder(er)-
Leib — Vulva, Vagina (Beyn. 148; IT. II, 264,
i hr. Sam. I, 515). — (15, Jahrh.) weicher Leib
(welch lip, D. 241; dat weke Iii) = FltJXUS ventris,
Abweichen, dünner Leib 2. — (1829) Weich-
Leibigkeit - Neigung zu weicher flüssiger
Kntleerung aus dem Leibe (Ilotuiann, Arxn. 62).
— Leib(esK leiblich <. er, es) -Ader, -Aus-
brestung, -Ausfall, -Beschaffenheit, -Betoegen,
-Blödigkeit, -Bürde, - Batzen, -Don igkeit, -Dun-
siqkcit, -Fäule, Farbe. -Flechten, -Fluss,- Frucht,
-Führung, -Ftirbe, -Fuge, - Gebrechlichkeit, -Ge-
lenk,-Geschwür, -Hohle, -Körper, -Kraft, -Krank-
heit, -Lähme, -Laus, -Leist, -Loch, -Löss, -los,
-Luft, -Mal, -Musen, -Materie, -Mittel, -Natur,
-Öde, Pein, -Plage, -Ruhr , -Säfte , -Schmerz,
-Schneiden, -Schtcätigkeit, -Schwinden, -Serben,
-Siechtum, -Stein , -Stockung, - Tod , -Trückne,
-Übel, Umstand, -Ungelust, -Ungestiimmigkeit,
-roll, - Wasser, -Wassersucht, -Weh, -Werk,
— Wunde, - Wurm, - Wust, -Zeichen, -Zwang.
Leicb, m. s. Laich. — Gfleicb (13. Jahrh. gc-
leycho = rogum, D. II, 320), der ganze Rogner-
laich des Fisches.
Leich, n. Leicbe. f. Leicbt, f (goth. loik, u
= Fleisch. Leib. Leichnam; altgerm. lik = Körper
[s. Geleich]; ahd. lih, libhe, n. - Ulb, Fleischsubstau«,
caro; 8.-9. Jahrh. kilelch = artus [Glied. Gleich],
UimS II, 154; leich - coxa [Gelenk, Gleich], Graff II.
107. 151; ahd., S. Juhrh. lihhUodc es (ypus [tylus],
Kero Glossen 91; inbd. lieh, liehe, I.exer 146; Kluge '.
232; Gr. W.VI. 612; 16. Jahrh. leich, L Obcrb. leicbt. f.
= Leiche; engl, llke = Leiche), 1. = Leib, Körper,
Maut, Hautfarbe, Gesichtfarbe, Leibesgestalt,
Aussehen nach Fleisch u. Haut. — 2. = mensch-
licher Körper überhaupt. — 3 toter mensch-
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Leichnam.
leicht — leid.
303
licher Körper (achon ahd.). — 4. = toter tierischer
Körper (mhd). — 5. = der Leichdorn (s. d.)
(Welgaud II, 30; Schneller I, 1425; Gr. W. VI, Uli).
— (I7«i) An-, Eingleichung = der Zustand, in
dem man einen beiderseits übereinstimmenden,
auf beiden Seiten gleichen Körper bat, Articu-
latio (Hyrtl , K. W. 63 ; Kluge 116 ; Lex. chlr. 9). —
.Fi/r- Gleich- das starkbehaarte (h. Filz) Köten-
gelenk des Pferdes (v. M. I. 47. 67. 59). — (1612)
Fingcr Qlelch = Articnlus digiti, Fingergelenk
(Gr. w.). — ij< leich (Gleich) •= der ganze 1/eich,
d. 1:- die beiden Körperseiten , die unter sich
Obereinstimmen, sieb gleichen (ahd., 8. — 9. Jahrb.
kileich - artus ; 12. Jahrb. gllelche — Flclscbmuskeln
um die Knochen, dlo Glieder herum, Graff II, IM;
mbd. geletch, gelescheu - artus, nodi, H. Z. XVI, 100;
Schneller I, 1419; 1482 ge laich - artus; guleich —
paralysis, Zcn. Voc. k7; 1018 gleych — Gelenk; H. v.
Gersd. 31; glichen, pl. - paralysis, 1. c. 24; 1591
gleichlln = artlculus. Had. Jun. 19; 1618 von glaich zu
glaich - artlculatlm, Schmeller I, 141»; 17. Jahrh
gelalch, R. A. 677; gleichsucht = die gleich, Hyrtl,
K. W. 64 ; [Schwaben] Gleich = Gelenk, Huck). —
Gleich, 1. = Gelenk, namentlich Pfannengelenk
(Ztr. 24), oder Geleichen, wo die durch Krank-
heiten veranlasst« Ungleichheit am meisten
bemerkt wird , zum Unterschiede vom Hand-
gleich etc. — erstes Geleich = erstes Halswirbel-
Gelenk, Epistropheus (Kirsch 489). — 2. = die
Anschwellungen daselbst (Tophi, Nodi) durch
die Gleichsucht (Gliederkrankheit). — 3. — die
Gicht (Arthritis) als solche, die Bich auf die
Gelenke (Gleiche) wirft (Hyrtl, K. W. 64) und die
Glieder ungebräuchlich macht durch die läh-
mungsartige Schwache (Paralysis) = der Morbus
arthritictis (Arthetica passio) — Podagra, Gutta
(Du Cango). — Olciehet, (»hd., 8. Jahrh. callchent,
klllkot, Graff II, 104)- Alles, was zur Leiche wird,
was das menschliche Fleisch (Leich 2) zu Fall
bringt = Lues, Pestis, die vielfachen Leichen
der Pestzeit, .Sterbefftlle. — gleichig = gelenkig
(Buck 48). — (1612) Hand- Gleich = Handgelenk
(Gr. w. iv, 2. 3<ji). — (i76i) Rückgrats- Gleich »
Spondylus, Wirbelgelenk (L. chir. 79). — Schind-
Leich (abd. iclnlcih - monstrum, Grad II, 154 ; Schm.
II, 429) = Schindaas. — tote Leich (ahd , 8. Jahrh
Uli Uutlu — corpus mortuum. Graff II, 103; nihd. ein
t&tta lieh. Gr. W. VI, 613; 15. Jahrh. lieh der toteu,
Gr. W. 1. c. ; 1604 ein todo leich, 1. cod.) = toter
menschlicher Körper im Gegensätze zum leben-
den Körper (= loch). — (noi) verdorbene Leich
— tote Leiche (Gr. w. vi, 613). — Hasser-Leiche
— a) ein im Wasser gelegener toter Körper des
Renschen ; h)eineauf solche Weise skeletisierte
laiche (Haas 41). — Leich(r»)-. Gleich- Beine,
■bloss, -bleich, -Dorn, -Fett, -Flecken, -Gesicht,
■ Gift, -hum, -Kälte, -Knöpfe, -Knollen, -Knorren,
-Lüh, -Maclit, -Mal, -nam («. nachfolg.). -Pustel,
-Starre, -Sucht, - Verrenkung, Weh, -Wirbel,
-Wurm.
Leichnam (angcls. llcbama - «oma , Du Gange
VII. 623; altgerm. Uk-hamo - Korjwr ; s. Jahrh. Uli
humum = corpus, Koro 73; lichamiim, nraff II, 603 -
enrpora ; llhhamo, lihhinumo — lihhin-hamo = llk
[Fleisch] und hämo [Hülle] - fleischliche Hülle <ler
Seele = Fleischgestalt, Flelschsubstanz ; 11.-12. Jahrh.
lichenamo = Leichnam; mhd. liebname aus Uchame;
14. Jahrb., ndl. ligamo = corpus, D. 162; grotligameg
= corpulentus, 1. eod. ; 15. — 16. Jahrh. lichnam =
lebendiger Leib, Leichnam, H. Z. XX, 93; Fr. Kr. B.
448; Lonlc. 243; Hyrtl, K. W. 106; Be*olt ; ein „aus
der Sprache der [früheren] Dichter In die gewöhnliche
Diktion übernommene" Bezeirhn. für) 1. as mensch-
licher lebender Leib (s. d.) (heute nur mehr im
Scherze). — 2. = menschlicher toter Leib iKlugo*.
232; Gr. w. vi, 625). — siecher Leichnam (ahd. die
siechen Uchamou , Graft VI , 138) - totkranker
menschlicher Leib.
leicht (ahd. lihti = levis; mhd. lihle, Kluge», 233;
ein germanisches Wort für schnell, hurtig, leicht). —
leichten (13. Jahrh. licbtln = spadonare [s. Spat],
D. 554) = castrare, um die Schwere des Hodens
leichter, lockerer (s. luck) machen (Schm. I, 1429)
od. aus den Leisten (= laichten) entfernen. —
Fla")'") leicht = leicht, locker, gering, schmal
in den Lenden (Falko II, 65). — leicht(e,r)
-bauchig, Geburt, -Leute, -Schlag, - Tod.
Leichten, pl. (14. J*hrh. leibten, lelhtaern =
leisten V, Schmeller I, 1429. 1755; 17. Jahrh. leuchten
— harte Knollen, Ii. A. 556), 1. = (dialektisch für)
i Leisten (s. d.). — 2. = harte Drüsenknollen,
auch Zahnfistelränder beim Rindvieh = Leisten,
beim Feifei (s. d.) des Pferdes, Rotzdrüsen,
aus Leichten auch in „Lichten" verändert
(Falke II, 69 ; Schmeller I, 1429 ; Schw. 390). — 3. =
s. Leuchte.
leid, Leid, n Lad, n. leiden (gem.-germ. laitha
= Widerwärtiges , Schmerz Erweckendes erdulden ;
,,das nelmwebgefühl (s. Elend] und die Wanderungs-
Gcfuhreu mögen Anteil haben an der Bedeutung"
[Kluge5, 2ii;i]; des altgcrm. lithan — ziehen ins aliland
[ m Elend], ins fremde Land, Gr. W. VI, 658 ; in der
2. Hälfte des 9. Jahrh. übergehend in den Begriff des
ahd. leid, Graff II. 171; lidnn = übel Uefiudofl, dulden,
ertragen ; mhd. leid, lelt, liden) = duldend aushalten,
an einer Krankheit leiden — der Magen leidet
mir das Essen nicht! = er verträgt die zuge-
führte Nahrung nicht, so dass eB zum Erbrechen
kommt. — in (nhd.) Zusammensetzungen hat
Leiden (wie Weh) fast immer den Begriff des
subjektiven Schmerzerdnldens (Passio) id. 416)
(ponos) (Uippokr.) im Gegensatze zur schwächen-
den, kränkenden, siechmachenden ,, Krankheit"
(= Morbus) und zum unheilbaren bösartigen
„Ühel" (Malum); l^eid unterscheidet sich vom
„Weh" durch die längere Dauer des Schmerzes
und durch das MitergrifTensein des ganzen
Körpers, selbst der Psyche. — Leide, f. = der
Zustand des Widerwärtigen (Gr. w. VI, 667). —
Leider (ndl. HJdcr) = derjenige, der leidet,
Patient. — leid D widerwärtig, Leid bringend
oder habend, schwilchlich, elend, missgestaltet
(Schweix, Bayern ; Gr. W. VI. 662). — leidig - leid,
in Leid befindlich, hässlich. — leidlich ~ in
Bezug auf Leidon erträglich, passabel; barig *.
— leidsam (nihd. lidesam; 15. Jahrb.; D. II, 142;
llde*em = druslus) - palleus, geduldig. — leidigen
■seiend machen, verletzen (Schmeller II, 6.so). —
leidend (add. lldent, D. II. 282) = ein I.eid, einen
Schmerz habend. — Leidung (lt. Jahrh. leidunge,
Hoffm. 1, 321; 1^92 Icytung garrci so andere fur
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864 leid.
Beulen haben verstanden, Beb. 176; ■. Jarret) = der
Zustand des körperlichen Schmerzes. — Leiden-
schaft— lapassion, etwas, was Leiden, Schmerz
schafft, Affekt. — Leid, n., 1. = Dolor, Passio,
schmerzhafte Krankheit nnd Krankheitstelle.
— 2. = Vulnus, schmerzhafte Wände od. Ver-
letzung. — 3. = Apoplexia, Epilepsia, als etwas
besonderes Böses, Feindliches, Trauer und
Kummer Erweckende«; beide (Schlagfluss und
Fallsucht) sind = fallendes Leid und leidige
Sucht (C. V. Megbg ; Ort..»; Gr. W. VI, 657). — 4 =
(1618 O.-Ammergau ; Schmeller I, 1437) — Abscheu
erregende Missgehurt. Seiner Etymologie ent-
sprechend wird da* Leid niemals durch Baunworte
behandelt, da eine d&monistischo volksübliche Ätio-
logie weder dem Namen noch dem Begriffe nach vor-
liegt. — Ab Leid (mbd. abUdc = obltu*. Schmeller
1, 1633) = Tod, der das leiden beendet. — (1762)
allgemeines Brust-Leiden = die Influenza, bei
dor sowohl ein Brustkatarrh (epidemisch) als
eine allgemeine (febrile) Körperachwächo vor-
handen ist (Haeser II, 803). — DrüH n -Leiden =
lange dauernde Drüsenanschwellungen mit
Schmorzempfindungen auf skrofulöser Basis
(s. Skrofeln). — Eigen -Leiden (1482 aygenleyden,
D. 284) = Idiopathia, das Leiden, das einem
Individuum besonders eigen ist. — (1477) fal-
lendes Leid (mhd. daz vallcnde leit, I,cxer311 ; Ortolf ;
die zwey fallende Lald, Schm. I. 1437; D. 204), 1. =
Kpilepsia als Fallsucht, fallendes Weh (Gr. w.
in, usf.). — 2. — Apoplexia, Schlagfluss (s. d.)
(Ortolf). — fuss leidend = an einem oder beiden
Füssen schmerzhafte Beschwerden habend
(Gicht, Hühnerauge etc.) (Volksmed. Behandlung,
s. Reiser 377). — Gc-leid(gelyde= tnflrmlta«, D. XVI;
da« tougen gelald, Schmeller I, 595) — die schmerz-
hafteu Stellen, z. B. heimliche Wehstätte an
den Genitalien. — Haar- Leiden, 1. = eine be-
schwerliche Krankheit auf dem Hanrboden. —
2. - Haarpein, Haarweh. — /farn - Leiden
(15. Juhrh. hnrnlijden = langiierc , D. 317) = chron.
schmerzhaftes Leiden der Harnwerkzeuge. —
Haupt Leiden, 1. -das wichtigere leiden unter
mehreren Krankheitbeschwerden. — 2. == (mnd.
passione« ,,cronlcae" de« hovedes, Mag. Barth. 102a)
= Kopfschmerz, lange dauernder, chronischer.
— /fm-Leiden, 1. = beschwerliche Herz-
krankheit, Morhus cordis gravis, Passio cor-
diaca. — 2. — Herzenleid (loo«; St. Benno-Mirakel,
1723, 1777 hertxeleyd - cordiolutn. D. 151 = cordollum)
= ein physisches, das Gemüt (= Herz 4) be-
treffendes, chronisches leiden. — 3. = Magen-
leiden (Herz, s. d. 8, ist oft mit Mögen ver-
wechselt). — //w n Leiden = eine mit Kopf-
schmerzen oder mit sonstigen Beschwerden für
den Kranken oder seine Umgebung einher-
gehende Gohirnkrankheit. — (1785) holsteinische»
Leiden ■ die in Jütland und Holstein damals
endemisch beobachtete, chronische Syphilis
(K. u. P. in, 112). — foortsen-Leider (ndl. keorf»
lijder, De Cock 231. 239) = an chronischem Fieber
Kranker. — (17. Jahrb.) Krampf -Leiden = eine
OfterB mit schmerzhaften Krämpfen verbundene
Krankheit (Müller Krftuterb. 302; Fr. Kr. B. 602). —
/../' ,, . Leiden - eine schmerzlicheod. beschwer-
liche, chronische Leberkrankbeit. — Magen-
leilich-Leim.
Leiden — eine chronische, beschwerliche Magen-
krankheit, meist mit öfteren Magenkrämpfen
verbunden. — Maas-Leid, m., f. -leiden, -leidig
(10. Jahrb., ahd. demo maxleld ist = qnl nauteat,
Notker; Gr. W. VI. 1747; Schmeller I, 1602 = Wider-
willen; 10. — 11. Jahrh. maclelde = fastldlum, Graff II,
172; 14. Jahrh. iweme dl splse widerstit ehe sl in den
munt neme der hat dl maxleide, Hoffm. I, 383 ; 1482 mas«-
leyde = [faatldinm, Zen. Voc. t. 6; 15. Jahrh. maazlaldl,
maszleldln - Unlust zum Essen u. Trinken, Gr. W. VI,
1747; 1541 massleidig (bei Pferden) = Futterverdruss
{*. d ), Gr. W. VI, 1747; 1561 maaaleidcn = malacia. fasü-
dlum, der Widerwillen schwangerer Frauen, Gr. W. VI,
1748 ; 1665 maasleidigkelt = Unlust der Hunde zum
Fressen, Gr.W. VI, 1748; 1584 massleldigkelt = fastldium,
Had. Jun. 378; 1688 massleldt, f. zur spelsz. Gr. W. VI.
1747 ; lfilfi massleiden, Tabernaem.) = eine Speise aus
Widerwillen nicht geniessen können = öfters
Unwillen (Leid) gegen die Speise (s. maz — Speise),
Ekel empfinden gegen die Mahlzeit. — (1561)
Magens- 3/a«sleidigkeit = Dissolutio stomachi
(Gr. W. VI, 1748), der vom kranken Magen, dem
das Easen verleidet ist, ausgehende Unwillen
an der Speise. — ^Tcrtwi-Leiden, 1. — länger
dauernder, nichtimmerörtlich fixierter Schmerz
einzelner oder mehrerer Nerven. — 2. ■ chron.
Nervenkrankheit mit Schinersempfindungen.
— (1532) Mcrm Leiden = schmerzhafte oder
öfters schmerzende Nieren-Erkrankung, meist
chronischer Natur (Fries 117). — iV-.' Leider (ndl.
pestlijder, De Cock 42) = Pestkranker , der viele
Beschwerden hat u. bemitleidet wird. — rote*
Leid (mhd. da« rot laide, lalt, leit, I*xer 201 ; Schm.
II, 184) = rote Ruhr, die sich oft lange mit viel-
fachen Schmerzen fortzieht, rotes Weh oder
Siechtum, roter Schaden od. Siechtag. — St. Ur-
bani Leiden (1682 botz Urbans leiden, Fromm VI, 7)
= St. Urbans-Plage (s. d.). — Fcrleider, in. =
ein persönlich gebildeter Krankheitsname für
(chronisches) Leid (Wackern. Abhdlg. III, 156). —
(1C92) ilcidung - Unlustempfindung, z. B.
zum Essen (Atz) (v. M I, 68; Seb. 1.50). — weh-
leidig - der gleich Weh und I.cid empfindet,
empfindlich. — (H82) Z. o Leiden = Priapismus
(urticatus'', Chorda (pudendorum Passio, Zening.
Voc cc2 = urtlcus, D. 630) = eine schmerzhafte
oder öftere schmerzende Erektion des Penis,
wie durch eine Nesseln erzeugende Peitschung
mit der Birkenqueste (Hexenbesen) veranlasste
Erkrankung am Penis (s. Zers). — Leid-, lei-
dige - Inf 'ektionssurht, -Lust, wütig, -Nagel, Olp,
-Spriessen, 'Sucht, Tod, - Wesen.
leilich (zu ahd. lö, lfio -= malum ; mhd. le ; nds.
lelw, leeg. leig, Schmeller I, 1401 ; Graff II, 296; Koch-
holz I, 9uj = schlecht, krauk, dem Schinder ver-
fallen (v. Tieren).
Leim, m. leimen (indogerm. lal ; gem.-gorm. lima,
lalrna [liinus] = Klebctoff uns einer Erdmasse, Kluge*.
"2M ; engl, loam ■ Lehm ; ahd. lim, limen ; mhd. lim
= zfthes Bindemittel ; mtl. leuma — Intestinum tenue
T. veslca [HaUWnbUte?], D. 325; 15. Jahrb. lym =
viseum virile, i>. 623) = männlicher Samen. —
Leimer — der den männlichen Samen (Milch)
ablassende Fisch (Milchner). — leimen — zu-
I sammenklübend vereinigen bei Lahmwunden
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Leind— Leiste.
and KnochenbrQchen (ahd.) gillmida (Meraebg.
Sprach, Müllenh. u. Scher IV, 2 ; Rochholz 1, 281). —
blutiger Leim = das zusammenklebende Blut-
gerinnsel (Gr. W. vi, 696). — (1612) Fleisch-Leim
(lim „das Mut, welche* gestockt In einer wunde Hegen
bleibt Ist der rechte Flelschleim, weit ul>er den sarco-
eolla", (ir. Vi. III, 1760)= die vereinigende Wtiud-
(iranulation. — (/(»leimet- fest anschliessend,
enggestellt, z. B. von Uliedern, Zehen (Schm. I,
l*"l). — Haut-Leim = Vernix caseosa (Plank 130)
= daa an der Haut den Neugeborenen w ie Firnis
klebende „Kindsschmalz" (b. d.), Talgdrüsen-
Sekret. — leim-/acÄ*f.
Leind, m. = Llot (« I*yn) = Lintwnrm oder
Schlange (Kluge*, 23V; Siehenb. Sachsen), die als
Wuttn in die Haut beisst.
Leirerei, f. [KD lat.-griech , lyra — uilttelalterl. Leier-
kasten, Drehorgel, Kluge1, jxi) = mit dein eintönigen
hergeleierten Gesänge vergleicht man in
Schwahen das nnthätige Einherschleichen und
Wehklagen der zipfenden (s. d.), leicht kranken
Menschen (Bavarla 11. 2. *w; (ir. Vi VI. m).
Leische, f. = Leiste, f
-leise iindogemi. Iis - gehen; altgerm. lai« =
altgerm. lals — gehen; gem.-gcrm. laintjan - nach-
folgen [Leiste] ; ahd. leisa; mhd. Mi, leise, «elels.
Spur, (Jelelsc, Kluge \ ZV,). — (»Meise (K.77 Keleise
= ahd. waganlelsa, wagaiiliasa, II. Z. XV. .129; (Ir. ff.
VI. 713; Hyrtl, K.W. 103; orbita. Übersetzung) - Augen-
höhle. — eng-, tm/-gleisig - mit enger oder
weiter Fusspur gehend (Buck 12).
Leiste, f. („ohne Vorgeschichte", Heyne III, 623
(». lehren]; ahd. lista; angls. lesca [?, I». 298], leosca;
altachwed. liuske; dAn. lyske [dazu wohl Lusch, Lcuscli,
a. d.], mhd. liste = schmaler bandförmiger Streifen;
Kluge*, 234 führt es von diesem getrennt auf ein goth.
laistö zurück; 14. Jahrh. liste - dlaphragma, margo,
D. 349; Voc. opt. W. 11; 15. Jahrb. Insten, lyssen,
lüsten, lies, lleschc; sflehs. leeache = Inqutna, D. 298;
leiszen, leisten = margo, llmes ~~ Leiste, „(ielenke
zwischen Hauch und Knie" oder: die Grenze zwischen
Bauch und Schenkel („In mittelalterlichen Vocabu-
larien" nach Hyrtl. K. W. 109] als „Faltung der
Dyccher" [= regio lnqulnalls] und dlaphragma; 1482
leys[t]e = gemelich lente = GemAchtlende [Zening.
Voc. s 7] = Schamleiste ; 1500 die Leyscbe = inguen,
l). II, 216; 1518 lussen = regio Ischladlca, Leisten,
II. v. tiersd. 1561 Uesse = naris [seil, intertlnlum]
D. 375; mtl. Lais ins = Schosa [ahd. Zeit, lex Salica],
1561 lyst, f. -= diaphragma. Or. W. VI, 72; 1591 lelst, f.
— diaphragma, Ilad. Jun. 28; 16«« leiste, f. = Schwiele,
vlbex, Gr. W. VI, 722; 1680 leiste, f = callus, Gr. W.
VI, 722). — Leiste, f. 1. = Inguen s. Kegio in-
guinalis, der schmale, härtere Grenzstreifen
zwischen Bauch und Schenkel, die Leisten-
gegend. — 2. = die Schainleiste oder Gemächt-
lende (s. o.) als Grenze (Schosa) zwischen Bauch,
Schenkel und eigentlicher Scham. — 3. = diu*
Mittelnetz s. Septum transversum, das dichtere
Quer- oder Zwerchfell, welches die Grenze
zwischen Bauch- und Brusthöhle bildet (Dia-
phragma) (Gr. Vi. VI, 721), auch Ligen (I^eist)
beim Schweine (Gr. w. VI, 1019) (Kettwarame an
dieser Grenze aussen). — 4. = ein schwieliger,
härterer Hautstreifen, Vibex, Callus, Tumor |
Leist. 865
cutis ex contusione (abgegrenzte Beulo?), Lus-
sen = I^eichdorn (Heyne ni, 623; Gr. W. VI, 1020).
— 6. = a) der grätige Höcker als knochenhartei
Streifen auf dem Kücken (15. Jahrb. „leisten, die
einer auf dem rucken hat", Gr. W. VI, 722) n Gibbus,
Kiphoflcoliosis; h) (I6S0 leiste, f.. Gr. W. VI. 722)
— streifenförmiger Knoclien, Kallus an der
Kinnlade d. Pferdes; vergl. auch nachfolgendes
„leisten" (4), m.
Leist, m. Leisten, m. (goth. laist* [Ziel, Spur],
altnord. leistr [ ^ Fuss] ; ahd. lelst. n.? = forma (Fuss-
spur, „bedeutsam für die Geschichte des Schuster-
lclstcns", Kluge*, 235 ff.]; mhd. lelst; udd. loest, lest —
formipedla, D. 24:1); nach Gr. Vi. VI, 720 Ist Leist, in.
Leisten, ra.: 1. = Gestalt, normale Form. —
2. — (1717) die Anordnung der zusammenge-
setzten Teile eines Pferdes. — 3. - „die Gegend
des Pferdehinterschenkels, welche sich, wenn
da» Pferd geht, dem Bauche nähert, wo die
Stösse u. Tritte gefährlich sind" = der mensch-
lichen Leiste entsprechend, Leistenbug, grosse
Maus, Hinterknie, (Pferde-)Kniescheibe (Falke
II, GR). — 4. = (1599) ein Pferdefehler, „eine Art
von Überbein"; (1609 Leyst [Seb. 188; Gr. W. VI,
720), supcrexcresccntia ; 17. Jahrh.; R. A. 672) „der
Leisten ist gewachsen", d. h. ein langstreifiger
kastenförmiger Auswuchs von Knochengewebe
(eine Osteophyton-Bildung, Callus), der an der
Krone oder unter der Fessel ringsherum als
sogen. Kingbein oder Schule (s. d.) gewachsen
ist (Förster Ii, 9ar»; v. M. I, fö). — 5. — leisten =
Leichten (Lichten) oder Feibel (Feifei) als
Leistendrüsenanschwellungen b. Kotze (Haut-
wurm) der Pferde oder b. Kindvieh (Marissae)
(Schm. I, 1429); vergl. Leiste, f. — (1580) Backen-
Leiste, f. — Backen -I/eisten, in., der harte
Knochen- (Osteophytcn-) Streifen an der Kinn-
lade des Pferdes (G*r. w. I, 1067). — (16s») Elten-
bogen-Leist, m. - eine harte Callusbildung am
Hinterschenkel des Pferdes (Hinterknie oder
Ellenbogen) = leisten 3. — .FcMei-Leiste ^
Knochenauflreibung an der Pferdefeasel (Zipp.
111; Falke II, 80). — (1699) fii r - leistig = an
einem vorspringenden Leisten 4 leidend
(v. M. I, 35). — Gaumen-Leisten, m. - Staffel,
Stuhl. — (15W) L.-t'is-Leist. f. - der Schambug
(= Leiste, f. 2). — Ohr- Leiste, f. = der äus-
sersto, leistenförniig autgekrempelte, harte
Randstreifen an der sonst weicheren Ohr-
muschel (Gr. W. VII, 1265; nyrtl. Anat. 464). —
Scham-LeiBte, f. 1. = die Leiste, als harte Stelle
in Streifenform zwischen ßaueb, Schenkel und
eigentlicher Scham (Geniachtlende) (Gr. Vi. II,
707). — 2. - das Mittelfleisch (Perineum) als
Damm oder Grenze zwischen After und Scham
(Gr. W. VIII, 2118). — (1677) Zu > r < /t-Leisten. m.
= Leiste, f 3 (Beyn. ist). — Leiste, f. u. Leist, m.
gelien demnach begrifflich in einander über
und bedeuten wohl: Abgrenzung durch
festere Linien (Bandstreifen, Knochen-
streifen), woraus sich auch die Begriffe: (ge-
zeichnete, geformte) Gestalt, normale Form,
Fusspur, Schusterleisten etc. entwickelt haben
mögen. — Leisten- . 1 der, -Bein -Beule, -brüchig,
-Bug, -Dorn, -Drüsen, -Gegend, -Gelenk, -Bode,
-Ring, -Sporn.
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866 -leiten-lengsel.
-leiten, Leiter, m. (altgcrm. lithan = gehen;
Kenn, laidö [Führung); ahd. , mhd. leiten = gehen
machen, fuhren). — £i-Leiter = die das Ei zur
Gebarmutter führenden llohljftlnye. — (1632)
Geleite ■ die Harnröhre, Urethra als einfach
leitendes Gefass des Harnsysteins, im Gegen-
satze zu dein paarigen Hm-., -Leiter - der von
beiden Nieren herab nur den Harn der be-
treuenden Niere zur Harnblase gehen macht
(Hyrtl, K. W. 59). — Leitung b. Keldung.
leiw s. Milch.
Leller, in. Lellen, f. s. lallen.
Lempe, m. = einer, der mit einem unhcil-
haren Lahm -Schaden behaftet ist (iiihini.de,
»ehm. i, ii7i) (h. lahm). — lemptig = s. lebendig.
— Lempen-/iWwc.
len s. lind.
lenchen s. Unk.
Lende, f. Lenden, f. Lent, Leuten (indogerm.
Indbwl; gem. germ. lend, Kluge4, 235; angls. lendlnn
= ren, I). 492; ahd. lentt, f.; 7.-8. Jnhrh. reo«,
Ca»». Glonn.; ». Jahrb. lenti = reu es, Kero 87;
•J. Jnhrh. lendin -= luml.i, Hab. Manr. 6.'.; Graft" II,
•2:19; 10. Jahrb. lendl = luml.i, II. Z. XV. 34,'
11. Jahrh. lendlu — luml.i; lente = lumbl, H, Z. HI,
368; 12. Jahrh. lenden = rencs. taliae [Bektencr,
I>. 572), U.Z. II, 205, mhd. letile, lende; 15. Jahrh.
lende = lumbus, llia, (ir. W. VI, 742; linde =- cluiiis,
D. 128; [Tirol] lente, Illntner 7. 17; diln. lynd ; Isl.
lundir, Kluge; ndl. lindenen = reu, D. 192). —
Lende, f. Lenden, f., pl. 1. = die linde, fett-
reiche Gegend, wo die Nieren (Uenes) liefen;
die Lenden galten wegen ihres Fettreichtums
als ein besonderer Sit« von Nervenkraft, daher
sie als Trager von Kruchtbarkeilsamulelten benutzt
wurden (Gurtler. Bugler, Letidcnvrurz elc.). 2. =
dieser Opferteil erweiterte sich, »ie die gleich-
wertige Unke (s. d.), als Tributa anatomiae
cuhnaris bis zur Hegio iliaca, tarn Kucken und
bis zu den Weichen; diese weiche, „linde"
Dünnung galt ebenfalls noch als „Lende" (germ.
len - nachgiebig. Kluge*, 238; <ir. W. VI, 712).
lenden an den Lenden Fett ansetzen (<;ebr.
Zlngerle II, :.2). — Frauen- Lende (1420)
leenden, frauwenlende) = Femen, WeihshOfte
(I). 229) (femtir = .Mannshüfte). — (1182) Gemächt-
Lenden (gemcllch lente, Zening. Von. s 7) = weichere
Sohamleisten- 1'mgebuiig. • - Hucken - Lende
(ahd., 12. Jahrh. nigelendft, rukelende =-- spina, II. Z.
Ii. 205; D. II, $40) = das weiche Fleisch, das sich
an den Kückenwirhein in der Lendengegend
ansetzt. — Weiber- Lende (Laistncr II, r..M) =
8. Frauenlende. — U «(/«-Lenden - am Kreuze
tief eingesenkte, nach Wulfsart abgesetzte
Pferdelenden (ZiPP. 82). — Lenden -Würz (ahd.
lentiwurez, (irftff 11, 2.19) sa Lsputh um acutum sollte
Kraft erzeugend »ein. — Lenden- Bein, -Heule,
-Blut,-B> ulien), -ßt esten, -ßruch, -Wang, -Gicht,
■Gries, -Grimmen, -Grinn (-rinnen), • KrankluHt,
-Läge, -lahm, -Niere, -Fein, -Schatten, -SM im,
-Schmerz, -Schwär, -Schmndsucht, -siech, -Siech-
taa, -Stein, -Sucht, -übcl.-WeJi, - Wirbel.
-lengsei s. langen.
-lenk— lesen.
-lenk s. Lank.
Lenz, m. (Glentz), L. = (angls. leneten [langUn);
ahd. lengizin mänoth ; mhd. lenzemanot, U-nze, Kluge*,
23.; Gr. W. VI, 758) = der „long"tügigere Früh-
ling (Längs, Glenz), die Zeit, in der sich das
Blut nach den Lehren der Iluuioralpathologie
im ganzen Korper ausbrechen, vermehren sollte
(Bezolt ; Ooler. IT. A.76). — Lenzten)- Adel, - Würmer.
— 2. = niiic Abkürzung für Loren« ( = Laurentius),
ein häutiger Dauern Name. — (1741) fauler Lenz
(ndl. lange lcntcr = longnrlo, D. 33G) = einer, der sich
erst lange reckt aus Faulheit, bevor er aufsteht
(nach Taul 13« ff. an* vulezen Tolksctymologiscb um-
gedeutet; 1420 vnllaczlu, D. II, fj) (h. Inr!ucn/a). —
(Oberbayern) Hcmcd-Lenz ^ der (bäuerlich be-
zeichnete) Lenz unterm Hemde = Penis («. z. d.
I). Ö. A. V. 1893, 8. 202)
lep s. leep.
lepato s. Laub 1.
Leppen = Labbe, Lappe, Lasche, Mund (Sehn,
I, 1496).
Lepra, f., Leprosen, pl. a. Aussatz. - Lepra
GescJncUre.
Lepse, f. Leptzen = Lefze (s. d.) (8eb. 159).
lere (lirc), lerchen, Lercher, m. (mhd. lere,
lerz, AopooT, Waekorn. 179; II. Z. XV, 0. 104; Bchrn.
I. 1603) = links, linkisch, verkehrt, lahm. —
lerchen (ahd. lerehint = haerent) b die Fösse z. B.
hangen lahm am Körper; dazu: lirken, lorken,
lurken, lürken (s. d.). — Lercher (Larcher,
Utrcher) ^ einer, der iereht, mit schiefen oder
krummen Beinen ltthmt, lahm geht (Schmeller I,
1-.02). — Lirk-Fim.
Lesbos. — lesbische Sunde.
lesen (gen germ. lesan -= legere, aufsammeln, z. B.
die rotbumaltcn Ituueiuttbchan zur Bespreehung anf-
klauben; ndl. ariezers, De Cock 133; V. K. 189."., 8. 16
- Besprechen ahd. lesan; mhd. lösen ■= aufhelw-n,
rammeln, lesen; „die Kunst des Lesens wurde unter
den Germanen erst heimisch , nachdem sie »ich in
Stamme getrennt hatten", Kluge*, 23fi). — Lesen -
Studieren (s. d ), eine Krankheit des Kindviehs,
das durch Hirnlahmung einen starren Schau-
Ausdruck wie beim Lesen erhalt (Schmeller i,
161.»; Gr. w. VI, 780. — man kann ihm »las Vater-
unser durch die Backen lesen = er ist so mager,
dasB man ihn fast für durchsichtig annehmen
mochte, wenn er den Mund (zum tiebete) öffnet
(Tfigl. rtundsoh. 189... s. US). — Feder-, Flocken-,
Schltisxen -Lesen (1420 vederlesyn - palparc, D. II,
277 , l.'.'.kC laoder lesen = seurrarl, I). .",22) ■= ein Gehirn-
Symptoui bei typhösen Krankheitsformen mit
beginnender Agonie oder l>ei Geisteskrank-
heiten: MtffoXttYi« des Hippokrates, Crocv-
dismus, Floccilegium, wobei die in ihren Sinnen
getauschten Kranken sich gebärden, als ob sie
Kedei flocken, gezupfte Federschieissen auf der
Bettdecke mit den Fingern tastend auflesen
(Zw. 527; Schmeller II. 534; fiiluml. 27). — LaUSC
au/lesen - durch Berührung (s. Klauben) mit
unreinlichen Menschen mit Ungeziefer behaftet
werden.
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Lespe— Leuchte.
leune— Leut.
Lespe, f. (mhd. ltope, umgestellt aus Lepse; [Tirol]
l*spe, f.) = Lefze (Kluge*, 230 : s. d.).
letal flat. letutn, Tod) = zum Tode führend.
Letndi, m. (bayer. Wald; Schindler 1. 1533) = ein
pausbackigor Junge, dein sozusagen Fröhlich-
keit (laetitudo) aus «lern Geeichte schaut.
letz, -letzen. Letze, f Letzel, n. (Schietz, m.
Schlentz, m.) [gern.-gena. lata = u«en, lawni« ■
triU;e, matt; Roth latjan ; ahd lezzen ; mhd. letzen =
hemmen, aufhalten, hindern, angreifen, schädigen,
so W-ichiidigen. da.«* mnti leU ixt, Kluge*, 226. 236).
LetZ (ahd. lczo m iinlm«!, glis, (irnlT II, 317 [s. n.);
dazu ahd. slczzo, slezo - « + lezzo [*. darüber Jjilstner
I, IV»} - Incubus. I). n, 220. 293; Bmila HI, 1. 305;
[1790) na«alierf> m) SchlenZ (Abcrgl. 205), a) = ein
drückender, blutsangender, kleiner Alpdiimon
(in Mausgestalt.'), h. Letzel; h) -- ein Kretin,
der wie öfter im Volksglauben dpn Namen des
ihn erzeugenden Dämons (ätiologisch) annimmt
(Z, f. d. PbDol. III, :t36). — letz (ahd. lezxi = per-
ver-Mi«, malus, «iraff II, 31*> ; mhd. letze, lcz = verkehrt,
unrichtig, Wnckern. ISO ; 149.'» leiten = glis; 1516 let
— gilt, D. 265) = hose, körperlich unwohl, auch
im geist. Befinden verkehrt (Schwaben; Bemnkr.
XII. l(M), lahm, schlaff, stumpf (Gr. w. vi. 795.
»Ol; Fries 75). — Letsel, n. Letzel, n. (Elsas* ;
Dag**, lü) = nach dem Volksglauben ein alp-
a tuges , koboldisches, böses, letr.es Wesen,
das sich in jede Gestalt, z. B. Maus, ver-
wandeln kann unter seinem Letzol-Kftpple
(HOtrhen, Tarnkappe), den Schlafenden sich
aufs Herz netzend Alpdruck macht (l-aistncr I,
155) und Letzköpfe (Kretinen, Wechsclbalg)
erzengt; es wohnt auf Schietzbaumen. —
(1708) letzig, letzlich (1"32 laezlieh, 1199 letzig,
Schmeller I, IM») — schadhaft verletzt und so in
seinem (iliedergebraueh behindert. — Letze, f.
1. = Uhler Zustand überhaupt. — 2. = die l-olgc
einer Krankheit od. Verletzung od. Versehrung.
— 3. - s. Lützen Kir. ff. VI, 797). — Letzer, m.
= einer, der verletzt, sehr, schwach ist (t;r. W.
VI, 307; Wolf 161) (s. sehr). — darm-letz (1476
Keletzet in den dermen = collca, P. II. 100) = Darm-
f'ratt mit Kolik. — (1553) Flei.sc hes- Letze = Ohler,
fauler Zustand am Heische (<;r. W. VI. 797). —
AntiMetz = an der Haut versehrt, empfindlich
aufgeschürft (Schmeller I, 1187) — tvr-letzen =
fehlerhaft schädigen, die Norm stören, nament-
lich funktionelle Schaden, Kehler hervorrufen
durch Beschädigung oder sonstige Anomalien
des Körpers. — letze ,-. s) Bein, Hals, Kappel,
Kopf, Magen, Seite. — mletzte Linie.
letzt («u law [s. d ] der Superlativ; mhd. lezzeste).
— letzter Finger, Fuss, Schrei, Seufzer.
Leuchte, f. leuchten (..Ableitung zu lieht",
Kluge1, 236, mhd. liuhtcn). — Leuchte, f. I. = die
eonen. Laterne (s. d.), Abzeichen hd der Pferde«
stirne. — 2 = laichten (s.d.). — ^u^cM-lenchten
-- das Zurückstrahlen eines von aussen in das
Auge gefallenen Lichte« als innerer Reflex
durch das sogen. Tapetum lucidum (bei der
Katze z. B). — H'rf/cr-leuchten (aus mhd. wetcr-
leich (leich - unruhige Bewegung, II. Paul M6] volks-
etyinologlsch abgeleitet zu 15 Jahrh , 1 17 wertter
lenchten. wetter-lncthen - corruseatio levlor, D. l&J)
= die Zuckungen bei Krampfzustanden der
Augen und Gesichtsmuskeln, die sich so an-
sehen, als ob, durch den grellen Blitzstrahl
geblendet, das Gesicht blinzelnd zusammen-
gezogen würde (Hock 15).
-leune, -leunig (au* -lenk abgeleitet). — (173,)
Gdeune - Gelenke (v. b. I7J. — (H82) gross
leuni ge r ( ™ mcmhrnMis, P. 866] m grossgegliedert.
Leut, n., m. Leute, pl. (indogerm. lndh —
meinen ; genn. Iltid - Volk, da* aus den Sippen heran-
gewachsen ist; ahd., mhd. lint, m., n. — Volk ; Mute, pl.
= Leute, Menschen, Kluge*. 2:>6; Milte = Menschen-
Ansammlung; das Kolleküv der Menschen), 1. — die
gleichzeitig, gemeinsam lebenden, den gleichen
epidemischen, endemischen Krankheiten und
Konstitutionen unterworfenen Menschen gegen-
ül>er dem Vieh (s. Bruder), das den Epizootlen
unterworfen ist. — 2. =* das Leat = das Mensch
= weibliche Person (Würzbnrg; Altbayern; flr. W.
VI, S47). — 3. = Leute (lutki [Maro reo), H. A. Hb.
103) = Würmer als Dttmonenvolk. — alte Leute
(der Nixen) = die alt aussehenden Wechsel-
bitlgc (s. d. n. Aitmann), welche die Nixen ein-
legen (Wuttke 361). — arme Leute = gute Leute
(s. d.), 1-eprosi (Birlinger II, 215). — aussätzige
Leute = die zur Genossenschaft, Bruderschaft
vereinigten, der gleichen Aussatz- Krankheit
(Lepra) unterworfenen Menschen. — Blattern-
Leute — die in den Bauernhäusern gemeinsam
lebenden Pockenkranken (auch Syphilitische).
— (1509) WrirAc Leute = l'hlegmatici (s. Phlegma)
(Pr. II, 168). — böse Leute, 1. =(dle ndd. quaden,
leepen, Upen Lue, Wuttke III. 292) = diejenigen
Menschen, welchen nach dem Volksglauben die
Kunst des Zauberns gemeinsam eigen ist, die
dem Menschen etwas „anthuen" (s. d.) können,
indem sie sich in einen beliebigen Gegenstand
verwandeln, unter dessen Gestalt sie dann, wie
ein böser Dämon den Menschen belästigen und
quälen ; namentlich Leute mit zusammenge-
wachsenen Augenbrauen, wie sie die Ratzel
oder Schrättlein haben, oder solche mit dem
bösen Blicke sind böse Leute (Abcrgl. 45. «). —
2. = die vom hosen Feinde selbst besessenen,
vom Teufel gerittenen Geisteskranken oder
akut Fiebernden, maniaci (Birlinger I, 450). —
(1645) dämpfichte Leute = asthmatici (s. Dampf)
(Coler, H. A. 133). — (1524) dürre Leute = die Ge-
nossen in der cholerischen Natur, Choleriker
(s. d.) (Bayerl. 1895, s. 323). — (1417) erdfarbige
Leute - Melancholie! (s. Melancholie) (i>. 354).
— farbige Leute, 1. = Leute, die eine gesunde
Gesichtsfarbe (s Farbe u. Cholera) zeigen. —
2. — iTberectzung der Kraszno lutki [Masur.], Frischb. 75)
= die farbigen Würmer, unter deren Gestalt
die elbischen Wesen den Menschen plagen und
mitzehrend (s. Mitessen) allmählich abzehren
(s. d.) machen. — (1483) fiebrige Leute (flbrige
laeut , C. v. Megbg.) - die gleichzeitig an epi-
demischen lieberhaften Krankheiten erkrankten
Menschen. — (1646) französische Leute — an den
Franzosen (s. d.) erkrankte Menschen ,'Coler.
H. A. 228) (s. Blatternleute). — geplagte Leute
m Leprosi, igne sacro seu infernah plagati, die
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.168
I^eute.
! .ev.inte— lieht.
armen Leute ,"dio an der Lepra erkrankt sind
(Du cangc vi, 300). — (13C8) gute Leute, 1. = Le-
prosi, die armen, geplagten, am Ausbau oder
ansteckenden Leiden kranken Leute, deren
sichtbare Entstellung Mitleid erweckte, und die
sich zur Erreichung gemeinsamer Ziele und
Zwecke zu sigelmassigen Genossenschaften
vereinigten [Haemr n, Nachtr. 62; Buck, Flur-N. 93;
rfeifcr, rcsillcuiia In nttnunl«). — 2. — spater ge-
hörten dazu auch die Lues-Kranken, die eben-
falls in den Gutleut- Häusern gemeinsam unter-
gebracht waren (s. auch HurnbrQder). — 3. =
die guten Holden (e. d.), Gütchen. — hitzige
Leute ■ Genossen der gleichen hitzigen Natur,
Konstitution, Komplexion (*. Natur); meist
Bolche, die viel an Verstopfung, innerer Trocken-
heit leiden (Huck 72). — //"/.--Leute = nach dem
Volksglauben die untunlichen oder meist weib-
lichen Dämonen aus dem Walde (Holz, Moos,
Buoch, Loh, Hag [s. Hechsej, Hart) in meist
zwerghafter, aber auch riesenartigor Gestalt,
behaart, halb menschlich, halb tierisch (ziegon-
ahnlich) deren Leben an den Bestand des Waldes
(Kaum) gebunden ist und ah „arme Seele",
denen man opferte, in dem Walde noch fort-
leben nach dem Volksglauben (Baumseeie), die
aber schon frühzeitig in Hausgeister und Feld-
geister Obergingen; a)sie drücken den Menschen
als Milzfrau, Holzmar, Waldmar (Laistner Ii, 245 ;
Panzer II, 180. 254; Z. d, V. f. V.-K. 18»'», 22); b) sie
minnen den Menseben im Alptraum als wilde
Milnner (Bauernregeln M; Mannli. TO. 87. 135. 136.
KS; H. A. Rh. 260; Gollh. 154; Gr. D. M. 403. 405. 452)
(Waldminne) und c) ei zeugen damit die Wech-
sel bftlge (s. d-), welche ihre Gestalt teilweise
als uienschlicbe Missbildungen mit Tierahn-
lichkeit erhalten und von ihnen den normalen
Menschenkindern untergelegt werden (Wuttke46);
d) sie verwirren die Haare zu Alpzöpfen als
Widemttnnlein (s. d.) (Pauli 10*); e) ihr Anhauch
macht Beulen und Geschwüre, Katzenbeulen,
Kalzenveit, St. Veilswurm (Schelble IX, 63»);
f) als Milzfrau, Holzfrau erzeugen sie Milzbrand
(IT. a. R. 259, Jahn 183. 198), Waldkrankheit (maladie
St. >ylvain) auch den Bettel (s. Bettelkrank-
heil) iK-ihier 466 ff.) bei Schafen, das Fieber (als
Rüttel Weibchen) (H. A. R. 261; Mannh. 82); g) bringen
als Heidemann, Pestfrau, Seuchen oder Tod
(Oolth. IM); h) machen taubstumm (H. A. R. 270);
i) u. lahmen durch Aufhocken (Schelble IX, 639J.
— (1591) kalte, phlegmatische Leute, 1. ■ solche
Menschen, die dem i'hlegma (s. d.) oder der
kalten Natur (s. d.) gemeinsam unterworfen
sind und vielfach an Weisstluss, Ausllüssen,
Diarrhoen leiden (Tabcrnacni.). — l.- an kaltem
Fieber (s. kalt) Leidende (Frlichb, 66. 76). — (1548)
kindliche Leute = Menschen, die durch ende-
mischen Kretinismus im Wachstum zurück-
bleiben (Blrcher 21). — kleine Leute, 1. =
Menschen mit Zwergwuchs, Kretmen (Gr. W.
VI, 844). — 2. = das kleine Volk (s. d.) der el-
bischen Krankheitsdämonen , das, den Sym-
ptomen entsprechend, verschiedenfarbigauftritt
in den Bannformeln, die sie aus Haupt, Leib
oder Bein ins Wasser zu fahren veranlassen
sollen (Frischt). 74, Z. d. V. f. V.-K. 1896, 8. 15. 16. 19) ;
Bie erzeugen hauptsächlich als Würmer lause-
besetzte Kopfhaar- Ausschlage, die das Haar
zu Zöpfen (s. d.) und Locken (s. d.), verwirren
und durch eiutrocknendes Sekret verkleben. —
kropfige Leute - Menschen, die am endemischen
Kröpfe leiden (1522 kropffechte Lüt , Strassburg;
Z d. V. f. V.-K. 1897. 212; Guar. 427). — (1609) leepe,
lipe Leute - buse Leute (s. d.). — leichte Leute
(de lichte lue, Ostlriesland ; Wuttkc 141) m die als
Irrlichter schwebenden flüchtigen Krankheits-
dämonen. — (1483) mondwendige Leute ■ Leute,
die dem schädlichen Einflüsse des Mondes
gleichartig nach früherer Lehre ausgesetzt sind,
„die ihren Sinn verkehren nach des Mondes
Lauf" (C r. Megbg). — Moos heute s. Holzleute.
— quade Leute - böse Leute (ndd.). — (1483)
räudige, nchäbigelAUte diean der bösen Baude
(l^epra, Syphilis) erkrankten sondersiechen Aus-
satzlinge (C. v. Hcgbg.). — (1501) rotfarbene Leute
bs cholerici (s. Cholera) (Pr. 11, 168) (a. farbige
l^eute). — (1521) rotzige Leute - Genossen in
der phlegmatischen Konstitution (s. Phlegma)
(Bayerl. 1896. 8. 323). — Näa-Ludi, m. es da* Sau-
maunchen, ein Knochen in der Gestalt eines
Mannchens in einer Metzger-Kufe (s. Jungfer
im Bade und Judenknochen) (Rochh. 1. 227).
— galige Leute = salige Fräulein (s. Salig)
(Vemal. 243). — (1368) sieche, besiechte Leute (1316
beMekte liedeu; ndd. — leprosl, Lersch 105; siechen
'.ute. Buck, Flur-Sam. 96) — an der Lepra, Aus-
satz etc. erkrankte, sog. gute Leute (s. d.), die
gemeinsam wohnten in den Gutleut-, Siechen-
oder Leprosen -Hilusern. — (1477) teufelhaftige
Leute s> die Besesseneu (s. d.), worunter man
auch die akut delirierenden, an Infektiuns-
seuchen (Phrenitis) erkrankten Menschen ver-
stand (c.v.Megbg ), nicht hlossdieGeisteskranken.
— (l.v>4) tobsUt hh:ir Leute fllaltaus 1787) = maniaci,
s. böse I eute '1 m an Ptirenins acuta epidemica
erkrankte Leute oder wütende Leute. — (1477)
rergiftige Leute ■ Menschen, die am Vergifl
(= Vergicht, s. d.) leiden (OrtoH). — (1790) rcr-
rücktc Leute — Menschen, die gemeinsam an
gleicher Geistesverwirrung leiden. — tmoc
Leute, t. - weisses Damonenvolk in Wurm-
gestall oder weisse Madenwürmer als Bleich-
sucht erzeugende Krankheitsdamonen (blale
ludiie [Manur.], Z. d. V. f. V.-K. 1896. 8.23; die In Bann-
tormeln der Masuren [Frischb. 76]; x. B. aus I.etl>. Itlul.
Ader, Gelenken und Gliedern auf steinige Meerc«in*eln
vertrieben werden). — 2. = bleiche L-JUte (s. d.).
— 3. = namentlich Lieber leidende, die ein
bleiches, kacheklisches Aussehen bekommen
(Frinchb. 58). — Wald - Leute s. Holzleute. —
willige Leute as die an der Hunds wut (Lyssa)
leidenden Menschen (Buck 15). — Leut >\ » '
-Fresser, • Schlächter , -Schwenden, -Sterlten,
— Wurm.
Levante, f. — levantische Pest.
lexen s. lechzen,
libern s. lüppern.
licht, Licht, n, Lichter, pl. (indogerm. luk =
leuchten ; gotli. Hub«, nhd. Höht; mhd. lieht as Mein,
Glans, Helle, Kluge *, 237; 16. Jahrh. licht m nudus,
glabellua, haarlos, glänzend, D. 264 ; engl, lighl). —
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Liehte-Lid».
Licht, n. Lichtlein, 1. = da« Auge, Augen- i
pupille, als Teil des lichtempdndenden Organs,
Sehvermögens (1592 du tiechtlln, Beb. 206 j Heyne
IV, 642; Or. w. vi, 873) (= Lichter, pl.). — 2. =
die Lichtader (s. d.), Vena temporalis (Gr. W. VI,
»60. 872. 877). — -lichter, -lichten s. Lechter. —
I « - Licht = Licht 1 (Falke I, 84) - Geeicht
(hei Tier nnd Mensch). — Leben »-Licht = da»
heim Sterben wie ein Kerzenlicht verschwin-
dende Sebverraöffen (piu de luce!). (Ober die
Sterbkertc, Lebenslange, Blutlampe der ParacelsUten
[Bequin, Burgrav] s. BochhoU I, 111. 165; Kraut. E.
160; Zingerle, Schlldereien hus Tirol 108 ff.) — lichte,
Licht Ader, -Augen, -los, -Magen, -Mann,
-»cheu.
Lichte, f. 8. Leichten (Schweiz; Falke II, 69).
Lid1, n. -lied (lndogerm. li-tu [-thn] ; altgerm. Dlk
~ geben; gem.-gerrn. Uthu — Olled [an Gehen];
altnord. li-mr = Glied, Kluge* Hl; eugl. Iltbe = ge-
lenkig, biegsam ; llmb = Glied, Zweig ; abd. lid, m , n. ;
7. — 8. Jahrb. lidi = articulus, membmm, Cass. Glos«. ;
Dt« »8; Graft II, 189; Gr. W. VI, 981 ; 8. Jahrh. lldl
= membra, Kero 81 ; 9. Jahrb. lidall = articulus, Graft
II. 189; 12 Jahrh. lithc-artus, articulatio, H. Z. II, 205; |
14. Jahrh. lideli = articulus, VoO. opt. W. 12; mhd.
Mt ; 1343 sine 11t = seine GUeder des Leibes, Pfeiffer
F. u. K. I. 82; 1606 lytt, n. = Fingerglied, Incheuh.
Mir.; litt = Glied, Wuttke 229; Uder (Tirol) = Glieder,
Hlntner 8. 20; holl. lid ; schwed. led; diu. led ; ndd.
lit, let, leet. D. 355). — Lid = Ciehglied (?), Glied
Oberhaupt; Membrum genitale, Artus, Arti-
culatio, Ossa, Pedes, Digiti, les orteiles. — aus-
V lid et (13. Jahrh. nssgelet, ucieylyth ss caslratus,
D. 105)« Verschnittener, dem dasScrotutn (tieni-
tale) ausgelöst, -geschnitten wurde. — Bild
(= Behd) (abd. bllldl ; mhd. bilde) a Bild, nach-
gemachtes Glied, Nacbglied (s. Bild). — Grlid,
Glid, Glied (ahd. güld = artus. Gelenk, Kluge», 141 ;
U.— 12. Jahrh. gilith = Glied, juneturae, Graft II, 189;
1260 da« gellt, Pfeiffer 32 ; mhd. gelid ; 13. Jahrh. gilt
= artlculum [bayer. Landfrieden] ; 14. Jahrb. gelld
= membrum, Voc. opt. W. 12; 1482 gelied — mem-
brntn, Zen. Voc. k 7 , dan. gelcd). — Glied - «las
Kollektiv zu Lid, das ganze Lid mit allem,
was daran ist, 1. = Membrum, Artus, Gelenk,
beweglicher äusserer Körperteil, Knochen
mit Fleisch. — 2. — Membrum virile, Penis,
da« Zeugongsglied, Frucbtglied; dieses (;[e]lid
litferte wobl auch das primitivste bild fiir die Ger-
manen, das PhallnaBtld als nachgemachte« l.id (siebe
Belld), wie es sieh in den Pfahlbaufundcn bereit» findet.
- S Genitale feminae. -1 -Körperteil«
überhaupt, auch innere Organe, z. B. Ver-
dauungsorgane, von denen man 1766 (Bauern-
regeln, 8. 61) so viele annahm, als Tage im Jahre
gezahlt werden, also weniger wie bei den
Knochen oder Beinen (s. d. 8. 32): 365. —
(1620) abgetchlaqene Glieder = ermattete, kräft-
ige Glieder (e. abschlagen) (r>r. Minderer). —
\ qetetttc Glieder = die rhachitisch vorän-
on- f *
derten, an den Kpiphysen kolbitf verdickten,
dadurch gedoppelt, an- oder abgesetzt aus-
sehenden Extremitäten (s. Zwiwuehs und dop-
pelte Glieder). — (1538) Aefuel- Glieder =- die
Lid«. 869
oberen, an der Achsel beginnenden Glied-
massen (nyrti, k. w. 150}. — A ugen- Glieder (1482
augengelled; 1570 augengeliedcr, II. Sachs — palpebrac,
cllla, Sebmeller 1, 1442; [Baden] augegelltte, Schmitt 19
= eine Verwechselung des [ahd.] hllt - operculum
[«. I.id *] mit l.id 1 artus. Gr. W. I, s06) = Augenlid
(8. d.; Lid1). — (UM) bärhaftige Glieder =
Geburtsglieder, Genitalia (Bcsolt). — Bauch-
Glieder = die vom Bauch (Leib) abwärts be-
ginnenden Extremitäten (Hyrtl, Anat. 342). —
(1538) Bein- Glieder, 1. = Beingelenke. — 2. =
untere Gliedmassen, Füsse, Beine (Hyrtl, K.W.
160). — (1561) blöde Glieder = schwache Glieder.
— (1631) däuende (dewende) Glieder = Verdau-
ungsorgane (Krautw ). — (1530) Deck- Glieder —
Augendeckel als Augenlid, Lid" (Besold). —
(17'.7) doppelte Glieder = die rhachitisch ver-
änderten Epiphysender Extremitäten-Knochen,
welche kolbig verdickt, geknüpft, dann aber
wie abgesetzt, rasch ebenso dünn wieder er-
scheinen, so dass sie wie gedoppelt aussehen
= englische Krankheit, Zwiewuchs, onter-
wachsen, geknüpft etc. (Banml. 583; PauU 54). —
(1529) edle» Glied = edler Körperteil, s. Haupt-
glieder (Brunf.). — (1819) empfindlichen Glied
= Clitoria (Oslander; t. Slebold 32) (Fritz, Füd-
gigel etc.). — (1592) entblähtes Glied = durch
Schwellung enistelltes Glied (Seb. 105). —
(17. Jahrh.) entzündete Glieder - durch Rotlauf
(St. Antoniusfeuer, Wildfeuer) oder durch
Phlegmone heisse, rote F.xtremitäten (F. Kr.
B. 313; i,onie. 119. m). — (1761) erfrorene Glieder
— durch Frosleinwirkung in der Funktion be-
hinderte Glieder (L. chir. 67). — (1569) erlahnte
Glieder = von der Paralysis (s. d.) betroffene,
gelähmte Glieder (s. lahm) (Gr. W. VII, 1458). —
(1561) erttockte Glieder - Membra stupida, taube,
unempfindliche, unbewegliche Gliedmassen
(Gr. W. III, 1017). — Feucht- Glied - das männ-
liche Glied (beim Wild), entsprechend der
weiblichen Feuchte (s. d.). — Finger- Glied =
(Organum, Ii. 400) - die Fingerteile, die beweglich
sind. — (1551) Jratte Glieder = aufgeriebene
Körperteile, die durch Erythems intertrigo
fratt sind (Scrotum, Perineum, Anus etc.)
(Bock 1R5). — (1528) Frauen- Glied m Glied 3.
Weibttfched (H v. Ocrsd, 21). — Frucht- Glied -
Zeugungsglied, Penis (Kute). — (1530) führende
Glieder = die Nahrung zuführenden Urbane
(Kunigssp. 4y). — (15.— 19. Jahrh.) Gebär-, (16 Jahrh.)
Gebärung-, (i6is; Grburts- Glieder = männliche
und weibliche Genitalien (bärhafte Glieder),
da beide zum Erzeugen einer Geburt nötig
sind; wesentlich eingeschränkt auf Vulva,
Vagina, Matrix, Arvuni genitale (s. Acker)
(Kir«ch 113; WUdbrunn, WclUh. 19; D. 260; Gr. W. IV.
1. 1906; L«rcllng 254). — (1630) innerliche Geburts-
Glieder - Utero« (Lontcenu im). — run) des
Männleins GrOurf«- Glied [C v «ehm. 107) =
Penis virilis. — gt -.licdert ■ artikuliert, in
den Gliedern richtig gefügt. — (1483) geistige
Glieder = das Zentralnervensystem mit den
peripheren Nerven (und Adern) als Träger
des Geistes s. d.) (c. r. Megbg.). — (1528) ge-
knitschte Glieder - gequetschte Köri>erteile
(H. t. nertd. 51). — (1716) gekränkte Glieder
24
■
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•70
Lid '.
LUV.
gequälte, geplagte, geschwächte Ghedmossen
(Gr. vi. V, 20::i). — gelahmt f Glieder - s. erlahmte
Glieder U'latiner I, 152). — (1592) geschlagenes
Glied = durch Schlag (s. d.) betroffenes Glied,
Contusio, Paralys (s. d.) (Seb. yi). — (16. Johrh.)
Geicerb- Glieder — die in Gelenkverbindungen
sich bewegenden Glioderteile (Lonto. 341). —
9W-\9QMü*Mt j <"s2 BrowKelyderter. irror.Ke-
lytttirkelt , urosj-KelldlKer — corpuletitu« , mcinbrntug,
corpolenua, D. 162. 355) = stark gebaut in den
Gliedern. — (i-t"7) Haupt- Glieder - die Prinzi-
palglioder, die so^en. edlen Teile: Herz,
Leber, Hirn etc. (Ortolf; rictor. 42). — (1528)
heimliche Glieder (16. Jnhrh., ndl. bcmelikc lcde der
vrouweu, D. 260; heinelike K'd - pudenda, D. II, 308)
■ die geheim gehaltenen Geschlechtsteile
(Heidrusen) (Bock 40. 185; Hyrll, K. W. 84; H. v.
Oend.}. — (1507) innerliche, (17. Jahrh.) innere
Glieder = <lie inneren Organe im Gegensatze
ID den äusseren Körperteilen (Hi>ri- mini«.; f.
Kr. n. sio. 572). — (1591) kalte Glieder = gelähmte,
schlall'e, durch kalte Natur (Phlegma, Rheuma)
erkrankte Gelenke (Tubern.). — (mhd.) Kindes-
Lid (Glied) = Kindesbeine (Meyer, Helint.r 245).
— kleines Glied (1512 kleynglyd = artlcului, D. 51)
= das kleine :5. Glied am Finger. — [16321
knopfige Glieder - durch knutige (Gicht-) An-
schwellungen (Tophi) veränderte Glieder; (161C)
articnli nodosi, tophis impositi (Gnma; Podagra)
[PHei 122; Cr. \v. V, uro). — (1651) knarr ichtc
Glieder — durch harte (Gicht-) Knoten (tophi)
entstellte Glieder (Bock 49). — (1528) kontrakte
Glieder ■ durch Gicht krampficht zusammen-
gezogene Glieder (ijliedbrflchig) (II. v. Gersd. 25).
— (lßss) krampfichte Glieder^ kontrakte Glieder
(s. d.), Pseudoankylosis (Gr. W. V. 2013) - (1561)
kranke Glieder " Mode, kraftlose, Bebwache
Glieder (Gr. W. V. 2023). — kram gliederig =
von feinem, zarten tiliederhaue (Spi.«* II, 13»;
kraus lorkitf, «irt). — (15. Jahrb.) Icblhhc Glieder
(Intestina ritaUa, D. 623) ■ Eingeweide, an deren
Bestand das Leben hangt. — lidm iches Glied-
lein = kleines, biegsames Glied des Fingers
(Sehraeller II, S:t3). — Manns-, männliches Glied
(15. Jahrb. daz manlichc Rclid, Seh melier II, 322;
1500 nieudlich gelld, Fuchs I, 319; 1515 mansgUd
= inentiiln. penl», rnmex. |>ria|>us, D. 45«. 483. 504;
1>.' mau<>*glled - panta, Lonicerus 163, Gr. W. VI,
l so Zw 878J =. Glied 2, Mute. — Mittel-Glied
= die in der Mitte des Fingers befindliche
2. Phalange «1er Fingerknochen. — (1350)
nährende Glieder = Verdauungsorgane, Blut-
gefässe, Nahrung zuführende Gedärme (KüDigwip.
49). — Nagel- Glied - der 3. Finger- oder
Zehenphalangcnknochen, der den Nagel trügt
(Gr. W. VII. 267). — natürliche Glieder - Geni-
talia als Korperteile, dio der natürlichen Zweck-
mässigkeit de« Wesens und seiner Bestimmung
entsprechen. — pelzige Glieder = emprindungs-
Bchwache Extremitäten, die wie durch einen
Pelz fühlen, der auf ihnen liegt. — (16. Jahrh.)
podagr(am)ische Glieder - gichtisch erkrankte
Glieder (Lonlo. 37). — (1609) Prinzipal- Glieder
(Pr. Ii, 205; iiyrti, K. w. 191) = Hauptglieder. —
sausende Glieder = frostprickelnde Hände und
Füsse (Gr. w vill, 1933). — (147S) schämige, (1566
Scham- 1 (Lid)f ^ I 1 =Vere,lda' ^denda,
Inguen, Pubes, Genitalia (Gr. W. VIII, 2110). —
2. — Praeputium, l.id 1 (puta, putillui, pellls ea
■iua glan« membrt virilis tegltur) , Schwanzhülse
(Kirsch 985). — (17 Jahrh.) schlafende Glieder =
durch Lähmung (Schlag) empfindungslose
Glieder (Fr. Kr. M 286). — (1528) schteeinende
(schwindende) Glieder = an Muskulatur ab-
nehmende Extremitäten, Atrophia (H. y. Gerad.
43; Theophr. Br. ; Wallb. 357). — (1682) Süchtige
Glieder - an der Gliedersucht erkrankte Ex-
trem i täten (Lonlc. 289). — (17. Jahrh.) trockene
i Glieder - mit trockener Schleimhaut behaf-
tete, innere Organe (Fr. Kr. B. 83). — ungelenke
Glieder = wenig biegsame Glieder od. Gelenke.
— Unketisch- Glieder (1483 der unkaeusch (rellder,
C. v. Mcgbg; Schindler I, 1304) = Genitalia. —
(1532) Unter , untere Glieder) - Schenkel od. Ge-
nitale, Memhrum (Fries 121; Dr. Minderer). — (1784)
Fer-i/liedernng = dio Vereinigung in Glieder-
art (Essich 327). — (t497) vergiftete Glieder =
durch syphilit. oder gichtische Knochonauftrei-
bungen (Wrgift = Vergicht) veränderte Glieder
(Fuchs I. 311). — verkrümmte Glieder = durch
| Ankylosis, Fseudarthrosis krumm gebogene
Gelenke oder durch schlechte Bruchheilung
verunstaltete Knochen. — über-, ver-, zer-
stauchte Glieder = Contusio, Distorsio articu-
.ornm (.. stauchen). - g£j ^SSSs \
= durch Rheuma, Tetanus, Luxation, Gelenk-
entzündung etc. verändertes, verschobenes
Glied, Gelenk mit zuckenden Muskelschmerzen
(Lonlc. 75). — ro/Z-yliederig (»hd. fol-lldl, GraH II.
1167) = von starkem Gliedeibaue. — vorderes
Glied (die forderen «Hede, Germ. XVIII, 16) — Ober-
Extremiliit, Buggelenke, Vorderfflsse. — Weibs-
Glied (ahd. nntblldo), 1. = Vulva, Franenglied
(Hyrtl, K. W. i:r7). — 2. (ahd., Graft II. 190) = Uerm-
aphroditus, ein Mann, der auch weibliche Ge-
j nitalien hat. — weiche Lider (Glieder) (mnd..
14.— 15. Jahrh. de weken lede, J. f. ndd. Spr.-F. XV.
' 133) = schlaffe Glieder (Genitalien). — (1482)
i io»W-i/rlidert, -gliedert = co>|iulentus, an Glie-
derfleisch wohi besetzt (Zen. Voe. »6). — (1507)
zerknistetc. Glieder - geknitschte Glieder (Hon.
ssn.). — (1528) zermtirste Glieder - morsch ge-
Bchlngene, gequetschte Glieder (II. v. Gcnwl. 61).
Die Lidwurr = Gliedwurz (1532 1yd wurU, II. v. Gersd.
10»); die Namen für krankhafte „Glieder"
wurden hauptsächlich seit dem epidemischen
Auftreten der „Franzosen" (1482) (s. Syphilis)
in auffälliger Weise häutiger; die (mhd.) und
(ahd.) Glieder-Namen beziehen sich fast durch-
weg auf bewegliche, durch Muskeltleisch aus-
gestattete Glied maeeen («Membran«). — Lid-,
GUed «)-,16sf>r&€ii, -Auswahlen, -Band, -Bau,
-Brand, -brüchig, -Entzündung , -Erstarren,
-Er Störung , -Feuer, -Fuge, -Gang, -ganz,
•Gegicht, Getccrb, Kälte, -Kontraktur, -Krampf,
-Krankheit, -Krümme, -Krumpe, -lahm, -los,
-Massen, -Müden, -Reissen, -Renke, -Rose,
■Schänule, -schelch, - Schlaf, -Schrot, -Schwachheit,
-Schwamm, Schweinen, -siech, Staltnis, Steife,
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Lid*— Haderte
liefern — liegen.
371
Stein, -Stich.-Sucht, süchtig,- Tanz, ■ Wrschrung,
-Verstopfung, -Waster, - Weh, ■ Wehtag, weich,
- Woge, - Wurm, -Zucken.
Lid*, n. (Augenlid) (iitad. hllt, llt = Deckel. Ver-
schluss ; mhd. lit, n. = opcrculnm, tegmcn ; „eine arge
Verwirrung entstand daraus, «law die alten Wortsamm-
lcr die Ausdrücke für lid 1 = membrum nnd lld ' =
tegmen mit der Leichtfertigkeit ihrer Unwissenheit
ganz willkürlich für palpcbra. supercilluro, cllium ge-
brauchten". Hrrtl. K. W. ; engl, lid = Augenlid; vergl.
membnim = Lid' u. tnembrana = Lid"). — Lid, n.
1. = der Augendeckel (Augenlid). — 2. = [um
da» lid de« grossen beins Im fnss, Gr. W. VI, 483) ~
der deckelfön:. _ Knochenrand, Kcklciste am
Knochen des Oberschenkels. — 3. = l'raepu-
tium, Schaniglied 2. — Augen-IAA (mhd. ougelit,
I^xer 123; 1476 eyn auwerglljt = palpcpra, fellicnlus
Muo tegitur oculu«, 1). II, 277; 15. Jahrh. oghenlcd
= cilinm, D. II, 90; 15S6 ougcngelyd ; s<-lt Luther
allgemeiner in Gang gekommenes Wort, Gr. \V. I,
«07; engl, eyelld. Lehf. 171; bei Shakspeare cofTer-
lids s Kastendeckel), 1. = „die 2 beweglichen,
durch Faltung der Haut gebildeten Deckel oder
Klappen am Auge, welche zum Reinigen der
Augen dienen" und iura Verschluss derselben
(Hyrtl, Anat. 53*) = Palpebra (Cicilium). — 2. =
(1753) die innere Augenlidschleimhaut. — rotes,
ran lies Aughd - Trachom (A. v. R. II, 2W; ndl.
roode oogleden = llexeuaugcn, (V. K. IX, 11). —
3. = (181« augenglidt. Schmeller I, 1442) Cllium, die
Lidhaare. — 4. = das 3. AwjenÜd - die Nick-
oder Nagelhaut, Blinzhaut beim Pferde (Mayer
189). - Augenlid- Hitze, -Krankheit, -Kupfer,
-Rone. — ö«nr-Lid (ahd.. 10. Jahrh. kanzlidl,
Notker, Graft II, 190) = Praeputium, die unver-
sehrte, nnbeschnittene Hülle der Glans penis
im Gegensätze zum nachfolgenden: SrAarf-Lid
(ahd. scardlithi. scartlldl, I^sges Alam. 60; Graff II,
190; V, 528) = Circumcisio praep.it ii s. operculi
= das schartig verstümmelte Lid, z. B. die be-
schnittene Vorhaut oder der verstflmmelte Ohr-
deckel (Ohrlid). — Ä Aam-Lid s. Scham-Glied
S. 370. — t/W-Lid (ahd. uparlith, Schmeller I, 1442;
mhd.; ortolf) = der flber dem Kehlkopfe befind-
liche Kehldeckel, Epiglottis. — Lid*- Gc/as«,
-Haut, -Lähmung, -los, Scharte,- Spaltenfleck.
Liebe, f. (Indogerm. lenbh Pubens. inbldo, libido] ;
vorgerm. leubho; gern -germ Huf ; angl« leof; altnord.
liutr = lieb, gefallend, Lust erweckend, Kluge &, 273 ff.).
— Lieblinge (isi. iiufiingar) — Klben als gute
Holden. — gt iechisehe Liebe = Paederastie
(real; = Kind. Knabe, späv = lieben) m Knaben-
Liebe: 1 tnmissio penis in amim mascnli (siehe
lesbische Sünde). — Crntti^«- Liebe = Uratusmus
(nach der griechischen Liebesgottin Aphrodite t'rania)
- konträre Sexualempfindung zwischen gleich
Keschlechtliehen Menschen (•. Vlerordt 96; „der
Name stammt ron Assessor t'lrichs, einem Verfechter
der (aueh ihm eigenen] Mannliebe", Dornbl. 142J. —
Liebes- Äpfel, -Blümclu-n, Fieber, Orublein,
-Kitzel, -Opfer, -Schwindsucht, -Seuche, Spiel,
•Streit, - Wahnsinn (s. auch Minne). — geliebrig
(Tirol; Wolf) = gliedrig, gelenkig. — lieb-äi«^'.
liedeng. liederlich (indogerm. leuth = leicht,
frei; germ. ltuthri = elend, schlecht; ahd. hllodar;
mhd. liederlich, Kluge*, 238) = schlecht, kraftlos,
kränkelnd, übel auf (oherd.; Gr. W. VI. 990; MItt.
f. bayer. V.-K. 189«. 2. s) (s. Loder u. Luder).
liefern s. Lüppe.
liegen (indogerm. legh [i.r/o;, lectusl; gem.-germ.
ligan; ahd , mhd. Ilgen = im Verstecke, in der Höhle,
im Bette liegen [..den Ostindngermaneu fehlt das
Wort"], Kluge*, 238) = an einer Krankheit bett-
lägerig sein, seinen Grund (Lage) in etwas
haben, L B. das liegt im Geblüte = hat seine
Ursache in dem Blute (s. d.). — (16. Jahrh.) lieger-
haft = deenmbens, bettlägerig (Gr. w. vi, 1018).
— Liegerling - Bettlägeriger (Schmeller I. 1461).
— am Arzte liegen = in der Kurstube nach des
Arztes Rat im Bette liegen. — in der Asche
liegen (s. Asche), lxiehia (s. Lauge, Aschen -
lauge), puerperalia (s. im Salze liegen). — im
Lueder liegen 8. Lueder. — (1887) aufliegen
= so fest auf etwas liegen, dass der Körper,
die Rflckenhaut oder Hohle oberflächlich durch
Druck beschädigt, wund, offen wird (Georg 439;
dän. llgge Hui paa sie, Pierer 7; Falke I, 78). — die
Augen liegen in den Hohlen = durch Fett-
schwund in der Augenhöhle vertiefter erschei-
nende, sogen, hohle Augen. — zu Bett liegen
= decumbere, krank sein. — ZWf-Liegel
(15. Jahrh. bcttligel = clunicus [clinicns], D. II, 97) =
Liegerling. Beltriser. — auf dem Brette liegen
= als 1-eiche auf dem Totenbrette liegen. —
rfurcA-liegen = durch den Druck des Korpers
eine tiefe Öffnung durch die Hatitoberfläche
(Decubitus) erhalten beim langen Liegen im
Bette. — er-, rrr-liegen (von der Stimme oder
Sprache) = anfangen nicht mehr reden zu
können, weil die Stimme ihren Dienst versagt
(s. verlegen) (Schmeller I. neo). — fest - liegen,
1. = ans Bett gefesselt sein (E. W. I, 154). — 2. =
eine von den gereizten oder bei der Geburt ge-
quetsclien Scheiden- und Uterusnerven aus-
gehende Reflexlähmung der hinteren Glied-
massen bei Kühen, die dann längere Zeit nicht
mehr von ihrem Lager aufstehen können (Frank
40. 157. 238). — am Fieber liegen = am Fieber
krank zu Bette liegen (Gr. w. VI, 1002). — (r>92)
V' liegen (seil, des Kinds) = zum Liegen kommen
ins Wochenbett fH. Paul 169, Scb. 10".; Schmeller I,
14i.0). — auf der Harpfen liegen (Tirol. Krtnuhen,
Oberhayern) = auf der Streu liegen; (Harpfe = eiu
harfenfthnl. Schntzgestell zur Rewahrung der Streu;
auf der Streu lagen die Kobelslerheii, s. d.) - krän-
keln, wie Altcrschuache oft sieb hinlegen aus
Schwäche (Gr. w. iv. 2. 47fi). — im Holze liegen
— s. Holz. — im Katarrhe liegen (1618 die frant-
zosen Ilgen in catarrho. Pnraeelsus, l'r. It. BQJ m am
Schleiiuliautkatarilie leiden, der durch die Sy-
philis veranlasst ist fconf. „auf Druse stellen").
— (16. Jahrh ) eiues Kindes inne liegen, fliegen
(1462) sie gelag eines Kindes, Christ. Meyer 9), 1. -
im Wochenbett« liegen (Gr. W. VI, 100». — 2. =
schwanger sein und bald ins Wochenbett
kommen (Gr. W. V, 709). — (1680) in Kindsnöten
liegen - longo tractu parturire, mit Not im
Kindbette gebären (Gr. w. V. 760). — krank (an
einer Krankheit) liegen = durch eine wirkliche
Krankheit zum Liegen im Bette kommen (Gr. W.
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VI. M). — anf dem Loder liegen = s. Loder. — |
im (auf dem, vorm) Magen liegt etwa« = den
Druck von etwas Bchwer Verdaulichem im j
Magen empfinden. — (15. Jahrh.) Ob- lieger (= in-
cubus (In coltu], D. 293. 564) = Alpdruck (b. Alp u.
Alptraum). — fiöf«) in der Salbe (Salm) liegen
— eine Schmierkur gegen FranzoBenschäden
(Syphilifl) gehranchen (Lammen 172) (b. Hole). —
im Salze liegen = wie die Wasche zur Reinigung
in der aus Säle und Asche (s. d.) bereiteten
Lauge (s. d.) liegt, so liegt die Wöchnerin in
der Wochenbettreiuigung (I>ochia) (Bplcati II, 202).
— über einer Seite liegen = Quer- oder Schief-
lage des Kindes im Mutterleibe (s. überzwerch).
— im Spitale liegen = krank sein. — die Stirne
liegt zurück = Üachstirnig Bein. — foMiegen
— sterben (Schmeller I, M60). — (l'>73) überswerch I
liegen - Quer- oder Schieflage des Kindes im [
Uterus pTtMi Plltoll II, 146; Georg. 447; Lonlccru*).
— (16. Jahrh.) r/n^er-lieger (= »uccubus [In co-
enndn] ]) ö4,i) = der beim Alpdruck quasi loco
feminae liegende Alp (s. d. u. Alptraum). —
viereekiij liegen = mit den 4 Ecken des Körpers
uberzwerch od. schief im Uterus liegen (Back 28)
(vom Kinde). — im Wochenbette, in den Wochen
liegen <=> s. Wochenbett. — (ibw) wundliegen
= aulliegen (s. d.) (Falke II, 445).
-lieren s. -lust
Liesen, pl. (Linsen) (HM dye \\»e - min**»
[mentagra, nicht mcninga] D 363 ; 1420 lysen = «irones,
D. II, 341; 16. Jahrb. lieg = linea rntunda [ - Made),
Gr. W. VI, 1019; 1583 Hosten = Ilaulgcschwüre uro
die Augen , Seurcn, Grones, Ekzema impeUginodc*,
Gr. W. L c). — Lieslein ■ eine kleine Liese
(1. eod.); dies Hehr wahrscheinlich zu Laus (s. d.)
als Krankheitsname (angl*. lyn; nord. »vis - Uum;
ndl. lnlü — Ijius), die kleinen Schüppchen bei
Hautkrankheiten der behaarten Haut sah man
als Laus-Eier, als kleine Laune, Lieschen an;
daher (In Thüringen, Sachsen , Nlederhossen) Liesen, |
Lisse, f. Lieschen, Lieslein: 1 - Kratze, Kaude,
Ekzema palpebr. impetiginodes (Gr. w. VI, 1019.
1020). — 2. ^ die dabei beobachteten kleinen 1
Hautpnsteln (Lieschen, Seuren) (SptaM II, 163). |
— 3. = Liessen ~ Leiste 3. 4 (als Leichdorn
und Kettwamuie). — 4. = s. Linse. — Räude-
Lieser , -Liese (UM relullsKon ; 16. Jahrh. reUllle«,
reltlle«e, Gr. W. VI. 1019; 1741 reitlinsen [richtiger
Hexen] fl Selrcn, Ilirsrh 1105); 1S31 reitlic«e, reillauB !
— acaras exuleerans, Kraus, E. fi), 1. — Tinea rolunda |
(Gr. w. viii. 7.sh) - die Kaudemiiben, Haarmilben,
Raudcläuse, Sirones (». Siren) (Schmeller II, 322).
— 2. - die bei der Knude mit und ohne Para-
siten beobachtbaren l'usteln der Haut (Seiren,
Sirones); beim krassen Parasitismus der früh.
Zeiten ist die Übertragung des (damonistisehen)
Wurmnamens auf eine von ihm angeblich er-
zeugte Krankheit öfters zu rinden: daher Lies-
chen (eigentl. Loschen = kleine Laus) = Pustel.
— 3. — mit den Kratzepusteln (Raudelieschen)
verglich man 06*8; fir. w. VIII, 788) auch kleine
Geschwüre auf der Mundschleimhaut des Reit-
pferdes (Volksetymologie) (s. auch: Rande-Uus).
Uesen s. lösen.
-liifter s. 1 -echter.
lillen b. lullen.
limpfen (mhd., 12. Jahrb. llmphcn, Gralf II. 210.
211; zu luom, s. Lume) = hinken, gebrechlich Bein,
lahm sein.
Un- b. Lint.
Und den) (gem. len (Inende, Weiche?] = Nach-
giebigkeit; ahd. lindl; mhd. linde — der Gegensatz zu
fest, hart, raub) - glatt, weich, zart (s. B. Haut,
Fell, Muskeln etc.). — lindern = „etwas Un-
angenehmes abschwächen, so dass man es
weniger empfindet" (U. Paul 283). — lind-/7««cA,
-matäicht.
Lind b. Lint. — Lind- Wurm.
Linde, f. — Linden- Krankheit.
-linge b. Lunge.
Linie, f. (ahd. ltnla; mhd. Knie = Unca. Streifen.
Furche [s. LeUt)). — Bauch- /-mir (ObemeUung der)
Linea alba der Schulanatomie = hellfaseriger
BauchmuskelBtreifen in der Mitte der Musku-
latur de« Bauches (Byrtl, K. W. 147; Bau 286; Falke
II, 433). — Hm;'! Linien = die schicksaldeuten-
den Haulfurchen der Hohlhand in der seit 1417
sehr modernen, durch die Zigeuner eingeführten
Chiromantie (Wuttke 206; Abrah. I, 341; Schindler
244), die als Glücks-, Haupt-, Hers-, Kopf-.
Lebens-, Leber-, Magen-, Müs- und .ATafür-Linie
unterschieden (abgelesen) wurden. — Hunger-
Linie = die mehr in die Lange gezogene Hunger-
grube (s. d.), die bei abgemagerten Pferden
mit geraden ßauchmuskel- Streifen umgrenzt
ist; solche fettlosere länglichere Muskelgruben
finden sich auch am Hinterbacken abgemagerter
Pferde. — Reil'sche Linien fl. Nornenspuren. —
verletzte Linie = schwächerer Grad der sogen.
Hasenhacke (s. d.), wobei die sonst gerade
Linie des hinteren Randes des Sprunggelenke«
mehr weniger stark durch eine Hervorwölbung
der Gelenkgeschwulst unterbrochen ist, wie
abgebrochen eseheint. — weisse Linie, 1. =
s. Hauchlinie. — 2. = Hornstreifen (Falke II, 433).
links (zu lenken [». Lank), slnere, sintster; ahd.
lencha- linke [schiefe] Hand ; mhd. linc, lenc) = lerk,
ler«, lenk, wiester, linksseitig, matt, kraftlos,
unglücklich (Schräder 371); die linke, passive,
weibliche Seite (Herzseite) galt bei Krankheiten
für prognostisch schlimmer, weil regelwidrig
(links = gewendet, verkehrt, schräg); die Rechts-
händigkeit ist Naturregel; allerdings nicht ohne
Ausnahme. — er ist links = „pflegt sich der
linken Hand zu bedienen" (H. Paul2S3). — ül>er
links ». Weitere* bei I.iebrecht 339 Anm., 490 (Bach-
ofen 173). — link(c,«) Bein, Hand, Hersröhre,
- Tatitch.
Linse, f. (ahd. Unit; mhd. linse - lens. Kluge*.
239; 1512 lynss — len», lenticula, P. 116), 1. = der
linsenförmige Krystallkörper im Auge, den man
bis auf Cartesius für das Hauptorgan des Sehens
hielt (s. Sehe u. Staarraum), „die Feuchte im
Auge", Humor crystallina, seit Hippokrates
(Fuchs I, 163; Hyrtl. Anat. 568). — 2. ~ linsenitbn-
liche Flecken (Übersetzung der lentiginea) oder
Blütchen, Sprenkeln, Spruttlen im Antlitze
(Gr. W. VI. 1052; Ocyne III. 665). — 8=8. auch
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Lint-Lippe.
Lippen— Loch».
378
Liesen. — Krystall-IAnae = Linae 1. — Meer-
lAnsigkeit — die Perlsucht der Rinder mit
Mähr- od. Rosslinsen -grossen Miliar-Tuberkeln
(15. Jahrh. mcrllsen [s. Uesen] s lentlcula. D. II, 231;
zipp. 862; Freu«). — (1592) Sommer -Linslein =
Laubflecken, Sommerflecken, Lentigines (8eb. 93).
— Linsen- Bein rhen, -Fleck, -Knochen, -Mol,
■Rinde, -Staar.
Lint, m. (altnord. llnn. Hnnr = Wurm, Jordan 481;
ahd. Unt, Und = Schlange; die schon Im ahd. bemerk-
bare Seltenheit dieser Bedeutung erklärt auch die
damals schon gebildete Tautologie von „Lindwurm"
(s. d.); dessen „Wurm ' ist nur Verdeutlichung des
verdunkelten, nicht mehr verstandenen „Lind", Kluge *,
288; Gr. W. VI, 1038; 11. Jahrh. = bestia, quae signi-
fleat mortalitatcm et allo nomine „lint" dicitur, Graff
II, 240 ff.; dazu ahd. linboum = fraxinus ornus,
Eberesche [Schlangenbaumj, Jansen 155); der Lint Ist
demnach: 1. — ein als schlangenartiges Wurm-
ungeheuer (Lindwurm) oder Drache (e. d.) vor-
gestellter, Menschen verschlingender Dämon,
Bestia iufernalis, Furia (s. d.). — 2. = die so
personifizierte Pestilenz, gegen die namentlich
die auch gegen Schlangen und Nattern ge-
brauchten Pflanzenmittel „gar dienstlich er-
wählt" werden (Bock 146; hlcher: engl. llntwort =
die gegen Milzbrand verwendete Bramlwurzel, Feuer-
kraut, Wrangkraut, Helleborus, Kol. 82). — Lint.
-Drachen, - Wurm -Zeichen.
lipfen (lippern) b. lOppen.
Lippe, f. (Renn. 10p, leb = lablum, Kluge6. 239;
Irans, la llppo ; mtl. Upplum, Du ( äuge IX, 254 , engl,
llpped = lippig; Lippe Ist dem ahd., mhd., oberd. fremd
u. erst seit Luther schriftsprachlich), I.ss das tierische
und menschliche Lippenpaar, das den Rand
der Mundöffnung bildet und zum Schlürfen be-
nutzt wird (s. Löffel , Laffe , Lefze). — 2. =
Muttermund-Lippen. —3. = Wundränder (Gr. w.
VI. 1058). — 4. = lippenförmige Gebilde. — 6 =
s. Lub. — aufgesprungene Lippe = schrundige,
eingerissene, gespaltene Lippenschleimhaut,
la gercure (garsa = scarrifleatio). — .-1 to/cn-Lippe
= der lippenähnliche Augenlid-Rand, Palpebra
(Gr. w. i. 815) (Angengleff). — (Juice Lippe (engl.
blobberllp = geblähte, dicke Lippe, Kaltschtn. I, 71) =
claphus = eine breite, gewulstete Mumllippe,
Trollmaul, Wurst maul (Gr. W.II, 1082). — Doppel-
Lippe = eine Mundlippe, die durch einen mehr
weniger dicken, wuretartigen , von der über-
mässig entwickelten Schleimhaut gebildeten
Wulst, der von der eigentlichen Lippe herab-
hängt, durch eine dazwischen verlaufende
Furche gedoppelt erscheint. — Hasen-Lippe -
eine durch Hasenscharte («. d.) veränderte
Lippe, Labium leporinum (engl, hare Up es Unsen-
scharte. Lehf. 50; Gr. W. IV, 2. 539). — (1646) kel-
licht? Lippen - gekerbte, schrundig gespaltene
Lippen (Coler, H. A. 140). — Kus» Lippen (engl,
pouting Ups) — sinnliche, geschwellte Mundlippen
(Nicolai VI, 488 ; franz. leffre, loflre, lofre. Briss. 40).
— (16. Jahrh.) Ol-.-, - Lippe (overlippe , Gr. W. VII,
1097; vi, 1054) = die obere Mundlippe. — Ohr-
Lippe sb Ohrlappen als lippenförmige« Gebilde
(an Ohrläpplein angelehnt) (Gr. W. VII, 1265). —
rappige Lippen = ein raweros (rauhes) Maul I
(b. d.) (De Cock 72). — .S'<; ■< /-Lippen (Mecklenbg.
sugUppen, Z. d. V. f. V.-K. 1894. 191) = die SäUglingB-
lippen. — SWiam Lippen - Schnmlefzen,-}) bj/ia
Hippokr., nxspofu»u.ataSorani. — (1645) tchefichte
Lippen - abgeschabte, gespaltene, schrundige
Uppen (Coler, H. A. 140). — schwere Lippen =
die Lippen als Teile des Sprachorgans (wie
Mund u. Zunge), welche als schwersprechend,
stammelnd, schwerbeweglich bezeichnet werden
(Gr. W. VI, 1055). — tote Lippe (engl, dead Ups) =
totblasse, bleiche Lippen. — (16. jahrh.) Unter-
Lippe - die untere Mundlippe (engl, netherlip,
Gr. W. VI, 1054). — iFur5t-Lippe = dickgeblfthto,
wulstige Lippe, Wurstmaul (Kaltschm. I, 71). —
Lippen- A usschlag, -Bändelten, -Krebs, -Rinne,
-Spalte, -Winkel.
Lippen, n. = Lüppe (s. d.) Coagulum (Lonlc. 313).
lirken (lurken) (zu lere. s. lorken) - lahm;
sprechen wie mit lahmer Zunge, stottern, stam-
meln (Schindler I, 1601).
lispeln, lispen (ahd. llsp = stammelnd; lispen;
mhd. lispen ; 15. Jahrh. wllspen = balblre, D. II, 47 ;
wllspich = balbus, D. 66) = beim Sprechen mit der
Zunge anstossen (Kluge*, 239). — lispeln, 1. =
flüstern, leicht lispeln. — 2. = die Laute b, seh,
ch, z, z unrichtig aussprechen (Sigmatismus).
Auffällig Ist, dass so viele Sprache-Anomalien (lallen,
lispeln, latschen, lorpscn, lurken, lirken, lurtBChen)
mit „L" (wie Llppo und lingua) anlauten. L und R
sind individuelle oder landschaftliche Nuancen eines
zwischen beiden liegenden ITrlauts, aus welchem sich
diese Linguales differenzierten (— poln. i; engl. rl).
Die Zerlegung dieses Urlautes In „L" und ,,K'' machte
vielen spateren Generationen Schwierigkeiten. Die
Namen für Sprache-Anomalien wurden damit, d. h.
mit der Erkenntnis der Schwierigkeit, die bei dieser
Lingualcs-Trennung eintrat, ein Bedürfnis. Die La-
biales entsprechen einer uoch kindlicheren Sprachon-
Btufe (s. pap, mam, s. Eckstein in W. Illustr. d. Mthft.
1895, S. 101). Die volksübliche Ätiologie brachte
die«) Anomalie Iii Zusammenhang mit den schwei-
genden Holden, lispelnden Schwestern. — lispelnde
Schwerter.
Lisse, f. 1. = entstellt für Nixe (Lichse) (Z. d.
V. f. V.-K. 1895, 8. 124). — 2. = Liesen (s. o.) (Spless
II, 153).
Lithauen. - lithauische Krankheit, Pocken.
Litze, f. = Lisse, Liese. — Ohr Litze ^ Ohr-
wurm, Ohrlaus (Spless II, 177).
Lobbe s. l^appe.
Loch | n. lochen (vorgerm. lüg = Verschluss ; ahd.
loh, luhhen ; angels. loca = Verschluss ; mhd. luoc, loch
= Verschluss, Höhle, Loch, Öffnung, Kluge*, 240),
l. = eine rundliche ÖH'nung um oder im Körper
(Cavum, Forarnen) ; ein ycRllcheJi gancz gowurcktes
mensch hat newn locher in seinem leib aus den allen
unllot fleusset (Schtneller I, 162«). — 2. - (1534 „du
loch unter der nasen, Gr. W. VI, 1096; lleyne III, 671)
— Mund. — 3. = Cunnus, Anus. — 4. = Schaden,
Geschwür, Wunde, Os vulueris, Sinus ulceris,
Foramen (Avenzoar), Ulcus syphiliticum (Fr. 1.
267; Gr. W. VI, 1094; l'aull Iii;" Goldschm. 88). —
(1616) Löcheriuig = «lie Lochbildung, Perforatio
(Gr. w. VI, lioo). — lochein -schleppend, langsam
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874
Loch1.
Loch1.
gehen = lorkeln (s. d.). — /Irfer-Löchlein,
1. = die kapillaren Öffnungen, Oscula vasorum
der Schlagblutadern, die man vor allem in dem
Mutterkuchen annahm (Placenla, 8. Mutter-
löchlein). — 2. = (1530) die Aderlass - Stelle
(KünlKMp. 49). — Arsch- Loch (9. Jahrh. arsloh =-
anus, Gran* II, Ml; Rat». Maur. 05; 13. Jahrh. arsloch
— podicus, P. 443 ; 1420 araloch = cxtalis, D. II, 163)
= die ötrnung am Arschdarm. — schwarzes
Ar,->), Loch = von Adel sein (sehwnrze Ader).
— Augen-hoch = Augenhöhle (Gr. w. I, 808). —
Srtn-Loch, l.aseln« durch Verletzung oder Ge-
schwür entstandene Knochenöffnung. — 2. =
(äugelt, bAn locu = osslum septum, Kocbbolx I, 290)
= der menschliche l^eib als Beintrefass, Skelett.
— 2?ro/-Loch - der Mund als Öffnung für den
Speisegang (Gr. W. II, 404). — Dämpf-I*6cheT
(1518 dumpf! löcher der schaui, H. v. Gersd. 14 ; 1691
daempff-löchleln , Tabern.) = die Öffnungen, wo
Wasser in Dampflbrm sich entleert; a) Dunst-
oder Schweissporen der Haut; b)die Harnleiter-
öflnungen in der Blase, Uretheres, „die den
Harn von den Nieren tragen" und als wäs-
serigen Dampf in der Harnblase (Scham) ent-
leeren sollten nach damaliger Annahme. —
Dunst - Loch (14. Jabrh. dunstloch — ponis, Voc.
opt. W. 11; 15. Jahrb. Punstlocb = porus, V. 643;
16. Jabrh., 1515 tunstloch = porus, D. 449; thunst-
löchlclu, Gr. W. II, 1665; C. v. Schm. 148) die
Schweissporen der Haut. — en /lochen = durch
eine Öffnung etwas entleeren, z. B. durch die
GeburtB-Kammer (Gr. D. M. II, Uli) = ein Kind ge-
baren. — .fW-Loch (16. Jahrh. fld-loeh = anus,
Gr. W. I, 566 ; Elsass Füdlo = Fudloch, E. W, I, 96)
= die Öffnung hinter der Fut (s. d., s. 164 b, Fttt-
loch) Anus. — (1646) öfAdr-Loch = Ohrütfnung,
Meaius auditor ext. (Hyrtl, K. W. 63). — (Moch
(ahd. giluh, H. Z. XV, 356) = das (durch Glaucoma
[Albugo], Staar verschlossene) ganxe Sehloch.
— (1630) Gemächt-Loch = Ueschwttrsöffnung an
der Seham (l'leus syphiliticum) (Lonieems). —
(164«) I t ii n Loch — das Bachen- (Gien-) Loch des
Ohres (Tuba Eustachi)) im Gegensatxe zum
äusseren Ohrloeh, als direkte Luft- Verbindung
des letzteren mit dem Schlünde, wenn das
Trommelfell durchlöchert ist (Hyrtl, K. W. 63). —
.Wais -Löcher - geschwürige Öffnungen an der
Halsschlcimhaut (Hachen, Mund, Kehle), An-
gina herpetica, diphtherica, syphilitica (ul-
cerosa). — Hert-hoch (des Manen«) = Pylorus
cardiacus, die Cardia stomachi s. Ostium oeso-
phageum, die Eingangsöffnung des Magens
(Uyrtl, K. W. llu). — (1594) Hinter hoch ~ After,
Podex (Heyne III. 671). — Humer-, Hunger-hoch
= die Hungergrube (s. d.) in derKegio lumbalis
s. iliaca, die sogen. Dflnne oder Weiche, wo
(namentlich beim Stallliere) der Fettverlust im
HnngHrzustande am sinnfälligsten ist (Pauli MO;
Hintuer 8). — AVc&s-Loch — die Öffnung eines
Krebsgesohwures (Falke I, 12). — Li < ' -Loch (1483
leibloch, k-iploch — porus, Zenlng Voc. sOggl; 1608
liblochlin, Gr. W. VI, 006), 1. - Schweissloeh <ler
Haut. — 2. - (1618 löcher am leib, Paracelsus ;
Pr. II, 71) -ausserliches, syphilitisches Geschwür.
— (1017) Luft -Löchlein = die Aderlöchlein
(Kapillaren) der nach dem Tode blutleeren
kleineren Arterien, die man eich damals (bis
Harvey, s. Kreislauf) mit Luft angefüllt dachte
(Beyn. 178). — (1678) Magen- (1782) Magenmund-
Loch = der eigentliche Pylorus (oder Thor-
wächter) am Ostium duodenale , Pförtner am
Ausgange des Magens (M. H. L. I, 83; Hyrü. K. w.).
— Jtfund-Loch = die Öffnung, mit der etwas
mündet, 1. = (1668) die Öffnung des Magens;
*) gegen die Speiseröhre und den Mund xu
(Cardia, Herxloch) ; b) gegen den Darm xn =
„rechtes, unteres Mundloch", wo der Magen-
pförtner sich befindet (Pylorus) (Thes.san. Br. 43;
Beyn. 160 ; Hyrtl, K. W. 110). — 2. = (1518) die Öffnung
der Gallenblase durch den Gallengang im Daune
(muudtlocb des gollensacklln , n. v. Gerad. 12). —
3. = (1601 tnundilrtchlin = os uteri, Hyrtl, K. W. 116 ;
1725 das muudloch der mutter, Thes. san. Br. 306) =
Oriücium s. Ostium uteri. — 4. = (1748) die Kapil-
largefässe als öffnnngcn (Oscula vasorum) oder
Mündungen der Blutadern (Maschenb. 96; Kirsch
839). — Mut!- > -Lochleiu (1532 löchlln der muter =
Cotyledones. Kries 123 . „es sind Adcrlöchlcln, durch
welche die HauUeln zusammengehalten werden, durch
welche das Kind im Mutterleib genährt wird", 1. cod.)
— in der als Pulmo uterinus gedachten Nach-
geburt oder dem Mutterkuchen Bollten die
Blutgefässe des Uterus mit Ader-Löchlein (wie
vor Harvey auch die Kapillaren genannt wurden)
endigen und so das mütterliche Blut in die
Leber des Embryon (Placenta = Leberkuchen)
ergiessen nach der damaligen Vorstellung. —
(1588) jYaöd-Loch ■ die Öffnung am Nabelringe,
durch welche Nabelbrüche entstehen (Gr. W.
VII, 6). — Nagelbohrer-hoch = Leichdorn (Wesi-
Jütland), der eine Vertiefung in der Hornschichte
der Fussohlenhaut darstellt, als ob sie mit
einem Nagelbohrer gemacht wäre. — Nasen-
Loch (ahd. naslohhir — nares, Diez, ruman Gloss. 92;
12. Jahrh. naslocher - nares, Graft* II, 141; nasenlocb,
Pfeifler 13; 12 —14. Jahrh. naseluoc. HoHm. I, 385;
16. Jahrh. naselocher == inflrmitas, anasus [ohne Nasen-
flügel!, D. 637; M49 nasalug, nasenluoger , Schm. I,
1462; 1483 nasloeher, ('. v. Megbg. ; mbd. naseloch —
nares, Gr. W. VII, 418; H. Z. VI, 321; Lexer 174) =
die natürlichen und krankhaft weiten Ein-
gangaöffnungen xum „Vorhaus des Geruch-
organs" (Hyrtl, Auat. 629). — butxechtige Nat-
Löcher = mucosae nares (s. Bulx) (Gr. W.
II, 591). — krumme A'<i.»löcher — die durch
Trudenxauber (Trudentrul) nach dem Volks-
glauben schief gestellte Nase mit ihren Öff-
nungen (Muck, Flumam. SO). — OAr-Loch (12. bl»
14. Jahrb. örluoc, HorTm. I, 386; Lexer 182; mbd. dax
loch des ohre-t, Gr. W. VII, 1226; 1542 das locblin dex
ors, Gr. W. VII, 1220) = die Äussere Obrgang-Ötf-
nung. — (^ittifVr-Loch - das Kotloch des Anus
(Gr. W. V, 1891, i960; VII. 2332). — Rohr-höChQT
(1678, 1616; Parawlsus; (ir. W. VIII, 1132) = Fistel
(s. d.). — Ruft » hoch (1632 louhltn an des mauues
rutheu IMcus penls, l.ouiccr.) — Zerssleiden. —
(1612) SrÄai/tn-Löchleill - ein vertieftes , aber
bereits verheilendes, sich sehliessendes Ge-
schwür (Gr. w. viii, 1984). — Schweis Löcher
(10. Jahrh. sweizlochor — pori, tirall II, Ml; mhd.
■Wvixlftcbel , I.exer 201 — porus; MM sweysch-,
1129 km nirz loch - ponis, I). 119; 1482 swaisslocta —
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Loch'— Locke.
locker— Löffel. 875
Pnnstloch, porns, Zenlng. Voc. ff. 7; 17. Jahrh. swals-
locher = pori, St. Zcno-Mlrakelb ; Sehm. II. 774; 1616,
1743 BchwelMlöchcr = pori, Tbeophr. Br. ; Bibl. Med.
109) = die Öffnungen der Schweissdrüsen auf
der äusseren Hautoberfläche , die meist etwas
trichterförmig erweitert sind. — Spund-Loch
= Vulva (Hyrtl, K. w. 137). — süsses Löchel =
Vulva als Wohllust-Organ (nyrtl, K. W. 137). —
Vaterunatr-Loch = Brotloch oder die Mund-
üffnung, aus der die Gebete roascbinenmäsBig
hervorquellen, le trou aux patera (V. K. Hl, 209).
— H>i f Loch = die Entleerungstelle für das
verdaute Futter (= Wold) beim Wilde, Anus
(Hyrtl, K. W. IM ; Gr. W. VI, 1716 ; Schm. II, 685 »ab
Sport). — Wein-Löcher ■= Puncta lacrytnalia,
die etwa« kraterförmig aufgeworfenen Öff-
nungen derThränenröhrchen am inneren Ende
der hinteren Kante des Lidrandes, die zum
Thränensacke führen und beim Weinen die
Thränen aufsangen sollen (Hyrtl, K. W. 163). —
Wem-, Werren-, Wema-Löchel = die Öffnung
eines Liddrüsen- Abscesses am Auge, ein ge-
öffnetes Gerstenkorn (s. d.) = Chalacion oder
Werren (Schönwerth , opf. III , 219). — Wurm-
Löcher ■ die Bildungsstätten der Eingeweide-
würmer im Darme, die nach dem Volksglauben
sich wie die Mäuse und anderes Ungeziefer in
besonderen Löchern, Schlupfwinkeln oder
Nestern erzeugen sollen, die man aber durch
dicke Suppen verstopfen könne, die sich dann
vor diese setzen (Lammen, Volks-Med. 134 ; Spicss II,
285). — £aAn-LÖCher (1591 zahndlocher - cavernae
denüum, Had. Juu. 27) = die Zahnfächer, Alveolen.
— Loch -Bruch, -Feuer, -Fieber*, -Käpplein,
-Schutt*
Loch*, n. (Lach) U6ll) ein angeborenes Ge-
wächs am Auge (schm. I, 1405) ~ Lach (s. d.),
Mal, Fleck.
Loch1 (Loh) (zu ahd., 8. Jahrh. laue - Lohe,
Klamme. uralt II, 151). — Geloh, ' »loh — ausge-
dehntes Feuer, das in Flammenröte erglüht. —
Loch-(Giodlr)- Feuer.
Lochaner, m. s. Lnxner.
Lochum (8iudentcn[-'J- Ausdruck für) Podex (Sehm.
I. 1427; b. W.).
Locke, f. (Indogerm. lug [gebogen]; getn.germ.
lock = lange«, herabwallendes Kopfhaar ;ali<l ,10. Jahrh.
loh, loc, m. = cincinnus, capillti*, crinis, 0 raff II, 127;
14. Jahrh. lock = onpillus, Voc. opt. W. 10; mhd. loc.
Kluge *, 240; 1431 lockh, m , Schm. I, 14:54; 16. Juhrh.
lockl. Hyrtl, K. W. 1061, I. = - las gelockte, gebogene
Haar (s. d.). — 2. = (16. Jahrb.) die locker ge-
faserten Zasern von Sehnen u. Nerven (Hyrtl,
K. W ), auch kleine Schleimfäden (W. R. 33). —
3. = Lock = Loch 3. — /franriWin-Locke — der
durch Branntwein volksüblich behandelte
Weichsel- (Wein-)Zopf (s. d ) (og. 5). — Elf-
Locke = Alpzopf, Elfklatte, Weichselznpf,
Marklatte, s. Marlockc (engl, elflock, bebt. IM;
Kaltschm. I, 205). — /Y*Se/-Locke (engl, feilnck,
fetlock. Kluge*. 123 481) = Fesselhaar, das den
Kötenzopf (h. d ) an dem Pferdefessel bildet. —
K<-t> ,i Locke - Fessellocke. — AV.no Locken
(13. Jahrb. cruslog, 15. Tnhrh. gruwsloek - chicluuus,
: D. 120) = Wollhaar, gekräuseltes, gelocktes. —
(1710) Mar-, (1801) Mor-, (1741) Maren , (1830) Mahren-
Locken = der nach dem Volksglauben in
Schwaben, Niedersaebsen , Dänemark und
Schweden vom Alp oder Mar (s. d.) filzig zu-
sammengeflochtene Alp-, Weichsel- o. Wichtel-
zopf, Plica polonia (engl, elflocks, Scheible in, 1S9;
Og. 5; Weickard 358; Weese 49 , Schw. 410; BlrUnger,
8. 1, 107 ; 1741 Ist hinten am Haupt ein fleischichter
Zopf, an welchem das Haar wie an einem Kuhschwanz
herauswachset so bei den Polen eine gar gemeine
Krankheit und sich hart vertreiben lasst, Kirsch 91R)
(s. Zopf und flechten). — Säld-, Söl-höcken
(sallocke, Thüringen; Gr. D. M. I, 433; Hochholtz I,
333; 1117 Zalden locke = capllllclum, D. II, 72) m die
durch einen Hausgeist (s. Pellmerge und Salig)
verursachte Verfilzung der Haaro (Säldentost)
beim Ekzema capitis ( — das Säld 5). — TVci'n-
Locke = h. Brandweinlocke. — Wirbel-, Wirf-
Locke (12. Jahrh wirbil-, wirf-loch — clncinnus,
Hoffm. I, 398; Graft II, 127), 1. = der Haarwirbel
oder Schopf auf dem Haupte der Freien. —
2. = der Weichselzopf auf dem Kopfwirbel
I iOg. 5). — Locken-7/ij. 3 r
locker («. lucker; dazu ndd. lag, logge) = schlaff,
locker, mattherzig (Fromm. VI, 3>3).
Loder, m. Lotterer (loddern) (Indogerm. leuth
= leicht, frei; germ. liuthri = lotterig, frei [dazu:
liederlich, Luder]; ahd. lotar — leer; mhd. loter =
locker, leicht, Kluge*, 241). — lottern, 1, = locker
machen, schütteln. — 2. = dormitare (D. 190),
auf der Loderbank, Loderbett, in der Lolter-
hütte schlafen. — 3. = (ndd. loddern, Fromm. VI,
363) mangelhaft, nachlässig sprechen, wie aus
Faulheit undeutlich sich ausdrücken. — Loder
(Lohda) (Schlesien; Urquell II, 158; zu ahd. Iota =
Schossliug; westfül. lodern = üppig emporwachsen.
Kluge 240) = dicht behaarte Kopfteile. — lotterlen
= gebrechlich einhergehen, schlottern (Huck 19).
— Lotterer, m. = ein personifiziertes Schüttel-
fieber (Schmeller 1, 1540). — (1696) vom Loder
(Lotter) = Schiederbank, Fieberlager, von der
Krankheit aufstehon (Schmeller I, 1541). — auf
dem Loder liegen = auf der J<oderbank, auf
dem Krankenbette (für die lotternden, fiebern-
den Leute), auf «lern (1517) Lotterbette (= clln-
terium, camina, D. 127; II, 68) liegen; meist ist
die Schiederbank hinterm Ofen (Kamin), der
wärmste Platz im Bauernhause, gemeint (Gr. W.
VI, 1211). — Äwif-Lotterer, 1. = einer, der mit
lockeren Knieen schlotternd geht, auch 2. —
impotens vir (Schmeller 1, 1343. 1540). — verlottert
= ganz und gar durch Schütteln und Bütteln
verdorben, z. B. ein Magen. — Loder-Suc/ir
Löffel, m. (germ. lap; ahd. lüffan | larabere],
lecken; leffll; mhd. lefTel, Klugo*, 240) — das zum
lallenden Schlürfen und Lecken des Hreies uolige Em*-
gerttte (Symbol des Ue'ltzrecbte») , mit dem formell
angeglichen werden 1. = das Hasenohr (schon
mhd.; Gr. W. VI. 1123). — 2. = die Hirschzutige.
3. - (übertragen aus d. Jägersprache) das Menschen-
ohr (Hintnur 6. 13). — 4. s. auch Lafle, Läffei.
— löffeln = sich närrisch benehmen (II. P. 284).
— den Löffel fallen lassen - plötzlich sterben,
das EüMD aufhören (Rochholz I. 142). — Brust
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876
Lölle— Loet.
Löwe — los.
Löffel (ahd. prastlcfll m cartllago, Graff II, 205;
10. Jobrh. bnmlefel, H. Z. VI, 341 ; IX Jahrh. brurtleUel
[leffelj = cartllago, H. Z. III, 368; mhd. bnwtlefftle,
Gr. W. VIII, 1030; 16. Jahrh. brugtleffel, pnuileffel =
pectorale, D. 418) = das lölfelförmig breiter
geformte Brustbein-Ende (Processus xiphoideus
sterni) = Herzsteften (Hyrtl, K. w, 140). — Qa(uck)-
Löffel = Kretin, (Jauch, Löffel (Aargau; z. f. d.
PfafloL ni. säe). - j Löffel, 1. = Rottläffel
(Laffe), ein Schimpfwort für einen unbebarteten
Jungen; Bezeichnung eines einfalt. Menschen
(Krettn) (Ir.juell II, 158; bei Luther VIII, 226). —
2. = das Nasenkeutel (s. d.) oder Nasengrüblein,
das den Nasenschleim fasst (Gr. w. VIII, 1329;
wohl nur an Löffel angelehnt). — Löffel- Bart, -Korb.
Lölle, Löli s. lallen.
Lörberl, n. = das dem Lorbeeren -Korn
(Baccae) angeglichene Ezcrementum caprae
(Z. f. d. Ö. V.-K. 1896, 8. 283; Schindler I, 1756;
Khsch 138).
lorbsen s. lorbsen.
löschen (leschen) (germ. leg; ahd. leskan; mhd.
teachen = liegen machen, rieh legen (vom Feuer],
Kluge», 241) = den Wundbrand stillen, das Ge-
schwür oder die Wunde zur Heilung bringen
(Beb. 86). — die Aderlass auslöschen - durch
Trunk am 3. Tage nach dem Aderlässe Bich
gutlich thun (Schindler I, 1021; s. d. Verl. Volks-
lied- w>). — sein Leben erlischt = das Lebens-
licht (s. d. u. Lebensfaden) hört auf, zu brennen.
losen, Lösung, Löser, in., f. («u lo» [•. d.j ; ahd.
lösen ; mhd. loesen ; nd. lieaen = mingere, D. 362 —
loraachen, Kluge*. 241, engl. loosenesa = Durchfall,
Diarrhoe, Kaluchm.). — (1742) Harn -lösen (ndl.
watcr loozen, De Cock 224. 2;». 309, Zw. 325; A. v. H.
I. 70») = das HarnwasBer loslassen, pissen. —
LöBung = Losung (s. d.). — Löser, m, f. - das,
was sich loslöst oder derjenige, welcher loslöst:
1. = Löser, f. = die sich vom Uterus ablösende
Nachgeburt (Loos 2) (Gr. W. VI, 1156; 0.-Hes»en).
— 2 = Loser, m.: a) der 3. oder Falten-Magen
der Wiederkäuer (Baucbpsalter) als der den
Speisebrei in den Darm vollständig loslassende
Magenteil; b) Penis, mit dem Hirschgeweih-
zacken verglichen, der zum Ablösen des Felles
von der Aasseite des Tierkörpers verwendet
wurde (= Löser) (Gr. W. VI, 11%). — fcc-löst =
castratus, ausgeliedet (angels. bellsnod, Du Cango
IV. 182 - dem der Ilode auagelöst Ist = 1813] caballus
spadatn» [h. 8paiji, Wallach. — (1449) Lrjfw-Löss
= VentuoBitas = die Blähungen, die aus d.-m
Leibe losgehen (Schmeller I. 1418; D. 611). —
1. MN</cn-Löse (ndl. ; 1554 de looie off longhe, De Cock
152) = von der Lunge sich ablösender Auswurf
bei der Lungensucht. — Ferlösung udL ver-
looslng) = die vollständige Entledigung von der
Leibesfrucht (De cock 51. 249). — Wasser-löBen
= s. Harn lösen. — Löser-, gelÖBte(r, #) Dürre,
Dürre, Schock, Schulterspall, Verstopfung.
Loet, Lotsch(er), m. 1. = s. lotschen. —
2. = s. latsch, welk, nicht fest, vom Muskel-
fleische (Spicss Ii, 148).
Löwe, m. = Facies leontina, s. Leontiasis
bei Aussatz. — Löwen- Gesicht, -giessen, Haupt,
■Menuch, -Hers, -Stime.
Logge, Logner s. Lücke a. locker.
Lohe s. Loch 3.
Lohn, m. — (1482) Finger-Lohn = Callas,
Durities manuum ex labore, die rindigen Haut-
schwielen in den Hohlhänden, gewissermassen
der Gewinn, den die fleissigen Arbeiter er-
halten (Zenlng. Voc. m 2. 3. 4) (Fingerkork).
Lombardei, Longobarden. — lombar-
dischT(*) Aussatt, Bruder, Fieber.
Loob, n. s. Los.
lorbsen - lorksen, lürksen, lnrken, labare
eermone, mit der Zunge anstossen, schnarren,
Rhotacismus (Schmeller I, 1500; Coen 17).
Lork(e) (Lorge), 1. = e. Orke und Norke. —
2. = Lurch, Lorch, Kröte (II. a. Rh. 364 , Wutike265).
lorken (1618 Nebenform zu lere, lürken, larchen.
•. d.) = mit der Zunge lahmen, labare eermone!
— lorksen, lorpsen (Rhotacismus) = öfters,
wiederholt lorken (8chmeiler I. isoi; coen 17)
(b. lerchen). — lochein = lorkeln, schleppend,
langsam, lahm gehen (Z. f. d. 0. V.-K. law, i, 136).
-los (lndogerm. lu [>.'ju>, solutus]; gern -germ. lauaa
= lose »ein ; ahd., mhd. 16«, Klage *, 241) = der Zu-
stand des vollständigen Fehlens einer Funk-
tion oder eines Organe« am Körper, nicht
bloss in der Leistungsfähigkeit beeinträchtigt
(wie beim Mangel, e. d ). — akm-los, 1. =
ohne Atem, dyspnoicus. — 2. = auch magen-
schwach (c. v. Schm. io), durch Magenschmer«
in der Atmung gehemmt. — WkMos (ndl.
bloedlooze, Lersch 854 j engl, bloodleas, Kaltachm. =
blutleer. — ferch-loB (ahd. ferhloi. Uraff in, 683)
= leblos (8. Ferch). — fuhl-loB = gefQhl- und
empfindungslos (s. fühlen). — (14*2) fuss-los
= (extalbj, D. 219), einer, der seinen Fuss (talus)
nicht gebrauchen kann. — ^-los - e. lusen.
— glied los = s. lidlos. — Aaar-los = kahl. —
hand-loB (mhd. bandelos, Lexer 90) = der Hand
vollständig entbehrend. — AaujpMos (ahd
haublllös. Graff IV. 757) = kopflos. — Aerx-los
(1507, ndd. heruloys = demena. D. 172) = gemütloser,
unverständiger, gefühlloser Mensch. — Hirn-
los (rachus, D. 482; engl, bralnloas, Kallschm. I) =
verstandlos, thöricht. — AooVn -los (IL Jahrh.
hodolo»er, Graff II, 271; 18. Jahrh. houdenlousor =
eonuchu», d. Ii, 158), 1. = herniosus, beim Bruch-
schnitte des Hodens beraubt, daher d. brüchigen
Männer als impotent galten (s. VoUvgabcn beim
8t. Leonh.-K., z. f. a. E. f. B. 1894). — 2. = Eunuch
(s. d.). — kraft-, kräfte-loB, -Losigkeit (ahd.
chrafielösi ; mhd. krelteloesc; 15. Jahrh. kraftlos, Gr.W.
V, 1951) = im Zustande des vollständigen Mangels
an Leibeskräften befindlich; namentlich auch
im Atmen behindert durch Schwäche (Seb. isoj.
— (1654) leib-loB - leblos (Schmeller 1, 14«).
licht -los (mhd. Uehtlos, Lexer 147) = blind. —
lid-, glied-loB {10.— XL Jahrh. lida-, lide-Ios, Graff
LT, 189. 26«; 1332 Udloi, Schmeller) = ohne Glied.
— (15. Jahrh.) macht- (mat ), mtoy-los - lassuB
invalidus, debilis, impotens, krank (Gr. W. VI,
1414; D. II. 229; Schmeller I, 1563). — muWer-los
Google
Lob.
losch — Luder
877
■ ohne die Brust der Matter bloss mit Kuh-
milch genährt (Pauli 102). — Namen-lo*, m.
(13. Jahrb. digttu» anularis, D. 36), ungenannte
Finger. — naten los (10. Jabrb. nasiloser, Graft II,
369 ; 16. Jabrb. uasloss, nasloser = anaiut, D. II, 22. 33.
engl, notele«, Kaltacbm.) = ohne Nase. — nerven-
los ■ ohne Spannkraft des Nervensystems,
nervös (Gr. W. IV. 1. 1680). — oAr m-lOB (ahd. orlös,
Graft I, 458; mbd. flrelös, Lexer 182; 1482 orloser ■
lacer, D. Ii, 223), 1. m taub, nicht hörend. —
2. — einer, dem das Ohr, durch Verletzung z. B.,
fehlt. — (178«) /..u/s los = scheintot, asphyktisch
(&-aipi>ru,oc = ohne Puls), ohne fühlbaren Ader-
scblag (Schmeller I, 3Ä8). — (1590) Schadni-lOB =
unbeschädigt, heil, unversehrt, sospes (Gr. W. VIII,
1994). — «cAajf-loS (ahd., 10.— 11. Jabrb. acaffelos,
Graft II, 272) = informis, formlos, ungeschaffen.
— tchlaf-lo* (ahd., 10.— U. Jahrb. slafloser = lu-
somuis, Graft II, 271 ; engl, ilecplcasneas, Kaltschm.) =
Obermäasig wachend bei schmerzhaften oder
fieberhaften Krankheiten — Agrypnia Ilippo-
cratifl. — «nw-los (ndl. zlnnelooz. V.-K. IX, 123) =
ansinnig. — (löio) zp«*e-los = hungernd (Fuchs I,
429; Pr. II, 167). — »prncA-lOB (ahd., 10. Jahrb. sprah-
halös = ellnguls, Graft II. 272) = stumm. — tcite-los
= ohne Verstand, unrichtig, verwirrt (ahd. wizxe-
lösl. Z. f. d. A. 1888, 8. 148; 1677; Bern.) (s. Will).
— zahn los (ahd., mbd. zantl<">», zanelos-edenUtus.
senex, alner dem die zen vssgcfalleu oder gebrochen
«Int. D. 194; Graft II, 271; V, 685; Lexer 397, ndl.
tandelooz, De Cock 80) = ohne Zähne. — zungen-
los (ahd., 10. — 11 Jahrb. tungilös = mutus, ellnguls,
Graft II. 271; v, 683) = sprachlos. — lose Rote,
Wand, Zähne. — Ks entspricht vollständig dem
Kultunuitand« früherer Zeiten, das* die Beraubung
und Verstümmelung einzelner Glieder des Korpers
ehemals viel häufiger war, und anderseits, dass der
Mangel dieser mit -los zusammengesetzten Organe
schon »ehr früh und besonders schwer empfunden
wurde; welche Kulturfortschritte sind seitdem in
unseren dauernden Besitz gelangt' z. U. die Kursorge
für Taubstumme und Blinde, die konservative Chirurgie,
die neuere Schusswaffentechnik, das künstliche Geblss
und Kehlorgan, Soxhlcts Ersatz der Mutterbrust,
Schutzpocken-Impfung etc.
Los, n. Loos, n. Losung (zu -los [s. d.]; ahd.
liozan; mhd. Uezen = erlosen ; angels. hlyt; goth.
blauts — Los; ahd., mhd. hlöz, m. — das Los, das los-
gelassen, geworfen wurde, Kluge*. 241; „In der heid-
nisch-germanischen Zelt wahrscheinlich ein Opfer-
termlnua" ; Conf. blaut = Opferblut, Kdda, Jordan 100,
als das, woraus oder mit dessen Hilfe geweissagt wurde,
Golth. 631. 641). — Loos. Los, 1. = das, was das
Wild als Exkrement auswirft (Losung). —
2. = die Nachgeburt, die BOrdeleber (s. d.), die
das Tier von sich loslässt, ausscheidet (Gr. w.
VI, 1166. 1201. 1203; dieses Auswerfen losgelöster
Körperteile oder inuerer Organe [lnngerAusch, s. d.]
aus dem bohlen Leibe der Bchlachttlcre war «Ine Auf-
gabe des Gode oder Opferpriesters ; ahd. pluostrari,
daher: Godee-Lunge. Godes-Lcber). — Losung, 1. m
I^öselwerk oder das zur Weissagung dienende
Opferblut (Golth. 611). — 2. = Ixx>s 1. — (1437) Qe-
lose, 1. => das ganze Inngeweide des Ja^dtieres
(schm. I. 977) = GepQtt (s. Potach), s. auch lösen.
— 2. = Exkremente (Kirsch 87). - LoB-Bolle.
losch (ndl. luacua. D. 340) = scheel sehend,
schielend.
losen (Loser) b. lusen (lauschen).
lotschen <* Schmerz äussern, winseln wie
ein latocher Mensch (Lötschger) (Buck 19;
Schmeller I, 1543).
lottern, Lotterer s. Loder. - \ottl-feitf,
fett*.
Louis'sfAfr Winkel.
Lub, f. - grosse Lippe, verlogener, weit
offener Mund (Schmeller I, 1417; vielleicht Neben-
form zu Lippe).
Lachs, m. s. Lux.
Lucht, f. -lacht, 1. = s. Luft. — 2. = s. links.
— 3. = s. Luck.
lack, Lack, n. Lacken, f. Lücke, f. (zu
locker [s. ds.]; Grdf. luggla; ahd. lucka, mhd. lücke,
lacke, Kluge6, 242; ndd. lucke = Loch, Lücke. —
Lack, 1. - (1591) locker herabhängende, lange
Ohren (Bad. Jun. 396) (luck). - 2. = Öffnungen
od. Vertiefungen am Körper. — lacken - locker,
offen, rogel, Bchlaff sein, schwanken (Gr. w.
vi, 122»). — (15«) luck, lncker = locker (oberd.)
schwammig (Had. Jan.; II. v. Gersd. 98; Zw.). —
(1618) lack machen = den Stuhlgang locker
machen, laxare (Schmeller I, 1463). — locket --
mangelhaft, gebrechlich (Wolf 161). — Lücke, f.
(1590 lucke = languor, morbus, D. 317; [Schweis] lüggl,
Gr. w. vi, 1229) = Schwachheit, der Zustand des
Luckens. — Luckner (lft. Jahrb., altsaehs. lugner,
lugener, logener = spado, castratus, eunuchus, I). 213.
544) = der durch die Kastration locker oder
leichter (s. d.) Gewordene. — Augen-Luck.,
-Lücklein, Lücker = die Augenlider, die ala
Augendeckel das Sehloch umgrenzen, so dass
das Auge wie durch eine DachlQcke hervor-
schaut (Schmeller I, 1434). — //fluchtig (ahd.
lacht , zu luckl, luecke = lügnerisch, Z. f. D. A. 1188,
148; mhd. geluch, Pfeiffer) sa vorspiegelnd. —
Hummel-, Hungt , -Lucken = die im Hunger-
sustande einsinkende, vertiefte Magen- oder
Herzgrube (s. Hungerloch) (Z. d. v. f. V.-K. I,
213). — (1776) Kot Lücken (kalluek, Hyrtl, K. W. 8,
Anm.) — Kotloch, After. — (1740) Zu/in-Lücke,
-Lacken = Mortariolum, die Öffnung der ge-
j schlossenen Zahnreihe, welche durch das Aus-
brechen von Zähnen entsteht (s. Mörser)
(8cbmeller II. 1133; Falke II, 450; Kirsch 768). —
"Luck.- Fleisch.
Lude, Ladi s. Leute.
Ladel, f. (za lullen [s d.]; eigentlich ein Saug-
gefass [Milchflasche, Tabakpfeife]); damit formell an-
geglichen: Mentula, als zapfenförmigee Gebilde.
— (1612) JtfticA-Ladel a. die weiblichen Milch-
brüste (Schmeller I, 1446).
Lader, m , n. (altgerm. löthra = Lockspeise;
schwed. luder = Aas; mhd. luoder - Lockspeise,
lockeres Leben, liederliche Weibsperson, Kluge.*, 242;
nach Gr. W. VI, 1232) 1. = gefallener Tierkörper
(C. v. Schm. 364). — 2. = Lockspeise für Raub-
tiere. — 3. = menschlicher Kadaver, Aas (b. d.).
— 4. = fettes Fleisch heim lebenden Pferde.
— 5. a (13. Jahrh. der lüde = semen, D. 525), Laich (?),
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878 lnffen— Iflppon.
I
-löste — lamm.
IuduB(?). — ltiderlich = liederlich (s. d. ; b. loder,
lotter) (C. v. Schm. 364; Duck 18, „beruht auf einer
jungen Andeutung de« Adjektiv an Luder", Kluge *,
238). — (17-11) im Lader liegen = (in luxum effusus,
Kirsch 716; 8chm. 1, 1446) = coire. — (1703) Venus-
Luder (Abrab. I, 25) m venerische Weibsperson.
lüffen s. lOppen.
lügen s. lugen. — Luegen- Sucht.
lullen h. lullen.
Lüme, Lummel. m. s. In nun
lünsk 8- Laune.
lüppen, Lüppe, n. lüppern, lüpfen, lüffen
(«skr. lubh - perturbare ; nord. Inbbi = Gift ; angls.
lif — medlcamenta , der mit Giftkrftutern [Luppe]
bethfttigte Zauber; goth. lubl. Inbja = Gift, Kuhn,
Ztsehr. V, 3«; lubja-leisel = Giftlehro, Toxilogte,
Schräder 609; ahd. luppön = medlcare; luppi — tnale-
fleium [ Zauber- ]Gift; 8. Jahrh. kaluppaz s toxica, Graft
II, 77; 8. — 9. Jahrh. lupparl = veneneu», Graft II, 7S;
9. Jahrh. giblapeco [ — gilupeto?] — purulentus, vene-
nalua, Graft II, 77; 10. Jahrh. giluppöter — medicato,
H. Z. XVI, 84 ; giluppiu = medlcata, L eod. 88 ; 1260
libern = gerinnen. Weifler 71; mhd. lüppe = Gift; ge-
luppet = toxicatus, venenatu«; 1420 lubl>en, luppen
= teacuare, caatrare, D. 580; 15. Jahrh. lüflern; 1477
bellppern — coagularc , die Milch gerinnen machen,
1). 639 , dazu herba lupparla, liupewurz, luppewurz -
Glftwurx, Eitergift, Aconitum, Rol. 97; 1471 llpperey,
Schindler I, 1497; 1497 vcrtlpt = vergütet, FI. Brun-
»chwyg; 1498 gelipft = vergiftet, Gr. W. VI, 1312; 1586
Uppen — Milchgerinnsel, gebildet durch da* Lab [alt-
germanisch, verwandt zu luppi, Kluge*, 223 , 8. Lab] ;
1592 milch lippern = gerinnen machen, Beb. 113). —
Lüppe, n. (ahd. luppi; mhd. lüppe, Wackern.; 1592
Lippen gerinUel, Lonicerus 313 - coagulum), 1. —
Zaubergift, Zauber (b. d.), heilsaraes u. tötende«,
wie Gift Wirkendes, Gerinnung Machendes u.
Gerinnsel (s. Labe). — 2. = (ndl. [veraltet] lubbe,
lobbe. Z. d. V. f. V. K. 1893. 421, V. K. VI, 96) =
männliches GeschlechUglied (Kastration). —
lüppen (udd. Hibben, Westphalen ; lubben, lyppen,
D. 105, Uppen, D. 51 1 — spadonarc, caslrarc ; weslfrles.
lobje - castrare, Z. d. V. f. V.-K. 1MJ3. 3S0; ndl. lubben,
V. K. VI, 96 ; engl, loppered = geronnen [von der Milch],
Kaluchin.) - au! zauberhafte Weise heilen, ent-
mannen, kastrieren; vielleicht sah das Vulk
das nach der Kastration des Tieres aufgelegte
Pflanzentnittel als das zauberhafte Luppe an
(Sanicula), od. das Kastrieren war eine Neben-
beschäftigung des Zauberers (Gr. Vf. VI, 1312). —
Lüpperei, Lüppenei, f. (tB. Jahrh lupnei = torti-
leglum, D. 543) = Ziiuberbethätiyting durc-f i Lfipp-
kräuter. Solche sind z. B. Aronitum napcllus, Vera-
irum ulbuin, zwei uralte Kennnuischc Zauberkrauter.
</rlÜppet, -lüppert (15. Jahrh. gellbert plut. Schul.
I, 1414; 1651 gelyflert blut, Bock 179; 17. Jahrb. ge-
liefert, Fr. Kr. B. 330), 1. = toxicatiiB, venenatus,
congulatus, durch Gift zur Thrombosis ge-
brachtes Blut z. B., geronnen, zusammengelaufen
durcli Gift (Gr. W. VI. 1312). — 2. =(14. Jahrb., ndl.
gelubet = »pado, caatralus, D. 541), entmannt, ka-
Btriert (wie durch ein Giflmittel?, s. heilen 2).
— wrlüppt (UV7 verlipt ; 1518 verlypt, II. v. Gersd.
33. 15), L — durch giftige Zaubersufte (luppewurz
ss Aconitum, D. 10), Salben, Geschosse, Infek-
tionsBtoffe etc. vergiftet, septisch infiziert (Schm.
1, 1497). — 2. = „durch Zaubermittel gegen Schuss-
wunden gesichert" (Schmeller 1. eod.). — Lüpp-
Augen. — ^flüppte (r, •) (y<libert«[r, *]) Mut,
Sehnst, Wunde.
-ltiste s. Lust.
lüttel, lützel. - VSittelMaren.
Luft, f., m. (gem.-germ. lufta; ahd. luft; nind.
lucht. Mag. Barth. 86a; mhd. luft. Kluge * 242; Heyne
III, 692) = Ai r, das uosern Dunstkreis erfüllende
Element, Luftzug, Atemluft, Bläbungsgase,
Dampf (b. d.). — luftig = loae, Luft zulassend,
frei auf der Brust, wie Luft aussehend, ver-
trocknet (1582 lüfftig, Lonic. 196; Hyrtl, K. W. 71;
Gr. W. VI, 1256). — (7182) Geburts-Lnft = Heimat
(M. II. L. I, 488). — gewemmete Luft (ahd. luft giu-
uemmlt = aör corruptu», «uht, Graft VI, 140; zu vamm-
jan, wemman m maculare; warn - Flecken; biuuem-
man sa maculare, contaminare, Schm. II, 911) — die
Ansteckung, Contagium (Bedeckung, s. d.) brin-
gende Seuchenluft, Pest-Miasma, die durch
Seuchengift befleckte, verunreinigt« Luft. —
A-urz-luftig = kurzatmig. — (1482) Zci&es-Luft =
ventositas, die Darmgase, die sich aus dem
Leibe entleeren (Hyrtl, K. W. 123; D. 64). — (1519)
pestilenzische , pestilentialische Luft ■= Aer epi-
demialis, tu Stilen», contagiosum Pestluft, Pest-
miasma, Luftfäule (Gr. W. VII, 1674; Heyne IU,
1121; Pr. i, 369) = gewemmete, faule Luft. —
(16. Jahrh.) schelmige Luft — pestschwangere
Luft, durch den Schelm (s. d.) verursacht (Schm.
Ii, 413). — Lttft-^laVr, -Fänger, -Fäulung, -Fell,
-Gurgel, -Hunger, -Kammer, -Kolik, - Kopper,
-Löchlein, -Pfeife, -Rohre, -ßohrenschwindsucht,
-Säcke, -scheu, -Schlucker, -Strasse, - Wege.
lugen (luegen) (westgerm. lokal ; angls. löclan ;
altaachs. lökön ; ahd. luogen ; mhd. luogcn, Kluge *,
242) = durch ein Loch (Lücke) mit einem Auge
.sehen. — Lueger, m. = das krampfartige
Fixiertsein des Auges (Schm. I, 1463), einseitige
Augenmuskellähmung, wobei ein Auge gewisser-
massen ins Unendliche lugt, weil ea nicht in
die Nähe eingestellt werden kann. — über-
luegen — oben hinaussehen mit schielendem
Auge (E. w. I, 9). — i cluegen = etwas mit
scheelem Blicke (Neidauge, s. d. u. böser Blick)
ansehen, bezaubern, an fernerem Gedeihen be-
hindern (verneinen, mal d'oechio) (Schm. I, 1463).
lullen, Luller, m. („eine onomatopoietiache Neu-
»chopfung", Kluge4, 432), 1. = wie das saugende,
lullende Kind, das an der Ludel (s. d.) lulu
macht, den Speichel (od. Milch) ilieasen lassen,
I geifern (Schiesten ; Gr. w. VI, 1288). — 2. = pissen,
mit dem Kolltone „lulu" in das Töpfchen machen
(Schlesien). — Luller, 1. = der Saugfinger, an
dem man schnullt oder lullt. — 2. = die (sau-
gend»-) Zunge (Hlntner 7. 16). — einlullen = (mit-
tels der Ludel) zum Einschläfern bringen (Z. d.
D. Ö. A. V. 1881, 202).
lumm, L um mo , Lueme, f. (zu ahd. luoml —
lahui [Ablaut z. d.], Kluge 224 ; schlaff, welch, matt.
I C, v. Schm. 366 ; Schw. 378; mhd. luctuen sa erschlaffen,
I ermatten ; luemc - Schlaffheit , luuim = s.chlaff, locker,
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Lummel— Lunge.
Kluse*, 2*2). — laemig, lammelig - lahm,
schlapp, kraftlos (Gr. W. VI, 72; Erbe 19). —
Lümmel, in. (1666 bomo sloe acumlne, Kluge *) —
Kretin als torpid apathischer Blödsinniger, un-
beholfener Idiot (Steierm. ; Z. f. d. Phil. BD, 334). —
'.'-Lueme (ahd. subtluoml, 0 raff VI, 142 ; mh<J.
•uhüueme, Scbm. I, 1473; II, 220) = Pestilentia, der
lähmungsartige Zustand von Schwache nach
ansteckenden Infektionskrankheiten (s. Lähme),
daher noch (vulg.) belemmern = beschmutzen,
beflecken (faul 83).
Lummel, m. Lumbel, Lammer (Lumpe)
(durch Vermitteln»* der klösterlichen Anatomla culi-
naris aui lat. lumbaUs ; abd. lumbal ; 9. Jahrb. lum-
bal a — renuneuli (= lumbl], Graft II, 214; mhd. ltimel,
lurabelen = Nieren der Jagdtiere [Tristan] ; abdomen,
1475; 1). 2. 305; 1 125 lumtnelen ; 15. Jahrb. lütnmelse
= abdomen, Intestinum, D. 305; lumtnelen — In-
testinum, D. II, 220; 1518 lummel, m. - Lenden, H. v.
Gersd. 97; IM! lummel = Nieren, Christ. Meyer 91;
Schweix lummel) = StQck Fleisch oder Eingeweide
aus der Nierengegend des Schlachttieres (Gr.W.
VI, 1289). — Lumpe, f. ^ Lende (Schm. I, 1474). —
Lämmer, f. 1. — Lendenfleisch, Regio lumbalis
(Gr. W. VI, 1289). — 2. = pl. Hoden (= Nieren,
Lende, S. d.) (Gr. W. VI, 1289; Schlesien). — Lum-
mel-.f7et«cA.
Lump, lumpicht, lumpig - elend, armselig,
kränklich (Gr. W. VI, 1301 ; Kluge \ 242; C. v. Schm.
366). — Lumpen- Nu
Lumpe s. Lummel.
Lumpel, f. = Lungel (Verderbnis des Worte«,
Schm. I, 1475; Hyrtl 108) (s. Lunge). — Lttmpel-
Sucht.
Luna. f. s. Laune u. Mondsucht. — luna-
tischer Flut».
Lunge, f. Lungen, pl. Lungl. f. Lunke, f.
(indogerm. lengh, altgerm. ling- levis, leicht, Kluge*,
212; abd. lunga, lungunna, lungina, lungken. longk,
longen, Graff II, 231 ; Cass. Glösa. ; Hyrtl, K. W. 108 ;
9. Jahrb. lungun, It. Maur. 65; 12. Jahrh. lunpinnn,
H. Z. XV, 345. 354, mhd. lungene, lange; 1260 lungel
[„alte Nebenform zu Lunge"); 1417 lungede = pulmo,
D. II, 308, 15. Jahrh. lungel, long, lunge = pulmo,
D. Ii, 308; 1483 „darum Ist die lunge lind wie ein
Badscbwamm, da»» sie den Luft gefahen mag und
wann sie den Luft an sieb zieht zur Kühlung de*
Herzen», so vergrossert sie sich, wann sie aber den
Luft von sieh schlagt, verkleinert sie sieh", nach C. T.
Mcgbg. ; Kaminen, Oberbayern, Tirol lungl. Gr. W.
VI, 1304; Schwaben lunke, Buck 17; lumpel sa lungel
[s. o], franz. les mous {blancs] — die teigweichen,
bellfarbigen Lungen im CiegensaUu zum Keifnelsch
[ — Leber les mous rouge»]. BrUs 61, engl, lights —
Tierlunge. Kluge», 233). — Lunge, f. Lungen, pl.
I. = die beiden Lungenflügel, das schwammige
und leichte Organ im Inneren der Brusthöhle,
als Werkzeug des Atemholens, welches dabei
„aufsteigt" (s. d.) und abfällt. — 2. = der Sitz
der Lebenskraft (in Redewendungen) (Gr. W.
VI, 1303). — 3. as Brusteingeweide überhaupt. —
4 Lunge— itosskot, liossballen (Heyne III, 699;
, .Ungewisser etymologischer Herkunft u. Beziehung";
vermutlich zu Lunke [s. Lunzc] Die Lung- JLunk-J
Lunge. 879
Würz. 12. Jahrh. Pbyaica nildeg. = Pulmonaria otflein).
— (1668) anbrüchtige Lungen ~ Lungen, die an-
fangen, gebrechlich zu werden, die schon an-
gegriffen sind, beginnende Lungensucht (Beyn.
213; v. M. Ii, 27). — angegangene Lungen = an-
j brüchtige L., die eben anfangen offen zu werden
wie fratte Glieder. — Baumwollen -liXznge —
Byssinosis pulmonum, durch massenhafte Ein-
atmung von Baumwollstaub verursachte (chron.)
entzündete Lunge (Meyer, e. L. XVI, 343). — Eisen-
Lunge = AnthrakosiB, Siderosis pulmonum, eine
durch Einatmung von Eisenteilchen mit Aus-
wurf (Schwarzspucken) veränderte Lunge (Sani.
402). — (1260) erfrorene Lungen ( = kalte) Lungen,
deren kalte Natur ein zu weit eingreifendes
Lungenleiden veranlasste, chron. Lungenkatarrh
(phlegma) (Pfeifler 22) (s. nachfolg.). — feuchte
Lungen - durch Phlegma (kalter Schleim) ver-
ändertes Lungengewebe, feucht. Auswurf, chron.
Lungenkatarrh. — i7ei«cA-Lungen = fleisch-
harte (Leber-) Lunge, Hepatisationsstadiutn der
Lungenentzündung (Falke I, 289). — (1477) geblähte
Lungen (Ortolf) = gross aufgedunsene Lungen
(Emphysema pulmonum). — (1560) Gr lung, (1741)
(Geling, Gling, Glen, Glendei), (Munge{0. n-
(Bayern, Österreich, Schwaben, Henneberg) — das
gesamte Brusteingeweide bei Schlachttieren,
auch mit Milz und Leber, Viscus (Kirsch 1252;
Gr. W. V, 60. 1962; Schindler I, 1493, C. v. Schm. 233.
317 ; Spiesa II, 74). — getchicollene Lungen = ge-
blähte Lungen. — (!»■:< • Lunge (Götz- Lunge,
im Fluche entstellt in: I'otz-Lunge), wie Godes-
Leber (s. d.) = das vom Opferpriester (Goile)
herausgelöste Eingeweide des Opfertieres, od.
auch der dem Gode gehörige Anteil am Schlacht-
tiere (s. Godes-Webe). — grosse Lunge - durch
Lungenblähung aufgedunsene, geschwellte, an
Volumen umfangreichere Lunge (Emphysema
pulmonum). — halbe Lunge — der noch nicht
von Krankheiten angegriffene, gesunde Teil
der Lunge bei Lungenkranken. — (1260) heissc
Lunge (diu lungel Ist ze heiz, Pfeiffer 22) = eine
durch zu heisse (s. d.) Natur o<lor Komplexion
veranlasste (akut entzündliche) Lungenkrank-
heit. — (1551) kalte Lungen = durch die kalte
(s. d.) Natur erkrankte (s. erfrorene) Lunge
(Bock 164 ; Coler, H. A. 155). — A'ie.sW-Lunge -
Chalikosis — eine durch Einatmung von Kiesel-
teilchen veränderte Lunge(s. Steinhauer-Krank-
heit) (Samuel 402, Med. chir. Rundsch. 1*76. 470). —
Kohlen -Lunge = eine durch Einlagerung von
Kohlenstaub, bei Kohlenarbeitern z. B., ver-
änderte Lunge (Samuel 402). — Lcbcr-Lunge =
leberharte Lunge , Ilepatisationsstadium bei
der Lungenentzündung (Kalke I, 347. 3»6; II. 63).
— 1' '/.- Lunge = Godes-Ltinge. — (1551) schwä-
rende, (161») schiciirige Lungen - eiternde Lungen
(Bock 214; l'ansa 37 ; Pr. II, 250). — (1507) süchtige,
(17. Jahrh.) sieche Lungen ss durch .Sucht oder
Siechtum (s. d.) chronisch erkrankte Lungen
(Lungensucht, l'hthisis) (Hort. san. ; avoir les mous
■ malades, Brlss. 202; Fr. Kr. B. 310). — Steinhauer-
Lunge = s. Steinhauer-Krankheit (Ctialikosis),
Kiesel- Lunge (Dornbl. 127). — Tabak-hvaxge =
eine durch Tabak-Einatmung (b.Tabakarbeitern
| *. B.) veränderte Lunge (Samuel 102). — Thon-
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Ä80 Lnnke — lnrtschen.
Lunge ■ Aluminosis pnlmonum, Kiesel-Lunge
(Meyer, Konv.-Lex. XVI, 34S). — (1563) verschleimte
Lungen = durch Lungen-Katarrh mit Schleim-
bildung ganz kranke Lungen (Gr. w. I, 1618). —
(1260) zerborstene, (17. Jahrh ) zerissene Lungel (diu
lungel ist «abrosten, Pfeifler 23. 72. 92 ; R. A. 228) =
eine Lunge, in der ein Geschwär (Apoetetna,
s. d.) aufgebrochen int und die bo „versehrt" ist.
— Lungen- .-I dt !, -Ader, ■ Anwachsung, - Aposteln,
■Aufsteigen, -Bänder, -Bläkung, -Blätterlein,
-Brand, Braten, -brüchig, -Brunst, -Dampf,
■Drüsen, -Eissen, Entzündung , -Erschlaffung,
-Fäule, -Fieber, -Fisteln, -Flügel, -Fluss, -Fuss,
-Geschwür, -Geschwür, - Härtig keit , -Husten,
-Kehle, -Keuchen, -kitzig, -krank, -Lähmung,
• Paar, -Pfeife, -Röhren, -Röhrtein, -Rot, -Rotz,
-Schlag, - Schleimschlag , -Schwäche, -Schwind-
sucht, -Sehre, -Seuche, -siech, -Siechtag, -Stechen,
-Stein, -Sucht, -Typhus, -Übel, -Verhärtung,
-Versehrung, - Weh, - Zehrung.
Lnnke, f. Lunte, f. Lunze, f. lunzen (zu ahd ..
10. Jahrb. luuda = arvlna, Graff II, 241 ; 10. Jahrb.
lunlussa — pcctusculum , ndl., 1476 luncke = corunca,
D. 104), 1. = weiches, schwammiges Fettgewebe,
Tier-Schwanz (Lunte) (Br. I, 452), Eingeweide
und Kot (Schw. 105). — 2. = Feminal (SchmeUer
1496). — 3. = ThranendrQse (Caruncula), als
weicbeB Fleisch oder Wärzchen (Fleischlein).
— 4. = l rinh-la.se (= Plunze). — 5 — Unze
(Lunze). — lunzet, lttnzig ■ weich, lind, leicht.
— lunzen, lunzeln, lünzeln Imhd. iuncz = 8chiaf-
rlgkeit, somnolcntia, Schvr. 384; SchmeUer I, 1495; zu
Laune [luna], Fromm. VI, 16) = launisch Bein, tnatt
Bein, Bcbläfrig sein, launeln, besonders am
Morgen halbwachend im Bette liegen (Splesa ü,
IM), dorraitare.
Lupia, f. (franz. louppe — harte beulen, welche am
Leibe der Pferde werden gefunden, Lupia genannt,
Seb. 176. 179) = Lupus (b. Wolf), Ulceratio mit
Lymphdrüsenbeulen in der Weiche.
Luplnose , f. (modern) = typhöse Leberent-
zündung (gelbe Leberatrophie) als epizootiseber
Magen- Darmkatarrh mit Gelbsucht (s. d.) bei
Schafen, die mit Lupinose (Klee) gefüttert und
durch Lupinotoxin vergiftet wurden. — Lu-
pinen Krankheit.
Lur, m. luren, lurlen (indogerm. Wurzel lu
[XfatCj; ahd. lowar, lawar = Alp; [Tirol] Laurin =
Luring, kleiner Lur; (Pfalz] luren, lurlen = horchen,
staunen; (Rhein] Lorelei = Lurenfels, Laistncr I, 78;
Pfalz. Bauern Kol. 13; SchmeUer I, 1499. 1500) = „er-
schöpfender, ermattender, gl ied erlösen der Dä-
mon" = Alp (8. d.) (Laistncr L c. , II. A. Rh. 271),
als Krankheits-Dämon.
Luiln = l'urina (Urin) (Oberbayera).
lurken, lurksen^lirken (8. d.), lürken, stot-
tern, stammeln (Scbm. I, 1501 ; Spless II, 156).
lurpsen = lurkeen, lürksen, lorbsen (s. d.).
lurschen = mingere (nur vom weiblichen Ge-
Bchlechte) (Schm. I, 1502. 1521).
Iurt8chen = lurkezen,lurksen, starker lürken,
lerchen, 1. = lahm geben, Brlilürfen mit den
Füssen. — 2. - mit der Zunge (Sprache) latschen
oder lahmen, schnarren (Gr. W. VI, 1314). —
Lurtocher (1591 der gleich als auf dornen geht oder
schlürft, Had. Jun. 398,- 1618 = att« qui propter rttium
pedum terra m attlngit potlus quam calcat, Sehnt. I,
1802) = einer, der mit den latschen Füssen
schlürft, schlärft.
lurz = matt, matsch.
Lüsen, f. (Leusch), 1. = weiblicher Hund,
läuüge Hündin. — 2. = schlechtes Frauenzimmer
(Z. f. ü. v. K. 1896. 8. 208), vermutlich zu Leiste, f.
(S. 365) (Schm. I. 162).
lusen, lusnen (losen, lauschen, laustem)
(indogerm. ous = Ohr; vorgerm. klus, klu , altgerm.
hlu, hlus = hören, lauscheu; altnord. hlus-t -- Ohr;
ahd. lüzzen , hlosen, lustren = heimUeh lauschen,
Kluge * 172. 202. 228 ; mnd. lüschen = zuhören, horchen ;
mbd. losen, lustren, lusenen) = laustem, lauschen
mit dem Ohre. — Loser, Luser, m. = das
horchende, lauschende Ohr (SchmeUer 1 , 1615;
Wolf 161). — Lusung (ahd. lusnunga, 8chineUer 1. c.)
a Sensus, Gehörempfinduug, das Lauschver-
mögen. — jrlos (io. Jahrh.) -- hörend. — un-gelo&
= unhörend (SchmeUer L c).
Lussen (1518 lussen, H. T. Gersd. 16 a. 98 = scla
der Arabisten, os isebil, HyrÜ, K. W. 63 = vermutlich
die lyssen) - Leisten (Leiste, f.). — Lussen- Fugt .
Lust, f. -Inst, -lüSte (indog. Im ■ begehren;
gem.-germ. lnstus; ahd. lust, f. ; mhd. lust, m., f. =
Begierde nach Angenehmem, Kluge *, 238. 243), 1. =
Libido, sexueller Trieb als sinnliche Begierde.
— 2. = Pica, Verlangen, Lüsternheit, Gelängsel,
Hippigkeit der schwangeren Frauen nach selt-
HBinen Speisen, z. B. Fische (bayerische Gesetze
erlaubten ehemals den Schwangeren Fische zu stehlen,
s. Fischkopf). — Lustung (ahd. lustunga, Graff II,
292 - Genitalia mulieris. — böse Lust (1440 boae
] lust = luxus [s. d.l, D. 341), 1. ~ Unkeuschheit,
Geilheit. — 2. = Sypbilis. — 3. = Lust 2 und
weibliche GelÜBte (Lonlc. so. 35). — Ass-Lust,
1. = abnormes Verlangen zum Kssen, besondere
Btarker Hunirer, Kssbegier (15. Jahrh. eyn unmetllk
lust to Utende = bulimus, D. Ii, 62). — 2. = normaler
Appetit. — frwer-Lust = abnormer Trieb zur
Brandstiftung (Pierer' III. 75). - jE^gS
(1512 fleischlich lust = voluptas, D. 628; ndl. vleesch-
lijko lust, De cock 217) m das Verlangen nach
fleischlicher Vermischung (s. Brätige). — Ge-
lust(r7i,er), m. Gelüste, n. (ahd. keluste = libldo.
Graff I, 973; 9. Jahrh. nbilero gelusto, Pfeiffer F. u.
Kr. II, 41; gilusti — luxus, D. II, 242; 1618 glust =
sexueller Bluttrieb, H. v. Gersd. 12 ; 1575 gelust =
Appetit, Kluge * 10; 162» gelüste — pica, klssa, malakla,
cltta, pilla. Kraus, E. 388. 805, Mosa-Bartels I, 601) =
sa <iie anhaltenden natürlichen Triebe zur Be-
friedigung der Sinnenlust, d. h. dessen, was die
Sinne begehren. Schon die alten Griechen verglichen
dos launisch wechselnde krankhafte Gelüste der
schwangeren Frauen mit dem Wesen des Eichelhähers
(— plca), der verschiedene Stimmen hören lässt, man
könnte saven an Jedem Tage eine andere; andere
denken dabei an die diebische Elster, die sich von
ganz unverdaulichen Sachen ernähren soll (Brüu. 161).
- gelustige Wiehtlein. — Huren Lust (12. Jahrh.
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lutschen— machen. 881
honrtuadl = Hbldo, D. II, 233 ; 14. Jahrb. hurlost =
luxuria, D. 341) (fl. Luxus), 1. = Geilheit. — 2. =
Syphilis (Luxus). — LeiVf-Lust (Uralt H, 290;
Scbm. I, 1526), 1. = Herzeleid. — 2. = der Gegen-
sau zur Wollust. — unketuchea Gelüste (1420
vnkeusche geluat, D. II, 233) - Libido. — (1761) un-
natürliches Gelüste (unnatürlicher gelust der Weiber,
L. chlr. 68) = Pica, s. Gelüste. — tYn-lust-, ylust
(ahd., 8. Jahrh. Unlust = accldla, akcdla= melancholine
Speeles, quac monachorura proprla est atque lta appcl-
lata aSt. Hleronymo, Du Cange I, 52; O. B. V. A. 1895.
11; D. 7). — axf]?ia= ?a:.u.ova 5; u.i3Yju.ßp'.v*^ xaXri-
Tttl Tiüv v/:r,,iv. ' vjtspov, Du Cange III, 2; Graff
V, 369; 11,290 ; Mittagsgeist [Mlttagnalp], derdie Mönche
Im Mittagsschlafe drückende Alp [s. Alptraum], s. Ab-
bildung In O. B. V. A. 1895, 8. 10; mhd. ungelust; 1561
onlust ; 1594 Unlust = Kot oder Magenschleim, D. M.
W. Sehr. 1896. 11, 1649 Unlust = Pestgeruch, Lexer296;
Bock 238; Schmeller I, 1525), 1. = Widerwillen
„psychische Dysästhesie". — 2. = falsche, un-
natürliche Lust (Onania? s. i in,; n ne), abnormer
Geschlechtstrieb (Luxus). — 3. = ekelerregende
Sekrete (Pollutio?) Geifer, Rotz, Schleim, Kot,
auf der Haut (Hautkrankheit) (Lonic. 312) (siehe
Gebalz). — Leibes- Unlust (12. Jahrb. des llbes un-
gelustlch, Pfeiffer 18. 86) = Lebens-Überdruss, —
(1591) Magens- / V'lust Magenverstimmung. —
(ahd.) Ur-, Zurlnet (Graff II, 289. 290 ; D. 7 = accldla
[akedla], inertla, tristitU quae dum quls laborat, vor
titur in taedlum cordis, lanquor spiritus, luxus [■, d.],
D. II, 242; Du Cange I. 52) = Unlust (ß. d.), Ur-
minne (s. d.). — (1668) Venus-Lust - Libido,
coitua, Trieb zum Venusdienst« (Beyn. 234;
Zw. 264). — FfrlUSt (Jurst) (zu verlieren, ein Ver-
balabstraktum, Kluge5. 388; ahd. Tirlust; mhd. Ver-
lust = das was man verloren hat). — Blut- Verlust,
1. = das verloren« Blut. — 2. = diestarke Blutung.
— seine Haut verlieren ■ sterben (schm. i, 1147 ;
l'rquell 1895. 123). — Hufeisen verlieren s. Eisen.
— verlorene Wehen. — W'eiöea-Lust, 0830) weib-
ticke GelttBte (IV Jahrh. wiveslnst = lasclvla, D. 319;
Kopp V, 424; 1582 da* bos* gelüsten der Weiber, böse
Lust der schwangeren Frauen = citta, plca, Lonlc.
30. 36), 1. es das Gelüste (s. d.) des Weibe«, Pica.
— 2. = Geilheit, Verlangen nach geschlecht-
lichem Umgange mit dem Weibe. — WoMust
(15. Jahrh. ; Schmellcr I, 152">; II, 893) = Voluptas,
libido in coitu; b. Bewollung sub Wille (man
unterschied seitliche, ruckliche, riechliche,
sitzende, ständige WolluBt). — Zur -last -
Urlust, Unlust, üble Lust. — Lust-, lustiges
-Beulen, -Darre, -Knöpfe, Podagra, -Reifung,
-Seuche, -siech, -Sucht, - übel.
lutschen, lutzein = saugen, schlürfen (8chm. i,
1550; „onnmatopoleUscheXeuscbopfnng", Kluge*, 243).
Lux, m. (zu lndogcrm. luh [Xoyx,-] = Licht = das
Tier mit den leuchtenden scharfen Augen, Kluge*, 242).
— oe-luxen - mit Luxaugen besehen (Schm. I,
1428). — Lux .4t ijc.
luxen, 1. - s. Lux. — 2. = lutschen, saugen
(ndd., Fromm. VI, 355).
Luxus, m. 1. sa geschleobtl. Gelüste (s. Lust),
Ausschweifung (Tacltus, Suetontus, Actus luxuri-
usus m coitus, D. II, 99; In luxum effnsus = im Luder
liegen. 1741; Kirsch 716). — 2. = (bei Paracelaus;
Pr. Ii. 72. 73. 79) = Syphilis, eigentliche syphi-
litische Initialsklerose (Excessus) (luxus "autem
Domen quod attinet lllud ab lnfluentia ld est effleiente
ennaa desumptum esae lntelligendum est ; est autem
luxus Irrltaüo quaadam ac tltlllatus spermalls ad perfl-
clondum actum venereum a morbls In corpore taten-
tlbus eanrnita, itaque Veneria impreaaione a morbo In
aetn ipso facta, tum ex vulgari luxu dt luxus morbl,
s. morbldns. Prolnde luxus nie non naturalis sed
satyricus dicendus erlt", Rosenb. 299). — 8. = (luxus
= lnxatlo, Verrenkung, Kirsch 716). — 4. = (ndl.
luxus ziekte) = Arthritis urica, reicher Herren
Krankheit (Peypers 85).
Luz, n. Luza (Lus) (bebr. Wort für) Juden-
knoclien (s. d.), Jungfer im Bade, Ossiculum
s. seinen reaurrectionis, Ossiculum Judaeorum
(Kraus, E. 578), welches Beinchen dieTalmudisten
für unzerstörbar hielten, weshalb es den Auf-
erstehungskeim in sich enthalten sollte , der
am jüngsten Tago einen neuen Menschen ent-
stehen lasse. Die Juden suchten es im Rflck-
grate, im Heiligenbeine (Demokritos vil, M) und
im Schädel = Processus odontoideus am 2. Hals-
wirbel.
St. Luzia. — Luzien-iSfcfoin (St Lüste vertritt
die Perchla Statnpa a) als Kinder erschreckende Figur,
die den Kindern den Bauch aufschlitzt, Scbelble IX,
547; Belnsb. 540; b) als Geburtsdainonln) = mit dem
Schuh = Fruchtbarkeits-Symbol (Zlngerle, Plau-
dereien aus Tirol 1888, 8 . 59).
Lymphe („nach alten Grammatiken" zu Nympha
[*. Waasersucht], Kraus, K. 579) = klare, helle Flüssig-
keit, Serum, Blutwasser ohne rote Blutkörper-
chen. — Lymph . lymphatische-Dnisen.-Zetfen.
lyp s Hippen.
Maal, n. 8. Mal.
machen, Macht, f. -mächte, -Machsei (vor-
gertn. magb; gem.-germ. mak s> passend zutamtnen-
fügen ; goth. magan = mögen (k. d.), können, Zeugungs-
kraft haben; gcin.-wcstgerm. maken = mnchi-n, mahtl
= Macht; ahd. mahhün = machen, verbinden, zu
sammenfügen ; 10. — 11. Jahrh. mahti, f. sa valetudo,
Graft II, 612; maht = Kraft, Macht, genitalla. IT. Z. XV,
524; gtmah — verbunden, entsprechend, Verbindung,
I Annehmlichkeit, Wohnnng; gimahbo — Genosse;
gimahha = Gattin; glmaht = Zeugungsglied, testlcull;
mhd. machen — machen, gcuiach — Behagen, Zimmer;
! gemäht = Zeugungsglied, Kluge», 134 . 243. 259; 1429
maechl = lnguen, Schmellcr I, 1564. 1498 macht; 1559
; marht = Gemachte, genitalla. Gr. W. VI, 1405; 1592
, macht — Scheide, vagina, Seb. 107). — machen, 1 =
etwas zusammenfügen, anpassen, vermögen,
| thuen können, erzeugen (Kind z. B.) (Schmeller
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SS2
machen.
machen.
1. 1566); es nicht mehr lange machen - bald
oicrbeii, Keine Lebenslhätigkeit, Lebenskraft
beenden. — 2. = cacare, urinare, Kot, I'rin
(etwas, nichts) machen (be-be machen in der
KinderBprache). — es einer machen = coire. —
Macher (Tirol) = einer, der etwas macht, Penis
(HlntnerR. 18). — machig = machend. — Machsei
(ndl. maakuel) «=> das, womit man macht; (vergl.
auch Masel, Makel). — Macht, 1. = Kraft,
namentlich Zeagungskraft. — 2. - I,eibe*kraft,
körperliche Gesundheit. — 3. = das mann), und
weild. Zeugungsglied (Gr. W. VI, 1397). — 4. — die
Gegend des Zeugungpgliedes vom Nabel (s. d.)
bis zum Schambogen (Schindler I, 1564) und zur
I^eistcnpforte (U.— ir.. Jahrb., mnd. wonie de denne
In de macht gabt, J. f. nd. Spr.-F. XV, 141 ; de macht
tvtschen de bene, 1. eod. XV, 126). — (1582) mächtig
= Macht (1 — 2) habend, körperlich gcsunil
(Gr. W. VI, 1407; Lonlc. 234) Dass du Geschlechtliche
Vermögen In der l'rmedlzln eine grosse Rolle spielte,
lehrt die Volksmedizin (s. d. Verl. Baum- n. Waldkult,
8. 162). — A-, Ab-, Am-, An Macht (ahd. iimaht;
mhd. ämaht) = < Hinmacht (s. d.), Syncope, Extasis,
Lipothymia (Gr. W. I, 276. 404; Andreren 74). —
(nfcmöglg), a&mächtig (aumet) - malt (Schmeller
I, 11. 202). — onmächten ■ ohnmUchtig werden
(Schmeilor i, 1563). — angemacht = anRetlian
(s. d.) (Witzschel II, 265). — (1551) ausgeschlofenca
macht = das aus dem Haucho herausge-
schlüpfto und in den Hodensack ( = Gemaeht)
eingetretene Gedärm (Hernia, Enterocelc) (Bork
392). — dicken Bauch machen = schwangern
(spiess II, 22). — Blut machen - Blut in dem
Korper erzeugen , bilden. — ßi i;-'--lMnacht
(1483 der prusl ümacht, D. II, 7ö) = Herzschwäche
mit Atemnot. — -FV/xm-Macher = sonderbare
Geberden machender Kretin, Gauch, Idiot
(Z. I. d. Phil. II, IM; Kitmthen) — Ferklcn machen
— sich erbrechen, schweinisch sich benehmen
(K. W. I, 141). — sich fertig machen = durch
übermässige Anstrengung sich früher ums
Leben bringen, zur Abfahrt (s. fertig B. 130 b)
aus dem Leben geeigneter machen (E. W. I, 145).
— (mhd.) Fraucn-Gt mächte (1419 frawen gemaecht.
Schmeller I, 1504) — Genitalia fetninae, Keminale,
die Zeugungsteile «les weiblichen Geschlechtes
(Gr. W. IV, 1. 78; Bock 154 ; Zcning. Voc. c 1; I.onle.).
— Frauen - Gtm&chts Locher. — ürmäch(te)
{ahd. gimahhe = inguinale, II. Z XVI, 23, gimahti -
Kenttalia [H. Z XVI, 61). «amaht, gamahti; 9. Jahrh
= veretrum [Graft II, 615), testiculi, virilin. Hoftm. I,
371, 10. Jnhrh. hiniaht, Ifaitcincr, Denkm. III, '-'JH;
12. Johr. penis, Inguinc, genitalia, Grnü* 1. c. ; 1482,
UM gemeehl, gemäht — genitulia, inguen, Fuchs I,
309; Zcn. Voc. 1 2; 15. Jahrh. gemuht = inguen, D. II,
216; 1541 gemaeeht ■ Hoden, äusserlirhe männliche
Genitalien, aber auch ovariuui, vulva, conjux, Ilyrtl,
K. W. 6U. 60. 137; 1618 gemaeeht — luxus cambuccintis
Paracet»), Hr. II, 76 = Kolben). — Gi m rieht • , »),
pL, f., n. 1. = männliche Genitalien (l'enis cum
scroto) als Vis s. I'otentia virilis, als äusserheh
sichtbare Glieder des Zeugungs -Vermögens
(Ct. 8chm. 369; Bück lö, c.oldscbni. :.; Miltner 8, 18;
Ilyrtl, K. W. ; Schmeller 1, 1564) : a) l'enis, b) Scrotuin
(Hoden und ilodensack), c) Leistengegend,
d) der Schanker am Gemachte. — 2. = weib-
liche, äussere und (späterhin auch) innerliche
Genitalien, Nabel-, Schamgegend (Vulva, Va-
gina, Ovarium) als Werkzeuge des Kinderer-
zeugens. — 3. = die Krau in geschlechtlicher
Beziehung (Gemahl). — 4. - natürliches Ge-
schäft (Gr. W. III , 810). — &. = Gemachten =
Magendampf (Plnzgau, Sehm. I, 1564) als Magen-
Verdauungszeichen. — die r/r machte gehen
heraus = die Hodensackhernie, in welche die
Gedärme eingetreten Bind. — die Gemächte
ragen heraus = Erectio penis, Satyriasis. — (1513)
gerechte '.'.machte = die rechtsseitigen Hoden,
die kräftigeren Samen haben und deshalb haupt-
sächlich Knaben erzeugen sollten (Ploss-üartels
I, 469). — geschwundene Macht = Uhnmacht
(Schmeller I, 15C3). — heimliche (Vemächte - Ge-
nitalia, s. Heimlichkeit. — Knovhen -Macht =
Gliederkraft (Gr. w. vi, 1397). — Lärm machen
s. lärmen. — Lc ich M&cht (ahd. mekin lihhi, Schm.
I. 1426) = Vis corporis. — lullu machen = (siebe
lullen 2) Harn lassen unter Gei misch (Gr. w.
VI, 1288). — (1634) V'.1 '( 'm s - Macht, (1482) -(.'•macht
(1440 uiimsg.macht, mansgemaecht = virilia, D. 622)
a die äusserlichen männlichen Genitalien als
Sitz des Zeugungs-Vermögens (Zening. Voc. t 6;
Ilyrtl, K. W. 59). — »Kinnmächtig = zeiii{ungfähi<r,
mannbar (Gr. W. VI, leoij. — O-, Ohn- (Un-)
Macht, -mächtig (ahd. unmahti = imbecitlitas, in-
flrmitas, Koro 78. 79; iiinaht = O-raBcht, Ohnmacht
„Das* Präfix ö aus altem ü war in der Zusammen-
setzung unverständlich geworden", Kluge*, 275; diese
<"> Macht wurde unter Anlehnung an ohn unrichtig in
Ohnmacht verdeutlicht = l'nmacht; ndl. on = un,
Kluge 1. c. ; 8. Jahrh. unmahtig — Invulidus. Iinhccillls;
10. — II. Jahrh. inQrmus, Graft I, 303, II, 618; mhd.
unmaht Kraftlosigkeit, Schwache, Besinnungslosig-
keit, I.cxcr301; 1532 <. macht = syncoiH<, ,, ist ein Zufall
anderer krankheilen durch welche der mensch xu
mehreren theilen berauht wird der empHndlichkeit
und bewcgltchkeit von wegen schwache des hentens",
Frles95; 1793 amachtsblunie — Gicht- (Vergicht-) Blume,
gegen Epilepsie verwendet, Roll. 123), 1. = Abmacht,
Klaglosigkeit im allgemeinen. — 2. = Besin-
nungslosigkeit, Ohnmacht, durch Herzleiden,
Hunger, Reflex, Lipothymia, Extasis, pelit mal.
— (172.)) IIerzens-0/«nmacht = Syncope, eine
Körpcr.Hchwäche vom Heizen ausgehend (Thes.
san. Br. 664; R. A. 320). - (1532) Hunger-OÄlimacht
- Kames syncopalis, „eine blitdigkelt des magen-
mundes woran der mensch stirbt" — Hungertod
durch Auszehrung (Fries 103). — (1741) kleine
O/uimacht = Eklynis, pelit mal, vorübergehen-
der SchwflchezuNtand (Kirsch 411) — (1723) Mutter-
O/mmacht — Deliquia bysterica, reflektoriBch
von der Gebarmutter (Hysterie) aus erfolgende
Ohnmacht und liewusstlosigkeit (A. t. H. I, 804,
mnd. ,,sincopis das ist eine Sucht uud die wird einem
Menschen in dem Herzen und w ird von grosser Dorre
oder von grosser mogende des lyves [Leibesfülle] ; sie
erkenne also sie sind mit grossem Fürchten be-
fangen alle Zeil und können nie fröhliche Dinge zu
Händen haben; auch wird sie gerne von grosser Cber-
flü««lgkeil des Magens; lasse solche sich bewahren vor
übergrossem Essen, wenn viele Leute gaben Todes
sterben ; diese Sucht wird gerne den Frauen von über-
fluasigem Blute [= Blutflus*], das da ist in matrice",
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Macica— Made.
Made.
8S3
nach Stög. Barth. 91 b). — nervode "^machten
= durch Schwäche od. Überreizung des Nerven-
systems bedinge Kraftlosigkeit (Sobernb. 155).
— (1684) stetige OAnmacht = bestand. Schwache
des Nervensystems {Gr. w. Ii, 1164). — (16. Jahrb..)
mir wird ohnmächtig (H. Paul 33«) = ich werde
kraftlos durch Krankheit, Unwohlsein (1420
vnmechtlg = imbcclllls, D. II, 210). — Ö-Ö (o)-(a)
machen — (Kindersprache) cacare, wegen des ex-
spiratorischen Drucklautes dabei. — (1507) piss-,
pis-pis machen = (lautmalend) urinare (Gr. w. TO,
1«9; D. C30). — rollen machen - hamlaasen
unterm Geräusche des Rollens in den Topf. —
/i- Machsei (ndl. schoon-maaksel. De Cock 62)
= Placenta (s. Sehöu), die Nachgeburt, mit
deren Abgang sich die Gebärende richtet (s. d.),
säubert (s. d), schön macht. — (1742) Unge-
mach (I) (abd. 9. — 10. Jabrh. ungamah = molestus,
Ora.II II, 634; 14. Jabrh. ongemac, Scbineller I, i.
II, 1164 lt.), 1. = Krankheit, Ohnmacht («. d .),
Fn vermögen, Leiden im allgemeinen. — 2. =
Fallsucht, Epilepsie (spez.) (Falke II, 3*6; Zw. 49).
— Innern Hand- 6'n<7> mach (l 5**7 cynrebnnde on-
geraach = mortui», p**slo, Heu«, flgus, D. 233 [s. Feige])
= blutrotes Ekzema palmare (syphil.), das in
der Innenhand sitzend manche Beschwerde
macht. — (1507) verschrundete Gemachte - auf-
gescheuerter I lodensack, Hautschrunden auf
der Hodenhaut, Ekzema scroti (Hort. »an). —
Weibes-, weibliche -Macht, Ge mächte — Frauen-
Gemächte (s. o.). — K ioif/ machig (10. - 11. Jahrb.
nuunt machig •- vulntflcus, Grau" II, 61»). — Zähne
machen (MW zen machen - dentare; henneberg. ;
spie*» Ii, iä<;; D. 173) - sahnen, Zähne bilden. —
(1507) zersehwollene Gemachte = Hodensnek-
AnschwellungdurchOrchitis, Fpididymitis (Hort.
aan.J. — Macht-, Grmächt- Apostrm, -Beine,
-Bruch, -Geschwulst, -Haar, -los, -Naht, Reihen,
-Reisen {-Röschen), -Rohrlein, -Schlichten, - Was-
sersucht.
Macica, f. (Masuren, Frisehb. 72) - Magenkrampf.
Mackel i. Makel.
Madame, f. (franz. madatne [mra dnmtna] — Fran,
Weih, engl, bmwn madam = Vulva, Kaltschm I, 85).
— / '1/7- Madam, ein l'flanzennamc, Sedum ulbum,
reflexum (Jensen 370) = Zungenkraut, I'rick-Madara,
Warzenkraut, Mutlerkraut al* Mittel gegen Vaginismus
bei: Gonorrhoea (Tripper) vulvae (s. Brautie 7).
Made, f. Mad, m. Mädel, Mieden, pl (Maide,
Möd) (altgerm. mathan = [nagende ?] Made [Motte-];
altnord. mathkr. ; ahd. mado -— vermis, tarmus, termus,
terma, terlna, trini» - Fleischmade, Holzwurm, Kluge',
243; D. 579; 10. Jahrh. mado. m. = idein, Graff, II, 658;
man verstand damals hauptsachlich unter Mado die
Fauna sepulchralls, die Insektenlarven, die im ver-
wesenden, faulen Aase lebenden „Käsemaden ähnlichen
Würmer", Ackenn. 527; mhd. made, m. f. ss die Banfe
würmer [». Tauwnrm], die man al» parasitische t'rsache
de« Aussätze* [Lepra] annahm; nach einem alten
Wundsegen helmt es vom aussätzigen Job: ,,die maden
im üzwielen", Müll. -Sehe-. XLVII, 2. B. 142; 1420 mode
= tannns, D. II, 359; 1751 mieten = sirones, Würmer;
„es sind aber eigentlich keine rechten Würmer, sondern
nnr welsslichte, verdickte Materie [Drüsen-Sekret] von
| kleinen Drusen unter der Haut, die sich wie kleine
Würmer bildet, wenn man sie ausdruckt'", A. v. U.
< I, 10 = comedotu'S [s. Mitesser]; engl, roads — Dreh-
krankheit, Drehwurm der Schafe, KaKschm. [; „engl,
maggot = Made halt man besser fern" vom german.
mathan, Kluge 243; itchmlte - Krfttz- [Juck ] Made).
— Made, 1. = die wurmähnlichen, weil fuss-
losen Insektenlarven, über deren Entstehung Im
j tierischen Leibe, In Wundclter, Hülsenfrüchten oder
Aas die früheren Generationen in l'nwissenheit waren
und die diese als die andere Gestalt von zwerghaften,
koboldischen Qualgelstern (vergl. Alp V, Elben. Ang-
wclz, Engerling) annahmen uud daher mit Hannworten
behandelten (Gr. Vi. III, 774; Mannt]. 13. 18. 2S0; Engel.
276). Bei der mythologischen Schöpfung der Zwerge
hatte diese zuerst als „Maden" Leben gewonnen; sie
sind die elbischcn Wichtleln, die nach der Bestimmung
der Götter dann menschlichen Verstand und mensch-
liche Gestalt erhielten (Golth. 525) Ihre Liebling*
•pelse sind die (madenreichen) Hülsenfrüchte (Erbsen,
Bohnen, s. essen). — 2 = such gtössere Würmer
im Leihe heissen Maden, z. B. Spulwürmer
(Schmeller I, 1570). auch Regen w ürmer (= Pier).
— 3 = Hautknoten, die den Maden (Enger-
lingen, Hautwürmern) zugeschrieben wurden,
s. B. bei der Lepra; auch 4. = Siren oder Seuer-
lein (s. d.). — 5. ■ eine Krankheit der Kälber,
„wobei ihnen die Zunge sprenkelicht und hÜRe-
licht wird und ihnen die Neigung zum Saugen
vergehl" (Gr. W, VI, 1426) (Stomatitis parasitica).
— 6. = (1542) eine Ohrenkrankheit der Pferde
(Ohr-.Mutzel, s. d.) (Gr. W. VI, 1426). — Mäder.
Mädel (Medel) = kleine Made (Schmeller 1, 1570),
Tarmu«, Taenia (U29) moed-terina [terma], D. 579).
— Madik (14. — 15. Jahrb., ndd. madyck = tcrmo*us,
D. 580) = s. Meddik. — Mieten — Sirones
(s. Siren u. oben). — Bein- Maden (11*6) benc
meder sc belica [morbus], D. II, 61 — terlna) — Betn-
frass, Bein warn). — (1793) Dürr-, Don -Maden.
L = die milzehi enden, mager und dürr (s. d.)
machenden Zehrmilben (s. d.), Mitesser (s. d.),
Comedones, Dracunculus, die man, ohne den
Acarus folliculorum w irklich erkannt zu haben,
wegen des aus den Hauttalgdrüsen ansdrück-
baren, geschläugelten, weisslichen Sekretes für
Madenwürmer (Hautentozooen) hielt und als
Engerlinge im Gesichte (Dttrrroaden), bezeich-
nete (Schmeller I, 107). — 2. = madenähnhehe
Schleimhautwarzen, sogen. Hungerwarzen beim
Pferde (Kaltschm. II. 104; Falke I, 223; Gr. W. II, 1740).
— Fl fisch Made (1482 flaischmad, C. v. Mcgbg.; 1530
tormus turlcus [tarraus D. .=>74; II, XVI1I) = Fliegen-
made Im Fleische. — Haut -M&dp ~ Pürrmade
(Made 3,4), Akme punctata (»ehrend 60). — Tau-
Made (1158 ahd. toumado = pernio [Leichdorn!;
„gemursa sub minimo digito pedis tuberculum";
„gemere facit eum qni Id gerit" [falsche Etymologie];
die gemursa ist nach Haeser II, 74) 1. = der zw ischen
d. Zehen sitzende Lepia- Haut-Knoten (Made 3),
der auch „Tauwurm" genannt wird und ver-
mutlich früher dem EinHusse des Taues (ros),
bezw. dem Madenwurm im Tau (conf. Leberegel
der Schafe) zugeschrieben wurde (s. Tauträgel,
Tau-Öster, Taustreicher). — 2. - früher and
später verstand man unter Tauw urm und Tau-
made auch andere (nicht lepröse) Hautknoten
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884 Maden-Magd.
Magen.
(Graß II, 668; Schm. I, 572). — Maden(r-) Ossig*,
-Frll, -Hof, -Sack, - Wanst, ■ Wurm.
Maden, in. — (um bomo castratus, „der »eine*
geieuglln nicht hat", c. t. Mcgbg.) = der Getnaidete
(b. maiden).
Madering, f. = Materie (■. d.).
Mädchen, n. - Mädchen-Sam«i.
Mädel b. Made.
Magere, f. »■ mager.
mähen (schon indogerm.-europ. Bezelchnls für
Grasabschneiden, Kluge *. 2« ; 13. Jahrh. den lebenden
Iue abcmehcn, Sitz.-Ber. 1867, 8. 7. 13; Dämonenthat
de« Bilwlz; auch die 3 Jungfrauen (3 Mergcn) mähen
In Segensprüchen da« Augenfell ab. Z. d. V. f. V.-K.
1897, 8. 54 ; auch der Tod mäht als Sensenmann oder
Schnitter die Menschen, fir. D. M. 808; Vern. 71)- dna
in einer krummen (Sichel-) Linie erfolgende
krankhafte Bewegen der (vorderen) Gliedniassen
bei Rückenmarks-Krankheiten (Falke II, 88).
Mähne, f. (Mänge, Mane) (. .altere Bedeutung
dea Wortes war Jedenfalls einfach — Hals" ; gem.-gera.
mano = Mähne ; ahd. mana, f. ; mhd. mano, man, f., m.,
Kluge *, MS = Juba equl ; 1592 inoenln , 8eb. 199) m
das Halshaar, Nackenhaar des Pferdes ; der
Ziegenbart; letzterei übertragen auf: das Kinn,
Haupt- und KinnhAar (Bart) des Menseben
(Tirol; Hlntner 7. Iß; Schräder). — Mähnen Flechte,
•Grint - Wurm.
Maler s. Mal.
Mäm s. Mamme.
Mängel, pl. s. Mangel.
mänz s. manz.
Mär, mär s. mar, Mar u. Miere.
Märge s. Merge.
mär g ein s. Mark.
März, m. (ahd. marceo; mhd. merze, aus dem
lat. [mensls] MarUus = Marzmonat, In Mcrowlngcrzeit
entlehnt), 1. - die kühlere Jahreszeit des März, daher
Morbus martlalis (Frühjahrs-Katarrh ; März-Schrunde).
— 2. — der Tod, der unter den Menschen
„ausmärzt", wie man im Mar« die Weide-
schafe aussondert (Blrllnger I, 492. 705; Heyne III,
801; Kluge*, 22); Kinder und alte Leute thut das
Märzen-Kftlbl (Märzenwlud, dem am Toten- [Lactare ]
Sonntage ein Kalb geopfert wurde) abstechen (Tirol ;
v. Hormann 165). — Harkrl-HL&TZ = Mttrehackel
(Alpbg. 421, Aum.). — VL&tz Hackel, -Schrunde,
• Vieh.
Mäse, f. s. Mäuse (Maus).
Mäsling, m. s. Mase(rn).
Mätzer s. Matz.
Mäuchler s. Mauche und Mcuchler.
maudern s. tnaudern.
mäuen s. roauen.
MäuBlein s. Maus.
Magd, f. (gem.-altgerm. magath = Jungfrau [feml-
nale Ableitung aus einem altgenn. magus = Knabe;
altlr. macc]; ahd. magad; mhd. maget, Kluge*. 244). —
Mägdlein-, Magtums- -Feuer, Haut, Eochung,
Seich.
Magen, m. Mag, m. (germ. maga; abd. mago, m.
= stomachus, Rab. Maur. 66; Kluge», 244; HyrÜ,
K. W. 109; ventriculus, Ingluries, gwllla [giila]. Graff II,
633; D. II, 199; Cass. Gloss. ; mhd. mage; mnd. maghen,
Mag. Bartbol. 87 a; 14. Jahrh. mag = stomachus, Voc.
opt. W. 11 ; 16. Jahrh. magen; bis tum 18. Jahrh. mage;
nach dem 18. Jahrh. (ausschlleaalich) magen) = ver-
dauender Nahrungsbehälter des menschlichen
und tierischen Körpers, Stomachus, estomac
(Gr. W. VI, 1436; Heyne III, 716); der Inhalt desselben
beim äsenden Renntlerc diente dem l'reuropäer zur
Kost (Buschan, Korresp.-Bl. d. Anthrop. Gcsellsch. 1892,
B. 21); namentlich scheint die geronnene Milch Im
Kälbermagen die primitivste Form der Milch-Konser-
vierung, der Vorläufer der Käsebereitung (s. l.üpp u.
Lab) gewesen iu sein; das Kräuter -Geäse + Milch
gab dann den Käse; die bottichartige Magenbaul
bildete wohl auch den Vorläufer des Kessels cur Er-
wärmung der Speisen in der Aschenglut. — Magen,
1. = der Magen (s. o.) und die Magen-Uegend
(= Herzgrube, Cardia) beim Menseben und
Tiere. — 2. = der Träger eines solchen (nament-
lich von Kindern gebraucht). — 3. = Appetit,
Esslust. — 4. = Magen-Ähnliches. — 5. = das
Gefühl einer Magenstörung. — Mäglein (1688
maegeleln) = kleiner Kinder-Magen (Gr. W. VI,
1436). — magig = einen Magen habend. — einen
Magen zu etwas haben = Lust, Appetit zu
etwas haben (Bayern; 8chmeller I, 1575; Gr. W. VI.
143»). — man hat nur einen Magen (im Gegen-
satze zu den Wiederkäuern). — der Magen, mit
dem hungrig knurrenden Hunde oder Wolfe
verglichen, bellt, brummt, gurrt, knurrt, murrt,
nagt (s. Hund, Wolf, Appetit); Oberhaupt sind
die Magenempfindungen reichhaltig im Volks-
munde vertreten ; er drückt, stosst auf, kracht
und schreit; er ist wie ein Körperglied ver-
staucht, zerschwollen, letz, sehr und schaude-
richt; gut, schwach, schlecht als (1563) „Haus-
vater" im Haushalte des menschlichen Körpers
(Pictor. 42) und, wie der Speiseschrank, ge-
schlossen, voll, leer (nüchtern), überladen,
überschwemmt, unrein; er wird geputzt, ge-
reinigt und eingerichtet und kehrt sich von
selbst um, so dass er besser verdaut; wie ein
Kochgeräte ist er beiss, brennt wie das höllische
Feuer (s. d.), „kocht" (s. d.) das Essen und den
Schleim, taut (= verdaut) das Feste wie das
Eis erwärmend auf. Im norddeutschen ^folks-
munde ist Magen = Verdauung, Stuhlgang, z. Ii.
der Magen arbeitet nicht = funktioniert nicht,
weil Verstopfung vorhandeu ist. — man hat
etwas im Magen, d. h. es liegt etwas Schwer-
verdauliches im Magen. — (1661) abnehmender
Magen = ein aus Speisemangel dünner, magerer
werdender, sich verengernder, weniger Inhalt
fassender Magen (Gr. W. VI, 1437). — Du »--Magen
= ein durch gewohnheitsgemässen, überreichen
Biergenuss verdorbener (meist erweiterter, er-
schlaffter) Magen. — Bläth i Magen = der
8. Magen der Wiederkäuer, der wie ein Psalter
(s. d.) oder Kalenderbuch innerlich mit Blättern
ausgekleidet ist, d. b. mit blätterförmig über
einander liegenden Schleimhautfalten (Gr. W.
IV, 1. 1368). — blöder Magen = ein leerer, öder
kranker, schwacher Magen (c. t Schm. 77). —
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Magen
Magen.
385
bo*<r Magen Ulm bOMmug, Gr. W. VI, i486; 1687;
Georg. 397) = ein langwährend übler Zustand
des Magens (chronischer Magen-Katarrh). —
— b'i-mägig = einen schlecht verdauenden
Magen, ein chronisches Magenübel habend
(Gr. w. VII, 260). — drittrr Magen = der Blätter-
inagen (s. d.) der Wiederkuuer, der in der
Reihenfolge der Magenableilungen bei diesen
die dritte ist (Lab- od. Fettinagen ist die vierte)
— Drüsen - Magen = Abomasum, der vierte,
mit Lahdrflsen versehene Wiederkäuer-Magen
(Plerer7, I, lll). — eitler Magen = das Gefübl
einer öden Leere im (biOden) Magen (c. t. Schui.
413). — Enten Magen = ein leicht verdauender,
selbst Steine in Bich vertragender Magen (Gr. w.
III, 611). — entzündeter Magen, 1. — die eigent-
liche Magenentzündung (Gastritis acuta). —
2. = (1607) das Gefühl von Brennen und Hitze
im Magen (Hort. san.). — (1582) erhabener Magen
= aufgetriebener, geblähter Magen (Louic. 109).
— (1663) erkälteter Magen = eine Magenkrank-
heit mit kalter, phlegmatischer Komplexion
( = Schleim) = Magen -Verschleimung, Magen-
Katarrh (Gr. W. 1, 1518; Coler, H. A. 175). — (UM)
erlöcherter Magen = Stomaehus qui huuiorem
non contiuet, ein Magen, der ein Leck (s. d.)
hat, ausiinnt, austrocknet, erlechert (s. d.)
(Tabern.; Gr. W. III, 896). — l'\ Uten - Magen =
Blattermagen (s. d.) = Kalender, Psalter, Buch,
auch Löaer, Mannigfalt, Vielfach (s. d.) (jenannl,
bei Wiederkäuern (Gr. W. VI, 4). — /atti-mägig
at stoinacho putris = einen Mayen mit lauhg
riechendem Inhalte habend (Gr. W. III, 1376). —
/-Yrf-Magen- 'Iie4. Abteilung im Wie.lerkäuer-
Magen, die stäiker mit Fett benetzt ist als die
übrigen drei Abschnitte (Gr. W. III, 1674), —
(17. Jahrb.) feuchter Magen ■ Magenkatarrh mit
Schleimbildung (Fr. Kr. B. 83). — geschlossener
Magen = ein mit Speise angefüllter, satter,
gesunder Magen, der keine abnormen Dampfe
(Vapores) tum Haupte aufsteigen lässt (nach
früherer Lehre) (Heyne III, 716; Schmeller I. 1576,
Coler, H. A. 177). — (1477) geschwollener Magen
(Ortolf) = das Gefühl von Auftreibung und Volle
in der Magensjegend wie durch eine Geschwulst.
— grosser Magen fand, grox mago. cro« mago =■
extalfs, Graff 11, 6 >3. Schw. 210; U. Jahrb. groz magja
= extalis, Eingeweide. H. Z. III, Hyrtl, K. \V. 109;
D. 219) *= der Mastdarm (Afterling, Fackdarm),
als magenähnlich erweiterter Abschnitt des
grossen Gedärms. — (1609) .Hirn-Mägen = die
mit dem Bauche (s.d.) oder Magen verglichenen
Hirnhohlen oder 1 1 i rn kam m e m , (übtrsetning der}
Ventriculi cerebri (Hyrtl, K. W. 27); man stellte
sich (1699) vor, dass daselbst die Lebensgeister
in die (ieistadern durch die Bewegung der Hirn-
Würmer (s. d.) eindringen sollen; wenn sich
der Hirnmagen mangels der Beweglichkeit der
letzteren verstopft, käme es »um Schlaganfalle
(s. Tropfen) (v. IL II, 6). — kittender, heisser
Magen (nind., 14. —10. Jahrb. hellender magen, J. f.
nd. gpr -F. XV, 148) = akuter Magenkatarrh, der
eine brennende Kmpündung auslost. — Kälber-
Magen = der Labmagen des Kalbes (Gr. W. V. 66j.
— A'<j.-r-Magen Labmagen (Falke II, 2). —
(1631) kalter Magen, I. - ein Magen, der nach
früherer, humoralpatholog. Schullehre durch
kalte Komplexion (Phlegma, Schleim) erkrankt
ist (s. kalt) = Magenkatarrb (14.— 15. Jahrb., mnd.
vrau dorne magben rerkoldet l«, so weme der maire
varkoldet, J. f. nd. 8pr.-F. XV, 112. 126; 1684 „ein Übel-
beirifllter magen, der allerlei Speine isat, aber nicht»
verdaut"; 1687 „der Inlust iura F.n»en hat", Gr. W.
V, 80; Krautw. XXXVII; Georg. 397). — 2. = ein
Gefühl von Kälte im Magen, wie nach einem
kalten Trünke. — /..."'-Magen = der viert« oder
Fettmagen (Käse-, Rahm-Magen), in welchem
die Speisen (Milch) durch die Fermentwirkung
des Labsaftes (s. Lab) zur Gerinnung, bezw.
Verdauung gebracht werden (Gr. W. VI, 9). —
langer Magen = das Hungergefühl, wobei man
gähnt, als ob man den Magen bis tum Munde
herauf fühlt (Gr. W. VI. 1438; Schmeller I, 1675). —
langtcieriger Magen ~ ein chron. Mauenflbel.
— letzer Magen = das brennende Gefübl des
Wundseins in dem Magen bei Magen-Katarrh,
Magen-Geschwür. — lichter Magen = das Ge-
fühl des Otlen, leeren (hellen) Magens (Sehwaben;
Schmeller 1, 1431). — AYte-Magen die 2. Magen-
abteilung bei Wiederkäuern, deren gitterförmige
Schleimhaut wie mit einem Garn-Netze belegt
erscheint (s. Zipfel) (Gr. W. IV, l. 368). — öder
Magen = daB Gefühl von Leerheit (Blöde) im
Magen (Schwaben; C. v. Sehn». 413). — (1645) offener
Magen = der nicht geschlossene Magen (s. d.),
derdre abnormen Dämpfe (vapores) zum Haupte
aufsteigen lässt (Coler, H. A. 177). — P/VrrtV- Magen
(ndl. peerdemaog, V. K. IX, 90) — einer, der einen
sogen. RosshuiiK'cr hat. — Rahm- (Rom ) Magen
= der 4. Magen (Abomasuw) der Wiederkäuer
(Fettmagen, Labmagen), der in der Verdau-
ungszeit die milch weissen Fett-(Chylus-) Kflgel-
chen in den Saugadern zeigt und anderseits
durch sein Lab die Milch zur Gerinnung bringt
i (wie die Labkräuter); Kahm = Fett (Gr. W. VIII,
1161 ; Falke II, 220). — fti n -Magen (U68; D. II, 151)
-= Bilis, Coagulum, die Milch zur Gerinnung
I bringender Magen. — Sau-Magen, 1. = der
eigentliche Schweinsmagen. — 2. — der Träger
eines Magens (Vielfrass), der alles durch ein-
ander hineinwürgt und doch scheinbar alles
verdauen kann. — 3. = ein sogen, schlechter
Magen, der ungenügend funktioniert (Gr. W.VIII,
19U9; Z. t. o. V.-K. 1896, S. 279). — schleimiger
(schlimtneriifer) , (I6is) schleuniger, (1645) ver-
schleimter Magen — Magen-Versehleimiing(s.d),
das Gefühl eines solchen Zustande* (C, v. Schrn.
168; Fansafttl. Coler, H. A. 179). — (1631) schlüpfriger
Magen (Krautw. xxx). 1. - Magen- Verschleim-
ung. — 2. = ein leichtverdauender Magen, der
die Speisen leicht hinausgleiten lä-sst (schltpffcrl-
ger magen, Krautw. CS). — \/i/n/i./-M;igeH —
Pansen und Haube der Wiederkäuer, von
wo die Schlundrinne au« dem Magen zum
Schlund hinaufführt und der Schlund im
Magen einmündet (Vormayen) (Falke II, 286).
— £>i hnüi -Magen = ein bei F rauen, die sich
zu stark schnüren, entarteter Magen. —
(ißt:.) srhteacher Magen = das Gegenteil vom
starken Magen (s. d.) (Coler, H. A. 175). — Schtcär-
Magen (ahd. «rermogo, swennago — dolor cordi» et
j pulmonl», < ;rnfT II, 65U , 12. Jahrb. iwermagen, Melder
25
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386
mager
14. S3). 1. = ein schmerzhaftes Magengeschwür
(Cardinlgia ex ulcere stomachi). — 2. = der
schwere, drückende Schmerz in der Herz- oder
Magengrube, als oh ein Geschwür daselbst
wäre und das Magenheisseti (s. d.) verursachte
fOr. D. M. II, 1112). — (1688) starker Magen m ein
von Natur aus verdauungskräftiger Magen
(Tabern.). — Str.ru ss. n -Magen (1717) zum änderten
bat der Strauss diese Natur, einen so hitzigen Magen,
dftss er sogar kann Kysen vertragen, Abrah. II, 12) =
ein selbst Seil werverdauliches in seinem Inhalte
vertragender, sogen, starker Magen (s. Enten-
magen) — (1561) undauiger, (lftS2) undäulicher
Magen, 1. ■ ein nicht oder doch nnr schwer
verdauender, sogen, kalter Magen, der »las Kssen
nicht „kocht" (Gr. W. VI, H37; Lonicerus 115; Ooler,
H. A. 176), sich deshalb seines Inhaltes bald
entledigt; darum 2. - Erbrechen (Vomilus). —
verdorbener Magen = ein Magen, der durch
unrichtige oder zu viele Speisen gleichsam zu
nichte gemacht, misshandelt, unrichtig be-
handelt, „verstaucht" wurde und durch Mittel
wieder „eingerichtet" wird (Niemeyer I, 483). —
verhiltettr Magen = 8. kalter Magen. — ver-
(der-) lottcrter {latterter) Magen = verdorbener,
zerrütteter Magen (Tirol; Fromm. VI, 442), der
durch oftmaliges Erbrechen ganz leer und öde
geworden ist. — (1507) rer-, zerschioollener Magen
~ das Gefühl von Schwellung in der Hatten-
(Leber-) Gegend (Hort sanit). — verstauchter
Magen = ein in seiner Funktion wie ein ver-
stauchtes Gelenk verdorbener (s. o.), verlotterter
nicht mehr so thlitiger Magen, der deshalb
„eingerichtet" werden muss (Pauli 6) (Gastrieis-
mus, s. Magen-Verstauchung). — W-Magen
= der Magen (ohne Labmagen), d. h. Pansen,
Haube und Löser, die «las Futter für den Lab-
magen erst zur Labverdauung vorbereiten (beim
Wiederkäuer) (Falko II, 422). — Wolfs- Magen,
a) = ein immer hungeriger Mensch (Magen 2);
b) = auch der Name eine« Kiesen Colth. 164, wolves
üiage) der nordischen Mythologie. — Magen- Auf-
bohrung, • Auf »totssung,- Ballen, -[drinnen, -Bellen,
• Besrhwerun /, blähen, ■ Bläst, - Blodigkeit, ■ Boden,
■Bräune, ■ Brechsucht, -brennen, -Bruch, Cholera,
-Dampf, -Barm, -drücken, -Druse, Durchlauf,
•Entrvhtung, Entzündung, Fell, Fieber, Fülle,
-Gärung, -Galle, -Grädcr, Geiz, Gcschwär,
-Geschwür, -Geschwulst, -Gicht, -Gilbe, Grund,
■ Gurgel, - Haut, • Herz, ■ Herzl<» h, Holde, • Husten,
■Kälte, ■ Kehle, -Klarer, -Kolik, Koller, ■ Kränke,
■Krampf, •Krankheit, -Krebt, - Krüssel, Labe,
-Laus, -Leiden, -Loch, Mun i, Mundloch, -.X<tz,
■Bein, -Pförtner, -Polster, - Beiz, Hopsen, - Rohr,
-Rot, -Rucklein, -Ruhr, -Säure, -Saft, -Schärfe,
-Schleim, - St Mot, -S/hlund, • Schmerz, -Sehneiden,
•Schwäche, -Schwär, -Schwindel, -Seuche, -sieih,
-Sieihtum, -Sod, -S"tt, -Stern, -sti>-iiti>i, - Thür,
-Tiefe, - Triller, -('bei, - Überstürzung , • Un-
dnulichkeit, -Unlust, - Verdauung, - Verhärtung,
- VcmeldrimuHQ, • Verstaut hung, - Waliunj, - Was-
ser, - Weh, - Wind, - H'itrm, - Wurst, -Zipfel,
mager, Mager, n. Magere, f. Magere! (ein
aus dem Vu.gftrlah-tu [fielleicht durch den romanischen
Viehhandel *. Goderj, magro [ m macer] früh entlehnte*
Wort, das langsam in die meisten germanischen Dia-
lekte eindrang; gem.germ. magro. Kluge*. 244; ahd.
magar, Kero, Glos». ; Hab. Maur. ; tt Jahrh. giinagaritiu
= atteuuati [oculi], GraJT II, 657; mhd. mager, Gr. W.
VI, 1442) = fleisch- u. fettarm, dürr, ran, schmal,
von Menschen und Tieren. — magern, magern
= maeerare, mager sein, machen, werden (Gr. w.
vi. ii44). — Mager, n. l. = da*jenige, was mager
erscheint durch Krankheit. — 2. = diese Krank-
heit selbst, z. B. das Ekzema (s. Anriss) der
Kinder, welchedabei magerer zu werden pflegen,
wenn es auf Konstitutions - Verschlechterung
beruht. — Mager, m. (1661 = Impetigo, eine kleine,
umfressende oder spitzige Rande, Gr. W. VI, 1444 ;
1.776 = die Magere [s. d.!, „ein hoser, scharfer Flu»»
auf der Hanf; 1683 = ldem, Gr. W. VI, 1444 ; 1742 =
die schuppirhte Rand [ = Psoriasis], Zw. $71. 872) ;
demnach). L = derjenige, der mager erscheint
infolge einer Krankheit. — 2. = diese Krank-
heit selbst, Tabes, Atrophia ex scabie (= Räude
o. Ekzema, Psoriasis etc.), d. h. eine (zehrende)
Flechtenkrankheit auf der menschlichen Haut,
die Abmagerung mit sich führt (Gr. W. VI, 1444).
- Magere, f. (Mageren, Maggere) (ahd.. 8. Jahrh.
magari. f.. Kern, Glos».; Rab. Maur. = macles, eine
Hautkrankheit; 9 Jahrh magere, Notker; 0. t. Schm.
370; 15. Jahrh. megry - macios, Gr. W. VI, 1444 ; 1516
inegere — gracllitas, D- 267 ; UU megre = ein rinnender
Schaden, H. v. (iersd. 100, 1661 magre = gractllus,
maeror. Gr. W. 1. eod. ; 1678 mager = eine verborgene
Hautkrankheit, Theophr. Rr ; 1581 magere. Taben».;
I 15*8 magere, magere der klnder = eine Hautkrank-
heit, Rande, Arz-Hueh; 1725 megere — Magerkeit
[J. Balde s Krankheit), Gr. W. VI. 1444 ; 1741 magere, m.
= petigo [Impetigo], macror. macritaa , moceratio,
Kirsch 718. 719. 901 ; 1831 maggere ■ Ausschlag des
Viehes, angeblich durch schlechtes Futter ; Bayern ;
C. v. schm. 370). — Magere, L = die Magerkeit,
j Abmagerung des Leibes. — 2. = eine mager,
dürr, fettarm machende Hautkrankheit bei
Mensch oder Tier; a) Ekzema Bcrophulosum
(tinnender Schaden) ; b) (parasitäre?) Hautaus-
wüchse, Knüttel (s.d.), Gesehwäre, Räude,
Flechte (Gr. w. v. 1533); c) parasitäre Hautkrank-
heiten beim schlecht genährten, wenig ge-
pflegten, mehr den Parasiten ausgesetzten,
hungernden, mageren Vieh ( = verborgene Haut-
krankheit), von dem das Wort wahrscheinlich
auf den Menschen u. namentlich auf das Kind
übertragen worden zu sein scheint. (Das Labkraut
'.Oalllum luteum, Molltigo verum] sollte als „Mager-
kratit" [Megerkrnut] dagegen helfen, Jessen 588). —
Mägerin, Magerey (Mayens«) (i4»o megrln -
Magerkeit, H. Fol»; Gr. W. V, G9.1; aleman. megeri,
Gr. W. VI, Mit; l'»4S magerey, Rul. v. Frels ; 1.551
megerey (magere!] der jungen grindigen kindlein =
Impetigo cum tabe, Bock 74. 87; UU megerey ..wenn
I die Kinder mit rüngem Ort od [Impetigo] geplagt
werden", Tabernnem ; 15*s magerei - Flechtekrank-
helt, <;r. \V. VI, 1114; mayeren - magere!. Birllnger I,
140, demnach [w ie Magere und Magere]), 1. = Mager-
| keit. — 2 = Abmagerung mit einer Hautkrank-
heit (parasitär). — Mägerung Macies, 1. = das
Magermachen. — 2 - da« Magerwerden (Gr. w.
VI, 1445), — Magerkeit = der magere Körper-
zusland. — magerlich (macilenter, 15. Jahrb.;
| D. 341) m wie muger sich darstellend. — Ab-
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Maeet— Mai.
maiden— Mal.
magerwni/ (dan., schwed. afmagring, holl. Ter-
mageriog) =■ Abnahme der Körperfülle. — (1599)
/('•-*■ »'(■• Magere, Mägerin = fliessende, feucht
secernierende, mager machende Hautflechten -
krankheit (Ekzema hnmidum, Salzfltiss) (Gr. W.
vi. 1444). — (15. jahrh.) gante Magerkeit (Mad
lentia, D. S41), vollständiger Abtnagerungssustand.
— Aunrfc-mager = Bodürr wie ein Windhund,
an dem man die Kippen zählen kann. — tot-
mager (mhd. tütinager, Lexer 269) = zum Sterben
abgemagert. — Mager» -Flechte, -Fleisch,
-Franzosen, -Räude.
Maget, f. (mhd.) = Vulva Virginia (Lexer 153),
die physische Stelle der Jungfrauschafl. —
(1429) Magium = Virginitaa (C. v. Schm. 369; Schm.
I, 1579). — hL>ums-Haut, -Eochung.
Magnetismus, m. (zu lat. Magna« = ein Stein
aus der thessallsehen Landschaft Magnesia, welche
von den Magneten bewohnt war. Darauf entstand die
Fabel Ton einem Hirten Magnes , der auf dem Berge
Ida mit seinen elaernen Nägeln an einem Magneten ,
haften geblieben »ei, Klelnp. 136 ff.), 1. - Wirkung I
der das Eisen anziehenden Kraft (im Magnet- '
steine «. B.). — 2. = die von Mesmer (1734 — 1815)
(Mesmerianismus) angenommene Einwirkung
des durch den Kosmos gehenden „All-Mag-
netismus" auf den tierischen Korper (ani-
malischer Magnetismus), die von einem Indi-
viduum auf das andere ( = Medium) im hyp-
notischen Zustande übertragen werden könne,
wobei der Eintritt von Schweiss als Krisis
(s. d.) im „magnetischen Schlafe" (s. d.) galt
(Abergl. 250). — tierischer Magnetismus = ein
nach der Lehre Mesmer» (1775) auch ohne Magnet
in Thätigkeit gebrachter, die ganze Natur und
so auch den tierischen Körper beherrschender, 1
ursprünglich schon vorhandener Magne tismus, I
angeblich infolge eines elektrischen Fluidums, I
das im magnetischen Schlafe (s. d.) vom ein-
schläfernden Magnetiseur (= Hypnotiseur) auf
das Medium, den tierischen Körper übergehen
sollte. - magnetische^, s) -Schlaf, -Schlaf-
teachen, - Traum.
Mahl s. Mal
Mahnung, f. = der an die kommende Krank-
heit, z. B. Gicht, erinnernde Vorbote (s. d.),
Symptom , das an einen bald sich wieder ein-
stellenden Anfall mahnt, den man voraus
ahndet (s. d.).
Mahr, Mahre s. Mar.
Mai, m. Maier. m. (In der Merowlngeneit[KluKe \
349) ans dem lat. Majas ( — Maimonatj übernommener,
«eit dem 13. Jahrh. allgemeiner Rewordener Kalender-
Name; ahd; meio; mhd. meie, Kluge*, 245, Weinhold,
Monat-N. In den Malnachten sollten die F.lben beson-
ders ihatig «ein, acheibie ix, 161). — Maieren,
1. = die zur wärmeren Jahreszeit sichtbaren
Sommersprossen (Ephelidcs) od. Maiblümchen.
— 2. = b. Magere. — maiig = im Frühjahr
begattungslustig (C r. Schm. 370 ; Bbt Sltt. I, 446).
— Fiat /'o-Maier = der Träger eines Flachs-
haares anf dem Kopfe (anspielend an den
Flachs dingenden Hauer). — Du««/ - Maier
(Kuppln; Urquell III, 22«) = Duseltier, Dusel- I
köpf (s. Dusel). — Holt Maier = der Tod, der
wie ein Holzbauer (Maier - der Bauer beim Mai-
baum), der Förster im Walde die Menschen-
leben umschlägt; (Geller v. Kaisersberg [+ 1610]: also
heisst der Tod ein Holzmaier . . er übersieht keinen
Baum, er hawt si alle ab, 1521 ; Wackern. Abhdlg. 1, 361),
— langer Maier (Dietmars. ; Urquell II, SO) - lauger
Mar, Mitteltinger. — A*ac/i/-Maier = 8. Nacht-
mar. — md-Blümchen, -Feil, -Köder, -Kudden,
-Seuche, -Sucht.
malden (mhd. melden - kastrieren, Schw. 42fi;
Fchm. I. 1570). — Meiden, m. (14. Jahrh. maiden =
spado. Schm. I, 1569; 1482 mayden — spado, equus
castratus, Zentng. Voc. t 4 ; Falke II, 109 ; 15. Jahrh.
meyden od. pfert de usgeworfen ist = spado, D. II, 344)
— ein Fferd, dessen Hoden ausgeschnitten sind
und das geheilt (s. d.) ist (s. auch verlübt und
Maden). — verschnittener Meiden (8chm. I. 1569),
1. = (1412) Eunnuchus, homo spoliatus geni-
talibus suis (Kappaun). — 2. - Meiden (s. o.)
(Gr. W. VI, 1899).
Maier s. Mai u. Mar.
Mailand. — mailändischer Aussatz, Krank-
heit, Rose, Skorbut.
Mail(en), Mailer «. Mal.
Mais, (Meis) (vielleicht zu Maus 4 [s. d.J. Kluge *,
252) = Vulva, behaarte weibliche Scham (C. v.
Schm. 881; Schmeller 1, 1597; ndl. melsja = Mädchen,
Demokr).
Maisel, Maissei, l. = s. Meissel. — 2. = siehe
Masel.
Make fhebr., boh m. Judendeutsch, Erbe 37 ; Ur-
quell 1897, 172) = Plage, Beschädigung, Seuche.
Makel, in., f., n. (mhd. makel, aus lat. macula, f.
— Fleck ; ein erst in neuerer Zeit durch Gelehrtcn-
VermittlunK als fem. eingebürgertes Wort, Gr. W. VI,
1488; engl, mall = Makel. Flecken, Kaltschm.), 1. =
Mal (s.d.), als entstellender, hellroter Hautfleck,
Scinthia, Cintilla, Naevus, la soudure (Du Cange ;
C v. Schm. 371). — 2. ■ (1182) Hornhautfleck in
dem Auire (Glaucoma = Eeucoma, la maille)
(Zening. Voc. t 4) = Masen (s. d.). — Macksel
(1507, 1512 machsei, umchsell - varia, Variola, D. 607)
= Blatternarben, entstellende. — M Mak.-I
(ahd. nilssalmachotun = ulcerosus, H. Z. XVI, 41) -
lepia- od. Misel- (s. d.) fleckig. — rote Makeln
(des Auges) „In dem anssersten Hautlein, welches
die anderen HSutlein alle bedeckt" ( = Cornea, Fries 79)
Hornhautflecken (Pannus et Ecchymosis). —
(UM) scharbockische Makel = Skorbutflecken
(Purpura) (v. m. ii, 131). — FW-makelnngen (der
Haut) = entstellende Hauttieeken (c. r. Schm.
371). — (1530) weisse Makeln, 1 = weisse Horn-
hautflecken (Leueoma corneae) (Fries 79 a). —
2. - weisse Hautflecken beim Aussatz (Besolt).
— Makel- Fieber.
Makkabäer. - Makkabäer- Tanz.
mal, mala. — mal-conttact, -franttos.
Mal, n. Malen, pl. (Mol, Mail, Meil) tndo-
germ. me ■= messen; goth. mel = Zelt, Kluge*, 2-tfi;
mail = Fleck; ahd. mal = Zeitpunkt, gemalter Funkt
[punetus, punetnm], der die Zeit angibt und nach dem
die Zeit gemessen wird ; „die uralte Zeitrechnung durch
25*
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888 Mal.
Streiten oder Striche des Sonncnschatlens gab die Be-
zeichnung des Zeitpunkte«", Or. w VI, 1493; abd.
meil, tnello = macula, Graß* VI, 847 ; Kluge 1. c. ; mhd.
mal = Fleck, Kennzeichen; meil = Mal, l>exer 158;
1322 mal = maculmn super oculo uno, Or. W. VI,
1498; mnd. mael. Mag. Barth. 94 a; mhd. mal, mall,
meil = «ignum turpe et deforme, macula, naerus,
Haltaug 1209; 1343 melles fn = makellos, Pfeiffer, K. u. f.
I, 79; LS. Jahrb. mael — lentlgo, „schwarzes Mal unter
den Augen Im Antlitz", Gr. W. VI, 1492, 16. Jahrb.
maal = menda, also dar ls eyn schorff edder blader
ghevvect (D. II, 250] = Fleck; mhd. meil, mellcn m
Mal, ein Verletzungmal machen, Lexer 168; 1515 mael
= macula, D. 342; male, mayl = Uvor, D. 334; ndd.
maal = grosse farbige Flecken ohne Hauterhebung,
Goldschm. 136; engl, mol = naerus, Lehf. 72). — Dan
Mal (Meil), 1. = das angeborene oder natür-
liche, verschieden von der Umgebung ge-
färbte und besonders dadurch auffallende,
aber auch durch Erhöhung oder Vertiefung Bich
abhebende Zeichen am menschlichen Körper
(Haut, Auge) (daher franz. plcota = morbus vario-
losus punctls deformans fartem, Du Cange; Brlss. 134)).
— 2. = das (farbige) Mal-Zeichen einer Krank-
heit, Verletzung oder des Todes auf demselben,
z. B. auch Kruste. — 3. = das eingebrannte
Brandmal, das vielleicht ursprünglich ein täto-
wiertes (Stigmata = picturae in corpore quäle« Scotti
pingunt, Ekkeh. 466) Kultmal od. eine Eigentums-
(Gefangenen-) Marke (Signum turpe) war (Gr. w.
VI, 1493; conf. Turpedo [Turpetndo] bei Pustel). —
4. = Mal (verschlechtert) - .Maul (s. d.). — malen
(mailen) = ein Verletzungstnal machen, ver-
letzen, verwunden (Lexer 168, dazu franz. mallhu
= mit einem Mal behaftet, Du Cange IX, 258). — (1516)
malig. maligen - maculosuB, mit einem Haut-
flecken behaftet, maculare, unsauber machen
(D. 342; Sehmelier I, 1683). — Maler (Meiler) =
farbige Zen hen machender. — Malung (16. Jahrb.
maylung = macula, D. 342) = <ler befleckte ZuBtand.
— A-, -l/<-Mal (ahd. anamali = Fleck, Narbe, Zeichen,
Kluge*, 246; H. Z. XVI, 64; D. 552; anomale - Stigma
s. Signum vt-1 figura in corpore. H. Z. XV, 347; 8. Jahrh.
— cicatrix; 9. Jahrb. — macula; 10. Jahrh. — plagn
leprae, Graff II. 716; Gr. W. I, 406; VI, 1498; 1561
anmaeler, Bock 238; 16»« anmal, Gr. W. 1. 406; 1590,
1591 anmaal, anmahel, anmueblcr = uaevus, macula
Innala. Had. Jun. 38. 387; D. 879, 17. Jahrh. anmaln
= ein altes Wundmal ; 1018 anmäl = Narbe, Flecken,
Muttermal, Schindler I, 1582; 1820 anmahlen = Pest-
flecken, D. Minderer; 1748 anmahl Muttermal, uaevus
maternus, macula origlnalis, Zw. 150; 1756 anmaehler
— Muttermal, A. v. IL I, 1056). — .l,"inal — das
pigmentierte oder sonst in seiner Farl>e von
der normalen Haut abstechende am Leibe
befindliche Zeichen, 1. = daa angeborene
Muttermal (s. d.). — 2. = das durch eine
Verletzung oder Krankheit erzeugte, um-
schriebene Zeichen auf der Haut (Malplatz):
a) Hautnarben (Tätowierung); b) Pestflecken;
c) Lepraflecken. — 3. — die durch den ein-
getretenen Tod herorgerufenen Farbenfleckon
auf der Haut. — (1586) mütterliches einmal -
Muttermal (Gr. w. 1, 406). — (17. Jahrh.) schwarzes
einmal, 1. = dunkel pigmentiertes Hautmal
Naevus (- nativus; Fr. Kr. B. 411). — 2. = die
Mal.
I bläulich-schwarzen Totenflecken (Totenmal).
— 3. = die Pestflecken (s. schwarzer Tod). —
weisses einmal = helle, lichtere Hautflecken,
weisse Haulnarben. — A Mal (9. Jabrfa.
anggf mala, ouchlmala, augmali = sügma. Graff I, 123 ;
II, 714; 16. Jahrh. «yn ogbenmal = glauclnencula,
D. II, 194; Gr. W. I, SOS; 15. Jahrb. augmal = glaueoroa,
I color Inter nlgrum et album tenens medium, D. 264, das
ougen mol — albugo, D, 637 ; 1516 mal ander den äugen =
menda, ü. 366), 1. = Lentigo, Naevus, ein abnorm
gefärbter Hatitfleck unterm Auge (Kainsmal)
(Gr. w. vi, 1493). — 2. = ein weisser oder grauer
Fleck in der Hornhaut des Auges (Leucoma,
Macula in oculo). — (16. Jahrh.) Aussatz-Mzl
= Macula leprae, Leprafleck (a. Aussatz) auf
der Haut (Gr. W. I, 944. 1746; VI, 1494; Heyne III, 726).
— (1688) blaues Mal, l. = 8ugillatio, Ecchymosis
durch ausgetretenes Blut (Blutfarbstoff), blau-
grüner oder blauroter Hautfleck infolge einer
lilutunterlaufung durch Stoss oder Schlag;
(1682 blaue Maehler, Ollt. IV, 149; Zw. 186; Gr. W. II,
84; VI, 1494). — 2 = eine Hufkrankheit bei
Pferden, sogen. Steingallen (b. d.), die durch
I ausgetretenen Blutfarbstoff, wie die Adern
< unter der Haut, ein bläuliches Ansehen haben
(Gr. W. II, 84; Falke I, 126; II. 88. 839). — Blut-Mal,
1. ^ Stigma, Vibex, Naevus vaaculosus, ein
aus Blutgefässen gebildeter Blutechwamm oder
I ein vom Blutgefflssysteme in seiner Färbung
beeinflusstes Hautmal (Gr. W. II, 187; Fuchs II,
25; Zw. 137). — 2. = ein Muttermal, das in der
Art oder Sippe, im Blute (s. d.) sich fort-
vererbt. — böte» Mal (1420 boze moyl = nenus,
D. 11, 264) — durch ansteckende Krankheit ver-
ursachtes Mal. — Brand-Mal, 1. = (1587 brand-
mal, D. 552; 1591 brandtmal — Stigma marttale. Had.
Jun. 387 = arsura. Du Cange I, 409). das durch das
glühende Eisen (Mais) eingebrannte Haut-
zeichen, auch Fleischmal, Diebraal genannt,
das zur Strafe (Signum turpe) bis circa 1722
noch in die Wange gebrannt wurde (Gr. w. u,
299. 300). — 2. = (176S) „Narben oder blaue
Flecken, welche von selbst durch eine Stockung
des Geblütes unter der Haut entstehen" (A. v. H.
I, 1241). — 3. m Gangränflecken, Brandflecken
auf der Haut. — (1332) Dieb-Mail, n. (dl* dtup-
mall, pl.) = Brandmal 1 (Schmellerl, 1586). — Eiscn-
: Eiss- Mal = das Mal infolge der Schreck-
te Eiss, s. d.) Blatter, Nachtblatter, Herpes
(Varicella) (trqueii vi, 204). — Feig-Mal =
Sykosis (Galeni), Akne, Mentagra, Bartgrind,
ein neben oder nach der Feigwarzen- (s. Teige)
Bildung sich einstellender, roter, syphilitischer
Hautausschlag (Roseola ficosa) öder zurück-
bleibende Hautverfärbung, auch parasitäre
Sykosis (Bartflechte, Bartfinne) (Fuchs, c. H. II,
214; Kraus, E. 905. 1009. 1010). — Feuer-Mal, 1. =
ein feuerrotes Hautmal: a) infolge von Lepra
(Moifea, s. Mehlfleck); b) angeboren (1766 ..ein
langer roter Fleck Uber dem Gesiebte, wie vom Feuer
gebrannt, den die Kinder auf die Welt bringen",
A. v. H. I, 1026) = Proinoiit<)riumsmarke auf der
Geuiciiishaul des Kindes, welche unter der
Geburt durch den Druck des kindlichen Kopfes
auf das das Becken verengernde Promontorium
entsteht; c) das angeborene rote Muttermal,
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Mal.
•
Blutgefäaamal (Blutmal 1), Teleangiektasie,
Naevua maternus flammeus a. rubicundiiB
(Behrend 78; Urquell VI, 204; Puchs II, 25; Ranke I,
157). — 2. = da* durch Feuer (Brand) Remachte
Brandmal 1 (.Macula inusta) (Gr. w. in, im«), —
(1517) Flechten Mal {flechtmael, D. 379) - Naevua,
die Pigmentierung der Haut durch Flechten-
krankheit. — Flecken-Mal = eine durch Farbe
auffallende, glatte Hautatelle, z. B. Leberfleck
(Chloaatna, Naevua spilus s. nanus) (Roth 346).
— (1602) Flein /i-Malen, f. = ein Hautfleck, an-
dern die epithellose rote Haut (= Fleiach)
sichtbar iat, wie c. B. beim Brandmal 1 (1697;
St. Benno-Mlr.; Gr. W. III. 1761). — ^f-malet
(15. Jahrb. gemaelet, geniaylet = vermiculatus. D. fil3)
= wie vom Wurm (a. d.) in der Hautfarbe
fleckig gezeichnet. — ßtfrurf-Mal = Naevua
(= natlvus) materniiB, ein aeit Geburt bestehen-
de» sogen. Muttermal (Gr. W. IV, 1. 1908). —
Hand-Mal (ahd hantmall, H. Z. XVI, »4; mhd. haut-
mal) = Flecken, Pigmentzeicbea an der Hand,
Stigma (Gr. w. IV, 2. 409). — (nie) hässliches Mal
= entstellender, Abscheu erregender, farbiger
Haut fleck (Gr. W. VI, 1699). — haut mal (frx.) =
Epilepsie, hohe Krankheit im Gegensätze zu:
petit mal. — Hexen Mal «= Stigma diaboli,
„der vernarbte Hauteinschnitt, welchen man
ala das sicherste Zeichen des Teufelbundea
(T^ufelshisses) an den angeklagten Hexen
(=Truden) suchte" (Uppen, Kulturgeschichte II.
368) (siebe Hexenzeichen), eine durch Blut-
auatritt farbige Hautatelle (Ecchymosia; siehe
Alpfleck, Teufelsmal); auch die Form einer
Hasen pfote wollte man im Hexenmal sehen
(H. a. Rh. l«). — (1699) Honig-Mal = honig-
farbige Linsenflecken (v. M. II, ISO) (Linsenmal).
— Aunyrrmälig ■ bleichfarbig, weil hungerig,
oder die Zeichen dea Hungers an sich tragend
(Schmeller I, 1683). — Kains-Mal (nach rabblnlschcu
Traditionen (Wustmann 251) bestand dasselbe: „ex
sangiilnea oculorum acie adapectiuiue torvo qua«
puunt hotnlctdarum IndlcU et notas") = daa Augen-
mal, welches der Brudermörder Kain tretragen
haben soll. — (17. Jahrb.) Krappen-Mäler =
rote Steingallen (a. d.) an Huf oder Klaue
(Krapfe) des Pferdes oder Zugochsen (R. A. 661).
— Leib-Mal = Naevua corporis, „ein mahl am
leibe". Gr. W. VI, 14«3) (wie nachfolgendes):
Z>cich-Mal (10 Jahrb. llrhmÄl = stlgma, Signum in
corpore, Grafl 11, 104. 715; Schmeller I, l'«3; 11. Jahrb.
llchmale - stigma, Signum, flgura In corpore, H. Z. III,
Adm. Voc.) = ein besonders gefärbtes oder ge-
zeichnetes Hautmal am Körper (= Leich, s. d.).
— Linsen-Mal = Lentigo, Naevua variegatua
s. verrucosus, ein nach Farbe und Grösse dem
Linaenkerne ähnlicher Haut fleck (Behrend so). —
Merk-Mal = das Kennzeichen (Kriterium), mit-
telst dessen man etwas merken, wahrnehmen,
verstehen kann b. kranken Menschen. — Miss-
Mal • ml*« mall, myssmall) -- Macula, ein hassliches,
wed miasfarbiges und deshalb entstellendes
Hautmal (Haitan» 1352). — .VW-Mailer (-Meiler)
= bei der Annäherung des Mörders sollten (Nibelungen
XVII, 1044; s. anaserd. Roman. Forsch. VI, 3; 8. 613
unten) an der Leiche dea Getöteten die Wunden wieder
tu Muten (= rotmalen, schwitzen) anfangen und da-
Mal. 88»
durch den Morder ( = Mordtneller) verraten. — (1583)
Mücken-Mal = Myocephalus, das Fliegenmaul
(s. d.) als Mal auf der Hornhaut dea Auges,
„ein kleines Tüpflein wie ein MQckenhaupt
oder ein Fliegenmaul" (Or. w. VI, 2612). — (1322)
Butter-Mal (-Mail) = ein aeit der Geburt von
der Mutter her bestehender besonders ge-
färbter oder behaarter Hautfleck, meiat ein
rotes Blut- (Gefftss-) Mal oder ein dunkel
pigmentierter, mehr weniger grosser Flecken
(Arnual 2) Naevus ( = natlvus) verrues naturelles,
„nach dem Gesetze der Vererbung an korre-
spondierender Stelle" (Haeckel, nat. Schopf.-Gesch.
195), an derselben Stelle erscheinend, wie bei
der Mutter, den der Annnenglaube dem Schrecken
vor Dämonen etc. oder dem Versehen (*. d.) der
schwangeren Mutter xuxuschreiben und mit Blut-
anstreichen auf die Mutterbrust zu behandeln (Opfer-
ersats) pflegt; namentlich waren und sind die Feuer-
maier, die roten Gefasamaler unter oder über einem
Auge vielfach Gegenstand des Volksaberglaubens —
Maculae maternae, Naevus planua originalis
(Sigillum) 8. VaSCtlloSUS (A. v. H. I, 937. 1055;
II, 995; Behrend 6; Gr. W. VI. 2823; Samuel 297;
Heyne III, 725; Korsler II, 1044; Abergl. 14, Coler. ff.
352 ; die behaarten Muttermaler gaben wohl auch Ver-
anlagung tum Glauben an tierische Minne im Alp-
traume). — (1612) .V a< /i Malen = nachträglich
nach der Verletzung oder Krankheit sich ein-
stellende, auffallende Zeichen auf der Haut
(Gr. w. I, 405). — Nessel-Mal = die von der
abiigen Haut farbig und durch Schwellung
abstechende Quaddel bei der Nesselsucht
(Urticaria) (Gr. w. VII. 2294). — Pest Mal, 1. =
„die Petechien (s. d.) bei der Pest"; „bläulich-
rote Flecken, nach deren Auftreten das Pest-
fieber sich zu heftigen typhnaähnlichen Symp-
tomen steigert" (Gr. W. VII, 1576). — 2. = die
sogen. Lintzeichen (s. d.), die nach der Absee-
dieiung der Pestbeulen (Bubonen) zurück-
gebliebenen Hautnarben — 3. = s. auch Pest-
zeichen. — (1699) Happen-Mal = eine raben-
schwarze Steingalle am Pferdefuaae (v. M. I, 59)
als andersfarbige Hufatelle. — rotes Mal
(15. Jahrh. rotmal unterm antzlit = aurlgo [Phlegmone],
I). 637; 1618 rotmol — arrigo [aurlgo, aurugo). H. v.
Gersd. 99 [aurlgo aa icteritla (s. Gelbsucht) a colore
aurco — morbus regln«, Du Cange]; 1551 rote maeler,
Bock. Krtrbch.), 1. m rotbraune Leberflecken. —
2. = Feuermal, Blutmal. — 3. — entzündliche
Hautröte mit umschriebener Form, Phlegmone,
Lupus. — Sau^-Mal = der rote Fleck, welcher
beim Blutsaugen (s. d.) an der Saugstelle auf
der Haut zurückbleibt (Gr. W. VIII, 1588). —
S '/V''. 17-Mal (alteacbs. slachmal, 1502 tlagmal b
livor, D. II, 238. 334) - Streichmal. — achicane
Mal (16. Jahrb. »wartx male vnder äugen am
antlltx, D. 324) - Lentigo, Mirl, dunkler Pig-
mentfleck in der Haut. — (17M) Sommer-Mal
m Sommersprossen (s. d.) , Sommerflecken,
Sommermirl, Rossmucken etc. (A. v. U. 1, 598),
durch den Alp, Kobold, das Schrätzlein ver-
anlasst angenommen. — Sprinkel-Mal (mhd.
sprlnkel mell, Lexer 243; Schmeller II. 701) = zahl-
reiche Sommersprossen, die eine Sprenkelung
der Gesichtshaut bilden. — (1691) .S7rr«'di-Mal
300 Mal.
= Vibex, die durch einen Schlag oder Streich
veranlasste, farbige > blutunterlaufene Stelle
auf der Haut (Had. Jini. 386). — Teig Mal, 1. =
8. Teigmaul. — 2. -• Crnsta lactea (Falko 1, 19«),
Milchborke. — Teufels-IHal = das durch den
angeblichen Teufelsbiss erzeugte Hexenmal
(s. d.); dass darunter hysterische, empfindungslose
liautstellen verstanden wurden (Gartenlaube 1895,
N. 1», 8. 314), l»t kaum anzunehmen; der Teufel über-
nahm nur hiebet die Kollo dea Alp-DAmons (s. Alp-
Heck). - Zof-Mal, -Maüer, -Maler (mhd. doi
male = Uvor, Schmeller I, 1483; tötenmAl, U-xcr 20»;
15. Jahrh. dotmal sa livor, D. 334), 1. = das dunkel-
farbige Zeichen in der Haut auf dem Körper
nach erfolgtem Tode (Arnual 3; Totenflecken).
— 2. = (1699) gelbe oder dunkle Hautflecken
an den Fingern, die nach dem Volksglauben
(v. m. II, 131; Zingerle 23) eine baldige Leiche
andeuten, da nie vor dem Tode an dem K ranken
erscheinen (Blut-Stauungsfleeken); vermutlich
Rind diese eine Erinnerung de« Volke» an den un-
heilbaren, mittelalterlichen, weingelben Aussatz (I.epra)
Bin Vorzeichen (Vormaler) des dabei zu erwartenden
sicheren Tode». — 7V»if«-Mal = Hexenmal
(Schindler 202). — [7h -Mal (1517 ss Signum, D. 633).
— ungi malt (14. Jahrh. vngemaltlgew, Z. f. d. A.
1888, s. 142) = ohne Mal behaftet, kein Mal
zeigend, hinterlassend, z B. Wunden. — (1551)
ungetchaffenes Mal = formloses, unschönes
HauttiiHl(Hock, Krtrt)ch.). — «rr-maligen, -mailen
(1419 Tonualgen — maculare; vortnayligt = labefnetus,
D. 313. 342; II, 243) — ganz abnorm entstellen durch
Hautmale. — For-Mäler = die Hautdecken,
welche Vorlaufet des unheilbaren Lepra-Aus-
satzes sind flUser II, 77). — (1790) Heinsen Mal ■
Morphea (liensler, vom Aus&atze; Peijpers 24), ein I
lichtes Vormal bei der Lepra (s. d. u. Aussatz).
— Wund; WMwfftt-Mal 0n Jahrh. wunt-mAH =
cicatrix, Verletzungsnarbc, OraO 1.897; 1512 wunden
moeler = stlgmaticnsus. D. 552; 1591 wundmal = cica-
trix, Hadr. Jun. 38«; l). 117; 1592 wundmaler in Atigen,
Scb. 178) = der nach einer Wunde oder Verletzung ',
Ed rOck bleiben. le andersfarbige (Narben-) Fleck.
— Ziffer-Mal (14. Jahrh. rdtttnul = [ver] Impetigo.
Voc opt. \V 40; D. f,15; 1482 zltlormal - balestrum
[». (ieschoss; herpe» ncuralgicum , D. Cfi; serpedo
(= serplgo], Zcn. Voc. ra8; D. 644; 1518 zyttermol =
»erplgo = Grint, ..nicht schlechte und ungleiche Un- |
relnlgkelten der Haut". H. r. Gersd. 93. 94. 100; 1577
zltterma] - sudamina, D. 584; 1590, 1591 zittermal =
papulne rubldae. Hitzblatterle, Hadr. Jun. 384; I). 411,
1«W zttrioh mahlen - Erbgrlnt, Beyn. «1; 1645 zlttormal
= pnstula ». tuberculurn, Coler, H. A. 16t',; KUSi zitter-
mfthler = Impetigo, D. 11.211; 1715 Zittermal - Mentngra
>yph J, Toll. leg. 96; 172 . zittermahler = lmpetigines,
The», »an. nr. »:t«; 1712 zittermahler = zittorach, lm-
petiglucs, ,,r«>tc, gro»«e, bellende Klecken, welche
»Ich durch Kratzen in niessende Gesehwürklu ver-
wandeln". Zw. 130. 150; 1756 zlttennal — liehen,
serplgo, herpes, miliaris, herpes zoster, ignis sacer,
formte« corrosiva[?], A. v. H. II. 794. 913, Impetigo,
mentagra. Dorrweg [s. d.), „HoUaufblfttterlein. die nur
in der Haut sitzen und nicht tief greifen", A. v. U. I, I
787. 7»8. 819 891; 1782 zlttermaal ~ Schwludllechte,
M. 11. L. I, 467 ; 1839 Zittermal = liehen. Schwlndflochte,
trockene, nicht nässende Papeln. Bohrend 51). —
malad— maltig.
Zittet -Mal, 1. = die fleckige, meist rotfarbige
Hautzeichnung, welche der Zitterach (s. d.)
als Hautausschlag hinterlassen hat. — 2. =
der Zitterach-Schorf (Impetigo), Ekzema-Rote,
die Zittermalwarzen (Syphilis etc.) selbst
(neben dem eigentlichen Haut-„Mal" be-
stehend). — 3. = verschiedene andere Krank-
heiten der Haut und Reste derselben, die man
mit dem Namen Zitterach bezeichnete. —
Mal-CrV6urf, -Guw, -Platz, - Warten, -Zeichen.
malad, Maladie, f. (au» dem franz. malade =
Inflrmui, qul male habet = male aptus, Du Cange V,
191) = übelbefindend, unpass. — (1748) Maladie
-= Krankheit (Maschonb. 62) (s. Maltzei).
Maladrie, f. Malandrei, f. Malandres, f.
s. Maltzey (müat. maladeria - Siechenhau«, Studor.
Schweizer. OrUn. 162).
Malaria, f. (vom ital. mal-aria = schlechte Luit
der Sümpfe (1709), welche daa Entstehen der Malaria-
fieber = Febris intermittens (s. Wechselfieber)
begünstigt. Die eigentliche Ursache der Malaria sind
aber nicht die schlechten Sumpflüfte, sondern mikro-
skopisch kleine Blutwünnchen (Cytozoa, Haemospo-
ridlen oder Malariaparasiten) ; den verschiedenen Arten
der letzteren (Plasmodium malariae) entsprechen auch
die einzelnen Typen Ton Malariafleber (Febris quotl-
dlana, tertiana, quartana etc.. Braun, die tier. Parasiten
entsprechend hatte das Volk für das Wecbselfleber
langst eine damonlstische Ätiologie angenommen
(s. Beutelmann , Rültelweibchen , Tod von Deiters) :
„auch die Russen »teilen »Ich das WeehselOeber als
ein Weib vor, das In der Nacht clnherachlelcht und
Opfer sucht; man nennt die» Gespenst wie die Krank-
holt: Llchoretka" (Schelble IX, 636).
Malat, Malatach, Malatzei, Malatzen siehe
Maltzey.
Malanchen, Mallauchen, Mallochen ( = mai-
occhlo ~ hrtser Blick (s. d ], schlechtes Erkrnnungs-
vermögen) - die durch Brennen oder Atzen
künstlich erzeugten „Kunden" (Altersmerk-
male) am l'ferdegebisse (Zlpp. 149. Falke II, 96)
(FaWlwnärker oder Gitschen).
Maledey, Maledit, n. Maledy (- maiedictu»
(seil, morbus] = verfluchte Krankheit; 1457 maledie
b kauker, Lepra, Krlegk I, 20. 527; 15. Jahrh malen-
dleht. Frlschb. 40; 1607 maledit s lepra; 1528 maledey
- lepra. Dort, sau.; Gr. W. VI, 1499). 1. - der Aus-
satz oder Lepra als verwunschene Krankheit.
— 2. — Krebs als unheilbare Krankheit (s. auch
Maltzey). — gestückelte Maledie '1457 eyn ge-
stocbelte maledie dy man nennet den kanker, Kriegk
I, 527) = kleinknotiger Krebs (= Lepra unius
membri im Gegensatz zur Lepra universalis)
(gestückelt - würfelförmig, aus vielen kleinen einzelnen
Teilen bestehend. Schmeller II, 730). — Malodlt-
Haut, • Wunde.
Maletschheit, maletachig mdi. , n. jahrh.
mclaedscheyd, meloatschheid, De Cock 158. 24G) (siehe
Maltzev).
Malitzen (MaUtzy) s. Maltzey.
maisch (ndl. maleuchig, De Cock 58. 69) siehe
Mallzey.
maltig s. Maltzey.
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Malttey.
Malten -Mandl. 891
Maltzey. f malz (von mhd. malazie nach dem
roman malattia und frans, mal ad k* [s. malad] -: Übel-
befindeu, Krankheit, spezialisiert aa() Maltzei, 1.=
die antfalligste, entatellendste (und bisher un-
heilbare) menschliche „Krankheil" des Mittel-
ältere, der Aussatz (s. d.) o<ler Lepra, deren
fremdländischer Name im deutschen Volks-
munde, vielleicht absichtlich (verhallend), ver-
schiedenartig umgewandelt wurde und u. a. als
malad, malatsch (Schw. 419; Schindler 1, 1684) ■
krank, bis auf unsere Tage sich noch erhalten
hat. — 2. = damit verglichen: Tierkrankheit,
t. B. Finne, Räude. — Malatzei (l > Jahrh. - lepra.
Gr. »'. VI. 1514, auch malazei — malacia; 17. Jahrh
maltzey = lepra, F. Kr. B. 326) = die Krankheit der
sondersiechen, aussattigen Leprosen, welche
in besonderen Malalt- Gassen wohnten. —
malatzig, malatz, malotz imhd. inaiatzic =
leprosu«. aussätzig. Lex er IM; Schm. I, 1584; Birlinger
II, 6ij = mit der Malatzei be haftet — Malezey
(l.'iOT rnaleuy, Hr- I. SM. = hepra elepbantiasis
lepros«, (ir. \v. VI, 1514) = Malatzei (s. o.). — malezig
(tualentig) = mit der Malatzei (s. o ) Iwhaflet,
leprosns (Birlinger II. 64). — Malctzheit (malaetz-
heit, maleczheit. malaescbett) = Lepta (Gr. \\. VI.
1514; Kriegk I, S2>. - maletsch (US2 maletschey =
Lepra. Zenlng. Voe ; malaetsch ; 15. Jahrh. maletschlgcr
= iepro*u*. Gr w v. 2024). - Maladrie (tu*
maladru; 1209 maladres (Studer. Schweiz. Ortan. K>2 ;
mhd. mälaterlc; malst, malate. inalates — an«s*tzlg,
Leprosi». Lexer 154. malatrie, malederic, Gr. VV. VI,
1514) = Maltzey (». o.). — Malandrei (1592 , seb.
IM; 1748; Ma»chenb ssa). l. = die in der Maladerie
(Sieben hau«) untergebrachte Leprakrankheit
(Aussatz) — 2. = eine Pferde- Räude (s. Mauke),
mit der menschlichen Lepra (Aussatz) ver-
glichen. — 3. (Dornbl. 76 stellt auch Kotz 'u.'*).'.;, |
Mallasmus] hieher, wohl mit rnrecht). — Maletzen,
Malitzen (1607 malytzy =. b..»er Grint; 1741 mulucn
[maltzen] = U-uke, weisser I^prafleck , Hort san.;
Kirsch 695) = Lepra. — malitzig - leprosus
iGr. W. V). — Malitzen - Gebresten , -Sucht. —
Maltzey (mhd. malazie, Gr. W. VI, UM; Ende des
15. Jahrh malzey ■ Syphilis, Sehmirrer II, 46; 1518
maltzey st lepra. H. v. GerwL 82; 17. Jahrh. malzel =
Aussatz. Gr. W. VI. 1516; 161* malzey = elephanllasl».
lepra. Schmeller I. 1597; 1699 malzey - Finnigkeit der
ächweine, r. M. I, 77; 1741 malazey = clephantia, Kirsch
421). 1. - Aussatt (Lepra, s. o.). — 2 = (damit
verwechselt) Syphilis (*. d.). -3 = (übertragen)
Schweine- Finnekrankheit (s. Franzosen). -
maltig = malitzig, leprosus (Gr. W. vi. K.14J. —
raalg — malaz, in allz. verhüllend für: malatt (w. o.),
auwstttzig. — (1742) Maltzen (zw iw) - die Aus-
sÄttigen. — Maltzheit = Malttey (Gr. w. vi,
1514). — (1618) maitzig, d'«. Jahrh ) malzig = mit
der Maltzey behaftet, lej.rostis (Gr. W VI, 1516.
n. v. Gersd. 90; Schmeller I. LV84; D. 6\2 , 1741 maitzig
= elephantiosus, Kirsch 421). — (151«) fllut-M<Zey
(,,dle nicht alsbald zu eysszen [«. El«*] wird, sondern
sich schnell vermehrt und gar behend solche eysszen
fuly [faulend] macht", IL v. Gersd. 87) ■ eine das
Blut rasch verderbende Lepra. — (1592) grobe
Maltzey ■ rauh schuppige Binde (Seb. 4K1*). —
(1692) San - Malzei = Finnigkeit (Aussatz) der
Schweine (Seb 156). — nudaitziache Fahle.
Malzen, malz, malzig s. Maltzey
Mamm(e). f Mämm, m., f. Mämmchen,
mämmeln ;*p*t-mhd. matnme, merame = weibliche
Brust, Kluge*. 255; 14. Jahrh.. ndl. mamine = mamma.
D. 545; 15 Jahrh nein = mamilla. D. 411 = ein das
laute Lippenlauten vorstellendes, lautmalendes Kinder-
wort, das mit gleichen Lippenlauten mm auch in amma
mamma. mater mit den Lippenlauten pp in papa, Pa-
pilla, pater. pappe noch noch klingt, Waekern., Abh.ll«
111,3; Memm, m., A*c!iaßeuburg , Seh melier I. 1598!
= Mutterhrust, Brustdrüse, F.uler, Tutt", Zitte.
iVentl. Kleinpaul. Gastron Märchen ; Hyrtl, K. W.SS). —
Mämmele. Mämmekin, L - die kleine Hrust.
— 2. - Brustwarze [C. v Schm X4t>. Hyrtl. K w S5,
dazu Memmekeuskraut [* aprifollum] mit zitzenförmigär
Fracht. Jessen 77 — mämmen, mämmeln, mäm-
mezen, 1. = öfters die saugende laute Lippen-
bewegung machen, an der Mutterbrust saunend
die Lippen bewegen. — 2. = kauen« 1, wieder-
kauend die Lippen bewegen. — mampfen —
stammelnd, mit voller Mümine, mit beul. Backen
essen Erbe 37). — Mämmselein ■ ein verzou'enes,
schlafffs Hilmretiiatil (Schmeller I, l»oO; volksety-
moioiri<*ch kam st. Mammertusais st. Mammaire
zur Stellung eines Schutzpatron* der Amim-ll, An-
dresen 37). — (17 Jahrh harte Mammen T K.
I b «»«harte Btaatdrü-enknolleo. — /*/z-mäm-
meln (s Jahrh. leff«mammaä»n, Graff II, 'J0<5. 728) —
: ItAlbatirOi nur mit seligerer /-uiige oder mit
kindlich unbehilflichen L'ppen (Lefzen) stam-
melnd sprechen. — Mammen- Zipfchen.
Man s. Mond und Mann.
Mandel, f. (»n« mtlat , prov. ainandol«; fmnz
atnande. ndl. amand.1 -- auayMklJ ; lei axayfdalei
sa glardes du gosier. les adenes, Bris< 47 : ahd miiu-
dala = Mandelfrucht , mhd. mandel sa Mandelfrucht,
Kluse5. 247 ; 15JÜ mandel = glandula. 1590 mandel =
tonsilla, D. 264. 587 ; engl, almnnds of the throat =
tonsllls, Kalwchm. II, 273; dan. mandel), L = die mit
der Mandelfrucht (16. Jahrh ) verglichene Balg-
drQse (s. Hacken, Saugharken) in den beider-
seitigen Gaumen od. Rachen-Bögen des Halses,
Ampbibranchia, Tonsilla, Amygdala,
(Hlppokr.; Fuchs Ii. 196). — 2 = die Anschwellung
der äusseren Halalymphdrüsen zw ischen Olir,
Unterkiefer U.Zontenbein (mit den eigentlichen In-
neren Mandeln l verwechselt). — 3. = das Zäpfchen
(Uvula) (Hon. sanlt.J. Iiei der Angina tonsillu- :s
(Mandelentznndung) meist miterkrankt, daher
zu der „Mandel" mit belogen. — 4. - die ent-
tflndlich angeschwollene Mandel ^Tonsilla) -
Angina tonsillaris (Had. Jun. 376). — 5. = (nber-
trmren) die äusseren Ohrdiflsen beim Pferd«
'Mandel 2) (Gr. VV. III , 1432;. — geschwollene
Mandeln = die chronisch iiypertroph sche An-
schwellung der Mandeln 1. — /7«k-Mandeln,
L — die inneren, vergrossurten oder erkrankten
eigentlichen Handeln (t). — 2. = die sehmert-
haften ausseien Halslymphdrnsen (Mandeln 2)
(Zw. 7.58; dttn. halsmaud'el). - (1748) rcrsrAtcoreiic
Mandeln - Mandelgeacbwir (k. ch. 261). —
Mandel- Bräune, -Drüten, -Oeschcär, -Gc-
»chwulst, - Verhärtung, - Weh.
Mandl, n. a. Mann.
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392
Mang.
Mangen — mank.
Mang. »< Mangel, in. Mängel, tu. mangeln
(gcrm. mang = manru», verstümmelt, kraftlos, mangel-
haft; angls. gemancian - verstümmeln; ahd. mangoo,
ruangolon, niODgcn = ermangeln, entbehren, ml«nen ;
mhd., 12, Jahrh. uiongel = Mangel, Oebrechen; man-
geln, raanc, Kluge*, 247; 15 Jahrh, mangel — gebruch.
defectus, Heyne III, 732; 1507 manck = triancu«, D. 346 ;
ndl. de mankc = Krüppel), 1 = Vitium, Laesio, !»••-
fectus, Kehler, Gebrechen, Einbaue an Leist-
ungsfähigkeit, namentlich der Sinnesnerven,
ungenügende Funktion (ursprünglich wohl
durch Verstümmelung zumeist veranlasst). —
2. = körperlirhes]<eiden (Morbus), Sprachfehler
(Mangel an sprachlicher Mitteilungsfilhigkeit,
weiterhin geistige oder ethische Schwäche). —
3. — auch Schmerz, der in der Leistungsfähigkeit
eines Organe» beeinträchtigt. — 4 = Hernie
(Bruch, Gebrechen, Gebresten) {Gr. W. VI, 1540.
1541; Schw. 413; Schindler I, 1623). — Der Mangel
ist eine die volle körperliche u. geistige Leist-
ungsfähigkeit längere Zeit oder bleibend be-
einträchtigende, mehr subjektiv gefühlte Eltl-
husse an nurmalem subjektiven Wohlbefinden;
der 8chaden dagegen ist mehr entstellend,
durch andere (z. B. Dämonen) veranlasst u. ob-
jektiv sichtbarer; -los ist das vollständige
Fehlen eines Organes o. einer Funktion, meist
nach Trauma. — es mangelt mich an — die
erste Anwandlung (durch Mangel an Wärme)
der Krankheit empfinden. — er mangelt das
Wetter am (kranken) Arme oder Heine = er ist
für Wärme- und Feuchtigkeits-Schwaukungen
sehr empfindlich, so dass er den geringsten
Wärmemangel schon verspürt, er empfindet
die kommende Witterung voraus, weder fr Aber,
d. b. überempfindlich ist an dem kranken Teile.
— mängelig = herniosus, brüchig; „er hat sich
mengelig gehoben" (Schm. I, 1425) = er hat sich
durch schweres Heben einen Bruch (Herniu)
zugezogen. — mangel-, mangelhaft (1 ■"». Jahrb.),
1. = einen Mangel habend, der vollen Gesund*
helt, der Norm entbehrend, valetudine tenui
esse (Ur. \V. VI, 1545; Hyril, K. W. 141). — 2. — mit
einem bestimmten Gebrechen, Mangel, Leibes
fehler, Leibschaden behaftet (corpore viliatus,
herniosus) (Gr. W. VI, I. e.; Schindler 1, 1035). —
Au>ji /«-Mangel *• uumtell etwas, an den Augen,
Olit. IV, 128)= eine fehlerhafte Kinbusse an dem
vollen Sehvermögen (Rauml. IM). — (1599) Bein-
tmrhs- Mängel - ungenügende KallusbiMung,
fehlerhaftes Knochen Wachstum (Gr. W. I. lass).
— Eiimchlag- Mangel 11592 mangel des cinschlags
am sehwanu. Heb. 17»;) - Fehler in der Beweglich-
keit des I'ferdeschweifes, der dann stets hoch
getragen wird und nicht nach unten zwischen
die Schenkel geschlagen werden kann. —
(17. Jahrh.) Frauen-Mängel - Frauenkrankheiten
namentlich solche, welebeSterilit&l veranlassen
(F. Kr. Ii. 225). — (1735) Fuss Mangel = eine Kin-
busse an der vollen Leistungsfähigkeit des
Fussorganes infolge eines Fehlers, Krankheit,
Verletzung (V. B. 17; (ir. W. IV. I. 1020). — GUed-
Mangel - die Kinbusse, die man durch den
Verlust der Funktion eines Gliedes hat, De-
feclus articuli. — llunr Mangel = die ungenü-
gende Behaarung auf dem Kopfe, Glatze, Kahl-
kopf, auch an den Augenlidern (Gr. W. IV, 2. 33).
— (17. Jahrh ) Ha/»-Mängel = skrofulöse Hals-
drüsen, Halsübel, Halskrankheit (F. Kr. B. 574).
— Harn-Mangel = die ungenügende, fehler-
hafte und krankhafte Kntleerung des Harns
f Amiria, Dysuria) (Hnfeland 609). — Haupt-
Mangel, 1. = der hauptsächliche Fehler an
oinem Organismus (Gr. \v. iv, 2. 621) oder das,
was man am meisten verminst. — 2. = s. Ge-
währskrankheiten (Falke I, 376). — Herz-Mangel
= Herzfehler, auch ungenügende Kntwickelung
des Herzens (bei Tieren) (Falke I, 390). — Huf-
Mangel = die Kinbusse der vollen Gebrauchs-
fähigkeit des Hufes bei Tieren infolge Krank-
heit oder Beschädigung (Gr. W. IV. 2. 1831). —
Xtnder-Mangel= Kinderkrankheit, Morbus in-
fantum (Gr. W. V, 742). — (17. Jahrh.) Leber-
Mangel = Leberleiden (R. a. 277). — Milch-
MangeLl. - (1735) fehlerhafte Zusammensetzung
in der Beschaffenheit der Milch (Woydt 594). —
2. - (19. Jahrh.) Agalactia, das Versiegen dos
Milchflusses, eines der ersten Symptome inner-
licher Krankheiten. — (1666) 3ft/r-Mangel =
Hypochondria = Milzkrankbeit (Milzlaster) als
Mangel in der richtigen Funktion der Milz
(S. d.) (Gr. W. VI, 224). — (17. Jahrh.) AVisen Mangel
= Nasen krank heil (F. Kr. B.). — (1680) Nicren-
Mangel — die Kinbusse in der normalen Nieren-
funktiondurch ein schmerzhaftes Nierenleiden,
Dolor nephriticus (Gr. W. VII, 833; VI, 1541). —
OAren-Mangel = Kinbusse in der Gehörfunk-
tion derOhren durch eine Ohrkrankheit, Vitium
aurium («r. W. VII. 1257). — On/em-Mangel, L =
die KinbuBse an der vollen Leistungsfähigkeit
durch einen Fehler eines bestimmten Organes
(Bildungsfehler, organischer Fehler). — 2. =
das vollständige Fehlen eines Organee durch
Verlust, Ausbleiben der ersten Anlage z. B. —
(1741) Srli.ui.l Mangel = Naevus, entstellendes
Mal (Kirsch 7so). — Si henkt / Mangel = l^aesio
cruris = die Kinbusse an der Leistungsfähigkeil
einer unteren Kxtremität durch Erkrankung,
Verletzung etc. — Wimper-Mangel = Madarosis,
Kahlheit der Wimper durch Ausfall der Wim-
perhaare (DornM. 75). — ZäAne-Mangel, l. = die
Kinbusse «ies Gebrauches des Gebisses oder
an der vollen Gesundheit infolge von schmerz-
haftem Zahnleiden. — 2. = der Zahnschmerz
selbst (Dolor dentis), Zahnkrankheit (Gr. w. VI,
1641). — 3. = das vollständige Fehlen der Zähne
(im Alterz. B.). — Hie Mangelware (Lapathum acutum,
Mangel- oder Mengel-Krnut) sollte für Kraflmangel
helfen als ein um die Lenden getragenes pflanzliches
Amulett.
Mangen, m. = Sapor (Gr. W. VI, 1550; 8chmeller
I, 162C), der Geschmack im Munde, den Dinge
für das Kosten mit der Zunge haben. Verwech-
hing der slnncsciupfliidung schmecken — rteohen,
mankeln — luauekeln, riechen.
Manier, f. (fram manicre; 1500 monier, Kluge *,
217; 1531 nmnery, Krautw. XXXVI) = Handgebärde,
Benehmen.
mank [«. Mangel; 1175 mank anheilen«, O. 51;
colutx, I). 133— 1507 lahm [maneus]; ndl. mnnk — Krup-
pd) ■ gebrechlich, einhändig, bresthaft, krflp-
Mann. 393
pelhaft vom Menschen (Köln) u. Vieh (Kärnthen,
Gr. W. VI, 1540). — mänken (ndl. = exossare,
D. 21"), knochenlahm sein, raank gehen. — ver-
mankt (ndl. rerminkt. De Cock 313) = Ranz ver-
krflppelt, -ttupiert (estropie). — mank ■xh-n.
Mann, n. Mannl. Mandl, Männchen findo-
germ. nianu, das mahnende, denkende menschliche
Wesen als Stammvater der Menschen)?]: dlo Indo-
germanen der Vorzeit fühlten sieh aber dem Tiere
[paen] verwandt, und der vedlsche Indier bezeichnete
sich wirklich so. Kluge», 247; darum ist diese Ety-
mologie nnaicher; altgerm. manu ; germ mann [der
Stammvater der Westgermanen hiess Mannus] ; ahd.
mann, man = Mensch, Mann ; mhd. mann, man —
männliches Weseu, Mensch, Kluge*. 247; 142» manner ,
mannen, pl. = Manner, Schmeller I, 1600), 1. — der
Mann als geschlechtlicher Gegensatz (unter den
menschlichen Wesen) zum Weibe. — 2. = das
(reschlechtsglied des Mannes u. Knaben, Penis
(=Mann, Mandl) (Tirol, Bayern; Hlntner 8. 18). —
3. = der männliche Krankheitsgeist des Volks-
glaubens. — 4. = Mann-Ähnliches, männliches
Bild. — Mannchen = Kindlein (». d.), Pupille
(raike n. 89). — 5. = s. Mond. — Mann sein =
gescblechtreif and potent sein. — mannbar —
geschlechtreif. — Mannets (seil. Leut) (Tirol.
Bayern) = männliche Person. — (l«os) Mannheit,
Mannbarkeit - Geschlechtsreife, die männliche
Potenz, (die nach altem Volksglauben durch Ver-
zauberung genommen werden kann ; ndl. mauubaar-
neid, v. k. ix, ii»; Beyn. 272). — (1307) Männlich-
keit (zwischen den Beinen) = das, was den
Menschen männliche Eigenschaft gibt, Membra
virilia (Hyrti, K. w. 60; D. 622). — Mannschaft =
das, womit man männlich handelt, 1. = das
Zeognngsglied. — 2. - Zeugungskraft (Potentia
Viriiis) (Gr. W. VI. 1602). — Männin, f (1440 mal-
ninn; 15. Jahrh. menlnne = vlrugo, I). 621 ; Schmeller
I, 911) = Mannweib, Konmann. — männisch =
h. Mond. — Das Mannl ist ihm (dem Weibs-
bild) steigend geworden = ein koboldischer
Dämon oder männlicher Quälgeist ist aus dem
L'nterleibe aufgestiegen und stosst gegen den
Magen an («. Marbriegen) - Singultus ex gravi-
ditate s. hystericus = Hetscher. — der Mon-
Mon — Mann-Mann = ein Krankbeitsdämun wie
der Pöpelmann (s. d.), mit dem man die Kinder
erschreckt und den man den Kindern in der
Gestalt eines eingetrockneten madenförmiiren
Nasenschleimes vorzeigt. Die Meinung Wacker-
nagels (Abbdlg. III, 155), das« die männlichen, bezw.
weiblichen Namen (-Mann, -Herr, -Frau. -Fraulein) bei
Krankheitsdämonen mehr Schmelchel- od. Kosenamen
»ein sollen, bat gewiss Berechtigung. In solchen Krank-
helunamen lebt der uralte Dämonismus, der sich
grösstenteils in die Kinderstube zurückzog, noch unterm
Volke fort. — Alp-, nii,, -Männchen. Mann »
«. Alp, S. 10, männliclies elbisehes Wichllein
(Slmrock 454). — Alt Männchen = Älterlein oder
Allvater (s. d.) (Gr. W. I, 273). In den Nieder-
landen der alte Mann (de oude mau ; Nordfrankr.
le petit vieillard, V. K. IX, 142; Brlss. 121) - Rba-
chitis und Paedatropliie: das vorher dicke und an-
scheinend gesunde Kind wird in kurzer Zelt magerer
und bekommt ein greisenhafte« «iealcht; mit hell
glanzenden Augen , runzelichter Haut und mit ge-
kreuzten Füssen liegt es stets in seinem Bettlein wie
ein altes Mannlein ; seine Mutter ist überzeugt, dass
sie. als sie mit ihm schwanger ging, durch Berührung
verhext wurde, u. das Graulieschen der Nachbarschaft
weiss mit dem Finger die Stelle an Ihrem Leibe zu
bezeichnen, wo sich „der böse (feist" aufhielt (ÜcCock
2V 79); je nach dem mehr weniger ausgeprägten
Krankbettscharakter unterscheidet dabei der Viani-
lander den grossen und den kleinen Alt-Mann
(De rock 82) (s. auch Altvater); der dämonistlscbc
Hintergrund ergibt sich auch aus der daselbst üblichen
Behandlung des Alterchens (Eiterken) : man legt die
Kleinen unter einen heiligen 1. Indenbaum (arbre bentt.
«. I.indenkrankhelt und baurnleibig) ; das von dessen
Laubdach in Tropfen abfallende Nas.« soll dann die
Krankheit unfehlbar heilen (De Cock 229), d. h. der
bose Krankheitsgeist soll zurückgehen und das Kind
mitnehmen in den Baum (Wald), woraus er gekommen
(cont. das Kitarle bei Schneller, tlrol. Namen-Forsch.
115 = ein Opferstein bei Alleburg mit uralter Volks
wallfahrt). Auch das (deutsche) Altmann-(,,lireis"-)
Kraut, Erigeron acre, Senoclo (senex) vulgaris (fälsch-
lich ,,Kreuz"-Kraut), auch Berufs (s.d ) -Kraut genannt;
(engl, oldmans woozard — ClematU Vitalba, Kol ) sollte
dagegen helfen (Jessen 143.374). — Atz- (LaU-)M.a.IlIl
b der koboldische Krankheitsdamon , welcher
durch <lie (nach dem Volksglauben anzauberbare.
1. Riezler 332; v. M. II. Anhang 38) auszehrende
Schwindsucht (s. Ettich) den Kranken sozu-
sagen aufisst (etzen, ätzen ■ essen) = Fhthisis
| (Gr. w. i, 597; v, 3»6). — slu^fri-Männ chen, /ein)
(166«) - das Bild eines kleinen Mannes in dem
Auge = Pnpilla (s. Kindlein) (Gr. W. VI, 1578.
1697). — (1645) /.'■■> i'-Mann = einer, der grossen
Bart tragen mochte (Ooler, H. A. 142). — behafteter
Mann (ein bebeft man — daemoniacus, Schmeller I,
1066) = Homo inente captus, ein vom Teufel
besessener Mensch — ßrincr-Mann = Knoehen-
mann.Tod (Vernal. 91). — (15 Jahrh ) ßcrvj-Männlein
(nach alterVolkssagestrellen die Kranken mit dem dämo-
nischen Bergmüunlelu und ernähren sieb vom Blute
desselben, <ir. W. I, 1515; V, 1640) (s. schwatzen). —
Bettel- (Bedel-, Beutel , Beul ) Mann, 1. = der beim
Fieberfroste den Körper des Menschen schüt-
telnde, beutelnde Krankheitsdämon aus dem
wilden Walde nach dem Volksglanben (Schmeller
1,304. 1603; Mannh. 112), „das Fieber beutelt mich".
2. = das Fieber selbst (Gr. D. M. II, 1107), das
wie Öfter seinen Namen von seinem ursäch-
lichen Dämon des Volksglaubens erhielt (s. Ritt,
Koortsen). — 3. Bettel — eine schnell tötende
Krankheit der Schafe, welche «las Büttel- oder
Holzweihlein (s. Milzfrau) bringt (Köhler 466;
Wiuschel I, 234), infektiöse Schafseuche (Milz-
brandfieber, s. Bettelkrankheit). — Blatter-
Mannl, 1. ■ der die Wasserblasen (Herpes,
Varicella«) erzeugende Krankheitsdämon des
Volksglaubens. — 2. — diese Wasserblasen
selbst (Schmeller I, 1603), die man auch Nacht-
brand, .Schreckblattern, Körläcken (s. d.) nennt.
(Auch bei den Bulgaren erzeugen die Baba sarka die
Blattern, s. Fthnol. Mltt. aus l'ngarn 1894, S. 231). —
Bock(el) (e, >n -Mann, 1. = der l'opelmann (s. d.)
oder Puckraann (s. Puck) (Mannh. 158; Gr. W. LT,
204; Z. f. d a. iss8, s. 16% ff ). — 2. = oder der
Pocken-, Pokkel-Mann ( = Blattermannl, s. d.)
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Mann.
Mann.
(im Volkouiuude entstellte Namen; Z. f. d. A. 1888,
8. 154). — Butie{n)-, Bme-, Putri-Mann (Fiewen
hflUWIMia = Popanz, frle». tio— llllllll . DUM« Ml, büse-
mann, busaeman, butze man, Z. t. d. A. 1888, 1S3 IT.;
[Tirol] Putz, rutzliunnu, Alpbg. 13'.'), 1. a DaUB- Kobold
(Hutziperclit) in Butz- (s. d.) o. kleiner Puppen-
( Larven) Gestalt, vor dem die Kinder eraehreekt
wurden (Talermann). und von dem nie heute noch
singen „Ra tanzt ein Hutzimann in un»erm Hot herum,
Ja, ja, Butziroann." (Schmeller I, 316; Lipp. Chr. 430;
Golth. 141 ff. ; Vernal. 62. US ; Kehrelu 39). — 2. =
iler Kindlifresser (Schweiz, O. -Innthal, Plnzgau
der Kobold, der die Kinderkrankheiten, nament-
lioh die Kinderblattern (in der Schweiz Butz ge-
nannt) bringt und so durch Seuchen die Kinder-
weit gleichsam aufzehrt (Kleinpaul, Gastronomische
Mürchen IUI ; Schw. 103. 60t; Meyer 149; Schmeller
I, 31C). — 3. = der uiaden- oder puppenförmig
verhilrtete eingetrocknete Nasenschleim (siehe
Popelmann) (Schw. 103. 504). — 4. = als Puttwurm
(s. d.) die andere Gestalt des Butzkobold. —
5. = ein kretinöses Zwergkind, das, wie öfter,
Dämonennamen annimmt, weil nach dem Volks-
glauben von Dämonen im Alptraum erzeugt. —
Dahl lt&JUL (Dilltnann) = ein tahlender (s. d.)
Kretin (z. f. d. Phil III, 340; 1499 dillemann; 16. Jahrh.
lllman). — Dangt l-, /Mitfff-Männdle = Pengel-
geist (Birlinger 8. 1. W). — ZMKÜf-Männchen —
Alpdruck (s. Alp, S. 11 u. lül) (Pfalz; Mitt. zur
bayer.V.-K.l896, 2.3), den man einem handgrossen
Zwerge mit unschönem dicken Kopfe, dem
drückenden (s. d.) Nachtmannlein oder Alp zu-
schrieb (Bavarla IV, 2. 337). — (1715) externer Mann
= ein wie Eisen fester, starker Mensch (Toll,
leg. 7M). — tn 'mannt = des einen oder beider
mflnnlicher Hoden berauht; die Entmannung
war bei den Friesen ein Gotteropfer (Golth. 562).
— ÜM-Mann = der die Menschen in die Grabes-
erde bringende Tod; „er schlaft bei Vater Erd-
mann" (Mecklbg. ; Z. d. V. f. V.-K. IS94, 187) — ist
gestorben. — fahrender Mann (1482 varndmau,
ZcniriR. Voc h h 6, cc 2; IV Jahrb. birtnd man - vagus,
uml»ra, I>. II, ;t7ti; - das alter ego des Menschen,
der Inigegeist, Leibesschutten, die menschliche
Seele aus dem Leibe geschieden, als Schatten
(Geist) ruhelos herumirrend nach früherer Vor-
stellung, und zur naehtfuhrcnden Trude (arme
Seele) personifiziert , die dann zum (Quälgeist
wird. — Gdm/>^,(;rtw<</<7iMann<altoftcb». jemelich
man — gaemelioh man , gemltch man = mlolAOtU,
siranio taouio, D. 346; Schmeller I, 910/ = ein ver-
rückter, tolle Gimpel - Sprünge machender
Mensch. — geheilter Mann = F.unucbus, castra-
tus (s. heilen 2 S. 227) (D.213). — gelüppter Mann
= Euiiucbus, cHstratns (s. Kippen) (ü. 213). —
Gigges-, Gagges-, G»ckd-, Gu A-W-Mann = Tod,
den man sich als eine auffällige < ieistergestalt
vorstellte, ähnlich einer Popanzfigur (um*chrcl-
bende WortbiMtiug, Z f. Ö. V.-K. 1896, S. US; Schill.
I, 88i). — (iuiitl> > Mann (vielleicht als Pilanzen-
Name [Gleehoina hederaceum) urgprüngl. ein Kobold-
Namen, der zu ahd. gand = Kiter, Gift in Beziehung
steht, Schmeller I, 921 ; Kluge* 147). — guter Mann
(1482 guttermann - leprosu*, Zen. Voc; Gr. W. VI,
1516) = der bemitleidete, in den sog. Gutlent-
Häusern untergebrachte, sondersicche Aussatz-
Kranke (s. gute I.*ute). — (15. Jahrh.) halber
Mann (1420 halrmaDn = hermaphroditua, D. 275), 1.=
castratus, der ob »einer Entmannung (castratio)
impotent, kein ganzer Mann (l) ist. — 2. = Weib-
mann (h. d.). — 3. = halber Mensch (s. d.) (Had.
Jun. 396; Gr. W. VI, 1567). — //■<>;,/...■;' -Mann =
Heimpelmann 2, Kretin (Z. f. d. Philol. III, »3«).
— Heck-, Heimpel-, ifcinrW- Männchen , t. =
Heimchen. — 2. = ein Tölpel, der Heimchen
(Grillen) hat (LaUtner II. 189). — ll< •> V-Mann =
ein Uamon aus der Wald beide nach dem (ndd.)
Volksglauben, dessen Anblick noch im selben
Jahre<len Tod bringt (Schelble IX. 133) — (16. Jahrh.)
H< r./'-Mannlein = (nanua, D. 375), wie das Plat-
ten weibl ein Hausgeist, der Krankheiten bringt
und an der Herdplatte Uberm Wichtelstein im
Ofen (s. d.) seinen Sitz hatte, weshalb man nach
dem Volksglauben zur Strafe Brandblasen er-
hält, wenn man gegen den Herd ausspuckt
(s. Gutle!) Ifrqucll IV. 68. 59; Alpbg. »0; Rochholz
II, 134). — heutiger, häutiger Mann, 1- = ein
Mann, der nur von heute auf morgen noch lebt.
— 2. = ein Mann, der nur eine Haut mehr hat,
nicht lange mehr lebt (s. Haut). — iZbt-Mannl
= ein Kobold oder \\ ald-(Hag-)l>ämon (Alp),
der aufhockt (s. d.) (Laittner II, 220; Schm. I, 1021).
— Hok-Mann = « Holzleute. — (1551) kalter
Mann = ein Mann (1), der geschlechtlich kalt,
schwach, erstorben ist, in der Natur (* d.) kalt,
impotent ist (Hock 165. 340). — Äaarr-Mannl =
Hauskobold in der Sennhütte (roman casa, Panzer
Beiträge z. d. M> thol II, 40 ; Alpbg. 133), dasselbe
macht buckelig nachdem Volksglauben. — Kla-
bater-, Äafcauf f /-Männchen — nach dem Volks-
glauben der Alpditmon als Seele eines totge-
borenen Kindes (s. Alp), Schiffskobold, welcher
klabastert, klopft, klappert; erteilt Ohrfeigen
aus, macht Beinbrüche (Z. d. V. f. V.-K. 1892. 417;
I l.alstner II, 2*0 , Kluge5, 198; Golther 144 stellt den
Namen zu Kobold ; udd. kobollerken). — Knochen-
Mann, I. — der seit dem (12. Jahrh.) allegorisch
als Knochen-Gerippe (Beinmeister) mit einer
Sense (Sensenmann) dargestellte Tod (\Vuttke35).
— 2. = das menschliche Skelett (Hvrtl, K. w. 139).
— A"on«(r)-Männin (ahd. con(m)maonin — virago,
D. 621; Schmeller I, 911) -- Mannweib (s. kon. kont,
kunte - Weib). - 2. = der Mann des Eheweibes.
— Ärnwi/j-Mann (16, Jahrh. crurapman = cllnlcu*.
paralytlcns, D. 127) - der infolge von Glieder-
krummheit an das Bett gefesselte Mensch. —
Auf-Mann »er i*st mit Kulmann" (Mecklbg. ; z. d.
V. f. V.-K. is»t. 187) = er liegt in kühler Erde und
geniesst die Gesellschaft des kalten Todes
(Erdmann, s. empfangen). — .Lanfl-Mann^der
längere Mittelfinger (ahd. lanemar (». d.J; Wetterau ;
Andresen 103). — (l'A2) langsame Männer (Uonic.
235j b zum Zeugttngsakte unlustige, impotente,
kalte Münner (s. d.). — AicÄf-Mann = ein Kind,
welches vor der Taufe stirbt und atn Kirchhof
als Lichtgestalt (Irrlicht) umgeht (Ahergl. 261).
— iVar/if-Männlein <1.">77 nacht menle = ineubu*.
D. 293; 1591 nachimennlin — Ineubu», Had. Jun. 374;
Kluse5, 10; 166C nachtmannlein = ineubua, D. II.
213; 1741 nachtmannlein = Gespenster, so sich In
mannlicher Gentalt zum Weibe legen, Kirsch 614;
Zw. 121; A. v. II I, 84. »98; Gr. W. VII, 200; Adler,
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Mann.
Mann.
395
da lacubo. Ia27, Meyer 175; Woydt 172; Kraus, E. 531)
= der wahrend der Nacht nach weit verbreitetem
Volksglauben die Menschen im Alptraume ■>. d.)
drückende o. minnende, ancb nächtlicher Weile
Walser blättern bei den Kindern erzeugende
männliche Alp (s. d.),eine Dämonenfigur, dieden
von ihr erzeugten Krankheiten den Namen gab.
— A'idW-Mjum= Nickert (s.d.), männlicher Nix.
— ("Wocr-Mann m s. Alpmann. — iv ■ '.-Manul
m die die ermüdeten Augen des Kinde« wie
mit klebendem Peche (eintrocknendes Sekret
der Meibom sehen Drüsen) schliessende, d. h.
Schlaf bringende, „allegorische Personnage"
der Kinderstube (Schm. I, 379. 1603; c.ebr. Zlugerie
1, :* , Schräder «15; wie dem Tode [«. d.). to lag auch
•einem Bruder, dem Schlafe, In der Tolksübllcben Vor-
stellung eine dam on wüsche Person vor) ; (vgl. Sand-
männlein, Vogeltnann). — (UM] .fWcT-Mann.
.yiWmann. 1. = kleiner Finder U rquell II. so). —
2. ■ Penis (Gr. W. VII, 157S; Wackern. Abhdlg. III,
IM) (s. Peter) = wie dem Finger, so legte der
naive Sinn des Volkes auch dem erektilen
(Venusspiel) Penis koboldische, neckende
Eigenschaften bei; PetermÄnnchen = Kobold
(H. a. Rh. szv. — Popel, [\m PopW-Mann = ein
quälender, die Kindererschreckender, alpischer
Hauskobold, auch das Popele (s. d ) und Ruh-
popel genannt, der das Popel-Auge {», d.)f die
Popelseuche (s. d.), die Pöpeln (Hitzblatterrhen,
Finnen), wie der Butzimann die Batzen (Blat-
tern) bringt (Gr. W. VII, 2000', man «eilte ihn wohl
wie andere DamonengestaJten an« Wach». Huxholz u.
Wen? alt eine (Puppen-* Poppen-Flgur dar. und erhielt
da« Damonenbild »o deu Samen l'npel. Popel, Popel-
mann fl-ipp. Chr , eigentlich also = Alp in
Poppengestalt, kleiner eUdscher Dämon — 2 =
(entsprechend dem ndL snottolf = Schnutt-Alp,
Enge*, 333) b Naseniotz, das in den Nasen-
löchern eingetrocknete, madenformige, puppen-
puppe = boppe, Klug**. 290) artige Sekret, das bei
Schwerkranken und Besinnungslosen früher
auch mit wirklichen Fliegenmaden durchsetzt
gewesen sein kann (conf. Fliegenteufel. der in Ge-
stalt einer Fliege au« der Na»e de* Bev-«*»-ri.n =■ Schwer-
kranken, Fiebernden, hervorkommt, Scheitle IX. 407;,
solche Larven oder verpuppte Maden sah man
als eine Gestaltveränderung des Krankheits-
damons an (s. Alp VI, Made und Mann ><-hm.
I. 400; Schw. 504 ; TrqneU I, 2'*; Gr. D. M. I, 473). —
Rippm-Hum = s. Kippe 1 (Adams*ohn\ —
San /-Männchen, -Mannlein = in der Kinderspr.)
die Augenrondigkeil mit Blinzeln und Seblaf-
neigung der Kinder, die sich dabei die Augen
reiben, als ob ihnen jemand (das Sandmannlein,
Sand in die Augen gestreut halt« und sie so
am Sehen verhindere; eine dämoniHtisch an-
klingende Redewendung, wie der >andseier,
das Pech mann lein, Vogelmann (C. r. Schm. 447;
Gr. W. VIII. 17S7. 1769, Tleyne V, 2l0 210 «cb rader
414; Urquell III, 16« ; 9pte*s II. i . — wUn/rManil
heit (12. Jabrh. slaphl&ün aiennischc-.: der manne,
Pfeiffer 18. 73. 80) = das schlaff gewordene männ-
liche Zeugungsvermögen. — (l'i-'i Schrrck-
Mannlein = Incubus, das Schrattlein (s. d.) od.
der Alp als dämonistische Ursache a, des Pavor
nocturnus = das nächtliche Auffahren oder Kr-
kommen (s. d.) der Kinder (Zw. UL 973), b) der
Schreckblattern (e. d.), Herpes labialis; die
Popaorflgur der Vogelscheuche auf den Äckern hl—
auch (1766) Scbrockmannlein. — >>n>' i-Mann =
der in allegorischer Gestalt als Skelett, mit der
volkermordenden Sense ausgestattet, auf einem
Pferde reitend dargestellte Tod.der als Schnitter
oder Dengelgeist (s. d.) die Menschen wie die
Blumen auf der Wiese oder die Ähren auf dem
Felde hin wegrafft (Wackern. Abbdl. I. 307; Pfeiffer,
peatflentia in nummls). — Sttn ,/ Mannets ■ ein
langer,hochaufgeschossenerjungerMann (Sieder-
bayern; Schlicht 25) im Gegensätze zum Tramm-
Weibets. — .Sbtfcn-Mäiinlein = Alpdämon als
Männleingestalt des Stollen wurms (s. d.) (Laistner
Ii, 209). — Tater- (Doda-) Mann, 1. = ein alter,
vor Schwäche bebender, zitternder Mann (siehe
bebendes Alter), auch Kretin (s. Lümmel) (Z. f.
d. Phllol. III , 336; Zlngerle; Zeitacbx. f. d. Myth.
Mannh. III, 207). — 2. = die Figur eines das Zit-
tern (das Fieber, s. Beutelmann) verursachen-
den , erschreckenden , buckeligen Krankheit-
koboldes (Taterich, s. d.j f»chon mhd. als Popanx-
ftirur Torkommend. Z. f. Ö. V.-K. 1897. S. 8; Schmeller
1, 631 ; Golth. 142; Vernal 88. 205j. — 3. = (der Sala-
mander oder Egelstung [Egelstich. Skorpion? Südtirol]
wird als ,, Tatermann" [Bayern] oder Wegnarr [Weg-
Mar •], in Wach« nachgebildet und mit Nadeln durch-
stochen. Dahn I. 72. 227, auch an zitternde, gelähmte
Glieder letischartig angehangen). — Tall-, TM-,
/ ' Mann U6. Jahrb. tilmann; 1499 dUletnann, Z. f.
d. Philol. HZ, 340) = ein alberner Mensch, Kretin,
der nur talet (s. d.), dahlt. — Tod-, toter Mann
= ein Gespenst aus dem Totenreiche, mit dem
der Sterbende kämpft (s. Grift, Biss, Tod). —
Fo?r/-Mann = das nach dem Volksglauben in
der Schweiz Schlaf bringende Sandmännlein.daa
man sieb vielleicht als geflügeltes Elben- Wesen
vorstellte (Fiedermaua? s. Vogel) (Laistner 1, 159;
Z. d.D. ö a.-v. lssi, s. xa . — u ■ 'V- -Mannchen
= s. Wichtelmännchen. — Wo/d-Männlein -
s. Wiede- und Hoiemttnnlein, Holzleute. —
IFazscr-Mann = s. Wassermensch, Nickelmann,
Nix (witi*chei 1,202;. — (i6»oj IFnZ>-Mann = Her-
tnaphroditus — geschlechtlich halb Mann, halb
Weib, auch Mannweib (Gr. W. VI. 1605). — Wetter-
Mannl - die Erkaltungen durch die Witterung
bringende, allegorische Personnage in der
Kinderstube Oberbayerns. — II >ÄM-Männ
chen mhd. wlhtelmenlln , Hessen WachtelmAnnrhen,
Laistner II, 1*9 = Wichte! (s. d .). — W i -Mann!
= Incubua = Ho]t>(wito) oder Wald-MannU-in
oder Alp, (1766) „halb Tier, halb Mensch, untenher
wie Geissen, am Oberleib wie ein Mensch" (Bauern-
regeln 54). der, wie alle Kr»nkbcli»d4monen . nach
altem Volksglauben den Men«cben quält , tos <l»-m
Walde stammt und dahin, d. h. In die Baume, Äste,
Erde xuruckgebannt wurde (s. d. Verf. Baum- o. Wald-
kalt. 9. 3lj ; auch in Bomhaare (Kissen), woselbst er
den Alpzopf macht, wird er gebannt Pauli 108,. —
WÜdtr Mann * ll'.mau — miro, Schmeller I. \~Z
1. — ein gewälttbftzjger, mit crort?«e*r Schlauheit
aus der Irrenanstalt auHirel>rochener, geifstes-
kranker Verbrecher CAnklang von Wehrwolf,
s. d.). — 2. « ein solche Geisteskrankheit simu
i lierender Verbrecher fplerer ' XII, t»*>. — 3. _
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896 Mannigfalt— Mar.
.Mar.
Waldniännlein ata Alp, der durch das Wild-
mftnnleinkraut vertrieben werden soll (Roll. 127).
— 4. = s. Zauberer. — Mann(Bh Männer-,
männlich -Bein , -Bis* , -Esser u. *, -Fende,
■GeblUt, -Gebresten, -Gemächt, -Glepf, -Glied,
-Haar, -Hoden, -Hüff, -Hüft, -Kraft, -Krank-
heit, -Kunne, -Macht, -Natur, -Röhre, -Rute,
-Samen, -Schatzkästlein, -schläehtiq, -Seuche,
-gierh, -Siechtum, -Stab, Sucht, -Tod, -ToÜheit,
— Weib, - Werk, -Zeichen.
Mannigfalt, n. s. Falte,
mansch s. Mond.
Mantel, m. (zu lat. mantellum = l'mschlagtuch).
— (1741) Gekrös Mantel = der Faltenwurf
(Kragen 4) des DarmgekröseB (Hyrtl, K. W. 9»),
Mesarchon, Mesaraeum (Kirsch 746). — spanischer
Mantel = Pbi mos is syph., Vorhautverengerung
über und vor der Eichel durch die spanische
Krankheit (Syphilis) im Gegensatz zum spa-
nischen Kraben (s. d.) (Xeumann neuer V.-8p. 14.33;
der «panische Mautel war auch eine Strafe für leicht-
fertige Personen, Schmeller I, 1(130). — Mantel-
Kinder.
Manz, m. manz, mannz, mänz (mas) (nach
Stolz. [Die t'rbov. von Tirol 61] zu Ulyr. mas) = männ-
lich, nicht gebarend, unfruchtbar. — Manz, m.
(10. Jahrh. inanzo = über, mnrnma femlnae, Uraff II,
818; [Eifel] mas = von einer Kuh, welche wahrend
eines Jahre* kein Kalb gebracht hat, Fromm. VI, 16).
— manz, mänz, 1. = mannbar, nicht weiblich;
vom Vieh = milchgebend , aber nicht auf-
nehmend. — 2. = „auch vom Weibe, dessen
Schwangerschaft ein zu frfihe«, daher erfolg-
loses Knde nimmt". — mänz gehen = Abortus,
Partus praematurus, eine Frühgeburt haben
(Schmeller I, 1632). — (der-, ver-, «cr-)manzt —
ganz entmannt, ganz geschwächt, ermattet,
niedergeschlagen, kraftlos, abgeinargelt.
Mappes , m. s. Mops, ein dicker Mensch
(Sples* II, 159; henneb.).
Mar, m. Mare, f. Mah(r), Mahr, f., n. Maira,
Mara, Merrie, Mährte, Marik, Marte,
Marder. Mir, Mirje, Moor, m. („die tuteste
gemelugerui. Bezeichnung de» Druckgeistes", Golth. 75;
altnord. mara, tniiru ; dilti, inare ; frank, mara; „das
weibliche Geschlecht Ist besonder» hervorgehoben",
Golth. 7C; nach Kuhu , Zeitschr. d. Alt. Ver. 488, cu
lat. mori; bohm. müra, Wuttke 255; Kluge *, 245;
rnman. moroiu, 1'rquell 1895, 8. 60; wendisch murawa,
mtiraue, more [ = la mort. der franzosischen Sagen],
Laistner I, 42. iyo; II, 315, franz. la mare m monstruin.
Du Cange IX = Totencrscheinuug des Volksglanbens,
die den (Verlebenden quält oder mit sich nimmt,
nachdem sie sich zuerst auf den Schlafenden gesetzt
und ihu zu Tode getreten hat [s. Trude); Ihr Auf-
enthaltsort ist das Engelland (a. d ], das Land der
seelischen Geister, das Totenreich Jenseits de» Meeres
oder des Marenholz, Mantih. Germ. Mythen S44 ff. ;
Liebrecht, z. VoUuk. 56; Lipp. Chr. 448 ; nach der
Yngllsuga [c. 10) war schon K. Wanlandi von der
Mar [mara] gedruckt od. getreten, Slmrock, EL D. M.
136, ahd., 9. Jahrh. mara, f. = Incubus, Graft, II, 819
citropodes ; nach D. 124 chytropus [ = mara] -
dretbeJntl wie die Gabelreiterin oder Hexe; 13. Jahrb.
noc mich dy mare dracbe, SItxg.-Ber. 1867, S. 7;
1482 mar« ist eine trugnlate de« menschen und
kommt von seinem blute, leber und lungen, wenn
ihm das auf seinem herzen Hegt, Zenlng*. Voc. t 6;
Graff II, 819; 16. Jahrh. mar Ir sult uz iu dem vlrsten
(s. Ofen und Kobold] var[en], noch [sol] mich dl mare
drucke, noch mich dl mar rite, noch mich die mare
beschrite, Z. d. V. f. V.-K. 1896, 8. 216; 15. Jahrh. mar
= ephtaltes, ineubns, suceubus, D. 664; 1680 der mar,
die mare — nocturnutu tpectrum dormientlbas Inst-
diosum = Incubus, epblalte«; 1736 die Mahr Ist eine
Abbrechung oder Hemmung der Respiration, welche
einen Schlaffenden mit grausamer Hertxens&ngst, ver-
hinderter Rede und falscher Einbildung als ob etwas
Schweres od. ein Gewicht auf der Brust, angreift, Woyt
170; ndl. marlnne = inenbus, D. 293; 1761 maare, f.
= Incubus, L. chlr. 42; 1843 [flämisch Belgien] mär,
lclyk dier. Mar, ein hässUches Tier, Z. d. V. f. V.-K.
1896. S. 214. Der Mar. die Mare Ist mehr norddeutsch
und niederdeutsch, Jedenfalls nicht allgemein ober-
deutsch, wo Alp, Schrättlein, Hexe, Nachtmännlein etc.
diesbezüglich überwiegen j [Oberharz] Marte, Z. d. V.
t. V.-K. 1896, S. 214; Laistner I, 63; in Oberfriesland
helsst er Mir, MlrJe ; more = proeubus, D. II, 304;
Oldenburg Moor; Mecklbg. Mör; personifiziert als
, .Johann Mör" [Mnrjanv]; ,,em ls Johann Mor ower
worden, uphackt ; Johann Mor kickt em Ower de schul •
dem; de mot mit Johann Mor rundüm-alepen" etc.,
Z. d. V. f. V.-K. 1894. 8. 190; 1895, 8. 314; den ls Marik
to nah west; het Mariken dl dalwöhlt?, 1. eod.). —
Die, der Mar stimmt nahezu ganz überein mit dem
älteren Alp (». d dessen Wesen sie als Totenerscheinung
(ausgefahrene Seele eines Menschen) erklären soll, 1.=
der Mar reitet wie der Alp auf seinem auser-
lesenen Opfer (Golth. 77). — 2. = er schläfert den
Menschen ein, drückt den Schlafenden dann
an der Kehle, würgt ihn wie Alp; s. auch Mahr-
ten-Trecken (Golth. 77; Laistner II, 207). — 3. = er
tritt, beschreitet den Menschen wie der Alp (u.
die Trude, der Adl etc.) (Golth. 76. 77; conf. fran«.
cauchemar; von calcare - treten; dazu chaoehe
poul»t, rhanrhe [seil, mare] vlellle = la viellc [mare] qul,
presse, chauche vieillo, Brlss. 268), — 4. — er sticht
und erstickt wie der Alp (vgl. Alpsticb, Stech-
mar). — 5. = der Mar neckt die Weiher mit Auf-
stoßen (s. Marbrieiren) (moorbrühen, Goldschm. 103)
und mit Kardialgien ; auch die Männer fasst er
unterm Herzen und macht ihnen Alpdrücken
(Goldschm. 104; Zeitschr. d. V. f. V.-K. 1892. 8. 5).
namentlich iu der Nacht als Nachtmar, Nacht-
alp, Nachtmännlein, Nachtweiblein (A. v. H. 1, 821).
— G. - in den Niederlanden reitet auch die Mar
wie der Alp auf den Pferden, auch sonst reitet
sie auf leblosen Hingen (laistner I, 30«), weshalb
man zum Schutze gegen dieselbe die Marenzacken,
Marenflechten (Mistelj auf die Häuser steckt; diese
Mistel (Vlsriim album) wächst nach dem dortigen
Volksglauben dn, wo auf den Bäumen eine Mar gerastet
(De cock 178. 183). — 7. = die Mar verwandelt sich
wie der Alp auch in ein Tier (Marder, Schmetter-
ling, Frösche, Kidechsen, Stollen wurm) oder in
ein sonstiges hässliches Getier (Kuhn, Zeitschr.
f. vergl. Spr.-W. XIII, 156; Laistner 1. 90. 263. 270). —
8. = sie verfilzt als Pferde- oder Ross-Mar die
Ilaare der Tiere und wie der Alp, Bilwiz, das
Schrättlein, Wichtlein, die Holden, der Troll
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Mar.
Mar.
(Trolle) auch die der Menschen (Golth. 77). —
9. = Tennnilich ist dieser Mar = Dämon, auch
die Man = Dolor gravis (bei Du ränge V, 236). —
10. = die Mahr hetrnllt, bezaubert auch den
Menschen ■ Schindler I, 661). — Mansch, n. (1646
moriach, Coler, Seh 437) = eine vom Mar- Dämon
Terormachte Schafseuche (Tgl. elbifch, hunnisch etc.
Sehwelneroüaaf, Kaluchm. I, II). In nachfolgenden
Zusammensetzungen treten die verschiedenen
Seiten de» dämonischen Wesen des oder der Mar
spezialisiert hervor. Die (der) Mar ist I. die Aus-
legung des quälenden Alptraums (s. d.) durch die
Erscheinung eines Geistesausdem Totenreiche;
11. weiterhin elbische« Wesen im allgemeinen
(meist weiblich, daber auch „Krau Mutter")
(Frischt». 71) ; III. in weiterer Ausdehnung = Hexe
(s.d.), „der Begriffd. Mährte wird völlig von dem
der Hexe aufgesogen" (Laiatner); I V. das Jüngste
von 7 Geschwistern (s. 7. Kind) gleichen Ge-
schlechtes wird durch die blosse Zahl 7 (s. d.)
schon zur Mährte (Hexe) (Laistuer I. 273; II. SM).
— Mährte f = weiblicher Mar. — Mertchen
= Mahrtchen (Mahrchen) = fliegende Elben
(Laictner II. 279). — mahnen - als Geist der Ver-
storbenen umgehen, durch Zeichen sich melden
(Tirol ; Wolf 162). — Alp-Täxt (Mor) (15. Jahrh. alp-
mor = procubu«, D. 426 ; Gr. W. VI. 1466 ; Adler, de
* incubo) = ein Mar (Mar-Olf), der wie der Alp-
adel hauptsachlich aurch Alptraum (s. d.) oder
Alpdruck sieb äussert, Procnbus, Incubus. —
'ir</ -mahrig ■ (durch den Etnfluss der Mar
aufgebracht, zornig, kollerisch (Tirol). — Botkt-
Mahrte ■ Puck mar iZ. L d. a. isss. 168). — Dru> h-
Mahrten = Alpdruck machende Mar (Laistoerll,
318). — Orr-Uta = Stechmar (s. d ). — HoLz-Vat
(15 Jahrh. lamla, D. 316). Holzmuwe, Waldfrau,
Holzweiblein, Hexe, der wie alle Krankheils-
dämonen aus dem Walde stammende elbische
Mar (Waldtuinne, Milzfrau); die von diesen
Waldgeistern veranlassten Krankheiten siehe:
Holzleute. — Kletter Mahlte = als Menschen,
die infolge der Mondsucht (s. d.) auf Dach-
balken nächtlicher Weile kletternd wandeln,
(s. Nachtwandler, Bretter Steiger) umgehende
Margestalten (Laistnerll.Sbe. — Krwk-M.iT ehueb-
mar*. D. 124 ; xytropus - au§ mlssTerstandeneni crocha,
chroca, Krug mit 3 Fussen] = auf 3 Beinen Hexen-
l>es«'ii) geheuder Danion, wie einer, der auf
Krücken geht. — /.•.--, /-Mar (Mater) ahd. 7. — 8.
Jahrh langmar. Caan. Gloss. ; 10. — 11. Jahrh. lanrmar,
Graft* II, 819 = Dhriiu* inipudien». s. medicus [s. Finger]
= „der lange Mitteltinger, aufweichen die Natur
und Kräfte des Nachtmars Obertragen waren,
weil er sich manchmal als widerspenstig ~ge-
spassig") gebärdet bei Verletzungen u. Krank-
heiten, so dass er wie ein böswilliger 'possen*
treibender) Kobold angesehen wurde" (Gr. D.
M. I, 487) (Lan»rmann, Petennann, Eangtuarter).
— Lüttel Mahren = kleine Marhuiionen
(Wichtchen) (Lalatnerll, 60 - NotMMMX, m., f.
Mähr, -Maier, -Merrie, -Mohr, Moor,
-Marder (angls.. engl, nightmar; OsttrlasL uaaebt
mear, nagtmlre. Lipp Chr. 447 . Behlesw -Holst, nacht-
mtbr; dan. nattemare. Golth. 75, lAOu die naht meer
= ephUlU*. D II. 153; iueubu*. D II, 213; 1507. 1410
nachlniarr, nachtmeyer, 15. Jahrh. naebtmarinne.
nachtmerjr = cphialtes. incubus, incnlia. D 2üö. 2*3;
1662, hol), nachtmerry = Wehrwolf. V.-K. VI. 80. Z. d
I V. f. V.-K. 1S33. 392; 1699 nachtmahr = ineubu«, t. M
| I. 168; ndl. nachtmare; 1777 nachtmerrie, IM? Cock 7.
33. 177; V.-K. 1S94. S. 7 . [Paderborn] HM hunar, Z. d. V.
f. V.-K. 1896. 8. 214; in einem am dem 1-laitdeutschen
übertragenen Marsegen; nachlmohr, Andresen 99:
ndd. naebtniärte — ..saltatrix nocturna s. eauebemar .
um qni eo laborant, ribi stomachnra premi ac si ali
I qni» in eo« subsaltaret opinantnr", Do « ange VII. 2v«
= Incubus daemon., d. h. ein zur Nachtzeit unter
verschiedenen Gestallen (z. B. als rauhes Tier)
die Schlafenden reitender, druckender, treten-
der,den Kindern u. Menschen blulaussaugender
| (Wuttke*, 766; Z. d. D. O. A.-V. 1881, 8. 358), männ-
I lieber oder weihlicher Dämon aus dem Engel-
j land (s. d.) im niederdeutschen und nordischen
Volksaberglauben, d. h. das abnorme, krank-
i hafte Bekletnmungügefnhl Schlafender, deren
I Traurae (s. Alptraum) sich in Ähnlichen Etn-
I ptindungen der a Mar - Wirkung" l»eWegeO.
Menschen, denen wie beim Raulein >. d ) die Wenk-
braucn an einander gereiht sind, stehen in Flandern
| (De Cock 1-H in schlechtem Rufe, da Mc schon durch
das blosse türkische Denken, beiw. Stirn runzeln Raten)
den ihnen verhassten Menschen die Nachtmare be-
, sorgen können, die dann als ein weisser Schmetterling
j (wie der Alp au« den Wenkbrauen kommt und »ich
I auf die Brust de« Schlafenden seut Incubus. Inruha).
wodurch dieser in schwere Traume verfAllt. well er
dann Ton der Marheze. wie er plaubt . perltteo" (s d.)
wird. Die Schönste Ton 7 Töchtern wird nach dem
I gleichen Glauben ein Nathtmar ,s. Wehrwolf). Die
Nachtmar bereitet auch Pferde, wovon die
Haarböllchen (Klfkugeln) in der Pferdemähne
Zeugnis ablegen sollen, weshalb die I^andleute
an der Ober-Isel Pferdeköpfe an den Stallungen
aufstecken (De Cock, V.-K. 1S94, S. 7); er kaut auch
die«e Pferdezrtpfe durch (Kehrein S."> ; De Cock 1. c. ;
Gr. D. M. L 433; Urquell II. 119; Roebbolz II, 144;
Simrock. H. D. M. 43«, Gr W VII, 200; Z d. D Ö.
A. V. litt, 8. 338; H A. Rh. 415; Adler, de lncubo
1827). — iyeraY-Mar = der die Haare der Pferde
i zu Wichlelzöpfen •*. d.) verfilzende, flechtende
] Alp oder Kose- oder Nacht-Mar (Pfalz, Niederl ,
Bararia IV, 2. S37) « Zopf, Flechte, Zotte). —
! Purk- .Bock-] Mährte - ein Mar in der Gestalt
eines Puck (s. d.) als Incubus [Z. f. d. \. lss«,
S. 16*j. — reit f ii de, Ii '' Mahre, f. -Mar, in. ^
aufhockender :s. d.), Tiere und Menschen rei-
tender (s. d.), meist weihlicher Kardamon, Alp
•'•>••: ' I. 171 . Marenhanns ist der entsprechende
männliche Dämon ; [Saterland] ridlroo[i;r; frie« ridtmer,
Z d. V. t V.-K 1893. 8 392 . — Rois-MtLI Kos-
nierta), eine weibliche Mar, die sieh, wie eine
Hexe, bei ihrem nächtlichen Ritte des Pferdes
bedient und dann wie der Pferdemar Wieht.-l
zöpfe in dessen Haare flicht iSimr. H. D. M zm.
437; b.hm roimar = Schrulle, Grille [s. Enirerllng;).
— .S'fAn-M&r (altnord. sin moeru, Jordan 304J =
der wie öfter aU neckische»« Kob'diiinannchen
aufgefasste Nervus viriiis, Penis s. Peterniann-
cben, Alp und Daumen). — ÄferA-Mar - der
da« stechen (s. d. und vgl. Alpstich), d. h. den
enteflndlichen Seitenschmerz bei der Lungen-
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398 niar-Mark l.
u. Rippenfellentzündung sowie Krstecken brin-
gende, koholdische Mardämon des (germ.) ahd.
Aberglaubens ; auch ein angls. Segen spricht
von Hexen (hagte«*an), die laut Ober Land reiten
und Rilllende Speere (Schubs , Gesehoss [«. d.]
und Speer, Ger) absenden, die dem Kranken
Stechen (Stecken) verursachen (Mannh. Zeluchr.
(. d. MytUoi. in, 10). — 7odV«-Mar, -Möhren die
unabwendbare, lödlicbes Schicksal bringende
Dämonenfigurdes Alt-Glaubens, Atropns (Kraus.
E. 144) (s. o.). — Weg-Max (?), Wegnarr (Ober-
bayern) = Talermann (Salamander, Stollwurm)
(Schmeller Ii, 877). — Marten) -bringen -[brühen),
-Flechte,-Fuss, -Hanns. -Klatte,- Klette, -Locken,
-Qttal, -Ritt (reiten), -Schrättlein, -trecken,
-Tritt, - Wirkung , -Zopf. Siehe auch Mar
anter Mark.
mar, marb, marw, mär (ahd. marawi. ma™,
GrafT II, 831) = mürbe, weich (vom Fötus), los-
gestossen (von Gewehteilen), nicht eingeklemmt
(von Hernien) (Goldschrn. 112) (s. Marwugel).
Mardax s. Mordax (= Kriitre).
Marder s. Mar.
Maria. — Marien- Ros<:
Marisal, Marissen [L— 2. Jahrh p Chr. cedantur
tuinldae niedlco ridente inariscao [Juvenal, Martial] ; zu
|MpatY«v- welk, weich werden [wie mare bclt-Feigen],
Kraus, F.. HS: nach anderen Villarei II, 964; Koth 311
= mariscusfleus - männliche inias], schlechtere Kelgen-
sorte p| j ahd. marrisal = laesio, Schaden, Darrung.
Heyne V, 240; mtl. marisca — extum, vcalca, cxtalis,
macula. D. 219. 349; 1420 marisca = keypar*. D. II. 247 j
14. Jahrh. marlssc. Voc. opt. W. 41 , 1701 marUcae -
Heus uni, I.. ch. 47 ; 1801 mariscae = Hämorrhoidal-
knoten, Weichard 157), 1. — Malum fici, Feigwarzen
(s. d.), Kipparsch (l>. 3mj. — 2. = Exta protui-
nentia = Brach oder Leibsehaden (leicht vom
Laien mit Leisten- Bubonen bei Feigwarzen zu
verwechseln). — 3. = Drusen - Anschwellung
(Feifeidrüse, Drüsen 3 h) bei Pferden (= ma-
riscae bei Du fange). — 4. =Syk<>siH der Griechen
(vesiea macula = Syphilis ? Feigmal) (A. v. H. II,
503; blbl. Med. 643}. Vielleicht hat da» „Marixcln"
(s. d., Mnrixeln) hievon »einen lautlichen Ursprung.
— 5. = tiru««darm (D. 349).^ Anus (L'ondylomata
in ano?). — G. = (Hämorrhoides?), s. Feige,
„welke Hämorrhoidenknoten, die nicht mehr
in Zirkulation stehen" (?) (Villaret II. 261).
marixeln - morixeln.
Mark ', Marg, March, Marh, märgeln (mer-
geln) (indoRerm majj - mergere, eintauchen [in da.«
Fett?); vorgerm. maxgho- Knochenmark ; ,,nach dem
Gesetze de» Rbotacismus" ; ahd. marag, marg, Kluge *,
24S; allxachs uiarge, Kuhn. Zeit«chr. f. vergl. Spr.-W.
XIII, 04 ; 8. Jahrh. mannt, «irtiff II, 1 4 ; 9. Jahrh. innre
= inednlla, Rab Maur. 6"., 11 Jahrh. inurch = medulla,
H. Z.III, 308; 1894 mark -abdomitum, pinguedo latcn»
In osslbu«, D. 2; mhd. marg, marges, <ir. Vf. VI. lti2H
— der Mark, de« Mark«; mar, marh — March. Mark,
Gr. Vf. VI, 102» ; «ach* , 15. Jahrh. march — cartlliico,
D. 103; 1468 mark. merk, march - medulla, D. II. 249;
engl, marrow = Mark, Lchf. 72. 19'.; moelle). Da» In
uralten Sogensfnrmeln aultretende Wort für Mark durfie
eine der ältesten Benennungen Innerer menschlicher
Mark'.
Korpergewebtstelle »ein (Kuhn, Zeluchr. I. %-gl. Kpr.-W.
XIII, 63). — Mark, 1. = der fettreiche, weiche
Inhalt der tierischen u. menschlichen Knochen
tconl. Kdda. VölncpA 39 . Jordan 27). — 2. = der
welche Inhalt der Schadelknochen, Substantia
medullaris cerehri (Gehirn). — 3. — (anatomlach)
besondere der weisse innere Teil der Gehirn-
I masse im Gegensatze zur wolkengrauen Rinden«
8iihstanz der sogen. Hirnrinde oder Hirnborke
(Hyrtl. K. Vf. 166) — 4. = deswegen, weil das fett-
reiche, nährende Knochenmark Kraft gab, ist
Mark = Sitz der Nervenkraft, „Mark und Bein"
= die innerste Kraft, das Innerste (Gr. W. I,
I 1382); „Mark und Ferch" = Kraft und Leben
{Gr. W. III, 1528). — 5. = (scherzhaft umschreibend)
Mark als Inhalt der Nasenknochen = Nasen-
schleim (H. Sach»; Gr. W. VI. 1631). — niargeLn,
mergeln = his aufs Matk entkräften, krattlos,
marklos machen (Kluge5, 256; Gr. \V. VI, 2092). —
Märgel = eine magere, grosse Pereon (Andresen
KS). — (lfi09) l'mergelung (des I^ibes) Md.
aimarraken, Fromm. VI, 356) = das vom Fette (Mark)
kommen, Magerwerden am ganzen I^eibe (Guar.
979). — (15. Jahrh.) an.« / mergelt (umrmergeln =
enerrare, D. 202 269 ; holl. alt mergeln ; »cbwed. ut-
mergla, utraergling) = derjenige, dem das Mark,
diu Feit herausgenommen ist, des fettreichen
Markes, der Kraft berauht, marklos, mager,
dürr, ausgezehrt, demoelle, ereinte (Bris*. 276;
Bad. Jun. 391). — />'- w;-Mark (15. Jahrb. mark Im
betn. Gr. Vi. VI, 1628: 1501 da« marg im beln; 1741 da«
Marek In Beinen = Rhachitl». Kirsch 1037 ; t, f äy =
Rückgrat), 1. = Medulla OKSium , das fettreiche
Knochenmark. — 2. — Kückgratsmark. — ge-
markt (ahd. gemarctlu = rouch opher vclstlu =
medullata; 1">. Jahrh. ein getodt optier de» marck», dz
i aller best optier = medullatiim sacrifleium, D. 353) =
j das Fettreiche od. Markreiehe am Opfertiere
> (schneller I, 1647). — WiVu-Mark = das Gehirn
(Medulla cerehri) als Mark der Schadelknochen
(Mark 2), dessen Verlängerung die Medulla ob-
longata ist (Gr. W. IV. 2. 1561). — (1715) inneres
Mark = Kno.'henmark, Kückenmai k (Toll. leg.
1*4). — A'a/eMark = ((Übersetzung de» riscu« frigldnm
et hnmidum ;= Gehirn] der ArabUten im Gegensau
zu den vi«cera calida (= Her«, Leber, Milz], Hyrtl.
K. W. 83; nach dieser Schullehrc galt) = das «iehirn
als ein Orwan kalter Gr undfeuchte. — Knochen-
Mark - Medulla ossium (Mark 1), Beinmark,
das die Markhohle der Knochen einnimmt und
wegen seines Fettreichtums ein besonderer
Leckerbissen wilder und halbwilder Völker ist:
die früheren Medizinschulen sahen es als den
Nahrungsstoll der Knochen an (Hyrtl. Anat. 194). —
erfrorenes irwor/u*ri-Mark chronischer Rheu-
matismus infolge einer sozusagen bis aufs Mark,
ins Innerste gedrungenen Erkältung (Pauli 5).
— (1666) langes Mark - das durch den ganzen
Rückgrat- Kanal sien als Verlängerung des
Hirnmarkes (*. d.) fortsetzende Rückenmark
11. verlängerte Mark (Medulla oblongata) (Gr. Vf.
vi, 1028). — Rücken-, Rmkhcins; -Ruckgrats-
Mark (mhd. mgmarg, Voc. opt. Vf. j 1468 rucken-
marckt ~ nucha, D. II. 206; 147i rugbeynj doirgaende
marck = nucha, I). :'.M ; 1482 ruckengrate» marck =
,, Knochen hinten am Nack", nucha, Zcn. Voc. bb4.
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Mark '-St. Markolf.
Markt— Marter. 39!)
1515 ruckmarck - mich» , P. 384 ; 1581 das mark des
ruckgTadts, Gr. W VI, 1628 ; Heyne III, 744 ; 1582 das
Rnckenmarck oder das so In den Kuckenmeyssel der
Thier Ist welches härter und trtickner Ist dann das
Marek aus» den Beinen = Medulla spinalls, Lonlc. 314;
1666 das ruekenmark = medulla spinalls ; 16*0 das
mark im ruckgrat, Gr. W. VI, 1628, 1741 Uüekgrad-
mark = notiaeus, Kirsch 799; holl. ruggemerg; dau.
rygmarv; schwed ryggmarg) = das Mark (l. U. 2),
da« in den Knochen sich befindet, die den Rück-
gralkanal bilden. — weisses Mark (ahd. wlsz-
margk) — daa weisse Innere der Gehirnniasse als
Mark 2 im Gegensatze zur grauen Hirnrinde
u. zum fettreichen roten Knochenmark (Mark 1)
(Hyril, K. W. 82). — Altvatcr-Mark heisst In Tirol die
Kraft« urz Arnlca montana, als Mittel gegen den Alt-
mann {». d). — Znu -Mark — Pulpa dentium,
Zahnkeim in der Zahnhöhle, welcher aus seinen
Blutgefässen den Zahnsaft absondert. —
Mark(B) - .B«n , -Fleisch. -Geschoss, -Haut,
-Knochen, -Röhre, -Schwamm, -Schweinen,
- Tropf, - Wurm.
Mark *, f. (der Wald war die ursprüngliche und
natürlichste „Grenze" zwischen Volkerschalten der
Band [margo] der menschlichen Resiedelung). - 11.".
.4u#märkinger -die aus der menschlichen Ge-
sellschaft, aus der Sippen- Wohnung ausge-
schiedenen „sondersiechen", abgesonderten,
feldsOchtigen Lepra- oder Aussatzkranken (s. d.
Verf. voiksmed., s.224). — (1515) Au<-märkigkeit =
Lepra (I). 324). — Mark-Ö//, - Wolf; s. Marköen.
Mark*, n. Marke, f. (merken) ( ^ das zeichen.
mit dem man die Grenze (Mark 2] kennzeichnet
[„marchf ], merkt igotb. markjan], oder mit dem die
Hexe gekennzeichnet ist [Hcxenmal], la marqiie, Kriss.
261; Kluge1, 248. 2 "m ; conf., engl, poefcmark, small
poxrnark - Blatternarben, bloodmarks — Blutspuren,
Lehf 84. 211; dan. modermarke = Muttermal; engl,
roothermark). — Marken = die sogen. Bohne od.
Kunde beim f'ferdezahn, in dessen Zeichnung
durch schwärzliche Furchen die Alters- Erkun-
digung gesehen wird (Mayer33). — Brav: Marke
= Brandmal. - falsche [Kontra-) Märker -
Pferde, die falsche Marken, Kunden haben
(s. Malauchen und Zweiflet) (Zlpp. 148; Falke I,
273). — G»-merk, n. = das ganze Erinnerungs-
vermögen, Gedächtnis (merken = die Sinne oder
die innere Beobachtung auf ein bestimmtes Ziel richten,
H. Paul 301). - Mark-Z«/»n.
8t. Markoen (Markolf), l. = in Flandern der
Name eines Krankneiipatrons St. Markulfus,
St. Marcoul (= Markoll). — 2 = die durch die
Hilfe dieses Heiligen zu heilende Krankheit
seihst, nämlich Scrofulosi« , Schlier, Kropf-
drfise, Krebsdrüse fl>c rock 40. IM; Briss. 152),
vielleicht wegen Anklingen des Namens an
Mark = Kern (Kernl, s. d.- Drüse). — in Krank
reich nennt man den 7. Sohn in einer durch krin
Madchen unterbrochenen Kinderreibe mtlreou, weil
er im Stande Ist. Kröpfe (mal de cou) durch Anblasen
zu heilen ; In der Normandie ist es das 7. Mädchen
(«. Saehtinar) . in Mandern ist er ein Wehrwolf (s. d.).
..Marcon ist deutsch Markolf - der Markwolf, Wald-
woll (Grenzwolf , s. Mark 2), Waldgeist" (Liebrecht,
X. Volksk. 347; Kluge4, 248; auch der BIlM» oder die
I Elster [Garrulus] heisst: Markolf, .Schmeller I, 1651;
D. 258; Fr. Kr -B <17^ ; Marwolt, Schmeller I. UM und
Markgrof, L c). Die Elster lieferte das Boller'sche Ge-
heimmittel gegen die Epilepsie (Beilage z. Allg. Zeit.
1889. Nr. 90); es ist dies das Markgrafen-1'ulvcr der
Volksmediziner = Markolfen-I'ulver ; vielleicht ist
chauche poulet (cauchemar) — Häher als dämonlstiseher
Vogel die Gestalt des Mar (Nachtmar), chauche vieillc
qul presse, Briss. 268; jedenfalls ist der Markolf eine
ursprünglich deutsche, bezw. germanische Vorstellung
gewesen und vielleicht besser als Mark-Alp (s. Olf)
zu deuten, entsprechend dem Marktropf (s. d .), der das
Markgeschoss verursacht. — 3. -= daher {1502margkolff
= graculus, rucke, D. II, IM), ein Rüekenknochen-
Scliinerzen veranlassender Dämon (Markalp).
Markt, m. (-der Ort des Feilbiet •ns [mercatusj ;
ahd. mercati, marchato. markst ; mhd. markt. Hcyno
III, 747). — (172-.) J'/mrA-Markt = Mammae fe-
minae plenae (Th. 8. itr.). die drallen, dem Blicke
sich feil bietenden Brüste eines Weibes.
Marmor, m. (fi'ipu.apoi; =r glänzend polierter, meist
gefleckt farblgsehimmendcrStein). - Marmor Staar.
marode, marod (aus dem trnnz. marnud — herum-
ziehender Bettler od. 1741 Marode- Bruder. Kirsch 407 ;
1"). Jahrh. maraiilt , ein ans der Soldatensprache des
30 jährigen Krieges nberkommenes und mit dem Namen
des kaiserlichen Obersten von Merode In Beziehung
gesetztes Wort für Nachzügler, untüchtiger, weil krauker
8oldat) = krank, abgemattet (Bayern. Schweiz;
Gr. W. VI, 1679; Schm. I, 1637; Maschenb. 390).
Marron, m. ( — unau'gehackener Tcigklumpen im
Brote) - Kretin (s. backen, Mühle, Ofen), als
unvollkommenes Geschöpf (Z I. d. l-hilol. III. 335;
l'nter-Walli«).
Mars, in. = M J- Arsch (conl. Nars; udd ,
Froi -n VI. j-r,
MarSCÜ, m. (1666 ein gleichzeitig mit „mar
schieren" im 30jährigen Kriege aus franz. marche. f.
übcrkomineues Wort, Kluge*, 249 = rascher Gang). —
Durch- Marsch fBayern) = Durchgang, Dun hfall,
Diarrhoe (Schm. I, 16M). — St. Gn/fVr-Marsch
(Strassi..; Gr. W. I, 209) = Gang zum Friedhofe,
St. Galltissterben.
Marsch, f. fein ndd. Wort für Morast, 8umpf.
Sumpfland, Kenland, Morschland, Kluge5, 249). —
Marsch- b über , - Kra n Ich nt.
Mart, n. r= Gebiss, Zilhne (Schm I, 1647).
Marten c Martin,
Marter, m., f. (au* dem grlech -lat. martyrium =
Blutzeug«chaft [chrUll -lat.), Qual; ahd. martira, mar-
tara, mardar, m. — Qual, l'ein ; 15. Jahrh. martlr =
passio, Di 415; mhd. marter, martere = grausame Qual,
Fein, Kluge*, 249; 1061 die marter = heftiger Körper-
schule«, schmerzende Krankheit, Gr. W. VI, 167S;
Coler, II. A. 117). — Der Marter = der marternde,
qualende, beizende Schmerz zwischen den
Zehen hei Flössern und Gerbern, die viel im
Wasser stehen. — (UM) auf dein Marter-Stroh
liegen = auf der Streu (s. Harpfe) liegend unter
Schmerzen krel.ftren (Inchenhof Mlrakelb). — Arsch-
Marterer = >tuh!irang-Zwang, Diarhoe (in Tirol
heisst Prunus cera^ifera so nach Palla Torr« 65). —
St. QiHn/ivMarter (1550 St krtres marter [in Vcr-
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400 St. Martin-Mase.
Mase
wünschungen], Gr. W. I, 888), 1. = Fest (s. d.), da
St. Quirin Pestpatron ist (s. Kultkalendarium in
der Zeitschr. d. D. Ü. A.-V. 1894. 8. 190). — 2. = in
Flandern le mal St. Quirin = Krebs, krebsige
Verschwärung (De Cook 290) (s.St. Quirine-Rache
und St. Quirin). — Marter- Kam,!,
St. Martin (Marten). (Ober 8t. Martin, a. Kult-
kalend. in Zeitschr. d. D. ö. A.-V. 1894, 8. 209; Irnnz.,
14. Jahrh le mal St. Martin, 1. = Katzenjammer. —
2. = Schlund- und Mundkrankheit. — 3. = Erysipel as
[s. martialisches Feuer], Briss, 185 ; martiner — tüchtig
trinken, wie z. Ii, am St. Martinstag, Demokrltoa V,
IS6 : Schweiler I, 1618). — dünner Marten (vielleicht
anlehnend an Marter) = dünnflüssiger, schmerz-
hafter Stuhlgang (Gr. w.H, 1557). — lang Marten
«■ Langmar (s. d.), Langmann (Mittelfinger)
(Andresen 103). — Martins - Gl t tä mpt.
Marzeller, m. = ein abmagerndes Kind mit
Kröten hauch, welches zur Heilung nach Maria-
Zell oder Marzellstetlen (hei Wertingen) auf einer
Wallfahrt gebracht wird (Lammen 142; Stnhenvoll
119). über die 3 Kinderheiligen daselbst, sogen. Mar-
celler, s. Btrlinger, 8. 1, 347 , Blrlinger, Augsbg. Wörter-
buch 329 a).
mas s. Manr..
Maschanzer, pl. (Schweiz) = uiale8anus= Aus-
sätziger (Studer, Schweizer UrUn. 166).
Masche, f. {Schlinge, Schnallen waache), 1. — Hure
(8. Schnalle) (Schm. I, 1679). — 2. = Vulva equina,
die mit dem Anus eine Schlinge macht. — Qe-
mäsch (Gemeusch 1520, H. Sachs) = das ganze
innere Genital-Organ des Weibes (Schm. I, 1680).
Mascher, m. (Masser) (zu ahd. maz = Bpetae-
Kett ; 1482 mancher, masser — pituita oculoruw, Augen,
greck (s. d.]. Zening. Voc. m~, pp8. t7; wascher,
watzer, westher, watz = pituita, gramlae, Augeugreck.
Diefenb.), 1. = Matzer (s. d.) oder AugenschJeim
(Gr. w. VI, 1770). — 2. = Maser (s. d.). — masen
(Karnthen) = die Augen zudrücken, durch den
Masser versehliessen (Schw. I, 1659). — massern
= fetten Aiigenschleim absondern (Pauli 39) (Hiebe
Dawer-Augen). — .1«.;. ■< Mascher. Masser (i486
augenwazer, -wazel, -matzer — gramin, 1). 2h») — der
eingetrocknete, fetteA ilgenschleim, der wahrend
des Schlafes sich zu Greck (s. d.) verhärtet, er
heisst darum auch „Schlaf" (s. d.) (c. v. Schm. 31).
— ma88<r-augig.
Maschine, f. (entlehnt im 17. Jahrb., Kluge*, aus
frans, machine), 1. = (1*12) der Organismus des
Menschen, der (noch F. Holtmann VII, 18) durch
den Nervenäther in Thätigkeit erhalten wird;
ist diese letztere zu gross, so entsteht nach
derselben Anschauung der Krampf; ist sie zu
klein, so liegt krankhafte Schwäche vor. —
2. = ein korpulenter Mensch, der wie eine
Dampfmaschine sich pustend fortbewegt (lilnt-
ner 5. 9).
Mase, f. Masen, f. Maser, m. Mass, m.
Masser, m. Masern, pl. Mose, Mosen, Masein,
Mazel, Mäsling, Mässer (Maiss, Mascher)
(ahd., 8. Jahrh. masa. f. wasala, f. n clcatrix. stigma,
Wundnarbe, «raff II, 861, H. Z. XV, 61. 3&3. XVI, 29.
44. 557; m&tar = knorriger Auawucha an Baumen,
Klugo * 25t) i Gr. W. VI, 1698 ff. ; 10 Jahrh. weis« [masnr]
m rarlola [Blatternarbe], tirad II, 874; wessa, weis«
= apostema, bubo, boaaa, Du Cange V, 328. 362 —
Drusenknollen ; 11. Jahrh. maacren = nodosua fueri,
Knötchen bekommen, H. Z. III. 368. waseloht, U. Z.III
-nodosua; 11. Jahrh. masala = flegmen, morbus cum
rubore [et phlegma = MasernkaUrrh], D. 239; 12. Jatnh
masnr, m. — tuber, knolliger, knorriger, knotiger Aus-
wuchs, Graff, 1. c. II, 875; mazere = tubera, Germania
XVIII, 74, masa roh t = masericht, Graff 1. c. ; ahd.
masala. Gr. W. VI, 1701; masen = Wundnarben.
Pfeiffer 33; mhd. wüse - clcatrix, aUgma; maaer =
tuber, iloutknotcn, Gichtknoten, Gr. W. VI, 17CW.
\ maseht, masec, masechtig = Masern habend; mas,
masz — Narbenfleck, Schw. 419; 1421 marseil = cicatriz,
D. II, 88; wasenn [ - masen] peto [petigo], infirmita.«,
D. II, 290; maael = Pustel, Baude, Kriktze, Schw. 419;
Gr. W. VI, 1701; 1482 mose = acuamurca [Sonnen-
wucken] = Flecken, Zenlug. Voc. h8; D. 526; 1493
masen — llauttlccken, Gr. W. VI, 1699; 15. Jahrh. masig
— maculoaua, messern = lcniigo, D. 324; 1508 mosen
= Gesichtsflecken, Gr. W. VI, 169»; 1618 wosaen =
Hauttnasen. EL v. Gersd. 88; 1621 waasa m macula.
D. 341; 1634 wasen ss Gealchunarben ; 1667 wasselen
= Masseren, Wassel as senamurca, Sonnenwucken ,
D. II, 335; 1580 wasen = Mal, Gr. W. VI, 1700;
1588 wasen — Angesichtsflecken ; 1608 moieo m An-
gesichtsfleckcn , Beyn. 109; 1612 waaeeht = knorrig,
aehlecht gehellt, Gr. W. VI, 1702; maser = tartarus
= Gichtknoten, Gr. W. VI, 1708; 1645 wahsern =
Variola, worbilli. pracludia pestis , Coler, H. A. 246;
wasseln = Masern, morbilli, I. eod. 266; 1651 wasen
= Wundnarbe, Gr. \\. VI, 1699; 1777 mausen - macula,
D. 341; Alemann. Moser = Masen, Gr. W. VI, 1698.
Niederl. wazel, waschere = Masern, papula, D. 411,
De Cock 257; engl, weaslea = Masern, Finnen, t.chl. 34.
73; German weaslea = Röteln, Lehf. 89). — M«LSe
= eine fleckige Texlurverttnderung der Haut,
deren Überfläche dabei mehr oder weniger
erhaben, knollig, knotig oder knorrig oder
bloss kleinknötig (papulös) ist, d. h. unregel-
' massiges Niveau hat (im Gegensatze cum
Mal, bei dem die Karbenunterschiede von der
Umgebung ohne Niveau- Veränderung begriff-
lich überwiesen); daher: 1. = Wundnarbe, die
immer im Närb (s. d.) sitzt, also Texturver-
änderung in der Haut macht. — 2. = Krank-
heits-Narben von Geschwüren, Geschwären,
Pustoln, Drüsen- A bscessen: a) Pestzeiehen,
Lintzeichen (s. d ); b) Poeken-Narben. — 3. =
als erhabene Klecken: das erhabene Muttermal,
Leibesmal, Hautpusteln, Hautpapel, die kleine
Erhabenheiten der Haut darstellen. — 4. =
weiterhin auch nicht erhabene Hautmale oder
Klecken im allgemeinen (Petechien, Morbillen,
Köteln; Macula, Stigma, Chloasma). — masig
= fleckicht (erhaben) (c.v. Schm. 375). — Mäsling
(13. Jahrb.; Lerseh 98) = kleine Masern, Morbilli;
(dttn. waesllnger ; engl, weasles ; holl. wazelen ; achwed.
wessling). — Maseln, f., pl. ■ die kleinen Masen
oder Masel -n (16. Jahrh. Wassel - senamuren, D. II,
, 334; wasele =■ serpedo, D. II, 336; meseler =s lubcr,
I). II, 373; 1421 maysell = clcatrix, D. II, 88). -
I Masen, f. = Mase (als Narbe, Klecken, Mal).
— Masen, pl. Maser, m., 1. => der grössere
Knollen unter und auf der Haut (Gichtknoten,
I Knochenauftreibnng, Callus) (Pauli 187). — 2. =
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Mase.
Mase.
401
«ler einzeln« Ilaulknoten geringeren (iradcs. —
Mass (1682 massflecken, Lon. 76) = Masser, m.
= Maser, nt. — Maser, f. = Narbe, Knoten, in
der Haut — Masern, pl-, 1- = kleine, aber
viele, gefleckte, gesprenkelte Hautknötchen bei
Blattern und sonstigen Hautkrankheiten, na-
mentlich wenn sie im Geeichte ihren Sitz haben.
— 2. = die Morbilli (Sydenham), (1725) anch Röteln
genannt (The«, «an. Br. 117 ; 1748 nuuern — morblUi,
Maschenh. 710; 1752 Rotiraeht, rote Flecken, rote Mosen,
kleine Pest, Fuchs, II, 446; D. 367; im Gegensätze zur
grossen Pcrt = Morbus ; davon morbilli, A. t. IT. I, 642.
1021). — Die „Masern" = Morbilli, fieberhafter,
rotpapulöser Hautausschlag (= Ursohlachten)
Rind eigentlich nur nieder- und mitteldeutsche Be-
zeichnung*; oberdeutsch ist diese nur durch die Ärzte
eingeführt; das Volk nennt sie daseibat: Kleckeln,
l'rschlachten. Synonyma in der Schulmedizin
sind: (370 papulae rubentes, vari rubii, variolue
biliosae cutim non satl« penetrante« de« Ihn Slna [nach
Hennig bei Gerhardt I, 26]; II hasbah der Araber,
Fuchs f, 946; Rubeola, botbor, far*a, Fersader Arabisten,
Lersch 98; 1550 Rossalia, rossilia, rosolla, morbus
8t. Mariae (Neapel, Palenno]; 1536 Feraa [Stal Dialekte],
Behrend23; Haescr II, 380 ; II, Nachtr.64; Ackerm. 108;
1419 morbilli, D. II, 257; fcbrls morblUosa, Hodmann,
Vogel ; Frankr. mal dos roses Notre Dame, veröle ear-
dinale, mal de St. Salntain, Bris«. 139, la rougeole,
I.e. 119). — masern, 1. = knorrig werden, knotig«-
Auswüchse haben oder bekommen. — 2. =
durch Knochenauftreibung (CbIIub) oder durch
erhabene Knochen-Hautnarben (M aser, Masser)
sich vereinigen. — 8. = die Masern (Morbilli)
bekommen (Gr. W. VI, 1702; Pauli 117; Zw. 29. 30).
— ma sieht, masig = mit mehr weniger er-
habenen Flecken (Muttermal, Narben und
sonstige Zeichen) auf der Haut behaftet,
lentiginoRUS (Gr. W. VI, 1702; 16. Jahrh. maasechttg
-= maculosus, D. 342). — (1741) abgeriebene Jß.a.&sen
= Maculae defricatae Piinii (Kirsch 346) — durch
Reibung entstandene Haulveranderung. —
(1591) angeborene Mase , f. (maass) = Macula,
Naevus, ein von Gehurt aus bestehendes Mal
(Had. Jun. 387). — (1512) if-masen = (labefacere,
D. 313) = bei etwas eine Mase machen, beflecken.
— £(*tn-MaBeln (15. Jahrh. massein an den beynen
= serpedo, D. II, 336) = die nach HautkiMnkheiten
an den Bein«-n zurückgebliebenen kleinen
Narben oder Klecken. — Blatter-MsMe , f ,
(1716) tVai*t>(T-masjg (Toll. leg. 963; 1716 blattermascn,
Gr. W. VI, 1699), L = Variolae cieatrices, die Pocken-
Narben im Gegensatz zu anders verursachten
Haut-Narben (C. v. 8chm. 376; Schindler I, 166«) ;
davon Matter masig - pockennarbig (c. v. Schui.
876). — 2. — nirliiH, blatternähnliche Hauter-
hehung, die Bich nicht zur Pustel entwickelt
(Roth359). — (1631) 6/uf/VirtVne Masen = frisch rote
Hautnarben (Gr. w. vi, 1699). — ffra wf-Masen, f
= durch Verbrennung der Haut gebildete Nar-
ben (Biriinger i, 305. 489). — falnche Masern ■
Röteln (Rubeolae), vom Laien leicht mit den
eigentlichen Masern (Morbilli) zu verwechseln
(Behrend 22). — Fert /i-Mase („verichmax = macula,
quae bonam famam affick", Ualtaus 451) = ein«'
frischrote Haut- Mase (erhabene Hautnarbe,
die als Tapferkeitszeichen angesehen wurde;
vergl. Studenten -Schm iss), da sie von einer
das Leben bedrohenden ( = Ferch, s. d.) Wunde
herrührt (Gr. W. in, 1529). — feurige, Feuer-
Masern = Morbilli ignei, lebhaft rote Flecken,
namentlich Röteln, Rotsucht, rote Hund (siehe
Feuer) (Kraus, E. 906; Hecker 225). — (1518) harter
Maser (massier) = eine erhabene, vorspringende
oder sonst das Niveau «1er Haut-Oberflache
unterbrechende, harte Stelle am Knochen
(Calins, Exostosis, Tophus) oder in der Haut
(Krebsknoten) (Gr. W. VI, 1701; n. v. Gersd. 51;
Dr. Minderer). — (1728) /ünriVMasen = Chloasma
uterinum, Schwangerschaftflecken (Thes. «an.
Br. 293). — Kinder-Masern - die bei Schul-
kindern besonders häufigen Masern 2 (== Mor-
billi Sydenhami), Fleckeln, Rotsucht, rote
Koorlaen. — Ä'ummrr-Maser = Nornenspur
(s. d.), Rehflecken, Totenbaumblflh etc. (s. d.),
die mit einem Daumennagel noch zudeckbaren
weissen Nagelflecken, <lie Kummer bedeuten
sollen; sind sie grösser, gelten sie als Todes-
zeichen (Rochholz i, 137). — (1590) Letb-Masen
(masen an dem leib, Gr. W. VI, 1699) — Masen (s. d.)
am Körper im Gegensatz zu den Angesichts-
flecken. — (1592) Parpeln -Masen = Blatternarben
(8eb. 112) (s. Parpeln). — (1620) Pedecken-JA&seiL
= die gesprenkelten Petechien (s. d.) (Dt. Min-
derer). — (1741) Si hand Masen (D. 342) — Macula,
s. nachfolg. — (i.v.9) scheuimliche Masen = ent-
stellende, hassliche Hautnarben, namentlich
im Gesichte (Gr. w. VI, 1699). — s'. /-Masein,
-Masen, -Mosen (Magmasen , alagmaseln, 1429
stagmosen, 1466 «lachmaes, 16. Jahrh. «lagmaseu =
llvor, Schmeller I, 1658; D. 834; II, 228) — die durch
BlulfarhsloiT bläulich erscheinende, kleinere
oder grössere Schlagbeule als Ilaulknollen. —
(1511) SdtortoMMUs Blutflecken (s. Sch weiss)
(Biriinger, s. i. 2:». 279). — (1591) S«Vei'rJi- Masen
— Li vor, \ ibex, die von einem Streiche oder
Schlage herrührende, knollig erhabene blaurote
Blutuuterlaufung (Tabern.; 8chmellerl, 165.8; D. 334.
617). — (1572) Masen = blutrünstige,
streitig erhabene liaulverdickuugen (Gr. W. II,
188). — unverm&Bt, 1. = unbefleckt auf der Haut
(C. t. Schm. 37ti). — 2. - nicht vereinigt «lurch
Maser (Callus). — 1'» r ■ masung (mhd. vermäsunge
= Befleckung, I.ezer325; 1509 vermosslung; 16. Jahrh.
vermassgen = maculare, D. ^42; Pr. II, 10; vermaes-
gung, vermassgung = contaglum, V. II, 110) — der
Zustand des Behafielseins, 1. = mit vielen
Masen: a) sichtbare Narben der Haut, b) viele
sichtbare, ansteckende Flecken (Masern), Sy-
philis, Petechien, Blattern ; 2. mit ausgedehnter
Kallus-BiUlung, Psemloanchylosis (Schmeller I.
1658; Haeser II, 219; Zw. 288; C. v. fichm. 376; Burk 18).
— weistse Masen - älteie weissgldnzende Nar-
benflecken im Gegensätze zu den frischroten
Masen von einer erst kürzlich erhaltenen Ver-
letzung. — (1735) Wund Masen (1495 wunden
Blassen; 1512 ein mas* von einer wunden — stlgma,
Signum cicotricis, Wuniltiarbe, Schmellerl, 16">8; D. 117.
562). — (low) Zahn Masen = die Eindruck- oiler
Bise-Spuren von den in die Haut eingesetzt ge-
wesenen Zahnen, von Hunden z. B. (<;uar. 377).
— (17. Jahrh.) zusammenlaufende Masern = mit
Masern verwechselter Scharlach- Friewl, bei
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Massans— Materie.
dem das Exanthem mehr diffus, nicht so ge-
spreckelt, isoliert ist, wie bei jenen (Hocker 222).
— Mas(cn, er, ern, el) -Flecken, -Husten, -Pocken,
-Rotel, -Sucht, -Zunge.
Maske, f. („wahrscheinlich romanischen l"r-
sprungs", Kluge*, 250, lul «naschera; span IPMWH
- Spott; ndl. taluiasehe s I^rve [sagena, sagana] =
mare. I). 671; 1175 lala masca = moostrum quae[l]
dicitur ,, da la masca", Graff II, 877; [I.eges Longob]
striga [ = Hexe] quae dicitur masca, I>u fange VII,
SM ; masca = uocturnae iraaglnes [Alptraum], Da fange
V, 293, „quae ex grossltlc humoruin anlinas dorinien-
tiuiu perturbant et pondus iaeluut", liufrvsnc, schwed.
mask = Wurm, Itaupc, Made [ - Alpgestalt]; btnnika-
mask = Bandelwurm [als Maaku ei ihm Dämons]), 1. —
(ahd.) Alpdruck als Folne eines dämonischen
Einflusses (Marwirkung). Mittelst einer lehmigen
Gesichts-Maske ahmte man (vergl. die .Saltnergestalten
in Tirol) solche Damonengestalten nach. — '2. = »Mne
Bogen. Blässe am Pferdekopfe, welche den
ganzen Teil des Vorderkopfes maskenartig
einnimmt (Gr. w. VI, 1705). — 3. = s. Larve.
Masochismus, m. eine nach dem 1836 geb.
Romanschriftsteller 8. v. Sacher-Masoch he-
zeichnete Eigenschaft der sogen. V'iri molleH
(Weichlinge), welche durch vollständige Un-
terordnung unter das Weib, ja selbst bei
Misshandlungen durch dasselbe, eine Art von
Wollustcmpfindung haben wollen (Vlerordt y7;
Dornbl. 76; Krofft-Ebing).
Ma8S, n. (vorgerm. med [modus, Art und Weise];
germ. med [messen]; ahd. miiza; inhd. m&t - Art und
Weise, Kluge*, 2.'*). — massig (ahd. m/uctg; mhd.
maeiec; ndl. matig) — zugemessen, nach Art und
Weise (Kluge 1. c.). — er hat das Mass ver-
loren - er ist krank, wird krank werden (Ur-
quell 1885, s. 8«, Frischb. 79), an einem noch nicht
erkennbaren Leiden, das durch „Abmessen"
volksüblieh behandelt wird; die Schicksals-
frauen messen den Lebensfaden (s. d,). — (1603)
^■'/-massig = biliosus, wie dutch Galle ver-
anlasst, nach Gallen-Art (Gr. W. IV, 1. 1198). —
Glied-, LiVZ-Mass cw), pl., f., n. (alinord. lldhamdt;
inhd. lldemaz, gelldeinaeze - Glied, menibnim, Kluge*.
111; 15. .lahrh. lydmaiss n organutn, I). 400; ndd. Ut-
mat; lldemaeze — Organum, D. 643; 1482 geliedmass
Partus, Zenlng. Voc. k"; Schmeller I, 1412. 1661; 1591
Oedtln aasen = artus, Glied. Und. Jim. 19; 1612 gelid-
maslrt, H. Sachs; Schmeller L e. ; ndl. ledetuaten =
artus, D. 52; l>e Cock 91; schwed. ledamnt) = Glied-
bewegung, Gliedfttgung, Mass der Glieder, die
Glieder' (Artus) in einer für ihre sichtbare
Thtttigkeit gemessenen Lange und Verbindung
gedacht (Andreren 200). — gräm-, griuim-
mäSSlg («»sterr. greumiassi ; elsAss. gramma«*!. E W.
I, 272) sa krünkelnd, sich nicht wohl fühlend,
unmutig, yräm lieh. — grosse /. ''inassen
(15. Jahrh. grozu lcdeinatc — vertebra, I). II, 379) —
Wirhelknoohen , K'ickgrat. — ungeschickte
G'/irrfmaSSen 11482 lidina** = cachexia, I). 87) =
durch Blutkrankheit oder schlechte Säfte
(Rheuma? Syphilis?) kranke Glieder. — läppen-
in rissig = wie ein Läppischer, Blödsinniger
(Schmeller I. 149t'.). — milU /massig = temperiert,
z. B. blut, Galle (a d.}, Stand (s. d.). — »ehelm-
tliassig (schoelluiasslg, Schmeller II, 413) = wie vom
Schelm Ile (Hühnerscln Im) ergriffen, scheltn-
schlächtig. — Ma&s-Darm -Gang - Wunde.
Massans, pl. (1263 Studer, schwel«. (Irtan. 166 =
mtl. malesanua [998] malasan) = krank, aussatzig.
Masse, f. (aus tat. massa entlehnt; 10. Jahrb. massa,
Notker; mhd. masse; 1562 massa) = ungestalteter
Stolf, Klumpen, Hnufen (Kluge*. 250; Schmeller I,
1662). — F-it" - Masse ■ Massa puris, Eiler-
menge, Eiterstoir (Gr. \v. Iii, 392). — Äas-Masse
= Molke.
Massen, f. s. Masen.
Masser. m. b. Mascher u. Maser.
Mast, f. (germ. mazdo ; ahd. mast; mhd. mas) ■
Rllgemessen« Futter- oder Speise -Menge. —
mast - fett, schwer, gemästet. — (1561) mastig
= fett, feist, (Gr W. VI, 1718). — (1818) mästen ^
den Kuttermist entleeren (Z. d. V. f. V. K. 1895,
8. 294). — Mast .' u •' . -Darm, -Darmtripper,
-Gang, -Geblüt, - Körner, - Vieh, - Wurm.
Materie, f. (Materi, Made ring, Mater gel
(ein heute noch lebensfrlscbes, wenn auch altes lA'hn-
wort aus den Medizinschulen des Mittelalters, das wie
Fieber, Humor etc. volksüblieh geworden und geblieben
ist; inhd. mftterlgo, materge ; nind. matherien; 15 Jahrh.
matlrg. D. 351 ■ Stoff, Bildungsstoff , aus dein lat.
materia, Vutt 157 — da« Stoffliche eines Naturkörpers,
Wesen [matei, pus]; 1275 materia = der Krankheit«
stoff hei venerischen, Kiter secernierenden Krankbelts-
stellen, IT. I. 405; 1483 materi, C. v Megbg. ; 1532
matery = pus, Fries 96; 1561 matcrie = pus; engl,
matter = Eiter; nach Gr. W. V», 1763): 1. = eine
dem Körper innewohnende und seine Art be-
dingende (s. Ding) Flüssigkeit oder Feuchtigkeit
(Grundwesen), namentlich normale, feuchte
Gewebs-Sekrete und Kxkreto des Körpers (bei
Mensch oder Tier). — 2. = der die Krankheit
bedingende Bildungsstofl'im menschlichen oder
tierischen Körper; nach den früheren Schul-
lehren waren dies: Schleim, Eiter, Galle, Gicht-
stoffe (Tartarus), Auswurfstoffe etc.; dieselben
gingen oder schlugen sich zum Herzen (Fries 96)
- t'yaemia, Uraemia, Cholaemia etc., d. h. sie
gingen ins Blut Aber. — 3 = hauptsächlich war
der bei der Eiterung der Pestbeulen u. Wunden
Bichthar gebildete flüssige StotT: I'us = Eiter in
Geschwären und Geschwüren „die Materie",
zu der aber (noch 1742) auch die darin abge-
setzten, wetkenden Insektenlarven (Maden oder
sogen. Würmer) and Filze mit einbezogen
wurden. — 4. = der in eitrigem Sekrete sich
befindende, ähnliche Krankheiten hervor-
rufende« iiftstotr(Blattern,Syphili8,Tripper etc.)
(Burk 19. K. W. I, 82; Pauli 117. 138; Zw. 698). —
materlich (1531 dleweil schier der merer tail Kranck-
hait «ond mnterlich, Kraut« I). 3) = materiell =
aus wirklichem .Stolle, sachlich bestehend,
eine natürliche Ursache haltend. — (1561)
allerletzte Materie = Alvus, das Letzte im
Darro-BUdangsatoffe (Inhalt) (Gr. w. vi. ncs). —
iim) alte Materie ■ im Körper lange Zeit
zurückgehaltene und so angehäufte Ex- und
Sekrete, namentlich aus Schleimhäuten (Frlei
107). — (17. Jahrh.) blutichU Materie = Krank-
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Materie.
Materie.
40:t
heitstoffe, die mit Rlatgerinnseln (Jaache) ent-
leert «erden (R. a 323). — (1645) böse Materie -
die böse Feuchte (s. d.) der Hurooralpathologie
als ein gefährlicher Krankbeiistotf (Salze,
Schleim, l'nrat etc. nach froherer Annahme),
der heftige* Kopfweh, Fieber etc. macht (Coler,
it. A. 17«) — flSätt) fault Materie (faul materi aal
dem leib, Frie» it6). 1. = der übelriechende, in
dem Darme gebildete Schleim (Rotz) bei Gegen-
wart v. Eingeweide- WQrmern (Darm- Katarrh).
— 2. = Jauche-Eiter. — ii&si) .FiYfccr-Materie
(die m*teri der fieber, Kraut»-. XXXIII} = der
das Fieber (Malaria) erzeugende Krankheitstoff
(r. Belmont), den man in Milz und Magen suchte
(Nicolai ii, «9). — J7w*a- Materie = der in der
Nasenhöhle von den Schleimhauten gebildete
eitrige Schleim (Rotz^ beim sogen. FIuss (s. d.)
oder Katarrh. — flüssige Gehirn- Materie =
Lebensgeister (s. d.) (F. Hoffm. VII, 87. 88). —
(1790) gichtische Materie ss der die Gicht- und
Steinkrankheit verursachende, im Körper ge-
bildete Unrat -Stod (Tartarus Paracelsi, tar-
tarische Materie od. Harnsäure) (Adelung, Richter
I. 477; f. Hoffm. vii, 226). — Gi/f -Materie =
(»tflstoff, Materie 4. — grüne Materie ■ der
gelblich-grüne Knochen-Eiter (Wftrcb, s. d.)
(s*hm. ii. 999i. — <i552< gypsige Materie <mau>re
cypseu*« et blanche, Thlerry de Hcry; Yt. 11, 117 IM),
1. m die kailose, sklerotische Induration des
prim&ren syphilitischen Affektes. — 2. = der
gummöse, tertiärsyphilitische Callus s. Tophus
(Tu ff)' (Krau». E. 836). — 3 = 8. Kalkmaterie
steinige Materie. — (1619) haufechte Materie
(1354 fron** maieria. Hu Camre V. 304], 1. = ange-
häufter Kot im Darm als Übertluss (s. d.) der
Verdauung. — 2 = der dabei sich befindende
Darmschleim, das im Purin gebildete Sekret,
„böser, verdorbener Schleim in dem Geäder"
= chronischer Dickdarm - Katarrh iBadt-beiohr.
d. Wildb. Welzheim 21). — (1483) Intrige Materie =
die bet heisser Komplexion, aus Hitze (a, heiss)
gebildete Eiterung (c. t. Migb«. , R. A. 143; »ir. w.
VI. 1763). — irdische Materie ll. Jahrh. irdlntchi
materle, D. 362 = mlnerai = Mineralstotf s. irdisches
Blut und Melancholie. — [1789] Kalch- Materie
= die in Exsndaten, Knotpein etc. sich ab-
lagernden Kalksalze (Tophus) Nicolai II 2>*t .
— (le. Jahrh ) kalte Materie = die aus kalter
Komplexion (siehe kalt, l'hlegma) gebildete
Schleimsekretion (Phlegma" ;i.onie. IM; K. Kr B.
345). — (1783) Katarrh- Materie - Hussmaterie
(s. d.) (Eaatch 148). — Kirim -Materie = ein in
seiner Farbe der Weizenkleie ähnliches Harn-
eediment beim chronischen Blasen-Katarrh, ein
Wort, das in der volksarztlichen Terminologie
(cont. Amalle Bohene«ter's t'rinknnde) seit Hippo-
krates Zeiten (Aphoriim IV, l«. und seit den
mittelalterlichen Medizinschulen sii-h erhalten
hat: „Ist das Wasser tlunkel und «Mister und
dick und schwimmen darin viele Körner wie
Kleie, so hat der Mensch den Stein in der
Blasen" (nach dem mnd Mae Barth 103a). — (»14)
klattechie, klotzige Materie, 1. = halbweicber,
halbzaher, schlaffer ti«-wei>e*t«iff (Massa;, z. B.
das Gehirn (H. r. oerad '.'4, Becunetler 1, 134»). —
l2 -iu Klumpen geronnenes Drüsen - .Sekret
[ oder Blut (Coagulum). — usoi) aTnocärn-Materie
ss steinige Materie [Weickard 129». — (17*9) Krätz-
Materie = der die Kratzekrankheit bedingende
Krankheitfitoff {». Krätzesiechtum) iNieolal n.
>47) — <\sm) ÄranikAci7-Materie = s. Materie 2
(Pr. H, U2). - (1789) AVc6s-Materie - Krebs-
jauche «Nicolai Ii. 2*3 . — (i7»5i Äro/>/-Materie
= der Kiter in den durch Pferderotz erkrankten
Hals- Lymphdrüsen (Abu«, 29: — (17*2 kröpf-
artige Materie = der Krankheitsstoff, welcher
Hals - Lymphdrüsen - Anschwellungen macht
Serofulosis) i'M. II. L I. 592). — (iis3) Leibs-
Materie fC »• Megbz I = die rote Cholera (s. d.,
der alten Medizinschulen), als Hefestoff im
Blute, der durch den Leib entleert wird oder
am I^ibe zum Vorschein kommt. — Menschen-
Materie rund, des mvnschen materie. Mac Harth.
101a) = der Urin als des Menschen naturlichstes
Sekret. — 17. Jahrb.! Mi<': Materie = das
schwarze Blut der Pfortader (s. Milz). — Mutter-
Materie — eitriges Schleimsekret aus der Ge-
barmutter. — 1532) nerrische Materie = die
Feuchtigkeit in dem Gewebstoffe, aus dem die
Nerven ^Sehnen, Muskeln, Adern, Nerven) ge-
bildet sind. — (1MI) pestilentri*ch<- Materie
= Peststoff, Pestgift Krautw. LXXXII1). — (1*2)
phlegmatische Materie = die feuchte, seröse
Sekretion aus Schleimhäuten (s. kalte und
schleituichte Materie) (Frie* in, Lonlc. r«o).
— Pocken-, Kuhpocken - Materie , 1 = der
Eiter in den Poekenpusteln , Impfpusteln. —
2. ■ der eigentliche Pockengiftstoff, der in
den Pockenpusteln zum „Ausbruch" kommt
(Materie 4) [M. B. L I, 55*. ;.7S; «ir. W. VII, 19«;
\**. I. a. gr. Mann; Nicolai IV, »78». — (1600) Po<lagra-
Materie -- der GichtstolT (Harnssiuie , w eicher
im flüssigen Blute circuliert und Fussgicht
(Podagra) erzeugt I.onic .). — (17*4) rheumatische
Materie -der Mas Rheuma bedingende Krank-
heitstofl, der als FIuss (Rheuma, s. Katarrh)
in die Glieder failt (Nicolai II, 6ioj. — (U->3) rohe
Materie, I. = der nicht zur vollen Ent Wicke-
lung gelangte Bildungsstoff ( Abortiv-Ei), Ge-
websstoff, Korpersaft (c. v. W*..'. — 2. =
I der nicht zur vollen Entwu-kelung gelangte,
„ungekochte" Krankheitstoff, Morbus crudns,
j z. B. zähflüssiger Schleim (s. kochen). —
' Ärwicnx-Materie, männlichen (Krautw xi.vi
= männliche samentlOssigkeit als Bildungs-
oder Zeugungsstoff. — (1801) »charfe Materie
■ atzender Krankheilstoff (Schleim, Eiter),
auch Mageninhalt, der brennende Emptin-
' düngen macht rVoftl V, Bf), — (16. Jahrh
srhlein, ithte, igr Materie = das eitrig.- Schleim-
| haOt*Sekret, Mucus, Phlegma, Schleim, Rotz,
feuchte oder kalte Materie (Aren. -Buch: Lonlc.
160). — (161«) Schliers- Materie 3 «ler visciile
Eiter ans Bubonen (= Scblu r, s d.) («ir. W. V,
ICO- . — schwärende Materie - ' chwar-Eilcr.
(I5n9, schwarze Materie = die schwärzliche
, (blutgemischte) jaucinge Sekretion aus Ge-
schworen bei syphilit. Dyskrasie und Kachexie
'Hac«<r Ii, .41 — n.nhr Materie - dei Krank-
heitstoff, worunter das Volk „alles, waa recht
ekelhaft" am Kranken (Siechen,; aussieht, ver-
I steht (Buck I9j. — Skrophel -Materie = der
20*
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404 Mathftus-matt.
Matte-Mauche.
feuchte lubalt der verkästen Skrofel-Drüsen.
— (1712) steiniehte Materie = die harnsauren
(Kalk-) Salze, die phOBphorsauren Kalksalze,
die wie erdige, gypsige Teile in den Gelenken, j
Arteriengefässen, Exsudaten etc. eich ablagern
(F. Hoffm. VII. 198.206). — (1712) tartaritche Materie
= s. Giehtmaterie u. Tartarus (F. Hoffm. VII, 226).
— (17M) 2V»/>pfr-Materie = der ansteckende (gif-
tige) Eiter od. Schleim b. Tripper (Gonorrhoea)
(J. P. Frank, I. 66; Stoll; Pr. II, 449). — überflüssige
Materie - haufechte Materie (s. Überfluss).
— (1784) üble Materie = der Krankheitstoff j
(Materie 2) als Maletia peccans, die Schuld an
dem betr. Übel oder Leiden ist (Pittner II, 47).
— (1532) unreine Materie = inissfarbiges Schleim-
haut-Sekret, z. B. aus der Gebärmutter (Fries 72).
— (17. Jahrb.) verbrannte Materie = s. verbrannte
Galle, Schleim (Fr. Kr. B. »76). — (1532) wässerige
Materie — der wässerige Krankheitstou", der
als Ascites sich in den Leibeshöhlen ansammelt
(Hydrothorax, Hydropericardium) (Fries m). —
(1799) TVrtVA*Wzo/>/-Materie = der den Weichsel-
zopf (Tinea favosa) vermittelnde Krankhcit-
stoff (Eiter und Favuspilze), von dein man |
annahm, dass er sich „versetzen" köntie und \
dadurch Gehirnkrätupfe verursache (Verwech-
selung raitScrofulosis, bei der der Hydrocephalus
tubercul. sich entwickelt) (Vogel V, 77). — (1742)
weisse Materie = der milch weisse Eiter und die
eitrige Sekretion bei der weissen Ruhr (Dysen-
teria alba) (Zw. 396). — H Vir. >, -Materie = 8. o.
Kleien-Materie. — (1660) windige Materie - diu
im Darm gebildeten und angehäuften Bläh-
ungen (Plctor. 78).
Mathäus. — Mit ihm ist auch Mathäl am
letzten = er stirbt bald (Schmelier 1, 1685), unter
Bezugnahme auf die letzten Kapitel des Evang.
Matthaus, woselbst vom Tode Christi die
Rede ist.
Mathias. — (1717) ein kleines Mathiesal = ein
kleines Kauschchen (Abrah. II, 343) ■ ein mit Wein-
gelagen und Aderlnss-Lätizcln begangener Tag
war der Kalenderhciliire St. Mathias in der
Fasching. — Äms-Mathias - Rheumatismus
(scherzend wortspielendes, aualog dem Aposteinatlas
gebildetes Wort für): rheumatische, reissende
Schmerzen (Kraus, E. 114).
Matrone, f. (die durch ihr Alter und den Kinder-
segen geehrte Frau, s. Rosenb. 108}. — Matronen-
Alter.
Matrose, m. (aus ndl. matrnos; franz. matelot ;
norm, altfranz. matenot; nord. motunautr ^ Tisch-
genosso In der Schiffsmannschaft, Kluge6, 250). —
Matrosen- Fieber, - Wut.
matsch (ein aus dem ital. marcio - mürbe als
SptelerauMlruek [w <v matt, s. d.] übernommenes, eigent-
lich „martsch" lautendes Wort für) — matt, müde,
körperlich schwach (zerquetscht) (Gr. W. VI, 1756;
Schmelier I, 1C7. 1699). — Zrr-matscht (Heuneb. ;
Spiess II, 42; derroötsch) = abgemüht, abgemattet.
matt teln seit der 2. Haltte de« 12. Jahrh. aus dem
Romanischen durch das Schachspiel übernommenes
Wort = mllat. mattus; nach arab. per», schah-miit
der Konig ist totl „ein internationales Kulturwort". I
Kluge 251; mhd. mat) = kraftlos, erschöpft (an
Gliedern, Kopf, Herz, Blut, Brust, Auge) (Gr.W.
Vi. 1756). — Mattigkeit = der kraftlose Zustand,
Morbus St. „Math"elini. — ab-, /w*-gemattet
= von Grund aus, bis aufs Innerste erschöpft.
— (1576) J7errcns-Mattigkeit = der Zustand von
Schwache der Uerzkraft (Thes. »an. Br. 670). —
Si hteaeh MattikU8 (scherzhafier Latinismus aus der
Studentensprache) = schwacher, matter Mensch
(H. Paul 406).
Matte, n. Matz, Matze, Matzer, m. Mätzer
(arische Wurzel mat = quirlen (matula , mentula],
Roman. Forsch. 1883. 445 ; d. b. die Milch Im Rühr-
kübel; 1515 matte, n. -blblimen. Colostrum, D. 73. 133;
aus dem rnman. mato; franz. inaton, Heyne III, 764
= geronnene Milch; franz. la matte) = Milchschorf
der Kinder (Briss. 222); dazu Matz (Schwaben) =
zähe, geronnene Masse, Fett, eingetrocknetes
fettähnliches 8chleimhaut- und Drusen-Sekret.
— (1603) Matzer = Augen butter (s. d.), das fet-
tig-zithe Sekret der Meibom Bebel Augenlid-
Drusen (Matzer anlehnend an Mascher, s. d.)
(Bnck 12 ; Gr. W. VI, 1770). — .1 ■<.;. »i-Matz, Matzer
(1780). Matzel= Matzer, Greck, Gramiae (D. 268;
Gr. W. VI, 1709 ff. ; I, 808).
Matten s. Maden.
Matten, f. ^ Quark, Topfen, Zieger (1582 ; Lonic.
312) (s. Matte).
Manche, n, f. Mank, f., tn. Mauke, f.
Mueche, f. mancheln, mauckern (zu vorgerm
müg. Kluge*, 257; germ. muk = heimlich ihnen,
mucken, 1. c. 262; ahd. mfihhon = heimlich lauern
[s. Meuchel], Kluge*, 257; mhd. milche = „eine den
Fuss des Pferdes lahmende (?1 Krankheit", Kluge I. c, ;
[s. Meuchlerj, Schw. 42a ; 1588 die manchen der ross,
Gr. W. VI, 1771; 1692 die maugen, raaucken, pl. =
Pferderappen. R. A.T30; Seb. 262; 17. Jahrh die mauch.
das Ist ein Krankalt die bricht ]n [dem viehj ob den
klaen heraus*. Sc hin. I, 1660; 1099 maucheo, maucke
= schwerheilende Löcher und Schrunden an den Filz-
gleichen des Pferdes, aus welchen naase u. stinkende
Materie flicsst. v. M. I. 59; Schwaben : maucheln = etwas
[wie ein lmmou) heimlich thuen, C. v. tlchm. 377;
oberschwab. Mauchen = Kassel, Schm. I, 1661), 1. =
ein unter den langen verfilzten Kötehaaren des
Pferdes versteckter Hautausschlag mit. warzig-
köppericher llautsch wellung, der unbemerkt
und allmählich langsam entsteht, gleichsam
meuchlings wie durch einen heimlich lauernden
Dämon in Maus-, Wurm- od. Nasselgeslalt veran-
lasst : a) Dermatitis eczematosa s. varicosa, sog.
feuchte Krätze an der dadurch stark secer-
nierenden l'ferdeköte oder auch oberhalb der
Kinderklaue, meist der Hinterfflsse (flüssige
Fasse) (Mayer HO); b) (nach Behrend 42) die damit
verwechselten Eethyma-Pusteln ; c) n. die Equina
(Kossblatter, Rosspocke, Schutzmauke, Poeken-
inatikc, Javait), welche Jenner 1788 als pocken-
ähnliche Schutzldaiter annahm, die durch
das Stallpersonal auf Kühe übertragen bei letz-
teren die Kuhpocke (\ accina) erzeugen sollte
(Falke II, 103; Abllg. 46). — 2. - die funktionelle
B-t-inirflchiigutn: der betr. Extremität durch
diesen Ausschlag 1. — 3. — (übertragen auf den
Menschen) ein verstecktes Körper-Übel chro-
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Mauchler—- Maul.
Maul.
406
nischer Art (Leipzig ; Gr. w. VI, 1781. 1782). — 4. —
s. Meuchler. — (1842) ausfallende l/L&VLk.e = eine
Mauice (1) mit brandigen Ausschlaga-Blasen
(Wolf, eigentlicher Javart) (Falke I, 90) — Brand-
Mauke = eine brandige Form der Pferdetnauke
(la) (Falke Ii, 103). — schwarze Brand-Mauke
= die mehr gangränöse Form. — weisse Brand-
Mauke = mehr oberflächlich abschuppend. —
(1843) chronische Mauke = Mauke 1 (Falke II. IM).
— Fuss - Mauke = Sehlem pemauke. — Horn-
Mauke = Ecthymapusteln am Hufsaumbande,
die das Horn mit feuchter Sekretion beschmieren
(Falke I. 411). — kleine Mauke = Pferdemauke
(1 a) geringeren Grades. — (18«) künstlicher
Mauk = ein durch scharfe Salben erzeugter,
roaukeäbnlicher Hautausschlag (Falke II, 47). —
Pferde - Mauke = Mauke 1 a, b, Itfelflnss,
Brandmauke. — (1843) Pocken - Mauke -
Mauke lc beim Pferde, Schutzmauke, Va-
riola equina (Falke II, 209; engl, borsebeal. grease).
vermutlich nur übertragene Menschen- bezw.
Knhpocke, s. Rosspoeke. — Rinder Mauke =
Träberausschlatr, Schlemperaanke, Fussraude.
— Sdtf« mp* -Mauke = eine Rindvieh- Mauke
1 a, die durch Fütterung mit Kartoffel-Schlempe
entstehen soll (Martin 109). — Schuppen-MtLUke
= Schuppenflechte an der Pferdekote (Zlpp. 360).
— S- / >(':-Mauke = Equina, Rossblatter, 1. =
eine angeblich die Menschen vor den Pocken
(Blattern, Variola) schützende Form der Pferde-
mauke (Mauke lc), vermutlich aber eine auf
Pferde Obertratren« Menschen- oder Kuhpocke
(Vaccina, Pferdepocke) (Gerhardt I, 607; Falke II,
399). — U. = fast immer eine durch Unredlich-
keit entstandene Pferdemauke. — trockene
Mauke = eine Schorf oder Schuppen hildende,
nicht feuchte Pferdemauke (Falke II, 103). Gegen
die Mauche sollte das Mauch-Kraut o. (1694) Mäuehel-
krant = Rante, Frauenhw (Schmeller I, l'SO ; D. 97;
Jessen 48. 19), auch Wurm- oder Hexenkraut genannt
( Aspiditim fllix tnas, Asplenium ruta murarla L.), helfen.
— VAXÜL{rn)- Beule, -Krankheit, -Stoff".
Mauchler, m. (Mäuchler) s. Meuchler.
mancken (mauggen), Maugen, f. (zu mactare?
maggen — umbringen). — niaucken = sterben
(Schweiz; Schmeller I, 1565) (ob zu mauckern,
muckern?). — Maugen, f. = Mauke.
m andern (maudern, Müderer) (icis maudern
— murmurare, murmeln), brummen, unbestimmt
sprechen (Schm. I. 1570). — maudern (maudern),
l.=eine unbestimmte Vorahnung einer heran-
ziehenden, noch unentwickelten Krankheit
haben, kranklieb, verdriesslich sein, herum-
gipfen (s. d.) (Schmeller 1. c. ; C. r. Schm. 378 ; r-r. W.
VI, 1772). — 2. = coire (Schwaben, Tielleicht „zu lat.
mutare in der Bedeutung mauaaen" [s. d.], Erbe 37)
(maidern, s. maieren). — Mauderer (Müderer)
(15. Jahrb. - duripucios, duribuclnus, D.II, 143), siehe
Auderbutz.
mauen, mäuen, Manen - (1735) maulen, kauen,
Wiederkauen (Schweiz, Bayern ; Schw. 423; Schmeller
1, 1564) (s. auch Mangen). — Mauen, s. Mauwe.
Maul, n. (indogerm. mö ■ Mnnd; germ. mülö;
joth. mülA = Maul , ahd. müla, f. - Maul. Schnabel ;
mhd. mül, mule, □.. müle f., Kluge*. 261. 263; 1425
mule — os oris. D. 402; ndl. muil, tmöl = a-f-möl, V. K.
Vi, 6). — Maul = Öffnung am Kopfe zur Auf-
nahme von Nahrung, zum Schreien (muh !) od.
Sprechen, Öffnung an Dingen, 1. = das Mau),
der Rachen, Schnabel, Rüssel, die Schnauze,
das Gebiss der Tiere. — 2. = der Mund, die
Mundhöhle und Lippen des Menschen (mhd.,
Oberd. ; <ir. W. VI, 1782; Buck 12). — 3. = wie öfter
Os = Vulva (Fotze, Mumfel). — 4. = (Mund) =
Öffnung an Dingen, Mundähnliches. — 5. = der
Träger des Maules. — 6. = Sprechor>tan, Sprech-
weise, Geschmackorgan. — 7. = Maul = Mal. —
maulen = das Maul verziehen. — fl/fen-mäulig
= wie ein Maulaffe (mul apen = Maul offen, Urquell
1, 48 ; Ii, 159), auch = dummer Mensch beschaffen.
— (1741) aufyetcorfenes Maul (= bronchus, Kirsch
157 ss bracebus, D. 82) = die wie beim Brackhunde
(Spürhund) in die Höhe gezogene Oberlippe. —
Blärr- (PtVrr-)Maul - einer, der den Mund beim
Schreien so verzieht, als ob er eine Blftrre
(Flarre) daran hätte, ein vorlauter Schreihals
(Gr.W. II, 108). — blaue* Maul = durch Blutstauung
bläuliche Lippen (Cyanosis labiorum). — bleich-
maulig = der einen Mund mit bleichen, blut-
armen Schleimhäuten der Lippen hat, pallidi
oris (Gr. W. II, 99). — böses Maul, 1. = (1680) Os
scabio8um, ein Mund mit rauhen Borken oder
Geschwüren besetzt (rawei) (Gr. W. VI, 1783). —
2. - ein Weissmäulchen, eine durch weisse Soor-
pilze kranke Mundhöhle (Buck 13). — .Brci-Maul,
1. = die Art n. Weiseso unartikuliertzu sprechen,
als oh man einen Brei oder Klöss (Knödel)
im Munde habe (Lambdacismus, Bambalio)
(Kraus, E. 153. 630; Spiels II, 33;. —2 = Pap-Maul.
— breites Maul, 1. = eine weite Mundöffnung.
— 2. a= Breimaul (Spieta II. 33) ; die Volksanthro-
pologie bringt Weite des Mundes mit der Grösse
der Apertura vulvae in Correlation, wie die
Nase zum Membrum virile. — Dürr-, Dörr-
Maul = ein breiter, weit offener, daher leicht
austrocknender Mund (Gr. W. II, 130S). — dürr-
mäulig (Ilenneb. ; Spless II, 49; übertragen wohl Tom
Viehmaul) = kränklich, mager, blas». — Fliegen-
Maul = (1583) Muckenmaul (vielleicht entstellt aus
Mucken-Mal) = Ruptura corneae musealis s. forroi-
calis, wenn die Regenbogenhaut durch die ge-
schwürig offen gewordene Hornhaut des Auges
vorfällt und daselbst verwächst (1683 ,,ea ist amt-
lich zu sehen ein kleine» Tupflln als einer Mücke
liaupt oder einer Fliegen Maul", Gr. W. III. 1788, VI,
2612). — Floss-, Ftotz-, Foti Maul (da Fotz [s. d ]
— - Mund, Maul ist, so ist Kotzmaul eine Tautologie),
1. = das Essbare am Rindsinaule, der unterste
Teil des Rindskopfes. — 2. = der sogen. Nasen-
spiegel beim Rinde, der beständig schlüpfrig
feucht ist (K. u. P. III. 767; Schmeller I, 782; Falke
1, 292; Martin 61 ; ins Franzosische überreizt aus Miss-
verstandnla: vlsage de bola flotte' [= Ilolzfloss], Brlss.
143). — 3. = Flotz = Fluss ; Flotzmaul = ein be-
ständig feuchtes Maul, Nasenkatarrh (Rheuma
= Fluss, Katarrh, s. d.). — .FVoscA-Maul, 1. =
„ein Maul (eines Menschen), das (an den Lippen-
winkeln) gleich dem Frosch gefaltet ist und das
Gesicht verunziert" (— ) (Gr. W. IV. L 254). —
2. = das fleischfarbige Pferdemaul, „wenn die
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40«
Maul.
Maunzen— Maus.
Lippen sprenklicht sind und die Winkel des
Maules geschwollen hervorstehen" (Gr. w. IV,
L 254; Zipperl.). — Gei/Vr-Maul, 1. — ein geifern-
der Mund. — 2. = einer, der geifert (». Sabber-
maul). — Gien Maul, 1. = ein gähnender Mund
(Maulaffe, Gienaffe, Schlauraffe), der weit ge-
öffnet die gefletschten Zitlino weist (Gien-Ölf)
(i-chm. I, 91». 1586; Schw. 423). — 2. = der Trauer
eines solchen, Hiatus oris. — (16JC; üresi-Maul,
l. = ein pausbackiger, den Mund vollnehmender
Mensch (Gr. \V. I, 1198). — 2. = ein breiter
Mund mit Hangelippen. — 3. = Übersetzung
d. Makrostomia => transversale Gesichtsspalten-
Bildung, wodurch der Wangenspalt abnorm
gross wird. — Hang -Maul = Grossinaul 2
[Gt.1t. VI, 4). — HaW-Mauligkeit = verminderte
Kmpfindlichkeit des Pferdes »jenen den Druck
des Gebisses und der Lade, wodurch das Pferd
schwerer lenkbar ist. — i/ecAMtfaul, 1- = ein
Pferdemaul mit dicker, schwerer, herabhän-
gender Unterlippe. — 2. = oder ein Maul, dessen
Untergebiss (Iber Oberkieferzähne hervorragt
(Kalke I, 388). — A«7-maulet - unbärtig, ein
Mensch mit glattem, heilen Kinne (Bayern; Ct.
Sctam. 256). — (16. Jahrh.) //; in t, i Maul, 1. = Hachen
(Kalke I, 398) beim Tiere. — 2. - Podex, Vulva
(<Jr. Vf. IV, 2. 1512) ; os u. vulva sind öfters iden-
titiciert. — //itnr/V-Maul = ein Mund mit auf-
fallend vorspringendem Hundszahn (s. d.)
(.Schmidt, Jahrb. 1890; II, 200). — Xrtrp/«t-Maul =
ein Pferdogebis8, dessen Oberkieferzähne weit
Über die des Unterkiefers hervorragen im Gegen-
satze zum Hechtmaul. — üTröfen-Maul = Frosch-
maul 2 (Gr. W. IV. l. 254). — krummes, Krumm-
Maul ^ Ob valgum, Maulkrümmen, ein durch
Muskellähmung der einen GeBichtshälfte ver-
zogener, schiefer (schlimmer 1) od. sonst schief-
gewachsener Mund (Gr. \Y. V, 2161). — Kupfer-
Maul = ein Pferd, das rotbraune, kupferfarbige
Flecken oder Haare am Maule hat (Zipp. 136;
Kalke II, 50). — A'im-Maul = ein dicklippiger
Mund, der viel Sinnlichkeit verraten soll. —
Lätsch-, Ltf/«'7t-Maul = ein grosser Mund mit
schlaff (latsch) herabhängender Lippe (Häng-
maul) (C. v. Schm. 338). — (1680) lindes Maul^die
weiche Mail'* (6) bei Pferden, weiche Maulhaut
(Gr. W. VI, 1038). — AfticÄ-Maul = ein Pferd mit
milchweisser Hinterlippe (Kalke II, li"). — Ober-
Maul = Oberlippe (Schm. i, 1497). — JPa/j-Maul
= der Träger eines breiten (Brei-)Gesichtes. —
iVote-Maul = ein breites Kröten- oder Frosch-
maul (Fromm. VI, 29). — raberes (raweres) Maul
= rappige Mundlippen, ein rauher, schorfbe-
setzter, sogen, böser Mund (Sehmeller II, 5). —
rauches Maul — Os turtum, nicht glatte Lippen-
schleimhaut, deren Oberfläche spröde ist (Gr. w.
VIII, 264). — /('•', Maul = das mit einer weissen
Einfassung wie beim Rehe versehene Maul des
schweizerischen Braunviehs. — Äu/z-Maul -
eine mit Nasenschleim beschmierte, belegte
Oberlippe(s. Fotzmaul) (Gr.w.vill, 1330). — Rufen-
Maul = ein mit Impetigo, Schorf (= Hufen)i
rauhen Hautborken bedeckter Mund (Burk 13).
— (1680) Uunz> I Maul = Os rugosum, ein Mund
mit faltig geschrundeter Lippenschleimhaut
(Gr. W. VIII, 1526). — SaMxT-Maul = ein Mund,
aus dem, wie bei alten Leuten oder Kindern,
der Geifer, Seifer (Sabber) auslauft (Gr. w. VUI,
1589) ( — Safferling). — (16. Jahrh.) schartiges Maul,
1. = eine durch Verwundung oder Substanz ver-
lud lückenhaft gewordene, verzogene Mund-
spalte. — 2. = auch ein die Zähne bleckender
Mund (Gr. w. VIII, 2227). — srhelches, schiefe*
Maul = krummes Maul (s. d.}, la bouche torte
(Sehmeller II, 40öj. — .s', hläi r Maul - ein durch
halbseitige Gesichtamuskelläbmung (Facialis-
Paralysis) oder Verwundung, fratzenhaft, wie
beim Schlaiaffen (Gienaffen) verzogener Mund,
der so zur Schlärre (a. d.) wird (Sehmeller II, 532).
— SfMajjp-Mattl^Schlappgoscbe*. — Schlauch-
Matll (mhd. sluch = Schlund, Kehle, Kluge \ 328) =
Schlundleil des Maules, woder Schluck-, Schling-
Akt erfolgt. — schlimmes Maul, 1. = 0* tortum,
schiefes, krummes Maul (Heyne V, 393). — 2. =
ein durch Geschwüre, Narben, Borken, Pusteln
etc. entstellter Mund. — Schrunden-'Ma.Xll =
Kunzelmaul (s.d.)(Buck 13). — 7Vi<7-Maul (-Mal),
1. = das Kinds- oder Kälberraaul, welches durch
eine Pilzwucherung (Aphtbae, Actinomykosis)
= Lepra vitulorum, Porrigo leprosa, Ostigo
(Kirsch 840), einen meist teigig weichen, seltener
borkigen Zustand des Zungen- und Lippen-
Epithels zeigt (Maulgrint), Crusta lactea labialis
(Zlpp. 577; Merk 226; Falke I, 96; II, 69. 72. 358). —
2. = s. Teigmal als Krankheit an dieser Stelle
(Maulgrint). — (1661) Troll-, (1591) Trollen-, Drol-
/Vn-Maul (1582 Trollmaul; 1590 trollen maul ■ labeo
so labro, Ü. 313 - labioaus, Oad. Jun. 394; Gr. W.
VI, 616), ein Haugemaul mit sinnlichen, dicken,
Heischigen, schlaff herabhängenden Lippen,
wie es der Troll (s. d.) — Dämon hat. — (1742)
ungeschmecktes Maul, 1. — ein Mund, dem das
Schmeckungsgefühl fehlt, dessen Geschmack
fad, schal ist (Zw.). — 2. = die Geschmacklosig-
keit (funktionell). — t7nrrr-Maul== Unter- Lippe
(Sehmeller I, 1497). — For-Maul = die Lippen
beim Kindvieh (Wolf). — wehes Maulchen =
ein durch den Soorpilz, Oidium albicans, oder
durch Aphthenbildung schmerzender Kinder-
mund (Zunge) (Pauli 125). — TFetss-Mäulcheil =
eine mit weissem Soorpilz (Soor, Gur, Heb etc.)
belegte Mundhöhlenschleimhaut (böses Maul2)
(Gr. W. II, 640; conf. white jrnm. I.ehf. 246). — weites
Maul (lr>. Jahrb. wlt mule = rlctua, I). 498) = ein
Mund, dessen Lippenwinkel weit von einander
stehen. — Wurst-VAVd = ein sinnlich verän-
derter Mund mit wulstigen Doppellippen (labeo =
labro. Kirsch 637) (Trollmaul). — (16. Jahrh ) maul
henkolisch, Maulbengolischkeit = eine scherz-
hafte Wortentstellung des „melancholisch", der
gewissermassendas Maul hängen lägst (in Presden
mankolbch nach Andresen 65; Gr. \V. VI, 1805;
v, 2010). — Maul-.1#V*, • Beere, -Fäule, Oatter,
-Orint, -Krumme, -Flage, -Schwämmchen,
■Seuche, -Spalte, -Sperre, - Weh, - Winkel, - Wurf-
Maunzen ■■ Mautze.
Maus, f MäusLn. Mausen, f. Mauas, f. (ait-
Indogerm. müs = stehlen ; gem.-lndogerm. müs, „das
den Indogermanen In Ihrer asiatischen Urheimat bereit«
| bekannte diebische Tie/chen", Kluge *, 252; u.O';, mus
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Maus
407
= Maua, Muskel (musculus), Heyne III, 770 ; gem.-germ.
müi ; ahd. müt, f. = Maus, Armmuskel ; 9. Jabrh. müsl
— lacertl, pars brachll torl [Armmuskcl, blceps], Kub.
Maur. 66; Graft II, 673; mhd. müs, f. = Maus, Muskel
[= das kleine- Mauschen, musculus], Oberarm muskel ;
1332 maus = das Ellenbogen-Gelenk, Mäusl, Maus 2,
(ir. W. III, 1529; HUmui-csro, thoms, pulpa. D.373;
1419 maws oder buf femur, Schenkelmuskel, Schmeller
I, 1664; 15 Jahrb. die musz in der band; 1482 mauss
an einem arm oder daumen = musculus blceps, tbenar,
Zenlng. Voc. t7; 1661 meusslin = muscull. Bock 74;
1561 mausz, f. die aderiehlen Üieile des lelbs darin die
starke llgt, es sey an den armen od. an den schenkein
Gr. W. VI, 1819; 1691 mauss = musculus, Had. Jun. 19;
1692 die Mauss oder Mauasbrat = eine Stelle am Pferde-
kopf, Seb. 177 ; 1592 meuszlen, pl. = lacertae ( = Muskel],
Gr. W. VI, 1834; 1599 meuss, f. = die stelle auf der
naae [des Ifcrdes] »wischen beiden nasenlochern, Gr. W.
VI, 1819; 1616 maus, f. das ist der ort welcher das ferch
[s. d. = Leben] helsst , Paracclsus; d. h. eine lebens-
gefährliche Stelle am Körper unter dem Muskel, Gr. W.
III, U38; denn, wenn man die Maus durchschneidet,
schiesst das Blut wie ein Btrahl hervor. Heyne III, 770,
1698 die mausen = muscull, Gr. W. VI, 1821; 1713
mauszlln = Muskel, Gr. W. VI, 1834). „Wie sich auch
sonst Übertragung des Tiernamens auf Körperteile
tlndet" (Kluge 1. c.), so Ist nicht nur die Lacerte (§. d.
= Eidechse), sondern auch die schnell bewegliche,
feinhaarige Maus zu (witzigen?) Vergleichen für Namen
von Korperteilen benutzt worden ; (franz. la souris =
le muscle charnu, Briss. 39; Beilage z. Allg. Zcitg. 1896,
Nr. 81). — Maas, 1. ■» der siebtbar bewegliche
und bei der Bewegung anschwellende Hand-
ballen (Thenar, 8. Tenner), der wie eine beweg-
liche Mau« schwellend hervorspringende
Muskel-Ballen am Daumen der lebenden Hand;
die Isländer vergleichen solche« Muskelspiel mit dem
Zappeln eines Fisches und nennen es Lebensnsch
(Liebrecht 369) (s. Lauerte). — 2. = der beim leben-
den Menschen sichtbar bei der Bewegung an-
schwellende Muskelballen (Biceps) am inneren
Oberarm, „die Stelle, wo das Mauslein lauft" ;
1 und 2 galten als lebensgefährliche Stellen
wegen der Blutung aus der Arteria brachii
(Maus 9) und wohl auch wegen der Eröffnung
des Ellenbogen-, bezw. Handgelenkes bei Ver-
letzungen, darum w aren sie aueh = Färeh (s. d.)
(Gr. W. III, 1528. 1629; Hlntner 7. 16). — 3. = (urst
vom 15. Jabrh. ab wurde Mau* verallgemeinert) a Mus-
kelfleiecb (Caro, Pulpa carnis) = jeder willkür-
liche Muskel (damit 16. Jahrb. auch Schulausdruck).
— 4. = der Druckschinerz am Nervus ulnaris,
wo dieser auf dem inneren Ellenbogen-Knochen
aufliegt und dem Drucke leicht ausgesetzt ist,
der dann die kribbelnde Empfindung auslöst,
als ob „das Mäuslein vorlauft" gegen den Hand-
ballen (Antithenar). — 5. = die Vulva wegen
des behaarten Möns Veneria ^Kaiumermaus,
blinde Maus, s. Matitze) (Henncb. mase — vulva,
Spleas II, 64. 224; Kluge6, 262; Gr. W. VI, 1834), aber
auch die kranke Gebärmutter (s. d.) wurde für
eine lebendige Maua im Leibe gehalten, d. h.
als ein elbischer Dämon in Mausgestalt. — 6.=
ein mausfarbenes, feinbebaartes Muttermal. —
7. = bei Pferden die linde Stelle, wo der Muse,
levator labii anter. um Maule ist, mit dem weich-
haarigen Mausepelz verglichen. — 8. = Gelenk-
Maus (s. d.). — 9. = (1530) eine Arterie unter der
Arra-Aderlass- Vene (Cephalica), „die zu Zeilen
durch Unwissen der Adcrlasser für die Hauptader auf-
gethan wird" (Künigssperg. 48) (s. Maus 2). — 10.=
die andere Gestalt eines elbischen Dämons, der
sonst als Wurm, Engerling, Raupe, Grille, auf-
tritt. — Mäuse im Kopfe = Grillen (s. d.),
Schrullen haben (Z. f. ö. V.-K. 1896. 212). — Mäus-
lein, Mäuschen, 1. = (Übersetzung des) Musculus,
Muskel, Maus 3. — 3. = (altaachs. en museke =
musculus in poiiice, d. 373) = Maus 1. — mausen,
1. = blinde Maus spielen (Gr. W. VI, 1818), coire
(s. heimlich u. Maus 5). — 2. — mausern (s. d.).
— (i55i; mausecht = fleischig, muskulös (D. 588;
Hyrtl, K.W. 112; II. v. Gersd. 88) ( = musecht, muse-
liebt). — mäuseln (meiseln) = dem Pferde durch
Coupieren kleine sogen. Mausohren machen
(Mayer28 ; Falke Ii, 108). — Über die schulgemässen
(\fuskel-)Maus-Namcn sehe Hyrtl's Onomato-
logia anatom. und „Kunstworte der Anatomie"
nach, wo der für Geschichte sich interessierende
Anatome die für den weiteren Leserkreis ent-
i behrlichen Ausdrücke aus diesem speziellen
Fache finden wird. — .lr»i-Mäuslein (1482 mauss
\ an einem arm, 1>. 373; 1741 die maus am arm — bra-
chiacus, Kirsch 154) - Maus 2 (Gr. W. I, 669). — (1742)
/Jru*f-Mausen- Bronchial-Muskeln (Zw. 160). —
Z) flu m rri -MaUB (1482 mauss an einem daumeu=caro
in pollice, D. 373) = Maus 1. — Fleder-M&via = Ve-
1 spertilio = die Gestalt elbischer, geflügelter
Geister (Nachtvogel, Ke-Räuber (D. 615. 616),
welche die Leichen (re) ausgraben zum Blut-
saugen (Vampir.s. Blutsaugen) u. wieder Alp die
Haare verfilzen; sie ist wohl auch die tierische
Gestalt, welche das böse Krebs-Rotlauf od. die
Krankheit: „Rühr' mich nicht an! (s. d.) verur-
sachen sollte durch Besoichen (s. d.) (hesper can-
cerus, D. 276 ; ist wohl als herpes cancreus zu deuten).
— (1782) Fleisch-M&VLB = der fleischige Teil des
Muskels im Gegensätze zur Muskel-Sehne (M. H.
L. 1, 421). — (1831) GefVnfr-Maus = eine korngrosse,
manchmal gestielte, immer abnorme (verkalkte)
Knorpelmasse (Mus articularis) die innerhalb
der betreffenden Gelenk-Kapsel frei beweglich
ist und sich in den Buchten der Gelenkkapseln
versteckt, um wieder in die Gelenkhöhle wie ein
hurtiges Mäuslein vorzuspringen (Nach König,
Chlr. HI, 745, anno 1558 zuerst von Parrv extrahiert,
Chellus II, 362). — (1606) grosse Maus = die dickere
Muskelpartie (Adductores) am Pferdehinter-
schenke), welche sieb bei Bewegung des Beines
verkürzen und besonders aullällen, im Gegen-
satze zu den kleineren Muskelpartien an dem-
selben (Gr. W. VI, 720). — /fanrf-MaUS (1420 muus
van der hant; 1512 die muss in der band, I>. 373) =
Handballen Muskel, Maus 1. — Ht rwi-Maus
= ein besonders von Feinschmeckern, geist-
lichen und weltliehen Herren, geschätzter, bra-
tiger, hellroter Fleischteil (Mausbrat) an der
Garbschale deB Ochsen (Muse, obtur. int. et
pyriform., Gänsel», Nuss, Mümfele) (Augsburg,
Mannbardt 24 ; Schinell.tr I, 1664). — (1742) Hinteren-
Mausen - After-Muskeln (Zw. 75). — Kammer-
I Mäuslein ■ Maus 5, die behaarte Vulva, als
| taschenförmiges Gebilde (Kammer 2) (Gr. w. V,
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408
-Medium.
126; VI. law). — (l"4i) AV» «-Mäuse = Masseteres,
Kiefermuskeln (Kirsch 783). — O&r-Mäuslein =
Ohrwurm, Ohrlaus (Maus 10) (Spiess II, 177). —
(17«) Schliesa -Maus - Sphinkter, Musculus
constrictor (Kirsch 1120), zusammenziehender
Schlussmnskel. — Maus - . I dt r, -Auge, -Bein %
•Brat, -Fleck*, -Fleisch, -Geäder, -Häutlein,
-Klotz, -Krankheit', -Ohren, -tot, -Zahn.
mausern, Mausse, f. (iu der vorahd. Zelt ent-
lehnt au« lat. mütare , müat. mata = Fcderwechsel der
Vögel ; ahd. müzzon ; nihil, müzen — wechseln , Bayern
maussen; Tirol tnutlen [«. d .]). — Blut-M.&Xlsetung
m der Austausch schlechten Blutes mit frischem,
neuer« orbenem. — Mause (Heuneb. Möss ; Spie«*
II, 167), L = die umgehende »Seuche, Epidemie,
wie der Hühuerpips, wobei die Vögel rnau-
dernd, durch einen Obertragharen Parasiten
die Federn verlieren und wechseln (Schneller I.
1666). — 2. = Wendung (s. iL). — Maus-
Krankheif.
Mautze, f. Mantzen, f. (Matmzen) du min,
eine Katze schreien; mhd. mawen , Erbe 13) s in
weinerlich heulendem Tone reden (Bahn, I, 1664;
Heyne III, 703). — Mautze (1446 mautze — vulva,
C. v. Schm. 3H1 ; 1583, 1589 mautzen — vulra, Gr. W.
VI, 1836, 1612 mauue, Sehmelier 1, 1702) = die Vulva,
wegen des kat/.en- od. mauspelxahnlichen Möns
Veneris (s. Katze 3, Mutze); dazu da.« Mauzen-
kraut (Chenopodium vulvare, Jessen 92). — (1612)
patxete Maunzen - Vulva mucosa (8ehm. i, 1702).
Mauwe, f. (Mauen, Mawen) (mM. mouwe,
Schmeller I, U54; Gr. W. V, 53, 1587 mauwe = mti.ie,
tborns, D. 690; moewen = rurninnre, D. 503; 1118
mawen — dlckfletsch ohn baln, pnlpa coruis, Schindler
L c; D. 472). — (1587) /"'«ViscA-Mauen (fleisch
= pulpa carnia, D. 472) = das maw ig Heisch (Staldcr)
od. der Diechbraten, der fleischige bratige Teil
eines Schlachtstückes ohne Knochen (Adelung
III. 415; nyrtl. K. W. 112).
Mazelen, pl. (ndl. inaxelen) = Masern (s. d.);
aus Sympathia norainis wandern die Kinder
in Flandern nach Maxen-Zell (Masel) zur Ver-
lobung (ex voto) (Do Cock 40. 256. 257) (s. Marzeller).
Mäzen, pl. = Masen (u. a. Rh. 359).
Meckelen, pl. s. Makel.
meckern =» wie ein Ziegenbock abgeetoeseae
Laute hervorbringen, stottern (Urquell II, 158).
Meddik (ndd.; Fromm VI, 355) = kleine Made
(däu. maddike, srhwed. matk).
Medel, n. Meden, pl. ». Made.
Median, f. («us Medlannder [1470. 1607, D. 353]
abgekürzt , mhd. median, Lerer 157 ; rnnd. de medlAnen
In dem vordereu arme. Mag. Harth. 92a; 1777 inedlan-
ader, D. 363) = Vena mediana, die Mittlerin
(s. Mittel- Ader), eine im Mittelalter sehr httufig
zum Aderlasse benfltzte Hautvene in der Arm-
Mitte, wo siedurch ihrVolumen auöallt (Median-
ader, grosse Ader, Herzader etc.) (Kunlgssp. 4«.
Krautw. LXXX1V).
Medium, n. = die Mittel- (lat. medlui) Person
zwischen dem Allmagnetismus (s. d.) Mesmers
und dem Hypnotiseur (s. Hypnotismus).
Meer, n. — Meer-/orf, -Linsigkcit, -Minne,
Mehl, n. (west-indogenn. mel, mal = mahlen
(mo'o, u jHr, , gem.-ge. m. nialan [mahlen], melaw
[MilbeJ; ahd. melo [Mehl], melan [mahlen]; mhd. mel
— daa durch Mahlen [s. Grand] Gewonnene ; mit dem
Mehle verglich man): L den Milben-Abfall im
Haarboden. — 2. = die weissen Soorpilzmassen
im Munde. — 3. = mehl weisse, kleienartige
(s. Amel*) Abschuppung der Haut — Mehl-
Flechte, -Fleck, -Grand, -Grat, -Grint, -Hund,
•Mund, - Wurm.
Meiden s. maiden.
Meier s. Maier.
s. Mal.
meinen (Indogerm. man ■ denken ; westgenn.
malnjan; germ. mein — Schaden, Falschheit, Frevel.
Lalstner II. 338; ahd. metnan; mhd. meinen = seine
Gedanken worauf richten, iür oder gegen Jemand eins
Gesinnung haben, Kluge*. 254; lltau. laumes ap-
malnytas = Wechselbalg) , der durch Ab- , Ver-
meinen (s. d.) verzaubert wurde (Lalstner II. 338 ff.).
— Gemeiatheit (1654, ndl kamantheydt des hart*,
De Cock 252, Anrn. ; „kamant, schoon in geene woorden-
boeken te vlnden, is nog van dagelijksch gebrulk;
00k dät is overlevering ") — eine aus böser Gesin-
nung, durch Vermeinen, nach dem Volks-
glauben angezauberte Hautkrankheit , a. B.
Dermatitis eczematosa. — Vermeinen, Vermeint
(Verm&nnt) = eine ganz böse Gesinnung, Ver-
wünschung gegen Jemand hegen. Nach dem
Volksglauben vermeinen, verwünschen, z, B.
die sogen. Hexen oder auch solche I^eute, deren
Augenbrauen (Wenkbrauen, s. Ratzel n, Trude,
Nacht -Mar) in tückisch -neidischer Art über
der Nase zueammenstossen , die Kinder; die
Folgen dieses Vermeinens sind: 1) = der Alp-
druck und das Erscheinen der Nacht mar (s. d.)
(Simrock, D. M. 476; De Cock 181). — 2. = bei
Kindern: a) die Abzehrung (Paedatrophia,
Altvater, Älterlein) (Lalstner II, 338 ff. ; Lammen 82;
Fossel 64; Verf. Volks -Med. 29. solche Vermeint-,
Veraeid- oder Beschrei-Ktnder [s. d., lnfantes lncantati,
s. vergalstern] werden durch Beschwerungen und
durch das Vermnln- oder Vermeintkraut (Thesium
alplnum, Schmeller I, 1612; Dalla Torre 68 Frauen-
haar] behandelt In der Volksmedizin; das betr. Kind
wird mit der 8egcns!onnol : „unser Herrgott behüut"
mit Weihwasser besprengt. Schmeller L c.) ; b) der
Wechselbalg (s. d.), der den elhischen Dftmonen
vermeint ist, wie das Bilwizkind. — 3. = über-
haupt ein anscheinend grundloses Unwohlsein
(Z. f. d. Mythol. iv, 407. 408), namentlich aber das
Prodromalstadium des Hydrocephalus acutus
in fjuit tum (hitziger Wasserkopf); wenn ein Kind
heftig schreit (crie hydroeephalique) und sich
nicht beruhigen Iftsst, so ist es nach dem Tiroler
Volksglauben vermeint (Zingerle 5). die „Nacht-
wuone" will das ihr vermeinte, zugedachte Kind
rauben. — 4. = Viehseuchen, deren Ursachen
das Volk beim Mangel anderweitiger Gründe
dem „Angothan sein" (s. an-thuen), d. h. dem
Einflüsse schelmischer, tückischer Alpdflmonen
zuschreibt (Zeltschr. f. Mythol. IV, 408). — "
Wichter,
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Meise — Melancholie.
Melancholie.
40»
Meise, f. 8. Maae, Maua u. Maiae.
Meise, f. (der Vogel aus der Familie der Sperlinge;
abd. mit). — Pi/)-Meise (Oldcubarg plpmeeachen)
= schwächlicher Mensch, der viel und oft klagt,
weinerlich that, wie eine Meise zipt (s. Pip)
(Goldschm. 155).
Meissel, m. (germ. melta [schneiden] ; mat [be-
hauen]; abd. meizU; mbd. meizel = Werkzeug zum
Abstonen und Bebauen, Kluge6, 254), 1. = (1687)
Speiseröhre, Oesophagus (Hyrtl, K. w. 125), viel-
leicht weil sie auf dem Ruck meissel aufliegt. —
2. = (mbd.) Penis (Lexer 159) als Werkzeug. —
3. = meiaaelartige Knochenstücke (spina dorsi)
(D. 54«). — 4. Mi sei (s. d.). — 5. = les inaisseülers,
masselleres — Hauzahne (Briss. 41). — (1507) Rippen-
MeiSSel (Hort, aan.; 1582; Lonlc. 156) = der Teil
des Ruckgrates (Ruckmeisael), an welchem die
Rippen sitzen. — A'ur A-Meissel (1551 Bock 174;
1559 ruckmeissel = spina dorsl ; 1578 — Rückgrat ;
Gr. W. VIII, 1374; 1582 rueckenmeyssel vom Hals blss
auS den A Stern, Lonlc. 40. 182 ; 1064 ; Tabernaem.) —
die mit Stemmeisen-ähnlichen Fortsätzen aus-
gestatteten Rflckenwirhelknochen (Hochruck).
— Meissel- SmcM, - Wunde.
Meister, m. (entlehnt aus lat. magister; abd.
melstar; mbd. melster a Titel für sehr viele Ämter
[Kluge*. 254], selbst für den Scharfrichter, Schinder,
Abdecker [ ~ Halbmeister], für den Tod und Teufel).
— Meister- In ü i/( = Tod, der unter Todes-
qualen Beines Amtes flbt. — Bein -Meister =
Titel fflr den Knochenmann (Tod). — (1843)
Toni -Heister = französische Tansmeister-
Stellung (p. d.) dt:i Pferdes, d. h. mit der Spitze
des Hufes fiach r.'isw'hts (Kalke II, 867). — Zehen-
Meister (14 labrh. zehlmalsta, Hyrtl, K. W. 36) =
üroasdanme; - gröBste Zehe (s. d.).
Melancholie, f. (durch grlech. -lateinische Hell-
wlssenschatt aus grle« b. nielas chole = Int. bllls atra
s. nigra = schwarze Gallo, In die deutsche Schutmedizin
übertragen i 1260 melancollcus, PfeiScr21; mhd. melan-
coUe, Schmcller I, 1587; 14. Jahrh. melancollca, HoSm.
I, 319; 1591 melancholey = bllls atra. Hart. Jun. 20.
1515 melancoley Tel erdische complcxion, D. 354). —
I. — Schwarzgalligkeit (Morbus molancholi-
CUS, schwarze Sucht, s. d.); (der melancollcus de«
mud. Magister ßarthol [101b] Ist ein Mensch, dessen
Urlnwaaser dünn und weiss Ist, der bat des ange-
borenen Blutes allzuviel ; der Mensch Ist duukelfarben
[fuscus color, Bllitusclu]; der Mensch wird in kurzer
Zeit allgrau; der [mhd.] melancollcus [1'felBer 21] hat
des Blutes zu viel; das Ist erschwarzet [verbrannt];
sein Harn Ist dünn und weiss und wird er schier grau j
die melancholischen I-oute [Adelung, Nachr. v. oltd.
Oed. 11, 169] sind „ertuar" [erdfarben] die beduden
[bedeuten] Ir varbe Ist der gezierde blint [nicht frisch-
rot); sie sind Ihrer Natur nach kalt und trocken im
4. Grade; 14. Jahrb. ,,dy minner werlt [ = Mikrokosmus]
an dem menschln Ist von vier vuchtln [s. Feuchte]
tau satneno kumen der mau »ich ulndlt slchtichllchen
an Im unde allen slnen ltden wan sl alle von den
uiren [ — vier Feuchten, s. d.] gemacht sint, daz Ist
blut unde colera unde fleema unde melancolia; die
4 vuebte werdent In des menschen übe von der spise
nnde von dem trinkene", HoSm. I, 319; 1475 udd.
melancolia = natuer vel complexlo als bleycko ert-
varwige luyde beben, D. 364; 15. Jahrh. melancollcus
= eyner der do vil krumer fantasy hat, D. 164; bei
Luther VIII, 268 ubl caput melanchollcum, Ibl dlabolus
habet paratum balneum [s. u. III ] as Vorstadium der
Besessenheit oder Geisteskrankheit; 1480 melancholla
duz huizent die dürgen [Thüringer] rasen, P. II, 249;
1532 in der Leber wird das Blut gemacht durch Mit-
wirkung der mesaralschen Adern und wenn dieses
gemacht Ist, hat es ein Verzeichnis mit dem neuen
Wein, In welchem dreierlei Wesen sind am Boden die
[schwärzliche] Hefe, In der Mitte der [lautere] Wein
und oben der Schaum [s. Blutfelm]; also sondert die
lieber [aus dem daselbst zu garenden Speiseblute]
zuerst den Schaum [= feuchte Cholera] in dem Haut-
lein der Galle [Bilirubin in der Gallenblase = rote
Cholera], die Hefe, das iHt die Melancoley, die
kommt In die Milz ( = Milzpulpa, s. Milz] , der Edels
aber, das [rvlngelauterte] Blut kommt zu dem Herzen
und für und für zu jedem Glied nach seiner Würde",
nach Fries 108). Diese den kalten und trockenen
Humor bildende, die Constitutio melancholica
ausmachende Bchwarzgallige Btuthefe d. mittel-
alterlichen Medizinschulen, welche man in den
Capsulae atrabiliariae (s. Neben-Nieren) und
in der Milz (b. d.) (1645) „gleich als eine Asche
aller vier Feuchten" (Säfter(lckstand) Coler,
H. A. 77) angehäuft annahm, hat die neuere
Medizin als Morbus melancholicus (I) ganz Ober
Bord geworfen; am meisten entspräche ihm
vielleicht ätiBserlich : die Pigmentierung der
Haut durch dunklen Blut- oder GallenfarbBtoff
(schwarzer Tod, schwarze Blattern, schwarze
Gelbsucht, Malaria-, Syphilis-, Krebs-Kachexie,
Addisson'sche Krankheit, Scharbock 4 oder
Skorbut etc.); (1712 Scharbock Ist der höchste Grad
der Melancholey, Zw. 963, apostema melanchollcum =
Krebs, Behrend 68). Da die moderne Physiologie
nachgewiesen hat, dass der Gallefarbstoff sich
aus dem Farbstoffe der roten Blutkörperchen
bildet, und dass in der Milz, die in der Regio
hypochondriaca liegt, viele solche rote Blut-
körperchen zu Grunde gehen, so war die mittel-
alterliche Humoralpathologie, die in der Milz
die eigentliche Stätte der Schwarzgalligkeit an-
nahm, gerade nicht absolut irrig; allerdings die
Beziehung derselben zu den Geisteskrankheiten
(Melancholia III und Hypochondria) war ein
solcher Irrtum, entschuldbar durch die falsche
Grundlehre von den 4 I Juniores oder Feuchten;
nach dieser Lehre sullte nämlich die kalt-
trockene schwarze Galle (Melanchole)alsGrnnd-
feuchte (in Analogie zum Naturelemente: der
Erde) auch dio Ursache: II. der natürlichen
(normalen) A n 1 a ge od. des Temperamentes
der Melancholia corporalis sein, und diese Kon-
stitution (Melancholia constitutio) der
trägen, kalten, trockenen Erde entsprechen;
sie sollte das sogen, irdische Blut (s. d.) liefern,
das mehr irdische Materie od. erdige Salze, Salz
überhaupt haben sollte nach den Lehren der
späteren iatrochemischen Schule, während die
Solidarpathologie es als dick u. dunkel bezeich-
nete, in ansehnlich breiteren Blutgefässen es sich
bewegen Hess uud den letzteren engere Poren,
den Geweben aber solidere Dichtigkeit zumass;
die Neuropathologen wiederum suchten den
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410 Melancholie.
Melatschheit— Mensch.
Grund zum melancholischen Temperamente
(= geringere Reizbarkeit, grosse Nachhaltig-
keit der Stimmung namentlich der Unlust-
Affekte, hoher Tonus mit tiefen Affekten und
Gefühlsanregungen) in der Schwache und ge-
ringeren Reizbarkeit der langsamer reagieren-
den stumpferen, gröberen Nervenfasern; die
astrologisch Gläubigen Hessen dieses Tempera-
ment (Komplexion, Konstitution) regiert sein
vom Gestirne des Stieres, der Jungfrau und
des Steinbockes (lr>30; Künigssp. 5. 33), es sollte
im nebeligen Herbste anwachsen und galt als
„unedelste Komplexion", da sie sich nur aus
der Vermischung der schwarzgalligen Grund-
hefe mit dem Blute in der Milz und also nur
durch die Grundsuppe des Geblütes, die Jauche-
brülie desselben ausbilden sollte. Die patho-
logische, „unnaturliche, Ubernatürliche" (s. d.)
Steigerung dieses nach den Lehren der Hu-
moralpatholngie immer noch zu den natürlichen
Feuchten (Humores) gehörenden Tempera-
ments (s. d. — Melancholia constitutio) „des
schwerblütigen Gefühlstemperamentes" (Kant)
war III. die Melancholie als Milzsucht (s. d.)
- Melancholia mentalis, Chagrin (14. Jahrb.;
Du c*nge V.S30), Aegritudo animi (17. Jahrh. j Gr. W.
VI, 1989) = Dysthymia, Trübsinn (s.d.) Sch wer-
m u t (s. d.) od. als das sog. melancholische
oder hypochondrische Stadium der
Geisteskrankheiten (= Melancholia Ga-
leni et Pauli Aeg.), wozu noch die moderne
„Nervosität" und „Neurasthenie" hinzuzufügen
waren. Wahrend die Uräko-Komanen als Schopfer des
Namens : Melancholie den Begriff derselben von der
schwarzen Galle abgeleitet hutten, die «ich dem nor-
malen Blute zuviel beigemischt habe und so den Ver-
staud verletzen sollte, verschob sich unter dem Ein-
flüsse der ,, Hypertrophie des dogmatischen tilanbens"
(Klczlcr), die sich auch In der Medizin breit machte,
dieser Begriff Melamholla lunter einem bedauerlichen
Kucksehlage iura krassesten Damonisraus) zur „teuf-
lischen Besessenheit u. Behexung". Darum war 1677 die
Melancholie ein Seminarlum oder Garteuschule aller
anderen Krankh. [Heyn.) n. (1743, bibl. Medik.387) auch
,, des Teufels Bud", d.h. der Ausgangspunkt, von dem
sich dunn die übrigen pbautastlsohen Formen der,.teufl.
Besessenheit" (= Geisteskrankheit) zeitlich ableiten
sollten. Gegenwärtig versteht man (Grlesinger272 ; 1871)
unter Melancholie III „eine Anomalie der Selbst-
empfindung, der Triebe und des Wollene, ein
andauernd psychisch schmerzhafter Zustand,
welcher durch joden psychischen Kindruck von
aussen verstllrkt wird" oder (1875; KraSt-Eblug,
Lehrb. U. gerlchü. Psychopathol. 70) „eine durch
krankhafte Erregung des Gehirns bedingte,
äusserlich nicht od. nicht genügend motivierte
schmerzl. Verstimmung, diesich als psychisches
Wehsein, Missmut, trübe Laune, Niederge-
schlagenheit im Bewusstsein geltend macht".
— melancholisch, 1.= sch warzgallig I. — 2.=
mit dem noch in die Sphäre des Gesunden zu
rechnenden melancholischen Temperament (II)
behaftet. — 3. = geisteskrank, pathologisch me-
lancholisch (III), hypochondrisch (maulhen-
kolisch, mankolisch in scherzender Verhüllung).
(1742) 2?ä)»iut/<r- Melancholey = hyslerisches
Irresein (s. Jungfrauen -Schwermut, Melan-
cholia III, uterina) (Zw. 264). — &ö«r Melancholey
= schwerer Morbus melancholicus (1). — fiss»)
feuchte Melancholey (in dem Magen) = das
braune (Bilifuscin) oder grüne (ßiliverdin) Er-
brechen, die melancholische Feuchte (s. d.,
Magenkatarrh, Ruhr, Leberleiden) (Fries 71). —
(H8I) schwarze Melancholey [C v. Megbg. ; i582;
Lonlc.2ö2), 1 = das Erbrechen von dunkler Galle.
— 2. = die dunkle Hautpigmentierung beim
Icterus gravis (Leberkrebs), Melancholie I. —
3. = das sogen, schwarze Blut, das sich durch
furchsame.ersehreckl. Träume (Melancholie III)
iinssern sollte (Loulcerus). — (1609) traurige
Melancholey = die depressive Gemfltastira-
mung (Melancholy III) (Guar. 871). — (1760) über-
natürliche Melancholie = die nach dem Volks-
glauben durch unnatürliche Ursachen, z. B.
durch Hexenwerk oder Zauberei verursachte
Melancholie III = Geisteskrankheit (Staric. 308).
— (1505) verbrannte Melancholey = die Schwarz-
galligkeit I ; durch Oxydation gebt das hellrote
Bilirubin in dunkleres Bilifuscin über, letzteres
bildetdann die dunkle Hautpigmentierung, t. B.
bei Lebersyphilis (Fuchs I, 313; Dr. Minderer)
oder Leberkrebs (Melas-Icterus). — (1789) wahre
Melancholie = Melancholie III, eine mit de-
pressivem Affekte verbundene Gemfltakrank-
heit tum Unterschiede von der Schwarzgal-
ligkeit (Melancholie I, II) (Nicolai II, 24). —
melancholische^,«) Blutflusa, Fieber, Husten,
Keuchen, Krätze, Mucken, Unmut, Zufälle.
Melatschheit s. Maltzey.
melden (— angeben, verraten [durch ein Mal?),
Kluge*, 254). — die Krankheit meldet sich =
schickt seine Vorläufer od. Boten (s. d.) voraus,
Prodromalstadium, Annotatio.
Melk, n. Meieher (ahd melk, melic ; 8. Jahrh.
inelcher, Graft II, 722 — fotus, a, um; 14. Jahrb. melc
= milchend, Milch gebend [vom Weibe], infolge der
Konzeption und Fruchtentwickelung, Hoffm. I, 3»3),
(vergl. Milch, Gemilk). — Blut melken = blutig
gefärbte Milch aus einem Euterviertel geben. —
Frauen-VLeXk. (ndl. vrouwenmelk , De Cock 67) =
Frauenmilch. — G- melk = das Kuheuter, Ge-
euter, an dem gemolken wird (Z. d. D. 0. A.-v.
ml, s. 213). — gelb melken = gelb gefärbte M ilch
infolge des Genuese« gewisser Pflanzen ent-
leeren. — ÄerH-Melk —■ b. Milch. — Kinder-
Melker — nach dem Volksglauben der Alpdämon
unter der Gestalt eines Vogels (Oapriroulgus,
| Strix alueo, 8. Habergeiss), welcher die milch-
gebenden Brflstchen der Neugeborenen aus-
saugt (Lalstner II, 251. 258). — Melk- Vieh.
Memme, f. Memm, m. Memmecken, n.
niemein s. Mämme, mämmeln.
Mengel s. Mangel, Mängel.
St. Menns s. St. Monus.
Mensch, m., n. (westgerm. mannlska = humanus
1 [homo], der (icgensaU zu Weib und Tier; ahd. mcnnlsc
= humanus, mennisco, mannUco, menschlich ; mhd.
mensch, mensche, m., n.; 14. Jahrh. menscho — con-
jux, D. 143; mnd., 14. — 15. Jahrb. lnynsch, J. f. nd.
Spr.-F. XV , ndl. vrouvvmenscb = Frau, Weib, Demo
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Mensch.
Mensch.
411
kritos XII, 26) - die höchste Gattung der Erd-
bewohner, das einzige animale Gehirn-Wesen,
der oder (mhd.. oberd.) das Mensch (Ranke; Heyne
III, 791; Kluge1, 255; vom 18. Jahrb. ab gab man dem
Neutrum eine moralische Wendung) (8. auch Leute).
— Menschheit (abd. mennUchcit ; mhd. menschcit,
Schmellor I, 1620) — die Eigenschaft als Mensch,
menschliches Wesen od. Natur. — menschein
= menschlich handeln o. empfinden (Demokritoa
Ii. 118. Ii»). — 4/?«i-Mensch, L ■ ein im Ge-
sichte wie ein Affe, also übermässig behaarter
Mensch (Haarmensch). — 2. = Mikroeephalus.
3. es Anthropopithekua (Ranke I, 157; II, 34fi). —
ausgeäderter Mensch = ein menschliches Skelett
(s. aueädern) (Schmeller i, 3C). — Bären Mensch,
1. = ein Haarmensch (s. d.). — 2. = ein Mensch
mit grosser Kraft, wie man sie namentlich be-
haarten MenBchen zuzusch reiben pfiegt (conf.
Haare anf den Zehen) (Ranke I, 157; II, 345). —
(1808) /»«uu-A-Mensch = eine menschliche Miss-
geburt, ohne Kopf, ohne Hera, eine unförm-
liche, von einer normalen Haut bekleidete
Rutupfgestalt mit Wirbelsaule - Rudimenten
(Amorphus aeardiacns) (Gmlthuisen 32). — befan-
gener Mensch (IS. Jahrh. ein bevanghen mynschc.
ndd., D. II, 35 - arrepticlus) = besessener Mensch 2,
behafteter Mann. — (1756) betet:!, r Mensch, 1.-
ein mit Fleisch wohl bewachsener, starkglied-
riger Mensch (A. v. B. II, 413). — 2. = Besessener
(s. d.). — dürrer, dörrender Mensch, 1. — ein
Mensch mit trockener Komplexion oder Natur
(cholericus) (Gr. w. II, 1738) (s. dürre Leute, Natur).
— 2. = ein fettarmer Mensch. — 3. =(1475 tercnde
mynsch = phtblsJcus, D. 585), abzehrender Mensch.
— (1582) flüssige Menschen ■ am Durchfall,
Darmfluss leidende Menschen (Lonic.28l). — (1582)
geschnittener Mensch - Kastrat, Eunuch (Loale.
251). — (1532) geschwollener Mensch - ein durch
Wassersucht angeschwollener Mensch (hydro-
picus) (Fries 89). — geiziger Mensch (16- Jahrh.)
truckner gltzlger mensch — colerleus, 1). 131) = ein
Choleriker. — (1879) Haat -Mensch = ein Mensch
mit einer tierähnlichen, d. h. abnorm starken
Behaarung, die man als Büchsen- oder Hosen-
wolf bezeichnete (altnord. ülfhamr, Kluge5, -104 =
(Wchrwolf, «. d.) wenn sich dieselbe auf den
Schenkelteilen besonders bemerkbar machte
Hypertrichosis universalis) (Kleinpaul, d. Mittel-
alter «06). — halber Mensch, 1. = Albermensch,
Alp (s. d.). — 2. = Einhanker, der nur eine
Hüfte hat (die andere Lende wirft der wilde Jäger
de« Volksglaubens ihm zu, Lnlstuer II, 91. 235). —
8. = halber Mann (s. d.). — Hunds-, hündischer
Mensch, 1. = Haarmensch (s. d.) (Klclnp. 1. c ;
Ranke I, 160). — 2. = Kynanthropos, hundstoller
Mensch (Hundswnt). — 3. = (1482 bandihauptiger;
1515 hundischer mensch , P. 120 = eynoeephalus
tnonslri dioü, quare canlna capita habeant) = Wolfs-
mensch. — (1418) kranker Mensch — Siecher
(s. d.) (Haeserll, Anhg.45). — (1482) leibiger Mensch
=> homo grossus, ein Mensch mit Fettleib (Zen.
Voc. s6). — Löwen -Mensch = ein Mensch mit
beinahe fellartiger Behaarung (Haarmensch)
(Ranke I, 157). — (1489, lö. Jahrh.) lungen-sieches,
-süchtiger Mensch - ein lungensüchtiges
menschliches Wesen ((ir. w. vi, 1305; Arzneibuch).
— malotzer Mensch = ein an dem Lepra- Aus-
satze (Malatzie, s. d.) leidender Mensch (Schm.
I, 1584). — 3fu»iiV»-Mensch = ein Skelett-
Mensch, dessen Arme und Beine wie bei einer
Mumie von einer trockenen, strafi gespannten
Haut bedeckt sind, so dass sie keine Falten
zeigt. — AW<f-Mensch = ein Albino od. Kaker-
lak, ein Nachtsichter, d. h. ein Mensch, der bei
der Dunkelheit oder Dämmerung besser sieht
als am helleren Tageslichte, wegen der durch
die Pigment-Armut der Augenblende (Iris) ge-
störten Lichtempfind ung (Roth is; Gr. w. VII, 201).
— (1680) pestüenzialischer Mensch — ein von der
Pest heimgesuchter Mensch, homo peste con-
tractus (Gr. w. VII, 1574). — (1477) rittig(er) Mensch
(Ortoll) = ein vom Kitten (s. d. = Fieber) heim-
gesuchter, fiebernder Mensch. — (1551) schelliger,
schelmiger Mensch = Homo maniacus, ein tob-
süchtiger, wütender, im Pestfieber delirierender
Mensch (siehe Schelm) (Rock 46. 134 ; D. 431). —
ScWan^en-Mensch, 1. = Vipern Mensch (s. d).
— 2. = ein Mensch, der seine Gliedmassen wie
eine Schlange verschränken kann. — Schwanz-
Mensch - ein Mensch mit tiersch weifähnlicher
Verlängerung des Steissbeins (Hetnmunxsbil-
dung?), exzessives Wachstum des embryonalen
wirbellosen Schwanzes. Ni- Mensch = Nickert
(s. d.) (Wuttke, s. 47). — SJtf/eff-Mensch, L bs ein
Mensch, der nur aus Knochen (und Haut) zu
bestehen scheint. — 2. = Totengerippe. — spital-
süchtiger Mensch (rund, spittelüschen royuschen.
Mag. Barth. 93 a) = ein wegen Aussatz (Elephan-
tiasis leprosa) im Leprosenhans befindlicher
Mensch. — Stachelschwein-Mensch - ein Mensch
mit stacheliger , zapfig degenerierter Horn-
schichte der Haut (Ichthyosis hyatrix, Echino-
dermus) (Hieltet, natür. Sc'hftpf.-Gesch. 1879. S. 160 ;
Abbildung b. Mehrend, Tafel XXIX 3, 8. 16. 841. —
(14. Jahrh.) tobender Mensch = ein an der Hunds-
wut (s. d.) erkrankter, wütender Mensch (Hoffm.
1, 326). — (1697) totes Mensch = totes mensch-
liches Wesen (Schm. I, 1628). — f76e»-Mensch =
ein aussergewöhnlieh begabter Mensch. — (1591)
i 'n Mensch = das dem normalen Menschen un-
ähnliche Monstrum (Missgeburt) (Hadr. Jun. 15),
das der Volksglaube für eine Teufelsbrut hielt
(s. Alptraum). — unsinniger Mensch (15. Jahrb. ein
unsinniges« mentbsa — dellrus, D. 172) = ein Mensch
im Delirium (s. verstört). — unfemtefVr Mensch
= ein etwas niedrig gestellter, sonst aber wohl-
gebauterMensch Fi/jcm-Mensch = ein Mensch
mit einer grünlich pigmentierten, nach Vipern-
art sich abschälenden Haut (Münch. Med.Wochsehr.
1882, ». 121). — TVflswr-Mensch, 1. = die menschen-
ähnlichen Wassergeister (Nixen) des Volks-
glaubens, welche die Kinder der Menschen aus-
tauschen (s. Wechselbad) (Köhler, V. Br. 474). —
2. = Nickertskind des Menschen vom Nix (siehe
Meerminne) erzeugt oder ausgewechselt (Wuttke
361 ; Witzscher I. 153; (1,287). — 1MB] H'oc/s-Mensch
= Lyeaon, Wehrwolf (s. d.): 12 Tage vor Weih-
nachten werden bose Menschen zu Wulfen (Hunden)
ii. verwandeln sich, wenn sie ausgetollt haben, wieder
zu Menschen (Livland; Coler, II. B. 111, 684) — eine
krankhafte Abweichung von dem normalen
Gemeingefühle, ein krankhafter Wahn eines
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412 Merge — Mennig.
meschugge— Mieren.
geisteskranken Menschen , der sich in einen
Wolf verwandelt glaubt (<Mm*. 811.— Menschen-,
menschlicher,«) -Dein, -Blatter, -Fett, -Haut,
-Körper, -Krankheit, Kunne, -Materie, -Pocken,
- Wasser, - Würger.
Merge, f. Mergeden. (Nach dem n. jonrh. ist
Morgen, Märgen = St. Margen. Marjen ; lU'J Merga,
Mergou a Moria [Jungfrau], Schm. I, 1637. 164?) = die
3 Fräulein , iniigen Fräulein de« deutschen Volks-
glauben», welche als KrankhelUdäuionen aufgeht»«!,
den von ihnen veranlassten Krankheiten ihre Kose-
namen übertrugen ; sie mähen auch das Augeufell ab,
nach dem Volksglauben (Z. d. V, f. V. K. 1897, H. M) und
entsprechen auch den in Blutsegen auftretenden
3 Jungfrauen: Blutrote. Blutgrete. Blutstehstlll (Engel
255; Kohler 101). So ist Mergeden, f-, pl. = Zit-
terach, Zittersclien (Schmeller II, 1164), d. h. ein
von den 3 Schwestern, Jungfrauen (salinen
Fraulein) gebrachter Hautausschlag in Zitte-
rachform (Kkzema, vgl. Natrelbh'Uen). — Krisch-
MergO = eine der 3 Frauenroter Schwestern (s. Kri-
sebona), welche als Geburtshelferin den kreischenden
Gebärenden notlftsend beisteht, entsprechend der Xorne
im Fafnismal (Jordan 353), die als N'othelferin aus dem
Wlchtcl- oder Asen-Gcschlechte die Kinder aus dem
Mutterleibe entbindet (Slinrork, U.D.M. 346). — I'dl-
Merge = eins der 3 Jungfrauen (%. o.), die auf der
Haut ( = Belle , s. d.) einen Bose-arUgeu Ausschlag
(Dermatitis eozemato*a) verursacht (Slmrock, H. D. M.
346, vergl. auch Bäll Bose). — iV/ucf/Z-Merge ■
eine der 3 Schwestern oder Fräulein, die eine Haut-
Schwellung (beim Zitterach) od. die Schwell-Rose und
Schwell-niUe (s. d., Dermatitis, F.rysipelas) verursacht
(Simrock, II. D M. 316). Diese Ssallgeu Fräulein oder
Mergen entsprochen den h. Jungfrauen bei den Letten
(Bartels, In Zeitschr. d. V. f. Volksk. 189'., S. 16 SS. 30).
die in roten, gelben und weissen Gewändern erscheinen,
entsprechend den verschiedenen Stadien der von ihnen
veranlassten Dermatitis ; hie spinnen und zwirneu, wie
die neue Kleider spendenden Nomen (s. Nagelbliitcn
= Nornenspuren ; Liebrecht, t. Volksk. 32'JJ u. werden
geuiobut, ihre Seldcnfäden (i. Naht) In Walde zu
wirken | vermutlich ist diese Dermatitis der 3 Fräulein
dos Zill (SalzV), Zilie oder Zelte, t>elde. wegeu deren
der Flauiläuder nach Zellik oder Zllliek (Sällg !) wall-
fahrtet (De Cock 262).
mergeln «. Mark.
Merk s. Mar k, S. 399. - Merk-Ma/.
Merkur. Durch den Klnfluss der Astrologie erhielt
das Quecksilber den Namen des Merkurge*llrun, wol>ei
die ustrologi-ich alchemistische Mcinuug annahm, dnss
zwischen dem Planeten uud seinem Metalle Mereurlus
durch unendlich kleine Körperrhen, welche von dein
Bluneten u. seinem Metalle ausfliessen, ein Zusammen-
hang vermittelt werde. — Merkuriali.sniu.s Mer-
kurialkrankheit, U ydrargyrosia — MerkurUal)-
Fieber, -Finger, -Krankheit, -Skorbut.
Merl s. Hirl.
Merrie, f. s. Mar.
Merung, f Mering, Merin, Mörin (1471 morin
■ Ausgang der heimlichen Gemachter, Kanal, Schm.
I, 1641; 1628 merin [= mering]) — Oesophagus,
Schlundlohr, Speiseader, der Speisengang
IFrie« I7)J
meschugge (bebt*, mesohucke, »ug = dellrare,
Kleinp 66) = verrückt, albern (H. Paul 303).
Messer, pl. = Masern (s. d.) (Goldachm. 136;
Oldenburg).
Messmer, m. = er kommt auf des Messmer s
( = Küster, Signst) Gart*n (Buck 23), oder auf des
Messmer's Alm (Oberbayern) ^ auf den Freithof,
er stirbt.
Mette, f. die finstere Mette (matutina teil,
hora - Frühgebet) halten = coire (Gr. W VI. 2147).
— die trunkene Mette - das Geräusch beim
morgendlichen Erbrechen des Betrunkenen
Vomitus matutinjs (Gr. W. 1. eod.).
Metze, f., 1. = Koseform für Mechthild; Mädchen
niederen Stande«, Hure (Kluge *, 256). — 2. — Getrelde-
moss (Kluge 1. c. ; Sples» II, 162). — in die Ralb-
I Metze fallen = in die Ohnmacht (i-mäehte). —
SriYAc-Metze - s. Seichmotze.
Meuchler, tu. ( Mauchel, M;iuchler . Muchler)
(vorgerm. inüg ; gertn. mük — heimlich lauern, mit
I Gewalt, heimlich thuen; ahd. mühhllftri = einer, der
belmlich lauernd anfällt (= mühhftu]; müh = Helm-
tücke, Kluge*, 257. 262; mhd. tnlucbeläre [Meuchler];
dozu mocken = versteckt liegen [Manke, «. d.); 1660
meuchler = eine Art Krankheit, Schmeller I, 1661; 1688
meuchler = eine unbestimmte, fieberhafte Krankheit,
I Gr. W. VI, 2189; [Schwaben] Malcheln = Nassel [s d.|.
Kellerwurm; [Appenzell] müchler = Blutgeschwar,
Heyne III, 808), l.^eine heimlich versteckte, wie
ein schelmischer Dflmon, in Assel-, Kröten-
oder Wurm-Gestalt lauernd heranschleichende
! Krankheit ohne bestimmt ausgeprägte Erschei-
nungen, wenn auch schon mit Fieber, da« im
Menschen „muckert", „zipft" od. „brütet", ver-
bunden, z. B. Prodromalstadium des Malaria-
fiebers (Schmeller I, 1661; Lammert 85; Wackern.
Abhdlg. III. 155). — 2. = das Muchel-Aiss (Kurun-
culosis), Blutschwftr (Gr. W. VI, 2169. 2162; Schm.
I, 1661), vielleicht in begrifflichem Zusammen-
hang mit dem Hautwurm, den das Volk als
meuchlings lauernden Dämon in Wurmgestalt
sich vorstellte (b. Adel S. 2 u. *); (den Dttmonis-
rous bestätigt das Meiiehelkraut; 1694 = die uralte
Haute, Aspleniuro ruta muraria L ; Wurm- — Hexen-
kraut, da» Frauenhaar. D. 97; Jessen 49). — 3. =
die Pferde-Mauke mit dem schleichend Bich
entwickelnden Ekzema varicosum an der Kote
(siehe Mauke). — 4. = das Zipperlein, daa
als „Klauenseuche" am Fusse des Menschen
„muckert" (H. soch«; schm. i. c). — 5. Meuchel
= ein geschlechtlich zurückhaltender Mann
(Schmeller I, 1561). — l^öA-MeuCüel = Meuchel 2
(Sples« Ii, 162). — Meuchel , Mauchel-, Mauchel
Aiss, -Grattd, -iah.
-mensch s. Masche.
Miasma — u,taivu> = verunreinigen (Roth 326) =
die durch InfektiunsBtotfe verunreinigte Luit
(s. Anhauch, Anwalit).
Micker s. Mücker.
Miedl s. Mirl.
Mielen s. Milben.
Mieren, pl. Miere (dän. myra, myre; ndl . ndd.
mler; angU. myre; engl, mire; allnord. maurr,
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Mieten— Milbe.
Kluge*, II; Edliuger ö = Ameise). — (1699) haupt-
mierig (mürtig, mörtig) (v. m. i. 3». Kalke 1. 376)
= Grillen, Würmer, Käler, Engerling im Kopfe
habend (von Pferden, die den Rotz in der Nase
haben, wie ein Schaf, das Kgelwttrmer in der
Nase hat). — Mieren - Qual
Mieten, 1. = s. Maden (Falko II, 114). — 2. =
(zu miet = Futter). — /a/scA-mieten - verhüten,
darch giftiges Futter auf der Weide das Vieh
krank machen (Buck, Flurn. 180).
Mige, f. migen (1550 mygen = mlngere, Christ.
Meyer 125; ndd. muigen, Fromm. VI, 35G) = pissen
(b. Mini); (ilini der nnrd. lininn migi, Maurer II, 59
— Brnnnenpisser als Namen eine* Riesentrolls, der sich
in solcher Welse den Menschen unangehm zu machen
pflegte). — (ndd ) Mige, Muige - Harnwasser.
Migräne, f. (aus dem griceb. v^v.vi und lat. cra-
nium — Kopfhalfte ; lat. hemleranla = halbseitiger
Kopfachmer« ; 12. Jahrh. emigranea n timpani dolor.
Pfeiffer 12; mnd. wann Einer Wehtage des Hauptes
[hat] das ist gehelssen einlgranla, also die hose Materie
aufsteigt in das Haupt und l>egrclft [». d ] ihm das
Vorhaupt, eine Sucht, die ihm grämt ; nach Mag. Harth.
87a, U — 1*>. Jahrh., mnd emigranea in en höret*
vere also de bose materia uprecket to dem« hovede
so begript [s. begreifen] sc dal hovet hall, J II. f. nd.
Spr. F. XV, 127; dieser Damonlsmus. der in ,, aufrecken"
uud ,, hegreifen" angedeutet ist, ergibt sich aus dem
Hnuptwurm [s. d ] ; als solcher wurde auch die Haupt-
laus [«. d]. angesehen; 1532 ..sehmertzen des haupts,
hemicraneus genannt", „elwan Ist der Schincrtz in
Halbteil des Hauptes", Fries 71 ; [1742] „wenn ein in
dem Geblüt verborgenes hitziges Salz [GichtatoRe'.') nur
auf eine Seite des Gehirns fallt uud iu dem Kohrlein j
[= Kapillaren] stecken bleibt" = vasomotorische Neu
ralgie. Zw. 789. 790; 17.6 Migräne = cUvua, Mutter I
nagel, A. v. H. I, 777; Haupinagcl; engl, megrim), I
I. = jeder auf eine Kopfhälfte in seiner Empfin-
dung beschrankte Schmerz, z. B. bei Zahn-,
Ohr-Leiden. — 2. = der rein nervösehalbseitige, |
anfallweise auftretende Kopfschmerz, den Mö-
bius (1896) auf eine meint vererbte krankhafte
Veränderung der Grosshirnrinde zurückführt,
die diesen Schmerz auslöst; ehemals, zur Zeit
der dämonistischeu Ätiologie, nahm man einen !
Hauptwurm (s. d.) an. — GioAf-Migräne =
Migräne 2, als Teilerscheinung der dicht (Ur- j
arthritis, Kopfgicht; s. Tropfen .
Milbe, f. (indogerm m<d , mul (mahlen]; ahd.
müwa ; 10.— 11. Jahrh. mlliwa, f. s tinea, Graft I. *16 ;
II, 722 ; [ = FavuspUz '] ; 12. Jahrh. mllwa - tinea. H. Z.
XV. 360; 14. Jahrh. milwe, milwln - tlneae, Voc. opt. W.
40. 46; mhd. mliwe, Klujre *, 257. MAS milw — vlrea
[usia], D. II, 382; [Finne); 1645 mieten = Uaarmllbcn,
Coler, H. A. 83; schwed. mal m staub- oder mehl-
machendes [a. Mehl uud Amel*] Tierchen), 1. - die
Milbe als Tier (Acarina, zur Ordnung der Spinnen-
tiere), das (meist) schmarotzend auf Tieren lebt
und eine klofenförmige Hautahsehilferung ver-
anlasst. — 2. das Produkt der Miloenthälig-
keit auf der Haut. — 3. = das damit Ähnliche.
— (1862) £m fr-Milbe = eine von Säugetieren u.
Insekten-Larven auf den Menschen übertragene
Laufmilbe (Leptus autumnalis Sh.), die bei
Getreidearbeitern sich in die Haut einbeisst, |
Milch 418
um Blut zu saugen, und dadurch eine heftige,
mit Fieber verbundene Hautentzündung für
einige Tage macht (Zeitschr. f. M. Cblr. u. Geb.
1862, 289; Braun, th. Paras., 9. 25Ö). — (rrtnÜb =
der wie Mehl aussehende Beleg durch weissen
Soorpilz (Schwämmchen, Mehlhuml, Mehlgrat,
Ktirfis, Gur, Hebetc.) (C. v. Scbro. 385; Memmingen).
— //'-''.''-Milbe (1517 milben im bar [Aventin.] -
furfures proprio nordes crinlum, Schm. I. 1.VS7; 1531
milben Im har, Bock 79 ; 1588 mllwen im haar, Gr. W.
1085), l. = die kleieförmige Haarboden-Abschil-
ferung (s. Schinnen), als Milbenthätigkeits-Pro-
dukt angenommen (s. Haarwurm). — 2. = die
Haarbalgmilbe (1842), Acarus folliculorum bim.,
welche sog. Mittesser (Comedones) hervonxtlt
durch Verstopfung der Talgdrüsenausführungs-
Gänge (Braun, Her. Paras. 263). — (17. Jahrh.) Haupt-
Milben = die Haarmilben (s. d.) auf dem mensch-
liehen Kopfe (Schinnen) (Fr. Kr. B. 140). — Haut-
Milbe = Haarwurm 1; dazu gehören (1884 Pyg-
mephorus unclnatus [in Klausenburg]; 1781 Cheyletus
eruditus, aus Hadern u. Lumpen, Viebstallen, Tauben-
schlägen, alten Büchern auf den Menschen übertragen ;
1824 Dermanyssus avium , aus Vogelstallen auf den
Menschen übertragen u. daselbst einen juckenden Haut-
ausschlag erzeugend = Phthiriasis , Uuscnicht ; 1804
Dermanyssus hirundinis, aus Schwalbenestern auf den
Menschen übertrugen, die Hunds- u. Taubenzecke ». d.,
die Krätzmilbe [«. d], K&udo [s. d.J, Fuchs-Sucht [s. d.J).
— (1748) Kratz-, (1843) #d «</e-Milbe (Sarcoptes)
— die die Kratze (s. d.) beim Menschen, die
Räude (s. d.) bei den Säugetieren erzeugende,
durch Wäsche oder direkte Berührung über-
mittelte (Sarcoptes scabiei) Milbe, deren Exi-
stenz als Krätze erzeugendes „ Würmchen'* od.
„Insekt" bereits Avenzoar (12. Jahrh.) vermutet
hatte (Kehrend 36 J Kalke II, 224 j Baas 12& 292 ; Braun,
Uer. Paras, S. 260 ff.). — ZeAr-MÜbe, I. = der L>e-
modex s. Acarus folliculor., Haarnulbe (s. d.),
eine in den Haarbälgen und Talgdrüsen der
Menschen schmarotzende Mitesser (s. d.), Mit-
zehrer (Comedones) erzeugende wirkliche Milbe.
— 2. = die Abzehrung «1er Kinder, welche dabei
Akne (— Aktne), Comedones, Furunculosis
haben, welche Hautkrankheit man zehrenden
Milben, Maden, Würmern, ohne sie wirklich
gesehen zu haben , zuschrieb (s. Mitesser). —
Milben- Krätze.
Milch, f. Mi Ich er, m. Milk, Milken, Milch -
ling (westindogerm. melg; gem. germ. melk [s. Melk];
goth. miluks, Kluge4, 2".7; ahd. miluh = lac, Graff II,
721; 13. Jahrb., mud. melich. m., melk = Milch; mhd.
milich, milch, engl, milk; dän. malk) = das durch
die Handlung des Melkens der Tiere, durch die
Melch oder Melke Erlangte, nährender Saft
aus Euter und weiblicher Brust, 1. = die Kuh-
milch, deren Veränderung auffallend oft Dä-
monen-Einflüssen zugeschrieben wurde. — 2.-
die Milch anderer Haustiere. — 3. = Mutter-
milch, Weibermilch. — 4. = Milchdrüsenau-
schwellung. — 5. = Milch-Ähnliehes und zwar:
a) die milchweisse Thymusdrüse (1613 Milch =
das prlesz, Gr. W. VI, 21S9), Glandula thymus,
Laetes der Körner; ; Übersetzung des letzteren)
Mileher, Milchhng, Milkiing, auch Kalbsmilch,
Kalbsbt.es, Milehstücklein, Widder genannt;
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414
Milch.
Milch.
h) der milch weise, aus den Darmzotten durch
die Milchadern (s. d. u. Milchleber) abgeführte
Speisesaft (CIivIub) (Hyrtl, K. w. in); e) milch-
weiB&eDrttsenBekrete;Sanien,ScheidenBehleini,
Augenschlcim , Trippereiter. — 6. = die Zeit
des Milchsaugens (1592 bei der Müllick, Beb. 196)
(Lactatio). — milchen ■ Milch geben. —
Milcher, m., 1. = die Kalbsmilch, Glandula
tbymus {Hyrtl. K. W. 113; C. v. Sctam. 385; Schw. 385).
— 2. = der Kischsamen, s. Leim. — 3. = das
Stierkalb, das noch saugt. — milchicht = von
milchartiger Beschaffenheit. — Milker (Schweix)
= Milcher. — (16. Jahrb.) Müchlin« (.uilkllng.
mülkllng , milcheUnck , D. 492 = renuneulu») , 1 . =
Kalbsmilch (Thymusdrüse) (Hyrtl, K. W. 113). —
2. = Rogner. — Mnlk, f. (1692, Seb. 122) = Milch-
bildung. — .-bi/V-Müch (1466 geancket milch = oxi-
galta, D. II, 275) = geschlagene Milch, die das
Ankschmer liefert. — (1003) .-iii^cn-Milch =
Milch de, das milchweisse Sekret der Augen-
liddrüsen beim Pferde (Gr. W. I, 809). — (1620)
Biert -, />'- is ' Milch - Bies, Biest (b. d.), Bläst,
Colostrum vaccae, Pyon, die dicke, eitergelbe,
klotzige Milch (Milchfeist) der Kuh unmittelbar
nach dem Kalben (Schmeller I, 300; Dr. Minderer;
1482 priest oder newmilch , D. 133) , die Priester-
Milch (s. d.) oder das Ehret (Tirol), die als Stell-
vertretung der Erstlingfrucbt ein besonderes
Geschenk an den Priester war (s. Biest). —
blaue Milch = (wie beim blatten Eiter) eine durch
Vibrionen (auch Pflanzen, Pilze) blau verfärbte,
angeblich verzauberte (s. Alpschratt) Kuhmilch
(ilexenmilch) (Z d. v. f. v.-K. 1897, 8. 148). — Blut-
milchen = blutig gefärbte, rote Milch geben
(bei Krankbeilen der Melk-Kühe) ; dagegen sollte
der blutig angestrichene Trudenfuss (Alpkreus) au dor
Slallthüre helfen (Rochholz II, 178; Gr. W. II, 187;
Falke I). — Z)icA'-Milch — geionnene Sauermilch
(Splcss II, 43). — Ihn /.-./,-Milch Hexenmilcb 1,
eine durch das Fabeltier Drache (s. d.) od. den
Drachenalp (Dracholf, Furia infernalis), welcher
Milzbrandseuchen unter Kuliherden bringen
sollte, nach dem früheren Volksglauben veran-
lasste krankhafte Veränderung der Kuhmilch
im Euter = llflntlscbe (Hohnsche) (Wuttke* 697,
8. 415). — (1618) £|<T-Müch (airmilch = coagulatlo
lacüs, Schindler I, 882) = wie gekochtes Ei geron-
nene Milch. — eingetretene, eingeschosxene Milch
= die schmerzhafte Anschwellung der weib-
lichen Milchdrüse, die wie ein Schuss (s. d.)
plötzlich eintritt u. die Milchsekretion siatiert,
hIs ob sie (dämomstiBch) zurückgehalten, ver-
Bchlagen (b. d.) würde (Pauli 10s). — £i7cr-Milch
= eine wie Gift ( = Eiter, s. d.) wirkende oder
wie Eiter ausgehende (Biest-)Milch (Gr. \v. Iii, 392)
— erste Milch— Biestmilch (s. d.). — (le.Jahrh.)
faulende Milch = die wie abgestandene, ge-
stockte.Baure Milch in den Brustdrüsen angenom-
mene BrUBtdrüsenentzündung der Wöchnerin
(Arxn.-Buch). — (16. Jahrh.) ^'«cA-MÜch ( = Eactes,
D. SIS; 1316 milch im visch oder im hering, viitchc»
melek etc.) = Fischsamen. — i<V«t»en-Milch irand.
vrouwe melk = s. Melk, Mag. Barth. 91a; 1482 der
frawen mlllch, C. v. Megbg.) = Muttermilch, eigent-
lich luess dieselbe bloss Spflnne (s. d.); zum
Unterschiede von der eigentlichen Milch (Lac
vaccae), die bei dem Tiere gemolken wird, wird
sie als „Frauen"-Milch spezialisiert. — gediegene
Milch (1400 gctlgne milch, Schmeller I. 497) = dicht
gewordene,geronneneMilch. — Gemilk (Gmilk)
= das Milchzeug der Frau, die weiblichen Brüste,
übertragen vom (gemolkenen) Kuheuter (Bucki6).
— (1782) geronnene, (1482) gerunnen Milch = siehe
knolhchte Milch Uxygalla (Richter I. 15; M. H. L.
1, 172; D. 404). — (1682) geschwollene Milch = Milch-
drüsenanschwelhing (Lonlcer). — (»7«,-A- --Milch
= die Milch, die am Alpen- Aufzugstage gemolken
wurde und zur Erreichung von Nutzen (s. d.) u.
Glück verschenkt wird (Scbm. I, 971). — grüne
Milch = rohe, ungekochte, frische Milch (Hoffm.
I, 374). — //creii-Milch, 1. = (I68O) Lac per in-
cantalionem (s. Vergatterung) acquisitum =
eine durch Verzauberung od. Dämonenwirkung
(s. Alpschratt) krankhafte, blutigrote od. blaue
Kuhmilch (Gr. W. IV. 2. 1302; Wuttke 419; auch der
gelbe Saft des Warzenkrautes , Chelidonium majus,
hclsst In Elsa/» Hexenmilch o. Trudenmilch, Roll. 196).
— 2. = die krankhafte Anschwellung der Brust-
diüse der Neugeborenen (Milch 4) und Männer
(GynaekomaBtie), die nachdem Volksglanben (Meyer
172. 175; Wuttke 256 ; Wiedersbelm. d. Bau d Menschen 15)
verursacht ist durch das Saugen des Alps, der Trud (2)
oder des Kehrimlelu (2) an den unentwickelten Milch-
drüsen, so dasa diese aufschwellen wie der Busen der
erwachsenen Mädchen; an Stelle dieser Damontu
treten, wie öfter, die Hexen, die schon durch den
bösen Blick (s. d. und entsehen) nach dem Volks-
glauben den Kindern milchgebende Brüste anzaubern
und die Kuhmilch versiegen lassen können. In Wirk
licbkeitlst dieselbe fast imnierdurch Mikroben-Infektion
voru «acht (Infektionskrankheiten sind nach dem Volks-
glauben meist dämonlstlschcr Ätiologie). — Jungfern-
Milch - das Brustdrüsen-Sekret.dassich manch-
mal, x. B. bei Eierstocks-GcschwUlBten bei nicht
geschwängerten Frauen, selbst Jungfrauen,
bildet (Gr. w. IV, 2. 2389). — Kalbs-, Ä<Ü/xr-Milch
= Glandula tbymus vitelli b das sogen. Milch-
ileibcb, Bries, brösel bei Kälbern, welches ein
milchweiß - Gewebe zeigt (Milch 5a) (Gr. W.
V, 66) und von der Geburt ab stetig abnimmt,
so dass die Drüse beim ausgewachsenen Or-
ganismus fast ganz verschwunden ist bis auf
fettige Reste. — Ä'rrn-Müch^ Klotzunleh (engl,
kernmilk; 1417 kerne melk = balbuca, D. II, 60; 1482
kerenmilch = oxygalla, batludo, 1). 70. 404). — Klopf -
Milch (nordd.) - eine knutige Anschwellung der
weiblichen oder tierischen Milchdrüse, welche
(etymologisierend ?) durch Klopfen od. Stossen
hervorgerufen wird, ohne dass vorher Schwän-
gerung stattgefunden hat (vermutlich, wenn nicht
verhüllende, Entstellung aus Klotzinilch, s. d.), eine
Milch, welche entzündlich klopfenden Schmerz
in der Brust macht (Gr. W. V, 1230). — Klotz-
Milch (1580 kloulecbte milch, Gr. W. V, 1266; „ehe
eine Kuh kälbert, Ist ihre Milch zur selben Zeit nichta
uutz , sie wird bald klotzlecht und steinhart"; 1699
klotzmilch, v. M. I, 74 ; eugl. clottedmilk), 1. — eine
Milch, welche angeblich schon in der Brust-
drüse zu Körnern, dicken Kernen, Knollen,
Klumpen oder Klötzen zusammenläuft, gerinnt,
das zurückgehaltene Colostrum (Bies, Biest).
— 2. = die daraus ätiologisch abgeleiteten Brust-
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Milch.
militärisch-Milz. 415
drüfenknollen (Krebs) (Richter I, 15). — Klumper-
Milch = Klotzmilch, (ironsum in sero. — (1588)
knolUrhteWlch, I. = Milch 4, Klotzmileh2(Gr. W.
V, 1469) = in der Brust angeblich zu dicken
Knollen geronnene Milch der Fraaen (Mastitis
puerper.). — 2. = Sauermilch der Kuh. — lang
gewordene Milch = Milch, die sich in lange
Fäden ziehen lässt oder als saure Milchlauge
stnmpfe Zähne macht. — AfwrtYr-Milch (1518
des inenstraums bruder. II. r. Gersd. 14), das in der
Brustdrüse zum zweiten Male gekochte Blut
(nach pictor. 43) — das Sekret der Brustdrüse beim
Weibe nach der Geburt; nach der Volksan-
schauung läuft beim puerperalen Weissfluss
(s. weisse Milch 1) die Muttermilch direkt (wie
ja «ach tisch Ansicht der Illppokratlker die Mutter-
milch „durch die Adern des Menstral" vom t'ntcrleibe
direkt in die Brüste laufen .«ollte, Jann* II , 73; und
wie auch noch Leonardo da Vinci abbildet) aus den
Brustdrüsen statt des Henstruum durch die
Scheide ab (s. Milch- od. Menstruum-Ader). —
(1743) iyTfiArtiwi/s-Milch^der au& den Gedärmen
(s. Milchdarm) durch die Milch-Adern (s. d.)
oder Milchgerässe (s. d.) „als ein feuchtes und
fettes Wesen nicht ungleich dem Gersten-Mues"
O Milcbbrei) zur Leber (s. Melancholie) und
zum Herzen geführte Speisesaft (Chylus) (Hyrtl,
K. W. 67; blbl. Medikus 125). — M. h (1482
new milch, priest = Colostrum, D. 133. 183) = Krsllings-
od. Biestmilch (s. Pfaff), Milchfeist*. — (16. Jahrh.)
Plump(rr)-MÜch. = Klumpenmilch (D. 404; ndd.
Plunder-, Plunner-Melke, Fromm. VI. 362). — Priesch-,
/Virf frr-Milch (entstellt aus brlest, einer nhd. dia-
lektischen Nebenform zu) Biestmilch (8. d. U. Biest)
(Heyne I, 428; Kluge*. 40; die um so leichter ent-
stehen konnte, als die Erstllngsmilch nach dem Kalben
nnd die daraus gebacken en Kuchen [Kuh-briester] als
ein ,. Ehret" [Tirol], wie die Erstgeburt selbst, an den
Priester [Code] geschenkt wurde, Schneller I, 367). —
(1488) Äin/fer-Milch = Kuhmilch (C. v. Megbg.). —
rote Milch = die t.lutiggefttrbte, angeblich durch
Verhexung entstandene Milch kranker Kühe
(Bayerland 1894, s. 298). — (lößi) Säuge-, Saugammen-
Milch — die aus der Säugebrust ^Tute) od. aus
der stellvertretenden Milchflasche (s.d.u. Tute)
dem Kinde einer anderen Frau gegebene Milch
(Gr. W. VI. 2187; VIII, 1888). — (13. Jahrb.) Suuer-
Milch (1515 surtnilch = Colostrum, D. 133. 404) = ÜXy-
galia, die durch Gärungspilze säuerlich ge-
wordene und zu Klötzen gestockte, geronnene,
sog. Stöckelmilch (Gr. w. VIII, 1373 ; nach Taeitus
eine Speise der Germanen, Lipp. 1, 638). — schiefe
Milch ■ saure, unrecht angegangene Milch (West-
falen; Gr. W. VIII, NM). — ScWff-MÜch - sauer.-
Buttermilch (Spless II, 216). — 5YMi^rr-Milch
= geronnene, schlßpfrig gleitende Milch (nordd.,
fl. Paul. 387; 1592 »chlupeebt, Seh 109). — Truden-
Milch = Hexenmilch («. d.) (Roll. 196!. — (UM)
verlorene , vertiegene Milch, 1. = die Zeit de»
Versiegens der Milch in der Laktationsperiode.
— 2. = der Zustand des Versiegtseins derselben
durch Krankheiten (Bork 49. ü9; Lonlc. 131 2*7).
— (1580) B n6rr-Milch = s. Frauenmilch (Gr. W.
VI. 2187;. — icei.w Milch, 1. = der weisse FIuhh
aus dem Wochenbette als milchweisses, eitriges
fiekret d. Scheidenschleimhaut (s. Muttermilch).
| — 2. = jeder andere milchweisse Fluss aus den
weiblichen und männlichen Genitalien (Gonor-
rhoea) (Lammen 259; Pauli 42). — 3. = der männ-
i liehe Samen (s. tSamenfluss). —4 = die durch
I die Chylusgelnüse (Milchadern) zum Blute ge-
brachte milchweise Flüssigkeit (Chylus, Speise-
saft). — Z(iM/><*»-Milch = s. Hexen- od. Drachen-
milch. — (1551) tusammengeltiufcne Milch, 1. =
die Klotzmilch. — 2. = die durch Gerinnung der
Milch in der Brustdrüse entstanden angenom-
menen Drüsenknollen (Milchireschwulst). —
Milch Absterben, 'Ader, -Aufsteigen, -Auge,
■Bart, -Blatter*, -Borke, -Bruder, -Brust, Dann,
■Drücken, -Druse, -Ergiessung, -Fang*, -Fasch,
-Feist*,- Fteber, -Flasche, -Flecken, -Fleisch,
•Fluss, -Foss, -Friesd, -Gang, -Gebiss, -Gerin-
nung, Geschwulst, -Gesicht, -Grint, -Grübchen,
-Haar, -Hacken, -Harn, -Hexe,- Hitze, -Jahte,
-Kern, Kind, -Knoten, -Kruste, -Mangel, -Maul,
-Pocke, -Rühme, -Räude, -Rtihm, -Rand, -Rufe,
■Ruhr, Saft, ■Sauger,-Sehauer, -Sclun f, Schweis»,
•Schtcester, Schwinden , -Schwund, -Söhrchen,
-Spiegel, -Staar, -Stechen, -Stockung, -Strasse,
-StUcklein, - Verhaltung, -Verseigen, ■ Versetzung,
- Vieh, -Wämpel, Weg, -Wolle, -Zähne, Zeiclwn,
•Zeug.
militärisch («u tat. miies = Soldat). — mili-
tärische Augenrntzündung.
Milter, in. s. Milz.
Milz, f., '»., m. (germ. melt = erweichen, schmelzen,
auftauen, Kluge , 25s ; ahd. uillzi; augls. milli, milte
= spien, lien. I). 547 ; 8. Jahrh. miltze, n. — spien,
Rab. Maur. 65; 12. Jahrb. milxi = spien, IL Z. XV.
348; mnd. de mllten, Mag. Barth. 90a; uihd. milze;
15. Jahrh. tnylt, uilltze; 1507 mllta, Hyrtl, K. W. 114;
152* ,,das miltz Ist ein Keceptakul der Melancboley
oder der liefe des Blutes", Fries 112. 1593 miltze, n.
- spien, Had. Jim. 29; der miltz, Tabern. 67 E; (bis
ins 18. Jahrh. und oberd. noeh] Milz, n. ; alcra. milzi. n ,
Gr. W. VI, 2220; engl, the spieen = ..geistiger Schnupfen,
eine Nalional-Elgentüralichkelt der Britten". Pcmokr.
II, 8). Wie schon das Wort „verdauen" (= auftauen,
s. d.) nahe legt, stellte sich das germanische Volk den
In Leber (s. d.) und Milz ablaufenden Verdauungs-
Prozess als eine Schmelzung, eine Erweichung, einen
Übergang des geronnenen, gelabten, gelubberten Zu-
Standes in einen flüssigen vor, ähnlich dem Schmelzen
des festen Schmalzes, dem Metze» oder Erweichen des
festen Gerstenkorns bei der MaU-Bicrbercitung; ein
Malzbrei ist es auch, der der Milz zum Erweichen zu-
geführt wird nach der Vorstellung des 14. Jahrh.: ,,so
dt spise unde duz trinken , kumet in des menschin
mage, so rorkerit «ich der mage mit siner kraft unde
mischlt sl also daz iz wlrt also daz dicke daz da kumet
von einem verboten girstinbri" (Hoffiu. I. Sly.V Die
Im späteren Mittelaller auftretenden Vorstellungen über
die Funktionen der Milz zur Flii^igmuchung des Blutes
und uls Ke/.eptakulum der unreinen schwarzen Galle
(Melancholie, Spleen, Hypochondrie, Mitzsucht etc.)
sind der altgrichischen Mcdlzln«c»ullehre entnommen.
- Milz, 1. = eine sogen. Blutdrüse, die in der
link. Bauchhöhlenseite (Regio hypochondriaca)
' liegt und die zur Blutbereitung Inj menschlichen
I und tierischen Körper dient, deren Funktion
. man früher in dem schmelzenden Auftauen der
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416
mindern.
Mine — Minne.
Nahrung Buchte = Spien, Lien. — 2. — die Milz-
gegend. — 3. = die Milzkrankheit; Idm Krank-
heiten nach ihrem Sitze »ich benennen. Andel sich auch
bei anderen Sprachen, Liebrecht, z. Volksk. 349; Irans,
moum — Milz [malum?], Vill. II, 313; maü de la meüsse
„mlss" [Ardennen] — „Mlli"krankheit ttnpaludismc,
Briss. 12»; franz. rate; holl. rate = Honigfladen, Milz-
kuchen, Vill. II, 313; jal la rate = Ich bin milzkrank,
Briss. 59). — 4. = (ndl. de uiilt, mllter, melter, De Cock ;
V. K. VIII, 173; Folklore) = Hippomanee, ein rnilz-
ähnliches Gebilde (s.Latizel, Fohlen brot, Fohlen-
gift, Zeltlein etc ) (Falke Ii, 1%). — milzicht =
spleneticus, auf die Milz bezüglich (Gr. W. VI,
2221). — (1MD au/geblasenes Miltz - Tumor lienis,
eine Anschoppung der Milz mit dem Gefühl
der Aufblähung in der Milzgegend (Tabern. 7-4 D;
Arzneybnch). — böse Milz — kranke Milz (Lonlc.
246). — (1582) erhabenes Milz = aufgeblasenes
Milz (Loulc. 282). — Fieber ISÜz = durch Wechsel-
fieber angeschwollene und vergrOsserte Milz
(s. Kuchen). — Füllen-Milz (1741 lüllcnmllue,
tüllenminze, Kirsch 571; D. 278) = Milz 4. — Ge-
milz = die stanze Milz (kolleklivisch wie Gmilb,
Gmilch, Gliber etc.) (Huck 17). — (1477) geschwol-
lenes, zerschcollene Milz (Ortol!) = eine kiank-
hafte Mil/.anscliwfllung. — (1551) harte, (1740)
erhärtetes, (164.'») verhärtete Milz — Tumor lienis,
alte, harte Milzsucbt (Milzkuchen), krankhafte
Schwellung der Milz, die man früher als l'rsacbe
der Hypochondrie annahm (Bock 79; Coler, H. A.
174 ; Chr. Sam. I , 165). — (i»43) Pferde -Wiz =
Milz 4 (Falke II, 196). — MÜZ = die durch
Amyloide Kniartung der sanokorngross sicht-
baren Milzfollikel veränderte Milz (engl, nago
spieen, Roth. 470) (s. Sago). - Schinken-MOZ ~
die durch Amyloidentarlung der Milzpulpa
schinkenfarbige Menschenmilz. — Speck-Milz
— Wachsmilz. — verstopfte Milz (1'07; llort. «an. ;
1591 ; Tabern. 67 E); der alten Vorstellung von den
Mllzfunktloueu entsprechend, hatte die Milz auch aus-
luhrende Glinge, welche steh wie ein Kuchengesrliirr
mit I'nrlat anschoppen u. so verstopfen konnten , durch
Ansammlung der dicksrhweren Hltithefe ((Cbwa/mi
Galle) in der M1U Kollte dann die Milz, lisrt worden,
anschwellen und die l'assto hypoehondrinca - Melan-
cholia, Milzsucht (s. d.) etc. erzeugen. — Wuchs-
Milz - eine duich Amyloid - Entartung ver-
änderte speck- oder wachsartig gefärbte Milz
(Speckmilr). — Hundtr-Milz = Lien mobilia,
eine ihren Ort verlassende Milz. — weiche Milz
= die gesunde, normale, weil nicht verstopfte
Milz. — Milz-Ader u.*, -Apostem, -Beschwerung,
-Bläht n,- Blutkrankheit, -Brand, -Bruder, -Dann,
-Uiesseu, • Entzündung, -Fluss, -Frau, -Gt-
brcchcn,-Gibre»ttn,-Gesihnulst, -Gühter,- Hacken,
Uärte, -krank, -Laster, -Mangel, -Materie,
-Becken, -Flage, -Sthwären, -Schwester, -Schwin-
den, -Seite, Seuche, -Siethtag, -Sicchtung, -Stechen,
-Starre», -Strang, -Sucht, - Traurigkeit, -Unge-
schicklichkeit, - Verstopfung, - Volle, - Weh, - Weh-
tag, - Windigkeit
mindern (minnern) (ein aus dem Kiostcrieben
und Latein stammende» Wort, wo 4, "unal lui Jahre
zur Ader gelassen wurde; quinquie* per annum mi-
ntiimur [Kalthäuser j, um da» lilui und die Sinnlichkeit
zu vermindern; 1507 mynnern - dye aderu lassen,
I). 362). — •/■ mindert (ndd. gemiuret; 1512 gemyn
nert, D. 368; 1531 wann alle die alt send, werden in
der wyrme natürlich gemindert, welllche minderung
geschieht Inn zwalerlai weyss, Vonn alter und von
mangel der hoden, Krautw. XXIV) = dem das Blut,
die Bluthitze, Geschlechtstrieb durch Aderlass,
Kastrierung, durch das Alter weniger gemacht
wurde. — minder werden = schlechter werden
in der Krankheit (Tirol; Wolf). — Minder >f>
Gesieht, -Sehlag, - Welt, -toertig, -Zehe..
Mine, f. — Mine (isoo = Grob«). — Minen-
Krankheit.
Mineral, n. (lat. mincrale ~ das aus der Erde Ge-
wonneue, Kraus, k. 627). — mineralische Krank-
heit*.
Minn, f. Minne, f. (gem.-indogerm., gerrn. men,
man - denken [mens]; ahd. minna — Erinnerung, Ge-
dächtnis, Kluge*, 268; 1477 minn = coitus. Ortolf;
mhd. mlnne) = das Denken an die geschlecht-
liche Liebe, Geschlechtstrieb, Liebe, Weib. —
Minne, 1. = Geschlechtstrieb, Coitus, Ejaculatio
seininis (14. Jahrb. die mlnne ist drilralachte ; etlich
ist natürlich, etlich ist unnatürlich [Infolge von kalter
oder trockener Natur]; etlich ist uzerhalp der
[krankhafter Samenerguss] ; der die pflegin, die
sint entweder an den sinnen oder an dem Übe also
die da lungensich sin oder an der brustader vergiht
sind an den liden ader die da triben [Ruhr?] han unde
in den lendin lam sin unde in dem magen sich sin
unde di struche [Strauche, s. d.] habin", Iloffm. I, 321;
[letztere Crsachcu der Follutlo beruhen wohl auf Miss-
Verständnis eines alteren Original- Autors, der den
tropfenden, eitrigen Samenfluss [Gonorrhoea] meinte,
die dieser mit triben [Ruhr?] und Strauche [ = Fluss)
wiedergibt). — 2. = gesteigerter Geschlechtstrieb
bei Geisteskrankheiten (14. Jahrh. ein sichtnm
helzlt minne, der ist des swerer deune ein ander sich-
tum daz he ist au denie gedauken; swer den sichtum
hat geliegent di ougin nimmer unde unstete sint si
von deme unstete gedanken ; lr bran sint swere, dl
vorwe ist bleich, si wachiut vtl; swenne he sich vor-
tufet [vertieft] mit gedauken, so vortribet he beide
des libes were unde der se!o, wände der Up volget
der sele an ir getat unde die sele deme Übe an siuer
leidunge", IIofTm. I, 321). — 3. = Minne = Gnnt,
Kopf (nicht zu Minne 1. 2, sondern Entstellung au*
Mumme, Muhme [s. d.J, Larve, Maske), der wie eine
Mimme oder Maske das Geeicht bedeckende
Hautausschlag (l'orrlgo larvata (C. r. Schra. 386).
— 4. - minne = mintler, schwächlich, kränk-
lich, mager (Oldenburg; Goldschm. 31). — A/p-
Minne (HU bei Vlntler [Zingerle 190; Riezler 20]:
etliche glauben, der Alpe miunc die Leute = „Er-
zählungen von den Liebesverhkt! lii.<«tn wilder Frauen
mit Menschen, die Sage von aet fcho..a'i Melusine,
von den Schwaufrauen, von der konigit. Th.-odelinde,
die ein Meerungetüm vergewalt'g. voi r!er übernatür-
lichen Abstammung des Zaulrurers Merlin und anderer
der Art zeigt, dass der Gedanke eines geschlechtlichen
Verkehrs zwischen Menechen und übermenschlichen
WMfW den alten Germanen nicht fremd war", Riezler
1. <•.) ■ erotischer Alptraum (s. Alp I, S. IL 12
U. Alptraum). Das Frodukt dieser unnatürlichen
Verbindung galt dann die per fabricam alienam s. per
adulterium uaturae (I'llnius) erzeugte Molenschwan-
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Mir- ml*-.
mischen — Mist.
417
gerschaft, die Missbildungen , der Kretin, das Alp-
Kalb, Krötalp (Krotolf, s. Alp X). Gegen diese j
Alpminne sollte da« Wildmannkraut, l'aeonia
(= Minnewurz, 12. Jahrb.; Koll 1, 122) helfen. —
— Graz-Minner , 1. = ursprünglich wobl der
in Gestalt eine« Bockes, Geis«, die Frauen im
Alptraum (s. d.) minnende und so menschliche
Missgeburten mit Geisa- (Bocks-, Ziegen-)
Fussen erzeugende Alpdämon d. Volksglaubens.
— 2. = ein Mensch, der infolge perversen Ge- 1
schlechtstriebes mit der Ziege sodomitisch vor-
geht (Kleinpaul. Mittelalter 610; über solche Verbin-
dungen s. Liehrecbt. z. Volksk. 39t). — 3f>rr-Minne
(mhd. merminne, Gollh. 146) - N ixe (s. d.), Nymphe,
Wasserbolde, Meer- oder Seefräulein, welches
der Minne mit mannlichen Menschen begehrend
diese zu sich lockt und in ihre Wasserheiraat
entfahrt (Ertrinkungstod bei Geisteskranken),
oder die Quellen-Nymphe, welche als Mittags-
geist den Wanderer im Alptraume (s. d.) minnet
(Sonnenstich mit erotischen Träumen?) und so
mensch!. Missgeburten erzeugt, die in sphinx-
artiger Halbheit ihre Abkunft von Wasser-
dämonen (Wasserkopf, Wasserkalb etc.) ver-
raten und als Wechselbälge eingelegt werden.
— iVncA/-Minne = s. Nachtwonne im Alptraum.
— I » Minne (ahd. IM kindes urminnu, Schindler
I, 161»), 1. = sie ist Ober die Zeit der Minne
hinaus und hat aufgehört, daran zu denken,
noch ein Kind zu bekommen. — 2 = Urlust
(8. d.). — TFaM-Minne (13. Jahrh. waltmynne =
lamla, D. 316) = weiblicher Alpdämun aus dem
Walde (Holzmar) oder Hexe (Waldweib) als
Teufelsbuhle (s. d ), weiblicher Buhlgeist des
Alptraums, durch dessen Minne rauhbehaarte
Wecbselbälge, sphinxartig halb Mensch halb
Tier, erzeugt werden sollten. — H 'a — i Minne
— Meerminne (üoith. 146). — Minne P
Mir, Mirje «. Mar
Mirl. Merl, Morl, Miedl (15. Jahrh. mlrel m
schwarzes Mal unter den Augen, Gr. W. VI, 1433;
merlen unter den äugen — Impetigo, Scbmellcr I, 1663;
D. 324 ; 161« gemerlet - mulus punctis maculosa facica,
L eodem) ein durch den Volksmund derart entstellte«
oder vermengtes Wort, dessen Begriff „gelbbraune, ;
kleine Hautflecken im Gesichte" ist, dass es
schwer ist, e« etymologisch unterzubringen ; vielleicht :
1. = (zu altgcrm. tnorba = gelbe Hübe, Kluge*. 260;
1482 mercn = Üngere; 1629 morle färb = Mobrenfarbe,
Schmeller I, 1653), dann = Möhrlein, nach der
gelbroten Farbe der Mörl-Rube, Daucus carota,
benannt (s. Rübele) oder 2. = Mirl = Miede!,
kleine Made (s. d.) = Birone*. — mirlet (16. Jahrh.
tnirelot, P. S24) — lentiginosus, mit Mirleti be-
haftet. — Sommrr-Wl\ (Mörl, Merl) = Lentigo,
Sommersprossen, Kukukscheckon (s. iL).
mis-, miss (germ. Wurzel mith [meiden]; ahd.
raissa, misse; mhd. misse-, Zusammensetzungen, womit
das Verfehlte, Verkehrte, Anomale einer Handlung
oder eines Zustandes, das zu vermeiden wäre, be-
zeichnet wird, Kluge*, SM). — MiSRÜng ss Foelu*
mortuus (Lieh 34), Missgeburt. — Miss Dax
-Fall, -Farbe, -gebären, -Geburt, -Gewacht,
-Kramm, -lingen, - Wucht.
mischen (urverwandt mit jt-l-j^tw, mlsceo, Kluge*.
258). — Hafte- Mischung, fehlerhaft« - Kom-
plexion, abnorme Zusammensetzung (consti-
tutio, temperamentum) der Humores (a. d.), die
sich durch sogen, konstitutionelle Krankheiten,
namentl. der Haut, der Lymphdrüsen, Schleim-
häute, äussert. — (174«) fleischliche rVrmischung
= Coilus, !e colt [a. Heisch 3 u. brätig) (Zw. 9i),
geschlechtliche Vereinigung.
Misel M issel. Meissel, Masel. Müuel)
(10.— 11. Jahrh. misal = lepra, Notker; Graft II, 875;
1165 miselll = cutis »uperficle immanlter pustulis
trcqucntissimls turgescente, sie ubl tarnen cutis potuit
superesse misellls, Du fange V, 409; ahd. misaloht =
leprosus, malesannus; 1213 morbus elephantiacus,
Griff 1. c ; Schmeller I. 1671; 1281 Mesol ; ..est Picardls.
Nortnannis et Vasconibns — leprosus; vocis etymon a
latino ■misellus-, quod lepros! conditio omnium
•mUerrttna- sit, accensunt plures; ab arablco Mezora
=■ Lepra deducit Thomaslus", Du Gang« V, 359;
14. Jahrb. misel — lepra, Voc. opt. W. 41; mlselgllch
■ Morfea, 1. c. 40; 16. Jahrh. misellus — elend, arm,
D. 363; misel = lepra, Gr W. VI, 2257; 1666 mlssel =
lepra, Miselsucht, Gr. W. VI, 2257. Schw. 419; von da
ab wird nur „Aussatz" {s. d.) gebraucht, engl, tneasle
= Aussau. Miselsucht, Maselsucht. Masern, Kinnen,
Kaltschm. I). Das vermutlich ursprünglich arabische
Wort lehnten die Romanen an mlser, die Deutschen
an masel etymologisierend nn . daher Misel — die
maselig gedeckte Hautveränderung (Morfea,
s. Aussatz) bei der Lepra-Krankheit (Maltzey),
einer unheilbaren bemitleideten Krankheit. —
mislich, miselicht, 1. = leprosus, aussätzig. —
2. = krätzig, räudig. — 3. ~ spitalsiech, kiänk-
lich, lungensuchtig (Schw. 419; Schmeller I, U71).
- Misel- Makel, -tiech, -Stuhl.
Misel, n. = Mäuschen (Meisel), Mädchen.
miserabel Hat. ralserabiUs, franz. miserable) =
schlecht, elend, erbärmlich, unwohl, krank
(Spicss II, 164).
Miserere, n. (ein seit Rbazes durch die mittel
alterlichen Ärzte und deren Handlanger volksublich
gewordener Ausdruck für; 1. = Volvulus, Ileus,
Kot-Krbrechen bei heftigem Leibschmers im
dünnen Gedärme — ileum — I'assio iliaca,
Morbus ileus) , ein gar erbarmungswürdiger
Zustand (mlserere seil, mei Domlne ■ nach Psalm 40,
Platner I. 105, Bris«. 175). — 2. = Krebs als hoff-
nungsloses, unheilbares Leiden; sobald man
dieses Leiden erkannt hat, gibt es nur ein
Totengebet. Das Kraut der Lungenkranken, Cetraria
islandlaca, helsst In Tirol Misere (Dalla Torre 24;
Briss. 118. 175; L. chlr. 41; bibl. Med. 441; Schw. 213;
Ackerm. 268). Nach Schw. soll das Leiden bei den
Angelsachsen als freenan cothe - Angnhütte ff) be-
zeichnet worden sein; [man sonderte die unheilbar
und schwer Krkrankten in Siechenkobel oder Toll
kist« ab). — Miserere-A'^tA.
Mist, m. (indogenn. mtgo = harnen, iningere.
mlh harnen, reirnen. sich ergiessen; goth, maihstu«
- Mist; angls. mlst =r Nebel (Augen-Nebel V]. H. Z.
XIII, MB; ahd. mist = Kot; mhd. mist = Dunger,
Misthaufen. Kluge*, 259), 1 . ^ Hiesige Kxkremente,
27
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418 mit— Mochele.
Mockel— Möndchen.
nasser Kol. — 2. = verwesender Körper (Gr. w.
vi, 2263). — "Mist- Darm, -Führer, -Kolik, -Pforte.
mit- (die Zusammensetzungen mit dieser Vorsilbe
suche beim betr. nachfolgenden Stammwort«, «. B.
Mitesser bei : essen etc.).
Mittag, m. e. Tag.
Mitte, f. Mittel, n. Mitten, f., n. (indogenn.
medbyo-s [Mitte, medius]; altgerm. mldja [ = Mitte);
ahd. rnlttl, f. mlttll, n. - In der Mitte beflndllch; metal
^ mediu»; mhd. mitte, f. mittel, n. = Mitte. Mittel-
punkt, die gleichwcltc Entfernung von Endpunkten.
Kluge», 259). — Mitte (Mitten), f. (16. Jahrh. mitten
i= Interflnlum, D. 364), 1. = die Mitte von Körper-
teilen. — 2. = die Mitte des Leibes (Taille,
Gürtelgegend) (Hlntner 818). — 3. = das in der
Mitte der Hohlhand befindliche Panaritium
(Umlauf, Fingerwurm, Grattel etc.) (Unter-Main;
Lammen). — (1507, 1521) Mittel, m. 1. = (seil.
Finger) Digitus medius (D. 363). — 2. = Mockel
(b. d ). — Mittel, n. Mitten, n. 1. = die Mitte
von Körperteilen (Mittelhauch etc.). — 2. =
(17. Jahrh.) das Mitten = Mesenterium, das die
Mitte des Bauches einnehmende Gekröse (siehe
Micker) (Ilyrtl, K. W. 116). — 3. = (1561) ein Ge-
schwär im Mittel der Hohlhand (Mitte 3) (Rock
140). — 4. = (1482 da* mittel «wischen fud und am,
Zenning. Voc; da» mittel im diech = da» kreuistuck
Im hochbalg [= Hoden], Gr. W. VI, 2382) das sogen.
Mittelfleisch zwischen Hoden und Mastdarm,
Damm, Perineum. — 5. — (1507 da» mittel in der
handt = palpa [paltna]. D. II, 277; Hyrtl, K. W. 55)
da« Handteller (s. Ir), Palma manus. — ü. =
(1507 da» mittel In den fle*»en, Ilyrtl, K. W. 55) Fuss-
sohle (Hanta pedic). — 7. = (1420 da» mittel an
dem haupt = intereipnt, Gr. W. VI. 2382; D. 303) der
Scheitel 1 als Hauptes-Mitte «wischen Vorder-
und Hinterhaupt. — 8. = Mittel in der Nase
~ Interfinium pirula (Pinula), Nasenscheide-
wandknorpel und Birne (s. d.) (D. 364. 437). —
Mittler, m. (ahd. mittcri, Notker; 1468, 1507) =
in« tt ihm digitus, Mittelfinger (ü. 363; II, 249; Schm.
i. i692j. — Mittlere, f. Mittlerin, f. = (Übersetzung
der) Vena me.liana, als mittlure Blutader (siehe
Median) am inneren Ellenbogen (Hyrtl, K. W. 115;
Zw. 60; 1521 mitlerin = cyn ader mitten an dem arm,
mediana, I). 357). — Mitterste, m. (ahd. mlttarosto,
8chm. I, 1692) = der ihm leime Kinger. — Haupt-
Mittel (15. Jahrh. dz mltel am hanbt ; middel opt
hoefft; 16. Jahrh. mittel des houptes, D. 303)^- Mittel-
hanpl, In;»-rctpul. — LejfWMittel (HS-' die mltel
mcnschleichs lelbs, C. v. Mcgbg. ; <«r. W. VII, 6) —
Taille, Mute 2. — AWn-Mittel (1491 das mittel
In der nase) - Jnterfinmin , der Nauen Knoijvd
(Kruspel), der die Nasenseheidewfcnd bildet
(U uteri hat, Unterscheid) (Gr. W. V. 2478). — (1561)
Ohren -Mittel = (entstellt au«) üiiren - Mflckel
(h. d.) (Kluge*, 20; D. 619; Peb. 96). — Mittel-,
Mitter -After, -Bauch, -Darm, -Diech*, -Fell,
■ Finifer, -Fleisch, -Fuss, -Oam, -Glied, - Hand,
-Haupt, -massig, -Netz, -Ohr, -Pockm, ■ Rücken,
-Sihatr, -Schmerz, -Schon», -Schulter, -Stuck,
• Teil, -Unterschlag, - Wand, -Zähne, Zirkel.
Mochele, Ii- «u Mauche, Meuchler, Muck (». d.) =
ein heimlicher kleiner Danion, der nach dem
Volksglauben die Kinder, die er iu seiner Grattl
(s. d.) trägt, aus dieser hervorholt — „Du bist
noch lange in Mochelis Grattl gewesen, wo das
geschehen ist" (Blrllnger. 8. II, 232).
Mockel, f. 1. = (wie vorhergehende* zu demselben)
Pudenda, die geheime Stätte, weibliche Geni-
talien (Schmellcr I. 1566). — 2. = (Henneb. Kindenpr.
Spiess II, 165) = Kuh, welche muh-muh, moh-
moh macht (s. Muggele).
Mode, f. Modi, f. (au« dem Franz. in der Formel :
a la mode Im frühen 17. Jahrh. — [1695] „auf die Modi"
übernommen = wechselnder Zeitgeschmack ; 1689
alla modisch, Wichner 31). — ä la modo = (1712)
Influenza (s. d.) als Modekrankheit (s. d.), eine
Krankheit, die gleichsam gerade zur Mode ge-
hört (Buhemann 21). — Mode-, Neumodi-Ftefcer,
•Krankheit, - Temperament.
modern (1668 moderna, Janas 1897, 163; latinisiert
an» frz. mod6rne bb lurZelt üblich). — moderne Pett.
Moder, m. (mhd. moder = in Verwesung über-
gegangener Körper, Kluge*, 259), 1. = (17. Jahrh.)
Schleimauawurf , Kaat, Kot, Morast (Gr. W. VI,
2443). — 2. = fauler Zustand, Hunger (Motter;
(Schindler I. 1571). — moderthätig.
Möckel, n. = Kuh (Henneb. Klnderspr.. Spie«
II, 165) (Mockel).
Möckeler, m. — den Möckler, d. h. den
Teufel in Hoc.ksgestalt (meek-uieck !) sehen,
vor Augen haben auf dem Krankenbette = bald
sterben (Blrllnger 8. I, 277. 429).
möffeln - mOffeln (Spiess Ii, 167).
mögen (mügen) von ■ rm. magh [Macht, s. d.];
germ. mag [mug]; vorahd. magan; ahd. mugan ; mhd.
mügen. Kluge*, 259; 1429 mugend ; 15. Jabrh. mugig
- valldus, I>. II. 377; 1499 mögen = geschlechtlich
kräftig sein; 1713 mögen = potentia vlrill«, Gr. W. VI,
2454; Schm. I. 1576) = können, vermögen, stark,
kräftig sein, in Bezug auf Gesundheit, Zeug-
ungskraft und Befinden. — mögend (mögend)
= kräftig, gesund. — atonögig (a-mügig) = ab-
mächtig, von Kräften, man (Schindler I, 11). —
(männliches Glieder-) Un- PwmÖgen, - PVrmÖg-
lichkeit (1572 nnvermüglichkclt der Glieder = para-
lvsis, Relssner, Iltstoria 106), 1. = Impotentia virilis.
— 2. = Gliederlähmung. — wieder- mügen =
wieder zu Kräften kommen (Schmeller I, 1577). —
mug los.
Mönme s. Muhme.
Möhler, pl. s. Mal.
mömmeln — mummeln (Spies» II. 116).
Mönch, m. (Münch) (monachus — einsam lebender
[Einspanniger, bei Itoseggcr); 1462 mynch ; 15. Jahrh
munch; 1512 = spado, e*j'»u» castratus, D. 544 ; II, 340),
1. = ein eheloser, schleohlsloser, kastrierter
Mennch (Eunuchus). — 2. = ein verschnittenes,
männliches Tier (<>ei Pferden) (Falke II, 130;
Gr. W. VI, 2490) (s. Monne). — manchen (1612
munchen, minchen m testuare, castrare, D. 680)= zum
Moiicli 2 machen durch da-* Ausschneiden der
Hoden (Testes). - Äoss-Münch (15. Jahrh ; D. II,
344) kastriertes l'ferd, Wailacli, Spat.
Möndchen, n. möndig, mönig, Mönet,
Mönin,f. mönisch, l. = s. Mond. — 2. = Mähne.
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St. Mona— Mole.
Molesten— Molke.
419
8t. Möns 8. St. Monus.
möppern = nach Hunds- (Mops-) Art die Not-
durft verrichten (Rennet). ; 8plcss II, 16«).
Mor, Mörisch, n. b. Mar.
Morl •, Mir).
Mörselein (Mörser, Mörschel) («ha. morsan
[dazu müracn, morwh] ; mhd. morsare = Mörser, Gerat
mm Zerstowen, Zermalmen, Kluge*. 262). — Morse
lein = Alveolus, Mortariulum, Zahnfach iür den
zermalmenden Zahn (Hyrtl, K. W. 8). — (M89) ter-
mürscht = contusus, morsch gemacht, ge-
quetscht (Gr. W. V. 1447).
mortig s. Mier.
Möschlein, n. = Mäuschlein, kleine Kuh,
Kalb (Henneb. Klndcrspr.; Spiess II, 160).
Moss, f. s. Mause.
möwen s. mauen (ruminare).
Mohel, m. (hebräisch) = Penis (bei der Beschnei-
duilg) (Gr. W. V, 1608).
Mohr, m., f., 1. = b. Mor und Mar. — 2. =
(mtlat, maurus = dunkelbrauner Nordafrikaner; ahd.,
mhd. mör) = schwarzer Mensch (Kluge 260), auch
schwarzes Pferd (H. Paul 310). — weisser Mohr
= Kakerlak, Albino, Kreidling (engl, whlie moor,
Vülar. II, 62).
Moissel, in. (Egerland; Fromm. VI, 173) = ein
dicker Mensch, Klachel, Klängel (Klotz) (Schm.
I, 1497).
Mol s. Mal und Molch.
Molch, m. (Molt) (vielleicht zu mal = Fleck =
gelbgefleckter Salamander. Edlinger 76 , ahd. mol ■
olm, anguis venenosus, 10. — 11. Jabrb. ; «raff II, 719;
mhd. mol; ndl. Teen mollen = Engerlinge, De Cock
281 ; ndl. mol = Pferdewurm, I>e C ock, V. K. 189 .. 8. 139 ;
der 1599 in einem Segenspruche auftretende Ohm =
Olm beisat all boicr Ubm bei den Siebenbürger
Sachsen [•. Ethnol. Mllt. aus Ungarn 1893. 111. 27] In
die Ferse), 1. = eiterndes FussgeBchwür aus einem
Ulcus varicosum, dessen Aufbruch vom Land-
volk wegen des stechenden Schmerzes häufig
dem bisse einer Natter oder einer Schlange
zugeschrieben wird — 2. = ein kleiner, kurzer
Mensch , mit dem Molchwurm (Salamander)
verglichen (Gr. W. VI, 2477). — 3. - Alpdämon-
Gestalt. — (15. Jahrh.) Gm«-Molch = Caprimul-
gus, Habergeiss (s. d.), ein elbischer Dämon in
Vogelgestalt, der als Kindermelker (s. d.) die
Milch aussaugt und Nachtschaden (s. «I.) macht
(D. 98). — FtrA-Molch (viemnllen, Kohler V. Br. 597)
= die Krankheiten beim Stallten erzeugenden
Würmer (s. Schwell- Vogel), (welche durch Kanu
wort« vertrieben werden, Nlederberglsch). — Mollen-,
Molt- Land, - Wurm.
Mole, f- (vom lat. m»U; dies von rnole« = Mühl-
«teln, Steinscheibe, od. von |«.m/.Yj, nach Borann» oder
Actuarius wegen des Gewichtes und der Schwerb«weg-
licbkclt = Gebarbeschwerde; engl, nrnle = Mondkalb,
falsche Conzeption = das Gefühl einer Schwere und
Beschwerde im weiblichen Leibe und das Gebilde,
welches dieses Gefühl veranlass), 1. - das aus der
schwänget en Gebärmutter ausgesto-sene, ab-
norm gestaltete, degenerierte Ei (Windei, taube
Ei) od. Oberhaupt ein Boicher Inhalt der Gebär-
mutter, welcher nicht als Produkt der natür-
lichen Zeugung aufgefasst werden kann, wie
man früher auch die eigentliche Schwanger-
schafts-Mole nur als eine durch unfruchtbaren
Samen entstandene Fieischmasse in der Gebär-
mutter auffasste (Kraus, E. 642), ehemals als
das Produkt der minnenden (s. d.) Thätigkeit
des Alpdämons, das als Krötenalp (Krotolf)
dann zum Vorschein kommt (s. Kröte), Alpkalb,
Mondkalb, Mondkind, Weiber-Mole, Blasen -
Mole, Blut-Mole, Fleisch-Mole, Blast-Mole, Mol-
Kalb, Mahlkalb, Schwamm 1. 2, Mola carnosa,
Mola hydatitosa, racemosa (Traubenmole, Cho-
rionmyxom.). — 2. = das zu früh mit der Decidua
graviditatis ausgegossene normale Ei (Abortus,
s.d.) und Plazentar- Polypen, „ein ungestaltet
Stück Fleisch, ein flclschlelch 8tück, das wlrt In der
permuter" ~ lombardischer Bruder [s. d.]. Schmeller
I. 1474; Woyt*43). — 3. = die Decidua menstrualis
(auch Fibrinklumpen). — 4. = Kieistockge-
sch wdlste (Wassermole), (1620) perimetritische
Exsudate fTrif. AdlhoU. 77). — 5. = Uterus-Myome,
-Polypen, die geboren werden. — fi. = (mola
hlcss auch die Kniescheibe oder das Knierad als
Scheiben- oder müblstelnartlge« Gebilde). — Im Volke
sind diese Gebilde nicht mit ,,Mole" bezeichnet ; auch
durch die modernen Arzte kommt dieses Wort vorerst
nur wenig In die I-alenkreise. — (1725) Blatt; Blasen-
Mole — Mola hydatidosa (öiav.r — Wasserblase),
ein degeneriertes Ei, das durch sein Volumen
den Uterus wie im 7. Schwangerschaftsmonate
anfüllt, wobei das Emhryon früh (schon im
1. Monate) zu Grunde geht und die Chorion-
zotten durch myxomatöse Entartung wie auf-
, geblasen, blasenförmig erscheineo, „eine Miss-
geburt mit unnatürlicher Auftreibung (b. Blast)
des Mutlerleibes" (Thes «an. Hr. 292). — 2. = siehe
Wassermole. — (19. Jahrh.) Blut-tlole = eine
Degeneration de« Eies, »wischen dessen Häuten
nach dem Absterben der Frucht erst frisch
rote, später schwärzlich sich verfärbende Blut-
ergüsse mit Geschwulstbildang erfolgt sind,
eine jüngere Fleischmole. — j7/mc/i-Mole, 1.=
eine Blutmole mit vorl iegendem fleischarli|ren,
lederfarbigeui Gewebe mit weniger BlutergusB
zwisenen die Eihäute, Mola carnosa. — 2. =
fleischrote Kibrink lumpen u. Plazentarpolypen
(mit 1 verwechselt; (Roth 330). — 3. - (früher' wohl
auch) Ulerusmyome (Irrtümlich). — (1725) Wasser-
Molen, I- — Mola hydatidosa, s. vesicaria (Thes.
san. Ur. 292), wobei die Chorionzotten unter Bil-
dung von wa^sergefQllten (ödematösen) Beeren
(Blasen) degenerieren. — 2. - Eierstock- Wasser-
sucht (früher wohl irrtümlich als Mole angesehen).
— (154!*) Weiter- Molen der weiber mola, Kuland
v. Fr.) = Mondkalb (s. d.) — Mol(l)-Äa/6, -Ghs».
Molesten, pl- 'lat. rooleMia — Mühsal ; moles —
groüse Lait) = Beschwerde, Übel, >chmerz.
Molke, f. Molken, n. (1482 molken, molken =
I battudo, I) 70, Heb. 12.;,1 - aus Milch bereitetes,
von Schollen befreites Käsewasser, herum (1592
| molck; 1582 molken, Lonic. 811). — (1699) Grbtuth-
Molken = die BlulbeBchaüenheit bewu Wechsel-
| lieber, bei dem das durch eine Säure angesteckte
27*
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420
Molla — Mond.
Mond.
Blutwasser den sauren Milchmolken ähnlich
geronnen sein sollte |v. M II, 126). — molken-
f arbig.
Molla, Molles, Mollis, mollig '«u ahd. mo-
lawan — mürbe , fehlerhaft weich an den «illedern
werden, Schindler 1. 1589. 1593. 1597; mhd. molwic =
staubig, mürbe, mollig ; 1V83 mollccht = fleischig, welch,
teigig, Gr. W. VII, 481 ; 1C1B inollel, n. — pulpa caraU
Schmeller 1. c. ; D. 472). — Molla = weicher, mol-
liger Schmerbaueh (Nürnberg; Schmeller l. c). —
mollig (mollisch, mulschei) = p ulprts, weich-
fleischit:, angenehm zu befohlen („an lat. molll§
angelehnt"'. H. Paul 810; t: r Schm. 3*9) (s. schmol-
lig). — />V./.r-Molles Dick wannt, .Schmerbanch
(Schmeller I, 346. 1589), der heim Aufschlagen mit
der Hachen Hand (Braxen) weich eich anfühlt.
— tfr-mollet (gemolgelet) = (leischlicht (Schm. I,
1593). — MollCm. ts)- Braten, -Kopf.
Molter. f. = Mulde.
Mon, m. s. Mond.
Mon-Mon s. Mann.
Monat, m. (iitr Wurzel ma = mewen, Müller,
Wissenach. d. Spr. ; Indogerra. men [Mond]; vorgerm.
monöt - Monat; gem.gcrm. menoih = Monat, ahd.
manöd ; mhd. mänöt. Kluge*. 260 - der 12 Teil des
Jahres, das nach Mondzeit-Ahschnitten in allindo-
germ. Zeiten berechnet wurde]. — Monat, nt.
Mönet, f. (I.onic 95) — Mensis , die monatliche
Zeit der alle 28 Tage mit dem Mond-Cyklns
periuJisch wiederkehrenden Frauen-Regel, als
blutiges Sekret aus den Genitalien (Venetium
menstruale), welches nach uraltem Glauben für giftig
galt, so das» es sogar Lepra, Pocken und Masern ver-
ursachen sollte, d h. wohl eigentlich die damit ver-
wechselte Syphilis ; noch heute gilt der Coltus In der
Periode»eit im Volke als die l'rsache aller Geschlechts-
krank hei teil) (Menstruatio, Suche, Geschieht,
Periode, Franzosen 3*. Monaltiuss etc.) (Gr.
W. VI, 2485). — (Hirn,) monatlich = menstruus,
z. B. die Frauenreinigung. — [Ute) Monat-
lich, n. Monatliches, n. = Menstruatio (Cr. w.
VI, 24S6; A. v. II. I, 992; Kopp 1, 257). — (17;*)
unterdrückten Monatliches - Stippressio inen-
siuni, iiie durch verschiedene Gesundheits-
störungen erzeugte Hintanhaltun« des Ein-
tritte! der Menstruation (A. v. H. I, 994). —
(1592) HVitW-Monat - Menses (Seb. iiö). —
Monat-, monat/u/i e,er,e») -Blodigkeit, -Blühe,
•Blumt, -blutend, -Blutgang, -duldig, -fallend,
-Fluss, -Kalb, -Kind, -Krankheit, -Ordnung,
-Periode, -rasend, -Reinigung, -Reiterei, -Säu-
berung, -Stunde, - Vberfluss, -Zeit.
Mond, cn. Mon, Mönin, f. mon ig, möndig
(indogerm. men, minot, meties (mens = mcnsls =
Monat]; zu me - messen; der Mond als Zeitmesser;
gem.-germ. uieno, m. ; germ. inenöth ; altn. urdar man!
■ der auf das kommende Sterben hinweisende Mond
der Norne I'rdr. , Maurer II, 123; ahd. mAno, m.,
minin, f. -Mond; mhd. mlno, m., mauln, f. = Mond,
Monat, Kluge5. 260 ; mAnet, mAnt, mande = Mond,
uianic, niiinic, tnenic — lunatieus; r>91 mon, mond —
Mond; r>99 mönin - Gaumenwulst beim Pferde, Ur. W.
V, 596). — Mond. 1. — Menses, die monatliche
(s. d.) Zeit der Frauen (Uad. Jun. 21; Gr. W. VI,
2503) (Weiberfclume, -Bloh, -Blut, -Blödigkeit,
Periode, Geschieht, Muhme etc.). Der cyklische
Verlaul der weiblichen Periode und Schwangerschaft
nach Mondzeiten (Mondsmonaten) tnusste schon frühe
den Gedanken nahe gelegt haben , dass der Mond
auch die weibliche und tierische Frucht und Frucht-
barkelt (Ulutfeuchte) beeinflussen könne, daher schon
früh der Volksglaube an Mondblut (s. d.), Mond-
krankheit (s. krank) , Mondkinder und Mondkalber,
und die vielfach in den Sagen der Volker auftretende
Verbindung des Fruchtbarkeilssymbols , des Hasen,
mit dem Monde (s. Westermann, Monalhette 459, S. 310 ;
üaehofen 76 . 79. 90. 102 112). Ortolt (1477) sagt sogar:
„ob des mons schein einen wunden menschen rürt
un bloss baut, du ist gar tödlichen" (Pchru. II, 135);
auch bösartige Geschwüre sollten beim Mondschein
verfaulen (Urquell 1895 . 8. 69) ; namentlich brachte
man eyklisch verlaufende, intermittierende und
remittierende Krankheitserscheinungen und
GeinQtsstimmungen (Laune, luna, Geisteskrank-
heiten, z. B. sie iteht mit dem Monde) nach astro-
logisch gläubiger Schullehre (vergl. Monddoktor) mit
dem Mondeinflusse in Zusammenhang, da man aneb
alle ..Feuchten" Im menschlichen Korper, also auch
die des Kückenmarks u. Gehirns (wie die des Meeres)
unter des Mondes Direktion u Ahnte, daher Mondblind-
heit ein fluxus periodicus lunatieus sein sollte (Briss.
68; K. m. ch. 66; Kraus, E. 608). — 2 = Glatze als
Mondschein (s. d.). — 3. = (1599) der mondsichel-
förmige Schleimhaut wulst (Mönin) beim Pferde,
ähnlich der Lumda (= Mondchen) am mensch-
lichen Nagel (Gr. w. v, 596). — 4. = Möndchen
= Lnnula llippokratis, der moudsichelförmige
weisse Nagelfleck. — 5. = Mondt = Mund (s. d.).
— b\ = Rausch (Schmeller I, 1607) (illuminiert). —
7. = der mondsichelrunde Zirkel (s. d.) im
menschlichen Trine (d. h. im Uringlase des
UrinhcBchauers). — manisch, mansch, mo
nisch, mönig (mhd. mAnic - mondsüchtig, I.exer
165; 1418 manisch = monatlich, Schmeller I. 1608; 1482
meniger, mondiger = roonwendtger, lunatieus, Zen.
Voc. cefl, 1483 mouig - lunatieus, (Jr. W. VI, 2513;
149;i mönie - wahnsinnig, i\ v. Schm. 390; 1496 manig,
tneuig = fanatlcus, l> 224, 1561 monig = mondsüchtig.
Gr. W. VI, 2512 ; meniger lympbatlcus [wasserscheuer]
= hydrophobicus. I). 3;i0 ; 1591 monig =» mondsüchtig,
lunatieus, qui lunae temporibus Insania vexatur. Had.
Jun. 392; 1599 monig = eine Pferdeaugenkrankheit,
Gr.W. VI. 2.13; MIO mouig = mondsuchtig. C. v.Schm.
390; 1731 monig - monatliche Augenkrankheit der
Plerde. Gr. W. VI. 2513; 1741 mansch = nstrosu«, luna-
tieus, D. 56; demnach), 1. =• an einem Zustande
oiler an einer Krankheit leidend, deren Beginn
und Verlauf sich an eine cyklische, mehr
weniger monatliche Zeitperiode hält und nach
früherem Schul- und Volksglauben vom Monde
und von den Gestirnen beeinflusst war, u. zwar
(ausser der monatlichen Frauenblödigkeit oder
Frauenkrank h.):a) = lunatieus (beimMenschen),
mondsüchtig (s. d.) durch Somnambulismus
(äusserst selten) oder durch die intermittierende
Epilepsie; man riet (Thes. san. Br. 629) dem epilep-
tischen Mondsüchtigen, dass er sieb hüte, die Mond-
scheinstrahlen auf die blosse Haut fallen zu lassen;
b) lunatieus (bei Pferden) - schellig durch den
sog. Mondkoller (s. d.) (Gr. w. vi. 2618), derduroh
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Mootag— Mor.
Mord -Molche. 421
das Stehen der Pferde im Mondschein veran-
laset *ein sollte (R, A. 78; Rochholz I. 7«; c) (bei
Pferden) an der intermittierenden Mondblind-
beit (s.d.) oder Mondscheinigkeit (s. d.) leidend
(1599) ..»«an du Gesicht des Pferde» zu Zeiten, wenn
der Mond sunimmt und auch tu Zelten, wann der
Mond wieder abnimmt, «an de* Mondes Ende« (D. 339).
«ich Terrnndert" (Gr. W. VI. 2513), „das tieaieht de«
Pferde* verändert sich, wenn der Mond neu wird ; die
Augen werden ihm trüb, als hätten sie Felle u. Rinnen"
(1. eod); «1731} „die Augen schwellen gemeinglich
und Rehen dem Pferde aus beiden Augen dicke Pelle"
(1. cj; d) an der sog. Wasserscheue od. Hunds-
wut leidend, die man sich als eine Mondsucht
erklärte; auch die Wassersucht sollte mit dem
Monde auf- und abgehen (V. K. VI, 63). —2 =
Obel gelaunt, wetterwendisch, wechselnd wie
der Mond (s. Laune) (Schm. I, 16») — Mönig-
keit, (151S) Männigkeit, (1399) Monigkeit, 1. =
(1315) ein cyklisch. intermittierend, periodisch
auftretender Gemflts - Affekt , l'nsinnigkeit,
Mania (H. Gersd. 100). — 2. = die periodische
oder intermittierende Mondblindheit (Mond«
auge) beim Pferde, das tnönig [a. o.) ist (Gr. W.
vi. 2514). — be*chlo$*ener Mond (mnd.. u — i>.
Jahrh ls de mane besloten, J. f. nd. Spr.-F. XV, 113
= der im l'ringlase oben geschlossene Zirkel.
- (1736) .Va0ei-Mond = der weisse, tnondsichel-
förmige Fleck an der Wurzel des menschlichen
Fingernagels (Lunula unguis) (A. v. H II. 924). —
»chicurzet Mond 14. — 15. Jahrh-, mnd. svarten
ruanen. J. f. nd Sr.r.-F XV, 106. 121) = schwarzer
Zirkel (Mond 7). — Voll Mond (ndl. rolle maan,
V. K.) = Vollmondgesicht (s. d.) — Mond-,
mön(d)i*dk - Auge, -Blindsucht, -Blut, -Doktor,
duldige, falUn, -Flut», Gesicht, -Kalb, -Kind,
-Koller, Sfliein, -Scheinigkeit , siech, -richtig,
-Sucht, - Tag.-tobig, -Cnreinigkeit, »m/i<7, -icendig,
■Zeit.
Montag. — Montag-A'iwd.
St. Monas, St. Menno, St. Möns über st. Monu*
den Sn,nlu»_p*tron' *• des Verf- Kultkalendarium In
z d. d. ö. a.-v. ig». B. 199 — St Monns-
Moor, m., f. s. Mohr u. Mor.
MOOS, n. (ahd,, mhd. mos - Moosboden, Moos-
flechte, liehen. — Haut-Moos = Hautlk-chte,
Sch windflechte, Lieben ("'S'/tu - lecke, na»ehe
[s. d.], Behrend 31). — (1620 mösicht = mit Pilzen,
Moosflecbten belegt, auch vom f septischen j
Wundbelag (Dr. Minderer — mosichte. Moos-
Feuchte. -Leute, - WeibUin.
Moppel (Mops), 1. = einer, der moppt, wie
ein Mopshund das Gesicht verzieht, ein tölpel-
hafter, da mm er Mensch (Kluge1, 261; Gr. w. vi,
2523). — 2. = der Bauerntölpel oder Mums =
die OhrspeicheldrflsenentzQndung, Parotitis
epidemica (s. Wfttschel, Ziegenpeter, Wochen-
tölpl etc.) (Hanau ; KoppV.442j. — 3 = ein kleines,
dickes Kind (Mops) (Rhein, Franken; Gr. W. VI,
2523); (Uenneb.) Mappe« = dicker Mensch (*r,ie*s
n, 16») — Mops. Vase.
Mor, f. («. Mohr 2). 1= schwarxes Mutter-
schwein (1392. 8eb. 153). — 2. = Bchwarze K-ii.
— 3 - schwarte Erdgrille (Schmcller I. 1641;
J 1714 ; Kirsch 64). — 4. = s. Mar.
Mord, n. (uriudogerm. mor = sterben [morior],
Tod. absichtliche, heimliche Tötung; Tonrerm.
roftom. n. - sterben. Tod, ahd. mord = absichtlicher
heimlicher Totschlaf, Kluge*, 26L 381; mhd. mort;
ahn. mord. Maurer II. 173. 1S2. 278), 1. = Mord als
heimlich n. gewaltsam erfolgende Todesart. —
2. = Gehirnschlag (Apoplexia) (bei den Siebenb
Sachsen und Ostpreuasen; Frisch b 87), als dämo-
nistisch veranlasster quasi Todea-Schlag (siehe
Schlag 2a). — 3. = der Schwindel der Pferde
, als Vorbote des „<chlag"flu-ses (17. Jahrb.;
' R. A. 62; t. M. I, 39). — Selbst -Mord (Tolksubliebe
Ausdrucke hielur s. Z d V. f. V -K. 1S94. S. 190). —
Mord-S*<-Af, - Trieb.
MordaX (1566 mardax, O. B. V. A XIII. 31). ver-
I mutlicb die verhüllende Bezeichnung eines: Pest-
tiebers (= Calor monlax) Sobernh. 207) als
Fieberhitze. (< onf. mordej = emorolda. D II. 149).
Morel. — Morel" »che* Ohr.
Morgen, m. — Morgen- Thäne.
morixeln (marixeln) ein cermutlich [in Augs-
burg] aus den Klostertchnlen durch die Studenten
I aus raorior [sterben; — morexit entstelltes Wort
l für. Sterben, Delling, C. v. Schm. 390, Schmeller I,
| 1649; vergl. Marissen).
Mors- — JW-Mors - Tod (lat. mors. Klein-
paul 32).
mors, morsch (germ. Wurxcl luurs; ilaiu ahd.
mors [>. M.-rscr] - zerstossen, xirrieben, zerstückelt,
Kluse5, 261 ff-, 16S0 mors — morsch. Gr. W. VI. 2591;
17 Jahrh. morsch) durch Alter und Gebreeh-
| lichkeil an Knochen, Gliedern o ler Zähnen
brüchig. — (IM») t-ermorscht = zersplittert
(H. t. Gersd 27) — «rmorscht = zerinürscht
(s. Mörser), gequetscht, eontusu«. — morsche
Zähne
Morvan. - Morvan *•/«• Krankheit
Morve, f- (franz. la morve - la wicreation de«
fosses nasales [Bris*. 185»; zu morfondre, morfonture.
morriau (32 33] = Nase; die* vielleicht zu morvia.
I>. 369). 1. = Morphea, Aussatz, Lepra, die in der
Nase ihre primäre Infektionsstclle hat, Nasen-
u,rjnt. — 2 = Potz, Malleus humidus, Ober-
tragen auf die Rotzkrankheit der Pferde (K. u. P.
III, 848).
Mose (Mosa) Mase.
Motte, f. (m Made [s. •! ]; altgerm maththa \ ],
altnord. motte; engl, moth , mhd. motte, f. = Made.
Schabe); wie man den Alp [s. d. V] als Wurm »der
geftugelies Tier, als Engerling, (.rille. Mau« oder Egel
int Kopie hat. »o hat man auch Motten im Kopfe
(Kuhn, Zeiucbr. f. vergl .^pr -Wls^nsch. XIII, 71) =
ist starrköpfig wie ein Schaf, da« den Alp als
Lgelwurm im Kopfe hat, den das Volk für eine
andere Gestalt des Alpdamons oder Schelmen
hielt. — Ära/i-Motter = ». Mutter. - Motten-
Kopf.
Motter s. Moder u. Mutter.
MotSChe, f Motze (Nebenform zu ahd muck
*z-ri ^ mucksen, leise, ronokernd reden ; mhd mukaen
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422 Muchel— Mucke.
Mudel— Mücke.
muchsen, Kluge* 262). — Motsche = Mund (Tirol;
Htntner 6. 13). — Seich - Motze = Ameise als
Mucke (s. anseieheu u. Seichmetze) (z. f. ü. v.-K.
189«, 329).
Muchel s. Mauche u. Meuchler. — Muchel-
Eissen.
Mucke, f. Muckel, m. Mucken, m. Mugg, in.
(germ. muk - heimlich thuen , Kluge * 262; ahd.
mucco, m. = voincx = Elterbeule [vomlca), feuchtes
Geschwür, Gmff II, 65.'»; VI, 839; mhd. muoche —
verdrlcsslteher Gedanke, Kluge* 262; möche, 8chw.
442; 1417 eyn mugge - curta [culex], D. II, 125; 1429
muck m clcadla, I). II, 88). — Muckel, Mucke,
1. = Grille, Schnecke (snegil. Graf! II, 655; VI, 839),
(oberd.) Mücke (Kluge1, 262), Ohrwurm, Nassel,
selbst Kröte (Haveland; Zciuchr. d. V. 1. V. K. 1893,
469; 1895. 263) (= Muggel) als heimlich, wie eine
Spinn-Mucke (Spinne, Grille, Heim-Mtick),
kriechende, lauernde, heranschleichende Tiere.
— 2. — die von diesen elhischen u. schelmischen
Wesen, dio man als Krankheitsdämonen in
anderer Gestalt ansah, veranlassten Krank-
heiten bei Mensch oder Tier: a) analog zu der
identischen Mauke (3): ein heimlich heran-
schleichender Kehler, ein chronisches heim-
liches Übel, welches wie ein heimlicher Dämon
in Gestalt eines Wurmes (Heim-Muck) im Leibe
„muckert"; b) ein verdrießlicher Gedanke, der
wie eine „teuflische Mucke" grillenhaft in dem
Menschen sitzt und früher von den Heiligen (cont.
Heilig. Benediktiner-Jahr 8. 13) aus den „Besessenen"
ausgetrieben wurde; ein solcher hatte ,, Mucken (siehe
Motte, Egel, Wurm, Miere) Im Kopfe", eine Vor-
stellung, die aus den Beobachtungen des Schäfers und
Rosshirten auf den Menschen und in die humoral-
pathologlsche Zelt übertragen wurde — er hat Ein-
bildungen, Bizarrerien (Z. f. ö. V.-K. 189C, 350;
Fromm. VI, 356; Sebmeller I, 1567) (conf. Fieber-
Mucke, Wurm-Muck, Nickel 1); c) Mügele,
Müggele = Eiterbeule, Drüsengeschwür (conf.
oben abd.), das in seiner Genese nach der Volks-
annahme wie beim Engerling (s. d.), bei der
Grille (gryllus = muelheime, helincnmug, mubeimen.
muchaheim, muhenheimeu, Kirsch 15. 551; D. II, 270),
Motte, Made, Wurm mit parasitären (dämo-
nistischen) Prozessen Zusammenhang haben
dürfte. — 4. = eine kleine Person (Schweiler I,
1567), welche wie eine Kröte (Muggel) schwer-
fällig schleppend geht (Z. d. V. f. V.-K. 1895, s. 263)
— Muckser, m. = heimlicher Laut, kleines
Lebenszeichen. — ao-mucken - leise sich ent-
fernen, ohne Aufsehen sterben.— .f'icfccr-Mucke
(-Mücke) = Tipula febrilis = der das Fieber-
delirium veranlassende, in Mücken- (Wasser-
mücke, WaMerspiune — tipula] Gestalt quälende
Alp VI (Ephialles) (Gr. W. III, 1C22). — Los-
Mucken - Boesmucken (s. d.), SchwindÜechte
(Lamraert 179; Schmeller I, 1576). — (1707) melan-
cholische Mucken - Mucke 2b infolge von Melan-
cholie (Abrah. II. 328). — (1591) OArcn-Muckel,
(1561) -Mittel = (1580) -Mückele, 1. - der Ohr-
wurm, Korfieula auricularia (Schmeller I, 1567;
Beb. 96), Fullo, Ohrenhohler, Ohrling und auch
Nassel (s. d.); derselbe veranlasst nach dem
früheren und z. Teil heutigen Volksglauben:
a) (l&M) G eschwäre im Ohre (Gr. w. VII, 1257.
1280), Belbst solche, wo — was heuttutage die
Regel ist — keine Maden, keine Ohrwürmer im
Ohre gefunden werden; b) Geschwülste hinter
und vor den Ohren = Parotitis (1617; Kraus. E.
744; D. 414; Had. Jua. 385) (s. Ohrmuttel, Ohr-
teufel); c) Gesch wäre (Knochen- Abecesse) hinter
den Ohren (1616 apostema higllico, Gr. W. VII, 1258);
d) Schmerzen in den Ohren (Otalgia). — 2. =
die Krankheiten (la — d), welche dieser wurrn-
gest<ige Ohrmuckel, Ohrmützel (s. d.) nach
dem Volksglauben veranlasst ; dieselben haben
im Gegensätze zum Bauern- oder Tannen-
Wätschl (8. d.) mehr idiopathischen als epi-
demischen Charakter. — (1521) Rot-, Rom- (Lob-)
Muck, (1609) Muckel, (oberd.) Mucken, 1. =
a) die sogen. Engerlinge, welche vom Pferde
wurroförmig abgehen (Gr. W. III, 480); b) (1741
asllus) Rossmucke (Kirsch 115) = Bremse oder
Bremsenlarve in der Haut des Weidetieres
(s. Dasselbeulen u. Engerlinge). — 2. = die
rostfarbigen Hautflecken, die den rostfarbigen
Mückenflecken ähnlich sind, und zwar: a) rost-
farbige Sommersprossen, Lentigines, Ephelides
(1717 rosmuken - - Hautflecken, Abrah. II, 139; A. v. H.
II, 389. 900; Buck 46. 53; Meyer 509; D. 324; C. v. Scbm.
433; Schmeller 1, 1567); b) Schwindflechte (Lammen
I. o ); diese letzteren Boss- oder (enutellt) Los-
Mucken (2) (1588 rossmucken. Tabern.; 1687 rosi-
mucket (Gr. W. VIII, 1237) haben vielleicht mit Ross
(equus) keine etymologische Beziehung, sondern sind
vielleicht als enUteUte Boss- (Rost- 7) Mucken abzu-
leiten von Rosem (•. d.) = Rosem-mQcken. — rot-
mucket = mit Rossmücken (s. d.) besetzt
(Schwaben ; C. v. 8chm. 438). — Sonnra-Mucken
(slma murca; 1482 sena murca, Zen. Voo. ; D. 526;
II, 335) — Masen, Flecken im Gesichte (Kphe-
lides), Sommerflecken. — teuflische Mucken,
l. = die vom Teufel abgelösten elbischen Krank-
heitsdämonen in Mückenlarven-Gestslt (siehe
oben 2 b). — 2. = die dadurch veranlassten
Erscheinungen bei Krankheiten (Delirium). —
Wtirm-Mugg ■ der Fingerwurm (s. d.), der als
Dämon in Wurmgestalt (Asselwurm, Hackelei*,
Ackelei*) im rohen, wilden Fleisch des Pana-
ritium sitzt (Birlinger, Sitten I, 446). — Zahn-
Muckern, n. = das heimliche, muckernde, leise
Schmerzen im Zahne durch den im Zahn sitzend
angenommenen Zahnwurm (s. d.).
Mudel, -mudel = eine Person, die kurz, dick,
mollig (s. d.) ist (Fromm. VI, 339; SchineUer I, 1589;
bei den Heanzen in Ungarn).
Müderer, m. s. maudern.
Mücke, f. (ahd. mucca, f. [conf. mucco, m. bei
Mucke]; mhd. uiiicke, mucke m Fliege, Mucke; engl,
midge). — Mücke, 1. — Fliege (dies nicht oberd.).
— 2. — ein kleiner, schwächlicher, dünnbeiniger
Mensch (Muck 4) (Gr. W. VI, 2608). — 3. = Mücken-
Ähnliches, Mückenlarven, Würmer. — 4. = die
Mücken und Schmetterlinge sind nach dem
Volksglauben auch die Gestalt (Hülle) der ge-
flügelten, elhischen Wesen (Seelen, Maren);
daher der Ausdruck: damals flog ich noch mit
den Mücken (Schmetterlingen) herum (als
tingeborene Seele) - war noch nicht geboren
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MOckel— Mühl-.
Mühme— Muhme.
488
(T»gl. Rundschau 1897 , 8. 862; bei den Conen ver-
wanden sieh der teuflüwhe Ors allamanno ( = Tyrann]
nach Keinem Tode In eine Musca, die eine lokale En-
demie, vermutlich Syphilis bringt, Istoria di Corslca,
Fillppinl*. II, 85— 89; Gregorovius, Corslka s, 275).
— mückig (angls. micbic = longa« llbias habens,
D. i«i) = langbeinig wie eine Mfll'ke. — Auqen-
Mücken (1588 scotomia [ = Flimmer - Skotome! ;
„etliche meinend es fliegen mückeu vor den äugen",
Fries 74) = Mouches volantes (». Mucken sehen),
als entoptische Erscheinung. — Fiebt > Mucken
(musca in cerebro, de« mouches dans la cervelle,
BrUa. 267) = Fieber Mui km (m. <1). — flirtjmde
Mücken - Augen-Mflcken (a. d.) (Gr. W. VI. 2608,
Heyne HJ. 871). — Muckvi: ''••.* t, -feint, Kopf,
-Mal, -Sehnen.
Mückel s. Muckel.
Mücker, n. Micker, Miggär, Mittker (ahd.
mittila carni. niittigarni = arvina ferina («raff IV, 204),
caro pinguis, Scbmeller I, 937. 1667 ; 1300 tnltligcr [Nürn-
berg], Gr. W. V, 1962] - [Schwaben. Böhmen] Ocbsen-
gedarm, Kalbagekröae ; 1364 mitlger [Wien], Scbmeller
I. 1567) = das in der Mitte des Rinder-Gedänns
(s. Garn) befindliche Fett (Gr. w. IV. L 1368) und
das kleine Fettgedartue des Rindvieh*, Lacte»,
Mesenterium (Gekrös, Netz, Bries) (Gr. W. VI,
2170; Falke II, 113).
müde, mühen, mühsam, mühselig (Wurzel m&
[ — mühen], ahd. muodi — sich gemuht habend, müde;
mhd. müede, müejen, Kluge5. 262) = Schmers ver-
ursachen. Dieses Mühen hat ebenfalls damo-
nistisch aktiven Hintergrund; denn: (1280) der
steche müet=der Alp müht (quillt) mit Stechen
(Alpstich, Marstich) (Pfeiffer 30, Scbmeller II, 724),
und auch die Wunde wird /r muhet (C. v. Würzb.
nach Heyne), d. h. durch zauberhaften (Dämonen-)
Einfiuss zu einer beschwerlichen Wundkrank-
beit, die darum auch besprochen wird (Z. f. Ö. V.-K.
1896, 8. 160). — mÜh Wi;/ (1697 mueaalig, B< h melier I,
r.v.) = andern und sich, weil krank und ge-
brechlich, bemühend, beschwerlich, mit einer
beschwerlichen Krankheit behaftet. — müh^im
= beschwerlich, Iflstig, s. mühsames t.esicht.
— : mud (1499 der gellder müden. Rochholz I,
23«) = in den Gliedern ermüdet. — . n:ud
= ermnht, ermattet bis zur Steifigkeit der
Glieder ( = rah, a. d.) (Gr. w. VIII, 33). — »chlägel-
mttd ■ bis zum Tode in den Gliedern ab-
geschlagen und ermattet (Scbmeller II, 520),
Defatigatio (ad fatim ago, Roth 130). — Mttd-Öi/.
muffeln, muffern (möffeln [Henneberg], Spiesa II,
167) = mumfeln, mummelnd essen, mit zahnlosem
oder mangelhaftem Gebisse essen, nur wenig
essen.
m ügen, 1. = s. mögen. — 2. = «. tu igen.
Mühl-, Müller, m. (ahd. mulina sb Mühle, aus
[spat, lat.] gem.-rom. oolina [mola. Mühle] entlehnt,
Kloge»,262. 263); dazu Müller, der in der mahlenden
Mühle Tbatige = der Mahlzahn, der zermalmende
Zahn (Gr. W. I, 1402; VI, 2655; blbl. Medik 397;
(raas. meulleres, meulcs, Bris*. 41). — Müller-,
Mühl- Schlaf, -Zahn. — (Die Vorstellung von
einer, wie ein Jungbrunnen verjüngenden Altweiber-
Mühle, »kand. elf-kvara, Z. d. V. f. V.-K. 1S97.
S. 61. 89; Foasel 84; Meier, achw. 8. 8. 299, geht
wobl aul vor ahd. Zeiten zurück , in denen daa
Korn In einer mörserartigen Reibschale, Holzscheibe
mit Holzkeule [Mandel] gemahleu wurde und man
die Wtedererzeogung als einen Menschen mahlenden
Prozets, d. h. als eine sie hervorbringende oder
verjüngende, von den KMien getriebene Mnhle
vorstellte; zeugen und mahlen haben eine gewiss*
Verwandtschaft in der Etymologie; zum [indogcrm.]
manth za rühren , drehen geboren : moeudultre' (der
Kdda] = Mühlrad, der Zwerg Moendull, Maurer II, 54.
66; das Mandel- [Mangel-] Holz der Wäscherinnen und
die mentula = Penis, sanskr. manthula = Reibe-
holz, Kelber, Liebrecht, z. Volksk. S. 302.498; Krause,
d. Tulskoland, 8. 321; Reiser II, 46; Westermanns
Monathefte 1873, S. 285 290. 291. Da Müller nnd Bäcker
in der alten Zelt noch zusammenfielen , so wird der
Menschenschöpfer zuweilen auch als BAcker (s d.] ge-
dacht. Von einem gesetzliehen Vorgange in der Natur,
z. B. von der Entwicklungsgeschichte hatten die Ur-
ahnen keine Ahnung; Jeder Vorgang musste ihnen
als freie That. Willkür oder Laune erscheinen ; so er-
schienen ihnen die Gotter auch als mahlende oder
backende Personen , die die Menschheit durch einen
Mahl- oder ßackprozess erzeugen, einen den Urvätern
alltäglich bekannten häuslichen Vorgang, der ihrem
Verständnisse am nächsten lag, s. auch Rochholz II,
116). - Er hat das Letzte auf der Mühl = er
stirbt bald, hat nur den letzten Rost des Lebens
vor sich.
Mühme (mühmein) s. Muhme.
Müllich, f. s. Milch.
Münch, m. s. Mönch,
mündig s. Munt.
mürbe (Wurzel mar, s. d.; ahd muruwl [marawl],
murwl [maro], mhd. niurwe, mür) = zart, gebrech-
lich durch Alter und Mangel, weich und matt,
z. Li. Haar, H« rz, Heisch, Mark, Knochen etc.
(Gr. W. VI, 2713; Kluge», 264).
Mürbe, f. mttrbig, mürwig (1692; seb. 17«. 177.
zu franz. la ineurve = RoU [— la morve, BrUs. 189])
= rotzig (s. d. u. Morve; von Pferden). —
Mürbe, f. (1741 mürbe = acarua. Kirsch 11) = Milbe,
die die Sirey (s. d.) veranlasst.
mürsch s. mörsch, Mörser.
-mürtig mürdig, mörüg, s. Mier.
MUsel s. Misel.
Mütze e. Mutz.
Mützel 8. Mutzel und Muckel.
muffeln, muffe zen, muffeln (mhd. muffeln.
mü.; 9. Jabrh. muffula = Pelzwerk, Kluge» 262; 1743
mueffltzen. Hahn) =^ übel riechen wie ein altes
Pelzwerk. - G-rnÜffarA, n. = Pudenda utriusque
Sexus (Kitzbüchel. Scbmeller I, 1574).
mugeln (oberd.; Sehmeiler I, 1578) = coire (vom
Hahn).
Muggele, n.^Muh-Gockele^Kuh (Kinderspr.;
E. W. I, 206).
Muhme, f. Mumme (Hümme), mummeln,
Mummel, f. (mhd muotne; nds. mome, üollh 146
ndL mom = Verraummung; frz momme = Maskerade,
Du tauge IX, 276; nhd. Verkleidung, die namentlich
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Muige- Mumie.
mummeln— Mund.
den Kobolden und elbUchen Wesen Im Volksglauben
zugeschrieben wird, die auch in Tiergestalt [Kröte =
Milium- Rochholtz I, 147; Wuttke 4491 erscheinen).
I. = der wie eine Vermummung oder Gesichts-
maike das (Besicht bedeckende (trini-Aussehlag
(Porrigo larvata, Mimtue) (C v. Schm.) (entatellt
zu: Minne 3). — 2. = Menses (östcrr.; Hyrtl.
K. W. 23). Wie in I lm die Trauermagd (Klageweib)
mit der leinenen Mummel (Hülltücher) Im 18. Jahrb.
und Im Hrandeuburglschen die Vieh-Mumme Im
17. Jahrta. »Ich verhüUten (Gr. W. VI. 3881; toler,
II. B 11; Reiser 416 »o verhüllen »ich heute noch
die menstruierende!) Weiber der niederen Volks-
«chlchten mit dem Kopttuch (vulgo „Maulkorb"); es
scheint dlea ein Rest einer alteren Sitte iu sein, wo-
nach menstruierende oder alte zahnlose Weiber fleh
verhüllten; darum auch, (ndd.) mummeln, mum-
meln - mit zahnlosem Munde unverständlich
reden ml. kauen (Fromm. VI, 307). — Der Mumm
hart als Krankheits-Kobold (Gr. D. M. 1, 4731; bei
Caes. v. Heisterb. 7. 45 : „mummart momordit me" ;
dieser Mumhart (Wolf) Ist vermutlich auch der ungar.
Kobold o. Mumm-Rütz (Raracelsns d. imp. ('. 4) und
Kinderfresser, (mumns [oder bubus). Etbn. Mitt. a.
Cng. 1894, 8. 218; Z. f. d. A. 1888, 3. 161; Scheible IX,
887). — Mummel, f., m., I. = alte«, zahnloses
Gesieht, das so spricht, als ob es vermummt
wftre (G mummel) (1703 zahnloses Mummelen,
Abrah. I. 286). — 2 = Mund, Maul (Bayern ; Tirol).
— 3. = vermummte Dämonen- od. Popanzfigur,
verkappt wie ein elbischer Geist, muma, f. —
4. -> das muhende, muh-hrüllende Tiermaul. —
Mummel, m, = Mummelmann (Schmeller I, 1698;
Iüntner6.13;8chw.445; Rochholz I. 68) — mummeln
(mömmeln) = unverständlich reden (Spiess II,
166; Gr. W. VI, 2268 Hellt dag Wort zu mumpteln, den
„Mund voll" haben und io kauend), undeutlich
sprechen (Schindler I, 1673. 16«) muffeln). — Müm-
fele, f. = das Fleisch an der tierischen Vulva
gegen die Garbsehale oder Ilerrenmaus. —
Korn-, fio</</m-Mühmchen (-Mutter) (nieder«. ;
Laistuer II, 292) = ein kleiner weiblicher Korn-
dttmon (Bilwiz), der Kinder raubt und WechBel-
bttlge einlegt (Köhler 480, Wuttke 47 und „bemum
melt" vorgestellt wird, Urquell III, 175; Wltzschcl I,
208). — (1529) AacAf-Mummel = Unholdin (D.316),
kinderrauhende Kornmuhme.
Muige, l. = s. mögen (germ.) mug. — 2. =
e. mitten.
Mulde, f (ahd. muoltera; mhd. muolte, muolter,
aus lat mulctra^ Melkkübel, halbrundes auagehöhltes
Gefass, Kluge*, 2*3; engl, mould) - die vertiefte
Fontanelle am kindlichen Schädel (Blatt), Haupt-
mulde (s. SchuBs).
Mulk, f. s. Milch.
Mumie, f. (au* mtllat. mummiau. pers.-arnb, mümin;
17. Jahrh. tniunie einbalsamierter, uinhullter, um-
wickelter ägyptischer Leichnam, Huidenflclsch , I. d.)
Krankheitustofl' (bei Helmont 167.. — 1644; Pr. II,
267), wie eine Insektenmade im Körper weilend.
— (1730) geistliche Mumie = der l.ebensgeist im
Menschen körper (Z. a. 44). — A u Ut» Mumie =
Lithopad on, ein im Mutterleibe abgestorhenes
und eingetrocknetes Junge der Kuh (Frank 124).
— Sa/ifi-Mumie = ein im trockenen Sand aus-
| gedörrter menseblicher oder tierischer Körper
(Gr. w. viii, 1770). — Mumien- Mensch
mummeln s. Muhme.
Mumms, m. (Mumps), f- (aus dem engl, mumps
= Kehlsucht, Braune; erst [seit ca. 1740) durch die
modernen Arzte etwa* Ins Volk gebracht; die Ableitung
des Wortes aus mummeln [mumpfeln] Ist spracbUch
kaum zulässig, GerUnd, Zeluchr. f. PhlloL I, 311,
vielleicht Hesse sich eher an den mnmus, Mnmmhard-
Kobold [s. Muhme] denken, da die damonlstische Ge-
nese durch den Ohrmuckel, Ohrwurm und OhrmüUel Im
deutschen Volksglauben gegeben Ist) = epidemische
OhrspeicheldrOsenentsflndung (Parotitis epid.,
s. Wochentölpel etc.), les oreillous (= vermis
aurealis), Angina parotidea (Kraus, E. 424. 744;
Schnurrer II. 291 ; Bris». 1S9).
Mund, m. (vorgerm. mnlo-s [mentum — Kinn bei
Mensch od. Tier]; gem. -germ. muntba-z — Mund, Maul,
Kluge4, 263; ahd. mund; 8. Jahrb. munde si ore.
Kero, Gloss. 83 sa Maul, Mündung, Öffnung, Graff II,
811; mhd. munt — Maul [s. d. u. Munt]; engl, mouth
= Mund, Maul), 1. — der menschliche üesichtsteil,
wo die Mundhöhle nach aussen sich öffnet;
Mund (Maul) und Mundhöhle. — 2 das
Geschmack- und Sprachorgan. — 3. = Organ-
öffnungen am menschlichen oder tierischen
Körper. — 4. = die Gegend dieser Mündung (3).
— &. = Krankheiten des Mundes (1). — Bär-
Mund = die Mündung des Gebärmutterkanales
in der Scheide, Orificium uteri vaginale (siehe
Muttermund). — ftaitc/i-Mund = die Mündung
der sog. Muttertrompeten im Bauche, Orificium
uteri abdominale (Gr. W. 1, 1168). — B/osm-Mund
(1483 plasenmund, C. v. Megbg.) sa die Mündung der
Harnröhre am Blasenhalse (Gr. W. VI, 2683). —
gienender Mund = Os hians (Schmeller I, 918). —
(1756) Hasen-Mund - ein durch die angeborene
Hasenscharte (s. d.) nach Art des Hasenmaules
entstellter menschlicher Mund (a. v. h. Ii, 886).
— innerer Mund = die Mundhöhle, in die der
Mund nach innen mündet (Gr. W. VI, 2670). —
A/u</cn-Mund (14.— 15. Jahrh. dem munde des maghen,
J. f. nd. Spr.-F. XV. 132; 1477 magenmund, Ortolf;
1532 magenmund, Fries 75; 1561; Gr. W. VI, 1440 =
stomachus, Oesophagus; 1588 sa pylorus; 1691 mondt
des magens = os veutricull, Tabern.; Uad. Juu. 29),
1. = die Mündung des Darmes am Magen,
Orificium stomachi, Pylorus, Pförtner (s. d.) ■
unterer Magenmund (Hyrtl, K. W. 109). — 2. —
die Mündung der Speiseröhre auf der linken
Seite des Magens ; oberer oder linker Magen-
mund (Gardist) (Welckard 185). — 3. = (1681 das ror
oder der Schlund durch welchen dlo speise geht, Gr.
W. VI, 1440) = die Speiseröhre, Oesophagus. —
4. es (1483) die Magengrube (Magen 1) (C. v. Meren-
berg; Gr. w. vi, 2683). — (1476) verscb wollener
Magenmund = (Magen 5), das Gefühl als ob
durch ein Magen- oder Leberleiden der Magen
in der Magengrube versch wollen wäre (Ortolf).
— -V-'V'-Mund — Stomatomykosis , die mit
weissen Schwämmchen, den mehlartigen Mem-
branen des Soorpilzes (Oidium albicans) be-
legte Mundhöhle (Köhler II, 5; Roth 499). — tnel-
biger, moltiger Mund ■* Os putrescens mortui -
der von weissen Faulnis-Pilzen besetzte Mund
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Mangg— Murfl.
Murmeln— musper. 425
des Toten (Haltaus 1868). — Jfutter-Mund,
I. = (Alter* Bedeutung), Vulva, Lura (D. 340). als
ausserster ^el.ftrmutter-Mmi 1 , Leibesöffnung
(A. t. IL U, 12»6). — 2. = das Os 8. Oatium,
a. Orificium uteri vaginale, Stoma (Lycus)
s. Barm und (or. w. VI. 2824. 26S3; Kossm. XII) =
(1783) innerer Muttermund (Esalch 241); (17831 ver-
wachsener Muttermund - Stenoeis uteri (Eas-Jch
229). — AV<"rcr-Mnnd ■ ein mit wulstigen vor-
stehenden Lippen und schiefgestellten Zahnen
nach „negroidem Typus" (Ranke) ausgestatteter
menschlicher Mund (Schmidt, Jahrb. 1890, II, 200).
— (M97) iW*wicr-Mund - die Öffnung einer
angeschnittenen Arterie (H. Brunsen wyg). —
.v Afi.'-Muiid = die mit abschalenden (Schal-)
Bläschen (A phthen) besetzte Mundhöhle (Mund-
schäle, Alcola der Arabisten, mit dem Mehl-
mund häufig verwechselt). — frffijj" | Mond
(1482 scormunt. Schnarrer II, 19 . Lernen 1%) = die
skorb Ulische Mundfäule (wie Scheuerbein, an-
lehnend an Mund au« scbeurbut = Scharbock. Skorbut,
•. d. gebildet, (it. w. VIII. 2177). — (1645) stinkender
Mund = Foetor ex ore (Coler. H. a. 1S2). —
übler Mund (ndl. erermond, l>« Cock 75) = die
durch Soor, Hebe, Gur (Alcola) erkrankte
Mundbohle (Mundweh, Mundsehre, Mund-
versehiung). — (I6O8) ungesehmackter Mund =
die Empfindungslosigkeit des Mundes als Ge-
schmacksorgan, eitler, leerer, fader Geschmack
im Munde (Bcyn. 162). — Mund -Ausscftlayun<j,
■Blähung, -Blattern , -Darm*, -Dürre, -Er-
grimmen, -Fäule, -Galle, -Gatter, -Geschtcär,
-Grin t, -Hebung, Himmel, -Hitze, -Hohle, - Klemme,
-Krankheiten, -lahm, -Loch, -Schäle, -Schmack,
-Schwämmchen, -Sehre, -Seuche, -Söhre, -Sperre,
-Stank, -Sucht, -Yertehrung, -Weh, -Werk,
-Winkel, -Zehre.
Mungg, f. (xugerm. mnnk. mük — heimlich lauern,
Kluge *, 257 ; mhd. der munkel = die Heimlichkeit) =
der munkelnde, undeutlich sprechende Mund
(Meran; Schmeller I, 1627; Hlntner 6. 13).
Munt, f. („wurzelverwandt zu lat. manu» te Hand" ,
9. Jahrb., ahd. munt, munda = palma cnbitus manu« ,
angls., altnord. mund, munt = Hand. Pfeiffer, K. u. F.
II, 8; Kluge*, 263; ein ausgestorbenes Wort für) =
Handfläche, welche schlitzend (vom Vormund)
aufgelegt wurde. — (1482) Grmunt (gemuudt =
na manus, Schm. I, 1624; 1515 gm und = cztensio
manu«, palma [ulnu], D. 62->j — die spannend aus-
gestreckte ganxe Handfläche. — unmündig =
noch nicht des Schutzes durch den Munt ent-
behren könnend, weil noch nicht in das Alter
der strafrechtlichen Keife, Zurechnungsfähig-
keit und sittlichen Unterscheidungsvennogens
eingetreten (s. vogtbare Jahre).
Muppe, f. = Mund (Schlesien, CrunaU II, IM;
Nachbildung in Moppe »).
mur s. mürbe.
Muraue, f. s. Mar.
Murfl, f. murfein, mürfeln = mit geschlos-
senen Lippen murfend (gleichsam nagend mit
den zahnlosen Kiefern) kauen (1429 murblen =
mniso [murmeln], Schmeller I, 1647; Or. W. VI, 2716),
f. 1. = (rerachüich) Maul (Tirol; Hlntner
6. 13 ; Schmeller I. 1647). — 2 = murfelnde alte
Weibsperson. —3 = (Murbl, m.) = Stollwurm
(s. d.) (Alpbg. 379). - Murfl- Tier.
Murmeln (..eine einheimische onomatopoletlsche
Bildung", Kluge*. 264; „altes Lehnwort aus lat. mar-
murare"[?]. Heyne III, ahd. murmulön, mhd. mur-
meln). — (1742) mürmel ■ das murr-murr od.
knur-knur machende Kauchgeräusch, murmura
ventns (Zw. 166. 465; die Volksprache hat mehr
solche lautmalende Worte, die nicht entlehnt sind). —
Murmel- rtcr.
Murren, n ., f. 1 .(n .) = (1677) das Magen-Murmel n
od. Knurren (Bern. 162). - 2. (f.) = Vulva equina;
der Mund (Murren — krummes, murrendes Maul,
Schmeller I, 1642) wird öfter zur Bezeichnung der
Vulva verwendet. — murret (1412 murotter ss
qul habet uurmra nasura seu depresaum, Schmeller I,
1642) = schiefnaaig, krumtnnasig.
Mus, n. — Mut-Kat (• Kot), -Sack.
Muscat a. Kaat.
Muschel, f. (entlehnt aus lat. musculus; ahd.
muscula — Muschel ; angls. muscle, niuscel = genls-
cula. I>. 2«*; mhd. muschcl = concha = nuscbel
= Muschel, concha, D. 140) = wannen- oder
muschelförmige normale und pathologische Ge-
bilde am menschlichen oder tierischen Körper,
1. = (1704) der mit der Concha Veneria (Venus-
Muschel, St. Jakobs-Maschel) verglichene, ber-
gende Mutterleib (xteic), Vulva (Frauenschoss,
Wanne, s. d.) (Gr. W. VI, 27. 32; A. r. IL II, 236,
Heyne III, 888; Bachofen 127). — 2. — eine Ge-
schwulst (= Schale) ober dem Pferdehufe
(Karnthcn; Or. W. VI, 27S2). — 3. — (1716) die mit
einer Sphärium-Muschel verglichene, sphärische
Kniescheibe (Patella, Concha genn) (A. v. H. II.
IM; Kraus, E 746). — .Vasen -Muschel = die
muschelartigen Nasenknochen (Concha narium).
— 'Ar-Muschel = die muschelartig vertieften
Ohrknorpel (Gr. W. VII, 1266).
muschen ■ als MubcIi (Tagalp, Mittaggeist)
im Alptraum jemand drfleken (vielleicht xu musca
= Fliege. Alpgestalt, Grohmann Abergl. 13, Lalstner
1, 69) s. MOcke.
musecht s. Maus.
Musel s. Misel.
MUSÜC f. - ttirküche Musik = die Erkrank-
ung an Tripper, Schankerbubo u. Syphilis bald
nach einander, wortspielend mit dem Konzerte
einer Musikkapelle ä la Turq mit vielen Instru-
menten, wie es bei Eh renbezeui;ungen geschieht
(s. all'honeurs*). — Zahn Musik (engl, tooth
musle) = Kaugerausch beim E.-sen.
Muskel, m. ;aus lat. musculus ; — die kleine Main
t. d ! entlehnt und seit 171 i durch Speuner in die
«cbulgeroasse Termlnolonle elngefubrt, HyrtI, K W. ;
1666, niederl. muskel = Muskel, Gr. W. VI, 2745J.
Wegen der spezielleren Muskel-Namen sei auf
Hyrtl's „Kunstworte der Anatomie'* verwiegen.
— Ztrerc/i-Muskel = Zwerchfellrnuskel, Diaph-
ragma Mittelreff (Kaltschm. 403). — Muskel-
-Schicäche, Schwuntl, Sinn.
musper s. trusper.
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420
Mut— Mutter.
Mutter.
Mut, m. (gem.-germ. m(»U — heftige Erregung,
SeelensUmmung ; goth. moda - Zorn ; ahd., mhd. muot)
= Sinn, (ieist, Gemüt (Kluge*. 264). — Qach-
Mut, -mutig (1260 gahmuot, Pfeiffer 63 ; 15. Jahrb.
gcemütlg = colericus, D. 131) = der Jähzorn, Cho-
leriker, Kollerer. — Grmtit(ahd. Rlmuoti- Freude;
mhd. gomüeto) = Gesamtheit der Gedanken und
Empfindungen, harmonische Vereinigung der
Empfindungen (Kluge 1. c). — Heiaa-HLut (ahd.
heixmuoti, Latstner II, 411) = Furor, Heissblütig-
keit. — Klein-HLat = der »ich wenig kräftig,
tüchtig, sozusagen sich nur klein fühlende Geist,
der öfters z. B. bei der Influenza ein Krank-
heitssymptomist — JTrnnA'-Mtitigkeit („welches
äuge rindes äugen gleichet dio bezclehuent Krauk-
rnütbigkelt" C. v. Megbg. = buphthaliuus, Ochsenauge,
hydrophthalmus (ex tumore cerebri?!) = mutsiech
infolge von Uehimdruck od. Gehirnkrankheit.
— Irid-mViUg = am Gemflte leidend, melan-
cholisch (Schm. I, 1438). - Schien -, Se/ir-Mut
(10.— 11. Jahrb. scrinotigi. f., Oraff II, 699; 1420 eyn
«ucr muet — scrupulus, D. II, 332 ; 1475, ndl. swalr
mödlcheit = cachexia, D. 87; schwed. svärmodig; 1582
schwerer rauth - melancbolia, I/onlc. 232) ■ Melan-
cholia, ein reizbares liemflt, das alles schmerz-
lich fQhlt, dem alles, sozusagen seihst ein Stein-
chen, eine Last ist (nach alter Schullehre infolge der
fehlerhaften Beimischung von schwarzer Galle zum
Blut = Cachexia; franz. peaart, a peaart, Brian. 268 =
oppression), s. Skrupel. — Jungfrauen-Schwer-
mut = Melaneholia virginum ,.bel welchem Kamen
aber nicht eine Milzkrankheit oder Melancholie (I)
(Schwarzgalligkeit) verstanden werden soU, sondern
es ist eine (Melancholie III = ) Schwcrinuth, die ihren
Anfang meistens in der Gebärmutter hat" (Thes. sau.
Br. 2l4) = hyster. Irresein (Melaneholia hyslerica
S. Uterina). — /rUfc-mutlg (10. — 11. Jahrb., ahd.
truobniuotlg = turbatus, Graff II, 699) = derjenige,
dessen Gedanken und Empfindungen verwirrt,
ungeordnet, wie aufgerührtes Wasser trübe, in
der Stimmung aufgeregt sind. — Un-, OAw-Mut
(ahd. uum&ti - amenticus, Graff II, 68) - sinnloH,
geistlos; melancholischer Unmut (1551 onmuot
der melancolei) — melancholische Geisteskrank-
heit (Bock 5). — wann mutig = falschsinnig,
fehlerhaft im Geiste, wahnwitzig (zu Wahn 2)
(Schmellerll, 917). — WVÄ-Mut-, Mtttigkeit (M70
wemtit, wemodicheid — vecordia, IJ. 608 = habere ve
incorde, dementia) = Herz weh. — Mut-, Gcmütl»
krank, -riech, -giichtig.
Mutt s. Mutz.
muttelen ITtrol, Wolf; nicht wohl zu mulilus
[mouton] verstummelt, gelahmt, gehemmt, sondern zu
mutare = die Federn wechseln, mausen ; mtl. muta
Federwechsel, Kluge *, 252) = niedergeschlagen,
halb krank sein (s. mausern). — muttelt =
krank wie ein mausernder Vogel, der den Zip»
(s. d.) hat. - Muttel-Öcm*. -Gockel*.
Mutter, f. (zur Wurzel ma =• bildcu [eine Leibes-
frucht] ; gem.-indog. mfttor [inBtcr] ; gem.-germ. möder ;
engl motber= Gebärmutter; ahd. muoter, f.. Kluge6,
265; 7. Jahrh. muodar, im">tcr — genltrix; 8. Johrh.
moter - matcr, vulvo, Grnff II, 709; 1482 müder =
Mieder, die Kuscie auf einem Frauenhemd, Zen. Voc.
u 7 ; mhd. muoter - mater, matrlx, Uterus s Gebär-
mutter, Bauch, Leibsgestalt, rundlicher Leib, Körper-
oberflAche, Haut. Lexer 170; 1661 muotter= colica uteri.
Bock 177; 1577 mutter = colica. Gr W. V. 2812; 1590
mutier e» das Innere dea [weibl ) Unterleibes, Gr. VV.
VI, 2812; [Schwaben, Bayern] Mutter = Uterus, Bnckl7;
8cbmeller). Die Vorstellungen des Erzeugens
einer Frucht im weiblichen Leibe mnssten von
jeher dieDenkth&tigkeitder Menschen anregen,
aber bis auf unser Jahrhundert waren die Er-
gebnisse dieser Forschungen überdie Entwicke-
lung der Frucht nur sehr geringe. — Für den
Indogermanen war Mutter, 1. = (Mater; dazu
materia, a. d.) das kimlererzengende Weib (Ge-
nitrix, Kindsmutter), welches 2. = das Werk-
zeug und den Bildungsstofl (Materia) zur
Entwickelungder Leibesfrucht enthielt. Mutter
= Matrix, Uterus (bei den Griechen rryr., weU
zweiteilig angenommen) — Tragsack , Fruchtsack
(8. bftren) (franz. la matrice, la mere, i'amarris = äussere
Geschlechtsteile des Weibes. Brlsa. 70), die Mehr-
gehärende, welche die (tebärwehen in Erfahrung
gebracht hatte, fühlte dieses Organ als Wehen
auslösend und bezeichnete darum diesen Ort
oder dieses schmerzhaft gefühlte Organ auch
in Krankheitsfallen mit wehenähnlichen
Schmerzen (= Uteruskohk) mit Mutter (Gr. D.
M. 1111; Bock 177; Gr. W. V. 2812; Rochholz, Zeitschr
f. Mythol. IV, 109; Bavarla II, 2. 894; conf. neugrlech.
Y»3rfjj> - - Bauch u. Bauchschmerz, Liebrecht, z.Volksk.
348 ff. ; franz. let ventrecs m Mutterkollk, Bris». 175);
demnach 3. = Mutterkrankheit, diese Bezeich-
nung einer Krankheit nach dem Orte des
Schmerzes erklärt auch, dass selbst Männer
an der Mutter (Bärmutter-Krankheit) litten;
dieser Organaitz wurde auch örtlich verall-
gemeinert, so dass 4. = der ganze Unterleib
(s. d.), selbst der der Männer (äuseerlicb wie
innerlich) zur Mutter wurde. — 5. = die Scheide
gehörte selbstverständlich zur kindererzeugen-
den und fruchtragendon Stätte u. darum wurde
auch die Scheide (vagina) mit Mutter be-
zeichnet. — 6. = (selbst der den weiblichen Unter-
leib bedeckende l'rauengürtel [Mieder) wurde Mutter
genannt, Gr. W. VI, 2S04). — 7. = weihlicher Dämon
(s. Frau). Über das anatomische Aussehen der
menschlichen (Bttr-)Mutter hatte das ger-
manische oder deutsche Volk kaum eine ge-
nügende Vorstellung; der tierische Frucht- od.
Tragsack (s. Bäre) des trächtigen Weibchens
war ihm wohl bekannt, nicht aber der sonstige,
nicht schwangere Zustand des menschlichen
Uterus und seine Funktion ; (1518) „die Frauen-
multer ist der Acker der Meuschengcbarung und der
empfänglichen Glieder" (H. T. Gersd. 14); (1532) „die
Mutter ist ein Werkzeug der Geburt der Frauen gleich
als die Gemacht der Minner; sie ist ein hohles Glied
gemacht aus nervischer Materie (s. d.) u. vielen (Blut-)
Adern, schlagende und stille, gewurzelt aus den Adern
der l'orlen genannt, durch welche sie dann eine Ver-
bindnias hat mit dem Haupte, der Leber, den Brüsten
und dem Herzen u. auch gemeiniglich allen Gliedern
u. dieser Adern Löchlein (cotyledones) werden gehaftet
an die Mutter; durch diese Löcblein der Mutter werden
die Uäutlein zusammengehalten , durch welche das
Kind in Mutterleib genährt wird" (Fries 123); dies
i waren die von den Arabiaten übernommenen Schul
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Muttor.
Motter.
427
lehren Im 16. Jahrb. ; die breiten Schiebten de« Volke«
Jedoch wussten von der Matter oder Bännutter nur
als vom Sitze der natürlichen Geburtswehen nnd son-
stiger «chtnerzhaft quälender Empfindungen (Uterus-
Kolik oder Mutter- Weh) ; diese letiteren, die
pathologischen Schmerzen, faaste es «her —
(wohl Kant unabhängig rom Plato'acben £ü»ov ir:'.-
dnpir^.xov, Krmn«, e. 723) getreu dem allmenschl.
Dämonismus, als etwas Tierische«, Fremd-
artiges, Parasitäres auf, das als dämonisches Produkt
oder Wesen (Gr. D. II. Uli; H. Z. XXI. 211) angeredet
nnd besprochen wird, das den Weibern stets nagendes
Leid antbue ; e» «oll «Ich (wie ein unheimlich kriechen-
de« Haustier) ruhig niederlegen, nimmerregen, sondern
«ich an die Wand legen (RochholU In Mannh. Zeitschr.
f. d. Mythol. IV, 109; Germania XVIII, 52; Bock 76);
(1767) „der Sit* de« Mutterweh« wird insgemein die
Gebärmutter (Mutter 3) genannt und von vielen für
etwa« Lebendiges, ja gar eine lebendige Maus gehalten,
welche in dem Leibe herumlaute und die Weiber so
entsetzlich plage" (ßäuml. 462); dieses unheimliche
Tier wird auch durch den Nabel («. d ) getränkt und
gefüttert. — die Mutter ist ans ihrem Hftusl
und geht ins Häusl zurück (O.-Bayern); sie ist
unruhig, wütet wieein Kranhheitsdftmon (Kthnol.
Mitt. a. Ungarn 1893, 8. 25) , sie kratzt und will wie
ein Blutsanger (s. d.) Blut sehen und lecken,
das Her« ahstossen und vermehren, die Glieder
recken und ausstrecken und sogar das Leben
nehmen ; wie alle Krankheitsdämonen wird auch
diese kranke ..Mutter" als Sita eine« Dämons in die
Waldberge surückgebannt, wo sie die Waldfrau fressen
soll ; es steckt also ein ganz kannlballstlscher Dämon,
der Blut ( - blutiges Opfer) verlangt. In der (patho-
logischen !) Barmutter (Mutter 3), deren volksroedl-
zlnlscbe Behandlung auch dementsprechend Ist z. B. Be-
schworungen, Anrufung mit dem Kosenamen ..Frau '"
(Schmeller I, 801), Baucherungen mit Hexenkrautern
Anlegen ron Rindes - Rudimenten an die Schenkel,
z. B. Nabelschnur und Elhautreste etc.); die Gestalt
dieses Dämons in der kranken Mutier 3 ist nun
nach dem Volksglauben (der auch die Mar I«. d ]
ab) eine „Krau Mutter" [«. Frlschb. 71] ansieht), 1. ss
(wie oben schon angegeben) eine lebendige Maus
(die aus dem Leibe und durch den Mund gelaufen
kommt. Gr. D. M. II. 1036. 1112; Bartels., Medlz. d.
Naturvölker 37) , häufiger 2. = eine Kröte oder
Höppin (s. d., Protz, Met«, Rana buffo), die
nach uraltem deutschen Volksglauben auch die Stellung
einer jungfräulichen, geburtshilflichen, gütigen Fee u.
eines bo«en. quälenden Dämons hat (vergl. Llebrecbt
z. Volksk. 187», 8. 333. 349; Beiträge x. A. Ktu. u. Irg.
Bayern« 1894; Vollvgaben b. St. Leonh.-Kult. 9. 69); da«
betreffende, die Mutter (2) darstellende Organ-Votlv,
welche« bei Mutterkrankheiten ex voto geopfert wird, Ist
allerdings die Importierte Schildkröte, wie nie auch In
Sizilien geopfert wird, und keine eluhelm. Krötenart;
•tc wird aber al« (1906) „eiserne Bärmuttcr" (auch Perl-
mutter od. „Krotten") bezeichnet. Beweis dafür, das«
sieb du deutsche Volk die Krankheit alseinen elliischen
Dämon in Krötenform vorstellte, der griramende
oder Beschwörungen In seine Krutcnform (Amulett)
zurückzukehren veranlasst werden soll; eine Reihe
von volksüblichen Bezeichnungen der Schmerz-
empfindungen bei der Mutterkrankheit sind nur
verständlich, wenn man diese Vorstellung des
Volkes Ober die kranke Mutter als ein da-
raonistisches, elbisches Tier (Alp oder Mar in
Krötengestalt) kennt ; „die Bärmutter wirft sich
I hin u. her von einer Seite «ur andern" (Bock 57) ;
sie kehrt um, stosst an, steigt auf, hebt und
richtet sich auf (Bock, L c. Gr. W. VI, 2811); sie
wird unwillig, grimmig, ungeschlacht, empört
sich, durchirrt und durchschlieft den ganzen
Bauch, verstopft damit die Luftlöchlein, dass
> man nicht atmen kann (Tabcroaem.) ; sie steigt
u. fährt Ober sich (Ortolf); wird steigend, wütend
und stosst «um Herzen auf (Lonlc. 141) (Globus
hystericus, s. Mar-Briegen); sie zieht Ober,
hinter und neben sich; zuletzt erstickt eie (Suf-
' focatio matris) od. fangt an zu beissen od. zu
fressen (Uteruscarcinoni) (Schm. I, 289; Beiträge x.
A. E. u. Crg. Bayern« 1894, Votlvgaben b. 8t. Leonh.-
Kult. S. 59; H. Z. XXI, 211. Germ. XVIII. 62). (Vgl.
auch: Kröte u. Höppin, Aufsteigen, Aufstossen).
Die Erscheinungen der Hysterie fasste man als
solche „von der Matter wegen" auf (1582; Lonlc.
135). — Als Blut vergiessendee Organ wird die
Mutter 2 auch „Kasten" (Blut-, Mutterkasten
! s. d.) genannt, der umfallt (Retroflexio uteri),
sich verrückt (Lageveränderung), erstockt (In-
. faretus uteri), zugefallen ist (Stenosis uteri) od.
verschlossen (Atresia uteri) und bei der Geburt
gebrochen wird (H. Paul 314). — AI i Mutter
(13. Jahrh. albes mutir. trnte unde mar. ir sult uz zu dem
virale vareu, Silz. -Her. 1867. 7) = die Heimchen-(Dä-
monen-)Mutter, welche Alpdruck macht nach
altem Volksglauben und in Nachtsegen be-
schworen wird. — andere Mutter (15. Jahrh. an-
dlr mut ^secunda. D. 523) = Nachgeburt als weitere
Beigabe zur Frucht in der Barmutter. — (1582)
aufgelaufene /förmutter = angeschwollener,
verhärteter Uterus-Infarkt (Lonlc. 259). — (1551)
aufgestiegene Mutter (Bock 33) s. aufsteigen. —
(1561) auf '»tossende Mutter - Globus hystericus,
eigentlich der wie eine Kröte oder Alp gegen
das Herz aufstoßende, in der Bärniutter sitzende
Dämon, dann diese Empfindungdes Aufstossens
selbst (Bock 57) (s. Marbriegen). — ffygehende
Mutter = Prolapsus uteri, die durch Senkung
ihren normalen Ort verlaasende und durch die
Scheide (Vulva) hervortretende Gebärmutter
(Lonlc. 71). — Bär-, Bere-, Gebär-, GeowW-Mutter
(12. Jahrh gebnrtmuoter, Graft II, 710; 111,161 ; 14. Jahrb.
bern muoter = COlIca, Germ XVIII. 62. 1429. 1456
permuttcr = collca. Schmeller I. 261; D. II, 100; 1183
bernmuoter, C v. Megbg. 578 — collca; 1482 permuter
= matrix. 'lutdam morbus, Zenlng. Voc. y 5 ; 1502 her-
rautter = das (irlmmen Im Leibe, Würzb. Apoth.-Ord. ;
1631 bermüter = collca, Darmgieht , Krautw. XU.
XLIX; die Krankheit Collca vnd IHaca das seynd die
scharpffen bermiilter ei-nnnt, Krautw. XLVIII. 1551
bärniuutter = das Bauchgrimmen. Bock IM ; 1697 ge-
bännuter ; 1620 beermutter — das Grimmen Im Leibe
[auch bei Männern], Tri!. Adlbollz 75 , 164 s gelieenuulter
= Uterus , beermutter = collca, MutterauMossen. Coler
11. A. 211. 213, 1597 gebeer mutter, (ir. W. IV, 1. 1657,1677
burmutter = Uterus, Hyrtl. K. W. 17 ; 17. Jahrb. gebär-
mutter ■= Uterus cquarum. It. A. ; gcburtinutter —
inatrtx, D 361, beremuttcr = die in Ibreu Kubeiuilaii.!
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42*
Multcr.
Matter.
xurückgcbanute Gebar-Mutter, Frischb. 70), demnuh
1. = die die Leibesfrucht „tragende*1 Mutter 2
(Tragmtitter.s. Mutterbär); Uterus, Matrix. — 2. =
die beim Gebären der Frucht in dieser Mutter 2
eintretenden Krampfschmerzen (Wehen) Ober-
tragen auf Gebärmutter- Kolik (Malura hysteri- (
cum, Mutter 3), Bauchschmerz (Kolik) Ober-
haupt. — 3. = auch auf da« Bauchgrimmen
(Kolik) der Männer (s. Mutleraufsteigen). —
(MM) aufgelaufene Bärmatter (Lonic.) = Metritis
chron.; engorgement, Uierus- Anschwellung. —
(1531) scharfe Bärinatter = heftige Darmkolik
(Ileus) (Krautw. XLVlli). — weisse Gebärmutter
= der (elhisch verursachte) Gebärmutterkatarrh
mit Kolik und WeissflusB <z f. ö. V.-K. 1896. 353).
— (1725) böse Matter = arger Bauchschmerz im
Unteileibe (The«, tan. Br. 265). — Einhanker-
Mutter (Wcstf. enongermor, Laistner I, 73) = Elben-
Mutter, Mittags - Mutter. — (1551) entzündete
Matter (Bock 140), 1. = Metritis acuta. — 2. =
zuerst eigentlich nur das Hitzegefühl in der
Gebärmutter. — (iseo) erkaltete Mutter = eine
durch die kalte Komplexion (Phlegma) erkrankte
Gebarmutter (Endometritis catarrhalis, s. kalt
und Kaltmutter) (Schmeller I, 1690). — fahrende
Mutter, l.-s. fahrende Krau, Dämonin (Laistner
I, 309. S52). — 2. = ein weibliches Wesen, welches
nach dem Volksglauben vom Schicksal schon
im Mutterleibe dazu ausersehen ist, die Nacht- I
fahrt (s. d ) mitzumachen. — Frauen-Mutter
(14. — 16. Jahrb., rand. der rrowenmoder. J. f. nd.
8|>r.-F. XV, 132; lö. Jahrh. muter der vrawen = per-
UUter, Qt. W. VI, 8811; 1528 die muoter der frawen,
H. v. Gersd.) = Uterus feminae. — (1632) fromme
Mutter (Übers, der pla mater) = weiche Hirn-
haut (Hyrtl. K. W. 7.".; Coler, H. A. 85). — Frucht-
Mutter (dan. frugtmoder) - die die Frucht tragende
Gebärmutter. — fiirgehende Mutter b. aus-
gehende Mutter. — (1551) geschwollene Mutter
= Metritis chronica, Anschwellung des Gebär-
organes (Intumescentia uteri) (Hock 22s). — (1790)
gesegnete Mutter = eine Frau, die sich in ge-
segneten (s.d.) Umständen befindet. —(15. Jahrh.)
grimme Mutter (1412 grymine muoter in dem leibe
= colica, Gr. W. VI, 2812; D. 131; II, 100). 1. - das
Gebärmutter-Grimmen. — 2. = der Kolikschmerz
(auch bei Männern). — harte Mutter, l. = eine
hart angeschwollene, verhärtete Gebärmutter- !
Substanz, Infarctus uteri (Bock 60. 228). — 2. =
harte Geschwulstknollen z. B. Fibromyome in
der Gebärmutter. — 3. = (1618 über«, der dura
innter bert mueter ; 16:12 harte mutter, Hyrtl, K. W. 76;
II. v. Gersdorf 26) = die harte Hirnhaut im Gegen-
satz zur Pia mater. — Uatäe- Mutter = Holda-
Mutter, die kindci raubende l'erchta - Holda
(h. Klagetnutter, Stampa) (II. a. Rh. 562; Laistner
II, :sw). — He-, Heb-, Heck , Hef-, Hach-, Haff-
Mutter (mnd. heuen-, hef-, hevetuoder- colica, Mag. \
Barth. 96a; D. 131; mbd. hebemuoter, I.exer 92; 1420
heue muthir, D. 131; H29 haflmutter, heffmueter =
colica; 1476 belemuter est colica sed alcmczlg slt tibi
lceta, D. 131; Schmeller I, 261. 1037; D. II, 100; Gr. W.
VI, 2812; Hyrtl, K. W. 84, Aum. 1; Gr. D. M. II, Uli;
Brandbg. beämuttere, Engel. 260), 1. = die sich er-
bebende (s. heben), aufsteigende Mutter als
Krankheit (Globus hystericus), Dysmenorrhoe, ,
Uterinkolik. — 2. = Bauchgrimmen (bei Männern
und Frauen) Oberhaupt — kalte Hefmutter
(1414 eyn kalde hebemuter = colica, D. 131 ; 1432 dy
ehalt heffmueter = colica. D. II. 100; 1482, Zenlng, Voc.
m7; Gr W. VI. 2812; Heyne III, 899), l. = die durch
kalto Komplexion (Phlegma, Endometritis
catarrhalis) verursachte Uteruskolik mit Ge-
bärmutterkatarrh, 1 >\ •'•amenorrhoea catarrhalis.
— 2. = Bauchkolik (auch bei Männern). — Heb
matter- Klemmen. — Hinne- (Hrinc)-Mutter =
Mutter der Heimchen; weiblicher Dämon als
Anführerin des Holdenvolkes = Alpesmutter
(Laistner II, 190). — Kalt Mutter (1482 colica, Mac*.
Zening. Voc. «4; 1648, Ruland), l. = das durch kalte
Komplexion (Phlegma, Endometritis catarrh.)
erzeugte Bauchgrimmen, Colica uteri. — 2. = die
Folge dieses Leidens: a) Sterilitas, s. kalteNatur;
b) „die Erhärtung der kalten Feuchtigkeit"
(1630 Lonlccrus), Seirrhus uteri cum colica uteri. —
Klage- Matter = die Vogel- (Ulula) od. Käfer-
maden-Gestalt der dämonischen Holla (Heule) -
Mutter, welche nach dem Volksglauben Wechsel-
bälge erzeugt und Tod bringt (Klage = rteule [dies
entstellt aus Holla], Österreich ; Vernal. 104. 234 , II. A.
Rh. 414 ; Schmeller I, 1328; II, 831; Z. f. ö. V.-K. 1896,
329; 13. Jahrh. vn du clage mutir gedenke mir xu gute.
Slu.-Ber. 1867. 7. 12). — KranLh- , i -Mutter {1%29
schon bei Paracelsus (de Imp. A. 3) = Materie, Bildung*-
stoff, der nach den 4 Grundelementen als ein 4 lacher
angenommen wurde; 1531 wann die Schnuder oder
Haupt-Flüssigkeit ist ein Mutter aUer Krankheiten.
Krautw. lxxii.) = Krankheit«- Materie. — Kinds-
Mutter = Mutter 1. — JTrafg-Mutter (-Motter)
(Schmeller I, 1388 ; Gr. W. v, 2082) = die wie eine
Maus od. Raupe (Motte), nagende od. kratzende,
blutgierige Mutter 3 als Dämon und Krankheit
lEthnol. Mitth. aus Ungarn 1893, S. 33). — Manns-
Mutter = (1506) Bärmutter 3, Mutter 3 (1620 „wann
die Mannspersohnen das Grimmen haben, das gemeine
Volk es per errorcni die Beermutter, andere aber, so
was verständigeres reden wollen und wissen, dass die
Mann kein Beerniutter haben, den Vatter(s. d.] zu nennen
pflegen", Tritons Adlholtz. 75; 1725 ,,es finden sich
auch Mannspersonen, welche fast dergleichen Zufallen
[Autsteigen der Mutter] unterworfen sind und die aus
Einfalt zu klagen pflegen: ,, sie haben eine böse Mutter",
Thoa. san. Br. 265) = Bauchgrimmen der Männer
namentlich mit beisßendem Nabelfichmerz und
blutiger Diarrhoe (Ruhr) (s. Beitrage s. A. Eth. n.
IT. B. 1894, S. 60), Tenesmtis cruentus in ano cum
colica (namentlich iu Ruhrjahren häufig Im Volk**
munde und volksmedizinlsch wie die weibliche Mutter-
krankheit behandfit, s. auch Gr. I». M. II, 1111; ein
Beweis dafür, wie sehr der Krankheits-Name als solcher
diu Therapie beherrscht). — Mittags- Mutter = ein
ethischer weiblicher Dämon, der im Mittags-
schlafe Alptraum macht (Mannb. II. 363; Laistner
I, 73). — Xacht- Gro.s*mutter (Unterstelermark ;
Laistner II, 163) = Mar, Trud als nächtlicher Alp-
traum (Nachtwuone), Trutendruck machender
weiblicher Dämon. — -V ,'7 -Mutter = die Bil-
•lungHstätte des Fingernagels (Mutter 1) Matrix,
ungulae, der Teil der Lederhaut, auf der der
Nagel ruht (Nagelbett). — Paralys- Mutter
(15. Jahrh. barllsmucter, D. II, 280) = die Mntterkrank-
heit (Hysterie) mit hystero-epilept. Krämpfen.
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Matter— Nabel.
Mut«— Nabel.
— (1576) pölzende (Bär) -Mutter = der am Leib [
weit hervorragende schwangere oder mit Ge-
wachsen besetzte Uterus (Gr. W. VII, 1994). — '
ifr)<7<7rn-Mutter 8. Muhme. — (1682) schadhafte
Mutter ■ die seit längerer Zeit kranke, nament-
lich die eiternde Gebärmutter (Lonlc. 116). — (1661)
süimerzUche Mutter = ein schmerzhaftes Uterus-
leiden, %. B. Uysmenorrhoea etc. (Bock 171). —
schwache Mutter = ein schwacher, leicht erkran-
kender Unterleih (Mutter 4) (Gr. W. VI, 2812). —
ro/m-Mutter= Frau Holla(s.d.) als Anführerin
der Seelenschaar. — Trag Mutter = Bär-Mutter
(baren Ist eigentlich = ferre, trogen) as Mutterbitr,
Tragsack (bei Tieren), der die Leibesfrucht
tragende Uterus der schwangeren Frau (siehe
tragen). — unreine Mutter, 1. = (1607) eine ent- [
bundene, besonders puerperale Gebärmutter, '
deren Sekretion durch Lochien, EiterÜuss etc.
unrein (s. d.) ist. — 2. = (1532 „wenn die Mutter
Toll Gesehwar und Eiter und anderem Gifte ist", Fries
121; 1651 „eine unreine verschllmpfte Muoter", Bock
71. 220) = zerfallender, Jauche secernierender
Gebärmutter- Krebs. — (im) unruhige Mutter -
ein grimmenden, quälenden Schmerz od. auch
sonst Beschwerden machendes Gebärmutter-
leiden (s. Mutter- Unruhe) (Tabernaem.). — (1561)
verschleimte Mutter = ein durch schleimige,
katarrhalische Sekretion (Mutler -Schnupfen)
sich kennzeichnendes Gebärmutter leiden (Bock
Krtrbcb.). — (1551) verschlossene Mutter = eine
Gebärmutter, deren Mundung gegen die Scheide
zu verschlossen ist und daher Sterilität bedingt
(Bock 228). — (1551) Versehrte Mutter = eine durch
schmerzhafte Kitersekretion kranke Gebar-
mutter, raeist mit Geschwflrbildung (Bock 394).
— (1551) vor;ftirher-gehende Mutter = eine aus-
gehende u. vor die fltfnung (Vulva) der Scheide
vortretende Gebärmutter (Prolapsus uteri,
Mutter-Ausfall, Mutter-Ausgang) (Bock 394). —
VreAcw-Mutter, 1. =die Wehen (s. d.) auslösende
Gebärmutter (Frischb. 70). — 2. = ein weiblicher
Dämon (Butzenbercht) als Hebamme (Laisim-r
II, 379). — HVita Mutter =» Frauen-Mutter. —
Mutter- Abreisscn,- Ader, -Anmal, -Ausfall-Band,
•Bär, -Bein, -Beschwerde, -Betcegung, -Bett,
-Bläut, -blähen, -Blntfluss, -Brand, - Brest en,
-Bruch, -Brust, - Durchfall, -Drüsen, -Empörung,
•Entzündung, -Erstickung, - Er stremmen,- Fieber,
-Fleck, -Flu**, -Frais, -Gang, -Geblüt, -Gehren*,
•Geschwulst, -Geicächs, ■ Gichter, -Grimmen, -Hä-
morrhoiden, -Hnls, -HäiMcin, -Hemd, -Höhle
-Horner, -Husten, -Kalb, -Kälte, -Kasten, -Knopf,
-Kolik, -Kolter, -Körper, -Krampf, -Krankheit,
-Krebs, -Krimmen, -Kuchen, -Kugtin, -iMhmung,
-Leber, -Leib, -los, -Mal, -Melancholei, -Milch,
-Mund, -nacket, -Nagel, -Not, -Ohnmacht, -Pech,
-Pein, -Plagen, -Qual, Raserei, -Sack, -Scheide,
-Schmerz, -Schnupfen , -Schoss, -Schwachlwit,
-Schwären, -Schwindel, Senkung, -siech, -Siechtag,
-Staupe,-Sticken,-Sucht, -süchtig, - Thüre, - Toben,
-Unrulie, -Verrückt, -Wampen, - Wassersucht,
• Weh, ■ Wehtag, - Wut, -Zeit, -Zustände, -Zwang.
Mutz, in. Mutzen, Mützel, Mütze, Mützchen
(Nützel) (aus tnlat. altnutia, almuclum — Chorpelz;
mhd. mutze, f. = Mütze (Kluge", 263] als Kleidungs-
stück vornehmer Laien ; 15. Jahrh. mutze, L mutz, m.
= Kunna, tetninal. vulva. Gr. W. VI, 2837. 2838; D. 640),
1. s der mit dem Katzenpelze (s. Mautze) oder
Kotzenkleide (1618 mutz, D. 314) verglichene weib-
liche Möns Veneris, „die braune Mutz heim
weissen Bein" (Schmeller I, 1706, Gr. W. VII, 1933;
D. 6to) (s. Kanne). — 2. = ein Pferd mit abge-
stumpftem (s. mutteln) Schweife (c. v. Schiu. 3»«).
— Mütze (mhd. mutze — Haube von Pelz, auch
garn- oder netzförmig gestrickte Haube) = der Netz-
I oder 2. Magen (Reticulum, Haube) der Wieder-
käuer (s. Netz, Netzmagen) (Gr. w. IV, L 1368;
V, 4; VI. 2840; Falke II, 132). — Mützchen, 1. =
Praeputium penis als Hülle (s. d.) oder Bedeck-
ung für den Kopf desselben (glans) (Gr. W. VI,
2838). — 2. = pl. quälende Zwerge (Hüttchen),
' die mit der unsichtbar machenden Tarnkappo
verhüllt sind (Z. d. D. ö. A.-V. 1881. 8. 363). —
MÜtzel (entweder Nebenform zu Mucke), Gr. W. VII,
1257 = Mucken [Wurmmuck, a. d.J = kleiner Wurm,
oder eine solche zu Wutzel (s. d.]; letzteres wahrschein-
licher, da w öfter mit m Im Dialekte gegeben wird). —
0hr' | (Nützel) ) (15' Jahrh orcn muec*cl = »urcaHs.
D. II, 43; ormutzel = otalgia, dolor anrinm; Ohrmützel
ist wie Ohrmuckel eigentlich der Ohrllng, Ohrenhöhler.
Ohrwurm [tortlcula auricularls — Muheim, s. Muekel
- Ohrmützel, Kirsch 778], der in dem Ohre ver-
schiedene Krankheiten veranlassen soll nach dem [1588]
Volksglauben): a) Ohrgeschwäre (Tabcrn.); b) Ge-
schwäre hinter dem Ohre (1620 ohrnuctzcl, Gr. W,
VII, 1257; I>r. Minderer; 1677 abscefsus secus aures,
Beyn. 142); c) die Ohrspeicheldrüsenentzflndung
(Parotitis epid., Mums, Wätachel etc.) (Gr. W. VI
2840; Zw. 120 930) j d) Ohrschmerz (s. o.) überhaupt
Nabel, m. Nabbel, m. Nappel (altlndogerm.
nobba, onbhA - Nabe, Kadnabe [umbo]; gem.-lndog.
nobbalo, onbhalo [umbilicus , iufa'/.ö;) = Nabel,
Kluge*, 265; ahd. nabalo, naba; 7. — 8. Jahrh. napnto,
Gaas. Gloss., nie* = lumbus, umbllico; 8. — 9. Jahrh.
nabalo, tu — umbilicus, Kab. Manr. 65; 10. Jahrh.
napulo = lumbus; nabulo = vorax. Du «nnge V, 561
(= Nabelwnrm]; 11. Jahrb. nabil -- umbilicus. nabel,
nabllo = ventriculus, umbilicus, H. Z. III; XV, 349;
Graft II, 995; mhd. nabele, navel, navele, nabel,
| Hyrtl, K. 16; mnd. navel, Mag. Bart. 91a; engl, navel
= Nabel, Hode; 1417 nabulo = vracs [vorax], D. II, 262;
1506 nabln, inch. Mir ). — Nabel, 1. = die Ver-
narbungsstelle der (nach der Geburt der Frucht
abgeschnittenen , abgerissenen oder abgebissenen)
Nabelschnur mit der Bauchhaut derselben bei
Mensch oder Säugetier, d. h. die dadurch ent-
standene, faltig umränderte Vertiefung (Ceneon)
(Kirsch 203) auf der Milte der äusseren Bauch-
baut ala Rest der (vor der erwähnten Abtrennung)
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430
Nabel.
nach— Nack.
bestandenen Verbindung zwischen Frucht und
Mutter (2, bezw. 1); dieselbe verschliesst Bich
hie und da nicht vollsiändig, so daas der hohle
Nabel „brüchig" (bermosus) wird und sich
aushöhlt durch vordrängende, „vorfallende"
Baucheingeweide; ein solcher Nabel ist „ab-
gebrochen", „brüehig". — 2. = (1483) die Nabel-
schnur als Mitglied der Nabelbildung (C. t.
Megbg. ; Gr. W. Vll, 5). — 3. = die Umgebung de«
Nabels (1), lumbus, to ^tpov, Unterleib (nament-
lich beim Weibe verallgemeinert), alles vom Nabel
abwärts bis zu den Beinen, selbst Gebärmutter
und (engl.) auch Hoden ; darum l*t der Nabel auch
der 8iti der Unkeuschheit (». Mutter U. Venus-
Nabe), auch geschwollener Nabel 2), vielleicht
auch die Appllkatlonsstollo für primitive Weben be-
fördernde Mittel; darum Heinsen die Venae umbillcales
auch Mutteradern (Du Cange IX. 388) und wird die
tierisch vorgestellte kranke Mutter (= Kröte) vom
Nabel au« gefuttert (s. Geizwurm, Naheltmcht). —
4. — der Nabelbiuch (Hernia umbilicalis) in
seinen verschiedenen Kntwickelungszuständen
von Nagelkopfgrösse bis zum Sack. — 5. -
das Bauchfleisch um den Nabel herum (bei
Schlachttieren). — 6. = der Nabel -Wurm 2
(*. o. ahd. vorax). — 1. — Hautveränderungen
Überhaupt, Körperstellen, die eine nabelähn-
liche zentrale Vertiefung, eine sogen. Delle
haben (Umbo) (Auspitz in z. Hdb. xiv. l. 229). —
8. = Knochenieile, die eine „Nabe" bilden. —
abgebrochener Nabel — der Kolikschmerz bei
Kindern, ohne eigentliche Nabelhernie, als ob
ein Nabelbruch vorhanden wäre (der dann auch
„eingerichtet" wird, Wuttke 339. 544; Bavaria III, 1.
405). — (1609) ausgedruckter Nabel = ein durch
die Bauchpresse beim Drängen, Schreien etc.
veranlasster, beginnender Nabelbruch (Guar. 775).
— ausgeparzter Nabel = der wie ein Börzel
hervorragende, abgedrückte (b. o.) Nabelbruch
bei Kindern (Schindler I, 284). — itaucn-Näbele
= der kindhebe Nabel am Bauche im Gegen-
sätze zum Herznabel (Kuck IG). — (1C08) dicker
Nabel, 1. = der hohe Nabel (s. d.). — 2. = das
Bauchrieisch beim Ochsen um den Nabel (3)
herum (Scbmeller I, 1712; Gr. W. VII, 6). — Dreh-
Nabel (Mecklenbg. droenappel, Z. d. V. f. V.-K. 189t,
8. 185) = das Kadius-Koplchen, das sich wie eine
Uadnabe dreht, am Kllenbogen. — /<.'..'• r- Nabel
= Abscesshildung mit Kiterfluss aus uem
Kälbernabel (Zlpp. 258). — ge- (ver-) schwollcner
Nabel, 1. = die Nabelhernie als Geschwulst. —
2. = das beim Ausbleiben der Periode (Schwan-
gerschaft) stärker bemerkbare Hervortreten des
Nabels; (umschreibend) : Amenorrhoe. — Herz-
Nabel (mhd. herze nabele, Lexer 99; 1542 hertz navel,
1727 herztnavel) = Scioblculus cordis, Herzgrube
als zentrale Vertiefung des Leibes (Hyrtl, K. W.
83. 207) zwischen den beiden weibl. Brüsten
Uber dem Bauchnabel. — hoher Nabel = der
Beginn einer Nabelhernie als ein sich er-
höhender Nabel beim Menschen (Heyn. 239). —
— Fenu*-Nabel= Nabel 3. — H inrf-Nabel = ein
angeblich uurch Blähungen entslanucnt-r Nabel-
bruch (Pauli 124). — Nabel- Ader, -Ausbofdung,
-Auslaufen, -Ausschctssm, -Band, -Bläschen',
-Bor, -Brand, -Bruch, -Darm, -Fäule, -Fleck,
•Galle, -Gartlein, - Geschwulst, -Gesperr, -Gezerr,
-Gurten, -Herausstehen, -Knöpfe, -Knoten,
-Krankheit, -Loch, -Revier, -Ring, -Schmers,
-Schnur, • Schnursuite , -Schwamm, -Spann,
-Strang, -Sucht, -Sülze, - WassersudU, - W urm.
nach- (die Zusammensetzungen mit dieser Vorsilbe
suche beim betr. nachfolgenden Stammworte, x. B.
nachidchüg bei sehen, Nachgeburt bei: burt).
Nacht, f. {gem.-indogerm. nokt- = nox. vö;; gem.-
altgerm. naht-; ahd., mhd. naht. In der indogerm.
Vorzeit rechnete man nach Wintern, nicht nach Jahren,
nach Nächten, nicht nach Tagen. — Die Nacht ist
keines Menschen Freund; sie ist die Mutter der
Phantome (Träume), der Drachen und fieber-
haften Seuchen, der Torturae noctis (Hellmont,
Haeser I, 4S3), die in nachfolgenden Zusammen-
setzungen zahlreich benannt sind: Nacht-
(nächtlich) Auge, -Blatter, -Blindheit, -Brand,
-Drucken, -Ekel, -Eisse, -Fahre, -Fertigkeit,
•Fluss, -Frau, -Gänger, -Geburt, -Geister, Ge-
schrei, -Geschwulst, -Gesicht, -Gespenst, -Gicht,
-Griff, -Grossmutter , -Hexe, -Hitze, -Husten,
•Läufer, -Männlein, -Mar, -Marder, -Mensch,
-Mohr, -Mummel, -Nebel, -Olf, -Raserei, -Samen-
flüsse, -Schaden, -Schatten, -Schrättel, -Schrecken,
-Schweiss, -Seher, - Toggi, - Trude, - Vogel, - Volk,
-Waller, -Wandler, - Weh, -Weinen, -Wer,
— Wonne, -Zeug.
Nack, m. Nacken, m. (Gnack, Knacken)
I (angls. knecca, D. 115; ahd. nac, hnac, hnach (dazu:
Genick) = oeeiput, testa capitis; 1482 nack, knoch
binden am nack — apostela ( = apostema], Gr. W. VII.
239; nack in den knochen oder gepalu, D. 384; nack
= ocelput , Zenlng. Voc. x 1 ; mhd. nacke , nac =
Hinterhaupt, Nacken, Kluge*. 2G6; 1485 naecke —
Knocben, Beincben, Schm. I, 1720; 16. Jabrb. nacken,
Gr. W. VII, 239; engl, neck; ndl. nek = Nacken. De
Cock 307; [Bayern] nacken = Knochen, genaeck =
! üenick). — Nack, Nacken, 1. = die (benagten)
Knochen, Knochen überhaupt, Genack. — 2. =
die Hinterteile des Kopfes und Halses bei
Mensch und Tier, Occiput, Nucha. — 3. = die
ganzen Knochen des Rückgrates (s. Nagel 3).
— 4. — die Härte und Starrheit der Nacken-
muskulatur (Hals). — 5. = das hinaufgeschlagene
Nackenhaar (Gr. W. VII, 239). — 6. = der kranke
Nacken, der sogen. Bockstern (s. d., Apostema,
Nackenknoteti), der häufig im Nacken sitzt. —
Üor-Nacken (1421 pornack = slnclput, D. II, 339)
— der empor (ahd., mhd. bor = oberer Kaum,
Kluge6, 89) gerichtete, obere Teil des Nackens,
Hochruck. — Genagt Ick (Gnack), 1. = das
Kollektiv der Hal«kuocliKii an der Wirbelsäule,
Genick, Nacken (Bayern, Tirol; Hintner 5. 12). —
2. = Knochen, z. B. Schindergnack, Teufels-
gnack, vermutlich die Bezeichnungen der ehe-
mals beim heidnischen Kultopfer abgefallenen,
abgenagten, knackenden Knochenteile (Urquell
1894, 8. 242). — Gnack er - mageres Stück Vieh
(Scbmeller 1. 1721). — (1420) Urf -nackig = cervi-
cosus, kräftigen Widerstand im Nackeu gebend
(D. 110; engl, stlHnecked, Kaltschm.). — ÄOJf-Näckel
= „kostbares AmuleUbeiuchen, Reliquie" (Schm.
I, 1720), alB Überbleibsel der Knocbenwert-
schätzung aus heidnischer Zeit.— steifer Nacken
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nackend—Nagel.
Naeel.
4SI
(ndl. stijven neck, De rock 307. 312; engl, stiffneck,
wTr neck. Lehf. 43. 94) = Torticollis, der durch
Rheuma etc. starr und unbeweglich in schiefer
Stellung gehaltene Halsteil dir Wirbelsaule
(Schiefbals). — su, r- Nacken = die mächtige
Entwickeiung der Nackenmuskulatur als Aus-
druck physischer Kraft. — Nacken - Band,
-Beult, -Fistel, -Grube, -Knoten, -Starre.
nackend, nackt (indogerm. n«">g [nudus, nog-
▼Idus], ..eine Art Kleidung «etzt dies Wort für die
ältesten indogermanischen Zeiten Toraus", Kluge ;
vorgenn. nogeuS; genn. naqo; »J»d. nackut, nahhut ;
14. Jahrh naken , Schmeller 1 , 1721 ; mbd. nacket,
nackent. Kluge*, 2*6, engl, naked) = unbedeckt. —
/<uW-nacket = nudns ad palum, nackt selbst
am Fusel (s. d.) (E. W. I, H7; [Henneb.) fasig o
nackig, Spless I, 11; II, 57). — / u ''-nacket - an
der weiblichen Scham (s. Kuil) unbedeckt. —
nacket = nackt, ganz entblrtsst. — mutttr-
nacket (-nackend) (mhd. muoteraacket, Schmeller
I, 1721) = „ganz nackt wie im Multerleibe".
nacket (nanket) ■ nackelnd, nanckend,
wackelnd, gebrechlich (Wolf).
Nadel, f. (= „Instrument zum Sahen"; germ. ne,
Kluge*. 266. 267; gem. Kenn, nethlö). — (1790) Nted-
Nadel s. Nied-Nagel (Richter i. 291). — Nadel-
Ii KIT*.
nahig s. nah.
nähren s. Nahrung.
Narbe s. Narbe.
Näris s. Riss.
Näs, f. näseln a. Nase.
Nässe, f. s. nsss.
nätern, n&thern = wiederkäuen - iteruchen
(nitern) (Urquell 1894 , 9. 2-%; Falke II, 14«).
natzen s. netzen.
naffezen, napfezen, naffixen, nipfezen,
nefzen, Nafzer, in. (lauter Intcnslvblldungen tu
napfen [napj = nicken [dunklen Ursprungs] ; engl, nap
— Schläfchen, Kai Wehm. ; ahd. hnaflezan, naphexen ;
9. Jahrb. naflran, Graff II, 1053, mbd. nahen; 1447
nefuen, 1515 naffoucn = dormitare, D. 190; 1566
narauen) = den Kopf nab (hinab) halten beim
Schlummern, einseilig nickend schläfrig sein,
ein wenig schlummern, dormitare [Gr. w. vn,
350). — Nafzer, m. 11*44) Napfezer, 1. = ein
kleiner Schlummer (Gr. w. VII, 800; Schmeller I,
873. l. Zeile). — • 3, = einer, der immer mit dem
einen Kusse hinabsinkt, beim Gehen hinkt
(Oberosterr. Jahrb. 1844, 8 152). — Naixung (ahd.
naflesunga, f., Graft II, 10SS; Cb. v Mhm. 39s) =
Dorm null), Sopor, Schlumtnerzustand. — Ent-
H&izung = Schlummer stärkeren Grades (C. t.
8chm. 398).
Nagel, m. (Nogel) (indogerm, noghlo — unguis,
cIstus, Finger-, Zehennagel; aanskr. nagha = Kraue
[». d ], Gr. W. VII, 270; genn. nagla. Kluge » 2»'*; ahd
nagal = Finder- oder Zehennagel, Holznsgel, 9. Jahrb.
nagal = ungula, Hab. Maur. SS; 12. Jahrh. nagala,
H. Z. II, 205; XV, 354; mbd. nagel; engl nail = Nagel,
Klaue, Kralle), 1. - der kratzende (nagende {'f'j,
scharfe llornteil an der Dorsalseite der Kinge'r-
1 nnd Zehenglieder bei Menschen und Tieren,
eigentlich nur das, was davon Ober die Kinger-
kuppe hinausragt, weiterhin auch das Nagelgiied
selbst. — 2. = der Nagel am Auge: a) Unguis,
Onyt (s. Augennagel a) (Arlt 108. UL IM, 1*4;
Gr. W. II, 1321): b) (1561 nagel = pterrgium, Gr. W.
VII. 263; 1&99 nagel = ein Augeuübel beim Pferde [I.e.);
1603 . ein spannadrisches [= bindegewebiges] hartes
und weisses feil auf dem weissen hautlein des auges.
das sich meist Im grossen augenwinkel rausthut und
oftmal so gross wird, dass es den ganzen stern oder
augaptel bedeckt nnd das auge ganz blind macht".
Gr. W. VII. 263; 1666 nagel = flaug oder Hauch am
' Auge des Pferdes, hanchartige Hornhauttrübung. Aug-
suli [t. d.), Nagelfell, Gr. W. I, 816; 1741 nagel im
auge — gomphus [Kirsch 545], gutnpbus, D. 271);
demnach = a. Augenfell beim Pferde (Pterrgium);
ß. Hornhauttrübung beim Pferde; y. in Klan-
dern ist der Nagel auch dieselbe Augenkrank-
heit dem Namen nach vom Pferde auf den
I Menschen übertragen (De Cock 135). was für das
Alter dieses Namens um so mehr spricht, als das Cbel.
das vermutlich dem elbischen, nagelartigen Geschosse
zugeschrieben wurde, auch durch Besprechungen ge-
bannt wird (s. Drachenschuss; ; c) die bornharte
Blinzhaut am Pferdeauge (Augennagel d) (Gr. w.
VII, 257; Herne III, 935; Mayer 29. 189). — 3 = die
12 Brustwirbelknochen als nagel- oder meissel-
förmig durch ihre Dornfortsätze hervorragende
Teile am Rückgrate (Ruckdorn), Clavus, Spon-
dylus (Hippokratis) (Kulmus46) (zu Nacken?). —
4. = Penis (vermutlich unter Andeutung des
Hammers, s. d.), als Brnchnagel, Ramnagel,
Vornagel (Nägele, Nogl) (Bayern, Tirol. Schwaben;
engl, llnchpin = Hirschrute, Nagelpflock, I.ünse,
Kluge*, 243; Schmeller I, 101'.. 1732; Buck 16; Hintner
8. 18; Gr. W. VIT, 268; Heytie III, 93-3. 936; Phallus =
broche, broque, V. K. II, 9; 8t. Pierre n Broouettes.
Vergl. den Leonhard-Nagel in Beitr. t. A., E. u. l'rg.
Bayerns 1891). — 6. = der Haupt- oder Mutter-
Na^el, Clavus hystericus, Migräne (s. d.), der
einseitige Kopfschmerz auf einer nagelgiossen
Stelle Ober dem Auge, verglichen mit dem
Schmerze durch einen in den Kopf plötzlich
wie ein Geschoss (Bolzen -Nagel) geflogenen,
damonistisch veruisachten Nagel (s. Augen-
Schuss). — 6. = Nagelkrankheit, kranker Nagel:
, s) Panarilium; b) Kurunculus digiti, Clavus
ecb. Iii; Terallgemeinert). — 7. = eine Krankheit
der Schafe und Lämmer, Unguis frictus, Kick,
Klauenfäule (s. d.), wobei die Klauen anbrüchig
werden, wie ein Nagel (1699; v. M. I, 83). — 8. =
s. Weichselzopf. — 9. Nagel = Nahel (s. d.),
d. h. nagelformig vorspringender Nabel (Hernia
umbilicalis). — nageln = coire (Nagel 4), ein-
keilen, einen Nagel eintreiben, nieten (s. d.) (Korr.
f A. E. r. 1896, 8. 52). — An /-Nagle = Paronychia,
Qual (= ang, s d.) bereitender kleiner rinjfer-
Natfel (C. t. Schrn. 400, dagegen wurde da« ..Nagel'-
kraut [Mondkraut] angewandi ; engl agnall) — Awjen-
Nagel - Nagel 2, und rwar: a) Unguis, Ungula
( A Pare), Onyx (< ialeni) (1756 „zwischen dem hinteren
und Innerin Maetlleln der h»rnhant zeigt sich etwas
Ton Kiter, das In der duri-hwlielnenden Hornhaut
gleichsam wie ein Nagel an dem Finger au«»leht',1
, A. r. H. II, 1166; Kraus, E. Ul. 691. 872) = Lunula
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482
Nagel.
Nagel.
hypopyonie, Pyosis Galeni, Hypopyos Pauli
Aeg., der mondsichelförmige, weissgelbe Fleck
am Augennagel (Hornhaut) infolge von Kiter-
senkung in die Hornhautlatnellen = Albugo
OCUÜ (1676, Theophr. Br.; 1582. Ironie. IM; Roth 368);
h) Nagelkopf, Keratokonus, Prolapsus iridis,
Hilum, Myopiasis (,,eln Teil der Ilornbaut tat in
der Mitte wie eine zugespitzte Kugel oder wie der Kopf
eines Nagels zusammengezogen", A. t. H. II, 228;
Kraus, E. 46«); e) Pterygium (Pauli Aeg.) =r Augen-
feil (,,elu haeutleln so aus den augeuwtnkeln berror
über den augapfel nach und nach waeebst und so die
blindhelt verursacht". Zw. 206; )7">6 augennogel —
Pterygium, Angenfell [s. d.], A. v. II. II, 1261); diene
Formen von Augennagel a — c sind wohl alle
vom kranken Augennagel des Pferdes auf das
menschliche Auge übertragen worden; d) die
Blinzbaut, Nickhaut am tier. Auge (Nagel 2c)
(Gr. w. VII, 26". 263; Falke I, 86) = eine knorpel-
harte, gebogene, den Augapfel schützende
dritte (innere) Lidhaut (s. Augenlid). — blaue
Nägel = die durch Kreislaufstörungen (Frost,
Herzleiden etc.) erzeugte Cyanose der Finger-
nagel (Qr. W. VII, 258; nach dem Volksglauben
[Mannb. 16] von Walddamoncu in Gestalt kleiner
Tierchen [zehrende Elben) veranlasst). — böser Nagel,
1. = Onychia, Paronychia, Unguis callosus,
Leprositas unguis (s. Hornnageln), Fieositas
unguis (syphil.), äcabrities unguis (diabetica)
(Behrend 80) = die durch lokale Entzündungen
oder Allgemein - Krankheiten verursachten,
schmerzenden Nagelaffektionen mit meint nach-
folgender Entartung der Nagelplatte. — 2. =
missgestalteter Nagel am Finger (Fr. Kr. B. 869).
— Bruch-lStLgel = Penis, der Nagel 4 unterm
Bruch (Hose) (Gr. W. II, 413). — / >a«m Nagel =
der zu abergläubischen Zwecken benützte Nagel
am Daumenfinger (Schtn. i, 607). — Ein Nage-hoi./
— Gomphosis, die Einkeilung der Zähne in den
Kiefern (Laden, s. d.) (Hyrtl, K. W. 40). — ein-
nageln (anuigeln) = der surrende Frostschmerz
an den Fingernägeln = dernarrte Finger (siehe
hornnägeln) (C. v. Schm. 400; Bück 19). — einge~
tmehsener, hinUberyewaclisener Nagel — Onychia
per incarnationem unguis = Nagelfell, Nagel-
zwang, wenn der scharfe .Seitenrand des Nagels
sich tief in die Haut des Fingers oder der Zebe
einsenkt und daselbst geschwürige Prozesse
mit ileiBchartiger Wucherung über den Nagel-
rand hinüber veranlasst (engl, ingrowing toe-nall).
— 2-W Nagel (1483 fuoz nagel = unguis, onycha,
C. t. Mcgbg.; Lexer 360; D. II, 385) = Zehennagel
am Fusse (Gr. W. IV, l. 1037). — grosser Nagel =
der Nagel an der grosseu Zehe (Gr. w. VII, 260).
— (1588) ffaupt-Nagel^Heinicrania (s. Migräne)
(Tabern.; Gr. W. IV, 2. 623) = „der schmerzliche web-
thnm des hauptes der einen seito" (Nagel 5, Mutter-
nagel, (Jlavus hystericus). — Herr Nagel! =
Herr Mannl (s. d., Nagel 4) (in .Segensprüchen,
Schmeller I, 801 ; wie die Finger als koboldisches Wesen
angenommen). — (1612) horn • nägeln ■ aniglen,
uriglen, hurnigeln, liorneilen, hurneilen, hor-
niglen, einnigeln, einnflgeln, einnidlen (lauter
entstellte Nebenformen) (s. hornnägeln S. 241 unter
dem Buchstaben H), 1. = das Forntikations-
gefühl an den Fingerspitzen, Fingernägeln bei
Lepra. — 2. = das Frostprickeln an den Finger-
spitzen (s. Hornbruder, Hornfall, Horn) (Tonglee
= les marfies ( = tnains froides. Briss. 286; Gr. W. IV,
2. 1826; C. v. Schm. 407; Schmeller I. 52. 1165). —
(1862) hysterischer Nagel = Mutternagel, Über-
setzung des Clavus hystericus (Gr. W. VII, 263).
— Änei^-Nagel (Mecklenburg; knipnagel, Z. d. V.
f. V.-K. 1895, s. 317) = kneipender, durch Krost-
kälte schmerzender Fingernagel. — krampfhafte
Nägel =- ungeformte, krallenartige ReiMnflgel
(MuUcr, Krtrbch. 258). — Leid Nagel (1483 lldnagel
m onichina, D. II, 271) — weher Finger infolge
von Nagelgescbwär, Onychia. — (1754) Mutter-
Nagel = Neuralgia supraorbitalis hysierica,
Clavus hystericus, die Scbraerzempfindung eines
in den Schädel eingetriebenen Nagels bei Frauen
(Nagel 5) („ein kopfschroera bei Weibsbildern, der
von der mutter [2] [ - Hysterie] kommt ; dabei es ihnen
ist als ob ein nagel durch den köpf oder wirhel ge-
schlagen würde; der schmerz ist gerade über den
augenbrauen", A. v. H. I, 430) (s. Migräne). —
Narben-, -AWfn-Nagel = ein dicker, (narbig)
unförmlich ausgewachsener Nagel an einem
Finger oder einer Zehe, meist Folge einer
traumatischen Läsion des Nagelgewebes, die
dann auch abnorm3,„gespassige"Empfindungen
hinterlässt; nicht jeder Narrennagel ist ein
Narbennagel (s. Neidnagel). — Neid-, Nied-
(Niet-), JVof-Nagel (aus dem niederl. nijdnagel; 1577
nynogel, D. 489 — cutis circa radices unguium resolutio
atque flssura quod dicunt unguis lnvidlosus ; auch
redlvivus[reduvla, D. 489] bezeichnet; ins Hochdeutsche
ubertragen : 1661 rietnagel - paronyia, D. II, 281 =
nietnagel ; 1680 neldnagel, nlednagel, Gr. W. VII, 564 ;
1766 niet nagel, A. v. II. II. 1267; 1761 nlednagel =
redivivae, L cb. 72; Rochholz I, 137; zu ahd. knlotan
= befestigen; altnord. bnj6da = fesUchlagen, Kluge *,
2t.'J. 271; niet, aus Volksetymologie verwechselt mit
mhd. nid = Neid), l. = ein am Gewebe des Finger-
oder Zehennagels unten wie ein Niet noch
haftender (engt hangnoll = Hangnagal, Nietnagel.
Lebfeld 80), schmerzhafter Nagelsplitter oder
auch nur Hautfäserchen , das sich teilweise
schon abgelöst hat, aber noch wie angenietet
schmerzend haftet. — 2. = die sogen. Nagel-
wurzen, die auch, weil schmerzend, Neidnägel
genannt wurden aus falscher Volksetymologie.
Per Glaube im Volke, der so oft auf etymologisierendem
Bodon Nenes schafft, meint, das« ein solcher Neidnagel
als Folge des brtsen, neidischen Blicke« (malocchio,
s. Wises, übles Auge) entstehe. Notnagel Ist nur Ver-
wechselung; Neidnagel Ist falsche Schreibweise; aus
ihr entstanden auch Neidfleiscb, Neidhaut (s. d.); sogar
ins Französische als envie = Neidnagel (Briss. 206)
gedrungen. — 3. verallgemeinert ist Neidnagel
auch m Panaritium (Finger- Wurm, GebrOt,
Neider 1) (a. v. H. II, 1257). — .W-Nagel, 1. =
Nietnagel. — Sä. = ein Notnickel (Leistner II, 94.
230). — Rtimm ■ Nagele — der zum Kammein
(coire) benützte Nagel 4 (Buck 16). — (1561) rauhe
Nägel = Ungues rigentes, spitzig stechende
oder stark gefurchte Nägel der Finger (Bock 134;
! Gr. W. vill, 266). — Äeio-Nagel = Heus epistro-
pheus (der Kückendorn des 0. v. Megbg. oder
Spondylos des Hippokrates), der sich, wie der
I Keibnagel an dem Wagenscheit des Wagens, so
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nagen— Nahrung.
Naht-Narbe. 438
an dem Atlas (1. Halswirbel) drehend reibende,
aahn förmige Fortsatz des 2. Halswirbels (siehe
Judenknochen, Jungfer im Bade). — Reit»'
Nagel - nach innen gekrümmte, iura Reissen
geeignete Fingernägel (Urquell 1890, I. 137). —
(1260) tibelgethaner Nagel ■ ein raissgestaltetcr
Nagel (s. anthuen), dem Übles angethan wurde
(vbelntanagcl, Schindler 1, 1732; Pfeiffer 30). — unter-
wachsener Nagel = eingewachsener Nagel (s. d.),
der sich unter den seitlich gewachsenen Granu-
lationen einsenkt und so die sogen. Nagelflstel
bildet. — u>- nageln = s. iglen u. ilgern. —
verbellter Nagel (vbelntanagel. Sehnseiler I, 1732,
Zeile 6) = ein durch Verbellung (s. Bell, verbellen,
Bellfuss) abnorm empfindender, „dernarrter"
Finger-, Narrennagel. — r< »nagelt, 1. = dumpf,
wirr, verschlossen fflr Verständnis, wie vom
Elbenscbuss getroffen (Sples* Ii, 226). — 2. =
fehlerhaft am Hufe beschlagen (von Pferden).
— Nagel (Schmeller I, 1045. 1732) = Penis. —
Z<r,i)fi Nagel (ndl., 1677 dwangh-nagel - redlvivu«,
D. 489) = ein durch seillich frischrot aufwach-
sendes Fleisch gleichsam eingezwängter Nagel
am Finger oder an der Zehe. — Nagel- Bein,
■Bett, -Blühe, Blume, bohren, -Fäule, -Falz,
•Fell, -Fistel, -Fleck, fliehten*, -Flut», -Gaden,
■Gefloss, -Geschwür, -Gewächs, -Glied, -Grint,
•Kauer, -Kopf, -Krümmung, -Kuchen, Kuppe,
•Mond, -Mutter, -Runzel, ■ Schwärung, -Skrofel,
•Spalte, Stich, - Weist, • Wurm, -Zwang.
nagen (sanskr. nagha - Kratze; die nagende, bela-
dende, schabende Thatlgkelt [Nagel der Finger] und
Empfindung; germ. gnag, knag [s. Nacken, Gnack];
alter, ahd. gnagan; ahd. nagan; mhd. nagen, Kluge*,
267) - mit den ZAhnen (Nägeln?) in kleine
Teilchen schaben und beissen (franz. naqne« =
Zahne, Brlaa. 41). — Naget, m. (13. Jahrh. nagedo
[die Formen auf -edo finden »ich namentlich bei
uralten KrankhelUnamen] , II. Z. XVII. 560 = eine
nagende, d&monUtlsch aufgefaßte Kraakhcit, die dnreh
Segensworte gebannt Warden soll) m der nagende
Wurm (s. d.) oder der nagende Schmerz im
Magen, in den Baucheingeweiden (auch die
Ruhr, Cholera, Kröte, Maus, Bärmutter, Hunger-
„nagen" im Leibe) (c. v. Megbg.; Gr. W. VII. 271,
Trlf. Adlholz. 12. Coler. H. A. 179). — 1/ - nager
(1420 knagelic = rosoriu», I). 500; gnager =; rosor) —
einer, der nagt. — nagender Stechtum, Wurm.
nah, nähig (ahd. näh. naho; angls. nöar = naher;
altnord. nar, Kluge*, 267). — (15G4) nahig = der
Niederkunft durch die Entbindung nahe seiend
(Weib, Kuh) (Schwaben; C. v. Schm. 400; Birllnger
8. 1. 88; Gr. W. V, 732). — nahes Gesicht.
•nähme s. nehmen.
Nahrung, f. Nähmng, f. (germ. no« [genesen] ;
mit regelrechtem Übergänge de* Auslauts in -r, Kluge *,
267; ahd neren, nerian = genesen, genesen machen,
helleD, erretten, am Leben erhalten [den Kranken zu
ernähren, war die rettende Aufgabe schon In alten
Zeiten]; mhd. neren — nähren; nar — F.rrettung, Er-
haltung, naninge = Unterhalt. Nahrung; 1482 neren
ss geiund machen, Gr. W. VII, 803; LMM neren =
heilen; in dieser Bedeutung für den Volksmnnd ganz
verloren gegangen). — (1530) Nährerin (nererin, I.)
= die beim Schmerze an den ernährenden,
! Speise führenden Gliedern eröffnete Heraader
oder Median (s. d.) (Künigwp. 48). — Nähr-,
Nahrnng-G/icdcr, -Milch -Saft, - Wasser.
Naht, f. (indogerm. ne1 = spinnen, nahen (neo,
I viw]; ,, durch vorhistorische Entlehnung von einem
Volk zum andern gewandert". Kluge*, 267; ahd., mhd.
nftt) - die Stelle, wo Genähtes zusammenstosst.
— (1752) 4r»cÄ-Naht (arsnaht) = Perineum («spi-
veo; s Mittelfleisch), Schulnusdruck für Sutura seil
ruphe = Stelle der nächsten und engsten Ver-
einigung zwischen den zwei Fussen und Backen.
— Bauch Nath = Linea alba, die Stelle, wo sich
die Bauchmuskeln in der Mittellinie vereinigen
(Hrrtl, K. w.147). — (1754) Grmöc/if-N&ht = Raphe
scroti (A. v. H. Ii. 754). — ÄnocAcn-Naht = die
feste, unbewegt. Verbindung zweier Knochen.
— (1741) jy«7-Naht = die wie ein Pfeil schnur-
gerade verlaufende Knochen -Verbindung =
Scheitelnaht, Obelapa (Kirsch 808). — (1541) Scheitel-
Naht — die am höchsten Punkte des Hauptes,
am Scheitel, die beiden Scheitelknochen ver-
einigende Knochen -Verbindung (Pfeilnaht)
(Hyrtl, K. W. 134) — Wund - Naht = Sutura
[ vulneris, die chirurgische Vernrthung der
Wunden (bei den Letten tritt auch eine volksmedi-
xinische Adern&herin, d. h. die hl. Jungfrau als
Fadenspinnetin in Besprechungsformeln auf, Z d.
V. f. V.-K. 1895, S. 12 ; vielleicht das bei Blutungen oft
benutzte Spinnengewebe [Marienfaden], das »pol den
Schweden dwergs-nnet = Zwergen - Naht hels«t,
M aurer II, 9). — Naht-ÄMOcAcn.
Nalla, Nalle s. Nelle.
Name, m. Namen, m. s. nennen. — Namen-
los, -Zuang.
Näpfen, m. Nappe, f. (zu Napf, s. naffezen) -
eine Nase, welche länger hinahreicht als ge-
wöhnlich, gross und hässlich ist (Hlntner vi, 15;
Schm. i, 1761). — Näpfen = Uvula, das Hals-
zäplchen , welches napft oder hinabhängt
(s. Nipper).
nankelt s. nackein.
Narbe, f. Narb, m. Närwen, m. Narben, m. f.
(vielleicht zu : naher oder nah [nar], s. d. , engl, narrow
heeled - eng an dem Hufe, nähere Hlele; ahd. narwa
*= Enge, Verengung, die Wundrander einander näher
bringende Narbe, Graft [, 610; mhd. narwe, f nare. m.
nar = clcatrlx, l.exer 174; HoStn. I, 3S5, d. h. die Spur
oder Masen einer geheilten Hautverletzung. Schw. 4ü3 ;
1426 die naerben, Schm. I, 1756; 15. Jahrh. narbe, narb,
nare = Stigma, D. II, 34«; 1682 narb, m., Louic. 212),
1. ss die Melle, wo durch Annäherung der Teile
(Granulationsgewehe) und durch Schrumpfung
j eine Verengerung sich bildet. — 2. = das Ver-
engende. — 3. — die Stelle am menschlichen
oder tierischen Korper, wo durch eine geheilte
I Verletzung, durch ein Geschwür oder sonst
i eine kranke Stelle eine solche Spur hinterlassen
worden ist, so dass diese Gewebeteile durch
grössere Annäherung an einander eine Ver-
engerung oder Verkürzung erfahren haben. —
4. = derjenige Teil der tierischen und mensch-
lichen Haut, in welchem diese Gewebsverän-
derung bei dem natürlichen HeilproWSM einer
Verletzung oder geschwflrbildenden Krankheit
28
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434
Narr.
narsch— Nase.
immer eintritt, d. i. das Gewebe der sogen.
Lederhaut , die sogen. Haarseite des Felles,
von dem die Oberhaut bereits abgeschabt ist,
Corium cutis, Närb, Närw, an dem man längst
schon beobachtet hatte, das« Wundränder bei
der Vernarbung sich gegenseitig näherten
(AngplU, Z. H. XIV, 1. 236 ; 8chm. I, 1766). — 6. =
die 1 1 mit Verletzung selbst, noch ehe sie eine
eigentliche Narbe gemacht hat. — 6. = der
Keimfleck im Hflhner-Ei (Gr. w. vil, 352), als
Stelle einer Verletzung des Eies durch den sog.
Hahnentritt angenommen. — />Vui -Narbe =
die die Enden der gebrochenen Knochen zur
Annäherung und Vereinigung bringende Kallua-
masse (Leim), der Knochenkitt (Gr. w. i, 1387).
— Blatt t r-Narben = Vestigium variolae, die
nach dem Ablaufe der geschwürigen Haut-
pocken in der Lederhaut zurückbleibende ge-
steppte Hautveränderung (s. tatzet) (Gr. W. II,
7»). — (1680) G bnrtt Narbe = Nota congenita,
Muttermal, ein seit der Geburt bestehendes
Hautmal (Marke), soferne es in der Lederhaut
liegt (Gr. W. IV, I. 1809). — imjj/"- Narbe = die
nach dem Ablaufe der Heilung einer durch die
Schutzpockenimpfung erzeugten Pustel zurück-
bleibende Veränderung in der Lederbaut. —
(15. Jahrh.) rocken Narbe = Blatternnarbe. —
Schicungerschafta Narben = Striae cutis gravi-
darum, „narbenartige Streifen meist in gewisser
paralleler Richtung bei rascher Ausdehnung
der Bauchbaut infolge Schwangerschaft" (Roth
fioo). — Streich-Hsabe = die nach der Verletzung
durch das sogen. Anstreichen, Anstreifen, An-
rühren am Fferdefusse entstandene Hautnarbe.
— vernarben = cicare, durch Narbenbildung
vereinigen. — Närb-, Narben -FlecJtte, -Hins
(Xäres, Nertriss und Are»), -Seite.
Narr, m. Narre, m. Narrheit, f. (ahd. narro ;
8. Jahrh; Rab. Maiir. ; Graft II, 1094 = hrutus, Ver-
nickter; nach Kluge *, 334 vielleicht urverwandt zu
[ahd.] [s]nuring = Schnurren, Hpässe oder possenrcls-
tender Narr, mhd. narre = stultu*. Irrsinniger, Ver-
rückter, Thor; dttn. nar; schwed. narr), 1. = ein an
einer fixen Idee d.) leidender Geisteskranker ;
„der Narr unterscheidet sich hauptsächlich
durch Unzeitiges, Ungereimtes, dem gesunden
Menschen verstände Zu widerlaufendes in Reden,
Fragen und Lachen, wodurch er selbst wieder
Lachen erregt, zum Spotte oder Gelächter
dient" (Gr. W. VII, 357). (176*) der Dr. mit dem
grossen N (Bauernregeln, 8. 107). „Im biblischen
Sinne liegt in »Narr« ein moralischer Vorwurf"
(DJ. Paul 321); dazu kommt: 2. Narr = jede dem
sonst gesunden Wohlbefinden und normalen
Gefühle zuwiderlaufende, scheinbar grundlos
eingetretene, früher dem Einflüsse elbischer
(s. d.) Geister in Tiergestalt zugeschriebene
„gespassige" Gefühlsveränderung an den Ex-
tremitäten, namentlich an den Fingerspitzen:
„eine krampfartige Spannung an den Finger-
gelenken" (Gr. W. VII, 364; Schweiz), conf. Narren-
nage], dernarrter Finger, daher auch : er hat
einen Narren an ihm gefressen, d. h. er hat,
wie durch den Genuss elben- (maden-) haltiger
Bohnen (s. d.) veranlasst, aus elbischer Ver-
wirrung, eine unerklärliche Vorliebe. — 3. =
der, wie Öfter, wegen seiner Erektionen als
schelmisch (s. d.) bezeichnete Penis (Hlntner s,
18; Tirol). — 4. Narr = Narbe (s. d.). — narren,
' narren = sich wie ein Narr (1) benehmen, zum
Narren haben. — närrisch (mhd. ncrrl«eh, Gr.
W. VII, 8»0) = verrückt, sonderbar, wunderlich,
verkehrt. — Narrheit (ahd., 8. — 9. Jahrh. narrahelt,
narhelt = vecordla, Graft II, 1094), 1. = Praecordia,
Herzensangst, melancholischer oder blödsin-
i niger Geisteszustand, Moria (Roth 335). — 2. =
Wahnsinn (Hnfeland 251), wobei eine Idee die
I andere verdrängt und jede ohne logischen
Zusammenhang wie durcheinander geworfen
I erscheint, Verwirrtheit. — närrlich (1560 ner-
llch, n. 8achs; ndd. neelk = närrlich) = weichlich,
empfindlich in sonderbarer, alberner Weise
(Goldachm. 165). — Narret, n. = Anfall von Narr-
heit (Schindler I, 1753). — fror*- närrisch fTirol;
Wolf) - toll wie ein spasshaft springender
Bock. — Imf), u -narret = Nytnphomania (von
| Mädchen), geil (Delling). — dt ^narret (B«yern,
Tirol) = obstuposcens = ganz abnorm in der
Empfindung, durch Frost z. B. (Schmeller I,
1764; Wolf). — J?a/6 NarT (15. Jahrh. fantuticus,
p. 125) = ein Mensch, welcher zwar zeitweise
geistig abnorm ist, aber doch nicht als voll-
kommen geistig gestört gilt. — Herr von Narren-
berg = (umschreibend) ein närrischer Mensch
(Wackern. Abhdlg. III, 127). — kalbet -närrisch =
närrisch, verwirrt, wie ein Mondkall) (s. d.),
Wechselbalg, Kretin, (kälbern = lappisch ihnen,
Kirsch 676; Schmeller I, 1238; Ober den Kftlbertan*
vergl. Gr. W. V, 57). — kalter Narr = (scherzhaft)
Katarrh, Coryza (Gr. ff, V, 273). — (18. Jahrh).
natürlicher Narr = durch eine natürlich (nicht
damonistisch), leiblich, organisch verursachte
Verrücktheit sich äussernder Geisteskranker,
auch im Gegensatze zum moralischen Narren
(cir. W. VII, 354). — physikalischer Narr = natür-
licher Narr (s. d.) (Gr. vn, 354). — Spital-l$a.TT,
1. = ein wirklich im Krankenhause unter-
gebrachter Geisteskranker. — 2. = ein dummer
Mensch (spottisch). — Weg-JXtat 8. Wegmar. —
Narren-, närrisch«-, (es)-Feibel, Fieber, -Klas*,
-Xagel, -Ritten, -thätig, - Yasi, -Zwickel.
narsch- s. Arsch.
naschen, L — (ahd. hnasc<~>n = catillare, Weich-
liche» essen; mhd. naschen: die Kobolde galten als
leckende [Mchcn, Ktif w = lecke] Tellerschlecker [ca-
ÜUo. D. 107); daher sagt Scifr. Helbllng [1202]; SO dich
diu suhl benasche da* dir bot und bar abe g&, Ur. D.
M. II. 1110) - nach Wurmart schelmische Räude
veranlassen (parasitär; auch vom räudigen
Pferde) (16«.»9; v. M. I. 62). — 2. = naschen (ono-
matopolctlsch) = nöschen, hetschen, singultare
id. 538). — Grieben (Griefen) ^nascht haben
s. lecken, einen Ausschlag (Körlecken) am
Munde haben als Strafe der Dämonen für
Näscherei an ihrer Kultspeise als ob dabei eine
Griebe (s. d. S. 201) am Munde bangen geblieben
wäre (Spiess II, 84).
Nase, f. Nasen, f. näseln (gem.-tndogcrm. nasa
[nasns, nares); germ. nasa; angls. nasn , nosn; ahd.
nasa = narcs, Cass. Gloss. Diez 92; Rab. Maur. 64;
Kluge», 268; mhd., 1482 nase, naael, f. = Naae, Lexer
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Nase
Karte.
435
174; 1532 „die du* Ist ein Instrument der seelischen
gelster, durch welche die Vernunft durch empflndung
befindet wu wohl oder übel riecht, Ist auch ein weg.
dadurch diu gehirn gereinigt wird von der überfluessig-
kelt der luft die gezogen ist zum gehirn", Friei 83 =
Intrina capitis, Demokr. VII, 280 [s. Hirn- und Nasen-
wurm); 155«. 1561 nasz, Gr. W. VII, 396; Schwaben nas,
nes. Buck 12; Scbtn. I, 17">9 ; oberd. nasen, f., Gr. W.
VII, 396; Elsass nasel, Gr. W. VII, 410; ndl. neue; dan.
naese; schwed. naesa; engl, nose — Nase, Geruch,
Kluge*, 2C8). — Nase = menschliches u. tierisches
(Jeruchswerkzeug, 1. = die aas dem Gesichte
hervorragende äussere Nase bei Mensch oder
Tier nach Gestalt and Farbe. — 2. - das Nasen-
Innere, Nasenhöhle. — 3. = das Geruchsorgan
nnd -Vermögen. — 4. — der Träger desselben.
— er ist auf der Nase gegangen = er hat sich
die Nasenhaut auigeschunden. — er hat sich
eingeredet, dass er auf der Nase Lünne und
Leber habe - er hat sich eine Krankheit Nosb
eingebildet (Urquell 1897, 278) . nach dem Aussehen der
Nase stellte man früher auch Krankbeltsdlagnosen
(s. rote Nase). — Über das Befühlen der Nasen
spitze = bei der Nase nehmen s. Birne. Auf
vollige Intaktheit der Nase scheint man in alten
Zelten einen besonderen Wert gelegt zu haben. (In
ganz Schweden zahlten die Leute dem Gotte Odin [an
Stelle einer Kopfsteuer] einen Tempelsold oder Schatz-
Pfennig für jede Nase, Maurer II, 214 [nef-gildl =
Leiche verschlossen [nab Jargir] , damit die
nicht eindringen, Maurer II, 227; die
Nordgermanen benannten auch Ihre Häuptlinge nach
Naseo-Dlfforml taten, z. B. Rot-Nase, raudnefr, Kar-
llnger-Nase, Kerlingar nefr [10. Jahrb. kerllng — virago,
Älteres, mannahnliches Weib) = Altweiber-Naw», Maurer
II, 263). — näseln, näselnd (ahd. neslendir, nesilen-
ter ■ balbus, D. 66; II, 47; H. Z. XV, 833; III, 368;
mhd. neselnder — balbus, Gr. W. VII, 410) — ein
Sprachfehler, wobei die Stimme durch Ver-
änderungen in dem Baue oder Schwellung in
der Nasenhöhle einen verstopften Beiklang
(nasillement, nasonnement), Nasalton erhall,
den Kinder und „Franzosen" mit Vorliebe bei-
behalten (Dyslalia nasalis et palatina) (CoSn 36 ;
Dcmokritos VII, 279) = durch die Nase reden. —
(lw) nasling = oben auf der Nase befindlich.
— i4f//er-Nase (1482 aqulllnus = adlerischer, I). 44 ;
hoU. arendsneus) = Habicht-Nase 1. — W«u<?Nase
i= eine durch lokale Blutstauung (Frosi) eya-
notisebe, Äussere Nase (Weinnase). — Affen-
Nase = eine nach aufwärts gezogene Nase bei
Menschen (Heramungsbildung), silus, silo
(Klrschlioi) b. Kumpfnase. — Bibt r Nase ( Nes)
= rote Nase (von blbere, Schmeller 1, 1759), Bier-
nase (Studenten-Ausdruck?) Blut- Nasen =
Schweine, welche in folge der Schnuirel krank hei t
oder Schnüffelnasc öfters Nasenhluten haben
(Falke I, 138). — böse Nase = der höhere Grad
der kranken Nase, eine durch sichtbare Ge-
schwüre, offene od. rote Haut, Borken, eitrigen
NaBeofiusa (Nasen botz) entstellte Nase (s. Birne) ;
solche durch SrphUls entstellte Nasen waren in Frank
reich den Laien im Mittelalter langst schon bekannt
(s. niseln, Pr. II, 150. 172). — (1616) Bratken-Ua.se,
I. = Kesimus (D. 494), einer, der eine Mopsnase,
rückwärts aufgezogene Nase hat. — 2. = einer
der eine feine Spflrnaso hat wie ein Bracken
(ahd. braccho [zu lat. fragrare m stark riechen, Kluge",
61] = Spürhund, Gr. W. II, 290). — Burgunder-
Nase = Karfunkel- (Wein-) Nase. — Bufr-Nase
s. i'otznase. — Datschi-, /VoV7.-Nase = eine
breite, wie ein flachgesch lagen er Küchenbrei
ausgebreitete Nase (Hchmeller I, 655). — dick-
nasig ■ craflso naso deformis (Gr. W. II, 1083).
— (1831) doppelte Nase, 1. = eine durch Ge-
schwulstbildung (Warzen) an Umfang ver-
grösserte Nase. — 2. = eine in der Mitte ge-
spaltene Nase (Chellus Ii, 518). — dünne Nase
— feine Nase als Geruchaorgan (Schräder 324). —
(18. Jahrh.) (*«,«,) i N = . schrecklich
Ems- {eiserne) \
(s. Eiss 8. 110 ff.) entstellte Potz-Nase, ein Attribut
der Perehta-Holda (s. Perchta) (Schindler I. 270;
Jahn 282; Z. d. D.-Oe. A.-V. 1881, 189. 195). — (15. Jahrb.)
Hache Nase =• simus, Affen nase, Tellernase
(D. 535; engl, flat nose; altnord. flat-nefr, Maurer I, 75).
— (1623) flüssige NaM ~ rotzige Nase (Gr. w. VIII,
1329). — Fu i ha ■ Nase = Hundsnase. — geplätschte.
Nase = Dätschnase, die wie verkrüppelt er-
scheint, wie eine durch den platschenden Schlag
breit gedrückte Na9e (H. Paul 343). — (1832)
grintige Nase — Lupus narium, eine mit borkigem
Ausschlage (Giint) bedeckte Nase (Kopp ll, 332). —
Geier- \
Habichts- \ Nase (UM habechsnase = aqulllnus,
(Hoppe-) |
D. 44; 1680 hablchtsnasc, Gr. W. VI, 2. 93; Deraokritos
VII, 278; henneb. üaeppenase, Spiess II, 106), 1. =
Nasus curvus ut aquila, Adlernase, eine stark
hackenförmig wie ein Adlet Schnabel gekrümmte
Nase (Nasones). — 2. silus ( = simus. slmius),
eine stark aufwärts gebogene, dabei plätschig
! breite Affen-Nase (Gr. W. 1. c). — (16. Jahrh.)
Hacken-, (1662) hackrte Nase (engl, hooknase,
I KulUchm. I, 307; hauckes nese = aqulllnus, D. 44;
H. Sachs; 1420 cyn noz hake = uncinus, D. II, 385;
Schmeller I, 1071) = Habichtsnase 1. — Härings-
Nase (Voigtl. ; Köhler V. Br. 334; engl, flat nosesj —
fladcnartig breitgedrüi kteNase (Demokr. VII, 281)
s. FiBchkopf. — //r/VNase (Tirol; Qlntncr6. 15)
= die mit einer Handhabe verglichene ge-
krümmte lange Nase. — Hunds-N&se = eine
gut witternde Nase (Demokr. VII, 278). — Juden-
Nase = die der jüdischen Nation eigentümliche
gekrümmte Nase. — Karfunkel 1H&&e = die wie
roter Karfunkelstein glanzende Weinnase
(lokale hyperämische Röte od. Akme potatorum ;
Burgunder -Nase). — Kolben-, kolbete Nase
(15. — 16. Jahrh. ein gross grob kolbetc nase -
nasns, D. 270; 15 Jahrh. kolbettc nasse, Schmeller I,
IHM) Nasus grosNiis, sogen. Destilierkolben,
eine wie ein Glaskolben dick angeschwollene
Nase. — kranke Nase, 1. - eine fratte Nase,
die durch Schnupfen, bezw. Naseniluas ein
äusseres (Lippen-) Erythem od. eine Exkoriation
zeigt. — ■ 2. = eine böse Nnse (s. d.) (fir. w. VII. 400).
— Krumm-, krumme, Krumpf -N ase (11. Jahrh.,
ahd. crumpf nasi - simius [Affe], H. Z. III ; cnimp-
nasc = simius, H. Z. XV, 317; rrtimnaser siuilui«,
«iraffll, 1104; IV, 610; 13. Jahrh. albmltdlner«
l, Sitz.-Ber. 1867, 8. 7; 1420. mhd. ernmik
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i3fi
Nase.
Nase.
nimus, D. I!, 339; 1482 krumpnaser, Gr. \V V, 2465;
/••tiiii« Voc. r6 = almeua [slmlus], almus, D. 535;
grypos. D. 270). 1. = die Hipp- od. Habichtsnase,
1. 2; nach dem Volksglauben den elbischen Dimonen
eigen. — 3. = der Träger einer solchen (s. Nanen-
löcher). — Kumpf Nase (1591 kumpina«« = der
die nase ober sich hat wie ein afle gekruemmt silo
rooro, siniiae, Had. Jun. 393; 1594 kumpfe schattsnaae
(Fischart, Gargant ]; 1590 kuropflnaas — «ilo, silu»,
nuu< erectus et adimctu«, qol habet magna super-
cllla [Nasenflügel], D. 534; 1613 kumpfet MM = Dasus
reaimus, zuruckgebogene Affennase, Schmeller I, 1252),
1. = dicke, aufgeschwollene, breite, aufgestülpte
Nase, eine sogen, pithekoide stumpfe Nasen-
bildung, ähnlich der Affen- oder Schafnase,
Mopsnase, Tellernase, Karnsnase, die wie eine
liumpe (s. Kumpf), Schale oder Teller offen
steht in ihren Nasenlöchern (Ruck 12, Schmeller
I, 1252). — 2 = die durch Syphilis eingefallene
Nase, die dem Kranken ein aflV-nähnliehe* An-
sehen gab (&).).& xiv i; üntptöa; fAtsi^ \ fo,
&C ftjfli, 3ijA0'jvT«t ijrspiritotoc, Galenu* ; Rosen-
banm 46(5). — Kupft > -Nase ■ Akne ( = Akme) ro-
sacea, Karfunkvlnase, Kupferfinne, eine durch
rote Finnen oder Blutgefasserweiterung ent-
stellte Nase (s. Kupfer) (engl, bottle nose, frx. ne*
de betterave, Demokr. VII, 281). — LanyH*&e (1420
langnaslg aqullinus, D. 44 ; 16S0 nasus oblongus,
». aqullinus) - das Attribut der Perchta-.Stainpa
(Tarifana ?) mit der angeblich eiskalten oder
eisernen Potz - Nase (s. Eissnase) (Birltnger,
Volkt. I, 249; Gr. W. V. 177; Golth. 49.1). — Mops-
Nase - eine stumpfe Nase, wie sie der
Mopsbund trägt ; das Gesicht ist dabei frauen-
haft schnüffelnd verzogen (Kluge*, Ml; Gr. W.
VI, 2525). — Plätsrh , Platsch - MMM = breite
Nase. — Pumpf-, fumpe, Pfund- (?), Pflumpf-,
Plump-IXtiSe = eine stumpf aufstülpte oder
ilicke, breite Kumpf - Nase (lautlich entrtellt
au* diesem), Nasus quadratus (Demokr. VII, 277;
Gr. \V. IV. 1. 527; Splea* II, 182). — Pfund-1Xa.se
= eine grosse mit Akne oder Hauttinnen
warzig benetzte, pfinnige, ptlndige, finnige Nase.
— Potz-IXa&e = die nur ein kaltes Spitzchen
(Bützcben, Buts) vorstellende, hässlich ent-
stellte Nase, das Attribut der Holda-Perehta-
Slatnpa (vielleicht nach einem Götaenbllde? = turpe,
ftAOtOV, Bastian, Illuatr. Z. f. Lauder- u. V.-K. 18*1,
8. 28; Alpbg. 49; Z. d. D. Ö. A.-V. 1881. 195). s. auch
Nasenbotz und Kissnase. — quatt Nase^böse,
schlimme Nase (De rock 253). — Rams-Na.se,
1. = die mit der gebogenen Widder- (rem) oder
Hammel-, Schaf -Nase verglichene, missge-
staltete menschliche Nase, nez de mouton. —
2. = eine dicke Kumpfnase des Menschen (Buck
12; Gr. W. VIH, 80). —3 = die Kams-Nase (1)
beim Baiuekopf d.) des Pferdes. — ivm)
rote, Rot-Na.se, 1. = die Karfunkel- od. Sauf-
nase der Weintrinker (Khodakne). — 2. — die
rote Nase durch Frosteinwirkung. — 3 = der
Träger einer solchen (Gr. W. VIII, 1313. engl, red
nosed ; bei den alten Norwegern hies* einer, der au«
der Beschaffenheit der Nasensehlelmhuiil bei Sebaten
dereu Tod prognostizierte [s. Birne] raudnefr — Kot-
naBe, Maurer II, 130). — (1594) rotzige, (1680) Rotz-
Nase = Nares hutnentes, eine mit Schleim volle
I Nase (Gr. w. VIII, I329ff.)-=die Rotze (Rot« 8). —
Rumpf -Nase = eine aufgezogene Mopsnase
(Gr. W. VIII. 1497). — Sattei-1Xa.se - eine sattel-
förmig eingebogene Slülpnase (Schech 182). —
Sauf- Nase = eine rote Burgunder - Nase 1
(Behrend 60) (s. Kupferhandel, Weinhandel) (engl,
ahrunk nose- Demokr. VII, 280). — Schaf -1Xa.se =
nez de mouton, eine namentlich durch Syphilis
der Nasenscheidewand eingesunkene Karns-
nase 1 (s. d.) (Gr. w. VIII. 2047). — Scharlach-
Nase = eine dem roten Tnchstoffe in der Farbe
angeglichene, änsserlich rote, menschliche Nase.
— m h ! I • hl - näsig (1502 schlecht nessig = siraeus,
D. D, 339) = platt-, flach-, (schlicht) - nasig. —
schlimme Nase , 1. = (1421 sllmp nasti = tlmeua,
D. II. 339 i 1734 nasus obliqnos, Heyne V, 393), schiefe
(s. schlimm) Nase. — 2. = böse Nase (s. d.),
• lurch Nasenbresten entstellte Nase. — Schnaps-
Nase = Säufernase, Weinnane. — Schnotter-
Nase (achnodderaaes, Urquell II, 139) = katarrhalisch
alfUierte Nase (Schnott-Olf). ~ Schnüffel-Nise,
1. = ein6 raeist infolge von Syphilis oder Skro
fulosis beim Menschen, 2. = beim Schweine
durch die sogen. Schnuffelkrankheit (s. d.) ent-
standene Nasenverengerung, die das Atmen
durch die Nase nur schnaubend, schnüffelnd
ermöglicht (Kalke II, 290). — Schöp»-1Xtae, L =
(1414 schebsch-ncslg = simlcus, D. 536), schiefe, ver-
schobene Nase (Schm. II. 436). — 2. — Hammel-
nase. — SftnA-NäSe = Ozaena ( — riechender
Naaenpolrp, Roth 380 ; frx. le punalae = Wanxe, puteo,
Kofrsa — atlnkc, Roth 380), punaisie = eine kranke
Nase, deren Schleimhaut durch wanzenartig
Obelriechendes Sekret (Borken, Krusten) be-
deckt ist. — stumpf-, »toMm-nasig (D. 635; aimu*
nacrii, Demokr. VII, 277) = einer, dessen Nasen-
spitze abgestumpft ist, wie oft bei jugendlichen
Mädchen (s Potznase, eine Art Entwicklungs-
hemmung). — Tnftafc-Nase - eine durch Tabak-
schnupfen gereizte, rote Nase (Dcmokrltoa VII,
283). — Teller -Nase (1591 tellcrnasa = slmus, nares
depressae, Had. Jun. 393; engl, flatnose) ~ eine flache
Kumpfnase (s. d.). — triefende, h ■. ' Nase
(1521 druypnaslch, tryfnaaig - naricua, D. 375) = Nares
humentes, L'oryza --= Nasenfliessen und Nasen-
j tropfen (s. d.) (Gr. w. VII, 400). — (1787) trofkenc
Nase ~ das erste Zeichen des Schnupfens
(Coryaa) ist das Trockenheitsgefühl in dei Nase
(Vogel II, 1901). — (1821) verkrüppelte Nase = ge-
plätschte Nase « helius Ii. 501). - vemtopftelXase
= volle Nase (Pauli 11). Schnüffelnaae, Kolznace.
— volle Nase = rheumate laborare, durch
Katanh (Kheiima = Fluss) angeschwellte, ver-
siopfie Nasenhölile (Gr. W. VII. 4001. — Wein-
Nase = BurKundernase. — Nasen-.l /- r, -Ball,
-Bein, -Beschwerung, -Birne, -bluten, -Blutfluss,
-Bohne, -Bott, -Brand, -Bresten , -Bug, -Butt,
I -Dämpfigkeit, -Dt üsnel, -Fleisch, -fliessen, -Flügel,
•Fluss, -Futter*, -Qaden, -Gang, -Geschwür, -Ge-
schwür, -Gestank, -Getcächs, -Haare, -Höhle,
•Keutlein, -Kitzel, -Knochen, -Knopf, -Knorpel,
•Knorzel, -Knospe, -Knoster, -König, -Krebs,
•Kröse, -Kröspel, -Kröszel, -Krumme, -Krupfel,
-Kruspel, -Krustel, -Kützel, -Kugel, -Kuppe
I -Loch, -los, -Mangel, -Mittel, -Muschel, -Ol,
I -pfeifen, -pf eisen, -Pfnüsel, -Popel, -Reischen.
ii ans— NativiUt
-Rote, -Bofi, -ß«tcA-cn, Sattel, Schleim. -Schmält,
■Schnuder, -Schnupfen, -Schwei$9ung, -Siechtum,
-Speitzlein, -Spiegel, -Spitze, -Stachel, -Stein,
-Stern, -Stimme, - Triefen, - Trompete, - Tropfen,
-Übel, -Unterschied, -Weh, -Wolf, Wurm,
.Wurzel, -Zäpflein, Zipf, -Zipfel.
nass, Nasse, f. (indogerm. not, nod [votiu», \ö-
"Jp6*J; gern», nata, ahd. du = du>, naizi. nezzi. f.
= NAase; naset = lenllgo, Graff II, 1105; 12. Jahrh,
uece [»- Neu«], H. Z. II, 205; mhd. nu = n«M, naz, u
= Flüssigkeit, neue, f. - Nasse j 1 j«l nessc = nässende
Feuchtigkeit. Klage', 268; Gr. W. VII, 420). — (177»)
Nässe hinter den Ohren = Ekzema, Intertrigo
auriculare (Lorry ; Behrend 6). — (UM) er ist noch
nass hinter den Ohren = er ist noch nicht
trocken daselbst (Gr. w. VII, 1230); viele 1 bis
2 jahrige (meist skrofulöse) Kinder bähen hinter
den Ohren eine nässende, feuchte Intertrigo-
Stelle, die sie mit zunehmendem Alter verlieren,
demnach = kindlich naiv, unerfahren sein. —
nässen — nass machen, netzen (s. d.), durch
Wund- u. Hautsekrete, Urin, Speichel, Thränen.
— Nassauer. 1. = einer, der Thränen vergieast.
— 2. = ein ratzensch wanziges Pferd (warum?)
rragL Bundsch. I8v6. 269, S. 1076). — Bettnässen
— Enuresis (iv-o'jpstv), Mictio involuntaria, das
Bett durch unfreiwillige Urinentleerung nass
machen. — ö/uf-nass = bluttriefend (Lexer319). —
G< natz - (inatz. — salzigen Nass - Thränen,
(Gr. w. VIII, 1709). die von salzigem Geschmacke
sind durch darin gelöstes Kochsalz. — näs-
send», nassen) Äuglein, -Furz*, -Flehten,
■Ganmatur, -Grint, -Krätze, -Ohren , -Räude,
• Uberfang, - Wädich.
Hassel, f., m. Nastel, f Nossel, f. du Assel
[.. dl, dies angeblich aus müat. asellM, llal. aaello =
graues Keller-Eaelrhen ; Kluge *, 93 halt es mit Recht
(ur davon unabhängig; 1563 nossel, ussel — eselehyn ;
1583 na*»el [Forer], Kluge 1. c. ; 1618 nosscl = scolo-
pendra centripeda - Nassel oder Auel ; Bayern nassel,
nastel. Kluge 1. c ; Holland bissebed. Osterr. assel ^
die Kellerassel, die bei Kinderkrankheiten noch viel
lach als Heilmittel benütxt wird; sie bei«*t auch
..Manchen", Bchmeller I, 1561; und ist vermutlich)
die Gestalt des Meuchlers (s. d.) der in damo-
nistischer Weise die Mauke (e. d.) veranlassen
soll; seiner Einwirkung wird wohl auch das
I'anaritium (Fingerwurm) = Nassel fGr W.VII, 420
od. Assel (Schm. I, 157), zugem-hrieben i>. Assel i.
— (16«2) Ohr- Assel 'Nassei Kluge*. 20) = der
Ohrmuckel (s. Muckel).
Nast s. Ast 2, S. 18. = ausgewachsener Buckel
[ff, w I, 80).
Natem, Naten s. Atem (Schm. 1. 176*)
Nativität, f. (1741 KatlTitat — Geburtsstunde, dl*
unter dem Einflüsse der betreffenden Ge»tlrn»-Kon«tel-
lation stand, Kirsch 576j -= das jedem MeiiH<-hrn
angeborene (natlvus, uaacor - geboren werden)
Temperament (s. d.). — die Nativität wurde
Einem gestellt durch das Horoskop, das rartesianWr-he
Mtnnchen in der Glasglocke, da.* auf die vorliegenden
„Temperamentsblatter" wies, auf welchen daa be-
treffende Gestirn der Geburtsieit erläutert war {siehe
Zettler, MonacensU 1897. 8. 87; 146* boro.copu« =
Natnr «7
weissag durch ein angevangen nativitaüsxeit die well
einer arbeitet ; 1500 horospicins, horasculus • een clok
stelre. I). II, 205; 1515 wljsage durch angefangen cljt
vnd wijle eins geachaffts, D. 280; uhren-clocksteller,
1607, L eod). — Nati vitäts Zeit.
Natttr, f. (ahd., 9. Jahrh. natura - chnuat [siehe
Knnat; dies der ahd. Versuch, ein einheimisches
Wort an die Stelle des Fremdwortes lat. natura in
setzen, Gr. W. VII, 429]; 10—11. Jahrh. natüro-sagin
— phyaiologici, Notker ~ Naturmeister, b. Manier 1561 ;
bei den Nordgermanen war natturur = Naturgeist
elbischer Art. Maurerl. 447; II, 10; damals war die
ganie Natur durch Elbenwesen belebt; mhd . 13 Jahrh.
oatüre = pbysis, angeborene Beschaffenheit. Anlage,
zeugende Krall, Kluge*. 268; 18. Jahrh. natur - «penna ;
1409 nature — weiblicher Zeugungsstoff, Gr W. VII.
436, 15. Jahrh. natur — sperma, D. 644; 1518 natur =
der Samen von Mann und Frau, H. v. Gersd. 14; 1521
natur ■ menstmum , D. 356; 1634 natur = semen,
ejarnlatJo, Gr. W. VII, 436 ; 1561 natur - Notdurft,
Gr. W. VII. 926 ; 1561, 1571, 1666, 1708 natur = Scham,
mannliches und weibliches Gemachte, sperma virile,
pollntio. Gr. W. VII, 433. 436; 1759 natur = semen
mullebre. Kulmus 182; 1783 natur = ..alle Ursachen
zusammen, wodurch unser lebendiger korper hervor-
gebracht und erhalten wird", I'lattner SO; oherd natur
■ sperma, eJaculaUo «eininls, urina, pollntio, iconor-
rhoea, menstruatio, consüiutlo, Temperament, Körpcr-
beschaffenheit . Hjrrtl, K. W. 22; Baltr. B. A. K. ü.
Bayerns 1**9, g. 172, .«chmeller I. 1769. Hlntner 8 19;
Buck 18 46; Lamtnert 25y, Pauli J6; nach diesen Be-
legen und nach Gr. W. VII, 429 ist) Natnr, l.=das
Weltall, die Schöpfung, die Geschöpfe als Er-
zeugtes. — 2. = die Gesetzmässigkeit , Regel-
mässigkeit und Ordnung der Erscheinungen
im Weltall. — 3. = der erzeugende Samen (s. d),
Sperma (s. männliches GebllH), Ovum (Et) incl.
Menses (14 — K> Jahrh , rund so wemede nature mit
der netten [e. Netze] ls gemenghet de nette is dicke
' und wlomirh [flaumig, molkig;, de ls des todes, J. f.
ud. Spr.-F. XV, 121). —4 = das zeugende männ-
liche und gebärende weibliche Glied, l'ars cor-
poris, qua quis aut vir est aut femina, weib-
liche Geschlechtsöflnung (geb. 103) (franz.) la
nature - Süssere weihliche lieschlechtsteile
I (Bris«. 70). — 5. = die Zeugungsffthigkeit , Zeu-
gungslust (die sich als Natur regt, rührt), ge-
schlechtliche Vermischung. — G = die ange-
borene u. eingeborene Art (s. d.) u. Wesenheit
(„von Natur angehören"1 t<;r. \v. Vli, 438), Gon-
Stitlltio, Coinplesio (1507 naturell sonder kullen =
eunuchus, P. 213, Wesen mit angeborenem Anorchii-
musk — 7. = die vom Geiste unabhängigen
körperlichen Triebe (Notdurft) und Eigentüm-
lichkeiten des Menschen vim Gecensatre zur
Kunst und Kultur). — 8. = der Mensch (b. d )
als Träger der verschiedenen Konstitutionen.
— 9. = der KrankheitsstofT, der die Krankheit
erzeugt. — natürlich '14. Jahrh naturleieb; 1515
natürlich. D a76; Schindler I. 1769) - der Natur
entsprechend, gesetzmäßig , regelmässig von
Natur aus, angehören, nicht künstlich erzeugt,
durch den natürlichen Trieb erzeugt, für natür-
. liehe Werke oder Triebe bestimmt, der Kom-
plexion oder Konstitution dos Menschen ent-
sprechend , die Komplexion ausmachend .^die
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438 Natur.
Konstitution (Humor, Feuchte, 8. d.) bildend.
— Natürlichkeit (15. Jahrb. natürlichen = natur-
alltas, D. 376) = natQrlicbe Eigenschaft. — (1843)
Naturell, n. = Anlage, Wesen, Gemütsart, das
eigentümliche leibliche tierische Leben, wie
es sich dem Gattungscharakter gemäss in dem
betreffenden Individuum darstellt (Falke II, 152).
— an natürlen = durch den natürlichen Trieb
zum Gelüste anreizen (Schm. I, 619. 1789). — 11615)
blöde Natur — schwache Konstitution (Coler,
H. A. 108). — (1599) dürre Natur („ain dürr natur",
Schm. II, 621) = der Mensch mit heisser, trockener
Natur, rotem, wasserarmen Blute. — (1645)
Eigen-N&tUI (complexlo oder eygene natur vs« der
fler element eygenschafft, D. 137) = die jedem Wesen
eigene, von Natur au* zugehörige Komplexion,
Qualität, Uumur, Temperament. — (1477) feuchte
Natur, L = das kalte Phlegma (s. d ), der flüs-
sige Schleim, der unter den 4 Kiementen (Luft,
Feuer, Wasser, Erde) nach den Lehren der
Humoralpathologie dem Wasser entsprechen
sollte (Ortolf; Gr. W. III, 1678) (s. Naturflusa). —
2. = das heisse und feucht«, hitzige Tempera-
ment (iSanguiniker), phlegmatische Art (Para-
celsus ; Lorsch 223). — (1496) ^rrtlUOlKn-NatUT (de.
bösen franzos natur, Fuchs I, 28), 1. = der Krank-
heitsstoff bei der Syphilis (= Franzosen, s. d.).
— 2. = französische Art (Paracelsus ; Lersch 223).
— .Frauen-Natur (mnd. die nature der vrouwen,
Mag. Barth. ; 1508 = menses, Alb. Majrn. de secrctis
mulierum ; 1534 »in frau lr natur - weiblicher Zeu-
gungsstoff, ,,die schleimige leuehtlgkelt [der Alten]"
Kulmus 182,- Gr. W. VII, 436) = die durch den Ein-
tritt des Eies in den UteriiB erfolgende weib-
liche Periode (Weibsnatur), durch deren Abgang
sich das Geblüt der Frauen nach alter Vor-
stellung reinigen (s. d.) sollte. — (1803) fressende
Natur = die einem Geschwüre innewohnende
Art, beständig um sich zu greifen (Phagodae-
nismns) (Töpelmann). —fühlende Natur (16. Jahrh.
de natur to voelende = achlton, natura sentiendi,
D. II, 8) o die Kraft etwas zu fühlon , Empfin-
dungsvermögen. — tfefenrrwiV NatUT (1551 Bock86;
1582, 1643; Lonlcerus 172) - die durch die Geburt
sich äussernde Zeugungskraft. — (1715) Oans-
NatUT, nasse = Säuferart, die nach Nassem Ver-
langen hat (Toll. leg. 862). — (1530) yc-naturet =
geartet, beschaffen (Schroeller I. 1769) naich Kmii-
plexion oder Element (1592 nuft was kranckheiten
es genaturt, Seb. 206). — (1477) hcisse Natur = die
Cholera, der Koller, cholerische Art (Paracelsus),
das cholerische Temperament, das unter den
4 Naturelementen (Luft, Feuer, Wasser, Erde)
nach den Lehren der humoralpathologischen
Schule dem Feuer entsprechen sollte (Ortolf;
1483, C. v. Megbg.) = hitzi Natur (1609, Guar. 1289).
— (1483) //irn-Natur (,.kalt und faeubt reht als des
hlrus natur", c. v. Megbg.) - die Grundfeuchte des
Gehirns (s. Hirnfeuchte); die Grundeigenschaft
des.,Gehirns, dos durch den Nasenschleim
(Phlegma) gereinigt werden sollte, ist nach
dieser früheren Lehre Kälte u. Feuchte. — (1529)
Mtimdu^Natur (Paracelsus) = innerliche Organ-
beschaffenheil. — kalte Natur, 1. = (1200 ehalte
natur, Pfeifler 22) = Phlegma (s. d.) als feucht-
kalte Konstitution, Gonstitutio coi poris frigid«,
Natur.
die Kaltblütigkeit im Gegensatz zur Heiasblütig-
keit (Sanguiniker). — 2. = der MenBch als Träger
einer solchen Konstitution. — 3. = die Ejacu-
culatio seminis sine libidine, wie sie der Teufel
des Volksglaubens bat, wenn er mit den Hexen
buhlt (81mrock ; H. D. M. 474; BlrUn«er 8. I, 131). —
4. = die nicht befruchtende, daher kalte Pollutio
(s. kalter Bauer). — klrbeme Natur = die zarte
Konstitution (s. kleben) (Schm. I, 1322). — (1482)
Leibs Natur - die Beschaffenheit des Körpers
nach seiner Konstitution und Wesenheit (c. t.
Megbg. ; Gr. W. VII, 438). — (1561) männlicht. Mann,
Natur, 1. = die aggressive Männlichkeit (Po-
tentia virilis) gegenüber der kalten, passiven
Weiblichkeit (Generatio, Potentia feminae). —
2. = das Semen virile gegenüber dem weiblichen
Samen (s. d.). — 3. = die Genitalia viri (Bock
418; Gr. W. VII, 436). — nicht natürlich = unnatür-
lich (s. d.). - phlegmatische Natur = die (kalt-
feuchte) träge Konstitution, entsprechend dem
(kaltfeuchten) Schleime (e. Phlegma) (Gr. W. VII,
1833) = kaltblütige Natur, ein kalter Mensch. —
Boss- Natur = eine wie zu sogen. Pferde- oder
Rosskuren (wozu man [1749] die sogen. Kaltwasser-
kuren rechnete, Z. f. d. Thllol. XXVI, 248) geeignete,
besonders kräftige, starke Konstitution. — (i483)
saubere Natur ■ eine von Krankheitsstoffen
freie, reine Konstitution (C. v. Megbg.). — (1531)
schlaff'ende'N&tuI = atonischer Zustand, Energie-
mangel in den Funktionend. Organe (Krautw. III).
— schwache Natur = der Gegensatz der starken
Natur (s. d.) (Pauli 25). — springende Natur =
Ejaculatio seminis (Pauli 2b). — starke Natur =
ein nur bei starken Arzneidosen (Abführungs-
mitteln z. B.) reagierender Körper, dem man
auch mehr zumuten kann (s. Rossnatur) (rergl.
Hippokrates, Aphorism. II, 87 ; Pauli 25). — süchtige
Natur = eine zu Ausschlägen, chronischen,
immer wiedorkehrenden Krankheiten (s. Sucht),
c. B. Ekzema, Furunculosis (angeblich auch
Läusesucht) etc., geneigte Konstitution (Lammart
ji*}. — übet natürlich = abnorm, über die regel-
mässige Ordnung hinausgehend, unnatürlich,
durch Zauberei veranlasst. — unnatürlich =
regelwidrig, monströs, abnorm, fehlerhaft, durch
abnorme Ursachen veranlasst ; nach den Lehren
der Humoralpathologie war unnatürlich auch
= der Konstitution od. Komplexion noch nicht
oder nicht mehr entsprechend , ins Gebiet der
pathologischen Komplexion (Morbus) gehörend ;
z. B. nicht natürliches Blut durch Galle (s. d.,
Cholera, Melancholia) Phlegma etc. vermischtes
Blut, das sich vom natürlichen Blute durch
1 Farbe, Konsistenz, Geruch, Geschmack etc.
] unterscheiden sollte; das unnatürl. Phlegma
— die die natürliche Menge des Körpers an
Phlegma (s. d. = Humor phlegmaticns) über-
steigende Phlegma- Vermischung, die zur Krank-
heit (Morbus phlegmaticus) , zum Katarrh,
Rheuma, Phleuma, Flues führen sollte, od. auch
eine Vermischung der phlegmatischen Kon-
stitution mit anderen Humores (gelbe oder
schwarze Galle, z. B.); die unnatürliche Galle
(Cholera) = die bis zum Übermasse gesteigerte
gelbe Galle im Körper (Morbus cholericus) od.
die mit einem anderen Humor (z. B Phlegma,
i
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-nau — Nebel.
neben— nehmen. 439
Melanrholia, Sanguia) vermischte, choleriacbe
Konatitation;nicht natürliche schwarzeGalle
(Melancholie) = die bia zum Abnormen gestei-
gerte Menge von schwarzer Galle in der Müs
(Morbua melancholicus, Milzaucht) oder die mit
anderen Hu mores (gelbe Galle, heiaaea Blut,
kaltem Phlegma z. B.) vermiachte melancho-
lische Konstitution. — (1785) venerische Natur
= zum Venusspiel geneigte Anlage, Bocka-
geil heit (V. B. 69). — (1591) Weib»-, (im) Weiber-
Natur, 1. = Frauen -Natur (a. d.), natürliche
Frauensucht = Menses. — 2. = die Gebarmutter
als weibliches Zeugungsorgan der Natur. —
3. = weibliche Genitalien Oberhaupt, im Gegen-
sätze r.ur mannlichen Natur. — 4. = Weiblich-
keit überhaupt (Had. Jim. 32). — 5. m die kalte,
passive Natur des Weibea (Baas 66). — 6. = sog.
weiblicher Samen. — widi > -natürlich = un-
natürlich (s.d.) („schroffer als unnatürlich", H.Kleln-
paui). — Natur-, natürliche, übernatürliche,
unnatürliche -Ausgang, -Bedürfnis, -Blattern,
•Brand, -Bruch, -Cholera, -Dinge, -Durst, Er-
starrung, -Fehler, -Feuchte, -Fleisch, -Fluss,
-Frauensucht, -Gang, -Geblüt, Geschwulst, -Glie-
der, -Hitse, -Kraft, -Krankheit, -Leibesfrucht,
-Morgenschtceiss, -Nachlas», -Reinigung, Samen,
-Schaden, -Scham, -Schweis», -Spiel, -Stätte,
-Sucht, -Teüe, - Tod, - Tracht, -Trieb, Wärme,
- Werke, -Zeit.
-nau (zu goth. n4bws — nahe od. zu naü — beengen
[s. Not], Klage *, 134 ; nau — enge, knapp). — to-U&Ut
= beengt, beklommen (Fromm. VI, 62). — (1607)
2?raauung = Anxietas (L. cblr. 6), Benommen-
heit, Betrübnis (suechtlg o( benauweng = aegTitudo,
anriet*«, D. 17). — rernauens. verneuen.
naueln, nauneln (von lat. nöna (»eil. bora] -
neunte Stunde — 3 i hr nachmittags, wie die Siesta =
bora sexta = 12 I'hr mittag«, eine in den Stiftsschulen
n. Klöstern vorgeschriebene Ruhezeit für die Schüler,
a. Specht, Geach. d. I'nterr. in Deutscht. 18*5. 8. 167i
m einen kloinen Erholungs- oder Nachmittag-
achlaf machen; der leichte Schlaf der Kranken
(Fromm. VI, 368) = Naunel ; dazu Nona (a. d.). —
dazu ninna gehen (Kinderspr. E. W. I, lyO). —
i, "nauger, m. = ein kurzes Schläfchen (Tirol;
Wolf).
Naue, m. = Nacken ala engerer Teil (siehe
Hackel-Anke u. -nau) unterm Hinterhaupt (C. v.
NeapeL - neapolitanische Krätze, Sucht.
Nebel, m. (vorgerm. nebholo [vttpiXw, nebula],
ahd. ncbul; mbd. nebel = Wolke, dunstige Trübung
in sonnt durchsichtiger Luft. Kluge», 26S) = Trübung
in sonst hellen Organen (Auge) oder Sekreten
(Urin). — (1429) neblich (nüblich, niblich, von
Augen) = nebuloaus, ao beschaffen , als ob
ein Nebelschleier (vor den Augen) wäre (Schm.
I. 1713). — .-Iii./. »-Nebel w« , , 1. ^ Nubecula,
wolkige Trübung in der Hornhaut des Auges,
Keratitis parenehym. — 2. = Leukom und
Pannus. — 3. = Augenfell (1692 nebe), Seb >y,,
angennibelang , Seb. 150). — (15. Jahrb.) bose
Nebel = scherzhaft für: Katzenjammer =
Status gastricua mit Ohnmachts-Anwandlungen
und Sehstürungen (Bayerl. 1894, S. 299). —
Nacht Nebel, 1. = Hemeralopie, Nachtblindheit
(s. d.), wobei das Gesichtsfeld auch am Tage
wie durch einen Nachtnebel verhüllt erscheint
(Qr. W. VII, 170. 202). — 2. = das sogen. Plärr der
Augen (Schm. I, 461) (a. Blärr 2), eine Trübheit
des Gesichtsfeldea infolge chroniachen Binde-
hautkatarrha mit entstellender Verziehung dea
Augenlidea durch eine geschwürige Krankheit
daselbst. — 3. = „Torpor der Netzhaut bei
Retinitia pigmentosa gegen geringere Hellig-
keitsgrade, so dasa das Sehvermögen in der
Dämmerung oder zur Nachtzeit mehr oder
weniger vollständig aufgehoben ist" (Roth 224).
— Nebel-, genebelt?* Angesicht, Aug, -Flecken,
-Sehen, -Staat, - Triefen.
neben (die Zuwuntnensetzungon mit dieser Pra-
poiition siehe beim betreff, nachfolgenden Stamm-
worte).
necken - den Appetit reizen (Kluge*, 268). —
Grneck s. Knock.
Nefel s. Nebel u. Nifel.
neffzen s. naffezen.
Neger, m. (franz. negres — nlger, schwarzer Mensch,
Mohr). Neger-J/wirf.
nehig s. nahen.
nehmen (altgerm. tu- man. neraus [Hain], vöfioi;
[Gesetz], vsjaüj [das Weiderecht zuerteilen}; gem.-germ.
nenian [ s entere?); ahd. nOman ; mbd. nemen, Kluge*,
269 — etwas zur Besitznahme od. Entgcltung empfangen
oder holen). — kein gutes Aller nehmen (H. Sachs)
= nicht alt werden, keines hohen Alters teil-
haftig werden (Gr. w. vn, 63i). — Ab nehmen,
1. = etwas wegnehmen, z. B. das Kind von der
Mutter-Brust, das Kalb v. Euter (a. anbinden*)
(Gr. w, I, 80; 8pleas Ii, i). - - 2. = weniger werden
(1580, 1591 das abnehmen) = Tabes, Pbthiais, das
Wenigerwerden an Leibesfülle infolge a) einer
zehrenden Krankheit, z. B. Schwindsucht (H. v.
Gersd. 82 ; Künigssp. 58 , I U ■ k 87 ; Taberu. ; BAuml. 88 ;
Gr. W. I, 80); b) Auszehrung der Kinder (Bav. IV,
3. 346); c) (1742) Augenapfelschwund , Phthisis
bulbi (Zw. 180); d) am Geäder (abnemen des geeders,
Parac. d. imp. F.l), an den Gliedern (abnemen der
gllder, Parac. de Imp. Jl) oder am ganzen Körper
(= Greb, Grfth) = Abnehmen an Umfang, Fülle,
Festigkeit (Chr. Sam. II, 93). 3. = Nachlassen
(das Ergeben*) od. Geringerwerden der Krank-
heitserscheinungen, Lysis morbi, Declinatio
(I75fi; A. v. H. I, 587). — fettiges Abnehmen ■
Abnehmen 2d, so dass die Milch fetzig, ge-
ronnen, klumpig wild (E. W, I, MI; das „Abnehmo-
Kraut" ist Herba siderltcs, Gliedkraut). — a 'i - nehmen
- an Umfang zunehmen, gedeihen. — (1561)
Atem nehmen = durch vermehrtes Atemholen
sein Luftbedürfnis decken. — A u/- nehmen =
coneipere, den Samen zur Befruchtung des Eies
auffangend entgegen nehmen und behalten. —
falsche AufndAane = Abortus, fausse couchc,
Fehlgeburt, fehlerhaftea Behalten der Leibes-
frucht. — fonommen (Oldenburg benant), wenn
die normale Thfttigkeit eines Urganca, z. B.
Gehirn, Magen, Brust, behindert, gewisaer-
massen von etwas anderem iu Besitz genommen
440 Neid.
ist, welches dann bei diesen Organen Druck-
erscheinungen macht, als ob es deren Plate
einnehmen wollte; das drückende GefQhl von
Eingenommenheit (Goldschm. 102. 111 ; engl. benumb
m erstarrt, betäubt, Lebt. 144). — - in-Mioramen
■3 benommen, im Kopfe z. B. — mil-nehmen,
1, = da« Fieber oder die Krankheit nimmt ihn
mit = eine Personifikation der Krankheit, an
der er sterben wird, da ihn der Tod in sein
Reich mitnimmt. — 2. = es nimmt ihn arg mit,
d. h. er wird magerer, da etwas an ihm zehrt,
seine Körperfülle vermindert. — £>ucA/-Nehmer
(1482 suchtuetuer = morblgena, D. 367; = derjenige,
bei dem die Seuche ihren Anfang nimmt, der
die Seuche herumtragt. — Den Tod nehmen
= sterben, des Todes Gesellschaft in Kmpfang
nehmen (s. fahen u. grflssen) (Gr. W. VII, 528). —
«'■ir-nehmen, 1. = zu stark sich beschweren,
zu vieles leisten; er hat sich übernommen,
durch zu viel Arbeit beschädigt. — 2. = die
Kuh hat sich übernommen = zu viel an Um-
fang zugenommen, ist an einer Stelle durch
Schwellung Ober die Norm starker (Zeltschr. t.
Kulturgesch. 1897, 8. 219). — (1092) \\ > -nehmer =
Lauscher, von Pferden (Beb. 190). — Ferounft
(zu vernehmen, ein Abstraktuui). — mimnünftig
(1427 unvcrnonfftlg = demens, Krlegk II, 356; dan.
uloruuJüg; schwed. otvernutüg) => unsinnig, ver-
standlos, der nichts begreifen, vernehmen, ver-
stehen kann. — Zu nehmen = den schon vor-
handenen Besitz oder ZuBtand, z. B. an Jahren,
Körperfülle, Krankheit, vermehren (1591 zu-
nebmung der krank holt, incrementum morbi, Ilad.
jun. 890). — schwindendes Zunehmen nois das
achweinende zunemmen = luxus elephantlae, raraceln. ;
Fr. II, 76) — syphilitische Elephantiasis (Hyper-
plasia, Hypersarcosis, Hypertrophia) mit Ab-
magerung des ganzen ührigen Körpers. — zu-
nehmend'^ Alter, Schäden.
Neid, Hl. (germ. nftba — Anstrengung; ahd. nid
= Zorn. Ha«*. Schimpf; mhd. nit (vergl. Neidnagel
und vemetden], Kluge*, 269). — (1741) Neider, 1. =
Paronychia, Neidnagel (s. d.) (Gr. W. VII, 668,
Kirsch 869). — 2. = der Musculus oculi abducens,
welcher am Auge den neidischen Blick zur
Seite veranlasst (Hyrtl. K. w. 61). — 8. = Augstall
(s. d.) (Z. d. V. f. V.-K. 1891, 8. 312), vermutlich
eine durch das sogen. Verneiden (s. d.) oder
den Neiding, Neidhart nach dem Volksglauben
entstandene Pferde-Augenkrankheit. — 7-8Neid
= 77 (siehe 7), d. h. vielfache, aus Neid ange-
zauberte Krankheiten, Morbi incantati (Z. d. V.
f. V.-K. 1891, 6. 311). — Ver-neid(rri, ung) - durch
den bösen oder neidischen Blick jemand,
namentlich Kind oder Vieh, bo behexen oder
bezaubern (vermeinen), dass es davon irgend
eine Krankheit erhält (eine abergläubische Vor-
stellung de* Volkes, das deshalb den „wilden, hastigen
[heftigen), garstigen Neid" bei Vieh und Kind bannend
bespricht [s. Neidwurm, Neidhaar], Wuttko 152; Alpbg.
»61; Bav. I, L 320; Z. d. V. f. V.-K. 1891, III. 309).
Ks ist wahrscheinlich, dass unter diesem ,,Seid" die
Thatlgkelt eines neidisch gesinnten, elblschcn, qualen-
den Dämons (Neidhart) verstanden wurde, gegen dessen
KinfliiBs die sogen. Neidstangen auf den iUusergicbeln
angebracht waren (nordisch; Plmrnrk, D M . I. Aufl.,
366); namentlich sind es die Augenbrauenhaare, die
sogen. Wenkbraoen der elbischen Geister, welche deren
neidische Gesinnung kennzeichnen sollten, wie j«
überhaupt durch ulnen grossen Teil des Heldentums
der Gedanke des Neides der Götter gegen die Menschen
hindurch geht, welche darum den Menschen und seinen
Haustieren Böses antbun. — Neid ing) - .1 u,;,\ -Fell,
■Fletsch, -Haar, -Hacken, -Baut, -Kind, -Nagel,
-Stroh, - Werk, - Wurm, -Würz (». auch Nietb).
neissen, Gneiss (Gnitz) (zu ahd. neuen = cm-
clare, mhd. neizen, nelsen) = bedrangen, beschä-
digen, plagen (Hehmeller I, 1760). — (?meiss
(Gneiss) = die vielfache Plage od. Beschädigung
durch einen angenommenen peinigenden Krank-
heitsdämon in Gestalt einee (Gneiss-) Wunnes,
der wie die heimtückische Gnadda (Edda, Jordan
440) und der Molchwurm (Olm) auf der Haut
und an den Zähnen beisaend und nagend plagt
(„venlt ad me gageneis et momordlt nie" [in einem
alten Zahnsegen], Schmeller I, 1759) U. a. als jäher,
plötzlich einschleusender Zahnschmerz; (siebe
Gnaas). - Gneiss- Wurm.
Neit s. Neid.
Neil, Nellen (Nalla, Nallen, Nolle, Nohl)
(ahd. bnel, hnella, hnol, Graff IV, 1131; 11. Jahrb. nel
— slnciput, Gr. W. V, 1747; 1399 ncl = ocelput; 1474
nell ss ocelput, Nacken, Schmeller I, 1736; mhd. nel,
nelle, nulle = Erhabenheit [s. Knollen], Spitze, Scheitel),
L = Kopf, Vorderhaupt und Nacken sowie
Genick, Hinterhaupt (s. Hauptnell), Sinciput,
Occiput, Supercilium (Hintner 6. 12). — 2. = Möns
Veneria feminae (Schmeller I, 367. 1787); (vergl.
Noll). — 3. - Kretin, der beim Nöllentbörlein
' untergebracht war, als Dickkopf, Nöllenkopf
(IJrl, Aargau, Luzern; Z. f. d. Phil. III, 385. 836). —
i A/fer-Nell (fthd. aftimel, Schmeller I, 173«; D. 392)
b Hinterhaupt als rundliche Erhabenheit,
Vorsprung am Haupte (alter ■ hinter). — Haupt-
Heil (ahd. hnel haupltes) = Testa, Calvarium, die
von der Kugelfittehe abweichende Erhabenheit
am Vorder- oder Hinterteil dee Schädels (Graft*
IV. 1131). — JftnfVr-Nell = Occiput, Afterneil
(Schmeller i, 1736). — Porder-Nell = Sinciput, die
am Vorderschädel besonders vorspringenden
Augenbogen (Schmeller I, 1736). — Nellen-Äop/.
nellig = närrlich (s. d.).
nennen, Namen, m. -nannt (indogerm. nomen
= Namen, „ein Wort von höchstem Alter und der
weitesten Verbreitung", Kluge; vielleicht zu nein =
nehmen, das Angenommene; lat. nomen; gricch.
ovou,*; golh. namnjan — nennen, namö, n. ; ahd.
namo, m. neu» inen, nennen; mhd. name, m. nenneu,
Kluge * 267. 269). — Personen su benennen, war ein
uraltes Bedürfnis, wie auch (ignoU nulla est curaUo
morbi) die Benennung, weil Behandlung der Krank-
I holten, die, wie das Feuer, früher fast ausschliesslich
persönlich aufgefasst wurden ; allindlscbe Sprüche
nennen sie su-n&mau und dur-nuinan, d. h. Krank-
heiten mit gutem besw. bösem Namen (Kuhn, Z. f.' v.
Spr.-W. XIII, 148. 149); die erstcren durfte man, well
die Namen gutgesinnter Krankheitsgeistcr, ungestraft
aussprechen ; die Imm Namen aber, sowie die Namen
schädlicher Tiere (Dftmone) sollten besser und nament-
lich zu gewissen Jahreszeiten (s. Schwarmzeiten) unbe-
»
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nepfen— Neres.
Nerf.
441
nannt bleiben j selbst der gute Hausgeist veracbwindet
nach der Volkssage, sobald man ihn beim rechten
Namen anspricht; man wählte deshalb mit Vorliebe
die sogen. A Namen, nm sieb bei den Dämonen
einzuschmeicheln («• Adel, hold, gut, salig, Trnd etc.),
oder man umschrieb sie mit verhüllenden, nur an-
deutenden Bezeichnungen (Ding, Wesen, Wicht); bei
direkten Anreden oder Bannformeln aber bediente sich
der Becp recher der Dämonen bezw. der Krankheiten
wohl auch ganz despeküerlicher Schimpf-N a.men,
Scheltworte, Drobreden, um den argen (s. d.) Dämon
Kose- Namen erfolglos gewesen ; um die wahren Namen
zu umgehen und doch alle zu bezeichnen, wählte der
Be*p recher der Krankheit auch die hyperbolische
Zahl 77 (s. d.).- daher auch 77 Fieber-Nsuaen (Engel.
359) ; in zweifelhaften Fallen blieb er beim Namenlosen
oder <7f»f>(fff)-nannt (unbenoem, n. . Wuttke ML
232. 252; Kuhn, 1. c. 144. 148; 1260 ungenannt, Pfeiffer
85; 15. Jahrh. unbenannt, n. ungenannt, n. ungnat.
H. Z. XX, 28; schnu ll - II, 238 fl.); worunter vor allem
verstanden wird : 1. = Wurmdämon ! a) „der ange-
nannte Wurm" (s. d.) oder Fingerwurm, Pana-
ritium, Umlauf (quod Germani vocant das , .unge-
nannt", hoc est innominatum , quod nominare non
debeat; ajunt enim gaudere et vel semlanlmem revl-
viscere sl nomluetur; aensim lnclpit in dlgitla manuum
et pedum Ipsaque tandem ossa corrodit ut excml
debeant corrupta, Gr. D. M. 1109. UM; Theophr. ßr. ;
Zw. 662; v. Adrian-Werburg, ,,Cber Wortaberglauben"
im Anthropol.-Kongr. 1996; C. v. Schm. 401; Blrlinger
t, 1461; Book 64); b) der Wurm (Rotz) beim Pferde
(Falke II, 386). — 2. auch andere, däruonistisch
aufgefasste f1 bei oder Krankheiten scheute man
(als 1482 mal um infandum, Zening. Voc. 11 r — inhd.
ungenannde, Lexer 297) beim rechten Namen zu
nennen, namentlich unheilbare Leiden. — 3. =
(1260 swen der winnundc hunt gebizet, ezet er des girs
fleische*, 1z geswillet in nimmer nnde heilet alspalde
das das „ungenannt nimmer däzuo ebumt", Pfeiffer 48)
— Erysipela* traumaticum, Phlegmone (1592
vngenandt, Seb. 255; 1620 Ungenannt — Phlegmone,
Erysipelas, Gesegnet. Lachfeuer, Flugfeuer, Vergicbt.
Dr. Minderer; Chr. Sam. I, 13; II, 168). — 4. Unge-
nannt = der Ausgang der Phlegmone in Brand,
Gangraena des Gliedes (Pfeiffer 8ö). — 5. = eine
Pferdekrankheit (Seb. 255) (Milzbrand?). — Der
f7nV<TXannt = Digitus impudicus, der linke vierte
oder Ringfinger (Gr. W. III, 106L Mtt; Buck 25).
Über Namen-Änderungen als Mittel zum Heilen
v. Viehkrankheiten (ein aus der ältesten Met.schen-
beilkunde aus der 8ippenzeit [». erben] übernommenes
HeUverfahren, s. Z. d. V. f. V.-K. 1894, 8. 449). —
namen -l< -Zwang. — ungenannte Sünde.
nepfen = napfen mit dem Fusse, hinkend
nachgeben (Schindler I, 1752).
Nere, n. = Nim (= n + Hirn) (Henneb , Spiess
II. 173).
Neren, f. (pl.?) = Ehren (s. d ) (dem sich wie
öfter ein n vorgeschoben, z. B. bei Nassel [Assel], Nasi
[Ast], Natem [Atem], C. v. Schm. 405).
Nererin, f. b. Nahrung.;
Neres, Neris ». Riss.
Nerf, m. Nerve, ra. f. (durch das frans, le nerf
aus dem lat. nervus [ = Sehne, Muskelband], griech.
TO vtüpov, Galeni [viüi'.v, nüere = nicken, quia nervi
membra nutare et artlculos flectere faciunt] über-
nommen; „nervus" übersetzte man [vor 1538] mit
dem inhd. Ader, ahd. Adara [s. Ader]); aber noch
bis ins 18. Jahrh. verstand man vorzugsweise unter
Nerven: 1. - die Muskeln, Sehnen, Flechsen,
Bander, Geäder, Bindegewebe, welche Bedeu-
tung im Volke noch nicht erloschen ist (1538
nerff, m. = nervus, Gr. W. VII, 610; IM1 nerven =
die Bänder, woran die Boden hangen [cremasteres,
funiculus spermarjeus] ; 1585 nerve — Flachsader,
Baud, Sehne, Hvrtl, K. W. 49; lf>2'> nerven = Sehnen;
1637 ein spannader = un nerf, E. W. I, 14; 1678, 1683
nerf. f. — nervus, Gr. W. VII, 610; 18., 19. Jahrh.
nerven, pl. = Sehnen, Sehnadern, Spannadern, Gr. W.
1. c. ; Dr. Br.-Sch. 25; ndl. zenuw = Sehne, Nerve). —
2. — seit dem 16. Jahrh. beginnend und namentlich
allgemeiner seit dem 18. Jahrh. wurden die vom
Gehirn und Rückenmark ausgebenden mark-
haltigen und marklosen Faserbandel als Leiter
der sogen. Lebensgeister, Nervenkraft, Nerven-
äther (Empfindung und Bewegung), „Nerven"
genannt (Gr. W. IV, 1. 1630; VII, 610). — 3. = Nerve
(dialektisch verschlechtert) = Narben, När wen (s.d.),
die sogen. Närbenseite des Felles. — 4. = als
Leiter der Bewegung (motor. Nerven, Spann-
adern) waren die Nerven (in älterer Bedeutung)
| schon früher bekannt; als Leiter der Gefühle,
Empfindungen (sensitive Nerven, [1507] Fühl-
: ädern) aber unterschied man sie im Anfange
' des 16. Jahrh. (1517 „nervi venao potiorcs [= Kraft-
, ädern], per quas membra seusum babent a cerebro",
| Gr. W. IV, l. 1630); „die Begriffe der Ader, Sehne
und Nerven im beutigen Sinne haben sich
trennend aus einer Vorstellung entwickelt, die
in »Kraftgange (Kraftader) od. »Quellader« (für
die Kraft der Bewegung und Empfindung) zum
Ausdrucke gelangte" (Gr. w. l. eod.) , daher Nerve
m Kraft (s. d.). — Der Nerve im Zahn (als
solchen sieht das Volk den sogen. Zahn wurm
[s. d ] an) wird wie ein lebender Wurm getötet.
1 — sich nerven = sich an den Sehnen (Nerven)
beschädigen, von den Pferden, die sich mit
den anreichenden (s. d.) Hufeisen anschlagen
(Gr. W. VII, 612). — nervig, 1. = sehnenvoll,
muskulös, kräftig. — 2. = nerbig — narbig,
voller Narben (Narve 3). — nervös (nerviös)
(aus dem franz. nervenx [nervosus]), 1. = nervig,
kraftvoll. — 2. = «las Nervensystem betreffend,
von den Nerven kommend. — 3. = schwache,
kranke Nerven habend, die auf äussere Reize
empfindlicher reagieren, nervenschwach, hin-
fällig (melancholisch, hysterisch); der Besitz
von „Nerven" ist heutzutage bereits ebenso
etwas Abnormes, wie früher und heute noch
der von „Drüsen"; nur derjenige, der dieses
Besitzes von Nerven oder Diüsen sich bewusst
wird, spricht von seinen (kranken) Nerven,
bezw. (geschwollenen) Drüsen, nervenlos (Gr.w.
IV, 1. 1830} ist aber nur der Kraftlose. — abge-
spannte Nerven, 1. - (bis zum i». Jahrh.) spann-
bare Sehnen. — 2. - erschlaffte Spannadern.
ermüdete Nerven (Gr. w. IV. 1, 1630; VII, 6ioj. —
(1676) /?W-Nerven fdie band nerve des perltouel,
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442
Nerf.
Nerwiss— Nessel.
Or. w. I, 1101) — Sehnen, sehnige Aponeurosen
an den Banchmaskeln. — (1682) blöde Nerven
b schwache Nerven (Lonlc. 312). — dick» Nerven
lein durch die solldar-patholog. Schule entwickelter
Begriff für) : = dichtere, stärkere, grössere Reite
ertragende Spannadern oder Nerven. — (1688)
eingeschrumpfte Nerven = narbig zusammen-
gezogene Sehnen u. Bänder (Kontraktur) (Gr. w.
VII, MO). — (1616) er- (157«) (ver-) härtete Nerven
— sog. Pseudoligamenta, Nervenkruspel, durch
entzündliche Prozesse verdickte, hart wie
Knorpel gewordene Sehnen od. Bander (Tabem. ;
Or. w. v. 2013). — (17. Jahrb.) erkaltete Nerven ■
durch Erkaltung (Rheuma) krank werdende
oder gewordene Nerven 1 (Fr. Kr. B. 468; Lonlc.
256). — .FtiAZ-Nerven ■ sensitive, die Kmpfin-
dung leitende Nervenfasern (= Fuhladem der
älteren Zelt). — (1688) gängige Nerven = frei-
bewegliche Sehnen (Gr. W. IV, 1. 12öi). — Gerucht-
(Riech)- Nerve = Nervus olfactorius, der die
Geruchsempfindung vermittelnde Gehirnnerve
(Ruchader*). — (1616) geschwollene Nerven =
eine Anschwellung der Sehnenscheiden durch
Entzündung (Tcndosynovitis) (Tabem.). — ge-
spannte Nerven = die durch die Muskelreizung
oder Erregung angespannten, angezogenen,
nicht mehr dehnbaren Sehnen (Gr. \v. VII. 610).
— (1783) Gicht- Nerve = der von der sogen.
Nerven-Gicht (Rheuma, Urarthritis) am meisten
betroffene, lange und meist faserige Nervus
ischiadicus (Leveling 223). — (17. Jabrh.) grosser
Nerve — die grosse, starke Achillessehne beim
Pferde, die zum Sprunggelenke geht (Haar-
wachs) (R. a. 628). — harte Nerven = nach der
Lehre Galens die 60 Rückenmarksstrflnge als
Bewegungsnerven (Baas 100). — Hirn- Nerven
= die nur vom Gehirne ausgehenden 12 Nerven-
faser-Paare zum Unterschiede von den viel
zahlreicheren Rückennerven. — (I609) hohle
Nerven = die mit Blut anfOllbaren, sehnigen
Schwellkörper (Corpora cavernosa penis) (Hyrtl,
K. w. 87). — (iMs) kalte Nerven = durch Er-
kältung (Rheuma) atonisch tigid, unbeweglich
gewordene, nicht schmerzende Gelenkbänder
(Ruland). — (1618) kontrakte Nerven - durch
Krampf (Spasmus) od. Verwachsung (Ankylose,
Pseudoligamente) unbeweglich, verstrupft (s. d.)
gewordene Gelenk- oder Gliederverbindung
(Bänder) {Pansa, Badebeschr.). — kranke Nerven
= leidende« Nervensystem. — flt.77) Lenden-
Verven = Nervi lumbales, die in der l,enden-
gegend entspringenden Rüokenncrven (Beyn.
233). — ÄtVcA-Nerve — Geruchsnerve. — Rücken-
Nerven = die vom Rückenmark entspringenden
Nervenpaare. - - schlaße Nerven ^abgespannte
Nerven (Gr. w. VII, 610). — schient he Nerven
(habend) = reizbar, weil leicht ermüdbar in
seinem Nervensysteme (hysterisch), dessen
Nervenfibern man schwächer, rarter, weniger
solid früher annahm. — «SrA-Nerve. 1- = der
das Sehvermögen im Auge und Gehirn ver-
mittelnde Sinnesnerve, Nervus opticus. - 2. =
die Seh- oder Augenmuskeln (alii Nerven In älterer
Bedeutung, Heyne V, 563), Musculi optici. — (1742)
trockene Nerven, 1. — er- od. verhärtete Nerven
(e. d.). — 2. - die durch Rückenmarksdarre
| darr, dürr, trocken gewordenen peripheren,
degenerierten Fühl- und Bewegungsnerven-
fasern (Zw. XLVii). — ungelenkige Nerven (law
vngelencke nerven. Seb. 639) = lahme, unbeweg-
liche Sehnen und Gelenke. — verdrehte, (1691)
verehrte Nerven = durch Quetschung, Ver-
stauchung gezerrte, schmerzhaft gewordene
Gelenkbänder und Sehnen (Pauli 117; Seb. 349).
— (1856) FoM-Nerve = eine Konstitution voll
vom sogen. Nerveufluidum, Nervenkraft, z. B.
eine Vollnerv-Somnambule (Allg. Med. Zentr.-ztg.
1856, 8. 398). — weiche Nerven = die 12 zarteren
Gehirnnerven als empfindende Nervenfasern
nach der Lehre Galen s (Baas 100 ; Kalke 11. 431)
im Gegensatze zu den harten (Rückenmarks-)
Nerven. — tarte Nerven = der Gegensatz zu
dicken Nerven (s. d.) = schwache Nerven. —
Nerven- (nercöse[s]) Ader, -Erschütterung, -Fa-
den', -Fieber, -Geflecht, -Geister, -Gicht, -Haut,
-lnstrupfung, -Klos», -Knoten, -Köder, -Kopf-
weh, -Kraft, -Krankheit, -Krospcln, -Lähmung,
-Leiden, -los, -Lungensucht , -Paare, -Reiz,
Rohren, -Rose, Ruhr, -Saft, -Schlag, Schlag-
ftuss, Schmerz, -schwach, •Schwäche, -Schweinen,
-Schwindel, siech, Übel, - Verstimmung, -Wärt-
lein, ■ Wehen, - Wurm, -Zahn, -Zahnweh, -Zufälle,
•Zusammenziehung, -Zustand.
Nerwiss, m. - Närb-Rias (s. d.)
Nes s. Nase.
Nesch ?. Nösch (Nosch).
-nesen (sanskr. nas — liebevoll heran sich gesellen
[Ytou.4i, germ. nes [dazu nähren, - d.]; gotb.
nasjan — erretten ; ganisan; ahd. giuösan, am Leben
bleibeu, aus der Gefahr wiederkehren, davon kommen;
früh-mhd. genesen) - genesen, von einem Kinde
entbunden werden, von einer Krankheit geheilt
I werden (Kluge * 131; H. Paul 173; hol], geneeshecr
ss Arzt). Die Gefahren bei der Entbindung vom
I Kinde, die sogen. Kindsnot, waren für das
germanische Weib bei dem Mangel rationeller
I Geburtshilfe Bicher noch grösser als heute, und
erklärlich ist es, wenn „am Leben bleiben" und
„entbinden" sich begrifflich decken. — G'cnist.
1. — (ahd., 8 Jahrb. kanist = salus, reparatio, Gene-
sung, Pfeiffer, Kritik. II, 33; mhd. genist = Heilung,
Genesung, Kntblnduug vom Kinde, Lexer 69) Gene-
sung. — 2. — s. Nest; (1487) genisig, genissig =
heilbar (Schindler I, 1769). — eines Kindes ge-
nesen = ein Kind ohne Gefahr entbinden und
ein gutes Wochenbett haben (Gr. W. V, 7<w;
Zw. 261).
Nessel, f. (Nestel), nesseln (vorgerm. nid ^
nahen; goth. natilö m Newel; zu Neu [nati], das aus
Nesselfitden [conf. Newel = Urtica diolca, Um!am =
or-, arpant, Jessen 200. 420; D. 45 = „Urband"] ge-
macht war, Kluge*, 269; ahd. nczzlla, f. nestllun —
teniola, D. 577 ; 9. Jahrh. nazza, f. — Urtica, Nessel,
Graff II, 1116; necin = maculae, H. Z. XV, 352; rohd.
nezzel, Kluge*, 269, engl, nettle). Sesselgcsplnnste
aus der gem. -gern». Nessel (urtica = Brennessel, Eitci-
nessel) kannte Albertus Magnus (1193 — 1280) noch;
diese Pflanze hatte ihren Namen demnach aus ihrer
Verwertung zu Netzen ; in weiterer Beziehung ist dann
Nessel: 1. = der durch den vermeintlichen
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Nesso
Nest— Netz.
443
Giftstofl (= Eller: ahd. helderntxila, H. Z. XV, 350;
mhd. heller nezzel) der Brennessel verursachte
Nesse) biss (s. Quaddel), Nesselbrand oder die
Nesselblatter, welche auf der Haut brennendes
(urere. urtica) Prickeln verursacht; weiterhin:
2. = jeder ähnliche Quaddelaueschlag (Urticaria)
auf der menschlichen Haut. — 3. = s. Nestel.
— (1521) nesseln = urticare, brennen, jucken,
wie durch eine Brennessel veranlasst (D. 6S0).
— H ■■/-«-Nessel = eine im Horngewebe (z. B.
der Fussohle) quaddelähnlich sich erhebende
oberflächliche Hautröte, entzündeter Leichdorn
(Höhnerange) oder juckende Hautpapel auf
schwieligem Grunde. — rer-nesselt 1507 — urü-
catui, D. 630) = ganz und gar mit Nesseln be-
haftet. - Nessel- Ausschlag, Biss, Blase, Blatter,
Brand, Feuer, -Fieber, -Friesel, Krankheit,
■Mal, Stich, -Sucht, Wurm.
Nesso (Nestel), Nösch (lat. neuui = sangnls
venenosus Ovidli. Kirsch 791 ; uassa = Neu ; ahd. uaxia
= Nestel, Kluge*. 2C9; 9. Jahrb. nessla = slpbonia
[Söhren wurm?. Blasen wurm?]. H.Z. XXI. 210; 10. Jahrb.
nessia In einem Bescbwnrungsspruche, II. Z. XXI, 209;
nesia, Schmeller I, 1759, 12. Jahrb. nesso, Moues, Ans.
1838, S. 609; Rochholls in Z. f. d. Mythol. IV, 112; in
beschworener dämonlstischer Warm; 13. Jahrh.
[ — nesia] noclv» perrezit, 1. c. ; 13 Jahrh. nessla —
ein in Baseler Segensprüchen «UmontstLsch autgefasstes
Wesen, H. Z. XVII, 560; altsachs. nlgun nessikllnon;
and. „gang os nesso mit nlun uessinclinou !" ein
in aller Tegeroseer Handschrift auftretender, domo
n istisch aufgetauter Warm (nesso = Wurm; nessla —
vennes, Nösch (?)] als Ganzes mit seinen zahllosen
[ — 9, s. d.; scolex, Amine] Jungen oder Kleinen [Pro-
glotüden], der aus Mark, Bein, Ader. Fleisch, Haut
heraus in den Pfeil [zum Fortschiessen in den Wald]
beschworen wird, Gr. D. M. 1184; Kubn, Zeitscbr. f.
Tergl. 8pr.-W. XIII, 63. 64; Scbeible IX. 638; Müllenh.
Simrock, D. M. 535). In der
Heraldik des Mittelalters hat
dieser „Nessel- Wurm" einen
Wolfskopf, ..walzenförmigen
Körper" u. geschuppten Fiseh-
schwanz (s. Z. d. Kunstgew.-
Ver. in München 188:., 8. 41).
— NesSO = der „Nesael"-
od. „Nestel"-\Vurm,Taenia
(Bothriocephalus),d.band-
(laenia = Nestel) förmige,
schuppig gegliederte, in
vielen Stückchen (Jungen.
Progloitiden) abgehende,
durch das finnige Fleisch
von Zwischenträgern (Fische, Kinder, Schweine)
vermittelte, aus einer sogen. Amme (Scolex)
sich entwickelnde „Band"wurm (Taenia, Bo-
thriocephalus), dessen Gestalt und Wesen das Mittet-
alter phantastisch ausschmückte, so das» die Nieder-
lander ihn sogar Lintwurm (s. d.) nennen. Die Nessel
wnrs (ahd. nessiwurz , nessewurz, Gelisia) hat nach
(die altd. Gartenflora 208) mit dem
keine therapeutische Beziehung (contra
I, 1761); die „Nles"wurz (Gelisia) wnrde mit
„Nea»e(l)"wun (Lamlum)
Nest, n. -Bist (sur Wurzel sed = sich i
nizdo [nidns] aus altgerm. nised6 = niedersetzen ; ahd.
nest = Lager für Vögel und Tiere , mhd. nest ,- ndl.
net; engl, nest, De Cock; Kluge *, 270), 1. = Nest-
lager. — 2. = die Augenhöhle als Nestlager für
die Augen (Lexer 175). — 3. = die I'lacenta, als
Bett (s. d.) oder kleines Nest für die Frucht
angenommen (s. Bett). — 4. = Cunnus als Fun-
dament zum Niedersetzen (Gr. w. vn, 624). —
5. =» das Nestjunge, der Nestquack selbst (8chm.
1. 1767) = Nestling (engl, nestling, Kaltschm. =
noch im Neste bleibender Vogel) = das am längsten
im Nest bleibende Junge. — (14. — 15. Jahrh.)
-In /' n -Nest (das aug in dem nest) = Nest 2 (Gr. W.
VII, 624). — Omist, n., 1. - eine ganz verworrene
Verfilzung der Haare wie bei einem Vogelneste,
„das Haar ist lauters Gnist" (Schmeller 1, 1767).
— 2. = s. nesen. — Hühner-, Schwalbennest
— Cunnus vaccae, als Brutlager, Brutstätte,
wenn diese wie ein Vogelnest im sog. Hühner-
steisse vertieft liegt (Gr. w. Ii, 66; z. f. ö. V.-K.
189Ö. 321). — TVott-NeBt (norweg. troll nysta) = die
Elbenkugel (Trollenzopf), der Haarknäuel, in
dem der eingenistete Troll - Dämon (s. Troll)
sitzt (Uebrecht 330). — (1764) Wurm-Nest, 1. =
der parasitäre Wurmeierbaufen in zähem,
rotzigem Darmschleim (Schmer) wie in eineui
Kaupenneste eingebettet, la poche de vers. —
2. ■ damit verglichen: finnige Stellen (Fran-
zosen) im Gewebe der tierischen Lungen (tu-
berkelartige Parasiten-Eierhaufen) (Lenckart 60).
— 3. = das Konglomerat von mehreren para-
sitären, ausgewachsenen Spulwürmern im koa-
gulierten Dickdarraschleime eingebettet (A. r.
H. I. 926). — Hest Batz, -Gucker*, -Häckchen,
■Bocker, Krupper', -Kücken, -Püttich, Quacker,
-Scluisser.
Nestel, f., n. (skr. nah = verknüpfen [necto], Kluge*,
270 ; ahd. nestllo, m. = Band, Binde, ncstklon = Band-
lein, nestila, f. = taenia. Rand. H. Z. XV, 44. 85;
nestilun sa teniola, D. 577; mhd. nestel, f.), 1. = (1583)
Nestelwurm, Nesselwurm (Gr. W. VII, 628). —
2. = s. Nesso u. Nessel. — 3. = s. Nesselknopf
(1699 nestel = impotentia viri, v. M. I, 207). — NeSSel-
Ausschlag, -Knopf, - Wurm.
Netz, n. (vorgenn. nad - nähen [s. Nessel]; gem.-
germ. natl ; angls. nettan - obllgia Peritoneum, D. II,
277; ahd. nezxl; mhd. netze, nezz«, Kluge*, 270 — ge-
nahtes Strickwerk, netzförmiges Gebilde, la tolle, toi-
lette, la peilte toile), 1. = das den Magen und die
Gedärme (Eingeweide) wie ein Netzbeutel be-
deckende, verhüllende, feinhäutige, meist fett-
reiche Gebilde (Netzwerk) der Bauchhöhle
(Schmernetz), Mesenterium, Omentum, Peri-
toneum viscerale, Panniculus, Zirbus der Ära-
biBten (Fries 121; Haeser I, 336; Hlntner 8. 20; Hyrtl,
Anat. 166); beim Netzbruch stellt sich das Volk
vor, dass das Netz (Bauchfell) zersprengt sei
(Pauli 140). — 2. = das netzförmig sich in der
Brust ausdehnende Rippenfell (1677, Beim. 222) —
Netzlein (l'leura). — 3. — das wie ein Netz über-
zwerch, d. Ii. quer in der Mitte zwischen Brust-
und Bauchhöhle ausgebreitete Zwerchfell (Dia-
phragma (Hyrtl, K. W. 126). — 4. = die netzförmige
Hülle für das Herz, analog dem Netz der Bauch-
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444 Netze.
höhle (1478 ncul vor der braut = praecordium, D. 452;
1516 nettlln = Omentum, mcmbrana, prmecordium.
D. 395) = Herzbeutel, Pericardium. — 5. -
117. Jabrb.) die Netzhaut im Auge, Ketina, dem
Netzgarn ähnliche« Gebilde ■ „Netz im Auge"
(H. Paul 325; Gr. w. VII, 639). — 6. = die wie Ge-
spinnt aussehenden Plexus chorioidei der
Hirnkammern u. Adergeflechte (Hyrtl. K. W. 86).
— 7. = das die Frucht wie ein Netzwerk umge-
bende, umfassende Kindsnetz, Amnion, Samen-
fässlein, 8chafhaut. — 8 = das sog. Zeltlein
(s. d.) beim Fohlen. — 9. = s. Netze, f. —
Darm Netz = Netz 1 (Gr. w. II, 782). — (1591) Ein-
>t<-u-ri,b -Netzlein (de* Ingweids netzlin = omcntum-
Hftdr. Jun. 29) = Netz 1. — (1551) feistes Netzlein
= Omentum (s. Netz 1) (Hyrtl, K. W. 138). —
grosses Netz = das vom grossen Magenbogen-
blatt- od. schürzenartig herabhängende, eigent-
liche Netz 1, Omentum majus (Hyrtl, K. W. 616).
— Hcrr-Netzel, -Netzlein (ahd. herznczlla, Graff
IV, 1015; K>31 haerznetzlin, Hyrtl, K. W. 166; Gr. W.
IV, 2. 1266) = das Netz 4. — Kinds-Hetz (1611
klndunetzel , Gr. W. V, 760; Schindler I, 1776; 1783
klndsnetz. 8teln 87; Gr. W. V, 733; IV. 2. 568 aub 5)
= die die Frucht oder Geburt im Mutterleibe
wie ein netzförmiger Beutel oder Balg um-
hüllende Sehafhaut (Bürdlein), (franz.) latnilette,
dem der Volksabcrglauben Glück (s. d ) -Bedeutung
sowie verschiedene übernatürliche Kräfte zuschrieb,
x. B. Wundenslcherhett und Kugelf esUgkclt (Z. d. V.
f. v.-K. 1894. 136) (s. Folge-Geist). — kleines Netz
m Magen- u. Lebernetz (s. d., Omentum minus)
(Hyrtl K. An. 616; IV Jahrb. reticulum = kleinnetz,
I>. 496). — Leber -TU Qtz, 1- = (16. Jahrb. da» netze über
der lebber, Gr. W. VII, 639; Heyne III, 983) = das
sich über die Oberflüche der I-eber ausbreitende
Zwerchfell, Diaphragma, Netz 3. — 2. =
(13 Jahrh. leblmeu = reticulum, D. 496) = Magen-
netz. — (16. Jahrh.) Magen-Uetz (fetten netz um
den magen , ahotnasuui , Gr. W. VII, 039) = das von
der Leberpforte schief zum kleinen, oberen
Magenbogen herabgehende sogen, kleine oder
Lebernetz (Omentum minut»), — (16. Jahrh.) Mittel-
Uetz — Zwerchfell, Netz 3, Diaphragma (das
Mittel««™ = Mfleker, b. d.) (Gr. W. VI, 721). —
(1530) Quer -Netzlein = Zwerchfell, Netz 3. —
Ii ii ■ km - Netz = die netrförmig sich auf dem
Kücken der Hand, der Handwurzel sich sam-
melnden Blutadern (Gr. W. VIII . 1361). — (1482)
Schmer-Netz = Cirbus, Netz 1 (feistes Netz). —
Zwerch-, (153C) (7i>«rr.r»mrÄ-Netz(lein) = Zwerch-
fell, Netz 3. — Uetz- Beutel, -Blatt, -Bruch,
-Garn, Haut, Magen, Schmer, - Werk, - Wunde.
Netze, f. Netz, n. netzen, nätzen, -nätz (ubd.
nazi, f., nezzen ; mnd. 14. — IV Jahrh. nette, f. — Clin,
J. f. nd. 8p.-F. XV, 109 ; mhd. nozzen, nezze, f. netzen
= Nasse. Netze, nass machen 1«. Mas], Heyne IV, 957;
!,excr 175; 1587 netze = lotlum, D. 336). — Netz, n.
Netze, f., 1. = nassmaehender Urin. — 2. = der
die Kleider benetzende Speichel (Gr. w. VII, 640).
— 3. = flüssiges Hautsekret (Saltfluss). — blaue
Netze (mnd., 14. — 16. Jahrb. so welleb nette ls Wawe
■o de beven de minsche ts to broken und 1« In binnen
vorvulct unde is de» dode», J. f. nd. Spr.-K. XV, 121),
1. wasBerheller, im bläulichen Glase optisch
neu— nenn.
blau erscheinender Diabetesbarn. — 2. — Indigo-
haltiger Urin (nach SalkowakiLeube 154), der bei
Karzinom derünterleibsorganeu. kachektischen
Zuständen vorkommt. — Blut netzen - Blut-
harnen, Mictus cruentus. — Franzi-Netz, n.
Frauen-Urin (Gr. w. VII, 640). — Oen&tz (1620
gnatzc, f. 1680, Zeitachr. f. d. rhflol. XXVI, 242) =
die Stork secernierende, nässende Räude (Ek-
zema), nässende Flechte, s. Gnatz und Geniat.
— (1593) kalte Netze, f. = kalter Piss (s. d.)
Stranguria (Or. W. VII, 640). — Netze-ScAor/.
neu, -neuen (alltndogerm. nü = Jetzt) gerade Jetzt,
frisch entstanden; vorgerm. neuyo ; gem.-germ. ntuja;
ahd. uiuwe; mhd. ulu , Kluge*, 270). — neuisch
(1615 nal»ch = luuaticus, D. 339) = mit dem Neu-
monde im Wohlbefinden verändert. — wmeuen
(ndd. vernuinen, yeminen, vernulnlg, verntntg, Fromm.
VI, 492) = eine Wunde, ein Haut-Geschwür durch
üble Behandlung oder Vernachlässigung, wie
durch einen Stoes empfindlich machen, reizen,
entzünden (s. Afeil) (zu ahd. nuan, garnuen ; far-
nuan = tundere, coutererc, Graff IV, 1125; 12. Jahrh.
gcnuweu = tunsum, Schm. I, 1711). — neu(c, <*r, <*«)
Aussatt, auswerfende Sucht, Bildung, Blut, Ethik,
-geboren, Hauptschwachheit, Kinderkrankheit,
Krankheit, Krebs, Lunqensueht, Magenkrank-
heit, Müh, Botlauf, Ruhr, Seitenstich, Taub-
sucht, Vliess, Wassersucht, Wildfeuer, Wolf.
nenn (9, 99) (zu neu [s. d.] „man hat Beziehung
des Indogerm. negun, newn (novem, ivvtot] zu ,neu'
vermutet, Indem man die 9 als .neue Zahl1 der 3. Te-
drade Jux-t"; ,, Tetraden-Rechnung ist für da* Alteste
Indogermancutuin anzunehmen", Kluge ' 270 ; ahd.
nlnn; mhd. nlun ; 3X3 = 9). — Neun ist also = die
Multiplikation der ersten ungeraden Zahl (Weiuhold.
Urquell V, 1, H. 12J ; in dieser besonderen Bedeutuug
tritt die ,,ueue" Zahl 9 allenthalben in dem deutschen
und germanischen alten Leben eutgegen; sie lebto
neben der ebenso wirkungsvollen , noch alteren 7
(s. d.) und vielleicht eben als „neue" Zahl besonders
wertgeschatzt bis auf die heutigen Tage des Volks-
glauben«) fort ; (1609) „sie Ist aber In der Natur schwacher
als der Slebencr" (Guar. 21) ; um die 77 zu überbieten,
bildete man die 3X9 und 99 als hyperbolische „runde
Zahl", die alles umfassen sollte; dementsprechend
gibt h auch, um in Besprechungen keine Krankheit
zu übersehen, 99 besprochene Krankheiten; ja, bei
den 99 Glchlformcn wird iu einem Bannspruchc eigens
erwähnt: „der du unter den 99 und 77 bist" (Kuhn,
Zeltsehr. f. vergl. Spr.-W. XIII, 129), d. h. die nicht
übergangen wurde, weil sie sich unter dieser hyper
bolischen Gesamtzahl , dem „Inbegriff des Vor-
handenen" (Golth. 520) befindet, darum gibt es auch
99 Feuer (Krankheiten) und 99 Kitten (Fieber), die nur
In uralten Segensprüchen auttreten, ferner 9 geneigte
Holdichen als Mittel gegen ebonsoviele Krankheiten,
und die Kunst der Neunen, d. h. mittelst einer 9X
wiederholten Bannforrael die Krankhelten zu ver-
treiben (Frischb. 71; Gr. D. M. II, 1109. 1168. 1179;
Wultke87; KUlupaul, Gartenlaube 1892,8.811 ; Jahreab.
d. germ. Phil. 1»93. XV, 101; Frischb. 62; Scheible
ix, 140). — neun, neunt (c, *, r) Feuer, Fieber,
Geschosse, Geschwür, Häute, Holdichen, Krank-
heiten, Monatwasser, Nesso(-Würmer) , Pustel,
Schwämme, Stufenjahr, Tag, Töter, Wtirmer.
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neutern— Nickert.
Xidl— Vier*
445
Heute rn, n+eutern (ndd. nulren, nücrn. Fromm.
Vi, 359; = derglassen (s. lassen) = das Anzeichen
rar Milcherzeugung geben besonders am Kuter
der Kühe, welchedarch Absonderung anschwillt
Tor dem Kalben.
Ne vralgie, f. (in franzöaelnden Kreisen gebraucht
für grlech.-lat. neuralgla; franz. nevralgie = Nerven-
well. In Flandern gibt es «uch ein« Volksheilige
Ste. N« vralgie als Patronin für dieses Leiden, wie es
daselbst »uch eine Ste. Matriee (matrix), Ste. Fivelaine
(febris lenu). St. Gotte (gutta), St. Dodo (4 dos) als
Patrone gvgvn Mutterleiden. Schleimfieber, nicht nnd
Rückenweh gibt (De Cock 170).
Nibel 8. NebeL
-nick, nicken (zu Nacken [«. d .]; angls. hnecca
= Genack [a Nack]; ahd. n lochen ; mhd. nicken,
Klage \ 271) = den Nacken (öfters) neigen; über-
trafen auf Ähnliche herabgehende Bewegungen,
z. EL der Augen. — nicken, nickein = am Ge-
nicke (öftere) reibend drückenden Schmerz
machen (Sehmelier I. 1722. 1723). — Nick, m. 1. =
die einmalige nickende Kopf- oder Augen be-
wegung. — 2. = Nystagmus [yozzi^m = nicke)
oculi, oscillierende od. roUtorische Bewegungen
der Augen bei hochgradigen Sehstörungen. —
3 — eine beim Herabetossen des Schlacht
messera (Nicken) in das Genick getroffene, blut-
unterlaufene Stelle am Halse des Schlachttieres
(Gr. W. VII. 733) — Genick = Genack (ablautende
Nebenform zu letzterem; 1518 gnyck = nucha colli,
H t. Gersd. 88; Gr. W. VII, 747; Kluge», 271; mhd
genic, genicke) = der ganze Nacken. — steifes Ge-
nick = Kheum. ruusc. trapez., der in seiner
Bewegung nach vorne gehemmte ganze Nacken.
— Ortdck- Beule, -Frais, -Krampf, -Stich.
Nickel, m. s nucken (sub Nock) u. Nickert.
— Nickel- AT.-', n
Nickerbfl - Bil.
Nickert, m. (Nix, Nock) *kr. mj [;:.r.'.m = tich
waschen, baden1,; Torgerm, nig; germ. nig ; angl«
nicor — Krokodil, Wassergeist ; engl, nick = Teufel ,
altnord nykr = Wassergeist ; dan n..kk; »chwt*d. nekk,
nyck = Grille. Laune. Schrulle [•. Alt'] ; mndl nicker.
Kluge». 272 = märchenhafte«, mit Raden «ich ergritzendes
Seenngehener; ahd. nlhhn«. m =- crocodiln« . mhd.
nicke«, niches. m. , nhd. nix, m . ahd nihhussa, nih-
hessa, f. = lympha ]s. Nymphe] ; mhd nlckese. f ; nhd.
nize, f ; schwär, Nickesie. schmcller I, 172.<) ; nach
dem Volksglauben ein Was*erge*penst von kleiner,
menschenähnlicher, »phiniartlg halb mcn'chncher,
halb tierischer Gestalt mit grossen u. baulichen Augen,
einem ungeheueren Kopfe, roten od. grünen Ilaaren,
grünen ZAhuen, Wasser- o Kalilaugen, Schwirnmf u««en
od. PferdefÜJwcn, mit einer sog Kr«.'.-: unter der Zunge
1= KJelkropf], das; 1. — den Menschen nennend
(s.d. u. .Meerminne) ins Wasser zieht Wuttke 4<s;
Golth. 14S) und 2. = seine mit dem Mennchen im
Wasser erzeugten [S ickert*-) Kinder ai » Wechsel-
bttlge (s. d , Kielkrnpfe) vertauscht (Abergl r/jn. ;
Kohler 1S4 474; Wuttke 49. Golth. 14*; H A. Rh. 242;
Wiuscbcl I, 20«). — 3. = solche vom N>x in Wesen
seines Gleichen verwandelte Geschöpfe tragen
auch Schwimmhäute >. d.) zwischen den Zehen
oder Fingern (Wnttke W. — 4. = gefährdet die
Menschen schon durch seinen Blick (Wuttke 47).
— 5 = macht Wochenbettkrankheiten (Kohler
472) und raubt Kinder (durch Ertrinken) (Wuttke
275; Urquell 1897. 179). — 6. - erzeugt wie der Alp
u. das üülchen llautmale (Golth. Iis, Abergl. 60).
— 7. = drückt wie der Alp die Menschen-Kinder
tot od. macht sie abzehren (Wuttke 419). — 8 =
saugt selbst Blut ans bei denselben als blut-
dürstiger Geist (Golth. 147; Wuttke 49; dazu wohl
Nickelsruh = Papaver, schlafbringender Mohn, Roll.
im). — Nickerte-ÄimiVr, -Mann.
Nidl s. Nüdl.
Niedl, Nidel, m , f. (Schweiz) = Milchrahm
(H. Paul 327 ; 1741 nldel = eremor lactis, Kirsch 678).
nieder- (die Zusammensetzungen mit dieser Präpo-
sition s. beim betreffenden nachfolgenden Stammworte,
z. B. Niederkunft bei kommen).
Niefen ». Nifel.
Niel s. Neil u. Noll (Nöll).
Nier, m. Niere, f. Nieren, f., m., pl. (vorgerm
neghrön [vt^pö- nefrones, Niere, Hoden]; goth. niuro.
ahd. nioro = Nieren, Hoden. Kluge ».271. renes. teste«;
angls. neora; 9.-10. Jahrb., ahd. nlero = testlculus;
J 10. Jahrb. nlero = ren. (iraS II, 1093; 11. Jahrh. niero,
' H. Z. III; Graffll. 10»4 ; Hyrtl, K. W. IIS ; 1360 sweme
i die nleren , Hoden] geswellent, Pfeiffer 33; 14. Jahrh
nyr = retlculum, Nierenfett; 14« nieren = testiculi.
Gr. W. VII, 831; mhd. nier. niere, m., Kluge 1. c; 1417
nere; 1468 nier = ren, D. II, 316; 1483 der recht nier
Ist hoher gesetzt dann der linck, C. t. Megbg. , 160»
nleren, m. ; 1521 nieren = coleu« [floden]. Dl 131; 1541
nycren, nyren = Nieren. Hoden; 153» nier, ro. ; 1551
nier. m.. Hyrtl, K. W. U7. US; 1«. Jahrh. niere, f..
Gr. W. VII, 831. dan. nyre; hoU. nier; schwed. njureh
— Niere, f. 1. = die in den beiden Lenden-
gegenden in vielem Fette (s. Lendenbraten,
Nierenbraten, Nierstall) eingebetteten barn-
bereitenden drüsigen Organe. — 2. = die
ausserliche und innerliche Nierengegend: „e*
geht ihm an die Nieren = er wird mager am
, Fette der Nierengegend (rituell 1**4, s. 2">:j
(s. Rippen). — 3 = heute noch volksübllch) Hoden
I des Mannes und Pferdes, Sedes luxnriae in viris
i (schmeller I, 1755; R. A. 63fi). als Glied der Harn-
oraane und Inenden (*. d.). — 4 = kranke
Nieren. — 5. = beim Pferde die Lendengegend,
| wo die rippenfreien Wirbel bis zum sogen.
Krupp sich befinden. — 6. = Hodenahniichea.
! — 7. = s. Nirn. — Nierchen, Niergen, Nierle,
I 1. = (Übersetzung der testleulij - Nieren, tioden
j (Hyrtl. K. W. 118; Gr. W. VII, S31; Buck 17; nyriehin
= renuncnltu, D. 492j. — 2. = (1420 nyrgen = netrobi
[atrobiii], l>. Ii, 263) = Nebennieren. — Bier-
Nieren = die dem übermassigen Biergenusse
zugeschriebene Nierenkrankheit Münch. Med
wochenschr W94, s. 3*4). — ß ^.«-Nieren =
Widderbodeo (Scbmeller 1, 1765). — doppelte
Nieren - gespaltene Nieren f Kreuz-) Gegend,
s. gespaltenes Kreuz [Falke I, 216;. — (17. Jahrh ,
entzündete Nieren — aus brennender Harn-
entleerung entzündet angenommene mensch-
liche Nieren Fr. K. B. 442 . — (1583) Hirn -Nieren
= ältester .«-- iiuUus iruck lür das mit den
i Hoden verglichene Corpus quadrigeromum im
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446
nieseln— niesen.
-niessen — Nifel.
Gehirn (Niere 6) (Hyrti. k. w. 184). — hohe Nieren
= eine ausgesprochene Erhöhung des Lenden-
teils beim Plerde-Rttckgrate im Gegensatze
zum eingesunkenen Rücken (Niere 5) (Falke I,
406). — Kalk-Hiere — eine mit Kalksalzen
durchsetzte Niere, z. Ii. bei Sublimatvergiftung.
— Jftfz-Niere (angln, cyde-neorc, cyd-neora; tnittcl-
engl. klde nere; engl, kldney, Klage *, 271) = die
feiner schmeckende, zarte Niere des jungen
(Opfer-) Bockleins. (Im Englischen verallgemeinert
= Niere; nicht bloss Kltinlere) (s. Widder). —
(14. Jabrh.) Klein- Niere (klcinuler [15. Jahrb.)
nyrichen, kleine nergin, V. 492 = renunculus, dem
tesüculus nachgebildet und übersetzt), 1. = Hoden
(Voo. opt. w. Ii). — 2. = s. o. Nierchen. - (1475)
/„«idcn-Niere (ndl.; D. 154) = Coxale, Nieren-
fleisch aus der Lende. — (1767) AVfeen-Nieren
— Obernieren, Glandulae renales (L. ch. 73). —
übet -Nieren = die am oberen Ende der eigent-
lichen Nieren (1) liegenden, als Kapseln der
schwarzen Galle (Capsulae atrabiliariae, siehe
Melancholie), auch als Nieiensack ehemals
gedeuteten Nehennieren mit einer gelbbraunen
breiartigen Marksubstanz (die alra bilis der
Alten), Glandulae suprarenales (Hyrti, Anat. 681).
— (14. Jahrh.) Samen- Nieren (,,daz geschlt da von
daz ein minne [= coitus] dicke (= oft] leret die nirn
des Kamen den si darinne vlndet", üoffm. I, 322) =
<lie samen bereitenden Hoden. — Schrumpf-,
ScAirwnrf-Niere = Atrophia renum, eine Niere,
deren eigentliches Gewebe schwindet oder
weniger geworden ist durch Schrumpfung des
reicher gewachsenen Bindegewebes (= diffuse,
chronische, interstitielle Nephritis, Nieren-
cirrhosis). — .S7';w« «./-.-Niere — s. Stauungs-
harn. — (1590) unreine Nieren = Pyuria = die
durch Eiterabgang (Materie) aus den harn-
bereitenden Nieren den Harn verunreinigende
Krankheil der Harnorgane (Tabornacm). —
(19. Jahrh.) Want/fr-Niere^citi durch die modernen
Ärzte In Laienkrelse gedrungener, ganz moderner Fach-
ausdruck für eine ihre Lage verändernde Niere
(eugl. noatlng kldney, Lehf. 174). — (1592) Weibs-
Nieren, 1. = NierengeKcnd. — 2. = Scham-
lippen, den männlichen Hoden in der Lnge
entsprechend (Heb. 104). — Nieren-/ider, Aus-
dorren, -Becken, -Bläst, -Bonheit, -Entzündung,
-Erhärtung, -Ftitt, -Fett, -Geschwär, -Gesthwiir,
-Geschwulst, -Gicht, -Gries, -Grimmen, -Kalb,
■Kummer, -Kamofftl, Kolik, -Krankheit, Lager,
-Leiden, Mangel, -Not, Ol, -Sack,-Sand, -Schleim,
-Schmalz, -Schmerz, Schwund, Sieb, Stall, -Statt,
-Stein, -Stich, -Strang, -Suclit, sücfdig, - Trichter, \
— Verstopfung, - Weh, - Wehtag, -Wendung.
nieseln = näseln (Nebenform; 13. Jahrh. nulselon-
der = balbus, D. 66).
niesen (nischeln, Nüschel) (vorgerm qntn,
ksnus (schallnachahincudes Wort]; germ. hnus, fnus,
Kluge*, 271; ahd. ulusan, nln.ojan = sternntare, Graff
II, 1104; mhd. niesen, kreischen, Schmeller I, 1365;
engl, to sneeze; dan. nyse; holl. nlczen. schwed.
nyaa) = das bekannte Nasengerau.sch, l'tarmos i
(Hlppokr.), erzeugen infolge einer ganz kurzen, |
aber kräftigen Exspiration, die reflektorisch
von den Atemmuskeln ausgelöst wird. — |
Nieser, Niester, Nuscher, m. = der einzelne
Niesakt, auch KOlpser (Gr. W. VTJ, 1010; Behm. I,
1761); dazu: Nüschel, m. (Schweiz), 1. = der mit
öfteiem Niesen verbundene Schnupfen (Coryxa)
(Schw. 4G0). — 2. = das rülpsende Maul (Gr. W.
VII, 1009). — 3. = das Vorderhaar am Kopfe,
wo die Nisse (sogen. l^auseier) sichtbar sind
(entstellt zu Nüschel) (s. Niss) — nischen, mischen
= durch das Niesorgan schnüffeln (Gr. w. VII,
ioio). — nischeln, nuscheln, nischgeln, nisseln
= den Schnupfen haben, schnüffelnd öfters
niesen (Gr. w. vn, 1009) — Das Niesen galt schon
In homerischen Zeiten als ein prognostisch günstige«
Symptom bei schweren Krankheiten; auch heute wird
das (Wieder-) Eintreten der NieaReflexe unbewnitst als
eine Entlastung von der Gehlrnbeläubung , d. h als
ein gunstiges Zeichen aufgetaut und mit Helf Gott!
Prosit: zum Wohl! etc. begrüut; es verlässt durch den
Nlexnkt der KrankhelUdaraon (Scbnottolf) »eine Stelle
im Korper des Kranken, namentlich Im Alptraume,
wobei das Niesen als rechtes erlösendes Wort Im Volks-
glauben aufgefasst wird (Laistncr I, 81. 108).
-niessen (-nOSS) (germ. nut; ahd. niozan; mhd.
niesen = zum Gebrauche sich etwas verschallen,
Kluge *, 134 ff. , etwas gebrauchen, geniessen). —
GcnosS (mhd. genoss = der mit einem mltgeniesst}
= Penis (s. Ebenalt; gleichaltriger Genosse), als
Begattungsteil (Liebrecht, «. V. K. 129) und Spiel-
kamerad beim Venusspiel. — tioerniessen
(mhd. ubernlezcn, Lexer 281) = durch abermassigen
LiebesgenusB Bich impotent machen.
Nieth, f. (Ntid, Ntidle) («u Not, Not, «. d .). eine
Nieth bekommen = einen Krankheits-Anfall,
eine sich entwickelnde, mühonde, plagende
Krankheit, bei der man sich noch auf den
Füssen mühevoll herumschleppt, bekommen
(L'ntermain. Würzburg, Schmeller I, 1729). — Ntidle
= eine kleine Not, Notdurft, Durchfall, schnelle
Kaihrine (Schmeller I, 1. c). — Gmiet (Gniel) =
eine öfters eintretende Qual, l'lage, Not, durch
einen vermeintlichen Wurm z. B. — rVniet-
Wurm.
nieten (neiteln) (ahd. hniotan = betesügen. siehe
Niotnagel). — nieten (noileln) = nageln (s. d.),
venerem exercere (Schmeller I, 1771. 1775). —
»neitclt [verneutelt maneken — homuneulus pu-
mllio, Schmeller 1, 1765) -ein verkrüppelter Mensch
(wenn nicht zu Knoten, s. d.). — Niet-A^e.'.
Nifel, f. Niffel, f., n. Nttffel, Niefen, nifeln
(Nebenform zu schnüffeln [lautmalend] ohne Anlaut
l* | n); 15. Jahrh niffeln, Gr. W. VII, 846). — niffeln
= leicht nitfen, schnflfeln, schnobern, durcli
die NaBe schnüfelnd reden, am Nasenkatarrh
mit Ausfluss leiden (Schmeller I, 1731). auch
jucken an offenen, roten Hautstellen (Niffel 4).
— Niffel, NttfeL Nifen, m. f., 1. = Schnupfen
mit Scbnüfel-Gerätisch (Gr. W. VII, 846; Schmeller,
1. c. ; Schw. eil). — 2. = der meist mit starkem
Nasenkalarrh verbundene Augenkatarrh (Nifel-
Aug), lippus (Gr. w. vn, 844). — 3. = die mit
starkem Nasen- oder Augenkatarrh verbundene
Auffrattung der Übergangsstellen von Schleim-
haut zu äusserer Haut, juckendes Erythems,
abschuppende Haut (Schmeller, 1. c; Chr. 8am. 1,9;
Gr. w. VII, 844). — 4. = (übertragen auf ähnliche
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-nigeln— Nies.
andere Stellen z. B.) schrundige, wunde,
schmerzende Brustwarzen (Rhagade6 inamraae)
(Gr. W. VII, 844 ; Plön-Bartels II. 417, wenn dies 4 Dicht
besser zu Nlpple tu stellen ist). — 5. — SchnQfel
= Nasenkatarrh, daher auch Niffel = Pferderot«
oder Feifei mit sympathischen FeifeldrOsen
(1590 nlä ; 171« nlfel = Feitel, Nipf, Zipf, Pips, Gr. W.
III, 1433; VII, 840; Schtneller I, 1731. Das Xlfel-Kraut
Ist : Anagallis arrensis, Schnieller, 1. c. und Hyoscyamus
nlger, Jessen 26. 186).
-nigeln s. Nagel, Igel, ilgern (nigeln = n +>
igeln).
Niggele. Nigl s. Nückel (nucken, Nock).
Kille, nillen a. Nolle, nQllen sub Noll,
ninna s. nauneln.
Nipf, m. = Schnupfen, Niffel (s. d.), 1. = der
ein Schnüffeln veranlassende Zipf beim Feder-
vieh. — 2. = (übertragen auf den Zipf als) Börzel
(s. d.) = eine Krankheit am Bürzel des Feder-
viehs. — 3. = wie dieser wieder Obertragen auf
den Menschen als Zipf, Pips = Influenza (Schm.
1, 1762). — er laset den Nipf hangen, 1. = wie
ein Huhn den Borzel oder Nipf = Schweif
hängen lassen. — 2. = bildlich für krank sein,
aipfen (Schindler 1 , 1752). — 3. = s. nachfolg,
nippen.
nipfezen s. naflezen.
nippen, Nipper, m. — Nippel, Nipper (angR
nipele; engl, nlpple = Brustwarze ; nipper — die Fohlen-
zihne, Milchzähne, Kluge* 271; Kalttchm. I, 427) =
der nappende, napfende, zipfelförmig hinab-
hangende Penis (Schnieller I, 1751) (s. Nappe). —
nippen — ein wenig schlummern und dabei
seitlich den Kopf hangen lassen. — Nipf =
Schlummer, Dormitatio (D. II, 141). — lüpfen,
nipfeln (ndl. nippen. Kluge 271) = mit kleinen
Zü>?en trinken (am Nipfel). — ein nippen, 1. =
Nystagmus bulbi (Klaas, R. 670) *■ das Zwinkern
der Augenlider (?), Nicken mit den Augen. —
2. = einschlummern = einnicken, einlullen.
Nim, n. = n + Hirn es Schweinshirn (Henneb. ;
Spless II, 173).
Nischel s. niesen u. Niess.
nispeln - lispeln (s. d.), blaesus, tp(ftt)X6c
(Coler, H. A. 128).
NiSS, f., pl. (hnlz [x<m-] = Laus-El; ahd. nütz;
mhd. niz, nlzz. Kluge5, 272, 1420 nysselyn = lenticula,
I). II, 231 ; 1482 nysi, niss - lenles. Zening. Voc. t f X 6;
Gr. W. VII. 860; 1616 nyss = furfures crinlum, D. 253;
1551 nyss = Lauseier, Bock 285; 1572 nlsz = Lause;
1582 niss* = Hauptlause. l.onic. 227 ; engl, nit, Gr. W.
VII. 860). 1. = die für Lauseier genommenen
Scbflppchen des sich abschilfernden Haar-
bodens, Pityriasis [r.ivipnv = Kleie), Phthiriasis
(»ihif. = Laus) (s. Läusesucht) beim Anfangs-
atadium des Haarausfalles. — 2. = die Läuse
selbst. — Nischel, 1. ■ daa Vorderhaar, der
Schopf am kindlichen Schädel, der Niss (s. o.)
abwirft — 2. = der Vorderkopf selbst (Gr. w.
Vn, 850. 1009; ßchw. 460). — nissig, 1. = DÜt
Läusen behaftet — 2. = s. genesen. — Gcnitt
(Knitten) = Kollektiv der Niss 1. 2. — (17. Jahrh.)
Haupt-, Kopf -NiM - die Abachuppungspro-
-nist— Nock. 447
I dukte des Kopfliaarbodens im Gegensatte zu
den Filzlausen des Möns Veneria (Fr. Kr. B. 372).
HiBS-Kcpf.
nis, -nist s. -nesen.
Nisser = (N) Üsser (s. öster) = Biesfliege,
welche Dasselbeulen macht (Schnieller 1, 1761). —
Nix, m. Nixe, f. s. Nickert.
Nock, Nockel, Nocker, Nöckli, Nockerli,
Nacker, Nückel, Nickel (zu ahd. himc, nocet,
hnach, testa capitis, cacumen, Schnieller I. 1724) =
rnndl. Krhabcnhcit, Erhöhung grosserer oder kleinerer
Art). — Nock, L = die Kaust als runder „Gauf-
berg" der ganzen Hand (C. t. Schm. 408). — 2. —
die gebeugte Stellung und Wölbung des Nackens
bei einem Schlafe im Sitzen. — 3 = dieser
kurze Schlaf selbst (Schweiz, Tirol; Gr. W. VII,
878 974 975). — Nuckel, Nückel (Nickel), L =
eine rundliche Erhabenheit kleinerer Art am
Körper, runder, kleiner Körper: a) kleiner,
runder Drüsen- Knollen, Abscess- Knötchen;
b) Höcker, gibbus (Schmeller I. 1724); c) Knöchel
(Schweiler 1. c. ; Gr Vf. V. 1456; VII, 974); d) (1675
nückel, nuckelein = marama) Brust und Biust-
» arze, als hügelartige Erhabenheiten (Kurhesseu ;
Gr. W. VH, 974); e) der rundliche Stirn- oder
Augenbrauen-Wulst, durch den Muse, corru-
gator erzeugt (Gr. W. VII, 974). — 2. (anlehnend an
die Koseform Nickel für den häufigen Banern-Namcn
Nikolaus und dadurch einen niedrigen Nebensinn er-
haltend), ist Nickel: a) = kleiner, runder, ver-
hutzelter, verkrüppelter, kindlicher Körper,
wie er im Volksglauben den teuflischen Ko-
bolden, elbischen Hausgeistern (Nickelmann,
P. Nix) eiflren ist (Schmeller I, 1722; Gr. W. VII, TM;
Z. f. d. A. 1888, S. 164 ; Conf. Nickels- Kuh - Papaver, Roll. ;
als Schlafmittel für [rhachitisrhe] Kinder). — b) -
kleiner Finger (ja d ). — c) = s. Igel. — nuckeln,
nöckeln (nulken, nolken) = an dem Nuckel ld
(Brustwarze) saugen (Nordfr. ; Gr. W. VII. 974;
Spless II, 174; Schmeller I, 1724). — nocken - sin-
gullire (D. 536; onomatopoetisch?) = het*chen. —
nöckeln (notteln) nnckern, nückern (ndd. lippc,
Fromm. VI, 359) — durch wiederholte, meist un-
deutlich hetschend gesprochene Worte seine
Krflnklickeit äussern (von Hypochondern oder
kränklichen Kindern). — Bi-, Bie-, Bier-, Ber-
Nickel = Beeren - Nickel, ein kleines, rotes
Gerstenkorn (Chalaeion, Werren) (franz. bornlcle,
Brlss. 310; ein schielender Mensch) am Augenlide,
mit dem kleinen roten Beerenknöllchen (Btttz-
chen) verglichen (conf. le compfre lorlot [orlolus =
Blerolf.s. d.] = vermutlich ein kleiner Bntz, drückender,
mitessender, milzehrender Alp in Wurm- (Werren-)
Gestalt, der durch vorgehaltene Beeren, Blumen oder
Körner transplantiert werden sollte (s. Gerstenkorn n.
Hlumenflck;). — Dnunu -Nickel = ein mit dem
Däumling verglichener, kleiner, rundlicher
Menscheokörper. — ent nücken = entschlum-
mern (Schmeller I. 1724). — La«s-Nickel - ei"
kleines, verhüttetes Kind, das Kopflause hat;
(weiterhin Schimpfwort (Spless II, 173). — (1777)
Meer- Nickel (Igel) = Werrennickel (Berniekel)
(1741 meerlgel = crithe, Kirsch 316; D. 532). — Not-
Nickel (Bayern) - kleiner, von Not hedritngter
Mensch (Laistner II, »4). — Oaren-Nickel (viel-
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Noll-Noll.
Nona— Norf?.
leicht entstellt aus Ohren-Mückel [s. d.)) = die knol-
lige OhrdrüsengeschwulstmitOhrBchmerg (Ohr-
iwang) (Gr. W. VII. 1257 ; Wockernogel Abhdl. III,
172). — (1717) Pumper-Nickel - ein kleine«,
plumpe» Kind von rundlichen Formen, wie ein
Brotlaib (Abrah. II, 281; das Brod hiess 1450 bonum
pAtiiculnm. Pierer 7. X, 935; (ir. W. VII, 2231; Waekcr-
nagel III. 171 ff.). — S7w»ijje« Nickel - der kleine
koboldartig aufgefasste, kürzere Finger (F.. W.
I, 122). — Werren -Nickel = Chalazion, das eine
Werre (s. d. = Gerstenkorn) bildende Knötchen
am Augenlide, Crilhe. — Zorn-Nickel (Igel)
= ein zornig sich geberdendes kleines Kind,
wütender Mensch (E. W. I, 24). — ZaAn-Nickel
(Igel) = ein beständig weinendes, «ahnendes
kleines Kiod (K. VV. I, 24), dem die Zahne igeln
(= ilgern).
Nöi% Nöllgg, Nöllen *. Noll.
Nösch s. Nosch.
Nütz s. Netz.
Nogel s. Nagel.
Nohl s. Noll.
noitelu s. nieten (nageln).
Noli me tangere f. rühren,
nolken s. nuckeln.
Noll, -noll, Nölgg, Nöll(en), Null, Nulle, f
nullen, mllen, NiÜe, f. (keltl»ch nollo — rundliche
Erhöhung, Studer 182 ; ahd. hnol = Hügel, Erhabenheit,
Schw. 352; nolle = Vertex. slnclput, posterior capitU
pars, Qraff II, 1118; IV, 1131; nolle = supercilluin,
Schm. I. 1787; noll [nella, nolla] = Vertex. Hyrtl, K. W.
212; nullla — Vertex, Rab. Maur. 04; 1212 nullen ■
Hügel; 1313 nuoln = Hügel, Buck, Flur-N. 190; mhd.
nol = mons Venerls, Gr. W. VII, 879; nalla m (ienick,
Schindler I, 1736; 1432 nuhel, nulle •■ Hügel; 1470
ncwlen — Hugel. Buck 1. c. ; engl, noddle — Hinter-
haupt ; growt-noll — Krautkopf, Dickkopf, Kaltschm.).
— Noll, m. = rundliche, hflgelartige Erhaben-
heit, übertragen auf Körperteile des Menschen,
1. = am Schädel desselben; a) Scheite), Stirne,
Vorder- u. Hinterhaupt des gewölbten Schädel-
daches; b) die wulstig gerunzelten Augen-
brauen bogen an der Stirne, Arcus Buperciliares.
— 2. = der tund gewölbte, gebogene Nacken.
— 3. = der Scharnhügel, Mons Veneria. — 4. =
rundliche, knollige Uebilde auf der Haut
(Schwielen etc.) (c. v. Schm. 409) (s. auch Neil).
— 6. — knollige Schleimpfröpfe. — 6. = ein
kurzer, dicker, runder menschlicher Körper
(Delling). — 7. = ein dicker, wie geschwollener
Kopf, Kretin mit gedunsenem Schwollkopfe
(Nielen-, NöllenkopQ (Wallis; Z f. d. Phil. III, 335.
338). — (ge-)nollen (nullen) = coire, futuere
mit der Nülle 4 (Gr. W. VII, »79. 9*0) (s. auch
knüllen, knollen u. Noll). — Nulle, f. Nille, f.
(Umlaut aus Noll), 1. = der runde Schadelteil am
Scheitel. — 2. = runde Stirne und Augen brauen-
bogen. — 3. = Nanenrundung (Schmeller I, 1337;
Buck, Flurnamen 130). — 4. = der Penis als Noller
in Butz-Form (Gr. W. VII, 9S0). — 5. = der rund-
liche Schleimknollen, Geiforbalzen. — 6. =
rundes Eiterbützchen auf dem Kopfe (Schmeller
I, 1737). — i?W-Noll (mhd. fude nol. füdelnoll,
fadnoll, Schmeller I, 694. 1737; Lexer 36»; Gr. W. IV,
i. 363; VII, 879) = der Schamhügel über der Fud
(s. d., Möns Veneriß). — fV- -noll, -nttll (Gnoll,
Knoll), 1. = mehrfache Knöllchen, Knollen-
bildungen, t. B. Schwielenknötchen auf der
Haut (c. v. Schm. 409). — 2. (1618) G>. null = Frons
contractu, Supercilia rugata, starke Runzeln
(Knüll) beim mürrisch Bauren Gesicht (Nückel)
(Schmeller I, 979. 1351. 1787). — £rH0UeH, genullen
(knüllen) = stuprare, coire, öfters (mit dem
Noll 3 u. Nülle 4) sich beschäftigen in coitu
(Gr. W. VI, 1517; Schmeller I, 1737). — Nolle(w)-
Butzchen, -Kopf.
Nona, f. = eine (1890) in Italien angeblich
neu aufgetretene Krankheit mit mehrtägiger
Schlututnersucht (nauneln = schlummern) (von
der hora nona = 9. Stunde = 3 Uhr nachmittags,
«omni» post prandla In den Klöstern und Stifttchulen ;
ahd. nona aus lat. nöna, Kluge*. 272) = (wahr-
scheinlich! Influenza (s. Schlafkrankheit) mit
Boporösen Gehirnerscheinungen (Schmidt, Jahrb.
1892, S. 147; Lerech 263; Dornbl. 88).
NotUie, f (ein durch da« christliche Klosterleben
Im Beginne dos 9. Jahrhunderts aus ahd. nunna, mhd.
nunne, aus lat. nonna = ehrwürdige [Gross-] Mutter
eingebürgertes Wort für Klostcrjnogfrau , die das
Keuschheltsgelübde abgelegt hat). — Nonne - ein
vom Nonnenmacher verschnitteneB, zur Begat-
tung untaugliches weibliche« Schwein (vergl.
Mönch) (15. Jahrh. nunn = nefrenda, D. II. 262,
Kluge», 272, Gr. w. vii, 882). — Nonnen- Körbinn,
-Krankheit.
Norbel, m. (s. 1-öberl) = Lorbeerl, Excre-
mentUlll caprae (Schmeller I, 1756; Spiess II. 174;
anlautendes 1 wird manchmal mit n ausgewechselt,
t. II, nork für lork).
Norden, m. (ein rein germ. Wort, Kluge», 272). —
nordischer Aussatz, Krankheit.
Norg, ni. Nork (Lorken) (»u itai. orco, huorco,
Schoible IX, 424; fran*. Ogre; aua lat. orens, ein alt
romischer Walddämon [Gr. D. M. I, 4541, «1er in roma-
nlnlerten Gegenden des südlichen Deutschland* xur
rotnugigen, verkrüppelten, boshaften Koboldflgur [Krd-
und Bergmannlein] wurde und als ein hartnackiger
Überrest des römischen Heldentums im Volke galt,
Z. d. V. f. V.-K. 1893, 8. 171 ; weitere« darüber bei Gebr.
Zlngerle I, 225; Schmeller I, 142. 1757; 8tcub. Drei
Sommer In Tirol 31«; H. A. Rh. 267; Mannhardt » 9.
110, Slmroek, D. M. 265. 413; Gr. W. VII, 899; Hlntncr
5. 10; Alpbg. 89. 106. HO. 119), 1. = u der Rausch-
brand erzeugende Viehschelm als Krankheit«-
dämon, durch dessen „Berührung" allein schon
das Vieh krank wird (Germania VI, 216), und
b) der Kauschbrand (s. d.) selbst. — 2. = ein
dem verkrüppelten Nork-Kobold figürlich an-
geglichener menschlicher Körper (Tirol; Hlntncr
">. 10; Gr. W. VII, 899) (- Nörggeln, Norgge; siehe
Orke und Bausch). — 3. = der alpartig auf-
hockende, den Menschen als Incubus krank
machende Dämon (Mannhardt 111). — 4. = ein
Kinder raubender und auswechselnder, Kre-
tinen erzeugender Dämon. — 5. macht heiser
und blind (H. A. Rh. 365; Z. f. V.-K. 1898, 8. 172;
Mannh. 1. c. , Alpbg. 106).
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Nor nen — Not.
Not.
449
Nomen, pl [an indogerm. ncr [nr] — cinUucbcn.
einfädeln, eine Schlinge machen, verknüpfen; germ.
nornö; altn. norner, Z. d. V. f. V.-K. 1893, 8. 388) = die
nordgermanischen Schicksalsfrauen (norntr), welche
analog in den Parzen des klassischen Altertums den
Lebenahden weben (spinnen) und verknüpfen und bei
den Nordgermanen als Rlesenmadchen (thursa meyjar)
auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinweisen
(Maurer II, 19. 23. 34J. — Nornen-S/mrfW.
NOTB (= nors) = Arsch (Mecklbg.; Z. d. V. f.
V.-K. 1894, 8. 186).
Norwegen. — norwegische Krätze.
NoBch, n. Nösch, m. Nesch, m. (Pfhesch)
,'zu ahd. neseazan, fneseazau, Gr. D. M. II, 1110;
Gr. W. V, 1360; ein lautmalendes, den heacb-, bet*ch-,
fnetach- oder klux-Ton wiedergebendes Wort für) -
1. - Singuilus, singultire, ein damouislisch
verursacht angenommenes Aufstossen, das
Zeichen quälender, plagender Thatigkeit eines im
Körper des Menschen aitxenden, neckenden Dämons,
das stossweise plötzlich immer wieder erfolgt (vergl.
Marbriegen), wie das gleichfalls dftmontstlsch aufge-
faßte Niesen is. d.). — 2 - uer öingullus begleitet
namentlich urämische, »eplichamiBche.eklamp-
tiscbe und endokarditische Krankbeilen, so
dass diese auch tum Nösch wurden r-61 noesch,
nesch = hetsch, slngultus, Pictor. 79; Gr. W. VII, 900;
D. 536; D, MO; 1565 nesch = hesch, slngultus, pfneach.
Gr. W. VII, 617; 1591 nosch = slngultus, Had. Jun. 378)
und awar: a) V eigicnt der Kinder (Eclampsia)
= Tropfen, Noschlropf; b) lautende Gicht
(Rheumatismus aruculorum acutus mit Endo-,
Myo- oiler r'ericarditis) Mones Ans. 6. 643; Schm.
I, 1766; Gr. D. M. II. iuo); v) urämisches Koma
= Bewusallosigkeit mit tiinguhus infolge von
Urämie ( = Vergiftung des Blutes mit Harn-
stotf); d) datier kann Nösch (Nesch) auch zum
Delirium, Irrereden, Geisteskrankheit werden
(Buck 13). — 3 = das schmerzhafte Kluxen und
AuiBtoeaen wird auch verwechselt mit scbuierz-
haft entzündlichem Seilen-, Brust-, Herzslechen
(Marsteclien). — noschen (nesen, O. 636) — ein-
guliare. — 77 Nosche (Mones Ans. 6. 463; H. Z.
XIII, 196; Gr. D. M. II, lllu) = der den Nosch (s. o.)
in allen seiuen verscinedenen Formen ver-
ursachende Krankheilsdämon „mit seinen Ge-
sellen", das elbische, kannibalische Dämonen -Volk,
welches in da* Hau* des Menschen geht, dessen Blut
su saugen, seine Knochen und Glieder su benagen
und sein Fleisch su versehren; sie werden in den
dürren Baum im Walde zurückgebanut, woher sie als
Krankhellsdamone, die namentlich bei der Gicht blut-
saugend auftreten (s. Blutsauger, 77 und Noschtropf).
gekommen sind.
-nosa « messen.
Not, f- (lndogenn. nau = beengen (genau s. -nau].
Kluge*, 134; vorgerm. nauti; gem.-germ. naudi, nauthi,
altnord. nauth - [Kdda] ,,auf den Bücken der Hand
und den Nagel des Daumens schreibe die Not" [als
Rune], Jordan 361. 367; ahd. nöt, f., m., Kluge4, 273
= Not, Zwang ; 10. — 11. Jahrb. nöt = angor, pressura,
Graft II, 1033; mhd. nöt = Mühe, Drangsal, Gefahr,
a. B. von noeten des grimmen siechtags, Schm. I, 1772;
Iii« not = Geschlechtstrieb, Zwang, Gr. W. VII, 105 ff.
911; [Tirol] uoath ~ Bedürfnis fur den Abort, Wolf),
1. = der mühselige Zustand des durch natur-
liche Ursachen ßeengtseins od. Gedrängtseins,
Angstzustand, Zwang, Beklemmung (s. Arbeil).
— 2. = schwere, leibliche und seelische Krank-
heit und namentlich der dadurch bewirkte
I Htilijektive Zustand, z. B. Epilepsie, Fieber-
paroxysrnus et**. — 3. = die Liebesnot als
Krankheit. — 4. = die Not bei der Geburts-
arbeit der Gebärenden (ndl. barens nood. De Cock
61; im Fafnismal 16 helssen die Nomen „notlosend *,
well sie den Kindbetterinnen beistehen [s. Kreisch-
merge, Schmeller 1, 1772; Sünrock, H. D. M.\ 341]; an
deren Stelle tratcu dlc2 X 7 = 14 Nothelfer des Christen-
tums). — 6. = die Todesnot, Todesangst (mhd.
in noeten). — ti. = der Geschlechtstrieb. — 7. =
das natürliche Bedürfnis zur Slublenlleerung
(s. Nieile, Nötle) als Tenesmus naturae, Not-
durft (Pauli 140). — (10. Jahrh.) nothaft (Notker;
Or. W. V, 760) = in der Kmdes-Not, im Kindbette
i (s. <(.) «ein. — mir ist nötlig = ich bin schwach
(Schmeller 1, 1773). — ruh ist Not = ein Bedürfnis
(Nut 7) bauen. — notlen, noiilen = in der Not-
lage durch körperliche Gebrechlichkeit sich
befinden, gebrechlich, hilf bedürftig einher-
gehen (Buck 19). — Anfallt -Not = der durch
einen epiu-puschen Anfall beroeigeffibrle hilf-
be<IUrltige Zustand (Gr. w. VII, 910). — amtwuende
Not = eine bedräugie Lage infolge einer an-
Bleckenaen Krankbell (Frank, Weltb. 211 a). —
4f«»-Not=der plagende, oeaehwerhehe Zwang
zum sielen Atemholen bei ungenügender Lufl-
erneuerung in den Lungen, beim Alptraum z. Ii.
— französische Nöten (Parac. de imp. C. 4) = be-
schwerliche Kiankneit uurcli die frrauzosen
(«. d.). — grosse Not = Necessitas naturae,
die Notdurft zur natürlichen Kolentleerung
(Stuhlgang) im Gegensätze zur kleinen Not
(Gr. w. VII, 914). — (1680) HerzlHot = Car-
dialgia, öyneope, l'alpilaiio cordis = das Ge-
füül von Beengung in der Herzgegend mit
und ohne Herzkloplen, meist von Herzleiden
ausgebend (Gr. W. IV, 2. 1256). — hohe Not
sa Epilepsia, Eclampsia puerper. (s. hoen). —
Kindea~ Not (mhd. kindesnöt, in noeten; 1551 in
kindsnOten [Bock 172], auch von werfenden Tieren
gebraucht, Gr. W. VII, 911) = die Gebärwebeu, die
schwere Arbeit bei der Geburt, die Geburt
selbst, longo tractu partunre = in Kindesnot
arbeiten, in Kindesnoten bleiben, mourir en
travail d'enfaul (Gr. W. V, 760; St. Benno-Mirakelb. ;
Zw. 261). — kleine Not, 1. = das Bedürfnis zu
kurz dauernder Harnentleerung. — 2. = eine
heimliche Krankheit (z. B. Tripper), die öfteren
Harndrang (Kleinöte) (Gr. W. V, 1129) veranlasst.
— 3. = (1394 klelnot = genitale, D. 260) das die
kleine Not 1 beoorgende ul.ed (a. auch Od). —
Kramme, krumme Not = das plötzliche krampf-
hafte Einziehen und Verbiegen der Glieder,
Er- und Verkrümmen bei der Epilepsie (Not 2)
(auch in Flüchen ,,krelg die krumnoth"' wie andere
Ausdrucke ahnlicher Art verwendet, Gr. W. I, 2344;
VII, 910; Henneb. kromme uuut, Spless I. 20, II. 142,
Höhl, Khonspiegel 127.1. — (1594) Ltt^M-Not = der
Dtaug zur Entleerung des Leibes aus Angst
oder Verstopfung (Gr. W. VIII, 2464). — letzte Not
29
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460 nuckeln — Kanne.
nuppen— Nymphe.
= Todes-Not (5) (Gr. w. vil, 911) — H7i2> Mutter-
Not = Hysteroepilepsia, Eclampsia (Mutter-
plage, 8. d ) (F. Hoffm. VII, 119). — (1561) AT^r«l-
Not (In nlcrou nolh haben = labornr, cx rcnlbu«,
Gr. w. VII, »10) - ein bei der Entleerung von
Nierensteinen eintretender, den Wehen ähn-
licher Kolikschmerz, der von den Nieren zur
Blase ausstrahlt. — (1546) Pestilenz-, (1680) Pest-
Not - die bedrängto Lage infolge der Ansteck-
ung durch die Pest (Gr. w. vn, 1570. 1675). — (1810)
Pocken - Not = Blatternkrankheit als epidem.
Plage (Hildenbr. 27). — Scheiss-Hot = Not 7
(Scbmeller II, 474). — achtrere Not (1615 = Fall-
sucht, Ür. W. VII, 910; Colcr. K. 360; 1694 = Kelatnpsla
infantlum. 1. eod. ; 1725 convulslo epileptlca, Tb. «an
Br. 2. 549; 1742 = eptlepsia, Zw. 495. 976; 1743 =
eptlepsia, bibl. Med. 105. 446; 1764 = epilepaia, A. v. H
I, 601; 1760 = fallend«' Sucht, Wallb. 860; 1783 —
epilepsia. Plattner II, 428; Steiermark = epilepsia, partus,
Fe wel; Heuneb.; Spiess II, 138), 1. = die Epilepsia
als schwerer Krankheiteanfall, derd. Menschen
und das Pferd „angehl" (Heyne in. 1017 ; R A ;
Falke II, 167). — 2. = die Eclampsia infantium,
Fraisenanfall, mit 1 leicht zu verwechseln. —
3. = die Kindesnot (s. d.). — 4. = der Stuhl-
drang als grosse Not. — (1545) sterbende Not =
Todes-Not (Not 5) (Gr. w. vil, B1I). — (ieio) töd-
liche, Todes-THot (1615 in todes noten arbeiten -=-
agontzare, D. 19) = Todes- Angst, Feige 6 (Gr. w.
VII, 911). — (1591) treibende Not = Tenesmus,
Not 7 (Had. Jan. 379). — J7»not (Aunaut [Schwaben];
ahd. unodl) = höchst beschwerlicher, beengender
ZuBtand ; eine das unverstandene „Unhold" (s. d.) ety-
mologisierende, volkstümliche Entstellung für diesen
Namen des unholden, klnderraubenden Poltergeistes
(Schwaben; Meyer 266); da die „Not" begrifflich nur
mit natürlichen Zwanglagen lu Verbindung steht und
In keiner Beschwörungsformel auttritt, so ist eine
damonisUsche Tnnot wohl nur aus Volksetymologie
erklärbar. — Hot-Lager, -Nagel, -Nickel, -Plage,
■Schoss, -Stall, Sucht.
nuckeln, nucken, Nucker, Nückel f> Nock
nüchtern (ahd. nunhtarnin ; mhd. nüchtern [zu
noctumus?], Kluge*, 273) = am Morgen noch nichts
gesessen habend, hungerig seiend (Spiess II, 174).
— nüchterne SpUtiet.
Nüd (Nüdle) s. Nieth.
nüeren s. neutem.
Nüfel, f. NtifiFel, m. s. Nitfel.
nullen, nüllern s. Noll.
Nüni, D. = ein Natinerl (s. d.) kleiner Schlaf
(Kln.lerspr ; K. W. I, 3).
Nürnberg. — Nürnberger Pipfs.
nüscheln, Ntischel, NUscher s niesen, Niss.
näseln, Nüsse s. nuseln, nieseln
Nüstern b. NuHtern.
Nützel s. MQUel (Mutzel).
naiern s. neutem.
nulken b. nuckeln (Nock).
Nulle s. Noll.
•nunft h. nehmen.
Nunne a. Nonne.
nuppen = gnuppen (s. knuppern). — eine
Krankheit üfcer-nuppen ■ dieselbe verbeisaend
ertragen (Schmeller I. 1751).
N usch, f. = weibliches Schwein, an dem das
Forklein nuUchelt (saugt) (Schmeller I, 1766).
nüscheln. nüseln, nÜBeln, nüsseln (alter nhd ,
1)90 nuesoln — mulire, I). 374, Ablautformen zu näseln
oder nieseln), 1. = durch die Nase Geräusch er-
zeugen: a) beim 8prechon (s. näseln); b) beim
Atmen schnüffeln. — 2. = Baugen, wobei die
Luftatmung ausacblieaslich durch die Nase
erfolgt (Gr. W. VII. 1010; Kluge5, 273).
NttSCheL, f. =- Muschel (I>. 140, 1281 nnsc« = la
nusque) = innerer Augenwinkel (Du lange V, 627)
Nuss, f. (rorgerm. knud; gerro. bnut; ahd., mhd.
du = die runde Baumfrucht mit harter Schale; engl
nut; derselben wird angeglichen), 1. = das kugel-
förmige Ende eines Gelenkknochens, welches
in einer nusschalenartigen Höhle eines an-
deren Knochens (Nuss-Gelenk) steckt. — 2. =
Feminal bei Mensch und Tier, als die r.u er-
öffnende Fruchtochale (Gr. W. VII. 1014; Heyne III,
1029 ff.; Qultzmann, Relig. d. Baiw. 1860, 8. 90; Brehm
II. 115, Verf. Baum- u. Waldkult, 8. 148). — 3. = das
fttitumgehene breite Fleisch an der tierischen
Vulva (Mutnfel) gegen das Becken-Innere
(Garhschale) zu, beim Kalbe, noix de veau;
Kalbsscheibe, Gansei *, Musculus olturat. im.
et pyriformis. — 4. = (engl, nutbone, Nussbeln,
Ot naviculare; nut of a man 's yard = Hoden [Analogie
zu der Haselnussgerte mit Fruchtknollen]). — in die
Nüsse gehen - enUwei gehen wie eine Nuss-
schale, Bterben (Spiess II, 174). — Kalbs-THllSB
= Nuss 3; das wie der Kern aus einer Nuss-
schale, so aus dem Beckenfette herausgeholte
Schlachtfleiscb an der Kalbskeule. — Nuss
Büngel
Nüster, f. (Nüster, f.) (erst nhd. zu nuse, Ab-
lautform su Nase, Gr. W. VII, 1011 j nos „mit eln-
Kescbobenem t". Kluge*, 273; engl, nostril), l. =
Nasenlöcher beim Menschen. — 2. = Nase
(Sehw. 4«6). — 3. = Pferde -Nüstern (Nüsse)
(H. Paul 3321
Nüster, m. pl. (Noster), 1. - die Dornfort-
siitze am KfUkgrate (ProceBSUB spinosi), die
wie Paternoster- KOgelchen am Rosenkranz
(s. d.) an einander gereiht sind (Buck 16;
Schmeller I, 1768). — 2. = die kleinknolligen Ver-
dickungen länga der Sehnenscheiden und Blut-
adern am PferdefuBBc (Seb. 176) = Knie-Pater-
noster.
nutschen = saugen, lutschen (n für 1) (Spiess
II, 249).
Nuttel (Ablautfonn zu Nuckel, s. Nock). — (1591)
OArrn-Nuttel s. Olirennickel bei Nock und
Ohrenmuckel b (Had. Jun 3S6).
Nutzen, m. = ein Stückchen der Nachgeburt
der Kuli (sogen. Di ilsenstück), Lätizel (beim
Pferde Fohlengift, Hippomanes), das der Kuh
gegeben wird, um sie milcherträglicher, nutz-
bringender, beleibter zu machen (Bararia IV,
2. 377 ; Gr. W. V, 1026; Falke II, 167).
Nymphe, f. b. Lymphe u. Waaserlefzen.
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oben — öde.
ödem— Ofen. 451
0. — O-Bcin.
oben. — es fehlt mir oben herum = auf der
Brust.
ober- (die Zusammensetzungen mit dieser Präpo-
sition such'.' beim betreffenden nachfolgenden Stamin-
worte).
Ochele, n. ocheln = Achele, Wundschmerz.
— ocheln = Ächten (= Öfters „ach!" sagen)
(Birlinger I, 210. 319; II, 72).
Ochse, m. = das klauentragende, plampe,
rohe, ungeschickte, gewaltigen Wuchs zeigende
(indog. üks = heranwachsen. Kluge*, 274) Männchen
der Kuh (s. d.), das früher vielfach das
Zugpferd ersetzt«1; es diente, wie das Rom, «u
manchen Vergleichen bei der Benennung mensch-
licher oder tierischer Krankheiten bezw. Organe
- - Ochsen, p). = eine falsche Cbersetzung der
Bubones, ßooßcuv, bova, boa (s. Bubo), die man an
bus (bovis) = Ochse, anlehnte (Pauli). — ochsen =
rindern, ochsern = belegt werden (Heim 61;
Spless II, 176). — ochsnig = brünstig (von der
Kuh) (Wolf; Elsass oesnig, E W. I, 77) — Ochsen-
■ Auge, -Bein, -Fieber, -Fuss', - Gallen, -Gebist,
•Guckele*, -Hert, -Huf, -Hunger, -Klaue, -Knie,
-Kopf, -Kugel, -Ohren, -Schenkel, -Sehne, -Spalt,
•Spat, -Sucht, Zagel, -Zetnm.
— Klein-Od, 1. = s. Not. — 2. - (1S32
chlanelt <=> ririlia, Schmeller I. 1332; mbd kleinöt =
zierliche« Ding, Kluge * 200; 1394 kleinot = genitale,
D. 260; 1470 klenöt ■ crUta, D. 15«) a) Penis; b) die
hahnenkammförmigen, spitzen, kleinen Feig-
warzen.
Odem, in. (Otem, Othem) wie Notem eine
dialektische Nebenform zu Atem (s. d.), le vent,
le respir (Kluge \ 12. 274).
oeoe (ao) = der Naturlaut beim Stuhldrange
(Klndempr. ; der Irvokal der Kinder, der am häufigsten
die i'nlust ausdrückt). — oe oe machen.
öde, Öde, f. Odin, ed fgotb. autbi — öde, einsam,
unfruchtbar; ahd. üdl = öde, leer, ödi, f. = Wüste,
Leerheit; 8. Jahrh odhln = oedin; 10. Jahrb. od«
[Notker]; rahd. oede = unbebaut; bis zum 16 Jahrh.
leer, gebrechlich, arm; oedin = Wüste; 1576 Öde, f.
= der leere Mittelbauch, Gr. W. VII, 1146; hieher viel-
leicht aden — Misageburt, Mole. Falke I. 17, als unvoll-
kommene Befruchtung). — Öde, f., 1. = die I^eere
in Bezug auf die Fülle des Leibes und den
Inhalt des Magens. — 2. — das durch 1 er-
zeugte Gefühl von Schwache und Unwohlsein.
— 3. = derjenige Leibesteil, welcher bei Ab-
magerung, Hunger besonders leerer, schmäler,
schwacher ist als der ober- bezw. unterhalb
liegende, die sogen. Weiche, Dünnung (Taille),
zwischen dem unteren Band des härteren
Brustkorbes und dem noch knochenstärkeren
Becken = Regio hypochondriaca (Hjrrtl, K w.
119. 120). — 4. = Geschmacklosigkeita-'iefühl
überhaupt (physisch) (Gr. w. VH, IUI). — Leibet-
Öde ■ „eine notwendige, künstliche od.
liehe Aasführung (taertnachong, Entleerung)
des Überflusses des Leibes" (Öde 2) (Oaarin. 867).
— Magen-Öde ■ das widerliche Ekelgefühl
(s. Blöde, Wüste) im Magen (Oder Magen)
(C. v. Bchm. 413).
Ödem, n, Ödema, n. (zu oDrjia = Geschwulst;
o'.Sttu = schwelle; indogerm. oid [dazu: Elter; germ.
oit. Kluge); 1518 ldoma o „eine Geschwulst, die dem
Kinger nach niedersetzt und also bleibt", H. v. Gersd.
99) = eine den Fingerdruck als Delle (Döl-
schenkel, s. d.) hinterlassende, durch Wasser-
er^uss in die Gewebe erzeugte Geschwulst. —
(1842) kaltes Ödem = schmerzlose, kalt an-
zufühlende wässerige Hautschwellung (Falke 11,6).
01. n. (ein ans lat. oleum im 8. Jahrh. durch die
Klöster eingedrungenes Wort; ahd. olel, oll; mhd.
oele. oel, ole, ol, Kluge • 276) = flüssiges Fett. —
Öligkeit = Ölige Beschaffenheit (Krautw. xxüV).
— Na»en-Öl = wie öl flüssiger Nasenschleim,
Kotz (Demokr. VII, 280). — iVi'ercn-öl -- das zer-
lassene Nierenfett, Nierenschmals (Gr. w. VII,
883). — öl-, «lichte Drüse, -Flecken9, -Harn,
-Schenkel, - Waatersucht.
ölber, Ölfeken, ölweken, ölp - Elbchen,
ölfehen (s. Olf) (Uistner II. 454). — Ölp-Tröttch,
■Mann.
Ören s Ehren.
Orxen s. Ochsen.
Öschel s. l'r- schiächten 3.
ös, Öain, Öster (=inaani», d. 39S), a) = die
Dasselbeule, durch die Larve des Engerling
oder den Beisswurm der Biessfliege (Östrus,
Oester, Nisser) verursacht; b) — auch Milz-
brand = Kot lauf (ester = Ignla perslcus, Du Gange
IV, 291; D. 393; Oestrum sb taon [tabanus = Breme,
Wespe, I). 670], monche als ein elbischer Dämon In
Gestalt einer Mücke [s d ], der die Menschen besessen
macht ; 15. — 16. Jahrh. delire , fnreur prophetiquo,
Janus 1897. 499, Wurm lc, boutons, bourgeons, Uvea,
lavan, tavelures, Brias. 215. Hieher vielleicht [14. Jahrh ]
daneaet = Oester, D 893) = Thau-öster, Thauwurm,
Leberegel, Maikoder als Engerling in der Haut
des im Thau weidenden Viehs.
ösenich s. Ochse.
öserlich (zu ahd. oesan ; mhd. Ösen m öde, leer
machen, erschöpfen, Schmeller I, 164; Fromm VI, 17)
= unwohl, erschöpft.
Ofel, m., n. (1572 der Ofl, Wlchner 34) S. Abfell
(AM).
Ofen, m. (urspr. Topf; gem. -germ. = Backofen;
goth. aühns, alth. ovan - Heizofen, Backofen; mhd.
oven, Kluge 5, 274). — der Ofen fällt ein, bricht
ein, will einfallen = der Backofen (nach altuber-
brachter Vorstellung werden die Menschen gebacken,
i. d ), die Stätte der Menschenerzeugung will
sich gewaltsam durch die Geburt eröffnen; die
Schwangere will (eine Brut) gebären (Or. w.
2) (s. Altweibermühle).
II, 1172; Wolf;
29»
uigiiize
452 offen— Ohm.
ohn— Ohr.
- 3 Kimler aus einem Ofen - von einer Mutter.
der Ofen ist noch ganz — unverheiratet, vou
Mädchen (Rochh. II, 117; Z. d. V. I. V. K. 1896 , 30S).
— der Ofen, der »ich aus dem „Herde" bei der
Entwicklung der Kochkunst entwickelt», wurde so
auch zur Herzstelle des germanisch-deutschen Hauses,
wo der Hauskobold an der Brandmauer (arn ■ Altar)
überm Wtchtelstelu, spater über der Herdplatte seinen
Gclstersltz und Laut hatte (l, Ehren), wohin die Mutter
Ihre am Kleber oder an der Darre (*. d.) kranken
Kinder, die verkrüppelt, nn Mitessern krank, ver-
kümmert oder verwachsen, „nicht recht gebacken"
waren, zum ..tmbacken" oder „Doppeltbackcn"
( = „Wiedergeburt") auch „Abmähten" brachten (V. K.
V, 168; Lalstner II. 39 ff. :«»; Frlsehb. 43. 79). Der
Backprozess (s. Biicker), der mit der Mchlbereitung
(s. Mühle und Küche) In alten Zeiten eine direkte
Beziehung halte, wurde so zum Bilde der Menschen-
erzeugung; darum klagen kranke Personen ihr Leid
dem Ofen, d. h. den llerdgelatern (Urquell IV, 59),
den Hcrdmftnuleiu , l'lattenweiblein , Wichtlein, Ko-
bolden etc.; darum rerbrennt man auf der Herdplatte
geweihte Krauter (1. c. «0; Fosael 84; Gr. D. M. III.
406) als Opfergabe an die Hausdämonen . die den
Menschen, der gegen den Herd ausspuckt, mit Brand-
blasen strafen (Kochh. II, 97. lt.»; Lipp. Chr. 439. 444),
daher: der Wauwau kommt aus dem Uten (Lipp. Chr.
460). — PachöfeU machen, l. = Bich begatten.
— 2. = eine kauernde Stellung einnehmen (von
Frauen) (Elsa**; E. w. i, IS).
offen, Öffnung, f. (ahd. offan; mhd. offen — auf-
gewogen, Kluge *, ?74) = offenstehend, durch Ue-
sen wurbiidung, Eiterung od. Sekretion offen,
secernierend (mnd. 14.— 15. Jahrh. dhe open ts
twlschen velle und vleyscbe, J. f. nd Sp -F. XV, 120).
— Öffnung, 1- - Handlung oder Zustand des
Öffnens. — 2. = Stelle, an der Körperteile ofien
sind. — 3. = dasjenige, was aus dieser Stelle (2)
als Se- oder Exkret herauskommt (Goldschm.
847) — (1754) dünne Öffnung = Alvus Saida,
wasserige Darmentleerung (A. v. h. 1,63). — Er-
öffnung = die Stelle, wo eine Öffnung beginnt,
z. B. Anastomosen der Blutgefässe, die man
früher offen enden Hess (Hyrtl, K. w. 5). — (1590)
Ohren Öffnung = die Stelle, »o Bich das Ohr
nach aussen öffnet, äusseresOhrloch.Ohrfenster
(Gr. W. VII, 1360). — offen (<?,«•) Bruch, Fus$,
Hai», Hände, Krebs, Magen, Preis, Rose, Schäden,
Schenkel, Skrofeln, Wunden, Zunge.
Ogge, f. 1. (= mtl. occa, auca = Gaus, D. 59; dazu
Berte [s. Percbta], la reine p«5docque, Burk, Fluni. 16),
— 2. = Auke, l'nke, Aunke, Kröie. — Oggen-
Fuss'.
Ohm, Ohmen (sanskr am - aegrotum esse; ama
= Krankheit, Schädliches. .Schaden Bringendes; nord. i
äma; aDgls. 6ma, om ■ rublgo, ignls (sacer, s. belliges
Kener), D. II, 209; Gr. Gramm. III. 738; Gr. D. M. 674;
Gr. W. VII, 120; Ptctet In Kuhn s Z. f. vergl. Sp.-F. V,
340; ahd. oma, oman ss ignls sacer, eryslpelas, Rochh.
In Z. f d. M. IV, 104; rublgo [- Kornbrand], Panzer,
bayer. 8. 2. ..28), 1. = eine rotlaufnrtigo (s. Kose
u. Feuer) Hautentzündung, Krysipelas, Lymph-
angoitis, l'seudo-Erysipelas, Phlegmone'(Schm.
I. 78; z. d. v f v.-K. 1896. 5). — 2. = der diese
Krankheit (1) verursachende Dämon, der in |
einem Segenspruche (isw) auftritt, in Gestalt
einer tnuggelnden Krute (Protz) oder eines
i mulchartigen Wurmes, welcher anseiebt (s. d.)
I (H. Z. XXI, 213). — Ömig = entzündet (Schmeller
f, T8). Zur Bedeckung omlgcr HautsteUen benüutdas
Volk heute noch die Ohm -Blatter Lappa. Rumez,
TiiMllago farfara etc.
Ohn- (die Zusammensetzungen mit dieaer Vorsilbe
suche beim betreffenden nachfolgenden Stammworte).
Ohr, n. (indogerm aus [auris, <t<>z); goth. au««.;
germ. ora; ahd. 7.-8. Jahrh. aoran = aurea, auricula.
Gass. GL. Diez 92; 8. Jahrh. oorun = aure«, Kero 71;
ora, n. ; mhd. öre, <*>r; ndd. uhr; engl, ear; holl. oor;
I schwed. oera, Kluge*, 27.S; „Ohr, auris und os gehören
i zu einer Wurzel, vielleicht nach dem ihucn gemein-
schaftlichen Begriffe von Öffnung", Graff I, 458), 1. —
die Schallöffnung für die Gebörempfindung bei
| Mensch oder Tier, Gehörorgan. Vergleiche des
menschlichen Obres mit dem der Haustiere sind häufig .
missgestaltete Ohren sind wie die Nasen- und Fuss-
DifformltAteu ein Attribut der clblscben Dämonen,
oft ist auch deren Missgestaltung ein Racheakt der-
selben, Wuttkc 71. 80). — 2. = ohrförmige Gebilde.
— 3. = der Ohrwurm. — 4. = krankes Ohr. —
5. — der Träger des Ohres. — er hat's faustdick
hinter den Ohren (s. dick). — er ist noch feucht,
nicht trocken hinter den Ohren (s. feucht und
nass) = das Gelbe guckt ihm noch hinter den
Ohren hervor (als gelbe Ekzema -Krusten)
(Schräder). — Nach germanischen Vorstellungen
entflieht die Seele aus dem (Munde und) Ohre;
der Nachlass des Gehörsinns im Alter, nament-
lich aber die subjektiven Ohrgerftuscbe bei der
todflhnlichen Ohnmacht und beim Verblutungs-
tode (s. singen) haben wohl Veranlassung zu
dieser Vorstellung gegeben. — einem einen
Floh ins Ohr setzen — einem Gehörstauscn-
ungen, unwahre Dinge glaublich machen (E. w.
1,63). - Die Oh rgeiäuscbe sind ungemein mannig-
fach bezeichnet, so gellen, schallen, sausen,
kreissen, tosen, klingen, lauten, singen, pfeifeu,
zischen, brausen, pauken und klopfen die
Ohren. — der Ohrschmerz wird als spannend,
klemmend, tobend, bohrend, kneipend, reissend,
stechend, zwängend, schmerzend und weh-
thuend bezeichnet. — Öhrlein (öbreli) (mhd.
oerlin, 6rlio, Gr. W. VII, 1265) = Auricula, 1. = das
kleine Uhr. — 2. — (1582 ohrlln oder orltxel
[= wüuel?], Lonie. 861) Ohrwurm (Oreli, Ohrhng,
Öbrling, Ohrlaus, Ohrlitze, Ohregel, Onrbutzel).
— 3. » eine Ohrenerkrankung. — 4. = der
kleine Tiilger des Ohres. — Ohrigkeit, f. = Ohr-
beschaffenheit. — Öhrling, m. = ein übel
hörender Mensch (K. w. I, 63). — Blut-Ohl =
durch traumatischen Blutetguss geschwollene
Ohrmuschel. — Daus - Ohrigkeit «= s. Toeohr
(Buck 18). — dick(e) Ohren, -öhrig = schwerhörig,
ala ob man ein dickeres Trommelfell hätte, im
Gegensätze zum feinen Ohr. — Dumm- Ohl =
Dummkopf, Ohr 5 (E. w. i. 63). — En / Ohrlein
- Engerling, Ohrwurm (Spiess II, 64). — Esel-
Ohren - lange, hohe l'lerdeobren. — feine
Ohren = ein zartfühlendes Gehörvermögen
(E. w. i, 62). — feuchte Ohren, 1. = Üieseende
Ohren, Ohrenüuss. — 2. =« Erythem* Intertrigo
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Ohr.
Olb, -olf.
(s. O.) (Wusteinann 363; H. Faul 140). — Flapp-Ohl
= 8. lampende« Ohr. — gekrüpftes Ohr (engl,
crop nt, Kaltschni.) = ein Stutzohr, welches einen
Knauf bildet, ahnlich einer gekrflpften Leiste.
— (1699) geschwärende Ohren = die durch ein
Geschwär (s. d.) kranken Ohren (Gr. w. Vll, 1257);
das Ohrengeschwär der linken, dem Herzen
näheren Seite galt früher als prognostisch
schlechter (Zen. Voc. n 8). — Hang-, hängende
Ohren, Ohrlein (ahd. ha[nlgöri, hajulgör, Lalstner
II, 187, ADru. ; engl, bangte ear«, Kaltachm.), 1. =
lampende Ohren. — 2. = der Träger eines
solchen. — 3. = elbischer Dämon mit Legohren
oder Watscheln. — (1592) Hasen- Ohren = enge
and gerade beisammen stehende schmale, hoch-
angesetzte Pferdeohren (8eh. 204; Mayer 28; Falke
I, 875). — (1741) Wcrx-Öhrlein= Auriculae cordis,
oreillette, Heravorkammern als ohrmuschel-
ahnlicbeüebilde, hantige, hohle, weiche Säckel,
die an der Basis des Herzens nach vorn und
innen itekrümuite Anhängsel bilden (Kirsch 757;
Hjrrtl. A. 874; Gr. W. IV, 2. 1268). — Inn-Ohr (1260
da« in öre, Pfeiffer 40) = das Innere des Gehör-
organs. — (1761) Kindel Ohren, fratte (l'lcera
aurium, L. ch. 10) = durch Intertrigo, Ekzema
nässende Obren bei Kindern (s. gelb, nass,
feucht). — A'u/i-Ohren = breite, tiefangesetzte
und herabhängende Pferdeohren (Falke II, 49). —
(1591) lampende, Lapp-Ohien, 1 . = A ures flaccidae,
Ohrmuscheln, welche wie Lappen (s. Lampen),
Lampen oder Fetzen herabhängen (Had. Tun,
395 ; 8cbm. I, 1474; engl, flapear). — 2. se Dumm-
kopf, Ohr 5 (E. W I, 68). — Lr /-Ohr (ahd. teg&ri,
Lalstner II, 187, Anm.; E W. I, 63) = Schlappohr,
Hanswurst. — Maus - Ohren = spitze, kleine
Pferdeohren (e. maasein) (Mayer 27). — Mittel-
Ohr (engl middle ear) = der Teil des Gehörorgane«,
welcher iwischen dem Trommelfell and dem
Rachen (Ohrtrompete) liegt. — Morel' sehe 8 Ohr
m ein von Morel (Psychiater Benedikt Aug. Morel
t 1878; Rnber; Münch. Med. Wocb. 1890, Nr. 23 ff.;
Binder, Arch. f. Psych. XX, 1889) angegebenes Ent-
artungszeieben, das sogen. Kaubtierohr, welches
sich durch Missgestaltung, fehlenden oder ver-
dünnten Rand, Weitabstehen vom Kopfe etc.
äussert (Dorabi. 82). — nacA -ohrend - nach-
sinnend, lauschend (Schlicht VI). — turne, (1814)
nässende Ohren = s. feuchte Ohren. — Ochsen-
Ohren = Kuhohren. — Raubtier- Olli = Morel'-
Bches Ohr (s. d.) mit randfreiem Knorpel, wie
ihn die Katzen and Löwen haben; es soll ein
Entartungszeichen bei Verbrechern sein. —
Schall-, SchoUOhx = ein fehlerhaft weites, wie
ein Schallohr gebildetes Pferdeohr (Mayer 27;
Gr. w. VIII, 209»/. — Srhlapp-, Schlatt-, Schlätt-
(Schleck?), .v /,/.,? -Ohren = Ohren, welche wie
eine Scblotkappe (s. Schlot) gestaltet sind und
klappenartig sich anlegend, schlaff vom Kopfe
herabhängen (s. Walachei), s. B. beim aus-
zehrenden, elbisch erkrankten Kinde od. Hans-
warst (Bock 18). — Schlitz- Öhllein, a) = Gestalt
eines Wassergeistes; b) = Ulwurm (8pless U, 216).
Das Aufschlitaen der Ohren war eine friesische
Strafe für Tempelschändung (Golther 562). —
(17 Jahrh.) schwärende Ohren (Fr. Krtrbcb. 134) =
s. Geschwärohr. — Schwan^ Ohren = schlapp
•
herabhängende, watschelige Pferdeohren (Falke
n, 804). — (1483) sieche Ohren = kranke Ohren
(C. v. Megbg. ; Gr. W. III, 892). — Stutx-Ohl = ein
Ohr, dessen Rand, Leist-- oder Krämpe fehler-
haft entwickelt ist und wie zugestutzt, gekrüpft
erscheint (Hyrtl, a. 564). — Tauo-Ohr — ein halb
tauber Mensch, Ohr 5 (E. W. 1. 63). — tos- (dos-)
ohrig, ohret, Ohrigkeit = schwach hörend
durch tosende (s. d.) Geräusche, Ohrenpfeifen
(C r. Schill. 122; Laminert 199; Bavaria II, 2. 895;
(Schm. I, 548). — u*«7-ohrig = mit den Ohren
weit auseinander stehend (Falke II, 436). —
Ohl(en)- Beinchen, -Beschwerung, -Beule, -Blase,
•Blatt, -Bock, -bohren, -brausen, -Buckel, -Büschel,
-Buttel, -Deckel, -Dreck, -Drüsen, -Ecke, -Egel,
-Fahne, -Fall, -Fell, -Fett, -Finger, -Flappe,
■Fluss, -Oanq, -Qelb, -Geschwulst, -Gesicht,
-Getöse, -Grübet, -Häutchen, -Höhle, -Husten*,
-Kittel, -Klamm, -Klappe, -Klemme, -klingen,
-klopfen, -kneipen, -Knochen, -Knollen, -Knorpel,
-Knoten, -Krabler, -Krankheit, -Krebs, -Kreis,
•kreissen, -Krempe, -Krümme, -Kross, -KrospeJ,
-Läpplein, -läuten, -Lasch, -Laus, -Leiste, -Litze,
-Loch, -los, -Mangel, -Mäuslein, -Mittel, -Muckel,
-Muschel, -Mütztl, -Nickel, -Nuttel, -Öffnung,
-Pauken, -Pein, -pfeifen, -p/eisen, -Pinsel,
•Rand, -Räude, -reissen, -rinnen, -Sattel,
-sausen, -schallen, -Scharte, -Schlappen, -Schleim,
• Schmalz, -Schmer, -Schmerz, -Schüssel, -Schuss,
- Schtcär, ■ Schwindel, ■ Siechtum, - Singen, - Spänner,
-sjuinnen, -Spiel, -Spinner, -Spint, -spitzen,
•stechen, -Sucht, - Teufel, -Thor, -Thür, -toben,
■ Trompete, • Verfallen,- Wachs, - Wange, • Watschel,
■ Weh, - Wehtag, - Werk, - Wetzel - Wirbel, - Wunde,
■Wurm, -Wurzel, -Wutzel, -Zehe, Zipfel,
-züfhen, -Ztcang.
Olb, m. Olf, 01p (das griechische OKo^t; = Uelin-
tücker, <Aof uiia = elbisches Zeug; Lalstner II, 453
hat zur Wurzel r'.? = betrügen; aanakr. rbhu („Tief-
•lutcnform"), s. Alp; dazu: olb, ulb = Alp; RftOf
— elbisch, SXfO< = alb, Lalstner L c. ; [ört. Sehles.]
(Up, II. Sachs; Oelp In. d.]. Z. d. V. t. V. K. 1896, 213.
214; Vernal. 272; Liebrecht 347). Unter Anlehnung an
olf, das in Namen als zweite« Glied angeblich nur ein
blosses Mittel zur Schlnssblldung i*t, wie hart (Lalstner
II , 256) , haben sich Personenbezeichnungen ausge-
bildet, .Irren Zusammenhang mit -alp aber nicht nur
höchst wahrscheinlich Ist, sondern nahezu gewiss, da
die Eigenschaften dieser Personen sehr gut mit dem
Werke elblseher Dämonen oder des Alps überein-
stimmen. Dazu gehört wohl auch der altnord. koelld-
ulfr sä nächtliche Qual im Alptraume verursachender
Druckgeist (Maarer II, 103), sowie die vldolfr der Edda,
der vitolfus bei Saxo Urem. (Maurer II, 100) = zauber-
kundiger Alp (s. Bilwitz;. — Ämm-OU, L = eine,
die Ammenpflege vernachlässigende, wie ein
Alp die Kinder plagende Person (8cbmeller I, 75).
— 2. = ein Kinder vertauschender, Wöch-
nerinnen entführender Alpdämon des Volks-
glaubens (Lalstner I, 70). — Är-Olf = s. Pirol. —
DracA-Olf (ahd. drahbolf, Maasm., Besch w .-Form. 183'J,
187) = der Drache (s. d.) als Alp (S. 12 h).
Ötcn-Olf = Alpdämon mit Gienmaul. — Krott-
0U~ Alp X und Kröte (s. d.). — leidiger Olp
(1817 gott behltt mich vir dam laidlge olp, ar bot a
kepple wie a kolb [= Alperkalb), Z. d. V. f. V.-K. 1896.
454
Olle— Ordinäre.
oren — Ort.
218; Mähren) — Leid n. Qual, Alpdruck bringender
Alpdämon — Mark-OU = 8. St. Markoen
(8. 899b) (Schmeller I, 671). — Mar-, Mor-OU =
Maralp. — (1310) Mud OU = Mnhe machender,
plagender Alp (Bück, Flurn. 197). — Nacht-OU
(nahtolf, Lalstner II, 464) = Nachtalp. — fiocA-Olf
(Massm., Besch« 188) = rauher Alp (Siu.-Ber. 7. 12).
— Rum -Olf = durch Hautiunzeln wie ein
Schrätzloder Rätzl nach Dämonenart entstellter
Mensch (Masumann 188). — Schad-OU - Nacht-
schaden bringender, beschädigender Alp oder
Nachtmännlein (Schmeller I, 67). — Schnott Olf
o Schnudelbutz, ansteckenden Naaenrotz oder
Scbnudergift (s. nieaen) erzeugender Alp,
Pöppelmann 2. — Schratt O\f (Schraudolf) ^
Alpschrättlein. — Strang-Oll = ein Bürzelalp,
der an einem Tiere strangformigo Veränderung
(Hautwurm, Hautrotz) veranlasst (Munnmn 188),
z. B. am l'ferde die Kopfstrenge (Feifei). —
Trug-, Trieg-0]f= Alp als Troggeapenst (Lalstn.
II, 464; Schmeller I, «7; Buck, Fluni. 197).
Olle, m. f. (ndd. = der Alte, die Alte [in Benpreeh-
ungen], FrUchb. 56), 1. = weiblicher, elbischer
D&tnon (Hexe), der nach ostpreuas. Volksglauben
Fieber bringt. —2 = Altmann (s. d.). — 3. =
der Lindenbaum oder Eichenbaum, der der
Wohnsitz, eines elbischen Dämons ist; In den-
selben wird du Fieber turückgebannt (■. Lindenkrank-
heit u. baumleiblg). — Oller, m. (fries. Oller u*, Sazo
Gram, riter. [Kdda] UUr mltothln, messender Oller,
Golth. 308. 890; 1695 hoUer = Oller, Tagl. Rundgeb.
1897 , 274) = der im Walde lebende, mit den
menschlichen Seelen (Elben) tanzende nord-
germanische Wintergott, der die Welt und
Jahreszeiten majestätisch regiert, Pestkrank-
heiten im Totentanze bringt und so den Ollers-
acker (Friedhof) bevölkert (C. Sterne, Tagl. Rund-
schau 1. c.).
Olpch (Hessen; Lalstner 11, 4M) = Olf, Alp,
elbisch (s. d.) Verwirrter, Tölpel, Narr.
Olympia. — olympische Stirne.
Om s. Ohm.
Omer, m. = Amer, Jammer, Schmerz (Schm
I. 73. 76).
Onanie, f. (1771 [Ttsaot] unter Bezug auf Onan,
Buch Mösls 1. GeueaU 4. 9. 10. 36), 1. - Masturbatio
(8. fitzen ii. schlagen) qui manu stuprat = maslu-
pratio (Krau*, K. 695). — 2. - Coitus inten uptus
s. impeditus quoad conceplionem (Kraus, E. 687).
onax (honax) = wonax, wanax, falschaxig,
auf einem Beine hinkend, «bei auf, schlecht
befindend (s. Axe).
Opel, m. = AIpl, Olpl, Tölpl (EUass, E. W. I, 68).
Opfer, n. — (1736) Liebes- Opfer ■ Coitus
(Woyt 634) als Venusdienst.
Orden, m. (Ordensregel; Stand, Kluge*, 276). —
im 7. Orden = ein an fixen Ideen leidender
Geisteskranker, Blödsinniger, in den 7. Himmel
Verzückter (E. W. I, 66); ei gibt 3 Ordensklassen.
V*ter, Brüder, Laien; die 7. Ist hyperbolisch die ganz
und gar unzurechnungsfähige.
Ordinäre, n, Ordnung, f. (aus dem trauz. ordi-
ualre - regelmässig) - Menses, Regeln (s. d.) (PauU
26; Schmeller I, 140; A. v. H. I, 992; II, 1024) = monat-
liche Ordnung (iaoi \ Vogel v, i«o).
oren 'tat. orare, E. W, 1, 63) = leise sprechen,
Unstern
Orende (altn. orende; oruth = Atem; ordlan =
atmen, Kluge*. 7) = Atemlosigkeit.
Organ, n. (mtlt. Organum [tpreu - Werk] = insiru-
mentum) - Werkzeug (s. d.) oder Gliedmassen
dea Körpers. — organisch = auf die Zweck-
mässigkeit der körperlichen Werkzeuge und
deren Einrichtung (Organisation) bezüglich. —
Organ-, organischer {et) Fthkr, -Krankheit,
-Leiden.
Orgel, f. (ahd. orgela; 8. Jahrh. Organa, pL; aus
mtlt. Organum [s. vor.); mhd. Organa, organe, orgel
— das tonende Blasinstrument, welches in Bewegung
geseixt wird, Kluge , 276), übertrugen auf: 1. = die
menschliche Stimme; 2. körperliche Bewegung.
— in der Orgel werken = coire (Gr. W. VII. 1341).
— orgeln = (vom brunstigen Hirsch) röhren,
schreien (Brehm HI, 238). — Krainauer-Orgel =
die gutturale, wie durch eine Orgel hervorge-
brachte Stimme der kropfigen Gehirgsleute
(namentlich um Krainau bei Mitteuwald in
Bayern).
Orient, ru. — orientalische Cholera, Pett.
Orion, m. (in diesem glänzendsten Gestirne der
Winternacht ist der wUdo Jager versinnbildlicht) =
Influenza (s. d.).
Orke, m. Örkle (Lorken, Norken, Törggele)
(= Norke [s. d.]; 1411 orckenn, Zingerle 190 = L'orco,
H. A. Rh. 366; Alpbg. 45. 56, Scheible IX, 424), 1. =
| ein böser Walddamon oder Berggeist des romanUcheo
Volksglanbens, dessen Figur vom Teulel abgelöst wurde
— 2. ■ die von diesen verursachten Krank-
heiten: a) Heiaerkeit, „er hat den Orken ge-
sehen" (s. Wolf) (Schmeller I, 142); b) Rausch-
brand, Rausch, Viehschelm (s. d.) beim Vieh,
welchen die Lorken od. Norken durch streichende
Berührung nach dem Volksglauben erzeugen
(Alpbg. 89. uo. 119). — die Törggele = d'örkeln
■» Almputze, die den Menschen nach dem
Tiroler Volksglauben blind machen (Zelucbr. d.
V. f. V.-K. 1893, 172).
Ort, in., n. (ursprünglich es Spitze, Ecke; ahd..
mhd. ort = Ende, Anfang, Ecke, Winkel, Rand, Stelle,
Plati, auch von lebenden und toten Körperteilen und
schadhaften Stellen ; 1618 die ort, do dan die natur in
der pestllenu yr ausstxeybende ort hat, Baeser II, 312).
— (1529) äderichter Ort = spannäderischer Ort
(Brunf ). — ßciM-Örter (1618 oerter der Beynen.
Parac. Pr. II , 83) - die Prädilektionsstellen der
Syphilis au den Knochen, z. B. an der Schien-
beinkante. — (1842) drüsiger Ort = die Stelle
am Körper dea Tiere*», wo die geach wollenen
Lymphdrüsen am häufigsten nachweisbar sind
(Falke II, 209). — erfrörter Ort = eine Körper-
stelle, die einen Frostschaden zeigt (Gr. W. III,
sio). — CUM) gepickte Ort er ■ mit dem Pickeisen
eröffnete Aderlasstelle (Seb. Iis). - (1592) ge-
schwulstige* Ort - lokaler Tumor (Seb. ui). —
(1592) gliedhUchtige Orter = die Körperatellen,
an denen bei der Gliedsucht (s. d.) Schwellung
eingetreten ist (Seb. Iii). — heimlicher Ort =
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Paar— Palo.
Otem— Pampa 455
(16U) Vulva, Pudenda, Loci roulieris (s. Stätte) !
(Du Cange V, 133; Hyrll. K. W. 84; Gr. W. IV, 1. 68; I
2. 876) *» Scharaort. — heimlicher Ort-Schaden. —
(1561) hohler Ort = die Höhlung der Herzkammer
(Byrtl, K. W. 83). — (1582) kahler Ort (Lonlo. 46). ^
kable 8telle. — Schaden-, schadhafter Ort, 1- =
die Verletzung- oder Geschwüreteile. — 2. =
Locus minoris resistentiae. — (1761) Scham Ort
= Körperstelle, an welcher sich die Schara-
glieder befinden (L. ch. 71). — (1677) Schlag-Ort
= die Stelle, wo die kindliche Fontanelle, das
Schlagblatt (s. Blatt) am Schädel pulsiert oder [
schlägt (Hyrtl, K. W. 136). — (17. Jahrh.) spann- I
ädrischer Ort = die Stelle, wo eine Spannader |
( — Nerve) verletzt ist und von wo Schmerz
oder Starrkrampf ausgelöst wird (k. A. 86). —
(1620) süriger Ort = durch SOrigkeit (s. d.) schad-
hafte, geschwOrige Stellen (Dr. Minderer). — Ort-
Oeschwulst, -Seuche, -Zahn.
Otem, m. (Othem) s. Atem u. Odem.
Otter, n. (1692 wann das otter ausbricht, Seb. 177;
die betreffende Abbildung weist auf die Pferdekrone
hin); vermutlich — das Adel 4 (S. 2), die Mauke-
stelle, wo der Adel als Wurmdämon auebricht.
OUteret (wohl zu Auter [s. d.; Tirol], Wolf) =
hochgeschwollen, aufgedunsen wie das Euter
Ovarien, pl. — Ovarien Gesicht.
Paar, n. (au* lat. par = zwei von gemeinsamer
Beschaffenheit; ahd., mbd. par, Kluge , 277). —
Lungen ■ Paar - die 2 Lungenflügel. — (1601)
iWrrm-Paar = die gleichen Nervenstränge der
beiden Seiten (Hyrtl, K. w. 184). — Rippen-Ytar
= die an beiden Seiten der 12 Rückenwirbel
gleichmassig abgehenden 12 Rippen. — (l&OU
Frr<inbarw«<7 = die Paarung, Kreuzung der
Hirn-Nerven (Hyrti, K. w. im). — Paarungs-
pachen = pfochen, pfachen, keuchen (nieder*.,
Kraus, E. 137).
Päd, m. (ahd. päd = bermaphrodltus, castratus
;*t'»do '], Graff IV, 326) 8. Spat.
Padde, f. s. Patte,
palen s. Pelle.
Päpel, m. päpeln s. Pape.
Pari, Parti s. Paralys.
Pauschel s. Bäusche).
Pagges, PaX, U». (altnord. bagge - La»t ; genu.
bang nasaliert aus bog; ahd. bägan; tnhd. hagen =
ichlagcn, prügeln [dazu Backstein?], Kluge *, **•. 278).
Bax, I. = Bagges, Pagges, ein kleiner, ge-
drungener Körper des Menschen (Tirol ; Hlntuer
5. 11) = Klotz, Bünkel , Balg, Prügel. - 2. =
Crepitus ventris (lautmalend?, Schindler I, 381). —
Paggen- Wurm.
Palme, f. (entlehnt au« Iran*, palme; lat. palma
[mauus] ; grlech. R«X<f|l>1r] — Hohlhand , a4X|MI =
Bohle, Z. f. d. A. 1S88, 8. 187; armus ; ahd. folma
[s. fühlen] ; 1305, 1414 paltua — inanus, planla pedls
[pclma] = Zehensohle, Du Gange VI, 120. 25t; (ir. W.
VII, 1414 1418; ndd., 14.-15. Jahrh. palme = palmus,
D. 407; 1607 palme van der haut off van den voesseu,
I» «28) - Vi>la, Planta = flache Hand, Fussohle.
— (1716) Palme, f. = Fussohle oder Handfläche
(Gr. W. VII, 1414). — Palm-iVo«8.
Palo, m. (balo)(skr bhal, bhall = oecidere, laedere
[bhalla = Bar) ; angell. balew = balo, exltium, malum ;
eymr. bala = Pest , Seuche (bei* = Wolf] , Pictet In
Kuhn s Zellachr. V. 351 . ahd. balo; palo, palowa, pa
tauva - peste». H. Z. XV, 55. 74; XVI, 48; W ackern. 17;
lues, peslia , Schindler I, 228 ; palauuig — pesUlens,
•JrafT III, 91. 93; [verloren gegangenes Wort]. —
(ahd.) eibrer palo (= pestis acerba, H. Z. XV, 67)
= giftiger, geifriger Pesthauch (s. Geifer) des
dämonenhaften Pestdraoben (s. Drache) oder
Lintwurms (s. d.).
Pampel, Pamperl s. Pompe).
Pampen, f Pampen = (? Wampe) Schlauch.
— Pamperl = Harnröhre (Kindersprache ; Sehm.
I, 391), als kleines rundes Ding am I^ibe —
(1517) Rum Pampen (= gigeria (glgneria], omasum,
D. 262. 895; ll, 192) = Ramschlaucb ; (15. Jahrb.
rampanyge, rampanlen = trlpa, stripa, Wampeupiatz,
D. 6S7; II, 371; Kuhn Z. X, 78) = ZeUgungSglied. —
(1720) N'/i/iim/i-Pampen — Narr (am Narrengewande
hingen die Klelderschlampeu schlauchfonnig herab,
Z. d. V. f. V K. 1896. 348).
Pamps (Barns), Pamstel, Panse, Panss,
Pantsch (Bansch, Bantsch), Pansen, m.
Panze, in. Pansen, m. (mhd. p*n«e^ Wanst, Jagd
tiermagen. Lexer 184 ; ndd. pans = Menachenmagen.
Goldschm. 32; altaachs. penien = tripa, »trlpa, Kuttel-
fleck, D. 697 ; pantze also der in dem line befft, D. II,
271 ; 1507 panse = trlpa, D. 597 ; ndl. pens = Menschen-
dnrro, boyau, De Coek 304; 1517 pantx; 1541 pantsch
— praccordlum, pantices, das Kalst in dem Bauch vor
dem Herzen, D. 396. 410 ; Oründner Mundart ; Ungarn
benuch - Pansen, K. Mitt. aus Ung. DJ97. V, 208). —
Panze, m. 1. — der weile, grosse, geräumte
1. und 2. Magen der Wiederkäuer (Rumen, In ■
gluvies, Aqualiculus) (I. P. Frank VI, 853), aus
dem diese Tiere itruechen, iter-ruechen (s. d.).
— 2. = der Magen, Unterleib, Bauch u. Schmer-
baurh des Menschen (in dieser Bedeutung mit
vielen sprachlich verfallenen Nebenformen), Panss,
Pantsch, Farns, Pamss, Pamssen etc.) (Sehmeiler
I, 392. 395; nyrtl. K. W. 121. 158; Schw. 477; Hintner
H. 18; (ir. W. VII, 1428; engl, paunch. Lehf. 96. 206;
franz. la panse). — 3.- ein kleines Kind, dem der
Bauch noch hängt, ein kleines, dickes Kind
überhaupt (Gr. W. VII, 1428; Schmeller I, 392. 396).
= Venter obesus (Oatarr.; Gr. w. l,
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456 Pan— Paralys.
Parech— pasteln.
1U9). — pamstig = durch Unterbautfett aufge-
dunsen, schwülstig (Denis II, 123). — VUU-Sock.
Pan, m. — panischer Sehrecken.
Pan ch, m. (hebr, böhm. Judendeutach, trquell
1897, 173) =s Grint- Ausschlag auf dem Kopfe.
Panz (Penz) s. Pams (Pansen).
Papagei, in. (aus altfr. papegal u. arab. babagha.
Kluge5. 278). — Papageien- Krankheit.
Pape, f. Papen, f. päpeln, päppeln, Pappe, f.
pap ist wie mam einer der ersten Naturlaute der Kinder
fast aller Sprachen bei der ersten willkürlichen Lippen-
bewegung , wodurch auch gewobnheltlich bald die
Bezeichnung tür Essen, Speise u. Mund damit gegeben
Ist; die älteste Speise, die für Kinder zubereitet wird,
ist der Mehlbrei ; (daher auch lat. pappare = csaen ;
mtlat. papare = kindtelzen, D.410; ltal. pappa= Kinder-
brel, papilla - Brustwarze ; mhd. pap, peppe = Kinder-
brel). — Papen, f., pl. = ein weinerlich verzogener
Mund w ie der eines schreienden kleinen Kindes.
— papein, päpeln = fftttern (mit Brei) (Schm. I,
398; Hlntner 6. 14). — Päpel = Weichling, siehe
aufpäpcln (Urquell III, 166). — papicht = breiig,
weich, fade (vom Gescbmacke). — *4rsc/i-Papen
= entstellt aus Arschbacken unter roher An-
lehnung an Mund (Pap«?) (Hintner 8. 17). — auf-
päpeln = sorgsam (mit weichen Breien) auf-
füttern, ein krankes Kind mit Not zum Gedeihen
und Aufwachsen bringen, verweichlichen. —
Kla /-Paper = weinerlicher Weichling (Urquell
III, 250). — Lället -Papen = ein Mund mit vor-
gestreckter Zunge (= baller) (8chm. I, 1469). —
tcrpäpeln = fehlerhaft Überfüttern (ein Kind).
— Pap Mau!, -Sack.
Papel, f- (tu lat. papula [papllla] = Brustwarzeben
[s. Pape]; 8. Jahrb. pavla = papula, Koro, Glos«.; Gr. W.
I, 1745; Graff III, 96; 1147 papella, papula = Speeles
ulceris, apostema parva, furuncull, Du Cange VI, 144.
146) = knötchenförmige Erbebungen der Haut
über ihr Niveau ohne freie Flüssigkeit zwischen
den Stachelzellen der Oberhaut (Ausplu In Z.
Hdb. XIV, l. 19; Schulauadruck), Ekzema Galeni,
Phyma Dioscoridis.
pappern , päppeln (mhd. paperan) = wie ein
Kind mit einer Papen (s. d ) sprechen, unver-
sUndlii h die Lippen bewegen (Spien II, 179; Erbe
26 ; Schindler I, 398).
Papst, m. (entstellt aus 1698; ndl. borist ( = Buben-
fixt], flatus, Buuchwind, Kluge*, 48; Schm. I, 378; 1777
popixt — crepltus, D. 167).
Paralys, n, Parali (Bariii), Parlis. Parlay,
Parieis, Parli, Parle (Barle), Pärli, Per Ii,
Perlis, Parlin, Parlin, Perlin, Perle, Pari (ein
Ilelsplel lautlicher Verderbnis eines fremden , aber
durch die Medizinschulen in den Volluunund geratenen
Wortes , griceb. paralysls, f. [a. 1] ; 13. Jahrb. parali «K
II. Z. XVII, 660; perllsia ab hlspanlca perlesla, Du Cange
VI, 277; 14. Jabrh. parali, barill — [ pari 1 lux] paralysls,
»pasmus, D. 413; Voc. opt. W. 41 ; mhd. paralys, parlis ;
1412 paralysls heisst zu tusche ein gegicht des parlis od.
bar Iis, D. II, 280 ; 14*9 daz paradlss od. tropff, D. 1. cod. ;
1468 perlis. 1. eod. ; im perll, D. 413; Gr. W. VII, 1459;
1518 parlin, n. m achlagk, H. v. Gersd. 20 ; 1629 parlias,
I'aracels. j liSlparll - Hand Gottes [apoplexla], Fries 75j
Glehtbrüchlgkelt, Künigssp 61; 1545 parlis = kleiner
Schlag, Gr. W. VII, 1468; franz. berlue. barlue, barbe-
lutte — mouebes volantes. Toir trente-slx cbandelles,
Brlas. 308 = Augenparalya ; barulen = die da« Vergicht
und Alp vertreibende Paeonla, Glchtroae. Roll. 123;
Fromm. VI, 6. 7 ; engl, palsy [ = paralys), scrireuers
palay = Schreiberkrampf, painter palsy — Maler [Biel ]
Lähmung), L ■ halbeeitige Lahmung infolge von
Schlajrfluss oder Vergicht, Gichtbrüchigkeit
(isapoXöu. = auf der 8elte. auf einer Seite auflösen.
Gr. w. VII. 145«). —2 = namentlich der sogen,
kleine Schlag, der minder Schlagod. der Zungen-
schlag, Zungenltthmung ; (1432) das Paralys
„kränkt" = schwächt durch Lahmung (C
Megbg ); es „schlagt" (1508) und (be)„rührt" wie
eine (dämonistische) Person (s. Tropfen) (Gr. w.
VII. 1459) ; le mal St. Firmin (firmare), St. Fremin
(Brlas. 276. 277). — . I u pen-Paralys = plötzliche
Lahmung der Sehempfindung auf einem Auge,
Myodopeia, Pseudoapoplexia, Schwindel, Nebel,
Flimmerakotome vor einem Auge (Schm. I, 278).
— kleines Pari, Parlin (Paralysls) = der minder
Schlag (s.d.) (Gr. W. VII. 1459). - GS|Paraly8
(14. Jabrh. eins Ildes barill - Spasmus, Voc. opt. W. 41)
= Beugekontraktur infolge von Lähmung der
Streckmuskeln auf einem Gliede oder einer
Extremität. — Die Herbstzeitlose (Colchicum) bat als
Gichtmittel In Tirol den Namen Paralieaken (Dalla
Torre 27) ; auch gross-ruas. parali cz = naja repa = Alp-
raun bb LAhmungsrÜbe (Z. f. ö. V.-K. 1896. 3Ö3). —
Afu^«-Paralyse s. Mutter. - parle-sUcAfy.
Parech (polu. parch; mahrisch-Judondeutach, Ur-
quell 1897. 276) = Grint, Rftude, Kratze, Kopfans-
schlag.
Parpel, f. (Parpen) s. Porpel.
parzen (zu ahd. parran = rigldum esse ; ndd., 1516
parsen, persen, perUen, D. 147 ; parrozen) = heftig
und Öfter hart werden, unter mehreren Ab-
satzen hart vorspringen, in mehreren harten
Knollen sich vordrängen , z. B. vom Zäpflein
(Struma) am Halse, das als mehrknolliger Kropf
vorspringt (Schm. I, 284), sich ausparzt.
paS8, passen (aus franz. passer; lat. paware,
passus, langsame, unbehinderte «angart; ndl., 13 Jahrh.
passen — angemessen sein, Kluge', 279). — pässlich
= zu Pass seieml, wohl befindend (Schm. I, 408).
— (1534) zu pass(cn) werden = genesen (Luther
VIII. 425). — (1618) übel zu pass - krank (Schm. L c.).
— unpäSB/icA, ««pass (ndl. onpasselljk) = in ge-
ringerem Grade krank, kränkheb, unwohl. —
(1741) Unpässlichkeit im Gesflsse = Ficositas,
llflmorrlioidal Beschwerde (Kirsch 499). — (1699)
HWiW-Pässlichkeit = weibl. Periode (eigent-
lich Unpässbclikeit) (v. M. II. 148). — (1618) wohl
zu pass = gesund, woblauf (Schneller 1. eod ). —
fSLSS-Auge*.
passabel (lat, passabim. pauibUi.) = erträglich,
bärig*.
pasteln (15. Jahrh. paaüen, Schmeller I, 297 = er-
zeugen, bilden ; pastare — knetend formen . spurium
glgnere ^ eins basteln, LaUtuer II, 392) = Bastard
(s. d.) erzeugen.
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Pastem— Paucke.
Paua — pecken.
457
Pastem, n. = Apostema, 8. Apoetem (duu die
1484 Pasteinen-, [1530] Peatemen-Krauter= Apoatemen-
kraut [Knautla arvensls, Taraxacum offlclnaie etc.],
Jessen 198. 395).
Pater noster , 1. = a. Rosenkranz u. Nüater.
— 2. = <lie etrangartig aneinander gereihten
Wurmbeulen (Rotrknoten) beim Pferde (Falka
Ii, 189). — JTmc-PaternoBter = s. Nüster. —
BticArcn-Pater (rucken pater = «plna dor«l, D. II,
141; 15. Jahrh.) = die roaenkranzförmig an-
einander gereihten Dornfortaätze der Rücken-
wirbel.
Patient, m. (aus dem franz. patlent und ital. pa-
tlente) = der Leidende (Im iß. Jahrh. entlehnt,
or. w.vii). — (16. Jahrh.) Patientin ; d>29) Patient
(Paclent) = der oder die, moiBt an epidemischen
Krankheiten, I/eidende (Pr. Minderer; Zw. 256;
Brunf). — Örippe-Patient = an Influenza leiden-
der Kranker (Rahmann 55). — Pcat Patient =
Pestkranker (Gr. W. VII, 1576). — (1792) Pocken-
Patient = Blatternkranker (Nicolai IV. 84).
Patsch, m. Patschen, f. Patscher. in. felgeni-
lich der Natnrlaut beim breiten Tritte der Füsse In
eine Wasserfläche, beim breiten Schlade der Hand auf
eine andere Handfläche (Patachhand). — Patschen , f.
Patscher, m. 1. = der breit auftretende Fuss
(Schm I, 415; Heyne III, liofi). — 2. = der schwer-
fällig gehende Kretin (Fromm. VI, 131) (Patschi).
- Tal- (Dal-), Toi-, Toll- (Trall-, 7Vo«-)PatBch,
1. = Dollfuss, ein Fnas, der durch Paralyse (bei
Kretinen, geistig Verkommenen, Tölpeln)" breit
auftritt (Schm. I, 603). — 2. = Tölpel Oberhaupt,
Kretin (s Talpe, Tallewatsch) (Aargau ; nach 1727,
Kluge *, 378; Bararia IV, L 212; C. v. Schm. 135; Z. I. d.
Phllol. III. 336; Spless II, 261. 256). Tollpatach für
Dollfuaa und Kretin kam erat auf, nachdem die un-
garischen TolpaUch-Soldaten (1650— 1760) In Deutsch-
land bekannt geworden waren (nngar. talpaa = brelt-
fuMrig; das nachgebildete Tolpatsch lehnte sich an
Dollfua* begrifflich an; Adelung; Andresen 177).
Patte, f. (ndl.,ndd. padde ; altnord. pa<ida, Kluge1,
323). 1. = Kröte (s. d. u Keifel). — 2. = Bläh-
sucht, wobei die Tiere (Rind) am Leibe frosch-
(s. d.) od. protz- (e. d.) artig aufgetrieben sind
and durch den Bauchstich von Gasen befreit
werden (Engel. 277; wird besprochen). — Patten-
Wurm.
Patten, 1. = (entstellt au») Pappen (s. Pape)
= Lefze, Lippe (Nürnberg; Schindler I, 414). —
2 sa s. Lapate. — l.< i nq Patte (ndd. statte lang-
patte, Jahn 123) = schlaffe, lange HangebrQste
(Tutten).
Patorsa ein zur Verdeckung das Namens für Lue*,
Syphilis erfundene« Wort = pa(sslo) tur(pia) sa(tyrlaca)
= Satyriasia, Stängelsucht, oder Passiu turpis
saturnina, weil sie entstanden eein soll zur Zeit,
ala Saturn in daa Zeichen dea Widdera trat
(Pr. II, löl).
Patzen s. Batzen.
Pazzi, pl, m. (IUI. paxzu = Narr) ( - piemon-
tesische) Kretins (Blrcher 87).
Paucke, f. Pauchen, f. (germ. puh - schwellen
( Pocke] ; mhd. püeke = Paucke) — (Ifl'.w) furchttamc
Pancken (pauggen) ■= fürchterlich anzueehende
grosae Gewütet am Backen (Schm. I, 381. 758). —
(1507) OAr-Paucken, 1. = Ohrgeachwulat, Ohr-
beule (Parotitis) (Hort. Sanit.). — 2. = Paucken-
höhlen, Knochen am Schläfebein (Falke n, 189).
— Pancken schlagen.
Paus (Pfaus), pausen, p aussen (zu mhd. pfüsen,
pfnuien = blasen, schnauben). — (1749) Pausung =
Aufblähung, Aufbauschung durch die Säfte-
wallung. — (1645) nw/pausen - a) durch das hitzig
wallende Blut des Sanjruinikera zum Aufblähen
kommen, turgeecere (Zeiuchr. f. d. Philol. XXVI,
237. 248); b) durch die Winde, Congestio capitis
ex plethora a. vaporibus, Tympanites (a. offener
Mund) (coier, H. a. so). — Paus-, Pfaus-, pau-
sende Backen.
Peck, n. Pick (aus lat. ptc[eml [plx] Im 7. Jahrh.
eingebürgert; ahd. peh. beh; mhd .pech [pfleh]. Kluge*,
280 — das schmutzig braune, klebrige Baumharz, das
In abgelegenen Pechhütten ausgekocht wird). —
pechein, pe ekeln, 1. = cacare (s. Darmpech)
| (Schmeller I, 881). — 2. = kleben ; dazu : Bachel
m klebender, verhärteter Nasenschleim (Henne-
berg; Spien« II, 18). — Pick, Cr. pick - wif Pech
klebende Materie, Augenschleim. — Darm-
Pech = der aus Gallebeatandteilen gebildete
dunkle, zähe, erate Kot der Kinder und Fohlen
(Mekonium) (Frank 182). — Fohlen-, Füllen-'Peeh,
1. = Darmpech. — 2. = das pechartige Koloatrum
hei Stuten (Pechzäpfchen, Gieaa*). — (1787)
■Ktnda-Pech = Mekonium, der erate, pechdunkle
Kot d. Neugeborenen (Erbkot, Heidendreck etc.)
(Gr. W. V. 746. 760; M. H. L. I, 534; Ackerm. 495). —
Afurfcr-Pech - das noch vom Mutterleibe her-
stammende Kindspech (fiirpiüiviov = dunkler Mohn-
saft; Mohn: rorgerm. mekov, inAkov; ahd. mogo,
Klug«», 200). — Pech-, Pick- .aVk*, -Mannten,
-Räude, -Zäpfchen.
Peckel, m. peckeln, Pecken, m. (Pecker1)
(auf das lat. peccare = fehlerhaftes thuen und ltal.
j pecca = Fehler, Mangel zurückführende« Wort). —
Pecker, Peckel, 1. = chronisch Kranker: „ein
guter Peckel dauert KM) Jahre". — 2. = Bäcker
(a. Pecker*). — 3. = a. Böckl*. — peckeln, 1 =
chroniachea Gehrechen, einen Treff haben. —
2. = pechein (s. d.). — peckelhaft, 1. = kränk-
lich , gebrechlich (Schmeller 1 , 881). — 2. =
pockenhabend, pockenhaftig (Zeiuchr. f. d. Phllol.
XXVI, 248).
pecken, Pecker ' (Pick) (>u pecken, becken =
hauen, hacken, »tossen ; angl». plc = »techende Splüe,
plcian - stechen ; ndl. de pik - stechendes l^ndenwch.
lumbago, De Cock .111 ; franz., ndl. bek — Schnabel;
| engl, beak = Schnabel ; peckler = Banmplcker; ndd.
I picken = stechen. Kluge*, 286). — Pecker (Bäcker)
(A. t. II. I, ,T4i;s, Buck 19. 57; Schmeller I, 203), 1. =
eine traumatische (Hieb-, Stoas-) Geachwulet.
— 2. -= der atoasend bellende Schafhuaten, ein
öftere stossweise hervorgebrachter Ilustenton.
— 3fi7z-Pecken = Milzatechen, Milzhacken, die
Schmerzemptlndung in der Milzgegend, ala ob
etwas mit dem Schnabelhacken gegen die Milz
pecken, hauen würde (Steiermark). — peckende
I Haut. — «/rpickte örter.
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458 Pedätsch— Pein.
peisaen.
Pedätsch s. Petechien.
Pedagel 8. Podagra.
Pedeck s. Pottich u. Petik.
peger, pegern (bebr. peger = hinfällig »ein,
benneb. [Judenwort] bekern, Spless II, 24; Schindler I,
215) = sterben, verenden, krepieren.
Pein, f. (ein [wie Plage] in abd. Zeit mit dem
Cbristentume aoi lat. poena, milat. pena übernommene»
Wort; abd. pina; mhd pine. pin; ndd. pln; ndl. pijn;
16. Jabrb. peyn = torsura [tortura], D. 589; 1512 pyn —
plesut ; pyne = niollraen, D. 365. 443, Ungemach, Ge-
breeben ; engl, pine, pain — Sehmerz, pains, Wehen ;
dan. pine ; nach Gr. W, VII, 1524 In der lat. Rechtaprache
Strafe, Qual, Rechtspein ; daraus übertragen [nament-
lich Im ■, T. verwälschten Flandern] auf) 1. = grosser,
heftiger, leiblicher (windendei) Schmers des
Menschen (Passio mala, Tormentum) durch
Wunden und Krankheiten, auch Geburtswehen
(engl, afterpains = Nacbwehen, Lehf. 77; oberdeutsch
int Pein nicht gebraullch, wenn auch in frankischen,
importierten Besprechungen, Wuttke316, vorkommend).
— 2. = Todes-Angst, Todes-Not (aus der Zelt der
hochnotpeinlichen Tortur). — 3. = Pein = Bein. —
Peiner (1476 pljnre [pler, pijr]) = Anger, Engerling,
peinigender (s. Pein-Ute) Hautwurm (D. »4. 339
[lumbrlcus]; vermutlich hieher [aus einem mltteld.
Nachtaegen des 13. Jahrh.] ; daz biner vn das vuzspor
daz Mibe mit dir davor, 61U.-Ber. 1867, B. 7) = Pein
machender, Fussperre veranlassender Dämon.
— Peinigung, Peinung (16. Jahrb., ndd. pinung
— tortura, D 590; 1414 pinunge, pcynunge = tormen-
tum; 16. Jahrb. peinlgunge, pinigunge) = Handlung
und Zustand des Peinigens (D. 568). — peinen,
peinigen (ahd. plnon; mhd. pinen; 1420, ndd. pynen,
pinigen, plngen, peynigen) = cruciare, Pein be-
reiten (Schindler II, 893; D. 159). — peinhaftig =
nervös, wie von der Pein Bequlllt (Unterfranken).
— (1026) St. Antoni-Tein. (Luther VII, 412) sa
St. Antoni-Feuer. — .!•<.-•: Pein = Augen-
schmerz (Gr. W. I, 809). — (1644) />\n<. Pein
(ndl. bulkpljn, De Cock 189; V. K. 1895, S. 142; v. M.
I, löl) = BaucJiweh. — (1756) I >a n» -Pein = Ge-
därmschmerz (A. v. B. II, 1031). — (14. Jahrh.)
Fliegt ?i-Pein = die Quälung und Belästigung
der die Madeneier absetzenden Fliegen auf
Wunden, im Mittelalter eine alltägliche Be-
obachtung (Z. f. d. A. 1888, 8. 142). — i/aar-Pein
(hyll. haarpljn) = Haarweh, Katzenjammer. —
(1699) Haupt-Vem (ndl. hoofdpljn , De Cock 117 ;
v. M. 1, 151; dan. horedplne; engl, pain In the head,
Kaltschm) = Kopfweh. — bleibende Hauptpein
ss Neuralgia nervi trigemini (facialis) continua
= Gesichtsnervenschmerz, der an einem be-
stimmten Nervenpunkt (point douloureux,
s. Hauptnagel) fixiert ist. — fliegende Haupt-
pein (ndl. liegende hoofdpljn, V. K. VI, 71) =
Hauptfluss, Neuralgia rheumatica, der wie ein
Schuss (s. d.) angeflogen erscheinende, auf das
Haupt „fixierte" stechende Schmerz (sogen.
FJtiBs). — scheele Hanptpein - der Gesichts-
schmerz mit Gesicbtsverzerrung (De Cock 124). —
heisse Pein = mit Fieberhitze einhergehender
Schmerz, namentlich in den Knochen, an dem
selbst die elbischen Dämonen zur Strafe nach
Volksglauben (Alpbg 132. uo) leiden, so dass es
einen solchen Schelm „vom Kopf bis zur grossen
Zehe brennt" (s. kalte Pein). — (1680) Herz-
Pein = Cardialgia, heftiger Schmer« in der
Herzgrube (Gr. W.IV. 2. 1258). — (15. Jahrb.) höüistke
Pein (= furta; 1429 hellisch peln, D. 253; II, 186) ■
die vom Teufel (Furia) nach dem Volksglauben
veranlasste Qual («. Höllenschmerz). — Hüft-
Pein (ndl. heuppljn, De Cock 307 ; 1476 hoiftpyn mit
febrls = symptoma, D. 537) = Ischias, Hüftschmerz.
— kalte Pein = eine nach dem Volksglauben
(Alpbg. 1S2. 136. 184) Ober die elbischen Schelmen
verhängte Strafe In der Form eines heftigen
Schmerzes (Kaltweh, Kaltvergicht). Nach einem
schon im 13. Jahrb. in Norwegen verbreiteten (vermut-
lich aber christlich beeinflussten) Volksglauben befand
| sich in dem Feuerberge Ilekla auf Island die Höllen-
strafe für die Seelen der Verstorbenen, Im Gegensatze
zur kalten (heidnischen) Hölle; die kalte Pein sollt«
j durch das Treibeis der isländischen Ferner veranlasst
] sein (s. Maurer in Z. d. V. f. V.-K. 1894 , 257 ff.). —
| Keh 1 Pein (ndl. keelpijn, De Cock 144) = Kehlsucht
(s. d.). — (1680) Äo/>/-Pein = heftiger Kopf-
schmerz, Hanptpein (Gr. w. V, 1778). — Lcto-Pein
(ndd. lllfpin. Goldscbm. 106) = Leibweh. — (1752)
Lftnirti-Pein (ndl. leenpljn, De Cock 39) = Lum-
bago, heftiges Lendenweh (wogegen in Flandern
8t. Leenhard [Leonhard) als wortanlautender Patron
gewählt ist). — ,"7i-Pein (ndl. maagpljn, De
Cock 171) = Cardialgia, Magenkrampf. — Minne-
Pein (ndl. mlnnepljn, V.-K. IV, 11 ; Übersetzung des
franz. mal d'amour) s. Zahnweh. — (1766) Mutter-
Pein = Uteruskolik, Bärmutterschmerz, Krampf-
wehen (engl, grindlng pains, A. v. H. II, 827). —
Oh) Pein (1475 orenpljne — OUlgia, D. 403; ndl.
oorpijn, De Cock 136) = Ohrschmer«. — JZtff-Pein
(ndd. rietplen, Wuttke 161 ; Lauenburg) = die wie der
uralteRitto besprochene Fieberqual. — Rücken-
Pein (ndl. rugpljn, De Cock 89. 811) = Lumbago,
Ruck weh. — (1748) Sci/en-Pein (ndl. «ijdepijn,
De Cock 194; Zw. LXVI1) = heftiges Seitenstechen,
Seitenkrankheit. — Siechtums-'P&in (mhd. slech-
tuomes pin, Gr. W. VII, 1626) = Krankheitschmerz.
- .sy/,'j-s-Pein (ndd. splletplon. Wuttke 161; Lauen-
burg) -- Mastdarmschmer« durch Spleissun« der
Schleimhaut (Fissura ani). — itechende Pein
(ndl. stekende pijn, Peljpers 14) s. Stechen und
stechende Gicht*. — 7\>dV«-Pein = die Qual
und Angst beim Sterben. — An -Pein (1690,
ndl. tandpljn, D. Cock 3. 20; ndd. taehnpien [Lauen-
burg]. Wuttke 161; Gr. W. VII, 1529; [Volgtl ] Köhler,
V. Br. 292) - der Zahnschmerz, durch den Zahu-
wunn veranlasst augeuomiuen und deshalb mit Bann-
formeln besprochen. — Zu ngi n - Pein (15. Jahrb.,
ndd. pyne der tungen = linguarum poena, Lcrech 61)
= Schlundpest, Zungenplage. — Pein-6rf*
peiBSen, pis(s}cn (lndogerm. bhld [flndo]: urgerm.
blt = beissen; abd. plzzo — Blas, Kluge*, 85; 1529 ver-
bleuen — verkeilen; 1735 bissen = cuneus, Kell, 8cbm.
I, 292). — pisen - vom Beisswurm (s. d.) ge-
stochen, wild »lahinrennen (Kngel. 222; Fromm.
VI, 27). — (1538J Bein-f/npeiSSUng (elnpvyssuug
J des beln», Uyrtl, K. w. 40) = die winkelige Ein-
fügung (Verkeilung) der Gebeine. — verpeisen
(sich) = durch einkeilende Kotmassen sich Ver-
stopfung zuziehen (von Mensch und Vieh j Lippe;
Fromm, vi, :»i). — Piss- Wurm.
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Peissel— Ferch ta.
Pergament. 45!>
Peissel, m. = Pinsel (Kaltachm. i, 477).
Peiterl, n. s. Peter.
Pelle, f. {Indogerm. pel ; vorgem. pello; lat. pellis;
Kriech, zikku, Kluge *, 103; KJelnp. 59 = Fell, 1507
die bell onder den roeaaen = callu», D. 91 ; engl, peel
= sich schalen. Lehi. 93; ndd. pelle) = Schale,
Menschenhaut (Pellis). — sich (ab- pellen =
abhäuten. — TtM-Merge.
Pelz, ru. (zu Pell and Pelle [s. <!.]; lat. pellis;
ahd. pelllz; Im 10. Jahrb. aus dem [roman., mtlat ]
pelllcla — Pelz entlehnt; mhd. belliz, beiz, pelz; engl,
pelt = Fell, Haut = das bearbeitete, etwas steile, haarte
Tierfell [Wildschur], das zur einhüllenden Kleidung
diente; In dieser Bedeutung ubertragen auf) 1. —
Vulva als tnons Veneria (s. Kotz, Hannsei,
Mautze etc.) (Qr. W. VII, 1536). — 2. = der Pelz
der Stimme als eingehüllte, dumpfe, klanglose
Art der Lauttcebung {Gr. w. VII, 1535). — 3. =
Stupor, das taube, perverse Gefühl an einzelnen
Körperteilen (Extremitäten, Zunge etc.), als ob
diese mit einer zweiten, gefühllosen, fremden
Haut (Pelz od. Wolle) überzogen (avolr un chat
[Katzenpelz] dans la gorge, Brlss. 191) und die Em-
pfindung daselbst dumpf, taub, eingeschlafen
(s. d.) wäre, welches Gefühl, wenn ea nur
vorübergehend ist, unter sogen. Ameisenlaufen
wieder in die normale Empfindung zurückkehrt
(C. v. Schm. 55; Schindler I. 389; A. v. H. I. 1246). —
pelzige(r) Fuss, Glieder, Stimme, Zunge.
pelzen s. belsen.
Pengel s. Bengel*.
Pennal, D. (mtlat. pennale ■ Federbüchse, Feder-
scheide, Kluge*, 280), ). ■ Penis (wortspielend und
andeutend. Gr. W. VI, 1196; VII, 1541). — 2. = Venus-
berg (le penil) ober dem Scheideneingang.
Pensei (Temsel) 8. Pinsel.
pe-pe s. be-be.
Pepie s. Pips.
Perchta, f. (Bercht, Berchteln, -Pett.i.
Perchtl , f. (vor dem 14. Jahrb. nicht nachweisbar
[doch wahrscheinlich In i Pertcn wlsun schon im
10 Jabrh , O.-B. V. A. 1897, S. 387], eine oberdeutsche
[und mtd] mythische Gestalt, die nach Golth. 493
nach dem ahd. giperahta naht = leuchtende Nacht
benannt worden sein toll = mhd. Berchle, wahrend
Laistner II, 409 sie als Kose- oder Kurzform aus Bercht-
Holden [Prechtölterin, Prechholder, Berchtholda - die
erlauchten, glänzenden Nacht-Holden] erklärt; die
Endkurxform -Holden entwickelte -ich in den ,, Holden"
[s. d.], das Vorwort zu den „Berchten'', ,, Berchteln",
dem Schwärm der nächtlich einkehrenden Alpwesen,
die das Volk als ungetaufte, unzeilig geborene Kinder
[„unschuldigen Kinder' ] annahm. Laistner II, 402 404;
Alpbg 46 ; sie heissen auch nelmchen. Holden, «chratz-
lpln und stellen die ausfahrenden Geister der Rauch-
oder Gobnachte ror, Laistner II, 399). Aus dieser
Berchtelnscbar, ,. Kinderheer der Percht", bildeten sich
Im Volksglauben 3 besondere Schwestern (3 spinnende
Basen, 3 Hoilrätinen, 3 lispelnde Schwestern
etc.), die 3 Percht- (Petten; aus, Schicksals-
frauen, welche sogar die christliche Kirche unter die
Heiligen aufnahm; »ie waren namentlich bei der (ie-
burt der Kinder btlfstbatlg (nach Panzer 247 gilt Frau
Bercht im altbayerischen Volksglauben als eine be-
rühmte Hebamme; Sepp, Sagenschatz; Z. d. D. ö. A.-V.
1881, 183) und bestimmten das Schicksal des Geborenen
{Laistner II, 409) ; die eine hless Ein Berta (egin,
agin = erschreckende, i. Elsse) = vermutlich die
durch ihre Potz- oder Eiss-Nase (s. d ) ent-
stellte Dämonin, die Schreck-Perta (Laistner Ii,
400) ; die zweite U V Berta (wila = Weile, Stunde) =
Schicksalstunde bestimmende Perta (1. eod );
die dritte hless ; W ai Berta = wahrnehmende
Perta (Laistner II, 401 ; Nebenformen : wer-, wor-, bor-,
wal-, bar-berta). Gleichwie Frau Holle einzeln aus
den Hollen ragt, so bildete sich dann Im oberd. Volks-
glauben aus den Berchten (Berchtholden) die mhd.
Berhte, die Perchtl, der Bercht, (1411) Precht, als D4-
monln aus, welche 1) mit der 8char der elbischen
Wichtlein (Schratzlein, Helmchen, Butzen, Holden etc.)
In den Klöpfels-Nachten (Alpzeiten) nachtfahrend um-
zieht, anklopfend Kinder bringt, „berchtelt". 2) die
Menschen bestraft und mit Blindheit schlagt, anblasend
sie blendet (Z. f. Ö. V.-K. 1896, 302. 377 ; Z. d. V. t. V.-K.
1895, 234; Verf. Baum- u. Waldkult. 8 etc.; Grimm,
D. M. I. 255; Blrlinger I, 250; Laistner II, 399; Schm.
I. 194; Zlngerle 189; Z. d. D. Ö. A.-V. 1881, 211); 3) die
Perchtl nistet (s. d.) auch gerne in ungekämmten
Haaren, d. h. veranlasst Holdenzöpfe (s. d.) in den-
selben (Alpbg. 370); 4) sie tritt die Kinder = macht
Alpdruck und Nachtschrecken (Golth. 493); 5) hackt
mit einem Belle zur Strafe In Schulter od. Knie = macht
rheumatischen Schmerz (Köhler 490; Mannh. 67; H. A.
Rh. 583); 6) s. berchtlsche Trudenfantasie ; ihr Attribut
Ist zum Teil ein grosser Fuss (s. d. u. Kindsfuss), zum
Teil ein verkrüppelter Antfuss (s. d.}, der zum Knien-
fuss (s. Ogge) durch Volksetymologie wurde; 7) macht
geschwollene Köpfe (Parotitis epld., Z. d. D. Ö. A.-V.
1881, S. 183). — Kino und dieselbe Figur ist die der
Zfafirn-Percht als Wehmutter mit verwirrten
Haaren (Norne?) (Laistner II, 379; Schmeller I, 316),
welche eine echlcksalverkündende Geburtshelferin Ut,
In deren Gefolge die 8cbrntzlein oder BuUen sich be-
finden (Laistner II, 379); gegenwärtig ist sie zur Kinder-
scheuche herabgesunken, die eine eiskalte (zu : Riss =
Schrecken) lange Nase (Bützlein, Potznase) haben soll ;
sie deckt sich mit der Stampa (Stempa), Trempe, Saropa,
Frau Gode, Frau Holle. Als geburtshilflich thaügc
gute Frau (bonne dame, Liebrecht 410) schneidet sie
den Bauch auf (Erinnerung an den Kaiserschnitt?) und
tritt mit einem besonders grossen Fusse (die frawn die
do haizzent Precht mit der eysnen nas, Zlngerle 189;
behrte mit dem tuoze, H. A. Rh. 657; 1275 lareine Berte
au grand pled, la reine pedoquo - pede aucae, Schelble
IX, 905) auf (s. Janns 1897, S. 146) und durchbohrt die
Menschen mit einem Bohrer (Geburtshilfe?, Wuttke 67).
— Hilde (wilde, milde) Perchta (Berta) = holde
Perchla, Perchtholde (H. A. Rh. 555). — Percht-,
perchtische Holden, -Fantasie.
Pergament, n. (Perment) {anatom. Kunstaus-
druck für membrana [pcrgainenlcaD — hautförmiges
Blatt (Bermend): 1. = (r>61 pcrmentlein) die mem-
branartig ausgespannte Herzklappe, Valvula
cordis. — 2. = (1646) das Jungfernhäutchen
(Hymen). — 3. = (1551) der sogen. Schliem (s. d.)
oder die beiden Bauchfellblätter des (tekrrtses
(Mesenterium) (Hyrtl, K. W. 47). — Pergament-
4«0 Perical— reut
Pest.
Perical, n. (aus dem Ostind. - Dickfuss; franz.
perical; ital. perical, engl. Madurafoot, VUlaret II, 476)
= Morbus tuberoulosuB pedis = eine in Hin-
dostan beobachtete Verdickung dea Beinea mit
Ablagerung pfefferkorn- oder fiachrogen- ähn-
licher korniger Konkretionen (Parasiten?).
Periode, f. (aas dem mtlat. perlodus , griech.
rcsf.to?o^ = regelmässige Wiederkehr) = die regel-
mässig alle 28 Tage »ich einstellende weib-
liche Regel, Monatfluss, Reinigung(s.d.), Menses,
Menstruatio. — die Perioden, pl. = monatliche
od. Reinigunga-Periode (Gr. W. VH, 1545, De Cock
222). — periodisches Geschäft.
Perl, f. Perle, f Perlein, n. (au* dem lat. pimia,
perala, perela, perla |= kleine Birne] entlehnt; ahd.
perala. perula; mhd. perle; engl, pearl ; ndl perel =
der runde oder tropfenformige, kleine, meist weisse
oder hellrote wie Wasser gllnxende Auswuchs der
Perlmutter; demselben werden formell angeglichen):
1. = die wasserhellen glänzenden , vollrunden
Impf-Bläechen (Pustulae vaccinae). — 2. = (1645)
die runden, kleinen, wasserhellen, perlfarbigen
Hautblflschen beim Herpes, namentlich die
Phlyctaena s. Herpes corneae (coler, H. A. 117;
Chr. Bam. I, 325; ndl. perel. De rock 133 = pernio neu
oculorum albugo, mala albuginaria gemlnls orblbus,
Du Cange VI, 290 = margarita, Falke II, 98) = die
durch Besprechungen „abgelesene" Augenperle
(franz. Perleche, Rarmond ; Roth 407 — Spatzenecke,
Spatzenauge •)• —3. = das weisslich gelbe, kleine,
rundliche Gerstenkorn (Hordeolum). — 4. =
kleine Kropfchen auf den Stangen des Hirsch-
geweihes. — 5. = die .Schweinsfinne bei der
Perlsuchtals kleines, weisses, rundes Knötchen
im Fleische (Heyne III, 1U6; Kalke II, 192). — 6. =
Perle = paerle, s. Paralys (Schlatt) (Coler, H. a.
107; volksctymologisch wird die Paralys mit „Perlen"
behandelt). — 7. = Kankkorn (1475 der berlen of
des rnken geswelle = angina, D. 35) = als perigrosse
Milzbrandpustel im Halse der Schweine. —
(1766) .1 ugen Perle = Perle 2, Herpes corneae,
wasserhelle, bald berstende, auftretende Bläs-
chen auf der Hornhaut des Auges (A. v H. II,
1313). — rote Perle ■ der rote Bluttropfen
(dr. w. vn, 1549). — Verl- Geschwulst, Sucht.
Perli, n. Perlin, n. - l'aralysis.
perplex (Studenten-Ausdruck = perplexus = ver-
flochten, verwirrt) - geistig verwirrt (1748, Mascbenb.
507; die weisse Krau sollte nach dem Volksglauben
dies veranlassen können, Birllnger, 8. I, 341).
Persien. — persisches Feuer.
Pesel], n. (1645 = penls [Pensel, Felssei. Pinsel,
s. d.Jcervl, Coler, W. S55; engl, pizzle - Ziemer. Rute,
Knltschm.) a Penis.
Pest, in , f., n. Peste, f. Pestelenz, Pesti-
lenz, m.j D.| f. Pestin, f. (aus lat. pestis [ - pettls;
dazu skr. patli, pud — Ire ; pcstls also eigentlich die
wandernde Seuche, Plctet in Kuhn, Zeitschr. f. vergl.
öpr. F. V, 361, nach anderen zu perdere - Verderben,
Roth 409] durch franz. peste aus mtlat. pestla entlehnt ;
mhd., 14. Jahrb.. pestilenzle, pcstlleuz aus mtl. pesti-
lentia, pcatilltas, Lersch 167; dies im 10. — 17. Jahrb.
allmählich verdrAngt durch pest, Kluge*, 280; Gr, W.
VII, Ü70. 1573; Mitte des 14 Jahrb. peMileiiele, Heyne
] III, 1121; 1394 peatelenU, Gr. W. VII, 167S, 1418 pestl
! lencie = Peat, Krlegk. I. 27 ; 144« pestolenz, Lerach 186;
1552 pesste, Gr. W. VII, 1570; 1590 pestilenU, I.e. VII,
' 1573; 1645 pestem = Pest, Coler, P. 300 ; plattd. peat. m.
- pettls, Gr. D. M. II, 804 ; Anm. 2 ; Zeitschr. f. V.-K.
1893, 8. 381 ; Schwaben best, bast, m. — pettls. Bück
28. 33; Birllnger Volksth. I, 241; norweg. pesta — eine
Damonenflgur als alte rote Frau Im roten Kleide,
Schelble IX, 834), 1. = die Erkrankung oder der
Erkiankungsfall an der morgenlftndiechen In-
fektionskrankheit, der sogen. Beulen-, Drusen-
oder Bubonenpest, als der hauptsächlichsten
rt. auffälligsten akuten, tödlichen Seuchenplage
des Mittelalters, durch den 18% von Kitaaato
entdeckten Pestbacillus veranlasst. — 2. =
jede pestartig wandernde, wie eine am Mittags-
himmel heranziehende blaue Dunst- od. Sturm-
wolke (Pestis siderans) sch warmartig rasch
I sich ausbreitende, bösartig verlaufende, durch
vielfache Ansteckung viele Menschen od. Tiere
tötende Seuche (s. d.), Loimos, Lue*, Lues
! pestilentiaÜB, Plsga (plague) (6. Jahrb. Morbus
meridlanus [s. Mittagsteufel]. Rochholz I, 67), Morbus
epidemicus, wie böse, typhöse Fieber, nament-
lich Flecktyphus (und Ruhr), Blattern (1794),
Kriebelsucht (im 16. Jahrh. auch die Syphilis);
(peslilenz - ein heiss geschwind fleber, Luther; Gr. W.
IV, 2. 907; 1584 ..pestllentla, welchen Namen wir uns
auch gemein machen, darneben auch diese um sich
greifende Sucht zu zelten den Brechen [s. d ] uud
Schelmen [s. d ] bclssen", Wlrsung ; 1592 PestllenU =
Milzsucht der Schweine u. Schafseuche. Beb 167. 163:
1693 pesten, pl. ss Pestseueben , franz., 1606 peste a la
gorge, Brlsa. 186 ss Diphtherie; 1609 pestllenlz = beslia
[s. d.] - Wlldnuss, Guar. 506; 1630 pettllent as Ruhr,
Schnurrer II , 166 ; 1645 pcstilentz = Ziegenseuche,
Coler, Z. 448; 1666 pestin, f. = ansteckende Seuche)
(conf. die Todin, gelbe, kalte Pest, Rinderpest,
Viehseuche, Beechlächt etc.). — 3. = die auf-
fälligsten Krankheitszeichen bei der eigent-
lichen Pesterkrankung (1), die das Pestgift
liefernden, Geschwäre bildenden Pestbeulen,
Pestdrüscn (die der Untwurm auf teinen Flügeln
tragt [im Bilde] u. bei Verwünschungen hauptsachlich
gemeint sind. Gr. W. VII, 2J71. 2574; 1571 peslilenz =
Pestdrüse; die tr lesen oder pestilcnls, Fromm. VI, 6;
1561 pcstilentz = Pestbeule; 1693 peat — Pestbeule ;
pesten, pl. = Pestbeulen). — 4. = der KiankheitS-
damon, der unter verschiedenen Gestalten
(Drache, Lintwurm, getlögelte Würmer, Teufel,
Peslfrau, 3 Frauen, schelmischer Kobold etc.),
nach früherem Volksglauben die tödlichen
Seuchen brachte ; namentlich war es die Todes-
göttin Hella (Pestjungfrau) mit dem die Pest
witternden Hunde (Rochholz l, 159 ; Reinsberg 580).
die ah Pestfrau galt; Im Saterlande (Zeitschr. d.
V. f. Volkak. 1893. 4, 381) ist „der Pest" ein tnftnn-
licbor Unhold (s. d.); die modernen Allegorien der
Pest knüpfen grösstenteils an diese uberlieferten Vor-
stellungen au und wurden namentlich unterm Ein-
drucke frischerlebter Scucben auf Schau Müuteu zum
Ausdrucke gebracht; die letzte Pestmünze stammt
aus Regensburg (1715); (s. Pestilcntia In nummts von
Pfeiffer) ; wahrend sie so unter christlichem Kiuflusse
aln Kugel mit «lern Schwerte oder als Mann mit der
I Sense im Bilde personifiziert wurde, erscheint sie in
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Pont.
Pest,
401
der VnlktMge (Simrnck. A. I). M. .'». 74) als ..stinkende,
wilde Bestie", «las Heftige nud die <iro«»c der Seuche
personifizierend als ochsengrossc Mucke (*. d.), in
Riesengestalt oder als Riescuvogel, Riesenwurni, lelz-
tere Im Iticsendracben vereinigt; dieses wilde. Un-
geheuer (s. Palo), d. h. die Pest tasst darum, wie
der Teufel, den Menschen an, betMlt ihn. ergreift ihn,
verheert wie ein Schwann fliegender Wurm (Heer-
wurm) das Land , vergiftet es mit dem Pesthanchc
(s. Luft); sie muckert (•. d.) bald da, lwild dort, sie
zlpft (a. d.) wie eine sich entwickelnde andere Krank-
heit, sie hangt »ich an wie eine Zecke; sie steckt an
und wird angesteckt wie ein Feuerbrand, sie bricht
aus wie elu wildes Tier aus dem Walde, uud wird
darum in den Wald (Llude) gebanut (Kohler 497). AU
Eigentums- Marke der l'est galt das auf den Peathausern
Im Mittelalter augebrachte P (pestia). — 5. = Pest ist
auch die Folge der Pest, die Hungerseuche (um
pernls = mlserla fames, Du Cauge VI, 294). — 6. Pesti-
lenz ist schliesslich auch = Genius epidemicus,
Miasma (s. iL), das häutigere Vorkommen ver-
schiedenartiger ansteckender Krankt). (Recker,
d. schw. Tod 78). — pestialisch (aus pestllenzlalisch
und bestialisch [s. d.j gebildet, Andreaen 80) ■ uner-
träglich wie die Pest. — pestig, 1. — pesthaft
■ pestartig. — 2. = von der Fest befallen, pest-
krank (tir. W. VII, 153». — (15. Jahrh.) pesti-
lenzisch, pestilenzialisch (aus mtlat. pestiien-
ilalia, Gr. W. VII, 1571), l. = fjesug, peslhail, pest-
artig. — 2. = das Pest-Kontagium in der Luft,
als Pestluft, Pesthauch, Pestdampf, Pestqualm
mit sich führend. — (in») ächte Test - Pesti-
lentia legitima {Haeser II , 318), euiu Unterschiede
von anderen Epidemien, die wahre Beulenpest
bezeichnend. — AUppo-?est = eine 172H, 17ÖI,
1762, 1765 aufgetietene Peslseuche in Aleppo,
wobei sogar die Kinder mit Pestbeulen geboren
wurden, ohne dass die Mütter erkrankten {Lernen,
Med. ch. Rdsch. 1875, s. 321). — amerikanische Pest
■ das aus A menka ( Westindien) eingeschleppte
gelbe Fieber als höchst gefährliche Seuche. —
UM») anhangende Pestilenz , L m die wie eine
Zeckeo. Milbe Bich an den Menschen hangende,
ansteckende Seuche (Schmellerl, 1130; Lersch 211).
— 2. = die lange dauernde, hartnackig sich an-
klammernde Pestepidetnie. — Augen Pest =
die seuchenartig aufgetretene Ägyptische A ugen-
krankheit (s. d.). — (1389) Beulen Pest, Bubonen-
Pest, (15B0) /'n/vii Pcst die eigentliche, achte,
waure, moigenlnndische Pest (1), die mit einer
schweren, höchst ansteckenden Erkrankung u.
mit Anachwellungen (Beulen, Bubonen, Drüsen,
Bogen. Blattern, Karbunkel = Ulcus pestikn«,
vor allem in der Leisten- (Scham-) Beuge ver-
bunden war. (,,Die Altesten, sicheren auf Bubonen-
pest in beziehenden Nachrichten finden wir bei Kufus
von Kphesus, einem Arzte u. Schriftsteller des I. nacli-
christl. Jahrb.". Pagel . Herl. kl. Wochensehr. 1897,
Nr. fl, 531-680 = Pest de* Justlnlan. I cod., 558 pesli»
inqulnaria, Scbnurrer I, 132; Peljpers 98; 6. Jahrb.
morbus inquluarius, lue« clades Inqu., Peljinirs S7, all-
franz. peste qul prenoit cn Paine, Peil per« 98 ; Uli
Lues inqulnaria, Lersch 109, 1349 postllentla glanclum,
Lersch 72. 163 ; 18. Jahrh = schwarzer Tod [s.d.], Haeser
II, 144). — (1367) Blattern- Pest (grosse), 1. =
heulen- oder Drüsenpest (Lersch 183). — 2. *=
(1791) Variola ■ Blattcrnseuche (Faust'* Gesundb.-
Kaieeb. >>:i). — (1hi7) bnltisclte Pest - englischer
Schweins («. d.) (J. P. Krank VI, 433). — ganze
Festilcntz (15»9, Piu-acel«. ; Lersch 224) - gesamter
Peststoti, Infeklionsmatene. — Geflügel-Test
= Hühnercholera, cholcra des poules, durcli
den von Pasteur gefundenen , im Jlöhnerblute
sich verbreitenden Mikroben veranlasste
Hühnerseuche. — gelbe Pest, 1. = gelbes Fieber
als pestartige Krankheit (Samuel 367). — 2 = eine
547 und 6<i4 herrschende Pest (Cholera ? siehe
gelbe Cholera) (Lersch 40. 52). — groase Pesten
(Pestilenzen) = die grossen, schweren, lang-
dauernden Peslseuchen der Jahre .78, 1462,
1517, 1634, 1636 (gar grossen pestelentz, Christ.
Meyer 66; Ur. W. VII, 1571, Lersch 166. 190. 260),
la grande pesto. — (1593) Hals-Test — die
Peel 3, eine Lokalisalion des Pestgifte« in
den Lymphdrüsen am Halse (*. Diphtherie)
(cir. w. vii, 1571). — (1405; hinzuckende Pestilenz
= Seuche, die lange fortw ährt (s. zücken) (Pr. I,
M8). — hitzige Pest = Pestis acuta, febriles
Stadium der Pest 1 (Hecker I. 89). — Hühner-
Fest ^ s. Geflllgelpest. — (1838) Hunde-Test =
= Staupe, Hunds- Elend (s.d.) (Merk 329). —
(1817) Hunger-Test = der Hungertyphus (s. d.)
(in Oberschlesien; Haeser II, 636. 639). — (1699) im-
pestiert = mit der Pest behaftet (v. M 11. 110).
— indische Test, I. ■ der schwarze Tod (s. d.),
als eine von Ostindien ausgewanderte Seuche
(Palipest). — 2. = s. westindische Pest. — (1830)
kalte Test = Cholera morbus, Cholera, wegen
des Kältestadium (ätaiiium algidum), das dabei
beobachtet wird als Folge der erschöpfenden
Durchfälle (Hufcland 130). — (1799) Kinder-Test
= das damals bei Kindern sehr bösartig auf-
tretende Scharlachfieber (Haeser II, 489). — kleine
Test = Pestis minor, eine l'est mit geringerer
Sterblichkeit, die oft der ächten Pestkrankheil
(Seuche) voraufgeht oder nachfolgt und ver-
mutlich durch einen in seiner Virulenz abge-
schwächten Mikroorganismus veranlasst ist. —
Än'./<-Pest, 1. = (1810) der Petechialtyphus,
Kriegslypiius, der in Kriegszeiten höchst an-
steckend auftritt (Fuchs II, 1234; Hildenbr. 26;
Haeser II, 554!. — 2. = (17. Jahrh.) die Kühr als
Lagerseuche (Haeser II, 362). — Lager-Test =
Lagerfieber, Knegspest (s. d.). — (1830) levan-
tische, morgenländische Pest = die Beuleiipest (1)
aus dem Murgenlande, der Levante (Hufeland
128; Lersch 138; „es ist zur vollsten Evidenz nach-
gewiesen, dass in der Kbcne des Hlndostan an den
südlichen Abhängen des Hlmalaya seit uralter Zelt ein
autochthoner Pestherd besteht, den man wohl in ge-
wisser Beziehung nicht fehl geht, auch als causa pri-
mitiv« lur die übrigen inner- und ausserasiatlscben
Epidemien In Anspruch zu nehmen" [ab Oriente pestls],
Pagel, Herl. kl. Woehenschr. 1897, Nr. 6). — moderne
Pest (1668 pestis moderua, Janus 1897 , 8. 163) as die
damals (1666) zu Toi nach lu Belgien herrschende
Beulenpest. — ohnmächtige, (16. Jahrh ) amächtige
Pestilenz = (Luther; <;r. W. 1, 276) Pestis ititir-
moruiu, «ine fest, die nur Sehwache befallt. —
orientalische Test = s. levantische Pest. — (1699)
PfeJJer-Test (ndl. peperpest. v. M. II, 121) = das
| epidemische Pestfieber mit pfetferkorn- (s. d.)
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Test.
Pesteme— St. Peter.
ähnlichem Hautausschlag (Petechien); daher in
Verwünschungen: wo der Pfeffer wächst = dass
da die Krftnk (hättest). — {17. Jahrh.) Pferde-
Pest, 1. = jede ansteckende Rosskrankheit;
hauptsächlich aher: 2. - die epitootisch auf-
tretende Pferde-Influenza (s.d.) (Kr. u.r.ss»; it. a.
507). — (1*12) Aindcr-Pest = Pestis houm, hovilla,
Typhus hovilis, eine typhusartige, mit Lungen-
entzündung und wurslförmigen Membranab-
güssen (Kocb) im Darmkanale, auch Kuter-
bläschen (nach Falke II, 74. 238) einhergehende
Rinderaeuche- Loserdürre (Förster II, H2; K. u. P.
III, 786; Gr. w. VIII, 971). — rote Pest (engl, red
pestilence, Shakespeare ; I.ersch 276) = der mit roten
Petechien gekennzeichnete Petechialtyphus als
.Seuche. — (1843) & haj Pest = die auf Schafe
übertragene Kinderpest (K. u. P. III, 766; Zlpp.
6id; Falke II, 266). — (1644) scharfe Pestilentzen
= höchst akute, schwere, fieberhalte Pester-
krankungsfalle (Gr. w. VII, 1574). — dYW«nr.-Pest
- die (856) aufgetretene Diphtherie (Lersch >9) als
Zungen pein oder Schlundkrankheit mil pest-
artiger Ausbreitung (s. Schulpeal) = pestls gut-
turuosa = eine (anter Eduard II. ton England 1307 bis
1327) nach einem Morbus dissentericus aufgetretene
fieberhafte Hritune 1 (s. 8. 65 b; Du Cange VI, 144). —
(17. Jahrb.) schnelle Pestilentzen ■ rapid sich
ausdehnende, grassierende Pestseuchen (Gr. W.
VII, 1674). — 6cAui*-PeSt (Anfangs des 15. Jahrb.
, .schule = sinanebe"' [cynanche] i. re*tisl = pestls],
D. 536) = Diphtherie mit Croup als Epidemie in
den Schulen (peste ä la gorge). — Schweine'
Pest, l. = die Schweineseuche. — 2. = Schweine-
(Stäbchen-) Rotlauf. — 3. = verschiedene andere
seuchenartig auftretende Krankheiten beim
Schweine; besondere 4) = infektiöse, brandige
Lungenentzündung, die namentlich in Nord-
amerika, Schweden und Dänemark unter
Schweinen herrscht (engl, hlp pcsUlenc«; auf der
Insel Marajo = Quebrabnnda, Villaret I, 1S5J. — (1529)
seltsame Pestilenz = neue epidemische Krank-
heit (Paracclsus d. lmp. J 4). — sibirische Pest =
Milzbrand als sibirische Pustel (Pierer XI, 969).
- strenge Pestilenz -scharfe Pestilenz. — (1794)
wrpestet, 1. = an der Pest erkrankt. — 2. =
übelriechend wie Pestleichen (Faust, Gesundh.-
Katechism. 86). — (1810) PifA-Pest, 1. = Viehseuche
im allgemeinen. — 2. = Rinderpest, Löscrdürre
(spez.) (Falke II, 411 ; Hlldenbr. 18). — (1842) west-
indische Pest = gelbes Fieber als Seuche in
Westindien (Falke II, 436), die auch als amerikan.
Pest nach Kuropa eingeschleppt wurde. — (1709)
icirklich; Pest = die eigentliche beulen pest
(Haeser II, 413). — (1872) Zu gen -Pest = die Rinder-
pest auf Ziegen übertragen (K. u. P. III, 76«). —
Pest-, Pestilenz-, pestilenzialische Anfall,
-Auswuchs, -beulen, -Blase, -Blatter, -Bräune,
•Brand, -Büttel, -Dampf, -DrUaen, -Dunst,
-Eiter -Engel, -Fall, -Fieber, -Flecken, -Frau,
•Geruch, -Geschwür, -GeschwUr, -Geschwulst,
■Hauch, -Hitze, -Kohle, -Kolik, -Kopf, krank,
-Laufte, -Leider, Mal, -Materie, -MenscJt, -Kot,
-Patient, -Plage, -Qualm, -Samen, -Srfiaden,
-Schlieren, -ScJncären, -Seitenstechen, -Seuche,
-Staupe,-Sterben, -Strahl,- Striemen, -Sucht, - Tod,
- Typhus,Übely - Vergiß,- Weibel, Zeichen,- Zeiten.
Pesteme, 1. = Apostem (s. d.) und Posteine.
— 2. - Pest (s. d.).
Petechien, f., pl. Petecken, Petecher,
Peteschen, PetetSChen (aus franz. Petechie; n.-lat.
pctechla, seil. Purpura; ltal. peteccle, petecchio; dies
ans lat. petigo [Impetigo] = Räude, und petlcula; 1083
piticuli, Lersch 76 = kleiner Hautausschlag, Z. Hdb.
XIV, 1. 321; petigo = genus morbi, Lucilius; 1083
piticulae = petechlae, P. Frank; Haeser II, S39; nach
anderen Ton pittacium , -iTtäxtov = Salbenleder,
LedcrpflAster', Roth 409; 1505 febris qnam lentlculas
vel punctlculas aul petlculas vocant, Haeser D, Anh. 57 ;
1505 pestichlen, Schnurrer II, 67; 1688 febres pestilentea
vulgo dictae cum slgnls [s. Segen u. Zeichen] sire
pctechlls, Haeser II, 833; 1620 pedocken. Z. f. d. Philol.
XXVI, 248; 1690 pedaetsch oder geschwer [Pestkar-
bnnkel; Steinmaler, Marian. Schatzkammer 194] ; 1699
petecken - Pelcchienfleber, v. M. II, 121 ; 1730 btdecker
= Flecken, ürtpiell 1897, 168; 1749 petetschen =
Petechialtyphus, Z. f. d. Philol. XXV, 248; 1766 peit-
schen = petechlae, A. v. H. I, 410; 1760 petecken.
Wallbg. 3-S3; 1761 pclaetschen = Fleckfieber, L. ch. 33;
1776 petetschen, Plenk; Rehrend 5; 1792 peteschen,
Nicolai IV, 63), 1. = (franz. pourpre; spaa. tabardillos,
Du Cange VI, 295) kleiner, rotgedeckter, fioh-
sticharliger Hautausschlag durch Blutaustritte
gebildet in Gestalt von mohn-, hanf- bis
erbsengrossen , roten, dunkelbläulichen oder
bläulichroten Tüpfelchen (Z. Hdb. XIV, l. S21).
— 2. = Febris pestilens s. maculosa (Gr. w. VII.
1579) = fieberhafte Pest mit Pestflecken (s. d.).
— 3 = Febris maculosa s. petechialis s. puh-
earis, das Flecklieber mit flohstichartigen Pe-
techien, Petechialfieber, Flecktyphus (s. d.)
(Schmeller i. 414). — Petechial-, Petetschen
Fieber, -Krankheit, Mosen, ■ Typhus.
St. Peter. St. Petrus' volksübliche Gestalt fit ein
bärtiger, kahlköpfiger Mann, der als chrisil. Heiliger
den Thorhüler an der Himmelspforte im Volksglauben
i darstellt, als Wolf- und Rrandpatron aber in manchen
Punkten seines populären Kultes (s. Kullkaleadarium
in Z. d. D. 0. A.-V. 1893, S. 197 ff.) eine altere heid-
nische (Jesuit ablöste; dies um so wahrscheinlicher
als sein Palroclnium noch in halbheidnische Zeiten
fiel; daher auch seine Reziehungen zu 1. = Penis =
Peiterle (Pelerle, St. Pelerstab, St. Peteretamni)
= (1590) Petermaun (s. d.) (Gr. W. VII, 1577 ; 8chm.
I, 414). — 2. = (elbisch) kranker Mensel». —
Bläss-Teter = einer, der einen Petruskopf hat,
d. h. eine Blässe, kahle Stelle (Platte) auf
grauem Haupte. — Früh-Tater, 1. = Frühling
(s. d.). — 2. ^ Früh-Kind (s. d.) = Frühauf
(Gr. w. IV, L 297. 319); hier ist Peter als häufiger
Bauein* Name zur trivalen Beigabe geworden.
— i/äf«cA*-Peter (Nürnberg; Schmeller I, 1192 =
eiu nur schwankend, hatschend (s. d.*) eich
vorwärts bewegender, unbehilflicher Mensch.
— A'aizcn-Peter = B. Ziegenpeter. — Kuh -Peter
-s (wohl nur eine volksübliche Entstellung des Schweiz.
Kubpriester, Rriester) - Colostrum, Plucenta ex
OOiostro (Gr. «r. II, 3; V, 2662 ; 8chmeller I, 274). —
S/rwcW-Peter = s. Strobel. — Ziegen Peter =
Parotitis epidemica: 1. = die Ohrdrüsen -Ge-
schwulst (Mumms, Tannwätschel etc.), welche
I als Tierkrankheit bei Katzen und Ziegen am
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Peter nnd Paul— Pfannp.
Pfarre— Pfeife.
463
häufigsten vorkommt (Meyer, Konv.-Lex. \ VI. 2-">fi)
und den Menschen so entstellt, dass er einem
blöden Tölpel (s. d.) gleicht, den man nur
zum Ziegenhüten verwenden kann iWuttke 307;
Kraus, K. 744; Köhler, V.-Br. 411; Kichborst, I. 616);
der Gedanke an ein elbiachee Wesen, der hei
anderen Namen dieser Krankheit wohl gegeben
ist (vergl. Mumms etc.) (Gerland, Zeltschr. f. d.
Pbllol. I, 310), fällt hiebei weg. — 2. = der Fei fei
(a. d.), Ohrspeicheldrilsenentzundung b. Pferde
(Meyer. Konv.-L. XVII. 101«; Zipp. 390). — Peter-
Mann.
Peter und Paul - Mammae feminae, die
beiden Brüste eines hochbusigen Weibe«, die
wie die 2 Kölner Kirchenglocken St. Peter und
Paul herabhängen (Wackern., Abhdl. III, 96. 154;
man prämiiert solchen Frauen am St. Peter- und Paul-
tag, Gr. W. VII. 1675).
Petik (Peddik, Pedek), 1. = Pottich (s. d.),
Leib, Rumpf. — 2. = auch das Caput absces-
sus, der Zellgewebspfropf (Kern) im Geschwür
(Goldschm. 91; O. II. 249).
petachen = wie eine Petze (= Handln. Kluge5,
281) hörbar kauen (Gr. w. vn, 1580).
petzen = pfeUen.
Pfi (österr.) = Pferd (2. f. ö. V. K. 1896, 284)
pfacheil = pfuchen (Nebenform; Schwei»; Gr. W.
VII, 1581) = niesen. — AocA-pfachen (heche peeben,
Fromm. VI, 211) = mit Anstrengung hörbar laut
und in ethöhtetn Grade Atem holen.
Pfatzlein s. Pfötzlein, Pffltzlein.
Pfaffe, m. — Pfaffe (Räsa; = clericus minor;
6. Jahrh. durch grtech. Kirchen-Vcrmlttelung über-
nommene« Wort; altnord. pape, Kluge*, 281; die
geistlichen Herren standen beim Volke Im Kufe von
wohllebenden, den Sinnen gen liasen sehr ergebenen
Menschen; 14. Jahrh. der ptafi — Colostrum, O. 133)
= PrieBter, Prieslermilch , Biest, Biesimilch
(s d.). — Pfaffen- /../ms, -Schnitzel, -Zink.
Pfahl, m. (ans lat. palus [dazu <pa>.o«, pballus],
In [vor abd.] erstem Jahrh. entlebnt; ahd. pfäl; mhd.
pfal. Kluge*. 281. XIX = der iloUkcll) = Penis. —
der Pfahl im Fleische (Gr. w. VII, 1698) ■ ein
schweres körperliches Leiden (Bibelsprache). —
Pfahl-B««.
Pfalatlne , f 11592 die Halatine so etliche den
(erstochenen Slul [s. d.] haben verteuscb, Seb. 176;
aus dem frans, palatlne [palatum] verdeutscht xu Pfahl
[Stichel]) = der geachwürig zerstochene Kern
(Staffel, Stuhl) am Gaumengewölbe des Pferdes j
I palatlne ist nach Brlsa. 276 — la palaslne, palacin =
paralysis = Parelysis agltans, gewiss ein Beispiel der
volksetymologischen Verlrning).
Pfalz, f. — pfälzische Seuche.
Pfanne, f. (In vor-ahd. (6. Jahrh.] aus lat. pannus
= nachvertieftes Melallgeschlrr, Gr. W. VII, 1615 ent-
lehnt = pannä = Kalxpfnnne; ahd. pfannn, pbanuä,
mnd. pfanne, Kluge*. 282; engl, pan as Schüssel,
Pfanne [paüna? patella]; angls. ponne; formell au-
geglichen, wie vielfach bei Kuchengeraten pfanuen-
ihnllcher Körperteil, und swar) 1. = ahd. phanna;
1687 pfaennlein, Hyrtl, K. W. 27, Anat. 342; Georg. 391)
= Acetabulum (s. Schüssel), die schüsselförtnige
Gelenkgrube für den kugeligen Oberschenkel-
kopf am Beckenknochen. — 2. = die gleich-
gestaltete Gelenkgrube am Schulterblatte (Bug)
für die Kugel des Oberarmes, Achselgelenk-
höhle (Heynu III, 1127; Zw. 24; I). 155). — 3. =
die Kopfpfanne oder Hirnschale (Cranium)
(schwed. panna = Slirnschadel). — 4. ~ die kleinen
Grübchen an den Mundwinkeln (Gr. W. VII. 1625;
Erbe 30). — B> Pfanne (IS. Jahrb. breghen-
pannc — cranium, D. II, 117; testa capitis, D. II, 363;
engl, brninpan, Lebf. 116) = Hirnpfanne s. Bregen.
— Orlen k- Pfanne - Pfanne 1, 2. — Haupt-
Pfanne («ugl. heafudponnan = caplule, D. II, 78;
headfodpanne; engl, headpan — calvaria, rotunditas
capitis, D. 91) - llirntopf, Schädel, Kopfpfanne,
Hirnpfanne, Hirnschale. — Hergen-, Hirn-
Pfanne (alUtchs. heruc : . 1420 hirneponno =
cranium, testa capitis, ü. 155. 581; II, 363) = die Hirn-
schale als Kopfpfanne (holl. hertenpan, Scbmeller
1, 1194; Hersenbeckon). — fityt-Pfanne = Pfanne l
(Heyne III, 206. 1127). — Ante- Pfanne = Knie-
scheibe (engl, kneepan, Lehf. 61). — (1594) Kopf-
Pfanne — die (bei den heidnischen Germanen und
christlichen Priestern als Trinkschale bentiute) Hirn-
schale des Menschen (Cranium; s. d. Verf. Bauin-
u. Waldkult.. S. 79; Gr. W. V, 1778; Corresp. Bl. f. A.
1*82. s. 47). — Pfannen-Gatte, -Stielchen.
Pfarre, m. (ahd. farro, far; mhd. varre, var =
, Farre 1), Ochse. — Pfarren -A der.
Pfaulmon, n. (Strassburg, 1592 „Pfaulmon welches
etliche das Fratt verstehen, frantzöslch Du paumon",
Seb. 17C; die betr. Abbildung deutet auf die l.ungeu-
und Bauchgegend, paumer = manger a pleines malnes
[palma manus] paumiotter — revouager) = Kuppen.
Pfecker, m. - Pndex, der den Naturlaut pll'k
von »ich gibt (Tirol; Hlntner 7. 17) (s. pfetteln).
Pfeffer, IB. („vor der ahd. Zeit aus lat. piper ent-
lehnt", Klugo5, 282). — Pfeffer- und Saizl'ass,
1. - ilie oberen, bei Lungensüchtigen besonders
eingesunkenen Scblüsselbeingruben, zwischen
welchen der Hals als Stiel genommen ist. —
2. = die Augengruben bei Pferden (Falke II, 258).
— Pfeffer- Körnlein, -Pett.
Pfeife, f. Pfeiferl. n. pfeifen (aus uuiat, pipa,
vor dar abd. Zelt entlehnt: ahd. pfifa, pbifa; mhd.
phifo, pflfe, Kluge*, 282; mnd. pypen, Mag. Barth. 89a
= Pfeife [V aus Knochen); tlbla = ScblenbcinrOhre,
Pfeife, Flöte; dieser Pfeifenrohre wurde formell an-
geglichen) 1. = das röhrenförmige Schienbein,
Tibi«, Canna major, Beinpfeife (Hyrtl, K. W. Ulj
1507 eyn scheen van de been off pjpe = tlbla, D. 682).
— 2. = die Luftröhre (frans, le luterlau [Indre),
Briss. 63, Tongerat; arab. al'üd; canne du poumou),
«las Gurgeltohr, als Lungenpfeife und stimm-
erzeugendes Schallrohr, Trachea, Fistula spiri-
tualis s. pulmonum der A rabiaten (post Gale-
nutu); (mnd., nach MagUt. Barth 89a von dem halse
geben 2 pypen ; die eint- gehl xu der luuge und brinm
den atem xu «lern berxen ; die andere traegl die Hpel&c
xu dem magen ; die pvpe die dem hatten den atem
, bringt die gibt unterstunden buesu lutt von sich und
davon kommen die febres und das hoisst da« kalte
[«. d.] oder den riten [rede]; so thut auch die andere
| [pype], dl« xu dem magen geht, wie die Speise mannlg-
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4ß4
Pfei..
preisen— pfetteln.
faltig ist und der inagcn sie nicht verdauen kann,
davon wird die Tertiana [febris] und die Quartana und
die Qnotidiana; 1590 pfelffe = trachea, Gr. W. VII,
1644 sub f; 1632 pfelilen - trachea, Hyrtl, K. W. 134).
— 3. = die Harnröhre, Urethra, Penis, Mem-
bran virile, Fistula urinalis, Harupfeife(Pippe),
die den Harn durchlaufen lässt (Gr. w. VII,
1644; Hyrtl, K. W. 74; Schmellcr I, 422). — 4. = das
Darmruhr, das den Darmkot unter Geräusch
abgehen lässt; auch (1776, Uelm 17) - Duodenum
beim Kinde als Ansäte am dudelBackähnlichen
Magen. — 5. = (conf. engl, wombeplpc) VV'am pen-
pfeife, M ti ttersc beide, Multeihais (Kaluchm. I;
dan. madplbe; engl, ineatpipe — Fleischpfeile, Speise-
röhre). — pfeifen, 1. = cacare; zu Pfeile 4
(Schneller I, 422). — 2. — mit Geräusch atmen.
— er pfeift auf dem letzten Loche = stirbt
mit blauenden Raagelgeräuschen (Köcheln). —
Pfeifer, 1. = einer, der pfeifend atmet. — 2. =
die dabei peisönhch gedachte Krankheit
(Wackern., AbhdlR. III, IM), die dieses Pfeifen ver-
anlasst. — Pfeiferl » die kleine Pfeife (3). —
Pfeifein — r-eifeln (s. d.), OhrdrUsenansch wel-
lung beim Pferderotze (Mayer 189). — anyeji&Sen
= durch das Anfauchen, Anblasen (s. u. uud
Anwaht) von Seite elbischer Dämonengeslalten
durch Blattern krankgemacht (Kopigeschwulst,
gtschwollenes Maul etc.) (Alpbg. 63. 349). — Bein-
Pfcife (ahd. pelnflfa, Graf! III, 830) = die beinerne,
pfeifenartige öchieubeinröhre (singendes Bein,
Tibia). — auf der GoftoacArer-Pfeife blasen
(henneb. ; SplessII, 827) = den Gottesacker-Husten
(s. d.) so lange ertönen lassen, bis der Tod ihn
bescbliesst. — (17. Jahrb.) Harn-Pfeile = Pfeife3.
— Kehlkopf- Pfeifen = Lungen-Pfeife. — Luft-
Pfeife (holt lucbtpljp) = Pleife 2. — Lungen-
Pfeife, -Pfeifen, l. = Pfeife 2 (Hyrtl, k. w. ios),
Lultpieile; (conl., engl, wind pipe — Luftröhre,
Lehf. 209, the pipe of the hing», Kaltacbm.). — 2. =
das haite, pfeifende, horoare Atmen oder der
Pfeiferdauipf (s. d.) infolge von Lahmung der
Kehlkopfmuskeln bei Pferden (Herbst 16; Falke
ii, m). — (i6»o) Aami-Pfeiien - das pfeifende
Schaufeln ans der Nase beim Almen, Sibilus
narium (Gr. W. VII, 414). — rayende Pfeife =
Penis erectus (Pfeile 3) (Gr. W. VII, 1644). — <i5»l)
Awci-Pfeife — (Übers, der) t istula Sacra s. longa,
die hohle Wirbelsäule, Wirbelkanal (s. Kuck)
(Had. Jun.; Hyrtl, K. W. 132). — Pfeifer Backen,
-Dampf.
Pfeil, m. (aus lat. pllum = Wurfgeschoss entlehnt,
Kluge", 282. In den gewalttbaiigen Zeiten des Ger-
manentums dachte mau sich die Krankheitsdanionen
mit denselben Waffen wie die Feinde ausgestattet;
daher sendet sowohl der Elb [Mittagsalp] wie der Tod
seine Pfeile [Sonnenstrahlen) ab, mit denen sie ihre
Opler erlegen, Gr. D. M. 407, I.iebrecht 182. Bei den
Slaven senden die Vilen [ — Mittagsalp] Melle ab und
veranlassen Sonnenstich [AlplraumJ, Urquell I, 42
[s. Geschoss;. In der Hurgkapelle des Schlosses Bruck
in Tirol beiludet sich ein Fresko-Gemaldehlesie. Jahrh ),
auf welchem Gott Vater vom Himmel herab Piene
auf die Menschen mit einem Bogen abschiesst ; diese
Geschosse [s. d.J zerknicken an dem vorgehaltenen
Schutzmsntel der Muttergottes zlckzackfrirmlg, Bartels,
Mediz. d. Natur-V. 27).
; pfeisen, pfiesen, Pfies, Pfüsel (ein den Laut pfi
nachahmendes Wort, mhd. pfisen — blasen, sausen,
Gr. W. VII. 166t. 1707 ; 1661 pfeisen = Stridor denüum,
Gr. W. V, 847; 1618 pfeiaer, = libilare, Stridore, Schm. I,
442) = ein blaseudes, zischendes, sausendes,
knirschendes Geräusch machen beim Blasen,
Schnauben oder Kauen. — Pfies, f. = eine
aufgeblähte, knisternde Geschwulst (Emphy-
sema cutaneuui) (C v. 8chm. 62; Schw. 519). —
pfiesig, 1. »s aulgedunson, biästig, geschwollen.
— 2. = pfeifend atmend als Lungensilchtiger
(Schmellcr I, 442) — (phlhisicus). — auf yi pfiesen
— aulgedunsen (('. v. Schm. 62). — (1609) Sa»en-
Pfeisen, (1569) Pfüsel '-m pfeifendes oeräusch
aus der Nase erzeugen, z. ti. beim Schnupfen
(Gr. W. VII. 414. 1664). — (1683) C/Vrn-Pfeiseil =
Sibilus, strepitus auriuui, Ohrtosen, iusobrig-
I keit, ein sausendes, losendes Geräusch im Ohre
empfinden (Gr. W. VII, 1664; Zw. 680; Schm. I, 442).
— (1756) rrrpflest = durch LtiiphysetuacuUneum
ganz aufgedunsen und verscüwollen (c. v. Schm.
62; A. v. H. 1, 589; II, 876). - pf eisende Stimtne
pfend = fent, behend, schnell.
Pfenne, f. s. Pfinne.
Pferch, n., in. (4. Jahrb. parc, mtlat. i arcus ; ahd.
pferrih; mbd. pferrlch, Klug«1, 283= Umzäunung für
Tier«; lös« l'ferdsperlcb. Seb. 193). 1. = thenneb.,
scherzhaft roh) Wochenbett, Keinigung (Spleas II,
181). — 2. - Pferdekot deB Pfercüslalles (lt. A.
266). — (17. Jahrh.) pferchen = Kot entleeren. —
Pferch-Z>«rc/ya»i(/.
Pferd, n. (das Wort ist ,,cin verstümmelter und
unverstandener Mischling aus drei Sprachen", Kuhn,
Ztschr. V, 72; mtlat. paraverdus, parafredus, pars
grlecb., veredus keltisch - Nebenpferd, l'ottpferd
auf Nebcnstrasscn — Boss, Gaul, das ausgewachsene,
mit gekerbten Zahnen versehene, grosse, starke, un-
gestüme, sogar seinen Beiter [Ritter] edelnde , bei
den Germanen der jüngeren Steinzeit nachgewiesene
Opfer- uud Nutzlier [Boss] tm Gegensatze zum Fohlen,
Abiig. 3, als Fferd treten auch Dämonen [«■ Hexe,
Waldleute, Mar, Wildleute, Wasserleute] auf, H. A. Rh.
17». 228. 414). — pferd'g (ndl. peerdlg, De Cock) =
rossig, brünstig. — (i7J6j ,4u</ Pferd, -Pferdchen
as da» mit dein springenden Plerde, verglichene
(Dornbl. 54), stärker sichtbare Biinxeln, Iris-
und Wimperzucken beim Menschen (A. v. H. U,
403; Gr. W. I, 809; Kirsch 671), liippus, Nystagmus
bulbi (Kraus, K. 471). — kteamugige Pferde (1592
„Ks sein Fferd, die man Dextarioa ( ■ Zelter) nennet J
das Ist, die Begluckten, welches man verstehet von
den Klessäugigeu oder mit dem roemlschen Schwerdt
(l. Degen) bezeichneten, deren eins des grossen Keysera
Alexander Bucephal oder Bockefal gewesen sein soll,
(Seb. 187) — klutzäugiger, grossäugiger, mit detu
romischen Degen gezeichneter Zelter. — Pferde-
Awtsatz, -Blattern, -Brunst, -Feige, -Fieber,
■Fuss, -Gicht, -Influenza, -Kamp, -Kolik, -Kotler,
•Koortwn, -Mayen, -Mar, -Mauke, -Milz, Fent,
•Foiken,- Baude, -Seich, Staupe, -Stein, -Sterben,
; - Tod, - Typhim, -Zahn, -Zehe.
Pfetsche, f. Pfetschen Kind*.
pfetteln, pfetzeln, pfetzen (petzen) pfitzen
(1777 pettcren - pelcro, forire, cacare; petterer sa for-
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*
Pfies— Pfiffiz.
Pßnn(a,en)-Pflätter. 465
olu*. D. 2M) = den Naturlaut pfft bei der Ent
leerung von flüssigem Stuhlgänge mit Darm-
gasen erzeugen, einen kneifenden, kneipenden,
grimmenden Leibschmerz dabei empfinden. —
pfetteln = wiederholt fisten (Schmeller I, «5). —
Pfettenmg (ndd. petteringbe = fori», D. 242) - Cu-
catio. — pfett(e)zen (ein hysteron proteron ; 1483
pfetxcn m grimmen, Zening. Voc. y 7; 1725 pfatzea m
kneipen, nagen ; die würmer pfatzen die klnder, Thes.
un. Kr. 168; 1742 das ptetsen an den sennadern,
Zw. 398; Schm. I, 446) = kneifende, krampfende,
stechende Schmerzen im Leibe, unter den
Kippen, in den Muskeln empfinden, z. B. bei
Diarrhoe (Wadenkrämpfe bei der Cholera)
(Künigssp. 49 ; auch die Hexen pfetzen, wie elbische
Dämonen in Wurmgesialt, den Menschen, K. Schmidt
17; s. anch pföuen n. Pfütze). — Pfltz- Wurm.
Pfies, pfiesen s. pfeisen.
Pfifferling, m. (mhd. pflfferllng = ein wertloser,
wenig geschätzter Pfefferschwamm , Klage 5, 283) —
Kot, tierisches und menschliches Exkrement
(ür. W. VII, 1698).
Pfifft*, m. Pfiffts, in. Pfifft, n. Pflpf , Pflps,
Pftpps (vor der ahd. Zelt in urdeutscher Zelt, als der
Ganschandcl der germanischen Stamme noch nach
Rom ging [Kluge *, 109] und Im Anschlüsse an die
rom. Geflügelzucht [Kluge*, 284] aus dem lat. pltulta
1= tSchleim, Schnupfen, Zips] entlehnt [s. weiteres);
ahd. plfflz. pfiffU, pflpflz, Kluge*, 286 = Pips ; 11. Jahrh.
phiphU = pitulta, morbus gallinaram, H. Z. III; 12. Jahrh.
ütflz — pltulta, caligo . phlegnia oculonim, morbus
capitis, morbus gallinarum in lingua, H. Z. XV, 345 ;
pitalta, plciuta -- morbus galUnae. infirraitas in lingua
galllnae, pipldo, lapeple. Du Gange VI, 312 339; mhd.
pflphich, pflpflz, pbiphiz = eine Verhärtung an der
Zungenspitze des Federviehes = pitulta, pipita, Lcxer
187; Gr. W. VII, 1699; 15. Jahrh. blpcz = cat&rrbus,
pitulU, D. 106; pflpflz, pfiffe« = Pips, Zlpf; phiflez sa
pltulta, D. n, 293; 1508 pflpfleh = Schnupfen, Gr. W.
VU, 1704; 1510 pflpfs, pflpf = Kluck, Pips. Hühnerweh,
Gr. W. V, 1258 j 1517 pfüpsltt = pllultosus, den Zlpf
oder Pips habend, Gr. W. ; 16. Jahrh. pflpfltz = Pips,
Gr. W. VII, 1704; 1566 pflpfs = Pips, 1. eod. ; 1661 pfiffe
= Pips, Gr. W. ; 1576 pflfsen = den Pflts, Pips, Zlpf
haben [v. Hübnern], 1. eod. ; 1680 pflpsen = am Plpa
krank Min [y. Hühnern], 1. eod. ; 1587 pflfftxig = pltul-
tosns, D. 439 ; 1692 pflpffsen = Hühnerkatarrb, Seb. 127 ;
pflpffUen, plffis, Seb. 127; 1680 pflps = Pips ; 1699 pflpfftz,
pfipffs sa Hühnerkrankheit (s. d.], Katairb [Influenza],
weisse Warze oder Parpen an der Zunge des Kalbes
und Huhnes, v. M. I. 73. 91; 1716 pflpfe = Hühuerpip* ;
18. Jahrh. pflpfs = 8chnupfen mit Hüsten , Gr. W. ;
Schmeller I, 1144; Schw. 490; Alem., Schwaben Pflpfes,
Pflffls, Pflpfls; Schweiz Pfiff], n. sc Hühnerpips, Erbe 30;
Gr. W. VII, 1698 ; mUat. pitulU), 1. m Humectatio vel
inflrmltas qua* faclt caplta gallinarum dintorquere. —
2. = caligo Tel flegma oculonim (Mascher, Greck). —
3. = catarrhus (D. 439). — Pfiffiz (und seine Neben-
formen), 1. = Pituita (= Pips od. Zipf, s. d.) od.
Nasenschleim, der ein pipsendes, pfeisenden,
pfeifendes Geräusch in der geschwellten Nasen-
höhle macht, ähnlich dem Pipsen des Feder-
viehs = Coryza, Qravedo, Phlegma oculorum. —
2. = dasselbe Geräusch beim Federvieh infolge
einer krouposen oder pilzigen Verhärtung an
der Zungenspitze und in der Nase (Morbus
gallinarum) , dieser weisse Pilzbelag auf der
HUhnerzunge, welcher als Zipf „gelöst" wird
(Schmeller I, 1144). ist auch = Pips und Pfiffiz. —
8. = dieser epizootische Pilzprozess findet sich
mit einer Federmauserung auch am Borzel des
Federviehs; er heinst ebenfalls Zipf od. Borzel
und entspricht diesem Pfiffiz (s. auch Mause)
(Schmeller I, 1144. 1666). — 4. = der krankhafte
Zustand des Hfihnervolkes bei dem Zipf oder
Pips ( = zipfen, pipsen) ist alß eine Art Hühner-
weh verallgemeinertauf den reizbaren, krän-
kelnden Zustand, in dem sich die kluckende
Bruthenne befindet. — 5. = daraus (1 — 4) er-
gibt sich, dass der katarrhalische Schnupfen
beim Menschen (Pituita, Phlegma oculorum,
Morbus capitis = fiffiz), im 12. Jahrh. bereits
mit dem Höhnerweh, Zipf od. Pips des Hühner-
volkes verglichen u. letztere Namen auf mensch-
liche und tierische Krankheiten übertragen
wurden, und ist deshalb Pips, Zipf, Borzel,
Hühnerweh und Mause: a) Influenza (Grippe)
epidemica; b) Epidemie überhaupt; c) Aph-
then (?) beim Kalbe (1699, v. M. I, 73). — 6. = rait
dem allgemeinen Hühnerweh (s. ob. 4) der
Bruthenne (ohne Pilzbelag) verglich man auch
den reizbaren Zustand der kinderbegehrenden
Frauen (Gr. W. V, 1268) (s. auch Hühnerweh,
Kluck und Zipf). — 7. = Pfiffiz (Pips) ist auch
= Hymen virginale, dem weissen Zungen-
häutlein des Federviehs angeglichen (Gr. W. VII,
1699). — pfiffig, (1587) pftftzig = mit dem Pfifft
oder Pips behaftet, pituitoxus (Gr. ff. VII, 1698;
D. 439). — PflffikUB (dem Physicus nachgebildet) =
ein besonders schlauer Mensch, dessen Gehirn
vom Wust (s. d.) = Schleim (pituita) mehr als
sonst gereinigt ist (nach alter Lehre).
Pflnn(a, en) s. Finnen. — Pfinnigkeit = Finnig-
keit (Seb. 156; 1617 pflnnen ss furfures c&rnlum, D. 253).
pfipfern = quieksen, pipsen wie eine Maus
(Kirsch 764).
Pflsel, m. = Fisel (Hageschwanz) (Blrlinger,
8. I, 127).
Pilsen s. Pfeisen.
pfitzen^(i53o) potzen, pfetzen, pfetteln (s.d.),
aufsiossen mit Schmerz (Künlgssp. 48).
Pflusel(mhd.) = Coryza, Pnüsel, Katarrh (Gr. w.
V, 273; Kluge*, 290; sub: pusten).
pflänzeln (pflienslen) (zu mhd. vlans, m. = der
offene, verzerrte Mund, I^exer 346) — mit offenem,
durch eine verstopfte Nase (Polyp) verzogenem
Munde näselnd sprechen (Schw. 205) (s. Flansche).
Pflätsche, f., 1. m «. Bletz, Blätsche = breiter
Wundfleck (Spleas II, 28). — 2. = breiter, hftss-
licher Mund (Erbe 30). - Pflät8ch-*Vaw.
Pflätter (Pflötter, Pfletter) (m piadem oder
plödera =■ rauschen, brausen, ploderu) = eacare, beim
weichen Stuhlgange plodernde Darmgase ent-
leeren (Schmellerl, 456) (s. plodern, pllütterig). —
Pflöttern, f. = Diarrhoe mit hörbaren Kotgasen
(Schmeller I, 463). — AVi Pflätter = Ephelides,
Sommersprossen, Kukukflecken, die wie Kuh-
kot ausgespritzten Schmutzflecken im Gesichte
(Buck 63; Blrlinger I, 198).
30
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4ftß Pflage— pflurschen.
pflnttern— pfnnuchen.
Pflage - Plage (8. d.).
Pflansche, f. (henncb. (latsche, fluusche, SptMN
II, 61. 68) = verzogener Mund , b. Flansche u.
pflänzeln. - Pflatsch Gosche'.
pflasten = blastern (s. Blast), schnauben,
keuchen (Schm. I. 332; Gr. W. V, 439).
Pflaum (oberd.), 1. - Flaum. — 2. = (ostfries.
plüm) ; dazu vielleicht: die Klammen (s. d.), das
wie Flaumfedern ablösbare Pflückfett auf den
Gedärmen und Nieren (Z. f. d. A. isss. s. 174).
Pflausen (zu ahd gllUte, n. = Geflüster , King« &.
110) - Flausen, Susuratio, eine (iehörshallu-
cination (Schmeller I, 7%). — (1591) pflauslcchtig
(Had. Jim. 392 ; ..dcrSchweredes Hauptes unterworfen")
= schwermütig mit Gehörshallucination (*usu-
rare = heimlichen reden krancklich, D- 570).
pflechseil (iu fiabeln , flachein , wehen , In der
Luft etwas hin und her bewegen , Schindler I. 783.
447 ; Gr. w. V, 439) = flächezen, flüchzen, öfters mit
Mühe unter bewegten Nasenflügeln keuchend
Atem holen.
Pflitterling, m. ( = der pfluUernde, unsicher Hat-
ternde Nesthocker) = das unreife, lebensschwache,
menschliche F.mbryon oder Fötus (Schm. i, 788)
(Flitterling).
pflitzgen ■ niesen, pfnütschen (Reiser 324).
Pflock, tn. pflochzen (vorgerm. splk, splk»
[3fttXa4 = ReUsdoru]; mndd. plugge, Z. f. d. A. 1888.
S. 190; engl, plug — thrombus, etnholus, Lehf. »3;
Pfropf; spat-mhd. pfloc = der rfloek, auf den man
schlagt) , 1. = der klopfende Herzschlag (C v.
schm. 63). — 2. = der klopfende Schmerz im
eiterreifen Geschwür (c. v. Schtn. 63; a. t. H. I,
1126). — EiOr-PilOCk (1475, ndl. etterpluck = ca-
runca, D. 104 = nuclcus furunculi, Krau», K. 670) —
Eiterpfropf, der im Geschwär wie ein Pflock
steckt, z. B. der Eiter im Augenwinkel. —
Pflock-Bein.
pflöckern (henncb. • rn. Spichs I, 10; II, 63;
.Schmeller I, 449) = ein kränkliches, schwächliches
Kind gut pflegend besorgen.
Pflöge, f. - Plage (s. d.).
Piloten, f Pflotschen, f. (Fletzen) [tn platt),
1. - die unförmlich breite Hand, welche be-
sonders breit aufschlagt (Pflotschen) (Schmeller
I. 4.r>2. 463. 465). — 2. = der unförmlich breite,
dicke, plumpe, weibliche Körper, der wie ein
Platsch oder l'latz (dunner Kuchen. Klage*, 287)
gestaltet ist (Hintncr 5. 10) ; higher gehört wohl
auch die (Tirol) r letzen = Pflötzschen (Alpbg. 125)
= durch bösen Aussatz (den das Anblasen durch
den Stollwurm [s. d.] des Volksglaubens veranlasst),
in die Breite verunstaltetes Gesicht. — Pflotsch-,
Pflatsch- Gnicht, -Nase.
pflücken (ein vom Nordwesten des KonÜnenta
ausgegangenes Wort, das dem ahd. und oberd. fehlt;
aus vulgarlat. piluecarc - Trauben ablecren, Kluge ■
284; auch die Krankheitsdäinonen pflücken das Augen-
fell [Staar] vom Ange ab. Z. d. V. f. V.-K. 1S97, 8. 54).
- Pflück- Fett
pflurschen = schnell atmen, keuchen (Schm.
I, 461; or. w. V, 439) (auch von Tieren).
! pfluttern = plödern (s. d ). - pflutterig um ,
llad. Jim. :w) = diarrhoicus = einer, der mit plo-
dernden Geräuschen den Kot entleert.
Pfhast, pfnasten (pfhelsten) (zu ahd. fnaston.
Groll III, 782; Schmeller I, 152; mhd. phnnst; onoma-
topoetisch) , 1. as der blasende ffn-Ton beim
Schnauben und Wittern der Hunde (1692. 8eb.),
das rrn^ia, die Ateraluft, die unter Geräusch
eindringt. — 2 = das Schnauben, der Dampf.
Pfnause, f pfnausen, pfhausten (ob zu germ.
ptih. pug ■ fauchen, blasen, Z. f d. A. 18.88, S. ISfi'5;
mhd. phnü«-en - schnauben, Rchiioppcrn, ohrenblasen,
l,exer 187 ; phnuse, Schmeller 1, 462; Or. Vf. VII, 1786).
— pfnausen, pfnausten = durch die Nase mit
hörbarem pfln-Tone Luft ziehen, keuchen,
schnauben, schnarchen, pfnasten. — Pfnause, f.
= der Schnupfen, Pfnüscl.
pfnechen. pfneschen, pfneischen (urverwandt
mit ttvs&u,*, kveEv - mit hörbarem Geräusche atmen;
1260 pfneschen, l'feiffer 77; mhd. phnehen, I-exer 187;
Gr.\V.v,43»; VII, 1786) = schnell atmen, schnauben,
keuchen, schluchzen, singultire; der Hetsch-
oder Kluxton beim Singultus ist das hörbare
Geräusch beim plötzlichen Ausstossen (Ex-
8|>iratio) der Luft ; daher pfneschen = hetschen,
kluxen (Gr. W. IV, 2. 1261). — Plneche, m (mhd.,
Lexcr 187) - Engbrüstigkeit mit hurbarem Aleni-
ger kusche. — GrV-pfneisch — das, was hörbar
i sich aus der Nase entleert, Schleim, Blut, auch
das Gehirn beim erlegten Wilde (Jagerspr.. or W.
VII, 1786).
pfhelsten (1592, seh.) s. pfnasten.
pfhichen = pfnechen (s. d.).
pfnischen s. pfnflschen.
Pfnissel, Pfnisel s. Pfnüsel.
pfhofezen, pfhopfezen = pfnochezen, atmen
mit hörbarem Geräusche (Schm. I, 451).
Pfnorscher, m. Pfhorschzel = ein verwach-
sener, knurrig wie ein Baumast gebliebener
kleiner Mensch (Hintner 5. 11 ; Tirol).
pfhotten, pfhotzen, Pfhut, f. Pfhutz (um
phnuez, phuufft = singultus, Ii. 536; zu mhd. pfnuten,
Gr. YV. VII, 1786; Tirol pfnuttern « kichern, Wolf 164)
~ hürbardurclidie Nase Atem holen, schnauben,
schluchzen (Schw. 492). — C\pfnöte (mhd., IL Z.
VI, 106; schm. 1, 453) = das ofte Pf noten, Schnauben,
Schluchzen. — Pfhut (mhd. phnuht, f.) x> die
Schnaubung, das Pfnotten (Gr. W. VII, 1786). —
PfhütZ (15. .Tahrh., Schmeller I, 452) = Singultus,
ilt-r fletsch- und Kluxton, der beim plötzlichen
Ausstossen der Luft durch die Nase entsteht;
öfters werden Nasen-Geräusche mit dem Klux-
tone verglichen.
PfnÜfel, m. (1741 = rheuma, gravedo, dlstillatlo.
Kirsch 392. 550. 1039) = Pfuusel.
pfnurtschen = mit verhaltener Pnutze lachen
(Wolf 164).
pfhuschen, pfhüschen, pfnütschen, pfni-
schen (lauter onomalopoleilsche Worte für Kx- und
Inspirutionsgerauscbe ; mhd. phuüien m niesen,
schnauben, schnoppern, Lexer 187; Gr. W. VII, 1786;
Schmeller I. 452) - mit hörbarem tfn-Tone atmen,
| niesen, schnauben.
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Pfnnsel— Pforte.
Pfoser- Pfütze
467
Pfnusel, m. Pfhüsel, Pfnissel (Knusel),
Pfnustel (ahd. pfnurscl ; mbd.. 1496 pfnuesel, pfnl-
usel, pfnüsel = rheuma. catarrhut, 1). 106. 197; 1574
pfnüsel; 1576 pfnustel; 1590 pfnuuiel; 1591 pfnusel;
1786 knn«el. Gr. W. VII, 1786; V, 273. 1526, Had. Jim.
376; Gr. D. M II, 1112; C. v. 8chm. 62; Schmeller I,
462) = Coryza (Species catarrhi), Morbus cerebri
(Du Cange II, 666), Rheuma (D. II, 318), Gravedo,
Defluxus ad nares, le rhum = der mit hör-
barem, blasendem ffo-Geräusche verbundene
Schnupfen, Sohnuder, Hauptfluss, auch Sin-
guhus. — (1534) pfhüselicht = verschnupft
(Gr. w. vil, 1786). — Xasen Pfnüsel (15. Jahrb.
naszpfnlsel - :singullns; 1613 nosenphnuiel = de-Millatlo
[nasalis], Gr. W. VII, 414 ; 1588 nosenpfnuessel, Tabcrn.].
1. = Nasenschnupfen. — 2. = Schluchzen (Sin-
gultus).
Pfnut, Pfnutz. pfhuttern s. pfnotten.
Pfoche. f. Pfocke, Pfucke (zu püb s schwellen
[s. pfuchen]; 1545 pfocben = Blatterlein; 1545 pfoech-
lein, phocchllu - etwas Aufgeblasenen, Geblähtes),
1. = Variola, Blatter, Blase, Pocke (Gr. w. VII,
1786. 1787; Schm. I. 418. 419; Fuchs II, 211). — 2. =
Finne, Pöckchen, als kleines, rotes „Blätter-
lein" oder Eiterbüttlein.
Pfötzlein s. Pfützlein.
pfopfern = pfuchen, pfucken, pochen, wallen,
sieden, blasen; vom Herzen = aufwallen,
pochen, beben. — pfopfet = aufgedunsen, mehr
breit als lang, untersetzt (Schweiler I, 440).
Pforte, f. (Porte), Pförtner, m. (im 8. Jahrb.
aus lat. porta entlehnt; ahd. pforta, porta; mhd. pforte,
pborte, phorze, porxe; md. , ndrb. porte m rulva,
D. «33; nhd. porte, Kluge4, 285; Lerer 187; ,, porte
beruht auf Jüngerer oberdeutscher Entlehnung"', Kluge
Le. = Ein- und Ausgang-Öffnung), 1. = die Öffnung
verschiedener Oi gane ( Bl u tgefasse, Mundhöhle,
Magen, Ohr etc.). — 2. = die l-eberpforte in
Gestalt der Pforiader (1518 porte, H. v. üersd. 12).
— 3. = Vulva (s. Mund). — Pförtner (mhd.
phortenaere) , 1. = Pylorus Galeni (no/.Y( öf,a«u,
K-j'/.ujf.ö':], der an der Darm-MagenötTnung tha-
lige Schliessmuskel od. Thorhüter (das „rechte, j
untere Mundloch des Magens"), der nach frü-
herer Annahme darüber wachen sollte, das«
nur weiche Speisen durch seine Pforte durch-
gehen, und der hartverdauliche Speisen zurück-
weisen sollte. — 2. = der Blasenschlieesmuskel
(F. Holtmann VII, 25), Sphincter vesicae. — (1483)
goldene Pforte urueldein porten, C. v. Megbg. ; aurea
porta = phud, cunnus, D. II, 43) = Vulva (r'iul), der
Eingang zum wertgeschätzten Geschlechtge-
nusse. — (1477) hm-!. Porten = Genitalia feuii-
nae als Mündung oder Öffnung für dHH zu ge-
bärende Kind (Ortolf). — Leber-Pforte - eine
Querfurche auf der unteren Leberllache, in der
der ausführende Gang der Leberdrüsen und
der Eingang der Pfortader, Nerven und Lymph-
gefässe der Leber liegen. — (1483) linde Porten
= Vulva, als weiche Öffnung der Scham. —
(1741) Afa^m-Pförtner = s. Pförtner (Kirsch 986).
— Jbf «/ Pforte (1483 mistporten. C. v. Megbg. ; 1592
mistpfort, Bejm. 243) = Podex, Anus, als Ausfüh-
rung-Stelle für den Darm -Kot (Pfortdarm)
(Gr. W. VI, 1710. 2273; Hyrtl, K. W. »). — Ohren-
Pforte (mhd. diu porte der oren, Gr. W. VII, 1226)
— Foramen meatus auditorii externi, äusserer
Ohrgang, -Öffnung. - Portr, Pfort- Ader, -Ader-
iger »topf ung, -Darm.
Pfoser (Ablaut zu pfusen oder pfausen) = Cre-
pitus ventris, Geräusch machender Bauchwind
(Schmcller I. 443).
Pfote, f. Pote, f. PfotSChe (germ. pauta = Pfote ;
franz. pattc ; engl, paw ; 14. Jahrh pöte ; 16. Jahrh.
pfaate; ndrrh. n Tappe; oberd., KInge6, 28.5 ; Herne
III, 1150), 1. = der tierische, platte, breite Fuss
(Klaue). — 2. = (verächtlich) menschliche breite
Hand (Pfotsehe) (Gr. w. VII, 1792; Schmeller I, 445).
— Pfoten- Gramm, -Krampf,- Lecker, -Schlecker.
PfotZ, f. (Nebenform zu PfuU. BuU [s. l'fützo])
= eitrig secernierende Blatter (Gr. W. III, 392).
— pfotzicht (13. Jahrh. phoczecht = lutulentus,
D. 340) = schleimig, eitrig.
Pfonse, f. (zu pfiesel, pfüsel), 1. = Gesicht mit
vorgeschobener, durch Nasenpfnüsel geschwell-
ter (skrofulöser) Oberlippe. — 2. = Mund
(Hlntner 6. 14).
pfrängens. Rank. — (löisj^fpfrengt, (15. Jahrh.)
f inv'pfrängt = durch drängenden Druck nach
» inwärts gerankt, contractus, oppressus (D. 147.
398 ; Schindler I, 454).
Pfripfler s. Propf.
pfritt s. fratt, frätt (Schmeller I, 456), durch
Erythema, Erysipelas fratt sein.
Propf, tu Propfen, Prifler (aus lat. propago =
ITopfen ; ahd. phropha, pfroffo, propfo = Absenker,
Heuling, Pfropfreis, Wawrschössllng, Kluge; H. Paul).
— Pfripfler, Pröpfling = ein schwacher Sprüss-
ling (Schmeller i, 453). — (1790) iHuf-Pfropf - ein
das IHutgefäss verstopfendes Blutgerinnsel,
Thrombus, Cuagulum, dem Klaschenpfropfe an-
geglichen (Richter I, 241). — (1768) «'«gepfropft =
durch Pelzun« (s. d.) oder Impfung (s. d.) bei-
gebracht, z. B. Klaftern (Variola) nach der sog.
morgenländischen Methode (s. Blatterkaufen)
(Dr. Holler, Memminger Ärzte, 8. 25; Schwab. Erzähler
MM, Sr l). — (1842) JSirVr-Pfropf = ein Zelleu-
gewebsstück, das wie ein Pfropf die Eiterhöhle
verschliesst (Falke 241). — (1801) SVA/eim-Pfropf
= der auf der Schleimhaut sprossende Polyp
(8. d.) (Welckard 99; Falke II, 282) (s. heizen).
pfuchen, pfuchzen, pfuchzgen, pfukezen,
Pfücker, m. Pfucke, f., I. = pfocben, pfauchen,
blasen. schwellen (germ. püh = schwellen), keuchen,
pusten, stark atmen, schnauben (Gr. w. v, 439).
— 2. o (germ puk, buhh) stoBsen, klopfen, klopfen-
den , pochenden (ieschwflrschmerz in Brand-
blasen verspüren (C. v. Schm. 64 ; Schm. I, 423). —
pfuckezen, pfachezen, pfuchzen (pfutzen) =
fauchen, niesen, keuchen (Schmeller L c). —
Pfucker, m. = ein mit blasenden Geräuschen
sich entleerender Podex (Hlntner 7. 17). — Pfucken
= Porken, Pfocben, Pfocken, Variola, Akne,
Blatter, Blätterlein (Gr. w. VII, 1787).
Pfüsel s. Pfiesel bei pfeisen.
Pfütze, f. (im 6. — 7. Jahrh. aus lat. puteus [ = Brun-
neu] entlehnt; ahd. pfnzzi, ptnssa; mhd. plutze =
468 Pfumpf— Phlegma.
Phlegma.
Lach.-, Bronnen, Waasergnibe ; 1420 püz m vomlca,
sanies; 1587 pfdtx. pfo« = vomlca, D. 611. f.29; Kluge»,
385), 1. = (1618 Übers, der lacuna der Arablstcn, plüttlln)
= Inrundihulum cerebri (s. Trichter) (der ort der
mittleren seilen de» Gehirns, H. r. Oersd. ; Hyrtl, K.
W. 148). — 2. = (1581 pfütalin. Hadr. Jun. 385; Hyrtl,
K. w. 128) = das Oberlippen - Gröblein für den
wflsnerigen Nasenschleim (s. Rotalöffel). — 3. =
(1677 pfütze — clstenia cbyll, rcceptaculum chyli, Saccus
lactcua , Hyrtl , K. W. 123. Anatom. 960) = der ge-
räumige, oblong ausgedehnte öammelstamm für
den Chylus der Saugadern. — 4. = eine mit viel
flussigem Eiter sich entleerende Pustel, Eiter-
lache (Bntzlein). — (loci) Ptttelein, Pfötzlein,
Pfatzlein (pustela, D. 474) = ein viel Eiter ent-
leerendes Hautbläschen, kleiner Eitersack, Eiter-
heulchen.
Pfumpf s. Kumpf (gump).
Pfund. — Pfund-iVaae.
Pfurfel, f. — ein kleiner, weiblicher Körper
(zu Kurie? od. Fnrfula, ein Vogel, Tirol; nintner 6. 11).
pfutzen s. pfucbezen (1482 sterautare, Zen. Voc.
x, 6), niesen.
Phantasie, f. Fantasie.
Phlegma, n Phleuma (am Kriech. :':\\-'t,
Hippokr. ; <p).if u» = brenne) = das durch Kochung
(s. d.) Gebildete, Verbranntes, Indifferentes
(Kram, E. 782), durch Entzündung gebildeter
Humor, namentlich (nach den Lehren der Humoral-
pathologle) = kalter, wässeriger (geschmack-
loser?), zähflüssiger 8aft, Schleim, Geifer, den
man nach dieser Lehre als eine der Grund»
feuchten, als das wasserige Blutelement „wäs-
serige Feuchte" ansah, deren Beimischung
(s. Temperament) au den übrigen heissen und
trockenen Feuchten (s. d. = Humores) die
nurmale Warme u. Konsistenz des Organismus
entstehen und bewahren Hess; als solcher
Schleimstoff im Blute = Phlegma, dessen Bei-
mengung zum (flatigen) Blute ebenso normal
war als die der schwarzen Galle, bildete er
darum : I. Phlegma constitutio (Phleuma), „die
sich auf KAlte und Feuchte zeucht, halt, lendet"
(Künlgssp. 4. 6. 8. 83. 34), die dem kalten Kiemente
des Winter« und Wasser* angeglichen wurde und vom
Gestirne dus Krebses, Klsches oder Skorpions „verge-
waltigt" werden sollte = „die kaltfeuchte Feuchte",
die „Geblüts-Wässerigkeit", die „kalte Natur",
die „Kaltblütigkeit", der „phlegmatische Hu-
mor"; häufte sich diese weisse, schleimige
Feuchte, das natürliche Phlegma im Blute od.
sonst an einer Stelle des Körpers, besonders
im Gehirne od. Kopfe abnorm, so entwickelte
sich daraus II. Phlegma morbus : ..riato Arlsto-
teli dyxit : „Volo et peto, ut respondeas mihi, quot
sunt elementa temporum" ; Aristoteles respondlt:
„quatuor sunt ; ego de Ipso homtue tibi do respon-
sionem, quta ipse hoiao volueril slcut clrculus mundl
id est per capud ventrem atejue vlsitarü"; Plato dixll i
„in lstls 4 partlbus, quomodo humores dlviduntur?"
Aristoteles respondlt: „flegma in capile, sunguls In
pectore fei ruftum (s. rote Cholera) In vontre , Tel
nlgrum (s. schwarze Galle, Melancholie) in vlsita"
(= vlsccra, Kingewelde. Milz); tunc Plato opüme col-
laudavlt naüs tnterrogans : „de qualuor clementls. quo-
modo crescunl et decresennt?" Aristoteles rospondit
, fleema angmenUtur et cressit In caplte ex
octava (Oktober; nsque ad) Kalendas julll" (In den
Wintermonaten, Magist. Barth. 96a; 1260 pblecma daz
leit in der seile (s. d.], da diu gehnget [Gedächtnis]
Inne lit, Pfeiffer 21. 22; Sehn». 1, 1069); als solches
aus der kalten Natur des Menschen prafor-
miertes, mit anderen Humores vermischtes,
daher sozusagen „unnatürliches Phlegma"
wurde der (Mucus, Pituita, Phlegma) Rotz,
Schleim, Schnuder und seröses Gewebewaaser
angenommen ; es veranlasste derselbe : a) als
„überfluss" des Phlegma's einen „kalten Fluss"
(Rheuma, s. d.) aus dem weissen Gehirne (s. d.)
oder aus dem flatigen , roten Blute der phleg-
matischen Natur zu den Organen, Knochen ti.
Gliedern (s. Gliedwasser 3) (1498 phlegma= syphi-
litisches Knochengumma. Pr. II, 178; 1625 phlegma =
Syphilis, Pr. II. 96; flogmen, flemen [s. d. •], ftamen
= Fussgeschwulst ; morbus cum rubore tnmor san-
gulncus, Kirsch 505 ; D. 239); b)alnKoder, Schnuder,
Rotz, Fluss, rhüme, zu der Nase = Coryza,
Gravedo, Malleus humidus etc. und anderen
Schleimhäuten ; c) vielleicht verstand man unter
Phlegma auch die anämische Pyämie. — Die
Bildung dieses Schleimes aus dem Blute war die
erste Anregung zur Ent Wickelung der Lehren der
ialrochemischen Schule, die die chemische Natur
desScbleimes, das Phlegma aalsum (1531. Krautw.
F. 3); Flema salada (s. Kriebelsucht) aus ver-
salztem Blute (Saure, Schärfe) ableitete, da sie
von den schleim bildenden Drüsen u. Schleim-
häuten noch keine Ahnung haben konnten
mangeis der KenntniB über die den Schleim
bildenden Werkzeuge. — phlegmatisch ( = 1260
flegtnatlcus : der hat des pluotreimes (s. Felm) ze ril
gevangeu , der ist langraeche [Golankrach , rheuma
artlculorum] unde swiget (swixet?) gerne", Pfeiffer 21;
mhd. „die flegmalicl heizent dl sint wlse vnd Ast, die
hant an sterek die ädern rol, Adelung, Nachr. v. altd.
Ged. II, 168 = weiss, fett, gllederdlck; der pbjegmaücus
des mnd Magister Barth 101 b ist ein Mensch, dessen
Wasser weiss und dick ist, und der Mensch hat der
(kalten) Feuchtigkeit allzuviel und der Hitze zu klein«
und er ist myddeltnathe langek u, der Mensch schlaft
alle Zeit gerne und ist trag In allen seinen Dingen
(Magister Barthol. gibt das ihm unverständliche lang-
räch mit „mlttelmasslg lang" ; 16. Jahrb. flegmaUcus
= eyn de stedes snodert , I) II , 177) sb sub phleg-
matischer Komplexion (Phlegma I constitutio)
oder aus phlegmatischer Krankheit (Phlegma II
morbus) entstanden o. damit behaftet: a) ruhigen
Temperaments , schlaff, pastös, lymphatisch,
wenig leidenschnfilich , torpid, affekt- und
energielos; b) rheumatisch, leicht schwitzend,
an chronischen Gelenkansch Teilungen, Nasen-
katarrhen, Weissflüssen leidend. — Phleum
(1426 vlome; 15. Jahrb. fletim sa arvina, D. 62) «■
Phlegma, phlegmatisches Blut, welche« Fett,
Fettansatz macht, s. Flamm, Flemme — Phleg-
matiker, m. = I'hlegtnaticus, der am Phlegma
Leidende od. der Besitzer eines phlegmatischen
Temperamentes ; nach den uralten Lehren der
Humoralpathologie hatte er des normalen Phlegmas
(s. o.) zu viel Im Blute; nach den Lehren der Iatro-
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Phocben — Pickel.
Piqueur — Pinsel.
Chemiker zu viel Salz und Wasser, nach den Lehren
der Solldarpathologon dicke» Blut bei weiten Gewebs-
poren , lockeren Fibern u. engen Gelassen , au« denen
I In die Gewebe dringen sollte ;
lymphatisch, tu Exsudationen von Ge-
st geneigt, ebenso sur Tnrgescens und Fett-
blldang disponiert, hatte schlaffe Gesichtszüge, nach-
lassige Haltung, nur auf starken Anstos« reagierend,
ohne anhaltende Gemütsbewegung oder Affekte, kalt-
blütig. „■chUff-helter" (Henle) wie die alten Leute. —
böses Phlegma = die Schleimbildung bei infek-
tiösen Krankheiten (Cholera, Ruhr) (mnd., 14. bis
15. Jahrb. dat weder gheuent [ghevent — Wiedergeben,
Erbrechen] dal de tnlnsche heuet ton deme bösen
fleema, J. L nd. Spr.F. XV, U9). — Darm Phlegma
(mnd., Mag. Barth. 102b; dat fleema in den dermen)
sb chronischer Darmkatarrh mit Bildung von
weissem Dickdarmschleim bei träger Kotent-
leerung. — (1532) feuchtes Phlegma — eine mit
sehr dünnem Schleime, vieler wässeriger Se-
kretion verbundene Schleimhauterkrankung im
Gegensatze zum trockenen Phlegma (Fries 71). —
(1506) gesalzenes Fleugma = die von zu grossem
Salzreichtum des Blutes abgeleitete Schärfe der
Säfte, die man damals namentlich bei der Sy-
philis (und skorbutischen Dyskraaieen) annahm
(Fuchs I, 313; R. A. ; Villaret I, 621 ; span. flema salada),
vermutlich eine Form der Kriebelkrankheit
(Ergotismus). — grünes Phlegma (mnd., u. bis
15. Jahrh. dat grone fleema, J. f. nd. Bpr.-F. XV, 132) =
gallig grünes Schleimerbrechen. — Haupt-
Phlegma — der Hauptfluss als Nasenkatarrh
(Phlegma in capite). — natürliches Phlegma -
Phlegma I (constitutio). — (17. Jahrh.) saures
Phlegma - der saure Magensc-bleiin (R. a.). —
(1532) trockenes Phlegma = eine mehr sähe, dicke,
wasserarme Schleimt>ekretion (Fries 71). — un-
natürliches Phlegma^ Phlegma II (morbus). —
i Phlegma (>.toxöv ®).tfu.a), 1. = Bleich-
et mit Wenstluss. — 2. = Phlegmasia alba.
3. = Oedema. — phlegmatische(r) Fieber, Köder,
Natur, Schaden, Weiber.
t^Phochen s. Pfocken.
Physis, f. (f 'i^t; = zeugende, bildende Kraft der
Natur [s. d); frans, la pbyulque = partie naturelle de
la femme, Du ränge IX, 202). — Physikus = Arzt ;
dessen Ursprung aus der germanischen Heilkunde wird
noch dadurch angedeutet, dasa Physik = Zauberei,
Schwarzkünstler, physiken = hexen, E. W. I, U9).
— physikalische Krankheit.
Plcardle. - picardiacher Schweiss.
Pick, 1. = Pech (e. d.). — 2. = Pecken (s. d).
— er ist gepickt = er hat einen Hifib, Schwips,
ist geistig nicht ganz richtig (Demokritos XII, 104).
— £<pickte örter.
Pickel, dj. Pickelchen, l. Pickel «• ein spitr.
iger (angels. plclan = stechen, pecken, plo — Spitze,
Kluge*, 28«) Knochen (talus, sordlssa, os cum quo
ludunt puellae, talus In oTibus, D. 643. 572)= Piekel-
köte (Kläubelbein, Bickelbein) (Kaluchm. I, 553).
— 2. = Backelchen. — 3x9 Pickel (In preus«.
Zauberformel u, Frischb. 35) = alle sichtbaren Haut-
pockelchen (Ausschlag; s. Neun und Pocke). —
8UCI
Piqueur, m. (franz. piquer= stechen, pecken (s. d.])
■ „ein Mann, dessen Wollust durch Stechen
und andere blutige Verletzungen von Weibern
erregt wird" (Dornbl. 103).
piepen s. pipen.
Pieps s. Pips (la pepie).
Pier, m. (ndl., nds., 1475, 1507 pyr, pyer = pljnre)
Feiner (s. d.) Peiniger, Anger, Engerling, Erd-
wurm (D. 34. 338. 339), Tinea (Taenia lumbricus).
— Pierchen (Pirken, Pirrike) ■ kleine Maden
(Angquesen, Engerlinge), die sich durch den
Stich von peinigenden Bremsen und Fliegen
unter der Haut des Weidviehs u. Wildes bilden
(Z. d. V. f. V.-K. 1895. 252). — pierich (1475, ndl.)
= mit dem Wurme behaftet (D. 389; z. d. V. f.
v.-k. 1896. 250 ff ). - Pieren-iand, - Wurm.
Pilz, in. (schon vor dem 7. Jahrb. aus lat. boletus
Ißwm-r,«] gebildet ; abd. buliz; mhd. bülez [bülz]) ■
Fungus, meist parasitisch auf anderen Organis-
men wachsendes kryptogamisebes Pflanzen-
gebilde (s. Schwamm u. Flechten), die auch auf
dem tierischen u. menschl. Körper vorkommen
z. B. Favus, Acborion etc. — Vüz- Krankheiten,
pimmeln, pimpeln, Pimpel = fortwährend
wie eine tönende U locke bimmeln, weinerlich
klagen, schwächlich, kränklich, ängstlich sein
oder so sich gebaren (Spleas II, 183 ; Gr. W. VII,
1868; Heyne III. 1160; Pimpelmutlcr = Hebamme,
Köhler, V.-Br. 290; zu Pumpel?). — pimpelig =
pimpelnd. — Pimpel, m. 1. = das herabhän-
gende, baumelnde Veretrum (Klnderspr., 8cbm.
I, 391). — 2. = (Deminiiti? zu Pinne) = Finne (engl,
pimples sa Hautknötchen). — Pimpel -Gicht,
Pinkel, m. pinkeln, pinken, Pinken, m.
pinken (mhd. pinken = hammern, nageln od. punken
= schlagen mit dem Bung ( = Knollen a. Bungt), 1. ss
pulsieren (vom Blute). — 2. = lautlos die Augen
auf- und niederschlagen (Gr. w. VII, 1860), die
Stirnhaut zusammenschieben zu Knollen Ober
den Augen. — pinkeln (binkeln) = den Bttngel
(Pinkel 1) oder das Waaser abschlagen (von
Mann und Frau gebraucht), urinare (D. 630). —
Pinken, m. = BOngen, Bingen, 1. - eine Schlag-
beule, Knollen, Ecchymosia traumatica (siehe
Bung). — 2. = knollige, runzelige Blatternarben
(Schmeiier i, 894). — Pinkel, m. Pinkerl, n., Las
das Sekret beim Pinken (Gr. w. vn, 1860). — 2. =
kleinere knollige Geschwulst (BOngel, s. Bung)
(wird besprochen, Z. d. V. f. V.-K. 1897, 8. 165). —
3. = eine knollige, im Wachstume zurückge-
bliebene, dicke Pereon (Hlntner 6. 11 ; Schmeiier
I, 394). — 4 = Penis, s Pint. — pinket = blatter-
narbig, s. Bunge 3 (BOnget) (Schi. 61). — Herz-
Pinkerl = kleines besondere geliebtes Kind
(Fromm. VI, 149). — fli«Are-Pink = nin Pink 3 mit
Ilinkebein (hoU. hlukeplnk). — kalter Pinkel (isoo
kaltplnckel, 1). 11, 850; Gr. W. II, 36; V, 92; VII, 1860)
- Gonorrhoen , Stranguria, kalte Pisse (1587
plnckel ■ stranguria, D. 556).
Pinsel, m (Pensei, Pemsel, Pesel, Peissel)
(nach mlat. plnselus aus penlcülus sa Schwänzchen,
der kleine penls [Schwanz], membrum virile ; mhd.
penscl, bensei, plnscl — Pinsel aus Haaren od. Borsten ;
1716 Pemsel - Pinsel. Toll. leg. »58), 1. ss HaarzoT '
uigiii,
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470 Pint— Pips.
(Gr. w. VII, I8«3). — 2. = der pinselartige Haar-
büschel am vorderen Ende der Brunstrute des
Rehbocks oder Wildschweins (Gr. w. VIII, 1566;
Brehm III, 167). — 3. = Penis viri et cervi (Wd. B.
8»; C. v. 8chra. 107 ; Schw. 497). — pinseln (Schlesien ,
von Pinsel verschieden) m winseln (s. d.) weiner-
lich klagen (H. Paul 312). — 0/tr Pinsel = Haar-
büschel im Ohre der Tiere (Gr. w. VII, 18«3). —
Visiten -Pinsel = Penis.
Pint, m. Pintel (13. Jahrb. pint = p«nls; 15. Jahrh.
pynte — veretrum, D. 422. 612; II, 379; angels. pintel
= virillus, D. 622 ; engl, pinlle = das männliche UUed ;
1390 pyntyl — penlcillus, Pr. I, 352 ; prieats plntle —
Pfaflenzink [Pflanze], Oilwurz, Pfaflenplnt, E. W. I,
60; pintle-sroitb.ptntletagger- Arzt ais Pinkelschmied,
Nagelschmied ; Ostpreuss. Pltter = Pinter, membrum
anlmalium, Urquell III. 73) (s. DamenBtift und
Pinsel).
Pinta, f- (ein mexikanisch-spanisches Wort; das
•elbe gehört etymologisch zu pnnetum, Punkt [s. d],
„mal de los pintos, mal pintado)^ in Mexiko und an
den Kordilleren vorkommende Hautkrankheit,
bei der veiechieden gefärbte Flecken (Pünkt-
chen) und Btarkes Jucken auftreten" (Villaret
II, 513; Pierer7, X, Ml) (s. roter Hund).
Pip- s. pipen. — Tip-Hahn, -Meise, -Sack.
Pip s. Pips.
Pipacken, 1. = das pfeifende Koppen (s. d.)
der Pferde mit Aufsetzen der Backenzähne auf
den Barren (Gr. W. V, 195). — 2. - Pip-Hacken
(s. d.).
Pipel, m. Pippel, m. Ptippel, m. Piperl, n
Piper, m. Pippen, f (Piwerl) (mit dem pfeifen-
förmigen Dreh-Hahn an den Fässern wurden formell
angeglichen), 1. = die ZucArr-Pipen oder Brust-
warze der säugenden Frauen (Schmeller I, 399).
— 2. = der kindliche Piphan, Penis infantilis
(Schui. I. c. ; Z. f. Ö. V.-K. 1890. 324 ; henneb. bibber,
Spiesa II. 26; etwa« anderes ist) 3. = Pipel = Pöpel,
s. Pflpelniiu'e.
pipen, piepen, Piperlein (ISN pipiin = Küch-
lcin, Kücken, Seb. 130; 1741 pipen = plpatio, Kirsch
912; 1770 pipen, Gr. W. VII, 1843; Heyne III, 11.5«) =
den piepsenden Ton schwacher Kücldein von
sich «eben - (anlehnend an Pips, s. d.) am Zip-
perlein oder an der Influenza leicht krank sein
unter winselnden Klagelauten. — Piep, m.
Piperlein (Pieple) = Influenza, kleinlauter
(JrippehtiMen, an dem man lange „herumzipft"
(f!r. W.1V, 2.477, SplcssII, 183). — pipicht = weich-
lich , kränkelnd, leicht klagend (Z. f. d. Philol.
XXVI, 35; engl, piping - kränklich, sehwach, matt).
- Pieple-«/t«.
Pips, m. Pieps, Piep, m. Pip, Pipf, Pfips
(vor der ahd. Zelt ans mtlat. plplta, plvita = pltuita
(= Schleim, Schnupfen, Pips, Zlpf. Pflffis] entlehnt
[Kluge6, 286] und atis dum ahd. pflfflz, mhd. pflpfiz
unter Anlehnung an den plpenden [s. o.] Ton der
Küchlein umgebildet in Pips; 15. Jahrh. bippses =
catarrhua. Gr. W. VIII. 1866; 1661 pip« = pltuita,
weisser Schleim, Bock IM; 1591 plput = pltuita,
morbus gallinaruiü, Had. Jun. 20; 1599 plps, Gr. W.
VIII, IBM; 17. Jahrh. plps, gleichsam „der Hühner-
Schnuppen", Kr. Kr. B. 641; 1080 plps Hühnerkronk-
| helt, plpsen — am Plps leiden, Gr. W. L eod. ; 1696
] pip = Hühnerkrankheit. I>e Cock 1895, S. 144; 1782
plps = Krips [s. d.]; 18. — 19. Jahrh. pipa » Hühner-
pips nnd menschliche Influenza; frnnz. la peple =
Pipa, Brisa. ii7), 1. = wie Pfips (s. d.) ein hartes,
gelblich-weisses Pilz-Häutlein an der Zungen-
spitze und am Gaumen des Geflügels, Stomatitis
pultacea s. pseudomembranacea (Förster II, 126),
wodurch die Nasenlocher verstopft werden,
und die Hühner ein schnüfelndes, pipsendes
Geräusch von sich geben, indem sie nach Luft
schnappend, den Schnabel aufreissen; bei
längerem Bestände dieser sogen. Hühner-Diph-
therie Iiiesst eine rotzige Feuchtigkeit aus der
Nase, und verhärtet sich die Zungenspitze, die
man dann zu „reissen" pflegt. Dieser Uühner-
Zustand (in Osterreich auch „Gall" genannt)
ist übertragen auf: 2. = die menschliche In-
fluenza (s. Piffbs 5) und verallgemeinert: 3. =
Unwohlsein ohne bestimmten Krankheits-
charakter (wie Zipf u. Pfiffiz, s. d. u. Mauaer),
so dass Pips m ein stets kränkelnder, schwäch«
licher Mensch (Gr. w. V. 1259 sab b) ist, der
sich im Anfangsstadium einer erst noch zum
Ausbruche kommenden Krankheit befindet
(Gr. w. VII, 1866) und wie ein piepsendes Küch-
lein kläglich sich gebart oder wie ein hun-
gerndes Brustkind immer weinerlich heult,
ohne eigentlich krank zu sein (Z. f. d. Philol.
XXVI, 35; Luther). — 4. = Pips = Pfiffiz = Zipf
- Influenza = Börzel = Gänser = Gall (s. d.).
— Pipser = Pips 3 (z. f. d. Philol. xxvi. ss). —
grüner Pip (engl. gT»en pip, Kaltschm. II, 176) =
Gelbsucht, Bleichsucht, grüne Sucht als Krank-
heit, die lange dauert ohne bestimmteies
schwereres Leiden. — holländischer Pipp s=
| chronische Lungenschwindsucht, wie sie die
' engbrüstigen, nach Holland auswandernden
' oder von dort zurückkehrenden sogen. Holland-
gänger oft haben (Heyne III. 1162). — (1580) iVürn-
berger Pipf (Noernbcrg Plpfl, l^rsch 262) = die von
Böhmen nach Nürnberg und Hessen, eigent-
lich durch ganz Kuropa ausgedehnte Influenza
(s. spanischer Pips). — ■ (1580) spanischer Pip,
(1801) spanischer Pips: Im Jahre 1580 »Igte sich in
Deutschland eine epidemische Krankheit, die in ihren
Erscheinungen mit der heutigen Influenza überein-
stimmte und die man damals, well ale erst darch
| spanische Soldaten eingeschleppt worden, den span.
Pip nannte in deutlicher Anlehnung an den Namen
der oben erwähnten Hiihnerkrankhelt. Der pom-
merschc Chroulst Joachim v. Wedel gibt darüber In
seinem vortrefflichen Hausbuch nähere Nachricht. Kr
schreibt unter dem Jahre 1580: „Aufm Herbst Ist auch
eine wunderbahre geschwinde Krankheit, epldemia
lues, hernach der spanische Pip benannt, nicht
allein in dle«en und umliegenden Örtern und Landen,
sondern über die ganze Welt, so weit man der Kund-
schaft und Zeltung haben mögen , schleunig ent-
standen, einem stetigen Kleber nicht ungleich. Sonder-
lich bat es dem Haupt und der BniRt sehr zugesetzt
und viel Hüsten erreget und hat den mehren Thell
Leute, beide*, jung und all, angestosaen und keine
Stadt, Dorf oder Haus unbesuebt gelassen. Die meisten
aber sind wieder aufkommen, sonderlich die sich
vieler Arznei und Aderlässen* enthalten" - Ziep,
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Pirol— pissen.
Pist-PJage. 471
Zipf, Ptips, Krips, Influenza, alB epidemischer,
katarrhalischer Hasten (Grippe) (Vogel n, 192).
Pirol, m. (blerolf, blerolff, bte-olf, byrold, bierbolt,
Tierhold = oriolus, D. 400; pyroler - galhula, D. 266)
■ Bier-Oif (tu bern = drücken, nach Laistner II, 18;
Olf, ■. o.), 1. = Oriolus, (ialbula, ein elbischer
Druckgeist, der in Gestalt eines (gold-gelben ?)
Vogels aufhockt. — 2. = (vermuUlch dasselbe wie)
Bir-, Bor- (Beer?) Nickel (s. d), ein Wurm-Butz
als Ursache des Gerstenkorns (s. d.), Haber-
korns, male del lnpino (= Wolfsbohne, siehe
Werren), coropere loriot (leurleul, ordeole, oriolui,
aureolus, Briss. 804; s. auch Perle).
Pirrike, pl. s. Pier.
pis-pis - wis-wis (machen), mingere (laut
malend?) in der Kindersprache (Gr. w. VU, 1869),
s. pissen.
Pia, Piss s. Beissen.
pispern = wispeln, flspern, mit leiser Stimme
sprechen (H. Paul. 342).
pissen, pisseln, piseln, pi sehen, Piss, m
Pisse, f. (1414 pissen - urinare, I). 630. mingere,
1). 362 ; 1816 biesein - mingere, D. 362 ; 1680 (.Ischen ;
ndd. plaaen; engl, to piss — pissen, plu — Pisse, Bett-
seuchte, Kaltsclim. I, 476; Iran*, pisser; ital. plsriaro
[pisciasls, plscia]. Du Gange VI, «34; Gr. W. VII, 1869,
Kluge*. 286; „Ausgangspunkt der heule weit ver-
breiteten Bezeichnung und Ihr Urspruug lassen sich
nicht leicht bestimmen", Kluge; piseln [Bayern] „ist
wohl nur ein verhärtetes wlseln", Gr. W. VII, 1869) =
urinare, mingere, wis-wis machen (auf der
Wiese''), stallen, seichen, brunzen. — Piss, m.
Pisse, f. (1482 pyase = Brunzwasser, Seiche; Zeninu.
Voc. z 2; 1684 piss, Gr. W. VII, 1868), 1. — Urina,
Harn. — 2. = Stranguria, Gonorrhoea, Harn-
winde, kalter Piss, kalter Seich, kalter Pinkel etc.
(Gr. w. vii. 1868), wobei steta Eiter aus der Harn-
löhre abläuft und oft beständiger Harndrang
besteht. — Pisset, f. (u. J ahrh. pissade — miuetio,
D. 861) = die Harnentleerung. — ßr/t-pissen
ludl. l>edpissen) = ins Bett Waaser lussen (En-
uresis nocturna) und so „das Bett zu weich
Sitaen" (De rock 87; St. Veit [s. d.] und 8t Mcdardus,
der Wasserpalron , sind auch Patrone gegen dieses
Leiden der Kiuder). — (1593) Blut - pissen (ndl.
bloedighplsaen , De Cock 36; Gr. \V. VII, 1869) —
blutigen Harn entleeren. — » in pissen = in das
Bett hinein den Urin entleeren (Wuttkc, Heg.) —
£jfer-pissen = Pyuria, Eiterhainen (Kalke i, 241).
— (13. Jahrb.) gemeine* Pissen (gemeyn pisse, ge
meue pissen = lollutn, D. 337) — Harnen. — kalte
PiSSG (14. — 15. Jahrb., mnd. weder de colden pissen,
J. f. nd. 8pr.-F. XV, 132; 15. Jahrb. de kolde pisse a
dlabetea, D. D, 133; 15.— 16. Jahrb. dy colde pljs =
Siran guria, colica. D. 131. 656; der kalde pyss; 1719 die
kaltpiss, (Jr. W. V, 87. 92; ndl. koude-, koüpls, De Cock
212; 1756 „ein beständiger Trieb das Wasser zu losen
[s. d.] mit einem höchst empfindlichen Kelz, als ob
Kalte und Schauer durch die Harnröhre ginge , auf
welche bald eine brennende llltze folgt", A. v. H. I,
1245; II. 1279; Gr. W. V, 87. 92; VU, 1868), 1. = der
Tripper als kaltes Phlegma, Schleim (s. kall)
mit Harnwinde, Stranguria, Ardor urinae,
Gonorrhoea. — 2. = Dysuria mit gleichen
Schmerzen (dies vermutlich aus plssa ,,ca)lda"'
[13. Jahrb.] pisse chaulde, Briss. 244 — pisse chaude
übernommen und entstellt) (s. verbrennen). — (1684)
iyerrfr-Piss = Pias 1, Zirch (Gr. W. VII, 1868). —
rot-pissen = rot harnen (s. d.), eine Kinder-
krankheit (Merk 139). — iSfraW-Pisse ■ die in
grossem, starkem Strahle erfolgende Harn-
entleerung (Lauterstallen), im Gegensatze zur
Tröpfe] pisse (Falke II, 347). — Trop/W-Piss (ndl.
droppelpisse. De cock 213. 214) = tröpflings harnen
(s. d ). — Piss-.).7-T», -Gang, -Säckirin, - Ver-
stopfung.
Pist, m. = Püst, pustender Seufzer, Ächzer
(Schw. 319).
PiSteln = Fisteln (8. d.) (Westfalen; Du Cange
III, 514).
Pitter, m. s. Pint.
Piwerl s. Pipe.
placken (nordd.) S. plagen (H. Paul 342).
Placken, m. Plaques, pl. (Blacker, Plechen,
Plecken) (von westgerm. Alter, Kluge*, 431; engl
platsch — Dicken, Wetzen, Kluge 1. c. ; ahd. plecbun
= uiaeulae, sichtbare Klecken, H. Z. XV, 67; mhd.
placke = Kleck, Kluge*, 287; ndl. plak = Fleck;
14. Jahrb. placke = naevus. D. 379; ndd. 14.— 15. Jahrb.
placke - menda |= macula), D. 355; ndd. placken
[Oldenburg], Goldschm. 94. 96 ; dazu das frauz. placquea
| - Schleimhaut/lecken), 1 . = Macula corneae, Horn-
hautfleck. — 2. = jede durch Farbe auffallende
Haut- und Schleimbaut- Veränderung, nament-
lich Skorbntflecken (Coler. II. 139). — rote Piaken
(ndl. roode plakkaten, V. K. IX, 144) = rote Haut-
decken. — äomm/r-Placken = Ephelides, die
im Sommer stärker auftretenden Sommer-
sprossen (Gr. W. VI, 462 ; 8chmeller I, 323. 455). —
Siech - Plechlein = die entstellenden krank-
haften Flecken, die bei den Franzosen-Bückel-
chen (s. Pocken) durch Schönheitspflästerchen
verdeckt wurden (Schmeller I, 322). — Toten-
Placken — ein Muttermal, das man nach dem
pommerschen Volksglauben nicht entfernen
ilarf, denn sonst sterbe man (Urquell vi, 205). —
WoZ-Plack (I*x salic. ! walflac si quls clausa manu
[ - Faust] alteruin percusscrit ; sl quls in genuuin per-
cusserii de fuste) = gewaltthätige Streichmase.
Plader, f. - Blatter.
Plä s. Bläh.
pläd = blöde, ohnmächtig, Ubelpass (Fromm.
VI. 27 ; Kaminen).
Plärge s. Plarr.
Plärre s. Plarr.
Platz s. Blotz.
Plage, f. plagen, Pflage, Pflog, Plön, Flage
(aus dem lat. plaga [ = Schlag, ItX^VfSJ), Stoss] mit dem
Christentum in ahd. Zeit übernommen; ahd. plAga =
himmlische Sirale, Kluge*, 287; mhd. plage, blAgc.
flage; md. pflage, Gr. W. VU, 1876; IS. u. 15. Jahrh.
plage = llvor [verfärbte Pestbeule], pesülentla. lue*,
D. 334. 338. 431 ; 1482 plag = l'eiu, Leiden, Zen. Voc,
i. 2; 1497 btach [ Kbönbeschr ] ; 1697 plag = [7] Syphilis,
Pr. I, 366; 1551 der presten und schändlichen plae
nennen die Bauern den (Itausch-) Brand, Bock 2' "•
472
Plage.
Plage.
g. Brand ; Pfalz, AJem. plöb, pflöge, Bavariu IV, 2. 403,
Gr. W. VII, 1877; engl, plague = Beule, Pest, Pcst-
beule, Lebf. 14. 83, Kleferwunn, ICaJucum.) — jedes
den Menschen oft befallende oder aach viele
Menschen hartnäckig nacheinander heim-
suchende Leiden oder Gebrechen (Plage und
Pein fehlen beim Tiere nahezu ganz; du ursprüngliche
lat. plaga, das selbst Damonenachlag \t.\\zz\a, ino-
itX-rjoatu, apoplexia) nAtypr) bedeutete, verschob sich
Im Begriffe unter dem Einflüsse de* römischen Mönch-
tums zur Bedeutung: anhaltende« chronische« Leiden,
Landesseuche als Strafe der Gottheit und der Heiligen ;
aber auch die Unholden, Troll, Zwerge, BllwlU, Schrattl
„plagen", wie der ale ablösende chrlatl. Teufel), 1. =
eine anhaltend zusetzende, Qual und Not be-
reitende chronische Krankheit oder Folge einer
Verletzung („ai juncturae separatio fit in carne,
vocari debet plaga, st putrescat, dicantur vulnera, «1
In osstbus est, fractnra", Du Cange III, 584, d. h. ao-
bald eine Verletzung oder Krankheit am Körper einen
raschen, aber sichtbaren oder dauernden 8chaden («. d.]
gemacht bat, galt e* al* Plage ss 1414 clades, D. 126
Im Gegensätze zum folgeloseren , absolut bellbaren
Knochenbruche und zur Wunde; darum Ist auch die
Lepra und die Syphill« ala „Plage" bezeichnet [a. ge-
plagte Leute), 1497 plaga trantzosen, Schmeller I, 824;
plag = »cable«, D. 016). — 2. = grosses, anhaltendes
Sterben (Lues), das durch ein Land als Epidemie
zieht (Aventln; Gr. W. VII, 1877; Krautw. LXXIX)
unil zwar infolge von: a) Pest (conf. bubonic
plague äs Bubonenpest, Jana« II, 57; 1664 poors plague
- Londoner Peat, Leisel) 810); b) (1882) Cholera
(s. PeaUlenUa In nnmmis, Pfeiffer); c) dazu auch
Plage = die Pestzeicben (Beulen, Linteeichen,
Pestmale, Geschwüre, Streifen etc.) (1742 plage
— vibex, tumor llveua, Bibl. Mediku« 401); auch der
blaue Schlag, die Blut beule ist - plaga, la playe
(Kraus, E. 810) als sichtbares Zeichen der Peini-
gung — 8. — als Gottesplage od. fallendes Übel
(St. Valentins-Plage) ist Plage (16. Jahrh.) = Epi-
lepsia, Morbus sacer, eine Krankheit oder
schwere Not, die durch ihre ofte Wiederkehr
der Anfalle zur Plage wird (Gr. w. VII, 1877);
desgleichen: 4. = (18. Jahrh.) Jas Wechselfieber
(Gr. W. VII, 187«) . Kebris interraittens als oft
wiederkehrendes, sogen, kaltes Fieber; ferner
ist 5. Plage = ein zwar bald vorübergehendes,
aber doch quälendes, endemisches Leiden,
welches mehrere Leute nacheinander befällt,
leichtes, schmerzloses Unwohlsein, meist das
Prodromalstadium vom epidemischen Schnupfen
(Grippe, Influenza) = Ploh (Bavarla IV, 2. 403)
(conf. Ehren). — 6. — auffalliger Weise ist Plage
auch — Rauschbrand, der epizootisch auftritt
als scholmiscbe Plage (s. b), da sonst Plage,
Pein und Qual als menschliche, subjektive
Auslegungen nicht leicht auf das Tier übertragen
werden (Feser 69) ; als eine solche „gemeine
Plage" gilt auch 7. = der Typhus, sobald er
epidemisch auftritt und öfters zur Beobachtung
kommt und so die Ortsangehörigen plnckert
(conf. red plague, Shakespeare; Lerech270 = Petechial-
typhus). — 8. = Überhaupt entspricht es voll-
kommen der landläufigen Gewohnheit, hinter
solchen, anscheinend grundlos eingetretenen
Plagereien und Belästigungen einen persön-
I liehen, ungünstig gesinnten Quälgeist, einen
rächenden Dämon, Schelm oder bösen (s. d.)
Wicht zu suchen, den in späterer Zeit die
Hexen, der Teufel oder die sogen. Plag-
Heiligen ablösen ; (die 2X7 christlichen Kothelfer,
die gegen solche Plagen helfen sollten, wurden so auch
namengebend , 1629 in diaen Kranckhetten {so sie
heyssen der Hellgen Buas, s. d."), yn denen die sich
dorein setzen oder achten von Heiligen geplagt zu sein,
lat schwerlich zu artzneyen, Paracet«, de imp. H. 8).
— St. Antons-Vl&g, 1. = (1482 «ant Antonig plag,
Zen. Voc. oo. 6) = Erysipel»*, Wildfeuer, Mili-
brandiotlauf, St. Antoni-Pein,St. Antoni- Feuer
(s. d.). — 2. = (16. Jahrh. „das kalte lieber (Plage 4],
dagegen Ist 8t. Antonlu« Arzt gewesen". Agricola;
Gr. w. VII, 1867, «. 8t. Antoni-Bache) = Fehns inter-
mittens). — (16. Jahrh.) A ussatz- Plage = Plage 1,
Lepra, die hartnäckige, unheilbare Anssatz-
krankheit (Gr. W. VII, 1877). — Bauern Plago
= s. Plage 2 a. — St. £Ja«-Plage = Morbus
St. Blasii s. St. Martini s. Morbus gulae
(Du Cange V, 616). 8t. Blasius als Patron der Arzte,
Sellensleder , Wachazleber und „Wlndmüller" bat
volksetymologische Beziehung zu „blaaen", daher
] er gegen „Infirmitas gulae, gutturis et uvulae"
(schon seit 560) angerufen wird beim Fallen (s. d.) des
Ualartpfleins (Angina tonsillaris). — böse Plage
i (1562 boae vergUüge plage, Fuchs I, 376) = jeder aus
einer Blutvergiftung (z. B. Syphilis) entsprin-
gende hartnäckige Ausschlag, der immer wieder
auf der Haut erscheint od. besonders hartnäckig
ist; namentlich syphilitische Ausschläge auf
dem Kopfe (Grintkopf) (Urquell IV, 156). —
St. Fubiuns-'Pl&ge — der an faba — die essbare Bohne
(s. d.) angelehnte Heiligen-Name erklärt wohl, da&s
St. Fabian mit Hunger plageu sollte, Schmeller I, 684).
— St. Fiakrius-TlAg (1591 ; Schmeller I, 824 ; Had.
Jun. ; Gr. W. III, 1446; Fuchs I, 341 = Morbus 8t. Fiacril,
I [s. St. Flakrlus] St. KuacrU, 8t. Dlacril), St. Fiakrius-
und Fickards-Krankheil (s. d.), Condylomata,
Franzosen, Feigwarzen, „die gottsjämmerliche
| Plag der Franzosen", die immer wieder neue
Erscheinungen macht. — (1646) A^Vn^er-Plage
= Pauaritium, der schmerzhafte Fingerwurm
(Coler, H. A. 145). — (1691) gemeine Plage = eine
endemische Krankheit, die die Gemeinde-
genossen nach einander befällt, Morbus uni-
versalis (Had. Jun. 370). — Hau»- Plage, 1. = ein
Schwerkranker, der im HauBe gepflegt wird
und durch sein unheilbares Leiden eine Plage
für das ganze Hauswesen iet (Hausübe], Haus-
kreuz). — 2. = ein Leiden, das in einem HauBe
I herrscht. — (1694) heimliche Plage = eine hart-
näckige Krankheit, die an heimlichen Orten
(s. d. ; Genitalis) ihren Ursprung genommen
(Lues venerea) (Gr. W. rv.s. 876). — (1743) Kinder-
Plager = wie Olf (Alp) ein Schimpfwort (Urquell
Iii, 169) b. Ammolf. — (1526) St. Kyrim- (Quirin-)
Plage (Luther vii . 412) = St. Quirins - Busse,
-Marter, -Rache. — (1743) Land-Plage = Krank-
heit, die die Bevölkerung eines ganzen Landes
allmählich oder immer wieder befällt (Land-
neber 2) (blbL Medikus 365). — (1680) Loöea-Plage
, = Infirmitas corporis, ein andauerndes, hart-
näckiges körperliches I<eiden (conf. «chwed.
i magplagor = Bauchweh). — Ma id Plage (ndl. muH-
PlaMtzer— Plarr.
Plasse-platL 478
plaag. De cock 170) = anhaltend schmerzende
Mundgeschwüre. — (1680) Mt/x-Plage = Morbus
hypochondrisch chron. (Gr. w. vi, 2221) = an-
haltendes Milzleiden (s. Müs). — (1726, 1736)
Mutter - Plagen = Gebärniutterleiden hart-
nackiger oder schmerzlicher Art, Hysleria,
Hysteroepilepsia (Wort. 519; The«, san. Br. 824). —
Not- Plage (1615 blage der not = clades, D. 125) =
allgemeine Not infolge einer Pestepidemie. —
(1681) P«ft/enr-Plage = Plage 2 a. — rote Plage
= Plage 7. — ScAttWtt-Plage (engl, swineplague)
so Schweineseuche. — (16. Jahrh.) schwere Plagen
■ hartnäckig anhaltende, tödliche Seuchen
(Gr. \V. VII, 1877). — Tanr-Plage (16. Jabrh., Agricot.
deutsch. Spr.-W. ; Fromm. VI, 4 ; In deutschen Landen
sind der Plagen viel gewesen, so wurden etlUche Leut
geplagt, dass «le UnUen muralen oft Tag u. Nacht
aneinander oft iweler und 3 Tag u. Nacht) s. St. Veits-
tanz). — (16. Jahrh.) St. Urbans-Tl&g, 1. —
(in Flandern, bei H. Sachs, Agricola etc.) Gicht,
Podagra (St. Urban als Patron der trinklostlgen
Winzer und Blerschaffler martert seine Kunden mit
dieaer lustigen Herrenkrankbeit, Fromm. VI, 7. 8;
Z. d. D.-Ö. A.-V. 1893, 8. 192; Gr. W. VII, 1877; De Cock
311). — 2. = (l'rbanl plaga est ebrictas, Fromm. VI,
8 Anm. , „elue deutache Plage", Agricola) — der
Trinkerrachen und die Gurgel ist Sitz der
Angina, daher auch = Cynanche, Ranken 2,
(confer. Augcronalla = eine zur Vertreibung der Vleh-
Halsgeschwftren bestimmte Festleier der Römer, Kirsch
72), brennendes Hotlauf oder Feuer im Rachen
des Trinkers. — 3 = St. Orban heilt in Frank-
reich das Gerstenkorn Oes orgeoleu, lorgle?.
Brlaa. 140; Gr. W. VIII, 96). — St. Valentin»-,
St. Veltins-, St. Veltlins-, St. 7e/<i*-Plag (15ö7
sant Valtlniuplage, D. 204 ; 1591 Had. Jun. 373; Seb. 91;
Gr. W. VII, 1877; Z. d. D.-Ö. A.-V. 1893, 8. 179; Fromm,
vi, 15) = „fallende" Sucht, Epilepsia (s. St. Va-
lentin), Eclampsia. — Zungen- Plage (mhd. ;
Gr. w. VII, 1877), 1. — anhaltendes schmerzhaftes
Zungenleiden (Zungenkrebs z. B.) oder 2. =
anhaltende Schlundpest (Poena linguarum)
(Lersch 61).
Pl&llitzer, m. (zu [bepallezen, öfters beim Saug-
lappen mit der Lalle, Zunge lecken, schnullen -
Schnuller, Sauglappen, H in in er 8. 19; Schmeller I, 1469)
= Membrum virile, Zipfel (formell angeglichen).
Plappe. f. Plappen, f. Plaper (su ahd. biabbi«6n
Kluge», 287; 16. Jahrh., ndd. vlabb« = os. D. II, 274)
= ein Geplapper machendes Maul (s. Flappe
u. Bläppe), Hängemaul, Unterlippe. — Plaper,
Pläper = Plappen, f. (Gr. W. DT, 66; 8cbw. 200;
Hlntner 6. 14). — plappern = wiederholt mit der
Plappe thätig Bein, schwatzen (engl, blab, D. 66).
— Kuh ■ Plapper = Kuhpflätter, platter Kuhkot
(benneb., eUass.; Spleas II, 143; E. W. I, 165).
Plarr, n , f. Plärre, f. Plärr, f., n. Plärre, f.
plärren (etne onomatopoetische Schallbezeichnung ;
mhd. blerren, bleren) = schreien wio ein Tier, den
Mund wie beim tierischen, lauten Schreien ver-
ziehen. — Plärre, f. Plorre, 1. = der beim
Plärren verzogene tierische und menschliche
Mund (Maul) (Gr. W II, 66; III, 1724, VII, 189N).
— 2. = eine durch Narbenbildung verzogene,
1 wunde oder wund gewesene Stelle im mensch-
I liehen Gesichte (Gr. w. VII, 1898). —8. = nament-
lich ist Plarr, n. Plärre, f. Plarr, f. = der durch
Brand-, Syphilis-, Krebs- u. sonstige Geschwürs-
Narben entstellte, verzogene Mund (s. Blärr),
ähnlich dem so verzogenen, plärrend verzerrten
Maule des geifernden Tieree. — 4. = weiterhin
auch der bei Narben oder Geschworen (Ectro-
pium) am Augenlide entstellte Blick, Augen-
blendung, Augennebel, Trübung, falsches oder
doppeltes Sehen (mit gleichzeitigem Bindehaut-
katarrh 8. Augeuplärr) (Gr. W. VII, 1898; Bchw.
499). — 6. = eine der verziehenden Narbe ähn-
liche, andersfarbige oder schorfige, namentlich
durch Syphilis erkrankte Hautstelle (verall-
gemeinert, Schmeller I, 460 ; Coler, H. A. 161). — 6. =
die Krankheit, welche Plärre 3 macht, z. B.
Milzbrand (Coler, R. 404) (s. Frosch, S. 170 b) od.
Maulaphthen, wohl auch Syphilis. — Augen-
Plärr (1671 pler vor den äugen, Schmeller I, 461;
engl, blear, bleer = trüb, dunkel vor den Augen, trief-
augig, Kaltschm. ; pllerogd, Fromm. VI, 279) = das
durch Muskelkrämpfe (Katarrhe) oder Narben-
Kontraktur verzogene Augenlid, dessen Schleim-
haut infolge von chronischem Bindehaut-Ka-
tarrh (Triefaug) nach aussen oder nach innen
umgestülpt ist, womit auch tranaitorisches
Trübesehen, Augennebel, Augentrübheit ver-
bunden sein kann ; am meisten entspräche dem
Augenplärr das Ec- od. Entropium cicatriceum
(Arlt 30) (s. Plärr 4). — (1554) breite Piergen =
ausgedehnte Syphilisnarben (Pr. II, 634). —
Fersen-, Fuss-TlÜTT (1692 die plar an den Fersen,
Seb. 293 ; piaer an den fuessen der Jungen kinder,
Seb. 329) = heredit. syphilitische Hautgescbwüre
an der Fussohle der Kinder. — Oe plärr (15. Jahrh.
dai geplerre = aurtsia. 8chmeller I, 461 ; aorasia, D. 39)
= eine narbige Entstellung der Augenlider mit
Verlust des Sehvermögens. — Haber- Plarr
(hawerblarr, Mecklenbg.) = Ziegenmelker, Haber-
geiss (s. d.), tauschend meckernder Vogel (Dä-
mon). — Dazu Plärge , Plerge , Pliere , Plttren
= Flarre, Flärre, Flerre (Hoflm. I, 387 ; Lexer 188.
345; Fromm. VI, 279) = breite, unförmlich ver-
zogene Wunde, pläriger Zustand, verletzte
Hautstelle und Narbenbildung mit entstellter
Verziehung der Umgebung (s. Blärr u. Reh-
flecken).
P lasse s. Blässe.
Platsch (Blatsche) s. Pflatach.
platt, Platte, f. (aus roman. platta, plat; mhd.
blate, plate as flache Brustbedeckung, GlaUe, Kluge »,
287 ; 1470 platte = tonsura , D. 441 ; 1518 platten =
Brustbein, B. v. Gered. 96 ; 1741 blatte auf dem Kopfe
= corsa VltruYil, Kirsch 307 ; ndd. plat) = flach. —
Platte, Platten, L = (spätahd.) die geschorene
Glatze, kahleStelle auf dem Haupte derMöncbe ;
die seit dem 6. Jabrh. auf alle christlichen Geistlichen
übergegangene Sitte, zur Busse das Haupthaar zu
scheren, schuf diese Platte, platta — tonsura clerlcalls
i quae fit ab aure usqne ad au rem, Du Cange VI, 361).
— 2. = weiterhin natürliche Glatze. Man unter-
schied a) eine Tonsura Pauli, die an der Stlrne begin-
nende, vom vielen Denken abgeleitete, ehrenvollere
Glatze als kahle Stelle des Schädels (Schmeller I, 462;
474 PlaU-Pleuresch.
plieren— Pocke.
Schräder 301) utid b) eine Tonsura Pelri , die- vom
Hinterbaupte aus beginnt und vum allzu vergnügten
Leb«n herkommen sollte. — 3. = der Schädel Ober-
haupt. — 4. = daB Brustbein (s. Blatte). — (isoi)
Bein -Platte = die äussere, platte Knochen-
lamelle am Schädel {Welkard 269). S'fii - Platte
- der platte Stirnteil beim Zugochsen (Schm.
I. 462). - Platten)- Arsch, -Fuss, -Huf, -König',
- Weibltin.
Platz, ni. (Ende den 13. Jahrb. aus dem ilal. plasia
und lat. platea = Strasse entlehnt; mhd. plaU = freier
Raum ; Iran«, place). — Platzl - GlaUe, Platte,
Plattl (Tirol , Hlntner 5. 12). — (1645) auf platzen
^ aufbrechen, bersten (platschen) und einen
freien Raum bilden (Abscessentleerung i. B.)
(Colcr, H. A. 265). — Mal Plätze = die gefleckten
Pigmentstellen, wo Hautkrankheiten (Syphilis,
Aussatz, Grint, Zitterach etc.) vorher vorhanden
waren (Falke IX, 69). — tieche Platz (ndl. zleke
plaats, v. K. IX. 141) = kranke Stelle. — Platz-
Angst, -Furcht, -Schwindel.
platzen (plarresen?) weinen, plärren (Fromm.
VI. 27. MO).
Plauen. PlauenwÄe KrieMhankheit.
plauern e. plodern.
plauschen = plaudern (delirare).
Plautz, f. - PlutE, Plunzen s. Blunte (Schm.
I. 459; Z. d. V. f. V.-K. 189 ., 8. 22; FrUchb. 71 ; plaüci
- oniasium, D. II, 271).
Plecheu, Plecken *. Placken.
Plee s. Blflh.
pleniiken = blähen- äugeln (Fromm. VI. 27;
Ungarn).
Perge, Pierre s. Plarr.
Pieschen, f. = Blanche , Hautausschlag mit
stark vorspringenden Beulen od. Blasen, iiaut-
anfblfthunp, Schlagbeule (Schm. I. 331. 462).
Pietz, Pietzer s. Biet/, Bletter. — Wamen-
Bletz ^ Kutteltieisch (I>. 5W).
Pleuresch, f. Pleuresie, f. (Fleuris) (ans dem
Kriech. r/.Erjpä = Seite, seitliche Kippen und Kippen-
NU; nAtopttt; [vöaocl^dle Klppenkraukheit ; mtlat.
pleuresia, pleuresia; der niederland. u. nlederd. Volks-
mund übernahm letzteres aus franz. pleuresie, pluresle,
Krlss. 19* u. engl, plcurlsy, gestaltete es um zu alUach*.
vlereyu - lulcrcus, I). 303; 15Ü0 die artijc of vlersyn —
gutta [arthritlcal, I). II, 199; 1577 het pleurls, D. 412;
1592 Plevresi = das Siecheu an der Seite, Seb. 447 ;
pleuresch, ploerjes, Henris ; 1094 Ueirsyn, flereijn. flere-
eljn) — Pleuresia, 1. - jede Krankheit mit
Schmerz in den Rippenseiten, Seiten weh, Lank-
übel (Goldichm. lio). — 2 = von der häutigen
rheumatischen Pleuresie 0 bertragen auch auf
andere rheumatische Atl't-ktionen, auch auf die
(iiehl (De L'ock 44. 166. 307. 308 ; so das* man in
Flundern ein Öenrsyn eruyt - herbu podagrarla, I). 413;
hatte und man auch von eiuer flereiju aeu hAnden,
beupeu, becnen, vocten [ilande, Hulie. Beine, Fusse]
spricht). — (i;>60) falsche Pleuresch (Pietor ts) =
Pleuresia notha, ein durch „windige Materie"
angeblich entstandene!, mit dem Seitenstechen
bei Pleuritis verwechselter Seitenrippenschmerx
I (s. Seitenstechen). — rechte Pleures (Ploerjes) -
die linksseitige Pleuresia (üoldschm. m) (s. ver-
kehrte PI.). — (1629) seltsame Pleuresis — neue
Art von inn wendigen Brust -Gesch wären in-
folge der (von Paracelaus verpönten Art von) Queck-
silberbehandlung der Syphilis (Parac. d. imp. J4,
x i). — verkehrte Pleures = die rechtsseitige
Pleuresia (s. Seitenstechen), bei der nach ndd.
Volksmeinung kein Aderlaas vorgenommen
werden darf (Goldicbm, in).
plieren s. Plarr.
plinsen = pinseln, winseln, weinen (nordd.,
n. Paul 843).
plodern, Ploder, plauern, pludern (mhd. ma-
deren, blödern. ..ein junges Schallwort", Kluge 5. 287)
= rauschend flattern iu der Luft, rauschen, mit
Geräusch kakieren — Ploder, f. = der (plau-
dernde) Mund (Hlntner 6. 141. — (1728) Darm-
Plodern = Ventus, Borborygmi, die verschie-
denen Geräusche der Darmgase (Zw. 465). —
OAr«»-Plodern (1668 blodern in den ohren, Beyn. 80)
= Ohrengeräusch. — FjVA-.-ln/plauern (-plau-
dern) = die Darmgeräusche beim aufgeblähten
Leibe des Viehes (Tympanites) (Ethnol. Mltt. a.
1 Ung. 1894 . 8. 245).
Plörjes s. Pleuresch.
Plörre s. Plärre, Plarr.
Ploten, l. = s. Pfloten, anförmliche Hand. —
2. = Knochen Oberhaupt (Laistner II, 79).
plumerant b. bleu mourant.
plump (onomatopoietlsch plump — dumpfer,
schwerer Fall; 16. Jahrb., ndd.. ndl. plomp) = dick,
grob, Stump (Kluge5, 287; 1500 plomp macken =
hebetare, D. II, 201). — Plump -Jtfi*VA, -Nase.
Plunse, Plunze s. Blunte.
plutzig f>. blnt-sieeh.
pochen (bochen), puchen, pucken (onomato-
poletlsche Wurzel ; germ. puk, puhh ; 13. Jahrh. bochen ;
mhd. puchen, bochen = schlagen, klopfen, Kluge*,
287) = „unruhige Bewegung innerer Körperteile"
(H. Faul 344;, i. B. das am Busen bemerkbare
Schlagen, Hämmern des Hertens, Herrschlag,
Flerr-pochen, Palpitatio, Pulsus cordis. — Herz-
Pochen (ndd. hartpucken, Goldschm. 99; A. v. H. I.
178) - Palpitatio cordis, der fühlbare od. sicht-
bare Herzschlag (Gr. W. VII, 1457; II. 199).
Pocke (Bocke), Pöcklen (Böcklen),Puckhen,
PfOChen (angls. poc ; engl, pock ; spat.-lat. poccum.
poccae; germ. j>uh = schwelleu, sich blähen. Kluge*.
287 ; Gr. W. Vit, 1961; ndd., 13. Jahrh. poche = veruc»,
Ii. 614 ; 1475 pocken — morbillarc ; pock, poekskens,
pockeleu = niorbillla [Kindsblattern] , D. 367 ; 1500
pocken = formleallo, D. II. 17»; 1507 pocken; 1512
bocken = formlcatlo [Syphilis 7|. D.243; 1524, 1530 poc
nucs = maladie de Xapples [Syphilis], Bris*. 237; Z. Hdb
III, 15; 1580 pocken = Franzosen, Syphilis ; 1646 pocken
— die Pocken bekommen, Coler, II. B. 246; boocken,
Pocken es Blattern. 1 c. 246 . 350; 1680 pocken = lues
venerea, Gr. W. VII, 196 ö ; 1684 pocken = Gumma Im
Zwerchfell, Pr. II, 369; 1741 die Bocken - pustula,
Kirsch 981; Kctbymala, 1. eod. 411; bulgar. boginje =
Poeken, Syphilis, Kthnol. Mltt. a. V. 1894. 230; spaii.
le bughe; obd. uihd. u. ahd. fehlen die Pockeu
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Pocke.
Pocke.
475
(= Blattern] Nach roier R 404 tat pflege ein Wort,
J«u a xigura ranae, d. h. da« vom Bild des aufgeblähten
Frosches genommen wurde [?]; [1550 pogge = rana.
Z. d. V. f. V.-K. 1895. 262] ; Nordfrankr. poejuea, po-
quette = petlte veröle. Brtaa. 136. 186). — Pockeln
(Böckeln) = kleine Pocken, rote Flecken (Ur. W.
IV, 1. 62 ; V, 2163). — Pöckchen (Puchchen) =
kleine Porken (Goldschm. 135). — Pocken, 1. =
Pocken, pl. — 2. Pocken, n. = das Kranksein an
den Pocken. — (1646J pocken = an den Kinder-
oder Schafblattern krank sein (coler, H. A. 265;
Beb. 430). — Pocke, f. = die durch Aufblähung
u. Aufschwellung mit Wasserergnss entstandene
kleine linsen- bis erbsengrosse Hautblatter
(Bückelchen, Bockel) = Apostema calidum, epi-
deniiale (Ahron, dieselben werden Im Sanskr. v&xantl
[verwesend, tödlich] masüri [linsengross] bexelebnet,
und Im Atbar-Veda tat bereits von deren Einimpfung
die Hede. Plctet in Kuhn, Z. 1. v. spr.-W. V, 341 ff ;
Lersch 34 und 61 Anm. j la cacouionade, Demokr. V,
166) (8. Blattern), l. = die eigentlichen primären
Pocken, von denen es nur 2 wohlcharakteri-
sierte u. selbständige Ilauptarten nach Bollinger
(Volk. Samml. kl. Vortr. 116) gibt : a) die Menschen -
pocke, (961) Morbus variolae (Variola, Variolois),
welche nur von pockenkranken Menschen über-
tragen wird; (In.) la petite veröle ; (engl.) small-
pox , ächte Menschenblaltern ; b) die Schaf -
pocken, die primär nur vom pockenkranken
Schafe übertragenen Pocken, au. b „sind nicht
identisch, aber homolog" (Bollinger i. c.); alle
übrigen Pockenformen sind nur sekundäre,
von a und b verirrte Pocken ; die Pocken 1 a
(Variolae humanae s. verae s. Arabum); (frz.)
les varioles, la varole, la veröle worden früher
meist bei ungeblatterten und nicht geimpften
Kindern beobachtet u. veranlassten stets neue
mehr weniger bösartige Epidemieen (-Bothor
der Araber) (Zw. 343; Schw. 502; Behrend39). — 2.=
(1764) Varicellae, Wasser-, Schaf- Wind-, falsche,
wilde Pocken (Vogel). — 8. - la grosse veröle,
die mit Pocke la verwechselten Hautpusteln
bei der Syphilis (Provenz, mal boubtl, Peljper» 94;
„medicta bou", Pr. I, 336; engl, pox = Syphllta. l.eh-
feldt 211; KalUchm.; Ur. W. IV, 1. 1159; VII, 1U64;
— 4. = pockenähnliche HautknOtchen, boutons,
Aknepusteln, Finnen (s. d.), Strophulus, Pem-
phigus, Miliaria. — 5. = die sog. Nachtblatter,
Herpes (Strophulus). — 6. = die Milzbrand-
blatter als bösartige, brandige Pocke. — 7. =
Vaccina , die 8chutzpocke, Kuhpocke, Impf-
pooke. — 8. — blatternähnlicbe eiternde (ie-
schwäre (Pusteln) (coler. H. a. Ml). — pocket
pockenähnlich. — pockig, I. - an Pocken 1, 2
oder 2. = an Pocke 3 erkrankt, mit Pocken in-
fiziert (engl, pockifled, KalUchm. ; Ur. W. VII, 1966).
— pöckelhaft^peckel(2)-haft. Blatter ist illter,
allgemeiner u. verschiedenartiger als die Pocke,
die heute fast nur mehr — Variola vera humana
ist. — .las Pocken - schwarze, übelriechende,
brandige Pocken bei Schafen , namentlich um
die Augen herum (Zipp. 638; Falke I, l). — ächte
Pocken = die Pocke 1 a zum Unterschiede von
den falschen Windpocken (s. d.) (Behrend 39). —
Ambovische Pocken (ndl. atnbonichc pokken)
Syphilis- Ausschlag unter den Einwohnern der
Amboinen Inselgruppen mit niederlftnd. Resi-
dentschaft (Peijpe« 87). — Blasen - Pocken =
Vaccina bullosa, einzelne Itnpfblattern mit be-
sonders grossen waaaerklaren Blasen (Roth 543;
— botartige Pocken, böte Pocken, I. = die Milz
brandblatter, Pustula maligna, Anthrax. — 2. =
die wälschen od. spanischen Pocken, die syphi-
litische Pustel (Pocke 3) als höchst ansteckende,
verderbliche Krankheit (Haeaer II, 221). — (1788)
Blut- Pock on — die Blutblatter (s. d), eine durch
Blutfarbstoff blaurötlich verfärbte Pocke la
(Variola). — Ärond-Pocke = Pustula maligna,
Anthrax, Milzbrandblatter (Behrend 62). — Eiter-
Pocke = die Menschen blättern im Eiterungs-
Stadium, Variolae purulentae (Gr. w. Iii, 393). —
Et ■©«< n-Pocken — Varicellae globosae, erbsen-
grosse, an der Basis immer kreisrunde Schaf-
blattern (Behrend 44). — JSrrfocfr-Pocken = Pians,
Phymoais indica (Puch«; Kraus, E. 804). Fram-
boesia (Sauvages) = rotbeerige, syphilitische
oder auch nach anderen (VUlaret) bloss syphilis-
ähnliche, grosse, beerenartige, schwammig gra-
nulierende Auswüchse bildende Hautwarzen.
— (178«) falsche Pocken = Varicellae, Schaf-
blattern, Wasserpocken , Windpocken (Ackerm.
108; Behrend 43; Lorsch 875) (Pocken 2), die nur
„ein vesiculo-pustulöees Exanthem mit infek-
tiösem Eruptionsfieber" (Auapitz, Z. Hdb. XIV. 1.
274) darstellen ohne phlegmonösen Charakter
der Hautentzündung, wie er den wahren Pocken
zukommt. — (1788) faulende Pocken = übel-
riechende, eiternde goschwürige Pocken. —
fliegende Pocken, l. = Frieselaus8chlag. — 2.=
Nachtblattern, schnell verschwindender Blasen-,
Bläschen -Ausschlag, Herpes. — 3. = Wind-
pocken, Varicellae (Kaluohm. Ii.). — Fliess-
Pocken - Variolae oonfiuentes, durch An-
näherung sich berührende, zusammentlieBsende
wahre Pocken (1 a) — französische Pocken
(engl, french Pos, Pockes, Pr. I, 337. 416 ; KalUchm.)
= Franzosen (Syphilis). — /*>»>*<•/ -Pocke =
Miliaria, s. Fneeel und Wocbenfrieeel (Kraus,
K. 108I). — Öt/Y-Pöckelchen = die den giftigen,
ansteckenden Blatternpusteln (Variolois) ähn-
liche Hautpustel (Akne). — Glas-Pocken (engl,
glasspox, Dornbl. 48) = Wasserpocke. — (1764)
grassierende Pocken = herrschende, epidemisch
aufgetretene Blattern (Variola) im Gegensatze
zu den nur sporadisch auftretenden Pocken-
fällen. — grosse Pocken = Erdbeerpocken,
Framboisie (engl, great pox = Syphllta). — Heide-
Pocken ■ Pemphigus neonatorum, ein Blasen-
ausschlag bei ungetauften Neugeborenen (siehe
Heiden, wilde Pocken) (Fuchs II, 445). — Hirsen-
Pocke = Miliaris, hirsegrosse Huutknötchen
(Krans, E. 1081). — (1728) 11, ti Pocken, Pockchen
— der unter kursdauernder Körperhilze Misch
auftretende Nachtbrand, eine über Nacht ent-
standene Herpes-Blatter (Phlyctenula) (Zw. ::i2.
811). — (19. Jahrb.) i/ora-Pocken (engl, hornpox)
— Varicellae, die Hieb hartlich anfühlenden,
wenig Wasserergnss (Lympha) zeigenden Schaf-
i>lattern (Pocke 2) (Dornbl. 54; Behrend 41). —
Hühner -Pocken, 1. — das auch beim Menschen
vorkommende, parasitäre Molluscum contagi-
osum, das bei den Hühnern sich pockenartig
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476
Pocke.
Pocke.
gestaltet. 2. = (engl, hives, Kraut, E. 472; chIcken
pox = Küchleinpocken, Lebt. 152 ; Kaltechm.) m Wind-
pocken, falsche Pocken, fliegende Pocken, Vari-
cellae. — //Vi.f.s-Pocken, 1. = die bei der Staupe
(s.d.) der Hunde auftretende, bläschenartige
Aussehlagsform (Pustel) (Zipp. 705 ; Falke I. 422).
— 2. = vom Menschen auf den Hund über-
tragene Pocke (3) (Falke I, 44 ; II, 208). — (1803)
Jenner' tche Pocke Man haue In verschiedenen
Gegenden England», in denen man sich mit Milchwirt-
schaft befasste, von Zelt zu Zelt eine Krankheit der
Kühe wahrgenommen, welche aus einem Ausschlage
an den Kntern un«l Zitzen dieser Tier«! bestand und
mit dem Namen Kuh-Pocken (cow-pox) belegt wurde.
Diese Krankheit war den mit dem Molkereiwesen zu-
nächst umgehenden l'eraonen und den in der Nach-
barschaft der Hollandereien praktizierenden Tierärzten
bekannt u. wurde von Ihnen mit grösster Genauigkeit
beobachtet. Allenthalben, wo die Kuhpocken wahr-
genommen wurden, bat man auch zugleich diejenigen
Umstände bemerkt, durch welche sie besonders merk-
würdig und wicbUg wurden. Melkende Personen be-
kamen nluülch durch das Anfassen der pockigen Zitzen
— u. zwar einzig u. allein durch solche unmittelbare
Berührung — dieselbe Ausschlagskrankheit , welche
sie alsdann oft einer ganzen Herde mitteilen konnten.
Eine andere bestandige Beobachtung war die, dass,
wenn einem Menschen diese Krankheit mitgeteilt
wurde, sie sich nicht bloss auf Hand u. Arm beschränkte,
sondern dass eine allgemeine Krankheit des Körpers
selbst erfolgte, die mehr oder weniger heftig, aber nie
tödlich war. Ftirsdriitu hat man bemerkt, dassMenscben,
welche die Kubpocken überstanden hatten, vor Blat-
tern-Ansteckung, sei es durch sog. Miasma od. durch
Impfung, sicher waren. Im Jahre 1798 trat nun Eduard
Jenner, Arzt zu Berkeley In Gloucesterahlre (1749 — 1823),
mit vcrschledeuen auffallend wichtigen Bemerkungen
über Kubpocken auf, deren versuchsweise Übertragung
auf Menschen er seit 1795 betrieb , durch welche er
diesem Gegenstände allgemeine Publizität verschaffte,
sich selbst aber den Ruhm eines W hlthaiers der Mensch-
heit erwarb. (Aikln , Kurze Übersicht der wichtigsten
Erfahrungen über die Kuhpocken. Aus dem Englischen
1802). Diese durch Impfung auf den MentH-hen
übertragene Schutzpocke ist = Jenner'sche
Pocke. — Impf- Pocken = die tum Schutze
gegen die wahren Menschenpocken kunstlich
durch Impfung erzeugten Menschen- (Variola)
und Kuh- Pocken (Vaccine); ,,das seit 1717 vom
Orient her in England bekannt gewordene, in England
1721 zuerst ausgeführte Verfahren, künstliche Blattern
(Pocken) als Schutzmittel gegen die natürlichen Blat-
tern (Pocken) zu erzeugen (vor Jeuner), wurde deutsch
genau durch Einimpfung (Beizen), Impfen (s. d.) wieder-
gegeben, indem wie in England der Gärtner-Ausdruck
auf die medizinische Operation (s. Beizen , Impfen)
Anwendung erfuhr" (Gr. W. IV, 2. 2080; Münch. Med.
Woch. 189«, 8. 1210; J. P. Frank). - Kind(a,er)-
Pocken (lö89 ein unerhörtes kinderbocken , Para-
celsus; Lernen 224; , .dieses Pocken klingt wie ein
Infinitiv ; es war vielleicht so ärztlicher Ausdruck",
Gr. W. V, 746 - eine ganz ungewöhnliche Blattern-
epldemle; 1899. 1748 kinds- kinderpocken), 1. = Variola,
Urschlftchten. — 2. = morbtUi, variccUae (v. M. U, 124;
Maschenb. 709) ; (1889) kinderpocken, L = Variola. —
2. = Varicella*» (Bchrcnd39; Heyne III, 340), 1. =
Variola, Pocke 1 a, die wahren, achten, natür-
lichen Menschenblattern , welche früher bei
ungeblatterten (ungeimpften) Kindern am
häufigsten beobachtet und auch auf den Er-
wachsenen fibertragen wurden, daher sie auch
bei diesen Kinderpocken (siehe Kindsblat-
tern) genannt wurden. — 2. = die heutzu-
tage bei den (fast ausschliesslich früh ge-
impften) Kindern am häufigsten beobachteten
Schafblattern, (17C4) Varicellae (Vogel), die
aber kein« wahren Pocken sind, sondern
falsche Pocken (s. d.). — 3. = die im Anfang-
stadinm der Eruption mit Pocken verwechselten
Masern (Morbilli, Masern poeken, Urachlachten).
— ffr^uz-Pocken = Vaecina herpetica; meist
juckende, in mehr weniger Kreutform neben-
einander stehende Ekzem - Bläschen an der
Stelle der mit Kreuz-8chnittchen ausgeführten
Impfung, atn häufigsten bei kachektischen Kin-
dern (nach Hebra-Kaposl ; Roth 643). — Kuh -Pocken
= Vaecina, cowpox, 1. = die sogen, spontan
aufgetretene originäre Pocke an der milch-
gebenden Kuh. — 2. = die davon auf den
Menschen künstlich übertragene Impfpocke
oder Schutzpocke. Diese bisweilen von dem
Kuheuter (beim Melken z. B.) übertragene
Variola vaecina Jenner ist die 17% als Sehutz-
pocke zum erstenmal auf den Menschen künst-
lich durch Belsen (s. d.) übertragene Kuhpocke;
sie ist aber (nach Bollinger I. c. 116) selbst nur
eine verirrte, sekundäre Pocke, „eine künst-
liche Variolisierung" (Pfeiffer, M. Med. W. 1896,
s. 1211), und stammt in letzter Linie von einer
primären Pocke la, b (Variola vera) ab und
tritt nur äusserst selten als Herde- oder Stall-
Epitootie auf, sondern meist nur in ganz
isolierten Fällen. — ächte A'wA- Pocke = wahre
Kuhpocke. — (1800) falsche ÄWi-Pocke = die
durch Impfung übertragene Schulzpocke , die
aber den Geimpften nicht wirklich vor den
Blattern (Variola) schützte wegen ungenügen-
der Impfmethode oder zu geringer Schutzdauer
derselben; wurde ein solcher Geimpfter doch
von den Blattern befallen, so nahm man damals
„unächten" Impfstoff an ; namentlich war früher
das Entwickelungsstadium der Kuhpocken zu
wenig beobachtet worden. — (im*, wahre Kuh-
Pocke — eine wahrhaft vor den Blattern
(Variola) schätzende Impfpocke (Kuhpocke 2)
im Gegensatze zu den falschen Pocken. Jenner
Grad der Entwickelung der achten Kuhpocken fest-
gestellt. — AWi -Pocken- Frieael, -Materie. —
(1832) lithauische Pocke, 1. = Pustula, maligna,
Anthrax, Milzbrandpocke, die in Lithauen
epizootisch aufgetreten ist (Behrend 62). — 2. =
s. lithauische Krankheit. — Masern - Pocken.
1. = das früher zur Verdeckung des diagnosL
Irrtums als eine Komplikation von Masern mit
Pocken dargestellte masernähnliche Prodrotnal-
Kxanthem (rashe) bei den wahren Pocken. —
2. = die oft mit Blattern (Pocken) vom Laien
verwechselten Masern (Morbilli). — (i830)
M> ; m hen -Pocken - die von Mensch zu Mensch
übertragbare Variola vera s. humana, Variolois
(engl, amaü pocks, pox), Pocke 1 a im Gegensätze
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Pocke.
Pocke.
477
am den Kuh- (V'arcina) «der Schaf- (Ovina)
Pocken, zur Pferdemauke (Equina) (Kopp Ii, 321).
— Milch Pocke = Kuhpocke vom Kuheuter
(Milchblatter, Jenner sehe Pocke), die sich nur
bei Milchkühen, nicht aber beim Ochsen oder
Kalbe vorfindet. — Milzbrand- Pocke - eine
heftige, schnell in Brand Obergehende, pustn-
löse, phlegmonöse, durch bazilläre Infektion
entstandene Hautentzündung (Anthrax). —
MitU l -Pocken = die formell die Mitte zwischen
den ausgeprägten, wahren Pocken la ( = Variola)
und den falschen Pocken (2), s. d (= Varicella)
einnehmenden Varioloiden (Facha II, 1147) (dem
Wesen nach von den Varicellen vollständig
zn trennen). — Muster - Pocken ■ normale
Menschenpocken (la). — X n, )<- Pocken = erst
nachträglich, d. h. nach den regelmässig zur
Entwickelung gelangten Pocken noch zum Vor-
schein kommende Pocken (Falke II, 49. 144). —
natürliche Pocken = wahre Menseben pocken
im Gegensätze zu den Impfpocken. — Neben-
Pocken = die bei der Pocken-Impfung (Varioli-
nation) regelmässig am 5. Tage nach der In-
okulation neben und um die Originalimpfstelle
herum sieh entwickelnden kleineren Pocken
(Vaccinolae), die bei der Vaccination (Impfung
mit VaccinastofT) nur ganz ausnahmsweise er-
scheinen (Pfeifler; Roth 544; M Med. Woch. 189«,
s. 1212). — (17») Pferde-, Boss- Pocken, \. ■>
Kquina (engl. hors«pox). eine gutartige Varietät
der auf Pferde übertragenen Menschenpocke
(Variola), die sich zur Zeit Jenners als ein an-
steckender, verimpf barer Kläschenausschlag
(a. Scbuttmauke, Schutzraude) an der Pferde-
fessel darstellte, aus welchem leicht Geschwüre
entstehen sollen (s. Rossblattern) (Pfeiffer In
Gerh. I. 607; Abllg. 40; Falke II, 197. 293). — 2. =
Pferdemauke (s. d. u. auch Springwurm) als
Pferde- oder Rosspocke, „allem Anschein nach
eine Miachkrankheit, bestehend aus Bläschen
der Kquina (horsepox) (1) an der Fessel des
Pferdes und einer für die Vaccination gleich-
gültigen Hufkrankheit" (Pfeiffer In M. Med. Woch.
1896, s 1212). — ÄcAa/-Pocken, L = (Ovioa), die
primären, höchst ansteckenden selbständigen
Pocken 1 b bei Schafen-, sie sind den Menschen-
pocken sehr ähnlich. — 2. = die sogen. Wind-
pocken, Wasserpocken beim Menschen, die
mit den eigentlichen Scbafpocken 1 verglichen
werden, Varicellae globulosae, sogen, falsche
Pocken (s. d.) (htm*, clavelee, Pornbl. 27; Behrend
44; Falke II, 208). — & hutz - Pocke = Vaccina,
Kuhpocke, Impfblatter, die, nach gehöriger
Impfmethode auf deu Menschen übertragen,
diesen vor den Pocken schützt (siehe Pocken
kaufen) durch allmähliche Ibach wächung der
Urpocke (Variola). — tchwarzc Pocken, 1. =
Variola haemorrhagia, wobei die dunkelroten,
rotbläulichen Blatternpusteln mit dunklem
Blute angefüllt sind, die beim Eintrocknen
schwarzbräunliche Borken bilden (*. schwarze
Blattern 1 U. 2) (Behrend 41; Goldschm. 135, Kombi.
101). — 2. = die Pustula maligna, Anthrax, die
schwarze Milzbrandpustel bei Tier und Mensch
(s. schwarze Blatter 3) (Behrend 62). — Schweins-
Pocke, 1. = die Varicella conica, scrofulosa s.
I lymphatica (sus scrofa - Schwein; scrofula —
Schweinbeule, Ferkeldrüse) (engl swine poz,
Kaltschm.) = die bei lymphatischen oder skrofu-
lösen Individuen wasserreicheren, daher pral-
leren, mehr konischen Schafblattern 2 (Behrend
44; Fuchs II, 1107). — 2. = Schweine-Milzbrand,
la rogne (Kankkorn), Schweineblatter. — 3. =
auf Schweine übertragene Menschenpocken
(Falke II, 303), Variolae suillae. — (1,801) Schweiss-
Pöckchen, 1. = Schwitzblatter (Hydroa). —
2. = Scbweissfriesel (Weichard 117). — spanische
Pocken, 1. = (1742) die angeblich 1492 von den
spanischen Schiffsmatrosen aus Weslindien
nach Europa und die (1493) von den Franzosen
vor Neapel nach Mitteleuropa gebrachten
syphilitischen Pusteln (wälsche Possen), die
ähnliche Haut- Narben hinterlassen, wie die
Blattern od. wahren Pocken (ndl. spaanse pocken ;
Zw. 683; Gr. W. VII, 1966; Maachenb. 183; Pr. I, 337;
blbl. Med. 467). — 2. = die eigentlichen wahren
Mensebenpocken (übertragen von 1) (uoldscbm.
; 135). — (1699) &pifc-Pocken = Varicellae coni-
I formes, konische Schweinspocken b. Menschen
(s. auch spitzige Blätterlein) (Behrend 44; Fuchs
II, 1107; v. M. II, 133; Falke II, 49). - (1699) Stfin-
Pocken = Hornpocken (s. d ), Varicellae durae
8. ovales (Behrend 44; Ackcnn. 108; v M. II, 122;
Falke Ii. 49. 339). — (1776) unechte Pocken =
falsche Pocken (s. d.), Varicellae (Behrend &). —
ungarische Pocken = heunsche Blatter, Milz-
brandpustel, Pustula maligna, Anthrax bei
dem oft durch deu Viehhandel aus dem Osten
nach Deutschland gebrachten Milzbrande (Bchr.
61. 62). — Ur -Pocke: als solche betrachtete
Jenner die Pferdepocken (theGrease; Mauke),
welche auf die Kubeuter übertragen werden
mussten, um ein kräfügereres Virus xu erzeugen.
Jenner hatte die in der Neuzeit durch Pasteur erwiesene
Verstärkung, resp. Abschwachung eines Krankheils-
Virus durch Überpflanzung auf verschiedene Tier-
spexies schon richtig verstanden, experimentell aber
•eine Hypothese nicht xu erweisen unternommen,
nicht einmal den naheliegenden Versuch gemacht, die
Variola von Menschen auf Kühe tu übertragen. Die*e
Scbutxpocke am Pferde war aber vermutlich selbst
schon eine übertragene Menschenpocke und deshalb
Urpocke = ursprüngl. Menschenpocke (Variola).
— (1680) Venu* -Pocken = Syphilid (Venerie)
(Pr. III, 278). — (1476) voll Pocken = morbillosus
(D. 36") — mit Kindsblattern auf der Haut ganz
voll bedeckt. — tcälsche Pocken = wälsche
Possen, spanische Pocken (s. d ). — Warten-
Pocken, 1. = Varicella conica s. venueosa =
die warzenähnlich konischen Schafblattern 2,
welche länger bestehen bleiben sollen, als die
feuchteren Wasserpocken oder Windpocken
(Behrend 44; Falke II, 49). — 2. = linsen- bis hasel-
nusugrosse, harte, schmerzhafte, fälschlich
Pocken genannte Hautwarzen bei Kühen. —
(1795) Hasser-Pocken = Pocken 2, lytnph- oder
wasserreiche, KlaMielle, blasenförnnge Schaf-
blattern 2, (1764) Varicellae (Vogel ; Ackermann 108;
Falke II, 49; engl, waterpox, glasspox) (Schweins-
, pocken). — weisse Pocken = Vaccinae albae,
Schutz- oder K uhpocken, die eine helle Flüssig-
| keit enthalten (Falke Ii, 434). — wilde Pocken
478
Podagra
polstern— Pöpel.
= Heidepocken (a. d.), nicht natürliche, d. h.
nicht regelmässige Schafblattern bei Kindern,
sondern Varicellae Bpuriae (= Pemphigus neo-
natorum), krankhafte Blasenbildungen auf der
Haut (Gr. W. III, 1421). — Wind-Pocken = die
bald vorübergehen den, nicht lange bestehenden
falschen Pocken (s. d.), Varicellae spuriao
(Goldscbm. 136; Behrcnd M; Falko II, 49; engl, wind-
pox). — Wochen- Pocken = Wochenfriesel (s. d.)
(KDeippi34). — (i890)Zn/m-Pocken = die wahrend
der kindlichen Zahnungsperiode manchmal
beobachtbaren Hautknötchen (Strophulae inf.
Zahnlieschen*), die oft mit Schafblattern (Vari-
cellae) verwechselt werden (J. B. f. K. H. K. 1890,
XXXI, 61; Münch. Med. Wocb. 1894, S. 856). — (1782)
zeitige Pocken = voll entwickelte, reife Impf-
pocken (M. Ii. I,. l, 264). — Ziegen- Pocken = auf
Ziegen übertragene Menschenpocken (Kalke II,
43«). — tutammetifliestende Pocken = Fliess-
pocken (s. d.) (Ackerm. 102). Die meisten Namen
dieser Poekenartcu entstanden erst am Knde de» vorigen
und Im Anfange diene» Jahrhunderts unter dem Ein-
flüsse der Jcnuer'schen Impfmethode; die ursprüng-
lichere, altere Bedeutung l'ocken — Franzosenpustel
erhielt sich auch Im Pockenbolz (Lignum Guajaci),
das ein AntlsyphlllUcutn l»t. — Pocken ■/>'.'' .'tr f. >•,",
•Delle, -Drüsen, -Frätte, -Gijt, -Orint, -Grube,
-grUbig, -kaufen, -Krankheit, -Mann. -Materie,
-Mauke, -Narbe, -Not, -Räude, -Schramme,
-Seuche, -Stoff".
Podagra, n., f. Podigrab, Podegram, f., n.
Pfotengram (Pootj e) (wie Rosenbaum 285 au nimmt,
ans soSa/.fta, noö;, m&oYA-rt« ; leUteres durch attische
Verwandlung des f. in u = itoSotpf ia entstanden, unter
Metathesl« no^at-fr*01« Doderleln, lat Synon. n. Ktymol.
IV, 424 = Fusscbmerz, Fnsslahme; nach Kraus, K. 38.
825 aus tto3-«rff»a [= Fussfalle bei der Jagd. Fangen]
= was den Fuss befallt? [Vill. II, 471). ai«>tuj, «-rptw
es fange, Roth 430; in mbd. Zeit übernommen als
[12. Jahr h .) piVdagra [Pfeiffer 18] der Ärzteschulen ; pögrat
= Fusslahtne, Parxlval ; Gr. 0. M. II, 1108; Gr. W. VII,
1966J; 1486 pedagel = pedagra, D. II, 296; 15. Jahrh.
podegran, <ir. W. VII, 1877; 15. — 16. Jabrh. bodegramm,
podegram, Gr. W. IV, 1. 1028 - crarop in den vocs,
1). 443; 1619 podagra = exitus morbi galllcl. V. Hutten,
IT. II, 49; 1529 das podengran, Pnrac. de imp. B3;
1693 podagra. f., Gr. W. = Fussgramerin ; 16. — 17. Jabrh.
bodengra, |>odegra[m), podegrem, podagram, potigran ;
1608 pfotengram, pfolagra [lauter Nebenformen, die
unter scherzend s|»ottl»chcr Anlehnung an pfoto und
Gramm = Krampf sich bildeten] = Fussgramm, chiragra,
Handgleht. Gr. W. IV, 1. 102«; VII, 1466; 1609 podl-
gramb Guar. 935; [Schwaben] pottegra, ßuek 18;
[Bayern] podigrab, Schindler 1, 382; [Flandern] pootje.
D« Cock 307. 312; dazu Podugrams- Kraut = Aegopodium
podagraria I.., Tabeniaem. ; franz. podngrc, podagreux,
pouacreux, gouttc, Bris». 93, 145). — Podagra, 1. =
die fast immer den Fuss zuerst belallende
(Fuss-) Gicht 4. — 2. = Handgicht (Chiragra)
(norweg. joira), Meissen an den Handghedern. —
3. = Gicht überhaupt (s. Gut u. Tropfen). — 4.=
eyphilit Knochenschmerz. — 5. = Richttthnliche
Erkrankungen bei Haustieren (1592 Podagra der
Fuesse vnnd der Krewel [bei Habichten], Seb. 731;
Podagrain [bei Pt-rden], Seb. 1%). — (1690) Poda
gramer = einer, der uus Podagra(m) hat (Gr. w.
VII, 1967); anlehnend an Kramm, Krampf; man stellte
sich das Podagra (noch 1712) als einen Geietikkrampf
vor, der von unordentlicher Bewegung der Leben*-
geisler herrühren sollte (F. Hoffm. VII, 214). — (1561)
podagrämisch, (1*77, litt) podagramisch, (1592)
podagrisch — podagrosuB, mit dem Podagra in
Üeziehung stehend, damit behaftet (Schmeller I,
382; Seb. 29; Gr. Vf. VII, 1967). — (1783) Podagrist
(nlat. podagrtsta, Gr. W. VII, 1967) - einer, der am
Podagra leidet (Easicb 474). — (1594) geschlachtetes
Podagra — gutartige Gicht (FUcbart). — (1756)
//afo-Podagra = Genick-Gicht (A. v. H. I, 1291).
— //..-«»/-Podagra [1181 da» podagra in der bandt;
1560 das podagram in haend, Gr. W. VII, 1966; D. 121)
= Chiragra, Fingersucht, Handgicht, Urarlhriti«,
Morbus aulicus (aula = Hot, reicher Uerren-Siu) =
rei ch er He rren-Kran k h ei t . — ( 1507) fieitses, hiteiget
Podagra (Hort, aan.) = ein Zipperlein mit ent-
zündlichen Schmerzen. — (1699) kalte» Podagra
= das schmerzlose Podagra (s. vorige« u, kalt)
(v. m. i, 288). — (1766) /ii ( /Vi -Podagra = Siagon-
agia - Gicht -Ablagerung im Kiefergelenke
( \. v. h. Ii, 1271). — (1608) lustiges Podagra = eine
schmerzlose Fussgicht, Herrenkrankbeit; die
l'odagristen sind, wie man sagt, meist guten
Humors ausserhalb der Schmerzanfalle (Beyn.
315). — (1766) Rücken Podagra - Khachisagra
= Ablagerung von Gichtstorfen in den Wirbel-
irelenken (A. v. h. Ii, 1269). — (16. Jahrh.) veraltete*
Podagra (Fr. Kr. B. 667; Lonic. 341) = chronische
Urarthritis. — Podagra -Fluss, -Glieder, -Ma-
terie, -Tripper, - Weh, - Wüten.
polstern — mit bellendem, bulsterndem, bel-
ferndem Tone wie eine Bulldogge husten =
tussitare (D. 603).
Pöpel, m. Popel, Popeln, pL Pnples (kaum
zu popeln, poperin = schnell bin und her bewegen,
M hwach klopfen löchm. 1, 400; Schw. 504; Meyer 76],
sondern besser zu Pop|>e [ =• l"uppe] wie Tockele ; conf.
verpöpcln - verhüllen; elnpitpoln — einhüllen, Spless
II. 62. 268), 1. m ein verhüllter kleiner Klopf-
oder Spuckgeist: a) aus dem Walde Waid-
Popel (Panzer 2. 109); b) auch ein dem Menschen
aul hockender Hauekobold od. Butzimann, dessen
Puppcu-Blld in Wachs früher Im Leingaden (Penates)
an der Hell oder am Uten über der Uerdstelle auf-
gestellt war als Popelmaun, //«U-i-Pöpel (Blbele;
Schwaben, Österreich, Franken), Ji< Ua - Popula
Köhler 448), HollapupiHi, Hollepöpcl, Hullepopel
(Bavaria III, 1. 296; (ir. D. II. I, 473 475, Anm ; Uruuell
I, 2.V.; Kthnol. Mltt. a. Ung. 1894, fi. 257; Brinzlng 406;
Panzer 2. 106. 109; Mannh. 74; Verna]. 88, Wuttke 42)
oder als Pöpel zur Spottllgur wurde (t'opanz,
Pop- Hanns). — 2. = der (von diesem Pöpel-
mann, Popelmann, PophUrtlein verursachte)
verhärtete Augenltd-, Mund- und Nasenschleim
(s. Pöppel-Auge) bei Kindern (Pöpel. Pöperle,
Pnpoln, Mann-Mann, Mö-Mö), der sich wie eine
Fliegenmade (Puppe, Larve) ausnimmt, unter
welcher Gestalt die elhischen Geister in den
Menschen einziehen (Puppe = boppe, Kluge*, 290;
Schw. 604; Schmeller 1, 400). H. Paul 346 nimmt an,
dass „ Puppe" als Insektenlarve aus dem Französischen
übertragen wurde, „Poppe" Ist aber wobl echt deutsch.
— 8. = die öfters nach dem Volksglauben durch
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Pörpel— Pollution
Polster— Pompel. 4?»
Nachtgcister veranlassten Bläschen, Porpein,
Knötchen im Gesichte (Herpes, Papulae, Akne,
Bullae) ; vielleicht haben die ärztl. Papeln (papulae),
die allerdings nur Schulansdruck sind, deu Bestand
die»er Popeln, Popeln begünstigt, die eigentlich nur
Porpein (t. d.) sind: (Bayern) poppe, poppen, boppel;
(Schweix) pop|>eln, popern ; (Pfalz) poppein, poperle,
po|iern; (Österr.) popern ; (Schwaben) poppele, pompelc,
bobbcle, boböle, puple, bup|>el ; (Oldenburg) bnbbtes
(Pauli 113; Goldschm. 149; C. V. Schal. 80; Schw. «M ;
Schweiler I. 399; ür. W. 11, 198. 632; VII, 2000 ff ). —
4. = Poppel - ein dummer Mensch, kleiner
Kretin (Z. f. d. Phil. III, 336, Erbe 18); die Kretinen
Namen sind oft auch Dämonen • Namen , well beide
Wesen vom Volke identifiziert und die Kretinen als
Wechsclbalge davon abdämmend angenommen wurden
(s. Kobold, Alp, Bilwiz, Troll, Butz). — 5. -
Poppele = Teufel (Blrllnger, Sitten 127. 128). —
popelicht = mit Popeln besetzt (Sehmellcr I, 400).
— A7«'/-Pöpper = s. Papen. — X nsi n Popel,
-Popel, 1. = verdickter, verhärteter Nasen-
schleim (Pöpel 2) (Spleas II, 171; Gr. W. VII, 414;
Z. f. d. A. 1888, S. IM; Urquell III, 109). — 2. = wie
Schelm, Olf, Wicht, auch ein Schimpfwort. —
Äitn-Pöpel = ein die Kinder erschreckendor,
die Ruhe im Schlafe störender Dämon (Voigt). ,
Kohler, V.-Br. 290). — S/roÄ-Popel = eine lang-
sam", schwerfällige Person wie Popanz =
Strohfigur (Cranell n, 158). — trrpoppern = durch
den EinÜuss des Popelmannes (Dämon) unter
Aufregung (Convulsiones) zu Grunde gehen
(Erbe 14 stellt es zu Popelsucht, a. d. [Vi). — Wald-
Pöpel s. o. — Pop(cn)-, Pöpel- A uge. -Hanns,
-I Ailler, -Mann, -Seuche, -Sucht.
Porpel s. Porpeln.
-pörung s. bohren.
Pöttich s. Pottich u. Petik.
Pofel, m. (zu tappeln = schnell sich bin und her
bewegen, wirbeln, Sehmellcr I, 381. 400). — Pofel =
der Geifer od. Mundschleim mahnender Kinder,
der als Schaum hervorquillt.
Pogge, f. = Kröte, Frosch (s. d. n. Pocke)
(nordd.; Krtschb. 80; holl. päd; schwed. padda).
Poldsche, m., f. poldschen (wendisch poldnja
— Mittag; [Mark Brandenburg); poldschen -- Irre reden,
Lalstner I, 32) — ein männlicher oder weiblicher
Mittagsgeist (s. d.), der mit einem hölzernen
Ilammer nach dem Volksglauben die Menschen auf
den Wirbel schlägt m SonnenHtich, der verwirrt
und Drohnen im Kopfe macht.
Polen. — polnische(r) Flechte, Krankheit,
Sriuhe, Zopf. — Carininculus polonicus =
Hchwarze Milzbrandblatter (Krans, E. 869).
Polka. — Polka- Fieber.
•polla 8. Bollen.
Pollution, f Pollux, m. (In derStudentennpracbe ;
zu polluero = verunreinigen in feuchter Form) = Pol-
lutio nocturna, involuntaria seminis in soraiio
(s. Alptraum) cum titillationis libidinosae sensu
emissiu (Kirsch 923; engl, wet dream. Dornbl. 146)
= Befleckung, Samenergieasung im Traume. —
Pollution»- Katten.
Polster, II. (itltgerm. bclg (schwellen, Balg]; germ.
holst ra = Schwellung; nhd. polstar; mhd. pohttcr —
Geschwellte», Kluge*, 28S), 1. = (1646; nyrtl, K. W. 15)
Glutaei, die schwellenden Gcsässmuskeln, auf
denen man wie auf einem Kissen sitzt. — 2. =
weibliche Brüste (Heyne III, 1180 ff.l. — Magen-
Polster = (Obcrsetznng des) Pulvinar ventriculi
(der Arabisten), Pankreas, KÜcklein (r. d.), das
Wampenbries, Gekrösdrüse, die man als ein
von der Natur geschaffenes Rückenpolster för
den vollen Magen ansah, weil man keine andere
Erklärung für dieselbe fand. — (1843) Strahl-
Polster = das unterm Fleischstrahle des Pferde-
hufes liegende schwammige Gewebe (Falke II, 847).
Polterer, m. poltern (elu onomatopolctlsches
Scliallwort aus [spät mhd.) bulderu - I.arm machen,
uugestQui, hastig handeln) — die Silben und Wörter
gewissermassen Istrmend oder sprudelnd (siehe
brudeln*) herausschülteln, überstürzen (Bat-
tarismus) (coeu 41; Kluge5, 288). — Polterer-
ein Mensch, der einen solchen Sprachfehler
(Tumultus serraonis) hat.
Polyp, m. (grtech. polypous [Octopus vulgaris],
Onber. Soranus 5) ; mit diesem Vielfuss-Tiere verglich
man: 1. = jeden der Kleischpulpa ähnlichen,
aus einer Körperhöhle sich vordrängenden,
gestielt herabhängenden, aber mit dem Kusse
(Wurzel) auf seinem Boden (Schleimhaut) noch
haftenden, übermässigen Auswuchs am tier-
ischen und menschlichen Körper (1518 polyp ein
überlg Fleisch in der na*cn, H. v. Gersd 100; 1692
polypus - ein Nasengeschwar, Seb. 34; flander [*. d.*]
= polypus, I> II, 176; 1741 polypus = Naaengcwiicbs,
garstig und um sich fressende Krebs-Krankheit, Kirsch
924). — 2. = (1766) Herz-Thrombns und Em-
bolus („ein gewaechs des hertzens oder einer Ader,
A. v. H. I, 1145). — 3. = der (mit dem Nasen-
polypen oft verbundene) öble Geruch aus der
Nase, Ozaena, Poetor narium, Pestis vel Putredo
nasi (Du Cange VI, 395. 399. 400). — 4. = s. Plunder*.
— Die Begriffe des bötartigen, Fleitch-, Mutter-,
Na$en-, Schleim • Polypen ergeben Bich aus
Obigem; (1741 cauda matrlcls - ein gewiss langes
Gewaechs an der Gebaennutter so sich büui in den
Mutterhals [Scheide] herablacsst, Kirsch 197). — llert-
Polyp = ein polypenartig an der Innenwand
des Herzens aufsitzender Thrombus, Paser-
stoffgerinn8el (s. Wif); «. Z. v. J. J. Rousseau
„eine gewöhnliche Herzkrankheil" (damals eine
moderne Einbildung der Kranken ; 1702 erschien eine
Abhandlung: Polypus cordls epldcmtcu», Kraus, E.
721 ; Vlcrordt 88).
Polz 8. Bolz.
Pommer, m. 1. = eine kleine pumpete Hunde-
art. — 2. = ein kleines, breites, dickes Wesen
(schwab. ; Erbe 31).
Pompel, f. Pampel, Poms, Bons, Pumpel.
PÜmperle (da Britsche und Pumpel Bchallwerkzeiige
bezeichnende Worte sind und beide = Vulva, Feininal
bedeuten [Gr. W. IV, 1. 482; VII, 2237; Schmeller I,
392; C. v. Scbtn. 39), so dürfte hier an den Schlag mit
der Lebensrute [Autklndelu, Aufpfeffern, AuffüUeln,
s. d. Verf. Baum- u. Waldkult, S. 20) erinnert werden
nnd an das BriUchBritach [Kindenrprache] - Schlag
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480 Popanz— Porpein.
Porxellan— Pott.
auf den Hintern; i Heimelt ) Uous, buns, Tom», rom|>cl
— rulra, Spiess U, 31. 186; Pompclblumen = Chry- I
santhcinum tanacclum, Jessen tW = Gürtler, Bcliuss I
[= InclUmetiU ad coltum], Kraft» une; — pumpeln, '
pümpeln = fatuere ex vagina (Gr. W. Vll, 2227). '.
— pumpet — breitgesohlafren , untersetzt im '
Körperbau (engl, bump = Beule, Kaltschm. ; Scbm.
1, 892). — Pumperer. 1. = der (kollernde, pum-
pernde) Bauoh (Hlntn. 8 18). — 2. = ein pumpeter
Mensch (Hintoer 6. n). — fJVrz-Pumpern = un-
ruhiges Schlagen des Herzens, Herzpochen,
Herzklopfen (Gr. w. IV, 2. 1269. 1208). — Pumpet-,
pumperl-^*M«tI, •thöricht.
Popanz, m. s. Pop-Hanns.
Popel, Poppele, m. s. Pöpel. — Popel-SucW.
Popelsie, f. s. Popelseuche.
Popist, m. (». Papst; 1777, ndl. bovyst = poplst,
Bubenflst) sb grepitUS (D. 167).
Popo, m. (BODO) = Podex (Klndersprache ; ab-
gekürzt und redupliziert).
Pore, f. (au» dem griech.-lat. porös [Empedocles],
portu; franz. pore, Gr. W. VII, 2002) - HautötfnutiK.
Schweis«- odet Dunstloch, Blutgefässötrnungen
(Galen.; Kraus, E. 836; D. 449). — Ha >< f- Poren
Scatms*-Poren.
Porpein, Pörpeln, Berpel, Parpeln, Borpein,
Puipeln, Buppeln (aus mtlat. purpurn, purpula,
purpela, Gr. W. I, 1627; II, 246; VII, 2002. 2266; 1482
berpel = Variola, Urscblachten, Zening. Voc. mm 4;
rubeola. Rotein. Gr. W. I. 1527; 1493 barpeln = Variola,
D. 607 ; 1507 porpeln = Finnen, Hort. san. ; 1513 porpeln
= Urscbl&cbten, Variola, Gr. W. ; 16. Jahrb. purpeln =
Pockenge-«chwure, Gr. W. IV, 2. 701; 1318 borpellen =
morbllli, H. v. Gersd. 100; 1621 porbel = Variola, D. 607 ;
1666 purpeleu, porpeln, Kindsblattern, Kotein, Gr. W. ;
1567 borpelcn = KoUucht, Plctor. 21; 1576 porpeln =
varl albl, U schlichten, Gr. W. ; 1680 porpeln = Kinds-
blattern, Pocken, C. v. 8chm. 149; Gr. W. VI, 1700;
1587, 1588 purpeln = Variola, Blattern, Gr. Vi. VII,
226«.; D. 647, Durchschlachten, Röteln; 1592 parpeln
= Kindsblattern, 8eb. 57 ; 1610 porpeln - Klndcrblattcni,
Variola, Gr W, Vll, 351, 2003; 1C99 pocperlcin = pör-
peleln = purpeletn, Petechien, v. M. II, 168; parpen =
porpeln [V], Pockenwarze, v. M. I, 73 beim Kalbe;
1728 purpeln ■ variolae, Kotsucht, morbllli. Zw. 474.
966, 1807 purpeln = Pocken, Blattern, Ackermann 88;
Gr. W. VII. 1964; Pauli 36; Schindler II, 499; franz.
1c pourp'e - purpura varlolica ■ variole nolre [schwarze
Blatter], Bris* 136; engl, purple = Kleckflebcr, Schar-
lach, purples --- Prieseln, Kaltscbm.) = roter Haut-
ausschlag: 1, = Variola, Pocken, Blattern. —
2. = Morbilli, Masern. — 3. = Köleln. — 4. =
Schafblattern (Prodromalstadium). — 6. = pa-
pulöses Syphilid (witlsche Pocken). — 6. ■
Petechien. — (16. Jahrh.) purpelicht = syphi-
litisch (Gr. W. VII, 2266) (s. auch Purpur). — (1590)
französische Purpeln = wälsche Purpeln (Gr. w.
VII, 2266). — (1557) .vÄimi-:- Borbeln (Plctor. 80)
^schwarze Pocken oder Blattern (s. d. u. oben).
— (1533) wälscJte Purpeln = (1497 morbUll ltallci)
die bei der Fransosenkrankheit (Morbus galli-
cus) auftretenden roten Hautausschläge (Syphi-
lide) (Gr. Vi. VII, 2266, Z. Hdb. III. 4; Haeser II, 196;
Fnch« i, 363. st»; Pr. Ii, 171). — tmsK Purpeln
(franz. pourpre blaue, Bris«. 137 m fievre miliaire) —
weisser Friesel (s. d.). — Porpel- A/am».
Porzellan n. (aus ital. porcellana, dies aus mtlat.
porcus — concha Veneria , eine Seemuschel , deren
milcbweissglanzende Schale den chinesischen Topfer-
waren den Namen gab, Kluge*, 288; Gr. W. VII, 2000).
— Porzellan-i,,ie6er, -Friesel, -Krankheit.
Posaune, f. (zu Ist. bücina; altfranz. bulsine ; mhd.
bosünc = Blasinstrument) — Hut; Posaune (Splesa
II, i»9) = Kind, welches mit lautem SchnüÜel-
geräusche Schleim aus der Nase ausstösst.
Poschen, pl. = die bauschigen, wulstigen
Ausbuchtungen am Dickdarme der Wieder-
käuer und Pferde (Martin 39; Frank; Falke II, 211)
(s. Bauschen).
Possen, pl. (mtl. bocio, bocla, bothium. Botium,
Bocium, A. Par«; Kraus, K. 168, D. II. 56; I, 76; dazu
franz. la bosae = bubo, Brias. 243 ; ltal. boxxa - tuber
pestifcnim, anthrax, apostema, aneb glandula In in-
guine, bubo, Du Gange I, 713 = Heimlichkeit, D. 79 ,
1352 hernia [crepitus], D. 615. 616; 1348 bosaaa = Pest-
beulen, Lorsch 118; 1467 une bosse, Du Cange IV, 280;
armorisch-kelUsch bos. bösen ■= Pest ; skr. varoa = Tod,
vas = inlerneere, Kuhn, Zeitachr. V, 862). — Posse
-Lendenbeule infolge von Pest, Syphilis oder
Lenden-, Leisten-, Hoden-Bruch (Hernia), Cre-
patura (s. Bünkel). — tcälache Possen (Z. Hdb.
III, 4) = Drusenschanker, LyinphdrOaenan-
schwellung bei den spanischen Pocken (= Sy-
philid-Pusteln).
Postem, Posten, m. 1. = (14. Jahrb. postem,
Z. f. d. A. 1888. MS; 15. Jahrh. = apostema, H. Z. XX.
24; franz. pousteme, postume, Brtss. 290) =Aposiem
(i. d ). — ii. -Posten entstellt aus Bluoaten =
Kehflecken (zu Reff 1 ; ahd. reo = Leiche), Nagel-
blQten, die den baldigen Tod anzeigen sollen
(s. Nornenspuren) (Rochholz I. 136).
Postur, f. - (1743) Positur, Statur (Sehmeller I,
413; bibl. Med. 23), aufrecht stehende Körper-
haltung.
POSS, n.Pozs. böse (engl. pose,poze = Schnupfen,
nach Kluge*, 290 vielleicht zu pusten [s. d.]7).
Pote, f- s. Pfote. - Pot(<)-L«Jfcer.
Pott, Pottach, Pottich, Podig, Bottich,
Bottech, Bödi, Bedi, Betacher, Bedicher,
Puett, -püt, Butzach (abd. potab, poUh. Graff III,
86; potaeba = putina, D. 474; botahba = corpora: podeh
= cadaver, D. II, 64; 10. Jahrh. botecha = morticlnla,
Notker; 13. Jahrb. botech, botlch = Rumpf ohne
Haupt, Sehmeller I, 309; 1388 poüch = Rumpf 1. eod.
I, 810; 1399 patlch b Rumpf; mhd. botieb; 16. Jahrh.
put = ezentrum, Intestinum placium ; puür, pl. = Ein-
geweide, Gr. W. IV. 1. 1918 IT.; 1482 gepütt = exentra,
Zen. Voc. ml; pltt, Sehmeller I, 305; 1542 botüch sa
Rumpf ohne Kopf, Sehmeller I, 310; 1561 bütterlch,
bötterich = Bauch, Wanst, Gr. W. IV, 1. 1914;
nhd. bottech, bottieb = Rumpf; podoeb = der
Hintere ; butten, m. = Leib, Magen, Bauch, SchmeUer
I, 310; podlg, bedi, bödi - rnterlelb, Rumpf ohne
Kopf, Schindler 1. c. ; 1417 pedek, pedick = medulla,
mediculeum , D. II . 249 ; das Mittelste [Kern , Mark]
eines Dinges [s. Petlk) . pedacher , pedlcher = toter
Korper, I. c. ; [O.-Pfalzl becht = Korper; (Oldenburg
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Prach — prechen.
preckeln— Priapismus. 481
pettlk = Abseeaskörper; Buzach; intim, buzechae; lud.
busecchie = exta. Eingeweide, Kattelflecke, Schneller,
Tirol. Xamenf. 276). Der Bottich hat etymologische
Beziehungen zu Bütte (Kluge *, 51); die begrifflichen
Beziehungen beider alnd wobl nur au« der Anatonila
sacralif, au* der vom Oode (auch ahd. pluostrari) ge-
leiteten Opieranatomie ahzulciten ; nachdem dieser
den Kopf des kleineren Opferticres yom Kutnpfe ge-
trennt hatte (an diesen Teil erinnert noch den an
gewUie Kultzeiten gebundene Kalbskopf- u. Schweins-
kopf Essen In den Spitalern, das lange Zeit sich er-
hielt, und der Schwur auf den Eberkopf), blieb der
kopflose Rumpf des Tieres (Bottich) zurück; dieser
wurde auageadert (s. d.), ausgelöst (s. d.), gebftttet, dos
Gebütte wurde herausgeworfen; Leber und Lunge
übernahm der Gode zum (hauslichen?) Brandopfer
(s. Godeslungc. Godeeleber) ; die Haut des Tieres wurde
abgestreift und (wenn das Schlachttier = zebar, kein
grosses Opfertier war, sondern ein Kalb z. B.) zum
Wasserbottich ( = Wasserkalb - Bütterich s. d ) als
Bütte (= Schlauch, Gefaas) benutzt; das Un-zcbar =
Ungeziefer (ungezlbere) aber, das nicht zum Opfer
geeignete Gepütt (Intestina, exentera) war dann das
Namengebende für die einzelnen F.ingcwcidetelle (ohne
die sogen, edlen Teile). Aus dieser Opferanatomle
ergibt sich durch teilweise Übertragung, dassPottich:
L = menschlicher und tierischer Leib im Gegen-
satze zu Kopf und Hals, der dicke Leib, Wanst
(der bei Tieren verarbeitet zum Bottich [s. d.]
wurde). — 2. = die ganzen Eingeweideteile
hiessen das Gepütt oder Geäder, Inngeräusch,
ausgeweidete Gelose, das ausgeworfene I*os
(s. d.), das Weidelot (Schräder 120). — 3. = ein
kleines Kind (Bamsi), da» sozusagen nur Wanst
ist (ndd. pultk, pitk. Kromm. VI, 364). - Pöttling
(15. Jabrh. , 1417 eyn botlingh = eunuchus spudn
(s. Spat]; ndd. boeUingc die nicht doghen to rokernde,
D. II, 145. 158. 344 ; ndd. bodllng. boetling - ver-
schnittenes Bind oder Pferd, Kromm. VI, 53) = ein
ausgebluteter Kastrat oder Eunuch, der ge-
schlechtlich nicht mehr verkehren kann. —
End-Tottich (Puttich) (ndd. enne budding, endbutt,
Kromm. VI, 69) = Endeldarm, Mastdarm. — Nett-
Püttich (ndd nestpnddek, Kromm. VI, 358) — NeBt-
c|uack, jüngstes Kind, Bütlerich 3.
Prach, Praghen «. Braue (Sehmeller I, 355).
PraSB, BD. (1561; Maaler, Kluge5, 289) = die tym-
panilische Auftreibung des Leibes. — prasset
= braschet, geschwollen, gedunsen. — prasseln
= rrepitare.
Pratsche, f. Pratze, f. 1. = s. Bratze. —
2. = dicke, unförmliche Weibsperson (Pratsch)
(Tirol; Kromm VI, 28). — (1717) Bären-TT&tZel =
bratzen- (s. <l.) förmig missgestaltete Hand
(Abrub. a. St. < 1. II, 117).
prechen (ahd. prehan. Cass. Glos.« , mhd. brühen,
Lexer 28 = glänzen, schimmern, leuchten; engl,
brighter ~ glänzend machen). — Aug, ■ >, - prechen
(brechen) (ahd. ouge brehan; mhd. ougen brehen,
Lexer 183 ; Gr.W. ; engl, eyebrlght = Augentrost [Pflanze.
Augcnmlttel)) =- der glänzende, leuchtende Blick
der Augen. — (1618) ror - prechtig (brechti«)
(Sehmeller II. 184) = von glänzend roter Gesichts-
farbe (s. rotbrüchig u. Schönröte) (Rotprechts-
[Rupprechts ] Kraut = Rotlanfknint [Gcranlum Rober-
j Hanum], V. K. II. 31). — im-yrprächt ( bracht, Schm
1. 382) = ungestaltet, unförmlich. — Prechen-
Iira ue.
preckeln s. prickeln.
Prein, f. s. Bräune.
Preis, m., n. Preisslat (im 12. Jahrb. aus franz.
pris = lat. pretium entlehnt; mhd. pris, Kluge', 28U
= Corona, Kranz, Ehrenkrone; 1642 preis, preis* , brels,
Gr. W. III, 1567; V, 2378; VII. 2092; R. A. 585) ■- der
einen Haarkranz tragende, mit Haaren rings
umwachsene Pferdehufrand (s. Krone). —
Preisslat, n. = ein dem Kfisslat nachgebildetes Wort
für = die ganze Stelle um Hufpreia (Seb. 177). —
(1592) offenes Preis = haarloser Preis des Pferde-
bufes (v. M. I. 36; offene* Breiss, Seb. 177).
Prell. — Prell-SchusB.
press- s. brest-.
Presse, f. (aus lat. pressare — drücken ; ahd. prSssa ;
mhd. presse ~ Weinkelter, Kluge*. 289) — der Blätter-
magen (I^öser) der Wiederkäuer, der das Futter
ausdrückt und auslöst (Falke I, 213). — (1551)
Ader-, Wein- Press (= Übersetzung des torcular
HeropbJli) = „die Stelle, wo die beiden Quer-
blutleiter des Gehirns mit der Sichel und dem
geraden Blutleiter der. harten Hirnhaut zu-
sammenkommen, von wo das Blut durch den
Druck dieser Presse in die Gehirnnerven hinein-
getrieben werden sollte" = Trotte (s. d.) (Hyrtl,
K. W. 168). — Bau ■■/(-Presse = die Gesamtheit
I von Luftdruck- und Muskelwirkungen, die den
Bauchiaum verkleinern und damit Kot und
Urin ausdrücken können. — press'«//7r/ =
bresshaft (s. d.).
Prosten s. Brest en.
Pretig s. Brat u. Brot.
Pretsche, f. s. Pritsche.
■pretten, -pritten, -prettigen (zu ahd. breit -
Entzückung, Gr. W. II, 378 ; preltan = rapere, strlngere,
wegraffen, verzücken; mhd. breiten = ziehen, zucken);
dazu: hin-,in-, ent-, rr-pretten (ahd. hinbreiten,
inprettan, tnprottan, erprottan [Graff III, 287; Gr. W.
II, 378, III. 078; Gr. D. M. I, 1037] in Verzückung,
verzückt sein; 13. Jabrh. herbrote (vn herbrant vart
uz in eyn andlr lantl], Sltz.-B. 1867, 7; dazu verschie-
dene verderbte Nebenformen hlnnebritten. Gr. W. IV.
2. 1457; 1120 eyn hynprit = extusls, P. II, 183; 1482
etilbreitten = exUisis. D. 219; 1484 die hynprüchtigen,
Rlezler 3i j 15. Jabrh. entbrelttcn — extasis, D. II, 163;
1603 hinnebrlttend; die hen-, heu-pretigen, -proettigen,
henpredigen [entbretten|, hluneprettigen, hlnnepritte»!
Sehmeller II, 1038; hantprahti - contractu* = ant-
prettig. Grafl IV, 970; 12. — 14. Jabrh. hinbritunge,
bynbritunge = iniruckungo des gelstes [raptus], Hoffin.
I, 376) = die Verzückung, das Verzucktaein in-
folge von Eclampsia (puerperalis). — Anbrüten
(der Schwangeren und Wöchnerinnen) (eine Vm-
deutung des obigen; 12.— 14. Jabrh. hynprltung* =
raptus, I). 848 ■ Hinprettcn Iblnnebritten]). — Hirn-
brüten - Elinpretteii, stiller Wahnsinn (Gr. W.
IV, 2. 1557 ff.; vergl. Sehmeller I. 372; II, 1038).
Priapismus, n. (nach dem griechischen Weln-
bnugntt Wp'.ir.rjr mit dem grossen Gesehlechtsirlledi»
[«. BIM b. Lid), phnlln«, Krause, R. 841) — „eine an-
31
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482 prickeln— Protzen.
Proviant— Puff.
haltende krankhafte Erektion ohne geschlecht-
liche Erregung durch Heizung de» Centrum
genito-spinale" (Dornbl. 107; Koih 4r.fi).
prickeln (allgerm. prlk ; hd. pfreckcn ; ndd. prikken
= stechen, sticheln, Kluge5, 289; esprekcr, Uu Gange
IX, 184; 1417, 1502 prekel, preclihel = Stimulus. D. II,
348; franz. picotement; 16. Jahrh., ndd. preckcln =
lnstlmulare. D. SOI ; 1420 pricklln - pungere, D. II, ."09;
Fromm. VI, 363; engl, pricking, Lctaf. 85) — stichelnde
Empfindung haben. — (1735) Prickelung =
Nervenreiz, als ob die Nerven der Haut oder
Schleimhäute gestichelt würden (Woyt 263; 7. t
u. i'hiioi. xxvi. 248) — (i:»2t) FZn'scA-Prickel
(brlckel, preckcl de« vleysch = incentivum, I). 290) =
fleischlicher, geschlechtlicher Anreiz. — Haut-
Prickeln = das stichelnde Formikationsgefühl,
als ob Lause oder Ameisen in die Haut stechen
würden (engl, prickly heat - liehen tropicus, Lchf.
212). — Zungen -Prickeln - das stichelnde Ge-
fühl auf der Zunge (Wuttke 370).
Pries, n. s. Bries.
Priester, m. = Biest, Biest milch (s. d. und
Pfaffe) (Falke I. 212; 1482 priest -= Colostrum, D. 13.1;
15. Jahrh. pyerst von der küc, briester — Colostrum
n. Ii, loa).
Prill, m. = Prügel (s. *d.), Penis (Sehm. I, s.%4).
PrincepS = Fürst, erhabene Person. — Prinzipal-
Glieder.
Pritsche, f. (mhd. britzel »laben — das Schlagen
mit der Pritsche, Kluge*, 289). — Pritsche, l. =
die (mit der Lebensrute geschlagene) Vulva
(8. Pompel) (Henneb. PreUche = vulva, Spless II,
187; Schmeller I, 376. 422, Gr. W. II, 393; VII, 213:.;
mit der Martinsgerte, ein Birkenreis, wurden die
Mädchen aufgefltzelt [mullubria vlrga contingere]; C. v.
Schm. 60. 193; Verf. Baum- u. Waldkult, 8. 20). —
2. = der öfters mit der Vulva verglichene Mund
(«. Fotze) (nintner 6. 14). — 3. - ein Mildchen
Schi. 106J.
p ritten s. pretten.
privat (lat. privatus — eigen lobend , besonders
gehörig). - Privat- Krankheit.
pröfeln, pröpeln, propeln - murmelnd, un-
verständlich reden (Pfalz, Franken; Luther VIII,
114; Schmeller I, 351. 363).
Prophet, m. = ein mit der Drehkrankheit
behaftetes, aus der Herde zeitweilig unter
Luftsprüngen aufwärts gerichtetes Schaf, das
wie ein Prophet unterm Volke steht (Zipp. 624)
(Kcstasis) ; conf. fureur propheti<|ue durch die Oestro»
(» Ö»ter)-Made (Janns 1897, B. 499).
PrOSS, m. 1. = (ahd. pro* - gemma, Orafl IV, »69
Sprosse [*. <!.]; mini. broz = Sprosse). — (1182)
Arm-, Pn/m-PrOSS (^- spatnln [tCÄpoU], Zcn. Voc.
dd 1 y 2) = das .Schulterblatt als Armsprössling
oder Armknospe betrachtet. — (1482) Über-
Pr088 = nodns (D. W2), Überbein als Exostose am
Knochen. — 2. = s. auch Brossen.
ProtZ, m. (zu branschen (s. d ] sich bl.lhcn) =
Krrtte. — Protz-Afaw/.
Protzen, f. s. Pratze.
Proviant, m. (aus pracbenda - I^hcnsmltU-l). —
Proviant- Rohr.
Prügel, m. (zu Brücke = Werkzeug zum Brückeu-
schlagen, Kluge*, 5ö = [16801 Membrum virile, phallus,
ür. W. VII, 2189) als Stab, Stamm, Pfahl, Rute,
Stolpe (Prill, s. d. U. stöpseln). Da« Prügeln
(Austreiben der Krankheltsd.imonen) war eine Methode
des germanischen Heilkünstlers; die Plaghelligen oder
Prügelarzle = Medlci plagarum (Pemokr. XI, 50). —
die Bettelleute prügeln sich im Magen = der
Hunger macht Larm, Magenknuiren (Sptess
It. 26).
Prüsche. f. s. Brausche (Engel. 216).
-prütten s. pretten.
PniS, m. (verilchtlich) = Mund (Tirol; Hintner
c. 15) (s. Brunen, brüsten).
prusten (s. brausen, brüsten) = stark niesen,
sclinauben (II. Paul 346; 15. Jahrb. prusten roh der
nese — oscltarc, D. II. 274).
Psalter, m. (aus p*alterium; ahd. psalUrl, Graff
IV. 37« = das Psalmeiibuch ; altsach». «alter = echinum,
abomaslum, D. 194; Kirsch 410) = der 3. Magen der
Wiederkäuer, Blitttermagen (s. d.), dessen rauh-
faltige Schleimhaut wie ein Buch mit Blättern
ausgekleidet ist (Omasus) (Gr. W. IV, I. 1S69;
VII, 2200). — Bin^r-Psalter = Psalter («r. w.
VIII. 975).
Psora, f- '^u'if'* — Kratze ; eine unbewiesene Krank-
heitsmaterie, welche Ilahnemann 1775 — 1843, der Stifter
der sogen. Homoeopathlc, als Ursache des „inneren
Kratzesieehtutiis" (8. d.) annahm.
Psyche, f. *| yyn\ = Hauch, Geist, Seele,
Anima, s. An. - psychische Seuche.
puchen n. pochen.
Puchchen s. Pocken.
Puck, m. (Buck), 1. - Paggs, Pax (s. <l.),
Crepitus ventris (Schallwort; Schmeller I. 381)
(s. pochen). — 2. = das Hausgespensl , der
Hauskobold des Volksglaubens (II. A. Rh. 312;
dies nach Laistuer, Z. f. d. A. 1888. 8. 1«H ff., von einer
Wurzel beug = biegen, biugan) = Incubus. — Puck
Mar.
Puckel, m. s. Buckel (1723 puckelcn = papula.
U. II, 279). — G) -mf-Puckel (IG- Jahrh. grindpuchel
- Prurigo, D. II, 307) = bückeichen beim Cirint-
ausschlage.
Pudel, in. (Budel) (zu pudeln ■ Im Wasser
plätschern ; I70ii pudelhun.l). — Pudele. n. - Penis
lllintner 8. 18).
PÜllerlin s. Billern (ir,«j«: Sei. 751 ; Schmeller II.
G4»).
PtilBt s. Puls.
Pümpel s Pompel.
PÜnkel s. Bflnkel.
PÜrzel s. Bürzel (Falke II. 21'., zu abd. burlan;
mbd. bürn = erbeben, Kluge8, 89) — «las sich er-
hebende Steissende. — Purzel-ßaum*.
Püttich, Püttling s. Pottich.
Puff, tu. (ndl. pof; ndd. puff «= Schlag, Stoss;
15. Jahrh. poeve; 1777 pof. bof - eskera, »upervnltn«.
bnecamm inllalio, D. 210; Kluge5, 290; engl, pult =
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Puien— Purgatz.
Purpein— Pustel. 488
Bausch, Mona, Ushf. 213). ~ (1646) //rTZ-Poffen -
das Herzschlägen, l'alpitatiocordis (Coler, P. 29").
Puien (Pollen) (germ. j>uh = schwellen, auf-
blähen, blasen; dazu Beule [bula. - d.]} = ein kleines
gesch wollenes Gesch w ür ( PuBtelgesch wür, Pulle,
Beule) (Goldschm. 89).
pullen = pudeln (s. Pudel) = mingere (Urquell
III. 41).
Puls, m., f. Polst, Pulst (aus lat. pulsare =
klopfen ; pulim« = Aderechlag, ein universelle» Wort
der mittelalterlichen Medizin, Kluge*, 290; mhd.
pul«, in., f., pulzi. 8chm. I, 388; 1477 puls. f.. Ortolf;
UU die puls. Krautw. D. 3; 1699 die hülsen, v. M. I,
162; engl, pulse), 1. = der klopfend fühlbare Herz-
schlag am Busen. — 2. = der Aderschlag, be-
sonders der an der Handwurzel (s. Schlag) oder
(1362) an der Schläfe. — 3. = diene Stellen (2)
Beibat, wo der Pulsschlag mit dem Pulsfinger
gefühlt wird (le pouls). die Puls, Püls = die
Pulsader (Pauli 13; Du Cange VI. 566; Coler. A. 103).
— 4.= das pulsierende Klopfen, Klucksen eines
Gesch wärs od. Aneurysmas, Sphygmos Hippo-
kratis (dasn i-afa^u-o? = pulslos. asphyktlsch;
Asphyxie. Dornbl. 15; Fuchs II, 43). — 5. = der
eigentliche Blutpuls, der einzelne Pulsschlag
und die Dauer desselben. — 6. = das PuIh-
greifen, das Pulsbefflhlen («r. W. VII. 2212). —
(1512) /trfrr-PolB ( - pulsus arteriarum, Ü. 472 [ven-
arum?). <ir. W. I, l»0) = der mit jeder Herzkon-
traktion von dem Herzen ausgehende Schlag
einer Blutwelle in den Adern, der Schlag des
Pulsblutes. — (1177) drahter (trattr) Pulfl (ortolf;
C. v. 8chm. 135). 1. - schneller Pulsschlag. — 2. =
s. Draht-Puls*. — Fieber Pols — der beim Fieber
beschleunigte Pulsschlag. — (1668) ifrrz-Pülst
(Blüst) = Herzklopfen (Bcyn. 156). — vier Polst =
die 4 Pulsstellen an Händen u. Fussen, wo man
auch blasenziehende Pflaster au Hegte ((ir. w. VII.
2212). — FvlB-Ader, -Blut, -Finger, -los, -Sclüag.
Pulver, n. (zu pulvis = Staub. Bchlcsspulver). —
polverlen = nach Bauch winden (Ciepitus)
riechen (wie nach dem Pulverschuss) (Schindler
i. 389). — Polver- Turm.
Polz, Polzen, m. 1. = s. Bolz, Bülten, Puls.
— 2. = (Segen filr den „pulezen uud das Haupl-
gesehein", Schmeller I, 1M8] Bulzen 2.
Pommerl, m ( = Stier [brummender, Pommer])
— Penis (Tirol; lllntuer 8. 18) im Gegensätze zu
Kümmel.
Pompel, f. b. Pompel.
pumpern s. Pompel.
Pung s. Bung.
Punkt, m. (=,moruimentuiu, durch Zeichen bc-
«tlmmter, fester Zeitpunkt, Augenblick) = Iluut-
rlecken (s. Pinta). — Z>rMfJk-Punkt ■ diejenige
Stelle im Verlaufe eines peripheren sensitiven
Nerven, welche auf Druck schmerzhaft ist
(Point douloureux). — (1782) HV</t.vf-Punkt ■
Krisis (b. Krisis), die Zeit, in der die Krankheit
Bich ändert [M. EL u. I, 217). — Punkt-Sfanr.
Puples, pl. s. Pöpel.
PurgatZ, f purgieren (zu lat. purgare = reinigen,
fegen, fürben [«. d.)). — Purgatz Pnrgatin, die
Keinigtinj.' des Körpers durch die Kotentlee-
rung, Stuhlgang, Gaderzick, Ab- oder Nicder-
föhrung (Schmeller I, 751). — (1531) .ßatlcA-Pur-
gierung = 8. nachf. (Krautw. I.XVI, s3). — (1592)
natürliche Purgierongen = Menses (Seb. 103),
weibliche Reinigung als etwas von der Natur
Bedingtes im Gegensatze zur Bauchpurgierung
durch eine künstliche Purgatz mittelst Abfflhr-
mitte). — Purgier- .Fwfor.
Porpein, Porpolen b. Porpein.
Purpur, f. (Tj Jtop;p !>pY| = Purpursehneckc, Kraus, E.
868; Roth. 4M)) = purpur-rote Blutflecken der
Haut (Synonyma: porphyra, porphyrlsmus, phoenlg-
mus, scorbntus, peliosis. pelloma, apoplcxla cutanea,
haematosU cutanea, Behrend 76 ; 1696 purpurae oder
Friesel, Schreyer 16). 1. — fckorbutflecken (s. d.),
Purpura scorbutica et haemorrhagica — 2. =
Petechien (e. d.) beim Fleckfieber. — 3. = Blut-
streifen (Vibices). — 4. = Porpein (s. d. und
Gemieser •). — 5. = Blutschlag d. -6.=
Blutflecken-Krankheit. — (1561) rote Parpar, f.
m rote Blatterlein (Masern?) im Angesichte
(Bock ioi). — Purpur -Ader, -Fieber, -Friesel,
- Koortsen.
Pust, tu. s. pusten.
Pustel, f. (Nach Lencfa 19 wurden die Schaf-
porken zur Zelt des Tiberiu* von dem lat. SchrifUtcller
Columella VII, 6 erwähnt: ,,est eüam lnsauabilis sucer
iguis quam pnsulam vocant pastores"; Ml malae vale-
tudlnes cum pus(t]ulis et veslcls — Pocken, Schnurrer
I. 126. 138 [in dallien]; 569 morbus validus cum pro-
iluvio ventris et Variola [ls| Italiam (ialliamque affllxit,
Lersch 44. Anm.; 570 infanda inflrmitas atquo glan-
dula. cufns noinen est pusula [morbus gallicus?),
Schnurrerl, 138; Du Cange VI. 576; .'.71 morbus dysen-
terlcus cum pu»nlis, I.ersch 44; Schnurrer; 579 rnsti-
clores vero corales hoc pustula* nnminabant [also
auch In Frankreich vulgares Wort], Schnurrer I, HO;
581 tlblae ejus ab humore pusulas emisenint, Gregor
v. Tours . Scbnurrer 1, 142, 9. Jahrh. Pustulae = SypbUls,
Ausschlag, Peljpers 11; 961 pustula* [St. (iallcn),
Schnurrer 1, 192; pustula anl, Avicenna; Proksch I,
273; 1275 Pustulae albac et sclssurae et corruptlones,
qtiae fluni in virga et circa praeputiuin propter coltum
cum moretrice vcl foeda vel ab nlia causa, Du Cange
V. 518, 1414, ndd. pust = flatus, D. 238; 1426 puster =•
llabclliim. Dampf, l.ungenblahung, D. 237; 1495 pustella
[Du Cange V, 517] „turpediuls species tertla, in qua
Pustulae grossae et nigrae plures ut 4 vel 5 solent in
toto corpore apparere quam vnlgus Salerni scariam
vocant, haec dlcllur pustella et est perlculosior", Du
fange VII, :t39 [MiUbrandpu*tet <] ; pustella ,,vox ger-
manit-ac latinilatis", Du Cange VI, 577; Turpedo, quam
multl pusiulam dicunt, all! morbillum alti leprnm et
all! passionem tantum infra corpus. Du Cange nach
Peijper* 91 , 1197 purtulac quai' vuIkbIh uomlne dicunttir
mal de Krancos, Pr. I, 1307 . Kndc d. 15. Jahrh. pustula«
innlas morbutn quem malum de Francia vulgm appelint,
Schelll»;, 1532 pusculae - Syphiliden, Pr. II, 91,
1542 pustulen - Hautblatterlein, <ir. W. VII, 2278;
pr. Arzt 1876, 74; holl pulst — Kinne). Der Begriff
der Pustel - kleine geblallte Stelle ^Bläschen,
Blattei eben), geschwellte kleine Hauterliebung
stimmt mit dem der Blatter (s. d.) nbcreln; vielleicht
M «las Wort urverwandt mit gern, pnh - schwellen ;
31*
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484 Pustel— quacken
Pustem— quacken.
(data ndd. , MM pust = flatus (ü. 23S] und pusten,
1507 puyst — pn.sta, D. 474; 1S77 puyste = pustula,
I. eod.). — Pustel (demnach in Analogie von
Frlesel [f 'lesen , frieren] IB pusten) = „Haut-
knötchen oder Erhebungen der Haut mit frei
in der Epidermis angesammeltem (eitrigem)
Inhalt", der dieselben wie aufgepustet, aufge-
bläht erscheinen laset = Phlyzakion Hippokr.
(Fuchs II, 16). — Pustel ist: 1. = die Bezeichnung-
der ältesten SypblUdogTaphen für a) das syphilit.
sekundäre Exanthem; b) für die syphilitische
Primttrläsion ohne Induration (Prokseb II, 139;
nach der damals herrschenden Humoralpatho-
logie kamen diese Pusteln ex sanguine, wenn sie
rot, gross, hart u. warm waren, ex melancholia,
wenn sie sehr gross, schwarz, hart, schmerzlos
und um sich greifend, ex pituita (= Phlegma),
wenn sie weiss, blass, klein, zahlreich, Wasser
oder Schleim absondernd waren (Pr. II, 165). —
3. - Milzbrandblatler (dazu 1574 Pustelkrnut -
Scrofularia nodoia, beim Rankkorn der Schweine ge-
braucht, Jossen 369). — 3. = Pocke, Variola, Phly-
zakion. — 4. = Finne (D. II, 290). — 5. (da« mtl.
Pustula l>edeutct bei Diefenbach I, II: [anc-] weiz
[s. uuaese], angseta [». Angsatz], hut Kall [s, Hautgatle],
gesprlnc [s. Gespring], bulle [*. Beule], bloter, bletterlln,
Maddere [*. Blatter], quac frelsllchaz dlcltur [*. Fralss-
lich•], glostat [s. glostcn], wimmer (i. d.), pfoetzllti.
blaere, blcynu [*. Blcnn *], eine verwirrende Vielseitig
kelt der Begriffe, wie sie sich aueh beim heiligen Feuer
und 8t. Antonlen-Fencr [*. d.] noch bemerkbar macht;
Ik-I Kirsch 963 [1741] Ist pusula „ein bOtW, um sieb
missender Schatten mit vielerlei Blaltern , wild und
hitzig Zlttennaul, St, Anthonlen-Fener, das RothlaufT,
die Roac"). — pustulosisch (Paracela.; Pr. II, 70!
= naeh Blatternart, von Franzosennatur, syphi-
litisch. — bögartige Pustel = Pustula maligna,
Milzbrandpocke, Brandpocke, Heun'sche Blat-
ter, Anthrax. — (1618) brennige Pustulen, /Vi<riyf
Puistcn, iVwHPUtel (Paracelsus ; Gr. W. II, 370,
ndl. vierte puysten, De Cock 170) = Roseola eethy-
inica (heiliges Feuer?), brennende Hau! blatter-
chen (Ang- Queis beim Vieh, Milzbrand). —
Gf*r Atctfrs-Pusteln = Ecthyma = grosse l'u«leln
auf einer harten, erhabenen, roten Basis mit
eitrigem Zerfall (Bchrend 4»). — Honigwaben-
Pustel — (s. Welle) eine Favus- od üoniggrfnt-
l'ustel, deren Grund mit den Honigwaben ver-
glichen ist (Bchrend IS). — Leic hen - Pustel ■
durch Infektion mit Leichengift veranlasster
sogen. Leichentuberkel , Verruca nerrogenica,
HautgeBchwar - Pustel. — AYmn (auch .'l X 9)
Pusteln = alle sichtbaren Hautblattern (Pocken)
(In preuss. Zauberformeln. Frischb. 35) (s. Neun). —
srhicarze Pustel- Pustula maligna, Brandpocke,
Milzbrand- Pustel [Kehrend <;i). — <1740) mbirixche
Pustel ~ eine aus Sibirien gekommene Pest-
epidemie -> Milzbrand (Behrend 62). — Pustel-
Flechte.
Puste in s. Apostem.
pusten, Pnst, m. Puste, f. Puster, m. (zu germ.
pnhh — schwellen, aufblähen; rahd. pfüsen = stark
atmen , blasen , schnauben , niesen ; ndd. pulsten =
blasen, schnauben, De Cock; Goldschm. 81; 1414 pnst
= flatus, D. 23»; »chwed. pusta) = stöhnen = mit
aufgeblähten Nüstern, Nasenflügeln, Backen
atmen, hauchen, schnauben. — Pust, m. Puste, f.
— erhöhtes Atemholen, schwerer Atem, blasen-
der Atem, Lungen aufsteigen (Gr. W. VII, 2278).
— aus tler Puste sein - ausser Atem sein. —
Puster, m. 1. = derjenige, der Puste macht,
pustet (1425 puster = flabeUum, D. 237). — 2. = der
einzelne tiefe Atemzug. — AVippen-Puster -
das koppende Pferd (s. Kopper), welches mit
den Zahnen auf die Krippe beissend (s. d.)
tiefen Atem holt, keucht, blasend atmet, koppt
Putz, 1. ■ s. Butz. — putzig ■ butzig, selt-
sam, kretinös (über Putz s. Z. f. d. A. 1888. 168). —
2. — (1607 pulzken zu puteus = Grübchen, Quelle [«. d.J,
D. 474). — //crz-PtitZChen (ndl. herteputje. V. K.
IX, 142) = Herzgrüblein. — .V.o. „-Putz (M29 der
puti In der naz = pollpus, D. II, 297) = Nasenbotz. —
&A*urtV{-PutZ = Schnottolf, Nasenbutz, Pöppel-
mann (Schmeller II, 573).
putzen, Putzer, in. (mhd. butzon), 1. =
schmücken, reinigen, fegen. — 2. - abführen
(fürben, purgieren). — 3. = kastrieren (siehe
) heilen 3) (Schw. 103). — Putzer, m. 1. - (1646
j butzer, Hyrtl, K. W. 29) Drüse, welche nach den
Lehren der Humoralpathologie den Unrat aus
den Organen, welcher sich in diesen bildete,
durch Ansammlung (s. d.) in sich anhäuft und
so die Org.ine davon entledigt, ausputzt (siehe
Feger). — 2. = die Carunetila innominata als
ausführender Gang der Thränendrüse, die als
Putz- oder Reinigungsorgan angesehen wurde
(Hyrtl, K. w. 152). — (1677) /Itis-Putzer = Putzer 1.
-- Hn zen - Putzer — Glandula axillaris, die
Achseldrüse, die den Unrat vom Herzen weg
zu ihrem Gewebe ausführt (Hyrtl, K. W. 29). —
(1609) //im -Putzer ■ die Lymphdrüsen hinter
| dem Ohre, die faustdick (s. d.) bei Tieren an-
schwellen können und nach früherer Lehre das
Gehirn vom Nasenschleim (s. Rotz) befreien
I sollten, „durch welche Entleerung das Hirn
sonderlich seinen Ühertluss abladet" (Guar. 8«,
Hyrtl , K. w. 29). — LWvr-Putzer =» Glandula
inguinalis, Leber« und Leistendrüsen (s. d.), die
den aus der Leber abgeführten Unrat in sich
sammeln und so die Leber reinigen sollten
i Hyrtl. K. W. 29).
Quabbe s. Quappe.
quackeln (nordd.; II. Paul 347) =-■ faseln (s. d.).
quacken, Quack, m. Quacker, in. (ein junges
ndd. schjdlnachahmendes Wort, Kluge*, 290; engl,
ipiack. Cr. W VTI, 3291)= wie ein Frosch qnnckend
ächzen, hell lautend stöhnen (s. auch quaucken).
— Ar sNQuack er, eichen) — das jüngste Kind,
der Nesthocker, der sich noch nicht richtig aus-
drücken kann (s. Kegel) (sehmeller I. 139». —
Quack- Darm.
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quad— Qual
Qualität— Qualm.
4*5
quad s. quat.
Quaddel, f. (vielleicht zu sanskr. gada = Krank-
heit, Fielet iu Kuhn, Z. t. v. Spr.-W". V, 351, Anro.;
ahd. quedilla — Pustula, varix, Graff IV, 650; Gr. W.
V, 1886. 1891 Mb g. chnadilla, chuedllla = vlhex,
HautbUschen, Ncsselmal [Schindler II, 1310; Gr. W.
VII, 2294) oder xu qual a Kot, Übel, lästige» Leiden).
— Quaddeln, pL (nordd.) — beetartige, solide,
rote oder blasse Erhebungen der Haut Ober
deren Niveau von flacher Gestalt ohne Delle
oder Nabel, linBen- big thalergross infolge von
angioneurotischer Reizung der Haut mit lästiger
Jnckempflndung, l'omphus, sGu.fö': (- Blase)
(Roth 4M; (ioldschtn. 1«:.; Z. Hdb. XIV, 1.231). —
Quaddel- Krankheit.
quälen 0. Qual.
Quären, pl s. Werre u. Querne.
Quark, m. b. Quark.
Quatte b. Quatte.
quag b. quat.
Qnagel, n. ( = Cuagulum; H20, I). 351) = Kfts-
milch, Kenne.
Qual, m., f., n. Quäl, □• quälen i.-germ. gel
[gelare] ■ äusserer KrosUchmerz; germ. gel, qual;
altnord. kvaldl; kelld-ultr - Nachtqual bereitende
Elben. Maurer II, 106; kvcld rida [*. reiten]; belvitl*
gralar, 1. c. I, 563. 555, ahd. quAla, chwäla — Beklem
mung, Marter; qnetan = cruciari, peinliche Not leiden,
heftige Schmerzen haben ; 1420 qneellen ~ laiiguere,
D. 316; 1507 quellen — cruclare, occidere, zu Tod
peinigen; mhd. quül. quäle, kiile ^ Marter; queln =
martern, peinigen, Schmerz empfinden, Kluge*. 291;
ndl. kwaal; 15. Jabrh. qual ~ torsura [tortnra], I>. »S'j])
= Pafsio, Cruciatio; äusBerliche, körperliche,
langer dauernde Bedrängnis, öfters beklem-
mender, rauhender (s.d.) .Schmerz, andauernder
Juckreiz, namentlich äUBserlich verursachte
Krankheiten (durch Frost, Hitze, Durst, Hunger,
Verletzung etc.), wenn diese Ursachen oft
wiederkehren; auch nach dem früheren Volks-
glauben durch Dämonen veranlasst (8chm. 1, 1391 ;
oberd. nicht recht volksübllcb, Schw. 521; De Lock).
— Quäl, n. (Schweix; Gr. W. VII. 2301) = das Ge-
quäl, das öftere klemmende Schmerzen bei der
Kolik. — Quäler (ndd., Iöu7 queler - lnvalltu
dinariu», D. 306, 1476 quoler — valetudinarius, I». II,
220) = einer, der Qual leidet, ein Kranker. —
Quälung, Quälsung (mhd. quclsunge ; 1507 qucllinge.
Unt 191; D. 317) -qualvoller, marternder Krank-
heitazustand. — qualich (~ invaletudinarius,
D. 306) = krank, leidend. — quälig (ndd quelk,
Goldschm. 105) - in leichter Qual t-eiindlirh. —
.i ,'/;-Qual = ilie durch einen elbischen Dämon
(Alp, Mar) erzeugte Belästigung a) im Alptraum
(s. d.); b) im Tode (Todesangst, Sterhensnot)
(Laistuer I, 231); c) Selbstmord (LaUtner II, 319);
d) Selbstverstümmelung (Lafatoer 1, 159); e) siehe
Marenqual. — Brxut Qual tholl. borst-kwaal)
Brnstleiden. — rlurre Qual (mhd. dl rre quide,
Nivbelung; ür. W. VII. 22y9) — diu erstickende,
austrocknende, lange dauernde Bedrängnis,
z. B. durch Durst (Schweissqual). — <r- quälen
(10. Jahrh. erchelon, Notker) (s. er-kelien). - frau-
liche Qual (ndl. vreeslijke kwaal. De Cock 12) ^ der
I furchtbare, langdauernde Schmerz, z. B. beim
Krebsleiden. — Kinder -Qual = schmerzliche
Kinderkrankheit (De Cock fö). — Maren- Qual
(altnord. mara-kvaldi, Golth. 77), 1. — 8. Alpqual. —
2. — die Plage, welche nach dem altnord. Volks-
glauben ledig gebliebene Frauenzimmer aus-
üben nach Dämouenart, indem sie wie nächt-
lich reitende (s. d.) (altnord. kveld-rida, Maurer II,
iu«) Maren im Alptraume aufhocken (Lalxtner I,
307). — AfierfN-Qual (ndl.; De Cock 40) = Formi-
catio, Juckreiz auf der Haut, wie durch Ameisen
(Mieren) veranlasst, z. B. beim Frostreise. —
AfuffVr-Qual (ndl. inoeder kwaal, De Cock 39. 226) :
Mutterleiden, (iebärmutterkrankheit, Hysterie.
— S< hwt i m -Qual ahd. suelzcholi, ■nelzchuoll, Leg.
Bajuw. xiii, Ii, Graft iv, 379) = andauernde Be-
lästigung durch Schweis« erzeugende Korper-
wärme. — Sehn u - Qual (ndl. zenuw-kwaal, Do
Cock 90), 1. — öfters wiederkehrender, zerrender
Sehnenschmerz, Muskel- Kontraktur. — 2. =
Nervenschmerz (s. Nerve). — ver-, zer-quälen
— ganz und gar bis zur Betäubung oder Ver-
wirrung quälen.
Qualität (zu tat. qualls; qualitas — Eigenschaft,
Wesen ; [Paracelsus] man nennt mit Recht da* Weaen
der Dinge ihre Quallltat, dleweilcn ea darin quallen
[s. d.) thaet. nach Krau«, E. 870) = das nach humoral-
pathologischer Lehre verschieden warme oder
kalte, feuchte od. trockene Wesen eines Organs.
— (1531) böte Qualität - schlechte« Tempera-
ment (Krautw.).
quallen s. Qualster.
Qualm, in. qualmen (ahd. twclan - torpere,
soplri, Schw. 1391 = sterben ; twalm, tualm — lorpor,
somnus, lelhargu», Grafl V, 552; 1260 twalnicn, n. —
durch Hauch betäuben, Pfeiffer 86; e* gewirret die
fiowou die zc chemenaten [s. Kemenat] gent = gcburti-
hiintche RAucherung mit Qualmkrautcrn, Hanf x. B.,
Pfeiffer 43; mhd. twalm, in., n. — Betäubung. Ohn-
macht, 8cblaf, Schlafmittel [dwaltranck], Lexer 277;
j Coter, H. A. 94: Hoffm. I, 394; 15. Jabrh. twalm —
extasis, D. 219). — Qualm, in. 1. = Sopor, Torpor,
halb bewusster oder ganz bewusstloser Zustand
des Menschen infolge von Betäubung, Gift,
Fisher, Ohnmacht. — 2. = der Winterschlaf
(Gr. w. VII. 2309). — 3. - s. a. Tolm. — im Qualm
liegen = betäubt, in der Schlafsucht (s. d.), in
der Todesangst daliegen, dem Tode nahe sein
(Schmeller I, 1393). — Qualmen, n. (mhd. twalmen.
Or. W. VII. 2311; 1515 twalben - lethargia, D. 325;
schmeller I, 1241) = der Zustand des Halb-
srhlmnmers, der Betäubung =» Kalmen, „halb
und halb schlummern wie Kranke". — qualmig,
quälmisch (15;>3) gcwaelmlg, gewelmlsch, Schmeller
I, 1393; 1715 gu&llmisch , Toll. leg. 98; gwalinUch,
Klezler 202; Inchenh. Mir.) = 't.'.fWÜtW^ (Hlppokr. ;
Fuchs II, 39), betäubt, halb bewustlos, schwin-
I delig. — Qualmung, f. (1M5 twalbung = lethargia,
; D. 325) — der Zustand des Qualmens. - Qualm
(Twaltn)-Wurzel, -Krauter — 1-olluuj, Bryoulum, Man-
dragora, Siramonlum, Cannabls, Chacropbyllum etc.
— ! -qualmt (holl. bedwelmd) - bei einem Organe
unempfindlich, taub, betäubt. Blut Qualm
= Blutdampf, Blutdunst (Z. f. d. U. DJ94, (t»l). —
Pest- Qualm Test hauch, Pestdampf, Test-
486 QualBter— quaseln.
Quast— Quell.
dunst, Miasma (Gr. W. VII, 1072. 1576). — Schweiss-
Qualm = (vielleicht) Schweissqual (s. d.). —
q ualm - tu chti g.
Qualster, m. (Kolster) quallen (tu quaihjan
= coagulare; angb^. gilllstrac, glllcster = phlegma,
D. 438; II, 383; UM qualsterc — Influenza- Auswurf,
Lcrsch 177; 1475 qualster = mueus (in caruneula] coa-
gulum muci = Greek, I). 104). — (ndd.) Qualle, f.
= zusammenhängende Masse v. dickem Schleim
(Goldschm. 112). — quallen (queilen) (Schraeller I,
1393) = sahen, quallenartigen Auswurf aus dem
Rachen mit Muhe herausbringen (quarren,
imalleren). — Qualsterun«; (ndl. kwalstering. De
Cock n. 136) = die Handlung des Qualsterns 2.
— (1593) Qualstern, n., pl. 1. = KolBter, zähes
Sekret aus der Luftröhre oder dem Rachen. —
2. = diesen Schleim auswerfen (Heyne III, 1227;
Gr. W. VH, 2312; Colcr, H. A. 246).
Quappe, f.quabbeln(Quawwel) (aitnord.|ua[.j>a
= dicke, wampige Kröte, Kluge*, 291; engl. (sfouab
m dick, fett; ndd. imvwel, Fromm. VI, 365; Falke
II, 219), 1. = die Wamme (s. d.) oder Triel des
Rindviehs als ein Stück schwappeligen, schlot-
terigen, hin- und herschlüpfenden Fettfleisches.
— 2. = dicke, schlotterige FleiBchwürzchen am
Schweinehals. — quappig = wie eine Kröte
schlüpfrig, schwappelig, nicht kernig, fett
(Gr. W. VII, 2325).
quarch s. quer.
Quark, m. (Quark) (aus dem slav, tvarogü =
Quarkkäse, Kluge4, 291; 12 — 14. Jahrb. twarc —
colustrum (= Colostrum], D. 610; uihd. <|Uarc, twarc;
1796 quaerk, Abllg. 19, achwed. kvarka, qvarka =
Pferde-Influenza, J. VUlng)) = der käsige Inhalt
(Kodei) der Lymphdrüse am Halse (Kropf)
unterm Pferdekinne beim Feifei, bei der In-
fluenza, Rotzkrankheit etc.
Quarre, f. quarren - ein quarrendes (2)
Kind od. Frauenzimmer (H. I*aul347). — quarren,
1. = qualleren, s. quallen. — 2. = unangenehm
weinerlich schreien.
Quartan, n. Quartanie, f. (zu ist. quartana seil,
febris; mhd. quartane, Lexer 190; 14. — 16. Jabrb., mnd.
quartanie, J. f. ndd. 8pr.-F. XV, 110. 120; 1421 dy quar-
tanie = febris acuta, D. II, 169, 1582 das feber Quartan,
Lonic. IN; 1612 Quartan, n., Mannb.. Z. f. d. Myth.
III. 316 bs quartanus; quatuor - 4. Gr. W. VII, 2320)
= das alle 4 Tage sich einstellende Wechsel-
fieber (s. Kartanie od. Quartantieber). - Quartal-,
Quartan- Fieber, -Säufer, - Weh.
Quartier, n. (mhd. quartier aus trau, quartler -
der 4. Teil. Stadtviertel , Wohnungstell , Wohnung,
Wand, Kluge4, 291; Falke II, 219) = Trachtenwand
am Pferdehufe. — fälscht Quartiere = schlechte
Hornwand, die durch die Horuspalte in mehrere
Teile zerlegt ist (Falke l, 272). — Hinter Quartier
= Podex, Hinterteil (E. w. i, 168; Gr. w. IV, 2.
1512).
quaseln, quassen [16. lahrh. quas — crapula ; quass
— comessatio; quassen - eomessarl, I). 134 [Mitesser);
P. II, 117; 1421 quassen, quossen, quayssen, quälten,
u nutzen - crapulnri. D. 155; II, 117; dazu quastum -
grandn [Holzwurm? Finne], Du Caoge, und Quae«e, I
Quese) = gefrässig sein wie ein Parasit. — |
quaBeln = faseln, thörichtes Zeug sprechen, wie
ein elbisch Verwirrter (quatschen).
Quast, m. (Kasten, Kosten) = Büschel, Laub-
schürze znr Bedeckung der Pudenda in den
■tiittelalterl. Badestuben, auch zum Questen
Schlagen, Spritzen und Besprengen (Voc. opt. w. ;
11. Jahrh. periioma, D. 427). — Hanns- Quast =
Penis cum scroto (Wackern., Abhdl. III, 138).
Quat, m. , D.j f. Kat, n. Quätig (vorgerm.
quetho = Kot; ahd. quAt = Kot; mhd. quat, kat, köt
= Böses, Schlimmes [s. Quaddel], Kot, stercus, Klage4,
211; mnd. ndd. quaad, kat, kot, Göldschen. 51; Gr. \V.
V, 1891; 15. Jahrh. quadt = «tercus, D. 661; Quatt. f..
c. v. 8chm. 418), 1. = böse, wie durch einen böeen
Wicht veranlasste, schlimme Krankheit. —
2. = der böse Geist, der Bösewicht oder Teufel
selbst, der solches verursacht nach dem Volks-
glauben (De cock 25). — 3. = Dreck, Kot (auch
entsteUt in Quack und Quast, z. B. Quackdarm, Quast-
sack). — Quätig, n. (quedick = alba lepra, D. II,
232) = quater Zustand beim Aussatz (Lepra)
s. B. — quat (1646; Luther VIII, 463) = schlimm,
z. B. durch Knocheneiterung. — (15. Jahrh.)
Quatheit (= Malum, D. 345) = quater Zustand.
— H osen Quatle (schwab., Erbe 18. 36) = einer, der
den Kot (Quat) in die Hose gehen lasst. —
Quat-Muf, -Darm, -Hand, -Krauwaqieen, -Leute,
-Loch, -Sack, -Schwärung, -Sehr, • Träume.
Quatember, m. (= quatuor tempora anni). —
Quatember- Kind.
quatsch-, Quatte, Quattel, Quätte (siehe
Quappe), 1. = ein sogen. Froschbauch, Fett-
wanst, der wie ein Brei quatscht. — 2. = kleines
dickes Kind mit Frosch bauch oder Quatsch-
köpf (Gr. w. VII, 2334). — quatschig = dick, fett,
wie ein quappiger Brei. — quatschen = un-
sinniges, wie Brei verwirrtes, thörichtes Zeug
vorbringen (IT. Paul 847). — Quatsch- Kopf
quauckeln = schwerfällig, wackelnd geben
(Schmeller I, 1391). — Quauckel- Bein
quawweln s. quappeln.
-queben s. Quef.
queck- (ahd., mhd. quOc — keck [s. d.], lebendig,
frisch; engl, qulckeulug — Lebenszeichen, Ktndsbewe-
guug desEmbryon im Mutterleibe; 10 quick = lebendig
werden). — Quecksilber - Krankheit , -Siechtum.
Quef, 111. (zu abd. quepan = ersticken; altnord.
quef = [erstickender) Katarrh [Croup], Gr. W. V, 273;
Soh nieller I, 1393); dazu eisaas. kepen, kewen,
giwen (E. W. I, 251) = „wenig Leben mehr in
sich haben", an erstickender Lungenhypostase
langsam verenden. — er kept, kipt (gibt) noch
ein wenig ■ atmet noch — .'queben = ersticken.
queilen s. quallen.
Queise s. Quese.
queit s. quitt,
-queiz s. Quese.
quelk s. Qual.
Quell, m. Quelle, f. quellen (vorhat, gel [goi]:
ahd. quellan — schwellen ; mhd. quellen = rasch an-
schwellen, Kluge). — Quelle: a) = das rasch zum
siebtbarem Laufe auschweUcndo Nass; b) - der Ort
's
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Quendel — Quese.
quetschen— Quinte. 487
dea Anschwellet!»; auch der Aufenthaltsort der
clbUchcn, Kinder bringenden Geister de« Volksglaubens,
wo die Neuvermählten luren , ob Mo solche erhallen
(Schell '*»). — äusserlichc Quellung - der Zu-
stand, die Handlung oder Zeit der raschen
Geachwulstbildung durch Waaser- ErgU88 in ein
Kürpergewebe (Anasarca s. Hydrops) (Blrl., 8.
I. 427). — (1721) Brunn -Quell - die Schadel-
fontanelle beim Kinde, schlagendes Blatt (Bjnrtt,
K. W. 136; eigcnll. Fbcrsetzuug von Fontanella, s. d ).
Quendel, f. — Quendel - Warte.
Quene. f. quenern, quengeln, quenken,
quengen. — quenern (ndh. inteusivbiidung zu
twanc - Zwang; l treugen, qutngen = zwangen, drücken
[mit Nebenformen], Kluge*, 291; Sebmeller I, 139'.,
Ii, »21 ; ar. w. VII, 2354) - mit einem gezwungenen
pimpeligen Tone winseln, weinerlich thun. —
Quene, f. (14. Jahrh. >iueue = anus, D. 39. 616; Kraus,
K. 1086), 1. - After, der Zwang macht. — 2. =
Aftergegend, Steissbein, heiliges Bein.
quer, querch (Indogenn. twerk [tor<|Ueo]; germ.
thwerhwa-; ahd. iwerh, twer; mhd, iwcr, twerch, quer,
•luereh — „durch" [therh] etwa» hindurch, quer, schräg,
verkehrt [s. schlimm; , Grafl V, 279; mhd. twer. I. =
gucre, f., schräge Richtung) — Quer Adt r, - Auge,
-Blatt, -Fell, -Lage, -Netzlein, -Sack, - Wunde.
Querg, in. Quergel, n. Quärkeln, Querliche
(Thüringen) 8. Zwerg.
Querk, f. quergeln, querren (zu «hd. .merca m
chela, gurgullo, Kehle, Gruff IV, 24»; Schmellcr I, 936;
II. Jahrh. kverku = Kehle, Vicrordt 111) - Kehle. —
quergeln = öfters aus voller Kehle schreien,
weinen. — Grquergel — das laute Geschrei
eine« kranken Kindes z. B. (Schindler I, 1396). —
Querk-ScAwru/sf.
Queme, f. (1568 quernc. Gr. W. VII, 23ii2j = Werre
(h. d.)i Gerstenkorn,
querschen s. quetschen.
Querxlein ■ Querkelein, Zwerglein [H. \.
Kh. 319).
Quese, f. Quäse, Queise (queiz) (vermutlich zu
quassen, a. d.; ahd. queisn — Ulcus quoddnm in brau-
chlls piscium [ — Kiemen-Finne b. Höcht z. B.]; ahd.
welz | — queiz] = pustula, I). II, 810, pnpula, vnrix
(llautflune), Graft I, 3.".2; IV, 650; ndd., nordd. .juese
- Hautblase. Finne, Goldachm. 89), 1. = dM mit
dem Knötchen der parasitär miUehrenden Fisch-
finne verglichene Hautknotehen, Hautpustel,
Kinne I. — 2. »die Blasenßnnu de« Quäse- oder
Blasenwurmes (< 'oenurus cerebralis R ), welche
die Drehkrankheit der Schafe erzeugt (Falke II,
220). — 3. ■ das eitrige Finnenknotehen am
Augenlide, GerHtenkorn, Werre, Querne, ('ha-
luzion. — 4. = Drehkrank heil (U. Faul 348). —
5. «3 verrückter Einfall, als oh man durch elb.
Kinnen verrückt, verwirrt wäre wie ein tölpel-
himige» Schaf (1. eod ). — (5. - s. Quesenkopf
(1. eod ). — ,4M<7-Queise (Quese, Quiise), in., f.
(anguueiz, angnuelzo, liraff I. 352 — Ulcus (GeschwAr,
lr--, nuegueiza — papulae, H. 7, XVI, > nngiiueUa
= Furunkel, H. Z. XV, 360; 11. Jahrb. atigvvetz. II. Z.
III. I'rager ül. ; aucuuei'o, m. = pmtulu, Schindler I.
107; D. Z. XV, 345, auguezzin - papulac ardentes
I [HltzblAttercben], Graff 1, 352; ancwelza, f. = pustula,
Gral!. 1. c). Mit dem WeUeubrand (weluo) hat dleaer
angquelz keinen begrifflichen Zusammenhang. Kögel
(Beltr. z. G. d. d. Spr. XVI 511) stellt angwetz zu
ang(w)-eiz = ulcus in inquine (auqueu) ; aber auch dies
stimmt begrifflich nicht, da die ang-quelae niemals als
bubo erklärt wird und bei Fischen ein ulcus In inquine
nicht vorkommen kann; lautlich und begrifflich wird
der (von Graff IV, 650 schon angedeuteten) obigen
KrklArung um so mehr zuzustimmen sein, als antr-
sowohl In gleichbedeutendem angsetz (—der innen,
In der Haut sitzende, peinigende Hautwurm) all In
aug-Beere etc. sich nachweisen lAast und da auch
,,uei*a = yuase, Finne belegt Ist, 1. = der eine peini-
gende Qual (s. Ang, Pein n. Bier) verursachende
Quasenwurm in der Haut des Weidetieres (siehe
Engerling, Made, Finne, Pieren). — 2. — die
von diesem veranlassten Dasselbeulen. — 3. =
die damit verglichenen Hautknötchen beim
Menschen, Akme, Pustula, Furunculosis, Finnen,
Mitesser, Hautgall. — .EttVr-Queise (altnord.
cltr kvclsa = Klterbeulo. Welnb. 282) = Eiter bildende
Quese 3, Eiterpustel. — Gehirn-, Him Quese
= Gehirnwurm, Quese 2. — ScAn/'-Queae =
Quese 2. — QuQaen-Kopf.
quetschen, quetzen (ahd. quetsou [ = quatere,
(ir. W. VII, 2366; mhd. quetzen, quetschen [quattcrnl.
Kluge *. 291 zum Brei drücken) — durch Druck, StOSS,
Anprall so verletzen, dass eine Trennung des
Zusammenhangs der Gewebe biB zur Breibil-
dung mit Bluterguss(EcchymoBi8, sang-meurtri)
erfolgt. — Quetschung find, quelzunge; ndl.
quetsinghe, De <ock 13«; Gr. W. VII, 236») = Con-
cussio, Oonquassatio , Contusio, Laesio = die
Handlung oder die Folge des Quetschens. —
Arsch Quetscher = der den Darmkot quet-
schende Afterschliessmuskel (Hyrü, K.w. m). —
Fuss Quetschung = starke Druck Verletzung am
Fusse (Gr. w. IV, l. li«9). — mquetscht (1507
verquetzt aa laesus. D. 325) = durch Quetschung
ganz unbruuehbar gemacht.
qaimen, Quine, f. quinen, quinern (aagU.
aewinan, cwänjan; mhd. qwinen — krankein, dahin-
siechen, Fromm. VI, 365; 1507 quynende = vatctudlna-
rlus; 1777 quinen - languerc, l>. II, 220; ndl. kwynen;
ndd. quynon, Fromm vi, 20) = ohne Gedeihen
dahinsiechen. — quinern, 1. ^quengern. — 2. =
ein längerdauerndes leiden mit Auszehrung
haben, kränkeln. — Quine, f. = eine zur Aus-
zehrung fuhrende längere Krankheit, z. B. Zehr-
Hechte (Z. d. V. 1. V.-K. 1897, 8. 74). — (17S5) ver-
quimen, -quinen, -quinern (quanen, kahnen)
(V. B. !M] dahinwelken, siech verkommen (nach
dem Volksglauben lufolge von Hexerei od. Zauberei).
quinseln (I«nj Gr. w. vil. 2372) = winseln.
Quinte, f. Quintern, f. 1. - (zu quiuta mu. tox.
hora, febris, tussls etc. aus franz. [1695] la qulnte m
Tnssis qnlnta, Schnnrrcr II, 172. 226), a) Keuch-
husten (wegen der im Quitittonc erfolgenden sogen.
Reprise nach den voranfgegangenen Hnstentonen V oder
verallgemeinert aus) b) (Quinte ~ U toux du malin
[hora qnlntaj) = der Morgenhusten der Lungen-
sfl cht igen (Bris». 141. 199). — 2. — Quinte- Laune,
Capriee s. Lannenfieher (Fromm. VI, 433). —
Quintern, f. (i5so; Gr. w. Vll, 2374) - Feminal
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4SS (Juintipse— Rache.
«.Juirl— Rache.
(unter Anspielung auf die uoige [.-.. U.] uuJ damit uuf
(lau B stimmige Saitenspiel).
Quintipse, f. (ein vieUeicht aus Quinten [s. d.] gc-
bildeter Schülcrausdruck für Vulva, Scbmcller 1, 1390).
Quintze. ni. Quintzele , Ii. (zu Klnsel, Kensei
[a. d.) = kleinerer Knollen), 1. — Penis (Scbmcller I,
1398). — 2. = Hautk nötchen (Akne, Pustula).
quiren (mhd. quirren, Kromm. VI, 433) = kirren
(s. d.) seufzen.
St. Quirin (Kirin, Kürin, Kttriss. Kirein,
Körein) (einer der sogen. Marter- oder Plagheillgen ;
er verantwortet nach Paracelsug [d. linp.) die Olscheu-
kel [s. d.] und lieferte das St. Qulrinsöl, oleum tegu-
rinum praestantissimum [s. d. Verf. Volks-Medizin 138];
■eine Feier fallt im Kalender auf den Walpurgistag vor
dem 1. Mal, so dass Piscbart [Gr. W. V, 833; s. auch
Z. d. D. ö. A.-V. 1893, 1901 Jeu ganzen Monat April als
i [-8t. Quirins-Bnsae] bezeichnet; ala solcher
tritt er auch in Verwünschungen auf:
Kuch 8t. Kurl und da« Ritt aller Schersen uud
Kaiben schult !", Gr. W. V, 431). - St. Quirin8-
Buss, -Marter, -Plage, -Rächt, -Bauch.
Quirl, m. (Indogerm. twer Js. quer]; germ. thwer,
ahd. dwiril sa Rührelab; mhd. tu Irl = da« Gedrehte,
or. w. vii. 2377; Kluge*, 291). — Quirl = der helle
Fleck auf der Kitideretirne, wo die Haare wie
gedreht auseinanderstehen.
quitt (queit) (um I20O aus franz. qultte und dies
aus lat. quletarc; mhd. quit, Kluge*, 291; 1612 quit oder
ledig machen = quietare, D. 479; 1513 quelt = ledig,
los, frei). — der Flucht queit werden (Schindler I.
1398; Ploss. Bartels l, 497) = des Kindes loa werden,
entbinden.
Quiti, f. (Kutte) (goth. quthus = uteros; qitbus
Bauch, Kluge6, 222; dazu Kutteln (*. d ); ahd. quiti
= Tulva, Gran* IV, «60; Gr. W. IV, I. 48; «chwed.
qwed, aogla. evid. Kromm. VI, 28«).
Quol s. Qual.
H-Sucht.
Rabe, u>. (Kapp), , ■ Krabb (der schwarz-
geäedcrtelaogschnabellgeKrahenvogelUdinH.dernacbt-
liche Scuchenvogel des Volksglaubens = Nacht-Hübe
= Caprimulgus, Ziegeumelker, Habergelas [s. d], 8trix
alueo; 1541 nachtrab; 1618 nachtrapp - nocturnus
grassator, Schmeller II , 128; D. 98; I Alstner II, 251;
H. A. Rh. 135 [auch der Teufel in Fledermaus- [s, d.]
Gestalt [Abergl. 113] ist so genannt]; diente nur zu
wenigen Vergleichungen), z. B. Raben-/>'< i n *, -Haar,
-Mal, -Schnabel.
rabiat, rabbiat (vom ital. arrablato, arrnpare =
entführen) = ausserhalb seiner Sinne (aus der
Haut, aus dem Haus)), wütend, toll.
•räch. — -Ii räch s. d. unter A S. 10b.
Rache, f. Räch, m. (indogerm. werg, »reg;
vorgerm. wreg, werg [urguo, bedränge]; germ. wrek
[Wrak, schadhaft gemacht] - verfolgen, vertreiben,
ausschliessen zur Bestrafung; ahd. rahha; mhd. räche,
Kluge6, 292 — „das gewaltsame Greifen auf den Übel-
thflter seitens der Gottheit"; 146« druez -= räch, D. II,
312; ndd. Räch In Collum tunm! tros! also me sacht,
tros | = Drüse) in denen hals l 1420 racha = trocz [Drüse],
D. 11, 312; 1482 räch in collum tuum trutz räch, trocz
[Drüse], D. 482, hier also so viel als Drüse an deinen
Nacken wünsche ich dir zur Rache ! [s. Drüse 3b, S. 102].
In germanischen Zeiten war es [muh almrock, H. D.
M. 312. 341] die rächende Hellia [Rachhel], die über
Blut und Tod. Leben und Sterben gebietende Gottheit,
welche sich für die vorenthaltenen Opfergaben durch
tödliche Strafen [Nagen] rächte oder mit anderen be-
schädigenden Folgen , die diu elblscben Wesen ver-
mittelten, z. B. durch Elbeugcscbosa [s. d.], das Blenden
[a. d.); auch St. Luzia [= Pcrchta] rächte sich mit
[Augen ] Krankheiten, Stubenvnll 17:., an Stolle dieser
Dämoneustrafen traten im Christentum „der Teufel und
sein zauberlsther Anhang" I6W; v. M. II, 6f. , m.wIc
dessen Gegnerschaft, die sogen. Plag-Helligcti, die mit
Krankheiten sich an dem die Tributgaben verweigern-
den Menschen grollend rächen und zwar Je nach dum
Namen oder der kulturgeschichtlichen Holle des bvtr.
Helligen mit speziellen Martern [s. d.] oder Plagen
[s. d .], namentlich aber mit gähem Tode, Birlinger I,
S. 68, und ansteckenden Volksseuchen [ = Räch oder
Pest, M. II, 66], die durch Rache Pfeile [1722; Tib. 403]
veranlasst werden. Item St. Rochus (das Lübecker
l'assional 1507 uonnt Ihn „einen Marschalk der Pcstl-
lcnzla"] lautet auf Deutsch als „Rache" uud Zorn.
Ilugs fahren sie zu und sprechen, Rochlus solle von
uns Gottes Rache abwenden . well er Rochlus hebst
oder die Sage ihn so neunt, Luther VII, 75). —
St. . I Ht wn-Rache (1226 St. Antonien raech - ergo-
tistnus(?], ein chronisches Ignis sacer, Lammert ; [Mem-
mingen] ; 1350 8t. Antonien rah = lguis peralcns, Pr. I.
363; 1492 sant antonico raech = sacer lgnli, Schmeller
I, 115 = 8t. Antonlen-Feuer [s. d.J; 15. Jahrh. 8t. An-
tonius raach - Pestbeule!?), Anthraz-Karbunkel, Gr.
W. V, 1585; 1515 8t. Antonius rauch = Rotlauf, helliges
Feuer, St. Antonius-Feuer, C. v. Schm. 22; 1556 SU An-
tboui raach, Gr. W. I, 501; 16. Jahrh. St. Antonien rak
^eine ansteckende Krankheit in Basel, liacscr II, 87;
demnach — St. Antonius-Feuer [s. d.],
[=santoni, St. AntonlVj; Räch und [dlalek.]
[ = Rauch] klingen an; daher auch die Verwechselung
von Rache, f. und Rauch, m. [s. d.]). — St» Antoni-
Rache int = Öt Antonis Busse, St. Antonia
Fluge und brennende Rache (s. d.). — brennende
Rache (15. Jabrh. brennend raach = carbunculus,
Gr. W. V, 1585; 1506 brennet raach = carbunculus.
Gr. W. VIII, 17, antbrax. sacer Ignis; 1597 brennend
raach -- eryslpelas, sacer lgnls, Iladr.Jun.S84; 1719
brennende räche — sacer Ignis, St. Antoniusfeuer,
Gr. W. VIII, 17, Heyne V. 2); demnach 1. = das
durch Beine brennmte Farbe au Hallende Rot-
lauf (Krvsipelas). — 2. = das heilige Feuer
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Rachen— Rad.
Radesyge— rfteh 4HS)
(sacer innis) = St. Antoni-Feaer. — 3. = der rot-
laufartige Milzbrand-Karbunkel.— St. Johannea-
Rache = St. Johannes-Übel (s. d.), womit dieser
Heilige seine Rache ausObte. — (UM) St. Quirins-
(Kürias- Rache, 1. — St. Antonius-Rache oder
St. Antonius - Flage , St. Antonius • Feuer,
St. Quirins-Busse 2; (es scheint, da&s 3t. Quirins
Klöster die AntonUer-Rollo übernahmen und bei Ery-
sipels«, Phlegmone der l'nter- [öl-] Schenkel [s. d ] den
Plag-Heillgen umtauften [s. Kultkalendarium. Z. d. l>.-<).
A.-V. 1893 . 9. 190. 194], St. Quirinskraut, Tussilagu
farfara L., Jessen 417, wird natnenlllcb beim Ohm («. d]
gegen Hautentzündung, Rotlauf, Hautbrand gebraucht).
— 2. = St. Quirins-Marter. S. auch St. Rochus,
rauh, räch. — Bach-Flecken.
Rachen, m. (vorahd. hrahho; ahd. rahho = sub-
lingulum. Graft II, 385; <J. Jahrh. raha - gula, Kehle,
«raff II, 385; hracho = «ublinguium, Kab. Maar. 64 ;
mhd. räche; 14. Jahrb. räch = palatum, Voc. opt. W.
10; 16. Jahrh. räch = rumen, D. 503; räche, racho -
subllnglam, Schindler II, 12; D. 560; 16. Jahrh. räche
— fanz, palatum; ndl. raak — Innerer Mund; angls.
hracca — Hinterhaupt; engl, rack = 8chöpsenbals,
Kluge*. 292); demnach. 1. = der Schlund als mus-
kulöses Schluckwerkzeug, das beim Würgen und
Rächsen einen krachenden Laut erzeugt. —
2. es das Innere des menschl. Mundes (Mund-
höhle, Gaumen, Schlund). — 3. = der Rachen
grösserer Tiere. — 4. - die in der 3. und 4.
Gaumenfurche beim Fferde liegende Blutader,
welche gestochen wurde (Gr. w. VIII) (Staffel).
— GtVr-Rach(fn) = ein mit Gier in den Rachen
Blut einsaugender Alp oder Vampir (U. a. Rh.
421). — <»., ,■ Rachen (146« oberrach = ruma, D. II,
322) = Ober «anmen. — t/ntVr-Rachen (1466 vnder
räch sa fnimeu, 1). II, 183) - der unter dem Rachen
beiindliche Schlund. — IFotVs-Rachen = eine
monströse, sogen, unnatürliche Btldungs-Ano-
malie beim Menschen , wobei in der Gesichts-
niittellinie eine Lippen-, Kiefer- und Gaumen-
spalte bestehen bleibt, in der der 2—4 sogen.
Wolfazühne tragende Zwischen-Kiefer wie das
Vordergehiss eines fangzähnigen Raubtieres
hervorsteht (Förster II, 5; engl, wolfsjaw; franz.
guoule de loup, Lehf. 247). — Bß&cheXi- Bein, -Bräune,
-Enge, -Höhle, -Hülle, -Husten, -Kittel, -Seuche
rachsen s. rUchsen.
rack «. rieh. — racker-fof.
Rad, n. Rade, f. (Indogerm. roth = eilen [dazu i
rota, rotula und rasch] ; vorgerm. rotho-m ; germ. rath ;
ahd. rad; mhd. rat, Kluge*, 292. 294) m scheiben-
förmiger, flacher Körper, wie z. B. ein Uhrrad ;
mit dem Baue eines Uhrwerkes und dem inner-
lich gehenden Rädergetriebe desselben verglich
man auch die regelmässige Thätigkeit des
menschlichen Körpers und seiner Teile. —
Rade, f. = Rotula in genu = Knierad, Kicrotel
(«. d.) (Cr. w. V, 14.U). — Radeln, n. - das Ver-
renken der Gelenkflachen beim Kinde, die wie
ein rollendes Rad ans der Kugelhohle sich
herausbe» e«en (Z f. o. v.-K. 18«7, 8. 6). — Rädlein
(1609 capltulum radli, Radspeiche ■ radlus) — das
Köpfchen an der Armapeiche, das sich in der
Uavitas sigmoidea ulnae wie ein Rädchen dreht
iUyrtl. K. \v. 131). - </c-rädert - geradbrecht (an
den Gliedern), s. radebrechen. — Herz-Rad
(ahd. ; Graft VIII, 104&) = das wie ein Räderwerk
regelmässig schlagende menschliche Herz. —
Knie Rad, Kniebug-BAd (ahd. knioradn, f., (iraff
IV, 576; chneorada, f., Gr. \V V, 1432; 'J. Jahrh.
chniorado, in., chniorada, f., Graft II, 469 «■ Knie-
scheibe, SchienlH'in, poples; 11. Jahrh. chinnie radln
[ = knieradin]. H. Z, XV, 356 = poplite; knierada =
poples, H. /.. XV, 315; kulrade = poples, H. Z. III;
chnieredc, H. Z. III = poples, poplltes; knurrajd] =
poples, Germ. X VIII, 68 ; II. Jahrh. knurad = vertebnim,
Gelenk, Voc. opt. W. 12; knubograd = poplltaea, i. c.
13; 14.— 15. Jahrh. knurad, D. 614; 1412 knuwerat =
vortebrum. 1482 kntiwerat- Tcrtebrum, Gelenk, rotula
in genu [ — das kleine Knierad]; mhd. knlerade, m.;
1561 knlerad, n., Gr. W. V, 1431; [Schweiz] Knlerade, f.
= Kniescheibe, Kniegelenk, Gr. \v. V, 1431); demnach:
1. = ursprünglich (in der Bedeutung Rad =
mühlsteinartige Scheibe) = Kniescheibe, Pa-
tolla, Rotula, Mola (s. Mole), Scutum genu
(Hynl, Anai. 360). — 2. = das Kniegelenk selbst,
Kniekehle, Kniebeuge (Gr. w. v, 1431). — Knie-
rad-Scheibe. — rad brechen. — Pflug-K&dl-
Auge*.
Radesyge s. Syphilis (dazu wohl i Radebeyle =
Urunclla, vulg. Mundlaulkraut, Zapfebenkraut, Hals-
kraut, Jesacn 69).
räch, räch, rack, rag, rahh, ra, re, reh,
! rech, röch, Rache, f. Räch, m. Rehe, f. (Röhe)
i (germ. rag, reh [ragen], Kluge5, 293; engl, rack —
I recken; dazu rickety = ,,IUch"itis, rickets; ahd. räch,
rak - surr, steif ; rahl ss Rahe, 1. c. 298 ; 1260 raecho
= steif, Pfeiffer 44; 1361 rehe = Spat, Hoff in , Mtsschr.
f. Schlcs. 1829, II, 7C4; mhd. rac = straff, steif, rege,
ragend, Kluge*, 293; Lexer 191; rack = rauh, steif,
straff gespannt, müde, Gr. W. VIII, 33; raehe, f. =
\ Gllederstelfhelt der Pferde, Lexcr 192; 1571 raeck,
Or. W. VIII, 13; 1592 rech, Seb. 191; 1688 reh, Tabern. ;
1645, 17. Jahrb. roehe, n. rehe, f., R. A. 492. 505; zum
rehe, zur rehe = Verfangen [s. d.], Colcr, Pf. 375; 171«
raehe, f., n., Or. W. VIII, 62 = „wenn das Pferd die
Vorderhisse auswart* wirft und diese nicht auf den
vorderen Teil des Horns, sondern auf die Ferse nieder-
setzt, so ist ein solches Pferd einmal raech gewesen" ;
[Schwaben] rech = raech [bei Pferdeu], Ruck 48; „vom
Wind, Futter, Truuk, Wasser zur Rehe" = Wind-,
Futter-, Wasser-Rahe, Colcr, Pf. 375). — räch, rack
= gliedersteif, gliederlahm, wobei die straff ge-
haltenen Gelenke die Knochen mehr aufragen
lassen als bei vollständig freiem Muskelspiel;
bei dem Rflchsein „verfangen" sich die Glieder
ob ihrer zu straffen Muskelspannung; dazu
Räckel (Sylt; Urquell II. 195) = ein schmächtiger,
langer, knochenstarrender Mensch. -Racker, m.
der das verreckte Tier einscharrende Ab-
decker. — Rahe (Rehe), d'Rehe, Rhehe, f. (engl,
the rickets, Schnurrer II, 158) = die Gliedersteifig-
keit und steife Körperhaltung infolge von
Rheumatismus bei Menschen u. Tieren; haupt-
sachlich aber bei l'fcnlen, la courbature (cur-
vatura), la fourbure (Briss. 132. 144) und hei diesen
auch auf ähnliche Leiden aus anderen Ursachen
ausgedehnt: 1. = eine fieberhafte Kntzündung
der Huflederhaut (s. Reh-Huf)» wodurch das
l'ferd fussteif, gliedsteif wird (= räch, rack),
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räch.
rächsen — Rasse.
da dieses Leiden die Funktion des betr. Gliedes
wesentlich beeinträchtigt. — 2. = lähmungs-
artige Gliedersteifheit durch Phlegma (Rheuma)
od. Rhacbitis,im Allgemeinen. — 3. = lokale Glie-
dersteifheit durch Rheuma, Spat, Haut- oder
Hufkrankheit (Gr. W. VIII. 566. 567; Herbst 29;
Kalke I, 417; Ii. 223. 231). — 4. m das sogen. Ver-
fangen (Atembeschwerdo) oder Verschlagen,
Herzseh lächtigkeit (Gr. W. Vm, 62; Mayer 135). —
Rächigkeit (1592 rechtigkeit , Seb. 177) - racher
Zustand, Gliedersteifigkeit. — (1680) Brunt-Rahe
m BruBtmuskelrheuma (Rähe4) (Falke 1. l«2). —
.Fress-Räke- eine Gelenksteißgkeit des Pferdes,
angeblich durch zu vieles Fressen (Gr. w. IV, l
139). — Futter-K&he (mhd. vnoter-raehe, Lexer369;
1599 futterrech, Gr. W. IV. 1. 1094; 1764 lutter-rcche ;
19. Jabrh. futierrche) = eine Gelenksteifigkeit beim
Rinde und Pferde, das dabei sich aufbläht im
Bauche und alle 4 Glieder straft* von sich
streckt, angeblich durch schlechtes, nnzeitiges
Futter veranlasst, Rheumatismus, der in nassen
Jahrgitngen häufiger beobachtet wird, Crithiasis
(Kraus, E. 277; R. A. 492. 605; Falke I, 300). — (1699)
Gang Rühe = Hufrähe (s. d.) (v. M. I, 43). —
Huf -Rahe, i . = eine bei entbundenen Stuten
nach dem Fohlen würfe unter Fieber u. heftigen
Fusschmerzen auftretende Steifigkeit der Tiere,
welche dabei die Körperlast auf den hinteren
Teil des Hufes, auf die Hufballen zu stützen
suchen, indem sie namentlich die HinterfQsse
weit unter den Leib schieben und die Vorder-
fösse nach vorne stellen (Frank 476). — 2. =
s. Reh-Huf. — Äreuz-Räke, 1. = Kreuzlahme
(s. d.). — 2. = die Drehe, Windrähe (s. d.) =
schwarze Harnwinde (bei Tieren). — (1260)
LankUL&he („der pblegmaticus [ = rbeumalicus) hat
des pluts [Blutfeim, s. d.) ze vll gefangen uud ist der
langraechigund swelgt" [swelztv], auch swigetlswlzet?]
lu anderen Lesarten, Pfeiffer 21; Schmeller II, 12;
vergl. Lanksucht) = eine Steifheit in der Lanke
(s. d.), Gelänk , Gelenk (Lumbago, Rheuma arti-
culorum), wobei starke Schweisse auftreten
(das Schwelgen Ist wohl falsch gelesen für Schweissen
[schwitzen], das verständlicher ist). — Muchel-B&he
(mhd. nitucbelrachc, Lexer 167; miichel raeche, Scbm.
n, 12) - eine Gliedersteifigkeit mit Hinken beim
Pferde, durch den Muchel oder Meuchel 3
(.Mäuchler) = Mauke (s. d.) veranlasst. — nieder-
Tacken = (clno mundartliche Entstellung für): iter-
ruchen, s. „ruechen" (Andrcsen 109). — (1843)
Stall-R&he = eine durch zu langes Stehen im
Stalle angeblich entatandene Pferderahe (Zipp. j
208. 209, Falke II, 334). — (17. Jahrb.) Wasser-
Rähe = eine Gliedersteifigkeit beim Pferde:
a) angeblich durch gfthes Saufen kalten Wassers
veranlasst (Rheuma) (Coler. Pf. 375; R. A. 492;
franz. fourbure [ = forls blbere = boire mal n propo?],
Briss. 144) ; b) wäsaerige Anschwellung der
Schenkel mit Gliedersteifigkeit (Falke II, 429). —
Winrf-Rähe (-drehe) (mhd. wintraehe, Lcxer 388)
= eine Gliedersteifigkeit der Pferde mit tym-
panitischer Auftreibung des Bauches und mit
Nierenreizung (schwarze Harnwinde), angeb- ,
lieh durch verschlagene Bauch-,, Winde" (Flatus,
Darmreizung) oder durch das Laufen gegen den |
„Wind" verursacht (falsche Etymologie IM oft Ver- |
anlassung zu falscher AUologie, Falke II, 440) ; die
dabei bestehende Haemaglobinurie fBollInger)
ist Zeichen einer parasitären Nierenreizung
(Harnwinde) mit gleichzeitiger Tympanites der
Gedärme; die windenden Leibschmerzen und die
Gliederateifhelt erklären genügend den Namen (K. A.
492); das hohe Aller dieses Krankhclts-Namens Rähe
wird noch bezeugt durch die volksmediziniscbe Be-
sprechung dieses Übels (Hoffm., MonaUchr. f. Schlesien
1827, n, 764). — Rah- (AVA-, Roh-), rack-//«/\
-Krankheit, «mitd, -Seuche.
rächsen, räcksen, räckzen, räckezen,
rachsen, Racksen, m. rackazen, (ricksen,
rillen) (zu ahd. rnchlsön, 9. Jabrh. ; Graff II, 386 =
screare; ndl. rexenen = screaro, r>. 620; 1C20 raexen,
l)r. Minderer) — mit laut hörbarem Geräusche
Schleim, Speichel, Blut oder Kiter auB dem
Rachen heraufholen und auswerfen (Gr. w. vm,
30; schw. 626) — Rächsung, f. = die Handlung
des RaehBens. — Racksen, m. - der aus dem
Rachen herausgeworfene Qualster (s. d ), Spu-
tum (Schmeller II, 13). — at</räckzen (15. Jabrh.
uffrochuen, Schmeller II, 13) = eruetare, aus dem
Rachen hörbar aufstossen, rülpsen. — au$-
Tächsen (-rachsen) (ahd. uigerahsinet, 12. Jahrb.,
Grad II, 386; 15. Jahrh. usarysen = rehssen, D. 640
[haemoptoc]) m das im Rachen angesammelte
Sekret auswerfen, z. B. Galle ausrächsen (D. 201).
— 2Hul-rächsen (1477 plutreichsen . Ortolf; 1483
bltiotraechsen . C. v. Megbg. ; 1482 plutrechsxung -
seuche, daz ist der do plut rechslnt, D. 201 ; morbus
quidam, haemoptoc, Zculng. Voc. i 4; Gr. W. tt, 188;
1782 emptoyiei — die da plut rehssen, rechsen, D. 040j
-= Blut aus dem Rachen laut auswerfen. —
£i7rr-Räcksung (1482 ayterraechsuug — empyema.
Zenlng. Voc.; Gr. W. III, 393; 16. Jahrh. ellerausryset
= Ihaemoptoea] ist ein sucht so eyu oyter vssryset =
empyema, D. 6-10) — aus einem Eitergeschwüre in
der Lunge oder im Rachen Eiter auswerfen.
räckeln, 1. ^ gähnen, rülpsen aus dem Rachen
(Tirol ; Alpbg. 372). — 2. = S. räch.
Räm, 1. = s. Ramm, Krampf. — 2. = Rahm,
ranken s. ranken.
Rapfen, f. Räpfe, f. Rapfe, f. (zu ahd. raphan.
rupfen , Schw. 633; Schmeller II, 131 — eine rauhe
Schorf- oder Km<itenbildung auf der Ilaut machen.
Ycrharmchen, Kluge *, 291 ; mbd. rapfe Kratze, Räude.
1716 raepfen - Knude; 1838 rapfen = unreine Pferde-
fessel. Merk 100). — Räpfe = eine Pferdekrank-
heit (Raupe und Rappe, b. d.), wobei die Fusse
und Kniekehle durch einen rauben, rufigen,
krustigen, räudigen Hautausschlag (Mauke,8.d.)
mit kleinen Hautri.ssen anschwellen (Gr. w. VIII.
114; Mayer 109; Herbst 155; franz. eraffnre, la raffle,
In ravluelle. Brlss. 222). — rapfig. rapfig = mit der
Räpfe behaftet (Schmeller 11 131). — (1716) wilde
Räpfen ■ - ein Btarker Grad der Rappe oder
Rapfe, wobei die Haut voll von trockenen
Hufen, runzelicht und stuppelicht ist (Gr. W.
VIII, IM).
Rappe, f. s. Rappe u. Räpfe.
Räps, räpsen 8. röpsen (rülpsen).
Rasse, räss e. rase.
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Rätsel— rahn.
Hain— Rind.
Rätsel, Ratzel e. Ratzel.
Räuber, m. s. rauben.
Räude 8. Räude.
Rauhe s. rauh,
räumen s. Raum.
-Rausch s. lauschen,
räuspern, Räusperer (indogerm. rüg; germ. n*k
= rülpsen [ruecksten; dazu ruechen, s. d.J. Kluge5,
296; mhd. riuipern, riustern = ructarc, rülpsen; 1684
relspeln = räuspern, Gr. W. VIII, 760; [Schweix] ruea-
pctn, ruspelen, 8chw. 539; ryspern, ruspern, rispcru.
reysperen, D. 502) = würgend auswerfen oder im
Rachen ein Geräusch machen, um Schleim aus
demselben auszuwerfen. — (1697) Räusperer, m.
= der einmalige Akt des hörbaren Ränsperns
(Schindler II, 158). — (1591) aiorauspern (Tabern.)
= wirkliches Auswerfen von Schleim aus dem
Rachen unter Rachengeräusch.
Räwe s. rappeln, Rappel.
räzen s. rächsen.
Raff s. Raffel und Reff.
Raffel, f. raffen (gcnn. hrap ; ahd. rafTY.n = rupfen ;
mhd. raffeu, Klage5, 294 = hastig mit Geräusch er-
grellen und halten. — Raffel, f. ■ ein Hausgerät,
mit dem man etwas schnell und lärmend erfasst
(Geraffel); damit verglichen: der Mund als ein mit
Raffzähnen versehenes Esawerkzeug (Schm. II,
; schw. 528). — /Tin n -Raffel = die Kinnlade
alB Teil der ganzen Raffel (Hlntner 7. 15; Gr. w.
V. 77»), — ZaAn-Raffel, f. = der Träger einer
von den Lippen nicht bedeckten, lackenhaften
Zahnreihe, die in der Kinnlade wie Raffeln
aufstehen (Spies* II, 286).
raffetzen = roffezen («. d ), rülpsen.
ragen (ahd. hragcn, hervorstchen; mhd. ragen —
erigere; das ragen der gemecht — erectlo penls; mhd
ragunge = tentigo, D. 678) = die beim Geschlechts-
reife eintretende Erectio penis (Herne v. 7;
Kluge*, 29.1; dam die verschiedenen Ragewurzeu,
z. B. Orchis - Pym stantlcura [Standelwura], Jessen
254). — Rage-, ragende(r) -blind, -dürr, -Ge-
machte, -Pfeife, -Sterz, -Zahn. S. auch rein 4.
Rahm, m. Rahmeln, pl. Rahme, f. Räm, m.
(Raum) (mhd. ram; 1482 rame — oxygalla, D. 404;
1692 räum ca Milchrahm. Heb. 123; Konto. "12; raem,
7. d. v. f. V. K. 1897. s. 192), t = Schmutz, Milch-
fett, Milchfeist, Schmant (Kluge». 329). — 2. =
Ansatz von Milchkrusten am Kochgeschirre. —
3. = Rahmeln (mit 2 verglichen) = Naeenkrusten,
Schmutzkrusten (s. Poppel). — 4. = Ram =
Rarnp = Krampf (s. d.) — Rähme, f. (Rehme)
- Schmantbildung. — (1842) Milch - Rährna,
-Rahm, 1. = Knochenbrüchigkeit der Milch-
kälber (Rbachitis), wobei die Milch durch
Magensäure rasch zu Rahm gerinnt (Falke II,
117). — 2. -(1482 mlllch rama=-*apa, D.511) Schmant.
— Rahm-SVWaucA.
rahn (ran) (spat -mhd. ran), 1. ss mager,
schmächtig. — 2. = zierlich, namentlich in der
Leibesruitte (Weiche, Dünnung, Seite). — 3. —
schlank und dflrr in Gliedern und Gedärmen
(H. v. üersd. 87 ; Gr. W. VIII, 7ü). — 4, = 8. auch
Rand. — Ranne, f. = Schmächtigkeit. - Rahn-
(Ran-) Darm, - Korn, -Korngrint.
Rain, m. (germ. raln = Rand; ahd., mhd. rein m
begrenste Boden-Erhnhung. Ackergrenzc, Kluge5, 293).
— sie bekommt einen Rain am Bauche = sie
ist schwanger und zeigt damit auf der Mitte
der Unterbauch haut eine dunklere Pigmentie-
rung, die die beiden Seiten des Leibes teilt
(I'loss Bartels I, 480).
Ram, Ramm, m. rammeln, Rammeln, pl.
(ahd., 1165 rammo, ramme = therha] agripplna (Graft
II, 605; D. 19], nesaia, eine Pflanze [blppomane, Ross-
wut], Müllenb. Kose XXI, 219); wohl umschreibend
für physische Liebe [rammo], nach der berüchtigten
Liebestrankberelterin Agripplna [?); ram , rammo =
Widder, Schafbock ; mhd. ram = Widder, ZuchtsUer,
Eber). — rammeln (ahd. rammaU.n) = sich be-
gatten (Germ. XVIII. 110; G. v. Schm. 423). — (1510)
Rammel, m. = der Trieb cum Rammeln, Geil-
heit (Gr. W. VIII, 76). — (15. Jahrb.) Rammel, f.
(Schwaben), Virgo dissoluta — eine mannssüchtige
Person (C. v. Schm. 423; Schmeller II, 90; Gr. W.
viii, 77. so). — (15. jahrh.) Rammling, Ramm-
lerin = Rammel, f. — Rammeln, pl. 1. = die
Hoden der rammelnden Tiere (Schmeller II, 90).
— 2. =s. Rahm 3. — (1594) Rammler, m. = ein
geiler Mensch, (158t,) Ramssler ( = lasctvtus. Gr. W.
VIII, 79; D. 319; engl. ram). — (1518) ram lieh =
brünstig (H. v. Gersd. 103). — Ramp (ud. gigcrla
[gignalia], D. Ii, 192) = Geschlechtsteile. — Ge-
ramsch = s. Raum. — Ram(s) - Kopf, -Note,
-Pampen, -Schlauch, -Strenge.
Ramm, m. Ramp, m. Rampf, m. ramp-
(altnord. rnmml ■ stark, Welnh. 279; 1420 raem, nun,
ramm, rammo, D. 544 — Gicht, spasmus; 14. — 15 Jabrh ,
innd. dat vallende ovel unde den ram, J. f. nd. Hpr.-F.
XV, 131 = pestls. D. II, 107; 1502 chratn = spasmus,
1). II, 341). I. = Spasmus, Krampf (s. d.), die
ZuBammenziehung und krampfhafte Steifigkeit
eines oder mehrerer Glieder durch Hand- oder
Fussgicht, Vergicht, Epilepsie (Gr. w. vm, 76. 80).
— 2. = bei Pferden auch durch Verrenkung der
Kniescheibe nach innen, wobei die Tiere das
Bein krampfhaft steif halten (Zlpp. 114 448; Falke
II, 226). — (1741) rampicht = krampfieht, zu-
sammengezogen, runzelicht (Schmeller II, 100;
Goldschm. 103 ; Zeltschr. f. d. I'hllol. XXVI, 249). —
Ramsen = Ramsen, Rämfen - Krämpfe, Fraisen
(Fossel 76).
ran s. rahn.
Rand, m. Rane, in. Ranft, tn. (indogerm. rem;
vorgerm. rainta; germ. rauda = Rand; nbd. rant,
ramft ,, mit Jungem I"; mhd. rant, ranft=Kand, Kinde,
Kluge5, 263; 1516 ranfftc, tan ff - labinm, criiHta, D. 160
314; 1676 ranft) — Kruste, der am Rande einer
Wundesich zuerst ansetzende Schorf (Gr. w. VIII,
90). — Rane, m. = Eschara, Schorf (Schm. II, 102),
brandige Milzbrand pustel s. Range. — Ränlein
(mhd. rennelln, I.exer 19«; 1482 rcnle, Zen. Voc. , D. 562)
= Stigma, Masen, (schorfiges) Wundmal, Rön-
nen, Pockenschorf. — . I u ■;, n Rand = Margo
orbicularis, die Umgrenzung der knöchernen
Augenhöhle (Gr. w. 1,809). - (1676) brandiger
Ranft - die brandige Kruste eines Geschwürs
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Hange— Kank.
tannzen — Rappel.
(Gr. W. VIII, 90). — K rom n-Rand - der obere
Kand der Hornwand (Saumband) an der Huf-
krone (Zlpp. 162). — (1741) MiU /t-Rand - Ranft,
Crusta lactea, Milchschorf der Säuglinge (Kirsch
319). — O/tr-Rand = Helix, die Ohrmuschel als
leistenformiger Rand, Krempe vor der Ohr-
höhle (Gr. w. VII, i2öc). — Trage-, Trachten-
Rand - der untere, auf dem Boden stehende,
das Eisen tragende Rand der Horn w and des
Pferdehufes, an die Trachten wand des letzteren
angrenzend (Zlpp. 162). — Wunrf-Rand s. Rand
— WurZ-Rand = der den Wurf (s. d.) umsäu-
mende Lippen -Wulst, Labium mnjus vulvae
(Stute) (Falke II).
Range, m, Rangen, m. Rank, m. Ranke, m., f.
Ranken, m. rank, rankzen (rantzen) (vorgerm
wrenk, wreng; gerni. wrlngan [ringen); vor-ahd. wrauk-
jan — drehend hin und her ziehen, renken, Kluge *,
293. 300; mhd. ranken — dehnen, «trecken; engl,
wrench = renken, sbouder-wreuch = luxatlo humerl,
Kaltsebm.; dÄn. vrang »trüben, Pierer'. VII. 249 =
Kankstnipfen). — rank = gestreckt, gedehnt,
schlank, dürr, mager, dann, contractu». —
Ranken, pl., m. 1. — ein dürres, fettarmes,
langes Stück Fleisch am Knochen. — 2. = die
langen Fussknöchel, nur mit Haut bedeckt,
ohne Fleischteile. — Range, m. = ein langer,
dürrer Mensch, Slingel, mageres Vieb. —
Range, f. - Mutterschwein (H. Paul 349). —
Rangen, m. n. - Ranken. — Rank, Ranke,
Ranken, m. 1. = Morbus porcotum vel canum
(Kyn-anche) in faueihus, Angina, Cynanche, die
Schweinebräune, als eine korngrosse, brandige
Milzbrandpustel im Schlünde oder Gaumen der
Schweine (s. Rankkorn) (Bardeleben 1, 300; Kluge*,
293; Ur. W. VIII, 92 106; nach Kuhn, Z. I. v. gpr.-F.
X, 7U liuwt sich Kangcn, Hanken als [schlecht gc
sprochenes] Rankorn = Rank -Korn deuten; auch
Rane, m. - Milzbrand der Schweine [Schindler II, 108]
ist nur ein verstümmeltes Kanke; das ndl. wrong —
„eine Krankheit der Kühe", wobei die Tiere ihren
Half) strecken, renken ; [Kluge6, 293] erklärt wohl das
Kankkorn besser; ndd., Ii. Jahrh. wraughen, ranghen
— luctarl, I). II, 210 = wringen; 1475 wraugh, wränge,
D. 448; dazu wrangkrut - Ilelleborus [s. Feuer, Brand],
Roll. 82; 15. Jahrb. ränge, m. - Rankkorn, ranekcu;
1587 rang — angine, cynauche, D. 35. 448; 1723 ranck
= stropha [ = scrofulu] , Schwelnsdrüsc am Hal.su,
1). 557; 1741 rangen, n. = cynauche, Kirsch 330) =
Milzbrand-Pustel von Korngrösse, infolge deren
die Tiere ihren Hals wringen, renken, strecken,
da die Lyniphgefässtränge daselbBt den Hals
schwer beweglich machen, ihn einpfrängen
(s. Klamm, Hirschkrankheit, Hirschhals und
frangende Bräune); dazu die verschiedenen Rang-,
Ranken-, Wrank-, Wrang- Krauter (Ilelleborus
nlger, Ononls splnosa, Scrophularla nodosa etc., Jessen
179. 180. 262. 309), welche gegen den Bchweluemllz-
brand gebraucht wurden. — 2. = (übertragen, wie
Kankkorn 2 auf den Menschen) Angina, Cynanche
(= Hundeenge), auch St. Urbansplag (s. d. 2),
St. Urbans-Feuer* (Feuer J»), eine eitrige Gurgel-
oder Schlundkrankheit (Fromm, vi, 9; Gr. w. VIII,
96. 108), die den Hals einpfrängt (s. d.); die Er-
klärung Stöbers Rangen — vom Rangenweiu (Weinberg
am Rangen) Im Elsass Ist uicht zutreffend. — Rank
Korn, -Korngrind, -Strupfen. — Ranke, f. =
die Winde, Locke, als sich drehendes Gebilde.
— rankein = ein leichter Grad von renken. —
ranke zen (rankzen, rantzen, [16. Jahrh ] rennBen),
1. = sich öfter hin und her winden, dehnen,
strecken; (1009) rantzen, z. B. die Glieder im
l Schlafe (Scbmeller II, 123; Guar. 887. 942; Gr. W. VIII.
in ; schw. 632). — 2. = unter solchen Bewegungen
sich balgend begatten (von brunftigen Tieren)
— Räntzung (1609) renzung, Guar. 888) = stroppe
i di corda, die Handlung des Rankezen 1. —
j Rantz-i?fi7 — ousrankeln ■ einen Knochen
leicht ans seiner Gelenkverbindung windend
herausdrehen. ■ - Gf-ränke (Grängel, m.) (Elsass;
E. w I. 278) ■ Hirschkrankheit 2 beim Pferde.
I — Haar-Ranke - der gewundene Kopfhaar-
Wulst bei den unterfränkischen Weibern (Bavaria
[ IV, 270). — (1646) r/mb-Ränk = (übers, der) Gyn
i cerebri (Hirn- Windungen) (Hyrü, K. W.); s. auch
Renke; hiezu vielleicht pfrängen (= berttngen,
be[f]rängen) = windend bei etwas einengen,
I einklemmen.
rannzen s. rankezen, bei Rank.
Rans, m. Ranz, m. Rantsche, f. Ranzen, m.
(zu mhd. rans = Bauch, Wanst, Haurüsael, Kluge6, 294;
Gr. W. VIII. 108; Schw. 532). — Ranzen = voller
Bauch, Pansen (Hintner 8. 18; Martin 65; Falke II,
226). — BattcA-Rantsche, f. = (tautologiachj Bauch-
wanst (Hintner 8. 18). — Oe-XKDA — s. Grans.
Rapfe, f. rapfen s. räpfen, Rappe, Raupe.
Rappe, f. Rappen, f., pl. Roppen, f. Rappe, f.
(wie RApfe [s. d.] zu ahd. rapban, rapfen = rauhen
Schorf bilden, Kluge*, 294; mhd. rappc, rapfe = Scabies,
Kratze, RAude; 1592 rappen, f., Seb. 177), 1. = rauhe
Finnen- oder Krätze- Knötchen auf der Haut
des Menschen (Scbmeller II, 128. 130; Schw. 639;
C. v. 8chm. 419; De Cock 251). — 2. = die Räude
der Tiere, namentlich am Pferdefuss (s. Mauke,
Meuchler), wobei die Haare vom Sprunggelenke
abwärts rauh, borstig, durch Sekret verklebt
Werden (R. A. 731; Schw. 533; Abllg. 46; v. M. I. 47;
ßeb. 177). — 3. = der rauhe Schorf beim Nasen-
krebs (oderLupua) (Scbmeller II, 128 [polypusdort]).
— rappig (räppig, roppet) (13. Jahrh., ndl. rappich,
dat si scenen seer lascr*. Pr. I, 329) = rauh auf der
Haut durch Aussatz, Krätze, Räude, Borke etc.
(an den Lippen z. B.) (Schmeller 1. c. ; C v. Schm.
419). — Rappigkeit (ndl. 15.%4 rapplgheyt, De Cock
252) = der Zustand des Rappig-sein. — Rappen-,
rappige Lippen, -Mal.
Rappel, m. (Räwe) (nach Kleinpaul 97 angeblich
zu raptus (s. d.]; besser wohl zu rappeln, raffeln [s. d.]
= lärmen, klappern, s. Kluge *, 294). — Rappel, m.
1. = der Zustand des lärmenden Tosens und
Hämmerns im Kopfe bei der Verstandes-
verrücktheit (s. tösig und Getön) (Gr. w. VIII,
117. 119). — 2. = Schwindelgefühl. — 3. = der
mit Aufregungszuständen eiohergehende Pferde-
koller (s. d. 2). — es rappelt (bei) ihm = er
ist nicht recht bei Verstand, da er den Rappel
(s. o.) hat , wobei die Vorstellung eines Ge-
räusches zurücktritt (H. Paul 350; man denkt alter
meist an Ableitung aus mhd.. md. reiben ss träumen,
verwirrt sein", franz. rever; engl, to rave, Kluge, 1. c.
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Raps— rasen.
Raupe— Kassel. 4!)8
u IST*, dazu [Oldenbg.] rawen — fautasieicn, (ioldsrhm.
17). — er rappelt sich auf = der mager ge-
wordene Kranke kommt sieb aufraffend, gleich-
sam klappernd sich bewegend, wieder empor
(Gr. w. VIII, 118 rab 5; II. Faul 350). — rappelig
= mit dem Rappe) (s. o.) behaftet, phrenetirus,
fanatiens (Gr. w. vin, 117). — rappel-rfurr,
■Kopf, -köpfi$ch.
Raps, in Raptus, m. („eine Unideutung des in
gelehrten Kreisen viel verwendeten [lat.] raptus [<icil.
mentls]"; zu rapere = relssen) = ein plötzlicher
Ausbruch oder Anfall (s. Greifung) von Ver-
standesberaubung, Verrücktheit oder melan-
cholischer Angst (Gr. W. VIII, 121; Dorubl. 78. 114).
— Sai</"-RaptUS, 1. = ein plötzlicher Anfall von
Geisteskrankheit infolge von Alkoholismus
(Griesinger 177). — 2 — anfallsweise auftretende
Ti unksueht (Roth l«).
rasch (Indogerm. roth, retb = eilen; gern», rath ;
abd. rado = schnell; engl, rash — rauch eracbelnende
Kupfkongeslion , Rotlauf, sonstiger Hautausschlag
[s. Klug und Lauf]; netllc rash = Nesselausschlag,
neaaclartlge Ultzblatter. Kaltscbm.; Roth ; Kluge 8, 294).
RäSChe, f. (Henneb. ; Spie« II, 191; frani. la rage)
= Wut, hitzige Erregtheit.
rascheln (angels raescetnng — coruscatio, siehe
Wetterleuchten; ahd. raseezzen) — rasche Schluehz-
bewegungen (Singullus) lebhaft nach einander
raachen (Kluge *, 291). — Rascherle, n. = rau-
schende Urinentleerung (s. rollen) (U. -Franken).
rasen, Rasen, n. (rosen) (am Ende de» 13. Jahrh
aus dem ndd. entlehnt; mhd. rasen - toben. Kluge5,
294; 1507 rasen — lymphari, D. 330; raesen m lnsanlre,
D. 800; 1621 rasen — dementare, D. 172; insanirc, D. 300).
— Rasen, n. 1. = (1666) die Tobsucht bei akutem
Fieber und Geisteskrankheiten der Menschen,
Phreneei», Delirium (Gr. w. vin, ise); vielleicht
übernommen aus 2. = die Tollwut oder Beiss-
sucht der Wölfe und Hunde, Rabies, Lyssa
— Wasser- ( = lympha) Scheue, la rage (s. rass)
(Gr. W. VIII, 136). — Raserei (14. Jahrb. rasery;
15. Jahrb. nucrie = deliratnentum, I). 172, dementia,
furor, man 11 rables; 1482 melancholla daz halzent die
dürgen [Thüringer] rasen, D II, 249; 16. Jahrh. raserie,
rasle, ragle ss la rage, 1754 raserei = furor, inaula,
A. T. H. I, G83. 953; ndl. rnsury, De Cock 158. 815;
Gr. W. VIII, 138 n.; Thes. san. Hr. 58 .) - der Zustand
des Rasens 1, 2, Tobsucht, Tolluucht. —
Rasenheit = rasendes Wesen, Unsinnigkeit
(Gr. W. VIII. 137). — rasig (rosig) - rasend
(Scbraellerii. 131). — rasend, rasendig (rassendig)
— dehrus, furiosus, insanus, lymphaticus,
phrenetiens, wütend infolge von akutem Fieber,
Hundswut oder Geisteskrankheit, elbisch ver-
wirrt (Gr. W. VIII. 185. 187; D. 84«; 1612 rossende,
rosende, nutende = rabldus. I». 482). — /1/p-Rasen
(-Kass), (albnws, Pictorius) = «. Alp, 8. 12, das
durch den Alpdämon veranlasste rasende
Wesen eines vom Alpschusse (s. d.) getrogenen
Menschen (Gr. W. I, 203). — aturasen - «las
Austollen des Fiebers ohne weitere Beihilfe von
Seite des Arztes (Goldschm. 125) — (1712, 1725)
Bärmuttcr-, Muth rr-Raserey, -Rasen Fnror
Uti'rinus, Nymphomania, „»»ine Art Tnuhsncht
ohne Fieber, womit die armen Frauenzimmer
überfallen werden" — geschlechtl. Erregungs-
zustand (Thes. san. Br. 218; Zw. 264; F. Hoffm. VII,
119). — (1782) //«n'/s-Raserel = (cynanthrophle
[kynanthroplc], eine Art Tollheit, In welcher die
Kranken In Hunde verwandelt zu sein glauben nnd
wie die Hunde sich stellen ; diese Krankheit ist etwas
seltenes, M. II. h. I, 508) s. Hunds-.Mensch und
Wehrwolf. — (1735) l.n '■■ .- Raserei - Erotomania
viri (Woyt 534 ; L. cb. 31) = Nymphomania feminae,
Furor uterinus. — Monat Rasen = Mondsucht
(< d. U. Mond) (schwed. mänads-rasande). — (1736)
nächtliche Raserei - Insama nocturna = Nacht-
wandler (Woyt 176). — (1699) /. luber Raserei -
durch Zauber (s. d.) veranlasste Tollheit (v. M. II,
Anh. 29, Wdbuch 447). — rasende(r) Fieber,
Kotler, Sucht, Wut. — Die Hase-Wurz = Toll-
kirsche, Atropa Belladonna.
Raspe, raspen, raspeln (zu ahd. nupön =
zusammenraffen; damit franz. [vor ca. 400 Jahren]
raspe [rtpe] - Reibeisen zusammenhangend, Kluge*,
294; mhd. raspeln = mit dem lteibelseu kratzen), 1. -
(1781) in der Studentensprache: feilen (s. d.),
coire (Gr. w. Vlll, 142). — 2. = eine Schmerz-
empündung von etwas Kratzendem, Reibendem
~ raspeln (Ruck 19). — Raspe, f. = die Rapfe,
Rappe oder Pferdemauke, bei der die Tiere
beständig scharren od. kratzen an der kranken,
rauhen Hautstelle, die querverlaufende Schrun-
den und Risse in der Kniekehle od. schuppige,
grintige Hautrisse nm Vorderknie und Sprung-
gelenke zeigt (Mayer 109; Zlpp. 107. 360; Falke II, 227).
rass, räSS, räs, Rasse, f. (ahd. razi, rtz -
rabldus, Graft II, 55»; [s. rasen] ; 14. Jahrh. reze —
hundswütig. Hoffm. I, 324; mhd. raeze — acer, Graff,
1. c. ; 18. Jahrh. raese ■ sal, D. 507). — rass, 1. ■
siechend scharf, beissend (mit den Zähnen,
wie ein rasender Hund). — 2. = auf der Zunge
beissend, pikant (von Speisen). — 8. = auf der
Haut beissende Empfindungen machend. —
4. = rasend, hundswütig (Gr. W. VIII. 154) (s. o.).
— 5. = streng, scharf tonend, grell, von der
Stimme (rass) <c. v. Schm. 425). — Rasse, f.
1. ss (1616 die raeszi der collca, Paracelsos) = die
beissenden, raaenden Schmercempfindungen
bei dem Bauchgrimmen (Gr. w. vm. 166). —
2. = die salzige Schärfe von Sekreten. — rässe
Stimme.
Rasse, f. (14. Jahrh., ital razza; 16. Jahrb., franz.
rare; dies aus dem arab. ras — 1'rsprung entlehnt und
Im 18. Jahrh. ins Deutsche übernommen) = Stamm,
Geschlecht, Art, „erbliche Variation" (Vlrchow;
Kluge». HM). — rassig => (vielleicht anlehnend an
rass [s. d ] - scharf, pikant) = besonders von Frauen
gebraucht, die einen leichten Lippenbart als
Zeichen guter Art habeu.
Rassel, f. rasseln, rossein (germ. hrat = i*im
Schwingen einen Klapperton erzeugen ; mhd. razzeln
b öfters klappern [dazu Ratzel. Itatzel|; engl, rallle
ss rasseln, röcheln; angls. hraetele — Klapper, Kluge1,
294). — rasseln (msseln, rastein), 1. ob (1730) die
Tone, Geräusche in der Lunge erzeugen, welche
entstehen, wenn Schleimmassen mit Luft ge-
mischt (Bläschen) in kleinen Hohlräumen
klappernd hin nnd her bewegt werden, so
4 h
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494 Rat— Ratzel.
besonders beim Oedema pulmonum der Ster-
benden = Röcheln; davon die Skoda'schon
Rasselgeräusche, das feuchte und trockene
Rasseln als Terminus technicus der Sebul-
medizin. — 2. = das laute Schnarchen und
Keuchen mit Schleimraasein auf der Brust
(Gr. W. VIII, M6; Wolf). — 3. = (1588) das Herz-
gespeir (b. d.) = Atemnot mit Schleimrasseln
bei Capillarbronchitis (Gr. W. IV, 2. 1246) =
roBseln. — Rassel, f. = die weibliche Hänge-
brust, die, wie eine Klapperrolle od. Schelle
beim Weiilevieb, herabhängt (Schmeller II, 13?).
— (16»7) Rassler, 1. = der mit hörbarem Rassel-
geräusche verbundene einzelne Atemzug (Röch-
ler) (Schmeller II, 631). — 2. = derjenige, der
länger und öfters rasselt, röchelt (Gr. w. vm, 144).
Rat, m. (sanskr. rtdh = erlangen, besorgen, wu
man bedarf; abd., mhd. rat = vorhandene Mitlei, Vor-
rat, Kluge», 295. 386). — JVrat (abd., mhd. unrat
= unnützes Zeug, das sich angehäuft hat und nicht
zum eigentlichen Lebensvorrate gehört , Hilflosigkeit
aus Mangel an Vorrat, Not) = angehäufter Kot,
Krankheitstoff, Eiter (Materie), (1696) Haut-
warzen, Augenzieger etc. (Ackerm. 72; BavariaH,
2. 893; Pauli 117; Beb. 176; Kluge», 386). — Blasen-
n.rat (1551 onrath in der blasen, Bock 267) —
Kiter in der Harnblase. — (1561) giftiger VnxtX
(Bock 80) = Krankheiten erzeugende Materie. —
innerlicher l/nrat = im Innern der Gebärmutter
fau lende Nachgeburt (Lonlo. 184). — Wurm- £/«rat
= Saburra verrainosa (Kraus, E. 908) = Kot,
Schleim und Würmer im Uedarme.
ratschen (mhd. ratzen = klappern, rasseln, schnar-
ren, Kluge * 296) = den Laut r r schnarrend fehlet -
haft aussprechen (Khotacismus) (Coen 17; Gr. W.
VIII, 190).
Ratte (ndd.), Ratze, f. (ndd.), Rat«, m. 1. =
das erst nach der Volkerwanderung von Osten her in
Europa aufgetretene, langgeschwänzte Nagetier, das
lange schlafen soll, wie das Murmeltier, und den
Mensrhen oder die Tiere bcseichen (s. Rübr mich nicht
an!) und auch die Test vermitteln soll (M. Med. W.
189«. 11). — 2. = einer, der oft SchlafneiguiiK
hat, lange schläft, wie die Haselmaus oder der
litis {Spless II, 191) = Schlaf -H&tz (1532; Lonic.
329; Kirsch 1129). — 3. = Urille, Laune (s. Maus
im Kopf). — 4. = (1564) Krätze; ratzen: kratzen
wie Rampf: Krampf (s. d.) (Gr. W. VIII, 210;
Schmeller II, 194). — 5. = s. Rotz — 6. = die
Ratzel (h. d.) = Razen. — aufgestellter Ratzen
= in die Höhe gerichteter Ratzenbait (Alpbg.
120). — Ratz-, Ratten- Bart, -Schwanz, -Schweif,
•Starz, -Sucht, -Zagel.
Ratzel, tu. Rätzel, m., n. (au ndd ratein «
klappern - [s. Hassel bei Kluge», 295]; eher vielleicht
ein „entstelltes SehrüUel", Laistner I, 155 (* | ] rato),
1. s= ein rasselnder (?) Polier. Union oder Hausgeist
(auch Erdmännlein oder Krdletitl, sowie Schraten,
Schrazeln, Raten, Strazeln, Schlazen, alle at*>r mit
hohem, hellem ü ausgesprochen, benannt, Schon w. ,
O. Pf. II, 288. 328; Panzer I. IMS; Schmeller II, 194),
ein nach dem Volksglauben in den sogen. Ratxel-
1< »ehern, nnterirdiseben (iangen lebender Kobold, der
auch den Alpdämon in Krankhelten (1720) vertritt -
Incubus, Alpdruck, „eine Krankheit, da hl« wellen
rau— Ranch.
In einem harten Schlaf der Atem also gehindert wird,
das« man nicht reden kann; viele wollen auch be-
haupten, sie haben ein Mannlein (Ratzel) oder der-
gleichen was übers Bett hinaufkriechen und ihnen
auf die Brust liegen verspürt (s. Nachtmarl ; als Ratz
= Raupe (llaarwurm, Made oder Raupenwurm! oder
Schmetterling kommt der Alp aus den buschigen
Augenbrauen uud setzt sich auf die Brust des Schulen-
den (Bimrock. H. D. M. *, 438 ff.) ; dort veranlasst er,
wie die Mar, die Trade etc., den Alpdruck (s. d.);
solchen Alpdruck kftnncn Leute aus blossem Zorn oder
Hu«- ihnen übelgesinnter Anderer dnreh den blossen
(iedanken (Vermeinen, ». d.) zugeschickt erhalten. —
2 = Razel (s'jvötppu;) beiasen auch die Leute,
deren Augenbrauen (s. Wenkbrauen) in der
Mitte zusammenstossen (Goethe, aus meinem Leben
II, 351; Schmeller II, 194).
rau s. rauch.
Raube, f. s. Raupe.
rauben (indogerm. rup [rumpo]; ahd. roubön ;
mhd. rouben a* gewaltsam entreissen. Kluge). —
Kinder rauben = nach dem Volksglauben die
That der Klben, welche a) durch Seuchen die
Kinder entreissen oder b) durch die Unter-
schiebung der Alp- oder Markinder (Wechsel-
bälge) die gesunden Menschenkinder weg-
nehmen, ihre difTorme Brut (s. Alptraum und
Kind) dafür einlegen. — Kin dt > Raub er •=
Eclampsia infantium, Frais, das Anfangs-
Symptom schwerer Kinderkrankheiten (Kneipp
133). — der Sinne beraubt (1476 dacmonlacus,
D. II, 130) = aus der geistigen Norm verrOckt
(durch damonlstischts Entwendung der Geisteskräfte).
raubzen (ein schallnachahmendcs Wort für):
ruulezen, rflpsen (h. d.).
Rauch, m. rauchen, Raucken (Räch) (germ.
ruk — rauchen; ahd. rouh = Rauch, Dampf; mhd.
rouch; 1429 räch = odor, Schmeck, Schmeller II, 15;
16. Jahrb. rauch = vapor, I>. 606; rouch, rauch — odor,
I>. 893); erst als die «iermanen bei den Romern den
südlichen Sieiiibau mit den besseren Raucbfangver-
hällnlsscn kennen gelernt hatten, bildete sich das
Wort Rauch aus; diu Übernahme des Steinbaucs ge-
staltete auch das ganze häusliche Leben in Germanien
um, und viele Wörter des Hauses und seiner Teile
erhielten damit (germanische) Benennungen (Kluge1,
XIX; <ir. W. VIII. 240). — Rauch, 1. = der Rauch
von etwas Brennendem. — 2. = der vor Kiankhciten
(i'est) schützende Rauch (Räucherung) an den Qua-
tembertagen, Adventsonntagen oder Raucbntchten ;
diesen verchrlstllchteu Weihrauch (s. d. Verf. Baum-
u. Waldkult, S. IL 113. 114). Welaang, übertrug als
rauch (räch) das ethymologisicrende Volk auf räch
( — räche, f ) und schuf einen St. /infOMI-Rauch,
St. Johannes- Rauch eu*. (conf Rache, buese,
Marter, Flage, Pein etc.) als Krankheita-Xamen. —
3. = der Atem (Wasserdampf) von innerlich er-
hitzten Menschen. — 4. = der Geruch (Schmack,
Schmeck, s. d.) aus Magen oder Mundhöhle
(C. v. Megbg. ; Schmeller D, 15). — 6. = der Spiritus
animalis (s. Geist), die Oongestio ex genitalibus
ad caput, die man sich im 14. Jahrh. als einen
Dunst oder Rauch (s. Vapeurs) vorstellte
(„elwenne ruchet ein ruch davon (d. h. vom Hoden-
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raneh — Rande.
Rande.
40ö
Minen uder Nlereusatuen] u( in daz houbit, dax machit
honbit wen [ - Weh], Hoffm I, 320). — Raucken, m.
= Rauch (Schroetter II, 41). — rauchen = Schweis«
dampfen bei erhitztem Körper. — rauchig =
Dunst, Blähungen machend (Gr. w. vill, 250). —
(böser) Atemt Rauch = Rauch 4, Odor ex ore,
Obelriechender Atem. — (16. Jabrh.) St. Antonius-
Rauch = St. Antoni-Rache, St. Antoni-Feuer
(sant antbonlen rauch = eryslpelas, D. II, 156; C. v.
Schm. 22; Kelnsbg. 22). — St. JoAanrwu-Rauch =
St. Johannes- Busse, -Rache; da dieser Heilige,
wie auch Sl. Quirin , mit dem Knltfeuer Beziehung
hat (*. Kultkal. in Zeitachr. D. Ü. A.-V. 1893, S. 190.
195; ür. W. IV. 2. 2333), so lag die Übertragung de«
Hauch ( - R»ch) an Stelle von Rache ganz nahe. —
(147?) .1/ >■</< 'i Rauch = Magen-Geruch, der aus
dem Magensehlot (s. d.) aufsteigt (Ortoll; Gr. W.
vill). — St V"" Rauch = St. Quirins- Rache
oder -Busse (s. St. Johannes-Rauch). — Rauch-
Kater, -Stange.
rauch, rauh. Rauhe, f Rauhe, f. (ahd. roh, ru;
mhd. ruck, ruhe, f. riuhe, I., Kluge», 298; 13. Jahrb.
alb ruche, Silz. Her 1867, 712; 1475 rauw = rnneus,
vlllosus. lappauis, P 318. 485. 619; engl, rough ; frans.
rau<iue). — rauh, 1. sa struppig, haarig, zottig,
fettlos, mit Haaten bewachsen, namentlich auf
Brust, Bauch und Beinen (und bei Dämonen),
im Gegensatze zu glatt, fettig, hirsutus, vel-
losus, villosus, crinitus, lappatu», capillosus. —
2. = schorfig, uneben, reibend. — 3. = borstig,
spitzig, stechend. — 4. = kratzend im Ge-
schmack und in der Kehle (Gr. W. VIII. 262). —
Rauh, n. - die rauhe Haarseite (Heyne V, 33). —
Rauhe, f. Rauhe, f. Rauche, f. 1. = Aspcruas,
der rauhe Zustund durch Behaarlsein. — 2. =
das Schamhaar (Gr. \V. VIII, 272; Lexcr 200). —
Rauchlein, n. (mhd. riuhehn) - Schamhaar,
t'ubes, Möns Venens (Lcxer 200). — 2. = Raucedo,
Heiserkeit, rauh 4. — (1726) ßä'nrtV-Rauhigkeit
= Asperitas manuum, das Gefühl des Mangels
an Hautfett in der Hohlhand, der rauhen
Trockenheit (s. Hand) (Zw. 769). — //.i.'VRauhe
(17. Jahrh.), -rauh (14S2. 1515 raucari. rauredo, raueu«)
-= die Empfindung des Kratzenden, Rauhen (4)
im Halse (Rachen, Kehle) hei der Heiserkeit
(Gr. W. VIII, 267, D. 48'., Fr. Kr. R. Reg.; Zw. 761. I
950). — (1691) /fcA/en-Räuche-Heiseikeit, rauhe
Kehle (s d.) (Tabern.). — (1726) Zungen Rauche
— die trockene, rauhe, nicht platte Zunge der
fiebernden Kranken infolge der Speichel Ver-
minderung (siehe rauhe Zunge) (Zw. loio). —
rauh- (e, er) Bart, Bauch, Beine, Brust, -Fuss,
•haariij, Hais, Haupt, Haut, -iglat, Kehle,
Luftrohre, Mäuler, Xägel, Olf, Stimme,
Tasche, Zunge.
raucken s. raunken.
Baude, f Räuden, f., m. Räude, f. (Reite).
U»s Wort Räude beginnt mit dem Zllterlaut r, der die
Natur des Rauhen und der Htirte ausdruckt (R. Klein
paul, Stromgeblot); daher viele Bezeichnungen für
Hautkrankheiten mit R l>eglnnen, wie Räude, Rule,
Kinde, Riesel, Rappe, Runzel etc., (indotrerm. hrti
[cruor, crudus]; Torgerm, kruh; altgerm. hn'ida — blutig
aufgekratzter Hautausschlag bei Mensch und Tier; ahd.
n"ida — Scabies, scrplgo, Impetigo; 9. Jahrh. rindig, |
rüdi, riudi, hruda, rüda — Impetigo, scabtea, ulcus,
Graft* II, 490; H. Z. XV, 60; ruga [ruda] = Räude.
II. Z. XVI, 321; 12. Jahrh. rudun = contagla; rhiitbon,
rodon, rüda = »cables [damals schon als ansteckend
dureb Übertragung der „angesteckten", „geerbten"
Kleider erkannt], H. Z. XV. 341. 348. 528. XV, 4. 65; III;
rüde, f. = Scabies, Pfeiffer 19; 12G0reudich = scabiosus,
Pfeiffer 31 ; mhd. riude, rude, riudec = -Menschliche
und tierische Rande oder auf Hautkrankheiten bezogen,
die von räudigen Tieren auf die Menschen durch Über-
tragung gelangten und auch auf diesen Juckreiz | Kratzen ]
veranlassten; 14. Jahrh. rasta [= rauda] — Grint, Voc.
opt. W. 40; 16. Jahrb. rewd = Impetigo, D. 288, rode
= Scabies, D. 643, serpedo (ThanwurmJ, l>. 530. squator
— übelriechende Hautkrankheit. I». 549; 1429 reydlg
— glabriosus, kahl an behaarten Stellen , D.II, 194;
1477 derrauden, Ortolf; 1480 raidig = räudig. II. Foltx;
1483 raeudigkeit — Scabies, C. v. Megbg. ; 1482 raude =
Grint, Zen. Voc. aa5; 1486 rüdig = rubldus, D. II, 321;
1600 rudlchcyt = scabritudo, D. II, 328; 1512 rude =
Impetigo, D. 288; 1518 ruede, rud xs Scabies; Pruritus,
H. v. Gers l 18. 95. 100, rasca [Rasse]; 1530 med.
Künlgssp. 47 ; 1532 raud ■ Scabies, eine befleckung der
haut von überflussiger Materie, scrplgo, Impetigo,
Fries 139, 1591 reutlgkeit, raud = Scabies, Tabern. 100 H. ;
Iladr. Jun. 383; 1599 rauden. pl. = Hautkrankheiten,
Gr. W. VIII, 255; 16. Jabrh. rawde = gryndt, scrabera
[Scheide], Schroetter II, 406; 1645 raude = AussaU,
Coler. H. A. 164; 17. Jabrh. rauten. raute = Kufe,
Dorke, R. A. 215. 820; 1725 raude = Kratze, durch
saures, salziges, scharfes Geblüt veranlasst angenommen
[eczema''), Thes. san. Rr. 181; 1753 raudigkelt — Scabies,
A. v. II. I, 1153. 1207 = psora, „die Mitte zwischen
AussaU und der gemeinen Kratze" ; 1776 raude =
crusta. Pienck; Behrend 5; 1839 raeude - Scabies,
Behrcnd 35 = raube Huut, Schorf, der die Haut rauh
und grinUg macht; [Schwalten] roud = jeder Ausschlag
mit trockener oder nasser Hautabsehllfcrung, besonders
jeder borkige Hautausschlag. Buck 19; [Schweiz] rneud
b etwas Knorriges [auf der Haut], Schw. 587 ; rauden, pl.
■= die verschiedenen Arten der RAude Krankheit, Gr.
W. VIII, 255, ndd.deruddik, f. = Raudigkelt ; ruddik, m.
— rüudiges Tier; melk, rulk. Fromm. VI, 367). —
Raude, f. Räude, f. Rauden, f., pl., 1. = jeder
wegen Juckreiz blutig gekratzte, blutkrustige
oder trocken schorfige Hautauaschlag an den
verschiedenen Körperstellen bei Mensch oder
Tier und zwar: a) parasitärer Art, 1. - Kratze,
Scahies ; durch die Empllndung des heftigeren Juck-
reizes der Krätzmilbe in der feineren menschlichen
Haut uberwog beim Menschen der Begriff (1480) Kratze
(s. d. — Kratzmilben-AusschlagJ den der Raude; dies
letztere ist die altere Bezeichnung für den gleichen
Hautausschlag, welche allmählich und mehr für tierische
Kratze gebraucht wurde. — 2. = die mit Starkem
Juckreize verbundene, durch übertragbare
Sarcoptitiden-Milben bei allen Haustieron (auch
bei Füchsen und Hasen) verursachte Haut-
krankheit (Sarcoptes scabiei varietas equi,
caprae, ovis, suis, canis, vulpis), Sarcoptes
minor (Katze), H(|uamiferu8 (Hund , Dermato-
coptes communis (Schaf) (Braun, tler. I'aras. ;
Herbst 146). — 3. — der durch pflanzliche Parasiten
(havus-Üilz) bedingte, trockene Krbgnnt-
Ausschlag beim Menschen, wenn er juckend ist
und blutigrote Krusten zeigt, mit und ohne
4!MJ
Räude.
Rande.
Räudelaus (s. d.), die man früher als dessen
Ursache ansah; b) sonstige infektiöse, rauh-
trockene, grint ige oder abschilfernde Haut-
krankheiten (Derniato-MykosiB , Variola, Sy-
philid, Lepra). — IL = chronische, flechten-
artige, trockene Hautausschlage, welche mit
rauher Abschilferung, Abblätterung od. Krusten-
bildung verbunden sind (Schuppenflechte,
Närbrisa, Impetigo, Ekzema, Psoriasis). —
III. = der eingetrocknete rauhe Wundschorf
und Pustelschorf im Gefolge von akuten Haut-
bluten (z. B. Variola^, auch wenn kein Juckreiz
vorhanden ist (Schindler II, 63). — IV. = ver-
allgemeinert angewendet tur Bezeichnung auch
nässender, feuchter, dann aber juckender chro-
nischer Hautausschlage bei Menschen u. Tieren,
soferne dabei auch gelbe, feale Krusten oder
schuppende Stellen Bich mit vorfinden (s. auch
Golke', Tolke). — V. = der Folgezustand,
namentlich der tierischen Räude, der Haar-
ausfall (Alopecia). — VI. = s. auch Heiter. —
(1M5) räudig, räudig, rändicht (uao rodlch;
15. Jahrb. rydlg , rudecb , D. 615 ; reidlg — inturtns,
D. 306), 1. = mit der Kaude, dem Grint oder dem
Haarwurm (s. d.) behaftet (scabidus), an-
gesteckt. — 2. — haarlos wie durch die Kaude
geworden (eine Thatigkclt des Mittagalp« [s. fielst],
Or. \V. VIII, 256; Coler, H. A. 165; Rochholt II, 60).
- 3. = runzelig. — Eäudige, f. Rüdigkeit, f.
Räudigkeit (mhd. rudlkelt, rüdlgkalt; ndl ruydlgkeit
= Prurigo, l>. 469; De Cook 246) = der Zustand des
Räudigseins [Gr. w. vill.a"*). — ruderig = rauh
faserig. — Ansatz Rande = Lepra (.Morfea),
der Aussatz (h. d.) als unreiner, ansteckeuder,
rauhe Borken machender Hautausschlag. —
(1582) beisaende Räuden = juckend Bchmerzende
Raudeformen (Lonlc. 145. 171 ; Gr. W. VIII, 255). —
(1753) blätterichte Räude, 1. - Psoriasis, die
menschliche Schuppenflechte (s. d.) (A. v. H. I,
1217). — 2. ^ Blattern (Variola) (16. Jahrh.) als
schorlige Blatterpusteln, Blatterraude (Arzn.-
Mucta). — (17. Jahrh.) ß/ui- Räude, 1. = eine
blutig gekratzte, räudige Haut. — 2. = eine
aus der Säftemischling deB Blutes abgeleitete
Rande (Lepra) (Fr. Kr. ß. 583). — böse Räude,
Räudigkeit, Rüdigkeit, 1. = die unheilbare,
ansteckende in rauhen Hautknoten und ab-
normen Hautempfindnngen sich äussernde,
durch den Bacillus leprae verursachte Lepra,
Morfea, Aussatz, Maltzey, böser Grint, Maledit-
haut (1419 boese mde = morphea, D. II, 257; Gr. W.
VIII, 255, A. r. H. II, 1207, nort. San.). — 2. - (1591
psora, Iladr. Jun. 383, die Milte zwischen Aussatz
[Lepra] und gemeiner Kratze". A. v. H. 1, 1163), vielleicht
= Lupusexfoliativus,„l.öseKaud mit Schuppen"
(Had. Jim. 1. c.). — 3. = (15U5 bOM ltudeu, Fuchs I.
313; 1616 boese raud an dem keine = mentagra, I>. a">7)
- syphilitischer Borkenaussclilag (Rupia, Men-
tagra), als Zeichen einer Dyskrasie. — (1457)
brennende Räuden die „unsaubere Schäden"
machende Lepra (Aussatz), welche Markes
Hitzegefühl in der Tiefe und excentrische
Schmerzhaftigkeit macht (Nelssor in Z. Hdb. d. sp.
P. u. Th. XIV, L 629; I nmmert). — dirke Räuden,
Räude = die massigen Krusten und Borken
bei den Blattern (= Variola) (Fossel 139; Gr. W.
«».**- ss^issr-1
duerre ruede. rüdigkeit = Impetigo. D. 2S8 ; 1680 duerre
rüde = Scabies sicca, Gr. W. VIII. 255; Künlgssp.),
1. = die trockene ßläschenfleebte (Ekzema
I Biccum, Impetigo, trockener Grint) im Gegen-
satze zur feuchten Kaude. — 2. = Lepra (Knol-
lenauBaatz). — (1609) eiterige, (1749) £tfer-Randen
= eine Hautkrankheit mit später eintrock-
nenden, Borken bildenden Eiterpusteln (Variola
SUppur.) (Guar. 871; blbl. Medlk. 420). — (1842)
fette Rande = Speckräude (Falke II, 223) bei der
an den haarlosen Hautstellen der Pferde eine
fettähnliche Hautschmiere zu beobachten ist
(s. fette Flechte). — (1842) feuchte Räude =
Ekzema hnmidum (s. Räude IV), stark secer-
nierende Speekrftude bei Pferden (Falke I, 421;
Gr. W. VIII, 255). — (16. Jahrb.) flechtende Rande
= eine Borken bildende Hautkrankheit in den
Haaren, die diese zu Flechten, Zotten, Zöpfen
verklebt (Favus, Porrigo, Erbgrint) (Lonlc. »2;
Fr. Kr. B. 170). — Fn A.> Räude, 1. = die Räude
I. a 2 als Krankheit der Haut beim Fuchs durch
die Milbe Sarcoptes scabiei var. vulpis. — 2. =
der Haarausfall beim Menschen, Haarlosigkeit,
wie die eines räudigen Fuchses, durch die ver-
schiedenen Formen der menschlichen Räude,
in den Haaren des Kopfes, Uartes oder der
Augenbrauen, die sogen. Fuchssueht (s. d. u.
Fuchs) Alopecia Galeni (aÄwjtTj$ = Fachs). —
3. = die Schaf- Räude (b. d.), die der Fuchs-
Raude durch den Haarausfall gleicht, aber in
der Milbenart (Sarcoptes seahiei var. ovis) nicht
identisch ist (Gr. w. iv, L 850). — 2»Ws-Rände
= eine Pferde- Räude (s. d.) an der Köte des
Tieres, auch Rinder-Mauke u. Traber- Ausschlag
fzipp. 675), bei ersterem infolge von Dermato-
phagus-Milbe. — geschuppte Rande (1531 gc-
schiepet rauden, Krauuv. XXV, 112) (e. schüppige
RÄUde)- ~ ,1672) rfgtete \ ^««ndder
| König [Karl VIII. v. Frankreich] und sein [Kriegs-]
Volck In Neapoli mit einer schweren vormals uner-
hörten Kranckbcyt geschlagen worden , die man
Frantzossen [». d.] oder bos Blattern nennet, waren
verglfftete Reuden, eine schreckliche Erbsucht die
Marek und Bein mit grossen Schmcrtzen durchdringt
und keine Artxeney kau hellten und diese Kranckbcyt
habens in alle Lander gebracht, welch Straft noch
heut dless Tags vor Augen Ist, Meissner, Hlstor.) =
ansteckende, syphilitische Infektionskrankheit.
— (1582) grüne Rande = Hautkrankheit mit
Bildung gelb-grünlicher, grünbrauner Krusten
im Gegensatze zur weissen Räude (s. d.), Ktipia
syphilitica (Sohmutzborke) (1582 beissende Räude
sie sei grüne oder di.rr, Lonlc. 171). — (1699) Hand-
Rauden - die Krätzekrankheit (Scabies), die
ihren LieblingBsite zwischen den Fingern hat
(Gr. \v. VIII, 255). — harte Rande = eine chron.,
i juckende, fette Hautschwielen bildende Krank-
I heit (Pacchydermin, Sklerodermia). — (1680)
tfaur-Raude = Aspredo cutis, eine Räude-Er-
krankung der nicht behaarten Haut im Gegen-
satze zur Bart- od. Kinn-Räude (Gr. w. iv, 2. 712).
— (IC. Jahrh.) Hund s,< Rande = eine durch die
Sarcoptes scabiei u. »emndex follicul. var. canis
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Ramie.
Rande.
497
(Haut-Milbe) veranlasste, der Pferderäude und
Menschenkrätze sehr ähnliche Hautkrankheit,
auch Hundsrinu od. Rüdenring genannt (Lonic.
317; Fr. Kr. D. 685; Falke I. 421). — (1835) Hunger~
Räude = eine trockene Räude (s. d.) bei Tieren
die ungenügend ernährt wurden (Falke I. 425;
II, 223). — (MM) Zinn-Räude - Mentagra, Kinn-
gnnt, Barlräude, eine an den behaarten Stellen
sitzende, krusten bildende, hart nftckige.trockene
Hautkrankheit (Or. W. V, 778 ff.). — kleine, spitzige
Räude s. spitzige Räude. — (1776) A'. pj Rande
= Scabies capitis, die Krätztndbenkrankiieit
auf dem menschlichen Kopfe (Bebrcnd 5). —
A"'"i Kaudc = die Fussraude heim Pferde,
die die Haut rauh und trocken macht und mit
Vorliebe an der Kote des Tieres siUt (Sarcoptes
scabiei var. equi).— (INI) krätzige,(um) kratzende
Räude (H. t. «ersd iüo; Künisssp. 51) = wohl nur
eine den Unterschied der menschlichen Kratze
von der tierischen Rande einleitende, sonst
tautologische Bezeichnung der Kratzmilhen-
krankheit. — (1532) kriechende Ramie (Fries 139),
I. — eine trockene Borken machende Haut-
krankheit (Üerniatomyko8i8 ?), die in der Peri-
pherie ihres Sitzes kriochend sich ausbreitet
und um eich greift, um sich frisst (Impetigo
favosa, UerpeB tonsurans). — 2 = das kreis-
förmige Syphilid, das eine haite Randintil-
tration zeigt n. sich wchleichend ausdehnt. —
3. = der Schuppen bildende Lupus erythema-
tosus, der allmählich durch stets wiederholtes
peripherisches Auftreten neuer Stellen sich
ausbreitet. — (1530) kugelte (dürre) Räude
(KüniKsup.) = Knollenaussatz. — (1599) Leibes-
Räudigkeit — eine Räudeform am Korper-
stamme im Gegensatze zur Räude an Händen,
Kopf oder Füssen (Gr. W. VIII. 256). — (1842)
magere Räude — trockene, dürre Räude (Fulko
II, 223). — (1725) MW rh -Rande = der Kopfgrint
(Räude la3) bei den Säuglingen oder kleinen
Kindern (Ansprung) (Zw. 163; Tbes. san. Hr. 8»).
— (1842) nasse Räude = feuchte Räude (s. d.),
Räude IV (Falke II, 151. — Ohr- Räude = eine
durch DermatophagiiH-Milbe am äusseren Ge-
hörgange bei Hunden, Schafen, Kaninchen
veranlasste Räude (Meyer, Conv.-L. XIV, 490). —
P<c*-Räude = Roaakretn (s. d.). — |uo] Pferde-
Räude ■ die durch die Mill>e .>arcoptes scabiei
var. equi veranlasste Milben- Krankheit (in
feuchter oder trockener Form) auf der Pferde-
haut, die namentlich am Kopte, Halse, an der
Mähne, Kehle oder auch an der Schweifwurzel
sitzt (s. Närbriss, wilder Nercs) (Falke II, 197).
— (1754) iW-Mi-Raude = Blattern-Raude 2; die
Bildung von Blatterborken hei den Pocken,
Pusleln (Variola) (A. v. H I, 1207) — Rinder-
Räude — die durch i^aieupie» -, Dernmtoooptes-
od. Uermatophagus-Milben veranlasste Bände,
die besonders häutig an der Schwanzwnrzcl
ihren Hanptsitz hat. — rote Räude = eine
Hunderäude mit trockener, heiasei, gerototer
Haut (Falke i, 421). — StArt/"- Räude = die durch
die Sarcoptes-Millie (S. scabiei var. ovis), auch
Dennatocoptes communis , veranlasste Haut-
krankheit, eine Herdenkratikheit, die ob ihrer
Schmierbehandlung den Namen Schmier- Vieh
| (s. d.) schuf; dies die eigentliche heutige Räude.
; — (16. Jahrh.) scharfe Räude , 1. - akut auf-
tretende Räude. — 2. = frische febrile Lepra. —
3. =- harte Räude, Ekzema acutum (Fr. Kr. n 524 .
Lonic. 284). — schuppige, schüpechtige, schüpende
Räude (13Ö0 selchende rüde. Pr. I. S63 ; 1531 Rcschlepet
rauden, Kraut». XXV), 1. = der zwischen den
Kopfhaaren wuchern«le kleingriesliche Krusten
(Schuppen) bildendejuckendeF^rbgrint(Porrigo
) favosa). — 2. = die Räude V, d. h. der Haar- Aus-
fall an Augenbrauen, Kopfhaaren etc., dessen
Vorläufer eine starke Abschuppung des Haar-
bodens ist (Pityriasis, Mentagra syphilitica,
Alopecia syphilitica) (Ur. ff. VIII, W ; Haser II, 87).
— 3. = Schuppenflechte (Psoriasis). — Schutt-
Räude - Pferdepocke 1. 2. als übertragene, ab-
geschwächte Impfpoeke einen relativen Schutt
gewährend vor der Pocke (Variola). — (16. Jahrh.)
sehwienende Räude = Sehwindflecbte (Arz.-Bucn).
— S'cAicunrRäude = Prurigo caudalis equorum,
eine auf den Pferdeschweif beschränkte Räude
J (Sarcoptes scabiei var. equi) (Broun 261 ; Falke II,
| 296). — >'i Inn ins Raudc = eine auf den Menschen
I übertragbare Milbenkrätze bei Schweinen, Sar-
coptes scabiei var. suis (Braun 262 ; Falke II. 304). —
Sommer-Räude = ein räudeähnlicher trockener,
bedeutungsloser, auf der Sommerweide mehr
bemerk barer Hautausschlag hei Pferden (Plerer7)
im Gegensatze zur Stallrande. — spanische
Räude = Scabies bispanica, die Hautkrankheit
(Kaude 1 b, spanische Pocke) infolge der syphi-
litischen Infektion, die ehemals durch das
spanische Kriegsvolk verbreitet wurde (Fuchs
I, 362). — (1&43) - A-Raude = fette Räude bei
Pferden namentlich am Halse, s. fette Flechte
(Falke II, 325). — spitzige Räude (1741 kleine splulpe
Knude — Horpes miliaris, Pruritus, Scabies [Frlescl ?],
Kinn-h 751. 876; 1754 herpes eslhiomenus, A. \. H. I,
787 ; od. Lupus tuberculosus, Z. Hdb. d. »p. P. u. Th.
XIV, l. 692), 1. = die sogen, fressende Flechte,
deren Primär - Efflorescenzen kleinkugelige
Knötchen sind, in deren Peripherie fort-
kriechend die Hautkrankheit um sich greift u.
bo, weil nicht od. schwer heilbar, bösartig wird
(1753 „eine Kotlaufflechte [Dartre rciugeante], die Blat-
terlein [ = Knötchen] In der Tiefe der Haut macht, die
Haut auffrlsst (durch Zerfall der Lupusknotehen] und
auch das darunter liegende Fleisch (Lupus exuleerans] ;
es bilden nlch auch KlDdcn und Kufen", A. v. H. I,
787; 11,794; Lupus exfoliativa»). — 2. = jede schup-
pende, rauh, uneben, rissig, rutig machende,
klein papulöse Hautkrankheit (= Räude). —
(1842) Statt-Räude = eine durch Unreinliehkeit
der Stallungen namentlich im Winter bei
Schafen veranlasste Räude (Falke II, 223. 334). —
Srcwa-Räude = durch eine Krätas-Milbe (Dcr-
matophagus), namentlich beim Haustiere an
dessen Schwanzwurzel oder Steiss veranlasste
Hautkrankheit. — (1725) träufende, triefende
Räude = eine z. T. mit Rufen- oder Borken-
bildung, z. T. mit flüssiger, triefender Sekretion
(s. Gnass o. Gneiss) verbundene Hautkrankheit
(Ekzema capillorum, Favus, F>rbgrint) (Zw. 162).
— (16. Jahrh.) trockene Räude = jede nicht näs-
sende, juckende, chronische Hautkrankheit bei
Mensch und Tier, welche eine rauhe, durch
32
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Raum.
raunken — Rausch.
Borken od. Schuppen unehene Hantoberfläche
bildet, auch Magere (s. d.) (Buek r>; Arz.-Buch j
Kalke I, 421). — fif.. Jahrh.) umf reMendt Räude -
kriechende Räude (s. d). — (1507) um stuf Rüder
= Aussatzraude (b. d.; Morfea, Lepra) (Hort.
San. ; Lonle.242). — (1521) wälscht Räude -i .
gallica, wälfiche Pocken, Franzosen, syphili-
tische Hautkrankheit (Puch» I, 362 fr ). — teahre
Räude = die nur mittelst Ansteckung durcli
die übertragbaren Räude-Milben (Reitlaus, Sar-
coptitiden) veranlasste, krustige Borken und
rauhe Haut erzeugende Hautkrankheit bei
Mensch oder Tier. — [1798] weiste Räudigkeit
= Vitiligo Celsi o. Alphus, l.epraalf>a, Morphea
alba (Arabum), Albor Leprae (Aussatz), die eine
knotige, rauhe, weiss gedeckte, z. T. ganz pig-
mentlose, fahle (s. d.) Hantoberfläche machende
Aussatekrankheit (Z. Hdb. d. sp. i>. u. Th. xtv, l.
633; A. v. n. I, 1330). — (1743) Wilde Railde = Psora
agria, schwer heilbare Eiterpusteln n. Borken
bildende Hautkrankheit (WM. Medlk. 420). —
Rand , Rande (Reit)-, räudige -Anrührung,
-Augencnttündung, -Aufschlag, -Flechte, -Hände,
■Laus, -Leute, -Liesen. AultAlllu Int. dass die uralte
„Räude" nur äusseret selten durch Besprechung be-
handelt wird (Rochb. II, 53), wohl deswegen, well ihr
Name etymologisch keinen damonlstlschen Hintergrund
hat, sondern nur den objektiven Begriff wiedergibt.
Über die ulteren Kratze- od. Raude-Namen s. Kratze
Raum, m. räumen (Indogerm. rü [rus, Land] ;
gem.gcnn. rümn, rum = Landes- oder Erdrautn ; ohd.
rüm; mhd. rum, rüml = Raum, Kluge*, 296 - freier,
weiter Platz), 1. = Rohm oder 4. Magen, der die
Speise beim Wiederkäuer löst (Loser) Merk l**;
Falk« II, 243). — 2. = Rahm. — räumen (idid.,
9. Jahrh. rumjan = laxarc, Kero Oloas.; «raff II,
öoo)-=(len Raum besorgen, pflegen, reinigen,
die Korperräumlichkeiten (Magen, Brust,
Bauch etc.) durch reinigende Mittel erleichtern
von angehäuften Krankheitsstoffen , so z. B.
von der Leher räumen d«P<; die schwnrzc fJnlle
IMcluneholle] aus Leber und Milz entfernen, sepannnir
In rate , desopiler In rate — von Herzen lachen . das
Zwerchfell erschüttern. Demokr. I, 117 = stoiunehum
nnrmre, Sebm. II, 91) = von der Leber weg reden,
die im Magen, in Milz oder lieber angehäufte
Galie (Ärger, Groll, s. Kollerl) durch Reden
(lachen) beseitigen, aus dem Magen wegräumen
da sie sonst überläuft (m. liebet ). — ausräumen
= raumen (s. o.) — «/rräumlg, (räumig) = leicht,
gereinigt, frei von Schleim, z. B. auf der Brusl.
— Gfräums(Gramsch) — der zur Seite gerilumle
Unrat, das Gerümpel, weggeworfene Knochen-
abfälle. — SfV«ar-Raum - der Raum zwischen
Hornhaut lind Linse des Auges, in welchen aus
Slaarrtium
dem Hirne der Sl&ar (s. d.) als gerinnender
Tropfen herabfliessen sollte nach früherer An-
nahme. — Toten - Gramsch - Toten-Gerippe
(ndl. geraamt«, V. K. I, 78; Schm. II, 102). — unge-
räum (an der Frauen Heimlichkeit) = schlechte
Raumverhältnisse im weibl. Becken habend,
daher schwierig gebärend (Schm. 11,92). — Raum
Schlauch.
raunken, raucken ( = ein schallnachahmendes
Wort für) ronken, Sinjztiltus, Rugitus, Ventus
(Zw. 461 ; 1476 rochuuga = rugitus, D. 508).
Raupe, f (Rupp) (ein Wort von westgerm. Alter,
I Kluge *, 431 ; ahd. rupa — Insektenmade, Raupe; mhd.
rfipe — Krautwurm, Raupe; 15. Jahrh rupp, Kluge*,
21W = Haarwunn, Ratz (s. d.]. Raupe; 1761 raube —
! Impetigo. L. chlr. 41 ; mit diesem Worte benennt das
Volk), 1. = die Pferde-Rappe oder Mauke (s. d.)
(Gr. W. VIII. 2V9), wohl wegen Anklingen« von
Rappe an Raupe. — 2. = die menschliche und
tierische Rande {Räude I, Haarwurra 2, Wolf 6),
welche als Haarwurm = Raupe ist (Gr. W. VIII,
299; IV, 2. 41). — 3. = Raupen im Kopf = Grillen
halten, närrisch, toll sein (Kuhn, Zotuchr. f. vgl.
Spr.-WiM. XIII, 71) (s. Alp VI). — 4. = als Raupe
= Insektenmade ist sie die andere Gestalt
eines Krankheitsdämons, der als Ratzel (s. d.),
„Teufelskatze" od. (nach der Verpuppung als)
Schmetterling auf die Brust des Schlafenden
sich setzend Alpdruck macht (Schcible IX. 417).
— Raupimg einjähriges Rind, »Jessen Haare
noch rauh, heBonder« wollig gekraust, nicht
glatt sind (Falke II. 225; 8chm. II, 129).
RaUBCk, m. (mhd. rüschen. duschen = sausen,
eilig elnherstürmen, eilen ; rüsch = Anlauf, Angriff,
Kluge*, 296). 1. — das, was rauscht.die rauschende
Bewegung, Geräusch. - - 2. = der rauschend,
brausend, sausend erfolgende Angriff (siehe
Greif)- — 3. - Crapula, Alcoholismus acutus,
eigentlich das Rauschen im Kopfe, maniaka-
lische Aufregung (Kopfschmerz), mal St. Marlin,
Morbus St. Martini, welches Wort „Rausch" In sec-
mantil«chen und kaufmännischen Kreisen auf die
Trunkenheit d. h. auf die durch den Trank veran-
lasste Aufregung übertragen wurde ; ,,deu Indogerma-
nischen Vorfahren war die Poesie des Rausches nicht
verborgen geblieben" (Schinder Spr.-Vergl. 1890, S. 461;
I Gr. W. VIII, S02; A. v. II. I, 492). — 4. = der Milz-
brand, (richtiger) Rausch brand (s. d.), bei dem
1 die erkrankte Haut infolge von Empbysema
! cntatietim bei Berührung rauschend knistert
(nnch dem Tiroler Volksglauben [Passeier] von dem
\\ ichtt'l-Dnmonen, auch vom Lorgg p'orco] od. Norgl
[= Nork s. d], einem Ylehschelm, herrührend, der
das Vieh zur Nachtzeit bettln, durch Berührung am
Kücken tote! u. dessen Fleisch brandig macht, Germ.
VI; Weber, Mernn 2S2; IL A. Rh. 313; Alpbg. 110). —
(1842) Rauscher, m. = Rausch 4 oder Rausch-
brand { Feser 69 ; Falke II. 228; gegen welchen der
Alm, .rausch" gebraucht wird, Dalla Torre 58). —
rauschen, 1. = (l. mhd ). — 2. = stürmisch,
brünstig sein bei Schweinen (Gr. W. VIII, 313;
Frank 54; 15. Jahrh. rawschen = lasclvta, D. II, 229).
— rauschig, I. — am Rauschbrand leidend
(F.ngel. 274). — 2. = betrunken. — (1763) Be-
rausche (Brausche) = die mit Blut nnter-
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missen— Rebe.
rebeln— Recht. 4M)
laufem- knisternde, rauschende Konlusions-
oder Rauschhrandheule (Schw. 90; A. v. H. II,
12»). — J3rMtin«i-Rausch-dcr rauschähnliche,
beuonituene, rasch vorübergehende Zustand im
Gehirne infolge von Kohlensäure-Intoxikation
beim Genüsse kohlensäurereicher .Mineral-
brunnen. — Geräusch = das was rauscht,
rauschenden Schall erzeug!, 1. - die (den Hip-
pokratikern schon bekannte) .Schallerscheinung,
welche am menschlichen od. tierischen Körper
entsteht, wenn Gase (Luft) oder Flüssigkeit
in Wirbelbewegung geraten (Blutwirbel, Gas-
wirbel), daher Kasselgeräusche, Herzgeräusche,
Atniuntrs-Geräusch etc. — er hat ein gutes Ge-
rausch = er atmet weithin hörbar, schnauft
IC. t. Scbm. 32"; Or. W. VIII, 1«). — 2. = das, was
Rauschen erzeugt, z. B. die aus dem Innern des
hohlen Leibes bei der Stille der Anatomia sa-
cralis (Opferanatomie) oder bei der Anatomia
culinaris (Metzgerei) mit Gerflusch herausge-
langten Eingeweide (Innjjeräusch) (Buck 17 ; Hjrtl,
K. VV. los ; <\ v. Sehn». 326) ; desgleichen : 3. —
bei Berührung mit der Hand wie Pergament
rauschende, emphysematisch knisternde kranke
Stellen z. B. beim Rauschbrand (Rausch 4,
Rauscher), auch fälschlich Milzbrand), bei dem
sich solche durch Gas aufgetriebene, schmerz-
lose, beulenartige Anschwellungen unter der
Haut befinden (Sohraoller II. 155; Feuer 69. 81; Z. Hdb.
d «p. P. n. Th. III, 472). — Ein-, Inn-GcTÄUSCh (Ende
de* 14. Jahrh. ingerrawsch, Wicbner29; 1449 Ingerewsch
= intestinum, Schmoller II, 156; 1482 Ingerewsch =
vitalia, Intestina, Zening Vor. \>6 ; mhd. ingeriusehe ;
1517 ingrerscb, Schnieller II, 156; ndl.. 1 .77 inerijt =
vitalia, D. «Et. [Tirol! ingreiscb - Eingeweide; Wolf),
1. = das in der Anatomia sacralis (u. culinaris)
bei der durch den Opferkult gebotenen Stille
besonders auflallende Geräusch bei der Heraus-
nahme (s. Los) der Kingeweide im Bauschen
aus dem hohlen Innenleibe der Opfertiere. —
2. = dieses Eingeweide (Herz, Lunge mit Bries
u. Gedärme) selbst (Anatomiaculinaris) (Kluge*.
135).— (K>99) Jetuiter Räuschchen = s. Kapuziner-
schlucken. — Ohr Rauschen (16. Jahrb.; Or. w.
VII, 1225) = die subjektive mausende Schall-
empfindung im Ohre. — Rausch Brand.
raUSSen (rUSSen) '1482 rawucn, Zen. Vo«, aa5)
- schnarchen, rasseln, sternutare (rauschen,
s. ruesen).
Rawe, m. (engl, raw = roh, rauh, wund; vor ahd.
hruwa; alt*, hni — roh; niiul rave, rot, Ur. W. VIII,
322, GoMschm. 19«; Kluge». 304' = Rufe (s. <!.),
rauhe Borke, Wundschorf, Grint, Aussatz,
Narbe, Harrsch, Escliara. — raweres Maul.
Raxe, m. 1. = Rachsen (s. d.) Räehsen, Aus-
wurl aus dem Rachen. — 2. = (?) Barl (Tirol;
Hintner 7. 15).
Rebe, f. (indogorm. rehh = Windung, t'uiischlin-
gung [«. Rippe]; genn hrefo ; [dazu ah.l. href = uteru«,
rulva. venter; ref = tadaver; krebe = Gerebe, Ein-
geweide und kriebe, krippe — Knochengerüste, Uralt
II, 354; Gr. W VIII, 4vl; II. Z. V, 356; s. außerdem
Reff]; ahd. reti» — nirnschale; mhd. rel»e — Ranke;
„diesen Wechseln der Bedeutung zwischen Gebein, Leib,
Bauch würde sich in der Vorzeit aufhellen; es siebt
) aus, wie aus dem Opferwesen entwickelt, aus dem die
anatomischen Kenntnisse der Vorzelt entsprangen",
Or. W. VIII. 491). — Rebe, l. = die rankenfdrmig
geschlungenen Baucheingeweide, Gedärm. —
2. = Eingeweide überhaupt. — 3. = (Umhüllung,
Gerippe für Eingeweide?); s. auch Reil' 1. —
Augen-Hebe (mhd. ougen-röbe) = Auge, als Ein-
geweide der Augenhohle (?) (Lexer 183). — Ge-
reb (ahd. creba, H. Z. Prager Handschr. ; Graff II, 354
= die oberen Eingeweide; 1424 gereb = Eingeweide,
Schlund, Hin», Schtn. II, 6; 1578 greb = Eingeweide,
Lunge [Gllng], 1. cod.; [Elsass] geraut», 1770 gcralb,
Ooethe; E.W. 1,267), 1. = das gesamte Eingeweide
des Schiachttieres; s. Greb (und •). — 2. = die
oberen (Brust-, Herz- und Kopf-)Eingeweide,
vielleicht im Gegensatze zum Geräusch 2. —
3. = namentlich die Lunge (Oberost. Jahrb. 1844,
8. 145). — Grreb- (Greb-, GrOb)- Abnehmen. —
//ertc-Rebe (ahd. hercerebe = arteria, Ü. 51) - das
Herz mit den grossen Blutgefässen als Ein-
geweide der Brusthöhle. — Hirn-Rebe (-Ribe)
(nach nyrtl, K. W. 88 „unentratselbar" ; ahd. hlral-
reba = cervella; htrnecreba = cerebellum, Gr. W. V,
1747; H. Z. III; 12. Jahrh. hlrnireba = cerebella. Graff
II, 354; IV, 1035; hirncreba = cerebellum, H. Z. XV,
335). Bemerkenswert Ist, dass dabei immer nur durch
Gehirn (cerebrum) d. h. den Inhalt des Gehirnschftdel-
Rnumes (Reff 1 (3]), niemals aber durch die Knochen-
hülle od. Hirnschale < =calvaria,cranium, iheca cerebri,
olla capitis, testa etc.) glossirt wird; ob nun Hirn-
Kebe s Ilirnumschlingung, Hirnschale (cranium) nach
| Kluge 297 Ist (der wie eine Rippe um das Gehirn sich
windende Knochen des Schädels, Or. W. V, 2320. 2325),
oder ob Hirn-(Ge)rebe nicht - Schädeleingeweide,
Cerebrum ist, bleibt weiterer Entscheidung überlassen.
rebeln. — rer-rebeln (zu Reff 1, dazu rewen —
I ertöten. Rochbolz I, 138) - durch übermässiges
Abmühen der Spanntiere diese zum Verenden
bringen.
reben = räwen (s. d. n. rappeln),
rech s. räch.
Recht, n. recht, rechts (indogerm. reg [regere,
rectus]; gem. -genn. rehta; ahd., mhd. reht = gerade,
gerecht , richtig , tauglich , geschickt , rechtshändig,
glücklich, Besseres anzeigend, Schräder Spr.-Vgl. 1890,
S. 371 ; im Gegensatz zu tenk, linkisch, ungeschickt)
— Rechte, f. Recht, n. = das Rechte, die Ord-
nung, das Regelmässige, die weibliche Regel
Menstruatio (c. v. Schm. 428). — rechts = der
Gegensatz zu links (s. d.); die rechte Körper-
seite ist die aktive, schalfende Seite. S. auch
Räch. — Frauen Recht (1508 treuliche recht,
frawen recht) ■ die richtige ordentliche Zeit der
weiblichen Menstruation (Schm. II, 27; Küulgssp.
öl). — gerecht = rechtseitig. — (1620) Öcrechtig
keit = die Regelmässigkeit des Eintrittes der
Frauenperiode (Tritons Adlh.). — köpf -gerecht =
dem Schwindel nicht unterworfen, nicht schief
im Kopfe (»ehm. i, 1274) — {/»recht, -^rrecht
- was gegen die natürliche Ordnung, regel-
widrig, Qbernatürlicb oder falsch ist; z. B. es
ist ihr Unrecht geschehen zu einem Kinde =
Totgeburt, Frühgeburt, Kindverwerfen (Abor-
tus) als falsche, unnatürliche, regelwidrige Ent-
bindungen (unrechte Tracht). — Frauen-Un-
32«
500 Reck-Rede
Redde— Reft
recht = die unregelmäasige weibliche Periode
(Schm. II, 27) (». auch richten u. Reck). — (lö.Jahrh.)
Mnmrecht werden ( = fabelisare, fachelizare, I). 223)
= fantnsieren, delirieren. — rechte(r,»V Aus-
mit, Flut», Gliedencch, Händigkrit, Krankheit,
Plcuresrh, Seite, Seitenstechen, Trag (Tracht),
Wendung.
Reck S. Rick.
Rockel, s. räch.
recken (gem. -germ rigo[porrigo- «rwkcu] ; ahd.
recken; altnord alf reki — Verriehtung der Notdurft,
weil man die Elben vertreil>*n wollte durch da* Eul-
gegenrecken der posteriore, Maurer II, 5S. Anui. 39
II, 206; mhd. recken - aus*trecken, ausdehnen, Kluge J,
297, tuhd. recken = »eine und anderer Glieder aus-
dehnen, foltern, Gr. xv. viii, 447) = brechen, Brech-
neigung haben (Falke II, 2291. — auf recken
in die Höhe strecken, %. B. die Füsse (Giegel,
Gigen) heim Verenden der Tiere (Tirol; Wolf;
Nürnberg; Fromtn. VI. 273). — aus recken (1 II",
ndd. dal vt reckent = tentigo, D. II, 861) = erigere,
herauaragen (vom Penis). — (1609) rrr-recken
(frecken) (holl. verrekken = verrenken; an» der pein-
lichen [poena] Gerichtsprachc ftir da» gänzliche <;«-
»trecküwin der Glieder de» Gepeinigten durch den fol-
ternden Henkersknecht [ = Racker] ubertragen auf; i
aufholen heim Todeskampfe die Glieder «n
recken, Todesstarre reigen (bei Mensch u. Tier)
(Guar. Regl»t) ( = verrenken 2). — (1515) Zert-
Reckung ( = tentigo. I). 578) = Krectio peius t x
tenligine.
Rede, f- reden (vorgerm. rat [ratio, 7.ahl]; germ.
rath ; goth. rathjan = zahlen, rathjo = ratio ; abd.
radinön, redla; mhd. reden, rede, Kluge*. .".W; 1697
red, roed, Schm. 11, 54) - sprechen, Sprache vs. d ),
der Klang der Stimme. — die Rede liegt, ist
verfallen, vergangen, verlegen = gebrochene
Stimme, heiser, verdürben durch Krankheit
(iJthmung) der Sprechwerkzeuge (Schm. I, M60;
II, M). — von der Leber reden f. rlUUwn. —
abreden (i4«2, schm. D, 55; Zw. 22, e. w. 1, 4) -
Delirium febrile, Insipientia, irre reden, fanla-
eieren, delirieren. — (1503) an-, aiu reden. 1. =
abkosen, abreden (s. d.), absprechen, von dem
Gewöhnlichen o. Normalen abweichend, fehler-
haft reden, Delirium. — 2. - heEaubern durch
Ansprache (Grimm) — auf reden - über den
Berg schwätzen, delirieren im Fieber od. Schlafe
(Wolf , Schm I. 90; II, 55 [ - verderbte» : Abreden]). —
Bauch - Redner (Mtt ventrHo<imi«, praaeazuator,
I>. 611; togastrlmylhosGalenl, Krau», K. 359) = einer,
der M spricht, als ob seine Stimme aus dem
hohlen Bauche komme; eine Uln»ion, die dadurch
gelingt, da«» «1er betr. Bauchredner es »errang, au
Stelle der wahren Stimmbänder de* Kehlkopfes die
Gaumcnsegclfnlten in Sltmmbänderform zur Tonbil-
dung zu »pannen und in einen nahezu spitzen Winkel
gegen einander zu stellen, so das» die Mundhohle zum
Kehlkopfe wird und die Stimme eine Resonanz erhttlt.
als ob »le ni* einer grosseren u. tieferen Hohle kommt,
Kngastritnyihoa, Pythoiiea, Eurykleides. —
/■<?A/-reden"= abreden. — irr* reden ■ delirieren.
— (1582) »»reden = sprachlos sein, gelähmt in
der Sprache (Eonic. UV — JLede-Sucht
Rede, Rete, Redde, m. = Ritten f> d ) (Gr. w
VIII, 1052).
Ree s. räch, Retr, Reh.
Reff ', n. (Indogerm. rvbta — rmschlingung, Win-
dung; germ. hrefo, Kluge*, 297. 298; ahd. href = vulva.
nienis, ventcr, Gr. W. VIII, 491; ref = cadaver, H. Z.
V. 3-6; Graft II, S54; IV. 1154; revo, hrefa, hret =
Bnut. Unterleib [Lege» Baiunav. et Alam ], Schmtller
II. 66; hreo m veretrum ruulicbre. cadaver. corpus,
• irall I. 617; IV, 1131; reu, href = uteru». Schmeller
II, 66; Waekern. 234; 15. Jahrh. r'ue, reve = cadavera,
utumus, atomu», D. 57; angls. hrif = Eeih, corpus.
Kluge8, 259 ; ein vermutlich auf der heidnischen
Opfer- Anatomie stammendes Wort für den inneren
Teil, namentlich für die Sehlingen des Gedärm«, die
beim blutigen, auf dem Re Brette ausgestreckten Opfer
herausgenommen wurden [cruor, goth. hraiw; ahd.
hre; mhd. re = Eeiche, Totenblut], Gr W. III, 1465).
— Reff1, Las Bauch mit (ierebe, Darmschlmgen,
namentlich mit inneren und Äusseren weih-
lichen Genitalien (s. Fud). — 2. = der tote
Körper und da« Totenblut auf dem He-, Köwe-
Stroh, betw. Re-Brette (». Verf Baum n. Waldkult
S. 34; SImrock, U. D. M. *, 293. 0. B, V. Monath. 1S94,
Nr. 3; Ur-jucll VI, 48. 77; Rochholl I, 13). — 3. =
die Hirnrebe (s. d.) oder das Gehirn als Fin-
geweide des Hirnschädels. — Mittcl-Heff (angl«.
midhriff; engl, midriff, Lcht. 30) = das Zwerchfell
als die Mitte des Gerebes oder der Eingeweide
(Kluge*, 259). — (1482 7Va</-Reff= der schwangere
Uterus, die Bürden, Watsack als der die Pracht
tragende Teil der Eingeweide (Zening. Voc. uq7).
— rcr-rebeln e. rebeln. — Reff-Fdrt, -wund.
Reff*, n. Reft, n. Rifft, n. (germ hrefo. goth.
hrip; ahd ref. href, refta = Traggestell, Graff III, 129.
Kluge*, 298; Schmeller II, 66; mhd. reff — Gestell zum
Tragen, Sparrenwerk; 1675 rifft — »celetum, Hyrtl.
K. W. 129; [Bayern] reft = Traggestell, 8chw. 542;
[Schweiz u. Schwaben] reff ^ Gestell, 1. c. ; Gr. W. V.
777 = Kreide oder Tra«korb , mit diesem verglichen)
1. = das Zahnretl (s. d.) (Schwaben; Gr. W. V, 777).
— 2. - das alte, dürre Weib, das solche Retl-
tahne (s. d.) zeigt (Schm. II, 66). — 3. = die tragen-
den Knochen (wie Brustkorb) als knöchernes
Sparrenwerk, Skelett. — 4. = der Rucken als
ein solches Tragirestell (Gr. W. VIII, 490; Altmarkj
— ßein-Reft {ahd. beinrefta, Graff III, 129) ss das
Beinuestell, das den Körper tragt. — Grreffel,
Öfliff, ßfTiffel = da» Gerippe, das gewarnte
Gebein (Schmeller II, 67). — (1592) Kinn- J
— die Kinnlade als Zahne und (Kinnref!-)
Billern tragendes knöchernes Gestell (kynreyff,
■ Beb. 307; Gr. W. V, 775 «ub c u. 779). — (1717) Steg-
Reff (Kail") = Stegreif, Steighngel im Ohre,
, Stapes (Abrah. II, 259). — Znhn-Rett, 1. = (1521.
1532) Unterkiefer (Mandibula) als Zähne tragen-
des knöchernes Gestell (zanreff , D. 316. nyrtl,
K. W. 92; Schmeller II. 66; Gr W. V. 779). — 2. =
die gesamte Reihe von stark hervorragenden
(Kell-) Zahnen im Kieferknochen (Schwaben;
C. v. Schm. 543). — Reff- Btllcrn.
Rener s. Revier.
Reft s Reff*.
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Regel— reich.
Reiche-Reihe, 501
Regel, f. (ein mit dem Klosterweseu au» lat. regula
entlehnte« Wort; and. regula = Ordensregel; mhd.
regele, Klug«*, 298 = da» Kegel massige ; franz. le»
ngles. Dorabl. 115) = Menses, die regelmässig
alle 4 Wochen erscheinende weibliche Periode
(s. Recht, Geschichte, Zeit, Sache, Monat,
Mond etc.). — Regel- Entleerung, -Zeit.
regen (gorm. rag [ragen]; and. rahl (daitu räch,
rack]; mhd. regen) ■ etwa» ragen machen, steif
aufrichten, sich erheben (Kluge5. 298) — (1790)
Regner (Rögner) = rauher, schorfiger Pocken -
ausschlag. — Regung, Anregung, iVregung =
Incitatio, der Etfekt der Reizung (s. d.). —
Krankheits-Erreger = diejenigen Stoffe(Keirae)
oder Ursachen, welche den Körper so reisen,
dass eine Krankheit entsteht. — regen-Wiwi.
Regen, m. (Indogerm. mregh [rlgaru = benetzen];
vorgerm. reghno, urgerm. regna; abd. regan; mhd.
regen = benetzende Feuchtigkeit, die vom Himmel
kommt. Kluge», 298). — Regen -Bogen, -Fäule,
- Wurm.
regieren (reigieren), Region, f. = herrschen
(lat. regere = eine Richtung nehmen, die Schritte
lenken, regieren), spuken, geistern, von Seuchen
und Suchten, die der schelmische Bösewicht
nach dem Volksglauben bringt (1582; Lonlc. 294).
— regierende Krankheit. — Region dat. regio,
die (iegend, nach der man »eine Sehritte lenkt; Revier).
— (1529) Ll»n$«l-Region (Parac. d. imp. B2) =
Lungengegend.
Re-, Reh, n. (dieses »chou zur gem.-germ. Zelt
[raiha, Kluge1, 298) so benannte Tier mit gefleckter
Haut, sanften Augen, welssgerandertem Maul, diente
zu manchem Vergl« :lchc). — JLe-.lLeh Ader, Augen,
-Bein, Blüsten*, Hecken (n.*), -Fuu, -Maul,
-Polster. S. auch Rah, räch u. Reff1.
Rehme s- Rahm.
rehren s. röhren Rohr).
reihen (gern», wrib; vorahd. wriban ; ahd. ribau;
mhd. rlben, Kluge*. 298) - drehen, reiben, reihend
schmorten, reibend wund machen, biedere (Gr. w.
VIII. 570). — eine Lasche (s. d.) reihen = cutem
terendo vulnerare (<ir. W. VI. 210). — Reiber, m.
= ein Schaf, das die Traberkrankheit (s. d.)
hat, wobei es öfters mit der Nase an einem
Uenenstande wetzt (s. Wetzkrankheit). — ab-
reihen (sich, von Krankheiten) m wieSchmutz-
flecken durch die Länge der Zeit Bich allmählich
verlieren (Ärtxtl. V.-Bl. 189ü. ns). — abgeriebene
Mosen. — ««/"reiben - Erythem« cutis per
pressionem, die Oberhaut bis zur offenen Wunde
reihen, so dass das sogen, rote Fleisch (le loup,
s.Wolf) sichtbar wird (»ehrend ZI). — aus-reiben
= durch starko Reibung, Zerrung, Drehung
ein Glied aus seiner Verbindung bringen
(Luxatio z. B.). — tctmrf-reiben - aufreiben bis
zum Wundsein, intertero, Intertrigo, Para-
trimma (üioscori.lis), afterfratt, Wolf etc.
IZ. Hdb. d. sp. I*. n. Th. XIV. 1. 31)9, Anm.). — Reib-
Xagel.
reich. - Sc/imer«m-Reich, L = ein Mensch
mit vielen Körperleidon behaftet. — 2. = ein
empfindlicher Mensch, <ler so thut, als ob er
viel Schmerzen hatte (Scamellcr ll, 557).
Reiche, f. s. Reihe.
-reichen (ahd. relhhcn = recken, sieh bis zu einem
Punkt erstrecken ; mhd. langen, erreichen, Kluge*, 299).
— (1592) Anreichung, m., f. = eine Pferdekrank-
heit, die sich an deren Vorderfüssen durch das
anrührende Erreichen derselben mit den zu
weit vorgreifenden Hinterfüsseu beim Laufen
ausbildet, wobei dieselben durch das Einhauen
blutig getreten werden (ür. W. I, 425; Schindler
II, 13; Mayer 122; Seb. 177; [F.lsaas] Anrieh, E. W. I, 54)
(s. aucli Anrach).
reiden (ahd. ridan = tor«|iiere ; mhd. riden — seitlich
bewegen). — (1483) Augen - Reiden = seitliche
Augen bewegung (c. v. Megbg.). — verreiden ■
ganz Beitlich drehen, verrenken (Schmeller II,
53. 58). — Reid- Haar.
reidig s. Räude.
Reif, m. (ahd., mhd. reif, rayff = Seil, Strick,
Band, Fessel, Kreis, Kluge*. 299), 1. = kreisförmige
Anschwellung an der Krone des Pferdehufes
(s. Ringbein) (Gr. W. VIII, 621). — 2 = der Steg-
reif (s. d.), Steigbügel (stapes), ein Knöchelchen
im Ohr, das mit einem solchen ob seiner Form
verglichen wird (Hyrtl, K. W. 146). — 3. - s. Reff*.
— jfiTtnn-Reif = Kinnrelf. — (1601) Steg-, (1606)
SfVirj-Reif (ahd. stegareif; 17. Jahrh. stclgeracuff,
Hyrtl, K. W. 146 = ursprünglich ein ovaler Holzrclf
zum Stehen (stapes) auf dem Pferde; damit verglichen) :
das Gehörknöchelchen (Reif 2).
Reif*, ED. (oberd.) (Reim) (germ. hripma; goth.
hrelpa; ahd. hriffo, rifo, hrim; mhd. rife = gefrorener
Tau ; mit der winterlich bereiften Flur vorgleicht man) :
dio ergreisenden, weissen Haare (Orines capitis)
(<ir. W. VIII, 621) s. Winter.
reif (germ. rip - schneiden, ernten; ahd. rill =
zum Schneiden erntereif; mhd. rife; 1561 reyfl =
maturus, zeilig, Kluge*, 299). 1. = körperlich ent-
wickelt, mannbar. — 2 = von Geschw&ren und
pathologischen Produkten: zeitig so entwickelt,
dass es von selbst aufbricht, ab- oder aufge-
schnitten werden kann („reyff werden wie ein
geschwaer". Gr. W. VIII, 625 ff. ; Schmoller II, 67). —
; früh-reit = vorschnell geistig oder körperlich
I entwickelt, wie z. B. die altklugen rhachitischen
Kinder oder die skrofulösen lymphatischen
Mädchen. — unreif = unvollkommen, roh,
unentwickelt, z. B. Samen, Ei etc. — reifer
Staar, Weichnelzopf.
Reihe, f. Reyhe, f. Reiche, f Reischen, f.
Reig, 1- (Reide, Rein) (indogerm. rlkh; germ rihwo,
ralhn; ahd. nga, rihan = Linie, Kreislinie; mhd. rihe,
rige; 1506 reih, f. = Reihen, m.; 1609 reichen, f. =
Leiste, fluar. 906; 1618 reihin, f. = abdomen, lila.
Schmeller II, »4; 1620 die rcichlu unterm nabcl.
Dr. Minderer; 1632 reyde = reyhe = labia majora
vulvae, Hyrtl, K. W. 127; 1740; Chr. Saui. I, 460). 1. =
Reihe. Linie (Linea), die durch gleichmäßig gerichtete
Stiche oder Einschnitte. Vertiefungen gekennzeichnet
Ist. — 2. = die vertiefte Linie, die sich am
menschlichen Körper, da wo der Oberschenkel
sich an den Bauch schliesst, bildet, Leistenbug,
Leiste, Regio inquinalis (Ur. W. VIII, 636; Hyrtl,
K. W. 128). — 3. = Schamgegend, Rima vulvae,
üemächtreihen, immus venter. — Ge-reihen
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Reihen— rein.
15. Jahrb. greyn, D. 298 = lnqaina) = Leistengegend.
— (1681) Gemächt-B,eüien = Reihe 3 als Schara-
oder Geraächtlinie (Reihen) (Hyrtl, K. W. 190). —
(1687) Scham-'Reihe, f. - Gemflolitreihen (ur. W.
vni, 2122). — Reihen- Bein, -Schlichten. S. auch
Reisehe.
Reihen, m Rein, m. (Reiwen) vorahd. wribo;
ahd. r!ho = Wade, locus corrigie, poplex, Kniekehle,
Kniebug; dies nur eine Verdeutschung tur mira, poples,
rio [D. II, 238. 29»;), niuscuH tibiarium, 8 —10. Jahrh. ;
Graft Q, 430; D. 443 ; mhd. rih« = Fussrist [s. d],
Leistengegend. Schenkel, Kluge *, 299; 14. Jahrb.
riehen, m. = Fussriicken, Gr. W. VIII, 612; 1470 rain.
reyn = Fusabeuge, Fussrist, Hyrtl, K. W.J 1518 ryhhen
= Rietgegend am Fusse, H. v. Gersd. 64; 1692
reichen, m. = Fussrücken, Gr. W.j 1690 reyheo =
Fussrücken; [Bayern] rein, reihen = Fussriicken von
der grouen Zehe big au das Gelenke, 8cbmellcr II, 84 ;
[Schwaben] reien, in. — Fussriicken, Back 17; [Schweiz]
rein, m. = Fussrücken, C. v. Schm. 435), 1. = der
erhabene Teil des FuBBriickens vor dem An-
schlüsse vom Fusse an das Bein (tir. w. IV. l.
1039) bei Mensch nnd Tier, Res summus, auch
„die Reihe" genannt und eigentlich begrifflich
das Gleiche, weil der Fussrist aus lauter
Knochen gebildet wird, die alle in einer Reihe
(Riga, Margo) stehen (Hyrtl. K. W. 127). — 2. =
(nur ahd., ■. o.) Wade, Schienheinmuskel, Knie-
kehle (Gr. w. vni, 642). — Fus*- Reihe, m. =
Reihen 1 (Gr. w. iv, l. 1039). — obere Reiwen -
die 7 Ossa tarsi des Fussristes. — untere Reiwen
= die 5 Ossa metatarsi unter dem Fussrist-, die
oberen und unteren R. liegen in einer Reihe
(= Series) (Hyrtl. K. W. 127. Aam.).
rein (vorgerm. kn, krei [cribrum, Krisls, %. a.] =
sichten, sieben; germ. hrt - gesichtet; vorahd. hreini
= rein, durchgesiebt; ahd. reini = sauber, rein; inhd.
reine; mnd. reyn, Kluge*, 299); nach Gr. W. VIII, i",80 n".
l. = frei von Krankheiten (bes. in der Bibelsprüche),
zunächst von solchen, die mit einer äusserlicb
sichtbaren Unreinigkeit od. Entstellung (Masen,
Räude, Rocken, Mal, Flecken etc.) verknüpft
siud. — 2. — frei von der Lustseuche, geschlecht-
lich rein, keusch, zierlich, schmächtig. — 3. =
frei von fremden, Krankheiten erregenden
Stoffen, befreit von denselben, z. B. durch
Nasenfluss, Eiteraufbruch (mnd.; Mag. Barth 90a;
15. Jahrh. reyuer = naratus [ = catarrhus], D. II, 201).
— 4. = frei von Zuchtkreuzung. — 5. = voll-
kommen, ganz (s. ragen, ratrin, rain). — 6. =
nicht mehr saugend. — rein-blind, -taub. —
Reinigung fahd. relnunga; mhd. retnunge — purgatio,
Gr. W. VIII, 706 ff.), 1. = die Handlung des Rein-
machens, z. B. des Blutes von fremden, un-
reinen, schon prftformiert darin (nach alter
Hippokrat. Lehre) angenommenen Stoffen
durch Abgang, Ausflugs, Ausschlage. — 2. =
der zeitliche Zustand dieser Reinigung, z. B.
die schon seit der griechischen Medizinschulzeit
als eine Reinigung angesehene Menstruation,
womit der weihliche Körper sich von dem (Iber-
flüssigen, alten, damit ungesunden, unreinen
Blute säuhern sollte. — 3. = dieSäuberung durch
den 3. Geburtsakt, die Nachgeburtperiode und
die dabei ausgestossene Nachgeburt (L'laeenta,
Ungesund, Ungesegnet) selbst, von der sich
der weibliche Körper sftuhert, schön macht
(s. d. Verf. Volks-Med. S. 203) — 4 = (1801) die
Hämorrhoidenblutung, die man seit Celsus l>ei
Männern als eine Stellvertretung der weiblichen
Reinigung ansah (Wclckard 157). — 5. = der Ab-
gang des Kindspeches hei Neugeborenen. —
Reinigangs- Periode. — (1&.2) J?/«<-Reinigung
= die Säuberung, Mauserung deB Blutes von
fremden giftig. Stoffen, die im Blute, Uterus etc.
sich befinden (Aussatz, Lochien, Mikroben,
Salze etc.) (Gr. W. VIII, 707). — (1807) Geburt-
1 Reinigung = die Reinigung 3, wodurch sich die
I unreine Mutter (Uterus) säubert, richtet, schön
1 macht (Aekerm. 467). — ha . k ü - rein (Henneh..
Spleas II, 90) (von den Eingeweiden des Schlacht-
i tieres) = so reinlich ausgeweidet, dass das
! Fleisch am Hacken öffentlich ausgehangen
werden kann. — (1418) männische (möndische),
(1592) Monats-, (17:*) monatliche Reinignng =
Menses, Menstrua, Reinigung 2 (A. v. H. I, 992;
Schindler I, 1608; Seb. 389; mtl. bubinarlum — la
sangue della femlna, bubiuarc — sanquine inquinari
muliebri menstruo, Du Cange I, 7C4 ; bobiuare = per
mulieris menstniae sangninem inguinale. Du Gange I.
683; D. 77; II, 56) = Reinigung durch die Pubes;
(1726) verstopfte Monatsreinigung — das Auf-
hören oder Nichteintreten des weiblichen
MonatfiuBses, den man als verstopft, gehemmt,
unterdrückt annahm (Thes. «an. Br. 245). — (1564)
AWur-Reinigung - die weibliche Periode als
Frauen-Natur (s. d. u. Purgierung), durch deren
naturgemässen Abgang das Frauenblut sich
säubern sollte (Gr. W. VIII, 1868). — n -rem,
Unreinigkeit (1421 vnralulgung = coniagiura D. II,
110; 1468 unrein ■" glandula, D. 194; unreyno - con-
tagiosus; ndd. unreynichelt - carte*, D. 101. 146).
1. sb die Nachgeburt (Placenta) hei Mensch und
Tier, deren Zurückbehaltung im entbundenen
Uterus zu stinkenden, jauchigen Ausflüssen
Veranlassung gibt und nach alter Erfahrung
daher als „Unrein" galt, bis sie ganz ausge-
gossen war; solange der I.ocblenuuss dauert, bis
zum Kintritt der nächsten Periode, galt schon nach
ultjudlschem Gesetze die Kntbuudcuo als unrein
(Zaraath ; contaglosus), eine Anschauung, die sich auch
im deutschen Volksglauben bis auf die Jetztzeit erhalten
hat. — (1651) Frauen- Unreinigkeit ~ nach der
Gehurt (Bock 295) - blutiger, eitriger Lochten-
oder Wochenflu.HS. — 2. = die sonstigen Aus-
leerungen des menschlichen Körpers, z. B. :
a) durch den Dnrm als Mekonium, Kindspech;
(1783) Darmunreinigkeit des Kindes (Stein n, 71)
oder als sogen, unreine Flusse (aus dem Harme,
8. d.); b) durch den Magen oder Darm als gast-
rische Unreinigkeit ,,'ler ersten Wege" (s. d.)
(Hufcland 234 ; 14. — 15. Jahrb. unreinechelt des magens,
J. f. nd. Spr.-F. XV, 1I0J = Magen-Harmschleim
mit Magen- und Darminhalt (Saburra) incl.
Gärungspilze; c) durch die Haut als sogen,
kritische Hautausschläge (Haut-Unreinigkeit),
auch Eiter (Drüseneiter); d) durch tlie monat-
liche Periode als möndische Unreinigkeit (uis
maenisch unrainickait, Schm. I, 1608) oder e) durch
die unreine Mutter-Materie (1632) = Fluor albua
(Fries 72). Nach dem (mnd.) Magister Bartholomaus
uigmzeo
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rcinefeeren— Reiße.
Reisel-Reiss.
503
(91 b) war „das Frauen-Mcnstruum wunderlich gestaltet ; I
da« weU» selten ein Mann; das Kraut verdorret, die
Human vergeben davon und welken dabin; es ge-
schieht Unterwelten, dasa den Weibern weh wird In
matrice und ist Schuld, das* die matrix voll Ist des
quaten Blutes; das erkenne (man so) ; die Augenbrauen
werden Ihr also voll kleiner Itlallcrn uud die Augen
werden blutfarbig und es wird schier das starke vcuer".
Wie sehr die Mondzelt (s. Mond) der Krauen als eine
Giftepoche des welbl. Organismus (x. auch Franzosen 3*)
angesehen wurde, lehrt uus (1620) der sonst wohl-
unterrichtete Augsburger Keldcbirurg Dr. Minderer:
„wenn die incnstruoslschen Weiber in Zeit der In-
fektion eiu Menschen durch Anschauen vergiften",
eine uralte Meinung, die zum Teil noch heute in
Volkskrelsen geteilt und derentwegen ,.dle Unreluc"
durch ßannfornu-ln besprochen wird (Schindler 183).
— (16. Jahrb. > IVrunreinigung (des Leibt«),
„welche von l'nkeu*chhelt herkommt u. die Krantzoscn
u. Spanische Blattern genenuet winl" (Kr. Kr. B. ; Lonic.
so) = (syphilitische) Infektion den Körpers. —
Vieh- Verunreinigung (1423 vichnnralner od. ketzer;
er wer ein sodoinlta oder daz er Vieh veruiigeraint
oder er scy ein Ketzer, Schm. II, 101) = einer, der
sodomitisch (b. d.) sieh mit dem Tiere verfehlt.
— unreine fr, «) Beischlaf, Bradem , Fleisch,
Flüsse, Geblüt, Kranklieitm, Mutter, Nieren,
Räude, Schliemerigkeit , Siecht a<j, Venusseuche,
Wunden, — (1551) \\'cibtr-, (UM) Weibupersonen-
Reinigung, 1. - Menstruum, Menses der weib-
lichen Periode. — 2. =der Wochenfluss (Lochia)
(Zw. Hl; Gr. W. VIII, 707; Bock 68). — Wochen-
Reinigung = die den Uterus säubernde Lochien-
Absonderung im Wochenbette (b. d.) (Kloss-
Baruls II, 377). — Reinigungs - Fieber.
rcinefeeren (ndd.) — den Korper renovieren,
reinigen (durch Abführmittel z. B.) (Goldschm 73).
reinen, Rein, in. reinisch (and. reluo — ei|iius
admissarius s. cmissarlus, Bescbälhciigsl, aus. warauio,
wurennum [Dcckheugst] uilt Abfall des anlautenden
wa, wu ; mit Wechsel der Bedeutung ; reinen = castrar« ;
dazu mhd. renniseb, reinisch) - re misch, rennisch
— eigentlich zur Zucht tauglich, geil, brünstig
(«iraff I, 97S ff. ; (ir. W. VIII, 699 700. 708; Schw. 650).
Remse s. Rinne.
Reis, m., n. 1. — (Ital. riso — Iteiskorn, Frucht).
— 2. ■ (mhd. ris = dünner Zweig). — Reis-. I
— A örperchen, - H asser.
Reischen f. Reisen, f. Reisten, f. [dtaiak lisch
verschlechterte Nebenfonneu von Kelchen oder Keinen,
dem nur. von Reihe, i.). — (147,)) Reiste, Reisen
= Leisten (Reibe 2) (Schnuller II, 161; llyrtl, K. W.
109). — (1681) Gftfiäcn/*-Reisen - die Leisten-
gegend als Scham- oder GemitcLtHlinie (Reihe)
(Hyrti, k. w. io», Anw. i). — .Yasen-Reischen =
der haarlose Teil am Maul des Pferdes oder
Rindes, der durch die Nasenvertiefung und die
Nasenscheidowand sich abgrenzt (Schweiler II,
IM) (Nasen leist»*).
Reise, f. ( - Aufbruch [zur Reise], Kluge4, 300J. —
/»'•'//! - Reise = (umschreibender Aufdruck für) Nieder-
kunft, namentlich nach illegitimer Sehwänge-
rutlg, well ehemals nur die Papste in Korn von diesem
Sundenfall Absolution erteilen konnten uud die Be-
treffenden dann eine Romfahrt (s. d.) antraten; le
voyage en Kaviere = Reise in die Schwitzbäder
(Badestube = barbiere) wogonSyphilis (s. Schwitten).
Reise- Trieb.
Reisel s. Rose.
Reisen s. Reisehen.
ReiSS, reissen (eigentlich zu ritzen [». d.]; germ.
writ = Ri*f, KU«, ritzen, reisscu; vorahd. wrizza» =
reissen. einritzen, zerrelssen ; ahd. rizan ; mhd. rizen,
Kluge*, 300; II. Jahrh. reissen = Wnndscbmerz [in
Besprechungen], Z. f. d. A 188«. 142; in Besprach, der
Ostpreussen ; riethen, rieten, vom Rotlauf, das schmerzt,
reizt, Frisehb. 63), 1. = ziehen, zerrend verletzen,
verwunden, plagen, martern, z. B. durch die
Rippen reissen = innerliche, ziehend empfun-
dene Brual seh merzen machen (Gr. W. VIII, 760.
102», Buck 19). — 2. = „reissen heisst auch : das r
hinten in der Kehle sprechen" (Erbe 88): die
Kehle, den Schlund gewissermassen reizen
dureb das breitgedrückter. — Reissen, n. 1. =
der Zustand des Gerissenseins. — 2. = der
I zerrende Schmerz, z. B. bei der (Hebt, den Sitz
| wechselnd und diskontinuierlich, den der Volks-
| glaube der schelmischen gewaltsamen Thatigkett eines
I bösen Wichtes zuschreibt und den es deshalb als einen
Wunndthmon oder reissende«, wilde* Tier (s. d.) in den
wilden Wald zurückbannt (Z. f. V.-K. UHU, S. 3» ; Wultke
302; Köhler, V -B. 404; Relnsb. 81). — ReiäS. m., n.
= die die Gedärme bedeckende Netzhaut (Omen-
tum, Rose lb), die beim Ausädern ausge-
schnitten, eingerissen wird, wie man auch ein
geschnittenes Schwein „gerissen" bezeichnet;
(vermutlich ein Terminus aus der alten KastraUons-
Technik, vielleicht entstellt aus Kose [s. d u. rcussen],
Gr. W. VIII. 753; Kraus. K. 961). - reissend =
schmerzend als ob gezerrt, gezogen würde, z. B.
bei Gicht- oder Steinleiden. — nb-reissen (der
Mutter) — Prolapsus uteri, der Vorfall der Ge-
bärmutter, den man dem Abreissen der Mutter-
bänder zuschreibt. — (1692) auf reissen = nach
oben öflnen, Spalte, Einrisse (Rhagade»), Schrun-
den machen (Seb. 98). — n-*4^* I Reissen (schwod.
Darm- )
bukrat — coUca) = zerrende Gedärmschmerzen,
Reissen im Leibe, Coliea (Coler, 11. A. 206). — (1756)
«n-reissend^ ruckweise zerrend, plagend, hin-
zuckend, tiefgreifende Risse in etwas machend,
wie ein Wolf, ein Drache oder Untier sein
Opfer ergreift, auch von Seuchen (Z. B. 56). —
cnfetm-reissen (der Nervenfäden) (Alpbg. 54) =
ruckweise eintretende Zerrungen der Sehnen
beim Fraisenanfalle. — Fuss- Reissen - zer-
rende Podagra-Schinerzen(Wuttke295). — Glieder-
Reissen (Reiss- Mathias) = ziehende, rheuma-
tiscbe oiler gichtische Gelenkschtuerzen, die
das Gefühl veranlassen, als ob etwas zum
Gliede herausgerissen würde (vasomotorische
Reizung bei Witterungswechsel z. B.) (10%
gross Reissen in allen Gliedern, ßchrerer I, 60). —
Oht m-ReisBen — zerrender Ohrenschmerz. —
»M«f< r- reissen (einen) — am Gliede zerrend
Onanie treiben (Gr. W. I, 1176). — (17. Jahrh.) zer-
reissen = beratend ganz zerfallen, z. B. am
Damme, an der Lunge (R. A 278; Coier, w. 351).
— /. .■ reissung (15. Jahrh. czereyssunge - hernla
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."»04 ReisFtnatismus— reiten.
reiten.
ruptura) - Bruch als Beratung, Öffnung des
Bauchfelles. — Zerrissener = arreptitius, der
vom Dämon besessene Teufelswinnige (D. so).
— Reiss-, reissendes Oeblüt*, -Oicht, -Knochen,
■ Krampf en,-Mathia*, -Nägel, -Scharbock, - Wurm.
S. auch riesen.
Reissmatismus, n Rcissme r dichtig - Rheu-
matismus (angedeutscht; Klclnpaul 148).
reispeln e. räuspern.
Reit s. Räude.
reiten, Reiter, m. (Rieder, -rittl) (vorgerm.
ridh, reldb = im Wagen [altnord. reid = Wagen] fahren ;
gein.-germ. ridan = sich fortbewegen ; ,,dtc Kunst des
Reitend ist verhältnismässig erst Jung" ; ahd. ritan ss
«ich fortbewegen, fahren, reiten ; mbd. riten, Kluge s,
800), 1. = auf dem Pferde reiten. — 2. = nach dem
Volkiiglauben reiten (besonders weibliche) Krankheit*-
dftmonen In den Schwärmzeiten der ethischen Geister
auf Menschen und Pferden, indem sie im Schlafe auf
denselben aufhocken, quälend Ms zur Verwirrung sie
drücken (zäumen, bandigen) und so das Unlust-
gefühl im Alptraume (s. d.) erzeugen (Lalstner I,
171, II, 222; Gr. D. M. I, 433; Reiser I, 177; Blrlinger,
B. I, «0; Schwanz 382). — 3. = coire (vom männ-
lichen Tiere, Reitstier z. B.; auch übertragen
auf das weibliche besprungeneTier) (Gr. W. VIII,
776; engl, bedrite = eheliche Pflicht, Kaluchm. ;
dieses Reiten 3 wird auch z. T. beim Reiten 2 der
elbischen Geister Im Alptraume [s. Alpminue] anzu-
nehmen sein ; altn. ridu = das Reiten der Unholden j
gandreld — gespenstiger Reiter, der das .Sterben voraus-
sagt, Maurer II, 123. 419; es war strafbaft, wenn man
einer Frau vorgeworfen hatte, das« sie (als Hexe oder
Trade, s. d.] einen Mann (Im Alptraume) oder dessen
Dienstleute reite, Maurer II, 419; dazu koelldrida = im
nachtl. Alptraume bis zur Alp<iual reitende Dämonin ;
tnyrkrlda = Im Flüstern reitende Damonln, Maurer II,
104 ; 16. Jahrb. der tewfel der die trawen reyt = lncubus,
D. 293); die Folgen dieses Reitens 2. 3. sind: wütende
Erregung, krankhafte Aufregung, Brünstigkeit ;
(daher ndd.) im Ritt (Ried) sein m betrunken
(Schneller II, 179; holl. rijden — in Zorn geraten; doen
rijdcn — in Zorn bringen [wie durch reitende Dämonen),
Zur Sicherung des Pferdes vor dem Dämonenritte und
dessen Folgen stellt der Flatnländer deshalb einen
Bock zum Reiten ein in den Pferdestall, De Cock, V.-K .).
— 4. = s. Räude u. reiden. — 5. = auch der
Tod (s. d.) reitet. — Reiter, m. = das besprin-
gende, reitende (3) Tier, auch das bockende
Mutterschaf (Falke II, SU ; altnord. grädr — Relt-
stlcr, Weinh. 52). — 2. sa die Reitlaus oder Räude-
laus (aus Mlssverstftndnls zu „reiten" gestellt; dieselbe
wird mit der „Relter"-Salbe behandelt , Gr. W. VIII,
780). — reitlings, rittlings - mit nach Reiterart
gespreizten Beinen stehend, gehend od. sitzend
(Gr. w. vin, 78«). — 4/>(»-reiten s. o. und
S. 12b XIII (Lalstner I, 342; altn. ilbrreldr, wie ein
reitender Elbe am Fuss gebrechlich, plattfüsslg, Weinh.
280). — <4r«cAtcö7/-Reiter, 1. = Arschwolf- Räude
(Räude; Erythems intertrigo), der Zustand des
fruit- oder rauhsein am Alter durch den sogen.
Wolf (Gr. Vi. II, 117). — 2. = derjenige, der sich
einen solchen Wolf geritten hat, d. h. durch
das Reiten afterfratt (räudig) geworden ist
(S. Hdb. d. KD. P. 0. Tb XIV, 309; Aum). - Gc-
| reitl (Greitel), f. = Gratl, Gradel, Grall, Grätl
! (s. d ), Gredel, Grell, Grit, Grittl, Gridl, Grill,
Üritten, Grite, Urttll = G'ritt, f. G'rittel
(Grill) Grittela, f. = Schenkelötthung oder die
gesamte Stelle am Schenkel, die beim Reiten
gabelförmig eich öffnet, Damm (Perineum) und
der Winkel, den die Beine dazu bilden (Schw.
262, Buck 17; Schm. I. 1017). — dritter - einer
mit gespreilzter Gangart {Bnck 12). — wildes
Ge-ritt — wilde Jagd im Volksglauben des Puster-
thaies ; die Schar der reitenden elbischen Weaen,
II. A. Rh. 190). — Grittel-Spfrrf. — Mahrt-,
J/rtrcri-Ritt (dän. rnare rid; 13. Jahrh. noc mich dy
mare rite. Silz.-Ber. 1867, 7; Brandbg. martriden.
Engel. 124; Schell 40. 165) = das Reiten 2. 3 im Alp-
Traume mit Lust- oder Unlustempfindungen
durch den od. die Reitmar; die Volksmedizin im
Westfälischen (Schell 40. 165) verlangt, dasa man zur
Verhütung des Marenrittes den Urin (Gliedwasaer) in
einer Flasche aufhebe, d. h. vor der Mar, die die Pol-
lutionen veranlasst, verbirgt. — J/omif-Reiterei
das alle 3 — 4 Wochen auftretende Rindern (Be-
gattendes Reiten) od. der erhöhte Geschlechts-
trieb bei der Stier- od. Perlsucht (Tuberculosis)
der Rinder (Zlpp. 562; Falke Ii. 131). — TeufeU-
Reiter ■ nach dem Tiroler Volksglauben ein nach
Teufelsart auf dem Vieh reitender Dämon [Kascrmandl],
welcher die Kuhe dabei erwürgt (Alpbg. 168). —
7*0&n-Reiter = ein reitendes Gespenst des Volks-
glaubens, das den Tod voraussagt (Vera. 106). — über-
reiten, -Ritt= Kreuzlähme der Kühe angeblich
infolge des zu heftigen Ritt 5 (s. u.) durch den
reitenden (3) Stier od. durch den Dämon (Falke II,
»84; Z. f. Ü. V.-K. 1896. 150; wird besprochen). —
Wal Reiter, -Ritteraken, - Rütclien (Ostfrieal. wAl -.
wülriedcr; Oldenbg. walridcrske , walrüschen , Gold-
sehmidt 101. 105; Wuttke 256; Urquell II, 191 ; Z. d. V.
f. V.-K. 1893. 392; walrlder = dal undeert rittem, II. A.
Rh. 417; ndd. wal-, vael ridersken = Mar, Maurer 11,
95; zu angls. walu = Stock, also) = Stockreiter,
Zaunreiter oder Reitmar (s. d.); nach dem Volks
glauben ein alter weiblicher elbischer Krankhelu-
dämon, der sich, 1. = als lncubus auf die Brust
des Schlafenden im Alptraume setzt, so dasB
dieser „es uuterm Herzen hat" oder „die Wal-
riderske hat ihn unter'* (Z. d. V. f. V.-K. 1893. 392)
und er beschädigt ist von derselben in seiner
Gesundheit. — 2. = ein in der Galluswoche
(Mitte Oktober, Altweibersommer, iu dem die Marien-
fäden fliegen, Altwelberwoche, Schwarmzeit der flie-
genden Elben) geborenes Kind ; oder auch 3. =
das 7. Mädchen in einer durch keine Knaben-
gehurt unterbrochenen Reihenfolge: die Zahl 7
(s. d ) macht dies Mädchen zur Marbexe, Nachtmar
(vgl. Wehrwolf). — 4. = die Walridersken ver-
wirren wie Alp, Mar etc. die Haare bei Mensch
Oder Tier (Lalstner I. 53. 90; II, 355). — 5. = sie
saugen auch den Kindern die Milch aus ( = Ma-
stitis neonatorum). — WolJ Reiter = Arsch-
wolfreiter, Reitwolf. Zaun Reiter:» (13. Jahrb.
vir den zeunriten, Büz-ßef 1807, 161 j Bdda, Ran
mal : tun ridur. Golth. 117. 119 ; Z. d. V. f. V.-K. 1893.
392; Maurer I, 684) = die auf Zaunstöcken reitende
Walreiterin , die u. a. Alpdruck macht; nach
uraltem Volksglauben reiten und drucken solche Dä-
monen auch leblose Gegenstände. - Reit-, reitende,
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Reiz— Renke.
Reiter- Knochen, Laus, Mar, -Stier, -ttützig,
• Wolf, - Wurm.
Reiz, tu. reizen (Factitlv zu reisaen [s. d.] — reisacu
machen, machen, das* etwas aua sich heraustritt; ahd.
relzzan; mhd. reiücn, reizen. Kluge • 300) = den
naturgemäßen, physiologischen Ansloss zur
Erregnng (der Muskeln, Nerven) geben, die
Nervenendigungen zur Empfindung»- oder Be-
wegnngsveränderung anregen, nach den Lehren
des sog. Brownianismus (1780). — Reiz, m. 1. =
dasjenige, was reizt. — 2. = die Lust- oder
Unlustempfindung beim Reizen. — 3. = der
Vorgang oder Zustand beim Reizen oder Ge-
reiztsein durch etwas; der Reiz kann sich bis
zum Schmerze und zur Entzündung steigern.
— (näfl) Reizbarkeit = Irritabilitas (Hauer), In-
citabilitas (Brown), das Vermögen der Gewebs-
fasern (Nerven, Nervensystem, Muskeln) des
Organismus, auf erregende Reize hin, Empfin-
dungen, Bewegungen (Entzündungen) zu ver-
anlassen oder auszulösen, eine Grundeigeo-
schaft der lebenden Stoffteile des tierischen
Organismus (Haeaer I, 695; Richter I, 14). — Brech-
Reiz = (aoY, Hippokr. ; Fuchs Ii, 84), die unruhige
Empfindung des Gereiztseins zum Erbrechen.
— Qegen Reiz ■ der gegen einen schon vor-
handenen krankhaften Reiz gerichtete, diesen
sozusagen ablenkende, an einem anderen Orte
absichtlich erzeugte (den Krankheitsdämon
täuschende) Reiz als therapeutisches Mittel. —
natürliche tu -' Reizung (13. Juhrh. relssung natur-
licher lost = appetltus, D. 42) = die Anregung zu
Lustempflndung durch natürliche Triebe. —
(1839) Ww m Reiz (nach Hecker 300) = der bei
allen Volkskrankheiten, namentlich aber beim
Brandübel (Ergotismus) vorhandene.dieGruud-
kraukheit komplizierende, das Nervensystem
erregende Reiz in folge von Eingeweidewürmern.
— Beiz Fieber, -Husten.
Reinsen, pl. s. Ram (Rampf, Rämpfen,
Krämpfe).
Renke, f. renken (vorgerm. wreuk [s. Rank ii.
rankein]; germ. wrlngan = ringen ; vorahd. wrankjan ;
ahd. renken — drehend hin u. herziehen ; inhd. renken,
Kluge*, 293. 300) = die Glieder drehen u. wenden
Qr. w. viii, 806). — Renke, f. Renken, n. (ahd.
renki ; mhd. renken ; engl, wrench = Verstauchung,
Lehf. 247) = Luxatio, die (iliederverdrehunu
(Lexer 196). — ausrenken - den Knochen aus
der natürlichen Gelenkverbindung heraus-
winden, drehen (Schindler II, 123). — &< renken
(ahd. „da wuart sin vuoz birenklf in einem Segen-
sproebe, ür. D. M. 1181; Kuhn, Ztschr. f. vergl. Spr.-
Wlssensch. XIII, 61) - den Knochen wieder her-
bei,an seinen Flatzeinrenken. — ßmi-Renke, f.
(ahd. benrenki. Kuhn, Ztschr. f. vgl. Spr.-W. XIII, 61;
Mullerh. u. Scher. IV; Merseburger Segenspr. in H. Z.
XXI, 211 aul 8t. Simeon übertragen) = Bein-Ver-
renkung. — Blut - Renke , f. (ahd. bluotrenkl,
Mersch. Segenspr.) = eine Bein- Verrenkung mit
starkem Blutergusse (Kuhn, l. c. XIII, 51; Müllh.
u. Scb. IV). — Lid , Glu ti Renke (ahd. lldlrcnki,
Kuhn 1. c. XIII. 61; Mersch. Segenspr.) = Gleich- od. I
Glied- Verrenkung. — Ker-renk(en,et), n., 1. =
die Gelenkknochen ganz und gar aus ihrer I
Renn- Hesel. B06
natürlichen Fügung drehend so heraus winden,
dasa die das Gelenk bildenden Knochen dauernd
gegen einander verschoben sind, Luxatio,
Stremma Hippokratis, Cbalasis, deloueures
( \. Fare) dehoitement (Hadr. Jun. 397, Dornbl. 30;
Kthn. M. a. u. 1893. 163). — 2. = verreckt (s. d.)
(1777 verrenkt = convulsus, D. 149; Schmellerll, 128). —
(1842) Ader- Ferrenkung - Fussehnen-Zerrung
(Falko i, 20). — (1742) Gleich- rtrrenknng = Luxa-
tion der Gliederknochen (Zw. 732). — - (1782) Halb-
Ferrenkung = blosse Ausdehnung der Gelenk-
bänder ohne eigentliche bleibende Knochen-
verschiebung, Subluxatio (M. H. L. I. 411). Auffällig
ist, dass auch diese rein traumatische, nicht diimo-
nistiache Beschädigung unter einer Streichmethode
auch durch Besprechung (und Anblasung?) behandelt
wurde (Z. d. V. f. V.-K. 1896; Frischb. 92; Wuttkc 159),
vielleicht wurde In solchen Fällen der Zustand ver-
wechselt mit rheumatischer Unbewegllehkelt, od. aus
traditionell fest gehaltener Methode so behandelt.
Renn, f. Renne, f. Renner, ra. Rennse, f.
Rennsei, n Rennle, n. Rennlein, n. dndog. ren,
run [dazu Runst s. d); gerin. rinnan - (Hessen ; alt-
nord. hrelnn ; angls. hran = RennUer, Welnh. 50; ahd.
rennen = rinnen machen ; 14. Jahrb.. renn« = coa-
gulura, Voc. opt. W. 22; mhd. rennen, renne, f.
renny, f., Lab.. Labmagen junger «Äugender (Kenn]-
Tiere, Kaaegcrinnael, Zen. Voc. r8 ; 15. Jtthrh. renn!
= sapa [Saft], D. 511; engl, rennet, rannet = Lab,
Lehf. 217; Kaitsch.). — Renne, f. (1515) Renn, n., f.
Renner, m. 1. — das aus dem Tiermagen, be-
sonders dem der (Renntier-) Kälber, gezogene
Lab (s. Lab, Leber, Lüpp), das zum Gerinnen-
machen der Milch dient. — 2. — das Milcbge-
rinnsel selbst. — 3. = das Kindspech als sicht-
bares Zeichen der Gerinnung des Magen- und
Darminhalte« durch die „Labe" (aus der „Leber"
vermeintlich) (Gr. w. Viii, 806 . 807, Schm. II, 10).
— Rennse, f. (14. Jahrh., ndl.) Rennsei, n. =
Kenne 2, Lab, Coagulum (Gr. W. VIII, 814; D. 128).
— (1687) schicarze Renne = Renne 3, das dunkel-
farbige Kindspech (Meconium) als Abgang
der gelabten, gelüppten Magenrenne (Gr. w.
viii, 807). — Renle, n. = Stigma (D. 562) = die
farbige Stelle, wo auf einer Wunde geronnenes
Blut krustig aufliegt. - Renn-Afaj/en, Schärfe.
rennsen, renzen, rentzen, 1. - rennezen =
etwas Geronnenes öfters hustend erbrechen.
— 2. = räntzen - rantzen = rankezen (s. Rank).
(11—15. Jahrh. rensen, ür. W. VIII, 111; Hoflm. I.
322) = öftere ranken (s. d.). - (iöo7) ÄH<-rennsen
= geronnenes Blut öfters hustend ausbrechen,
Uaemoptoe (Hort. San.).
Repp, f. = Rappe, Rapfe, Rappe (s. d.),
Scabies, Räude, Ekzema an der Fessel der
Pferde. — reppig = räppig (s. d.).
reppen, reppeln = reiben, coire (Gr. w. viii,
818; Schindler II, 129).
reppen, repsen. Repser, m.=rö«pen (s. d ),
rülpsen, ructari.aufsloHsen. - Repser - Ructus,
Röpser (Gr. W. VIII, 818; Goldschm. 102).
reren s. Rohr.
Resel, n. s. Rösel.
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SOG resch— Rheuma.
ribich — Richte.
resch s. rösch,
ress 9. räBB, rase.
Resibel, n. (aus dem fron/, erygipcle as eryslpelas)
= Rotlauf (Pauli 7 ; Pfals).
restern - räuspern, ructuare (D. 002).
Reude s. Räude (Rande).
Reune (reunisch) s. Bunne,
reupsen, reupschen, reuptzen ( = lautmalende
Kezeichnungcu für das gleichbedeutende) rülpsen
(röpsen), kotzen, aufstoßen, Sauglocken lauten
(1532, Fries 104; Gr. W. VIII, 848). — Reupzung
(15. Jahrh. rewpzuuge = oxyrheuma, D. 4021) = Auf-
stossung aue dem Magen, z. B. von Galle, bit-
terem Magenschleim.
reuschen = reupschen (l>. 271).
Reusei, n. s. Rose.
reuspen, reuspern (reustern) s. räuspern.
reussen (16. Jahrh.; II. Sachs; Kluge*, IM; unter
Anlehnung an das altere relssen (s. d.] = kastrieren
(beim Pferde) , welche Methode das mittlere, und
westliche Kuropa von den Ungarn, Russen (Reussen)
und Wallachen (s. d.) kennen gelernt hatte.
reuten, Reuter, in. (Urbarmachen, roden mit
dem Pfingsten — Reuter, Kluge*, 301), damit ange-
glichen : Reuter = ptiugsterzähnliche Brustbein-
gabel bei Vögeln. — Gänse -Reuter (henneb.,
Spiess II, 69) — Gänsebrustbein (s. Gänsebein,
Brusthein 4, Sprenkel 2, Schulter) (die Weissagung
aus dem blutbesprengten linken Sehulterhlatte ron
Ziegen und Schafen bei den Corscn, s. Gregorovlus,
« orsika" I, 271). — unter reuten (von der chrnft u.
von der hltz des slechtuomcs wlrt (der mensch] vntcr
BMVtt und zerfuert, Schindler II, ISO) = nach unten
hinausgeräumt.
Revier, n., f. (mhd. rlvler, Lexer 100; durch
hofische Vcrinittelung eutlehntaus {ranz, rlviorc — Ufer,
tiegend, liezirk [Kluge *, 301] und durch die Hofjftger
ins Volk gebracht) - (1701) anatomische Körper-
gegend (Level iug 325; Vicrordt 66). — in seinem
Revier sein = beisammen, zu llauso sein, sich
wohl fühlen. — nicht recht revierig sein, nicht
gut beisammen sein (im gleichen Revier), un-
paBBlich sein. — (1740) Xtibrl-Ravier - Nabel-
gegend, la boutei liiere ; c'est Iii qu'on entend
le „clapotage" gastrique (iiriss 37 ; i.. ch. 73; Kul-
mus Reg). — un revierig - nicht reviorig, nicht
beisammen seiend, blödsinnig iSehnieller II, 192).
— revier-ÄranA.
Rhagade, f. (aus f-^fi; Ii«: Statut st<: ts-r>-
^aiuiv« txefiaa tot X*&i\l Kraus, k. »9i; »u liftwy*
= rei.wnjrrHaut o. Schleimhaut-Riss, Schrunde
in schwielig verdickter Haut.
Rhehe, f. s- räch.
Rhein. — (1260) an den Rhein gehen (C. v.
Heisterb.; Rochh. I, 174 — zur Seclenubcrfahrt bereit
sein) = Stelben. (Uber den Rhein als Totenstrom
». Hariner-Zcitung 1*90. 16.-30. Mni; Schell).
Rheuma, n. Rheumatismus, m. Rheuma-
tiss.m. (oberd.)(Reissmatismus, Reissmathias)
(zunächst aus dem frz. rhuiuatismc u. dies aus gr.-lat.
rheumatlsmus — Fluss [s. d.]; im Kori>er, mctasUsls,
descente, catarrhe, rheutne, A. Pare ; Rriss. 143; rhunie.
Dornbl. 117; 1760 le rhumc epldemlque = Influenza,
Grippekatarrh , Janus 1897. 167 ; ndl. rhcutnaUeck =
rbeumatiquo , paasio rheumaUca , De Cock 308 ; su
£iOu,a — Fluss, fluxlo, rhegma, rheron 1741 Rheu-
malismus ist ein Flius, welcher mit Schmerzen, auch
wohl Fieber durch alle Glieder fahret, zugleich Ge-
schwülsten und Hitze erwecket, Kirsch 1039 ; Rheuma,
ein Fluss, ein niemal» gesehenes aber doch merkbar
kraukhafte* Wesen, Falke II, 235; Fr. Kr. B. 408), 1.=
i Gichtfluss, Gliederreissen, Gicht, Vergicht,
Gallfluss, Gerinn, Rotz, Katarrh; lauter Begriffe,
die sich aus der humoialpathologischen Schul-
vorstellung eines „Plusses" ( = Rheuma) ab-
leiten ; ein FIubs von Galle o. Schleim (Phlegma)
sollte von den oberen oder inneren Teilen als
Rheuma zu den äusseren od. unteren Gliedern
(Gelenke, Muskel), als Phlegma zu den Schleim-
häuten fallen od. sinken (s. d.), den man durch
Gegenreize (s. d.), „abzuleiten" (deri vare) suchte.
— 2. = die Bezeichnung „Rheumatismus" wird
seit alten Zeiten bald als ätiologische Bezeich-
nung gehraucht, bald wird „rheumatische" Er-
krankung gleichbedeutend mit „Erkältungs-
krankheit". — 3, = der Ausdruck Rheumatismus
wird schliesslich noch im Sinne einer in der
Organisation gewisser Personen begründeten
Prädisposition zu entzündlichem Erkranken der
Gelenke unter dem Einfluss von Erkältung und
anderen Ursachen gebraucht, d. h. zur Kenn-
zeichnungeiner Diathese. — (i53i) rheumatisch
= durch Rheuma verursacht, mit Rheuma be-
haftet, zu Rheuma geneigt, rotzig (Kraut w. LXXII).
— Gicht - Rheumatismus (eigentlich tauto-
logisch) s= ein Rheumatismus bei Pferden, den
man früher auch Gicht od. Fluss nannte (Mayer
100). — Tripjx '--Rheumatismus = die rheuma-
tismus - ähnliche Tripper -Gicht. — rheuma-
tische r Blutfluaa, Krankheit, Materie.
ribich s. i üppig,
richsen s. rächsen.
Richte, f. richten (ludogerm. reg [regere] ; gem -
germ. rehta ; ahd., mhd. rihten = recht machen. Kluge *,
297. 301). — Richte, f. 1. - Piaren ta, Unrein, n.
' Säuber, f. Schön, f., mit deren Ausslossung das
weibliche Tier säubert, reinigt, zurecht macht,
(Birllnger, Volkst. I, 325. 491. 522). — 2. = der Seih-
rückstand in der Milch, mit dessen Reinigung
oder Beseitigung die Milch zum Genüsse richtig
ist (Gr. w. vill, 867. 875). — richtig, 1. = zurecht
gemacht, geordnet, natürlich, naturgemäas. —
2. — schwanger, weil die Geschwängerte einen
naturgemässen Zustand hat u. nicht eigentlich
krank ist (s. aber: krank, da* anch schwanger
bedeuten kann). — er (es) ist nicht richtig
(mit ihm)- nicht hei gehörigem gesunden Ver-
stände, sondern geisteskrank (s. Delirium). —
«n-richten B. B. die Glieder, den „verstauchten"
' Magen wieder an seinen rechten Platz und in
geordnete Punktion bringen (remettre). —.Ent-
richtung = der nicht geordnete, entrichtete, ab-
norme Zustand eines Organes (tielenk, Magen,
Gehirn) Dissolutio, l.uxatio (Schmeller II, 35). —
Mugen-A'nirichtnng (IIa, 1MB, Tahwinein ; Gr. w.
I Vi. 1748) = Status gastricus, Massleidinkeit, Dys-
I pepsie. — hitzige Magcn-Enfrichtung - Catar-
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Ricke— Ried.
Rieder- Riesel.
507
rlius gastricus febrilis, ein fieberhafter, krank-
hafter Magen-Zustand. — kalte /•'.. 'nchtung
des Hauptes — eine nicht hitzige (afebrile)
krankhafte Störung des Gehirns (Tätern.). —
unrichtig = abnormer, unnatürlicher Zustand.
— (1572) unrichtig im Kopfe, irre, wahnsinnig,
delirans (Reiasoer Hist. 139. Böhm. U, M). — un-
richtig gehen - Missgehurt, MiMkram, Miss-
wochen , Fehlgehurt, fausse eouche, Abortus,
Partus praematurus (I'loss. Uurtels l, 53i:, abnorm
schwanger gehen. — Unrichtigkeit ■ der
nicht geordnete unregelmässige Zustand, z. B.
des Verslandes (Insania), od. (1748) der goldenen
Ader — anregelmiissige Blutung (Maschenb. 290).
— trr-richten = ganz zu Ende bringen, z. B.
seinen I^ebenslauf ; Ve r r i e h t u n g, L» der ganz
und gar geordnete Verlauf einer körperlichen
LebensthAtigkeit. — 2. = die Plazentarperiode,
die mit der Ausstossung der Nachgeburt
(= Richte s. d.), den Geburtsverlauf ganz zu
Ende bringt (Gr. w. VIII, 867). — 3. = die Placenta
vaccae selbst als Produkt der Verrichtung 2.
— richtiger Tod.
Ricke, f. Riege, f (Beck) (ahd. riga, rihnn = an-
reihen ; mhd. rige - Reihe [s. d.]; Reihenfolge, Linie,
Kreislinie, Kluge", 299. 302; Gr. W. VIII, 90;*) —
Rickel (= rlccula, riccüln = llgatura). — (1590)
( '<< rick, n. (Grick), 1. — Nexus visceris, Exta,
Viscera, das aneinander gereihte Darmkonvolut,
Darmschliniren (auch Froschlaich = kröteugerlck -
foetus rana, D. H, 173; 16% hoben sie beide über alle
die Massen solch garstiges Wesen, grun und gelbe als
lauter Kröten -tiertieke von «ich gegelten = Magen-
ichleim so dicht, als oh Kröten in den Magen hinein
gezaubert worden waren, Schreyer II, 32; Hadr. Jun. ;
Hyrtl, K. W. *.S; Schm. II, 5«; Wackernagel; D. C23).
— 2. = Ligatura, die Schlingen des Gerickes (I),
die zu Fesseln u. als Umschlingungsband ver-
wendet wurden. — 3. = (1090 ruckj, die After-
klauen am Hinterlaufe des Hirsches - Fessel
(Schmeller II, M). — 4.-= die abnorme Verschlin-
trunt; der Eingeweide (Schmeller II, 45). — Ilrrz-
Rick (mhd. herze ric, Lexer 22), 1. — das Geschlinge
oder Bänderwerk, an dem tuan sich das Herz
nnd die anderen Brusteinueweide aufgehangen
dachte als Geschling (s. d., Herzbandel). —
2 — Schlundröhl e die beim Herausnehmen des
Geschlings in der Anatomia culinaris mit ein-
begriffen wurde.
Rickel, m. s. Rücken.
Riderske s. reiten.
Riebe, f. riebig s. Ruhe, Ruhe u. Rippe.
riech (1182 riech - rigldni, Schm. II, 85; I). 498)
= rüch, rauch, trocken am Halse oder Kachen,
heiser in der Stimme (f. v. Schm. 131; Schm 1. c).
riechein s. rochein.
riechen (germ. ruk = rauchen ; ahd.riohhau ; tuhd.
riechen) ■ rauchen, (oberd.) dunsten, dampfen,
duften, riechen, Geruch (s. ruch) ein p linden,
von wich geben <ir. W. VIII, 910; Kluge*, 301). —
Riech Bein, -Xirirn.
Ried, m. (Rieden) s. Ritt, Kitten.
Ried, f. (eine dialektische Verschlechterung de-
Worte* Rieb) = Ribb, Rippe (Schm. II, 60), die bei
I dem hitufigen Gebrauche des letzteren Wortes
in der Anatomia culinaris ihre Erklärung finden
dürfte (s. Rippe).
Rieder, Riederske s. Reiter.
Riefe, f. s. Riff
Riemen (indng. ra (ip'jut] = sieben ; f/ijia = Zug-
seil ; abil. riomo; mhd. rieme, Kluge5, 302 = Raud,
Gürtel [aus Lederhaut]). — / tolitor Riemen = ein
strangförmiges, fein schmeckendes, d. Kranken
vom Arzte empfohlenes Fleischstück aus der
Lende oder sog. Nuss. — Rurk Riemen = Ruck-
strang (s. d.). — 11741) Zungen Riemlein =
Frenulum linguae Zungenbrtmlchen (Kirsch MD).
riepein — ittpeln, vomere (Schm. II, 130).
Riese, m. (sanskr. vrsan = kräftig, untunlich, stark ;
vorgerm. wresi ; gerin. wrisl ; alts. wrisil ; ahd. riso ;
mhd. rlser), 1. = übermenschlich Btarkes Wesen
mit abnormer Grösse u. Zahl der Glieder nach
! dem Volksglauben ; sie sind blutdürstig, minnen
(•. d.) die Menschen und bringen Fieber und
Seuchen (iL A. Rh. 373; Golth. lös. 177. 178); nur
der dumme (s. d.) Riese macht Wunden schmerz-
los (Golth. 191. 238). — 2. = flbergrosse Menschen,
die nach dem Volksglauben Abkömmlinge der
Riesen 1 sind (Alphg. 10 ; grosse Menschen gelten als
dumm, „so dumm als lang", Kehrein 42). — Riesen-
Körprr, • VV'ncAs.
Riesel, m. Rieseln, pl Rüseln, Riessien,
Rizeln, Riesamen, Risamen (Rosem, Rosmen)
(zu germ. rls = fallen, steigen In senkrechter Bewegung ;
ahd. rlsan; mhd. rlselen, risen = fallen; spat-mhd.
rleselu — tröpfelnd herabfallen, regnen; rlsel. rlsele =
Rieseln. Kluge*. 300. 302; 146C rüsseti; 1486 rusan =
lenticuta, D. II, 231, 15. Jahrh. ryescl - lentigo, I) 324;
1495 rysscln, ryseln ; 1.09 rieseln = lentlgo, rubra faciel
roaeula, Gr. W. VIII. MS; IUI risslin - lentigincs,
IL v. (iersd. 93. 99; UMS rlslen = Kislein, Paracet*. ;
Gr. W. VIII, 1049 ; 1570 rlselen = öoinmerflecken, Laub-
llecken u. andere Mosen, Gr. W. VI, 29"»; 1580 rlseln,
Hisel, Gr. W. VIII. 936; 1583 rlselen, Gr W. VIII, 936 ,
USJ nlsel, risel n lentlgo, D. 324; 1592 rlseln am leib,
ruseln under dem an'jesic.ht, Seb. 311. 379; 1603 rlesel
= lentlgo, D. 324 ; 1610 rlselen, pl. — Laubflecken, Mosen,
Gr. W. VIII, 936; UM rlesel = Flecken am Leib, An-
gesicht, an Händen. <ir. W. 1 e : 1680 Hesel, m. -
lentlgo; riegeln, n. — lens, Laubtteeken, Gr. W. 1. c. ;
1717 rizeln - Hautdecken. Abrah. II, 139; 173» rlesel
— phaeca. hin und her ausgefahrene Klecken im An-
gesichte. Gr. W. VIII, 936; Kamillen risel, rissl, rlsl =
Masernausschlag HVien]risl = Kriesel-Ausschlag.Kluge*.
U9; Klsaas rlsel — Sommersprossen, C. v. Schm 435;
Steiermark Hesel = Scharlach, Mosern). Rüsel: ein
Ablaut zu Riesel vielleicht unter lautlicher Anlehnung
au die Rosein (roseola, rosallaj der Sehulmedlzin : [1951
rüsel 39 Hasen um Leibe, Bock. Krlrbch. ; 1561 niselen
«m leib - lenttenlM, Sommersprossen, <ir. W. VIII,
IWS; l'iSO rüsel lentlgo, Gr. W. VIII, 9S6; 1587 rusel
am leih = lentlgo, Gr. W. VIII, 153* ; Ku**!ctn, Russlen
— rosalia, rosoll, roseola, rulieolac, Röteln, Masern,
Schindler II, 148; H. Z. XV, 529). Rüsamen (Risamen.
Riesamen, s. Rosen; 1394 risemeu ■» dij klein ptater
resel vnd engring auf dem antlltie — Impetigo, papula,
I) 289. 411 ; 15. Jahrh. rysem, ressen = lentigo, D. 324;
UVil rysamen under den äugen — Angcsichtncckcn,
rieten— Rind.
Rinde — Ring.
Hock 77. 13«; Cr. W. VI, 1099, IHM ruesoiuen ; KyB ;
1682 meinen und andere Sommerflecken, Lonic. 145 ;
1616 risemen, risamen im angedient, Tabcrnaem ; 1630
rügamen = Sommersprossen, l.oulc. ; Schwaben rüseti.
rieseme = Sonimcrspros«cu, Kleselu, Meyer 609; V. v.
Sehm. 439; Gr. W. VIII, 936). — Riesel (King* *, 119,
halt Riesel und Friese) lür wahrscheinlich identisch ,
1686 frlsel, m. = ndd. wriesel mit Abfall des ablauten-
den : f, v, W); der akute Frie&el kann bei der grossen
Neigung des Volkes alle Hantflecken möglichst typisch
zubeneichnen von demselben kaum mit den bleibenden
Pigmentflecken , die die Sommersprossen darstellen,
gleich gestellt worden sein; denn die Kieseln »teilen
nach obigen Belegen chronische, fieberlose, bleibende,
tropfenförmig oder wie Hagelriesel (Cr. W. VIII, 935
= grele. Briss. 136) uusgesprenkelte (s. Sprenkel,!,
mehr weniger stark pigmentierte , liusengrose Haut-
flecken dar, die mit den akuten, fieberhaften, rasch
abheilenden, hellroten, diffusen Hantblüteu desKriesel-
Ausscblages kaum, auch nicht vom Laien verwechselt
werden können ; dass jedoch die akuten Koselen (rosoll)
xu Kasein u. Rieseln lautlich sich umformen Können
und dann die Rieseln (Rüseln) — Masern, Scharlach,
Rotein sind (conf. Schm. II, H8; nibeolae germanice
rusalen, rusalla), li.sst sich kaum bezweifeln; dann be-
stehen eben 2 Rieseln a) die mit Kiesel (Hagel- oder
Regen-Riesel) lautlich u. begrifflich zu«annuenhangeu-
den Rieseln; b) die entstellten Röaeln (rosoll). Die
Rlesmen (Riesamen) sind lautlich nach diesem Vor-
bilde veränderte Rosamen (s. d.), eine l'mformung, die
bei der begrifflichen Identität vou Rieseln u. Kosamen
leicht erfolgen konnte. — Rieseln, Rusclcn. Rtis-
selen, 1- - die Sommersprossen od. Laubflecken,
tiie wie ausgesprengte farbige Rieseltropfen im
Angesichte mit Vorliebe ihren Sitz haben —
l^entigines, Ephelides. — 2. — die Maculae rtibrae
faciei, RoBeolae (Röseln, Russlen, Rüseln, Rie-
seln) als febriler, rosen - roter, frieselartiger
Hautausschlag (Masern, Scharlach, Röteln). —
3. — das Prodromalexant hem der Kinderblattern
(mit 2 leicht zu verwe-h*eln für den Laien) —
4. = anlehnend an Friesel auch rote Frost-
knötchen der Haut (Gr. W. VIII, 1538). — 5. = ein
sommersprossiges Mildchen (Gr. \v. VIII, 036). —
rieselig, rieselicht, gerüselt, rüsig, riesmet
(1512 rysmet = Icntlculosus , Ii. 321; lr>61 rüselachtig
= varius. (ir. W. VIII, 153H; 1561 ricselieht ; 1712 ge-
rüselt. V. v. Schm. 135; Schm. 565; Gr. W. VI, 806;
VIII, 93.->ff. 1638) - mit SommersprosKen, Rieseln
fleckig entstellt, lentiginosns. — Riesel-.)«--
schlag, -Flecken*. S. auch Rosmen.
rieten, riethen «. reuten, Reiz, reissen.
Riff, Rief, m. Rifft, n. 1. - s. RelF. — 2. =
(altnord. rlfa — Spalte, Kitz, engl, rivel — Runzel, Kalte,
Kluge*. 301 ff.; dandrlfl - Kopfgrlnt bei Kindern). —
Riefchen = kleinste Hantfalten, t. B. in den
Handtellern. - Rief-, BA&Zälmc.
Riffian. — Riffians-tfrurW.
Rimpel s. Rumpf,
r impfen s. rümpfen.
Rind, n. das gehörnte (xipaj, Horn), dem Indo-
germonen bereits als Haus- und Zugtier bekannte,
gezüchtete, beim Ackerbau notige. wiederkauende,
schlachtbare Saugetier. — Rind(rr,») -Augen, -Bein,
•Blatt, -Blut, -Brtsten, Bug, -Feuer, -Flecke,
•Finne, -Geschwür, -Ginkel*, -halt, -Holz, -Ham-
mer, -Mauke, -Milch, -Pest, -Psalter, -Bände,
' -Seuche, -Sucht, -Typhus, -ZäJme , -Zecke,
. -Zunge. — rindern - Begattungslust zeigen.
Rinde, f. (Rtinde) (indog. rem , ram . aufhören.
Ende; goth. rimls — Ruhe; ahd. rinta — Baumrinde,
Kruste, Brotrinde; luud rlndl = Kaud ts. d]. Kauft
[s. d.] eines Uegenstandes, wo dieser sein Knde hat)
= Wundrand, Wnndrinde, Brandschorf (Kluge*,
I 302 ; Platner II. i«».i). — Linsrtt Rinde = die Äusseren
Schichten der Augenlinse. — (1783) tote Rinde
Eschara, Brandschorf (Platner II, 173). — Rinden-
Staar.
Ring, m. (vorgerm. krengho; gem.-gcrm. hring =
Kreis, kreisförmig; ahd. bring, ring, rinch, Ring, Reif,
kreisförmig; tnbd. rinc; mnd. link, Kluge*, 302; ndl.
krlng; engl, ring), 1. = kreisförmige Zeiclinung
(Hof) auf der Tierhaut oder der menschlichen
Haat (Haarboden, Brustwarze z. B.). — 2. = die
I ringförmige Auftreibung und Verdickung der
Glieder bei Rbachitis (s. doppelte Glieder,
Zwiewuchs etc.) (Unterfranken); auch der kreis-
förmige Reif an den Kuhhörnern, an welchem
man die Zahl der geworfenen Kälber ablesen
kann (Gr. W. VIII, 989. 990). — 3. - Haarlocken,
auch Wildschweinschweif. — 4. = Feminal:
„nach dem Ringel stechen" (s. Schnalle). —
5. = ringförmige (Hof-) Gebilde am mensch-
liehen od. tierischen Körper, am Herz, Ohr etc.
(Kalke II. 240. 134). — 6. = s. Zirkel (lTrin), Mond.
— (164.) ringlicht = schwindelig, tuselig, im
Kreis herumgehend, drehkrank (Coler, R. 404;
v. B. 39; Falke II, 240). — vllfYrs Ring = die sichel-
oder bogenförmige Trübung (s. Greisenbogen
u. Augen wurm) des oberen und unteren Horn-
hautrandes, die bei alteren Leuten beobachtet
wird. — .Iii gen -Ring (ahd. ougrinch, augrink,
H. /. VI; Gral! I, 123; 1168 augring = orbis, I). II,
273; 14N2 äugen rinck = orblta, Zening. Voc. ; cir-
culus ocutl. (ir. W. I. 810, 1515 oug ring — orbis,
D. 399; 1646 ring um die äugen; Übersetzung der
orbita. Hyrtl, K. w. 129), 1. = der runde Knochen -
raml der Augenhöhle. — 2. = der runde Augen-
schatten (s. d.) um die Augen, der je nach dem
Gesundheit«- od. Krankheitszustatideals gelber,
bleifarbiger, blauer Augenring bezeichnet wird
(Gr. w. VIII, 990). — 3. = Altersring, Greisen-
bogen (Gerotoxon). — BaMc/i-Ring, 1. = der
sogen. Nabelrin« (s. d.), Annulus abdominis
an der inneren Bauchhöhle. — 2. = ringförmige
Öffnungen des Bauchfells an der Schenkelbeuge
(Leisten) (Gr. W. I, 1168). — 3. = (1794) die ge-
samte, von den Munkeln, Fascien und Bändern
gebildete Umfassung der Bauch-Eingeweide
(Faust's Gesutidh. Katechismus 50). — blaue Ringe
rm Augenring 2 (ndl. blawu krlngen aan de oogen.
De Cock sej — das Durchscheinen des dunkleren
Venenblutes unter der dünneren, fettärmeren
I laut (s. blaues Blut) bei Abmagerungszuständeu,
Blutarmut, feiner Art; nach dem Volksglauben
auch bei Hexen (V. K. IX, 11). — Falten-B^ng
= ehemaliger .Sehuluumlruek für den Falten-
kranz oder Strahlen-Korper (Corpus eiliatum)
im Auge (Hyrtl, K. W. 165). — G'u/d-Ring (dlethmars.
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ringen— Uinne.
Rinne.
Rolle rink, riqnett II, so) aa Ringfinger. — Qreisen-
Ring s. Altersring, Augenring 3. — (1260) grüne
Ringe, a) = vor den Augen: eine Sebstörung
durch Druck auf die Augen oder Augennerven,
wobei im Gesichtsfelde grüne Kreise erscheinen
(Pfeiffer 28); b) = unter den Augen: die gelb-
grflne Farbe des AugenschattenH bei blutarmen
Leuten (Pfeiffer. L c). — //n/s-Ring = Clavieula,
SchlOssell)ein, das wie ein Ring die obere Brust
abschliesend umgibt (Bück 16; Hlntncr 7. 16). —
Huf- "Ring = der kreisförmige Hufrand. —
// und* Ring — eine vermutlich von der Hunde-
räude, die unter der Halskoppel mit Vorliebe
Bit«, genommene Bezeichnung für eine mensch-
liche Hautkrankheit, die sich als eine ring-
förmige, räudige, kahle Hautstelle im Haar-
boden darstellt, Alopecia areala, (1858) Area
Celsi, KQdenring, Hundsräude, Ringflechte
(s. d), Ringwurm (Westphalcn). — Leisten Ring
- Bauchring in der Leistengegend (Falke II, 67).
— A al - '-Ring — Annulus umbilicalis, die rund-
liche, faltig umränderte Vertiefung der Bauch-
haut an der Stelle, wo die Nabelschnur des
Kindes sich am Bauch ansetzt; der innere,
gegen die Bauchhöhle sich fortsetzende Teil
des Nabels bildet den Bauchring (s. d.) (Gr. W.
VII, 6). — rote Ringe (um die Augen) = die
Fieber-Röte (hektische Wangenröte) (Heyne V,
114). — Rüden-Ring = Hunds-Ring. — schwarzer
Ring, 1. = das runde Sehloch der schwarzen
Augenpupille (Abllg. 91). — 2. = blauer ( = schwar-
zer, s. blau) Augenring (ndl. zwarter kring, V. K.
IX, 11). — 3. = (mnd., 14. — 15. Jabrh. »varten rinrk.
J. f. ndd. Spr.-F. XV, 11) => der schwarze Zirkel
(s. d.) im runden Uringlase des Glasarztea. —
ir<us<r-Ring = s. Kreis u. Zirkel. — Wundcn-
Ring (13. Jabrh. ring der wrunde — orbli, D. 399» =
kreisförmiger Wundrand. — Ring--4w.<7r, -Bein,
-Finger, Flechte, -Huf, -Knorpel, -laufen, Staar,
•Stern, - Wurm.
ringen (germ. wring — in Windungen drehen, mit
Anstrengung bewegen; wrltigan ; abd. rlngan; mhd.
ringen, Kluge*, 303). — 7Wf*-RingUng (15. Jabrh.
todrlngung = agonla, D. 18) - Todeskampf (s.Tou).
Rinne, f. rinnen Ilndogerm. ren, nin [da*u : run«,
«. d.]; getn.-genn. rinuan — rieh «ehnell fortbewegen.
Kluge*, 303; abd. rlnna, f. - Wasserleitung, Dachrinne;
rinnan m fliegen, schwimmen. Iniifen, filtere, rynuen
ss coagularc; rinna = manna, (Jrnff II, 513; Du Tange
VII, 190; mhd. rinne, f. rinnen) = fliegsen (der
Tbrilnen, Milch, des Blutes, SchweisseB etc.). —
Rinne, f., 1. = die in die Länge sich erstreckende
Aushöhlung zur Leitung von rinnenden Flüssig-
keiten (Gr. W. VIII. 1819). — 2. = eine durch
Farbe sichtbare Kratreckung eines Blutergusses
in Streifenform (Strieme = Keinse, Runse) (c. v.
Scbm. 434). — 3. = die weibliche Brust als Milch-
fluss-Organ. — rta'nifgj111-'0' D- ll> ,JS7) = »PP'dus,
rinnend, sezerniereml. — Rinsel, Rintzel
= coagnlnm (D. 128). — i R:::ne = die t-eiin
Pferde-Aderlass an der Hals- Umsselader wich-
tige, rinnenförmige Verliefung zwischen dem
unteren Halsrande u den seitl. Halsteilen (Zipp. 88)
(Drossel rinne). — Augen Rinnen (mnd. o8hcn
ryunen — wässerige oder blutige Sekretion der Angen-
*chleinihnm, Mag. Barth. 8S n, MifTusio ocnlorum san-
guinea, Hpptttido humlda) = rinnende Augen:
a) Bindehaut- Katarrh mit stark flüssiger Se-
kretion (Zw. 223); b) Blutergtifs, Blutrunst unter
der Augenhant. — awr-rinnen (io. Jabrh. uz-
garunnan, Craff II, 616 = [sanguls) egestus) = durch
Bluterguss aus dem Körper verenden; dieses
Ausrinnen des Blutes aus dem Blutkasten (s. d.)
stellte man sich ganz alltäglich vor. — Blut-
St!^!^. ! ((abd. bluotrlnna, Schmeller II, 715; Delling)
rinnsig )
= blutend, geblutet habend, z. B. von einer
Wunde. — (1603) Blut-Gerinnsel = ein Bropf
geronnenen, koagulierten Blutes. — Dampf-
Rinne — eine mehr weniger tiefe, schnurförmig
vorlaufende Muskel- Furche von den falschen
Rippenknorpeln bis zum Brustbeine als Grenze
der beim Dampfe (Lmphysema pulmon.) be-
sonders angestrengten In- und Exspiration»-
Muskeln (bei Pferden) (Zlpp. 308; Falke I, 28. 200);
die Zweiteilung der verschieden langen Respi-
rationsmomente (doppelsch lägig) kennzeichnet
sich durch die Zweiteilung der Respirations-
muskeln (saccadierte Atmung). — Drossel-
Rinne — der in der Drosselgegend verlaufende
Teil der Schlundrinne (s. Äderrinne) beim
Rinde (Martin 11). — G<i//«i Rinne — Gallen-
gang, (iallenröhre zur Ableitung der Galle aus
der Gallenblase in den Darm (Ductus chole-
dochus (Cr. w. iv, l. ii98). — Gerinn (sei), n.
(Gerinn, Urinn) (1582 gerinUel = coagiiliim, Lonlc.
313; 1582 Ischias, hufftwehe, das grnnn, E. W. I, 275),
1. = das, was rliesst, der Fluss (s. d.) = Rheuma
(Rheumatismus, Lumbago rheum., Ischias
rbenm ). — 2. = (1440 grien = arena, D. 47; 1495
gryen; 15. Jahrb. grien = arena, D. II, 33; 1502 capltalls
i. reeeptio Valens ad inflrmitatem dictam iu rulgari dt
grin, 1». II, 73; 1612 siech vom gryen in lenden -
caleulus. D. 89; 1807 grien, Plctor. 80; Schmeller 1,
1000; 1594 grien, l'aracelsus, I.onlcerus; 1618 grien =
caleulus [morbus], D. II, 66; 1645; Coler, A. 339; 1699
gniene, n. - (ierinn, v. M. I, 291; Hr. W. IV. 2. 1872;
Kopp V, 2t<0) = da», was gerinnt, stockt, koa-
guliert; so wurde u. a. der Harnstein als
geronnener (sedimentierender) Harn angesehen
und der Brustdrüsetiknollen als geronnene
Milch gedeutet (1790, Richter I, 15); deshalb:
«ierinn ((irinn, Grünn): a) — Morbus calculi,
Blawengnes, Blasenstein, Nierenstein, Nephro-
lithiasis; b) =der Lendenschmerz mit und ohne
Abscheidung von Nieren- oder Lendensteinen
(Nephritis, Nephralgia, Cohca nephritica),
Griesgerinn; c) = weiterhin Hüftweh (aus-
gedehnter Begriff). — (1725) Gri<*-GrTinn = der
Schmerz, «ler durch den Abgang von gries-
förmigen Hnrnsteinchen aus den Nieren in den
Nierenleitern entsteht (Dolor nepbriticus) (The*,
san. Br. 779). — (16. Jahrb.) J/firn-Rinnen = die
röhrenförmigen Harnleiter, in »leiten der in den
Nieren abgesonderte Harn zur Bluse hinab -
geleitet wird (Hyrtl, K. W. 75). — (1612) A',^ Rinne
= Coaguluin, Quark (l> 12*). — (1518) Lernten-
Gerinn (gryen In lenden, II. v. (ier«d. yj) — Arena,
der in den Nieren (Lenden) vermeintlich durch
Gerinnung des Harns sich bildende Harnsand.
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r.io
Rilitee] — Rippe.
Rippe.
— (1*42) Liberi-Rinne = die Vertiefung in der
Mitte der oberen (vorderen) Lippe bei Mensch
und Tier (Falke II, 72). — (1725) Mili A Grrinnung
~ die beim sogen. Milcheinschiessen (s. d.)
angeblich durch Gerinnung (= Luppe, s. d.)
der Milch innerhalb der Brustdrüsen entstan-
dene Brustdrüsencntzündung, Mastilis puer-
peralis (Thea. **n. Br. 44; Rieht« I, 15). — Ohr
Rinnen = Otorhoea, der eitrige Ohrentluss
(Gr. W. VII. 1266). — Su um Rinne ■ eine Fuiche
am Uornhuf-Saum zur Aufnahme der Fleisch-
krone beim Pferde (Zlpp. 162). — Si -Mund- Rinne
= das Verbindungsrohr des Magens mit «lern
Schlünde (Rachen) (Kalke II. 241. 286). — (1843)
I tu n nen Rinne -■ die auf der Gesichtshaut
durch das Herabrinnen des netzenden Binde-
hautsekretes der Augen (Thranen) gebildeten
Streifen (Falke II, 367). — (1576) u eiste« Gerinn =
Gonorrhoen (pra«sinum (= lauehgrüuer Stein] als
„grün" gedeutet, Theoph. I'arac. Br.) ■ der weisse,
weissgelbliche od. gelbgrünliche Kiter auB der
Harnblase (eine Beigabe zum Blasenstein als
eitriger Blasenkatarrh). — Zer-, Zusammen-
Rinnung (1260 der milch zerinnet, Pfeiffer 2t) = die
vollständige Gerinnung, Koagulation: a) der
vorher flüssigen Milch zu beisammenstehenden
Klumpen (solche Bollen sich nach früherer
Annahme in der Frauenbrust beim Einschiessen
(s. d.] der Milch innerhalb der Brustdrüse
ausbilden) (Fries 96); b) des in den Adern krei-
senden, durch faule Stolle verlüppten, ver-
gifteten Blutes (pyiimische Thrombose, Septi-
chaemie) — Geblüiszerrinnung (1742; Zw. 318). —
rinnende (r, «), geronnenes Augen, Bauch, Blut,
Fuss. & auch Kunst.
Rintzel - rinnen,
rip (n<i<i.) ss reif (s. d.).
Rippe, f. Kipp, n. (Ried), f. (indogerm. rebh =
Windung. rwehllngung, (mfaviung, Cm»< hllessendes
[Rebe]; vorgerin. rrbhyo = l'iiwhlingutig, genn. rlbja;
ahd. rlppa, rtppt, rlbl. Kluge*, 303 ; 9. Jahrb. rippl,
ribbl = costae, Kab. Maur. i.b. Graft II, 3i0; 11 Jabrb.
rippe, rippl = costae, II. Z. III, 308 fl.; dal rippe =
die ganze eine Kippcueeite, Gr. W. VIII, 1030; diu
riebe, rlbe dupliccw costarum cratem, Rippenstück
als Korpcrrchllnge, Schweiler 11, 9; mhd. rippe, rlbe
— costae, Helimeller II, 130; 1182 ribe. rypp = costa,
Zenlng. Vor. aa 8; diu rippe n da» gesamte Rippen-
werk; 1S39 rippe, f.; löfil, \lt*7 das ripp, „in den alteren
Sprachperioden ist rlpp, n. vorherrschend", (ir. W.
VIII, 102«}; 16. Jahrh. riebe = dinphragina. Gr. W. VIII,
1626; 17. u. 18. Jahrh. rlble. rüben; 1712 ripp, n .Zw. 23;
Finde 18. Jahrh. rippe, 1.; roebbe, Frl*chb. 66; angli.
rlbb; engl, rlb), 1. = einer der bogenförmig ge-
krümmten, die edlen inneren Teile der Brust
kästen- oder korbilhnlich umschliessenden, von
der Wirbelsaule ausgehenden Knochen (Costae)
bei Mensch u. Tier; nach biblischer Legende ist die
Kva au» einer Hippe Adams gebildet und haben nach
dem Volksglauben deshalb die Adanisohne oder
(Kippen-) Manner bloss 7, die Kvaloehter aber als
Kippen-Geschöpfe oder KippenkuMlgln 8 Kippcnpuare
(Ur. W. VIII, 1034 , Uuek Iii; Scbclble IX, 478). —
2. - die Gesamtheit der Rippen an einer
Kürperseite ( = das Ripp s. o.). — 3. = das ganze
beiderseitige Rippenwerk. — 4. = das gesamte
Knochengerüst, das aus Rippen besteht (Gr. w.
vill, 1830). — 5. = ein knochendürrer, sozusagen
nur aus Rippen bestehender, hagerer, nament-
lich weiblicher Körper (Schweiler II, 130). — 6. =
die Brustseite, Pectus, Latus, Regio hypochon-
driaca, Weiehengegeml, welche der Fetlreich-
tum lind (s. Lende) und weich (s. Weiche)
macht, wo aber auch das Fett am raschesten
schwindet (s. Dünnung); datier die Ausdrücke:
durch die Rippen schwitzen — Fett auf natür-
liche Weise verlieren, von sich geben; sowie:
es (das Fett) steht bei den Rippen, bleibt
sitzen (Goldschm. 31). — 7. = der ganze Mensch
als Bezeichnung eines kleinen zarten Kindes
(Gr. w. VIII, 102.; ff.). — 8. = das Fleisch an den
Rippen (Rieben, Rie'djen) beim Schlachttiere.
— (i;«76) Ripplein — die kleineren, nicht voll-
ständigen, sogen, falschen Rippen (Costae
spuriae) (Thurnelsser; Gr.W.VIlI, 1037). — Ripplem-
Sucht. — Die Rippen biegen Bich, brechen
(Fractura), falten sich (?), fallen entzwei, faulen
(Caries), krümmen sich (Curvatura), krachen,
knacken, neigen sich, verrücken sich (Diastasis),
»erbrechen, zerfallen. — (1742) arme Rippen =
brüchige, gebrechliche (sozusagen armselige,
weil gebrochene) Rippen, Costae fractae (Zw.
158). — 7*a*r<ird-Rippen = (Übersetzung der! Costae
nolbae (nothus = liastard. uneheliches Kind, Hyrtl,
K. W. Ii) := Ripplein oder falsche Rippen (s.d.).
— Uau< /. Rippen = die im BaucliÜeische eich
verlierenden halben, knorpellosen, falschen,
untersten zwei Kippenpaare (Gr. \V. VIII. 102*).
— Beiti -Rippe (ried, rieb) = das Fleischteil an
den Rippen «ler Schlachttiere gegen diegrösseren
Wirbelknochen zu (öchmcllcr II, 60). — bratige,
breite Rippe (ried, rieb) = das fleischige, mas-
sigere, breitere Stück am Rippenlleische des
Ochsen (Schmeller II, 60). — ßrusf-Rippen = die
ohne Vermittlung vou längeren Xwiscben-
knorpclslÜcKen sich direkt an das Brustbein
ansetzenden sogen, ganzen Rippen (Gr. W. VIII,
1028). — Bnis/rippen-GcAc/urär. — (1732) dicke
Rippen = das dicke, bratige Fleischstück zu-
nitctiHl dem Bug, das sich noch an die unteren
falschen Bauchrippen beim Schlachttiere an-
setzt ((ir. W. VIII, 1032). — (1732) dünne Rippen
= die seitlichen, schmächtigen HeischstUcke
zunächst der Dünnung (s. d.) od. den „Weichen"
unter den Kippen, die weniger Fleischansatz
haben als die dicken Rippen gegen den Bug zu
(Gr. W. VIII, 1032). — Rippen, 1. = (IjI*)
die fünf unteren, das Brustbein gar nicht oder
nur durch zwischen knorpelichte Anlehnung an
die nächst obere Rippe erreichenden Rippen,
Costae mendosae s. spuriae, s. nothae (engl,
fal'e rlb«), die eigentlich keine vollen, wahren
Kippen, soudern nur Ripplein oder Bastard-
iippen sind. — 2. — (17;ji) das Fleisch zwischen
2 Rippen (Muse, intercostales) = Fehlrippen
b. Sehlachttiere. - Fehl-, Fall- (Fäll- f) Rippen
— das Fleisch zwischen der zweiten falschen
Rippe (Ripp« 8} (Schweller I, 703; II, 60. 130; Gr. W.
III, 14;(0). — freie Rippen - die 11. u. 12, Rippen-
paare, die kürzer bleiben, weil sie frei, ohne
weitere Knorpelfortsatze im Bauchtleisch enden
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Rippe.
rippeln— Riss.
511
(Hyrtl, Anatomie 314; Gr. W. VIII, 1028). — (1639)
ganze Rippen = die 7 oberen wahren Kippen-
paare, die ganz his zum Brustbein reichen
(Braunschw. Chlr.). — (i- rippe (Kriben, Grippen),
1. = alle Kippenknochen am Brustkorb (beim
Hoch wilde: Kriben) (Hyrü. K. w. 185). — 2. =
das (schon bei den Körnern als Todesflgur geltende)
Knochenskelelt, KnochengerQst (Hyrtl, K. W.
129; Wnttke 36). — 3. = die Grippen, Krippen
(s. d.), das Gerebe, der ermattete, knochendürre
Stamm als Träger eines mageren, darren Leibes,
an dem „alle Rippen zn sehen sind". — (1539)
halbe Rippen = die fünf unteren falschen, mit
dem Brustbeine nicht in ganzer direkter Ver-
bindung stehenden Kippen (Hyrtl, K. w. 16). —
Herr Ripp! = die Rippleinsucht (Rhachitis,
unterwachsen), die wie eine dämonistisch ver-
ursachte Krankheit in Koseform, so wie der
Tod oder Altvater (s. d.), angeredet wird (Mannh.
Zeltschr. f. d. Myth. IV. 109; Or. D. M. CXL, Nr. XXVII).
— (1576) ]!■>■; Rippe = die Stelle, wo der Herx-
grippkuchen (s. d.) sitzt = die Kippen der Herz-
gegend (Tburnelsser). — (1645) kleine Rippen =
kurze Kippen (m. d.) (Coler, n. A. 80). — Knochen-
Gaipp = Ueripp 2, Toten-Gerampel, Skelett. —
(1.81) kurze Rippen, 1. = freie Kippen od. Bauch-
rippen (Hyrtl, K. W. 128; Goldschm. III; Gr. W. VIII.
1028; engl, short ribs). — 2. = Kegio hypochon-
driaca s. kurze Kippen-Schwachheit, Kataklida
(Kirsch 193). — (1581) lange Rippen = die sieben
oberen ganzen Brustrippen (Hyrtl. K. W. 128;
Gr. w. viii. 1028). — (1576) A/i/z-Rippen = die
Kippen der linken Weichengegend (Regio hypo-
chondriaca), wo die Milz liegt (c.r. \V. VIII. 1028).
— obere Rippen ■ die sieben ganzen, langen,
rechten, wahren und vollkommenen Brustrippen
im Gegensätze zu den fünf unteren, sogen,
falschen Kippen (Gr. W. TOI, 1028). — Päll-Ried.
Rieb -Rippe = (dialektisch verschlechterte) Fehl-
rippe (s. «i.) (Schra II, 60). — reehic Rippen
— die oberen Rippen (s. d.) (Gr. W. Vlll. lOis).
— Rücken- Ripplein (angls. rieg rlblo = palae, D,
405. II, 276) = die kurzen Rippen, an denen der
Ruckbraten unter der Schulter sitzt. — Schäl-
Rippen (Henneb. ; Spleas II, 206) m Rippen, von
welchen das zu Würsten bestimmte Fleisch
abgelöst wird. — schmale Rippe (Ried) = die
Bchmftleren Fleischstücke zwischen den Kippen
deB Schlachttieres im Gegensatze zu den brei-
teren Zwerchrippen (Schmellcr II, 60). — Scham-,
Schan-, - Schon-, -Scho(r)- Rippe = das besonders
feine Kippenstück in der liegend der kurzen
unechten Rippen, das beim Aushacken geschont
bleibt, nachdem die vorderen Zwerchrippen
ausgehauen worden sind (Schindler II , 428). —
Schliem- (Schyem-?) Rippen (Rieden) = das
Kippenfleisch gegen die Brust zu beim Schlacht-
tiere (Schmellcr II, 60. 61); Schliem (s. d. lc) =
Zwerchfell, Zwerch-Kippen (s. d.). — Schulter-
Rippen = die Rippen an der Schulter (s. Schulter,
Kipp-Kuchen). — schwebende Rippen — Costae
tluctuantes, die 11. und 12., nicht tlureh Rippen-
knorpel an den jeweilig oberen Kippen be-
festigten, sondern ganz freien, an ihrer vor-
dersten Spitze etwas beweglichen Kippenpaare
(Gr. w. VIII, 1028). — (1518) unrechte, (1719) unechte
Rippen = die falschen oder Bastardrippen (II. v.
Gersd. ; Gr. W. Vlll, 1028) — untere, unterste
Rippen = die fünf falschen Kippen im Gegen-
satze zu den sieben oberen, ganzen Kippen
(Gr. W. VIII, 112). — wntcr-rippig (1466 vnderrlblg
= bubo, D. II, 60 = Übersetz*, der) Hypochondrien
= a) hypochondrisch; b) in den Weichen krank
(Bubo). — (i.vii) unvollkommene Rippen = un-
rechte, falsche Bastardrippen (Gr. \V. VIII, 1028).
— vollkommene Rippen = wahre Rippen (s. d.).
(1801) wahre Rippen = (engl, true rlbs = treue, echte
Kippen, Kaluchui.) im Gegensätze zu den falschen
Rippen die sieben oberen ganzen Rippen. —
wankende Rippen — schwebende Rippen (s. d.)
(Gr. W. VIII, 1028). — weiche Rippen, 1. = (17. bis
18. Jahrh.) = die beweglichen, schwebenden
Kippen (s. d.) (Hyrtl, K. W.). — 2. = (1475) Regio
hypochondriaca, die ganze Gegend der sogen.
Weichen, die Dflnnung (s. d.) (D. 276; Gr. W. VIII,
1030). — Zwerch - Ripp en (Rieden) = das fleischige
Rippenstück ohne eigentliche Rippenknochen,
das vorne mit dem Zwerchfell ( = Schliem) in
Verbindung steht = Schliemrippen = Musculus
rectus et obliquus abdominis (Schmeller II, 60).
— Ripp-, Rippen-, Ripplein Ader, -Bau, -Bauch,
-bewachsen. Eisen, -Eis»*, -Fäule, -Fell, -Fell-
entznndung,Oeschwär,-Qeschwür,-Gesttll, -Haut,
-Kasten, -Knorpel, -Korb, -Kuchen, -lahm,
•M eissei, -Paar, -Schmalz, -Schmecr, -Speer,
-StUck, -Sucht, - Teil, • Verrenkung, - Weh, - W erk,
• Wesen.
rippeln, rappeln = sich bewegen (mit den
Rippen?) (H. Paul 360).
-ri8, -rise, -risig, -rissig, ristig (zu ahd. ritu
■ labl, ruere, fallen (s. Riesel). — alt-TlSe (ahd.
altriso sa lecilsternus, D 553) = der durch das Alter
hinfällige Mensch. — 6tr<-rise, ivff-risig (ahd.
petli riso, bett riso; 8. — 12. Jahrh.; Graft II, 541;
G. D. M. II, UM = lecto deeunibens, paralytictis, ein
durch Versieht, Lahtnuug oder Altersschwache ans
Hott gefesselter, siecher Mensch ; mhd. bette rlsc, bette
rls; 13. Jnhrh. bettcreso = lectlsternus, I>. 533 = bett-
lägerig, Lcxer 21; Schmeller II, 46; 1429 pcttrls -
clinicus, qni de lecto surgere non potest; beul rise,
tiniff III, 50; 1466, altsachs. bcdderlese = clinicus,
I). II, 97; bettriss = paralytictis, D. II, 280; 15. Jahrh.
petrlse, pcttrls = paralytictis, vergichtig , 16. Jahrh.
bcttreisslg, Kuhn, Zeltschr. V, 240; 1556 boettriss,
Schmeller 216; 1602 bettrissig, St. Ben uo-, Mirakel ; 1698
bethrisslg, St. Benno .Mirakel ; 1741 bettrles = clinicus,
Kirsch 2»; Knde des 18. Jahrh kaum mehr gebraucht ;
engl, bcd-rlddcn = bettlägerig, I.ebfeldt 14:1) = bett-
fallig, hinfällig, durch Gicht, l.iilimung oder
Altersschwitche, so dass man zu Bett zu liegen
kommt. — Blut- | ™*ig | (1517 plutristich = per-
cussns, D. 42~>, 1521 bluolriss, bluotris. Krank, Wclt-B.
203) = blutfallend, blutrünstig, einer, bei dem
das Blut herabrinnt. — Aaar-risen (126»j daz haar
rtset üz, Pfeiffer 42) - die Haare lallen aus (s. auch
rachsen) — risende Sucht.
Risamen, pl. Riesemen, pL s. Rosen.
rispeln = räuspern (Dlefcnb. s. ruetuare).
RiSS, m. RisseL D. (germ. writan = In Umrissen,
Linien zeichnen, schreiben oder ritzen; ahd. rU —
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512 Riss.
Riss, gerissener Buchstabe; mbd. rix — Riss, Kluge *,
303; 1518 ry«« = ruptura, bernia, H. v. Gertd. 14;
Hyrtl, K. 190; 1551 rys» an den fassen = Schrunde.
Bock 343; 1688 riss = Gelenkrist [s. d.] zwischen Hals
und Schultern des Pferdes, Widerrist, Gr. W. VIII,
1044; 1764 risse, rtze = rhagades, A. v. H. I, 1176). —
Riss, 1. = das Reinsen (g. d.), der reiBsende
Schmers. — 2. = der Zustand des GeriBaenseins,
das Gerissene: a) Hernia, Ruptura, Bruch;
b) Schrunde, Wuntie od. Risspuren, Schramme,
und zwar stärker, grösser oder gewaltsamer als
die Ritte oder der Ritz (s. d.), gercure; immer
aber bleibt noch ein gewisser Zusammenhang
der Teile übrig. — 3. = s. Rist. — Rissel,
Eisslein, 1. - ein kleiner Rißs 2 b (Gr. W. VIII,
1049). — 2. = Rieseln (s. d.). — Rissung (1518
ryssung — bernia, raptura, Bruch, H. v. Gersd. 14)
= die Handlung oder der Zustand des Reis-
sena = Hernia, Ruptura. — rissig (1592 wann
ein Rost zwischen den Fesseln fratt und nissig oder
strafüsslg wlrdt, Seb. 181) = durch Hautschrunden
offen. — An-, .1 Riss (Ries, -iss) — das, was
einen Riss an der Haut, einen Närbriss, An-
scbuss oder Ansprung, AnBpring oder Aus-
sprung der Haut darstellt = Ekzema, Impetigo,
Crusta Jactea, Dermatitis scrophulosa, Milch-
schorf, Freaem, das Mager (Schindler I, 8«; II,
148). — (1646) Auf-BiBS = Schrunde auf der Haut
(Coler. H. a. 127). — Damm- Riss = ein durch die
modernen Arzte in bessere Kreise gedrungenes
Schulwort für Ruptura perinei, der Einriss an
der hinteren Scheidewand, die den sogen. Damm
(s. d.) bildet (1260 „su melicbin wlp, so sl chindelin
gewlnnent, so zerbrestent si in der wambe" [= vulva]
= Dammriss; „solchen Kranen ist weh gar sehr in
dem Bauche und wenn sie sitzen, so ist ihnen so weh,
als wenn ein spitzer Dorn durch den Rucken ging"
(= coccygodynla], Pfeiffer 26 (veralteter Dammriss];
franz. dechirure du perinee). — Ein-BiBB^ Fissura,
ein nicht vollständig, nur in Teile gebrochener
Knochen, der bloss gespalten ist; ein leichter
Riss in der Oberflache der Schleimhaut, Rha-
gade. — K // Riss, 1.= Hautriss (gegen denselben
sollte das Pellrisskraut, Altbaca vulg., Hleraclum, Herba
den» leonls, Taraxucum offlciualis, Malva alcea, Malva
salraUca (Kr. Kr. H. 22«. 359; A. v. H. I, 48; D. 173;
Jessen 228. 395] helfen). — • 2. = Augenfell? (Gr. W.
VIII, 1499). — hirn - rissig = verwirrt, als ob
der Hirnschädel oder Schadelknochen einen
Riss erhalten hätte, wohl besser tu: rtltzig
(s. d.). — (16*4) Krampf- Risse - krampfhafte
Zuckungen d. tilieder, (Jonvulsiones, Eclampsia
(Birllnger I, 860). — Närb-, Nänc-, A'dr-Riss, n.
und m. (Neris, Neres, Nere, Nervs») (Bayern,
Schwaben und Kranken; Gr. W. II, 1745; 1457 naerw-
riss, I.ammcrt 226 ; 1468 nerwls ■ serpigo, Gr. ff. VII,
610; D. II, 211; 1475 ncryss = eine Art von Klnder-
raude. Gr. W. VII, 610; 1482 nerwls. ncris = esprig =
Ansprung, Schindler I, 1755; 1482 neryss ~ Impetigo,
Zening. Voc. 13, x 4 ; 1533 neris = eine Krankheit,
die die Kinder „ankommt", <ir. W. VII, 610) - der
Einriss der Haut bis zur narbenbildenden Leder-
haut (Corrion), dem sogen. Närb (s. d.) und zwar
durch : a) Schrunden, Rhagaden im Gesichte,
z. B. durch Kälteeinwirkung ; b) durch Flechten-
ausschlage z. B., Ekzema der Gesichtshaut;
Rißt.
c) Impetigo und Serpigo; d) durch die Räude
oder Krätze, welche das Fell oder die Haut
offen u. schrundig macht (Schindler I, 1756; Gr. W.
Iii, 1158 und VII, 810); e) narbenbildende Haut-
ausschlägeauf der tierischen Haut (Fell), welche
vermutlich diesem Krankheitsnamen den Ur-
sprung gaben, da das wertgeschätzte Leder
durch dieselben wesentlich in seiner Feinheit
beeinträchtigt wurde; von den Tieren wird der
Name anf die Menschen Überträgen worden sein ;
namentlich ist es die reizbare kindliche Baut im Ge-
sichte, welche solchen Narb- und Anrissen mehr aus-
gesetzt ist , weshalb dieser Krankheitsname bei den
Alteren Schriftstellern als eine juckende , belsscnde,
schuppende Art einer durch Unreinlichkeit erworbenen
Kinderkrankheit bezeichnet wird (Lammert 138). —
wilder iYärfcriss (wilder Neris), 1. = roter Fleck
mit Borken (Scherzen) und kleinen Einrissen
am Körper des Menschen (Schindler n. 473). —
2. = (1542) wilder Neres = Pferderaude (Gr. W.
VII, 6io); b. Räude. —iVVu Riss (Bayern) Nuiriss
= ein Einriss durch Verneuen (s. neu) = con-
tundere, conterere (Schm. I, 1758; II, 1237; Gr. W.
VII. 610). — (1735) Zun?™ -Risse (Kitzen) = Fis-
surae, Rhagade« linguae = Schleimhauttren-
nungen an der Zunge (Woyt 98). — Bim- Flecken*.
Rist , m., n. (indogerm. wrik ; germ. writh = drehen j
vorahd. wrlst ~ Drehungsstelle; ahd. rist, Kluge *.
303 ; 1332 daz riste, daz an den arm stoezzet, Schmeller
II, 161; mhd. rist, riste. m., f., n., Gr. W. VIII, 1043 ,
resti, n. = der äussere Teil der Iland, Handgelenk.
Kussgelenk , gebogener Kussrücken , Kusswftlbung,
Pferdeschultersteile, II. Z. VI, 326. Lexer 199; 1630
ryss = tarsus pcdls, D. 674 ; 1538 rist, rüst m der er-
habenste Teil des Kussrückens , der dem Kopfe des
Sprungbeins u. des Kahnbeins entspricht, Hyrtl, K. W.
129 ff.; (Vllcommunl] rist = ulna, Schmeller II, 161;
ndd. wrlst, Oldbg. ; Goldschm. 157 - Handgelenk;,
benneb. Riss, Ria = Kussrucken, Fusspaune, Spiess II,
196; engl, wrist, writhe = Handgelenk,*. — Rist, 1
Hand- und Fusswurzelgelenk beim Menschen,
sowohl das Gelenk selbst, als dessen Umgebung
(dorsal, plantar, palmar) als Drehungstelle, ins-
besondere u. zwar: a) Carpus, der Handrücken
ohne Finger, der Vorderarm unmittelbar ober
dem Faust- oder Handgelenke, entsprechend
dem AbBtande zwischen dem Köpfchen der
i Ina u. dem Griffelfortaatzedes Radius, welches
die erhabensten Teile dieses Gelenkes sind,
das „Riste" des Schwabenspiegels (Hyrtl, R. 12« ;
Gr. W. VIII, 1044) = Handrist od. Armrist; ^Tar-
sus, das Fussgelenk ohne Zehen als Drehung-
stelle des Fusses und zwar: a) der sog. Fuss-
reihen (s. Reihen) Connexuui pedis; ß) der
Fussrücken od. der Spann (s. d.), Möns pedis;
Y) der schmälste Teil des Fusses oberhalb der
Knöchel ; 2) (mhd.) die Fusswölbung = Fussrist
(Gr. W.VIII, 1044). —2. = beim Pferde die Beugung-
oder Drehungstelle, das Gelenk zwischen Hals
und Schulter, der erhabenste Teil des Pferde-
rOckens am Ende der Mähne, die 4 — 5 höchsten
Dornfortsätze der Rackenwirbel, als die Stelle,
wo das Tferd vom Rist bis zum Widerrist ge-
messen wird (15. Jahrb. rist = ola, Schuherblatt,
D. II. 270; Gr. W. VIII, 1044; Hyrtl, K. 129; Mayer 35;.
— 3. die Riester = die Beine (Schmeller II. 162). —
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Kister— Kitt.
Kitt.
AI.?
A < -m-Rist = Rist 1 a (Hyrtl, K. \\ . 12»). — Bogen-
Rist (pogriste, Schmeller II, 161) -die einen Bogen
bildende Fusswölbung. — Fusi Rist, l. = imhd.
vnoi riste, m.) = Fusswölbung, Rist 1. bf (Lexer
3«o). — 2. = (1743) Tarsus, Rist 1 b, der Kist auf
dem Fusse (A. v. n. II, 1284; blbl. Med. 333). —
3. = der l'nterrist (s. d.). — HandBAst = Rist 1 a
(Graff U. Ml ; Hyrtl, K w. 128). — Aodtristig = einen
hoben Fussrist habend (Schin. H, 161). — Knie-
Rist (chniorest, Schmeller II, 161) = vermutlich
das Kniegelenk. — Rist (1777 ober rhu =
tarsus pedls, D. 674 ; übcrrüss, th. v. Schal. 436) = der
obere Teil des Fussrurkens. — (1743) Unter-
Rist - Metatarsus, der Fussrucken oder der
Fussrist 3 beim Menschen (blbl. Med. 334). —
I Riss, )
Wider- Rust, l. ■ der Rist 2 beim Pferde, der
iRistJ
als ansteigende Erhabenheit zwischen Hals
und Rdcken des Tieres für das Geschirr des-
selben beim Zuge ein Widerlager bildet (Wider-
horst) (Falke II, 4M). — 2. = diese Stelle zwischen
Schulter und Hals beim Menschen (Akrestis)
(Kraus. E. 14) — Widerrist- Schaden. — Rist-
Bein
Rister, f. k tisch verschlechtert aus) Richte, (.
= Placenta (Birllnger II, 77) (s. Richte). — ristern
(röstern) = reustern, räuspern (ructuare, D ).
Ritt, in., f. Ritte, m. Ritten, m. Rid, m.
Rütten, m. (Rede) (vorgerm. hrlt — wild sich be-
weiten; (renn, britbo; vorahd. hrlthjo — Fieber; angls.
ridlau = febricltare; ahd. rldön = tebrieitare, zittern;
ritto, rito - tremor, das Zittern, das Kleber, febrls,
Kluge * ; II. Z. XV, 57, Graff II. 475. 476; Gr. f>. M. II.
im:. Gr. W. III, 1620; 10. — 11. Jahrb. riten m tremor,
febris, Notker; 12. Jnhrh. rltlo - febris, H. Z. XV, 361;
13. Jahrb. rite jouch fleber. Graff II, 475; 14. Jahrh.
ryden, II. Z. XIII, 216; ritte s febris. Voc. opt. W. 41;
mndd. de rede, Mag. Barth. 89a; mbd. rite, m. ritte, in.
ritt, m. [letzteres gekürzt aus vorigem] — das kalte |
Fieber, der Frörer, Fieber überhaupt, Gr. \V. III, 1620;
riden = zittern; 1420, ndd. die rede vel caelde =
febris. D. 228 ; 1482 rytt = lebris. kalte Sucht. Sucht,
Zening. Voc. aa »; 1483 ritten = «übt, febris, C. v
Megbg. , 1495 ryderu labare, zittern, I). 313; 1520
ritten = kaltes Weh. Gr. W. VIII, 1052; altsäch. redde,
redte, ridde. ritte, ridtse. rijde. rijderen, Kuhn, Zeltschr.
X, 69; 1535, 1546 ritten, (ir. W. III. 1620; V. 1963;
Fromm. VI, 2; 1561 ritten = Kaltweh, Gr. W. VIII.
1061; 1575 ritten - Fiel»er, Gr. W. VIII, 1052; 1583
ritten = kaltes Weh, Gr. W. VIII, 1052; 1590 die rith
= febris. Gr. W. VIII. 1051; 1618 der rid - Fieber, I
Schmeller II, 68; (Schweiz] rije = ritte. Fieber, C. v.
Scbm. 432; [Bayern] der rid, Schw. 1098; Schmeller II,
58; [Schwaben] rit, rüt - Fieberanfall, f. v. Schm. 432;
[Elsass] ridere. Fromm. VI, 1.; rilschlt [s. schult]; den
rieden, 1. eod. VI, 12 = das Zittern. Beben, Rütteln
und Schütteln beim Kieberlrost. der ob seiner Regel-
mäßigkeit des Kommens und Gehens eine der auf-
fälligsten Erscheinungen war, und deshalb ganz den
Eindruck eines erscheinenden und schwindenden
Da mouen wesens machte, wurde namengebend für das
Fieber schon in urgermaniseben Zeiten und blieb es
lange Zelt, trotzdem das* der Verkehr der Germanen
mit den Römern schon in voralthocudeuUchcr Zeit
das lat. febris, feber, fleber als Begriffswort gebracht
hatte, welches einen allmählichen und so vollständigen
Ersatz des einheimischen Ritten herbeiführte, dass
letzteres Im Volksmunde ganz verschwand, nachdem
es in Verwünschungsformeln des 15 und 16. Jahr-
hunderts als Krankheitsname eine üble Nebenbe-
deutung erlangt hatte; „habe den riden und die suht
urab dinen hals", Ritten also = eine an den Hals sich
hangende, angewnnschene Seuche, Gr. D. M. II, 1107;
sie sollte den Menschen überfallen und scbütteln
|s. schütten], Coler, H. A. 183; (ieiler v. Kaisersberg
s Fromm. VI, 1; ,,ins ritu nsmen'" flucht auch Hans
Sachs, überhaupt rouss sich das Volk die Ursache des
Ritten als einen Unglück und Verderben bringenden
Alpgeist [l.aistner II, 338] oder dämonisches Ratzel
[s. d.] vorgestellt haben, der auch, wie öfters, von
Satanas [Gr. D. M. 1, 433], der den Menschen „ritert"
abgelört wurde; Simrock (H. I). M. 398] vermutet auch
hinter der Rlttona eine Personifikation des Rittens ;
ebenso sind die 40 ,, Ritter" als Wetterherren des Bauern-
kalenders [10. März] wohl abgelöste Gestalten des
Heidentums; das hohe Alter des Namens Ritten ergibt
sich auch durch die vielfachen Besprechungsformeln,
in denen derselbe auftritt u. seine Verbannung in den
Wald od [1309] Rittenboum, Buck, Flurn. 219; Hoffm.,
Monat&chr. f. Scblcs. 1829, II, 763; Schwanz 384). —
Ritt, Ritte, Ritten ist demnach : 1. = das durch
einen rüttelnden und schüttelnden ethischen
Dämon nach dem früheren Volksglauben er-
zeugte Fieber (Frostechauer) im allgemeinen. —
2. = namentlich das schüttelnde Froststadium
desselben, der Frierer, das kalte Weh, das kalte
Fieber etc. — 3. = die Personifikation dieses
Fieberdämons. — 4. = Ritt = Kipp und Rippe
(Riet!) (Gr. W. VIII, 1035). — 5. Ritt (1618 equttatus;
1680 coltus. Gr. W. Vlli. 1051); dies zu „reiten"
(s. d.). - ri^Cht| <an*ls- riderobt = febris, Kuhn.
Zeltschr. VI. 69; 1477 rittig as Hebernd, Ortolf; 1498
rittig — febricitaus, Brau 11 ich w. Chirurgie; 1518 rittig
bs febricltans, H. v. Gersd. 24 ; [Schwaben] rüttig, C. v.
Schm. 432), 1. - mit dem Fieber oder Killen be-
haltet. — 2. = rittig, zu Ritten 5 (von Tieren)
(Gr. W. VIII. 1078; Schmeller II, 1083) = läufig, auch
mit der Wut behaftet. — Rittung, f. (ostpr )
— das (iliederreissen. — dreitägiger Ritten
(14. Jahrh. dreytägich ritt. D. 680) = Febris tertiana
(s. Fieber). — einfältiger Ritten (bei Thomas
Murner: „das dich der einfaltig ritten schlt, Als
kündstu nit ganz drü erzelen". Fromm. VI. 2) = (im
liegensalz zum dreitägigen K.) das eintägige
Fieber — (15. Jahrh.) Kintags-BAtte(.n) (= epbe-
mera, D. II. 153). — cr-rittern (erridern, Schmeller
II, 68) = vor Fieberfrost erzittern. — gacher-,
(16. Jahrh.) #äA-,;'acA«--,(l6l2)jaÄr-Ritten = schnell,
jäh überfallendes, buchst akutes Pestilenz-
fieber, der sogen, „gache Tod", vor dem der
Pestpatron St. Chi istoph schützen sollte (gäritten,
jhachritten, Jahritten. Fromm. VI, 1. 2; Gr D. ftf. II.
1107; Gr. W. VII. 1574; Schmeller I, 1205; II. 183)
(h. Jahr-Kilt). — (168s) heissvr Ritten - das nach
dem Rittenfrost oder Kaltesladium des Fiebers
folgende Hitzestadium, der Paroxysmus der
Fieberhitze als sogen. Rittenhitze (Tabernaem ).
— flerr-Ritten '14 Jahrh. herzrit syncope, Voc.
33
514 Ritt— Rittein.
Rittona— St. Rochus.
opt. W. U; 1449 hcrzrltl - enrdia [cardialgla], Heina.
I, CIO nib Unken; II. 183; 1482 hertzryt — cardiaca
|*cil. tebtto], Zcning. Voc. o 3; MSI hcrtzcrite — Herz-
fleber, C. v. Megbg. ; Lcxer »9; 1680 herzritte = He«
fleber, Gr. W. IV, 2. 1259; hertzerytiger - cardiacns,
Schindler II, 1S3). 1. = der beim heftigen Fieber
subjckti v als Präkordialangst empfundene Herz-
druck. — 2. = Herzdruck, Herzbeschwerde,
Cardialgia überliaupt, auch ohne Fieber. —
8. = der sogen. Fieberkollaps, Ohnmacht mit
DruekgefUhl auf dem Herzen; (vergl. Herz-
rfttz). — herz-ewiger Ritten (UM der hertzewige
ritt tranu«' sie an, Fromm VI, 2) = im (iegensatz
zum Herz-Jahr-Ritten (s. d.) gebildet, um das
Chronische des Fiebers (das Kwige) anzudeuten.
— Herz- Ja/» - Ritt (bei Tli. Mnnicr: «las in der
hertz inr riten sehlt ' da* dich der hertz jar ritten sebit ')
— ein jäher, plötzlicher Herz-Ritten (s. o.)
f. .Jahr" Ist au« jacher entstellt nnd als annu» tntss-
verstanden) — Jf/Är-Ritt (ahd. iarritt, Gr. D. IL II,
1107; 1590 das sie der Jarritt schult, fromm. VI, 2;
II. — IC. Jahrh. jaritt, jaritten. jhachritten, jachrilten.
Fromm. VI, 1; 1*12 iarrid, H. Sai hsj = der gache
Kitten (s. d.) (nicht, wie Grimm [I. c ] meint, das ein
Jahr lanir daaemde Fieber, ..Febris qnac anmim
durat". Fromm. VI. 1; Gr. W. IV, 2. 2247; Schmeller
II, 188). — kleiner Ritten - Febris ephemer«,
kurz dauerndes Fieber (tir. w. VIII, 10-*i9; 16. Jahrh.
ein klalner ritten, ein klein fleber. Fromm. VI, 2). —
A'nofcn-Ritt (..daz dich der ritt Inn knoden schütt'"
1575; Gr. W. V, SM; (ir. D. M. II, 1107), eine in Ver-
wünschungen auftretende Bezeichnung für das Reis-
Ben der Gicht in den Gliedern oder Finiter-
knoten (s. Knöchelkoortsen). — leidiger Ritten
(der leide ride, Gr. T>. M. II, 1107) = ein wider-
wärtiges, beschwerliches Fieber. — närrischer
Ritten — das akute Delirium mit sonderbaren
Gehirnerscheinungen, das sogen. Xarrenfieber
(s. d.) (Gr. W. VIII. 1052). — 72 bezw. 77 Ritten
(14. Jahrh. 7ü ritten, riten, Hoff mann I, S44; Z f. d.
Philol. XXVIII, 39). In den Rittensagen willst Johann
in den Wald Rehen, um dort Weiden zu hauen, an
denen er dio 72 Kitten anbinden, d. h. In den Wald
verbannen will, worauf sie von den Kranken ablassen
sollen. Ule 77 Ritten entsprechen den 77 Fieber oder
70 Fieberinnen (s. d. n. 7) und bedeuten die oft und
unablässig wiederkehrenden Fieberanfälle. —
täglicher, dreitäglicher, viertägiger Ritten 114. Jahr-
hundert; Voc. opt. = febris tertiana; 1483 der vierlage
rite, vierte*!«- ritte, <\ v. Xtgbg. ; toglioher ritte, D. II,
11«; 1507 das tegliebe ritten = febril quotidiann, I). 154.
»41; Gr. W. VIII, 1052; Gr. I). M. II. 1107; I.oulcenis;
C. v. Schm 432; Hoffuiaun I, 200) = das alle Tage,
alle drei oder vier Tage erscheinende Wechsel-
lieber (s. d.), Intermittens juotidiana, tertiana
und quartana, da* nach altüblicher. dämonisthwher
(«. Wechselfieber) Ätiologie durch Rannworte u. Ritten-
segen besprochen wurde. — (14. Jahrh.) zwirfalt
dreitägige Ritten, 1 = Fehiis hemitritea, ein
Wechseltieber, welches im Rythmus duplicatus
jeden dritten Tag zweimal auftrit (Voc. opt. w. 41 ,
1468 zwiualUg ritt; zwlfaltlger ritte = emetrite.i. I>. II,
148). — 2. = s. halbes Tertianlieber. — ritt-,
Rltt(en)-, rittige Ding -Frost, -Hitze, -Kuchen,
•Pein, -Rose, -Schutt, '-»tätig, - Weh, - Weiblein
Rittein s. Rotein.
Rittona s. Ritten
Ritze, f. RitZ, m. (ahd rizzati, rizzön = reisseti;
mhd. ri«, m. ~ Ritze, Wunde; diu. ridse; rizen =
ritzen, verwunden. Kluge*, 303), 1. — ein leichter
Riss, eine fehlerhafte, in die Länge sich er-
streckende Trennung, Wunde, Schrunde (Scis-
sura, Lacsio, Rhagade») in Körperteilen. Der
Rias (s. d.) ist stärker, gewaltsamer, weniger
regelmässig in seinen Erscheinungen als die
glattere, gleich massigere Ritze. — 2. = die na-
türliche Vertiefung (Rima, Cunnns) an und im
Körper, auch ohne eigentliche Gewebstrennung,
bezw. Läsion, t. B. Luftröhrenspalte (1783; Ewich
139). — 3. = jede andere lückenhafte Verletzung
am Körper, z. B. ein Quetschungsriss. — 4. Ritz,
ritzig = Rotz, rOtzig oder Rotz (s. d.) (Gr. W. II,
408; VIII, 1280, A. v. II. I, 11761. — 5. ss S. auch
Rist. — ritzen, 1. = in Form eines Ritzes ver-
wunden. — 2. = nach dem Tone des Ritzens
mit den Zähnen knirschen. — 3. = an der
Ritze 2 (Cunnus, Rima genitalis) brünstig,
geil sein (Schmeller II. 195; Gr. W. VIII. 10SS.
low). — ritzig - s. rotzig. — Ritzigkeit -
s. ROtzigkeit (F-alko II, 242). — Atem -Ritze -
Kehlritze als ganzer Teil, der zur Atemzufuhr
dient, im Gegensatze zur Stimmritze. — d"6U
I Gurgel-Hitze = Rimula laryngis, Kehlritze
I (L. chlr. 74). — Horn-Ritze = eine auf die äus-
] serste Hornwandschichte des Hufes sich be-
schränkende Spaltbildung (Falke I, 411). — Kehl-
Ritze, f. -RitZ, m. (1753; Löveling 165) = Atem-
oder Stimmritze im Kehlkopfe (Gurgel). — (1793)
SrÄam-Ritze = Rima vulvae, Cunnus (Gr. w.
VIII. 2122; Kraus. E. 904). — Stinim-Ritze (dan.
■terameridse) = Glottis vera s. vocalis, eigentlich
nur der vorderste Teil der Kehlritze, als natür-
liche Trennung oder Öffnung zwischen den
Stimmbändern des Kehlkopfes. — (1748) Zäpf-
/ci««-Ritz = Rimula laryngis, die Keblritze oder
Gurgelritze unterm Kehldeckel (= ZüpfleiiO
(K. a. C7). — Zungen-Ritzen s. Risse.
RizeL, pl. s. Rieseln.
Robe, f. 8. Rufe.
Röbbel, f. (Schwaben. KUaas, i . v. Sclim. 4;:5;
Schmeller II, lsu) = Nymphomanica.
roch ». roh d, rauh. — Roch-O//.
rochlen s. röcheln. — Rochel- More*.
St. Rochus (RochiUS). Der Pilger 8t. Rcx-hu«
mit der krauken Ferse, der aus der ersten mlttelalter
liehen Medtzinschule am Möns pesuianus (Mont r*lller
kam, wo schon seit uralten Zelten heilkräftige Pesl-
krautcr gepfluckt wurden, ist Patron gegen Seuchen
(Feil). 1507 „der Marschalk der Pestilenz" und gegen
Hautkrankheiten (s. Kultkalend. in Z. d. D. 0. A.-V
1893, S. 203). Nach der üblichen Volksetymologie sollte
er (1516) Gottes-, .Räch" (s. Rache) abwenden (Luther,
Zehngebotepredigt). — H'cnWa(f)-RochUB(c«), L ■
ein wehleidiger Mensch, dem es überall fehlt.
2. - ein Mensch voller Hautwunden oder Ab-
schürfungen, dem hl. Rochus mit dem kleinen
Weh (= Waihle) oder mit dem Ochele (s. d.) an
der Ferse an die Seite gestellt (Blriinger I, 55;
IT. 72; Ruck 1H 25) — St. RochnS-PfcW
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rochzen— Röhre.
rölen— Rogen.
rochzen s. rttehsen (rnctuare. l>. 602; ahd. roho-
zeda = rietus [nictus], oris apertUo, I). 198) — öfters
den Hachen entleeren.
Rock, in. (lndogerm. ruk — spinnen; gorm rokka;
ahd. roc = Kleid; mhd. roc = Kleid, Überzug, lunica.
Kluge , 304); damit verglichen und aus lat. tunica
=s die die Organe, z. B. Auge, Ader,
einhüllenden Gewebshäute (s. Balg). —
(1483) Ader-Röcke. Nach C. v. Megenberg hatten
die Venen nur einen Rock (tunica), die Arterien
dagegen zwei Rocke, bezw. Membranen (Scbm.
II, 46; Gr. W. VIII, 1098). — . I ugt ■:>! Röcke (1483
Röek des Auges, C. v. Megbg. ; 1651 augenröcke. Hyrtl,
K. w. 130) = die da« Augen-Innere umhüllenden
Ilaute oder Membranen, von welchen C. v. Meg-
berg 7 aufführt. — (1483) Harnblasen-Röcke =
die die Urinblase bildenden Haute, Tunicae
vesicae urinariae (<". v. Megbg.; Hyrtl, K. \v. 130;
Schmeller II, 118). — Rock-^lrfer.
Rodel «. Rotel.
rodeln, Rodler. Der rollende, röchelnde
Naturlaut de» nchnurrend und keuchend At-
menden (Schmeller II, 62; Gr. W. V, 439). — Rodler
-= der rollende, löchelnde Rasselton auf der
Brust (Schmeller II, 62). — rWrodel, »• 1. = der
rollende Ton in den krankhalt aufgeblähten
Gedärmen. — 2. m der dabei subjektiv empfun-
dene, grimmende Leibschmerz, das Bauch-
grimmen (C. v. Scbm. 214).
Robbe, f. s. Rippe.
Röche, f. s. roh.
röcheln, rögeln, rogel (oberd ), rogein (indo-
germ. rog (rugire]; germ. ruh, nihh; ahd. rohön; mbd.
röhen, ruecbeln, Kluge*, 304; Graft II, 431; Gr. W.
VIII, 1091 j letiterer hall es, vielleicht mit Recht, für
ein lautmalendes Wort, das entsprechend den ver-
schiedenen Schattierungen der Rasseltune auch In
mehreren Ncbenlormen [rücheln , richeln, röcheln,
rogein] vorhanden ist) = aegre respiraie, asthmate
allici, das raBselnde, in kleinen Hohlräumen
durch das Hin- und Herbewegen von &ehau-
migen Schleimblasen in den Luftröhren erzeugte
Tongeräusch (Stertor, roumeau), welches na-
mentlich beim Lungenödem .Schwerkranker od.
Sterbender auf der Lunge zu hören ist. — rogel
= locker, beweglich, vom Schleim der Luftwege,
(übertragen auch auf) Zahne (Schmeller II, 7.'.). —
rogein, rögeln, röglen = mit lockerem, rollen-
dem Schleime auf der Brust keuchend, röchelnd,
schwer atmen. — großein — einen (tero^leten,
rollenden Ton in den Gedärmen erzeugen (Scbm.
I, 992). — v-rogelt («erOglet, gerüglet) = mit
lockerem, rollendem Schleime in der Kehle,
z. B. bei Kehlkopfkatarrh, Satthals behaftet,
heiser (Schmeller I, 992). — örögler (Grflgler), ni.
= einer, der öfters rodelt, oder das, was rogelt,
rögelt, Heiserkeit mit locker rollendem Schleime.
— Todes- Röcheln (s. o.).
Röfle s. Rufe.
röfezen = röpsen, rüpsen.
Rogner, m. 1. = s. regen. — 2. = 8. Rogen.
Röhe s. Rähe.
Röhre, röhren. 1.—». Rohr. —2.-8. rühren.
rölen. — mich rölt (Z. f d. PUL m, sss) =
mich rotelt, schaudert es (Frost).
rölpsen (rölzen, grölpsen, gröltzen) (-eine
Nebenform zu) rülpsen (s.d.), aufstossen, ruetuaro
((ir. W. VIII, 1152. 1179; D. :>02). — RölpS, tü. =
das einmalige Rülpsen (Urquell IV, 203).
röpsen, Röps, Röpser, rörpsen (uhd. röfazjan.
rofazön , Gr. W. VIII , 1479 ; 13. Jahrh. ropbunge b
emetatio, D. 401; mhd. rophez, m. = der Rülps, Rülps,
RAps ; ropsen = rüpsen. rülpsen, anfstoiwcn, lS78rörpseu
= rülpsen , Gr. W. VIII , 1161 ; l->88 röpsen - auf-
; stossen, Tabern.) = den rülpsenden Ton von sich
geben, durch Aufstossen aus dem Magen. —
(1788) Röpser = Singultus, ein Vorbote der Ge-
burtswehen (Stein 164). — (1688) auf rüpsen ■
ruetuarc aus dem Magen rülpsend aufstossen
(Thes. «an. Br. 907 ; Tabernaem ). — bitteres Röpsen
(13. Jahrh. bitter rophunge — oxyrheuma, eruetatio
acetosa, I). 404) = galten bitteres saures Aufstossen.
— Geröpser (Gröbsor) = der öfters wiederholte
Rülps-Ton, Rülpser, Ructus. — Magt ».-Röpsen
(1592 magon röpfl. Beb. 99) = das laute Aufstossen,
Reupsen, Koppen.
rÖSCh (resch) (ahd. rosci; mhd. roscb , rösche,
Kluge*. W. = rasch, rasch [s. d ], rass. rass, hBrrscb,
hart, frisch [von Pferden], spröde, rauh, Scb. 198),
vergleichsweise gebraucht von der pelzig, rauh,
spröde, heiser klingenden menschlichen Stimme
(Gr. w. VIII, 1162). — 6rm-rÖsch = knochenhart
(Schi. 81).
Röschen, n. s. Röslein u. Rose.
Rösel, n. Röslein, n Rössel (mhd. rSatttn,
roseliu, rösel - rosula, Gr. W. VIII, 1234; 1394 rescl =
kleine Blattern, Rlsamen, Engerling im Antlitz, 1>. 289;
l.'iWj röslein, rüssel = apoplexia, paralysls, Tabern. ;
Gr. w. VIII. 1269), 1. -Röächen (s. Rose). — 2. -
Stelle im Gesichte, wo die roten Wangen (Rös-
lein) sind, Mentutn, Mandibula (Karnthen ; Gr. \V.
VIII. 1181. 12:>8), selbst Kinnbacken. — 3. = blut-
rote Haut- Flecken, Kcchytnosen (= apoplexia,
pamlysis), die man als Zeichen des Habitus apo-
plecticus ansah. — 4 =s. Rieseln. — roselecht
(röslet) (mhd. röseloht; 1580 roslat, Schm. II. 16t] =
in der Gesichtsfai be rosig. — /,Veif7uj/-Röslein
(Höschen) = Kirchhof- Äuglein*, Kirchhof-
Blümlein, fleckige rote Wangen als Zeichen der
hektisch Lungenkranken (Gr. w. VIII , litt}. —
(1C99) GV.-u'cÄ/8-Röslein = Gutta rosaeea, sogen.
Blüthen, Blumen, die kupfer- mler rosenroten
Hautpusteln im Gesichte (v. M. n, US).
Röteln s. rot.
rötzeln, Rötzier, rotzig s. Rotz.
Rofang s. Rufe u. ropsen.
rogel s. röcheln.
Rogen, tu. (vorahd. hrognn; ahd., mhd. rogen —
Gesamtheit der rohen Fischeier; Ii«. Jahrh. rogner,
Lonic. :;.'>3; Kr. Kr. B. 695; Kluge*, 304); damit ver-
glichen), 1. = Magensaft, Labe, Renne, Lttpp,
der das Rohe kocht, verdauen macht (1731; Gr. w.
VIII, 1 1 10). — 2. = (übertragen) menschlicher Samen
(GenilDea) (Schindler II, 7C). — .Fr08<7i-G<TÖg =
Sperma ranarum, Froschlaich (Lonic. 330),
33*
uigmzeo
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Konten— Rohr.
Rohr
Roggen, m Roggen -Muhme, -Mutter,
-Wolf.
roh (roch), Rohe,/ Roche, f. (vorgerm. krü
[cruor, crudus]; germ. hm; vorahd. braun; ahd., tnhd.
r<". [rou); Mgl. raw. Kluge* 304; Gr. W. VIII, 1115) =
ungekocht, frisch, unreif, fleischlos, wund, rauh,
noch blutig, nicht recht entwickelt (hager),
nicht im Körper durchgekocht, noch im J. Sta-
dium der Krankheit (nach Hlppokratlscher Kehre)
befindlich. Nach dieser Lehre veranlagte eine noch
ungekochte Materie die Verschiedenheit der Krank
hcitxsyinptome je nach dem Übergewichte de» einen
oder anderen Klementes oder ürnndfeucht« (Humor),
auf deren harmonischen Mischung (». Temperament)
die Gesundheit oder Norm beruhen sollte; ein solcher
im übergewichte befindlicher Grundstoff sei noch un-
gekocht und werde erst nach der Kochung (s. d. und
Krisls) im sogen, kritischen Stadium ausgeschieden
(Baas i>9). — Roh, n. - la crudit^, das rote Kücken-
blut (b. d.)j das beim Milzbrand (Anthrax) sich
in den Mastdarm ergiesst und sichtbar unver-
daut, roh aus dem Gedärme des kranken Rind-
viehs entleert wird (Hessen; Gr. \V. VIII, 1119). —
(1699) Rochigkeit Röhe, f. L = der rohe, rauhe
Zustand, z. R. im Halse (US! die rohe, röche. Kraut« .
XIX. XXXIV; Coler. H. A. IM, v. M. I, 8c). — 2.=
s. räch (Rahe). — rohe <\ >. Bauchflugs, Feuchte,
Fleisch, Geblüt, Hals, Materie, VVesen, Zapfen.
Rohm, m. s. Raum.
Rohr, n Röhre, f röhren (Kern. rau«a — ; vor-
ahd. raiua, roro» = Hohlstengel. Kohre. Kluge*, .KM.
305; ahd. röra, rör; nihd rör, rörc, rore, roren, Lcxer
201 - Harnrohre [penis], Luftröhre, Hr. W. VIII, 1127;
1603 röhre = l'ferderöhrenkuochen, Gr. \V III, 1556;
1618 rohr = urethrn. l'aracels. ; Pr. II, 82; engl, roar —
röhren, brüllen, Kaltschm. ; lf»99 raren a brüllen, Schell
US). — Röhre, f.^das Rohrförmige (Kluge», 30.»).
— Röhrlein, Röhrl, n. l. = (tnh<l. rörlin) kleine
hohle (Blut)-Gefasse (V. v. Megbg.; Gr. W. VIII,
1132). — 2. = Penis als Harnröhre (Huck 16; Hyrtl,
K. w, 211). — röhren, röhren (-rehron, reren),
1. = durch die Luftröhre ein Geräusch, einen
Ton erschallen lassen beim Hirschgeschrei od.
Pfeiferdampf d. Pferde, schreien, laut sprechen,
weinen (bei Kindern) (Tirol. Bayern; Z. d. V, f.
V.-K. 18%. 312; 8chm. II, 133; Ztpp. 109; Kalke II, 194).
— '2. ss durch eine Rolire etwas rinnen od. fallen
lassen, z. B. Eiter, Samen aus der Harnröhre
(Gonorrhoea). — Rohr, n. Röhre, f. = natür-
liche, rohrförmige Gebilde am menschlichen od.
tierischen Körper und zwar: 1. = Blutgefäss,
Ader als Blutrohr oder Hohrlein 1. — 2. — die
Luftröhre, Arteria aspeia, Trachea als Biust-
rohr, Kehlröhre, Lungenrohr, Gurgelrohi (i.cve-
ling 15; Gr. W. VIII. 1127). — 3. = das Spciserohr
(Oesophagus) als Schlundrohr, Halsrohr, Pio-
viantröhre. — 4. = die Harnröhre, Urethra penis
(mhd.. I.excr 201; 1532, Fries 121; 1599 rohr = Pferde-
Kute, penls vlrl et eoui. Gr. W. VIII. 1124 1125; dazu
die verschiedenen IMhrleiukiauter die meist LMuretlca
sind, Lcontodou taraxaeum, Jessen y96. 897) als Ruten-
röhrlein, Samenröhie, Wasserrohre, Hohrlein2.
— 5. — die hohlen Höhren der langen F.xtreini-
titlen-Knochen bei Mensch und Tier, besonder»
a) das Schienbein, Tibla (= Pfeife), die Arnndo,
Can na (- Schilfrohr) der Arubisteu; b) die
Fibula; e) der Radius (Gr \v. vm, 1125. 1127,
Freiing:«. 48; Hyrtl. K. W. 131; Mayer 37; Z. f. ö.
V.-K. 1897. 276) j d) die Armröhren etc. — Arm-
Röhre (1M8 armror, II. v. Gersd. ; 1541 armrobr =
os brachli, Hyrtl, K. W. 181) — die rohrförmigen,
langen, hohlen Knochen am Arme, und zwar
1. = die grosse Armröhre = Ulna. — 2. = die
kleine Armröhre = Radius (Hyrtl. K. w. 131). —
3. - der Oherarmknochen, Humerus. — AUm-
Röhre (1421 ein odem roer = vocalis, D, II, 885) =
Rohre 2). — (1595) iVi/i - Rohre = Röhre &,
Knochenröhre (Gr. W. I. 1387). — Blut Rohr,
1. = das grosse, hohle Gefässrohr für das der
Leber zuüiessende Venenblut, Vena cava,
sog. Ilohlader (Hyrtl, K. W. 211). — 2. = (1483) die
kleineren Blutgefässe als Röhrlein 1 (C- v. Megbg.)
— (1593) Brust Rohre = die hohle, dem Brust-
organe, der Lunge Luft zuführende Röhre,
Trachea (Gr.w. VII, 2312). — (1783) I'atnpf Rohren
— Schweisslöcher, Dunstlöcher der Haut, mit
denen die Auaführungsgänge der 8chweiss-
drüsen sich öffnen (Essich 204). — Ellenbogen-
Rühre = die den Ellenbogen bildende grosse
Armröhre 1 (Hyrtl, K. W. 131). — (1742) Gallen-
Röhre,-Röhrleln = die dieGalle aus der Gallen-
blase ableitende hohle Gallenrinne, Poms bili-
aris, Ductus choledochus (Zw. 58 ; Gr. W. IV, L 1191).
— (1560) Gemächt - Röhrlein - Penis, Urethra
(Pr. Ii, 232). — grosse Röhre = die langen hohlen
Extremitätenknochen an Oberarm und Ober-
schenkel, Humertis, Femur. — (1632) Gurgel-
Rohr = die in der Gurgel (jugulum) beginnende
und im Brustraume endende Luftröhre (Hyrtl.
K. W. 134). — (1712) //•.•(.■»•-Rohren = die haar-
feinen Capillar-Blutgefslsse (F. Hormann VII. 18)
(Ilaarge fasse). — (1616) Hals -Kohl - die den
Hals durchziehende Schlund- oder Speiseröhre
(l'aracelsus). — J/«rti-Röhre = o'jfTjT-fjp des Hippo-
krates, Urethra penis, «las Röhrl oder Röhre 5
für den Leibeshrunnen. — Harnröhren Warze.
— heischcres Rohr = eine Röhie 2 (Kehlrohr),
die einen heiseren Ton erzeugt (Z. f. d. Phllol.
XXVI, 218). — //crz-Röhre, linke = Aorta (1741.
Kirsch 86) = die auf der linken Brustseite ver-
! laufende, vom Herzen entspringende grosso
«Schlagader. — (1680) K ehl- Rohre froren In der
kehle — canallculae, s. flstulae gntturis, Gr. W. VIII,
1127) = die Luftröhre als Fortsetzung des Larynx
= Kehlkopfes. — kleine Röhre = die kleineren
röhrenförmigen Exlremilätenknochen am Vor-
derarm u. Unterschenkel (Radius, Ulna, Tibia,
[ Fibula) gegenüber den grossen Röhren (Hyrtl,
K. W. 131). — (1G77) /.« •»'(■Rohre = die die Luft
aus »lern Schlundkopfe in das Ohr-Innere lei-
tende Ohrtrompete, Tuba Eustachii s. Fallopiac
(Rohr |
(nyrtl. K. W. 104). — Ltl/MRöbze } (1412 lnftror
iRöhrleinl
— trachea, D. 11,369; dttn. luftror; schwed. luftrör). 1. n
Trachea, Vena organalis, Arteria aspera, Bron-
chus, Bronchiolus, die Fortsetzung des Luft
(Wind) zuführenden u. ableitenden, ausstossen-
den Kehlkopfes, des Luftröhrenhauptes. — 2. =
die Hautporen, welche die Luft (Gase) ent-
I weichen laSRen (1699, V. M. II, 130; 1666, Gr. w. VI,
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Rohr.
Rolle— Ropf.
517
1260). — (1699) rauhe Luftröhre = die durch
Katarrh erkrankte, rauh empfundene Luft-
röhre 1 (v. M. I, 145). — zwiespältiges Luftrohr ^
die gegabelte u. verästelte Luftröhre Bronchus)
(Uyni, k. w. 107). — Lv/Yröhren - Ast , Haupt,
-Knopf. — Lun^m-Röhre, -Röhrlein (uea lungen-
ror-trachea, D. II, 369; 15. Jahrh. lungror - trachea,
Gr. W. VI. 1305; U89 die roren der lungen, Fries 92,
1551 lungenrörlin = bronchloll, Bock 81 ; 1603 lungen
rur = trachea, Gr. \V. VI, 1306; 1016 lungror,
1. c. ; 1677 lungenröhr, Beyn. 218 ■ Oberaetzung der
canna pulmonum der Arabisten) = die den Lungen-
bläschen Luft zuführende Luftröhre mit ihren
kleineren Verästelungen, Trachea (canne dn pou-
mon, Bris«. 63; Hyrtl, K. W. 108). — Affl^fn-Rohr
(D. 310) — die zum Magen führende Speise- oder
Schlundröhre, Oesophagus. — (17. Jahrh.) Manns-
Röhre = Urethra (F. Kr. B. 747). — (1790) Mark-
Röhren = die markhaltigen langen hohleu
Knochenrfiume (Richter 1. 549). — (1712) Nieren-
Röhren — Harnleiter (F. Hoffmaun VII, 198). —
X< > r > n-Rohren = die hold gedachten Nerven-
fasern, die den Nervensaft (s. d.) oder Lebens-
geist wie ein Gefftsa («. Geistader) umhüllen u.
fortleiten sollten (nach Leeuwenhock [1632— 1728],
nachdem die tt ,• • I >ü den Spiritus viue aus den
Blutadern vertrtelien batt«, Baas 292. 300). — (1581)
Prortanf-Röhre = Speiserohre (Hyrtl, K. W. 126).
— (1676) fiä<A7rtn-Röhre = Ductus pancreaticus
s. Wirsungianus , der hohle Ausführungsgang
der Bauchspeicheldrüse (siehe Magenrüeklein)
(Hyrtl, K. W. 110). — (1518) Ruten Rührlein - die
in der männlichen Rute (Penis, Virga) ver-
laufende Harnröhre und der Penis selbst (H. v.
Gersd. 14). — 6'a mm Röhre - Penis (s. nachfolg.).
— (1483) «amm-röhren ><•*■>■ «amen rören, C. v.
Megbg.j = den Samen aus der Harnröhre (Samen-
röhre , Urethra) rinnend fallen lassen (s. Ver-
rohrung) (Gr. W. VIII. 1734). — (1609) Schienbein-
Röhren, 1. = die grosse Schienhein-Röhre m
Tibia (dies auch — Blasrohr, Schaltney). — 2. m die
kleine = Fibula; dieletztere als besonders dünner
langer, hohler Knochen ist typisch als Bein-
Röhre 5 (1743 das Rohr am Schien Bein = tlbla, forlle
[Feuerblasrobr] majus, Kirsch 510. 119«; Hyrtl, K. W.
131; tibi. Med. 330). — '. Röhre (mhd. Munt
ri>re, Lexer 234; 1468 schlunt ror; 1483 slunt röre = yso-
phagus, D. II, 222; 1495 schlundt ror = Oesophagus,
I). 310; 1532 schlundröre = merl [ng = Kanal]. Frlc» 97 ;
Schmeller I, 1641; [s. Merlng], „sie Ist eine portnerln
des magena u. bohl als ein Kanal", 1. c.) — die Fort-
setzung des Schlundkopfes als Speise und Ge-
tränke zuführender Kanal in den Magen. —
(1783) Schmtt Röhren = Dampf- Rohren (Essich
175). — (1699) Spci-Röhrlein = die das Sekret der
Talgdrüsen ausscheidenden Ausfübrungsgänge
in der Haut (v. M. II, 122. 123). — <i56i) Speise-
Röhre (,,die ror dadurch die s peius In magen kumpt",
Gr. W. VIII, 1127), 1. = Schlundiöhre, die die
Speise in den Magen leitet. — 2. = (1699) die die
Lymph- n. Blutdrflsen etc. ernährenden, spei-
senden, Blut- und Lymphe zuführenden Ge-
fässe (t. M. II, 125). — Toten-Röhrer, m. = einer,
der durch sein lautes Weinen (röhren 1) den
Tod voraus anzeigt, wie eine Klagefran den-
selben nach dem Tode verkündet (\ipb8. 312:. -
i< ''■/'. röhrt — ohne zu weinen (v. Ilnrmnnn 105).
— (15. Jahrb.) Fcr-rÖhrung (verreruug, Sehmelier
I. 1709) (seil, der Natur) = die vollständige oder
überflüssige Entleerung des Samens durch die
Samenröhre. — Wasser-Röhren, L - (1687) die
Harnröhre, Urethra penis als Ableitung des
I,eibesbrunn wassere. — 2. -(1742) die sog. grosse
Wasserröhre, welche als Ductus thoracicus
(Brustgang) das sogen. Fliesswasser (s. d.) oder
die Lymphe zum Blute zuführt (Zw. 426). — (1699)
Wind-Rohr = Luftröhre (v. Bf. 1, 35). — Rohr-,
Röhr - Bein, -Gcsthuxir, Geschwür, -Kasten,
-Knochen, -Loch, -Spalt, - Verstopfung.
Rolle, f. rollen (Rotöl, Rodel) (nach müat. ro-
tului ; aus ital. rotolo [ = Rolle eines Pergamentblattes]
gebildet; mhd rottel. rodel, rolle; 1608 roll, Gr. W.
VIII, 1140. 2389 = Vorrichtung, von der etwas herunter
rollt, Scheibe, Rolle. Walze, damit verglichen) L.« die
sogen. Flügelbeine, Rollknöchelcben, Sehnen-
beinchen, Ossa sesamoidea bei Mensch u. Tier,
namentlich die an den kräftigen Sprungbeinen
oder Hinterknieen des Pferdes befindlichen
grösseren Rollknochen, um welche sich die
starken und doch sehr beweglichen Sehnen-
| stränge abrollen. — 2. - die Kniescheibe bei
Mensch und Pferd (Herbst 12). — 3. = s. Rotöl u.
Rotel. — rollen- etwas um sich oder um einen
anderen Gegenstand herum, meist mit hörbarem
Geräusche bewegen. — 2. -den rollenden Ton
des bewegten Gegenstandes erzeugen , z. B.
rollen machen = urinare, in ein leeres Geschirr
den Urin hörbar (rollend) entleeren. — 3. =
brünstig sein, weil die Tiere in diesem Zustande
balgend u. rollend sich überstürzen ((ir. W. VIII,
1146; spies sll, 197). — die Augen rollen, d. h. um
ihre Achse. — das Blut rollt = bewegt sich im
Kreise in seinen Gefässen. — rollig brünstig.
— Roller, m. = eine geile Person (Gr. W. VIII,
1147. 1149). — Fuss-Rolle = Hufgelenksknöchel
am Plerdefuss. — G< l etile Rollen = die Ossa
sesamoidea, Rollknöchekhen , um welche sich
die Sehnen u. Bänder bei der Gelenkbewegung
hin und her gleitend bewegen (Hyrü. K. W. 64)
— (t- rolle, n. = Grulle, f., die weihliche Scham,
welche rollen macht (s. o.) (Ulm ; C. v. Schm. 245).
— Roll-Bri«, -hustig, -Zeit.
Rolls, m. (1482) - Rölps, Rülps, Ructus (Zen.
Voo. es). — G'tTOlls, n. - das öftere Grolsen,
Grolzen (s. d.), einen rollenden Ton aus dem
Magen von sich geben. — (1645) saure Grölt-
zung - saures Aufstossen aus dem Magen,
Ructus (Coler, EL A. 141. 179).
*»• " Ächeri^''-^^-^"'
•Reise, -Schwert.
Rompelen, pl. s. Rumpf.
Ronen, pl. = Ranen (s. d.), trockener Wund-
j fand, Schorf, Striemen, Schlagspuren auf der
Haut (Schindler II, 116).
ronken = röchelnde Schnarchlaute (Rhonchi)
ertönen lassen (Gr. W. VIII. lOfi, lautmalende» Won).
Ropf, m. ropfezen (gropfezen. groppezen)
(ahd. rolazjan =- enictare, Graft II, 500; ropfezan.
ropfazon, Ur. W. VIII, 1 »71» , rotlczuuga =a ructus,
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518 Roppel— Rose.
Rose.
H. Z. XV, 534; inhd. roprlzen, C. v. Megbg*. ; Schweiler
11, 131; robezen; 1664 der roph — slngultus, D. II, 340J
- ropsen, rülpsen, öfters koppen, hetsclien. —
'/K-ropfezen (ahd. uzrophezan , (Jraff 1, 533; 1420
uzrobezen) = ausrülpsen, aus dem Magen öftere
rülpsend aufstoesen, eructare.
Roppel b. Robbet.
Koppen, roppet s. Rappen.
roppen ■ ropfezen, riipsen. — (i&ao) auf-
r üpp cn = aufstossen aus dem Magen (Küntgssp. 48).
ropsen , ropzen (mhd. mpczen , roubsen ; 1520
roupsen, <ir. W. VIII. 1635) -öfters rülpsen, ropsen,
rüpsen, ructuare.
Rose, f. (Ros. Rosel, Rösel) (zu lat. n.s«, da«
durch kirchlich-klösterliche Gelehrte bei dem Importe
der r< •mischen Gartenkultur uberaoinuie:i wurde; ahd.
rosa; mbd. rose, Graft II, 544 ; Kluge*, 305 = die rot-
farbige Garlcnblumc ; nach deren Farbe verglich man
damit): 1. = rotfarbigo Teile des menschlichen
und tierischen Körpers: a) Wangen und Ge-
sichtsröte (Lippe, Mund); b) (angls. hrysl — ab-
domen, arvinn, adeps ; 1183 roselmaent = Schlacbtmonat
Oktober. Schmeller II, 150; Gr. W. VIII, 1181; Wein-
hold, Monatsnamen 53 ; 1578 relsel ; (VII coinmuni),
rasella; 1599 rosel, reusel ~ arvlna, Kilian) = Blütn-
ling*. das durch die rotgeaderten Blutgefässe
auegezeichnete Netz, Kippenfett und c) Dick-
darm bei Schlachttieren und das angrenzende
Schweifalflek (Schindler II, 150); d) der hlutrute
Eierstock bei denselben; e) die unterm Ent-
leeren des Kotes blutrot erscheinende, gefaltete
Mastdarmschleimhaut bei Pferden . f) die roten
Tragsack- Warzen beim Rinde (Martin 54 j Krank 71;
Zipp. 103; Buek l?). — 2. = das rot-(ro8en)farbige
Blut aus blutenden „rosenden" Wunden, mensch-
liches und tierisches Blut Oberhaupt (Schmeller
II, 151). — 3. = (umschreibend) Frauenblume (s. d.)
- Menses als roter Munal fhiss der Frauen (1576
roscu = inenses, Gr. W. VIII, 1178; 1G87 rosen — menses,
Georg. 442; Schin. II, 150; Hyrtl, K. W. 22; ndl. haar
rozclaar bloelt ab — sie bat gerade ibre Blume, die sich
verliert, V.-K. 1837, 107) (Rosenader, Rosenkranz 2).
- 4. = das blutig bellrote Erbrechen aus dem
Magen (Gr. W. WH, 1178 ff.). — 5. — Rotlauf,
Krysipelas ( — rote Haut) , Hautröte, Gesichts-
rose.St. Antoniusfeuer, heiliges Dingetc. (morbus
persicus a roseo seu persic« [ — pfirsichrote] colore
quem affectae pnrtl inducit, I»u Gange V. 618; IX, 260;
feu sacre [s. Feuer), Morbus Amblanensis; Morbus
St. Genovcfae, St. Gerruanl, 8t. Maxentll etc. ; eresl-
pelas <|ui morbus Belgis vulgo Hosadleltur, Peijpers 93 ;
dan. rosen = Rade«yge,,ob ruborcni et tumorem cutis",
Itelart 3 ; boll. roos ; schwed. rosen = St. Antoniusfeuer,
Kotlauf, Plercr7. L 1021; Z. Hdb. d. sp. P. u. Th XIV,
1. 3'J.j; Kehrend 25; Z. f. d M. IV, 105; Richter I, 104;
Frlschb. 82; Gr. W. 11, 1164; Heyn. 14; Pc Cock 36 . 283).
Obwohl die Kose (Krysipelos) etymologisch fremden
l'rspruugs ist, so gibt es doch (nuss«r Wurm und Alp)
kaum eine deutsch benannte Krankheit, die so häufig
in Besegnungs- und Bann-Formeln auftritt, als gerade
die Rose; diese löste den alteren ,, Brand" und das
,, Feuer" (s. d.) nominell ab, namentlich in Besprechun-
gen, und gelaugte dntnll wie diese uralten Namen bei
den verschiedensten deutschen Stammen zuderStellung
einer daniouistlech (s. Merge) aufgetauten Krankheit
(Mikroben-Infektion entspricht fast immer dem alten
Dftinoulsmus) , die dementsprechend auch von deu
Flainlaudern bis zu den Siobcnbürger Sachsen, von den
Ostpreusseu bis zu den Voigtlandern gleich behandelt
wurde in der Volksmedizin ; überall verdrängte die (ndd.
od. ndl.) Rose den älteren Namen für Erysipelaa und
Phlegmone (Kotlauf, Cberrot. Glockfeuer, Brand etc.);
darum „steht" auch die Kose wie ein Feuerbrand
„still", „vergebt", „geht nicht weiter" (Engel. 25S).
Interessant ist dabei, doss mit Verbreiterung der Kultur
der Varietäten von Gartenrosen auch die Farben der
ilautrose sich differenzieren, ludern mit zunehmender
Beobachtung der verschiedenen Stadien des Krank-
ueltsrcrlaufes u. der Jeweiligen Komplikationen dleseu
entsprechend verschiedenfarbige Hautrosen In den
dagegen gebrauchlichen Baunformeln genannt werden,
ganz entsprechend den verschiedenen Wurm -Arten
(a. Wurm) als Krunkhcits- Arten; besonders zeichnet
sich das niederländische Flandern mit seiner hohen
(iartenkultur auch aus durch zahlreiche Farben und
Sorten bei der Ilautrose, die wie eine stachelige Rose
darum auch „reisst", „sticht", „steckt" (Engel. 253);
die Volksetymologie, stet« schadend u. rührig, knüpft
zahlreiche Phantasleverbludungen an, und selbst thera-
peutisch dringt dieses Bestreben, Im Namen den Nagel
auf deu Kopf zu treffeu, durch, indem die Rose-
K ranken zu denjenigen Kultorten mit Vorliebe wall-
fahrten , die zu „Kose" einen volksetymologischen
Bezug haben (couf. De Cock 39. 40; Zeitschr. d. V. f.
V.-K. 1895. S. 7. 18. 24. 2». 32; Wuttke § 232; Engel.
252); mit gleicher Vorliebe werden weibliche Heilige
(Maria, Kosalia, Genovefa etc.) damit in Beziehung
gebracht, was nicht ganz zufallig selu dürfte, da schon
die spinnenden heiligen Fräulein (Nomen s. Merge), in
verschiedenfarbigen Gewändern (s. Farbe, gelb, rötete.)
auftretend, zum Kotlauf und zur Rose (= Kryslpelas.
Phlegmone, Dermatitis) ebenso Bezug haben, wie diu
lettische „Lcesa" und die slzlliaulsche „Lutlua" (Lieb-
recht, z. V. K. 343) als „I.oos", Schicksal verteilende
Gestalten (l'rqucll 1897 , 8. 130). — G. = als ,:Rose"
galt aber auch jede erysipelatöse oder phleg-
monöse Hautentzündung, der Pest- und Milz-
brand-Karbunkel, das lepröse Rotlauf, auch
der Furunkel. — 7. = überhaupt jede mit Haut-
rötc ti. Hautschwellung verbundene Erkrankung
(Goldschm. 82) und zwar: a) die Rieseln oder
Köseln = Rosen (1841; Sobernheim; 11. Jahrb. rösoli
= roseolae, B. Z. XV, 529) ; b) der Herpes zoster
als Gürtelrose; c) das Eczema acutum s. Der-
matitis eczematosa, die akute Hautentzündung
bei der chronischen ßlaschentlechte (1777 rose
= pustula, l>. 474); d) rote Skorbutfleckon. —
8. s« auch rote Warzen-, Knoten- und Knollen-
bildungen (Feigwarzen, Akneknötcbeo, Drüsen-
phlegmone, Krebsrotlauf) wurden als Rose
bezeichnet. Krysipelas ist (nach Villaret I, 541) der-
jenige (mtl.) cancer, der als (mtl.) rubor ein (mtl.) nlcus
umgibt et cum dolore procedlt. (S. auch Rosere
u. Rotlauf). — - 9. = schliesslich (1682) die rosen-
krauzartig verdickten, kraupgeperlten mten
Teile (Uosenstock od. Rosenkranz) Hm Hirseh-
und Rehbock -Geweihe (Hr. w. VIII, 1174). —
rosig, 1. = rosen farbig. — iJ. — tasig, rasend
| (s. rasen) (Andre teil 228). — asturiache. Rose =
1 mailandische Kose (Pellagra) (Meyer, Koiiy.-L*x,
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Rose,
XIV, 915; der »paniacho Kronprinz lührt den Titel;
Prinz von Asturien ; zu Spanien gehörte ehemals auch
Mailand). — Augenlid-Hose — Erysipelas pal-
pebrae = eine nur auf dae Augenlid beschrankte
ervsipelatöße oder phlegmonöse llautröte. —
Bai- (Bell ) Rose = Blasen od. Bell (b. d.) bilden-
de* Gesiehtsrotlanf (s. Pell-Merge) (holl. belroos
= Rotlauf, Wcrer 7, Goldschm. M; Schindler 183;
Müllenh. 514 B. wird besprochen). — bekannte Rose
(diu. knnderosen , Meyer, Konv.-l.ex. XIV, VA) =
eine leichtere Form des Schweine - Rotlaufs
(Stäbchen-Kotlauf), wobei thalergiosße und
darüber erhabene (Backstein-) Blattern, rote
geschwollene Flecken der Haut auffahren,
die das Volk als bekannte Sache, wovon
jeder Züchter bereits Kunde hat, auffasst. —
Blätter- \
11801) Blatter- \ Kose, 1. =» Erysipelas bnllo-
(1790) blatterige )
huui. — 2. = Herpes zosterals Blasen (= Blattern)
bildendes Rotlauf (Bällrose). — 3. = das Milz-
brandrotlanf bei Schafen mit Blasenbildung
(Behrend 26; Kopp 11, S21; Kalkei, 126; Zipp. 615;
Richter 1, 103, (ioldschm. 57; Schindler 182; wird
besprochen, Knicel. IM; Z. d. V. f. V.-K. 1897 . 8. 405.
408. 409. 410; Müllenh. 515). — blaue Rose (ndl.
blawe roo«, De Lock 2s.S ; Zeltschr. d. V. f. V.-K.
1897 , 8. 409. 410) = St. Bernhard-Feuer (b. d.),
eine Rotlaufart, wobei sich infolge von lokaler
Blutstauung bläuliche, blauschwarze, brandige
Stellen bilden, die Gewebszerfall und Ge-
schwüre im Gefolge haben (brandige Rose,
blaues Feuer, blauer Schwulst, blauer Wurm)
- Milzbrand-Karbunkel. — BfetK-KoM, f. {ndl.
blein roos, De Cock 28>) = Blein (s. d.*) machende
Rose. — blinde Rose = blindmachende Rose,
die durch Hautschwellung die Augenöffnung
versehliesst (in Beaprecbungen , Bafel 253). —
U599) UU,( - Rose = eine Rosenknospen ähn-
liche, blutistrote Hnutwarze beim Pferde (Feig-
warze, Leichdorn) (<;r. w. n , isa). — (iM2)
botartige Rose = Milzbrand als St. Antonius-
feuer (Erysipel«») (Kalke I, 144). — Bräcke-Rose
(Schindler 1S2 ; Mullenhoff 515), 1. = eine auf-
brechende Hautphlegmone. — 2. — eine un-
förmlich dick, breit machende Gesich ts- o. N asen-
Brand- I
Rose (s. brack). — brandige \ Rose - Pseudo-
(braune) J
Erysipelas, (1839) Erysipelas gangraenosum
(Behrend 3b), Phlegmone Galeni Xcrpxtivitv =
brennen], eine wie Feuer brennende (s. Brand-
feuer), zu brandigem, fauligem Zerfalle neigende,
daher stellenweise dunklere, blauschwarze oder
auch braunschwarze akute Zellgewebsentzün-
dung der Haut (Rost ~ kalter Rosenbrand
(Kuhn II, 202; Z. d. V. f. V.-K. 1&97. 409; K. u Bchw.
440; wird besprochen). — (1725) ßrital-Rose
Mastitis phlegmonosa puerperalis, das Kind-
betterinnen-Rotlauf, das sich an der Wöch-
nerinnen-Brust rotlaufartig ausdehnt (The*, «an.
Br. 476). — (1841) Darm Rom' = die roten Darm-
drüsensch wellungen (placques) beim Darm-
typhua (Sobernb. 317) (Rose 8). — dunkle Rose
= blaue oder Rrandrose (Mullenhoff 514; wird
besprochen). — falsche Rose - Dermatitis, Phleg-
Rose. 519
j uione, Pseudoerisipelas, die blosse lokale Haut-
j entzündung (ohne Infektion mit Erysipel-Coc-
cen). — (1790) faulichte Rose = Brandrose (Richter
1, 105). — /-"'W-Rose = Rotlauffluss, Rotlauf
| bei Salztluss der Füsse (Z. d. V. f. V.-K. 1897 , 409;
Kuhn II, 202; wird besprochen). — gelbe Rose -
gelbes Feuer (wird besprochen; Kuhn II, 202). —
geschwurige B,0Be = Erysipelas exuleerans, eine
Hautrose mit Ausgang in Geschwär- oder
Geschwflrbildung (offene Rose) (Behrend 2f>). —
Oenchts-Rose - die eigentliche Kopfrose, die
sich in ihrem Verlaufe auf das Gesicht be-
schränkt und oft mit Haaransfall (Arualdla =
Aualdta, &**/.?•»)•: = nicht wachsend, Kraus, K. 63. 123;
Vierordt 34 ; Du fange 1, 716) gefolgt ist (bei Richard
| Löwenherz z. B.), Etysipelas faciei. — gewöhn-
I liehe Rose = süchtige Rose, habituelle Derma-
| titis, Eczema acutum (Z. d. V. f. V.-K. 1897, 40s ;
wird besprochen). — Gicht Rose - eine Haul-
phlegmone an gichtiech akut erkrankten Teilen
des menschlichen Körpers. — giftige Rose =
heiliges Ding b,c Gilge', Gilgending* (Z. d. V.
f. V.-K. 1897, 408). — Glieder Rose = «las auf die
Kxti emitäten sich erstreckende Rotlauf (Kuchs
II, 995). — Gliicks-Rose ■ rotfarbige Finger-
nagelflecken im Gegensatze zu den weissen,
Unglück kündenden Nagelblüten (s. d.) (Rochh.
1, 130). — (r"r<»7.7-Rose (ndl. gordelroo«. De Cock 25«,
V.-K. IX, 143). 1 = Herpes zoster, Zona, Gürtel-
ausschlag, Gürtel wurm, Zirkel- Adel*, Feuer-
irürtel, Flechtengürtel, Rotlaufgürtel (s. Gurt u.
Zinsler', der wie ein Gürtel (clngulum; engl,
■hlngles) sich um die Leibesmitte herum aus-
dehnende, zuerst rot gefleckte, dann örtlich
gehäufte Blasen bildende Flechtenausschlag. —
2. = s. Wild-Feuer*. — helle Rose = der Gegen-
satz zur dunklen Rose = weisse Rose, heiliges
Ding, das Hilg* (Müllenh. 514; wird besprochen). —
kaltfeurig fRoie (ndl. koudvuurachtige roos, De Cock
288), Erysipelas gangraenosum, ein Rotlauf, das
wie die blaue oder Brandrose (s. d.) Neigung
zu kaltem Brand (Gangraena) hat o kalter
Rosenbrand. — ÄV/k-Rosc = kellende.quäleude,
schmerzende Rose (Müllenh. 515; wird besprochen).
— kleine Rosen (1517) kleynrosyn — tubera, D. *i00)
■ rote Ekzem-Bläschen. — Knöpf el-Rose (ndl.
knobbelroo*. De Cock 288) — ein Rotlauf, das längs
der Lymphgefaase phlegmonöse Knoten bildet.
— Kopf -Rose — (das Tili der Sumerer und der Murus
kakkadi der Assyrer, Bartels in Zettschr. d. V. f. V.-K.
1896, s.3-5; Ur. \V. V, 1779), 1. = das über das Gesicht
und den ganzen übrigen Kopfsich erstreckende
Rotlauf zum Unterschiede von der bloss auf
das Gesicht beschränkten Gesichtsrose. — 2. =
Milzbrand-Rotlauf (s. heiliges Feuer) am Kopfe
der Wiederkäuer (Zipp. 615). — 3. = hitzige Kopf-
krankheit (auch ohne Hautaffektion) (Kalke II.
33). — kiindigeRoae - « bekannte Rose — (1719)
Kupfer-Rose ivom franz. coupe rose = cuptl rosa =
Kupfervitriol oder Kupferrot) = eine das finnige,
rotgestippte Antlitz der Trinker spöttisch be-
nennende Bezeichnung für Akne rosacea s.
Gutta rosacea (goutte rose - ronperosc, Bris».. 213)
s. Kupfer, Kupferhandel. — laufende Rose
(Branden!«., Knpel. 2 >4 ; in Besprechungen; ndl. loo-
pende roos, De Cock 254; K. u. BobW. 440, Z. d. V. f.
520
Kose
roseln— Rosem.
V.K. 1897, m. 4io) b Erysipelas ainbulans, migrans
8. erraticum, wie Flugfeuer schnell eich aus-
breitendes Rotlauf (». <!.)• — U6«) lose Rose
= böge Rose, Brandrose, offene Rose (Coler,
H. A. 253). — mailändische Böse = Lepra lotn-
bardica 8. mediolanensis, Scorbutus alpinus,
malattia delle miserie, Pellagra, Alpenflechte,
lombardischer Aussatz (Krau», E. SO. "50). —
.!/<;> , , Rose, 1. = Morbus St. Mariae, Erysi-
pelas (Du Cange V, 617), gegen das Rotlauf als
„heiliges Ding" (Ignis sacer) wurde in Frank-
reich die Rosenkönigin St. Maria als Patronin
angerufen. — 2. = Skorbutflecken, fleurs Notre
Dame (Ilriss. 153). — .\/. M.-'-Rose (ndl. het maand
roosje bloeit, V.-K. 1897, 107) - Periode, Blume. —
iSra«<rn-Bose - ein von der Nasenschleimbaut
ausgehendes Gesichts-Rotlauf (Gr. W. VII, 411).
— nervöse Rose = ein Rotlauf mit vorwiegenden
Erscheinungen von Seite de» Nervensystems
(Delirium, Bewußtlosigkeit etc.) (König 1, 125).
— offene Rose (ndl. cBenv roos, Du Cook 288) =
eine geschwürig gewordene, durch Abscess-
bildung geöffnete Hautphlegmone (siehe lose
Rose). — jjk^j. | Rose = eine Rose, welche
reitet, reisst (ritten) (Kuhn II, 202). — (16«)
rote Rose (ndl. roode ioor, De rock 288; Goldschm.
57; wird l>esprochen, Kuhn II, 202; ZelUchr. d. V.
f. V.-K. 1895. 8. 29; 1897, 409. 410; Coler, U. A. 254)
= eine stark rote Rose des Gesichtes, im
Gegensätze zur blauen und weissen Rose. —
Rücken -J&0B6 = Rose 1 b (angla. rauge reose, f.,
raegereosa, m.. Cock. II, 402) = Rflckenripplein,
Ruckbrat, sowohl das Eingeweide am Ruckbrat
als das Muskelfleisch am Rücken längs d. Wirbel-
säule. — Schwelle-'Rose = s. Scbwellmerge, ge-
schwollene Rose (Müllenh. 516; Schindler 182). —
77 Rosen = eine in Besprechungen auftretende Kollek-
tivbezeichnung aller Rone-Formen, um keine der-
selben zu übergehen (s. 77 u. Zahnrose) (Z. d. V.
Stäckeil)- |
I. V.-K. 189'.; 1897, 406. 409). — Stech- Rose =
Stachel- J
in Banntormoln auftretender Name lux eine Rosen-
lorin mit stechenden Schmerzen (an Stachel an-
lehnend; Kuhn II, 202; Müllenh. 516; Schindler 182). —
süchtige Rose = eine förmlich zur Krankheit,
zur Sucht (s. d.) od. Gewohnheit ausartende,
öfters wiederkehrende rotlaufartigc Hautent-
zündung bei der Bläschenflechte (Dermatitis
eczematosa), die selbst mit Fieber einhergehen
kann, „man glaubt ein Erysipel vor sich zu
haben" (Veiol in Z. Hdb. XIV, t. 355; Köhler, V. B.
428; Wuttke 327. 520) (s. Zitterrose und süchtiges
Keuer). — syrische Rose = der phlegmonöse
Haut-Prozess bei der in Syrien beobachteten
Aleppo-Beule* (Bohrend «2), worunter man (nach
lieber in z. Hdb. xiv, l. 139) im Oriente die ver-
schiedensten Exantheme versteht. — ungarische
Rose = Rosa hungarica, hünnscho Krankheit,
Hünsche lab, eine unter der Form eines Rot-
laufes auftretende, aus Ungarn eingeschleppte
Milzbrand- (Anthrax ) Krankheit (Behrcnd 62). —
Wandcr Jlose ■ Erysipelas ambulans, migrans
». erraticum, ein seinen ursprünglichen Aus-
bruchplatz wechselndes, herumziehendes Rot-
Lauf! — (1689) ^J-JjjJ* j Rose = Menses (Rose 3)
(Gr. W. VIII, 1178; Coler, Ii. A. 215). — Wrin-RoSe
-- Akme b. Gutta rosacea, die durch reichlichen
Weingenuss erworbene Kupferrose (s. d.)
(Behrend 60). — weisse Rose. 1. - »las im Gegen-
satze zur blauen und roten Roae (s. d.) stehende
mit weissen Hautblasen einhergehende Rot-
lauf; die weisse Rose ist ein todbringenden
Zeichen (wüte rose [Schleswig], Müllenh. 514; Engel.
254 (in Besprech.]; Uoldschm. 57; ZelUchr. d. D. ö.
A.-V. 1881. ö. 352, K. U. Schw. 440. Kuhn II. 202.
z. d. v. f. v.-K. 1897 , 409. 410). — 2. = vielleicht
auch = Rauschbrand. — VFund-Rose = das
von einer offenen Wundstelle ausgehende
sogen, traumatische Rollauf (Puchs II, lOOO). —
Zahn-Hose, 1. = die von kranken, schlechten
Zähnen ausgehende, rotlaufartige Hautphleg-
mone am Kieferbacken (Parulis), die wegen
der oft bedeutenden Hautschwellung von
Laien oft mit der wahren Gesichtsrose ver-
wechselt wird (Engel. 264; Nieraeyer II, 396; Z. d.
V. f. V.-K. 1897, 411; Fuchs II, 999; auch diese Rose-
Form tritt in Bannformeln in der Übermasszahl 77
[s. d.] auf. Kuhn. ZeiUchr. f. vergl. Spr. W. XIII, 128;
K. u. Schw. 440, um das Intensive der Krankheit
zum Ausdrucke zu bringen). — 2. = (nach Villaret
II, 992) Erysipelas neonatorum, ein bei Neu-
geborenen (Tieren) von offenen Hautstellen
(Nabel) ausgehendes Rotlauf, das vom \ olke
der Zahnung ätiologisch zugeschrieben wird.
In den Besprechungsformcln soll diese Zahnrose wie
die Rose überhaupt nicht weh thun, schwellen oder
schallen, nicht brechen, nicht reissen. nicht splittern,
nicht stechen, nicht quälen (K. u. Schw. 440; Müllenh.
514). - Zitier-, Zitt-, TscJütt-, Tschütt-lLQ&e =
das akute, selbst manchmal mit Fieber auf-
tretende Ekzema faciei (= Gesichts-Bläschen-
flechte) mit Drüsenanschwellung ( = Zitt-
drüsen), das aus einem noch bestehenden oder
scheinbar verschwundenen, chronischen Flech-
tenausschlag (Zitterach, Ekzema) eich lotlauf-
artig rasch ausbildet (s. süchtige Rose) und
leicht mit der eigentlichen, durch Erysipelas-
Coccen verursachten Rose (Erysipelas) ver-
wechselt werden kann (Schw i&ö. 803; Veiel in
z. Hdb. xiv. l. 365). — (1790) zurückgetretene Rose
= ein Rotlauf mit Komplikationen innerer
Organe, die man als Folge davon ansah, dass
sich die Rose auf einen inneren Teil „geworfen"
(s. d.) hat (Richter i, 106. in). — Rosen-, rosende,
rosige(s) Ader, -Brand , -Farbe, Feuer, -Fieber,
-Gcschtoürc, Geschwulst, Kram, Spitz, -Stock,
- Tüpfel, - Wunden.
■ raseln, rasen, toben (<;r. W. VIII. usi).
Rosem, m. (zu vorgerm. rudh = rot sein;
nid - rot; goth rtista - Rost. ahd. rost -
rubtgo; daraus ahd. rosamo- Sommersprosse. Klugo *,
305; 8. Jahrb. rosamo, rosomon, roimun — lentigo.
aerugo rubor, Graft II, 548; 10. Jahrb. rosennnn [roso-
mun?] = lenllgo, Graft, 1. eod.; 12. Jahrb. rosdagemo
= seabrosus. Graft II, 551 ; 1429 rosem, rosmun, rosni ;
1495 rossmen = lentigo, D. 324 ; 15. Jahrh. rosman =
lentigo in facie, Gr. W. VIII; Schmeller II. 151, tnhd.
roseme, ru. rosem, m. - i?ominc'rspro>seii, Flecken, Mal,
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rotten — roMeln,
R..ht-K..t.
.-,21
l.exor2ul, rosmyn, Gr. W. VIII, 1181; 1509 roitsmcu
= lenligo, rubra faclel macula, Gr. W. VIII, 934. 1181
™ Rieseln, Sommersprossen ; 17. Jahrb. risemen und
ander Sommerfleeken, Fr. Kr. B. 209). — Rosein =
ein durch seine rostigrote oder rotbraune Farbe
und seinen Sitz an anfallender Stelle gekenn-
zeichneter, entstellender chronischer Hautaus-
schlag, namentlich im Gesichte = Lentigo,
Sommersprossen, Riesamen, der wohl nicht, auch
nicht vom Laien, mit dem ganz akuten hellroten,
fieberhaften, auf den ganzen Körper ausgedehnten
Friesel- oder Riesel Ausschlag verwechselt werden
konnte, wenngleich die lautlieh anklingenden Rieseln
an die Rosemen angelehnt zu Riesemen , Rüsemen
wurden ; in der neueren Sprache ist der Rosem nicht
mehr bezeugt, tir. W. VIII, 1181). — rÖBmicht (wbd.
rösemec, rosemeht; 1199 roesz met; oberd. roesmat,
rosmiger, Gr. W. VIII. 1237) = sommersprossig. —
Bösem- Mucken.
rosen 8. rasen.
Rosere, f. = ein aus dem populären „Rose"
(s. d.) übertragenes Wort als Bezeichnung für
einen leicht fieberhaften Zustand des ganzen
Organismus ohne ein entschieden hervortre-
tendes Lokalleiden (Oldbg. ; tioldschm. 15. 82)
ahnlich dem Rotlauf (s. d.).
Ross, in. (indog. kürd — springen; germ. hrussa
[cursus]; vorahd. hrossa: altuord. bross, Welnh. 49;
ahd., mhd. ros. Kluge*, 305); In Oberdeutacbland die
fast ausschliessliche Bezeichnung für Pferd (s. d.), das
kraftige, grosse, rasch auslautende, früh schon gezüch-
tete, hochgeschätzte, von den (Jermanen niemals zur
Milcbgewinuung benutzte, in mhd. Zelten noch wild
lebende Ross wurde vom germanischen Volke In seinen
äusseren Formen (Kopf, Hautfarbe, Knochen) und
Krankheiten genau beobachtet, u. viele Bezeichnungen
derselben übertrugen sich auf menschliche Verhalt-
nisse. Da der heidnische und auch noch christliche
Deutsche aus alter Tradition das Rossfletsch (s. d.) ver-
zehrte, so erhielt später „Ross" durch diesen heid-
nischen Beiklang die verächtliche Bezeichnung zum
Begriffe. Im Volksglauben Ist Ross auch eine Alp- od.
Mar-Ueatall. welche reitet (Lalstner II, 259 ; Schell 260.
282) und mit durchdringenden Augen anschaut ; solche
von Rossen gerittene Menschen sind dem Tode ver-
fallen und müssen nach kurzem Siechtum sterben. —
rossig = brünstig. — (1594) (ge)bachen(e8) Boss
= ein von Natur aus nicht richtiges, weil fehler-
haftes, darum aufgepäpeltes od. zum Verkaufe
mit Absicht erst zurecht gemachtes Pferd (Beb.
C42). — Ross- Ader (u.#), -Apfel, - Bollen,- Brunnt,
-Brunz, -Dreck, -Ei, - Fei fei Feige , -Fleisch,
•Hoden, -Kiefel, -Knödel, -Kopf*, -Kot, -Krank-
heit, Mar, -Mönch, -Mucken, -Munggen *, -Natur,
■ Pocke, -Ruck, Ruflcin, -Schlaf, Seuche, ■ Warze,
■ Wurm, - Wut, -Zahn, -Zirk.
Bösslein s. Röslein.
rossein, rossein. rosein, Bossler, m. (1588
rosellcn, Tabern.) — rasseln — das rüchelnde mit
Schleim rasselnde Keuchen und schwere Atem-
holen beim rhachitischen Herzgespann (Capillar-
bronchitis) der Kinder (t;r. W. IV, 2. 124« , VIII,
1268). — Bossler = der oin7<«lne röchelnde, ras-
selnde Atemzug (Or, W. VIII, 1269).
Bost, in. (germ. rud = rot sein [s. Rosameu] , ahd.,
mhd. rost — aerugo ; angls. rust = rublgo, Kluge*, 805;
irisch rudlud = Wangenrote, Z. f. d. A. 1888. 278). —
rostige Zähne.
rosten, rostern (ndd.) = rüstern, röspern,
rüpsen, ruetuare (D. 802).
Bot, n. rot, roten. Böte, f. Rötel, n Botel, f., pl.
(tndogerm. rudh-ros (spo4>p«ä;], nit [rotilus] ; vorgerm.
roudho; gem.-germ. rauda [s. Raudej; ahd.. mbd. röt;
angls. read =? Röte ; engl, red ; irisch rus - Hautröte,
Kluge*, 246; Z. f. d. A. 1888. 277 ff. ; Schräder, Spr.-
Vergl. 1890. .103 ff.). — rot, 1. = blutfarbig, rostrot,
kupferfarbig, frisch, gesund, schön. — 2. =
farbenbezeichnend für normale und krankhafte
KlutergüsBe (rote Ruhr, Fluss, Weh, Schaden,
König etc.) (Gr. w. vill, 1289). — 3. = krankhafte
Hantfarbe (Ausschlage, Mal etc.). — 4. = (1260
die rothe färbe kommt einem jeglichen ding von der
hitze", Pleiffer 20; demnach rot) — bezeichnend für
Fieberhitze, die rot macht — 5. - Bonst gilt die
rote Farbe, weil besonders auffallend als schön
(s. d.); nur das rote Haar macht scheinbar
dabei eine Ausnahme, da es als ein hässlicher
Greuel gilt ; diese (allgemeine) Verrutenhclt des roten
Haares tat (nach Wackern. Abhdl. I, 177) angeblich erst
seit dem 11. Jahrb. aus der (von auswärts beeinflussten ?)
Tleraage, in der der rothaarige Fuchs auftritt, an dem
..kein gutes Haar" ist, entnommen und damit auf die
Dämonen und deren Abloser, den Teufel, übertragen
worden ; aber diese Volksmeiuung über das rote Haar
ist doch zu weit verbreitet von Schottland bis zu den
Arabern (a. V.-K. IX, 49 ff.) und Südslaven und ver-
mutlich weit älter, da schon in der Edda I.oki wegen
seiner roten Haare für falsch und verräterisch gcbaltvu
I wird. Das rote Haar Ist eben etwas physiologisch nahezu
Abnormes, etwas Auffallenderes, Besonderes, womit
nach dem deutschen Volksglauben namenUicb die Klben
zeichen sein soll. Die Elben werden aber auch durch die
! rote Farbe vertrieben (Schell 584). — Bot, n. Rotin,
Böte, f. (1475 reeton in handen m |. lernen [phlegmen)
ulcera [ = Ekzema palmar.], D. 239; 15. Jahrb. röte =
eine Krankheit, H. Z. XIII, 382; 1482 rote. I. = Geröt,
Urscblächten, Porpein, Zeu. Voc. mm4; Gr. W. VIII,
1304; rotin, f. — rubeolae, Variola, purpura, Ur. W. I,
1527; Schmeller II, 499; 1518 rr>te — Karfunkel. Gr. W.
V, 212; 1592 rote — papula, D. 411; 1731 rote = crysl-
pelas, Gr. W. VIII, 1304 ; 1834 röthe = abomasum [Rose],
Kraus, E. 3), Las durch ihre intensive und exten-
sive Röte besonders auffallende Erkrankungen
der äusseren Haut und der Schleimhäute und
zwar : a) Morbilli, Masern = die Röte(8trassb. ; CT.
»ehm. 149), l'orpeln, Urscblächten, Röteln, Rot-
Fähricht * ; b) die Rose od. das Rotlauf als Uber-
massige krankhafte Ausdehnung der schönen
Hautröte (s. Schön j Erysipelas , Dermatitis) ;
c) Lupus als böse Röte und rotes Blättericht,
das Rot unter den Augen ; d) Scbleimhautent-
zündungen. — 2. = das Blut u. zwar: a) mensch-
liches und tierisches Blut: Rot und Feist =
Blut und Fett; Rot = Blutflecken ; b) der Blut-
erguss (Blutkuchen, Rotkuchen), den man wie
einen Hachen Blutkuchen, der Ober den Rippen
liegt, sich vorstellte als die Ursache des Herz-
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522 Rot.
gespann (s. d.), eine Vorstellung, die wohl aus der j
Zerwirk-Tcchnlk des erlegten Wildes entnommen, auf I
den kranken Meuchen übertragen wurde; c) darum
Röte = Herzgespann; d) der Blnterguss aus dem
Darme bei der roten Kühr (Dysenterie) erklärt
auch Röt = rote Ruhr (Rotweh, Rotschndcn,
Rotfluss, Rotleid etc.) (Gr. Vi. VIII, 14»; Kalke II,
245; , e) desgleichen das Klutharnen der Kühe
(auch Wind -Rilhe, Haemaglobinnrie, roter
Harn ete.) = (1731) das Rot (A. M. 15; Falka II, 245;
V. v. Schiu. -13."»; «ir. Vi. VIII, 1299). — 3, - Rose (8. d.)
als Eingeweideteil. — 4. = tot = gelb (s. d.). —
roten, röten (1260, mhd. roten), 1. = rotwerrien,
namentlich vom toten Fleisch, das heim begin-
nenden Faulen Eiterst wieder eine hellrote, der
natürlichen ähnliche Farbe erhiilt ; daher rotten
(s.d.*), roten auch - faulen (Pfeiffer 78); auf diesem
Kotw erden de* Toten sind mntieho Mirakel, von angeb-
licher WlederUelcbunir (Krstickiiug) aspbykti'ich ver-
storbener Kinder dureli Heilige zurückzuführen (verßl.
Voliv-Gaben b. Si. Leonhard K. in lieltr. z. A. K, 11. I*.
HaycruK 1893, sub: Asphyxie der Neugeborenen). —
2. = rotwerden von lliessendem Blute = bluten.
— Rötel, m. Röteln, pl. Rötlein (Rittein) (mhd.
rotel, m. — Kotelsteln ; 1.'*» röteten = Kluderlleeken,
Kindermasern , l'urnclu . Gr. Vi. V, 736; VIII, 1305;
1725 rothel --^ rote Flecken, Magern, Thea »au. Br. 117)
— vielfache kleine rote Flecken, welche aus-
oder auffahren (s d.), 1. = .Morbilli, Rotsucht,
Rotfell, Rotfecht*, Rieseln, Masern, rougeole.
— 2. - Rubeolae= Röteln (<ler heutigen Sehnte)
(1250 sturolae. I.ersch 98 [ ~ Sprcckeln VJ ; 1699 rothleln
= nibeolae, v. M. II, 132; 1700 rodlein — Kotein. Wd.-
Hueh 17; 1751 rothe Blätterlelu, welche für eine Art
fnsehlttibten od der Kotsucht «ehalten werden, A. v.
H. I, 1190; Haeser II, 412; 1S97 Kitteln. Meyer, C'onv -
I. ex.* V, 981; engl. Rerman uieailen ; franz. roscole I
epiderahiue , I.ehf. Sit). — 3. — die sogen. Schaf-
blattern (Varicellae, Urechlachten (A. t. H. I, iibo).
— 4. - Schweine- Kotein (nach Falke 11, MS;
welche Hautkrankheit die» üeln soll, iit unertindlieh;
vielleicht Schweine Brand [Milzbrand)), — Angesicht* ,
GwsiY/tiVRöte, 1. = (1742) die auffallend frische
Gesiehtsfarhe, «las als schön geltende lebhafte
Wangen-Colorit (Zw. 144). — 2. = (1644) die
Gesiehtsröte heim Rotlauf, der Rose oder
Sehnen (s. d.) - Erysipelns (Gr. w. VIII, 1301).
— 3. -(1615) das rot bruchige, rotgestippte Antlitx
bei Akne faciei (oder, II. a. 122). — »-Rote
(a««liroto hlexze, »cedla, D. .M7J — durch Bietzen rote
Afterhaut. - .4K/;m- j Jg*j|er« j 1. Haemat-
ophthaltnos, Haemalopp, Fcchymosis sclernc,
das lilutunterUnfene Auge («ir. Vi. I, 810). — 2.=
(H40 ögenrot, 1». 332 - Hppldu* ; 1472, 1177 oiipcn roytiK
— lippus, lippidus, D. 332; 14!>2 äugen roligcr — llppidus,
Zening. Voc. ; 15. Jahrh. ougen roll = lippidus, D. II,
237 ; 1582 röte der äugen = rotflelschlge äugen ohne
trieleu, 1592 auKeurdte. Seh. 94; Fries 79 ; Colcr, H. A.
113) -die Röte der Augen bindehaut durch starke
Blutgefäss-] ujektion heim Bindehaut- Katarrh.
— blut röten = Blut harnen, Maematuria, Hae-
inorrhagia lenirl. blood red). — bose Röte (1518 bosse
r..ty s Kutta romta, H. r. «Icrsd. 99) = Röte lc, Lupilfl
als tinheilhater roter Ktp.tenaussehlag. — Ei-
Rot «ler rotgelhe Eidotter, Eigelb; beim Voll;
Rot.
| wird gulb leicht zu rot In der Bezeichnung; auch die
[ gelbe Galle heisst rote Galle (Gr. W. IV. 1. 1185; VIII,
1299). — rr-rÖten (15. Jahrh. erroten. H. Z. XX, 23;
Auw. 7) — wieder frisch rot in der Farbe werden,
von Schleimhäuten, Wunden z. B.;gesun«l heilen,
frischen Katarrh zeigen. — (1592) alt-rrrotet =
durch chronischen Schleimhautkatarrh gerötet
(8eb. 9t). — FtV6cr-Röte^«lie durch die Fieber-
hitze veranlasste Gesichteröte Rubor febrilis
(s. d.) kommende, bald wieder verschwindende,
nach einer anderen Stelle wandernde llautröte,
das sog. Flug (s. d ), 1. = Ekzema acutum —
2. = Erysipel AÜ migrans, feu volage (s. Flug-
feuer) — 3. = Erythems volatile. — 4. = (rouee
volante — rougeole [Masernl. Briss. 139). — Gesichts-
Röte - s. Angesichts-Röte. — Hagel Rötung
(15. Jahrh ) - lippidus, «ler Zustand der Augenröte
heim Hagelkorn (D. 332). — //.««'-Rote, jede
ortlich umschriehene oder ihtchenhaft ausge-
dehnte rote Färbung der Haut vom leisesten
Anflug (Erythems) u. den kleinen roten Flecken
(Röteln) bis zum roten Wolf (Lupus) und zum
Rotlauf, Rubedo cutis (Behrend 5. 20). — hektische
Röte — die kreisförmige Wanirenröte bei hek-
1 tisch (s. «i.) Kranken. — - Mag 1 \ - Rote = «las hell-
rote blutige Erbrechen aus dem iMagen, Haema-
temesis (der Morbus nlger Hlppokratis oder die
Melaena ist das schwarzrote Erbrechen). — Masern-
Röteln = Rubeola morhillosa, den Masern ähn-
liche Röteln (Abart der Masern?). — (1540) rite-
rot = blutrot, wie eine geritzte Haut-Wumle
(Schmeller II, 195; laiitspielend zu: blitzblau). —
ScWcWt Röteln - Rubeola scarlatinosa, dem
Scharlach (s. d.) ähnliche Röteln (Abart de»
I Scharlachs?). — (1583) ScAOM-Röte (sehonrote, Gr.
W. IV, 2. &:!7) = da8 lebhaftrote, gänzende(prehan
s. prechen) Karhunkel-Gcechwär, «lessen Kolorit
als schon angesehen wurde (s. Schön). — Vber-
Röte (1725 üt>errOthc = ery»lpelas, Thes. san. Br 760;
17» = Rose, Or. W. VIII , 1304; 1742 = erysipelns, Zw.
454; 1777 ülferrothe^ igui« sacer, U, II, 209; Klmeh 589;
Verna!. A. 416) = die abnorme, krankhafte Haut-
rote heim Rotlauf, namentlich bei der Gesichts-
rose, eine treffende, whon In alten 8egen»pruchcu
vorkommende BexeichnunK In der Schweiz und in
Schwaben für die pathol. Haulrote (Manuh. Z.f.d. Myth.
IV, 105 ; C. v. öchm. 435 ; Buck 61). — W-rÖten (mhd.
verroten; ndd. verrotten, I,exer 327; Goldschm. 143).
1. — ganz i«jI dureli Blut machen od. werden. —
2. =s. rotten*. — Rot-, rot-(r, er, es) - Angesicht,
-A »aprung, ■ A uge, - Augenentzündung, -Ausfahren,
-Ausgang, -Aussätzigkeit ', -Backe, -Bauchßuss,
-Bauchtet h, -Beulen, -Blindheit, -Blattern, -Blät-
terieht, -blickig, -Blut, -Blutgang, -Blutruhr,
-Bräune, -brechtig, -bruchig, -Bucklen, -Cholera,
-färbig, fähticht*, Fecht *, -Feige, Fell, -Fieber,
-Flurrait /in, -Flecken, -Flechten, -Fluss, -Frais,
-Friesel, -Funk («. auch funkeln9), -Galle, -Gelb-
nuht, -Gesamte, Geschwulst, Grint, -Haar,-Harn,
-Haut, -IInppcn, -Hund, -Junker, -Kalender,
- Ka rb u n kel, klebig, ■ Kleie njlech te, • Knaule,- Konig,
-Kolter, -K.pf, -Rothe, -Krankheit, -Kuchen,
-laufen, - Laus, - /.«V/, -Mal, -Milch.-Xase, Nieren
stein, Perle, -I»**/, -pissen, -Placken, -Plage,
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Rotel— Rotz.
Rotz.
IM
-precht, -Räude, -Rote, Rultr, -Saft, -Sand,
•Schaden, -Scheit», -Schimmel, -Schone, -Schwären,
-Schwindfleehte, -Seich, -Siechtag, Siechtum,
-Staar, -Stern, -Sucht, -Tüpflein, -Vberfluss,
- Y<4k, - \\'am$, - Warten, - IIa*»«-, Wtk\ ■ Weten,
- Wurm, -Zähne.
Rotel, in. Rotöl (zu ruluU; 1.1» rodol, U, v
<;erzd. 11 = „das klotzrig feiste fleisch") = das Con-
glomeratderlb"— 20tne8araisehen Lymphdrüsen
in der Bauchhöhle, welches als Plexus coeliacus
mit runden Fettknollen die Bauch-Aorta um-
gibt und das man als eine Art von Rolle (s. d.)
ansah, um welche sich «lie Gekrflsfalten und
Darmschlingen drehen (». auch Rothe 3). —
Anic Rotel (rouelle de gcnou, Brüw. 30) - runde
Kniescheibe (rotula, la rotule) (D. 501).
Rotz, m., n. Rotze, f. rötzen, Rötzer (Inda«
krud . gcrui. hrüt ; vorahd hroz = Nasenschleim, Kluse*,
:iO«>; angls. hrot — niueus, inrheuma, horh, horos =
tlegma, pltuita; hörig — mucosus, Cock. II, öy l .
395; horch mucii«, humor narinm, I». 369; ahd. rozz,
rot, rotxe = mucca, murin«, II. Z. XVI, 22. 2A. 26;
XV, 3S3; riozan — weinen, rollten; 7. Jahrh. hroz =
muceus. Graft II, 559 («dt. nasalls], bereits ein niedriges
Wort, 11. Jahrh. hroz — Vomex, phlegma, rotz — muces
[raueus]. Grafl 1 e. ; H. Z. III, 3*8; 12. Jahrh. daz roz.
röi = lullgo, II. Z. XV, 353 --- der ru«slg aussehende
eingetrocknete Nasenschleim ; 1129 rotz [ puetus] -
inucus. I>. II, 308; 1120 rocz = rheuma, D. 197; 1162
raez a screatus, D. II, 332 ; 1182 roti - braneo[ - morbus
branchus, Katarrh] phlegma, Zening. Voc. bb2; 1496
rotz = IQbUnqutoai [Kotzdrüse. Fcifel], D. 560; mhd.
roz, rotz, rozt ~ Nasen-, Magen- oder Darnischlelm,
< ;r. W. VIII. 1326; 1657 rotze. f. = Gliedwasser, das als
phlegma durch alle (nieder bis zum .Mierinnersten
lauft. Gr. W. VIII, 11327; schwed. rotsj. — RotZ, Rotze,
1. = Nasenschleimhaut- Absonderung, Mucus
nasalis, Myxa, Koryza, Gravcdo (franz. morve;
inittelengl. morfue, niorfewe, Heinrich 79 [= morfea);
X'/O'j^a , Hlppokr. — - Stumpfsinn Infolge der den
Schnupfen begleitenden Eingenommenheit des Kopfes,
Hoth 118.1; da die Nasenhöhle durch Vermittelung der
.Siebbeinzellen mit der Hlruh'.hle kommuniziert, so
nahm mau früher den Rotz als eine direkte Abson-
derung aus dem Gehirne an, eine Meinuni:, die noch
heute im Volke zu linden Ist und der entsprecheud
die vermehrte Nascuscblclmhautaekrclion als eine
vom Stumpfsinn befreiende Gehirnreinigung (s. Wust)
aufgefasst wird (Ituck 16); bei Kindern hangt derselbe
oft glocketistrangfMrmlg aW Itotzkengel , Itolzkentcl,
Kotzklacbcl , Kol «hauen tilier den sogen. Kotzlortel
(*. d.) zum Munde IKoUniaul) herab ; bei Schwerkranken
trocknet er zur Kullgo Kruste in l'upenform (s. Popel)
ei", früher mögen wohl auch Klicgcnmaden dariu sich
eingenistet haben. — 2. — das beim Weinen aus
Nase u. Auge fliessende Sekret (Thränentluss).
- 3. — schleimiges (rotzige!»} Sekret überhaupt !
a) Kehlen- u. Luftrohrensehleim heim Morbus
I. ratn-hus; b) aus dem Wrdauungskanal Mund,
Magen, Dann) (,,da* rott lu dem magen oder in
dem gedann auss dem der Schleim wuchst", Schtncller
II. I«). — 4. = die durch (ISSb von Löftler
entdeckte) Rotzbazillen und deren Rotzgift
(Mallein) erzeugte, höchst leicht übertragbare,
ansteckende Pferdekrankheit, Rotzsueht, Rotz-
wurm, Wurstkrankheit (Farciminium [farcire =
füllen], Malleus humidus) (vom Tierarzte l'elagoniu«
schon iM schrieben, Huber ; -fj u*>.t; — RoUwurm und
Mauke. Kraus, K. »>y ; borubl. Ml, der besonders
als Nasenrotz und Hain i i (=Rotzwnrm) auf-
tritt; in letzlerem l alle (als Hautrotz) ist er eine
uralte Krnnkheltsform und Name, in «lein sich Tara-
«itismus und Damonlsmu*. wie öfter, begegnen, da er
als „Rotz wurm" (s. d ) wie ein bamon tn-sprochen und
gebannt wird; der zähe Auslluss uns der Nasenhöhle
Ider Nasenrotz) aber wurde nach den früheren Schul
lehren als eine blosse Ablagerung aus dem phlegma-
I tischen Geblüte angesehen . da» sieh durch dessen
Ablluss, sowie ilureh seine Ablagerung in den nächst-
gelegenen l.ymph (oder Kehl-jbrüseu reinigen sollte
(engl glandtrs- KoU) (s. Feifei). — 5. = als Rotz
wurde früher auch mancher Kall von Actino-
mykosis bezeichnet (Z Hdb XIV. 1. 7is). — 6. -
Rotz bei Schafen -Schafrolz(s.d ), bei Hühnern
= Pips, Zipf (s. d.) (c'oler 5is). beim Rinde = bös-
artiges Katarrhalfieber (Zlpp. 517). — 7. — »las
schulgemäase Phlegma (s. d.), Pituita, Serum,
Mucus), das als Gliedwasser durch das Rheuma
( = Fluss) in die Gelenke kommen sollte, wurde
auch alH RotZ wiedergegeben ; durch dessen Ver-
mehrung sollten «lie kalten, phlegmatischen, rheuma-
tischen Klus*e entstehen , eine aus der griech.-lat.
Medizinschule entnommene Bezeichnung, (10. Jahrh.
in hrozze - in rheuma [phlegma]). — 8. = als Rotz
bereitendes Organ, dessen schleimige Verstopf-
ung zum schnaubenden, schnarchenden Lttft-
geräusche führt, heisst auch die Nase „die
Rotze" (Gr. W. VIII , 1327). — 9. auch = Fäul-
nis-Schimmel, der eine gallert- oder schleim-
artige Veränderung seines Nährbodens herbei-
führt (Gr. W. VIII. 1327). — 10. rotzähnlicho
Erkrankungen beim Vieh. — rotzen, rötzen
(ahd. riozan, rluzan — weinen, lacrimari; rotzen, ruzan
-- rotzen, schnauben, Schindler II, 196; Wolf). 1. -
Rotz aus Nase und Augen verlieren, thränen,
weinen. — 2. = am Rotz 1 — 9 leiden, öfters Rote
aus der Nase verlieren beim Nasenkatarrh,
Pferderotz etc. (1680 rotzen = laborare gravedlne,
rheumatlsmo patl, Gr. W. VIII, 1328) (s. Rotz 7, Ka-
tarrh und Phlegma). — 3. = rotzen = rohezen,
ropzen , rülpsen, aufstossen, ruetuare (onomato-
' poletUcb, Gr. W. VIII, 1328; D. 602). — 4. = rÖtzeil =
beim Fluor albus Rotz verlieren, mingere (Gr. W.
1. c). — Rotzer, Rötzer, m. = einer, der rotzet,
der am Rotz (1—9) leidet, meist in der Bedeu-
tung: verschnupft ■■ pituitosus, phlegmaticus,
gravedinosus, dann auch als phlegmatischer
Mensch — langweiliger Mensch, schlecht aufge-
legt, morveux (Brlss. 190; Gr. W. VIII. 1328). —
rotzig (rfltzig) (ahd. ruzzlg. rozzec, Graft II, "<60 ;
II 7.. XIV, 18; mhd. rutzic. rotzic, Gr. W. VIII. 1328,
J&51, ndl. ritsigh) = ktulig, brünstig (De Cock 38;,
1. = mit Nasenschleim (Mucus coryzae) behaftet,
rützig, verschnupft, pituitosus. — 2. — mit
Phlegma (Rheuma, Fluss) behaftet, phlegma-
ticus, rheumaticus (Gr. W. VIII, 1328) (s. rotzige
I^ute). — 3. = mit Schleim (Mucus) belegt, inu-
culentus, pchleimig, z. B. in den Gedärmen,
Scheitle etc. (11. Z. XVI, 1s). — 4. = mit dem Rotz 4,
der PlVnlerotzkrankheit behaftet, mürbig fSeb
176, Gr. W. VIII. 1329). — [1360) RotZÜgkeit , f.
Rotz
raufen — Rnrk.
= der Zustand des Kotzens (1—9); fast immer,
nur Rot« 4 = Rotzkrankheit (Sob. iso, Gr. w. VHX,
1329). — Augen-Rotz , n. = Augenschleimbaut-
sekret, Augenscbleim u. Thränenfluss (lippus)
s. rotzäugig (schmeller Ii, 196). — Darm-Rotz, n.
— Darmschleim , namentlich grauweisser oder
faulig riechender (Schmeller Ii, 195). — (1842) ein-
gewurzelter Rotz = die langer bemerkbaren, hef-
tigeren Erscheinungen des Pferderot zes (2.Grad)
(Fällte Ii, 199). — Fuss-Rotz - die Klauenseuche,
Fussfäule, FuBBkrebB beim Schafe, eine Er-
krankung am Schaffusse mit starker schleim-
ähnlicher Sekretion der Haut (Gr. w. iv, l. 1024.
1040). — d'TOtz (ahd. girozetea = plnguta, H. Z.
XV, 54) — wie Fett aussehender Kote (Schmär-
Rots?) oder Rotz aus dem fetteren Bauchge-
därm (?). — Haut-Rotz = der durch den Rotz-
bazillus in der Haut erzeugte sogen. Rottwurm
bei Pferden , wobei Rotz-Drflsenbeulen , Rotz-
Karbunkel, Kotzknoten , Hautpusteln , wurst-
förmig geschlängelte Zellgewebsstränge (Mal-
leus fareiminosus) und RotzgeschwQre auf und
unter d. Haut entstehen (auch auf den Menschen
übertragbar). — (1838) Hunds-Rotz = die Staupe
(8. d.), als Epizootie mit dem Pferderotz ver-
glichen (Merk 229). — Lun^en-Rotz = eine Lokali-
sation der Kotzbazillus-Infektion in der Lunge
(Z. Hdb. m, 409). — Aasm-Rotz, 1. = (1561) Nasen-
schleim (Rotz 1) (Gr. W. VII, 414). 2. = die
Pferde-Rotzkrankheit (Rotz 4), Schleim hautge*
schwüre auf der Nasenschleimhaut (Malleus
humidus) , zum Unterschiede vom Hautrotz
( = Rotzwurm ohne Schleimhaut - \ Mi ktion)
(Z. Hdb. III, 409). — Pferde-Rotz - Rotz 4, zum
Unterschiede von dem auf den Menschen über-
tragenen, anders verlaufenden Menschen-Rotz
(s. Morve, le morfondement , la nasuue, Rriss. 189; la
roupie). — (1592) Schaf-Rotz = eine sehr hart-
näckige, bei Schafen vorkommende, leicht zum
Tode führende Coryza oder bösartiges katar-
rhalisches Fieber (Nasenkatarrh, parasitärer)
(8eb. 163 ; Förster II, 335; Zipp. 630; Falke II, 246). —
Sckmar -Rotzer (schmarotzen) (15.— 16. Jahrb.
emorotxen, sinorrutzen — betteln, schmarotzen ; 1561
schmorotzen - parasitär!, Kluge6, 329); da «ich die im
menschlichen u. tierischen Darme schmarotzend auf-
haltenden u. von Ihrem Wirte wie ein Bettler lebenden
Bauchwürmer aus dessen Darmschleim (s. d.) bilden
sollten nach alter Annahme, so wäre der Zusammen-
hang des 2. Teile« von Scbmar-rotzcrnacb Obigem nicht
von der Hand zu weisen ; der beim Bandwurm ent-
leerte Dannschleim bat auch Ähnlichkeit mit Fett
(Schmar), so das« vielleicht schmarroUen = fettthn-
llchen Darmschlcim (cruda, crassa, pituitosa materiaj
verlieren oder erzeugen bedeuten konnte (die Über-
tragung aul die Bettler ist ohnebin sekundär); auch
schmarützen (und das daraus entstellte schmarlcksen
-Diarrhoe haben, Schmeller II. 553) ist schmarotzen,
bei dem ausserdem die schwere Mlttelsllbe betont Ist
(s. Schmarotzer sub S.). — Schnuder Rotz (1482
snudrot — phlegma, D. 239)= Nasen- (Sehn »de ,
(Schnottolf) Schleim. — Spitaler-Rotz = Alles,
was ekelhaft aussieht (Fuligo) (Buck 19) und an
kranke Leute erinnert. — (17. Jahrh.) Stein-Rotz
= der mit harten Drüsenanschwellungen (Stein-
kropf s. d.) verbundene Pferderotz (R. a. 166). —
(1531) subtiles Rotz = feiner, durchsichtiger
Schleim (Gr. W. viil, 1326). — versteckter Rotz =
der latente Pferde- Rotz, der ansteckend ist,
obwohl allesichtbaren Zeichen des Rotzes fehlen
(Z. Hdb. III, 408). — (17. Jahrb.) weisser Rotz = der
weisslich niessende sogen. Steinrotz der Pferde
(R. A. 165). — Rotz-,TOtzige(er, es) -äugig, Batten,
— Blut, -Drüse, - Gewächse,-Gicke ', - Gift, - Ginkd*,
■Glocke, -Grüblein, -Hammel, -Häutelein, -Kar-
bunkel, -Keil, -Kengel, -Keutel, -Klächel, -Klengel,
•Knoten. -Köber, Krankheit, -Leute, -Löffel,
-Nase, Posaune, -Schlägel, -Schlengel, -Schlund,
-Sucht, - Wasser, ■ Wurm, - Wunt.
roufen ■ rOfen (1664 der roph = singultu«, D. II,
»10). — flw/roufen (15. Jahrb. also eyn uproufet =
singultus, D. II, 340) m Rülpsen.
RÖWO (ndd.). f. bs Rufe (s. (I.).
Rubele, n. (l'lm) = ein Kind mit schwärzlich-
I roter, den Mörl oder Rüben ähnlicher Haut-
farbe (s. Mirl) (c. v. Schm.).
Rubin, tu. — Rubinen- Gesicht.
Ruch, id. Ruck, m. -rUCh (g«rm rük - rauchen
[«. Rauch); mhd. ruh, ruoch. Kluge*, 301; [Bayern]
ruck, m. = Geruch, Gr. W. VIII, 1840), 1. = der von
■ einem Gegenstande ausströmende Geruch
(Odor). — 2. = die Geruchs-Empfindung, das
objektive Empfinden des Geruches. — 3. = der
subjektive Geruchsinn als Fähigkeit zu riechen
— .Fksa-Ruch (16. Jahrh. lusruch [bei Luther]) =
der üble Geruch des schwitzenden Menschen -
fusses (s. Fusstank) (Gr. W. IV. L 1040). — Ge-
ruch (mhd. geruch) — Duft, Ruch 1 — 3. — (1583)
oder Geruch — die fast vollständige Geruch -
losigkeit (Ruch 3), die Leerheit de« Gerach-
sinnp. — Pest- Geruch - der spezifische Ver-
wesungs- oder Toten- Geruch bei ( Pest-) Leichen
oder Geruch wie bei solchen, z. B. bei Stink-
tieren (Brehm Ii, 131). — (1645) verfälschter Ge-
ruch = verdorbener, schlechter Geruch (Ozaena)
(Coler, H. a. 120). — Ruch-.4der*, -Nerve, -Sehne.
Ruck, m. rucken, rücken (ahd. rucche, nie,
rucchau , rucken = schiebend fortbewegen ; mhd.
rücken, ruc - motus, rücken, Kluge*, 306). — rucken,
rücken - etwas schnell vorwArtaschiebend bewegen.
— Ruck, m. 1. sa ein plotzl. Krankheits-Anfall,
der den ganzen Organismus in seinon Funk-
tionen verändert. — 2. = s. Ruch und Rücken.
— Die Stampa (s. d.) ruckt die Leute =
macht sie verrückt (Hey) 660). — Auf-rUckwng
(ndd. upruckinge , Fromm. VI, 491) = „die geringe
oder kurze Besserung eines Kranken", der
bisher „ablägig" war und dann besser „auf-
gelegt" wird, einen Ruck zur besseren Lage,
zur Besserung gemacht hat. — AV-rückung,
Geistes-jBn/rÜckung (12.— 14. Jahrh. Intruckunge
des gelstls = raptu«, D. 643) = Verrücktheit. —
Sinne-entrückt (1469 der synne entrust, Kriegk II,
364) ■ verrückt. Nach dem Volksglauben werdcu
die Seelen (Geister) der Kinder als Elben od. Kugel In
das Berges-Innere zur Elbenschar «1er Perchta-Stampa-
nolde entrückt (Z. d. V. f. V.-K. 1894, S. 4M); Ihre
Seele wellt dann im Engellande. — PerTÜCktAett, -
die Eigen- oder Geistes-Krankheit, ein psy-
chischer Schwächezustand, bei dem die Wahn-
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Rüde- ruechen.
-rück -Kücken. «26
Vorstellungen aus der gesunden Harmonie
«wischen Fühlen, Streben u. Vorstellen heraua-
und ao in den Vordergrund getreten sind,
daas das ganze geistige Leben wie an einem
falschen Orte, wie von seinem richtigen Platze
weggerückt, verschoben („Überecks im Hirne"),
d. h. unharmonisch erscheint (Tollsucht). —
(1735) Ader-, (1692) Weissgeäder-tvrrückt = Dis-
torsio, Verschiebung, Zerrung einer Sehne
(= weisses Geäder S. 4 b) (v. B. 16; seb. 181). —
(17. Jahrh.) Mutter- rerrtickt (Lonic. 33; Fr. K. n. 61),
I. = Disiocatio uteri, Vorfall, Senkung der Ge-
bärmutter. — 2. = Dementia hysterica, verrückt
von der Mutter (n. d.) aus. — rcrrückter Kopf.
Bade, rudich (ruddik) s. Räude (räudig).
Ruder, n. Rädel (Indogerm. re (remus = stosscn] ;
germ. r6 [raUs = Floss]; ahd. ruodar; mud. ruoder;
16.— 17. Jahrh. rudel = Mittel mm Fortstoucn des
Fahrzeuges Im Wasser, Kluge5, 307); dieser Begriff
Ubertragen: Ruder - Penis, Memhrum virile
(Gr. w. vni, 13*8) (s. Schiff). — (1687) Steuer- I
Ruder — Clavicula, das als Steuerstütze hinter
den als bewegliches Ruder gedachten Arm an-
genommene Schlüsselbein (s. d.) (Hyrtl, K. W. 54).
— Rnder-Sfon.
Rübbel s. Röbbel.
Rübe, f. (vorgenn. schon, d. h. einige Jahrhunderte
vor unserer Zeitrechnung aus lat. rnpa = Rübe ent-
lehnt; germ. röbi; ahd. ruoba, ruop|>a, raba; robd. .
rabe (rabi] mnbe, hiebe. Kluge * 306; 17 IC die rieb =
Wurxelfrucht, Kübe, mit der formell angeglichen wird)
— (15W) der Pferdeschwanz am Steissbein,
dessen dickerer fleischiger Teil, wie eine Rübe,
daselbst entspringt (Musconiutn Vegetii) (Kraut,
E. 638; Seb. 209; Gr. W. VIII. 1336; Heyne V, 146). —
rübig - Hube. — ScAir«/-Rube^Kübe, Pferde-
schweif (Mayer S3; daxu wohl Rübenzagel - Rübctal).
— Rübe- Zahn
-rübig a. ruhen.
rücheln (rtiheln) (isos rflcbefn] röcheln (Or.W.
VIII, 1342. 1427, Lonic. 159).
ruechen (indogerm. rüg [enigerc, ru(g)miuare, ruc-
tare]; germ. ruk ■ rülpsen, Kluge*, 296; ahd. ruchjan,
luruchan - nimlnare, Gr. W. III, 1174 (itar = wieder] ;
8.-9. Jahrh. itamchjan, itarrueojen = rumlnare, Graff
II. 9:1.}; angl*. ed-roc rumen, I). 503; 12. Jahrh. Itrucho
= nimlno. coracdo, cihum in os de venire reducens =
wiederkäuen. H. Z. XV, 317; 14. Jahrh. Indrug = rumen,
Immen, Verdauung, Voc. op. W. 10; Iteroche, I. =
Schlund, Hoffmanu 1, 377; mhd. Itrucken (Gr. I. c],
Iterucken, Indruck - frumen, Gurgel, Schlund, Zenlng.
Voc. p 6) Iteroche = Schlund, Lexer 115; 1482 Ind-
ruckcn = raasllcare, kauen, Gr. W. IV, 1. 1579; Zenlng.
Voc. p 5; iud-rucken, elnt-rucken = rumlnare, Gr. W.
IV, 2. 2184; 15. Jahrb. cintruck = Immen, D. 249; Im
Volksmunde umgedeutet In In-dmcken, ein-trucken,
in-drag, in-dnie; 1521 eln-truck, ein druck. Lexer 115;
D. 503; hintcrdenken - rumlnare, 15. Jahrb.; D. 503;
(Bayern, Algati] Brucken, Brücken, Gr. W. IV. 2. 2183;
ndd. ederirhen, cdcrigcu. hedericken, edrichen, Id-
riken , D. 503; [Schwaben] 1508 ydrlchen = idrigen,
Gr. W. IV; (Neckar] Brüchen ; [Tlrol| Brienen, Bren ;
(Kärnten] Berachen, Gr. W. I. c. ; (Elsas).] Intniecke, •
E. W I,«3; [Henneb.] nldro. rk.Sj.lf»« II. 173 ; (Heanren,
t ugarn] iriiruckclicn, Fromm. VI, 331), — ruechen
■i kauen, fressen, essen (Schm. 11, a3). — iter-
ruechen — wiederkäuen. — Intr uech, Iterue ch
= Schlund als Kaustelle. — (1482) Gaumen-
In druck u. (1482) VseAes-Indrnck, 1. = Rumen,
Frumen, Wiederkäuung. — 8. = der Schlund
oder Giel (» d.) (Zenlng. Voc. p 6, 1 1; 1495 Indruck
des vyhe» oder des gummen = rumen, D. 503). —
(1538) rcr-nedrichen = ganz, und gar verdauen
durch w iederholtes Kauen (Gr. W. IV, 2. 2183). —
wieder- ruechen (wederruchten = rumlnare, D. 503).
-rück, rücken s. rucken u. Uige.
Rücken, m. Rucken, m. Rück, m. Rnck, m.
(altlndogerm. krukjö — krümmen, biegen; altgall.
cruclon = Borg; allirisch crocen — Fell, Rücken;
germ. hrugja; vorohd. hrukki ; angli. hrycg, rick ■
Höcker; ahd. rukki, rucki = Kücken (spinale], Kluge*
306; D. 547 ; 8. Jahrh. hrucki - domo, Kero 75; Cass.
Glos«. ; 10. Jahrh. rukke, Notker; mhd. rücke, rügge-
dorsum, vertebm tergum; 1477 ruck, C. v. Megbg. ; 1497
rucken, Gr. W. VIII . 1356; 1559 rucken, Ryff; 16. Jahrh.
ruecke; 1591 rück = Rücken, Tabern. ; engl, rldge =
Rücken, Suffel, Gaumenfurche, Kaltschm. ; rick, ricket
= Buckel, rhachltischer ILtcker; the ricket* = Rachitis,
{ii/ltf. soll. vöz(ti), 1. = die der Brust bezw. dem
Bauche gegenüberliegende gekrümmte Längs-
seite des Kumpfes bei Mensch u. Tier (Tergum),
welche aus dem eigentlichen (Mittel-) Rücken
(doraum, le dos, le dodier = doa-derriore), den
Lenden (Rückenlende), dem Kreuze und dem
Nacken besteht — 2. = der Inhalt der nach
hinten dorn- oder meisselartig hervorragenden
und unter sich einen Kanal bildenden Rücken-
knochen, die einen knorrigen, dornigen Grat
(Spina dorsi) zusammensetzen, der das Rücken-
mark einschliesat. — t. = der obere od. hintere
Teil, auch die Unterlage (s. Küssen) eines
Gegenstandes. — 4. = der krankhafte Rücken
(mit Möllern oder Teigtrogen vergleicht das Volk deu
SenkRücketi der Spukgestallen) — t>. = Rüfkeil-
ähnliches oder dem Rücken Verglichenes. —
Rückel, n. (Rickel) I
Rucklein, I 1. = ein kleiner Rücken
Rückchen, J
(Chr. 8am. I, 192). — 2. = (1699, 1743) Pankreas, od.
die grosse Magendrüse, Wampenbries, Gekrös-
ilrüse, welche als eine kossenartige Unterlage
für den Magen (s. Magenpolster) angesehen
wurde (v. M. II, 123; Uyrtl, K. W. 33; Kulmua 167;
Löveling 244; blbl. Med. 318; Gr. W. VIII, 1372). —
3. = (16. Jahrh. ruccklln auf Lateinisch Adenae et Glan-
dulae. Kr. Kr. B. 573; Lonic. 310) - Drüse überhaupt,
drüsiges Fleisch. — Rücklein-Dniw, -Gekröse,
-Röhre. — (mhd.) Boycn rucket (16. Jahrh. bng
nickig, bogriicklg, bogmeket — decrepitnt, glbbosus,
Scbmeller II, 80; i). 16H). 1. = am Rücken durch
Alterschwäche oder Krankheit gebogen. — 2.-
Karpfenrflcken beim Pferde und Rinde. — (iftöii
breiter { Ruck*11 I = der in die Acl,8e|-Breiu*.
namenlltcli bei Arbeitern mit starken Schulter-
muskeln, ausgedehnte eigentliche Rückenteil
des Rumpfes (Gr. w. vni, 1348). — (1646) Eatlt-
Rucken, I. - Criata ossis femoris: „die hintere
Kante des Oberschenkels (Knochen) ist durch
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Korken.
Rückniatismus— rühren.
eine scharfe Konnivenz der beiden Seitenlliielien
ähnlich dem kantigen Eselsrückcn gebildet"
(Hyril, K. VF. ti). — 2. — der magero kantige
Pferde- Klicken (Zippcrlen). — -Rücken -
Rist (s. d.) — (9f-rtick 8. Kige. — Grat-
RuckfelU | ~ KückKral (8- d0 (Schmeller I, 1016).
— //««(/-Rücken = die Kehrseite der Hand-
flaehe, dorsuni mantis (s. Rücken-Netz) (Gr. W.
IV, 2. 413). — Hinter- Rücken = der hintere obere
Teil des Rückens oberhalb des Abdomen (Gr. VF.
IV. 2. 1518). — Hoch-Ruck (abd. huehrug; 1515 bocb-
ruck m spondyle [I>. 548) Spina dorsl, I». 5-16), l. -■ das
Fleisch auf dem ilinterrücken, namentlicli auf
dem (bei Tieren, besonders Schweinen) höchsten
Teile des Rückgrates (Nacken) ([Schwabeu] Haueh-
rucka. Bncfc, Klurn. 222; [Henneb.) hothroeck — Stich-
braten, Spless II, 107). — 2. = (15. Jahrh.) die Wirbel-
saule, der ganze Rückgrat und der daran be-
findliche Banchteil (Gr. VF. IV, 2. 1630). — 3. ^
(1660 hochrurkig — glbbosns, 1680 gibbus, Gr. VF. IV,
2. 1630; VIII, 134«) ein durch Krankheit ditiortiier,
kyphoiisch veränderter, buckelig erhöhter
Rücken. — Karpfen- Rücken - ein wie beim
Karpfenlische hochgebogener, nach oben ge-
wollter Pferde- oder Rinder-Rücken. — (1«80)
krummer Rücken - ein durch Alter oder Krank-
heit im Rogen gekrümmtes Rückgrat (Gr. W.
VIII. 13^»). — lahmer Rücken, 1. = die durch
Rheuma oder sonstige Krankheit in ihrer Be-
wegung gehemmte Rückenmuskulatnr. — 2. —
der im Rücken empfundene, die Rückenbe-
wegung hemmende Schmerz (Ruckweh). —
.Mayen -Rücklein = Pankreas (s. Rücklein 2),
das dem Kehnstuhlpolster angeglichene Magen-
polster (llyrtl, K. W. uo). — AI ittel- Rücken -
der mittlere zwischen Nacken und Ruckenlende
betindliche Teil des menschlichen Kückens, «1er
eigentliche Kücken (Gr. W. VI, 2407). — Xasen-
Rücken = der oberste Teil der Nase, der Nasen-
grat, der bei der sogen. Adlernase besonders
hoch aufgerichtet ist (15. Jahrh. nassrich - a<i<iilinns,
i». ii, 30; Gr. \v. vii, 4ii). — medYr- rucken =
mundartlich entstellt ans iter-ruechen (s. ruechen)
(AadNMa ioyj. — ü/>tr-Rücken = Afterklauen
des Hirsches (Brehm Iii, 138) als obere u. hintere,
den Boden nicht berührende Teile des Beines.
— rauher Ruck/«) (1432, C. v. Mcgbg.) ■= eine
durch vorragende Knochenteile oder durch
rauhe Hautoberfläche ungleiche Rückenflache.
— /2o8S-Ruck - Bin« bei ehemaligen Kultwaldungen
vorkommende, vermutlich mit dein Rossopfer oder dem
Boss — Alp (». o.) in Beziehung stehende Bezeichnung
für den Pferderöcken, denen Knochen man auf
Bitumen aufhing (Jahn 122). — Sau Rucken (1521)
sewruk — succidia, l>. 563) — Schweinsbaclie, speck-
reicher Teil des Schweins. — (leso) schlimmer
Rücken = Hörsum ineurvum, schiefer Rücken
(s. schlimm) (Heyne V, 393). — schwacher Rücken
= ein durch Knochenweichheit (Khachms) zur
Verbiegung sich neigendes Rückgrat. — Scnk-
Rücken = lx>rdosi8 (Äop$ic = gekrümmt), ein tief
nach unten eingezogener, durch öftere Belast-
ung (Tracht) verbogener l'feiderücken, wie ihn
die geissfüssigen Dämonen des Volksglaubens
haben sollen (Mayer 40). — starker Bücken - ein
muskel- und knochenkraftiger, breiter Rücken
des Menschen (Schmeller II, so). — (IMS) tiefer
Rücken = Senkrücken (Falke Ii, 370). — Zungen-
Rücken = die obere und hintere Flache der
Zunge (Falke II, 462; Krau*, E. 810). — Ruck-,
Rück-, Rucken-, Rttcken-.fi der, -Bein, -biegig,
-Blut, -Braten, -bü<jig, -Darre, -Dorn, -Feil,
• Gelenk, -Qesüclit, -Gicht, -Grat, -GraUgleich,
-Haut, -Knopf, -Knorren, -Knoten, -Krampf,
-Krümme, -Lende, -Mark, -Markdarre, -M eissei,
-Netz, -Pater, -Pein, -Riemen, -Rose, -Saft,
-Schauer, -Schmerz, -Schuss, -Schwindsucht,
-Spalte, -ständig, -Strang, -Streifen, -Uberblut,
- Weh, - Weiche, - Wehtag, - Wirbel.
Rückm&tismus = (scherzhaft für) Rüeken-
Rheumalismus (Audrcsen 99, Ann 8)
Rüden, pl. ~- roter Jagdhund (Kluge); clblseh
gezeichnet , daher die Gestalt der untergeschobenen
Wcchsclbälge im Volksmärchen, welche die Menschen-
frauen saugen müssen {Kuhn I, 35. 73. 74). — Rüden
Ring.
rüderig s. Räude.
Rüfe, Rüfel, Rüfle, rüften s. Rufe.
rühren (Indogerm. kräs; germ. krüs; goth. kn"«zjan ;
ohd. hniorjan, ruoren; mhd. rueren , Kluge5. 307;
Sfhw. 663; dazu mhd. ruor, ruore = Kühr [s. d.J) =
in Bewegung Betzen, antreiben, heftig, eilig
bewegen, aufrühren, sich rühren, anrühren,
durch Bewegungempfinden, berühren.— rühren,
d. b. die Bewegung der (.Tedarme empfinden,
war früher eines der massgebendsten Anzeichen der
Ablührmittel. die der primitivere Mensch durch Ver-
suche der pflanzlichen Mittel erst erproben musste ;
daher Ruhr-Trank (mhd. niortrank. Kluge*, 307): ein
I'rlanzenaufguss, der Kiihning in den (tedarmen, Ab-
führen macht. — Rührung. I. = die Handlung
oder der Zustand und die Empfindung des Be-
wegens. — 2. = (1681 roehning = paralysis, D. II,
280) = Berührung, Schlag. — (i;i-rtihren = etwas
durch eigene Fingerbewegung berühren, au
i etwas rühren, etwas anrührend in Bewegung
versetzen und diese Bewegung empfinden. —
«m- rührend ■ durch direkte Berührung (Con-
tagium, «'ontactus, s. berühren) ansteckend. —
^«rühren, n. = Anreichen (s. d ), der Schaden
am Pferde, der durch das zu weile Vorgreifen
der llinterfüssc des Pferdes beim Laufen und
das Berühren, Erreichen, Anreichen, Einbauen
an den Vorderhufen daselbst entsteht (Gr. VF. I.
432). — räudige ....ruhrung (16. Jahrh. rndigk
annirung aa contagium scablei, D. MC) = die Räude-
Ansteckung durch Berührung. — Rühr mich
nicht an! (l'berseuutig des Noll mc tätigere [HS2;
(.'. v. Megbg.] der m 1 1 le 1 nl t e r 1 i c b c n Medizinschriflstcller,
die darunter verstanden): 1. = Krebs, Carcinoma,
namentlich das KpithelUarzinom im Gesichte
(1482 ,,ein grausamer Siechtum der das antlttx
». v. Megbg.; 1518 „Ist der sieche all, so warne ich
dich; thue deine hand ab; es ist nicht gut. dass da
ihn [danAntlitzkrebs] unterstandest anzurühren", II. v.
Gersd. 74 ; 1545 ,,es ist ein sehr heftiger böser und unge-
«chlaehteter Schaden, namentlich im Angesicht, der
um sich greift", Kyll, d L'hir. ; 1582 die kranckheyt Noll
ine längere ist ein umbfressender Schade, I.onlc. 290;
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rühren.
Rülp— rüspein. 527
1754 « Angeaichtkrehs, A. v. II. I, 1071; II, 1150, he-
sonders im Anfange Heiner Bildung «olfte tiimt das Nnli
me Uuigere nicht mit Mitteln tteruhren, Kondom ruh!«
luven ; denn der wahre [offene] Krel>s verzehre in
einem Tage mehr als du Noll nie längere in einem
Monate (A. v. II. 1. e . »ehrend t»; toler, H. A. 121).
— 2. = (mtl. Noli ine tangerc — morbus in facie ex
mictuia [«. be«elchen] Klirium [*. Man«. Fledermaus]
id est urina murin et gliris vrl in eulo = bubo, hesper
[= berpes] eancrius [— krebsig], I) 615 = syrin so
eins ein mau«« im antllu besaieht od. beprunut,
D. 27C; II, 202; nach noch heute lebendigem Volks-
glauben entstehen fressende, rote Stellen auf der Haut
durch du Beplssen durch einen Kro«ch [Proteen, bubo,
buIo?J, einer Maui oder durch den Blss eine* Krebse*
oder Skorpion*; 15. Jahrh. noli me tangere = »ncht
von der roten saichung, 1). 382 [durch den roten giftig
geltenden Harn dcrTiereJ; r>90 noli me tätigere, l'ara-
celsu»; 1630; Lonicerns; 1654. A. v. H. I, 1071; 1842;
Kraus, E. 665; engl. Noll me tangere = Lupus, Lehf.
201) jeder sogen, fressen deSc ha den, weither
auf äussere Mittel „eher ftrger als bosser wird"
und swar: a) fressender Wurm (s. d. u. .Sirey)
im Gesichte; b) Gefrasslistel (s. d.), Morbus
formica s. Lupus, wozu auch syphilisilhnliche
Ausschlagsformen gerechnet werden (Pr. II, 75),
sowie der Krebs mit Ausgang in Gangrän oder
fressendes (ieschwfir; c) (1577) Nasen- Kolyp,
PolypiM narium, Koedatio naris iiad. Jun. 382;
D. «5), Nasenepithelkrebs. — Die Hilflosigkeit der
damaligen Behandlung beim vorgeschrittenen und noch
nicht aufgebrochenen Krebs wie beim Lupus und auch
die Entschuldigung des arxtliehen Handelns mag die
Benennung dieser Krankheiten mit Noll me taugere
veranlasst hnben (Kichter I, 2*M). — 3. — die vom
Volke dem Bereichen («. d.) durch eine Maus
(Ratte), Kröte (Proti) zugeschriebene Lymphan-
goitis und Phlegmone (1466 noli me tangere = sucht
von raezen, D. II, 265). — .Berühren, 1. — das An-
rühren bei einem Körperteile, namentlich nach
froherem Volksglauben durch einen Krankheits-
damon, der dadurch elbieche oder schelmische
Krankheiten hervorruft, besonders plötzliche
Lahmungen (Schwarte 411; Blrlingcr I, 14 ») (s. be-
rufen); /iertthrte, n., f. (in. jahrh. bernren; la
einem alten NachUegen, SlU.Ber. 1*67, 7. 13; 15. Jahrh
hen'irde = Uvctus, D. II, S67; 1512 beriert = tactus,
Apoplexia, D. 571; ndl. Iieroerte. f.. De l ock Vit = die
durch Berührung von .Seite der Dämonen durch
die Hand (s. d.) oder den Schlag (s. d.) Gottes
veranlasste Krankheit; Lähmung, Apoplexia,
Paralysis. — 2. = das Treten der Henne durch
den Hahn (Kruutw. XXIX, J 21. — Die »chtimisehc
Bt rührung brachte schelmische Krankheiten,
x. IS. Seuciien mit Erslickungsgefahr (<;r w. VIII,
2519); auch das (ansieckende) St. Antoni-Feuer
(a. d., Milzbrand-Rotlauf; „berührte" die Leute
hart, ebenso der Schüttelfrost beim Ritton < 1417
ejrn den dal kolde barde roret — cnutricheu« [ — hemi-
trlteus], I». II, IIS). Aus der Vorstellung des daiuo-
nistlschen Beruhrens wird sich der Begriff des Contagium
entwickelt halten. Auch die Heilungen durch den auf-
gelegten Kluger oder die Heilhand, wie sie Heilige des
Christentums vollzogen (s. baxner), hatten eigentlich
eine damoniitische Vorstellung, die Vertreibung der
Krankheltsdamoncn, *nr Grundlage gehabt. Die schon
in der Kdda iSignlrilumal I; Jordan 360. :W7) erwähnten
I „heilenden Hände" besa-ssen eine solche Wuudcrkraft,
welche später den franko Kultischen und normanno-
englischen Königen bis in unser Jahthuudert gegen
das Konigsubel d.) beigemessen wurde (s. Z. d. V.
f. v. k. is««, vi, 44;; ff ). — Gr rührt, n. (15. Jahrb.
gerierd - tactus, D. II, «07 ; lt&S geruerd, ('. v. Megbg. ;
liy > gerurt ss tactus, Apoplexia, D. 333. 571; 1507
gheroert — sideratu«, sldere afllulus, D. I. c), 1. = der
Gelübisinn, die Empfindung, dass die Teile des
Korpers bewegt, beweglich sind, die Empfin-
| dungskrafl lür die Bewegung. — 2. — die Krank-
heit, die veranlasst ist dadurch, dass (nach
früherem Glauben) der Krankheitsdämon, das
Sonnengestirn (Sonnenstich) oder die Hand
Gottes einen Körperteil od. den Körper berührt
hat, welcher dann '„-"lahmt, vom Schlage ge-
troffen ist. — Kin d « Rührung = die Empfindung
der Eigen - Bewegung des Kindes im Mutter-
leibe, die die im 5. Monate und darüber hinaus
schwangere Mutter hat. — w-rührt (1500 ver-
ueert = nttonltns, D. Ii, 41) - ganr, und gar durch
berührenden Schlag (der Dämonen) gelahmt, so
dass Fraisen erfolgen = mit Fraisen geschlagen.
Rülp, m. Rülps, m. Rülpser, m. ruelpsen,
rülzen, Rülz, m. eine schalluaehahmende Bezeich-
nung für »Iii.1* hörbare öftere Rülpsen oder Auf-
Stossen; ursprünglich: ruclpezen erhielt das Wort,
da« vielfach gebraucht wurde, wie eine gut gangbare
Münze abgeschliffene und glattere Gestalt in zahl-
reichen Nebenformen uioel/'-n, grülzcn, rupzen,
rupsen, rüpsen, raepsen, roepsen, grofesen,
groebsen etc. — Rülp, Rülps, Rülpser, Rültz, m.
I. - das einzelne laute Aufslirssen (Kucius)
(Gr. \V VIII, 1177 ff.; Cranell IV, 2t.:!). — 2. = der
Mentch, der roher WVisie aulstosst (II. Paul 365).
— Rülzung — die Handlung des lauten Auf«
stossens (liuclatio) (Gr. W. VIII, ltso). — Rülps-
SttJtt.
Rültz, m. rülzen, 1 - rolzen (s. d ), geil sein
(Gr. \V. VIII. 147U). — 2. - s. rülpsen. — (1711]
RÜltZ = KuCtOfl (Kirsch 1046), Külpser.
-rümpel s. rumpeln.
rümpfen ■. Rumpf.
Rünn [mndd. röne; [Holland, Westfalen) min, rinne)
Kenne, Wallache (das WMbern [renelnl der Bosse
galt bei den Germanen als augurium [giruni - inyste-
riural. »ehm. II, 106. 10S; Kluge 395; Fromm. VI, 36s).
Runs- s. Kims
rüpeln (rüpsen), Rüppl, m. = vomero («u ah.i.
ruffa/nu, roffizan, 'iraff II, ."«UOJ; daraus: rue|>sen und
das an Kuppel -- roher, grober Unprceht lllatiern-
Name) angelehnte rticpeln (Klugu s, :»s), die wie ruelpsen
lautmalende Bezeichnungen fur: dtis hörbare Auf-
stossen ans dem Magen = vomere, ruetare sind.
— Rüpsung -«lie Handlung des Küpsens (Sehm.
II. 132; <.r. W. VIII, ] .:..). — Rüppel, m. = ein
unruhiges Kind (s. rippeln) (Wolf).
Rüsel, in. s. Kiesel.
rÜSen :r'-;> das gt t.ainn ru«et, Braunsehw. Chlr.)
= einen Riss, Spalt, eine Kluft haben,
rüspein, rüspern (ruspern) [149» rfiiplen ; isni
ritsplen, Gr. W. VIII, 138») = sich hustend aus-
«SR Kussel- Kuelz
räuspern (h. d.). — (l&ni) Rüspler -= einer, der
sich räuspert (dt. W. viil, IMS). — (1561) Rüsplung
= die Handlung des Räusperns (Gr. 1. eod.).
Rüssel, Ol. (vorgerm. wröd [roderc, nagen]; germ.
Witt — aufwühlen; vorahd. wrözil; ahd. ruozan = die
Erde umbrechen, ruozll; mhd. rüesel - Rüssel). 1. =
„die aufwühlende Schnauze des Schweins"
(Kluge*, 308) (Kostrum suis), als organisches
Wflhl-Gerät(groin). — 2. — die spitz zulaufende,
fleischige oder haarige Schnauze oder Nase
(s. Schnäbeliz) anderer Tiere. — 3. = formell
angeglichen: a) die menschliche Nase; h) der
Mund; c) die weibliche Vaginalportion. — 4. =
der Träger dieses Rossels. — gespülter Rüssel
= derein gewaschenes Gesicht (Maul) hat (C. v.
8chm. 443). — Sc/iiffins-Rtissel = der schnauzen-
förmig in die Scheide hereinragende Scheiden-
teil (Portio vaginalis) der Gebärmutter (col
tapiroid), Tinkaknochen (Hyrtl, Anal. 709).
Rüsseln s. Rieseln.
Rüst s. 1. Rist, 2. Runst.
-nieste, ruesten (tndogcrm. kruth; germ. hruth
-schmücken; ahd. krostjan, nuten; mhd. ruesten,
Kluge*, 30« B.; dazu ahd. girustt; mhd. gerueste,
Kluge5, 136 m Ausstattung, Vorrichtung, Aufbau, Ge-
stell). — {1741) jjJJJJj^. | Gerüste = das Knochen-
gestell, Skelett; „es galt als Sitz des Lebens
uud in weiterer Folge als Mittel zum Wieder-
aufleben" (tjUstner II, 84 B ; Kirsch 1070). — (1099)
For- Gerüst = die Stelle am Vorderteil des
Tragtieres, wo die Vorrichtung zum Sitzen
oder Tragen (Sattel , Saumzeug) sich befindet
(v. M. I, 50).
Rüstern; falsch für Nüstern (Falke Ii. 251).
Rütten s. Rillen. — Rütten- Weibchen.
rütten, rütteln -rtittung (mhd. ructteln, rüttcu
= schütteln. Kluge6, 309; Zer rüttung = die gewalt-
xame Erschütterung mit 1 'leibender Störung de» früheren
Zustande*). — Geintes-, (IC OS) //uu/>/s-iJerrÜttung
= die traumatische Erschütterung des Kopfes
und des Gehirnes als des Sitzes des geistigen
Lebens (nach Sturz oder Schlag), übertragen
auf nicht traumatische Geisteskrankheit mit
bleibender Störung der Sinnes-Nerven und des
geistigen Lebens (Verstandes) (st. Benno-Mirak ).
Ruetz.m., f. Ritz, f. Rutze, f. Rütze, f.
rützen (RUBS) (mundartliche Nebenformen zu Rotz
[s. d.l), 1. - I'iüiita, eine Erkrankung bei Mensch
oder Tier durch vermehrte Rotz- (Schleim-)
Bildung (Gr. w. VIII, 1080). — 2. = die Stelle, wo
dieser gebildet wird (Nase, Auge [1660] Mund)
(Gr. W. VIII, 1572; Schmeller II. 196). — 3. = (1699)
MalleuB humidus, die Pferde-Kotzkrankheit —
Ritz, f. (Gr. w. VIII, loso). — rützen (rilzen) (ahd.
riozan, rnzan = schnauben, lacrimare, roUeu, mhd.
riezen; 1599 ritzen), 1. = am Pferde-Rotz erkrankt
sein. — 2. - das Fliessen des Rolzen. — 3. =
schnauben und rülpsen (Gr. W. VIII, 1084 ; 8chm.
II, 196). — RÜtZUng (ahd. ruzzunga; 9. Jabrh. ; Graft
II, 1068 — sternutatio) = Rotzung, die Handlung
des Rotzbildens. — rützig (ritzig) (ahd. mzzig =
muculentus, V. 369 ; 1421 ruczlg ^ rotzig, Gr. W. VIII,
1086; 1M1 ritzig ~ hanplsüchtlg, am Schnupfen (coryza,
gravedo] leidend, <ir. W. VIII, 1085; 1590 russig = m-
bidu«, rablosus, D. 482; 1599 ruczlg = roiaig , hart-
«chiachtlg . Gr. W. VIII , 1085 ; 1654 , ndl. rftslgk =
brünstig, DeCock; Folklore; Geneesk. 38), 1. = ra-
bidus, mucosus, rotzig, verstopft in der Nase,
schweratmig, damit hartschlächtig (s.d.), wegen
der meist auch weiter ausgedehnten katar-
rhalischen Schwellunginden Atmungswegen. —
2. — mit Rotz belegt, schmutzig, ekelhaft wie
der sogen. Spitalerrotz (s. d.); (hleher auch da«
rutze kinpain, da« rotz beschmutzte Kinn eines unge-
heuren Waldmann», C. v. Schm. 443, Gl. W. VIII,
1086). — 3 = mit der Pferde-Rotzkrankheit be-
haftet (Buck 47 ; Schindler II, 196). — 4. = wütend
(Phlegma, Lympha), wasserscheu. — 5. = brün-
stig, Brunstschleim zeigend (von Pferden). —
St«} - * «-™* "
Pferden (Gr. W. l. c; Sab. 177). — au^rn-rtitzig
(1445 augcnriczlg = lippidus, Bchmeller II, 196 ; D. 332)
= thränend durch rützigen, Augenschleim secer-
nierenden Augen-Katarrh. — Brusl-Rützen, pl.
(die rücxen umb brüst, Schmeller II, 196) = die Brust-
verschleimung, Luitröhrenkatarrh. — o rützen
(15. Jahrh. eruzzen. enrozzen, Schmeller II, 196) =
schleimige Eiter rinnen lassen. — ifrrr-RUtz
(15. Jahrh. herezriez, Gr. W. VIII, 1080 ; Schmeller II.
195) — Brustrütze mit Herzbeklemmung, hart-
schlächtig, Rmphysema mit Asthma bei Luft-
röhren-Schleimbildung (vielleicht anlehnend
an Herz-Ritten) — Aim rützig (rissig) = elbisch
verwirrt (s. d.) wie ein am Hirnwunne leidendes
Schaf, das dann den Hirn- Wust als Hirnrotz
entleert; eine an ,, hirnrissig" leichten Sinnes ange-
lehnte Bezeichnung (s. Hirn, Phlegma, Wust). —
sdoruir-rützen = schmaricksen (dies entstellt
aus jenem) -? schmar-rotzen (s. d.). — Schnabel-
Rütze (snnbelrnsse — rheuma, I). 497) sa Nasen-
schleim (verächtlich). — rutziger Harn.
Ruf, f. Rufe, f., m. Rufen, f., pl. Rufe, f. m
Rüfle, Rüfli. Rüfel, Rüfchen, Ruft, Rufta,
RÖWO, Rof, Robe {ahd. ruf. hruf, hruul, hriub, hri-
ubl, hriupl, hriuua = lepra, pustula lucens, papula
[rupia ? scabla], Scabies, I). II, 328; pestis; mtl. rofla,
Brl»». 230 ; In roufie, rolle, rote, ritte, riob = leprosus,
acablosus, Schw. 561; Gr. \\. III, 393, Graff IV, 1165;
Gr. D. It II, 1112; altuord. hrufa, Fromm. VI, 367;
angls. hreof, hreoflati , hreotle, hreofol, hreofe -
Mahles, lcprositos, pediculost, foek. I, 363. SM ;
II, 16. 396; 10. Jahrh. hrut = ramex — Grintwnrz,
Graff II, 499; 12. Jahrh. bruf, ruf — Scabies, Z. II. VI.
321. 320; 13. Jahrh. reuffen, D. HC; mhd. ruf sa lepra,
Schmeller II, 67; mnd. mffe, roffe, m. = ernst«
ulceri«, Gr. VI. VIII. 1396 ; 13. — 14. Jahrh. rob-mmex.
D. 603; Schmeller II, «8; 14. — 15. Jahrh., mnd. de
roven — rauhe Gesichtshaut, Z. f. nd. 8pr. F. XV, 144 ;
15. Jahrh. rouc, roof ss crustula ulcerls, sanlcs, D. 511 ;
roff — serpedo. I>. 530, 1498 rufen ■= ostra, eschara,
Braunschvr. Chir. j 15. Jahrh. rufe, rufe, Gr. W. VIII,
193.,; ruff = rumex [- Zltterachwrurz] , t>. II, 322,
1629 rufte — Krobsborke, Brunt. ; 1631 rufen, Gr. \V.
1. eod.; 1633 ruften = Syphilisborken, Fuchs I. 365;
1561 hi die — bützle, Kissen, crustulae ulcerantes, Gr. W.
VIII, 1392; 1577 raten = Schaden, Schorf, Blattem-
seborf, Wirsung; 1676 rufen, grtnder rufen sa Kopf-
ansschla«, Grlnt, Kratze; 15S0 rnfen, m. es Sehadeu-
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Ruf.
rufen.
520
«chori; 1682 die Kufl , I.onic. 221; 1585 ruffei) , pl. ,
Tuben». ; 1589 raten, f., Poracelsus — Schadenscborf ;
1608 rufe = Kruste, Gr. W. VIII. 1396; 1630 rüf, m. =
Wundschorf. • tigo. Lonicerus ; 17. Jahrh. ein Ruff
- Brundscborf, Fr. Kr. B. 414; raffe In facle = menda,
D. II, 250; 1712 rüfleben, Gr. W. VIII, 1397; 1741
ru flehen = crustnla. D. II, 121; [Schweix] Rufe, na.
Kufll = Ausschlag, Schm. II, 97 ff.; [Schwaben] Ruf
= die trockene Borke Jeder offen gewesenen Haut-
stelle, Buck 19; Franken Ruft, f. Rnfta = trockener
Wundgrlnt, Schw. 564; [Bayern] Rufen, pl.. f. Ruft =
Impetigo, crusta, egehara achores, A. v. M. I, 14. 15;
Schw. 564; Schindler II, 97 ff. ; ndd. rowe; hol!, roof;
angls. hrleftba, Cock. II, MS; Fromm. VI, 68. 367). —
Rufe ^Rüfe) = der erste rauhe abrupfbare,
abzuzupfende, verhärtete Überzug (Schorf,
Räude, Rumpf, Ranft, Kruste s. d.) auf
einer vom Rande her heilenden Wunde oder
eines Geschwürs, auch einer mit Schorfbildung
verlaufenden Hautkrankheit hei Mensch und
Tier. — Die Rufe ist als solcher Borkenbeleg
mit ihrer Unterlage noch etwas verbunden,
während die spätere eigentliche Borke davon
schon mehr getrennt ist; die Räude ist noch
frischer, kleiner und röter als die Rufe; der
Schorf hat noch offene, rote Stellen unter sich,
die von einer Wunde herrühren ; die Mase ist,
wenn borkig, dann so, dass sie eine Farben-
oder Haut8truktur- Veränderung hinterlässt auf
der Stelle, wo sie war; die Narbe ist das bereits
vollständig borkenlose Endresultat eines Sub-
stanzverlustes in der Haut ; alle aber sind die
verschiedenen Stadien des von den Germanen
bereits angestrebten Wundheilungsprozesses
„unterm Schorfe". Diese Rufenbildung zeigt
Bich nun bei: 1. = l^epra (Aussatz) als Pem-
phigus leprosus in den ersten Stadien derselben,
daher Lepra = Rufsucht (Neisser In Z. Hdb. XIV, l.
633). — 2. = bei der Wunde und namentlich an
aufgeschürften" Hautstellen (s. Rawe), wobei
sich durch Vertrocknung des Wundsekretes
eine meist helle bis dunkelbraune Kruste auf
der wunden Stelle ausbildet. — 3. = bei der
Krätze oder Räude (Scabies sarcoptes) ; durch
das Aufkratzen , Aufschürfen der juckenden
Hautstellen bildet sich ein kleinkrustiger, meist
frischroter Hautausschlag. — 4. = bei gesch wür-
igen Subetanzverlusten (Ulcera), wobei die
Farbe der durch Eintrocknung des betreuenden
Geschwür - Sekretes gebildeten Burke einige
Abwechselung bietet; das Brandgeschwür z. B.
bildet dunkle bis schwarzbraune , der Eiter
gelbgrüne Borken oder Rufen. — 5. = auch bei
verschiedenen anderen Hantkrankheiten ist
ohne eigentliche Gesch« ürbildung der Ausgang
in borkige, schorfige, rullge Krustenbildung
gegeben: a) Impetigo mit gelblich grünen Grint-
Borken ; b) Rupia (vielleicht urverwandt mii rufe?)
mit schmutzig grünen, dicken, festen, auffallend
grossen Borken (Schmutzflechte) ; e) Eclhyma
mit runden bräunlichen Borken ; d) Pocken
(Variola) mit schwarzbräunlicben Borken ;e) Sy-
philis (Rupia syphilitica) (d u. e erklären auch,
das« Rufe = pestls [*. o. ahd] ist). — sich lüften
^ sich mit eitler Rufe (Borke, Schorf) über-
ziehen (H. Hanl 364). - Eüfling fnncl«. lireofltge;
hreofumlice = leprosus, f'oek. II, 78; Masstn. 116)
= mit Rufen bedeckter AussäUling, Leprose.
— rufig, ruficht, rüficht, ruferig, rüferig
(1551 raftecht, Bock 362; 1560 ruffig, Schra. II, 67;
1565 rufechtig, Paraccls.; 1612 rufechtig, Gr. W.
VTTI, 1397) = mit einer Rufe versehen (ravidus),
krustig, hart, rauh, schrundig (Gr. w. VIII, 1408).
— Rüftigkeit (1507, D. 515 ■ scabritudo) = der Zu-
stand des Rüftigseins. — (1599) Blut Rufen, f.
= eine Krätze- oder Raudeform bei Pferden,
hei der durch das starke Aufschürfen der Haut
des Rückens frischrote, blutige Krusten (Rüns-
lein) neben Blutschwären und Haar- Ausfall
(Schftbigkeit) sich ausbilden (Scabies cruenta)
(Gr. W. II, 189; VIII, 1396). — Brand-Rufen = ein
auf brandigen GeschwOrstellen sich ausbilden-
der schwarzbräunlicher Krustenbelag, eschara
(Brandschorf) (Gr. W. II, 300). — (1688) Ktta -Rufe
= eine namentlich auf eiternden Krätze-Pusteln
sich ausbildende, gelb grünliche Borke (Scabies
purulenta) (Gr. w. Hl, 393). — (1588) Franzosen-
Rufen = Rupia syphilitica und sonstige mit Sy-
philis der Haut zusammenhangende Borken-
bildungen (Tabernacm ). — gelbe (gelle) Rufen
(Strasburg) = gelbkrustige syphilitische Hantaus-
schlagformen. — (1571) Qrinten- (1632) grindige
Rufen = die Krustenbildung beimGi int ( = Haut-
ausschlag auf dem Kopfe, s. Grint) Impetigo,
PorrigO etc. (Fries 84 ; Gr. W. VIII, 1396). — (1605)
grosse Ruffen — die durch ganz bedeutende
Rufenbildung sich auszeichnende Rupia syphi-
litica (Franzosen - Rufen) (Fuchs I, 313). —
//•lu/..'. --Rufte (angls. heafdes hriftho, Cock. II,
228. 240, heafod hriefdo) = (irintrufen. — (ir*9)
Jfi/cÄ-Rufen-^die Krustenbildung beim sogen.
Milchgriiit, einem Ausschlage bei Kindern und
Säuglingen (Crusta lactea, Favus) (Gr. W. VI,
2198; v. II. II, 130). — i2o*fl-Rüflen. (angls. horses
hreofle. Cock. II, 156), L = Pferdemauke, grease,
hör*«« leprosy. — 2. = Blutrufen. — Schafs-
RÜfleU (angls. scenpa hreoflan . Cock. III, 57) =
Hautkrusten auf der Schafshaut bei der
Schafspocke. — scheinende Rufen (ruf sclnenti
-Pustula lucens, Gr. W. VIII, 1396) = eine ansehn-
liche, besonders augenfällige Krustenbildung.
— Schmutz ■ Rufe = Rupia, Schmutzflechte
(Rufe 4 b) (Fuchs ii, 539). — (1753) UocAs-Rufen
„achores, höckerichte Rufen, bald blau, bald
gelb, darunter kleine Geschwüre mit dünnem,
stinkenden u. faulenden Eiter auf dem Kopfe"
(A. v. H. I, 14. 15), der sogen, „böse Kopf" oder
WacliH-tJrint (s. d.) der Kinder, wegen der dem
Honi^kurhen ähnlichen Farbe der Borken. —
weisse Rüfte (angl. hwitc rteftho the nwn on
suthernc lepra haet, Cock. II, 228] = Morfea alba
s. Aussatz, Rufensticht, „die man im bilden
Lepra heisst". — irtoirtYn-Rufen = Crusta,
Eschara vulneris, der Wundschorf (Rufe 2)
(angls. vti du rofe — maische, inalochin agrla, D. IX,
i 244 = AofMUdlw, D. 344 ; PappetsallH*, welche Rufen
{ machen sollte auf Wunden j 1591 rüffe auf cluer
wunden, Had. Jun. 386; 1741, D. 210, Kirsch ttü).
— Rufen -Darm, -Gesicht, -Grint, -Gucggis,
-Haupt, -Kopf, -Maul, -Schmarre, -Sucht.
rufen fvorahd. bntot; ahd. ruof, roufan ; mbd. ruof
— Gesang, (ieschrei. Ruf; mbd. mofen = rufen, KliiKe •
31
580
Rufflan— Rohr.
Rohr.
au7). — /»rufen = cIm d«f ThailgkHten dos ger-
manischen Arztes, durch Ueschreiod. laute Besprechung
mittelst einer Zauberformel die Krankheltsdämoneo
zu vertreiben, und eine der ältesten, well primitivsten
volksüblichen therapeutischen Handlungen, die auch
heute noch bei wilden Volkern (s. Barteln Medizin d.
Naturvolker, S. 176 ff.) zu finden tut; da« Bescbreien.
Berufen (Incantatio) war eine Spezialität de» germa-
nischeu Medizinmannes, der aber ebenso im Kufe der
Zauberei stand , wie seine Kollegen heute noch in
Afrika; so kam das Wort bi rufen später zum Begriffe
bezaubern, behexen (fascinare), wogegen das Be-
ruf-Kraut (Senecio, Erigemm, Stachys, Pullcaria etc.)
als Beräucherang oder Waschung helfen sollte,
davon auch die Hei uf Kinder (s. d ), welche als ver-
hext, bezaubert, berufen galten oder noch gelten, weil
sie anscheluend grundlos mager, elend und unruhig
werden; es hatte solche Kinder jemand Verdächtiger,
der mit dem Teufel Im Einverständnis stand, neidisch
bewundert, schnell angeredet od. gar berührt (s. d ), wo-
durch ihnen eine geheime Krankheit übermittelt worden
sei, die vom Teufel stamme, der aber selbst wieder
seinen Urquell Im Heidentum? hat; auch das Fohlen,
das traurig den Kopf hangen lässt, nicht frisst ohne
Ursache, ist „berufen", R. A. ; Gr. \V. I, 1632; A. t. H.
I, 636; Urquell 1894 , 8. 20".; Frischb. 8. 27. 31; Wdbcb.
505; L. ch. 83; Verf. Volk-Med. 2». 207) (s. auch be-
schreien, Laxner und (jalaiern). — Berufs-
Krankheit. — St Ulrich (-Urgen, -Utten) rufen
(onomatopoietisch) = erbrechen, mit würgendem,
rülpsendem uah-Tone (e. Ulrichen und kälbern)
{Blrlinger I. 2». IM, 240. 441 j K. W. I. 33). — Ctr-
rufen — durch Berufen (s. o.) ganz u. gar krank
machen, bo dass das vorher gesunde u. hübsche
Kind verkümmert, rhachitisch wird oder dass
die Wunde wildes Fleisch zeigt (Frischb. 27. 81 1
Wnttke 248). — p«rrufene(») Fleisch, Kinder.
Rufflan, DD. (1419 rüfflgan = leccator, D. 322; 1495
[ruffl-]gaues = unkeusch; 1521 rufflon ss scortator,
i). 267. .«o). — Rufflans Beutel.
Ruft, f. s. Rufe.
Ruhe, f. ruhen, -ruhe (indog r6, ri (r6; Rast] ;
ahn. ro - Ruhe; ahd. ruowa, ruowen ; mhd. ruowe.
ruowcn, Kluge*. 307; 14. Jahrh., ndl. rouwe ~ dolor;
1521 ruweu — dolorare, D. 189; 1631 ruwon = ruhen,
Kruulw. I.XV, s. 2 = rasten. Rast, ruhen, Ruh). —
rtibig (1512 riebig = tranqnillo animo ; 1618 rubiglich
= tranqullle, Schmeller U, 3 = ruhig, bequem). — ge-
ruhig, (/rrübig (grüwig) (mhd. gerücwlg; 16 Jahrh.
gerüwlkait = *erenltas, D. 529; gemwlglich = tranquille,
D. 692; 1592 geruhig, Seb. 189) = ausgerastet, bei
Kräften, munter, grappi|t(vonltekonvalescenten
u. Pferden). — Ruhe, ruhige, yrruwige Ädern.
-Popel, Stand, - lf ärmer. — t/n-ruhe = ^
(Hippokr. ; Fuchs II. 3) = nicht ruhiger Zustand,
z. B der Beinmuskcln (Anxietaa tibiarum), er-
höhte Erregung, Aufgeregtheit, Geisteskrank-
heit mit abnormer Willenserregung, auch Hy-
sterie, Todeskampf; die verschiedenen Unruh-
Krauter waren zumeist Hexenkräuter, Jessen 228 j da
durch Dämonen den Kindern die Ruhe genommen
werden sollte (Tabernaem. ; Ruck 15; Köhler, V.-Br.
432). — Un TUh-Feder.
Ruhr, f. Ruhren, pL («n rühren [«. *.]; ahd.
hruorjan j 12. Jahrh. ruora, Hff. 1« = Banchflnss, I.elb-
Hun-, IllutgniiK; mhd. ruor, ruore, f. = Bäuchlings,
i Ruhr, heftige, eilige Bewegung der Uedarme, Kluge \
307; 1477 disseiileria Ist das plut mit der rür; diarria
haizzet die rure, da nicht pluttcs bei Ist, Ortolf. ; 1483
ruor = Durch fall, K. v. Mgbg. ; 15. Jahrh. ruor=laxus,
D. 321 ; 1561 raren = Bauchflusse, Bock, R. . 1599 rar =
Bauchfluss, Durchlauf, Gr. W. VIII, 1458). — Ruhr,
l. ^ als A'.*tio coeundi, die Bewegung beim
I Coitus (s. l^eich) (Gr. W. VIII, 1467). — 2. = die
I Kmpfludung der schnellen, schmerzhaften, uu-
• ruhigen Bewegung der Gedärme, sowohl beim
einfachen Durchfall (Mensch und Tier), als
namentlich beim roten Bauch- oder Leibfluss
der eigentlichen infektiösen, seuchenartig sich
verbreitenden Ruhr = Dysenteria Hippokratis,
Dysenterium Galeni (2t>c = schlecht; E*vtgpav =
Eingeweide ; mnd. dlssenteria das ist eine sucht, daran
viele leute sterben und sie beisst der Blutgang, ein
fluss des leibe», nach Mag. Barth. 95a; 1538 „ein flusa
des bauchs, blutfarben mit Verwundung und schärfe
der därme", Fries» 114). — 3. = übertragen auf
andere Krankheiten, bei Menschen und Tieren,
bei welchen zu starke Abgänge aus dem Leibe,
zu eilige Bewegungen der Exkrete mit u. ohne
ähnliche Schmerzempfindung wie bei der Ruhr 2
erfolgen (Harnruhr, Brechruhr etc., Rinderpest,
Übergall). — i. — der Kolikschmerz in den Ge-
därmen, Morbus colicus, Colica epidemica, Tor-
mina ventris (s. Tormin und Tramin), wie er
bei der Ruhr vorhanden ist. — Ruehrli (Schweiz)
= Durchfall der Kinder, Kinder- Diarrhöe -
Tormin (s. d.) (Or. W. VIII, 1468; hleher die ver-
schiedenen Ruhr-Kräuter). — (1551) Bau» h Rühren
= die einfachen, starken BaucliHüsse, die Diar-
rhöe ohne Blut (Seb. 444 ; Bock. Krtrb. 265. 3S8). —
(1651) -B/wf Ruhr- Dysenteria rubra, die blutige,
I rote Ruhr mit schneller Entleerung von blutig-
schleimigen Massen, als Blutrunst u. BlutfJusa
(15. Jahrh. die ruer on blut — dlarrhoea, licnteria>D.S42;
die rür mit blut = dysenteria, D. 640 ; Bock, Krtrbcli.21 ;
Gr. W. II, 189; VIII, 1458). — (1699) rot«*, schwär*«'
Blutruhr - rote Ruhr, schwarze Ruhr. — (1832J
/ir«A-Ruhr = Cholera, die Ruhr 3, bei der viel
erbrochen wird und die Darmausleerungen so-
zusagen Schlag auf Schlag erfolgen (Gr. W. VIII,
1458; Bav. III, 2. 1019; naescr II, 749). — asiatische
j3r«Aruhr~ Cholera asialica (s. asiatische Cho-
lera) (Haeser II, 734). — indische ßrecAruhr = die
aus Indien verbreitete Cholera. — Darm-Ruhr
(1588 därmruhr = paxslo cocliaca, dysenteria, Gr. W. II,
782; 1728 = Ileus, miserere mel, Thes. san. Br. 712; 1742
=■ weisse Ruhr, lyenteria. affeclio coeliaca. Zw. 466),
1. = Dysenteria alba et lubra, weiBse oder rote
Ruhr in den Gedärmen. — 2. = die Ruhr 4, d. h.
der Darmschtnerz ähnlich dem bei der Kühr,
der Kolikschmerz beim Ileus, Volvulus und der
eingeklemmten Hernie. — £trer-Ruhr = Dysen-
teria alba ». purulenta, die sogen, weisse Ruhr,
bei der eitrig gelbe und gelbgraue, e. T. auch
blutig rote Massen aus dem Darm entleert
werden. — faulige Ruhr = Dysenteria putrida
mit aashaft stinkenden Ruhrslühlen. — Gallen-,
gallige Ruhr, 1= l'asaio felliüua, Cholera mor-
bus, der Leber- oder Gallenfiuss, die Cbolera-
Diarrhoe.die rote Galle, welche ruhrartig schnell
daher fribdi hell (= rot, s. Übergäll) entleert
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Ruhr.
Rummel.
wird (Gr. W. IV, 1. UV1; Ackerin. 281; Subcrnh. 362).
— 2. = Geilenrubr (162» Trousae galant, Sehnurrcr
II, 78. 91; Lerach 213) — Tripper als Klus« (siehe
Samenfiuss). — iAini Ruhr („wen der barm get
mit der ruor enweg", Schmeller II, 136 ; 1688 = dlabetes
[insipidus], Harabewegung ; 1725 „wenn der Harn be-
ständig ohne Willen von den Menseben frei geht und
der getrunkene Liquor in noch grösserer Menge als
der Mensch getrunken ohne Farbe und Conslstenz aus-
gestoßen wird", Thea. san. Br. "35; 1742 = diabetea,
eine kraukhelt da der Harn sich Immer in der Blasen
häufig sammelt und sehr viel musa gelassen werden,
so daaa er endlich auch ohne Willen des Menachen
(ortlauft, Zw. 771) = Harntluss (s. d.), I. = die
nclinelle Entleerung von übergroßen Harn-
mengen, Diabetes (StaßotUetv =. weit ausschreiten),
falsche od. tauschende Harnruhr, Topfecbwind-
sueht. — 2. = Blaaeulähtnung, bei der beständig
Harn ablauft wegen mangelhaften Blasen- Ver- 1
Schlusses. — (17»9) falsche oder tauschende, un-
schmackhafte Harnruhr — Diabetes insipidus
s. deeipens, der blosse Harntluss ohne Zucker-
beimengung.also ohne Zuckergeschmack, gegen-
Qber dem wahren Diabetes (tuell itus) = letzterer
beisst Honig- oder Zucker-Harnruhr, weil der
übermässig viel entleerte Harn wirklichen
Zuckerstoff enthält, der beim Diabetes insipidus |
fehlt (J. P. Frank V, 45. 53). — (17. Jahrh.) hitzige
Ruhx = Ruhr mit Fieber (Fr. Kr. B. 127;. — Kälber-
Ruhr (weisse), s. weisse Ruhr 3. — (1699) kreb-
sisihe Ruhr — Blutfluss aus dem After durch j
Mastdarmkrebs (v. M. II, IM). — Lager-Ruhr =
Dysenteria castrensis s. militaris, die in Kriegs-
zeiten häufig auftretende, rote, faulige Ruhr,
eine furchtbare lieissel kriegfahrender Armeen,
die sich namentlich in ständigen Kriegslagern
ausbreitet (A. v. n. I, 670). — (1842) Lämmer-Ruhr
= ein infektiöser, unter Schafen und Lämmern
Beuchenartig auftretender entzündlicher od. ty-
phöser Darmkatarrh, sog. gelber Brand, (Forster
II, 132; Frank 540. 543 j Falke II, 65). — (1763) Land-
Ruhr = eine das ganze Land heimsuchende,
befallende Ruhrseuche, Dysenteria epidemica,
Landlauf (A. v. H. I, 571). — (1742) Le/>r-Ruhr
= Dysenteria rubra, Fluxus bepaticus, ein durch
Verstopfung der Leber entstanden angenom-
mener Abfluss der Galle aus der Leber (Leber-
Ausb) in den Darm in Form der (roten) Ruhr
mit galliger Entleerung gemischt (Zw. 837 ; Hufe-
land 485). — /.fi'.f.s Ruhr (H82 des leib« ruor oder
hlnganch, C. v. Megbg.), 1. = vier einlache Durch-
fall (Diairboe) mit Leibschmerz. — 2. = die
eigentliche Ruhr (Dysenteria). — (1726) Magen-
Ruhr = Lyenteria (Galeni) (.Xtlot-^ttpov-iiattea
Inneres), Speise-Ruhr, unverdaute Ruhr, als eine
zu schnelle Bewegung des Magens aufgefasst,
bei der die Speisen zu rasch also unverdaut, wie
unberührt (glatt) aus dem Magen durch den
Darm abgehen (flippet. Aphor. IV, 12; Thes. san.
Br. «23-, Zw. fil8. 869). — (1807) M n'. /'i -Ruhr, 1. m
die Kmderbrecbruhr, Cholera infanttum, Diar-
rhoen lactea, Fluxus coeliacus, bei der milcb-
weisse sog. ReiBwasserstühle entleert werden
(Gr. W. VI. 2198 , J. P. Frank VI, 414). — 2. = die
scbmerzbalten Entleeruugen von milchweiBsem
MasUlarmschleim (Tripper, Syphilis), Blenor-
rhüea inteslini recti (Hufeland m). — Milz Ruhr
I. - falsche t) bersetzung der Lienteria, s. Magen-
ruhr (lien - Milz, Kraus, F.. 666). — 2. = s. weisse
Ruhr 1. — nervöse Ruhr = eine Ruhr mit
typhösen Symptomen oder Zeichen der De-
pression des Nervensystemes (Kraua. K. 661).
— (1529) neue Ruhr (bei Parocelaus de lmp.)
= Dysenterie infolge von Merkurialismus. —
rote Ruhr (1429 [tjoteu ruer — rote rat za dysenteria,
I>. II, 137; 1462 rot ruer, Lerach 189; 1482 rote rür =
da* plut mit der rur = dyaenteria, Zening. Voc. bb. 3 ;
Schindler II, 136; 1502 rotte rur. Lerach 206; 1617 dy
rott rür = morbus coeliacns, D. 110 ; 1551 rhot ruor,
rott ruec — dysenteria, Bock 64; 1560 = ein achtnerz-
hafrierbliitfiuberbouchlout mit veraehrung der gedarm,
Plctor. 79; 1591 rot ror, Had. Jun. 379; 1C64 roth rühr,
Tabern.; Gr. W. VIII. 1289; 1700 rohto rühr, Gr. W.
VIII, 1468; 1741 rothe Bohr = difficultas Inlcstinorum.
Kirsch 376) — blutige Ruhr, das Röt, Dysenteria
rubra, im Gegensätze zur einfachen, katar-
rhalischen, nicht blutigen, wässerigen Diarrhoe
und zur sogen, weissen oder schwarzen Ruhr
(s. d.). — sehnst ende Ruhr (achlsaende rur, Schm.
II, 136), 1. = eine einfache Diarrhoe. — 2. = im
Gegensatze zur Harnruhr ein ruhrartiger Baueh-
fiuss. — (1699) schwarze Ruhr — Morbus niger
Hippokiatis, Melaena neonatorum, schwarse
Krankheit (s. d)., mit Abgang teerartig dunkler
Stuhlentleerungen (v. M. II, 209). — Speist - Ruhr
= Magenruhr (s. d.) (Gr. w. II, 1605; VIII, 1468). —
unge , unverdaute Ruhr (14. Jahrb. unverdaeüu rur
= lienieria, Schmeller II, 136; Voc. opt. W. 41; D. 329;
Gr. W. VIII, 1468) = Magen-Ruhr (s. d.). — wäs-
serige Ruhr (14. Jahrh. wesarlgiu ruora, Voc. opt. W.
41 ; Schmeller II, 136; Gr. w. VIII, 1458) = Diarrhoea
(s. d.), die einfache katarrhalische Ruhr mit
Entleerung stark wässeriger (nicht blutiger,
nicht eitriger) Stuhlgänge. — (17. Jahrh.) weisse
Ruhr (walsso nie, Schm. II, 136), 1. = Dysenteria
alba, Kagiatuia, die nach alter 8chullehre nicht
von der Leber wie die rote Ruhr (= rote (Jbo-
I lera) kommende, sondern aus Milz und Magen
abgeleitete und erst später von der roten Ruhr
gegensätzlich getrennte, infektiöse, Seuchen-
Ruhr, d.h. das spatere Stadium derselben, wobei
nicht mehr ausschliesslich oder vorwiegend
blutigrote oder auch kotige Stühle, sondern
gelbweisse, hellgraue, eitrig schleimige Massen,
aber unter den gleichen Schmerzen , entleert
werden. — 2. = die nicht infektiöse Diarrhoe mit
ähnlichen weissgelben Entleerungen, weisser
Schaden, weisse (ioldader, weiBse Materie,
Milchruhr 2, Diarrhoea mueosa s. pituitosa
(A. v. H. I, 571; B. a. 392). — 3. = eine infektiöse
Kalberseuche mit Entleerung anfangs gelber,
dann weisslicher Faeces, bald nach der Geburt
(Frank 540). — Zahn Ruhr - die Brechruhr und
heftige Diarrhoe bei zahnenden Kindern, (Dy-
senteria ex dentitione) (A. v. H. 11.309). — Zucker-
Ruhr - Zucker- Harnruhr. — Ruhr - Stuhl,
•Kolik, -Seuche,
Rummel, m. rummeln, Rümpel, m. -rümpel,
rumpeln (mhd. rumpeln = hin und her lärmen,
rasseln, tosen, «nusen. poltern etc., coire, Klune \
308; liitensivblldunit zu dem ndd. rummeln; eniri.
mmbie) - rummeln, 1. ■ ein krepiticrendes,
•:,v
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•*>32 rumoren — Runz.
Ranne.
herumführende!) Geräusch machen. — 2. = im I
Hauche kollern (hernnikollern). — 3. = brünstig
sein (Gr. w. VIII, 1483H.). — Rummel, m. 1. = Coitus
(Gr. W. VIII. 1482. 1491) U. G< rümpel (Kluge*. 308).
— 2. = GeburtBarbeit (conf. Rumpelsuppe = erste
Wochnerlnenspelse nach der Geburtsarbeit, Schmeller
Ii, ioo). — Bummelei - das Herumkollem im
Leibe (Gr. W. VIII. 1482). — Bau< /t-Rumpel, m.
(1616) Kumpeln, -GeTÜmpel ( = strepltus alri ; 1439
es rumpelt im bauch, Gr. W. VIII, 1490; 1741 Kumpeln
im Bauch = Fluctuatio stomachl. Kirsch 508) = das
polternde Geräusch das öfters hin und her,
herumfallenden Inhaltes in den Gedärmen
(Gr. w. r, 1167 ; Bnck 19 ; Parocels.). — (1588) Wasser-
Rumpeln (..das rumpeln und brodeln des laufenden
Wassers um das mtllz", Tabern.) = das kluckende,
gurrende Geräusch des in den Gedärmen herum-
kollernden Wassers (s. kolkern), lleo-coecal-
Geräusch. — Kumpel -Kasten*.
rumoren fanlehnend an [1445] Rumor = Lann, Tu-
mult Ist) rumoren - das Baurhkollern , Rum-
melei (a. o.) (Schmeller I. 1634; II, 98).
rumpeln s. Kümmel n. Rumpf.
Rumpf, m. rümpfen, rümpfen (irerm. rimp ,
[dazu ndl. j 1664 rimpel = Hanlfalte. Runsei. Kluge »
308, DeCockSö]; ahd.rlmpfan; mbd, rümpfen, rimphen '
= in Fallen stehen; rimpfeu, Schmeller II, 100 ff. ;
mndl. rompelen = Runsein, de Vr. 20; 15. Jabrb.
= algo, gerunselte Gänsehaut haben, D. 22; rumph
= Botüch, die runillg gefaltet« Tierhaut ohne Kopf,
1475, ndl. wrympyng = valgla lablorum, obtorsio,
D. 605; 1576 rümpf = Ranft, Kruste; 1612 rumpff -
Falte, Gr. Vi. VIII, 90. 1492 ; engl, rump — Rumpf,
Kreuz, Lende ; rimpled = geriirapft). — Rumpf, m.
I. — Runzel oder Falte der Haut. — 2. = die
abgezogene tierische Haut ohne Kopf, welche
durch Eintrocknen runzelig zusamraenge-
Bchrumpft, in Falten gezogen ist; ist sie mit
Wasser gefüllt als Balg, so stellt sie deu Bottich
(s. d.) dar. — 3. = Trancus, der Leib ohne Kopf
und ohne Extremitäten bei Tier u. (übertragen)
Mensch. — 4. = Körper überhaupt, lebend od.
leblos. — 5. = altes Weib. — Kumpel, Rum-
pfel, f. Rimpel = Knga, Kalle (1417 rympe in dem
live sb ruga, Ü. II, 321 ; rympech = rugosus, Gr, W.
Vm . 1487). — Rümpfung U47&, ndl. wrympyng,
D. 605) m Valgia labiorum, Nasen- oder Lippen-
winkel-Verzerrung.
rund (aus frans, rond und lat. rotundus entlvhut ;
15. Jahrb., mhd runt). — Rondigkeit- Capitulum,
rundliche KOiper- oder Knochenteile (nyrtl,
K. W. 131). — runden (tu Wutidsegcn. Engel. 266) =
rinnen (s. d.). — Rund(<"..et) Gesicht, -Kopf,
-Kreuz, -schnaufen, - Würmer.
Runde, f. = Kinde der Wunde, Ranft, Schorf
(Hessen ; Kluge \ 302).
Runke, f. = Rumpf, m. Falte, Wurzel (<ir, w.
Vi 11, 1520).
Runsche, f. s. Rnnrel.
r unschön (runzen) (tonmalend für:) ruetare,
ronchare, grunksen, «runzen, schnarchen (Schm.
II, 118; Gr. W. VIII, 1527).
Runz, m. Runze, m., f. Runat, m., f (Rüst).
— Runz (Abstraktbildung m rinnen ■ Lauf; goth.
ruus [UUUaa] ; abd. runs, m. runsa. f.. Kluge*, 30S;
Schm. II, 124; mhd. runs = das Rinnen od. Fliessen.
Lexer 203). — Runze = Kunz, 1. = das Laufen,
Rinnen. — 2. — die Rinne, der Strich, die Ver-
tiefung, in der das Laufende fliesst (Gr. W. VHJ,
1622). — 3. = blutige Hautstriemen, strichförmige
Blutunterlaufungen (Vibices)(ch. v.Schm. 434). —
Runst (ahd. runsl, runstl — das 8tröuien, Strömende;,
1. = der Zustand des Blutfliessens. — 2. = das
fliessende Blut selbst. — Rünslein, (int) Runs-
lein, Rünslin = die Blutkrust«, die eine, vorher
blutende Wunde oder ein Geschwür als Blut-
schorf oder Blutrufe, hartes Topflein bedeckt
(Paracela. ; Gr. W. VIII, 1523). — rttnstig = laufend,
rinnend. — .1 ; -Runst (abd. ahrunst, f.), 1. = die
Ohnmacht durch den Blutverlust — 2. = Ohn-
macht überhaupt (dicke viel [fiel] er in die ahrunst,
<o was er aller sinne bar, Graft II, 520; H. Z. V, 16»!.
— Blu f-Runs, -Runse, -Runst, -Rüst (goth. rum-
blöthis = Blutfluss, Kluge*, 30*; [rifllas]; ahd. bluot-
runs, Blutfluss, blutige Wunde; 8. Jahrb. plotruns. leg.
Uajuw. IV, 2; «I ei sanquinem fudcrlt, quod p. r. vo
cant. Graff II, 521 , III, 263 ; 1285 blutrunst = sanclu«,
verwundet, blessiert, Du Cange VIII, 441; 1420 blut
ronst = sanqutcldlum. D. II, 326 ; 1453 bluotruns =
Blutfluss, Schm. II, 124; 1463 blutrunst = plaga sanqol-
nolenta, Haltaus 175; mbd. bluotmnsec; mndd. blot-
runne , bluotrunst, blutruns = blutrünstig, blutige
Wunde. Blutfluss, Lexer 27; Mag. Barth.; 1534 Wut-
rüst = Blutrunst, H. Sachs . 1639 bluotruns*. blutrunse
- fluxus sanqulnls ex vuluere, sugülaUo, G. W. II,
189; 1591 blutruns» = sanquis rejectio. fladr. Jim. 376;
15VS blutrunse, G. W. II, 189; 1616 bluetrunst, Schm.
224). — Blutrunst, 1. sa das Hervorstrdmen und
Rinnen von Blut aus Wunden. — 2. = das ans
der Wunde hervorgeronnene Blut selbst. —
3. — die traumatische Blutunterlaufung unter
der Haut, z. B. die Beule, Geschwulst, Striemen,
auch ohne sichtbares Fliessen oder Rinnen des
Blutes (G. w. 11. 189). — 4. « in alten Gesetzen
war Blutrunst vor allem eine nicht über 2 Finger-
glied lange, blutende Kopfwunde bei Fechtern
oder Kämpfern (ITaltaus 175). — b/uf-rünstig,
(1697) rlslg, rist = derjenige, der eine Blutrunst
uat (O. w. 11, 18« n. ; schw. 77). — SpMne-Runst, f
(11. Jahrh. spunrunst, spnnnirnnst, spuneruns = »umen,
pinquedo In mamllla scrofae. Graß II, 521 ; FI Z. III)
die aus den Tuten rinnende Schweinemilch. —
RuxxstAder.
Runse, f. Runzel, f Runsche, f. runschen,
runzeln (germ. mg, ruk = rauh, rauch, vorahd.
wrtiukza, Kluge*, 308; abd. runza-, [demln.] runzila ;
10. Jahrh. runcilla - ruga, H. Z. III, (»raff II, 532. 533;
mhd. runzl, runzel — Runzel ; runzeln = rngare, 0. W.
VIII, 1.2-i, 1482 runzeln - rugae, K. v. Mgbg. ; engl,
wrinkle = Runzel), 1. ~ die Unterbrechung der
glatten Haut durch etwas Rauhes, z. B. Narben,
Haut falten, Striae gravidarum, vibex (1532, Fries
124; Schw. 566; Zw. 145). — 2. = die Kehle als
rauher Hals („die runzeln der hohlen kehle", Heyne
V, 177 , Gr. W. VIII, 1524). — 3. = Hautgrüblein.
— Runschen, runzeln = etwas runzelig machen,
in Runzeln ziehen. — runzlet, runzlicht, runzet
(abd., 10. Jahrb. runzllbot; 11. Jahrh. runzohter ss
rugosus. H. Z. 3, Graff II, 583; mhd. runzeleht ; 15. Jahrh.
runzlet) = gefaltet inbezug auf die Haut (Gr w.
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Kuppe— Saat
Russelen-Saat. 538
vill . 1527). — ItoKcA-Runzeln = Striae gravi-
darum, Hautrunzeln auf dem Unterleibe schwan-
gerer Frauen (s. Lederhaut). — (1788) Darm-
Runzeln = Valvulae conniventes Kerkringii,
die Querfalte der Dunndarnischleiinhaut (Plenk,
Zergl. 279). — GVrunzeln (Krunseln) = stark aus-
geprägte, mehrfache Hautrunzeln (Mal. Geiger). —
(1776) i/^uf Runzeln = Rngoeitas cutis (Behrend 5)
ss die Veränderung der Haut durch Schrumpf-
ungsvorgftnge z. B. im Alter, bei Pellagra etc. —
(1482) Xä'p l Runzeln („runzeln an den ringuniegeln",
K. v. Mgbg.) = die rauhen Rippungen und Fal-
tungen an den Fingernageln als Zeichen kon-
stitutioneller Ernährungsstörung (mndd. nach
magist. Barth. 91 b : eine schwere Beucht, die heisst
ptisls, diese sucht erkenne also . ihre haut Ist überall
„radlch unde negele upe den benden stan em myd-
dene uppe alzo berghe unde syud em kram van
naturen"). — Runz(el) - Fall , -Gedärm, -Haut,
Mund, -Olf.
Rappe, Rupfen (tudogerm. rup — brechen, germ.
raup [raufen); mhd. rupfen. Kluge*, 296. 308; ndd.
rupen ; 1528 nippe = Finne, H. v. (iorsd. j engl, roup =
Vögeldarre, Zipf, Federausfall am Bürzel, Kaltschm.}.
— Rappe, l. = die zerraufte, zerrupfte, der ab-
gerupften Gänsehaut verglichene, finnige, rauhe,
rufige, rappige Haut, z. B. bei Finnen (Akne),
ruppig (hei den Hienzen in Cng. rlbich, E. Mitt. a.
i ng. 1896, V, 15) = rauh (von der Haut). — Oäns-
Rupfen, pl. = die sog. Gänsehaut, verglichen
mit der gerupften Gänsehaut, deren Stoppeln
nach dem Ausrupfen der Federn (penna, pinna
m Kinne s. <1. j, zurückbleiben (Zlngerle, Kind. Haus-
tn&rchen l-il). — in dem Hühner futter rupfen =
= stückweise etwas brechen (vomere), das wie
llflhnerfutter aussieht (E. w. i. I58) = er thut die
Gänse futtern iE. w. I, 225). — ruppig = finnig,
krätzig, riesig.
rupzen, rupaen (ruppeu) = r 0 psen, auf koppen,
ruclnare (168t, Gr. w. VUJ, 1535).
Ruschel. — ruschelu = sich bastig bewogen
dl Paul 366). — Ruschel- Kopf.
Ruse, Rusen s. Riesen, Rose(n).
ruspen = (iv>6) räuspern (Gr. w. vm. 1.3s).
Russe, m. — Er ist ein wahrer Russe = ein
abgehärteter, gesunder Mensch, wie man auch
sagt F.ärenmensch (Gr. w. VIII , 1539). — Rus
sisch(er) -Katarrh, Schnupfen, Tripper.
Rüssel en. pl. s. Rieseln.
russen, rustern (ahd. rüzan , mhd. rüzen, Graft
II, 562 ; Gr. W. VIII, 1556 ; 8chm. II, 154) = rauschend
schnarchen, raussen (s. d.). — rustern = here-
, nare (D. 275).
RUSS, m. (ahd., mhd. ruoz; ndl. roet, Kluge5, 309).
' — RusB-ÄVd)*, - Warte, - Wurm ; b. auch Rotz,
ROtze.
Rust, m. s. Rist.
Rute, f. (sanskr. rdh = wachsen, gedeihen, cres-
cere ; vorgerm. radha[radlu*]. Stab; germ. roda, Kluge *,
309; ahd., 10. Jahrh. ruoU, Notker = rirga arborls;
altnord. alt rodul = Elbenstrahlen , Sonnenstrahlen,
Elfengeachosse , Golth. 487 ; mhd. ruote = lebende
Gerte, Schössilng, Zweig; ndd., 15. Jahrh. rate = penls,
D. 422; 1541 rüt; 1551 rat = penls; „ein gebarender
acker (Gart[en]) menschlicher natur und ein weg des
harns", meint etymologisierend H. r. Gendorf 14;
Hyrtl. K. W. 167, 16. Jahrh. ruth, 16S4 ruthe, rote;
1783 ruthe = penls, Lereling 107 , engl, rod), 1. = Virga
virilis, equi, Menlula, xaoXö; des Hippokrates ;
Mutinus, Phallus, Nervus juvenilis, Penis (alt-
franz. la verge de St. Benolt [ = 8t. Benedikt], Brlas. 65;
[Schweif, Schwanz] als Übersetzung der vtrga der A ra-
biaten dea 18. Jahrb., Hyrtl. K. W. 167 ; die Lebcna-
i rate, deren Symbole Im Phallus-Kult und seinen Nach-
! klangen zu finden slud). — 2. = (übertragen auf die)
Clitoris feminae (Gr. w. VIII, 1566). — 3. = der
Labmagen der wiederkäuenden Tiere, den man
auf Ruten (Tannen-Grlasllng, s. d. Verf. Baum- und
Waldk. 160, Anm. s ; Gr. w. vi, 4) zum Käsen, Ge-
rinnen, in die Milch einhing. — 4. .. s Staupe.
— Hir$ch Rute = Penis cervi (Gr. w. IV, 2. 1669).
— Manns Rute (1528 nieten des maus ; 1531 tnans-
ruten, Krautw. XXXVI; 1 5.\9 mannruthen, H. r. Gerad.
1 1 ; Tabcraaem. . frz. la rerge, la veille = rlrgilla, Du
Cange IX, 388) = Virga virilis. — umbliche, Wnbs-
Rute (1518 weiberat, H. v. Gersd.; Hyrtl. K. W. 172;
1687 welberrotho. Gr. W. VUJ, 2123 ; 1830, Slebold Hl)
= Clitoris feminae. — Wünschel-Hnte (1482, c. ».
Megbg. ; 1542 wunsselrut ; 1646 wüntschelrath, Hyrtl,
K. W. 167; Slmrock; H. D. M. is2) = der Wünschel-
stab, mentula (Mandel), der Drehstab für die
Schöpfung de« Menschen nach alter Mytho-
logie (s. Altweiber-Muhle). — Ruten Enttün-
dung, Mu*8,-Kopf,-IMeitt,-RÖhrlein, Schaden,
-Spanner, -Stertt, Stück.
Rutz, Rutzigkeit s. Rütz u. Rotz. - Rutz-
öd.
Saat, f- (Indogerm. sc sa säen; altgerm. sedi, seda;
altnord. saede, säd = Saat; ahd. sat; mnd. sade, mhd.
sit = »emen = Samen, D. 525; 1500 »eyen - conserere,
D. II, 109; 1521 saat = sperma, D. 546; ndd. sayt, saet
— semen, D. 525; engl, seed — sperma, Lchf. 91), 1. =
Samen; 2. = s. Sod, Sott; 3. = s. satt. — gtkünd-
liehe Saat (angls. the hls gecyndellce saed htm sylt
wylles framgewlteth, thon leahtor grecas gonorhoeam
oemnet = cul sponle semen naturale profluil, Cock. I,
2»6) - natürliche Saut (s. Kunte u. *). — Munns-
Saat (goth. mana-seths) = Menschheit (als Er-
zeugtes) (Kluge5, 309). — natürliche Manne»-
Saat (mnd. naturllbe sade der manne : In dem Magen
▼erschmilzt die Kost und wird geläutert, das Beste,
das da raufkommt, das kommt in die Adern in die
Lenden, und das helasen die Meister mannes sam und
heist in latlna sperma vlrt, davon wir alle gekommen
sind; wenn die Frau das empfangt [untfet], so geht
Ihr Blut darum und Ihr Blut heisst menstruum, und
«las haben die Krauen und Jungfrauen, wenn der
Sabber— Sack.
Sack.
Manu bei ihnen ist, ein jegliche* Usch seiner com-
piexion etliche 4 Tage auf »las Mindeste, etliche
B Tage auf das Meiste, und das Klüt ist wunderlich
ireslaltet, das weis« selten ein Mann; das Kraut ver-
dorrt davon, die Klumen vergehen davon und welken;
nach Mag. Kurth. 90 b). — natürliche Saat (udl.
uaiuerlijk saedt, De Lock 218) = männlicher Samen
alH Natur (h. d ). — (U82) Zu-Saat (zuosut beider
filmen weibi und manne», C v. Megbg.) - Ejaculatio
seminis in coitu. — Saat i^tws*.
Sabber, m. sabbern, saffern (aitn. *apa !dazu
Seife, Seifer. Soft]; angls .saep — Saft; nd. sabbern —
seifern ; 1631 gleich als durch dye zen gesleflert,
Krautw. XI; 1717 »aeffero, Ahr. II, 330; Gr. W. VIII,
lfi89) = seifern, den Speichelsaft auslaufen
lassen. — gaffelig = vom Speichelflues stets
nassen Mund habend (Ethn. Mltt. aus t'ng. is«5,
V, 15). — Sabber, m. (ndd.) = üeifer (auslaufender
Speichel bei Kindern und alten Leuten). —
Säberer - dem der Geifer, Speichel auslauft.
— Sabber-.W</!</, -Seuche.
Saburra, f. — Saburral-A'oIiA-*.
Sache, f. Sach, n. (ursprünglich ein Rechtswort;
germ. sak = streiten vor (icriebt; goth. sakan , ahd.
«ahhan — schelten, tadeln; sah ha — Streitsache, An-
gelegenheit, Sache, Urund, I mache; mhd. sacbe.
Kluge8, 309 - Angelegenheit, Ding). 1. = (umhüllend)
Menstruation, Geschichte (s. d ). — 2. = Be-
dürfnis zum Stuhlgange (Ur. W. VIII, 1601; Heyne
V, 18», Pauli 2ä). — letze» Sach = Schaden, Krank-
heit bringendes Ding. — (1592) Y> n </> Sache —
Coitus (v. m. i, 288; Seh. :,n). — Wnu-sachen
Krankheit.
Sachte (allsach*. sAflo = sanft; ndl. zaeht; ndd.
sacht; 1562, 1611 »acht, sachte = sanft, Kluge*, BW] =
wohlbefindlich. — (1788) f/nsachte ^ Abel im
Magen. — gute Sachtigkeit (der Brust) (rand.;
14. — 15. Jahrh. gude snchtlckeit to der borst, J. f. nd.
Spr.-F. XV, I2u) = guter Zustand, leichte Schleim-
ablösung (auf der Brust). — sachter Kammer-
gang.
Sack, m. Säckchen, n. Säckel, n., m. (gem.-
germ. saic; Lehnwort aus lat. Saccus [Sttxxo;]; hebr.,
phoniz. sak; durch den Handel der rrtm. Kaufleute
schon zur Zeit Ca-sars zu uns gekommen; ahd. sac;
tnhd. sac, Kluge5, 309 = Behulter aus gröberem Tuch,
das auf einer Seite offen ist , damit werden verglichen) .
1. = der Leib des Menschen, Körper (in derber
Rede) (I)recksack, Quatsack, Horsack, Kotsack,
Madensack) (1612 sack = Hurensack, Rubcnsack,
Schmeller II, 220). — 2. - das Bauchfell, Nein,
der Magen und Darm als sackähnliche Höhl-
ungen (cul de sac) (Gr. W. VIII. 1613. 1614); Sto-
machus, Vagina, Alvus, Cloaca, Venter; „der
Hauch ist zu Lotein zweierlei Reheissen : des ersten
heisst das der Rauch, den wir hclssen : (14H3) den magen
oder den sack, da daz czzen eliigSt" (C. v. Megbg.);
1518 «ack = zlrbus (-filmen s. Kell') (IL v Gersd. IIa)
ist ein Fell, das den Magen und die Darme umwindet
und tragt; lCtfi sack, sackel (= Omentum, Netz),
(Hyrtl, K. W. 68. 6«) (s. Mus-Sack). — 3. = Hoden-
sack, Folliculi!«, Scrotum (Gr. W. VIII, 1614. 1818.
it.19). Sackel (Zw. 424) bei Kindern: Sackchen
(Beutel, Geilensack, Grommensack, Kloss-Sack,
Balg); (mnd. sack = Hodensack. Mag. Barth. 98b;
(Tirol) Sackel. m. [Sockl), Hlntner 8 19). — 4. =
Blind- bezw. Dickdarm, wegen seiner sack-
förmig aufgebiahten Kugeln (Buckeln, s. d.),
Bodensack (1C5J saeek - haustra coli. HyTtl. K. W .
[Kärnihen] Sack = Rllnddorm. Gr. W. VIII. 1614). —
5. = (anatomisch) hitulige Teile: a; im innern
Ohr; h) Bruchsack, Gallensacklein, Harnsack,
Nierensack, Pissäcklein; c) das Euter der Tiere
(Gr. w. viil, ich). — 7. = das Sackchen unter
den Augen (Oedema palpebrarum als Zeichen
von Lepra, Hydrops, Alter und Schlaffheit. —
8. -der Uterus bei Menschen und Tieren, sowie
die weibl. Scham als Teil des Ganzen = Sackchen
(Gr. w. viil, I6is); (Kalbersack, Mutter-Sack,
Wampe, Trageack). — 9. = Sackähnliche« (z. B
In der Kindersprache) = ein dickes Kind (vgl. Kalb,
Balg), Wechselbalg; namentlich legen sich die
elbischen Dämonen im Alptraume wie ein Sack auf
den Menschen; ferner: Ader-, Blut-, Drusen-Sack
— Säcklein = der kleine Sack 1 — 9. — Ab-
sacken (ndl. afsakken) = einen nach unten gehen-
den Sack bilden, z. B. beim Mastdarmvorfall
(De cock 84). — ,1.7rr-Sack, L = die Höhlung
der Blutadern, Sinus, Kapsel (Levellng 306). —
2. = daa aus dieser Aderhohlung ausgetretene
I Blut (Thrombus). — BnrA-cn-Sack — Backen-
' tasebe zwischen Kiefer und Wange. — (I60s)
\ Blut -Säcklein, 1. = die den Aderaack al«
' Thrombus ausfüllenden Blutgerinnsel (Haema-
toma labiorum vulvae post partum) (Heyn 149).
— 2. = stärkere, sackförmige Varicenbildungen
an der Schamlippe (A. r. H. II, 883). — Boden-
Sack, Bon-Sack, 1. = Intestinum coecum, das
zu Boden herabhangende, sackförmige, bausch-
ige, dicke Gedärme (namentlich der Blinddarm)
(Gr. W. II, 216; Schmeller I. 156. 211, II, 221). — 2. =
Schmer-Bauch (C. v. Schon. 86). — Ihn- ■ h Sack
= die Bauchfelllasche, in deren Bruch (Kuptura)
eintretend die Eingeweide den Bruch (Hernia)
bilden. — (16. Jahrh.) Brunz - Säckleln (pronu-
saecklln), 1. ■ Harnsacklein (s. d.) (Hyrtl. K. W.
179). — 2. = Hodensack am Brunzgliede. —
dtiher sacken = „schlapp, plump ein hergehen"
I (Schmeller II, 221). — DicA -Sack = Balg, mensch-
licher Korper. — Dolf rr-Sack = das sackförmige
Gebilde, das dem aus dem Ei ausschlüpfenden
Emhryon einiger Tiere anhängt und einen Teil
j des nicht verbrauchten Nahrungsdotters bildet;
beim menschlichen Emhryon bildet er das
sogen. Nabel hlaschen (s. d.), welches gewöhn-
lich in der Nahe des Mutterkuchens liegt. —
DrccA-Sack = der menschliche Leib (in derber
Rede; Gr. W. II. 1339). — Drüsen-8*ck, l. - der
mit Drüsenbeulen (s. Maden) angefüllte skro-
phulöse menschliche Körper (Gr. \V. II, 1462)
(Madensack). — 2. = der um das Drüsengewebe
sich ausdehnende hautige Balg. — (1620) Eiter-
Sack - Vomica, Apostema, herabhangende oder
vorspringende Eiterbeule (Dr. Minderer; Gr. W.
III, 393). — fauler Sack - der menschliche
Körper (Gr. w. VIII, H.13>. — 1 ■', ress Sack = ein
Kind, das viel isst und einen grossen Bauch hat,
der Trager eines Bolchen (Kraus, E. 763). — (1&18I
ffa//{fM)-Säcklein [- „ein Sackel oder eine ploss
mitten in der U'ber oder bei der mittleren Feder
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Sack
536
( — Lappen der LebcrJ gesetzt zu empfangen die
eholerhtche Cberflüsslgkelt , die In Ihr wird", H. v.
ciered. 12) = Gallenblase (Zvr. M), Cystis s. vesicula
fellea. — (1788) Gri/m Säcklein = das taschen-
förmige Beutelchen (Hodensack), welches die
Hoden ( = Geilen) enthalt (Sorot um) (Hyrtl, K. W.
58; Nicolai Ii, 306). — Geilen- 8&cblei]i- Krätze.
— (1801) G/i«/i«i**«--Sack = Wassersack 2
(Welkard 44). — ( Iromt n - Sack = das für die
Gromen ( = Hoden) bestimmte Hautaäcklein,
(Jrumena, Scrotum (Hyrtl, K. w. 66 ff.) = Hoden-
sack. — (1730) geschwollener Sack ■ Hoden,
Hodenanschwellung. — Gi/Y-Sack = ein Kind,
das beständig laute Schreie ausstösst, keift (E.W.
I, 199). — (Vnf-Sack (ndl. goedzak = scrotum, V. K.
VI, 96) = der .Sack am Heiratsgut (s. dX —
(18. Jahrh.) Harn • Sacklein = Allantois, Kinds-
Netz oder Schaf-Haut, als ein Glied des uro-
poietischen Systems des Embryon; die Harn-
haut (8. d., Brunz-Sftoklein oder Piaaäcklein)
(Hyrtl, K. W. ; Ranke I, 137). — //, m< / - Sack = Der-
moidcyste. — H'<'hn Sack (Zenlng. Voc. o 8) =
Scrotum (= ■crautum — Ledertascbe, /;.<•> — Hanl],
Ovareua, Testicularium (Gr. w. IV, 2. i«M), als
„ein durch die Haut des Mittelfleischee und der
Schamgegend gebildeter Beutel, in welchem
Hoden (Eier, s. d.) und Samenatrang liegen"
(Hyrtl, Aoat. 696). - j Sack = Kotsack,
menschlicher Körper („der horwige. Irdcnl*che
aag". SebmeUer I, 1157. 1397) (s. Hör). — Kälber-
Sack = der Tragsack der Kult (Uterus vaccae)
(Ur. W. V, 57). — Kinn-Sack = eine Wurmkrank-
heit der Schafe, bei der sich am Kinne eine
ödematöse sackartige Anschwellung (Schaf-
kropQ bildet (Gr. W. V, 779). — A7o*a-Sack (ndd.
clotaack = teztlcularlum . V. Ml) = (ndd.) Knlen-
Sack (H75 = bursa teitlcularis) = Hodensack
(s. Kulf n . Ie boyatt cullier = Kulbalg, Rectum
(Brlm. 56). — A Ions- Sack = der Hodensack (Scro-
tum), der die kugeligen, klösseförmigen (siehe
Kloss) Hoden enthalt (Hyrtl, K. w. 95). — Kot-
(Koo-, Kou-) Sack (Kosack), 1. = der mensch-
liche Leib (Madensack) (Gr. w. V. 1898). — 2. =
der Magen. — 3. — der dicke bauch od. Wanst
(c. v. 8c hm. 323) (Quatsack). — K u Ulen Sack -
das Darm-Eingeweide, das wie ein Sack herab-
hängt (s. Kaidaunen u. Kuttelfleck) (Buck 17). —
Luft-Sacke = Schleimhautgebilde in Höhlen-
form, welche beim Pferdegeschlechte unter dem
Hinterhaupte liegen und mit der Nasen- und
Trommelhöhle in Verbindung stehen (Falko
II, 79). — 2^0%* ) BftOk = menschliche Seelen-
hülle (die Skene des Hippokrates), der einem
schon im Leben von den mitzehrenden (s. d.)
Maden bewohnten Sacke verglichen wird und
nach dem Tode die Speise der Maden ist (Gr. W.
VI. 1427; bei Luther VII, 218; VIII, 259h — MUch-
Sack = Saccus lacteu«, cisterna chyli (Milch«
saflblase). — (16. Jahrh.) Afu'S-Sack; da das
Mue« (Gemüse) früher die Alltagagpei*« war, »o Ist der
Muea-Sack «= Magen, Ventriculus (Hyrtl, K. W. IIA.
IM; D. tili, der das Gemüse zur Verdauung be-
kommt. — (16. Jahrh.) Muttcr-Sack (1468 muter-
tack matrix, l> 11 I«; pelUcuW, in .|iio [ ] con
clpltur homo) ai Mater, die sackförmig gedachte
Gebärmutter (Wampe) (Or. w. VI, 2821; D. 851).
— JVWm-Sack = die sackförmigen, an den
eigentlichen Nieren anhängenden Nebennieren,
(Obernieren), Capaulae atrabiliariae, die in
ihrer Schale die breiförmige atra bilis der Alten
enthalten (Gr. W. VII, 834). — Pap-Sack = Dick-
sack, Freasack. — P«i t Sack (ndl. penzaack =
Peritoneum) = Gedärmsack (Pansen), Bauchfell-
Sack (De Cock 304). — Pip Sack ■ der mit dem
Balge der Dudlsackpfeifer verglichene Wanst
(Schm. I, 399; II, 220). — (16. Jahrb.) iYvi-Säcklein
= Harnsäcklein (s. d.) des Embryon, Allantois
Quast- \
(Hyrtl, K W. 179). — üuätt- \ Sack (14. Jahrh.
(|iiat-Kack, Lexer 190; Schm. I, 1397; Gr. W. V, 1898),
1. = Kolsack, Horsack, der verwesliche mensch-
liche Leib. — 2. = Wanst (C. v. Schm. 418; Gr. W.
VII. 2SS4) als fetter (quaet) voller Bauch (Schwaben).
— 3. = ein viel essendes, gleichsam in gutem
Futter stehendes Kind (Rhein; Gr. W. VII, 2331).
— Stuif » - Sacklcm = Vesiculae seminales,
Samenbälglein, Samenbläseben (Hyrtl, K. W. 133).
— Sau-Sack (aewaack). 1. = Schweinsmagen. —
2. = ein gefrässiger Mensch (Saumagen) (Gr. w.
vill, 1928). — (1842) ScA/n'm Säcke = Schleim-
beutel (s. d.) (Kalke II. 283). — (1590) Schlepp -8&Ck
— Succuba, das mitziehende K ehe «reib (bei
Abraham a. St. Cl. häufige Bezeichnung, D. 563). —
Seich Sick, (tnndl. sl-sac, de Vr. 75) = Brunzsack 2. —
Tall Sack - ein Kretin (Sack 9), der nur dahlt
oder tahlt (Z. f. d. Phil. III, 340). — Thymen Sack
= Saccus lacrimalis, ein fibröser Hautsack für
dieThränenflüssigkeit in der Augenhöhle (Hyrtl,
Anat. MO). — /'• . , Sa< k = Uterus bei Menschen
und Tieren als Fruchtbehältor. — (1749) Ver-
sackung ■ die Bildung von Blutgeriuneeln in
Sackform (Adersack oder Blutsack), d. h. eine
durch Thrombusbildung eintretende Verstopf-
ung innerhalb der sackförmig erweiterten Blut-
ader (Z. f. d. i'hli. xxvi. 253). — VFawer-Sack,
1. »die Fruchthaut des Pferdes mit dem Frucht-
wasserinhalte (Mayer 12). — 2. m beuteiförmige
Anschwellung einer Gelenkkapsel durch {läs-
sigen Inhalt (Hydrarthrose, Phlegmasia alba)
(Welckard 44). — (1482) Hu (-Sack, 1 = Uterus
(Bürden, Tragreff, Reff') (Zenlng. Voc. qq 7) als
Überzug über das Kind im Mutterleibe); (wat, f.
= Kleid, 8ohmeller IT. 1045. 1046. 1419. watnack =
Mantelaack). — 2. — Sarcinula, Saccina (i&. Jahrh ;
D. 512; II. 323), grosses NeU, das den Magen und
die Dünndärme überkleidet (zur FleUchbauerel
benutzt). — U; e/-Sack = der grosse Magen von
Hirsch und Reh, der das Futter der Weide
enthält (Jagemprache; Hyrtl, K. W. 157). — Wind-
Säckel = ein Windbruch (Hernia ventosa) im
Hodensack, wobei die Gemachte von Winden
wie aufgeblasen erscheinen (Zw. 423). — Wind-
aackel-ÄrucA. - WW-Säcklein = Allantois,
die wurstförmig dünne, durchsichtige Schaf-
haut der Frucht (Hyrtl, K. w. 169). — Zahn-
Säckchen, 1- = Zahnbillern als häutige Gebilde,
aus denen sich die Zähne entwickeln (Kalke II.
430). — 2. ^ das Knochenhaut -Anhängsel,
zapfenartig an der Zahnwurzel haften«!
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IM Sadisten— Saft.
Zers-Säckel (1461 «ersack = marupium, D. U, 2i7;
1482 Zersneckel, Zening. Voc. ; D. 163) — Beigürtel,
der Hodensack als Beigabe zur Virga virilis
(Gürtel, Gärt). Zers (s. d.) = Scrotum (Cruraena,
Gromensaok). — Hack.- Bruch , -Darm, -Ge-
schwulst, -Hämorrhoulen , -Pfeife, -Streich,
- Wassersucht.
Sadisten, pl. nach dem berüchtigten Marquis
de Sade (t 1815) genannte Virl molles (Weich-
linge), die in der Mißhandlung der Geliebten
eine Wollustempfindung haben (vergl. Piqueurs)
(Kruflt-Kblng ; Vierordt 97; Roth 170).
Säbel, Ii). (15. Jahrb. zaebel, Schindler II, 200;
1500 (Bayern) Säbel [ans dem Osten stammendes neu-
modisches Fremdwort], Kluge*, 309; ndl. bij heett een
sabel an, Urquell 1897, 87) = er ist ^rsabelt - er
hat scharfgeladen (mit Alkohol beladen) - ist
betrunken, hat einen Rausch (wobei man geht,
als ob man einen Sabel zwischen dsn Beinen
hätte). — säbeln = mit sichelkrummen Säbel-
beinen gehen (Spiesa II, 200). — Säbel-Bein.
Säge ». Sagler. — &&ge-Zähne, -Sj)äne.
Sägner s. Segen.
Saide, Saht: b. salig.
-Sämte s. Samen.
Säng s. Segen u. sengen.
Sät s. Saat.
säfern, sattern s. sabbern.
Safran (arab. «daran = dos Gelbe). — Safran-
Leber.
Saft, m., n. (indogerm. *ap. sab[?J, sapio, sapor;
oltnord. safe — Satt; ahd. sapb, »äffe, n. = succus,
suber, humor sub cortice, Graft" VI, 169; saba, t. Salt,
Bast, Oratf VI, 64 ; saf auB lat. aapa ~ Mostsatt entlehnt;
angl. seawe — Saft; 12. Jahrb. s&t = Satt, Pfeiffer 79;
mnd. sap m Satt, Mag. Barth. 8« b ; mhd. saf, soft,
Kluge *, 310; 1483 saf, C. v. Megbg. ; 16. Jahrh.
satt. m. - feuchter Pilanm.saft) ; damit wurden in
der Zeit der sogen. Ilutnoralpathologle, namentlich
im 18. Jahrhundert, verglichen die verschiedenen
flüssigen, feuchten (s. d.) Körper -Sekrete und
OrgantlüssiKkeiten („Fleisebsafl") , 1. = das
Blut des Menschen, das, wie Goethe (Faust)
sagt, „ein ganz besonderer Saft ist". —
2. = der durch die Saugadern dem Stamme
(Körper) zugeführte, zu verarbeitende, blut-
bildonde, milch weisse Speisesaft (Chylus, Chy-
mus - „die Wurzeln des Tieres") (Hyrtl, Annt.
l«). — 3. = die Sekrete der arbeitenden, or-
ganisierten, thätigen Drüsen (Milchdrüse,
Thränendrüse, Schleimliautdrüaen). — 4. =
der durch alle Organe zirkulierende, noch nicht
organisierte BildungastotT für die Organe, der
als Träger der l^ebensgeister („Leibessaft")
und dessen Fülle als ein Zeichen von Gesund-
heit angenommen wurde („gesunde Säfte"),
deren theoretisch angenommene Veränderung
ins Faulende od. ins Scharfe ( = Psora Hahne-
manni) (s. Kopp H, 264), ins Gesalzene (Salztluss)
eine Verschlechterung u. wesentliche Verderb-
nis, sowie die Ursache der verschiedensten
Krankheiten (Dyskrasien) sein sollte (s. inneres
Krätzesiechtnm), da diese die ilumores oder
Feuchten der Humoralpatbologie ablösenden
feuchten Säfte als die Träger der Krankheits-
sto ffe n ach der Schullchre seit Syl vius (s. Schärfe)
galten. — saftig = flüssig, weich, linde. —
Saftler, m. = „einer, der gerne trinkt" (Schindler
II, 232). — Augen Saft, L = daa Thränendrüsen-
sekret (Gr. w. vill, 1640). — 2. = (1783) die Augen-
feuchte in der Krystallinse des Auges (Ewich
201). — Bein-Saft = der Saft, der die Knochen-
bildung besorgt (Knochenleim, Knochenmark),
wie der Pflanzensaft unter der Rinde die Ver-
holzung (Materia liquida ossibus generandis)
(Gr. W. 1, 1388). — Darm-, Gedörrne-Saft, 1. = das
Sekret der Darmschleimhaut- Drüsen (Zw. m).
— 2. = der in den Gedärmen aufgesaugte Speise-
«aft (Chylus) (Gr. w. II, 782). — (1742) Drüsen-
Saft = das aus den Drüsen abgesonderte Sekret
(Zw. 12. 113). — Fünftel-S&tt = (gesuchte Über-
setzung türj Quintessenz (Klelnp. 161). — (1740)
Hirn? I Saft ™ der im Gehirn und in den
Nieren zirkulierende Bildungsstoff (Saft 4), an
den der Spiritus animalis — Lebensgeist ge-
bunden galt (Kulmus 82). — (1781) Öfienür-Saft
m Gliedwasser, Synovia (Schaarschm. I. n). —
(1735) Ge-saft, böse* (ahd. gesaflt. Schmeller II, 232;
V. B. 61) = übelriechendes Sekret aus Wunden,
Fleischsaft. — (1759) gläserner Saft = Humor
vitreus, Glaskörper im Auge als Feuchtigkeit
(Vadem. 97). — Grund- Safte = die den Grund-
stoffen (Momenten, Qualitäten) entprechenden
Grundfeuchten (s. d.). — Knochen-8&tt = Bein-
safl (Falke II, 26). — (1759) Kryst all -Saft = Humor
crystallinus (Vadem. 96. 97), die Krystallinse im
Auge als lichtbrechendes, zäh-feuchtes Medium.
— LffVn.s-Saft = das Sekret der Milchdrüse
(Saft 3), das für das Leben des neugeborenen
Menschen unentbehrlich ist (Gr. W. VIII, 1640). —
/.•„';• •i-Safte = die den Körper des Menschen
lebendig erhaltenden zirkulierenden Bildung»-
*toffe. — Lid- (Glied ) Saft (angls. lllh-, lld seawe,
Coek. II, 12. 132) = Gliedwasser, Synovia. — lid-
saft-ffiecA. — (1754) Magen-üktl = Sekret der
Magenschleimdrüsen (Succus gastriens), I>ab
(A. v. H. 1, 695). — (1677) M \U h Saft = Chylus, „der
milch weisse Saft, worin die Nahrung beim ersten
Geschäfte der Verdauung verwandelt wird"
(Gr. W. VI, 2198; Hyrtl, K. W. 67 123) Und der Bich
in der „Speisekammer" od. „Blasen" de* Milch-
saftes sammelt (Milchsack, Sammelkasten,
Cisterna chyli) (a. v. II U, 218). — (1721) Nahrungs-
Saft = Chylus (Milchsaft), Speiaesaft (Hyrtl,
K. W. 67. 123; Fiatner II, S7). — (1721) Xerven-
Saft = Succus nerveus, der nach früherer An-
schauung vom drüsigen Gehirne abgesonderte,
I in die Nerven und äusseren Glieder über-
sehende und in den Nervenrohren zirkulierende
Gehirnsaft, an dessen nötigen Feuchtigkeits-
gehalt die „Lebensgeister" gebunden sein
sollten, Ignis liquidus, Flamma Vitalis (Kulm. 85;
blbl. Med. 68. 103). — Sehe-iVertwiaaft = optikon
pneuma (Pauli, lieg ) = die einem ätherischen,
geistigen Nervensafte zugeschriebene Licht-
empfindung in dem Sehnerven (Netzhaut)
[Kraus 2. 614). — (1749) pausende Säfte - die wal-
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Sagler-Salde.
Saide.
.VI7
lenden, schlagenden, durch die Hitze ein-
gedickten, zähen Gewebssäfte (= Blnt) (Zeltschr.
t d. Philol. XXVI. 247). — roter Saft = Blut (Gr. w.
VIII. 1640). — (1743) Rücklein- Saft - der vom
Rficklein (s. d.) — Pankreas abgesonderte
DrQsensaft (Liquor pankreaticus) (bibi. Med. 125).
— (1748) scharbockische Säfte = die beim Skorbut
angenommenen „groben, gesalzenen Körper-
Safte" (Maschenb. 445). — (1842) ScW<im-Saft -
Schleimdrusen-Sekret (Falko II, 283). — schlechte
Säfte = eine für die normale Entwickelung und
Bestand des Körpers ungeeignete, meist ererbte
Veränderung der Zusammensetzung des zir-
kulierenden BildungsstotTes (Saft 4), zu dessen
Erforschung als Krankheitsursache bei Ek-
zema, Syphilis, Skrophulosis etc. Paracelsus
den ersten Ansloss gab (Kopp I. 108). — (1712)
Speiac-Sztt = der Saft von den verdauten
Speisen, der als Chylus (Milchsaft, Nahrungs-
saft) aua den Gedärmsaugadern in den Milch-
brustgang (Ductus thoracicus) gelangt (Hyrtl,
K. W. 67; Gr. W. VIII. 1640). — übler Saft (angls.
yflum seapttm, Cock. II, 17ti) = hnmor malus, böse
Feuchte. — (1759) ivästeriger Saft = Humor
aqueus, s. wasserige Feuchtigkeit im Auge
(Vadem. 97). — Säfte-, Saft- Behälter, -Bruch,
-Fäule, -Kammer, -Krankheit, -Mischung,
-Schärfe, -Umtrieb, - Verderbnis, -Zustand. —
saftiger Leib.
Sagler, m. Säge, f- (indogerm. sek, aok [secare];
ahd. i^gm, ihr» = SAge (dazu sah», Sense. Sichel]; mhd.
»v-ge, sage. Kluge*. 810; 1477 »agier, Lexer 205) = der
Säge- od. Schneidezahn, welcher sagend durch-
schneidet. — a&ge-Spähne, -Zahn.
Sago, m. (malayisch = Sagopalme, Roth. 470). —
Sago- Af t/r.
Sahne, f. (Seiine) (umkr. sAnu = Hohe; mhd.
»ane. f.; ndl. laan) = Oberstes der Milch, Milch-
fett, Kahm, Schmant (Gr. W. VIII. 1663; De Cock
302), — sennern — wieSahne (Senne) den Speichel
rinnen lassen, geifern (Schmeller II, 289).
Saich, m. s. Seich.
Saison, f. (zu altgerm. tatjan = setzen; franz.
saisir. Klage*. 347; ah franz. saccire. saclre; 11. Jahrb.
MlSOBla; 1169 salslo; 1235 salsoula; 1315 salsina ca-
ptendi; 1340 seisona aeativalls; 1341 .«esona ae^tivalis ;
1403 sesone hiemale; 1469 salzonum trlum. Du Cange 1
IV, 71; VII. 25«. 275. 276. 277. 316 = festgesetzte Jahres-
zeit, In der die Bodenfruchte gedüngt wurden). —
Saison-ii>a»A-/u>i7.
Saite, f. — (1676) grosse Saite (Hyrtl, K. W. 67 ;
Saite zu gern»., indogerm. aal: il = binden [dazu Seil);
ahd. seid, n. Strick, Schlinge; ahd. saita; mhd. seile,
Kluge*. 310) — Nervus latus, Achillessebne, als
stärkste, stahlharte Sehne. — Saiten - Warze.
Salaam (arab. salAm ; hebr. shaloni a der Fricdens-
grnt», Roth. 471). — Salaam- Krampf.
Salbe, f. (»anskr. sarpis es .Schmalz ; vorcerm. solpa;
germ. salbö , ahd. »alba; tnhd salbe. Kluge*, :!11). —
in der Salbe liegen - s. liegen. — //um f- Salbe
— Sebum cutaneum, Ilauttalg.
Saide, f Bälde f. salig, sälig, selig. Salinger
(westgerm. säl [>alus]; ahd. salig, »Allda - Gluck. Heil;
angU. saeUg = gut, glücklich; Irisch seeig [selg], gespr. :
Jel eg. Z. d. V. f. V. K. UM, 193 = eine mit Zauber-
sprüchen bebandelte Krankheit; mhd. saelde - Glück,
Hell; ndd. zalde s Frau SAlde, die Verleiherin aller
Vollkommenheit, Segens und Heils; saelcc, aalliche
ss glückselig, gesegnet, herrlich, selig, heilsam,
Kluge*, 346; 14. Jahrb., udd. salde sc salus; 15 Jahrh.
Heiig ss salvus, D. ">0>.»; Island, silt = gesegnet, Z. d. V.
f. V.-K. lS'.'ö, S. 839; Laistoerl, 187; II, 294; 15. Jahrb.
saligen = sanare, D. II, 825), — Saide Herrliche.
Dies wohl der Kosenamen für die drei weiblichen
schicksalbestimmenden Krankhoits - Dämonen
des Volksglaubens, welche als „salige Weiblein",
„saline Fräulein", „saligen Leute", „Salinger
Fräulein" etc. (schwab. Noidostecke von Tirol,
Bayern. Lechrain; Vernal. 243. Alpbg. 3 ff ), gefttreh-
tete, weil Krankheiten bringende Geister, aber
auch als geburtshilfliche Dämonen (mit dem Seil«
s. d.) und beratende Geister hochverehrt waren,
die während des Schlafes Ober dem Menschen
wachen (Kehrein 72) u. als gute, holde Wesen den
Menschen das Weben (s.d.) lehrten (Itanuh. 104).
In Frau Sälde sind Hie wohl zu einer Personi-
fikation vereinigt. Diese Krankheiten waren:
I. = Milzbrand, Anthrax apoplectiformis, der
auffallend plötzliche Lähmung und Tod beim
Nutzvieh und Menschen veranlasst (aellga =
nigra pustula In qua hominis mors est quae dlcitur
selega, Lammen, Volksm. 212). — 2. = der Hirn-
schlag (Tropf)» der den Menschen wie ein ban-
nender Dämonenschlag lähmt (1620 die Selig,
Dr. Minderer = Apoplexia mortuoaa, Gr. D. IL II, 1110.
1106; 1.17 dasselig hett Jngeachlagen und getroffen,
Aventln; 1572 N — Ist durch das Selig, Gott behüt uns
Alle! unfürsehen hingenommen; 1609 H. auf dem
linksten Arm dz Seelig, darvor uns Gott genedig behüet,
berüret, Schmeller II. 262), s. salige Sucht; schon
beim blossen Gedanken an den „Schlag" (derDamonen)
sprach man ,, selig!" (unter „unberufen" !) als Schmei-
chelei der Schlaggelater aus, und fügte man spater .
Gott behut uns! hinzu zum Worte „selig"; der Ge-
danke an das Böse überwog noch im spateren Wort-
begriffe, selbst nach langzeitlicher Entfernung vom
heidnischen Hintergrunde. Die Scldewurz (Schmeller
II, 253) Ist wohl als ein Heilmittel gegen die SAlde 2
benutzt worden. — 3. = plötzliche lähmungsartige
Schwäche im Beine, Hexenschuss (Ischias)
(Gebr. Zlngerle I, '.7 ; Alpbg. 8). — 4.= Febris puer-
peralis, d. h. die Saligen rauben Kindbetterinnen
durch solche plötzliche schwere Krankheiten
(Mannh. 10-t. 153 , Zlngerle 27. 3tl. — 5. — Verfilzung
der Haare zu buschigen Zöpfen und Locken-
knäueln (s. Saligendost, Säldentost, Säldlocke,
Säligenstärs), z. B. nach langem Krankenlager
— eine ThAtigkelt, die die Saligen des Volksglaubens
mit anderen Krankheits-Damonen, dem Alp, BllwU,
Holle . Wlchtcl etc. gemeinsam haben : Vergl. den
„Seelen' aopf als Kultgcbkck In der Form von Haar-
flechten. — 6. = in den Niederlanden ist bot ,,zllt"
eine Hautkrankheit (Dermatitis ecxematoBa = Kot-
lauf) (wegen deren man nach flandrischer Volksety-
mologie nach „Zellik" [salig] oder Zllllk wallfahrtet.
De Lock 16. 40. 142. 251. und die im Deutschen auch
PeUzoerge (». d l helsst \ nachdem auch die (ielbsucht
[gelbe Kittel anhangen] In Flandern geelbuiklge »eelt,
V. K. II, 6 - gelbl.aucbige faldo helsst [= aaUffCS
Salter-Salz
Same.
Fräulein, Merge mit gelbem Gewand«] , IM an dorn
nermantscben Dainotilsmus In Bälde 1—6 nicht zu
zweifeln). — 7. = die Salinen minnen (s. d.) auch
mit Männern, u. die aus dieser „wilden" Elben-
Ehe hervorgegangenen Früchte zeigen als Mal-
geburt dann meist vererhhare Familienfehler
(Zeichen) an sich. — Flceht-Säld (in Brandenburg.
Bespr . Kngel. 262; flechtaeel, de ploecht ml) m die
mit Flechtenkrankheit plagende Schickaalsfrau,
die lu eine gelbe Weide gebannt wird ( Weiden -
weiblein) (entsprechend der [Volgtl.]Wcrra — Wlrrsal
In den Haaren bereitende Perchta, Alpbg. 4»; Schtn.
II, 979). - Frnu Bälde (Sälga, Zälti, Selten) =
die mythologische Gestalt des Volksglaubens,
welche Anführerin der Schar der unzeitigen
Kinder (wilde Salden) u. nngetauft gestorbenen
Kinder (Elben) ist = Holda, Perchta (s. d.)
(Ijilitner II, 362 -354). - /rW/-Sälde (aus der Kurz-
form hel-sel = manes; IV Jahrh , Rirllnger, S. I, 130
alt solche Saide zu erschliesseu ; die Umdeutung
Hollen -8eele ist wohl späteren Auslegungen zuzu-
Hchreibcn) - die am Ofen oder Heerdraume
(= Hei) als Figuren der Hausgeister aufge-
stellten und verbildlichten Salden (cout. «ngls.
helhelme = Heimchen am Heil-Ort, Schindler I, 1080)
— mntln- selig = im Mutterleibe (Mutterglüek)
befindlich. - Saide (mhd. unsalde - cala-
mlta*. rnglück. Leser 30-2; ndd., 14. Jahrh. unsaldc =
ralamitas, D. SR ; IS, Jahrh tu tamlsebe t'nsald ! Schm.
I, r,03\ II, 253 — trinmlscb machende l'nsalde, 11*2
uusel — Jammer, Betäubung, bose Laune. K. W. I, 79;
unsalige = tnlser, D. II, 254; Schwaben an-, im-, ohn-
«ellg, Blrlingcr Volkth. II, i:t) — die eine Krankheit,
Sinnenverwirrung, l'nsinnigkeit veranlassende
unholde Schicksalsfrau dos german. Glaubens
= wilde Salden {Leistner II, »53. 364). — itnslig,
»trsllg, um-, «nsälig (uselig), 1. = tornig, wütend
(K. W. I, bf> ; mhd. unsallc ; dän. undseelig = blöde).
— 2. = irebrechlig, schwächlich, kranklich. —
Säld-, Sälen-, Sälige -Dost, -Frauen, -Leute,
-Lorke, -Schioanz, -Slärz, -Su<ht, - Tost. — un-
seliger Vogel.
Salter, m. s. Psalter.
Salvat eil, f. (zu lat. salvare = bewahren, behüten
[vor Krankheiten], hell und gesund machen). 1. =
Vena salvatella, s. Salvalelader, S. 8; a) Hand-
ader (1575, D. 609; Kunigssp. 49); eine Hautvene
auf dem Goldfinger der rechten Hand, Salus
infirmornm; b) Hauplader (1478, D. 1. c); c)Mdz-
a.ler (1717, D. 509); d) Ktickadcr (15. Jahrh. ; I>, :.09i.
Die Eröffnung dieser Blutadern durch den Aderlass
galt als eine besondere Heilungsthatigkeit bei I.eber-
leiden und Rippenfellentzündung. — 2. — Meninges,
pellicula involvens cerebrum, Hirnhaut (s. d.)
(Du Gange VII, 291). — Salvatel-Jf/cr.
Salz, n. (Indug. iftld, dal [««1 = öt'.t) ; vorgerm
Mild ; gern -germ salt [*. Sulz«!; goth. »alt ; angl*. sealt,
ndl. soul; ahd , mhd nll, Kluge*, 311 ; r.r. W. VIII;
1705) = «las (M'hnrf schmeckende Mineral; „viel-
leicht lernten dir westlichen ludogermanen dasselbe
auf ihren Wanderungen von einem Kulturvolke kennen,
da* auch sonst (vgl. Hanf und Silber) die europäischen
Sprachen beeinflußt hat" (Kluge). Seitdem Parneelsn*
dasselbe („Principiuin Paracelsi") zuerst im men«ch
licheu Korper als chemischen Bestandteil (Grundstoff
mit dem Typus des Festen) desselben angenommen
hatte, suchte man in deu „salzig" schmeckenden Se-
kreten der Schleimhaute (Nasenschlelm) u. der offenen
Hautstellen (Salzfluss) und namentlich, nachdem man
In der Mitte des 17. Jahrh. den Unterschied zwischen
sauren und laugcnhaften balzt n gefunden hatte, in
der sauren oder laugenhaften Scharfe (s. d.) de* Blutes
(und Schwel«*«») die l'rsache verschiedener Krank
heilen, z. B. des Skorbutes und auch des Kontagiums.
d. h. lu dem Salzgehalte des Blutes, das man dann
als . , > m salzen" = abnorm salzreich annahm (Pr. II.
162). -- srhädliche* Salz (1«96 schädlich saltz.
Schreyer I. 92) = Schaden (s. d.) bringende Se-
kretion. Man nahm nuch an, das* die Transpiratio
insensibills der Haut ein flüchtiges Salz, die Tran-
spiratio senslbllls (= Schweis») einen Liquor m]«u«
liefere, der eventuell schädlich wirken könne. — I»Ie
Darstellung des Salzes geschah nach Plinlns hist. nat.
31. 39 bei den Oermanen durch Eindampfung der
Soolquellen auf brennendem Holze (Richen-, Hasel-
holz). Salz und Aschenlauge vereinigten sich so zur
scharfen Salzbrühe, die volksüblich noch zur Wasche-
reinigung benutzt wird; daher im Salze liegen —
in der Wochenbettreinigung (Lochia= l>ange),
wie die Wäsche in der Aschenlauge, liegen (Verf.
Baum u. Waldk. 111, Anm. 2; Schm. II, 273; Gr. W.
VIII, 1708; Heyne V, 202). — salzig = wie Salz
schmeckend. Das unentbehrlich gewordene Kelz-
mittel für den Stoffwechsel wurde zum Symbol alter
Sitte der Sippen freundschaft und des vertrauten rm-
gnnges zum heiligmässlgen Mittel gegen elblscbe Machte
(Hexen u. Teufell (V. Hehn, das Salz 8). daher galzen
- coire ((ir. w. viii. 1712). — salzige(s), Salz-
■Blut, Burh*>, -Fans, -Flechtr, -Flünse, -Geblüt
• Gewässer, - Jauche, - Krätze, -Xass, -Phleqma u.*
-Schäden, -Teile, -Ut.Jlat, ■ Watter, -Wasser-
ganq.
Same, m. Samen, Somen, Sam, m. Saat.
Gesämt i indogerm sc = saen, Saat, sdtnnen = seinen ,
ahd. sAmo — Same, Nachkommenschaft; 11. Jahrh.
seinen — Samen, Hoffm. I. 21; 12A0 daz semen — semen
virile, Pfeiffer 21 ; mhd. same , 1532 somen = sperma.
Fries 120; D 511; 16.— 17. Jahrh. sam = semen. be-
fruchtende Flüssigkeit der Menschen u. Tiere, Kluge \
311; Schw. 573; Gr. W. VIII, 1729), 1. = der männ-
liche, befruchtende Samen, den die Ärzte de«
Mittelalters nach Galcnus' Lehre als eine Flüssigkeil*-
aussLheidungausdem Gehirn u Kuckenmark. Bris« «7 ;
später auch aus dem Blute hielten ; 11. Jahrb. natur
hat gemaohlt den samen durch die geburt; same ist
eiu uberv-luzeheit di von deine IIb« get, der same kumit
von dem besten teile al des libes, Hoffmann I, 320.
I V Jahrh. somen = sangiiis [s. Blut], D. 511; 18. Jahrh.
,,die geistreiche Feuchtigkeit die als zartester und
edelster Teil des (iebiüts aus dem Blute in die Hoden -
gange abgesondert wird" [F. Hoffmann VII, 77] und
[1761] beim Betschlafe von Mann und Weib abgehen
sollte, l. ch. 79). — 2. = der sog. weibliche Samen.
— 3 = das aus dem Samen hervorstehende
Gewiichs. — 4. - Pflanzen-Samen ((rV&ämt,
GfSäme). — f>. = geschlechtliches Werk (Coi-
tus). — 6. = (irrtümlich) Sraegma praeputii. —
7. ar Krankbeitsston". — (1551) sich auf den
Samen Oben (s. d.) (Bock i»7). — ab samen (vom
Hengst) die Kjaetilatio seminis abmachen,
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Samen.
«am— Sand.
beendigen. — Bubm - Samen = der stärkere,
mannliche, Knaben erzeugende Samen (nach
der Lehre des Hippokratee) (Raas cr>) (s. Mannes-
samen und Zeug). — (1742) geistrt ich* i Samen -
der voll von lebendigen Geistern (s. d.) ange-
rollte nnd angesammelte Samen, der auch im
Schlafe als Pollntio («. d. n. kalter Bauer) abgeht
m. -<».***>jS2SS^*r|fc-» <*■
Kr. 13. 43-.') = weiblicher Samen. — (16. Jahrh )
qelbiger Samen = eitergelber Harnröhrenkatarrh
(Gonorrhöen) (Ami. Buch; Zw. 12;!). — (18. Juhrh.l
Krankheit» Samen o Seminiam verminosum —
der lebendige Stoff (Contagium vivnm) , der
eine Krankheit erzeugt (Baas 383). — Mädchen-
Samen (s. weiblicher Samen und Zeug). —
Manne*-, männlicher Samen :»-'J mannos-aame ;
Inf d. 15. Jahrb. mannt* natürlich ioum = sperma,
D. II, 34 '> = lernen virile. Zening. Voc. t>. U6S nimm*
«aum, Gr. W. VIII. 1729) = Sperma virile, das hei
dem Blasenkatarrh (1677) als „verfault" (= Py-
uria) oder „verdorben" entleert angenommen
wurde (Boy, 229) und das man anderseits zur
Erzeugung von Knaben-Geburten für nötig er-
achtete: ,,l»t der »am des manne« sterckher daraus
so wlrt ein chnechtl [Knabe). Ist aber de« welbcs «am
uterckber so wlrt es aln magt. Schmeller I, 1346; 1331
und sprechen Artstote, und Albertus, wann der wmen
feit In die gerechten seytteu so werd ein son geporen
und In die gellncken eyn tochter. Damme haben etltch
pauren den gebrauch das sie dem »Her dem gellncken
horten zubinden, wann sie ein küe wollen haben und
den gerechten, io sie ein stier berturfTen eben aus* der
rrsach, alls Arist. u. all naturales sagen" (Kraut w. XIII,
F_ 2). - — männliche Samen- Materie. — mensch-
lither Sameil (menschlelcb tarnen. Schm. II, 838) —
der befruchtende Saft des Menschen. — natür-
licher Samen (1'>«1 = urlna genitalis, Heyne V. 203;
1.382 natürlicher Samen in Männern. I.ouic. 277; 1391
semen genitale, genitalis urina. Hart. Jun. 20; Gr. W.
VIII. 1729; 1630 der natürliche Samen der Manner.
!.on!e. ; 1660 Saatncn der Natur. Fr. Kr. B. 93) - der
durch die Kraft der Natur (Ratio seminalis),
allein aus den Genitalien durch die Harnröhre
entleerte, flüssige Zeugtin trsstoff (i.v>i den natur-
lichen samen nicht können behalten — gonorrhoica
t - spermatorrhoeal) Samenfluft« (s. d.) (Bock 269;
D. 483. der heissrre Samen sollte den Knaben er-
zeugen [Ulf], Ploss Bartels I, 469). — (lC9'.t) Pest-
Samen = der wie ein PHantensamen ausge-
streute, sich sehr vermehrende Krankheits-
(Pest-) Stoff (r. M. D, 95). — rotes Gesamte = der
wie ausgestreuter roter Kornsamen auf der Haut
erscheinende rote Hautausschlag m Strophulus
ioterpunetus (Buhrend M), bei welchem die Haut-
papeln wie Samen- oder Sandkörner von ein-
ander getrennt hervorragen. — unreifer Samen
= nicht vollständig ausgebildeter, nicht be-
fruchtender männlicher Samen (Ilnffm. VII, 97).
— (1797) verdorbener Samen = Gonnrrhoea,
Tripper, gelber Samen (Baas 286 ; P. Krank V, hh).
— ri699) tv rhalU tu r Samen = ein durch Enthalt-
samkeit in Venere znrnekKebliebener (männ-
licher und weiblicher) Samen , der die sogen.
Knthaltsamkeitskrankheiten (s. d.)u. a. Mutter
raserei (Hysterie) hervorrufen sollte (r. M. II, 123)
— totiblicher Samen = die Allen , welche das
Furkinje'scheKeimbläschen od. den Grantschen
Follikel nicht kannten, nahmen ein Semen mu-
liebre, d. h. eine ähnliche mit Libido cum pol-
lutione (= weibliche Natur) entleerte Flüssig-
keit im weiblichen Körper an wie beim männ-
lichen Geschlechte (= Cervix-Scbleimpfropf
[Krafft-Eblng]od. Excretderglandulae Bartholini)
aber ohne befruchtende od. doch nur Mädchen
erzeugende Kraft (Donauer, ITausvaterbuch ; Gr. \V.
VIII, 1729; Baas 66); s. ob. männlicher Samen. —
wemet Gesamte — Strophulus albidns (Kraus. k.
looo), weisse Schälbläschen, die auf der Haut
wie Körner ausgesprengt erscheinen. — (1783)
1 Vurm GVsäme = dieals Wurmeier angesehenen
Schleimmassen bei Eingeweidewürmern (Easirh
87). — Samen- Bälglein, -Pln*lein, - Bruch, -Dänn-
chen, -Drüse, -Dunst, Ei, -Ergiessung, -Fassung,
-Feuchtigkeit, -Fluss, -Gebresten, -Gefäss, -Hitze,
•Kästlein, -Kolik, -Koller, -Materie, -Nieren,
-Röhren, -Säcklein, Schnur, -Schicäche, -Strang,
■ Verfaulung, - Verschleissung.
sam-, a&m-heil.
Samern s. baumern.
Sammelnng, f. Sammenung, f. sammeln
(alter Stamm sama = derselbe , der nämliche ; goth.
samath; altnord. samna; ahrt. saraanön — - sammeln;
samanunga = collectio , Graff VI, 40; samant = zu-
sammenbringen, vereinigen, admassleren. Kluge *. 311 ;
Heyne V. 203. 208; Gr. \V. VIII, 1744) = (1661) der Eiter,
die Materie gammelt sich zusammen = pns coit ;
die Eiterbildung am Abscessorte bei der Ent-
zündung =eolIeetion purulente, amas d'humeur
| (Brian. 291 ; Heyne v, 206) ; es gehörte (1630) nach Loni-
certis auch das heilige Feuer ( = Phlegmone) als
„eine Art von Brand zu den Sammungen" —
Eiter- ( M aterie)- A nsammlnng ; / U h t V e r s a m m
lung, das nach längerem Ausbleiben der weib-
lichen Periode wieder heftig erscheinende
Menstrual - Blut, das an einer falschen Stelle
sich angesammelt hatte, nach der Volksauf-
fassung (Pauli 48; angls. clalne blod-gesamnath.
reinen Bluts • Versammlung, Cook. II, 198) (s. auch
Gatterung*) — (1588) faule Versammlung (in
der Mutter) = Anhäufung von faulenden Blut-
gerinnseln (Blutstöcke s. d.) im Uterus (Taber-
naem). — SsLmmel- Kasten.
Sand, m., n. Samp, m., n. Sampt (vorgerm
sandho [saraadbo] '/ji'/iH; = Saml , ahd. sant isamat],
mhd. sant [sampt]. Kluge*. 312; Gr. W. VIII, 1758;
engl, sand; l'.9S Sand = frinsedtment, Gr. W. VIII.
1760; 1733 Saud - Griessand im Harn, A. v. EL 1. 130).
— Sand, 1. -: Gesteinsablagerung in feinsten
Körnern. — 2. = sandartiger Niederschlag ans
verschiedenen Körperflflssigkeiten , vor allem
aus dem Harne, der im Nierenkelche oder in
der Harnblase sich sedimentieren kann ; (engl )
Gravel. — 3. = der dadurch erzeugte Schmers.
— 4. = sandige Konkremente als Fntzflndungs-
reste. (16 Jahrb.). — 5. -auch Tophus (Gnmma)
s. Fleischbein, Kalk- oder Steinmaterie, Gyps;
Sand - (Cbera.) Tophus (Tuff). Im Volksglauben
Ist der Sand der Aufenthaltsort der Nattern (Atter)
und Schlangen der In den sogen. Zwölften (l'inmgzeit
der Klben) nicht gvgralieu werden darf (K. u. Schw.
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640 sanft— Sanguiniker.
Saphena— satt.
411); In den Sand werden auch die Krankheit*-
damonen, die den Brand veranlassen, zurück gebannt
(MüllenhoB 510; Kulm II, 201). — alter Sand ■
Nierengriea, der oft spät entleert wird (Arianen. ;
17. Jahrh.). — (1719) 2?/a*en-Sand = der körnige
Niederschlag aus Llarnsalien in der Harnblase
(Calculus vesicae) (Or. w. VIII, 1760). — Darm-
Sand sa der von den Tieren verschluckte Sand
im Darmkot (Falke I, 904; Gr. W. VIII, 1760). —
Gries-Sand, 1. = die grieskorngrosse sandige
Konkrement In Iii im k im Urin (Morbus tartareus).
— 2. = (1725 dolor nephriUcu», The«. San. Br. 779).
der Nierenschmer« Oberhaupt mit und ohne
Griesbildung (s. Sandgries). — 3. = jedes Blasen-
leiden (z. B. an Sand und Gries leiden) = jede
abnorme, stofflich sichtbare Veränderung der
Harnkonsistenz. — II, im - Sand = der Harn-
Gries od. Grieasand, ein körniges Sediment des
Harnes. — Haut Sand = s. sandiger Schweiss.
— Him Sand = die kalkigen Konkretionen in
der Zirbeldrüse und den Seitenkammern des
menschlichen Hirnes, Acervulus oerebri (engl,
brain-sand - Braegensand). — (1680) .VtVrwSand,
1. = du- Konkrementbildung aus Harnsalzen
in den Nieren (Calculus renum) (ür. W. VII, 834;
viil, 1760). — 2. = (1725) der bei dessen Entleerung
eintretende 8chtnerz (Zw. 744; Gr. W. VII, 834)
(Colica nephritica). — (1&30) roter Sand - das
ziegelrote Harnsediment bei fieherhaften Krank-
heiten (Künigssp. 60). — (1530) schwarzer Sand =
das bräunlich rote, dunkle Urinsediment bei
Carcinoma melanodes (Leberkrebs) (Salkowskl
u. Leube, d. Lehre v. Harn 489; Künigssp. 60). —
Versandet (im Gehirn mit zunehmendem Alter)
= vermehrter Gehirnsand, der aber mit der
Intelligenz nichts zu thun bat; geistig weniger
frisch. — Sand-, sandichter Augen, Ball,
■Bruch, -Buchsenbein, -Floh*, -Fresser, -Gries,
-Harn, -Hoden, -Klöss, -Klott, -Körner, -Männ-
inn, -Mumie, -Schweis«, -Seier, -Stein, -Uhr-
magen, - Voss.
sanft. - sanfte Stuhlgänge.
Sanguiniker, m. (mtlat ) sanguiueus = blutiger,
d. h. warmfcucht«r Komplexion). Das Blut (*. d.)
(Sanguls) war nach der humoralpathologischen Lehre
eine der vier Grundfeuchten des menschlichen Körpers,
die edelste unter den Komplexionen (1630), von deren
normaler Menge und Wärme die Gesundheit abhangig
»ein sollte -, der Vollblütige hiess „Sanguiniker" ;
(mndl.) sangwiijn (de Vr. 40); (mnd.) „dem sein t'rin
ist rot und dick, das bedeutet, dass sein Blut an seinem
Leibe habe gute Kraft und gute Macht, und der
Mensch Ist ein sangwinius und der ist alle Zelt fröh-
lich und singet gerne und Ist wohlleiblicb in seinem
Leibe und ist kühn , und diese Leute haben eine
Liebe" (nach Mag. Barth. 101a (f.); (15. Jahrh.) san-
guineus, alnwell pln ich sangwlneus und seez mein
synu, wie ich gewynn dy lieben mynu (Iloffm. I, 338);
die sint sangwinie gedan
die wellen quecken lep bau
Tollenbracht an übe» crafft
Ir varbe ist wiez oud rodehafft etc.
(Adelung, Nachr. von altd. Gedichten II, 167; s. Farbe);
(!"•. Jahrh.) einer der guttcr complex ist — sangulneus
(D. 511) — blutfarbiger (». d.); (1529) der i-1 Sarignineus
bat ein rot« haar (Parac. de Imp. C 4). Nach den
Lehren der Humorulpathologie sollt« der Sanguiniker
des warmen und feuchten Humors in rechtmassiger
Mischung (s. Temperament) genügend besitzen ; nach
den Lehren der Paracelsisten sollte er des lebendigen
Quecksilbers (Merkur) su viel in seinen Saften haben,
nach deu Lehren der Solidarpathologte ein leicht-
flüssiges Biut ihm eigen sein, das aus massigweiten
Gelassen In lockere, massig feste Gewebsfasern (Fibern)
übertreten könne und überallhin leicht Warme des
Blutes bringe ; der Sanguinikersollte darum ein ,, leicht-
blütiges" Gefühlstemperament haben, das leicht erreg
bar und lebhaft wie das der Jugend ist; hober Tonus,
gTosse Beweglichkeit, aber Unbeständigkeit , Vor-
herrschen der Lustempfindungen (namentlich bei der
Nahrung) sollten die Uauptzüge derselben sein ; der
Sanguiniker, der ebenso leicht erregt wie erschöpft
war, „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt" sollte
In seiner Komplexion (Humor, Konstitution, Tem-
perament, Natur, Element) wegen seiner bequemen
Warme der Frühlingsluft gleichen und des Luftele-
mentes mehr haben; nach astrologisch-medizinischer
Lehre (1530) war er in seiner Komplexion vom GesUrnc
des Zwillings, Wassermanns u. der Wage beherrscht ;
der Lenz (Glenz) lies diese dem Schöpfuugstrühling
und der Jugend angeglichene Naturen nach dieser An-
schauung besonders gedeihen (Rünigssp. 3 6. 8. 32).
Auffallend ist, dass von den vier Temporamenten der
humoralpathologischen 8chule nur der „Sanguiniker"
ein Lateiner ist.
Saphena, f. (Zappen, Zoph, Sophena) tu Jahrh
sophena est vena quae si grosse est in dextro pede
[Kiudsader] slgniflcat bonum Ingenium [guter Hoffnung
sein]; oatp-r,; = klar, deutlich erscheinend, D. II. 342).
— Saphen- Ader. — (163«) heimische Sophena =
die Vena saphena magna s. interna, Rosenader,
die von der Heimlichkeit her (Pudenda) Aeste
empfangt und im Gegensatze steht zur wilden
Sophena (Künigssp. 61). — (1530) wilde Sophena
= Vena saphena minor s. posterior s. sciatica,
welche beim wilden Geschoes (Ischias) geöflnet
wurde (Künigssp. 51).
Sardon. — sardonisches Jüchen.
Sarten. — Sarten-JTran&Än*.
Saas, m. -säss, Säss, f. = Podex, auf dem
man sitzt (Hinterer 7. 17; schwed. saete). — (1761)
(jVsäss (Gbsss) = Nates, Podex, „das, worauf
man sitzt", der menschliche Sitzteil und Ober-
tragen selbst auf Tiere: Hinterbacken (Falke l,
335; s. Hinterer 1. c. ; Heyne II, 1124; L. chir. 69). —
Gea&BB-Feige *, -Fistel, -Spalte.
satt (SOtt, SOd), Satt, m. (indogerm. sa = sättigen
(sat, satis, satur); golh. saths — satt; germ. sada; ahd.
sat; mhd. sat, Kluge*, 312) - vom Essen u. Trinken
voll, befriedigt, OberdrQsBig, dicht, fest, derb,
voll, dick (Gr. w. viil. 1818). — Satt, m. = s. Sod.
— küh-*rtff/<7 = wählerisch beim Essen wie eine
satte Kuh (Volks-Etymologie) = kiesettig! (kiesen
= wählen; cten = essen, Andrescn 107). — uixrs&tt
(13. Jahrh. ubirsat = crapulatus, D. 155) = bis zum
Ekel oder Brechreiz satt, appetitlos. — Satt-,
satter {Sott-, Sod-) Fleisch, Hals, Huf, -Stehen,
■Shihlgang.
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Sattel-Satz.
541
Sattel, IB. (indogerm. scd — sitzen [scdere]; gern -
altgenn. sadula; ahd. satal, ««tu:, mhd. satel, Kluge*,
313 - Sitz zum Reiten. übertragen auf Sattelähnliehes),
1. = die Vertiefung der Stirnfläche an der Nasen-
wurzel (Brillensitz). — 2. = (anatomisch) Sella
turcica (Ttlrkensattel). — (1741) Na*en- Sattel ■
Doreum nasi (Sattel 1) (Kirsch 400). — Türken-
Sattel = Sella turcica 8. equina » die zur Auf-
nahme d. Gehirnanfanges (Hypophysis cerebri)
sattelförmig ausgehöhlte obere Fläche des Keil-
beinkörpers (flyrtl, A. 2»). — Ohr Sattel = die
Vertiefung zwischen Ohrmuschel und Seiten-
wandbein, worin die Brillenhacken sitzen und
die Schreibfedern reiten (Gr. W. VII). — Sattel-
Bruch, -Gallen, -Nase, -Seite.
Saturnus. — 8*tnm- Finger.
Satz, m. -Satz (zu ab.l sizan [sitzen]; abd. saz -
da« Hinsetzen, Hingesetzte; mbd. aaz = satzunge -
Stellung, Ort, wo etwas sitzt, gesetzt Ist, Lage, Stellung,
Kluge*. 313; Heyne V, 219 IT.; Graft VI, 2*}; Gr. W.
vill. 1R39). — Satz Z. i' — .-U Satz = etwa«,
was sich angesetzt hat oder angesetzt ist, z. B.
das Muskelende am Knochen, der Kopf am
Halse oder ein Geschwär; letzeres namentlich
als Eiteransatz unter der Beinhaut des Kiefers
(Gr. w. v, 2246; Martin 18), Parulis, Gumma, Caries
(angls. spring ongesittan = earbuuculi, pustula,
rock. I, 2. 74; uncud ongesytte, Cock. I, 36 = in
elbiscber, böser Art angesetzt, wie eine Bremse
[oestrus] oder Dasselfliege [Dasselbeule]). — (1741)
KranzoBen-zlnsatz — Caries syphilitica (Kirsch
186). — .-In;/ -SätZ (angls. angseta, H. Z. XV. 36.
109; Schmeller I, 107 = pustula, cronculus [crustulus],
D. 159; II, 310, Ulcus; angesezzon = papulae [H. Z.
XV, 39], vielleicht anlehnend an Ansatz [s. o.] ge-
bildet; ahd. angezo [= angsezo] = tapax [tubanus —
oester], D. II, 358) — eine Verdruss, Pein, Oual
( — Ange, s. d. u. Oester), Schmerz bereuende,
in der Haut sitzende Krankheit und deren
Produkt (Krusten, Kufen) auf der Haut = der
Ang-Queis (Qnese) = Ouäse-Wurm (s. d.) (viel-
leicht = goth. thrutsflll = Hautverdruss, Uautlie-
Bcbwerde[s. Fell]). — Aussatz, .-L<.-sätze, f. Aus-
Sätzigkeit fahd. üzsetzig, German. XVIII, 299 = mit
einem ansteckenden Hautausschlag behaltet und des-
halb ausgesetzt; ahd. uz sAzeo = leprosus, Graft* VI,
•05; Gr. W. I, 943; uz »azzo s ein Ausgeseuter [Lepra-
kranker], der draussen als Feldsiecher, Sondersieeber
abgesondert wohnt, Kluge*, 22) = Leprosus; (das
Wort Lepra soll von dem Aussatze abgeleitet sein,
welchen die ersten Ansiedler Lepreos lu der elischen
Landschaft Triphyllens arqulrierten [-], Haeser, II, 71;
richtiger Ist Kraus' Kthymologie [Ml]: >.tr:i; ^
»quamma, ).ti:ui - absrhupi>en). Man gebrauchte wohl
in Torabd. Zelten hlefür die Ausdrucke: Ztttcrach
(s. d.), Rufe oder Trudsfell. Plctet (Kuhn, Zeitschr.
f. v. Spr.-W. V, 340) meint zwar, dass die Lepra, welche
nur von Menschen auf Menschen übertragbar Ist, den
alten Ariern unbekannt gewesen zu »ein scheint, aber
nach dem Atharva-Veda (Bartels In Z. d. V. f. V.-K.
1>>95, 11; s. Klcfamentuss) wird sie besprochen. Als
, .Aussatz" wurde sie erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrb.
(mhd. üz-(atz, m. = Miselsucht, s. d.) bezeichnet
(Kluge*, 32; Heyne I. 238). d. h. = Beseitigung,
Hinaussetzung, Absonderung eines an einer
ansteckenden Krankheit Leidenden: (mhd. um-
setze, f., m. - Aussatz-Krankheit; tizscUcl, in. = Aus-
sätziger, leprosus; üzsetzie - aussätzig, Lexer 310;
Kluge 1. c; schwed. utoaU = Lepra morbus; demnach
eine relativ junge Wortbildung aus dem ahd. flzsazzo
[s. o.], nzsAzco = einer, der dratissen abgesondert
wohnt, Kluge 1. c; Westenrieder, Beitr. VII, 183; 1482
aussetzel = leprosus, Zen. Voc; D. 324; 1618 luxua
leprosus Paracclsl, Pr. II, 76). Die Aussätzigen oder
Leprosen, auch Hornbrüder, Sonderslechen , Feld-
slcchen, Ausmarkluger, Malatzcn, Mlselsüchtigen, guten
Leute, Lasers etc. genannt, führten In allen Kultur-
ländern verschiedene Namen, z. B in den romanischen
Ländern Gascogne, Bretagne, Bearn: (1436 Cacosi.
Cacosoa [? von cachexla, cacosla = schlechtes Blut,
D. 86. 87), Caqueux, Caquets, Cacous, Cabous, Caqulns,
Cagoti [? von gaquus = Tonne = der in der Tonne
Lebende], Caput* , Capoti, Coffotl [? hommes tetus,
cabochards, cabosses], Agotl, Gaketi, Comatl, Pelluti,
Cordiert [sie übten das Seiler-, Böttcher- u. Schneider-
Gewerbe aus], Du Cauge II, 17. 18; Schnurrer I, 250;
Tilgt. Rundsch. 18%, S. 683; ausserdem finden sich In
Frankreich für Aussatz bezw. Aussatziger : Malanteria.
Malandria [s. d.J. Du Cange V, 191; 1424 Üolorosus, Du
Cange III, l-r>7 ff ; Leperia, lepraticus, leprosalis, lepro-
sitas, 1. c. V, i.7 ; 12. Jahrh. Morbus Jobl, Morbus Luzari,
Wichner 7. D. II, 257; 1500 Lazery, 1146 Laxarli, Du
Cange V, 49. Ö17; Maurus, Varius (PockenaussAUlger '].
Du Cange VIII, 296; Morbus regius, 1. c. V. 518; VII, 95,
spau. mal de S. Lazaro: schwed. spetalska; franz. la
ladrerie. la Lepre ; mal de St. Main ; angls. micclum lice,
Cook. III, 38 [ = Michelgleich, grosses Glied, Elefanten-
fuss, s. Lclch»]; blecth. blaec = vitlllgo (s. bleich],
sowie thrnsfel [s. Fell], Cock. II, 372; altnord. likthrii,
Weinhold, 390; norweg. spedalskbed ; boll. melaaUcheld
[s. Malatz]; engl, leprosy; ital. roalesanl; hebr. bekur
mavelb, Job XVIII, 13 ■ älteste Tochter des Todes;
[Istrien] Mal de Meleda [eine Insel], auch (iuba ge-
nannt, Archiv f. Dermatol. u. Syph. 1897, XL. 2). —
.licsatz, 1. = die Beseitigung eines an an-
steckender Krankheit Leidenden aus d. mensch-
lichen Gesellschaft (s. Feldsucht, Sondersieche).
— 2. = diese für ansteckend gehaltene Krank-
heit selbst, vor allem die äusserst schleichend
eingewurzelt (1529 vnnd ist ein zeichen einer eln-
gewuruten Weiblichen Krauckelt als aussatz, l'arac
d. imp. K. l) und chronisch verlaufende, durch
Infektion mit dein (von Armauer Hansen 1871 ent-
deckten und nach 8Ücker [M. M. W. 1*97, 1063] primär
durc h die Nasenatmung ac«inirlerten) l^pra- Bazillus
verursachte, im 12.— 13 Jahrhundert am meisten
in Deutschland beobachtete Lepra, welche in
der Kntwickelung von mehr oder weniger
umschriebenen entzündlichen Neubildungen,
hauptsächlich in der Haut, Schleimhäuten,
Unterhautzellgowebe und im Bindegewebe der
peripheren Nerven beBtcht fNctsser in z. Hdb. d.
sp. Path. u. Ther. XIV. I, 620). — 3. = die mit dieser
eigentlichen Lepra verwechselten, weil aussatz-
ähnlichen Ausschläge der Haut, z. B. Lupus,
Syphilis, Psoriasis, Ichthyosis, Skrophulosis etc.
(Haeser II, 77. 203; Fuchs II, 379. (1629) Also wissen
wir auch, dass die frantzoesisch artzney (Syphilis-
Behandlung durch Merkur, Quecksilber) ein vrsprung
ist maiu-hcrlel aussaetz, dlo noch nit offenbar seind . . .
(Parac. de imp. K. 3) anfl das soll ein yeglicher Artzet
542
-Hat*.
bedenken, ilnst er die artxney dermassen erkenne, das
buk «lern Mcrcurio ein anfaug des aussau geporu irdt j
( = Verwechselung der Syphilis mit Mcrcuriali*mui>).
Man hielt IT JM (Maschenb. :t".H) die Lepra für „den
höchsten und gr..sstcn Grad der Kratze, wenn der
ganze Leib als mit Krätze überzogen ist", und im
New-York. med. Becord. 1892, S. 29.1 wird die Lepra
geradezu als ciu viertes Stadium der Syphilis bezeichnet.
(Über das Verhältnis der Lepra zur Lustseuche [SyphlllsJ j
s. Kosenb. 336; Pr. 1, 410; Puschmann, M. Med. Woch.
1MW, 8. 610 ff. ; Peypera 22). „En geen wonder i* het
dat eene intensc syphills sich moest oplossen in ein
groot algeraeen woord als Lepra" (Peypers 82). Mit
der Syphilis hat aber die bazilläre Lepra gar keine Be-
ziehung. — 4. Die eigentliche Lepra, Aussatz 2 (Lepra
Actuarll s. universalis) stand Im Gegensätze zur Lepra
aniti8 raeuibri = Cancer (Sehanker, Krebs,
liangraen) (Kriegk I, 627). — 5. Als Aussatz 3 auch \
übertragen auf Hautkrankheiten der l'terde und
heb Weine. Zu Luthers Zelten hatte man von der
Aussetzung des unheilbaren od. ansteckenden Kranken
auf das Peld (Feldstecher) keine Ahnung mehr; damals,
ja schon Im Mittelalter, waren dieselben bereits In
Leprosenhauscrn als „Spitalsieche" (s. d.) unterge-
bracht (lö79) ; man uahm damals aber auch noch an,
daai der Aussatz durch „Verzauberung" entstehe oder
aus dem unreinen und gefälschten Blutkasten (•. d.)
seine Entstehung ableite. Schon 480 wird ein Leprosus
in Passau erwähnt; in der Bretagne war sie sicher
schon seit dem 7. Jahrh. bekannt; zur Zeit Karls des
Grossen Hess mau (Gregorovlns, (Jesch. d. Stadt Itom |
II, 320; die Lepra von der Lombardei aus sich ver-
breiten (Verwechselung mit Pellagra [s. Alpenflecute]) :
„leprosum genus de natione Longobardorum oriri
certum est" schlich Papst Stephan III. an Karl den
Grossen ; 767 existieren bereits in Deutschland Ehe-
verbote wegen der Lepra, die aber in romanischen
Landern bereits Im 2. Jahrb. nach Christus eine rapide
Verbreitung hatte und dort zur Zelt der Kreuzzuge
ihre grösstc Ausdehnung fand. Im 11. Jahrb. kommt
ein Aussatziger wieder in I'assau vor (Mon. Genn. 14.
231; I, 8); die l^epra verschwand vom 15. Jabrh. ab
ganz allmählich (Hennig- Gerhard I, 29); schon im
14. Jahrh. stellte man bereits Schaubriefe aus (arztliche
Zeugnisse, Aussatzbriefe) über wirklichen Leprabestuud.
Ein Lepraherd ist gegenwartig nur noch im Kreise
Mcmel (aus Itusslaud importiert) bekannt für Deutsch-
land (s. d. Verf. Volksmedizin 226; Monum. boic. I,
100; Baycrland 1H93, 8. 383). l'nter „Lepra" ver-
standen die allen griechischen Ärzte eigent-
lich nicht bloss die U»pra s. Elephantiasis (auch Lcuke)
Graecorum, sondern auch davon ganz verschiedene
Hautlelden, z. B. Psoriasis (vielleicht war l.cpra s. Z.
auch = Syphilis, Mentagra; Z. Hdb. d. Path. Hl, 12;
Arch. f. Dermatol. u. Syph. 1N70, II, 69; Rosenbaum
886. 336. 344). Die Ar«l»«r nannten sie Bothor
(- Lupus, Lepra Arabum, Syphills), Hyrtl, K. W. 90;
A. v. H. II, 382; Ziemss. Hdb. d. Path. III , 12.
Bei Avlceuna heisst sie Baras. Ute tu i 1 1 e I u I le r-
hrhen Arzte übernahmen die Ausdrücke der
griech.-lat. Schriftsteller uud führten sie zum Teil
übersetzt, zum Teil in entstelltem Latein auf, z. B.
1. Elephantiasi», Elephos morbus Lucretii
(Kraus, K. 343J . I-cpra sie dicta quod cutem reddat
elephautl corio slmllem (Du Cange 11, 603; III, 246),
Morbus Heracllus (Kraus, E. 401, kelt. cowiranus vom
[aremorisch] cowln [= Scabies, posülentiu, lue» —
Kielantenkrankheil, Klefantensucht, elefan-
tische Aussätzigkeit, Knollsucht, Knollenau«-
Bati, Aussätzigkeit 4. Nach Roth 161 „bezieht sich
die Elephantiasis Arabum u. Eleph. (= Pachydermle)
Graecorum ( = Lepra) nur auf die arabischen bezw.
griechischen Autoren, von denen die enteren die
Pachydermle als Dal (11 (Elefanteufuss, s. d.) bezeich-
neten, was von den Übersetzern mit Elephantiasis
(Celsus; t>.ttpavtz:a, Dioscorld.) überseut wurde; die
Griechen jedoch hatten unter K. den Ausaatx ver-
standen, der von den Arabern Judam genannt wurde.
Dieses Wort wurde von den Übersetzern mit l.cpra
übersetzt, worunter die Griechen nur eine ganz unge-
fährliche Scbuppenflecbte verstanden hatten." Aber
auch die Araber sahen in der Elepbautiasis des Aretaeus
nur eine lokale Hautkrankheit (M. Med. Woch. 1897,
S. 1063). — 2. = Maltitu uiurluutu (= s. Tuten-
Übel), mal morto der Salernitaner. — 3. Satyri-
asis, Saturassis, Sirey, Morbus phoenlceus ( Rosen b.
264 0.), Aussätzigkell 1 (oaTrjptdu), Idiupo; = geller
Faun im Gefolge des Bacchus), Priapismus, Elephan-
tiasis penis et scroti. — 4. r'oruiica = Lepra an-
aeatheilca s. nervorum = Baras Avlcennae (auch =
Syphilis, zum Teil nach Proksch); Uornnageln (s. d ).
Ameisen kriechen, lancinterendeSchtnerzetuanfalle sind
charakteristische Lepra-Symptome. — 5. Leontl-
asi&; Löwe, Löwenhaupt (s. Aussätzigkeit 3),
Löwengesiebt, Facies lcontlna = Lepra tuberosa. —
b\ Alphus = (ä),^ö; = welM, pigmentlos) Lepra
nervorum Vlrchow, Albaros der Araber (Kraus, E. 636) ;
Alphus nielas = Vitlligo nigra (A. v. U. I, 18); Alphl =
Papulae quibus aliquando taciea turgescit ( - boutons).
a candore quod buiusmodi vitlligines spectem referant
minutaruin unionum («■ Muschel) quae passim abal-
bedine Albae dicuntur, interdum Alphae et Albulae
(Du Cange 1, 200). — 7. Morph ea: Farbe und Gestalt
(t( p.op»-f() verändernde Mif-cbforroen der Lepra ■
Lepru maculosa ~ intirmltas, cum color in allum mu-
tatur 1022; ltalis Morfca est Speeles scable, gall. Gale,
Du Cange V, 222; 1645 eine unnatürliche Bedeckung
der Äusseren Haut, Coler, H. B. 70; mnd. Morfca: „da*
ist eine .Sucht, und davon kommt, dass einem Menschen
die Haare des Bartes ausgehen", nach Mag. Barth 87 b
= schwarze, rote und weisse Aliseisucht (s. d.);
vielleicht war die Morfea aber ebenfalls = 8yphllls,
Kotz [ = morfue, morfewe s. Morvc S. 421), Gutta
rosacaea (Handb. d. sp. Path. u. Thcr. XIV, 2. 227.
443). Ludovicus dives »lux Bavariae fuit amabilts et
amator mulierum et fuit plnguis et facic morphe-
atleus (Syphilis? Akne rosacea? Peijpers 23) et poda-
grlcus (Du Cange V, 522). — tt. Leuke (Pauli Aeg.
[Ai'j '/.'/-;, licht, weiss) ~ Morphea und Alphus,, Lapm
nervorum, A. v. H. II, lOJ'.i; Nelsser i. Z. Hdb. d. sp.
Path. u. Ther. XIV, 2. 62ii). AI- Baras der Araber.
Vitiligo (von Vitium = Kehler oder vltulus = Kalb?)
Celsi ; alboras est maculosa defoedatlo planae cutis
I neque in priuclplo est ulla exuleeralio aed in proeewsu
temporis idem quod Morphea (Peijpers 24) = Alpbus,
weisser Aussatz, Mehlgrind, Mehl deck, wobei
Bich leukopathische pigtuentlose Hautstellen,
weisse Flecken (s. fahl) bilden. — aunsatzig,
1. m (1482 - ex lex, leprosus, D. 217; mhd. [s. o.]) am
Aussatze leidend. — 2. = (1529 ..vom heimlichen
solchem aussatz wiss, das offtmals der Wölfl (s. d ]
aussetzig ist, offtmals der Krebs an prusten etwan die
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-«atz.
-Hätz.
543
Sirey [». d ], die huugenaueht, die Klhic vnd nuder '
auch rnd doch nit andere dann Iiir Krebs, Fistelt, i
Sirey etc. erkendt wirdt vnd erscheinen", Faracelsus de j
Unp. K3) aussatzähnlich, leproid. — .dttssätzel
(mhd), 1. = der am Aussaue Leidende („die uzzecll
die fueret man och für die »tat", Schmeller II, 344).
— 2. = (1482) die J/epra selbst (c. v. Megbg.). —
Au*satzigkeit (13. Jahrh. nsssccatckcli = kprosltas,
D. 324 ; 1470 .^keit — morbus regtus, 1). 368 ;
1632 usaseuigkeit) — der Zustan i des Leidens am
Aussätze, wovon man (l.">18 n. 1632, H. v. Gersd. 86. 87;
Fries 82, 141) mehrere Arten annahm: 1. ■— Tyria od.
Tiriasis (tyrus = Schlange, Wurm, D. ft&i) = eine
Hautkrankheit „wegen der der Schlangen-
häutung älinlicben Abhäutung" (H. t. Gersd.),
d. Ii. wohl Aufblätterung und Zerbrückelung
der Horngebilde bei der Lepra nervorum
(Seiacer, Z. XIV, l. 634), vielleicht der schwarze,
weisse, rote Wurm (s. d.), entsprechend der
schwarzen, weissen, roten Miselsucht (Schlau-
genaussalz, Schuppenaussatz; vergl. auch Bein-
sauger). Tyriasta Ut vielleicht Abkürzung für Satyrl-
asls — Klephantlaals lepros» scroti et penia. — 2. =
Alopecia = der Haarausfall im Beieiche der
Augenbrauen und der Bartregionen bei Lepra,
„wegen des fuchsischen (s. Fuchs) Haaraus-
falles" (H. v. Gercd. . „Alopecia est tertialeprae Speeles",
Montagnona nach Peljpera 29. 30). — Ii. s Iseonina
= die Lepra des Uesichtes als löwenhaut-
bildende Krankheit „wegen des grausamen
Löwenantlitzes" (H. v. Gercd.), „die machtige
W'ulstbildung, namentlich «He oft sackartig
Aber die Augen herUberh&ngenden Stirn- und
Augenbrauenfalten („<ier Lowenblick") haben
den Anlass Kegeben zur Bezeichnung „Facies
leoniua" (Nclsccr iu Z. Hdb. XIV. 1. 623. „eplscynlum
vehementer contrahitur ut ocnlo» contegat quem
admodum lraceentibus aut teonibuc accldit: unde et
leonina hacc aegritudo voratur", Aretacuc, Peljperc 28).
— 4. m Elephantia (s. Elephanten-Aussälzig-
keit und elephantisclie Krankheit) (..wegen der
I mgettaltung der Glieder; Ihrer Bein und HAnde
Gleichen cind unbeweglich genutet, als waren cle er-
»tarret gleichwie die Heine des Klephanten '*, H. v. Gercd.
86. 87 a Morbu« phoenlkiuit, punlccher Aussatz, Krau»,
E. 7*.). — b. - Wassel sucht bcI. der Haut (aus-
setzlgkelt infolge de» wosjwrsnchtgebrecbena, Friee 111)
= Phlegmasia cruris, chronische vancose Lym-
phangitiscruris (hydropische Anschwellung der
r'usse) sa Hypersarkosis (Beinsauger) ohne und
mit FussgescbwUren. Biese Form der cogen. Aua-
aatzlgkelt war e», welche nach dem Verschwinden de»
I>epra-Aucsehlagcs im »litten Mittelalter und bis auf
tiusere Tage die LeprosenhAuscr mit „leprosen1- ver-
sah [m. Klefanten-Auuiatz 2 und Klefantensucht). —
(lTvoj abendländischer .liesatz = Lepra nova
s. noslri aevi ■ 1/epra in Europa (Baas 871;
Kraue, E. MM). — (1699) arabischer .Umsatz =
Lepra Araoum (s. o.), Elephantiasis, Psora,
arabische Kratze, auch Filana - Krankheit
(v. M. II, 130). — eiteiiger ,rln*aatz = ein Stadium
der Leprakrankheit, in dem die Lepraknoten
an der „Aussatzblume" (s. d.) in Kiterung
d. h. reichlich dünnen Kiter sezernierende 1
Geschwüre zerfallen, die nur ganz allmählich |
vernarben. — (1776) Klephanten- AuKi&tz =
Elephantia (s.o.u.S. 1 12b). — (l4$5H'lephantische
Aussätzigkeit (C v. Megbg.; Mag. Barth.), 1. -
Elephantiasis Arabum (Bebrend &. M; A. v. II U,
;>83), arabischer Aussatz s. Morbus heraclius
(Z. Hdb. d. ap. P. u. Th. XIV, 1. 45-1). — 2. = die
variköse Lyuiphangoitis (nun leprosa), der dem
leprösen Knollenfuss gleichende Dölschenkel
od. Elephantenfuss, Mal St. Lazare (s. Knollen-
fuss). — 3. = 8. Elephantenkrankheit. — 4. =
Filariakrankheit. — europäischer AussaXz =
„die Lepra (cutanea s. tuberculosa) unserer
Tage" (Fuchs 11, 075). — (1776) Fiscbschuppen-
. 1 tosatz ■ Ichthyosis, die Fiscbschuppenkiank-
heit (s. d ), die ähnlich wie die Lepra ab-
schuppt (Behrend 5. 83). — (1630) französischer
A u»satz „welche Plage damals Jcderman ganz gemein
war, so dass schier ein jeder Landstreicher und ein
jeder Fretter eich derselben Kur unterwinden will"
(Loniceruc) - Syphilis ( = Franzosen, s. d.). —
(16. Jahrh.) fressender AtusatZ (Heyne I, 239), 1. =
mit Lepra verwechselte fressende Flechte (s.d.).
— 2. = indolente Haut- u. KnorpelgeschwOre
bildende Lepra, wodurch wie bei Syphilis und
Lupua Nasengewölbe und Kehlkopf zerstört
werden können. — (1752) griechischer Aussatz
= Lepra üi aecurum (s.o.S.542a b). — gutartiger
.4 tesatz (Kraus, E. 661) = heilbare lepiaähuhche
Hautkrankheit, z. B. Impetigo Celsi (Impetigo
von impetere = angreifen, A. v. II. II, 832). — hol-
steinischer Aiusatz, 1. = mit Lepra verwech-
selte (1785) in Seil* eilen, Norwegen, sowie Jüt-
land und Holstein häufiger beobachtete und
anfangs nicht erkannte Syphilis (s. nordischer
Aussatz und Kadessyge) (Ziemsa. Hdb. d. *p. Patb.
n. Th. III, 17). — 2. = Marschkrankheit tßelart 33 ;
K. u. P. III, 112; Behrend 72). — (1776) Kiefer-.4u*-
gatz-^Mentagia, mit Lepra verwechselte Bart-
flechte (s. d.), r^ykoeis menti (Behrend 6. 48). —
(1776) Kleien-si uvsatz, 1. = mit Lepra verwech-
selte Kleieflechten (s. d., Impetigo Plenck). —
2. = eine l^praform, die oberflächlich kleien-
artig abschilfert (Behrend 5). — Knollen-, Knoten-
-licsatz Lepra nodosa, cutanea, tuberculosa,
synaca, aegypliaca (Zlemsi. Hdb. d. sp. p. u. Th.
XIV, 1.620). hlephantiaais Uraecoruiu et Aretaei,
Lepra Arabum Vera (Behrend 66; Kraus, E. 561) =
der eigentliche Aussalz des Mittelalters , der
sich vor allem durch Hautknollen - Bildungen
(Knopfe) auszeichnete. — lombardischer Aut-
gatz = Alpenflechte (s. d.) = Pellagra (pelli», Haut,
aegra, rauh, Both 397), ca'ore de fegato, morbo tii
legato (s. Feige), mal rosso, mal del sole, male
della spienza (Fuchs II, 678); risipola (= erysi-
pelaa?) lombarda (Roth 397); (frz.) verdet (Dornbl.
144); Elephantiasis Italien (Behrend 58); (s. oben
bei „Aussatz", S. 542 a), ein mit der Maiskultur
in der lombardischen Ebene, bezw. mit dem
Mabpilz (Sporisorium Maidis) zusammenhan-
gende chronische Hautkrankheit (Typhus pella-
grosus) an den der Sonne mehr ausgesetzten
Stellen des Körpers (mal de solc, SomineraiiK-
satz, mailändiHche Krankheit), manchmal auch
mit hallucinatorischer Verwirrtheit und atak-
tischer l'araplegie verlaufend. — maiiandischer
. i 'i-satz ■ lombardischer Aussatz, asturische
oder mailandische Hose (Pellagra, Elephan-
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satr.
Sau — sauber.
tiasis ilalica) [Fncbi II, 6*8). — (Müh) minderer
-lir>satz (der myndcr aussatz) = die aussatzähn-
liclie Hautkrankheiten hervorrufende Syphilis,
die aber doch heilbar ist, darum nicht so sehr
gefürchtet war als die unheilhare Lepra (Fuchs
1, 31). — neuer Au#satz, 1. = die Lepra, euro-
paischer Aussatt unserer Tage (Fuchs II, 675). —
2. = Syphilis (Kunlgssp. 47; 1531). — 3. = [1(8»]
syphilisahnliche, von Paracelsus (de imp. M. 2),
dem Queoksilbermissbrauche zugeschriebene
Hautkrankheiten (s. ob.). — nordischer (nor-
wegischer) Av.ssa.tz = holnsteiniscber Aussatz,
Lepra norwegica, s. borealis, 1. = Spedalskhed
(s. Borkenkratze), Scabies crustosa Boeckii
(Dornbl. 120). — 2. = Radesyge = Syphilis (s. d.)
(Behrend 72 ; Krau», E. 5«1. 964). — 3. = (vielleicht
mich — UolRRch [s. d.*)= Lepra gravlssima In Hibernia
quae vocatiir bolgach, Schnurrerl, l'<9). — (17. Jahrb.)
Pferde- Aussatz = jeder chronische Borkenaus-
schlag beim Pferde (R. A. '»75). — (im) rechter
Aiosatz = wahrer Aussatz; der Aussatz (Lepra)
ward, well bereits im 14. Jahrh. seltener, ärztlich kri-
tischer beobachtet und von falschen lepraahnliehen
Ausschlagen (Syphilis -. B.) (AussAUen) getreunt (Latn-
mert, V.-Med. 141; Haeser II, 92). — (17 Jahrh.) ro".e
Aunt&Xzigkrit, 1. = eine Lepra, die unter dem
Hilde eines Liythema nodosum od. auch unter
«lein des Kotlaufs (Erysipelas) verlauft, wobei
die Haut mehr weniger stark gerötet ist (Fr. Kr.
B. 27fi; Seisser Z. Hdb. d. P. u. Th. XIV, 1. 621. 624 ff.).
— 2 = vielleicht auch z. T. Lupus. — (1776)
SchlanKen-Au*aatz==TyriaBi8 (Lepra), die stark
schuppende, hautende Leprafbrm (tirus, tynis —
cyn «lange [die sich bautet], D. 585 , Behrend 5). —
Schuppen- Aufsatz = die eigentliche Maltzei
(I^epra) des Mittelalters (Xrnö- = Schuppe;
davon wohl der Name Lepra [s. o.], Behrend 54). —
schwarzer sluflsatz- Lepra nigra, s. Graecorum,
Vitiligo nigra, der dunkel pigmentierte Aussalz
(Kraus, E. 561). — Sch weine- Aufsatz = Finnen-
krankheit b, Schweinen als Infektionskrankheit
durch den Blasen- (Band-) Wurm. — Sommer-
Au*satz (mal di sole) = Pellagra, die in der
wikrrueren Jahieszeit starker auf- und hervor-
tritt als im Winter (Fuchs II , 675) (s. lombar-
discher AusBatz). — (1776) Stachel-, Stachel -
schwein- Aufsatz = Hystrioisinus (hystrix — das
Stachelschwein l>--#(*:;. also eigentlich Sauhaar, Roth
253; Behrend »; Kraus, E. 519). Ichthyosis hystrix,
5. Cornea (Meyer, C.-Lex. XVI, 296; Lesser in Z. Hdl>.
XIV, 1. 47u), üherm. . Hornbildung der Haut
beim sogen. Stachelschwein-Menschen (s. d.).
— verstümmelnder Aussatz = Lepra articu-
lornm mutilans, weil durch die Lepra-Krank-
heit in den spateren Stadien der lokalen Lepra-
Anektionen die Glieder in den tielenken ohne
besondere Jieaklionserscheinungen gleichsam
von selbst abgesetzt werden (Keila, z. Hdb. XIV,
6. 36). — (17. Jahrh.) wahrer Aufsatz (Zürich;
Haeser Ii, »2) = zum Unterschied von der mit der
Lepra verwechselten Syphilis etc. = rechter
Aussatz). — weisser Aussatz (13. Jahrh. wttvayaetM-
keit — albor, albldo, Signum leprae, I). 21; die al-baras
alba der Araber, Leuke, Vitiligo alba, Lepra alba, Al-
phns, A. v. H. II, 902) -Lepra nervomm (Vlrchow),
Elephantiasis anaeethetica, „die Haare der
Haut und das Fleisch darunter werden weiss
(pigmentlos), die Haut ist empfindungslos und
gibt kein Blut von sich, sondern bloss einen
milchigen Saft" (A. y. H. I, 43. M). — Aussatz-,
aussätziger -Auge, -Blume, -Blüthe, -Qrint,
•Knöpfe, -Mal, -Plage, -Räude, -Siech, -Seuche,
-Sucht, -Tripper. — Ers&tz Knochen, -Zaltne,
— (1704) !•'■<> .'satz = das was sich fortsetzt von
der eigentlichen Stelle weg. — Haeken-For/satl
= Proces8. coraeoideus scapulae (Hyrtl, K. w. 4t).
— Wurm-for/satz = Processus s. Appendicula
vermiformis, der wurm förmige Anbang am
Blinddarme. — insatZ siehe eingesessen und
sass. — (1532) unrechte Satzung = unrichtige
Stellung oder Verlauf eines Organs, z. B. der
Schlundröhre (Fries 98). — (1843) üntt r-8&tZ ein
breit und unten aufsitzender Spat beim Pferde
(Zipperl. 118; Falke II, 392), an der Vereinigung
des Schienbeins mit dem Uriffelbein. — Zusatz
s setzen. — Fcrsatz s. versetzen.
Sau, f. (westlndogerm. sü [Schwein; ras, 'Sc]; *lt-
germ. sü, sui, pl.; mhd. sü, sewen, pl., siuwe, pt. ;
is Jahrh. Sauen, pl. = [Lus] das fruchtbare weibliche
Schwein [Kluge4, 313], das als Verkörperung alles
Schmutzigen und Gemeinen zu Übertragungen auf
Krankheiten, Sekrete u. Organe beste Gelegenheit gab)
« Penis (Spiess II, 204; Uenneberg). — Sauerei =
Krankheitssioif, Unflat, Kot; nach der humoral
pathologischen Schulanschauung das Produkt des
kranken Körpers; jede nilssfarbige abnorme Sekretion,
selbst die Eiterung wurde uud wird im Volke noch so
genannt und als ein vor der Entleerung schon vor-
gebildeter und angehäufter Unrat, wie der Schmuti
im Haushalte, angenommen. — Sau- (SäU-) Augl,
-Darre*, -Dreck, -Finnen, -Gehör, -Jungfer,
•Krankheit, -Lau», -Ludi, -Magen, -Maltzei,
-Ruck, -Scltädel, -Schädelkrankheit, -Sack,
•Sterben, -Tuttcn, - Wurm, -Zitze.
sauber 'aus vulgArlat. süber; lat. söbrius m nüchtern
entlehnt, Kluge*, 312; Heyne V, 222 halt es „sicher für
kein Lehnwort"; ahd. sübar, sftbiri, CJra.fI VI, 70; mhd.
süber, sflver, züfer, Gr. W. VIII, 1848) = frei von
Krankheiten, von innerlichen Beimischungen
zum Blute; namentlich frei von entstellenden
Flecken und geschlechtlich rein. — säuberlich
= frei von Kntstellendem (Gr. W. VIII. 18M). —
Sauberkeit - saubere Art. — sich säubern
(ndl. zutvern) - reinigen, den Kot entleeren, des
Kmbryon [C v. Megbg.) oder der Nachgeburt sich
entledigen, Oberhaupt von Gesundheitsschaden
sich befreien (z. B. Hautausschlag, Nasen-
schleim, Urin, Periode, Wochenfluss) (Gr. W. VIII,
18A7; De i ock 247). — (152.;) gesäubert = von l«epra
frei (Lochner, die 8ondersiecben in Nürnberg 228;.
— Säuberniss, Säuberung (1412 suifemisse =
cataricum [D. II, 79] suferung; ndd. 1484 snveringhe,
Gr. W. VIII, 18.59), 1. = die Reinigung, z. B. des
Gesichtes, der Hände, der Katarrhe. — 2. —
Reinigung der Gedärme durch ein „Purgativ"
(Purgierung). — 3. = der weggeeäuberte Gegen-
stand selbst, z. B< die Nachgeburt (bei Tieren)
(Gr. w. VIII, 1859). der WochenHuss, die Periode.
— (1632) /.••'•!(> Säuberung = eine versuchte od.
angenommene Reinigung des Blutes durch
Kuren (bluots seuberung, <.r. W. VIII, 707). — (UM)
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Sand— saufen.
Mögen.
U ittt Säuberung (Tabcrnaem ) die Reinigung '
th*r Haut von entstellenden Flecken (Gr. W. VIII,
1809). — 3/om</-Sauberung (ndl. maand-zulvcritig,
I>e Cock 222) = monatliche Periode od. Reinigung
(s. d.). — (Vnsauber, n. (ahd. du unsupara, II. Z.
XVI, 41 ; aegra rubtgo = krankhafte Röte im Angesicht ;
1182 unsawber = scoriosus, I). 620; lööl unsauber) =
von schlechter Blutmischung, zerfressen, ge- |
Bchwürig. — uwsaubere(s) Geblüt, Schäden, !
Zähne. — (VnsäuberUchkeit, Un Sauberkeit
(augls. unscfernesse , Cock. II, 198; 12. Jahrh. un-
nübcrliche = Hautunreinlgkeit, Pfeiffer 19. 8« : mhd.
nnsuberheit = l'urelnlgkclt, Lexer 303; 15 M onsaubcr-
kelt der haut = vitiliglne» [Lepraknotehen in der Haut],
Bork 365; 1554 unsuberkelt = die Illume der Frauen,
menstnium [„ein Cberfluss der sog. 3. bauung", » d.],
Gr. W. VIII, 1858; 1742 Cnsanbcrkeit = faciel immun-
dities. Zw. in), 1. = entstellende Hautunreinig-
keit infolge von Krankheiten. — 2. »weibliche
Periode. — irrsäubern (versufern) m schön
machen (s. schön), die Nachgeburt abgehen
lassen (bei Tieren) (c. v. schm. 447). — saubere
Katur.
Saud s. Sod.
Sauerei s. Sau.
sauer, Sauer, m., n. Säure, f. (ursprünglich
kratzend , unangenehm im Geschmaeke ; vorgerm.
«uro* — robsalzig, ahd. sür - verdorben durch Uftrung.
faulig. Gr. W. VIII, 1861 j mhd. aur = sauer, bitter,
»charf schmeckend. Kluge4, 313, surre = Saure In den
Säften, nint, Magen ; engl, sour = Saure, I.ehf. 228;
angls. maga asurod, Cock. II, 856 j a. Magen-Saure).
— Säure, 1. = die saure Molke und das M . loh-
lab (Gr. \V. VIII, l«;9; Heyne V, 225) = der, das
Sauer. — 2. = die Magen ■ Säure - der sauere,
wälsserige Magensaft, (17 43) Fermentatio (Kirsch
495; Heyne V, 233) (Mngenschärfe). — (1074) scharfe
Säure = u. a. das venerische Gift (Sylvius),
w elches das Blut versalzen und hantig, scharf,
sauer machen sollte (Pr. II, 269). — säuren
(14. Jahrh. sawren, Z. f. d. A. 1888. 142) = (von Won-
den-)Eiter (Ferment) gftien (•. d.). — Sauer, ej,
Säure-stM/f/owefl, -Auqe u.*, -Blässe, ■Grölten,
-Krankheit, -Milch, -Phlegma, -Sciuirfe, -sehen,
-Vbtl, Topf, Wasser.
Säuerlein, n., pl. s. Seuetlein (unter Sir).
saufen, Saufer, m. (germ, sup [dazu Suppe];
angls. Hupnn - sorbere, < ock. III, ::70; ahd. süfan; I
mhd. süfen = trinken, Kluge4, 313). — Sauler
= der da unmassig trinkt. — Blut Saufer
(ndl. bloed-zuipers, Roll. 173) s. Blutsaurer 3. —
AVsfM-Säufer = einer, der mineralisches Stahl-
wasser wegen Krankheit zu sich nimmt (An-
spielung auf den l^isenfresser) (Gr. W. III, 373).
Quartal-B&Vlf er meiner, der lange Zeit dem Al-
kohol-Genüsse nicht mehr fröhnte, dann aber
plötzlich sich demselben wieder ergibt (pr. Arzt
1875. 140). — tt iiier Säufer = einer, der heimlich
sich zu Hause dem Trünke ergibt (pr. Arzt 1875.
139). — Sauf-, Säufer -Bruder, -Butz', -Finne,
-Knubbei, -Krankheit, -Leber, -Na*e, -Raptus,
-Seuche, -Skorbut, -Sucht, Teufel, -Tod, Übel,
- Wahnnnn.
Saugen, SäUgeU (vorgerra. suk - saugen (sugerc]
germ. sug [suk] ; ahd. üügan ; mhd. sügen = saugen ;
söugcu = saugen, Kluge», 313; 14» saugen = primicie
[Erstling, Sangllngj, I). II, 303; 15. Jahrh. auoggen =
llpplre, b. 332; engl, to snck — saugen; sukllng =
Säugling, Lehf. 233 = Flüssiges In sich, in den Körper
aufziehen). — (1735) Sug, UV = die Satlgzeit
(V B. 18, Sachsenspiegel söge, m. = priroitiae, b. 459).
— Sauger (Sogerer) = derjenige, der saugt
(Schindler II, 237). — (1616) Saugere, f. I. = der
Zustand des Saugens, des Stillens. — 2. = die
Säugende (Gr. w. viii, 1893). — Säugling, 1. =
das an der Brust saugende Kind. — 2. = das
noch kleine, auch nicht an der Brust saugende
Kind (Gr. w. viii, 1894). — aussaugende Blut-
ader. — Bein Sauger : Als Gegensau zum Blutsauger
(a. d.) nahm man wohl früher an, das* ein elbisches
Wesen In Gestalt eines schmarotzenden Wunnes (siehe
Mark warm] in dem Fleische, unter der Haut und Im
Marke eines Beines sitze und vom Fleischsafto und
Knochcumarke seines Wirtes sich ernähre ; die dadurch
veranlasste Krankheit hiess der Beinsauger, 1. =
Hypersarcosis (Gr. W. I, 1888) = Elephantiasis,
Elephantenfuss (Z. Hdb. d. sp. p. u. Th. XIV, L
454), Knollenfuss (Bindegewebshypertrophie an
einem Unterschenkel mit und ohne Lepra). —
"2. vielleicht auch = syphilitische Knochen-
auftreibung mit Schmers. — /.Vt^-Sauger (rttm.
blödzulger; engl, bloodsucker, 1726), 1. Man muss sich
früher da und dort die Vorstellung gemacht haben,
dass der Geist eines verstorbenen Wesens (•. Mar und
Nachzehrer) in Gestalt eines blutsaugendeu Tieres
(8toll-Wurm, Spitzmaus, Fledermaus, Vampyr) zu ge-
wissen Zeiten sein Grab verlasse, um im Innern des
menschlichen lebenden Leibes von Anverwandten od.
Sippengenossen sich aufzuhalten, u. nachträglich noch
daselbst das Blut ( — die Seele) des Wirtes (der Sippen)
aufzehre, „nachzehre" (s. d.), wobei man das Kauen
u. Schmatzen des hungerlgcn Vampyra aus dem Grabe
des Toten zu hören glaubte (Schindler XX ; Verna!.
A. 420; Ltppetl Chr. 411). Als solche blutsaugende
Wesen sah man z. B. auch Maren, Traden und deren
Nachfolgerinnen, Hexen und alte Weiber, sowie den
Teufel an (Kleinpaul, Gastron. Mährch. 107) ; In der
Voluspa (Kdda) tritt ein Saft saugender Zwerg mot-
sögnlr auf und in einem Nachtalp-Segen des 13. Jahrh.
(Siuungsber. 18C7, S. 7) heisst es: du satt daz herce
nicht uz sugen ; 1411 die trutte chumme die lewt
saugen!), Zingerle 190; Z. d. b. Ö. A.-Ver. 1881, S. 338;
Leg. f. d. gem. Maun IV. 208; Kthnolog. Mitteil, aus
Ungarn 1S9», S. 219. Solche blutsmigendc Wesen sollten
einen Menschen, ja ganze Sippen töten können. Wenn
ein Toter frisches Blut an sich trug, ohne eigentliche
Verwundungsursache, so war er nach dem dortigen
und damaligen Volksglauben vom Blutsauger getötet
worden ; dieser, obwohl schon im 12. Jahrh. In Eng-
land sich vorfindende (Liebrecht z. V. St. 34), trotzdem,
w ie angenommen wird, nicht eigentlich germanische,
deutsche, sondern aus dem slavischen Osten Impor-
tierte Glaube vom Blutsatiger (Glerrach, Gierfrass,
Vampyr) findet sich nach Simrock (II. b. M. 4. 467 f.)
beim Saxo gram V, 130. Iturchard von Worms (11. Jahrh.)
weiss, du«* nian die Leichen der Kinder mit einem
Pfahle durchstach, damit sie nicht umgehen und den
Menschen schaden mochten ; dies geschah auch den
Miittern, die bei der Entbindung gestorben waren.
35
Saul — Saarn.
sausen— schaben.
Auch in Flandern (IK- Cork 1895. S. 140) findet »ich der
Blutsauger, welcher da» Her* in »einen Mildern »o
verstrickt, das» das Wut nicht mehr laufen kann ; er
saugt du« Blut aus, wie eine Spinne die Mücke, die im
Spinnennetze verstrickt Ist (V. K. VIII, 56). Als eine
zweite Form der Blutsaugergestalt nahm man u. a.
auch das vom Alp (s. d.) erzeugte oder sein Wesen
darstellende 2. = Mondkalb (b. iL), die Schwanger-
schaft-Mole, Krötenalp (Abortus habitnaliB?)
an (Gr. W. II, 190) ; „meist haben solche Flclschge-
wachse kein Itildnls oder Figur einiges Tieres oder
Menschen, bisweilen aber auch die Form eines
Hinge* , ist aber ohne lebende Regung od. Bewegung"
(Str. 90«;); dtesc lote Masse wäre also nach dem da-
maligen Glauben die Gestalt des blutsaugendcn Vampyr
oder Mar, der al»cr auch in Deutschland Alp- (Kröten-
alp-) oiler Hexen- oder Teufels-Gestalt annehmen und
dem »Ich entwickelnden Kinde das Leben nehmen
kann ; auch beim serbischen Vampyrglaubcn i I i, brecht
t. Volkskunde 58) sind die vom Vampyr erzeugten
Kinder knochenlos, al«o Maren-Kinder oder die Alp-
gcstalt (Literatur über Vampyr a. b. Liebrecht 1. C.,
8.3-"». 58; vgl. auch Cubasch, der Alp, Iloltzcndorff,
Snmmlg. Heft 269, H. 13). Vermutlich sollte mit
dem Blutsauger 2 der Abortus habitnaliB sive
epidemieus (bei Individuum und Sippe), der
nach Hungerepldemlen (Ergotismus?) und Volks-
seuchen öfters beobachtet wurde , oder der here-
ditäre syphilitische Abortus gemeint sein. Blutsauger
waren 3. = ferner auch: a) die als Schlange
(b. Unterachlang) aufgefuasten Haemorrhoidal-
knoten, die wohl durch Missverstandiiis der Buch-
gelehrten (1495) als blutsaugende Schlange bezeichnet
wurden (D. 201), sowie b) Nösch (s. d.) und c) der
Gichtdänion (Schwaben) ; denn Gicht und Oichter
saugen d. h. machen den Menschen magerund blutarm
wicelbisrhe Wesen In Gichtsegen ; daherdle Gichtblume,
l'apaverrhoeas, im Flämischen blödztiigere, blödzulpers
genannt wird (Mol. 172). — Doppel -Saugor = Neun-
töler, Nachzehrer (s. d.) der im Ixsben u n d
nach demselben im Tode noch als Geist Blut
saugt nach dem Volksglauben (Wuttke 449; siehe
Blutsauger, Z. d. V. f. V.-K. 1897. 130). — (1692) Ge-
säuge (*op) = Euter der Hirschkuh (Brehm III,
l:t«; Seb. 234; Z. d. V. f. V.-K. 1895, S. 31). — Kraft-
Saugerin (1468 kraftsAugerlnn = emorrhols; 1483
crafftsugeryn ^ cmorolda, D. II, 149) = Unterschlang
(s. d.) alH Blut und Kraft auBsaugendes Tier
(». Hncmorrhoiden oder Feigwarzen). — Milch-
Sauger = Caprimulgus, Habcrgeiss (s. d.), die
Voijelgestalt eines elbischen Dämons, der Milch
bei Kühen und Kindern aussaugt (Lalstncr II,
2,m). — Afif-Säugling = Spflnnbruder. — (1776)
selbst- sängen = selbst siillen (das Kind). —
Saug- (saugende) -.1 'In-, -Gefäss, -Gnati, -Grint,
-Hacken, Lippen, -Mal, ■WlchrSchlange,-Warzc,
-Zeit.
Saal, f. (obetd.) Säule, f. (ahd. sül ; mhd. sül -
stutzender Balken oder Wösten, Kluge4, 313). —
Rucke»-, W'trbel Säule = die Kückenwirbel als
Siülxe und Stativ des ganzen Stammes, des
Hunzen Knochengebaudes , TberseUung der
t'oltiinna vertebrarum (Uhachis).
Saum. Säumen (indog. sü - nahen; ahd., mhd.
KU» = festgenAhter Band eine* Gewandes, Kluge*,
314). — Saum, 1- = (1761) der die menschliche
Ohrmuschel umgebende leistenformig aufge-
krempelte Knorpelrand (L. ch. 8»). — 2. - (1599)
der den Pferdehuf wie eine Krone (oder Preis
s. d.) umgebende obere, haarige Einfassung*-
rand (engl, seam = Baum, Narbe, Schramme, Huf-
»palt, Hombruch, Gr. W. VIII, 1908; V. 2378). — 3. =
Zahnfleischrand. — 4. = s. Samen. — Fleisch-
Saum - der rings um den oberen Htifrand des
Pferdes gehende, über der Fleischkrone nud
dem Saumbande liegende breite Haarstreifen,
Saum 2. — „die Ohrwaachel werden ihr ringe-
Säumt" (d. h. sie kommt mit den Ohren unter den
Rand der Fraucuhaube — wird eine Frau) = ist ge-
schwängert. — Saum ■ der durch braun-
schwarzen Schwefelblei - Niederschlag miss-
farbige Saum 3 (M. M.-Woch. Sehr. 1897. 452). —
Säumern (somcrn)(Klhymolog » versäumen) - still,
krank da liegen (Spless Ii, aus). — rrrsäumsn
(nicht zu obigem Saum; Kluge4, 311 denkt an germ
swefn ; goth. fra snbn s verschlafen, durch Vcrsrhlafen
etwas verzögern ; 14. — 15. Jahrb., mnd. unde Tersutnct
wert an er krangheyt, J. f. ndd. Sp.-F. XV, 119) ■
durch unrichtige Auswartung der Kranken od.
der Wöchnerin Schaden bringen. — Saum-
Baml, -Rinne.
sausen (altindogerm. süs; ahd. »üsün. suosen -
sausen, summen, zischen, knarren, knirschen. Dihd
susen ; 14C2 stisen — tinnltus aurium, I). 584 = ge-
räuschvolles Treiben . Kluge4, 314; Graft VI, 282),
I. m das dumpfe Brausen in den Ohren , ein
stärkeres Gefühl im Kopfe, als ob stark be-
wegte Luft, ein sausender Wind gehört werde
(Blutwallungsgerilusch, Garrula auris tinniens).
— 2. = (Schweiz) surrende, reissende, zuckende
Schmerzen, namentlich der Zähne, die auch
ausstrahlende Empfindungen in den Ohren
machen (aber auch vielleicht sprachliche Ver-
wechselung der 81nnesempflndung , Gr. W. VIII,
1933; dentlbus strldere = grlesgramen [s. d.]; suosen,
Schindler II, 331). — angesäuselt — leicht be-
trunken (s. Kauach, Duft*) (Urquell V. 61 j Spies*
II, 47). — Ohren Sausen (1477 orensewsen, Ortolf
24a; 16. Jahrh. sausen und rauschen Im obr, Gr. W.
VII. 19»; 1531 orensausen. Gr. W. VIII, 1932; 1661
orensausen = tintlnnare, Ohrenklingen, Gr. W. 1. cod. ;
ndl. tuyntlnghe der ooren, De Cock 138; 1800 krank-
liches Sausen in den Ohren, Gr. W. V, 2040) = das
subjektive Ohrengeräusch als Folge einer Er-
krankung der Gehirnnerven oder des Gehör-
organs. — Saus-, sausende -Getön, -Glieder,
-Wind.
Saut, ni. s. Sod.
Sauter, m. (zu sutor = Schneider). — Bfr-Sauter
- Schweinaeber (=Ber) beschneidender, kaai-
ricrender Mensch (Buck. Fl.-X. 19; Schra. 11.341)
Scar, Scor, s. Skar, Skor.
schaben, Schäbigkeit, Schaben, r. (Schöber),
Schapp (indogerm. xkäb [scabo ■ kratze, schabe,
»rabiesj; vorgerm skap; germ. skab; ahd. scaban ,
scauathon = seahadn = Scabies, H. Z. XV, 528; ■CSpHl
= prurlre, D. 469; mhd. schaben = krauen, scharren,
schabe — Motte, Kluge4. 314; glabor sa kretx oder
srbnbe, Heyne V, 336; seheph - Selmbc; 15. Jahrh.
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schaben.
Schnelle— Schade. 547
schab, schabe - serpula [vermls tlnea], I). .V.0 ; II, 337; I
engl. shave = schaben ; scab - Kruste, Ausschlag, ürint,
Schorf, Borke; scabbed, «cabby = grindig, Lehf. 92. '
222; shab — schabig, Kalisehm. ; mlttelengl. boun-
schaue, boonsehawe , bonschawe, boneshave — the 1
aciaiica = Bcinwnrm , Knochenwurm der Ischias-
Schmerzen macht, Heinrieh 49 136). — schaben,
1. = kratzen, bei Hautkrankheiten — 2. - mit
der Schttbe behaftet sein (Gr. w. VIII, 19 .0). —
3. — den beim Schaben fühlbaren Nervenreiz
empfinden (Back 19). — 4. = reinigen, purgieren
(aus Gedärmen r. B.) (I 582, Lonic 241).— Schabe, f.
Schabe, f. (Schoben), Schapp (idethmarschen,
l'rqueU 1895. 8. 44). Schaber, Schober, f. (tu schaben
[wie Kratze zu krauen]). 1. = KrHtze (Prurigo),
Flechte, Gnatz, Knude (Schm. II, 354; Behrend 30),
nls eine Krankheit bei Mensch oder Tier, die
zum Schaben oder Kratzen der Haut antreibt
(engl. <julck scab = lebhaft juckende Hautschäbe.
Beb*. r»T9 ; Mayer 169 ; Herbst 145). — 2. =der Schab-
wurm, Madwurm, Oxytiris, Asraris, der Parasit
im Gedärme, der daselbst nagende, schahende
Schmerzen bedingt (Or. W. VIII, 1947. 1918; 1483
tlnea [taenla] haizt ain schab, Sehtn II. 296 j fchabe -
«cabro [fmk], tlnea, P. I, 154, II, 305), und die (ie-
«lärme abschabt (*. d.), D.irmschabe, d. h. Darm-
katarrhe vemrsaeht. — 3. — Wurm, Made. —
schabig (schäfieht), achäbicht (1429 schebig =
pmrigenosus, D. II, 307; 1182 scheblger — scaber. Zen.
Voc. ra8; mhd. achebcht , Gr. W. VIII, 1953; 1616
schei>ig, Paracclsns ; IMS schefleht, t'oler, H. A. 140;
17. Jahrb. »chabiRi), 1. = von derScbabe zerfressen.
- 2 = ähnlich wie 1. scabiogus (Gr. W. VIII, 1953.
I9vi) = mit der Kräize, Schabe, Räude behaftet.
— 3. — rauh, rissig, wie bei der Krätze oder
Käude (Gr. W. VIII, I9M). — Schahel, m. = der
schäbige Kopf. — Schaber, m. (erabrones, sca-
bnraei, f). II, 117) = «1er Pferdewurm als Darm-
parasit, Darmschabe. — schäbbeln - „wieder-
holt kratzen auf dem Kopfe" (Nürnberg; Schra.
II, 352). — Schäbigkeit (Schobigkeil) (mhd. sehe-
blchelt (Räude), l.exer 211; 1183 scheblchalt ; 151«
»chewlkelt = Scabies. D. 515; ISN schcblgkcyt; 1500
»cbebigkelt. Gr. W. VIII. 1955; Coler, H. A. 161), 1.=
Scabies, Kräize, Käude der äusseren Haut. —
2. — krätzeähnlicbe Krankheiten, die zum Haar-
ausfall oder Haulabschilferung fähren. — 3.=
F.pithclabschilferung auf Sehleimhäuten. —
f /< schabsei ■ das heim Schaben Abfallerfde. —
(1677) .1 >' schabung der Därme) (Heyn. 249) = der
Kpil hei vertust durch die Kuhrkrankheit in den
Gedärmen. — (IUI) Augen-, (1301) Augenbrauen-
Schäbigkeit (Bock 42 ; Gr. w. viii . 195S) = ein
krätzeäbnlicher (syphilitischer oder leproser)
Hautausschlag, welcher zum Verluste der Augen-
brauenhaare fuhrt (Psorophthalmia). — Binsen-
Schäbigkeit = der zur Abstossung des Schleim-
haut - Kpithels führende Harnblasenkatarrh j
(Tabem.) s. Hlasenkrfttze. — Blut schabig (1583), j
-Schäbigkeit (1532) = eine Krankheit der Haut,
wobei durch das Schaben und Kratzen blutige
Krusten (Rufen, s. d.) entstehen, die man aus
einer Blutschärfe (die spätere Psora Hahne-
roanni «. B.) entstanden ansah („wenn das Blut
In da Ange seicht"', Fries 79a), F.kzema, Impetigo
syphilitica, Trachomalosis psoropbthalmica
(UO, Gr. \v. II, rno). — Darm- Schabe - Uxyuiis
vermieularis, Darm-, Mndenwurm, Schabwurm,
der im Darme' na^t und schabt (Gr. W.II, 782)
(s.Schahe 2). — Darm -GVschabsel -die Kroup-
Membranen und Kxsudatfetzen , die sich hei
der Ruhr (Dysenteria) wie eine häutige Ab-
schilfernng der Gedärme entleeren (Gr. W. II,
781). — (1551) Griwf-Schäbigkeit = der Kopf-
haarverlust durch den (irintausschlag (s. Grinl)
(Bock 32). — i/aar-Schabe (15. Jahrh. bare-, bore-,
hor-schahen - purgebra [purpura? Prurigo ?], I). 473)
= Fnchssncht, Haarmilbe, Käude. — (Ifitt)
Änu/)/ Schäbigkeit-Grint- Ausschlag auf dem
Kopfe, der zum Haarverlu9te führt (Tai>crnaem.).
— //jKf-Schabe ■ juckender Hautausschlag
(Prurigo), wobei ilie Hautschuppen abgekratzt
werden (Fuchs n, 437). — (1839) Kopf Schabe -
die Abschilferung der Haut auf dem Kopfe
(Pityriasis, s. Hautkleie u. Kleicngrint) (Behrend
57; Fuchs U, 121). — Kronen Schabe (engl, crown-
sehab = Igelshuf beim l'Ierde, Kalisehm. 1) — der
schäbige, ekzematöse Znstand an der Hufkrone
des Pferdes. — (1530) schuppende Schäbigkeit
= (tautologisch) abschuppender Hautausschlag
(Kunlgssp). — Schüppi /Schabe] (Kochler, V. B.
303)= Kopf mit Grintschnppen. — (1592) SrAwflnr-
Schäbigkeit (Mb.) = Steissräude. — troik.-ne
Schabe (tn.-engl. drye seabbe, neinr. 201 ; ueucngl. dry
scab, KalLichm. 1) - trockene Flechte mit Haut-
abschilferung. — Schabe-, schäbicht-^wpcsirAf*,
-Augen, -Grint, -Brüste, -Haut, -Krätze, -Leute,
■Lippen, - Wurm.
Schache s. Schachtel.
Schacht, m. (= 8chaft (s d), veretrum virile.
I). 422. 612 lnguen; 1776 Schacht, Heim 16). — aus-
schachten - das Geschäft, den Schacht aus-
legen (Zipp. loi). — Mann« Schacht (15. .lahrh..
ndl. de Schacht van dem manne = veretrum, I>. 012)
— das männlicbe Glied.
Schachtel, f. (Lehnwort aus lat. castulus; ital
scoiola, Kluge ; mhd. schallte!) = Feminal, Schacht« 1
oder HOchse (l.exer 209; Heyne V, 239; Kluge 31.)
(s. schaffen).
Behacken, pl. Schoche, Schocken = Knochen,
Glieder, Schenkel (8ehm. II, 304. 366), Srhacken
— Schochen = Schanken (schin. II, 432; Fromm.
VI, 2S0 ; Schenkel, Rheinfranken).
Schade, m. Schaden, m. (tndogerm. skath ;
angs. sceththan, sceththnm, scaetbdum, ('<>ek. I, :H2;
II, 312; germ *kath ; nllnord. skadi — Sehaedlger, Golth.
ISS; ahd srado = laesio. noxa; scadari — Krieger, Be-
schadigir, Rochholz I. 77; Kluge*, 315; mhd. schade;
15. Jahrh.. ndd. sende - dampnum, D. II, 126; Olden-
burg schade = Schaden, (Joldschm. 5; engl, scath —
Schaden, Nachteil; dan. skade ; holl. schaden ; schwed.
skada). — Schaden (Schade), 1. - derjenige,
welcher schädigt, verletzt; er wird auch, wie ein
DSmon, der boshaft etwas verdirbt (conf. die kol.ol-
dischen les nocets, Briss, 256 ; Gr. W. VIII. 1909) in
einem deutsehen Segenssprucbe (Kuhn, H. Z. V, 3"*0)
zum Foitschleichen veranlasst (vgl. NachtRchaden,
schelmischer Schaden). — 2. = lähmende Ver-
letzungs- (namentlich Schuss-) Wunde (Gr. W.
IV, I. isi3); der eigentliche Schaden sitzt nach
35«
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548
Schaden.
Schaden.
heutiger Volksauffassung immer nur «wischen
Haut und Fleisch (Lammen 207), wie auch die
Scharfe (s. d.). — 3. - sichtbare Folge der Ver-
letzung, die ollene (eiternde) Wundstelle, na-
mentlich solche, die auffallend „entstellen";
der BegriffdesSchmerzhaftenliegtin „Schaden"
eigentlich nicht, mehr der des Verschuldet-
seins. — 4.^ übertragen a) auf längere Zeit
eiternde Stellen Oberhaupt, auch ohne Ver-
letzung (z. H. 1.07 Schaden — Ulcus, etneer, Hort.
Bant!.] Belufra*!«, Fisteln; als solcher wird der Schallen
auch durch da.« Bannwort besprochen, Hollin. Mtschr.
t. Schlesien 1829 II, 761 ; 1545 „Noll me längere Ut ein
sehr heftiger, böser ungeschlachter Schaden, nament-
lich im Angesicht, der 11m sich greift" [cancer, lupus,
phagedaenismus], nach Kyll, d. Chirurg.) , b) nament-
lich aber auf solche im Gesichte; (1010) „Die
Schaden teilen sich: was im Angesichte oder Hals ist,
dos hclsst Syrey oder Kressen, was vorn oder hinten
am Leib Ist, behalt den Namen Krebs" (Paracelsus ;
Gr. W. IV, 1. 137); c) die tleera syphilitica als
besonders rasch um Bich greifende sichtbare
Geschwüre auf der Haut und im Halse galten
ebenfalls als Schäden (1526 dy sched - Franzosen-
geichwfire, Holtmann 318). — 5. = übertragen auf
jeden äusserlichen oder innerlichen Nachted
an der Gesundheit, besonders wenn er auf-
fallender Art und — mit Ausnahme von 5 d
— lokaler Natur ist; a) Hernia = äusserer
Leibschaden (Gr. W. VIII, 1975), b) Gliederver-
lust (Or. w. vill, 1909 fr.); c) verallgemeinert:
Seuchen, Test, Kühr (Pestschaden, roter
Schaden) ;d) Epilepsia (Gr. w. vill, 197..); e) Apo-
plexia (schlimmer Schaden); f) sonstige chro-"
nische Gebrechen lokaler Natur. — schädigen
= körperlichen Schaden bringen (Gr, \v. VIII,
1987). — schädlich (HM obfecturus, D. I, 387; II,
2G7) = Schaden bringend. — Schädlichkeit =
die Eigenschaft, einen Schaden, Erkrankung
zu veranlassen, ferner: 1. = dasjenige, was
Schaden bringt. — 2. - die schädliche Art. —
3. = der erzeugte Schaden (schadhafter Art)
seihst. — schadhaft = einen Schaden habend.
— (1507) alter Schaden - ein langwierig eitern-
des Geschwur, namentlich an sichtbarer Stelle,
z. Ii. Unterschenkel, Uebel (Hort. Sanlt. ; Dr. Min-
derer; Gr. W. VIII, 1975) oder auch sonst sicht-
bare Eiter - Sekretion (Auewurf). — Augen-
Schaden = ein chronisches sichtbares Leiden
oder eine Entstellung an einem Auge (Gr. w. V,
810 ; oldbg. schael an de ogen. Goldschrn. 94). — (1719)
äußerlicher Schaden = Wunde an der sicht-
baren Oberfläche des Körpers (blbl. Medikus 401)
als Gegensatz zum innerlichen Geschwüre. —
(lcis) ausgehöhlte Schäden (nusgehületc schaden =
luxus coucarus phlegmonls I'aracelsl, Pf. II, 75) —
syphilitische, auf phlegmonöser Haut entstan-
dene Huhlgeschvtürp (Fisteln). — (17. Jnhrh.)
Bein Schaden = eine chronisch eiternde Stelle
am Knochen (Fr. Kr. Ii. 581). — (1742) biitikrebs-
igrr Schaden - eiterige Knochenlislel mit Kno-
chenfrass und Sequcsterbildunn (Zw. 312). —
(1G1S) beinsdirötige Schäden (- luxus adustus Para-
celsl, it. II. 7t.)- syphilitische Knoehtmgeechwüre
mit A!>8to88ting von Knochens|)littern. — (icis)
Blattern Schaden (schaden mit gebrenten [brennen
dfii] blntcru — luxus veslcalh Paracelsl, Pr. II, 76),
1. = der primAre syphilitische 1/okalall'ekt oder
2. a Herpes praegenitalis. — Y.'iV - Schaden.
1. = eine blutende Verletzungsstelle (Wunde)
(Laesio cutis) (Paracelsus; Ur. w. II, 190). — 2. =
das Ulut-Harnen boi Kühen. — (17. Jahrb.) bos-
haßige Schäden = durch Infektion (s. böse) ver-
anlasster Schaden (Fr. Kr. B. 363). — (1782) Brand-
Schaden, 1. = eine Verbrennung der Haut mit
Eiterung u. sichtbarer Narbenbilduug (Brand-
Heck, Entstellung) (WItxschel II, 19»; Gr. \V. II.
300; M. II. L. U 151; Ackcrm. 377). — 2. = (In Bc-
sprcchungsforiseln K. u. Schw. 441) = das hollische
Feuer als Brand bildender Hautschaden, der
aufgefordert wird wie ein Damou (Schallen 1) fortzu-
schleichcn. — (1551) brennender Schaden (an der
Heimlichkeit — Ulcus (syphilit. ?) suppur. in
pudenilis (Bock 159), ein schmerzhaftes eiterndes
Geschwür; da im allgemeinen der Schaden als
nicht eigentlich schmerzend, sondern mehr als
beeinträchtigend gilt, so ist er zur näheren Be-
zeichnung hier als brennend benannt (s. Blat-
ternschäden u. Verbrennen). — /iruc/t Schaden
= eine Hernia (Bruch, s. d.) als Gesundheits-
Nachteil.— (ißi8)/)rrtscM Schäden (schweinende)
( - luxusfavorum Paracelsl, Pr. II, 70) — syphilitischer
Hautausschlag:» ! i it ;n behaarten Kopf (s.Grint)
mit Anschwellungder Lymphdrüsen u. Schwund
des Körperfettes (Atrophia). — (1588) eiterichte
Schäden ■ Ulcera purulenta (Gr. W. III, 392) =
eine lange Zeit eiternde Stelle. — (1701) Erb-
Schaden - Malum hereditarium, in der Familie
herrschende Krankheit — angeborenes II»-]
(l. ch. 47 ; trrqueli I, ii). — (i:>29) fallende Schäden
- durch herabfallenden Fluas (Rheuma s. d.)
entstandene Geschwüre, Gumma syphilit. exul-
cerans) (Paracelsus). — (1507) fauler Schaden ■
eine chronisch eiternde, übelriechende, sicht-
bare Stelle (Geschwür) (Hortus sanlt.). — feuchter
Schaden (15»7, Lonlc. 42) = flüssiger Schaden.
— (1618) ßeberische Schäden = syphilitische
(geschwürige) Aflektion mit Fieber (= luxus
febrills Paracelsl, Pr. II, 76). — (1742) Fistel-, Fissel-
Schäden — fistulöses Knochengeschwür mit
sichtbarer Eiterung(HohlBchäden)(Zw. I. XXXIII,
312; (Joldschm. 89). — fliesaendtr Schaden,
1. ^ (1712) sichtbare, rinnende, Kiterfeuchtig-
keit entleerende Geschwürstelle (Zw. 102). —
2. = (1651 , .hitzige, messende 8chftden", herpetea =
Krebs-Geschwüre, Bock 380; 1618 flüssige Schaden od.
luxus ilurloium Paracelsl, Pr. II, 70) syphilitische
oder krebsige, stark eiternde Aflektionen. —
K 'Sir ( *<*ade» = B,*"<rn
(s. d.), eiternde, Musserlich sichtbare Syphilis-
geschwüre, z. B. an der Nase (Lammert 172. 2i2;
i Pr. II, 227), die (1000) ,,gar schadhaft" machon. —
fressender (u messender) Schaden (1607 Hortus
Sauit.; 1616 Paracelsus) = eiterndes Krebsgeschwflr
(— Herpes in älterer Bedeutung), Lupus oder
phagedänischer Schanker (s. d.) (Gr. W. IV, 1,
U7; Pr. I, 400), der immer mehr um sich greift
= (1629 korrosivischer Schaden [Paneels.] ~ „der
Schaden genannt Heisedes" [1518; II. v. Gersd. 79]'
das ist „ein Schaden, der da um sich frisst und das
Fleisch vcrMbrt"). — (lMi) Fragt Schaden Fruat-
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Schaden.
Schaden.
54»
beule, die wie der Leibsehaden eine Beein-
trächtigung der Gesundheit ist (Pernio) (Sobern-
heim ; 1619 offene alte Schaden vom Gefrftst, Wildbr.-
wixh. 19). — Fuss-Schaden, 1. = eine blutende
offene Verletzung am Kusse. — 2. = ein chron.
eiterndes Geschwür am Bein oder Kusse. —
3. = die sichtbaren Kolgen eines Bruches oder
einer Luxation (Gr. W. IV, L 1040). — (1388) gall- I
flüssige Schaden = Krebs, Knochenkrebs,
Knochenfrass, der aus dem giftigen Gallflusse (
(». d.) abgeleitet wurde (Taberaaem. ; Gr. W. IV, t
L 196). — '/ n Schaden = Garwunde (s. d.) 1
(schwed. goraakada). — gesalzener Schaden = der
chronische Salttiuss (s. d.), Ekzema varicosum.
(1612) geschädigter Schaden = eine sichtbare,
durch Beschädigung od. Verletzung entstandene
Leibesveränderung, z. B. eine traumatische
Kniegelenksanschwellung (Ur. w. VIII, 1937 ff.)
zum Unterschiede vom Bewachsenen Schaden.
— (1532) G«ric/ifs-Schädllchkeit = eine Beein-
trächtigung des Sehvermögens ohne eigent-
liche Krankheit (Gebresten) am Auge (Fries
79. so). — geschwollene Schäden ( = luxus intlatus
Paracclsi, Pr. II, 76) = syphilitische Anschwellung.
— gewachsener Sch&den = eine Beeinträchtigung
der körperlichen Gesundheit durch das Wachs-
tum einer Geschwulst (Tumor albus, fungosus,
am Knie z. ß.) (Gr. w. Vlll, 1988). — Hasen-
Schaden = entstellt aus Hasenscharte (s. d.)
(Andrenen 99). — (1716) heimliche Schäden =
eiternde Geschwüre an der (1551) Heimlichkeit
oder an heimlichen Orten: Ulcera in genitalibus,
namentlich an den weiblichen Genitalien (Bock
139; Gr. W. IV, 1. 68). — (17. Jahrb.) hitziger
Schaden entzündete, leidende Stelle (Fr. Kr. B.
xi*). — (1612) hohle Schäden = eiternde Kisteln,
die Hohlgflnge in die Tiefe darstellen (Gr. w.
IV, 2. i7ii). — //i.'Mi Schaden — ein Hufmangel,
der die Brauchbarkeit des hornenen Pferde-
hufes beeinträchtigt (Gr. w. IV, 2. I8.it). — Impf-
Schaden = die nach der Schutzpockenimpfung
äusserst selten auftretenden Kolgezustände od.
Erkrankungen (Hautausschläge, Gesell wöre,
Lymphdrüsenentzündungen etc.) (Wiener med.
Presse 1891, Nr. 8). — (17. Johrh.) kalter Schäden,
t. nicht entzündete leidende Stelle. — Ii. -
Schaden aus kalter (s. d.) Komplexion (Fr. Kr. n.
178). — Kindn -Schaden = Krankheiten, die
das Kind betreffen: Nacbtschaden , Kraisen,
Hernie (ür«iuell VI, 204). — (1766) KniescJieiben-
Schäden = Knieschwamm (s. d.) unter der
Kniescheibe. — (1790) Krebs- Schaden = haupt-
sächlich der sichtbare Hautkrebs, Carcinoma
(dan. kraeftakade; holt, kraefteschade ; schwed.
kraefUksda. Behr. 68; Richter I, 297- Zettaehr, d. V. f.
V. K. 1S98, 45), sobald er geschwürig geworden
ist und auf harter Basis liegt; „Tumor forma ac
flgnra cancro («. Krebs, Kanker u. »Schanker)
•nlHM.ll exquisite conslmilis" (Galen, de art. cur. 2. 10).
— Krön- Schaden -eine Verletzung des Pferde-
hufes an der Krone über dem Hufe (AbOf, 87).
— (1756) kropfichte Schaden = eiternde Drüsen-
knollen am Hais, die kropfähnlich sich aus-
nehmen (A. v. II. I, 556). — (1198) langxcähriger
Schaden = chronische Kolgen einer Beschä-
digung (Gr. w. vi. 18«). — (1618) laufende Schäden
( — luxu.i uiinulioiils Paracclsi, Pr. 11, 76; plaga currens,
Heinrich 224) = venerische, syphilitische Affektion
mit Bluterguss (s. mindern) nach aussen (Blasen-
blutung?). — Leib Schaden, 1. = Vulnus s.
Ulcus corporis, Wunde od. Geschwür am l^ibe
(Gr. w. vi, 597; VIII, 1974. 1975). — 2. = Beschä-
digung, Ruptara,Hernia= Bruch (wird besprochen ;
WItzschel II, 289; Gr. W. VIII, 1975; Buck 16). —
er hat einen LeiLschaden unterm Hut = ist
im Kopfe krank, geistig verwirrt (Buck 13). —
(1618) LfWen-Schaden ( = luxus lumbosus Paracelsi,
Pr. Ii, 76) a Niereneiterung infolge von vene-
rischem Tripper. — linde Schäden = weiche
Schäden (s. d.). — Xu /if- Schaden, 1. = eine
schelmische, elbische Krankheit: Nacht-Schreck,
Nacht-Eisse, Pavor nocturnus (Alpdruck) (nach
früherem Volksglanben vom Nachlmäunleta, der als
Kobold [Wald- oder Feldlur] in Waldnamen [Buck,
Flurnamen 187] oder als danionUlischer Vogel Rallus
crex = Schrick. Scbritz [D. 157; Laistner II, 261] aultritt,
verursacht und durch das belaubende Nachtschaden-
kraut [12. Jahrh. natzeado, Physlca St. Hlldegardis],
Solanum uigrum bekämpft wurde; mnd. nnchtschaden,
Mag. Barth. 99a; 1440 nahtschett = herba litargiim
(lethargia^ = Schlafsucht], D. 331. 15. Jahrh. nacht-
sebatte = sirigranum [ = ?], D. 11,341; 1482 nachtschade ;
1417 naebtschedo — morella herba, berba nocturilla
strignus [strychnos], Zening. Voc. u 6; 1). II, 257. 265.
351; 1549 nachtsebatt = caeubalum = xaxoß»).6u, Dlos-
coridls, D. 86; die Pflanze helsst auch Schadenwurz,
Alpkraut, Alpraute [s. Alp]; mndl. nasseade = eine In
dem Frauen-Drelsslger gepflückte Pflanze, de Vr. 59;
ndl. nachtschade, Jessen 382; augls. nlghtscada —
Atropa belladonna, Datura Slramoiiium, Solanum
nigrum etc., Cock III, 310; mlttelengl. nyghteschode;
nt-uengl. nlghtshadc, Heinrich 5s ; Lehf. 77 - aelMone
[ - Alprauke], Cock. II, :!68). — 2. = der Nacht-
brand (Herpes) : „der hitzige brennende Nacht-
schaden" (Losch 228), sogen. Maulweh, das in
Form von brennenden „Bläschen", verursacht
durch das An,,blasen" von Seite des Nachlmanuchcns,
an den Mundlippen und Augenlidern (Chalaclon) Uber
Nacht auffahrt; (vergl. Unstätte, Nachtbrand,
Güterlein); (BIO nachtschatt; 16. — 16. Jahrh. nacht-
schade = lupinus, D. 339; Wolfsbohne, Wölfll als
Mittel gegen das mal del lupino o lupinello [s. Wurren]
b Cbalacium). — 3. ■ Nyctolops, eine Erklärung
für den unverständlichen Nachtschatten (s. d.]: „der
bei Nacht besser sieht als beim Tag", infolge von
Augonblodigkcit; die „Nyktalopie" Ist bei Hippokrales
— tagblind, z. B. von der Lichtscheu der skrofulösen
Kinder, bei Galcnus- nachtblind und demnach immer-
während zu Verwechselungen führend; heute wird
Nyktalopie für Tagblindheit gebraucht = Herab-
setzung des Sehvermögens bei Tage wegen
f berenipfindlichkeit der Netzhaut, während in
der Dämmerung besser gesehen wird (Dornbl.
88 ff.). — 4. = vermutlich ist Nachtschaden auch
die (1196) Planta noctis s. nocturna quam vulgus
mal Krancoss appellat (Fuchs I, Ltf. 318) = Syphilis ;
wegen der nächtlichen Knochenschmerzen. —
5. - Mondsucht, durch den Mondschein veranlasst
nach dem Volksglauben und dann etymologisierend
Nachtschatten genannt (Wuttke 295). — 6. ss der
Ziegenmelker, < 'aprimulgus, Habergeiss (s. d.), Nachtrabe
(s. d ), der schon seit Aristoteles im Verdacht stehende
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Schade.
schäcken— Schädel.
Vogel, das« er mit m-I nein welchen spitzen Schnal»el
und ungeheuer weiten Schlünde atu Euter der
Ziegen Milch aussaugt, Im deutschen Volksglauben
die Gestalt eines elbischen Dämons, der nllchülcbcr
Weile bei Tieren Milch aussaugt und Schaden ans
Euter bringt (Laistncr II, 251. 257. 260). — (16. Jahrb.)
Natur- Schaden — ein Geschwür od. Krankheit
an den Geschlechtsteilen (Natur 4) (Gr. w. VII,
43«). — (1529) offene Schaden = aufgebrochene
Geschwüre, eiternde Wunden (St. Johanncs-
(vbel),DrÜ88en-Ab8ce8se(Gr.W.VlII,1974;Para.ds.;
\. v. II. I, 556; Ackerm. 395; blbl. Medikus 403). —
(16M>) Fest- Schaden, 1. = die eiternden Pest-
geschwttre und Krankbeitafolgcn. — 2. = die
Pcstplage selbst (ür. Vf. VII, 1576) im Gegensatze
zum roten Schaden als Ruhrseuche. — phleg-
matischer Schaden — eine aus phlegmatischer
Komplikation (s. Phlegma) entstandene chron.
Körperbeeintritchtigung, /. B. kalter Abscees,
der sich ohne Hitze d. h. Enlziiiidiingsschmerzen
einstellte (Fistel). — rinnende Schäden ■
fliessende Schäden (s. d ). — rot(er) Schaden
(1485 rötschad — rote Ruhr, Schindler II, 185; mhd.
rotüchade = rote Ruhr, Rotlcld, l.exer 201; 1521 rot-
schad - tormina, Ii. M8; 1550 rothschaden (Hotlauf '),
Christ. Meyer 71; 1556 rothschaden = tormina, dyaen-
tcria, ür. W. VIII. 13U ; 1580 rotschaden ^ Rlutgang,
ür. W. VIII. 1458; 1683 rotschaden = Rot -Weh, Ruhr,
Gr. W. VIII, 1289; 1591 rotsebad — dysenteria [ = Ruhr),
llad. Jun. 379; Seb. 101; 1608 rother schaden, Heyn.;
Gr. W. VIII, 1289; 1618 rötschad — rote Ruhr, 8chm.
II, 185; 1742 rother schaden = dysenteria, Zw. 394;
[Schwaben, Schweis] roter Schaden, C. v. Schm. 436;
Schindler II, 185; Gr. W. VIII, 1975; Heyne V, 240)
— Dysenteria, rote Kühr, als epidemische Plage
und Seuche mit Abgang von rotem Blute durch
den After. — (1632) üCutVn-Schaden = Geschwür
an der männlichen Virga (penis) (Fries 121). —
.Wr- Schaden, -schädig, 1. = durch das Salz-
lecken verursachte Krankheit der Schafe, chron.
Durchfall, Kachexie (Kalke II, 259). — 3. = Salz-
Lecksucht der Schafe. — 3. — Salzfluss als
Schaden beim Menschen = gesalzener Schaden.
— schadliafter Schaden- geschädigter Schaden
(s. d.); er wird besprochen (Ummert 20'.). —
schlimmer Schaden = Apoplexia, Schlagfluss,
als schwere Beschädigung des Körpers durch
Lähmung (Gr. W. VIII, 1975). — (1532) Schlund-
Schäden - Halsgeschwüre, namentlich syphi-
litische (Fries). — (1532) SchmackungSch&tlllch-
keit (,,wenn die Scbmackuug so gemindert wird, dass
der Mensch wenig schmeckt oder so sertitort Ist, duss
er die Geschmack nicht unterscheidlich erkennen
mag", Fries 83) = andauernde Beeinträchtigung
der Geschmacks- (s. schmecken) und Geruehs-
Kmpfindung. — sc htearzer Schaden = eine schel-
mische Krankheit (schwarze Anthrax-Beule),
Milzbrand, unterm Vieh (Tirol; Ueyl 175; v. Hörcn.,
Jahrcsz.). — (1618) Se neriein - Schäden (- luxus
lnccuslvus I'aracdsl, Fr. II, 76) = rote, wie ent-
zündet erscheinende Syphilide (CoronaVeneris)
neb. Geschwürstellen. — (Wie) sichtiger Schaden
= ollen bar sichtbarer Schaden (Tabern ). — (lcis)
stinkende Schäden (= luxus putrefactus Faracelsl,
l'r. II, 7«) — übelriechende, syphilitische Ge-
schwüre.— tätlicher Schaden [iKsioetUiYliscbad,
c. v. Megbg.) — ein grosse« Sterben, eine epi-
demische Landplage mit vielen Todesfällen;
(1348) Pernicies hmnana. — triffende Schäden
= rinnende Schäden (s.d.). — (17. Jahrb.) trockener
Schaden im Gegensätze «um laufenden oder
flüssigen Schaden = nichtsezernierende Schäden
(F. K. R. 338). — (I6is) übergewachsene Schäden
( — luxus In augmenlo Faracelsl, Fr. II, 76) = syphi-
litische, callöse Induration mit Geschwür-
bildung, wobei am Rand des Geschwürs die
Gewebszunahme wieder wallartig übergreift. —
um fressender Schaden — fressender Schaden
(e. d.). — (1457) unsaubere Schäden (Lammert 226)
— übel sezernierende Hautgeschwüre. — ver-
dorbene Schäden (1582 bosshaltige verderbte Schaden,
Lonic. 1*9) - durch boshaften Kinfluss (s. böse)
entstandene oder verschlechterte, infizierte
Wunden, Geschwüre. — vergiftete Schäden
(1696 vergintc Schaden, Schrcyer 1, 4») = Verletz-
ungen, Wunden durch giftig Wirkendes, Waffen,
z. B. Schusswunden. — weiche Schäden = Ge-
schwüre, deren Grund sich weich anfühlt, im
Gegensatze zur harten Geschwürs-Basis beim
Krebsschaden. — weisser Schaden (166* - Diar-
rhöe, Heyn. 8; 1618 weisser Schaden = weisse Ruhr,
Schmcller Ii, 181) im Gegensatze zum (alteren)
roten (u. schwarzen) Schaden (s. d.) die weisse
Ruhr (s. d.) (Gr. W. VIII, 1975). — (1795) Widerrist-
Schaden = eine Geechwürstelle am Wider-Rist
(fl. d.), eine lokale Entzündung und Eiterung
meist mit Lymphgefässentzündung (Förster II,
802; Abiig. 77)" beim Pferde an der Sattelstelle
(Sattelbruch). — (1582) wüste Schäden = häus-
liche, entstellende Geschwüre (Lonio. 153). —
Wunden- Schaden (wurm, rlcwgen oder spinnen oder
welcherlay bant untat daz sey das der wunden schad
sey [in einem Ebersberger Wundsegen], SchmeUer I,
630) = parasitärer oder infektiöser Prozess an
der Wunde. — (1742) lKum-Schäden = Ulcus
verminos., Hautgeschwür mit Maden („wachsen
viele Wunniehl oder Lauslein in dem Geschwire, wie
denn nach etlicher Meinung die Materie in allen Ge-
schwüren aus lauter Würmlein bestehen" (die gute
alte Zelt iL Zw. 69H; bibl. Medik. 577). Die Schadhcll
Pflanze ist = Symphytum zum Zusammenwuchs der
Verletzungen. — (1618) wurmstichige Schäden
( =* luxus locustalls Faracelsl, Pr. II, 76) = (Jaries
syphilitica cranii mit Meningitis, syphilitischer
Schädel-Knochenfrass mit Gehirnerscheinungen
(Grillen im Kopf ?). — (MM) zunehmende Schäden
{— luxus dlgestlvus Faracelsl, Fr. II, 76) — immer
mehr einschmelzende, zerfallende, syphilitisch«)
phagadän. Schankergescbwüre. — Schaden-,
schädliche Mir, -Locher, -los, -Mutter, -Ort,
-Salz, -Schmerz-, -Schuss, - Wurm.
schäcken - schiecken, schied», schief gehen,
hinken (Pfalz; Schindler II, 366).
Schädel, in (ahd. fehlt; dafür gebal [s. Glebd],
sowie anke, hnol; mhd. schedcl - cranlum, calvarium,
caput; 15. Jahrh. - Hiruschadel; 1717 die Schaedl
[Abrah. II, 19], 1734 Schedcl, 1711 Schedel [vulgär] =
Hirns« hnle, Schädel, Hirnschädd, Hlrn-Scheltel, Haupt-
Scheitel. Kluge*, 315; Gr. W. VIII, 19*0; „unmöglich
Ist uieht, dass die llcdcutung eines Trockenmasse» die
allere und im Volkswitz auf die Hirnschale übertragen
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.Schal— schftps.
•Schaf— .Schale.
551
hu", Heyne V, 212; der Sehadelkopf oder Kopidreier
[Opfergeschirre für dreierlei Korn] mögen wohl ur-
sprünglich Hirnschalen von Köpfen der erschlagenen
[beschädigten?] Feinde gewesen sein, Abilduug •. In
Verf. Baum- u. Waldkult. S. 39; vergl.. was In Ur. W.
über daa „Kegelspiel" steht ; [Krzgeb.] Scbarl = Schädel).
— Schädel, 1. = Hirnschale (Knochen) als Be-
hälter für dos Gehirn (Gr. W. VIII, UN), die
Rundung des Kopfe«, xb xpaviov. — 2. = (über-
tragen) der Kopf d. h. das gante Knochengerüste
des Kopfes (Heyne V, 242). — 3. = (verallgemeinert)
der ganze Mensch als Trager des Kopfes; meist
im Sinne eines harten, verstockten Menschen.
— alter Schädel (mhd. alter schedel, Lexer 212;
Gr. w. VIII, 19mo) = der einen haarlosen, nahezu
unbedeckten Knochenschädel tragende Greis.
— A:!' k< n- Schädel = ein dem Azteken (b. d.*)
ähnliche Schädel- u. Gesichtsbildung, zuweilen
bei Idioten (Dornbl. 17). — Billmez-, Bilwez-,
(Wilmes) 8chädel = der einen Bilwitz-lirint
(s.d.) tragende Kinderkopf,Grintkopf(s. Bilwiz),
dessen Haare zum Weichselzopf mit Bilwiz-
zotten (e. d.) verflochten sind (Impetigo) (Schm.
I, 230). — ifc-uwm-Schädel = der Kopfschmerz
(Schädelweh) mit dem „Tösigkeit8"-GefQbl. —
GVstcA/s-8chadel 'ier uesicbtHteil des Hauptes
im Gegensätze zum Hirnschädel. — gross-
schädlet = einen grossen Grint (s. d.) habend
(Fromm. VI, 30). grosskopfet. — luirter Schädel
= der knöcherne Teil des Schädels im Gegen-
satze zum weicheren, fleischbedeckten Gesichts-
teil de« Kopfes. — Haupt - Schädel (13. Jahrb.
höbtschedel = calvarta, D. 91; 14. Jnhrh. hoptschedel
= calrarla, Voc. opt. W. 10; 1551 hauptschaedel, Hyrtl,
K. w. M; D. II, 6*) = der ganze Schädelteil des
menschlichen Hauptes im Gegensatze zum
Mass- und Hirn -Schädel. — Hirn - Schädel
(13. Jahrh. herneschedel = calvarta, I). 91; 14. Jahrb.
blroschedel = cerevella, calvaria, Voc. opt. W. 10;
1470 hlmschcidel = rercbellum, D. 114; 15. Jahrh.
hyrascbedel = verlebrum, D. 014; cranenm, D. 641;
152» byrnschedel, H v Gersd. III b) = der bloss das
Gehirn einschließende Teil des Hauptes, der
mit der Wirbelsäule in Gelenkverbindung steht,
im Gegensatze zum Haupt- u. Gesichtsschädel
= Cranium (Gr. w. IV, 2. I5».i). — hohler Schädel
= gehirnloser, leerer Schädel, Totenschädel. —
Knochen- Schädel - s. harter Schädel (t'nmoll II,
157). — Am - Schädel = Kurzkopf. — Sau-
Schädel = Parotitis (Mums), die Ohrspeichel-
drüsen-.Entzündung am menschlichen Kopfe,
die tölpelhaftes Aussehen macht bei der sogen.
.Sauschädel- nrfiwAAeit' (s.d.). — Toten-Schädel
(15. Jahrb. Tottcnscbedel = calvnria, D. 91) = das
Schädelgebein eines Toten, Totenkopf. —
Schädel - drücken , -Haar, -Haut, -Knochen,
-Kopf, Naht, -Schale, Schwund, • Weh, -Zahn.
Schäl -schälen s. Schaden, Schädel und
Schale 8, schellen.
sc halb s. scheel.
■schallen s. schellen.
Schämde, Schäme s. Scham.
schäps s. scheps und Schöps.
Schaf, n. (germ. skepo [ = Bock] ; westgenn. Mail ,
augls. ««'capa — Schaf (und Lamm] ; ahd. scäf ; mhd.
sebaf, Kluge *, 315). Das die wärmende Wolle tragende,
blockende, krummnasige , dummblickende Nutztier
gab, da es schon früh gezüchtet und beobachtet wurde,
vielfach Veranlassung zu Vergleichen bei Anomalien des
Menschen. — Schaf - .1 u /t , -Blattern, -Gesicht,
•Oift, -Haut, -Husten, -Kopf, -Krankheit, -Krupf,
-Läuse', Nase, -Pest, -Pocken, -Quese, -Räwle,
-Rotz, -Rüflen, - Wasser, - Wurm, -Zähne.
schaffen, Geschäft, Geschöpf (germ. skap
[dazu schöpfen, 8cheffel] ; ahd. scaffön ; 9 Jahrh. scaf-
fan = schwanger sein, Hyrtl, K. YY. CO; mhd. schaffen,
Kluge », 815 = bewirken, machen). — Schaftel (Kluge *.
315) — Schachtel (Peminal) (ndd. schachtel). —
(1645) Schafft = Scrotum e<jui et cervi, Geschäft
(Coler Pf. 375; Fr. Kr. B. 601; engl, shaft = penls,
l-chf. 93; augls. sicapa = a'.3oi«; engl, »hapes, Cook. I,
38). — Beschaffenheit - Einrichtung, Lage.
— (16S0) hitzige Leibesbeschaffenheit =* die
Constitutio cbolera, cholerische Natur (Gr. W.
IV, 2. 1584). — erschaffen - gebildet (getermel)
(mnd. „ein jeglicher Mensch ist geschaffen u. gemacht
von 4 'Elementen, von der Luft, von dem Feuer, von
dem Waaser und von der Erden", nach Mag. Barth.
86 b). — (1482) <^f //.schaffen- alfgemacht, kränk-
lich, durch Krankheit (Zenlng. Voc. d. d. 7; E. W.
I, 35). — Oi Schaft (angls. gesceapa = vlrllla, privttles.
verenda, Cock. I, 42. 48. 318; mhd. gescheite, gescheffede
= (leschöpf, Gestalt; 1260 geschaft, n., f. = genilalia
virilia et feminea, Pfeiffer 26. AI — Zage! und weibliche
Scham [Schattet, Schachtel, a. o.]. Schindler II, 379;
1420 geschefnlz - tcstlcull, D. II, 863), 1. = das
Werkzeug, mit dem man schafft, erzeugt,
hervorbringt - die beiden geschlechtlichen
Genitalien bei Mensch und Pferd (Hyrtl, K.
W. 60; R. A. 632; Buck 16). — 2. = die Ent-
richtung, die Beschäftigung, z. B. Nachgebnrts-
Geschäft (1827) (sishe Richte) = die natür-
liche Thätigkeit in der Nachgeburtsperiode
(v. Siebold 159; franz. arriere faiz, Bris*. 319). —
(1789) periodisches Geschäft der Natur = Menses,
Periode (Nicolai II, MW). — Geschöpf ~ erschaf-
fenes Wesen. — (mnd ) unfcrschaffen, (1429) un-
y< schaffen = missgestaltet, formlos (schatTlos),
unschön, hässlich [Lexer 290 ; Gr. w. eso; Hock 151 ;
D. Ii, 128). — (1545) üngeschaffenheit ^ Entstel-
lung (Christian Meyer 115). — icahn- schaffen (angls.
won-sceafta, Co< k. 11,246.411; Kluge 391; 1482 tueu-
struosu« , monstrosus , Zenlng. Voc. mm 8 ; D. 356 ,
15. Jahrh. , ndd. wanschapen, D. II, 128) — nicht
ganz, nicht vollständig ausgeschaflen , aus-
gebildet, difform, mager, bleich, pathologisch
(zu Wahn 2). — icind- schaffen = was so be-
schaffen, gestaltet ist, das« es sich windet, dreht
(tortipedes) (Schmeller II, 948 ff). — schaffe Ader,
-fo«.
Schaiten. — Schalten- Frais.
schall) (Schweiz) s. scheel.
Schale , f. schälen Pndofem »kci = spalten ;
germ. skalja = Abspaltbares (Hülse , Rinde . Schale,
Schuppe]; allnord. akalll — ein (iros*koprlger [mit einer
grossen Hirnschale], Weinh. 163. 279; ahd. scala, f. —
coneba, crustn, Graft VI, 434; Trinkbecher [der Lango-
barden); scelleu = abschalen, Kluge*, 316 [dazu schelm
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552 -Schale.
n. d.] ; nihil. Renale [schal, f.); schulen = umgebende
taMMI Hülle und derselben Ähnliches; däu. skäl; holl.
«cbaal ; altn. skalda = calvus, Ze. 62 ; angl. sceal Augen
hülle, Cock. 111,4; mlttelengl. scaldynge vel brennynge
g. Verbrennen] ; lor scaldynge of mannes pynlil, skal-
dynge of a manne« yerde [s. Gerte] tumor vlrgne [syphi-
litischer Schankerl; pro le scaldynge vlrgequod vocatur
apegalle ; for a man (hat U scaled ou big ptnttl, that 1»
cald an apegalle [s. Syphilis], Heinrich 76. 91; scalle =
Afeil, Heinr. 126. 207; nenengl. scall = Kruste, Schuppe.
Kopfausschlag, Lehf.222; shell - Schale. Rinde, I.e. 39;
scald = Krustenscbnppe, die sich abspaltet, abschält an
der Haut, Kaltschm.), 1. = Knochenachale des
menschlichen Gehirns (Hirnschale); (Schale ab-
gekürzt statt Hirnschale (Gr. W. V, 1748). — 2. = Spat,
Hebbeln (s. d.), schalenartige Knochenablager-
ungen (Osteophyten) am Hinteiknie des Pferdes
(Gr. W. VIII, 2004; engl, seale of a bone — Knochen
= Rcinscbale, Splitter). — 3 = (1570 schalte, Gr. \V.
VIII, 2100; engl, scald - Grint, Brandwunde, Pornhl.
120; Übt 222, die sich abschalt ; scaldbeaded - grlnt-
bäupllg; sealding in tbe urlne = Blasenkrätze), Schale,
eine ringförmige Osteophytenbildung beim
Pferde, die sich vom Fesselbein mehr breit nach
unten bis über das Kronen-Gelenk ausbreitet
und das Fesselgelenk schalenartig, ringförmig
umgebend die Krone auftreibt = Hingbein
(Kursier II, «06 ; Kalke II, 270; Mayer 100; Gr. W. VIII.
2064. 2100). — 4. = die Hornschale, Klaue am
Fusse des Wildes (Hirschschale) (Heyne V. 251;
Gr. w. IV, 1. 1000). — 5. — Drüsengeschwulst beim
Vieh an der Schale (Bobmerwald Schal, Zeltschr.
d. V. f. Volksk. 1891, 8. 205). — 6. Schale oder
Schalen in der Anatomia culinaris - das aus der
Knochenschale herausgeholte, bratige, gute,
saftige Fleisch am Kein , auch auf andere
SchlachtBtucke des Fleisches von der eigent-
lichen Garbschale (s. d.) übertragen. — 7. =
Schäl, f. oder Schül, f. (Siebenb., Sachsen) — die
Schälbläschen, Soor (Aphthen, Oidium albicans,
Slomatokake) im Munde (Mundschal) (Alcole Im
Hort. Sanlt.), die sich abschälen von der Schleim-
bautunterlage, wie die Schälknötehen auf der
Haut mit einer solchen Abschälung begleitet
sind ; die Scbol wird als uralte Krankhell in den liol-
lundcrslrauch gebannt (Z. d. V. f. V.-K. 1893, 8. 8). —
8. = Schäl = Schädel (oldbg. ; Goldschm. 5). — 9.=
schalenförmiges Hautgebilde, Darmhaut, Außen-
haut, Hautfetzen, Hautkruste, — sich schälen =
sich von der Unterlage ablösen (von der liaul)
(Gr. W. VIII, 2065). — achälig, 1. - a. seheelig u.
schellig. — 2. = zur Schale gehörend, bezüglich.
— abschälung = der Zustand oder die Hand-
lung des Ablösens einer harten Hülse od. Haut
von einer meist runden Unterlage (dan.afskalnlng;
engl, scaling of). — 6rgchäll6H - beschellcn. —
jKier-Schale = die vom hartgesottenen Ei sich
ablösende runde kalkige Hülle. Nach der Volks-
sage werden die Weehselbillge in Eischalen von den
Klbcu umgekocht und umgebraut (Kuhn I, 72, U. A.
nh. 342). — i?n<i-Schalen = fleischige Teile aus
dem Ende des Rückgrates aus der sog. Gaerb-
sehalo (s. d.). — Garb- f in/:'- Schalen (Bayern,
Kranken; 1376 garbschal, Sehnt. I, 933; II, 391; Gr. W.
IV, I. 1336); die Garbe ist die den Göttern handvoll
gereichte Gabe (Kluge \ 127; s. Garbe); diese holte
Schale.
der Opferprleslcr au» der Schale am Kreuzbein de*
sog. „helligen" Belus und dem Hüftbein (— foramen
ischladicum majus, Ganser \ Xuss, Herrenmaus. Kalbs
sebeibe) als das bratigste Klelsch des Opferschlacht-
lleres für »Ich als das beste, geschmackvollste Stück
(„Klelsch am Bein, Kraut am Stein") heraus (Hyrtl,
Anat. 296) ; demgemass wäre Gärbschaie eigentlich
l. = die Knochenschale, an der das Opferfleisch
sitzt. — 2. = weiterhin dieses Fleisch selbst.
Wie „diu Garbe" naturgemäss auch auf andere Elelsch-
teile ausgedehnt werden konnte, so war das auch bei
der „Schale" der Kall ; daher noch andere aus der
Anatomia culinaris stammende Schalen (— Klelscb-
leile). — IftlMpf-Schale (ahd. boubetschal, Gr. W.
V, 1748; 1168 bauptscbal ss calvarla, P. II, 68; 1182
lioupt-schal, Gr. W. IV, 2. 627; 1516 bauptschal = cal
varia, P. 91; 16. Jahrb. hopt-scball — calvarla, P. 91)
— die Hirnschale des Hauptes, Cal varia, Hirn-
schädel. — Hirn Schale (ahd. hlrnitcala, GrnlT VI,
474; IV, 1036; mhd. hirusrhiel, Uxer 102, hlrnescbal.
hlrnschal, II. Z. XVI. 419; 1168 hurnscbal - cranium,
P. II, 117; pla mater, P. II. 143; 1482 hirnschal -
cranium. cerebellum, Zening Voc. o5; 1483 nach C. v.
Megbg. hatte die Hirnschale drei Kämmerlein oder
Gruben, eines für die Phantasie [t. d.) od. Einbildung,
eines für die Vernunft, eines für das Gedächtnis;
15. Jahrb. hirnschal - camera. P. II, 69; 1495 hlrnschal
n pla mater, P. 432; 1661 hirnschal - cal varia. Gr. W.
IV, 2. 1661), 1. — die beckunförmige Knochen-
schale, in der das Hirn geborgen ist, der obere
Schädelteil, Cranium (Hirnrebe, Hersenbein,
Hersen Decken, Hirnkasten) (Buck 12; aus der
germanischen Opferanatomic stammen wohl die meisten
dieser Namen, vgl. Korrcspoudeuzbl. f. A. K. IJ. 1882,
8. 46). — 2. - (U83) die Schädelfontanelle beim
I Kinde (c. v. Megbg ), die, wenn sie lange offen
bleibt (Rhachitis), weil weicher, als „einge-
drückt" angenommen wurde. —3. = die Gehirn-
häute (pia et dura mater). — (1U5) äussere
//irnschale (vssern hycruschalc — dura mater, P. 19JJ
s. Hirnhaut, äussere. — (1717) zarte .Hirnschale
(Abrah. II, 116) — Hirnschale 2. — innere //irn-
schale- Pia mater (B. II, 143). — Hii n schalen-
Häutlein, -Spreissen. — Hirsch Schale = Schale 4
(Gr. w. IV. 2. 1570). — /M/Y-Schale, 1. = eigentlich
die äusseren Heekenknochen (= Schale) an der
Hüft - Kreuzbeinverbindung der Schlachttiere.
— 2. = weiterbin das daselbst befindliche Fleisch
= (innen) Garbschalo (s. d.) (Schm. II, 391). —
Knie - Schale = schalenförmige Kniescheibe
(dän. knäskal; schwed. kuoskal). 8. Pfanne. — (1373)
Mittet -Schale mitterschal. Schm. I, 933; II, 394) =
die fleischigen Teile des Schlachttieres in der
Mitte zwischen den beiden Garb- oder Hüfl-
schalen; dazwischen ist als Knochen der Für-
schlag (s. d.) = Promontorium. — (1507) Mund-
Schale, f. s. ob. Schäle 7 und Schälmund (Hort,
sanlt.). — Öfter Schale = die fleischigen Teile
des Scblachttieres oberhalb der Hüftschale
beim Kalb = Schlegelteil gegen die Hüfte zu
(Schm. II, 391). — Schädel-Bchal* = Hirnschale
(s. d.). — ScAirri/"-Schale = die fleischigen Teile
beim Schlachtliere von der Garbschale (s. d.)
gegen den Schweif des Tieres zu (Schm. II, 394).
i — Spaf-Schale eine Sehale 3 an der Stelle des
1 Pferdcbeinp, wo sonst der Spat (s. d.) sitzt, d. h.
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schal — Scham.
Schumi — Schanker.
.V>8
an der Innenseite des Sprunggelenks (Falko Ii,
324). — (18. Jahrh.) zottige Schale = die zottige,
faltige Darmsehleimhaut als Hohlraum mit
Zotten (villi) (F. Hoffm. VII, 19). — Schäl- Blasen,
-Bläschen, -Blatter, -Knötchen, -Mund, Rippen,
- Wunde.
schal ( = flau, matt). — schale Augen.
Schalk, m. (Schweiz) = ein Mensch von Ohler
Laune, Schelm. — (1517) 1 räch - Schalk (catbc-
dralitlns, D. 10«'.) = einer, der eine schelmische
Krankheit am After hat (s. Hurenspiegel).
Schall, m. schallen (gcrm. skjalla; abd. scal
scella [Schelle], acellan ; tuhd. schal, schellen — schallen
lautes Tonen, Kluse*, 316. 820). — Ohr schallen -
Ohrenklingen (Gr. W.Vll, 1256). — Schall-, schal
lende -Ader*, -Ohr.
Schalm, m. = Schelm (Meyer. Konversat -Lex.
XVI, 17).
Schalte, f. s. Schale 3.
Scham, f. (Schäme, f. Schämde) (indogerm.
kam [«ich bedecken, Hemd] ; gcrm. skaman = «Ich be-
decken au« Gebäude [»kam] — sich schämen; abd.
scamen - schämen, scauia, f. ; 14. Jahrb. schalm, Schm.
II, 743; mhd. schäm, scheine , acbem , I.«xer 213;
Kluge', 316; 1521 schäm - pecten (Möns Veneria],
D. 418 (a. Kamm]; 1561 aebam = genitale, Gr. W. VIII,
2110; ndd. sebemede — rerenda, D. 11,379; pudibunda,
I). II, 308 — Schmach, Schande, Gefühl davon u. dafür,
Heyne V, 259 ; engl, sbamc), 1. — a) die mensch-
lichen Glieder (Blosse), die man aus Scham be-
deckt — Genitalia, Hebe Hippokratis, Scham-
glieder und Schamgegend ; b) die Stutenscham
~ Wurf (Herbst 27). — 2. — das Schamhaar auf
dem Venusberge (Sturmbflhel), s. Kamm (l>. 418)
(Oberscham); ferner — Geiunchtlende , Leiste
(Schambug). — 3. a ein Stück Rindfletsch aus
der Seite, nach hinten gegen die Hinter-Scham
zu (<;r. w. VIII, 2110). — 4. = s. Schemtne, in. —
schämig (mhd. acbcmcc = schandbar, schandbaft ;
1429 schamig = pudibundus, D. II, 308; 1183 schämige
[scbamlche] Glieder, C. v. Megbg.). — Scharnier
(Schemler), m. ** einer , dor sich wegen seiner
Gebresten (Lähme, Krumpheitetc.) tu schämen
hat i Schweiler II , 4lw). — sehemlich (manchmal
verschrieben statt achelmlch). — (1475) Schämlich
keit (1507 scbemclbelt - pudlcttla. Ii. 470. 566) = die
Statte des Schames (C. v. üchm. 459), i'udenda,
Scham und Brttste. — SchämnisS (i486 achom-
nüaa = pudibunda. l). II, 308) = Genitalia. — Frauen-
Schäme (-Scham) (14~5 der rrouwen acbemclbelt —
aumcnslus, D 1515 frauensebam — vulva, 1». 633;
l.">28 frawenscham, Ii. v. Uersd. 14 — Vulva et mamma,
Hyrtl. K. W. 137). — (1429) GrfiCham ^ rudeiula
(Koikki. . u. ii, MM}. — G/i>d-Schämde (M75
Schemde der leede — raembrum virile , 1). 498) —
Schani la. — Hinter Scham - Posteriorn, i'odex
als hintere Schaingegend (Gr. W. VIII, 2110, Schm.
1, 694).— JjJJH^lj Scham (1507. 1512 mannes-
schäm, manaachemdu - veretrum. D. 612); Tonis c.
seroto (Heyne V, 2V.i). — (i... Jahrh ) natürliche
Scham ( verenda geuilalia, I). 912; „naturalla non
sunt turpia"). — 06<rr-Scham - Möns Veneria,
der Schamberg oder Venus- Hügel ober den
Schamgliedern. — (1582) Versehrte Scham - durch
schmcrzendeGcbresten, Geschwüre, Verletzung
veränderte Scham (Lonic. 262). — (1516) Weiber-
Scham = Cunnus (Frauenscham) (D. 163). —
Scham-, schämige, schambar -Bart, -Bein,
■ Berg, -Büscldein , Bug , -Drüsen, -Finger, -Flügel,
-Fuge, -Glieder, -Orube, -Haar, -Holde, -Hügel,
-Jahre, -Knoclien, -Küssen, -Lähme, -Lippen,
■Leiste, -Lefzen, -Lid*, -Ort, -Reihe, -Kippe,
■RUze,-Seiten,-Schweif,-Teile,-Wehtag,- Weichen,
■ I runde, -Zcrs, -Zünglein.
SchameL m. (ahd. scamal = htimerulua, Graft VI,
497; Gr. W. VIII, 2111) = Arm.
Schande, f. (tndogerm. kam [sich bedecken];
germ. skam [Scham]; ahd. acanU; mhd. schamde,
schände. Kluge 5, 316). Höchste Unehre, worüber man
sich schämen inuss) — l'udenda (Schamglieder)
(Gr. W. VIII, 2i:«), „la partie honteuse". —
— schändlich - Schande zeigend, mit Schande
behaftet, unschön, von Flecken der Haut ge-
brauch», sowie von der linken Hand («. d.). —
.Brand-Schande = ein Muttermal, das das Kind
tragt zur Strafe für ein Vergehen der Mutter,
wie der mit einem Brandmale versehene Ver-
brecher (rr.iueii iv, 183). — be-, ver schandelt
= so entstellt, dass man sich schämt (iniucll
IV, 183).
Schane, f. s. Schiene.
Schank, m. Schaaken (augis. sccanccna, Dock.
I, 8; gesanco , Cock. I, 70; sconcan = crura, lihae,
Cock. I, LXX1; mlttclengl. »chankea broken oute
[Heinr. 1], aufgebrochener, abgeschlagener Schenkel,
Clcus cruria; ncucngl. sliank = Schenkel ; ndl. schon k
— FleUchknocheu) = Schank (Schock, Schacken)
— Knochen (Schm. II, 366. 132; die Ableitung davon
lat Schenkel [s d.], Kluge', 320). — Die ch Sehanken
(angl». theohsconeum, Cock. I, LXXIV) = Diech-
Schenkel. — /focA-Schanken (angl. hohscani an,
Cork II, 38; III, 365 = crua posterius) = der höhere
Hinterschenkel, Hinterfuss hei Vierfüssern. —
Spbr- Schaaken (angls. sporum seeoncan, Cock. I,
LXXIV) (s. Sporn und Spur) = Watschcnkel,
Spörliereu*. — Schanken-Sc/itretfen, -Seiire.
Schanker, m. (aus Iran*, chancre und dies aus
lat. Cancer; „vielleicht liegt Im Kaukor [= Haut.,
krebs; abd. cbanchur, caneur, chauchar, Graft- IV, 4f;4],
Vermischung eines gut germanischen Wortes mit einem
Fremd worte [cancer, chancre] vor", Kluge', 184 ; jeden-
falls ist der cancer der mittclalterl. Ärxte = Schanker
[ulcus venercum). I*r. II, 139; schon bei Celsua [25 a.
Chr. — 50 p. Chr.] Ist cancer die ilezelchnung gewisser
Genltalgesehwüre auf hartem Grunde, l'r. I, 406 ;
13. Jahrb. caucerosa = schnukrös, l'r. I, 399 ; gangrena,
caucrena — cancer penis, l'r. I, 328, 110; colera can
cherenca = apecies cancri moibus qui ab atra l<ili
gignltiir [Skorbut, Kachexie], Insanabllis morbus in
personn propria circum umbilicum et partes Inferiores
(= Geschlechtsteile; s. Nabel und rote Cholera], Du
fange II, 87; i:iO0 cancri in palato, in virga - Ulcus
cancrosum, l'r. 1, 395; vom 13. Jahrb. ab wurde cancer
in Frankreich die ««.«chlles-dlcbe Wortbczelchnung
für venerische Gcnitalgc«chwürc; 14 :0, frx. chancre =
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554 schar— Schar.
Scharhock.
Schanker - Genitaigeschwur, Pr. I, 313. lui. i»>;
Haeser II, 200 ; 1394 Cancer - du bozer swcro der dovil
löchere hat md seyget stetlelch ein, D. 91 [ = zu-
nehmender Schaden bei Paracclsus] : 144K une grant
maladte que I on appelle chancre ou Javart [«. d l a la
Terge. Do fange IV. 281b; 1182 Cancer tunc »IgniBcat
inflrmitatem metnbri virilis [s. Kolben], Gr. W. V,
ICH ; vor 1600 canlzer = eln umbessender schad an dem
heimlichen end, IT. I, 406; 1>02 corroslo qnod assl-
milalur Carolin, IT. II. 33; 1564 carlei galllca Kallopll.
IT. II, 209; 1604 botores de priracra cspccta [spart.],
Pr. II, 21h [lurpedlnU]; 161h caiubucca Paracelsi [itiehe
Kolben], IT. II. Hu; 1628 carios pudendi, Pr. II, 358 =
rnreinigkeit; 1696 am cancro laboriren = an Syphilis
nach einem Schanker leiden , Schreyer I, 55 ; 1734
chancre - ein Geschwür au der Ktchel, welche« diese
ganz angreift, Bituml. 440; 1741, ndl. sjanker, IT. II,
40S; 1748 chaticker, choncres = eine Art der Vcnus-
seuche, K. ch. 144; Masehenb. 26; 1790 chauker =
Schanker, Richter I, 474; Pr. II, 435). — Schanker
= ein örtlicher, ansteckender (syphilitischer),
Geschwüre bildender Haut-, Schleimhaut-Aus-
schlag (1832, Bischoff; Behrcnd 12). — Drüsen-
Schanker ■ ein Schankergeschwör aus den
Drüsen-Bubonen hervorgegangen. — gemischter
Schanker - chancre mixte, der ursprünglich
weiche, dann hart gewordene Schanker. —
harter Schanker = Ulcus induratum (sfuiiic
Galcnl = callus, topbus; mtl., 1305 porus, I'oijpers 21),
ein an der syphilitisch infizierten Stelle sich aus-
bildendem, hartes, scharf begrenztes Infiltrat,
schon von Nlcolo Massa (1632 nach Proksch) als ,, Sig-
num demonstrandum morbl Galilei sine fallacia" er-
kaunt, sowie von Fallopplo (1564) als ,.mani(cstlsslma
et demonstrantla Signa morbl Galilei conflrmatl" be-
zeichnet ; dann von J. Andre« (17H1) uud (17S6J Hunter
(IT. II, 531) genauer beschrieben und von anderen
nicht syphilitischen Indurationen unterschieden ;
(engl, hard cbancre) = Hu nter'scher Schanker siehe
harter Schanker. — Jamma'tche Schanker (esth.
Jamma = Poststation ; soheisst ein Stadtteil von Dorpat,
wo Fuhrleute viel verkehren) — bösartiger phage-
dänischer Schanker (s. auch Fuhrmanns-Krälze
und Tripper). — phagetlänischer Schanker
[tftsf lOfldviXOC, Hlppokr., Ualcul) = ein solcher
Schanker, wobei der Geschwürsgrund immer
mehr in den Zerfall de« Gewebes hereingezogen
wird als ein um sich fressender (rpa-ftu) Gc-
schwürspro-tess. — venerischer Schanker —
harter, syphilit. Schanker mit der eigentlichen
Syphilis (Venerie) im Gefolge. — weicher
Schanker = Ulcus molle, contagiosum, non
syphiliticum (engl, soft chancre), eine akute In-
fektion mit Virus, das gewöhnlich einem ört-
lichen Geschwüre an den Genitalien entstammt
und keine Goschwargrund-Verhartung zeigt ;
das Virus soll der Unna'scho Bazillus sein. —
irrt*»«* Schanker (franz. cbancre blanc, Cancer
blanc, A. Pare; Hrlss. 182) =■ Mundfaule, weisser
Kanker*. — Schanker- Seuche, -Krankheit.
schar ^ scharf (l>. II, 6),
Schar, f. (»ngR soare, scant. f. — pubes, ilium
pcnl«, alvus, Cork. II, 403; 1, I.XXIV - S< herc ;
ahd. senr; nihd. schar — Ausschnitt durch Scherting,
Schueidung [rasio)]. — AbschiT (ahd. asehiiro,
Graff VI, 527 die Abschur des Haares [wie folgendes;
(/'f schar nhd. gascar, cbascaro ■ „sl vero pnerum
crinitum totonderlt", ,,sl quis pucrum Infra duodecitn
annos non tonsuratum occldcrlt", Grafl VI, 527; angls
' ascaran = rcscrare, mit dem Schermeaser zuschneiden.
Cock. III, 353 [s. scharte)) = vollständige Haar-
soheerung. Man schür ehemals die zwölfjährigen
Knaben zur Zelt der beginnenden Mannbarkeit (Be-
scherung) und nahm sie damit in die Rechte der
Sippe auf. d. b. In die Scbar (Kluge1, 317 hatte kein
sprachliches Bedcuken gegen die Etymologie ! Schar
tu scheren). Cbcr die Haarschurgodschaft s. K. 8.
Krauss, Intern. Areh. für Ktbnogr. 189t, VII und
Korrcsp -Bl. f. A. E. U. 1895, 8. 6. Nach dem Volks.
1 glauben In Westfalen verliert ein geskären Kind sein
<ilück bU ins 3. u. 4. (ilied (d. h. die ganze Sippe.
Kuhn I, 45. 49). — Harm Schar (ahd . 8. Jahrh.
harm-scaro = plaga. Pfeiffer F. u. K. II, 33), 1. = die
Empfindung einer gewaltsam ausgeführten
Schar, schmerzhaften LQcke am Körper; dann
2. = Schar (bildlich) wie bei Schmeller II, 443 ; Graff
VI, 529 ; In der Rechtsspracho für beschämende Plage
oder Strafe.
ScharhOCk, m. (mtl. «corbutus = Skorbut [«. d.];
1376 = morbus St. Ellgil (mal St. Eloy] = Skorbut.
Du C'ange V, 517; 15. Jahrh. schorbuyck = oscedo
[= Mundstank], Gr. W. VIII, 2178; 1481 schorbuck.
Heyne V, 206; 1486 „es hat anno 1486 [bei Meissen]
zum erstenmal die schädliche seuch der sebarbock
sich ereignet n. seynd viel leut damit behaftet gewesen,
Ilaescr II, 98; 1486 novus et Inaudltus In bis lerris
morbus quem nautae Saxonia« vocant den scharbock,
Haeser II, 97. 98 = eine Entxündung der flelscbicbten
Teile [des Muudes]; 1533 scorbockskraut = Felgwurz.
Flcarla ranuneuloides, Roll. 64; 1534 scharbock, Euni-
clus Cordus ; 1577 schorbuyck = oscedo, foetor ab ore
procedens, I). 102; 1590 schoorboek, Fuchs I, 377 [newe
krankhelt] , 1MI scorbock. Taberu. ; eine In Sachsen
und den mitternachtischen Landern gar gemeine
Krankheit". Hollraann Mtschr. f. Schlesien ls29. II,
702; 1620 scharbock, schorbock = Skorbut. Dr. Min-
derer; 1G33 scharboeb, Haeser II, 36S ; 1645 schorbock,
schörbock = Scharbock, Colcr, H. A. 1S8; 1654
schorbock - Skorbut, Or. W. VIII, 2178; 1669 scherbock
o scorbutus, oscedo, Or. W. VIII, 2178; 1687 schor
bock, Oeorglca 3 0; 17. Jahrh. scharbock = schwarz
geftdertes Oesehwür beim Pferde, R. A. 762 ; 1699 ein
sehwarzgeAderles Schadengeschwür beim Pferde, v. M.
I, 50; scharbock oder Mittz-Mclancholey. v. M. I, 149;
sebarbock = Venussucht 1= Syphilis], v. M. II, 129;
1735 denn allo Schärfe oder Safte, welche man nicht
zu einer gewissen Krankheit bringen kann, z. B. zur
Krfttze, nicht, Katarrh, Frantzosen, wird von den Prac-
tlrls Scorbutus genannt, Woyt 312 ; 1737 scharbock =
febris puncticularls = Petechien fleber, Haeser II, 434;
1712 scharbock = »corbutus, ,,der höchste Grad der
Melancbolcl". Zw. 963 = Sauferskorbut mit Leber-
leiden [Kacbcxia]; 1741 Scharbock = (ilngibracblnm,
Ulnglpediiim, Kirsch 540; 1748 scharbock, 1. = grosse
Scharfe des dicken Geblütes. — 2. = Milzkrankhclt.
— 3. = Mundfaule. — 4. =- Syphilis u. Gicht. Mascbenb.
629; 177r.. 1793 scharbock, Behrendt s; Roll. 65; 1807
Scharbock - scorbut, Ackerni. 176; 8charbock. engl,
scurvy — Schorf, Skorbut, ein erst im frühen nhd.
an den niederländischen Küstengegenden aufgekom-
; menes Wort für den angeblich damals neu aufge-
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Schartlei — scharf.
scharf.
tretenen, oUr schon früher bekannten Skorbut, welcher
nach Plinius Hlst. nat. 3. 26 die Truppen des Ger-
manikus berallcn hatte (Villaret II, 716] und 1218 schon
sicher bei den Kreuzfahrern beobachtet worden war,
Kichhorst II, 843; als Mundfaule •. d. ; das nlederllnd.
Wort hiess i scheuxbut [ichcurcn ■ reissen, spulten, but
— Knochen]; mtl. scorbutns, also clue den Knochen
zerfressende Krankheit; volkselymologlsch zu scheur-
bulck umgebildet und zu mnd. scherbuk, seborbuk,
endlich spater zu sebarbock nmgeslaltet, ohne Ver-
ständnis der eigentlichen Bedeutung; aus diesem
nicderland. scheurbut entstand dann das mtl. scor-
bütus als Übersetzung, die germanisiert als Skorbut
[s. d ] noch heute lebendig Ist, nach tlr. W. VIII. 2177).
— Scharbock, 1. = Mundfäule, auch ein Zeichen
des Skorbuts (s. d.). — 2. — Skorbut (s. d.), als
Blutkrankhfit und „Folge von zu scharfen, zu
dünnem Geblöte" früher angenommen, das eine
„schar böckische Schärfe" angenommen haben
sollte. — 3 = Kehris petechial i- s. puneticularia
wegen der Ähnlichkeit der Petechien. — 4. =
in manchen Beziehungen war für die Ärzte des
17. Jahrh. der Scharbock das, was man vor
Paracclsus die Melancholie, „schwarze Galle"
(s. d.) nannte; die dunkleren skorbutischen
Blutpigmente mögen wohl mit dieser schwarzen
Galle früher erklärt worden sein. — ö. = s. Egel,
Schurb. — 6. = Scharbock (Skorbut) wurde
manchmal mit Syphilis und umgekehrt ver-
wechselt. Gingipedlum. Ginglbrachlum Ist vermutlich
tertiäre Knochensyphills. — /.anrf-Scharbock =
der in Kasernen, Gefängnissen, Spitälern, also
auf dem 1-ande epidemisch auftretende Skor-
but (Schwimmer In Z. Hdb. XIV, L 3321. — (1647)
sehmertzmachender Scharbock (Hecker II, 6S8) =
Knochenschmerzen bereitender Skorbut. —
Sfi Scharbock = der auf den Schilfen epi-
demisch auftretende Skorbut. — (1754) wahrer
Scharbock, 1. = die mit der Poliosis rheuma-
tica verwechselte Purpura scorhulica. — 2. =
die mit Syphilis und Mundfäule früher ver-
wechselte Stomatitis scorbutica (A. v. H. I, 1211).
— (1659) wtitreiumder Scharbock (Hecker II, 062)
= grassierende Epidemie von Skorbut. (Das
Scharbockskraut Ist auch Feigwarzenkraut). — schar
bockische, Scharbocks- Fieber,- Flecken ,-Friesel,
-Gift, -krank, ■ Lungensucht , -Makel, -Säfte,
-Schärfe.
Schardel = Schädel (Schlesien; n-nueM II, 15«).
scharf, Scharfe, f. Scherpfe, f. (germ. searp,
skrap, skrep [schröpfen, ritzen]; ahd. scart, scarpf;
angls. xearplug = engl, st-arifying lnclsura in oute,
Cock. II, 82; III. 369; socarpian = In superflile oaedere,
Cock. II, 408; altnord. skarpr. Fl.k 205; rahd. scharpf.
scharf, sarpf, Kluge*, 317, 337) = hart und glatt,
weit eindringend, schneidend, verletzend,
ätzend wirkend, sicher und glatt, genau,
fest, heftig, schmerzhaft, roalign; namentlich
ist das Gift scharf nach der volksftblichen
Sprach weise (Heyne V, 267; (ir. W. VIII, 21S0 ff.;
Pr. I, 219). „Nach dem Eindrucke, den ein
scharfer Gegenstand auf den Tastsinn macht,
werden Gegenstände als scharf bezeichnet, die
einen analogen Eindruck auf Gehör, Geschmack,
Geruch oder die innere Empfindung machen"
(II. Paul 374). — Schärfe (mhd. scherpfe; 1402; C. v.
Mcgbg.; 1592 bilis = Schärfe dor «allen (Schwaben;
Lonic. 129]; scherpfe, Bnck 19; 18. Jahrb. schaerffo m
sal, D. 507) = der Zustand des Scharfen, Ätzenden
a) auf der Haut, Salzfiuss (Ekzema) (C v. Mcgbg);
b) im Blute, der theoretisch früher angenommene
sauer (salzig s. Salz) oder alkalisch (laugenhaft)
scharfe Zustand der „Säfte" (s. d.), welche an
die Stelle der Grundfeuchten (Elemente) oder
Humores getreten waren. Diese , .Scharfe", welche
seit Sylvius (1614— 1C72) und Bocrbave (1668- 1733) als
Ursache verschiedener sogen. Konstitution- Anomivlien
(Skrofulöse, Gicht, Rheuma etc.) angenommen wurde,
wurde dann auf den Namen Dyskrasie und Kachexie
[m Acrlmonla) umgetauft (Kopp VII, 9t), der ebenso-
wenig das Wesen der krankhaften S&ftcmiscbung
erklärte als jener acht deutsche Name; c) der scharfe
Gegenstand (Materie), das Sekret, die Flüssig-
keit Z. B. selbst (Gr. W. VIII, 2190; Vogel V, 49;
J. P. Frank I, 67); wie der (Verletzungs-)Schadeu
(s. d.), so sitzt auch die (Schröpf ungs-, s. o.)
Schärfe nach dem VolksbegrifTe nur zwischen
Haut und Fleisch (Dr. Breun.-Schäff. 26); d) Scharf
= Schorf (s. d ). — Schärflgkeit, l. = die Eigen-
schaft des Scharfen. — 2. = das Objekt selbst,
das diese Eigenschaft hat, z. B. der Hautaus-
schlag (Ekzema) als ein scharfer beissender
Fluss, der „ausfährt", ist eine solche Schärfe
(Pauli 115). — Sich schärfen (1018; Schm. Ii, 464)
= summara cutis stringere, einen Schorf sich
zuziehen. — alkalische Schärfe - Acrimonia
lixiviosa (Sylvins) = rotes, laugeohaft salzig
schmeckendes Blut als Krankheitsursache nach
der iatrochemischen Schule. — ^u^ert-Schärfe,
1. = ein scharfes Auge. — 2. = ein scharfes, die
Lider ätzendes Sekret aus der Augenschleim-
haut (Müller, Krtrbch. ei). — (1507) A ugen- Schärflg-
keit (scnarpftgkelt) = Ekzema palpebrar. (Augen-
schärfe 2) (asperltas, Hort. Sanlt.). — leistende
Schärfe ■ das seine Umgebung ätzende Wund-
oder Geschwürs-Sekret. — böse Schärfe = eine
heftig krankmachende infektiöse Säfteverderb-
nis. — (1766) Blut-, G<-Wt<f<-Schärfe = Acrimonia
(= saure Schärfe) (A. v. H. II, 20); man nahm
namentlich im 18. Jahrh. in dem zirkulierenden
Blute (Saft 4) verdorbene, salzige oder saure
Teile an, die sich dann als „FIiibs" (Metastasis,
Rheuma) auf irgend einen Teil des Körpers,
Bein, als Podagra i. B., auf die Fusszehe setzen
und dort reizend wirken sollte. — Drüsen-
Schärfe => Ekzema scrofulosum mit Lymph-
drüsensch wellung. — (1766) Eiter - Schärfe —
ätzend wirkendes Eiter-Sekret (A. v. H. II, 20).
— (lsio) JF/ffÄ/en-Schärfe, 1. = die wässerige,
leicht ätzende oder beissende Sekretion beim
Ekzema (s. Salzrluss) (Heim 229). — 2. — das
innere, oft angeerbte sogen. „Krätzensiech-
tum" (!) (Psora Hahnetnanns) d. h. die sogen,
scharfen Säfte, die auf der äusseren Haut den
Flechten- (Krätze-) Ausschlag (Ekzema) erzeugen
sollen (Sobernh. 14; Kopp I, 1). — (1783) flussartige
Schärfe = katarrhalisches Sekret (Kssich 155). —
(1778) gallige Schärfe = Acrimonia biliosa, üallige
(biliöse) Konstitutions- Anomalie (Stoll, Boos 3«3).
- qichtische Schärfe - Gicht, Materie, Gicht-
stotl'. — (17S3) Katarrh- Schärfe - beizender
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556
Scharlach.
Scharre — Scharte.
Zustand des Schleimhaut-Sekretes (Materie)
(Kssich 143}. — Kehlen- Schärfang = der Zustand
der Kehlkopfschleimhaut bei Katarrh. — (1830)
krankhafte Schärfe ■ die durch Krankheiten
sich äussernde, erworbene oder geerbte Ver-
änderung (Schärfe) der Säftemisehung = Dys-
krasie, Kachexie (Kopp iv, 74). — ÄVfta-Schärfe
= Sekret des Krebsgeschwflres. — (1797) Kropf-
Schärfe — die den endemischen Kropf (s. d.)
erzeugende Materie (Wekkord «51). — (1797) Lust-
seuchen- Schärfe = venerische Schürfe. —Magcn-
Schärfe - das Gefühl oder die Empfindung
einer brennenden Säure des Magensaftes durch
das sogen. Aufstossen aus «lern Magen. — (174'.0
peckeüutftc Schärfe - das aus den Blattern od.
„Pocken" fliessende übelriechende Pustel-Sekret
(Zeitscnr. f. d. Phiioi. xxvi. 248). — Ämno Schärfe
(1531 die schcrpIT der rennen, Krautw. I.XI, K. 2) —
der säuerliche Zustand der geronnenen Milch.
— Säfte- Schärfe — die im 17. Jahrh. durch
Helmont, Sylvius, Glauber etc. eingeführte Be-
zeichnung für die ins lügenhafte (alkalische)
oder Salzige gehende Veränderung der sogen.
Humores der älteren Medizinschule (scharfe
Feuchte, s. d.) bei verschiedenen Krankheilen
(Gicht, Rheuma, Krebs, Syphilis, Ekzema,
Weissfluss, Masern, Pocken etc.). — saure
Schärfe - Acrimonia acida (Sylvin*) — die durch
angenommene Gärung der Körpersäfte (Hu-
mores) erzeugte qualitative Veränderung der-
selben, die entweder eine laugenbafte salzige
Schärfe (Alkalesccnz) oder eine Baure Schärfe
(Aciditaet) und damit auch verschiedene Krank-
heiten erzeugen sollten (nach Sylvins t 1673; Bim»
279; Hnescr i, 5U2). — (1725) scharbockische Schürfe
-- die Veränderung der Säftemisehung, welche
den Scharbock erzeugen sollte (h. d.) (Thea. San.
Hr. 700). — unscharf Sehen. — (1756) venerische
Schärfe, 1= die VerändernngderBlutmiBchung
und Säftcqualität (s. Sauer) bei der Lustseuche
oder Syphilis. — 2. = das ätzende Sekret der
syphilitischen Feigwarzen (A. v. II. I, 57; Stoll. ('.
Pr. II, 4.V.-, J. V, Krank V, 100). — 8Charfe(r, s)
Auge, Ausschlag, liärmutter, Bauchfluss, Bein*,
Blut, Dunst, Fi uchte, Fieber, Flechte, Fröret;
Galle, Geblüt, Gesicht, Gift, Grint, Hauptweh,
Husten, Katarrh, Kehle, Koller, Krankheit, Ma-
terie, Naget, Pestilenz, Räude, Säure, Schmerz,
Sehen, Senkung, sichtig, Wehtag, Wurm, Zahn,
Zunge.
Scharlach, n., m. (unter t'mdeutung des mhd.
scharint zu ahd. lahbän [ — Tuch], entlehnt aus mit.
srarlntuin. Du fange VII, 34<>; 1232 scharlato = pannus
porpujetll = engl, purplc »hört [purpurrote Schürze],
purpl« fever; h>6\ scarlet fever, Sydenham; persisch
«•akarl.it — ein aus dem Oriente eingeführter, auffallend
hochroter Tnchstoff, Gr. W. VIII, 2200; mit der Farbe
desselben wurde verglichen)- a) der rote Hautaus-
schlag beim Scharlacbfieber (14. Jahrh. Matura
rosatum [Hecker 210], fobris M-arlalina ». rubra;
15. Jahrh. scarlola, I). MI; Iran«, escarlate. Gr. W. VIII,
2200; I-ersch 308; die Morbilli iimel, die Sturota,
Scurola; 1550 Kossaria, Ko«*alla, Bnsellia; 155H Kosagia
pupillae, Ilneser U, •'*; [Gaseogne; rougeole, Bris«. 139;
I»u fange VII, H22; Schnurrer II, IC; Kraut, K.
Ilecker 21;:, als solcher begrifflich getrennt durch
Sydenham [1Ü21 — ' von den Masern, rocken und den
Frieseln nach der Durchseuchung der abendlandischen
Menschheit mit letzteren ; Hennig in Gerhardt I, 3S ;
vorher hless der Scharlach bei 4. Schulärzten ; I. Koten*
= Farsa [der Sakrnitancrschule. «. T. Variola? und
Eryslpelas), Da Cange : Fersa = morbllll, Tiach Behrcnd
! 23; 2. Scurola [Sturolnc]; 3. Rosagia = Kossallia der
Spanler, Hehrend 23. 24 = Morbilli, Kubeolae, 4. [Mitte
des 14. Jahrh] mal um rosatum - gesplum, Hecker I,
21'J [gesptum - guesdiutu - guoisdium = Wald. Kluge \
394; Du Gange IV, 122 - indlgoblaucr! FarbstoH), auch
title [= pesticlae?). 1. cod.; 5. Morbilli Ignei, Fuchs
[s. Botsucbt] ; Hennig in Gerhardt I. 37. :i8) = a) die
Krankheit (Scharlachfieber etc.) des Menschen,
welche einen scharlachroten Hautausschlag
macht (Scarlatina) ; b) derselben ähnliche Haut-
ausschläge; c) ein rotgesichtiger Mensch mit
s<'barlachroter Nase (Gr. w. VIII, 2202). — schar
lachen — das Scharlachfieber haben (Heyne V,
271). — fliegender Scharlach - Flugfeuer (?)
(Uochholz II, 230), Röteln (?) als rasch verschwin-
dendes scharlaehähnl. Exanthem. — Scharlach
Ausschlag, -Bräune, 'Fieber, -Flecken, -Friesel,
-Gift, -Koortsen, -krank, -Nase, -Röteln, -Seuche,
-Stoff, -Zunge.
Scharre, f. scharren (zu ahd. seerran = kratzen,
scharren; mhd. scharren = kratzen [scherren]; sehwed.
skar b schmtter, Laistncr II. 287), 1. — mit den
Gliedmassen schrappend kiatzen, z. B. auf der
Häuf. — 2. - ein kratzendes Geräusch machen
wie uach dem Volksglauben die Wichtelmännchen,
Kobolde und Hexen mit ihren Scharrfüssen etc. —
3. — die Empfindung des Scharrens. — Scharre, f
(ahd. scarna [GraH IV, 368) Impetigo sicca, Scabies,
quam vulgus scarnam vocat). l. — das Werkzeug
zum Kratzen. — 2. = die Krankheit, die zum
Kratzen reizt: a) Krätze (Scabies); b) Zitierach
(Parasitenreiz, Impetigo). — Hals- Scharren --
eine Art der Käuaperung mit scharrendem,
kratzendem Tone (Heyne V, 273). — Scharr-i'MM.
Scharte, f. Schart (zu scheren [s. d ]; alluord.
skardhe — Spottnamen ,, Gescherter", Kluge5, 157; Ist.
skerd r — dlmlnutus, Schmeller II, 471; ahd. tcartl =
das, was geschert, mit der Schere verletzt, verstümmelt
Ist [scarta = cratlcula — Kosteisen |, D. II, Iis ; mhd.
■Charte ; 1182 schart = Bruch, Gebresten, frartura,
«ir. W. VIII, 2222; engl, «car — Sehurte, Narbe, Kitz
[sherd, shurd]; ndl. shoard. Kluge*. 817), 1. — „durch
Schneiden, Hauen oder Bruch hervorgebrachte
Öffnung, Scharte, Verletzung, Wunde" (Gr. w.
1. c. ; Kluge 1. c). — 2. - die schartig zerhauen
aussehende Lücke, die verletzte, wunde Stelle
selbst. — 3. = abnorme Vertiefungen u. Lücken
am menschlichen Körper, auch wenn sie nicht
durch Verletzung entstanden (skar = ■ + kar =
mit dem Stcinmcsser [saxutn : sahso] schneiden; dazti
die altind. karctiVbacshaza — Steinmesser-Besserung,
chirurgische Methode im Gegensätze zur urvaro-
baishaza [herbarum] u. mäthro baeshaza [mentis], die
zusammen den Stelu-, Kraul- u. Wortzauber bilden.
Schräder 608). — schart (ahd. scart, Graft VI, 527;
| mhd. schart, Schmeller II. 471) m schartig, ver-
I wundet, verstümmelt (serratus, hebetatus,
diminutus). — schartig = lückenhaft, ab-
1 gerieben, abgenützt, lückenmachend (Falke II,
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Schatten— Schatr..
schauen — Schauer.
272). — SchartSÄM (ahd. -< uit~nni — scabrosa,
ümn vi, «.'sj = wie schartig, lauh (llaui).
— -I«7<>i-Scharte - flu der Hasenscharte nach-
gebildetes Wort für Haaen-Auge (h. d.), Lagoph-
thalmas = Verstümmelung des Augenlides, die
zur narbigen Lücke am Augenlide führt (Gr. W.
VIII, SSM), — H aaen- Scharte (angls. haersecard. n.
Cork II, 66. 389= engl, hairllpp; alttrics. has skerdc
= ha«en*. bärtig , Kluge*, 157; 1323 hosinscharte,
Gr. W. IV, 2. 541; 1417 eyn bazenschard = aposio-
pesls, defectus orls, 1>. II, SR; 1578 hasensehatte —
Wc<-hselbulgzclchcn , clblschcs Mal, Gr. W. V, flsO;
1742 hosenscharte — eine vom Mutterleib« nn ge-
spaltene I . IT/.- (Zw. 782], volksetymologiseh mit dem
„Versehen" (». d.] einer Schwangeren an einem Hasen
iD&monenflgur] in Zusammenhang gebracht, Plos*-
Bartels I, 505) — eine angeborene Missbildung
(Wachstutnsstörung) durch Lücken- oderSpalt-
bildung an der oberen Lippeninitte (beim Wolls-
rachen [». d] auch mit Gaumcnspaltung verbunden),
ähnlich wie sie dem Hasen eigen ist (babium
leporinum) (die Krankheit ririeh» von btehtcustcln,
t 127.'., diu damals schon operiert wurde, Wichncr 10).
— Lid1- (Glied ) schart, -8charte (ahd. lidascarta,
Gruft II, 1*9; 8. Jahrh. lidi-scnrli — si IHM macula-
verit. tit eilnde turpls apporeat — entstellende Ohr-
s. harte. l^g. I»ajuv. IV. L 8. 14; Graff VI, 528; lldscart,
lidascurt, lldbcarter — murcus, qni praeclsum habet
aatnm, pollleem, D. 372; Du fange V, 552; Sehmelier
I, 171; Graff VI, 527; glicdM-hurt, mhd. lideschart -
an einem Gliede verstummelt, Lcxcr 14«) = eine
sichtbare, entstellende Verstümmelung an einem
(ilied (Ohr, Auge, Nase, Daumen, Lid* z. B.);
(die rituelle Beschncldung [clrcumcisio] hiess bei Notker
scartlidl = verstümmeltes Lid* 3, schartgewordenes
Glied, Graff VI, 52*). — I )hi - Scharte (ahd., 7. Jahrh.
orscardl (I-egcs Alnm. CO. fil]: sl medlctatem aurls ab-
scldlt uuod Alemannl o. dicunt, Graff I. 457. 459; VI,
".2*; Tempelsrhandcr wurden bei den heidnischen
Friesen an den Obren und Nasen [s. d.] aufgeschlitzt,
Golth. 5»>2) = eine VerstOmmelung deB Ohl es
durch Verletzung (tiliedsoharte). - schartige (s),
Schart Glied, -Lid1, -Maul, -Zähne
Schatten, IU. (germ. skau ('-) = schauen [s. d J;
ahd. scato; mhd. schale - das dunkle Abbild [Schatteu]
de* Körpers, das geschaut wird). — Augen -Schatten
~ die Hautfarben-Veränderung bei BluUirku-
lations- Anomalien im Schadelrautne, die als
graue oder blaue Hinge (s. d.) um die Augen
sich bemeikbar mannen bH kranken oder abge-
lebten Menschen — (1735) .Wacht- (s. d.) Schatten
n fälschlich fiir den richtigen Nnchtschaden (s. d.) =
Nyctalopia eingesetzt = Augenblödigkeit bei
Auf- und Niedergang der Sonne (Woyt 107; C. v,
Schm. 399; Gr. W. VII, 213) (s. Nachtsehen) als
Augenfehler, Augenschaden.
Schatz, m. (germ. skatta — Vieh [']; ahd. scaz —
Geld; mhd. «chaz; bis In* 13. Jahrh. = Geld, Ver-
mögen, Keichlum, aufbewahrtes Geld, Kluge*, 31»;
1477 schaz. achaju, schaU, Gr. W. VIII, 227a ; C. v.
Scbm. 455) «s Schoss, Schani, Pudenda inuliebria
als wertgeschttttcr Teil, der mit dem „Jungfern-
Schlosse" verwahrt ist. — //..•^•••-Schatz (ahd.
haubltsca» = capnt, Graff VI, 558) = das Hauplslürk
des Körpers, das Gehirn, da* durch die Hirn-
schale verschlossen ist. - Jungfern- Schatz -
Hymen (Ilyrtl. Anat. 715) (s. o. .Schatz); (hieber:
scaticelli, seatumeelll [latinisiert - SchaUeliJ = ura-
blllcus venerls atibalaria, der Vcnnsnabel [Nabel 31 als
SchatzkaMleln , Du l ange VII. 342). — Schatz-
Kdutlein. — verschätzte Wassersucht.
schauen (schaUgen) (germ. skau = sehen [dazu
schon], skü; ahd. scouwön = betrachten, scüwo =
Schatten; angls. sceawa sccavlan — biegen, t'nek. II,
280; Tick. 207; mhd. schouwen = sehen). — Schau, f.
(mhd. schouwe, Schindler II, 1349) = die sichtbare
Gestalt, das, was man sieht, erkennt (conf. engl,
show = das zuerst abgehende Fruchtwasser, womit
man den Anfang der Gebnrt [dieses Vorzeichen
schauend] erkennt, l.ehfeld 225). Die Zeichenschati,
die Schau von Vorzeichen In Gestalt von Hunger-
lueken, Knöpfen am I.elbc, ltlelchhelt der Nasen-
Öffnungen, «lutfarbc etc., war Aufgabe auch de*
nordischen Spa-Manues (spn-madhr, Maurer II, 128 IT.
130), der auch die //-'Schauet (ahd. hcilscowede
— augurium, D. II, 42) bethiitigte, wie die 3 heiligen
Krauen (Schicksals - Nomen) das Blut In schauen
(Witschel II, 29:.), d. h. die Prognose stellen aus
der Farbe des Blutes. — G< schau, n., f. 1. =
das vollständige Sehvermögen. — 2. = die zwei
sehenden Augen. — 3. = Aussehen (s. böser
Blick). — 7/rr-Schan = Antlitt (Fromm. VI, 149).
— I'- i schauen = versehen (s. d.), durch den
bösen Blick bezaubern (Wolf 142). durch den
Anblick eines Gegenstandes (üamonentier r. B.)
die Entwickelnng der Leibesfrucht bis tur
Missgestalt beeinflussen.
Schaudern (germ. skud = sich schütteln; ahd.
scutisöd - das »eben, Zittern; seutteu, scullsön ■*
schaudern; mhd. schütten; dazu Itcratlvblldnng : 1175
schuddern; 1M1 schaudern = tremere; das Schilderen
= tremor, Had. Jun. 3S2; ndil. schildern = quatere,
horrere, Gr. W. VIII, 2309) =^ Überlaufende, den
Körper schüttelnde Killte (Frost) empfinden.
— Schauder, m. (engl, shudder = Schauder, I.ehf.
225 = 1612 Wundfrost, Fieberfrost, Gr. W. VIII, 2303),
1. = das körperliche Gemeingefühl des öfteren
Krschütterns der Haut und Muskeln, Beben,
Zittern (ür. W. VIII, 2303. 2309). — 2. = Fieber-
frost, Wundfieber von kurzer Dauer. — 3. =
Krankheitsanfall, Anfall von Käserei, unsinniges
Benehmen = Schauer 2 (H. Paul 375). — (lftfo)
Schauderlein — Febricula (Gr. W. III , 1022),
Fröstelo. — (1591) Schauderung = Fieberfro.st
(Had. Jun. 390; engl, shuddering - Schauder, I.eht. 93).
— (1591) Fieber- Schauder (= der schauder der
Feber. Taljern.; 1.92 das Srhaudem In Febern, Seb. 3IKI
= der schüttelnde Frust beim Fieber — l'eri-
psyxis Hippokr. — Ha, ! -Schauder = Phrikia,
Phnkodes Hippokr. : die Gänsehaut b. Froste,
der «lie Haut gowissermassen harter macht,
weil zusammenzieht (Kraus k. 791). — (1551)
A".!'.- ''.-Schauder - Fieberfrosl beim Kaltweh
(s. d.) (dan kaltschauderu der feber, Hock 27 u. Uegi^t.j.
— Schauder- Girier, - Haut.
Schauer, m., f., n. schauern, Schur, m., n , f.
Schäuerchen (gem. -germ. «knr; frles. schür —
Kraukheitsitchanor; ahd. scür — plötzlich herein-
brechendes l'nwetler, Hagel , mhd. schür, m. Geschoss-
hagel, Hagel, Kluge \ 318, dessen Wirkung [horripilati...
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Schauer.
Schaufel— Scheck
horror, borreiir] ul-ertragcn auf) 1. = rasch Bekom-
mene und schnell verfliegende Krankheiten und
Hitze (Heyne V, 286; Gr. W. VIII, 2327). — 2. = (mit
ßedeutungsübergaug aus Schaudern, seitdem 16. Jabrh.)
schnell überlaufendes Kältegefühl bei Frost und
Fieber (Heyne, I. eod.) Paroxysmna febris und
die einzelnen Schaueranfalle bei fieberhaften
Kiankheiten andeutend (Gr. w. vill, i«20.
2319 ff. ; Coler, H. A. 1*4; Schindler II, 450). — 3. =
(1773) das Libido-Gefühl der konzipierenden
Frauen, welches als eine schauernde, zitternde
Bewegung innerlich empfunden wird (Gr. W.VIII,
2127; schon bei Hippokrates angeführt). — 4. =
Schäuerchen (s. d.). — 5. — fallende Sucht als
vorübergehende, den Korper erschütternde
Muskelzuckung (Gr. W. VIII, 2327; Harz, Heesen):
Schür aa Schauer, Krankheitsanfall , kurzer
Krampf (Gr. W. VIII, 2327; Schneller II. *:*>). —
schauern, 1. = plötzlich erregte Erschütterung
des Korpers, wie durch den Schlossenfall und
Hagelschlag; tlas kalte, zitternde Überlaufen
der Haut, eine Gänsehaut bekommen (Gr. W.VIII,
SM). — ü. = scheuern (s. d ). — Schauerchen, n.
(Schürehen) = kurzes, bald vorübergehendes
Frostgefübl (Schürchen) bei Fieberund Kikäi-
tungsreaktioa (Febricula) (Or w. VIII. 1C21) mit
Gftnsehautbildung (Staupe, s. d.). — 2. - kurz
dauernde Zuckungen wie beim schüttelnden
Schauder = Convulsiones infanlium (= ilusser-
licher Tramin, s. d.). — 3 = die eklamptiformen
Zahnkrämpfe der Kinder (Or. I». M. II. ml). —
4. = Epilepsie wegen der schüttelnden Schauder-
bewegungen (Gr. w. VIII, 2331). — blarrenier
Schur, m. = die Zuckungen der Gesichts- und
Halsmuskeln beim lauten, plärrenden Weinen
der Kinder (Gr. w. vill. 2328). — böses Schauer
(Schui), 1. ~ ein schlimmer, wiederkehrender
Anfall von toller Käserei mit konvulsivischen
Zuckungen der Glieder. — 2. = die demselben
ähnliche schnell wiederkehrende Epilepsie
(Gr. W. VIII, 1327. 2328). — Fit bi r Schauer ■
Fieber-Schauder (s. d.) Horror febrium (Gr. W.
in, 1621; hoii. koortühniverlng). — Launen Schauer
= „eine veränderliche Geinütsstinimun-; unter
dem Bilde eines Fieberschauers" (Gr. W. VI, ms).
— Milch Schauer ■ ein bei der Laktations-
periode der Wöchnerinnen manchmal ein-
tretendes Frostgefühl (Febricula puerperalis;
Milchfrost, Milcbfieber) (Wallb. 422). — Rücken-
Schauer ■ ein fröstelndes, behendes Gefühl
der Muskelzuckung im Kücken (Gr. W. VIII,
1*6). — schlafendes Schur ■ ein gewöhnlicher
Anfall von Schlafsucht bei Erkaltungsreaktion
(Gr. W. vill, Ott). — scläimmer Schur = ein
schlimmer Fieber- oder Krankheitsanfall (Or.
w. Villi 2327) als Vorläufer einer schweren
Krankheit. Wenn Einen plötzlich schauert, so sagt
man In Schlesien : Der Tod geht Ihm übers Grab,
Mehr., z. Volksk :t»2). — tolle Schur, f. = wie der
böse Schauer (s. d.) ein wiederkehrender Anfall
von Käserei (Gr. W. VIII, 2327ff.). — Wangen-
Schäuerchen ■ der Kinnbackenkrampf beim
Neugeborenen, Anfall vonTrismus neonatorum
(Kraus, k. ioc4). — xcirrige Schauer, f. = ein
dauernder, wie verwirrt machender Krankheits-
anfall (bei Kälbern) (Gr. VIII, 2328).
Schaufel, f (indocerm. skub; ■katt;
skub [schieben); ahd. scüvala. mhd. fchüvel,
worauf man etwa« schiebt, um ei fortzuwerfen, Kluge*.
SU, oder schautelAhnllcher Gegenstand), 1. = die
Fussohle (Planta pedis) als konkave Höhlung.
— 2. = der Vorderfuss als Fusschaufel (s. d.)
(Schweiler Ii. 3$i). — 3. m das Schulterblatt
(Schau ferlfleisch = Fleisch vom Schulterblatt
des Kalbes), das hoble Gruben hat. — 4. =
ungewöhnlich grosse Finger- oder Zehen-
Nigel, die eine konkave Höhlung unter sich
haben. —6 = breite Vorderzähne, die konkav
gewölbt sind, namentlich die Ersattzähne bei
Schafen (Falke II. 272. 412). — Schauferl. n. -
eine kleine Schaufel (3'. — Schaufler, m. =
ein Schaf, das die breiteren Ereatzzähne hat
(Kalke II. 412). — (1609) Fhss Schaufel (die scheuflen
an fuessen) - der Fuss-Kücken (Lnter-
ftiss, Vorderfuas) als unlerer, blatt-
förmiger Schaufelstiel (Schienbein)
(Guar. 906. 1051 , Schm. II, 384) : der Fuss
„schiebt" die Gegenstände weg wie
eine Schaufel; er ist also die natür-
lichste Schaufel (vergl. Kotwannl-
füsse"). — Schaufel - Knorpel,
■ Zahn.
Schaukel, f. schaukeln (ahd. scoc [dazu franz.
choc = Stoss) — schaukelnde Bewegung, mhd. schoe ,
ndd. schuckel ; 1691, 17. U schnckel, schocket, Kluge*,
318; In Uesprechungsformeln werden Augenkrank
bellen geschaukelt - fortgestossen , geheilt, Kuhn
1, 206).
Schaum, m. (germ. sku b bedecken; ahd. scüm
— spnma, Graft VI, 498; mnd. scuma; mhd. schitm;
1419, 1429. HM schaim, Schmeller II, 418; engl, sklm
— Schaum - Deckendes. Deckung, die Häufung von
Maschen, dieelnc Flüssigkeit zndecken) = (obd.) Feim
(s. d.); Spuma: a) der schäumende Speichel
beim wütenden Hund (Geifer, s. d.), brünstigen
Tiere (Eber) oder beim Epileptiker; b) die
schäumende Milch ; c) derschäumendeSchweiss
des angestrengten Pferdes (Gr. W. VIII, 2349);
d) der schäumende I rin (Morbus Brighlii)
(j. f. nd. Sp.-F. xv, in). — Blul Schaum, 1. = der
über der Bluthefo befindliche Teil des in der
Leber nach früherer humoralpathologischer
Vorstellung durch eine Art von Lab- (s. I/eber)
Gärung von einander getrennten Blutes, wobei
der Blut- Feim (s. d.) oder Blutschaum nach
oben geht als gereinigtes (feuchteres) Blut, das
mehr Phlegma (s. d.) hat. — 2. = (15. Jahrb.
sehume mit blöde - emplma (empyema], D. II, 149) -
der mit Luft und Blut gemischte Auswurf aus
der Lunge.
Schaute, m. = „einfältiger Mensch (aus dem
Hebräischen", II. l'aul 375).
Schebe, f. s. Schabe. — gehebs, schechs
8. Bchepps — Schechs' /-V>
Scheck, ni. (ahd. sceccho; mhd. «checke = ge-
«trelfter Leibrock, mit dem verglichen wurden): 1. =
das gestreift gefleckte Pferd (1592, 8eb. 197). —
2. = die gestreiften Flecken (Vibices, Naevus,
Chloasma) der Haut (scheckig) nnd des Auges.
— . 1 ugt n- Schecke! ~ Pannus, IxMicoma oculi,
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sched — Scheibe.
Scheide.
streifenförmige kleine Hornhauttrübungen. —
(i7<o) Jjjjj; ] Schecken ((Jugng-Schecken) =
Kukusflecken (s. d.), Sommersprossen (Schmeller
I. 886. 1652; Gr. W. V, 2529; Chr. Kam. I, r.8). — Halb-
Scheck = cin halbSchiefer, Scheicher, Bclielker,
I laltmair, überspannter Mensch (Spiess II, 00). —
Schecken = schelchen, s. scheel. — scheckig
(engl, check? - naevns, pllosus) - mit Schecken,
Sommersprossen versehen (z <i v. f. v.-k. is«.«8, »•).
sched. — Schedes Fett.
Scheech. Scheech-£«7.
Scheef, schefleht s. Schilf u. Schabe,
scheel (schael), schelch, schlich (vorgerm.
skelko, skel \ZMl.-M = sehr««, schief]; germ. skllhwa;
ahd. scelah, scclaber = «rabn, «ul ocnlos habet
disiortos, (ir. W. VIII, 2186; 12. Jahrh sehclocan =
»trabo, H. Z. XV1I1, 74; H. Jahrh. schel = strabo,
Voc. opl. W. 15 40; mh«l. schel, schelch, schelrher;
14. Jahrh. »reicher = glppus, Heyne V, 290; 1482
scheicher = krummer, recurvus, obUqaoi, Zening.
Voc. cc3; sehelbeit = lippitudn, lnscosltas, D. 3 10 ;
1591 «scheelem — übentwerchsehen, llnil« oculls obtucrl,
■ lad Jim. 24; schaeckeu, schaegeu — hinken. Kchm. II,
SCfi; 1005 schrieb = einäugig, linnn, lippus, eine
schaele - lippa, Gr. W. VIII, 248«; 1611, ndd. scheel;
hd. schelb. Kluge*. 319, 177.1 schelb = einüiiglg,
schielend, Schmeller 11, 405; 1777 schelger = valgus,
D. GOi; ndl. schel, scbeelzlen ; dan. skcle; schwed.
skela) = schielend, quer, swerch, krumm, schief
Rehend, fibersichtig, blind, luscus, strabus,
limus, lippus; letzteres in freier Anwendung
auf andere Seh fehler od. krankhafte Störungen
des Sehvermögens und Auges (<ir. w. VIII, 2486),
«lie auf gleichen Ursachen wie die Muskel-
lähmungselbst beruhen. (Volksetymologisch wurde
daher auch Schcllkraut [aus i'helldonia, Schwalben-
wurz] gegen Augenleiden beniitzt, Jessen 90, als ob es
zu scelah = schielend Bezug hatte; Oberhessen — ein-
äugig, Wodansgestalt, Schell 273; KIukc. 1. 0.). —
(Bayern; österr.) schelch - schief, überrwereb,
krumm (dazu schlichen, schielen), (Schweiz)
*chalb = scheel (Schw. 588). — schelken (schaggen)
(Kb.-Malz; Schmeller II, 36C) - schelch gehen,
hinken. — Scheelheit (15. Jehrh. scbelbeit. lu«-
cositas, llppitudo, strabosltaa, D. 310 554 ; Zen. Voc.) =
Scheeligkeit ■= schiefer, schlimmer Zustand,
t. Ii. der Augen, Strabismus. — schelchs —
schief, krumm. — (1518) .1« jen Scheeligkeit -
(scholligkeit der äugen, II. v. Gersd.24) = Strabismus
oculorum traumalicus, Augenmuskel-Ltthmung
(Schiefsehen der Augen). — glied - schelch
(14. — 15. Jahrh. glydschelych - labllls, I>. 314) = ge-
brechlich, gliedkrumm. — Im n - scheelig =
schief, verrflekt im Gehirne oder Verstände,
wahnsinnig (Delling). — Scheel-, schelch »
App<-l',-A uge, -bucklet, -Fuss, - G wehen , - Guckele *,
-Hals, ■ Hauptpein, haxet, maulet, -selten, teenket,
-icinket.
Scheibe, f. (vorgerm. »kip« [sroiso- = Topfer-
scheibe], gern», skibö, Kluge5, 319; ahd. sriba, t. ; mbd,
scblbe - Kugel, Rad, flacher, runder, rollender, dreh-
barer Körper, kreisrunde Platte, Heyne V, 292, (ir. W.
VIII, 23V,); vergleichsweise nt,crtragen auf: 1. m
Kniescheibe (s. d.), l'atella, Rotula (die mit dem
scheil>cnartigen Mühlstein [ — mola] verglichen wurde,
Gr. w. v, 1431). — 2 = (1543) die Pfanne des
Hüftbeins als kreisförmige kleine Hohlscheibe
(Aeetahulum) (Gr. W. VIII, 2389; Hyrtl, K. W. 134).
in der die Hüftkugel rollt. — 3. = das Hinter-
teil des Hirsches wegen seiner runden farbigen
Abgrenzung (Heyne V, 292). — (1531) Scheiblich
keit (scheiblichalt, Krautw. Uli, 1" 2) = .scheiben-
förmig sich ausbreilender Zustand". — aus-
scheiben (schieben) - an der Scheibe 1. 2.
sich den Knochen au9 der Pfanne verrenken,
luxare (Z. f. ö. V. K. 1897, 5. 2*0). — Hirn Scheibe
(mhd. hlrnscbübe) — der runde, glattgc wölbte,
kugelförmige Hirnschitdel (Hirubolle) (Lexer 102).
— rwiMs- Scheibe - Günsel*, Nuss, Mummfel,
das geheilten förmige Fleischstuck (.Musculus
obtur. int. et pyriformis) an der Kalbskeule,
Scheibe 2 (Garhsehale) (E. W. I. 220). — Knie-
Scheibe (ahd. knlosciba. Graft IV, 575; mhd. knie-
schibc. Heyne V, 404; 1420, 1125 knyeschiue, kny-
KChibe, kneschiue — tibla, sutfragines, I). 5t*»5. 582, 1477
kneiM-hell», Ortolf - patella, Gr. W. V, 1122; 1I7C kny-
ochneube -- fragus, subfrago, curvatio genuum, Ü. 24 >;
14»2 knyeseheyb = tibla. pobles, Zcnnlg. Voc. r 1. o. 8;
15 Jahrh. knulschlbe = tlbiacula. D. II, 3C4; 1628 knue-
schib, kueuschyeb — patella, H. v. Ger»d. 15; Hyrtl,
K. W. 96; 1666 knic*<-heib m rotula, Gr. W. V, 1431;
holl. knlescbljf) -= der bewegliche auf der Gelenka
flache des Oberschenkel- und Schienbeins hin
und her gleitende, Scheiben - pfannenförmige
Kniegelenks- Knochen bei Mensch und Pferd
(Leiste, Rolle), Patella (Kraus, E 746; Mayer 93;
Herbst iw), Epiglossum (Kirsch 437), Rotula, Mola,
Oculus s. Concha genu, Olecranon mobile. —
2. **= Kniegelenk. — 3. = Knie; conf. „Mein
Vater und dein Vater haben mitsammen vier
Kniescheiben gehabt" (Meran; v. Hörmann 99)
= sind einstmals, aber durch weite Zeitperioden
der Generation verwandt gewesen: die Ahnen
sind einst auf «lern gleichen Knie (s. d.) geboren
worden. — Knierad-, liad Scheibe (ahd. rad-
aeipa — poples, Graft VI, 408; U. 598; 15. Jahrh. knii-
radscbyb = poples, Gr. W. V, 1431; D. 643); eigentlich
tantologUch, da Uad = Scheibe - Kniescheibe als
scheibenförmiges Rad am Knie oder Knie-Rad
(s. d.). — A'm< Scheiben-. 4 »•, -Schaden, -SucJit,
-Zuthätigkeit. — Tofcn Scheibe = die Hirnschale
eines todkranken Kindes; bleibt beim Uunzeln der
Sltrne oben eine glatte Flache [ = Totenschclbe), so
stirbt dies Kind bald (Kohler. V.-Br. 397), nach dem
Volksglauben Im Voigtlande.
Scheide, f. scheiden (Schidang) (zu scheiden
[s.u.]; nbd scclda; mhd. scheide), 1. — Schwertscheide,
ursprünglich aus gespaltenen, dünnen, von den dickeren
geschiedenen, hölzernen Brcttchen hergestellt (Heyne
292). Trennnng, Scheidung, Grenze, scheidende Hülle.
— 2. = (1676 scheide xi/.r.o- (bei Lycus, Oribasius
uach Kossm. XII], 6 ■tf.ä/T().oj t^C P^t'?'*'- P" cod.],
sinus pudoris Ealloplae, Collum lougum Barlholini,
Kossm XII) Vagina ( - Gebarmutlerhals [s. Mutter-
Hals] der älteren Ärzte [bis zum 18. Jahrh.], Hyrtl,
K. W. 74) als Trennungsspalte, die «len mann-
lichen Penis aufnimmt, „tamquam in vaginatn"
(iuald. tolumb). — 3. = die Hülle von Teilen
desanimalischen Körpers. — scheiden (Indogerm.
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SM
Scheide.
Scheini— Schein.
sklinit, skblt [r/l^iu, scindo - spalte1,; gcrm. sknilh ;
engl, shcath — Scheide [vaginn]; ahd. seeidan ; angls.
«ccadhan, Cock. I, 30; mhcl. scheiden, Kluge5, 319)
= fondern, trennen. — Scheidung (Schidung)
(ahd. seeidunga; mhd. Bchcldunge, Bavarla III, 2. 911)
= die Handlung des Scheidens; der Ort des
Scheidens, der Trennung, die Zeit der Ent-
scheidung, aucli das Sterben. — Abschied =
Tod. — A 6schoidung (angls. aesceda = migma,
Cock. II, 403 [smegma]) = Sekretion, Ausscheidung.
— Au gen Scheiden (Schein) ^= (Oberpfal») der
höchste Grad von Kopfweh, bei dem das Licht
aus den Augen scheidet, Hören und Sehen
vergeht (Rochh. II, ioo). — .-1 Scheidung =
das Produkt, die Handlung der Entleerung,
i. B. von KrankbeitsstotTen in der Krisis (s. d.
und Kochung). — Geburt Scheide = Mutter-
scheide beim Pferde (Mayer 9). — Gi scheid, n.
(angls gescead, gescad, Cock. III, 300. SO-i. 328; mhd.
geschide, die mehrfach wiederkehrende, eingehendere
Trennung), 1. = die durch mehrfache Falten-
bildung auch vielfach von einander getrennten
Darmschlingen und Baucheingeweide (Jägerspr. ;
Schm. 11,372, Hjlfl, K. W. 58 ; Brehm III, 135; PIercr',1.
1493). — 2. = das Kollektiv von Knochenspallen,
die sich namentlich am kindlichen wachsenden
Hirnschttdel vorfinden. — gescheit ■ getrennt,
gelilutert, klar, hell (bildlich noch vom Verstand)
(mbd. geschide, Kluge 136; bei Luther auch: be-
scheiden). — Haupt- G> scheide, n. (auch entstellt
in schein = schei[de]n ; mbd. houbetgeschtde =
Schwindel, Kopfkrankbelt. Leser 106; Gr. W. IV, 2.
613), 1. = eigentlich die Stelle, wo das Haupt
(Kopf, Scheitel) eine auffallende Scheidung und
mehrfache Spaltung zeigt = grosse Fontanelle
am Scheitel (s. Blatt); ist dieselbe bei Kindern
sehr stark eingesunken ( = Blattschiessen, b. d.),
so ist das 2. — ein Zeichen der Gehirnlithmung
(namentlich beim Hydrocephaloid) und ein
seihst »lein Laien bekanntes schlimmpro-
gnostiBches Symptom; daher 3. = (auf den Kr-
wachsenen fibertragen) Hauptgescheid = Schwindel
(Vertigo), Ohnmacht, schwere Kopfkrankheit
(Qr. \v. IV, 2. 73. 013; Schm, Ii, 874. 424) mit Augen-
muskel Verzerrung (Augenölen- bei H. Sachs; das
Ilauptgescheide wird durch eine Reihe von Besprech-
ungen und Bescgnuugen volksmedtzinlsch behandelt
(liavaria I, 2. 1032], da es dem Hexen- und Teufels-
Elnflusse zugeschrieben wird; vergl. II. Z. XIII. 203;
ür. I). M. II. 113; Schmellcr II, 374; Gr. \V. IV, 2. 613).
— Hirn Scheidung (14. Jahrh. hlrnschldung [Voc.
opt. Vi. 10; D. III], cellula cerebri) - die grosse
Scheitel-Hirnfontanelle als erste Hirn-Kammer
oder -Grube. — Muttt r Scheide (17. Jnhrh. =
vagina, Hyrtl, K. W. 210; 17K3 = vagiua. Stein I, 3t;
Kalke II, HO) = der zur Gehürmutter führende
TrennungBspalt am weih). Leihe = Scheide 2.
— (1812) Schleim - Scheiden = Sehnenscheiden
(s. d.) (Kalke II, 233). — Seelen- Scheidung (1476
der sewe scheydung = agnnla, D. II, 13) = die Tren-
nung der Seele vom Körper bei den letzten
Atemzügen in der Agonie. — &/inen-Scheide
(nnatom. Schulausdruck) = die den Sehnenstrang
1 rennend umgebende, häutige, mit schlüpfriger,
Synovia- ähnlicher Feuchtigkeit (Schleim) er-
füllter Hülle, Vagina tendinis, als Fortsetzung
der (nnatom.) Muskelscheiden (Hyrtl, Anat. 109 0 ).
— (1592) Linscheid - der Kamschlauch über
dem Ochscntisel (Seb. 150). — (1556) t/nferscheid
bb lintertbat (s. d.) = das Interfinium, der die
beiden Naienhöhlen (unter-) scheidende Nasen-
Bcheidew«nd - Knorpel , Nasen - Mittel , Dia-
phragma narium (<Jr. Vi. VH, 398; 1482 nasennnder-
Kchaid — pirula, D. 437) (s. Birne). — Glas- ünler-
scheidigkeit (mnd., 14.— 15, Jahrh. de underschey-
dicheit der glas, 3. t. nd. Spr.-K. XV, 121) = Urin-
Diagnose aus dem Uringlase. — r« scheiden -
ganz aus dem Leben scheiden, sterben (is. Jahrh.
verseheideb, Hoffmann I, 114; 15. Jahrh. vortcheden j
14H6 verscheydeu = demigraro defunetus, D. II, 130.
12«; 15M vorsebeiten, Chr. Meyer 99). — Scheide m -
Haut, -Höhlt, -Klappt, ■ Wand, ■ Warten, Zähne.
— Scheidungs- Tag.
Schelm s. Schimmel.
Schein, m. (Scheim, scheinen), scheinbar
(gerat, ski, skinan [schimmern, glänzen], SX'.d =
Schatten; ahd. sein, scinan ; mhd, schinen, schin;
angls. scinno = dämon noclvus, Ze. 56; slcbenb. schin
— fein, dünn, Schm. II, 425), 1. = Glanz, Schein,
Helligkeit, Deutlichkeit, zum Vorschein kom-
men. — 2. = Sehen, Sehkraft, Licht, Blendung.
— 3. = der runde Schein (Kreisbild) im Auge
durch das Mondlicht od. Sonnenlicht. — Schein-
ling, m. = das Auge (Schm. Ii, 425). — Schein
lieh, n. (Scheinlach) (angls. seinlac- visium, Co« k.
Ii, 288. 404) = apparitio, Erscheinung im (Alp-,
Fieher-)Traume, etwas was nicht wirklich ist,
Bondern nur so scheint — scheinen = einen
Schein geben, sichtbar werden. — das Kind
scheint in die Welt = das Kind steht (bei der
Geburt) in der Krönung (s. d., erscheint) (Pauli 99).
— scheinig = ins Gesicht fallend, sichtlich,
sehend (schm. Ii, 424). — scheinbar = den Schein
tragend, den Schein von etwas habend - ver-
meintlich (s. Adern). — Augen -Schein (mhd.
ougen-sebin, Lcxer2i6), 1. = Augenlicht, Sehkraft.
— 2. = Augenscbei(de)n. — 3. = das blosse
Scheinen, nicht volle klare Sehen mit dem Auge
(17. Jahrh. das Scheinen der Augen, Fr. Kr. B. 373). —
Oschein = das mehrfache öftere Erscheinen.
— GieM- Schein (ahd. gibalscelnl, gebulscenl, ge-
bulsklnl [Leg. Bajuw. IV, l], sl in caplte testa adparet)
= eine klaffende Kopfwunde, bei der der
Giebel (b. Gipfel) (ahd. glbllla = Schftdclkuochou)
zum Vorschein kommt (Du cange IV, 49). —
Haupt- Oe&chein = eine Entstellung aus Haupt-
geschei(de)n (s. d.). — St. Lünen- Schein ^ die
Hexen- oder Triefaugen, die durch das Atzende
Sekret um das Auge einen roten Hof auf der
Haut machen und durch Ectropium eine rote
Lidschleimhaut zeigen (s. St. Luzia); St. Lucia
( = die Leuchtende = Percbta-Statnpa) ist Patronin der
Augeukrnnkcn (s. d. Verf. Kullkitlend. In d. Zcitschr.
d. ü. O. A.-V. MM, 8. 213; Rclnsb. 5.19; Vcrunl, A. 114).
— A/ond-Schein = Glatzkopf als runde Licht-
erscheinung (Kehrend 8«) (Calvities). — Mond-
scheinigkeit, 1. = der ZtiBtand der Mondsucht
(in Karnthen verballhornt), die zur Zeit des Mond-
scheins sich besonders Hassern soll; „der Mond
(s. o.) hatte nach altem Glautan auf alle Gewächse der
Krde, auf Zeugung («. Momlkalb) und Geburt (Monat-
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Scheiss
Bettelte).
5«1
liehe«) und Hilf das Cchirn des Menschen Elnflnss"
«ir. w. vi, .-500). — 2. = „der Mond scheint" -
die regelmässig alle Mondzeiten (Monate) mm
Vorschein kommende weibliche Kegel (Colcr,
n. A. 215). — Sonnt» Schein = Glatzkopf (siehe
Mondschein) (Bohrend sc). — »chclche* Gt schein
(mhd. da« Regime was sohelhex, Kaiscrohronlk ; Gr. W.
VIII, im) - scheeles Geeicht, schiefer Blick
(Strabismus). — übet scheinig = nach oben ge-
nebtet sehend, nnr aufwärts gut sehend (Sehm.
Ii. •12"»). — nr scheinen = übersehen, verschauen,
verneiden (s. d), durch den bösen Blick ganz
und gar beschädigen. — schein- (bare, ende)
Ader, -gelb, -haarig, -krank, -Rufen, -siech, - Tod,
-tot.
Scheiss,™ scheissen, Scheisse, f. Scheisset, f.
Schiess, f. (indogerm. «khld = *ohelden, ausscheiden ;
gem.-germ. skit = sohel«*en ; angls. scitan, scytel
- Koth, Dünger, Look. II, 401; nhd. «clwin , soiz-
zata, (irnfl VI, .VO; 9*7 pesti« inoognita -< il. febres
homlnum et lue* animaiium niiae anglice Scitha nomi-
natur, latinc autem tliixus interancorum diel potest,
Du Cange VII. 367; Ursch 67 = Durchfall, leochaD-
hafter; 12. Jahrh. *<bls«in = egerere. P. 1%; mnd den
«ritten, J. f. ndd. Spr.-K. X, 135; mhd. sohixen [Kluge*,
180. 319], «rheiz, schire, sohlte, »ehizet; scheNs, in,
= crepitu* ventrK cacatio. .Schmeller II, 474; Ix-xer
212; 1482 die scheisse = llcnteria, Zening. Voe. bb 5;
I. r>. Jahrh. soheyssen = egerere, I>. 19f»; sohlten =
merdarc, D. II, 251 ; 1518 die srhyss = fluxns vontii«,
II. v. Gersd. »9; ISN MMm = c arare , Gr. W.
VIII, 2463; 1719 schei«se, f. = stercus humanuni,
Gr. W. VIII, 2164; ndd. «rhcl; [Khcin) »ob.-« [Schles-
wig!, «kldtj, Möllenhoff 49S; engl, to shit) , 1. -
das Kot-Auswerfen aus dem After bei Mensch
und Tier; in alterer Sprache ganz anständig (Heyne
V, 299), Proluvies al vi, kakieren. — 2. = Diarrhoe
als (krankhaftes) Kotauswerfen, namentlich
epidemische Kühr und seuchenhafter Durch-
fall (Gr. W. VIII. 2463), heute nur in roher Aus-
drucksweise. — 3 = die flatus ventris als Bei-
gabe zu 2, Darmwinde (Leset 212) — iritscheln,
Eiste lassen. — 4. — der heftige Drang b. Stuhl-
gang, Galloper • (Gr. W. VIII, 2466). — 5. = etwas
Verächtliches Oberhaupt. — Scheisserei, f. -
das krankhaft vermehrte Scheissen. — Scheisse,
Scheissen, SchiSS, f. (mnd. der seilten ; 16. Jaluh.
die schisse, I). II, 133; (Henneberg] der.Schesse. Spiess II,
209) = < acatio, Diarrhoea. — Schisset, f.
Scheisset, f. = Proluviee (ahd. scUzata. schm. 11,
475; mhd. schlzet, Graff VI, 560; (ir. W. VIII, 3483).
— Bcheisserig, scheisserisch, (uvxij scheissig,
1. = den Drang zum .Scheissen habend, eaca-
tnriene, foriolus (frnnz. foirolle, Gr. W. VIII, 2«6S;
Hriss. 171; D. 243; Schroetter II, 475). — 2 - den-
selben oft und rasch vollziehend, diarrhoicus
(Had. Jnn. 3%). — scheisseln - „nach Kisten
riechen" (schm. n.474) — Scheisser, Schisser, m.
1. - einer, der oft sche:s*t. — 2. = kraltloser
Mensch (Schindler II, 475). — Scheissel, n. = ein
kleiner Scheisser. — scheissern = impetOi
cacandi esse alicui (Sehrnellet II, 475). — Scheis-
snng = die Ausscheidung, Ausfall. — fli«-
scheissen - ausscheiden. — Blut - Scheiss,
-Schiess < Ha."» bl'.tschisa«. uchey** = dysenteria,
I> 1*5. II, 137; 1512 bltilschyss - Hentern». I». 329;
franz. ca<jiie sangue. A. I'arc ; Hriss. 174) = rote Kühr,
Dysenteria, als blutige Ausscheidung aus dem
After. — (15. Jahrh.) ri ü/i nc Scheiss (Schiess) (1429
dünuscheissen = dysenteria, D. II, 133; 1414 dunschlss,
dunneschissig — laxus, I). :!21 ; 1176 die dünne «cht«*
---- diarrhoea, I). II, 133; 1507 dnnne »chyss = lienteria,
D. 329; 1515 dünnsrhyss m diarrhoea. I). 179; 1610
dünne Scheine = dysenteria. Gr. W. II, 1557; Vill,
246-1) = die nicht festkotige normale, sondern
w.tsserige Ansscbeidung aus dem After, Diar-
rhöe, Dysenteria. — (1482) rtnrrA-scheissig = am
Durchfall (s. scheissig) leidend, laxus, solutus,
diarrhoicus (Gr. W. II, ic.es ; n. 321). — (1*92) Haar-
Scheissnng (scheussung de' Ilaare« - alopecia, lind.
] Jun. 382) sc Haarabfall, llaarabscheidung, -Ver-
lust. — (15. Jahrh.) Lauf- Scheisse flapsehelsse.
Gr. W. VI, 334; D. 179) - eine Ausscheidung, zu
der man in aller Eile zu Stuhl geht, Durchfall,
im Gegensatze zum Iiarnlauf. — 7-cn- (lind-,
Lähm-) Scheissen (-Schiess) = weiche, unwill-
kürliche Entleerung, Diarrhöe (Schmeller II, 474;
1. 1478). — (i59i) Nabel - «««scheissen ■ Exom-
phalus, Kuptura umbilicalis, Nabelbruch (Vor-
fall) UUd. Jun. 896). — rote Scheiss = rote Kühr
(Alpbg. 305). — Schand Scheiss - ventris crepitus
praeter niodum, Bauchwinde, deren hörbare
Ausscheidung eine Schande ist (Gr. \v. VIII, 2156).
— (1591) trappelnde Scheiss (unter Anspielung ml
trßpfeln, troppeln) = eine Diarrhöe, deren Zwang
den trippelnden Schritt veranlasst (Gr. W. II, 48»;
VIII, 2464] im Gegensatze zur Laufseheisse. —
))></- Schisser, -Scheisser = Hordeolum, Cha-
lacium, ein Gerstenkorn, das man in verächt-
licher Weise (vergl. Unkraut) mit einem Kot-
haufen vergleicht, der in der Sehlinie liegt und
durch seine Nähe am Auge als grosser Haufen
erscheint (henneb. wnekschesser, Spie«* II, 278; in
volksctyraologtschet Begründung wird es mit Exkre-
menten behandelt (Pnuli 39] und »eiue Entstehung
darauf zurückgeführt, dass man am Wege kakiert halte,
(Schmeller II, .^77; s. auch Wepetrltt). — trc«W
Scheiss = weisse Kühr (Alpbg. 30:.). — Zitter-
Scheiss ■ Angstdiarrhöe (BehmeUer II, U6i). —
Scheiss A d er, -Darm, -Ding, -Fieber, -Krank-
heit, -Sof.
Scheitel, m. f. (ahd. seeitila, f.; 8. Jahrh. «kciiilu
= Vertex, Ca««. Gloss., Diez l>2; 9. Jahrh. soheitlla —
Vertex, tesia. Rat». Maur. 84; 11. Jahrh. skeitili [Notkerl,
seeldeln, n. Z III ; VI, 321 ; XV, 349 = Vertex, caeumeii
capitis; mhd. scheltel, f.; 1482 sclialltel =- gryndt
( — Kopf], Zeuing. Voe. m 7; 15. Jahrh. scbeytel =
granerium [— cranium], I» II, 197; 1560 schcitel, f.,
l'ietorlus 25; lt.is scheitel, f., llrinsing 372) = Kopf-
wirhel, Haarscheide vom Wirbel zur Stirne
(Kluge*, 320). „die Kopfstelle, wo die Haare sich
scheiden, d. h nach verschiedenen Seiten sich
legen" oder die sichtbare Stelle am kindlichen
Schädel, wo die Scheidung oder Spaltung der
Kopfknochen (das Haupt gescheide, s. d.) sich
findet, übertragen auf den Erwachsenen: 1. ~
oberste und mittlere Stelle des Hauptes mit
und ohne Haarbedeckung, das Mittel 7, Vertex.
— 2. = Kopf Oberhaupt als Höchstes des auf-
gerichteten menschlichen Leibes (ur. W. VIII,
2476). — 3 = t »berstes, Spitze Oberhaupt (in ülx-r-
tragener Bedeutung). - Fachs- Scheitel (ahd. fahs
3G
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5C2 schelb-Schelle.
Schelm.
scheitila, Graff III, 447) - der Haarteil des Schädels,
des Hauptfachs (n. d.). — (1741) i> -Scheitel
= Fachsscheitel (Uiserimen capillorum) (Kirsch
iso). — Haupt-Scheitel = Vertex, die höchste
Stelle des Hauptes (Gr. W. IV, 9. 627). — (1302]
Hinttr-Scheitel= Hinterhaupt (Scb. 9fi). — Hirn-
Scheitel, m. = der Hirnschadel, Iiirnleil des
Kopfes (15. Jahrh., 1470 hirnescheytel, hirnscbeidel
a graneum. ccrebcllum, D. 114; II, 117; Gr. W. IV, 2.
1562). — Scheitel- Bein, -Frais, -Haar, -Naht.
schelb (schall)) s. scheel,
scheibern s. schilfern,
schelch s. scheel.
Scheide, f. (engl, scald — Grind, Brandwunde,
Lehr. 222). — Scheide - Scrabositns, Ausschlag
mit Abschnlung u, itildung eines rauhen Schorf-
Grindes (Scbmeller II, 406) = was sich ahschillt.
Schelfen (schelben), Schelfe, f. schilfern
(zu schalen [s. d ), „eine Weiterbildung zu Schule",
Heyne, V, 301 ; engl. scalp Kopfhaut, l.ehf. 83 ff ;
ahd. sceltva; mhd. schelfe — Fltilse, dünne Schale,
Gr. W. VIII, 2490; 1482 = «ehelff, Zcnlng. Voe. ee 4;
»••helfen, schelfern, schelbcru, schilfern , schulfern;
1620 schölten, Dr. Minderer). — Schelfe, 1. = das
schuppenweise, hülsenartige, kleienförmige
Abschuppen, Abblättern der Haut oder der
Zunge (Gr. W. VIII. 2491; Dr. Minderer). — 2. =
Eischale (1531 die »ehelff, Krautw. XXIX, J 2). —
(1731) /4&8chelferung; (1837) (AuHchilferung) =
der schuppige Hilutungsproiess hei Scharlach
(u. Masern) (Schnieder II, HO; Woyttt; Gr. W. VIII,
2191), feiner und getinger als die „Abschnppung"
der Haut (s. d.).
Schell, m. (fiies. skal = Ilotle, Heyne I, 372 [siehe
Schelle]; ahd. seelo -- Zuchthengst [Scheich]; mhd.
sc hel). — (mhd.) schellisch, (1517) schellig - laut
tönend wie der Hirsch oder Scheich und Schell-
hengst, in Erregung befindlich, scheu, wild, toll,
aufgebracht, unsinnig, an Hundswut (Lyssa)
leidend (D 300; Schindler II, 3'J5. 397; Inchenhof.
Mirakel, Gr. W. VIII, 2">0]), mönig (s. d.) (Sehw. .'.88).
— i>rschellen (beschälen) - durch den Zucht-
hengst belegen, bedecken, belaufen. — Be-
schell, m., n. — Zuchthengst (seb. 22.".. 2210. —
/frscheller-.limrW«'/, -Krankheit, -Seuche. —
/mn- schellig, 1. — toll im Hirn, capitosus, cere-
brosus, nicht bei Verstand, wild (Gr. W. UM, 1*1»;
IV. 2. 1562). — 2 = vom Drehwurm behaftet
(bei Schafen) (Schnieder I. 1163), der Gehirner-
scheinungen macht. — (i%30) Hirnschelligkeit
— der Zustand des Hirnschelligscins (Künlg«sp.).
— -schell-, schellige, -hornig, -hirnig, -Menschen,
•Seuche.
schell, 1. s. auch scheel; 2. s. Schell.
Schelle, f. (Scheele) (zu schellen , ahd. sccian =
ert-.nen machen, schallen lassen; mhd. schellen; ahd.
scClla; mhd. schelle — Olfiekchon, Kluge1, 320; angls.
heortes sccnllan — testicull cervl, Cook. I, 336; 1616
schelio — testiculus, Coler, Pf. 341; mit den tonenden
Glßekehea | Schellen, werden verglichen); 1. = die
Hoden des Knaben und Mannes, die schellen-
förmig hinabhitngen (Testiculi) (ur. \v. vui, 24»;
Huck ig). — 2. = die l'ferdehoden (Or. W. I. cod.).
— 3. = ein herabhängender Kopf (Appenzell; |
I Gr. w. VIII. 2195} und 4. - der Triiger desselben.
— 5. (nordd.) = Sehale. — Bnben -Schellen =
die Knabenhoden (duck 40). — Schellen- Beutel.
Schelm, tl). (zu europ. skalama = calamita.«,
Frick 408; ahd. scelian — schalen, spalten, trennen,
Schindler II, 395, ursprünglich das Vieh, das mm
Schinderplnt« gebracht ist, geschundenes Vieh
ETÖv = Aasknochen, z/At.Xut a spalten, schinden,
Zc. 59|, Aas, Gr. W. VIII, 230*; ahd. scalmo, scelmo
= Seuche. Viehsterben [». d ], (iraff VI. 492. 716;
scalmo: pars corporis hviraanl omnis infra inqnen.
Pestis, pestilentla, lue«, tihusterbo, Graff VI, 4L'l ff.
492. 715; 12. Jahrb. schelmo = pestis , D. II, 290;
13 Jahrh schelm = arinentarlum — Viehschelm, I). 49;
mhd. Schelme, schal ine, m. schelm, f., Frick 408 —
Menschen-Pest [Ines], Seuche bei Mensch u. Vieh [Schuf 1],
C. v. Schra. 457); mnd Schelm — Aas, Kadaver [auch in
Bayern], Kluge ,190; 14. Jahrh. sehclm - pestilentia,
Voc. opt. \V. 41; lloffin., Monats« hr. f. Schlesien II,
[182!»] 763; 1386 Schelm =- Wildseuchc, Rnycrland lv«,
S. "KU ; 1440 schoelni = eadaver, D. 87 ; 1420 schelm =
morticinium, Aus von der Schlachtung, auch von der
Sucht [Beliebe], I». II, 257. 368; 15. Jahrh schelm =
clades Seuche. Plage',, I). 125; II, 91; 1429 se[l]m [?]
- ineubus [Alp], D. II, 213; 1432 schelm = contagluui
Pestis, D. II, 110. 302; 1168. 1 IS«; schelm = pestis. pesti-
lentia, I>. II, 290; 1182 schelm — Sucht, Sterbetag, ge-
meiner Tod, Pestilenz, Keyb, Hungertod [Zenlng Voc.
<|2, cc 3. cc 4, ff 2, ff ö{, Kog [s. d ]; 15. Jahrh. ivan
einer am schelm stirbt = morticinlus; oos von suchte,
das Aas eines an der schelmischen Krankheit gefallenen
Tieres, II. 368; scholm, schelm = Leiche, [Keih, Kog],
Hyrtl. K. W. 106; D. 87; 1521 schelm = funus [Leiche),
D. 262; 1334 schelm = eine einheimische Seuche bei
den Menschen, (ir. W. VIII, 2507; l.Vks « heim « eine
kleotoheaMoehe , Gr. W. L eod.; l"*l schelm; er
, .schlügt " den Menscheu, H. Sachs; 1582 schelm =
Scliweinescuehe, Sausterljen, I.onic. 100; Gr. VV. VUI,
2 >07 ; 1616 schelm — eine Ijigerseuche, Paracetus; 16S.S
scheliub = eine l'fenleseuche, Gr. W. VIII, 2507; 1716
schelm — das Jähe Sterben und einfallen des Viehes,
Gr. W. VIII, 2507 ; 1731 schelm - gaher fmfall [Seuche] ;
1735 schelm = Krbsucht. V. Ü; 1777 schelm — gaher
l' luf tili beim Vieh, bohm. »elma; «lau. skjaelm, »chwed.
skalm; holl. schelm; dazu lat. Skaltua = Pferde-
| Influenza, Meyer, Konv.-Lex.5 III, 589; XVI, 17). Der
Schelm war nach früherer Volksauffassung J. ein
büger Kranklieitsdanion, der „in schelmischen
Jahren oder Zeiten" in verschiedener Grosse und Gestalt
als wie ein schwarzer, hinten bereits halb verwester
Stier, in dessen Hinterleib die Schelmenbeine und
Aasknochen bereits schlotlern (conf. Sehwartx, Indo-
gerui. Vttlksglaubc 2 -59), die nur von der rauschenden
Haut bedeckt sind (= Kauschbrandi oder wie ,.dns
Wilde Gefahr" ( = 'Jejnid, Jagd) oder als ein blockendes,
«checkiges Kalb erscheint, und durch sein »locken,
seine ..Scheltung" (s. d ) oder Berührung, durch Scillae,
per gtnilium (l>. 12">). ja sihon durch seinen \teni
(s. Auwalit, Anhauch) bei Vieh und Menschen epi-
demische, plötzlich hereinfallende, zum jähen l nfall,
allgemeinen Tode führende Seuchen oder auch ver
borgene l ebel, Kranklteiien hervorruft, die er unter
der 'icstiilt einer Sclilange, eines Wurmes od. Drachen
(s. d.), z. II. das plötzliche Versiegen der Milch bei
Kühen vor Viehseuchen (C. v. Megbg. 7; (ir. \V. VUI,
2607) vcrtinlttsl; darum ist Schelm: l. ■ l'estis,
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Schelm.
Schelm.
Lues, Pestilentia, Contagium, Seuche, Sucht
als damonistische Ursache der anstecken-
ilcn Krankheiten mit Fieberdelirium : a) bei
Menschen (l>. 146; Gr. W. v, 432; VIII, 2506); b) hei
Pferden: a) Anthrax (gelber Schelm), „es hat
den Schelm" = Behellig, brünstig, wild, verstört
(s. d.) werden; die Zähnelockerung bei Pferden
wurde ebenfalls dem Schelme zugeschrieben;
ti) Feifei (s. d., Narrenfelbel, Rotz), bei dem die
Schelmendrüsen oder Narrenfeibel (s. d.) hinter
den Ohren faustdick (s. d.) sitzen („der Schelm
sitzt ihm im Nacken") und bei dem die Schelm-
ader geritzt oder der Schelm herausgeklopft,
-geprügelt, -gekneipt wurde (s. d.); f) Pferde-
lntluenza (Skalma, Quark); c) beim Rindvieh
(Blutschelm, Milchschelm, Viehschelm, Vieh-
sterben, Ruckenblut, Kobel 1) (Schmeller II, 112;
n 14; lue« pestilens (iiiadrupcdtim, Du (ange VII,
:s47); bei Schweinen (Schweineschelm, gelber
Schelm) (Österreich; Gr. W. VIII, 2506); e) bei
Hühnern (Zipf, llübnerdipbtherie); das (*e-
Hngel, das schelmmassig ist, dessen Kamm und
Schnabel wird schwarz, und es krepiert meist
(Gr. W. VIII, 1307); f) bei Schafen als grösserer
Begatttingstrieb sich äussernd (117s wenn die
jungen schale zur unkeuseh eilen, das ist gar bocs,
«lenn es bedeutet den s< helnieu an Ihnen, nach C v.
MckIjk.I; g) unterm Wild als Wddsenche (s. d.);
die Schelmen- oder Brandwurr, Helleborns viridis,
wurde heim Viehschclm ( — Milzbrand, Kauschbrand)
gebraucht (Jessen IT'.»; Schmeller II, 413; Heyne V, 30:i).
— 2. = als geheimer schleichender Schaden
(Wurm, Adel •) od. schelmisch, heimtückisch ver-
borgenes muckerndesUhel (Sehm II, IIS; Kalke II,
27:}) a) Schelm = Panaritium, Fingerwurm (Um-
mert 210 ; Phlegmone am Finger [durch Leiehen-
infektion veranlass!) (Schweiz; (ir. W. VIII, 2->io);
b) Schelm = anscheinend grundloses Versiegen
der Milch (s. Schelmen); c) „er hat den Schelm
im Leibe" = ein verborgenes Übel [C v. Sehtn.
4vr); so ist auch «las Schelmenbein (s. d.) ein
im Korper verborgen steckender Astknochen
(gihbus). Wenn man unter di-n Alfloddern (Ast-
ktiorren, in denen der Alp steckt) durchgeht, so springt
der Alp (od. Schelm) herab auf den Menschen (Mannh.
19) und bringt ihm Krankheiten nach dem Potsdam«!
Volksglanben ; *o wird auch der Schelm da« Schelmen-
Ueln (Astknochen) bringen. 11. als Folge der
Seuche: a) Schelm = Aas, Pestleiche, ge-
fallenes, geschundenes Tier, toter Menschen-
körper, Kadaver (Du fange VII, 347); bj das dem
Absterben nahe Tier, „es war ein Schelm in
allen Vieren", beim w urmkranken Pferde (Heyne
V, 30:)). das schon schelmig - faul am lebenden
Fleische ist, animal vi vom, sed prae macie
endaverosnm (Du «ange VII, 347). III. als possen-
treibender Schelm (s. bös«-) (*p«>uisch, scherzhaft)
Schelm = Penis (Gr. W. IV. I. 12) (s. Schelmhant
a. Sehn-Mar). IV. Wie Wicht, Wurm etc. =
kleines Kind, Wechselhalg (Schell. ir-o). Wie der
Alp, so wurde auch der Schelm z, T. vom Teufel
(«. d.) In «einer Holle al« Krankheilvldmon absein«!;
Alp fOlf), Schelm, Wicht, Tropf, Keib wurden so
auch zu Schimpfnamen. -- üchelmig. Schelmisch
(ah<l. scalmig s= inortlclnus, «irnfT VI, l'.'2, 12 Jahrh.
tubelmigez; inhd «chelmec; 1*S2 schel tnlg.-r - pcsilfer.
pestllens, Zenlng. Voe. If6 o, 2; 15. Jahrh. schelmig =
keiblg, keblg [Or. W. V, 133; D. S4i7] , «chelmen-
schlat'htig, ins Schelmengeschlecht gehörig, nach Art
der Schelmen), 1. — mit dem Schelm (s. o.) be-
haftet («ir. w. VIII, 25is it.). — 2. s tot, aashaft,
faul am lebenden Fleisch, wild. — 3. = an-
steckend, pestifer, pestilens, contagiosns, mor-
bidus (D. 116. 367. -131). — 4. = siech, süchtig (1512;
D. 431). Schelmenkraut = W*ut«chierling; Schclmen-
wurz = Helleborus, Milzbrandmlttel. — sich Schel-
mern («chelmen) = den Schelm (I, 2), ein ver-
borgenes, körperliches ÜImjI haben, krank sein,
sich verschlimmern ohne erkennbaren Grund
(Franken; Schw. 588; Schmeller II, 413). — Schelmen
= schinden, die Haut vom Aas abtrennen (Sehm.
II. 413). — alter Schelm = ein lange verborgenes
Obel (Schmeller II, 413). — ß/«(^-Schelm = die
Viehseuche (Anthrax), die sich als milzbran-
diges Rückenblut, als Erguss von Blut im
unteren Rückenmarksteil h. Rindvieh äussert
(Gr. w. VIII, 2507) (Milzbrand). — (1482) b<>*er
Schelm - Pestis, die durch den bösen Krank-
heitsdamon verursachte Seuche, Sucht, Keib
(Milzbrand) (Falke II, 273; Gr. W. V, 4321. — (I7x»)
gelber Schelm — (Anthrax, Milzbrand) beim
i Pferd, Hornvieh und Schwein, eine Viehseuche,
die sich als Krguss von gelbem Wasser (gelber
Brand, gelber Knoten, gelber Wurm) zum
Unterschiede vom (Rotz-) Schelm oder Feifei
in das Unterhautzellgewebe äussert (Feser 116.
120. 127; Falke I, 326; II. 273, Schmeller II, 412). —
(16. Jahrh.) gemeiner Schelm (ein gemeinre schelme
und ein sterben kam unter die lutc, Lorsch 122, Heyne
V, 303 — der gemeine nhelmentod, C. v. Megbg.) —
häufige Todesfalle infolge einer gefährlichen
allgemeinen Seuche, z. B. schwarzer Tod (Sehm.
II, 412; Lernen 1. c). — (137..) groiser Schelm (ata
großer schelm, neyne V, 303; Schmeller II, 413; Gr. W.
VIII, 2506) - schwere Epidemie oder Kpizootie
im (iegensatze zum kleinen Schelm (s. d.). —
7/trr-Schelm = [Alpbg. 136) Im Volksglauben ala
feuriger Mann vorgestellter Dilmon, der vermutlich
zu menschlichen Herzkrankheiten In ätiologische
Beziehung zu bringen ist. — (11*2) kleiner Schelm,
I, — Peslicula, eine bald vorübergehende Seuche
(Zening. Vnc. q 7. 8), kleine Sucht. — 2. - kleiner
Wicht (Alpbg. 120). — A'-V^-Schelm (Tirol; Alpbg.
136. ir.3) - ein im Volksglanben als feuriger Mann mit
einem Lelunkopfe vorgestellter Dämon, der vermut-
lieh zu Kopfkrankheiten in ätiologischer Beziehung
iteht. — Milch- Schelm = das plötzliche Ver-
siegen der Milch, als verborgene Krankheits-
urhache Schelm benannt (Gr. W. VIII, 2507; Sehm.
II. 412); das dagegen gebrauchte Scliafgarbinkrant
(Achillea mlllefolium) heisst daniaeli auch Milchschelm.
— ./'< >f -Schelm = die Pest als Seuche; dieses
Wort bat auch der Pestilenz zu einem Masku-
linum „der Pestilenz" verholfen (<;r \v. VII. 157»).
— (1566) SrAicfinc-Schelm = Milabrandsenche
unter den Schweinen (huhenbofer Mirakelbnch).
— St U ck -Schelm (K-18 nefarins conseelcratu«, Sehm.
11. 731) - der im gefallenen Vieh (Stuck) steckende
Schelm als flbellhatiger böser Wicht, der den
Rotzschehn veranlasst. - Todes- Schelm (der
achelm des todes, C. r. Sehm. 157; 1560 «chelmigtodt,
H. Raeb«) - <ler durch eine Seuche plötzlich er-
30*
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5«4 schelten— Schenkel.
Schenkel.
folgte Tod. — FiVA-Schelm, 1. = der unter das
Vieh und in Viehstalle (armentaria) koininende,
es „schlagende" Kraukheitsdittnon , der schreit
um] blockt, halb stier, halb Manns Gespenst , auch
riesengtoss ist (um oberen Lern, Achcnaco, HlnterrKs;
Aipt.g. 62 ff. , Schmoll er n, ii3; h. a. Rh. 986; Laisbier,
Sebelsagen 91 IT. 2öS). — 2. = die von ihm (1)
gebrachte Krankheit selbst, it. B. Rinderpest,
Milzbrand, fliegender Brand, Rottschelm,
Rauschbrand (wird besprochen; AlpbR.8i<>).— Volant
(Yoland, Yalant) der Schelm wird vielleicht als
ein die bösen Krankheiten (Reut hen) und Besessenheit
(Gr. D. IL II, »68; C. v. Megbg.) verursachender heldn-
elblscher Dämon aufiufassen sein (C. v. Schm. 4 >T);
der deutsche Sehmied Wieland (angls. veland; altfranz
galant lo forgeron) ist norweg. Volundr und eiu alfa
IJodhi — Elbengenoss, der von den Elben deren KUMtO
gelernt hat; er stammt von einem elbischen Meerweibe
nb (Maurer II, 10; Schmeller II, SSM*. Wielandswurz
Velantz urt - Thalictruin alplnum ; Island, vielindlsurl
- Heilblatt). — Schelm-, schelmig Ader, -Atem,
Auge, -Bein, -Benthrung, -Eis», -Fltisch, -Haut,
-Jahr, 'Krankheit, -Luft, -massig, -Mensch,
-schläehtig, -Schlamj, -Sterben, -Sucht, -Tod,
-Zeiten, • Zerstorlichkeit.
schelten, Scheltung, f. (zu »hd. ««-aiun ■
stowen, schlagen ; ahd sceltan = scherten, schimpfen ;
mhd. schelten ; 1IS2 scheltung = „Seuche. Sucht,
Siechlag, der das Antlitz verkehrt", Zen. Voc. rc. 3;
1195 schelten - molesta.ro, I>. 365) = als Schlag oder
Stoss (Watsche) eines mühenden Quälgeistes,
Dämons, der eine epidemische Seuche (vergl.
Bauern- od. Tann-„\ViUsehelu, Parotitis epidem.)
veranlasst, aufgefasst (vergl. Scheide).
Schemelheit, Schemler s. Scham.
Schemmen, Schemmern siehe Schimmer
(Schimmel).
Schenen, pL ». Schiene.
Schenkel, m. (angls. seeonc [scanea] — Belnr.ihre;
engl, shank - Schenkel . ndl. schonk = Klelschkuochen,
Kluge*, 130; ahd. acinkat ; mbd. Schenkel, 15. Jahrh.
= coxa, I». 1 VI _ engl, shankei, mit Schenkeln aus-
gestattet; dan. skank ; holl. Schenkel; 1572 schemkM
ob den knoden — tlbia, tlbula, Kellner Hi«toria 23 ;
dazu Schank (s. ob.), l.aistner II, 32; Schmeller II,
36«. 432) = der kleinere Schank (s. d.) oder
Knochen (dazu Schinken, s. d.), Unterschenkel,
Schienbein hei Mensch u. Tier gegenüber dem
(spateren) Oberschenkel (In Schwaben ist Schenkel
der ganze Fuss, das ganze Hein samt dem, was man
sonst Schenkel nennt, ('. v. Srhtn. 15'.»; oberdeutsch
Ist es nicht eigentlich volksnbltch {Schunkenbtln,
Schinken, dnfur beim Schlachltier oder Menschen,
Dieen]), 1. m der obere Schenkel, Coxa, Femnr,
der .Schenkel üher dem Knie (Diech od. Diceh-
Schenkel ist mehr der innere Oberschenkel,
Schenkel = der äussere Schenkelteil dos Ober-
schenkels). — 2. = der untere Schenkel, Crus,
Tibia (Wa<lschenkel). — 3. = das ganze Bein
mit dem Fu?se (Gr. W. VIII, 2511). — 4. - «las
kranke Bein (Schenki-Igesüclii z. B). — Ii. =
schenkelartig Geteiltes, z. B. die beiden Hälften
de« Uomslrablen (Kalke II, 277). — schenkelicht
= dünne Schenk. -I habend. — b/r schenktet
I = blossfrtssig (Schmeller II , 432). — behängte*'
Schenkel (1592 hehem-kt Schenkel. Seh. 212J -zottig
I mit Haaren behlDgener Pferdeschenkel. —
(154«) böser Schenkel = ein durch Verletzung od.
! Krankheit, namentlich durch bösartige, faul«-
Geschwüre am Unterschenkel, krankes Bein,
, fauler Schenkel (Luther VIII, 462; Book 190; Gr. W.
VIII, 2546). — (mhd.) 1 Hech - Schenkel = der
dickere Oberschenkel im Gegensatze zum eigent-
lichen unteren oder Wadschenkel (Lexer 341. —
Doli- \
(1673) Dell- \ Schenkel = ein Döllen (Dullen,
Dali- 1
Dellen, s. d.) machendes, ödematöses , ge-
schwollenes Bein (Dollfuss, Oedipus), das beim
Fingerdruck Vertiefungen (Dellen) hinterlässt
(Schmeller I, 501; Qr. W. II, 12S3) (s. Ölschenkel).
— (leir.) faule Schenkel = ein durch offene fau-
lendeGeschwttre (Ulcera phagedaeniea) krankes
Bein (Pararelsus). — (1620) feuchte Schenkel -
durch Fusschweiss feuchter Fuss (Dr. Minderer).
— (1742) fliessende, (1592) flüssige Schenkel = ein
Bein, dessen Geschwüre ein flüssiges Sekret
absondern (Seb. 261 ; Zw. 635). — grosser Schenkel
= der obere, dickere, fleischigere Teil de«
Pferdehinterbeines (Gr.w.vill, 2546 ff ). — Hinter-
Schenkel - das hintere Bein bei den Vier-
füssern (llinterbug) (16. Jahrh. hinder Schinkel,
Christ. Meyer 101; Gr. W. II, 494). — Khff-, -Klap-
per-Schenkel — knochendürre Beine (Klapper-
mann) ^Tutenskelet (Buck, Flurn. 23) — krumm-
schenkelicht = loripes, einen Slelzfuss, Klump-
fuss, einen verkrüppelten Fuss habend (Gr. w.
V, 2465). — •'.;/,'•/• schenkelig (engl, longshankcd,
Kaltschm.) - lange Füsse, Beine habend. — (l'ao)
06rr 1 Schenkel - das dicke Bein ober dem
Kuie (Femur) (ur. w. VII. lioi; D. 229). — Ochsen-
Schenkel - ein glcichmstssig dicker Pferde-
schenkel (Zipp. 113). — (1748) offener Schenkel
| fauler Schenkel, alter Schaden , Ulcus cruris
(Ken. 170). — ^-Schenkel'l'^dllschenkel.l'aracel».
de Import ; 1534 llieasent ..Ischenkel, Gr. W. VII, 12*.'. ;
1539 ölschenkel, Gr. W. VII. 1286; 1.581 ..Isehenkcl.
Ptetor. 51 . 1576 ölschenkel — ein durch Phlegmone,
Erysipel o. Geschwüre geschwollenes Bein, Theophr. P. ;
1578 ölschenkel, Gr. \V. VII, 12S5; 1606 ölschenkel.
Gr. W. 1. cod.; 160S ohlschenkel ■ grosso Schenkel-
geschwulst. Beyn.275; 1616 stinkende faule ölschenkel,
Gr. W. VII, 12*5; 1618 ..Ischenkel = luxiia oleinosns
' flxus ^_ lokale Haitisch wellung auf syphilitischer Grund-
läge, Pr. II, "6; 1619 aufgedosste ölschenkel, Besch,
d. Wildb. Wcltzb. 19; 1616 ölschenkel - eine Itnte
zwischen den Knien und Füssen, Phlegmone, Erysi
I.eias, Ignls saeer, St, Antonil-Feuer, Colcr, II A. 232.
254 ; 1742 ÖlscbcDkel = erur« oleoglnos«, pedes oede-
matost, ,,wenn Jie Kusse von den Zehen bll an die
Knie geschwollen und ohne weitere rngelegeuhcli,
al*o eine lange Zeit, ja oft bis in den Tod mehr oder
weniger gesch wollen bMben", Zw.6S3 ; 17.'* ..Isehenkcl
~ dicker, wie Öl glänzender, geschwollener Schenkel
[Stolltiiss, s. d.), <ir. Vi. VII, 12MS). Der Begriff .les Ol-
Schenkels (l,eukophlegina«la, Itucnemia sparganntica,
■ üe.lcma lacteum, Oedipus ..llge Wassersucht) Ist
dereiner starken Odematosen, eine „Delle" In-i
I Fingerdrtick bildenden Anschwellung (Ana-
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schenken — Scherber.
Schere— Scher». 5tö
so reu pil iiitosn) (A. v. 11. II, SOS] des ganzen
Beicm ; namentlich waren aucl> variköse oder
pcriostitische Prozesse mit Oedem, Dermatitis
eczematosa, l'nterscbenkelgeschwttre mit Ek-
zema als Ölschenkel bezeichnet, weshalb das
St. Quirinsol (Ichthyol) als Geheimmittel (St. Quirlns-
Buss) dagegen verwendet wurde; „St. Kirin verant-
worth die i.llschenkel" (Paracet«.), ob dabei nun bloss
das ölige Glauzen der Haut (ölige Wassersucht, n. d )
mitbestimmend war oder nur eine falsche Volksety-
mologie zu gründe liegt, ist schwer zu entscheiden ;
da Dötlschcukel den gleichen Begriff hat. wäre die
Erklärung erlaubt: ,,D«>isch-Schenkel" wurde als,, d 'Öl-
schenke!" verstanden; (IG12 didwh [s. d.] - geschwol-
len. Gr. W. II, 1313 = dölllsch, dollisch; conf. 1500
Dollbirne = elne kolbige, knollige, teigige Dirne, Schm.
I. 501 ; engl, white leg. Lehfeldt). — (161.) schadhafte
Schenkel - ein Bein, das eine sichtbare Ent-
stellung durch eine Verletzung oder Schaden
hat (St. Bcnno-Mlr.) — Spindel - Schenkel (engl,
spindle «hanks, Kaltschm.) = Storchen beine, spin-
deldürre Knochen an den CnterextremiUten.
— (l«w) über- Schenkel = Überschenkel beim
Schwein (Seb. 155; v. M. I 76). — Unter Schenkel
= das dQnnere Bein unterm Knie gegenüber
dem dickeren Oberschenkel. — Vorder Schenkel
ss das vordere Bein vom Schulterblatt bis zum
Hufe oder zur Klaue hei Vierfüssern. — Wad-
Schehkel - das Bein, der kleinere Knochen,
an dem das Gehfleiseh, die Wade, sitzt, im
Gegensalze zum Oberschenkel ; Spörlieren •. —
Schenkel A der, -Dein, -Beindom, -Bluqe, -Bruch,
• Dickin, -Fluss, -Geburt', -Gehuft, -Geschwulst,
-Huf, -Hüfte, -Kopf, -Mangel, -Stellung, • Weh-
tag, - Wolf.
schenken — ein Kind schenken - ihm die
Brust zum Trinken darreichen (von der Mutter
oder Amme). — Schenk- Kind.
schepp-, schepps - schepps hfilsig, -beinig,
-Drehe, -nasig.
scheppern schettern, s. schlittern.
Scherbe , f (vorgerrn. skerpo ; gertn. *kerf [?],
[Scherilein], ahd. wirbi; 126U schlrbc. n. = Splitter,
rfeiffer 79 , mhd. Scherbe, schirbe = Scherbe, irdener
Topf, das abgebrochene Stück, Bruchstück desselben.
Kluge*, »20; übertragen nach Gr. W. VIII, 2563 auf) :
1. = Knoehenbruehstflek, namentlich am Hirn-
Hchadel. — 2. = Schädelkopf (s. Schirbel) (hiid-
Hch). — 3. = ein gebrechlicher, alter oder alt-
aussehender Körper. — 4. — alte Gesichtszüge.
— 5. = s. Schorben (Schorf). — iTo/z/'Scherben
— Kopfhafen (Hyrtl, K. W ss) als zerbrechlicher
Körperteil; die Zer^rhmcttermn,' de- Schädels war
eine Kulthandlung beim Opfertode (<!otth. 562). —
(1645) SCherhicht = zei Sprüngen , schrundig,
randig. — Scherbellen - Kopf; scherbichte
Hände.
Scherher, m. (wendisch sserp, sstrpcl, serpoluica
— Todesangst, durch einen Alpdruck machenden
Wasserdämon, I.ai«inerl. IS; Brandenburg,!. — .Scher-
her - <ler dem deutschen Hilwizschneider (siehe
Bilwiz) entsprechende Krankheit« - Dämon,
welcher als Alp in Krebsgestalt die Menschen
im Wasser zwickt, Alpschuns macht; (er tritt
auch in Vogelgestalt [Waehtelkouig] auf, Laistuer I,
334 ; II, 286).
Schere, f scheren, scherren (aitgerman. skardn
[Scharte durch Zerhauen]; [Wurzel:] sker — zer-
schneiden, zerhauen [Schere!, Kluge*; Graff VI, 52.').
53S; ahd. sceran, scerran; mhd. scheru, scherren), 1.=
eine Oberflache glatt oder kahl schneiden, be-
sonders vom menschlichen Ilaare und Barte.
— 2. ss (bildlich, 1610) scheren = stuprare (Gr. w.
Vlll, 2">"i). — 3. = plagen, schneidenden Schmerz
haben ; (1730 „es schert (schiert) mich im Leibe"
= doloribus alvi exerueior (Gr. W. VIII, 2574). —
4. = Mist, Kot absondern, von sich entfernen
(pedere). — .">. = scharren, scharren, kratzen,
schaben (Gr. W. VIII, 2578. 2 .91). — G . s» (mhd.
« hilren, schäreu; - mannbar werden (l.exer 211;
Schnuller II, 116; die scherende Mauserung bestehen 1
[s. Schar]). — Schere (ahd. ccaro, Kluge, angls. secarc
— lugnlnam , Cock. I, LXXI1) , 1. = (zweiarmiges
Werkzeug zum Scheren; übertragen durch Vergleich).
— 2. = bei l'ferden die von den obersten Teilen
der unteren Kinnlade gebildete zweiarmige
Höhlung {Cr. w. Vlll, 2568). — 3. — das Fleisch-
stück am Schlachttiere, das die beiden Schenkel-
teile verbindet und nachdem alles Übrige weg-
genommen ist, nur aus diesen 2 Scherbeinen od.
Fleischschlegeln mehr besteht (Schm. 11, JAS; anglv
scaru, f. ; engl, «bare ■= pubes, ilium. penis, alvus, t'oek.
11,413). — Scherl glatt ',heil*. — Bescher Jahr*.
— scheinendes) Bein*, Flechte, Haar, Wurm.
scherfein (zu ahd. scerf — gcaurus, versehen mit
grossen , plumpen , rhachitisch aufgetriebenen oder
durch Knochenkrankheiten knarrenden Ktn.cheln
[Knochcn«cherbeu], Graff VI, 515; ndd. schert =
Scherbe, Gr. \\ . VIII, 2582; Kluge», 320; hieher skan-
dinav. kak-skerfva — Kueheii-Khachitia [s. Kuchen];
Jord skerfva ■— Erdrhachiti* [mit Erde behandelt); Hor-
skerfva n Hurenrhachltitls ; llkskerfva — Leichen-
rha. hitu, z. d. v. i. v.-k. 1897. 52. 53). — scherfein
= beim Gehen mit den Knöcheln scharrend
schlärfen, schleifen, eine schleppende Gangart
nach Greisenart, die namentlich den boshaften
Haus- und Krankheitsgeistern und den Wechselbalgeu
zugeschriebeu wurde (vergl. Ant = Entenfuss. Stoll-,
Scharr-, l.atsch-, Troll-, Kratz-, I.ettfuss; 1660 schorf-
fcln. II. Sachs; Bchmeller II, 16»; [l.lppel schofeln,
Fromm. VI, 481). — Scherfler (Tsehcrfler) (Tirol;
Wolf 171) »■ ein Mensch, der scherfelt.
Scherger, m. = scheicher Mensch, einer
der krumme Heine hat (Schm. II, 467).
Scherljevo (Skerljevo). — Scherljevo-
Kninkheit, - Übel.
scherpfen s. Schorf.
Scherte, f. (Schwei*, ahd. skertl,scerta = bumerus,
sraputae, Kluge* 338; (JrafT IV, 1026; VI. MS; Gr. W.
VIII. 2593) = Schulter und Schulterblatt (vergl.
Hart. 3) (dltl anlautende praep s ist germ. ; s. darüber
Z. f. d. A IS«.*, S. 195).
Scherz, n., m. Scherzel, n. Scherzen, pl.
(zu cortex [seorza, s. Kork]; ndl. seorso , scorce;
11 Jnhrh., I). 153; mhd scharr. — Sprungstclle, auf-
gesprungene Stelle au der Baumrinde, am Brodc
[s,h,,r,-ci] .Hierauf der Haut). — Scherzen, 1. -
rote, trockene, rauhe, rissige Stellen, Narbriss
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öüü scheitern — Scheu.
Seheuerchen— schider.
iSchtuilU-r ll, 473. im, svhw. .v.n (Ekzema siecuiu,
böse Baude, Zitteroch). — 2. - (beim Scblaeht-
tioischj Scherzi = Sehweifstuck als letzte«
kleineres Fleischstflck des Körpers (vom festeren
rauheren Broda cberal tibertragen), — scherzen (zu
ahd. scerön, Kolbe 6) = öfters schnarchende Töne
hervorbringen.
schettern (zu schuttem [«. d.]). — schetterige
Stimme.
Scheu, f., Iii. (augls. mucca — »amon; s.'ioh ^
fnrehtsam; goth. skohsul - Scheusal, Kluge*. 321,
l»u fange VII. 371, mhd. sehiuh = schlich, scheu,
hiuwlirh, Gr. Vi. VIII, 2««;!. 2010; mhd. schluhe ~
Beben, Abscheu; nbd. m heu = derjenige, der etwas
scheut; 15. Jahrh. schouke, seheuke, seboke - dia-
bolnris meretrix, luxurlatrix, D. II, 135; dan. sky;
holl. .schichtigheid ; schwed. »ky, sehe» he = larva,
i» r.iaj. — Scheue , Scheuigkeit - krankhaft
gesteigerte Furcht, psychische Dysaesthesie
(Falko Ii, 275). — scheuchzelet (scheizelet)
(Fromm. VI , 260) = einer, der Abscheu hat vor
dem Essen, kränklich, unpässlich ist (Schindler
II, Uȟ.), - (17:..,, blut scheu <ler sich vor dem
Anblicke des Blutes (beim Aderlasse z. B ) scheut
(A. v. H. II, 727; Kraus. K. 414). — köpf sehen = bei
Berührung des Kopfes furchtsam, überhaupt
leicht verwirrt, schwindelig (Falke II, 33; Schm.
I, 1274). — Lm--Scheu = Ihslexia, die Furcht,
etwas aus cerebraler Unfähigkeit nicht lesen
r.ii können. — /tiW-scheu (Steiermark) a menschen-
scheu (s. d ). — (1830) Licht &cheu, f. 1. ^ die
bkrophulöse Hornhaut - Entzündung (weisse
Augenentzflndung, Kopp), Dacryoadenalgia sero-
phulosa (Sobernheim 41), Opthalmia scrophulosa
(Kopp l. :m) ^ die erhöhte Empfindlichkeit
gegen dns gewöhnliche Tageslicht, meist mit
Augenlidkrampf (Blepharospasmus) und (skro-
phulösen) Augenkrankheiten verbunden (Arlt
67. 74 ; Falke II. M). — 2. = (15. Jahrh corobicus
[ - cholerlcu»] ist ein sta llt in dem houbt da von die
lutte kolleut und in swer gedr<>mmet und fliehen! das
Uecbt, U. 640) = cerebrale Überempllndlichkeil
gegen die Lichtreize. — (1841] Z«/*< Scheu-eine
erhöhte Empfindlichkeit gegen Eufttempetatur-
difl'erenzen bei Tetanus, Lyssa (Sobernheim 450;
Bollinger lu Z. Handbuch). — tut 'tischen scheu -
einer, der aus habituell gewordener Denk- und
Gesinnun-sweise oder infolge von Geistes-
krankheit vor den Menschen sich zurückzieht,
als ob er sie fürchtete (15. Juhrh. [eneuhuch v] Muccal
cacochymiaV corobicus ,' culcrieus? ist ein sucht wann
eins von den lebendigen fliehet und sucht die dotlen
vnd löstet der siechtage die lutte allermeist in dein
hornnug vnd in dem tuertzen, I), 010; Mlsanthropos).
— (UM) I» ««scr-Scheue, f. 1. = Hydrophobos
((ialcni), Lymphaticus, Eyssa, Kabies canimi,
lu mal St. ljueniin, morbus st. Quintini (1382;
Du Caugc V. 518; Bris*. 277); das zweite Stadium
der Hunds wut, wobei die Kranken wohl Diust
empfinden und trinken wollen, aber durch die
Schlundkiämpfe daran gehindert werden (Acker-
mann 353; Kichter 1,236; l'aulitic); (Wasser-Sucht 5
n Wasserfurcht). — 2. = eine Form der Hysterie,
die sich in ähnlichen Sehlingkrampfen beim
Versuche od. schon beim Anblicke des Essens
bemerkbar macht (Kichhorst II, 7 » — scheuss
liehe Masen.
Scheuerchen s. Schauer.
scheuern, Scheure, f. (dem oberd utschen Ireuid ;
mhd. schüren; aus dem nitlat. »curare, excurare. elu
Im 18. Jahrh. bekannter werdendes Wort für fe«ren,
durch Kelben reinigen [s. Skor]). — (1677) Sc he uro
(am Endeldarm) = Fisaura perinaei (Schmeller n,
159), fratt sein durch Reibung. — (1529) Scheuer-
lein — Knochenspalt in der Wunde (Brnnfels). —
(1615)^1 r«7rw Scheure, n. = fratt Bein um die Augen
herum durch Ekzema palpebrarum (Coler, H. A.
117). — (lsii) JurrÄscheuern^ durch fegen, fratt-
sein auf der Haut (Sol>crnh. 2*2). — Grscheurt-
heit (ndl. gescheurtheydt oft breuk) = fratter Zu-
stand an dem Bruchsackc (Bruch) (De <ock 804 ;
die Bruchkrauter [Sanicula, z. Ii ] der Uruchschneidcr
sollten solche Zustande, sowie die Bruchschnittwunde
schorfig hellen. — Scheuer- Dein, -Mund.
scheussen s. 1. =scheis8en. — 2. =8chicsseii.
Schiatik, f. (15. Jahrh. cia = Iran«, hance. I). 116 ;
ciati" a = frouz. ciati.|ue ; gutta ctatta, passiu ciatica,
IUI ränge II, 323; 1521 sciatic - coxilis [coxendix].
Ischias, U. IM; 1687 sciatica = Ischias, (ieorg. 391;
1703 die Schlatika oder Vergicht, Abrah. I, Mb: 17«
Sehlallk - Ischias, A. v. H. I. 835; II, «79; spczialistiseh
in der Volksmedizin behandelt durch Besprechen
[Segnen] von Seite gewisser Abspreeher, •. Abraham
I. 190), 1. = Hüftweh (= Passio „isehiadica",
s. Ischias), Hüftgicht. — 2. = Gliedersucht, in
ausgedehnterem Begriffe, Gicht überhaupt. —
I 3. = b. Knochen- und Beinwurm.
Schicht, f. Geschichte, f. geschieht (urgerm.
skehw, vorgerm. skeg - gehen. Kluge*. 821; goth.
skcwjan = gaben; ahd. scleehen [schlckcu], zu der
Wurzel skeh [geschehen], Kluge*, 134'.. 321 ; mhd schiebt
= Geschichte, Sache, Ordnung, Ijige, Zufall, Fugung). —
schichten -zahnen, die Zahngeschichte haben,
der Zähnewechsel (Pommern ; Urquell VI, 203). —
Geschichte (ahd. giscilit; mhd. geschlht — Ereignis)
= weibliche Periode, das Gut», Menstruatio,
les bis toi res, les affaires (Briss. 71 ; rauli 2*;
(loldsehm. 132). — schlimme Gi schichte = schwere
Krankheit. — geschickt (mhd. geschicket) = ge-
ordnet, bereit, fertig. — t-io ist so geschickt
^ schwanger, geschwilngert. — man hat zu
schicken gehabt an ihr (Ploss Bartels I, 4S0 ; 1526
mit einem beib [weib] KU schicken [= colre] hast ge
hapt, Hlltinanu 317, Sclun. II, 3fi7). — tm^fSChickt
= bösartig, durch Tumoren verändert (Bock 88 ■
(Z. d. V. f. V.-K. IS97. 212). — «/H-(</0-SChicht<en,r/)
- böse Wiehtel- od. Butz-Ddmonen (Alpbg. im,
iieyi si 707). — Schicht-SfVwr. — (153«) Ge-
schicklichkeit (z. B. der .Milz) = ungeordneter
Zustand der Milz- oder Haupt weh (Künlgssp. &6;
i.onic. i6o). — natürliche Schickung (1546; aurit
III. 62) = Zusamnienfügung in die Naturlage.
Schicksal, n. — Schicksal- Faden.
schider (Schidung, f.) (zu scheiden, ». d ). —
Schidung- die Trennuni; von der Körperhülle,
das Absterben, Hinscheiden, der Abschied vom
Leben = Tod (Bav lli,2.9ii;Schm.n,374).- schider
Fein = abgeschieden von den übrigen Gesunden
sein, kranksein, auf der Schiderbatik liegen.
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schieben— Schiefer.
sebieg— schiessen. ö«7
schieben, Schieber, m. (Schiebling, Schub)
llndocenn. »kub , vorgcrm. iknton ; altgcrm. sküb
slosscn dazu SHiaufol «. d., SchUpPM, KhUbeBtl];
ahd. scioban ; mhd. schieben, Kluge * 322 = mit gleich-
ruflisiger. drückender Bewegung vorwärts bringen) —
das Vorwärtsschieben der Zahne heim zahnen-
den Kinde (Dentitio) (A. v. H. II, 308), wobei
dann die knupfchenformigen Zahnbillern (s. d.)
erscheinen. — Schieber, 1 = eine kollerartige
Krankheit beim Pferde, das mit schiebenden
Kopfbewegungen willenlos, gleichsam vom
schweren Kopfe fortgeschoben, sich bewegt
(Heyne V, 325; Gr. W.Vill. 2673 ; Kalke I, 223; II, 275).
_ 2. = ein solches Pferd. — 3 = der Zugochse
(Herne V, 325). — 4. = Schuppen («• d.), Schoppen,
Schnpper (1699; v.M. I, ivs) (s. schiebende Kaude).
— Schiebling (mhd. ichubettl») - der hervor-
kommende, sich vorschiebende Zahn (Lexer 220).
— K -schieben s. ausseheiben. — .ln-schub
das Austreiben, Ausfallen der Milchzähne in-
folge des Nachschubes der bleibenden Zähne
(Kalke i, vi). — Darm-Ein Schiebung (Übersetzung
der) Invaitinatio intestinorum = der Zustand,
wobei die Wand eines Darmstüokes in die des
anderen aufwärts od. abwärts hineingeschoben
ist. — Ktqd schieben * Kegel. — .Ync^schub,
1. = der beim Zahnschub erfolgende Krsatz der
ausgefallenen Zähne durch die später nach-
folgenden Zähne (Falke Ii, 141. 4 *). — 2. = das
scheinbare Nachschieben der bleibenden Zähne
durch Zurücktreten des Zahnfleisches bei ober-
flächlicher Abreibung der Krone (bei Pferden)
(Kalke II, 4 -0). — unfrrgehieben *• B. einen Wech-
selbad (s. d) unterlegen (datnonistiMli; i«Uud
un«kiptingar, B. A. Bh. 291). — Forschieber =
— die zuerst sich beim Zahnen vorschiebenden
.Mittelzähne beim Pferde (r.r. W. IV, 2. 1722). —
Zu/<n-Schub = das sich vorschiebende, durch-
brechende Uebiss, Zahnwechsel. — Schieb-
Kolltr.
schiech s. schüc h. — schieche Krankheit.
schieder 8. Knitter.
schief (schif, scheif), schöf (schiech, schieg)
lindogerm. «klo,, *kai<); urgerm. skibh; altnord «keifr
= Uhm, Jord. 4M; mnl. Irlieef; tnhd »chiel, «-hier,
schicken = kramm geben, schief sehen; 1971 schlege =
\algn», D. 64» j| 16. Jahrb. tsehiegger ■ scanrn«. I) 517;
1>9I »rbiegge s» valgu* . Had. Jnn. 39"; I7M srhel,
s. heef . ich..! - schiel. Kluge*. 322:. — schief -
von der geraden Linie abweichend («chepps).
— io;y/"-schiech - im Kojife beim Schwindel
■Chief, schwindelicht Steiermark j Z. d. V. I V. K.
m». 8. 413). — Schiwel- B-<n. — schiefe*.*")
Bein, Gebt**, G e sieht , Gi«%»zrhe, Hals, Huf,
Kopf, L<v)f, Mnul, Xlileh, Schulter, Wurhs.
Schiefer, m. (genn. sktf = teilen; abd. seivaro
[Stein.plitter;, idIkI. schircr ; eticl. shiver = Splitter,
Kluge*. 322 = Stein- nnd Itototfltttr, Bruchnuck,
Teil , damit rergllchen) 1. - die I lautabsehilferung.
— 2 = der Zahn- und Knochensrb lefer. —
schiefericht 'ahd. •kiraroht =■ »eaber, <;r«fi vi, vm,
i». -riiiH. rig = M-a'.^r. D. MI) rauh, schieferig
auf der Hanf, räudig, an Lepra (Malatzey)
krank. — /i"</»/ .'-Schiefer Furfures capitis,
l.iatterartige Ablösung, Abspültet ung der Hanl
(Heyne v, 307). — (luis) Za/m-Schiefer, 1. - Zahn
spliller, Te*ta dentis. — 2. = der sich ablösende
Weinstein der Zähne, Brochilas (Kirsch 157). -
Schiefer, schieferig Bein, -Bruch', -Gebein,
-Pfinnen, -Zähne.
SChieg (16- Jslirh. tscblegger = s< auras, D. 517) =
s. schief — schieggen ^schiefgehen fSchw. 592).
— schieggeln schief schauen. — Schieg-
Fuss.
schiel, schielen (schlichen) (zu scheel [«. d.j;
abd. nseUh; abd. »beleb, •chiltn, schlichen ; 11. Joiirb.
sohilhtnte = strabus, II. Z. III; 12. Jahrb. schilehcnten
s strabonem, Herrn. XVIII, 74; 15. Jaiirh. schileudcr
s lippus, Germ. XVIII. 71; 14S2 schilher = lip|>us,
Zcu. Voc. ; schilherin = peta, Zening. Voc. kl; 1783
schielen = Strabismus, Platner I, 120; He«*cu, Kranken,
Bayern ■rbtlefaen [». d], Kluge*. 322; Schvv 588). —
schielen, schiengeln, schengeln, schinkeln
(Schindler II. 3t») = schief (scheel), fehlerhaft
sehen infolge von Augenkrankheiten (Strabis-
mus (ialeni), (trau*.) lotiche ( = luscus), calorgne
(BriM. 3io). — schiel = scheel , schielend. —
SChielksen - schielen (K.ifel, Fromm. VI. 18 : UM
«chillecht ■ Btrabo, Had. Jun. 392). — schiel-
äugig.
Schiern s Schimmel.
Schiene, f (Schane) (germ, »ki ; abd. »< Ina =
Nadel. Schienbein. < nia, «imfl VI, 4'.t9, mtl. schina,
schinalc; Iran», öchlne ; ital. uchicna = »pin<* «i*»^'.
Stachel. Du Cange VII. S47 = aclimalea KnoclunMi» k.
Ktickgrat; 12. Jaiirh. uchina - cnira. 11. Z. D, 205;
13. Jahrb., ndd. scene = tiblo, I>. 5S2, 1529 »ebenen, pl.
= tibiac, Chr Meyer 105; engl, »hin = Schienbein;
mhd. schine = S< hienenbeiu, tibia, enia ; 1417 scheuen
= *aral.anu*. [tibiae], l». II, 32»1; 15. Jaiirh., ndd.
»chene an dem l^ne. D. II, 121; 1507 eyn «checn van
de Wen = tibia. u >S2) - schmale« Stack Knochen
Kluge*, 3221 (Fibula.'); ob da« tierische Schienbein
zur ßbula, Spange, benutzt wurde.' Als tuinplcife
diente die tlerinche tibia. canua nialor, S< liientbein ;
(Tirol) S. liane - tibi», cm<, Bein (Hlntncr 8. 19). —
Schien- Bein, -Beinrohre, -gelb.
schienzeln-schiecken, schielen (Schmelkr II,
369 , verschlechterte* Wort, Osterr.j.
Schier, f. => der Kamm des Pferdes, Haar-
büschel Schur) (Schm. II, 458).
-schieren { — ent*elien [». d.;. zur Wurzel *hi s
scheinen, mlilMUm. Fick. 206, alid. Kciari, «<eri,
Schmeller II, 459 = s<harf sehend; altnord. skyri —
hell, klar, Kluge». 322; Zclt».hr. d. V. f. Volluk. 1893.
S. SM). - trrschieren entsehen, versehen
schierig ■. Schur.
schiessen (Schieze) (vorgerman. »kud Schot*,
8*i)UM. S« hutz «ind Ableitungen; j german. »knl =
*<hle««en, erschüttern >. Schoaa, Sehn«*.; angcls.
»«"•eotan; abd. »clozan ; alL-ai li«. »keotan; nhd. »chiezen.
Kluge*. 322). L = schnellend oder schleudernd
bewegt werden und bewegen (s. auch scheissen)
z. B. die AiiL'.'n, die Harken sind geschossen
- die Hackenzflhne sind schnell erschienen
nnd machen Sehnw-rzen (<-..!. r, II A. *"»•). — 2. -
I«M1 nbei die Köns geschossen {l berkot-
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schiessen.
Seh i ff— Scli immel.
schlissen) - eine Verstauchung der Kote, Aber
die da« übrige Gebein (Fessel) gleichsam hin-
\\egschnellt, überkotet, so das« die Vorder-
beine zu steil gestellt sind (fir. W. V, 1886; Zlpp
109; Kalke II, 883). — 3. — (1616) in I.ntheru Zchu-
gcbotc-I'redigt erzahlt Luther von einer Zauberin, „die
ICboa tlie Kinder, dass sie sich zu Tode schrieen"
(F.rlangcr- Ausgabe CO. 76; s. Schon»). — 4. — die
(»alle „schiesst iu's Geblüt", geht rasch in die
Blutmasse über (Qoldaehm, 108); „ein rascher
Fluss sebiesst vor das Auge", s. Augenfluss
(1. cod. 94; ndd. forr de ogeu aehateu, tioldschm. 91) ;
vor das Herz, s. Herzttuss 2 (ndd. forr n harten
w-litttcD, coldschm. 100). —5 = rasche von einem
ursprünglich leidenden Teile ausgehende, auf
entfernte Teile sich dann Bchncll ausdehnende,
ausstrahlende Schmerzen machen. — (164">) es
scheusst im Kopfe -inachtschussartig schnelle
Schmerzen (s. Schuss). — (1761) .d&schiessung
■-abwärts gehende schnelle Bewegung z. B. des
geschwellten Zäpfchens (h. Zapfchenschiessen,
Piolapsus uvulac) (L. t-hir. 93). — .4nschi6S8 —
— eine kleine, sozusagen nur angeschleuderte,
nicht fest geschlagene, doch klaffende Wunde
hei studentischen Paukereien {Kleinpaul, d. Mit-
telalter 484; ZelUclir. d. v. I. v. K. 1805, s. 886). —
uu/schiessen, 1. (des Blutes) — eine rasche Kon-
gestion des Blutes nach obereu Teilen des Kor-
pers, wobei die Menstruation stockt ((ioldschm.
101). — 2. = des wachsenden Körpers od. einer
kranken Stelle durch Massenzunahme nach
oben. — 3. - (des Wassers) (augls. haetc waeter
Ute scyi u|>|> ot thou treostan, l ock. III, 128) = das
schnelle Aufstossen des heissen sauren Magen-
wassers (Sod). — (1699) diutschiessung — der
Zustand des raschen Austreibens z. B. des Darm-
inhaltes durch den A fter bei der Ruhr (v. M. II, 168)
od. der Augen bei Exophthalmus, Bocio (ü. 77). —
«H.sschiessende^lu^rN.— (1615) Bi 'att schiessen,
1. = Blatt 3. 8. 9 und Schota (toler, \V. 354). —
2. = ausserdem s. sinken, fallen und Sonnen-
stich. — Ein schiessen (- der Zilhne. Hacken
oder Zahnbillern) s. schieben u. Billern (A. v. II.
II, :t0S; Kraus, E. 677; C. v.Sehm.105) (Odontophyia)
(Hippokr.), Dentitio incipier.s (s. schieben und
Billern). — }<■■',., - schlissig , -Bchüssigkeit
(s. ob. 2.). — «ierschiessen (beim Vieh), L =
verfangen. — 2. = über die Köte schiessen
(s. oben) (Falke II. 382). — r*i ■ / schiessen (in all-
deutschen .Strassburgor BlnUagen (liolth. 3SI] vorkom-
mend; ,,thö verseöz Ueuzan Haider ?J Jordanc Lden
lladu the «itun) = durch Schuss ganz und gar
beschädigen, z. B. durch eine lebensgefährliche
Interkostalwunde od. Blutung. — (I7i7) UY/i<n-
-SChiessen (in die Beine) — aufstrahlende, in
die Beine sich fortsetzende Nervenschmerzen
bei den Geburtswehen (Bäuml. 018). — (1629)
Zäpfchen- 1 medVrj schiessen — StaphyJodialysis,
eine rasche Anschwellung und Verlängerung
des Zäpfchens (Angina) durch gleichsam
schnellende, rasche Abwärtsbewegung des Zäpf-
chens, wodurch einem der Halszapfen wie vor-
geschossen ist (Uurlt II, 160 ; toler \V. 1V| ; Lex. eh. 93)
(8. Blatt 8, Huck, llauchblatt, Hug, Hauch).
— ZH«i»J»ic»i-schiessen - Zusammenfahren der
Glieder beim Schreck, Pavornocturnns (»iohlsehm.
iir.) — Schiess-, schiessende-, «/'Schossen v»)
• Bein,- Brüche,-Ge»icht, Häckai\ Huck,- Knodtcn,
-Ruhr, - Wehnen, - Wunde*.
Schiff (Scheff), n- (gcm.-gcrm. sklpa; nhd. aeif.
scef " Schiff, ticf&ss, skiphi — phinla; mhd. echif —
Schiff; englskov, *hip, Kluge*. 322 ff., Wasserfahrzeug,
übertragen auf): 1. = Cunnus, in rohei Redensart
aU Wassergeschirr gemeint (Buck 16). — 2. =
Kemina (verallgemeinert ; Buck 11). — 3. = (1710)
die Bchiffartige, nachenförmige Vertiefung am
inneren Ohrkreise in der Krümmung zwischen
Helix u. Anthelix, Sehifflein (Scapha. Kulmus «.«.'.;
hibl. Med. 206; Heyne V. 334). — Schiffen (mit dem
Waaserwerkzeugelnavis] arbeiten — pissen [Studentcn-
Bpracbe); navis = mariscue, podex fleoaus, Rosenb. 137;
engl, flrcshlp = Feuerschiff [Hrandcr], eine mit Syphilis
behaftete I.ustdirne, Kaltschm . s. Schossbeule •). —
Schiffs- Bein, -Kolik, krank, -Typhut.
schlichen (zu scheel [s. d.) und schielen (*. d.];
ahd. scelah ss scheel, schief, IL Jahrh. schüblute, II.
Z. III = slrabus; 12. Jahrh. schilehenten - strabouem,
üerm. XV11I. 74; scilihender - lincus. I». 331; 1482
»chilherln = pel«, Zenlng. Voc. k. 1 ; 15. Jahrh. schil-
heuder peius buphthalmu*, I). 431; II, 62; seitlicher
— llppus; altuord. aklalgr, Wclnh. 279). — Schlichen
- schielen, schief schauen, Strabismus. —
schilchezen, schilksen = öfters ein wenig
schielen (Fromm. VI. 18). — Schilcher = Strabo,
ein Schielender. — (1591) schillecht = strabo,
schielaugig, mit Walzaugen (s. d.) sehend (liad.
Jun. 392; 1>. 432).
Schild, m. = abgespaltenes Stück, Holzbrctt, 1. —
die abgrenzbare, besonders harte, dicke Haut
auf den Schulterblättern des Wildschweins
(Brehm III, 136). — 2. = der runde Milchspiegel
am Kuheuter (Fraas). — Schild Driise, -Grint,
■Knorpel, -Krötengeschtculat. — schildern **
8. schultern (Schulter).
schilfern s. schelf. — Schilfer- Flechte.
schilksen 8. schilchen.
Schimmel, m. Schimmer, m. Schirm, m.
Schemmen, m. Schemmern (iudogerm. skf —
| scheinen, glänzen; germ. sklmla; an gl», a^clmod —
glänzende C.latte, t'oek. II, 232; ahd. sclmbal =
mueor, oerugo, Graff VI. 4;>8; vormhd. schlmbel; mhd.
schimel 'Mischung mit schäme = Schimmer]; mhd
scheine - Schatten; md, schime; angls. setma; alt«,
setmo. Kluge*, 320. 323; mhd. Sehlem, m. — ein Augen-
übel, Lexer214; 14. — 1"». Jahrb., mnd. en oghen ser
holet seimo, J. f. nd. Spr.-F. XV, 128; 1482 schyein -
rubedo, rotlgkeit, intlrmltas oculornm, Zenlng. Voc.
cc6; D. S01; callgo oculorum; schemmen = «chlemen,
Schmeller II, 419; 14S2 best hyemer = losolvus, Zeu.
Voc. ki; engl, shim = weisser Fleck; holl. hersenschira
= Hirngespinst), 1. = hellglänzender od. weisser
Überzug, Pilzbelag, Ihphtheriubelag auf der
Mundschleimhaut (Lcrech 93). — 2. = Augen-
schitnmer. — schiemen - ein Augenübel haben
(SehmeUer, 1. c ; Sehw. 689) (s. Augenschimmel). —
Schimmelig (ahd. srimlmlag, Kluge *, 323). —
schiemig = den Aogen-Seliiem habend (Schm.
' Ii. ii9). — Augen - Schimmel, -Schimmen,
Schimmerung (14. — 16. Jahrb., mnd. den iremM
van den oghen; vorscenicn vor den oghen; weder den
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schinden — Sehink
Schinnen— schlacht,
Seemen der ogen ; J. f. m. S(>. I, XV, 132. 131. 135;
IX Jahrh. uinu sehemcrt vor den »gen, l>. II, 3s4 ;
[urahrtue], s< ocuierynghe der oghen = aorasia, D. II,
27; n»3 augenschimel, wgeinchlmle se caUgo ocu-
lorum. C. v. Megbg., der Schemen der äugen, äugen-
scheinen, der n-henmen, der schieinen, Schmeller II,
419} = jede Augenkrankheit, bei der man kein
deutliche«* Sehen, Bondern bloss ein schemen-
hafte« Schattenbild, einen Schimmer hat, also
= Augenschimraer, wobei die betr. Kranken
nur ein nebelhaft zitterndes, verschleiertes,
schwaches Licht sehen. — i/au/)l-Scbimmel =
-weisses Haar (Heyne V, 311). — R >t Schimmel
= ein Mensch, dessen rotes Gesicht auirallend
sichtbat ist (Schmeller II, 420).
schinden, Schinder, m. (vorgerm. tMato; ahd.
scintan. wind, n. - Fell, Haut, Gr. W. III, 149 >,
altnord. skinn = Haut [Schinne, «. d], Kluge8, 324;
mini schinden) = enthäuten, missban I n , quälen,
einen operativen Kingrifl machen (s. Schund).
— Schind („ein untergegangenes Wort", Gr. W. III,
1495) = abgeschundene Haut (Schelm). —
Schinder = derjenige, der schindet. — Schinder
ling — ein unzeitiges Kalb, das zum Schinder
oder Abdecker auf den Schindanger gehört
(i . v. Sc-hw. 461). — .1 f-- sc hin de rang (l& Jahrb.
vsschindelingalder zu fru geboren = abortivus, D. 11,3)
= ausgestossene Abortusmole, hautlose, auch
totgeborene Frucht (1756; Z. V. 2). — GVschindt
= Ilatitabgang (Seb. iso). — za schinden - ganz
und gar misshandeln (nach dem Volksglauben
vollführen die« namentlich die Hexen und Wasser-
damonen, iieyi 13. 159. i3 ). — Schinder- (schindel,
geschunden) Darre, -haarig9, -kollig, -leer,
-Leich, -Lefzen.
Sc hink. Schinkel, m. Schinken, m. (Schunken)
(zu Schenkel ;s. d.], ßchanken; ahd. scinko, scinka —
Beinrohre, Schenkel, sclnkai, Graff VI, 519; 11. Jahrh.
seima, sciiuha-crus, tlbla, H. Z. III, 368 ff. ; 11. Jahrh.
m incha - tibia, II. Z. VI. 321; «cinkan = tibiae. H. Z.
II. 205*1.; D. II, 364; scinchun - crure, n. Z XVI, 47;
mhd. Schinken, skiukel — crus, Schmeller II, 432;
15. Jahrh. schink, schinke - kalotibia = Stelze !x'i\o\-
tlbla, D. n, 68; 1469 s. hinke, schenk = tibia. D. 582;
17WJ6 Schinken — Schenkel, Schmeller II, 43:: , [iloäuzeti,
liigarn] «chinga, f. — Fuss. Bein, Fromm. VI. 113 Tirol;
.S-hiükin, m. , Ilintner 9), 1. = Schenkelknochen,
Kobrknochen, Dickbein (s. Schenkel) (Kluge*,
324, Ilintner 8). — 2. - das rötliche Fleisch am
Schenkel. — 3. - Schweinskeule (Heyue V, 347;
1629 schlnke der hlnderhame, Schmeller II, 416). —
4. = der kranke Schenkel, Stelzfuss. — Ikiar-
schinke (7, It) (par«chinc, parschinkel, S. hmcller II,
432— 433) = baarschenkelig. — ii/ttf-Schink -
der JJarzhackel (*. d.), der als kleines graues Wald
mAnncHen od. Wassergeist den Kindern die Schenke! nb-
M-hnci<let. ein kindermordeiides, Menschen würgendes,
bluttrtnkeiides, menschenfeindliche* Gespenst in Tirol
(Zingcrle X, I. 5; Alr.bg. IV [» , II. A. Rh. «6; Z. d. V.
f. V.-K. UN, 318; 1897. 291; Lalslner II. 30. 31; an ihn
erinnert das Kultgebaek Kindsvöt [Kindsfuss), das man
«Jen Frauen und dein Vieh [als gleichnamiges Koruj
zur Geburtserleichtenmg gab, rfl|MM VI. 2>::; Mniinh.
233). — Oc- SChink (angln, gihsing, gihsuuga, je«enco,
trescinclo - coxac„<:x(a, exugia . - axungia,, rock. 1.
I. XX; III, 161. 3<i2. 1>. 220) - das ganze Fleischstück
vom Micker und Nierenfetl an bis zur Hüfte
und zum Schenkel. — I1W Schinken, Schinkel
= das bratige Mtiskelfleisch am Fusse (Wade)
des Scblacbttieres (Rind) vom Knie bis zum
Knöchel (Unterschenkel, Wadbein) (Sehn, n.
m). — Schinke (l, n) - Bein , -farbig, -Mark,
■Milz, Weh.
Schinnen, pl. (md.. ndd., 1761 «-hin — furfurcs,
L. ch. 35; cortex, D. 153; Avcntln, n altnord. sklnu
[aus skinth] = Haut, angls. scinn; mittelcngl. skinne;
engl, skin = Haut ; eigentlich die abgeschundene Haut)
=-- „das, was sich von der Kopfbaut abschuppt"
(Kluge*, 321), Hautschuppen infolge von Pityri-
asis, Milben (s. d.), beginnendem Haarverluste,
im Alter etc. (s. schinden und Schund) (dazu
altnord. heljar-'klnn = hollschwarze Haut [der Un-
freien), Weinh. 34; skinn-ncfja (s. Nase); schwed.
tjockskiuitig = schwielenhautfg; engl, fore-skin —
Vorhaut; brnnccd-skln — Bronzehaut; goosea-skin =
Gansehaut; skin-diseaso — Hautkrankheit). — schinn
.Fi«*, -gelb, -haarig, -Leich, -Nase, -siech.
Schintz, m. = Scbnss, Kheuma, Kinsohuss,
Ischias (Beiträge z. Anthrop. Bayerns 1891, 6S, Belm.
II, 435).
Schippe], in. = s. Schüppel (Schuppe).
Scbirbel, m. (zu Scherbe, f. [s d ], ahd. seirbi,
nhd. schlrbe Scherbe [te»ta], ein kleiner Hafen) s=
Kopf (Schmeller II, 464).
schirr, Geschirr. — Geschirr (ahd. giscirri;
nhd. geschirre), 1. = Werkzeug, Gelüt (Kluge 136).
— er hat sich nach dem Schrei hgeschirr um-
gesehen — er «Iii bt bald und macht sein schrift-
liches Testament vorher (Z. d. V. f. V.-K. MM,
S. 194). — 2. - Muskel (14S3 ,,ain geschlrr der
VlUkMcben wegung an den glidern", C v. Megbg.)
als Hewegungsorgan. — 3. = (148'. geschirr =
Membrum der Affen, Schm. II, 457; 1">60 geschirrlieh,
II. Sachs) — Genitalia als Organa generationis;
das Geschirr = Zeugungsglied des Menschen
(c\ v. s. hra. 1621. — er ist aus dem Geschirr =
aus der Verfassung, verrückt, geistig abnorm
(Demokr. XII, 104). — OAr-OeSchÜT - übertragen
vom Pferdegeschirr mit Scheuledern auf die Ohr-
lappen [ScbmcUar II, 457), Auriculum.
schlabbern s. schlapp.
-schlacht, -schlecht, -schlechten (zu germ.
slah — schlagen; altgerm. = erzeugen ['•); ahd. slalita.
1. = Tötung durch Schlag, Totschlag slahan = nach-
arten, nachschlagen ; statt ton — tötend ; 2. — GeM'hlecht,
familia;mhd. slahte; L = Tötung ,2. = Art, Verwandt-
schaft. Kluge*, 136. 324; ndd., 15. Jahrb. siechte -
natio, D. II, 261 ; engl, slaugh - brandiger Teil, durch
schlag brandig gewordener Teil , Hornbl. 123). —
Schlacht «■ das, was geschlafen ist, schlügt,
ausschlagt; Schlag, Beschlag, Ausschlag. —
Schiächten (Schlechten) - Urschlftcliten (s. d.)
(Gr. W. V, 2163; sub kreistle). — schlachtig,
schlächtig = geschlagen , geartet , am Schlag
leidend, schlagend. — Schlechtigkeit = die Art
dos Schlagens. — t- ;• ••-Schlucht - Augen he-
sclditcht, Augenrand (Gr. W. I, Ml). — (1725) Aus-
Schlächten, (1«18) Schlächt, 1. - Hautausschlag
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Ö70
-schlächt.
-schlricht.
I>ei Menschen, z. B Mentagra etc. — 2. Morbus
ovium = Schafblattern (s< hmellcr II, 49">, Th. 8.
Br. 8ii) g. l'zsehlechten. — bauch - schlächtig
(-Schlechtig) (1517 bu.hglagungo - singultu*. D. 530)
— mit dem Bauche (Flankten) heim schnellen
Atemholen schlagend, kurzatmig, asthtnaticus,
Emphysema pulmonum, herzschlachtig, hauch-
stössig, kichbatichig (Karnlhen; Fromm. VI, 301;
Gr. w. i, U66. um , v. -<5i). — Be schlächt <ai>d.
»laicht, pislcht = pesti*) — ansteckender Hautaus-
schlag ( Variola 7). — fiMi] cholerische« Geschlecht
(cholerisch geschlecht , Krautw. XXXIV, nach der
huuioralpathol. Lehre) = durch Cholera I (s. d.)
bedingte Krankheitsform. Pataoetrai nahm für
rote Cholera (s. d ) das Franzosen-Geschlecht (s, d ). —
Du».. ■'••Schlachten (-Schlechten) (angi».? dorn*
siegelte, Cork. II, iv9— Hautausschlag; 1». Jahth. durch-
stahl = vnriolac, Vor. opt.W. 10, 1412durrhsclechten,pl ;
15. Jahrh. durch», hlacht m variolae, I). II, :;T7; 1418
durchstacht, Schindler II. 499; papula ei>t parvisslma
cutis erectio cum rubedine circumscripta i. ulcus
inliiiitlssimum rubcdlne clrcuniscriptum et Ideo dlcta
Papula i e. durchsehlacht ! - Variola s. raricellue ;
H70 durchschlachten und plattem, Schmeller 1. c. ; l'>17
dy huet durehslaeu = percutere, D. 426= [615' percussio
scablarum, Schnurrer I, 153; 1592 durschlaeh = aphtae,
I). 43; 16t» Purehschlccht = Variola. Itlattcrn, Heyn.
242; l). COT; 1741 durchschlachten = variolae, Kirs< h
tta, 1712 durschlechte = variolae, Zw. 474; 1753
durchsihleehten — exanihemata, A. r. II. II, 6*0).
— Z>«i(7(Schlächt, 1. - Blattern (Variola)
(Huck Ii; 1758 allhler iu Meutmlugen Dumhlcchteu,
«oll l'r»chle< hten helsscn, genannt, Hr. Hollen Bio-
graphie der Khrhardt, 8. 21; Gr. \V. VII, 1964 fl.) als
durchschlagendes, ausschlafendes Exanthem.
— 2. = die Urschlftchten (s. d.) ^ d'Urschläehten.
— 3. - wilde Durch-schlacht (Durchschlecht) =
Nesseln, als nicht erkannte, falsche Blattern
(Ituck 19). — 4. = Kxanthem ii herhau j>t, Aus-
Bchlagskraukheit. — 5. = Mundblatletn, Schal-
bläsciien (Aphthen). — A'mv schlächt s Inn-
geschlileht. — /"Vanjoscrt-Gcschlecht (1538 Ge-
schlecht dcrFrantzosen, I'aracels de imp. 02] - franz.
An, syphilisform. — -geschlacht, G»schlacht
(G< schlecht) (fthd. gislahti, gislaht ; nihd. gestellte,
gestallt, Kluge*, 13* ; holl. gcslacht ; dilti . slagt ; sehwed.
&iagt), 1. — tieschlecht, An, Eigenschaft; wohl*
geartet, gutartig, ed e Ige a 1 1 et , geschmeidig,
weich (Kluge 1 eod. ; Pauli HO; Andresen 267). —
2. - das ausgeschlachtete Kinucweidn (Erbe 31).
— G< schlecht»- .Si«», -Teile, ■ Trieb. — Herz Öc-
schlächt - HerischlÄehtigkeit. — kränkeres Ge-
schlecht UlS:.' daz kranker gestallt, r. v. Meghg. ;
Gr. W. V, 20J3) - das schwächere, seh« liebliche,
weihliehe (ieschlecht. — Unat schlächtigkeit
(Schlechtigkeit) -- eine volksctymotoglschc l'ra-
bitduug uns liartschlachtlg (*. Ii.), well solche herz-
schlechtige innrere I'ferde auch schlecht im Ilanr
Wachstum »ind und glanzlose Haare zeigen?. — (1*10)
halb schlächtig - von <ler Seite «Ich einen Er-
zeugerge.schlechtes her in iler Kasse j;.'iuiseht,
Ilalhhlut. -- hurt-, haar schlächtig "»i- ndd. hart-
sleehtlg hart a llerz| ; rnhd. diu hnrte>laht [hol l'Ienlcni,
Sehmcllcr I, 1IC7; KM haarschlechtlg, Cir. W. IV. 2M;
170. haars. hl. clitigkeit, Itayertand |vt|. Iis ■ mrj haar
srhlachUg = hcrzsehlaehtlg, Schm. I. 1117; 1710 hoar-
| M'hlerhtig, <ir. W. IV, 2J6; Knt-telluiiR und Verdcrbnli
I aus) - heiUBChliehtig (s. d.) = schlaxhuuchii;
(Or.W. IV, 2.M9), am Hertschlag(hartslaff) leiden.l,
bei Menschen und Pferden (Schmeller I, 1U7. lifiT.
I 1171; 11,601). —hert-,herz; (hart-, /wirtr-)schläch-
| tig, -schlechtig, -schlächtig (UM hen-z-, bete-
zensslcchtlk = mauiaeuü, l>. 316 ; 1 132 herezslet liger =
cordlai u», D. II, 75; ndd. hartsle« htlg 0 |i 11S3
herzstahti-ten taeuten, C. v. Megbg. - aathmatiel, Or.W.
IV, 2. 1260 = ubelheflndend, ohumilchlig; diu hartc>laht ;
harteslchlce, lierttschlechtig = asthmatit iis von I'fer-
den , Schmelkr I, 1107; 1592 hertzschle« hte. Sei». 17?;
UM herzs. hierin , Gr. W. IV, 2. 1260; 1599 „hart-
gi-hlttt hllg, hcrz«i hle< hlig, baiu-lisi-hleehtig. kthmloh,
dise I krankheiten ist alle* 1 ding, alleiu da*! sie mit
dem namen unterschiedlich", Gr. W. IV, 2. l-'CO ;
herzschlei htigkelt ; 1710 herzschtachtig — mniigellialt
an der l.unge. Gr. W. IV, 2. 1260; 1731 herzschlachllg
kclt, (Jr. W. 1 eod ; S. hwaben lierzsrhlachtig -= übel,
ohninikrtitig, engbrüstig, [Krandenburg. herzschlechtig
[nur von Pferden ), 1. = am Herzschlage leidend,
herzkrank, heim Menschen u. besonders heim
Pferde, dessen sichtbareres Klankenschlasen
(Hauchatmen) in der IlcntgeKend als Herz-
schlag angenommen wird (Gr. W. IV, 2 1260; VII,
1676). — 2. = kurzatmig, wie die meisten an
| Herzfehlern, Kmphysema pulmonum, chro-
nischer Bronchitis etc. leidenden Kranken =
dyspnoeicus, asthmalicus, an Asthma (Dampf)
heftigen Grades leidend. — 3. — am Kotze (s. d )
leidend (Hitzig) und damit kurzatmig oder am
Herzklopfen leidend vom Pferde (etpitis suspi-
rosus) (Gr. W. VIII. 1045; Falke I, 374. 391; Kirsch
in). — 4. =f die Herzschwäche, Ohnmacht (mit
tind ohne Herzschlagen), das üble Befinden
überhaupt (Gr. W. IV. 2. 1260); (vgl. totschllchtig).
— 5. — die Engbrüstigen sind leichter kurz-
atmig; daher herzseh leehtig auch - engbrüstig.
— I». = Herzge8chlä4:ht = Eingeweide (s. Herz-
schlag 6). — 7. = eine Krankheit der Schafe
(s. Herz-Schlag 5). — 8. - (falsche Kthymologlel,
hnarschhtchtig = haarkrank, und heuschlechti^
(Falke I. 357). — Herz - G< schlecht = 8. hait-
«clilachtig ii — Heu Schlechtigkeit (eine v*r
derbte Form fiir) HerzBchlilchtigkett (s. ob), eiy
mologlslererid gebildet , weil man annaliui , das»
M'hlei htes Ilcufutter die l*rsa< he zu iler llertscliUch-
tigkelt sei — 7/in-GrSChlächt — das innere Km-
ge weide (Ituck 17), Eingeschlechl (aus Inscblicht
vielleicht entstellt. C. v. Schm. 1601- — Leute
Schlächter der Lebensdieh, Mois, Tod. —
— (1542J »j(/n«)i-8chlächtig — nach der Manner
Art.mitnnischsein.mannsüchtig.Nymphomania
;s< hm. i. iotn}. — Mann Schlächt inllsm Iis. man-
siuiiia b Miuinersehlag) = Todschlag, Tötung (homi-
Cidinill) (Kluge*. 321; Schmeller I, 1603). — nach'
Schlachten (ahd. näh ■ 1 ."■ n fordoröu dlahan — den
Vorführen naiharten; mhil. nächstahen, Kluge5, 13«')
— nachschlagen, nach jemaml arten, der Sohn
schlägt (körperlich) seinem Vater nach, er
erhalt die natürlichen Eigenschaften des Vateis
(Schlag 4). — 0n>) - schlachten = rrschlachtcn
(«. d.). — mhrltuen - schlächtig = in die Art
des Schelmen (s. d.) schlafend, schelmisch. —
athvhnm- («cAtcnw- schlachen «chwindelarlig,
| ohnmächtig hin- und herschwankeu ^< hmellcr
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■achlicht.
Schlade— Schlaf.
.-»71
II, 633). — 11482) /rryy/*-8chlächtig (tropIWachliger
— paraly Ileus, Zcliing. Voc. 1 I, k5, lili 1 ; schlag, tropf!
— slderatio, D. 533) — vom Tropf (s. d. — gutta)
geschlagen, gelahmt (siehe Outschlag). — tot-
SChlächtig (mhrt. töl-slech - zum Tode ermattet,
wie totgeschlagen , Lexer 269; Sehinellcr I, 633) m
sehwach, kränklich, abgelebt, wie toi (lödtig).
— unfje schlachtet (abd. ungiilabt ; mhd. ungwtobt,
Kluge1, 13«;) = unedel, niedrig, udssgestallet,
bösartig. — tVr-schlächten (ahd. ur>iahti, (. =
varix, ciratrix, Graft VI, 77h — percussio Fcabiarum
i.lY Si hnurrer l, 153; 12. Jahrh. urslach = varlx,
H. Z. XV, 3>i0; uuerna, Graft* VI, 777 ; inhd. urslallt,
Ufltobt = Ausschlagskrankheit , Pocken, I-exer 307 ;
1119 oreslechteu - inorbllll variolae, D. II, 2 .7 ; 15. Jahrh.
urschlecht = muri. Uli inrirmlta« puerortim ^Klndsblat-
teni , D. 363; MM berpel oder dy rotin oder dy ur-
daebt, Variola, Schindler II, 499, Gr. \V. I, 1527; C. T.
St'hm. MO; Zening. Vor. mm 1 ; 119~> dy unrechten =
Variola, D. C07 ; IMS urschlecht - porpelen Variola,
<ir. W. VII, •-•002; variolae - Pocken ; 1572, 1600, 1624,
1699 urschlcchtcn = Kindsblattern, t'oeken, Hacser II,
381; die Krankheit König Karls VIII. von Frankreich
[1*7*1, Kelssuer 1; v. M. 11. 184; öchnurrer II, 90; 1582
urschlichten , Lonlc. 109 ; 1725 urschlechten , The*.
San. Hr. M = variolae, Poeken ; 1742 urschlechten =
variolae, Zw. 991 ; 1731 urschlechteu — variolae und
varicellae, A. v. II. 81»; „wenn sie gelinde sind,
hei&it mau sie „gute urechlechten, A. v. II. I, 1110;
hetineb.; urst Machte = Blattern, Spiess II, 261, [BUSH
l'rschlAcht = Impfpocken, K. W. I, 69). — Ur-
sch lachten (Orschklehten), 1. = (der älteste
deutsche Name für) Variola (Blattern, Pocken,
Pockadel •, Varioloides) <Buck 19 ; Gr. W. VIII. 1961 i
Waiib. U5; Fuchs ll, im). — 2. = ausserdem die
damit leicht zu verwechselnden Schafpocken
(Varicellae, After-, Wasser-Urschläehten). —
3. s die von den Blatterpocken zurückbleiben-
den, abdorrenden Pocken- Krusten und Narben,
ösehel = l'rschlachten; Öse h e 1 - Stappe
(.schmellcr II, 499) = varix, cicatrix. — 4. =
Masern, Kdteln, Purpein (Schmeller II, 499; Wallb.
11%), mit den eigentlichen f'rsehlächten 1 ( = Va-
riola) verwechselt und dann so benannt; l'r-
sehlachten ^ morbilli - variolae biliosae cutim
non satis penetrantes des Ihn Sina (anno 370,
nach Hennlg in Gerhardt I, 26). — 5. - (rrsehlachten
mit anklebendem Artikel) d' l'rschlilehten =
l)ur(ch)8ehlftchten (s.d.), — G. = Hühnerpocken
(17. Jahrh.; Fr. Kr. Br. Ol'.t). — 7. = impfpocken
[KImu). _ (i74;() Alter- tVschlächten - falsche
Blattern, \ aricellae (A. v II. I, 131»). — (1738)
gute £ Yschlächten = Varioloides, leichte Blat-
tern (a. v. Ii. i, laio). — Wasser- <* '»-schlachten
— dio wassergefüllleien Schafpocken (Vaii-
cellae) (.v. r. H. i. i n ). — wilde /V» schiächten
— I'ockf n, Variola («. wild) ;K. w. 1. 69). — Ur
schiächten Abdorre», Fteber.— Uz schiächten
(12. Jahrh. ui- u«s- sieht — lentigo, D. II, 231 ; uzlchte
— genu* leprae, I_>. II, 232J = AUUOhlag jeder Art
auf der lluutdes Mensrhen. — wettet schlächtig
(Klrothen; Fromm, vi. 2i>i) -las Wetter mangelnd
durch i'lielbefinden. — Zwei-, zici- schlächtig
(mhd. zwilchilg, I.cxcr412; 1 1 Kl zwcyslchtlg , alts-wlm.
tweslcchtig - blgenus, |). 71) - als Zwitter (s. d.)
«weigesclilechtig.
Schlack, m Schlacke, f. (engl, slag - Schlacke ;
miidd. slaggc = beim Schlagen abspringende Mctall-
splltter, Kluge*, 321; D. .".20; II, 331). — Haut-
Schlacke - Scoria, Hautuchmutz, Hautkruste,
die sich ablöst, Hautschorf, MilcliBchorf ; nach
' weitverbreitetem Volksglanben tnuss sich derselbe auf
dem Kopfe der Kinder ausbilden, sonst „verhalt" sieh
die Schlacke im Korper und wird diese zur Quelle
von nachfolgenden Fbeln, z. B. Kheuma etc., Kraus,
K. 934; Falke II, 271». — roter Schlack (Karnthen ;
Fromm. VI, 201) = roter Abfall, Hautröte durch
Kntzündung eines abgelösten Hautteiles (siehe
Fell). — Tier- Schlacken — die vom tierischen
: Organismus ausgestossenen , unnützen Stoffe
(Falke II, 365). — teeiassr Schlack = weisser Ab-
fall von der Haut, Amel*, Kleie, Schuppe
(Karnthen ; Fromm. VI, 201).
Schlackel, m. s. Schlanke!.
Schläfe, f. s. Schlaf.
Schlägel, m. b. schlagen.
SchlärTe, f. s. Schlarre.
Schlätte, f. — grosses Maul mit schlaff herab-
hängenden Lippen (Spieas II. 215). — Schlätt-
Ohr.
Schlaf, m. Schlaff, in. Schläfe, f. pl- schlafen
(indogerm. swep; germ. gwef ; altnord. sofa (soninus' ;
[ germ. slep 's. st hlafi; ; ahd. und mhd. aläl = Schlaf,
Schlafe; goth. sbps = Schlaf, sl.-pan = schlafen;
ungls. tslaop, slnepan; engl, slcep ; ndl. slaap ; alts.
släp, Kluge 321; ulid slAph = tempus, Graff VI, S04 ;
dazu tempore — die Schlafen, pl. ; 15. Jahrh, schlaffe
by den oren am haupt = tempore, D. 584 ; 16. Jahrh.
slaff, sloff = timpus, U. 25. 55h. 5M; i.vso schlaff =
ein Teil des Schädels, Bcsolt; 15s2 slaaf - Schlafe,
Louic, 49; ahd. släffan , slnfan ; mhd. släfen). —
schlafen, 1. = »chlaff sein zum Schlafen, müd
sein, Stupor membrorum. — 2. = wirklich
schlafen. — 3. - auch coiro. — Schlaf = Som-
nus, Tempus = Schlafzeit. — 1. = die Schläfe-
gegend (Schlüte ist nach Kluge I. c. der I'lural zu
Schlaf; alter, d. h germanisch ist Diinnung, Dünnbackc
und Dunnwangc 's. d.); Schlaf [»omnu»] und die zwei
entspwtK'mten Stellen der Hirnschale tempore;
franz. temple, Brlss 31] - Schlafen, pl. und Schlafe, f.;
15.12 ossa tempora, fuga tem|>oris, im Latein so ge-
! nannt wegen des frühzeitigen Haarergrauens an dieser
Stelle, an die Flüchtigkeit der Zeit erinnernd '?!, Fries
69; schw. 5%) (s. Schlafebein). — 2. = die Wirbel-
gegend lies Kopfe« (nach Zw. loti) in der Nahe
der Schlafe. — 3. = das eingetrocknete Sekret
der Meibom'schen Drüsen, das nach dem
Schlafe aus den Augen gerieben wird fllyrtl, A.
• M. — Schläfer, m. (Klsasa; I.amb« 61) Som-
nambule, Nachtwandler. — schläferig (ahd.
fhifarag, mhd. sliifrec, -laefric, Kluge 321) = schlaffer
geworden, Schlaf habend. — Schläfrigkeit =
Hchlafsüehtiger Zustand, leichtester (irad von
Betäubung (Somnolenz). — Bären - Schlaf =
tiefer Schlaf, wie ihn die einige Monate Winter-
I ruhe haltenden Btlren haben. — bei-, Ge-
schlafen coire ;<ir. W. IV. 1. 43). — (1741) fauler
A'rvschlaf = syphilitische Infektion (i'r. II, los;
ndl. vulle byslaap). — (1713) hitzig-geiler /•' schlaf
i (Zw. i.9) als Ursache der Uonorhoea früher an-
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Schlaf.
seh lall'.
genommen; unreiner /^schlaf Ursache
der Veneric. — Dauer- Schlaf =■ ein abnorm
und krankhaft lange dauernder Schlaf, ein
Fortnchlummern ohne Fieber, ohne Delirium
(Kataphura). — ein-, (ent-) schlafen (15. Jahrb.
wen ain fuoss entschlaft = Stupor membronim, D. 5Ä8;
1 53». cn (schlaffen - taub, unempfindlich, Parocel».; Gurlt
111,227; angl«. aslapcuutn - paralysatutu, Cock. II, 12;
engl, fall aslecp. Lehf. Iii) = das Gefühlloswerden,
Erschlaffen, Taubwerden einzelner Glieder bei
Druck auf die betr. Nerven, nach dessen Ent-
fernung unter Formikations-Gefühlen allmäh-
lich die normale Beweglichkeit und Empfin-
dung wiederkehrt (s. Maus 4, GliederBchlaf). —
rnf- schlafen, I. «= (der Glieder) — einschlafen
(Heyn. 281). — 2. = sterben. — »-schlafen = an-
fangen in der Empfindung einzuschlafen, pelzig,
gefühllos, taub zu werden (E. W. I, üi). — (1711)
erster Schlaf - Nox intempesta (Kirsch 650),
Beginn des Nachtschlafes, in welchem die
tiefste Entspannung des Nervensystems statt-
findet, meist um die Mitternachtszeit, in der
Ute Dämonen de« Alptraumes am ungelegensten er-
schrecket!, da das erlösende Wort (Kntsel, Alpfrage),
der heilsame Schrei dann ain schwersten fallt. — (1610)
Glieder- Schlaf = das Taubheitsgeftthl beim
Bogen. Einschlafen (s. d.) der Glieder (Agrfcols;
angls. thcoh Mapan — Stupor uiusculorurn fetuoris
.Dlechbcin). Cock. II, 6. — iVaM-Schlaf = ein
nicht vollkommen, d. h. bis zur Bewusst-
losigkeit gehender Schlaf. — harter Schlaf
= unruhiger, wilder, schwerer, tiefer Schlaf
(Uethnrgia, Agrypnia) (L. ch. 41; Krau.-, E. 10). i
— Hasen • Schlaf — Lagophthalmus, Hasen-
auge, Ectropium, ein auch im Schlafe offenes
Auge, wie es angeblich die der Nickhaut
entbehrenden Hasen haben (Wustuiann 35;
Schräder '.'08; 1983 hascnslaf, wenn die Augenlider
erstarren [Gr. \\. IV, 2. "II., unbeweglich werden durch
Lähmung, !<o du.*« die betr. Menschen die oberen Lider
nicht schlieosen können. Gr. W. IV, 2. :>31; 1742 hasen-
-chlaf = „eine AugenlldüberwftUung, ehimosis I Ectro-
pium!, eine L'ngc*talt der Augen, da deren obere
Augenlider vorne etwas überweisen und ganz, roth aus-
sehen, namentlich wenn dies im Schlafe geschieht",
Zw. 2^.' , vermutlich ist da« Wort aus der Hasenscharte
auf die Augenscharle [«. d.) übertragen und dann volk«-
ethymologisch zum Hasenschlaf geworden). — Hoch-
Schlaf - der Gegensatz zum Tiefschlaf (s. d.),
wobei die betr. Somnambulen abnormer Weise
überempfindlich sein sollen für zeitlich und
rilumlich weit Entferntes (s. Hellsehen). —
Hundt - Schlaf (engl, dogslecp, Kaltschm.) = ein
halber oder auch verstellter Schlaf, wie ihn die
wachsamen Dogghunde haben. — 0so7) hyp-
notischer Schlaf = durch Ilypnotismus (s. d.)
erzeugter, sogen, magnetischer Schlaf (s. d.). —
(1754) kranker Schlaf - Sopor, Gehirndruck, der
sich in Schlafsucht äussert (A. v. IL I, 322) und
ein bedenkliches Krankheits-Symptom (Tod-
SChlaf) ist (s. Schlafkrankheit). — (is:;i) mag-
netischer Schlaf — Hypnosis biomagnetica, ein
durch tierischen Magnetismus (s. d.) nach den
falschen Lehren Mesmers (1766) erzeugter, an-
geblich von den Bauehganglien der Her/giube
ausgebender Schlaf mit Nachtwandeln (s. tl.)
(Stahmann, Ahnungen aus der ticistcrwclt , Krau«, E.
iou) (s. Magnetismus; lethargie, charme). —
A/iffa5»-Schlaf= der durch die Mittage-Sonnen-
bitze erzeugte, häufig mit Alptraum (s. d.;
— Mittagsgeist, Mittagsteufel, Lust- und Unlust-
Gefühlen) verbundene Schlaf, der aueh beim
weidenden Tiere (Schafe) angenommen wird;
der l'an'sche Schrecken (s. d.) erweckt diese
dann, wie wenn sie von einer Furie (Oestrus-
Bremse) gehetzt würden (Roscher in Arch. f. Kelig.-
wissen«. I, 76). — J/MiVcr-Schlaf = ein halber
Schlaf, da die Müller selbst beim Geklapper
der Mühle schlafen und doch gleich er-
wachen; wachende Schlafsucht, Cotna vigil.
— Ross -Schlaf = ein fester, starker Schlaf,
aus dem man schwer zu erwecken ist (Gr. W.
VIU, 1271). — schicerer Schlaf (ahd. suarrer
slaf, Graft VI, 890) = gravis souinus (Hossschlaf)
— Sieben- Schläfer = einer, der immerfort
schlaft, oiler schläfrig ist, viel schlaft nach den
legendären 7 Jünglingen , die unter Dccius in eine
Hohle sieh flüchteten , wo sie in Schlaf versenkt
bllebcu, bi« sie unter Theodosiu« IL gefunden Worden
(II. Paul 418). Diese christliche Legende Ist nach
Rydberg (C. Sterne in tagt. Hundtseh. 1807, S ^74) an-
der nordischen Sage von den 7 Söhnen des nordischen
l'ntcrweltgottes (s. Oller) hervorgegangen. Paulus
Warnefried in den Gesta Langobardomm I, I verteilt
sie in eine speluuca oceani in ultimis petttbOl eepteu-
trlonis intcr Srinlcfiugos (Maurer I, '.0. — SUSser
Schlaf (1507 soe« «laefT; 1012 Messer »chlaH; 1521
si.-s schlautl, D. 542) — Sopor, ein Schlaf, in dem
man Angenehmes träumt (s. Alptraum) oder
von dem man gestärkt erwacht. — IW-Schlaf
— eine Form des sogen. Braidismus, wobei die
betr. Individuen innerlich so vertieft sind,
dass sie vollständig unempfindlich und be-
wustlos sich zeigen (s. magnetischer Schlaf i.
— Tod-, 3"o/c« Schlaf (ahd., mhd. tötsl&f, GrafI
V, :!44; Lexcr 260; engl, deadslcep) — der bedenk-
liche, Boporose Zustand, den Schwerkranke
oder Hochbejahrte haben, wobei sie gefühl-
und bewegungslos mit gesenktem Haupte dem
Tode nahe sind, xäpoc (Hlppokrates; von xipeat =
das Haupt, Kraus, K P.w. Ii»"., los); Kata(>hora, Coma
l.elhurgia, Sopor (Schlafsucht); nach dem Volke-
glauben in Schlesien und Ostprcusseu tritt er ein,
wenn mau bei einem Todesfalle im Hanse nicht gleich
alle Schlafenden aufweckt. — t/terschlafung
(ang«. ofcrslacpc; engl, over .«leeping = submegllo«
[submingere] somtiiculosus, Cock. I, 313; D. 560) —
der zu lange dauernde, überaus tiefe Schlaf,
wobei die Kranken uuter sich gehen lassen. —
m-schlafen, l. ■ etwas durch den (gesunden,
kritischen) Schlaf beseitigen. — 2. = zu lange
schlafen. — 3. = schlaftrunken. — wilder Schlaf
hart er Schlaf (Kraus. K. io>. — Schläfe-, Schlaf-,
schlafende 'Ader, -Heine, -Gänger, -Glieder,
-Haube, -Koller, -Krankheit, -los, -Natur,
■Ratz, -Schauer, -Schmerz, -Sucht, -Teufel,
-Todstuht, -trunken, -Typhus, -Wachsucht,
• Wandler, - Winkel.
schlaff (Schiewigkeit, Schlewe) [genn. eWp,
»lapa ( = lahnre, Kbwenken]. schlurf sein, schlafen,
ahd. slaf, slaff, slaffi, »Jnifl VI, 8<r2. 803, mhd. »tat.
slaff, schlaff - schlapp, kraftlos [Klage Sil), uhu« BjMti
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Srhlafntel— Schlag.
Schiaß.
nnng, die Schlaffheit, Hünnc, Schmalheil, 12. Jahrli.
slaphen = schluff, schmal, diinn werden, Pfeiffer 80;
zur selben Wurzel slep mhd. slewcchclt — torpor und
slewcn = languescere, tubesecrc [Hoffm. I, 391; Schm.
II, 539', slowi, slevvc — languores, die sihtuome, Schm.
1. eod. ; 1260 im slaphcnt die tinne bcdenthalben bei
den oren, Heiffer 19 = die Dünnen [Schlafegegenden]
erschlaffen ihm, sinken Ihm beiderseits ein bei den
< >hren ; schlaffendt hir an dem schlaffe — erschtnffend
machender Schlafe/schmerz, Schm. I, 1155; 12. Jahrb.
slaphintin mcnnlsehelt, l'felffer IS. 73. M) = schlaffe
Manneskraft ; 1731 schlapffheit, Woyt 51). — Schlaff-
heit = schlaffer Zustand, Atonia. — erschlaffen
(ahd. arstaffen, Graff VI, 804) = schneller selilatl
werden, abspannen. — Lungen-£rschlaffung
(Miiller, Krtrbch. 23) = Relaxatio, Schwache der
Mu-kelkraft o. Lungen- Atniungskraft, Abnahme
den normalen „Tonus" (nach Ifoffmann [+ 1712; ;
Haeser I. «23) (s. auch schlapp). — Schlaff- Darm.
Schlafiitel, m. (Schlesien; i raueii II, 258) =
Rücken (= Schlag Fittich, Sehlagfedern am Hü. ken
des Vogels. Schmeller II, 518).
Schlag, m. schlagen, Schlägel, ro. (vorgerm.
sink lacerare, terreissen , A%xt«ui[; germ. slah =
schlagen; goth. slahan, slag; ahd. slag, slahan; mhd
slar , «lulien, Klüge 325; mn<ll. slaen = sehlagen;
slan = Sehlag, de Vr .; 1419 siech, «leck = tabldus;
1110 schlag, der einem wirt von der suehte dich»
popelsy — apoplcxla, s. Popelseuehe! ; ll>)2 ein sehlag
von sucht, gesichteswegen, van der sufce, einer suko
de poppcltze, popelsie. popeluige, D. II; 1518 schlag
= paralysls, II. v. Gcrsd. 100; 15. Jahrh. slag = plaga
[n. Hage], D. II, 294; 1529 schlag » Tropl, Parncels
— sideratlo, D. 533; engl, slongh — brandiger Teil,
I.ehf. 238 j dan., hol!., sehwed. slag = apoplexia; angls.
siege - Bis», Strtlch, Riss von Tieren, Cock. II, 10;
aslawen, aslegcnum — ausschlagen, einen Streich
geben, Cock. II, 12. 126. 370). — Schlag = Hand-
lung des Schlagens und Geschlagenes: 1. —
Verletzung, Wunde, Beule (Huf-, Damonen-
und Gottes- Schlag) (13. Jahrh. slak - plaga (siehe
nage], «und machender sehlag, i>. 439; Heyn« v,
360; 14. Jahrh. slag a Beule, Z. f. d. A. 18*s, 113;
franz. darlole, beugne Kunkel! , bouffe, Bri*s; der
Dorfhund zu Mägden im Frickthal Oainoncngestalt
, .schlagt" ilio Leute mit Kopf- und Halsgesehwulst
Parotitis ;, Schwartz, Indogerm. Volksgl. HC). —
i. = a) der Schlagtluss = motorische und sen-
sitive, vollständige Lähmung (einreiner Kot per-
toile = Paralysis oder) des ganzen Körpers
(Apoplexia) bei Menschen und Tieren mit Be-
wuslseinstörung od. mit schnell nachfolgendem
Tode (Coler. IL .V. 109; früher durch den donner-
ahnlichen Blitzschlag einer Gottheit im Sternenhimmel
's. Horton ; conf. Schwartz, Indogenn. Volksgl. 201 ,
«pikier ilurrh ilen Einflus« «i<t «.estirnc [1577 ; s. Horton
- sideratio, D. SB; Kraus. K 919; Schwarz 110 [morbus
altonilus; 1045 ,,alz wann einen der Kontier darnieder
schluege, Coler. II. A. 107; 1500 mit vrccsen 'Kreisen)
tfeMaghen = attonltus, p, II, Iii oder durch die Plage
s. d. eines schelmischen, MihIHi lumlnillon n<imous
vergl. Mord 2 veranlasst angenommen oder auch
durch „die Hand Gottes" [s. d.;; biblischer Med. 480;
faktisch aber Ist derselbe veranlasst durch pl.iUli- ben
Krgu« [„Kluss". von Blut oder Wasser -erntii auf «og.
! edle Teile Gehirn, Lunge. Nerven, IIer/1; b) Schlag-
flu88-.\hnliches = lilhmung8arlige .Schwäche der
Bewegung und Empfindung ohne Schmer«
(s. Lahme), Gicht 2, Epilepsia (D. 201), Paralysis,
r iinktionssehwiiche; derselbe trifft, berührt,
streift (üoldschm. 119) (s. Elbenschlag n. Paralysis,
Parlis, Parli, Parieis); auch Miltbrand - Apo-
plexie bei Tieren heisst Schlag = Lues (an-
thracis) (daher Schlagkrant Ajuga chamaepltys L. und
Prlmula elatlor; Olcbtkraut Vergieht], Zitterlose, Krnft-
blume auch genannt, Abllg. 113; D. 338); c) jeder
rasche, wie ein unerwarteter Schlag einge-
tretene Tod, z. B. Sonnenstich (Morbus sol-
stitialis s. Seiriasis) b. Erwachsenen (s. Mord)
(schlag nnd de rnoerd werden besprochen, MQUenh.
512; Goldschm. 19; Kraus, E. 634). — 3. = der
lebende Herz-, Ader-, Pulsschlag (ahd. slägod,
Graff VI, 782; II. Jahrh. slac = Pulsschlag, Hoffm.
I, 891; angls. ilecgetan aa palpitare, Cock II, 4a5). —
4 = der Ort, wo durch einen Hau, Verhau,
Verschlag etwas abgesondert oder entstanden
ist. — 5. = die leiblich gesonderte Art von
Menschen und Tieren (s. Schlacht u. Geschlecht)
(Kluge*, 321). — schlagen, 1. = mit der (Da-
I motten-, Schelmen-) Rute oder mit der bewaff-
neten oder unbewehrten Hand tretlen (Herne V,
362). — 2. = mit der Hand etwas bewerkstelligen ;
den kalten Bauer (s. d.) (ab-)sehlagen (stelerm.)
= fitzen = manu stupiaie, onanizare (Gr. w. I,
117«). — 3. = nach dem Vater schlagen, dem
Vater nacharten (Rückschlag) (Wustmann 29). —
4. = eine andere plötzliche Wendung nehmen.
— 5. = vertreiben (mndl. sweren te slaene, de Vr. 33).
— die Gicht schlägt sich in den Leib = der
Gichttluss (s. d.) nimmt plötzlich eine andere
Stelle seiner Ablauerung ein (Bavaria IV, l. 219).
— der Grint schlägt sich auf die Lungen =
setzt sich plötzlich alseine Metastasis (tubercul.)
auf die Lunge und macht diese krank. — es
schlägt vors Herz = sto«st plötzlich aus dem
Manen in die Herzireijend auf (Goldschm. 102). —
Schlägel (Schlegel) (ahd. slegil; mhd. sieget, Kluge*,
823), 1. = Gerat zum Schladen. — 2. = Keule hei
Tieren, IJinterschenkel, Schlagelhein, Knochen
(Gr. w. V, 646). — 3. = Keulenförmiges, Kolbiges,
z. B. ein Schleimklotz oder ein geschwollener,
dicker, ungelenkiger Fuss (Schwaben; C. v. Schm.
165). — 4. = ein kleiner Schlag, leichter apo-
plektiformer Anfall (Schmeller II, .16; s. auch
Sehleget bei Schmeller II, 519). — Schlägeln = mit
den Fussen schlagend zappeln (Schmeller II, 520).
— Schlaghaft = durch einen Schlag verursacht.
— (1620) -/'Schlagen = wie nach dem abge-
schlagenen Angriffe abgemattet, kraftlos, z. B.
in den Gliedern, Dedolatio membrorum (Dr. Mind.
80; Kraus. E. 266; Heyne I, »I). — abschlagen =
schlagend (2) entfernen, z. B. das Harnwasser
aus der Rute = pissen (Burk 18); onanieren,
fitzen. — ^f^r-Schlag (mhd. daz Adersiegen =
Pul«. Schultz, d. höfische Let-en I, 157; 1518 der «der
sclitag = Ader-Puls, II. v. Gersd. 82t; 15»>5 aderschlag
— poUras, Rösslin; IG'- aderschlag = pulsus, Würtz),
1. - der sichtb.tre oder fühlbare Pulsschlag der
Arterien. — 2. = die Eröffnung der Blutader
mit dem Schlageisen (s. Fliedenschlag). —
febriseher /IrfYrsChlag =~ Fieberpuls (Gr. W. I,
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574 Schlag.
ISO). — an schlagen (mhd anslahcn) - gut o.ler
schlecht bekommen, plötzlich übet kommen,
zuteil werden! gedeihen (Heyne I, 115). — das
schlägt an die Hippen, 1. = macht fett unter
der Kippen weiche, Üflnnung, wo sonst die
Hungergrube ist (Gr. w. VIII, 102«). — 2. = macht
voller an den Rippen (ßayerland IX, 1898, 195). —
der Doktor hat nicht angeschlagen ^tonn III, 99)
= die ärztliche Kur war erfolglos. — /tilgen-
brauen - Schlag (10. Jahrb. In slago dero brawo,
Notker; Wnstmann 3t; ; rahd. bn'isliie, l.n« 28; Herrn.
XI, 175) = der kurze Augenblick heim einzelnen
Atigenlidschlag, dessen wir uns bei der Nach-
wirkung der .Sehbilder nie so recht und tranz
bewusst werden. — ans- schlagen, Aus- schlag
(tnhd. uzshihcn; ndd. utslag; holt, uitslag; dun. udslag;
schwod. utslag; hebr. saräath. sarü - ausschlagen)
m das, was auf der Oberfläche wie eine Blute
rasch (oonf. engl, ruh = Aussehlag) herauskommt
(Kxanthcma vivum), z. B. als eine Röte der
1 [entdecke, wie eine aufflackernde Feuertlamme
herausschlagt (Ekzema, ix£su> = brause auf). —
das Feuer schlägt ihm zum Gesicht heraus =
Fieber-Röte (Buck in), oder ein ausgeschlagener
Kopf = ein Gesicht oder Schädel mit einem
Ausschlage (Kxanlhema, s. Kopf) (a. v. ii. eil),
meist akute Exantheme, namentlich Blattern,
die ursprünglich „Urschläehten" (s. d.) hiessen,
von welchem Worte vielleicht der auf die Haut
herausgetriebene, akute „Ausschlag" abge-
nommen wurde, der dann auch verallgemeinert
wurde für Krätze, Schorf, Grint, Flechten,
Friesel etc. (Gr. W. I. »30; Goldsehm. ir.: v. M. I, 161);
die üblichen Bezeichnungen des Volks für die ver-
schiedenen Aussehlag»,formen [= Hautkrankheiten]
sind auffallend relchhullig, äusserst eingehend und
präziser als in der Sprache der höheren Kreise [siehe
Briss. '.1]. 0l»er den Volksglauben in Bezug auf du*
Knistehen von Ausschlagen s. Fabian, Bohnenessrn,
Maden etc. . so« ie Bogel. 23ü ; sie sind die Folge elbiieber
Itachc, s. Ölflecken *j. — (1576) Bade-dK**chlag =
l'sydracia thermico, Badekrätze, <las als kritisch
angesehene, durch übermässigen Hautreiz her-
vorgerufene Hautexanthem, das man im spaten
Mittelalter durch möglichst starken Hautreiz
zum „Aiisschlahen" (Theophr. Br.) veranlassen
wollte, (über den Reiz de« Badewasscr« als Kkzema
erzeugende l'rsaihe s. Velel in '/.. Hill», d. sp. l'ath.
11. Ther. XIV, 1. 34.5; das Psydraeium 'V>i>f.o; - lügen-
haft j = I.ügenblnschen, ..eigentlich weisses Illaschen
an der Na*«» oder Zungenspitze, da« vom Lügen ent-
stehen sollte", Dornblüth 110; Uoth 4-15.) — (1851)
Beschell Ausschlag- ein Bläschenanssehlag bei
Kühen und .Stuten (Beschellseuche), die be-
schellt werden; Exanthema aphthosum con-
tagiosum. — Blasen-dK.vschlag — Morta (Linne;
pemphix, Pemphigus major, Pompholyx, Wa^erblascn;
1776 Pemphigus, Henk; lütt« Pemphigus, lehrend VZt\
= Pemphigus, eine akute oder chronische Haut-
krankheit, bei der ganz prägnante Blasen auf
dem ganzen Körper sich entwickeln (Veiel in
Z. Hdb. d. sp. l'ath. u. Ther. XIV, L 537). — Blüte-
d«.-schlag = Jonta (Hippokr), s. Blüte. — (1710)
böser 4 ««schlag = eine durch böse Safte, sogen,
unreines Blut nach der Volksannahme veran-
lasste Krankheit chronischer Art (Chr. .<am. II,
Schlag.
ltifi). — Buehweizen-du*schlag, 1 = eine Haut-
entzündung pignientloaer Mellon bei L'ferden,
Rindern, Schafen, Schweinen, die mit Buch-
weizen gefüttert wurden, wobei die rotlaufartig
geschwollenen Stel 1 en (Wasserkropf) oft brandig
absterben; dieser Hautausschlag entsteht nur
an den vom direkten Sonnenlicht betroffenen
Hautstellen. — Ferkel-dKÄSchlag = Blflschen-
ausschlag bei Mutterschweinen od. Saugferkeln
(Zlpp. 887; Falko I, 278). — Fidschi- (Fidji-) Ahs-
schlag = die auf die heisse Zone u. a. auch
Fidschi-Inseln beschränkte Framboisie (s. Erd-
beerpocken) als eine mit Syphilis sehr ähn-
liche Hautkrankheit. — (1*52) Hechtenartige
(Flechten-) .1 »-schlage = Hautexantheme, die
den Charakter der Flechten (s. d.) haben (Bchr.
7 [Anra. b] u. 51). — Friesel -A Umschlag = ein
Hautexanthem, das sich als Friese I (•«. d.) zeigt,
z. B. Miliaria crystallina, typhosa, puerperalis,
Liehen strofulus etc., auchSudamina (Behrendt;
Itoth 32s). — FrÜhliii.'--.! m -schlag ein mit dem
Haarwechsel im Frühjahr bei l'ferd und Rind
eintretender, juckender Hautausschlag (Zipp.
576). — Galle-.fl tUSChlag (ndl. gal-ultslag. De Coek 73]
= ein Hautausschlag, der von Galle-Abnor-
mitäten kommen sollte. — //■.''</- .1 «-schlag
(ndl. huld-uitslag) = der krankhafte Prozesa der
Hautdecke, der sich in der verschiedensten
Weise ausdrückt, „ein über den Körper ver-
breiteter Ausbruch von Hautblttten" (anthema
— das Blühen; synaulhema, exanthema, Auspitz in
Z. Hdb. d. sp. l'ath. u. Ther. XIV, 1. 2*.'l; De l ock II .
angls. donnc se brync de on dacin jnnodhc bis utas-
lihd to dhaere hydo - si fervor Intimus BCqOS ad cutis
«cabiem impeliginetnj pronunpit. Cock. III). — (1S07)
Häutel- (Heide-) .-I «-schlag, 1. - Eichen stro-
phultis neonatorum, s. Häutein, Schälknötchen
der kleinen Kinder (s. Heide) (Heim 139). — 2. =
Pemphigus neonatorum (s. Hoidepocke). —
juckender Haut- Ausschlag — ein mit Jucken
(s. d.) verbundenes Exanthem. — (1841) unter-
drückter ll.n.t .1" -schlag = ein durch Heil-
mittel beseitigter Hautausschlag, durch dessen
Verschwinden eine andere Krankheit zum Vor-
schein kommen soll, was man namentlich dem
Ekzema nachsagte (Sobernh. IM). — (iwi) hitzige
(Hitze ) Ausschläge, I. = die akuten, fieber-
haften Exantheme gegenüber den chronischen
und lieberlosen (Sobemh. 161). — 2. = (Übersetzung
des) Ekzema (tx-£so> = aufkochen). — kritischer
✓Umschlag - l'sydracia therm ia, Brunnenfriesel,
ein bliechenartiger Hautausschlag, welchen
mnn als eine Art von kritischer (s. Krisis) Aus-
scheidung, als ein Zeichen der Wendung der
Krankheit betrachtete und früher bei sogen.
Wasser- oder Brunnenkuren absichtlich her-
vorrief. — (isii) Kupfer- Ausschlag = Akne
rosacea (s. Kupfer) (Sobernh. ::'.»7). — l.ippen-
d »(»schlag = Herpes labialis (s. Körläcken). —
(1711) Mund-diisschlagting = der aphthöse Zu-
stand in der Mundhöhle, welche durch Bläschen
u. Geschwüre verändert ist (Kirsch RS). — Nessel-,
Nestel-dusschlag = Nesselsucht als ein Haut-
exanthem mit Quaddeln gleich denen, die durch
Brenn-Nessel veranlasst sind Urticaria, Uredo,
Essera (Arabtim), Epinyctis pruriginosa (engl.
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Schlaff.
Schlag.
ncttlcmsh. I.ehf. 79; Kehrend 21 ; Cr. W. VIII, CID).
— [;.,!•• .1 (oschlag = Pferde- Kilude (Herbst
II»). — Kiesel- An schlag = die Kieseln 2 (s. d.)
als akuter Hautausschlag (Schindler II, 118). —
scharfe /i Umschläge - eine mit scharfem, itlzen-
<len, brennenden Haut-Sekrete einhergehende
Ausschlsgsform (Müller. Krtrbch. 23$). — (180-0
Scharlach -A Umschlag - «las beim Scharlach-
lieber auftretemle, Mte Hautexanthem (Gr. W.
VIII, 2203). — Trehern-^ loschlag = die Mauke
beim Rindvieh, die der Trebeinftttterung zu-
geschrieben wird (Zlpp. 575), — Z ihr. -.1 loschlag
= das bei «ahnenden Kindern auftretende,
kleine Bläschen (Hitzhlatterchen, Schäl hliis-
chen) bildende Hautexanthem (Strophulus;
fl. Gaumen U.*) (Bchrend "iO; Fuchs II, 176). — Aus-
schlags-Fieber, -Krankheiten, -Wesen — Bauch-
schlagen, -Schlagung s. hauchschlächiig (Sin-
gullue) (C. t. >chra. 463; [Oldenburg, Hamburg; bnhk-
slagen, Goldsehni. 139). — /' Schlagen - trächtig,
befruchtet (vom Hirseh ; Brehm). — Bi »■ Schlag
(ahd. puleslach, pult-slac, Leg. Bnjuv. IV, 1; V, 1; Leg.
Alam. V.». l; Gr. W. I, 1716; GratT VI, 77:1 = „si quid
alliitn liberum, per Irnm percusseril", Du (augu VI,
M2; pacl-, paewl , ikjwcI sieg. O. B. V. A. 17, 8 1»;
mhd. bülslae, Leier U) — Beulenschlag, ein Schlag,
von dem nur eine sichtbare Beule auffahrt und
keine offene Wunde erfolgt; die Funktionsstörung
war für den bajuwarischen Gesetzgeber weniger wichtig
als die sichtbare Entstellung bei der Bezeichnung der
strafbaren Beschädigungen des Körpers. — blr.itcr,
ßlab-, ß/a ic- Schlag = l'laga (la playe), durch
uulerlaufeneH Blut blaugefrtrbte Schlafstelle
der Haut (Krau«, K. 810). — mit Blindheit ge-
schlagen (nach der MM, aeaeeii xix, n abernotn-
mener Ausdruck fiir) — Dämoneiisehlag, straleiide
ringe als .Malgeburt (hlindgehorene Kinder od.
blindgewordene Neugeborene) (V. K. 18U5, ■in). —
Rli tz Schlag, l. = die plötzliche Hin wit kllllg des
elektrischen (himmlischen) Schlades (Su eiche»;
Strahles) auf den tierischen u. im-nschl. Körper.
— 2 = Blitzkatarrh (Influenza, s. llorion) —
Iilut Schlag — plolzlich ei folgender l'.luterguss
(coup de sang), der die Krauken so hinwirft,
als ob sie vom Schlag getroffen waren: a) der
Gehirnblutselilag(Apoplexiasanj{uiiicacerehri),
meist der Vollblütigkeit zugeschrieben, die nls
Schlag Fiuss (s. d.) plötzlich zum Gehirne sich
ergiesst; b) der Milzbrand (Anthrax apoplccti-
formis, sogen. Milzbrand- Blutschlag) (Martin)
beim Rindvieh und bei Schafen, wo sieh aus-
getretenes Blut im Innern vorfindet (Gr. W. II,
l'.'l; Zlpp. 61.".; Falko II, _>7',i}; c) Lungen-Infarkt
mit plötzlichem Ergüsse (Fluss) von Blut in
die Lungen; d) Haut bluterguss in Fleckenform,
Apoplexia cutanea (Behrend 76) (ohne Lilhmung
des Nervensystems) = Purpina. — Brauen-
schlag = s. Augenbrauen-Schlag und Schlng-
hrauen. — B«K!f8eUaf = der Herzschlag am
Busen, l'alpitatio pectoris (Gr. w. II, v»s). — dazu-
schlagen = hinzukoinmen; eine andere weitere
Krankheit z. B. ; der Begriff des Krank heits-
erzeugens durch den neuen, weiteren Schlag -
die (iicht schlägt sich in den Leib. — dnppel-
schlägig - das Flankenschlagen der dampligen
Emphyscmn) l'ferde mit zwei Tempo oder
auf zwei Seiten (*. Dampflinne), saccadiertes
Atmen (Kalkei, 200, 21*.). — durrer Schlag '13. Jalirh.
du Mach — lein» sine sanguine, sine efluslone sanguinis,
Du fange III, 215. 219), 1. = mit trockener Flechte,
Aussatz geschlagen. — 2. - trockene Schlag-
benle, Verletzung ohne äusserlichen Auslluss
von Blut. — es schlägt durch = macht raschen
Durchfall, Dnrchschlrtchten, Aufschlag (angis.
1 dnrhslcgenc, <oek. II, 399). — < > »(-schlagen — nach
! 1 nnentreten der akuten Exantheme, z. B. Masern,
Friesel, Blattern, die sich nach innen „werfen"
: zurückschlagen (nicht die Ursache, sondern die
Folge einer im Verlaule der Krankheit eingetretenen
I Verschlimmerung Komplikationen ] und durch den all-
gemeinen Kollapstis der Kranken, an welchem auch
die Haut Anteil nimmt, herbeigeführt, Nlemeyer II,
-.27; Gr. W. III, 276). — Am -Schlag = Hufbehand-
lung beim F.insch'agen der Nagel durch das
Hufeisen in den Huf (Seb. 25n). — £mschlag-
Afangel. — eiserner Schlag (augK isenier siege,
cock. I, 32. 30) — Blnfschlag durch Kisenwaffen,
eisengewundet. — Elben- (Elfen-) Schlag = der
von den elbischen Wesen durch das Klben-
gesi'boss ausgeführte Schlag, der bei Menschen
und Tieren Krankheiten, selbst Tod verur-
sachen konnte nach altdeutscher und german.
Anschauung (Kuhn I, 324; Grimm. Irische Elfen
murchen Nr. Iu2); wen ihr schlag traf, dor war ver-
loren oder untüchtig (G. D. M. II, 1110); so stirbt Herr
Olaf im Volksllede («.erlnud, In Zellschr. f. d. l'hllol.
I, 310) am , .Schlage" der Elbin; unser ,, schlag"
( ■ Apoplexin) ist vvnhl von diesem Klbeuscblag ge-
nommen oder ursprünglich im Begriffe davon aus-
I gegangen; gerade das rasche und plötzliche, «on«t
j nnsrhelncnd grundlose Klntreten von Lähmungen in
Empfindung und Bewegung, Entstellungen, Krämpfen,
Schmerzen , Zuckungen, die in manchen Fallen ge-
fahrlos vorübergehen, sali das Volk als eine Folge des
blitzartigen oder mit Wallen der Elben (* B. Sonnen-,
Blitzstrahlen) ausgeführten Schlages aus dem Geister-
reiche an (s. Z f. d. Mytbol. II, Ml; Z. f. d. Phllol III, 333).
der In cbrl-tllclien Zelten, unterhalten durch die auch
in der Bibel sich findende Vorstellung (Apostelgesell.
12. 2;:, l'luge, Blindheit geschlagen) u. a. als „Gewalt
Gottc«" benannt wurde (s. Zwerg-Schlag, Flage und
Alp). — Ferch- Schlag (mhd. rerehteUc) - ein
blutiger, todlicher, das Ferch = Leben nehmen-
der Schlag (Leser :ii7). — fla n ken - schlagen -
das heftige Baucbschlagen (s. d.), die heftige
Bewegung der sich ausdehnenden Bauchseiten,
beim schnell und keuchend atmenden l'ferde;
oft Symptom des F.mphysetna, der Pneumonia,
BOWIO Vorbote des Todes (Heyne II, 926; Falke I.
2«r.) (sieho sch'agbauchen). — f7icmni-Schlag
(I.Y Jahrb. fliedmc slag seu parva rulnera = ccara,
D. II, .t2'.») = durch das .Schareisen oder l'hle-
hotom (Fliedern) gemachte oder geschlagene
Wunde (Aderschlag 2). — mit Fraisen ge-
schlagen ll'OO mit vreesen geslagbcu = attonttw,
D. II, Ii) ~ vom Dämonenschlage so bertlhrt
(s. d ), dass Fraisen- (s. d.) Anfalle erfolgen. —
(i:t" .) /•'•. Schlag . 1. — das Promontorium
der Schlachltiere, welches zwischen den beiden
Garbscbaien (s.d.) auffällig hervortritt (Srhm.
II, :«!«). — 2. = Vorschlag. — (imo) ganter Schlag
| = im Gegensätze zum halben Schlag (s, l'ara-
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Schlag
Schlag.
lysis) einu doppelseitige oder tödliche Lähmung j
(Apoplexia, Panplegia) durch Schlag 2 (Seb. 352;
r>. II). — Gehirn- Schlag — ein Krguss von Blut I
in das Gehirngewehe, der durch Druck auf
dieses Lähmung (partiell u. allgemein, motorisch
u. sensitiv), seihst Tod herbeiführen kann ; man
stellte «Ich früher und wohl heute noch In den von
Ärzten beeinflußbaren Volkskreisen vor, das* ein aus-
getretener „Tropfen" (= gutta, s. Tropf) Blut diese
Lähmung verursache; der Schlag al« ..Schlagflu-*" ist
dM durch den Zufluss vou sich ergles«cndein Blute
im Gehirn verursachte, hauptsächlich sensitive Läh-
mung, lin Gegensatze zur „Lahme" = motorische
ljihmung *us Schwarbe, Krankheit oder Trauma.
Nach der mittelalterlichen Lehre glaubt das Volk |
(Huck 15), das» in den Gehlrnhtthlen :i Tropfen hangen,
■Wtl seitlich, einer in der Mitte; stürzt ein seitlicher
von der Schodeldecke herab, dann Ist die eine oder
die audere Seite des Körpers gelahmt ; fällt der mittlere
Tropfen auf den Scbädclgrund, dann ist der Mensch
„maustot" (ganzer schlag). — ,'i schlagen ~ durch
Schlag verletzt. — Gott-, Gut-, (12. Jahrh.) Gotcs-
Schlag, 1. ■ als „Gutschlag" (ein vermutlich aus
den alten Kräuierbüchcrn stammendes Wort für):
Apoplexin, „gutta = Schlag, Tropf", Kmplagia
(lti. Jahrh. halber Gutlschlag ist paralysis so man auf
den schlag lam wlrt an elm glid, Kochholz I, -11 =
halber Schlag; 1643 schwerer Gutschlag, Rochhol/. I, 41
— ganzer Schlag auf beiden Selten oder Tod ). —
2. = Gottsehlag (mhd. gotesslac. Gr. D. M. II, lltO
= I'estseuche, Iloffm. 1,77; 172> gutschlag = Apoplexia,
Th. 8. Br. 574; rilmrock, II. Ü. M. 539; 1742 gutschlag,
Zw. MM), eine Stellvertretung der Krankheiten
(Lähmungen) bringenden Gewalt der heid-
nischen üiimonen durch „göttliche Gewalt". —
(161.-.) grosser Schlag = ganzer Schlag (Coler, H. A.
107). — GurM-Schlag - sexuelle Schwäche in-
folge von Nervenlahmung (,,diasatyrion Ist gut
allen dy da [ntt] gemynnen ( =■ coire] miigen und dy da
lcutsiichligslnd und den <-lag linder der gultel( = t'ntcr-
lcib! bieten, Schmeller II, 516) (h. Gürte! 3). — Gut-
Schlag ■ b. Gottsehlag 1. — (1637) halber Schlag,
i. = halbseitige Lähmung infolge von Schlag (2)
= Paralysis, Hemiplexia, Hemiplegie, Paraplegia
(Hippokratis) (halber Gutsehlag) (Gr. Vf. VI, 75;
rann« 38; Heyne V, 837; Color, H. A. 107; D. 41; Kalke
I, 301). — 2. - Gichtlähmung (Heyne II, 1180) als
nicht vollständige, motorische Lähmung. - -
//(( fo- Schlag !ahd. halslac — colaphus, colli percussio,
Du fange II, 398; IL Jahrh. [II. Z. III}. 145.: hnlsslagon),
1. — der Schlag an den Hals (Schwertschtag).
— 2. = halsen, coire (Schtn. 1. 109:.; Heyne III, 26J.
— i/erz- Schlag (ahd. hemslagod, letaulagod =
pavor, Ural! IV, 104 •".; VI, "82; 15. Jahrh. hcrtcslach,
hartslag ■— ezta, D. 219; dilti hjcrtcslag; holt. hartslag;
schwed. hjertslag), 1. — der als Thoraxersehütte-
rung fühlbare und sichtbare IIerr.nnschlag an
der Hrustwandung. — 2. = der hörbare Ton des
Herzschlages bei Menschen u. Kind im Mutter-
leibe durch den Herzklappenschluss u. Muskel-
beweguog veranlasst (Hyrtl, Anat. 8*.). — 3. =
Pulsschlag als fortgesetzter Herzschlag. — 4. =
der Ort, wo da« Herz, schlägt (Gehäng, Einge-
weide). — f). die Herzsehhiehtigkeit der Schafe
mit schwerem Atem und heftigem Pulsschlagen
(Or. W. IV. 2. 1360; Andresen 105). — 6. - (schritt-
deutsche Obersetztmg des ndd. hartslag) Herz, Lunge,
lieber des Schlachtviehes, das Gesohlinge, Inn-
gcschlacht (s. d.) (Gr. vv. IV, 2. 1260). — 7. = der
Schlntrrluss (Schlag 2), der das Herz lähmt wie
das Gehirn (Herzlähmung). — 8. = Ohnmacht
(Pavor). — //.•'.'.-•Schlag. 1. = ein schlagfluss-
ähnlicher Zustand beim Menschon und Tiere
(Pferd, Rind, Schwein) infolge von Überhitzung
(damonlstlsch - Mittagsalp) des Blutes (Wärme-
stauung mit Erhöhung der inneren Körper-
wärme) bei grosser Luftwärme (Insolatio, siehe
Sonnenstich u. Tag) (Meyer. Konv.-Lcx. XVI, 104 j
Berl. klin. Wochenschr. 1876, 29; engl, heat strecke,
Hiustrelch, I.ehf. 182). — 2. = ein Schlag (2) mit
Hitze und Röte des Gesichtes (Apoplexia,
hitziger Schlagfluss). — //»/-Schlag = die Ver-
letzung (Schlag 1) durch «las Aufschlagen der
Hufe von Seile der Pferde (Gr. w. iv, >. is70)
Laesio ex ictu equi. — kalter Schlag = ein
Schlag 2 (Apoplexia), wobei die gelähmten
Glieder sielt kalt anfühlen = trockener Streich
(s. d., letus surdus - orbus) im Gegensatze zum
hitzigen Schlagfluss (Ackermann 153). — kleiner
Schlag, 1. ~ halber Schlag (s.d.) (1545 der kleiner
scklag oder parlls, Gurlt III. 53) s. ParalyB. — 2. =
Zungenlähmung (Heyne II, llso). — (1712) krampf-
hafter Schlag = eine Art Lähmung (Schlag) mit
Erhaltung des Bewusstseins, aber mit Muskel -
krampf verbunden (congestive Wallung) (F.nnffm.
VII. 114). — /irctir-Schläger - Schaf, .las an der
Traterkrankheit (s. d.), dem Kreusschlage oder
der Kreuzdrehe (s. d.) leidet (Falke II, 44), wobei
dieTiere infolge v. Kreuzlahme (s.d.) das Hinter-
teil, wie durch einen Schlag ins Kreuz gelähmt,
nachschleppen. — leichter Schlag = Schlägel 4,
Schlägel, meist halbseitige Gesichtslähmung.
— Lu Schlag — Lungenlähmung infolge
von Blutschlag od. Schleimschlag in den Lungen,
Oedema pulmonum, Apoplexia pulmonum,
Infarctus pulmonum. — Lungen*ctUeim-&cbl*g
— Apoplexia serosa pulmonum, ein plötzlicher
Schleim- o<ter Wasserschlag, Serum- Ergura in
den Lungen, der zur Lungenlähmung führt
(Oedema puhn. acutum). — Jifi nd er- Schlag -
| s. niedererSchlag. — 'i n ''schlagen = nacharten
I im Schlag 4 (nachschlachten). — Nerven- Schlag
— eine plötzliche, wie durch einen Schlag erfolgte
Lähmung eines (meist motorischen) Nerven
oder des ganzen Nervensystems ohne andere
aichtbare Ursachen durch direkte Lähmung de<*
Gehirns (ohne Erguss), z. B. durch Gifte, im
Gegensätze zum Blut-, Wasser-, Schleim-Schlag
(Gr. w. vil, 615; Falke U, 279). — (1532) niederer
Schlag, 1. = minder oder kleiner Schlag 2
(Fries 75) od. Zungenschlag, Paralysis (s. Paralys).
— 2 = (14.V.) minder applcxia = Niesen, Rlexler 332)
= plötzliche Retiexkrämpfe. — (15. Jahrh.) Ohren-
Schlag (slag der orn. Schmeller II, 516) = Taubheit
infolge von Blutschlag. — Paii&cn-schlagen =
ilas Auswärts« erfen, Schleudern oder r uchtein
der Küsse (beim Pferde), wie ein Trommel-
oder Paukenschläger seine Schlägel hinaus-
bewegt (die Gangart der Tabetiker) (Falkell, 19t»)
— /'«/«-Schlag, 1. = (1680 motu« pulsalis. Du Gange
Vi, 56i) Pulsus arteriarum, der Stoss der aus
«lern Herzen mit jedem Herzschlag ankom«
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Schlag.
achlaif- Schlange. 677
m enden Blutwelle, welche sich durch den ganzen
Inhalt des Arterien-Systems fortpflanzt (Ilyrtl,
Anat. m). — 2. - der gewöhnliche Pulaschlag
an der Pulsstelle (Puls 3; Schlagort). — 3. =
der einzelne Pulsschlag (Gr. \V. VII, 2214). —
(1609) i?o/.r-Schlägel = der rar Nase herab-
hängende, klotzige Rotz oder Nasenschleim
(Schlägel 3) (Gr. w. VIII, 1331); grosspatzete
Rotzschlrtgel (Schlengel) (Guar. 611). — Rück-
Schlag, 1. — Atavismus* (s. schlagen 3); „die
Thatsache, dass bisweilen einzelne Tiere eine
Forin annehmen, welche schon Beil vielen
Generationen nicht vorhanden war und einer
längst enlsehwundenen Generation angehört"
(Höckel, nat. Schopf. -Gesch. \ Scito 186). — 2. =
h. zurflckßch lagen. — vom Schlag •!> schlagen
(einer den het der schlack geschlagen, Geilers Ev. D.
nach Hochholz I, 41) = vom Schlagflnss getroffen.
— SrA/tim- Schlag = die plötzliche Lähmung
(Schlag 2) durch Krguss von schleimigem
Wasser in die Lungen (Üedema pulmonum;
Apoplexia pituitosa, s. Schleimschlagfluss) ;
man nahm früher an, dass das Geblüt dabei voll
von prafortuiertem Schleim (s. d. u. Phlegma)
sei (fattt. Medik. 4si). — «r/iirim-schlachen =
schwindelig hin- und herschwanken (Schnuller
11,633) (s. Bchwiemen). — (MM) Tropf- erschlagen
= vom Tropf(en) getroffen, paralyticus (s. Gott-
geschlagen) (Seh. yi). — «'"»-schlagen = aus
einer Stellung in eine andere rasch sich
hinüberbegeben wie durch einen Sturz (Burzel-
baum, s. d. und Sturz) oder einen Schlag ver-
anlagst; so schlügt auc h die Stimme in einen
höheren Ton Ober; auch das Kind schlagt sich
im Mutterleibe über(K..hlcr. Vor. 4»). — 67. L'lrüh
schlagen - sich erbrechen (Hirllnger, Sitten II. sa)
(s. St. Ulrich) — I m Schlag, -schlagen, I. =
eine andere Wendung zum Guten od. Schlechten
nehmen, die KrisiB Ger Krankheit. — 2. =
Abortus (= s. umkippen, umfallen) [r. Blebold 53).
— t'nfcT-Schlag (1475 d»t uiyddclste ondendach -
interflnlum. I>, soi) — Nasenscheidewand. —
Kirfrr - ("n/rrschläglein (1711 unterseblägleiii In
kifTlen = ralvnltu, D. 606) — Zwischenfach in den
Zahnlader: der Kiefer. — Ver- ( Vor-) Schlag,
schlagen, 1. = (nach früherer I^hre) die schnelle
Versetzung eines sogen. „Flusses" (Katarrh,
Rheuma:, des Kiters, auch des MilchtlusBes
der Wöchnerinnen auf ein anderes Organ
(Metastasis), z. B. eine verschlagene Pferde-
druse (s. d.), Winde, Harn etc. (|<>16 denn ehe
«ich der eytter und wu*t [au« den Frnntzosenbresten]
heraus begibt, so sucht er zwischen den Sennen vnnd
Banden viel i«rter, darinnen er sich verschlecht un
haltet, Wim, Guritlll. 254). - 2.=- eine Eni zdndung
der lluflederhaut mit Kormveränderung des be-
schlagenen Hufes, die das Pferd, „das ver-
schlagen hat" (MW; r. M 1, 43), räch (s. d.) macht
und (etymologisierend) dem unrichtigen ITufhe-
schl&ge zugeschrieben wird (= Häch-Huf) (Plwa-
Rartels I, 267; Mayer 135; R. A. ; Falko II, 186). —
3. = die Futterrahe oder das Verfangen der
Schweine, wobei sich die Winde verschlagen
haben (Zipp. 630) = harrer les vents (Brlss. 175)
oder der Fluss (Rheuma) sich wie ein durch
den Wind verschlagenes Schiff in eine andere
Richtung begehen hat (Falke II, 407). — For-
schlag, 1. = das von der Wirbelsäule zum
Schulterblatte sich ausdehnende, durch Fascien
getrennte Fleisch des Schlachttieres. — 2. *
s. Fürschlag. — (1S07) lF«7«»cr-Schlag = Lähmung
durch plötzlichen Wasser- (Serum-) Erguss auf
Gehirn oder Lunge (Apoplexia serosa, Oedema
acutum, Hydrocephalus acutissimus) (Heim C4).
(1632) Zungen -Schlag, 1. = Paralysis linguae,
die Lahmung, die die Zunge betroffen hat
(s. Paralys) = der kleine oder minder „Schlag".
— 2. = Schwerfälligkeit der Sprache bei Alkohol-
genusa (Hieti, Schwipp«). — rcr-schlagen (mnd.,
14.— 15. Jahrh. is enie dat höret toslngen dat it eme
binnen to broken is, und de hut doch ganz is, so
taste »vor lt eme to broken si unde lose cm de hut ap
unde nim dat bcnlken ut, J. f. nd. Spr.-F. XV, 123)
= in Teile durch Schlag gespalten, Knochen -
fraktur. — iura /.-.schlagen, 1. - das nach dem
Verschwinden eines Hautgeschwüres erfolgende
Wiederauflreten eines Hautausschlages an einer
anderen Stelle (\ckerm. 3'.t6), der vorerst bloss
zurückgewichen ist, um wieder hervorzu-
brechen, z. B. ein zurückgeschlagener böser
Kopf- Ausschlag (Ekzema, Impetigo) (Ackerm.
39»;). — 2. - s. Rückschlag u. Atavismus*. —
Zwergen- Schlag, 1. ■ nach dem Volksglauben
der Schlag der zwerghaften Elben, der den
Menschen lahmt (s. Elbenschlag) (Gr. I». M. II.
1110; Kuhn I, 324). — 2. — Hexensrhuss, eine Strafe
der Ilccrden-Mannli, wenn man Ihrer Warnung nicht
folgt (KochboU I, 326; Germania VI, 210). — 3. -
krank, an tlen Beinen gelähmt, vorn Vieh, das
durch den Elbenschlag (Maurer II, 9; Gr. I>. M.s,
430. 1110; Gerland, ZcItSCbr. f. d PhOot. I, 310; Kuhn,
Zeilschr. f. vergl. Spr.-F. V, 3.53 ; [Norwegen] dvergslagcn)
betroffen wurde. — Schlag-, schlagende,
SChlägCe/), geschlagene Adern,- Anfall,- Brauen,
-Matt, -BlätUhen, -l>auchen, -Bein, -Brunnen,
-Fluss, -Glieder, -Jammer, -Kopf, -Lähmung,
-Mal, -müd, -Ort, -Streiche, -Sucht.
SChlalf (SChliffig) »• schleifen ; sllffereeh. sllpper,
schlyprot.sliphich-lubricus, D.337; 11,239 (Schwaben.
Nordfr.; C. v. Schm. 466; Schm. II, ttW) - schleimig,
sclilüpferig.
Schlamm, m. (slaro. Kluge*, 325; 1696 schhitu
o<ler schleim, Schreyer 74) - schleimiger Kot. —
(175t) LciV- Schlamm - Auswurf-Stoffe (Heyn. ;,
176). — Schlamm- Fi eher, -Krankheit.
Schlampen (mhd. slamp, Kluge*. 326 = läppen,
I.ninp<'ti, Fetzen, dünner Streifen, Bnck 19) = Aus-
wurf in Streifenform , streifenförmig herab-
hängender Fleischlappen. — schlamperig (vom
MuskelHeisch) — welk, schlaff, ohne Spannkraft
(8pies> II, 217). — schlampen = schlaff hernb-
hangen, nachziehen. — /• .'u. /.-Schlampen =
dünnes Fleisch, die Streifen von Fleisch an der
Dünne des Schlachttieres (Schmeller I, 195; II,
524). — Schlamp /' f mptn, - Wunden.
Schlange, f. (ahd. slango, m. ; mhd slange, m , f.
= die geschlangelt sich hinschleichende, sich häutende
Sehlange [oder Wurm, s. d.]) = Wurmähnliches im
tierischen oder menschlichen Körper. — 1. —
Bauch-, Haut-Würmer (Parasiten) (19H todte
schlanglin - die abgestandenen Darin« ürmer, Fries
37
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57*
Bchlank— Schlarre.
Schlatt — schleichen.
116; 1592 Roaschweif mit Harm im Bad getrunken |
machet, das« ein Schlang einem aus dem Leib geht so
eine darinnen were, Seb. 192; 1645 schlangen in de»
Menschen Magen [hinclngezaubert], Coler. H A. 176.
177; 10C8 schlangen Im leih; 1482 serpula tlnen,
Schabe [I>. 630; II, 337], Hautwurm, Heyn. 221). —
ü. - die Umschlungelung der goldenen Ader am
Knde des Rückgrates (Haemorrhoidal- Venen-
Convolut), die wie Schlangenbiss schmerzen
Holl (nyrtl, K. W. 71): das* der Rückgrat selbst vom
Volke mit Schlangen in Verbindung gebracht wurde,
lehrt un» c. v. Megbg. „man spricht auch da« aus.«
de« menschen mark schlangen werden und allermeist
auss des rugdorns (nuz des rlicks dorn)". — 8. = diu
(iestalt von Krankheitsdämonen als parasitäres
(.iewflrm (s. Wurm). Schon im altlndischcn Ven- I
didad Ist eine Schlange (Wurm , I>rache) erwähnt,
welche 9, 99, 900, 9000, 19000 Krankheiten macht
(Dunckcr, Ue*eh. d. Arier 67«). - gg gjjj^fc
Schlange (1487 blodsugct>, 1195 blut suget schlang s
baemorrhoides, emorois, p. 201; II, 149). 1. — Unter«
schlang und Schlange 2. — 2. = vielleicht
auch Keigwarzen als Symptom der «iie Kon-
stitution angreifenden Syphilis (KrafUaugerin).
— Si i»-n,u Schlange (14*3 schelmslong, schellen-
slang = prester [= buprestl* '], 1>. II, 302) vielleicht
= Knölster, Qualster*, Pferdemagenwurm als
Schelmengestalt. — Schiess-, Schorn- Schlange
(1482 schoMlang ~ jaculus, Schmeller II, 480; 1). II,
207; IM! scblesmchlang; 16. Jahrh. sehoesslnkc schlang.
D. 283) ss s. 8chrj88wurm (Ader = Alter = Natter
= Schlang). — (1482) Unter- Schlang = Haemor-
rhoiden, Haemorrhagia ex haemorrhoidis, die
untere Schlange (Ii) (vnterslang, D. I, 201 , Zening.
Voc. II 6) (h. Hämorrhoiden). — Schlangen-
Aussntz, -Grint, -Mensch.
Schlank — (dünn.lelcbtgleitcnd.lelchtschlingbar;
tnndl. slankene — schlank machen, de Vr 62). —
(je- schlank (ici6; coler, n. 182) = mager. —
Schlankel, (schwiib.) Sch tacke I = ein schlanker,
dürrer, hagerer Mensch (Krbc 19).
schlapp, Schlappe, f. bu schlaff (s. d.). —
Schlappe, f. = schlaff herunterhängende Kopi-
bedeckung. — (17S3) Schlappigkeit = Bchlaff-
heit, Atonia (piainer Ii, 4i). — schlabbern, schlap-
pern = mit Bchlatier Zunge oder Lippe lecken,
so schlurfen, geifern, dass das Eingeschlurfle
zum Teil wieder herausfallt (Kalke II. 27«; engl.
■Mbber « geifern. Übt 226; II. l'aul 381). — (1782)
A fters A> .schlappung - lielaxatioani, Ahnahme
der Muskelkraft des Afterachliessmuskels
(M. n. L. 20). — den«) Ohren- Schlappen - Ohr-
lappen, die schlatf herabhängen wie eine
Schlappe (Guar. 163). — Schlapp Gosche*, -Maus,
-Ohr, -Schtcanz.
Schlarre, f. Schlärr, m., f. Schiirren, f.
Schlarpel. - Schlarre, l. Schlär (Schier), m.,f.
= ein vertogener, ungestalteter Mund (Seblarr-
maul) (C. v. Schm. 464. 4C7. Schmeller U, 5:12). —
Schiirren, 1. = der Mund (Schliirre) mit herab-
hängender Lippe (Ilintncr G. 14 ; vergl. mhd.
»Iii raffe = Gahnaffe, Maulaffe, Schlaraffe , Kluge*,
825). — 2 =s. Schlier. — Schlarpel = eine
herunterhängende Unterlippe (Tirol, Sohwnben;
[ Hintner fi. 14 ; Wolf 167). — Schiarp er . m. = die
schlürfende, schlurfend benutzte Zunge. —
Schlärr-A/a«/.
Schlatt, m. (ahd. slät; mhd. slät = Schlot, der
eine Kappe als Bedeckung hat, Schmeller 11, 637) =
Schlot (s. d ). - Schlatt- Ohren.
Schlauch, m. (ahd. slüeh — gähnender Abgrund
[faux]; mhd. slüeh ■ Z] Haut, .Schlauch, Rohre,
b) Schlund, Kehle [faux] - langer, hiegsamer, wasser-
dichter Behälter [SchlanKcnhaut. Rüssel;, Kluge*, :!25j,
I. - Penil, besonders t»eim Pferde. — 2. = die
schlnth- J laut vor dem Penis (praoputium) (schm
II, 497; Meyer ii) — 3. es die Vagina als GeburtB-
schlauch. — 4. - Kehle, Schlund (mbd.) (s. o.);
Säufer (II. Paul 384). — 5. Schlauch ( = Cbersetzung
i von Anasarka) . — Rmn, Rahm-, {Raum) Schlauch,
1. = das mit einem sahne- (rahm-) ähn-
lichen Talgdrüsen-Sekrete ausgefüllte Oehsen-
Praeputium (Schlauch 2) (Zlpp. 382; Kalke II, 231).
— 2. ? — Harnwinden, Vorhatittripper (Gonor-
rhoea). — Thränen - Schlauch - Thränen-
Kanal, dessen schlatichlörmige Auskleidung
die Thränen vom Thränenpunkt bis zur Nasen-
holde ableitet. — Schlauch -Darm, -Füllen,
-Maul, - Wassersucht.
Schlecht (gem. germ. slehta [schleichend, glatt (?)].
ahd. sieht; mhd. sieht = schlicht [s. d.]; 1475 siecht
es planus [D. 410], gerade, glatt, nicht runzelig, gering
[in malam partein], gemein, bt>«e, Kluge*, 325). —
Schlechtigkeit = s. schlicht. — (1497) schlecht
machen = glatter machen (von Wunden)
Knochensplitter entfernen («urlt II, 212). —
Ge-schlecht = s. schlächt. — irrschlechtern
= mager, schlichter werden (tioldschm. 38). —
schlecht <. er) Bräune, Eiter, -hitzig, Huden,
Krankheit, -nasig, Säfte, Teint, Tripper,
Warzen, Zitteraih.
Schlechten, pl. s. Schlichten.
Schlecker, m. (germ. siik; zltoonL sieikja =
lecken '«. d. . Kluge*, 32".; mhd. «leck = Leckermaul,
Heikelkeit beim Kssen, Erbe 22; sllc — ein Mensch,
der beim Kssen wählerisch ist, 1. cod.). — schleckig
= wählerisch heim Kssen, heikel (schwzb.;
Erbe 22). — .Furf-Schlecker (mhd. vudeslccke) -
Membrum virile, Penis (s. Kud) (ur. w. iv, 1. 363).
— Mus-, Pfoten-, Sfi/jprn Schlecker = Zeige-
finger, der als Mittel zum Verkosten dient (auch
zum Museinstreichen) (Hintner 7. 17; dletmars.
putten-, pottcnslicker, I r.iuell II, SO; Schmeller II,
5or»), — Schleck- 0/ir, -Surht.
schlee, schleh. — schleh ■ stumpf an den
Zähnen (Schmeller II, 520). — Schlee-Afi/cA.
Schlegel s. Schlag, Schlägel,
schleichen, Schleicher, m. (vorgerm. sirg; germ.
sllk; ahd. slihhan ; mhd stieben = leise gleitend gehen,
Kluge*, 326). — Schleicher -einer, der schleicht:
1. = ein leiser Hauchwind — 2. = ein leicht
gleitender Auswurf (Mucus) (ndd. sllck, Qoldzebm.
112). — (tWJ) ZHinri-Schleichen = langsam sich
fortentwickelnde skrofulöse Ilalsdrflsen (siehe
Wurm) (v. M. II, 102). — UM Schleicher - Be-
zeichnung für eine besondere liangart kränk-
lieber Menschen (Buck 12); nell (Holl) ist der Kaum
hinter dem Ofen, wo nie kranken Leute sich gerne
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schleifen— Schleim.
Schleim.
579
aufhalten. — OArw-Schleicher = Ohrwurm (E.W.
i. 63). — Schleich-, schleichendes -Fieber,
-Füllen, -Krankheit, -Nervenfieber, -Nerven-
krankheit, - Wasser.
Schleifen (germ. altp = gleiten ; ahd. slifan, Hielten;
nilul. slifen, sielten — gleiten, sinken, durch Hinziehen
um Roden sich gleitend fortbewegen, a. wischen,
Kluge*, 320; engl. Shoulder »lip = lnxatio hnmcrl,
Kaiuchm. i). — <%rachliffenes Kreta. —
Schleif» -Asthma', Betn, Fuss.
Schleim, m.t n. (germ. sli - glatt, schlüpfrig sein
(Ulnare, lim», llmm — Schlamm]: neuirisch slioni;
engl, slim — dünn, schlank, Z. f. d. A. 1888; 278; ahd. j
»lim, slimen — glattmachen, Kluge5, 116; «irafT VI,
-»3; mnd. »Um = schleim. Mag. Harth, lüla; mhd.
slim ; IS. Jahrh. Schliem = larmtis, s. Schmarroll,
Wurmschlelm, D. II, 349; H20 slym; US! schlym; 1432
»Ilm, sliem m uembrana, I). 11, 250; 14S2 sleyme =
Intnm. Unflat, D. 310; ndl. slym; engl, slime, sliminess,
Kaltschm.; ndd. slulm, schlim. Fromm. VI, 58), 1. =
«ler graue, zähe, fadenziehende Absonderungs-
Stoff der Schleimhäute, s. d. (Membranae), z. ß.
im Auge, Magen, Scheide, Darm, Blase (Niere,
Lenden), Gebärmutter etc., welcher die freie
Schleimhautoberflache wie ein feines, gläsernen
Häutlein (= Schliem, s. d.) schützend bedeckt
und in „Schienten" (■. d.) entleert wird; nach
der hippokratUcben lettre, welche die Sehulmedlzin
fast 2t**i Jahre beherrschte, bestand der menschliche
Korper (Materie) in sclneu flüssigen Teilen oder Grund-
feuchten aus Blut, Schleim, gelber und schwarzer
Galle (s. Phlegma). — 2. - schleiiuähnliches Se-
unil Kxkret. — 3. ■ s. Schliem ; der Schleim wird
„zerschnitten" (Fossel), wie ein ..Schliem" (— Netz-
haut, s Schliem 2) durch Heilmittel, die ihn auflösen;
er wird gebrochen (V K VI, 59), d. h. dnreh Berüh-
rung mit einer gebogenen (s. brauchen*) Pflanze auf
diene durch Transplantation des Datnons OWrtragen ,
er wird In der Mutter „gekocht" ( — Kndometrltls
IPauli 87 , *. kochen) nach volksmedizinisrhen An-
schauungen, die ans der Schulmedizin stammen;
daher auch: es schleimt ihn b en kocht in ihm
vor Aufregung. — (l.v;2j schleim eng (mnd.
slymich, Mag. Barth. 88b). — schleimicht i-' Jahrh
sllmech[l] = lirorosus, D. II, 238. 378; 14. Jahrh.
alumecht — llmus ; 15. Jahrh. slimecht ■ llmnsus,
1>. II, 235) = wie ein schleimiges Sekret sich
verhaltend, schlüpfrig. — schliemerig = mit
Schleim behaftet, phlegmatisch (Frie« io«;
Kflnlgasp.). — schleimen - vom Schleim reinigen,
Schleim machen, verursachen, im Korper
Schleimbildung erregen, z. B. das Bier schleimt
= faeeibus abundat (MM; Heyne V. 3S1). — (1742)
Schleimheit, (i.»2) Schliemerigkeit = der
schleimige Zustand (II. v. Gersd. 72; Zw. I.XVI).
— (170«) Augen - Schleim = (iramiae, Lama,
Augenhutter, Augenschmal«, Matrer, das Sekret
der Angenschleimhaut (A. r. II. II, C91; Gr. \v i,
an). — (iü45) B< schleimung = der schleimige
Zustand bei einem Organe, Magen (s. Leber)
(Coler, H. A. #9). — (17. Jahrh.) bos{es, er) Schleim
- infektiöses Schleimhantsekret, Schnutlergift,
(Fr. Kr. B. 345). — I > urm-Schleim = das Sekret
der Darmscbleimhaut (lo. Jahrh. „origo vermium
est ex cruda, crassa. pltuitoaa materia et putredlni
apta" [Theophanes Nonn); auch tinch Paulus Aeginetn
[420] ist der breite, schmarotzende Bnudwurm eine
Umwandlung des Bauch- oder Durm- Rotzes [Darm-
schleim, Wurmschlelm] der inneren Darmwand in ein
lebendes Wesen, Huber; (schleimige Darmfeuchte]). —
(1576) eiterischer Schleim = mit Eiter gemischter
Schleim (Gr. W. III, 392). — (1741) von Eiter
schleimicht = purulentus (Kirsch 984) = eitriger
Schleimhautkatarrh. — gelbtr Schleim — Milz-
brand (s. gelber Schelm, gelber Knopf) (Falke II,
2*2). — (172 .) Qlas- Schleim - der hesonderß
dicke, aber noch wie (ilas glänzende, leicht
grün Iii' he DarmBchleim (Thes. San. Br. 17; Kopp
IV, 384). — (1741) Grund- Schleim = der schlei-
mige BodenBatx im Urine, Sedimentum urinae
l>ei Blasen-Katarrh z. B. (Kirsch |*t). — (17. Jahrh.)
harter Schleim = dickes Schleimhautsekret
(auB dem Leihe) (Fr. Kr. B. 406). — [1712) häufiger
Schleim - angehäufter Schleim (Zw. 12».}. — (ICrW)
kalt er Schleim - der durch die kalte Komplexion
(= Phlegma) erzeugte Schleim (Beyn. 198). —
Kinds -Schleim = der schleimig, klebrig Bich
anfühlende Haut-Talg (Vernix caseosa) des
| Neugebornen, Smegma (Rolffs) (Kindschmalz),
der sich vom 5. Schwangerschaftsmonate ah
auf der Fötus-Haut immer mehr ablagert. —
(1559) Leu den - Schleim = der Nierenbecken-
Katarrh (s. Nieren), der Schleim aus der Lenden-
gegend in die B:ase abführt (Bock, Register). —
Ma ;■ n Schleim - das Sekret der Magenschleim-
haut. — Nasen - Schleim = Myxa Galeni et
Hippokrati«, Kotz (b. d.), Schnuder, (Krau«. E.
$47). — Nieren - Schleim , 1 - Lendenschleim
(s. d.). — 2. = Blasen8chleim hub der Urinblase.
— Öhren Schleim = Ohrenschmalz (Gr. w. VH,
8.54) - phlegmatischer Schleim, 1 -Hotz (s.d.),
Nasenschleim (ieie; Tabem. ; i.onicems), infolge
der phlegmatischen Komplexion (s. Phlegma)
gebildet, «ler »ich nach früheren Anschauungen
n. a. in den lials-llrüsen festsetzte. — "2. =
(15V. flegmalisrher schleim [RylT], Gurlt III, 77.78)
— Humor phlegtuaticus, Oedem, Hydrocele. —
saurer Schleim - der saure Magenschleim
(Zw. ii5). — unreine Schliemerigkeit - nicht
normaler Zustand der Schleimhäute, die tniss-
farhiges Sekret absondern (II. v. Gersd. 72). —
t7i Schleim (Oken * 18.51) =- das alle Lebens-
erscheinungen bedingende Plasma als Urstoff,
aus dem alle organischen Wesen hervorgehen
sollten. — verbrannter Schleim = Darmschleim
mit dunkler (verhrannter) (ialle (b. d.) ge-
mischt. — verdorbener Schleim = ein Schleim,
der durch Ansammlung faul, unrein wird,
wie eine aufbewahrte Speise verdirbt durch
zu langes Stehen, eine volkBmedizinische An-
schauung ans den Medizinschulen stammend.
— verschleimt = zu reichlich mit Schleim
behaftet, gehüsterig*, zu viel Schleim bildend,
z. B. die Milch verschleimt = macht Magen«
.Bchleim oder pappiges, achleimige* (»«'fühl
im Munde. — 1 1 tls- Ader - Yct schleimung "
Luftröhren-Katarrh mit starker Schleimabson-
derung (Müller, Krtrbch 281). — Magen- IVrschlei-
mung = Magen-Katarrh (schleimiger Magen).
— (l.v.i) icci'gscr Schleim = Pituila ( - Pips, s. d.),
I nicht durchsichtiger, glasiger, heller Schleim,
37«
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5S0 schleisHen— Schlenker.
Sehlem— Schlick.
sondern graulich weisses Schleimhautsekret
(Bock 151). — wilder Schleim = Übel aussehender,
hässlicher Auswurf. — (1585) lVTwi m -Schleim =
der Darmschleim (s. d.), Darmrotz, der im
Pferdedarmo bei Gegenwart von schmarotzen-
den Kingeweidewfirmern Bich bildet (Herbst 143).
— (IHS) zäher Schleim = geballtes, schwerbe-
wegliches, dickeBSchleimhauteekret(Tnbernaem.).
— ZrtÄwe-Schleimigkeit (imi schleymigkeit der
xaen, Krautw. B. 3:i) = tler schleimige Zustand am
ZahntleiHche. — Schleim , schleimig -Asthma,
-Beutel, -Bräune, -Brust, -Drusen, -Erbrechen,
-Fell, -Feuchte, Fieber (11.*), -Fluss, -Gänge,
-Grint, -Goldader, -GeblHt, -Haut, -Hämor-
rhoiden, -Husten, -Kehle, Knollen, -Kolik,
-Koortsen, -Krankheit, -Leber, -Lungensurht,
-Magen, -Pfropf, -Sack, -Saft, -ScJieide, -Scldag,
-Sucht, -Temperamtnt, - Tripper.
schleissen (schliessen), Schlitz, m. (vorgerm.
slid; germ. *llt = ierrels*eii; ahd. slizan, sleizan , angls.
«Ute = Bis« [Cock. 1, 20. 370; II, 145) von Würmern.
Nattern, Runden; nhd. slclzcn, »Uten, Kluse*, 3*26;
Urafl VI, 817) = entzweigehen, spalten, beissen,
brüchig werden, abnützen. — Schleisse, f. 1. —
abgetrenntes, aufgeschlitztes Stück, Gcwebs-
faser (ragt, slice [L«bf. 226], Kitt = Schlitz). — 2. —
träge sich schleppende Person, die sich nicht
mehr ganz erhalt (Schm. II, 534). — Schleissung
(ahd. slclzunga = fissurn, (irnff VI, 818; I). II, 175) =
Zustand des Geschlitzseins, Schrunde. — Darm-
Schleissend, n. -Gesclüeiss, -Schleis» = ein hart-
nackiger Durchfall, bei dem schleimige Gewebs-
fasern aus dem Darme abgehen, Kinderdiarrhoe
(Pauli so). — (11*3) JSw/schleiss, L « Frauen-
A'rirschleiBS = die schlitzförmige Öffnung der
Krauenscheide zur Geburt (c. v. Megbg.). —
2. (=1183 enUchlel»«eii [schllewon] : „cutsleuxt den
lelp, die apostem = fuhrt eröffnend ab, laxiert, C v.
Metrb*-i <;r. w. in, co.). — Grschleiss = das
Kollektiv der entleerten Darmschleimmasse.
— //««VSchliessen, -Schieissen - schwittende
Nngclwurzen, bei denen «he Haut schründig
aufgeschlitzt ist (Khagades), Ekzema digitorum
(RcH-hhoiz 11, 17). — (iiiot») Samen- Foschleissung
>= die übermässige Ausscheidung des Samens
durch die natürlichen Spaltöffnungen, Kecrelta
seminis («iuar. 1100). — Schlitz -Auge, Bruck
schlemm, Schlemme s. schlimm. — Schlem-
mer, m. - ein üj>pig sich nährender Mensch.
schlendern s. Schlcnker.
Schiengel s. Schlägel.
Schlenker, m. (Nehenform zu schlendern ; ndd.
= nachlässig gehen , bummeln, schwanken). —
Schlenker, 1. = ein Glied, das schlankelnd hin
und her baumelt, z. B. durch einen Lahmungs-
schaden oder eine schlechtgeheille Knochen-
fraktur. — 2.^ ein Fehler überhaupt [C v. Schm.
46"). — Schlenkerling = weggeschleuderter
Nasenschleim (Schm. 11, 629). — ) •••schlenkern
(schlingen) = verwerfen, fehlgebären (Kalke I,
393; Schmeller II, 52"; conf. engl, «link = frühzeitig
verwerfen, Kaltschm. I). — IIOIS) ewschlenkern ■
den Hals z. B. fehlerhaft halten durch Khenma
(Coler, II. A. 127).
Schienz, m. schlenzen, Schlenzel, m. (zu
schlendern? [Heyne V, 3s4), nachlässig bewegen,
schleudern; ,, wahrscheinlich aus echlenkezen. Weiter-
bildung zu einlenken", H. l'aul 385). — den Schleim
schlenzen — mühselig in Absätzen auswerfen,
schlenkern. — Schlenzel = der so herausge-
worfene Schleim. — Schienz, m. e. letzen. —
Schlenz-Gcj^«'.
Schleppe, f. Schlepper, m. (md. *iepp«n =
schleifen, schlotterig, schlaff hangend nnchzleheu;
1063 Schweif, Schwanz, Kluge*. 327) ss Penis (Hyrtl,
K. W. 203). — Schleppern = schlotternd zittern
(Schmeller Ii, wi). — Tau- Schlepper - Tan-
fetreicher (s. d.) (Z. d. V. f. V.-K. 1896, 371 ; Mannh.
382. 390. 391; Kuhn II. 162; K. u. Sehw. 3X8; dnu-
ftchloepper, dauenxlicper). — verschleppen, L —
eine Krankheit langsam in ein Land herein-
tragen. — 2. ^ lange fortziehend, andauernd.
— Zungen-Schlepper = einer, dessen Sprach-
erzeugung (Zunge) stotternd, bei lätscher (s. d.)
Zunge langsam vor Bich geht (l'niuell II, 158). —
schleppend-, Schlepp Bauch, -Sack, -Seuchten.
Schiere, f. Schlerr s. Schlarre.
Schlerper, m. s. Schlarpel.
Schietz, Schletzchen s. letzen.
Schleuderer, m. 1. = das mit der Bremsen-
larve in der Nasenhohle behaftete Schaf, das
den Kopf öfters zur Seite wirft, wie wenn es
den Parasiten aus demselben wegschleudern
wollte (Zlpp. 616; Kalke II. 2S3). — 2 —8. Pauken-
sehlagen, Fuchteln (Kalke II, 2«.'!). — Schleuder-
Krankheit.
Schlewe, f. n. schlatT u. schieb.
schlicht, Schlichten (Schlechten) [ahd. mühten
= schlichten, tlthll; zu schlecht [a. d.]; mhd. tJUita
- tieradbelt ; 1576 sehlichten - Leistengegend, Thoophr.
Br. ; 1020 schlichten m Weichen, die beiden Scham
leisten, Dr. .Minderer; Schmeller II, MI) — die gerade,
durch das Ligam. Poupartii wie durch eine
Leiste (s. d.) geschlichtet, sich erstreckende
Leistengegend oder die beiden Schamseiten,
Weichen-Gegend (Schmeller II. 504). — (1592, 1756)
schlichten = in gerader Linie streichen (Heyn.*,
205). — abhängende Schlich(t) = gerade herab-
fallende seilliche Haulfalten an der Halswammc
b. Binde (Heb. 122). — (INI) ßtmdcAtV Schlichten
sa die Leistengegend (l^eistendrüsen) bei dem
(iemächte (Schamleisten), Inguina, wo die Pest-
beulen häufig Krankheits-Sitz waren (Hyril,
K. W. 109, Knm. l. 190). — (l<;79) Ui ihi ••-Schlichten
(reihenschlechtcn) = die Leisten oder Schlichten
am Oberschenkel, Reihen (= vertiefte Linie
am Lig. Poupartii), wo die l^istendrflsen ([Hu-
honen und Pestbeulen) sich befinden (Hyrtl.
K. w. ih9). — iVrschlichten s. Urschlächten. —
Schlicht Beulen.
Schlick, m. schlickern, 1. - (lautmalend für
Klux) Singultus. — 2. ■ (ndd.. 1420 slijk; 15. Jahrh.
süech = lutum, v>. 340) Schleimklumpcn, Gerinnsel,
Koagulum (<;r. w. V, 1200). — 3. = Haar-Zopf
(Schmeller II, 005}. — Schlickern, tu. = lange,
haarförmige, zähe Milchfäden bilden, die sich
in die Länge ziehen lassen (Zlpp. 557). —
Schlichtel, m. - ein grosser, plumper, klotziger
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schliefen— Schlier.
ach 1 i essen — seh Ii ui m .
SS]
Mensch (Sehin. I, im). — schlickerig = schnell
ru Klumpen gerinnend ohne Fettausscheidung
(Kalke II, 388).
schliefen s. schlafen.
Schliem, m. (vermutlich au« der Anatomla culi-
naris, die die Schleimhaut mit dem Schleime [s. d.]
identifiziert haben mag; mhd. sllcine. sliem = Netzhaut,
Zwerchfell, Haut. Fell, I.extr 232. H29 schlem vel plr-
mithaut [ = I'ergamenthaut], vel membrana, Schmeller
II, 523; 142» M-hliem, 1432 slim - membrana, D. II, 2,10;
MW das bauch ] feil ader der «chllm ist vast dünne,
Gurlt II, 195; 1476 slyem = prnecordium, Netzl vor der
Brun, I). 452; 1182 sliem = membrana oder Hau tiein,
Zening. Voc. co 6; 1517 «lyem — praecordia, uetzl vor
der Bru»t, Aventin; 151* ■'chllem von der brüst, 8chm.
II, 523; der schliem zerret sich in dem bauch oder in
dem gemechten so man »wer hel>et a Bauchfell, Bauch-
neU; 1680 schllemcn, Zeltschr. t d. Phllol. XXVI, 260;
171* schlimmen - Leiste, inquen, K. a. 3; Tenzel 287),
1. = netzartig ausgebreitetes, feines Hautgebildo
(Membrana), namentlich das Eingeweide-Net«
(S< hm. i, 523): a) vor den Gedärmen (Omentum)
(Scbw. 60>); b) vorder Brusthöhle (Mediastinum,
Pleurale) Zwerehfell(l)iaphragma);d) (Schleim)
— Bauchhautfalte des Rindes zwischen Nabel
und Hüfte oberhalb des Euters vor den Hinter-
knien, dem inneren Schliem a (Nett) ent-
sprechend (Martin ll). — 2. = die Präkordial-
angst, nach altem Glauben verursacht durch
den „Schliem", der vor der Brust (Praecordium)
ausgespannt sein sollte, ähnlich dem Pergament
vor dem Fensterglase. — 3. = (ndd. slün) Schleim
(s. d.). — Schliem- Rippen.
BChliemerig s. Schleim,
schliepferig s. schlafen.
Schlier, tu., n. (zur Wurzel sli = glatt, schleimig,
schlüpfrig: ahd. scliernim, Graff VI, Vm - frustis — -
Stiiekehcn ( — pannus], Schmeller II, 533; 12. Jahrb.
»lyer, slyr = ulcus, Physlc. Hlldcg., Ü. II, 384; 14. Jahrh.
»Her brat [s. d.] — lumbus. Voc. opt. W. 11; mbd.
scller, scllere = Lehm, Schleim und Gcschwürbeule
besonders an den .Schamteilcn oder unter den Achseln,
I.exer 232; 1112 schlier apostema, D. II, 28; 1470
ein zagcl oder schlier, Schmeller II, 533; 15. Jahrh.
slyer - ulcus Inguinale, I». 625; IC. Jahrh. schlier =
eine Ge«chlecht!.Wrankheit, »Her, schür = apostema,
geschwer, kalte schaden, kollien [ = camhucit], Gr. W.
Vi 1129; 1-562 srhlier m geschwulst u. apo-tema ober-
halb des Schenkels und der macht, Hulm iuguluaUs,
Gurlt III, 70; 1573 icbller - bubo, Pr. II, 132; 15*2 schlier
= bobo, D. 83; 1587 schlier ^ therioma, D. 579; 1691
schlier ( = bubo] = pannus ingninis, Drüsen neben
den Gemachten, Ilad. Jun. ist; 1603 schlier — pnuuus
inguinum. I). 410; 16oy achlyer — ein durch den Bei-
schlaf entstandener Schaden, Guar. 881; 1616 schlier
ma eiternder bubo, Gr. \V. V, 1606; 1617 schlier = hitzige
Geschwulst oder entzundnng in den drüsen oder
drusechten orthen, Gurlt III, 198; 161» schlier = luxus
bubonicus, Paracclaus; Pr. II, 76 [venerischer Bubo],
1618 S4 hlier = bubo, pannus inguinum, ulcus ingui-
uarium, Schmeller II, . 3; 1618 schlier, f., ( oler, II. A.
227; 1699 schlier, scbleuren — Pestbeulen, Bubonen,
v. M. II, 121. 203; 17. Jahih. schlier - Kolben. Fran-
zoaen, Gemachtkraukhclt bei Herden, K. A. BS. 1712
schlieren ^ HoUdrüsen-Geschwulst, pannus, Drüsen
au dem Hab?, kleine AUslcln am Hai«, Zw. 12o. 972,
schlier — eiternde Drüse an der Scham oder Leisten-
gegend — exuleeratio spermatU, morbus pcnls, Gr. W.
II, 1158. 1162; 17 >4 schlier — glandula - Drüsenkrank-
helt, A. v. H. II, 691; [Niederlande] 1551 Clieren =
■crolulae, De Lock 296; Schmeller II. 533; [Niedere.]
slircn = naschen, lecken; [Pfalz] Schiler = ein Konvolut
von angeschwollenen Halsdrüsen [namentlich l>eim
Grlntkopfe ähnlich dem Drüscn-Pocket beim syphil.
Bubo], Pauli 130; [Schwaben; Schlier, n. — ein offenes
Geschwür, f. v. Schm. 468 [Kftrnthen; Schlier = ent-
j zündete Drüse oder Geschwür [V] In der Achselhöhle,
Fromm. VI. 202). — Schlier, 1. = der weiche,
i geschwürige (auch der syphilitische) Schanker
l am Penis (Zagel). — 2. ~ der geschwttrige
Drüsen -Schanker (- Bubo) in der Leisten-
gegend. — 3. = syphilitische Placques im Halse.
— 4. — Drüsenanschwellungen und Drttsen-
gesebwüre überhaupt, soferne Bie in der Sekre-
tion dem Schlier 1. 2. ähnlich sind (dies erst im
18. Jahrh.) i a) namentlich an den Leistendrüsen
bei der Pest (Pestbubonen), wenn sie schwären
(übertragen vom Drusen -Schanker) ; b) eiternde
Achseldrüsen bei der Pest; c) skrofulöse Hals-
drüsen-Geschwüro (infolge v. Hautausschlägen
am Kopfe z. B), sogen. Kropfdrüsen (Pannus,
Apostema). — 5. = eitriges Hautgeschwflr, auch
am Kuheuter; der Schlier hat stets (s. Drüsen)
in Hieb den Begriff einer eitrigen, schleimigen,
lettigen, visciden Sekretion aus einem weichen
Drüsen-Geschwüre ;Schmerzhaftigkeit ist damit
nicht notwendig verbunden; vom eigentlichen
Schlier (= Leistenbubo) wird der Halsschlier
und Pestschlier getrennt. — 6. — s. Klieten u.
Lieren*. — schlierig (1576 schlierige hure, Theopbr.
Parac. Br.; 1783 schlierig. Platner I, 176; Pr. II, 157;
Schmeller II. 532) = schleimig, viscide Sekretion
ausSchankerge8chwüren bildend, mit Schanker-
i geschwüren behaftet. — (1731) Euter- Schlier =
viseid Becernierende Geschwäre am Kuheuter
i (A. M. 23). — (1609] feingeschmeidige Schlier -
rotgläneend gespannte Bubonen vor der Ab-
scedierung (Guar. 915). — (Mitte des 16. Jahrh.) fran-
zösischer Schlier (Sartorius) = bubon d'euiblee,
syphilitisch indurierter Drüsenschanker (Pr. II,
259. 359; Gurlt III, 191). — (1753) J/rt/YSchlier -=
skrofulöse, eiternde Huls-Lymphdrüsen-An-
ach Wellung (A. v. IL I, 1213; L. chir. 76). — Pcst-
Schlieren — die Pestbubonen, Pestdrüsen-
beulen (Gr. W. VII, l »76), soferne Hie eitern. —
(1529) zufallender Schlier ein zum Schanker-
gewehwür hinzugekommener Leistenbubo (Para
cclsus). — Scbüer Braten , -Geschneiten, -Ge-
schwür, -Materie.
schliessen s (schleissen und) ScIiIuhs.
SchÜewe s. Schlippe.
Schlimm (Schlemme) (altgerm. sltmba — schräg,
schief; ahd. slimb — schräg, slimbi = Schragbelt.
Kluge*, ;>27; mhd. slimp — obliijuus, varus, schlämm
= obliuuus, schiegkend ; 1561 schlemm einbin schiegken
= varicari, Heyue V. 392; 1591 schlem a varus, Had
Jun. 3>j7; 1618 schlemm pes varus, crurlbus dlstortus,
Schmeller II, 622; 17. Jahrh. schlemme, f. schiefe
Richtung, IL A. 85; ndl. sllmbeen * schiefl-einige
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schünden — Schloss.
Schlot- Schluck.
Person, Kluge*, 327) = krumm, schief, nicht gut*
übe), schlecht, büse (Heyne V. 392). — mir ist
oder mir wird schlimm — Neigung zutn Er-
brechen, sich krank befinden, unwohl sein
(s. auch Schliem, Schleim und Schlamm). —
schlimm >.r,s Auqen, Bein, Blut, Ding*, Fuss,
Geschichte, Krankheit, Maul, Nase, Rücken,
Schaden, Schauer, Schur, Sucht, Zunge.
schünden s. schlingen. — Schlind-SW/ir.
Sehlingen (SChUnden) (indogenn. slld - gleiten ;
germ. »lind — verschlingen (Schlund]; goth. frasliudan
[= verschlingen]; abd. alindan, Graff VI, 797; ahd.
Mintan — verschlingen; mhd. »linden; 15. Jahrh.,
rad. slynghen , Heyne V, 895; uv>> gehlinken =
schlucken, v. M. II, Ml; 10. Jahrh., oberd. ver-
schünden , verschlingen [mit schllndcn zusammen-
fallend), Kluge*, 327). — Schlinge, f. = (1699) 6111
um den Knochen (beim Pferde) sich herum-
schlingendes l 7 herhein unterm Knie (Ringbein)
(v. M. I, 57). — schlingig = schlank, sich leicht
durchschlingend (Schindler II, 687). — aus-
schlingen (den Arm z. II.) - aus einer Ver-
schlingung (Bänder) etwas herausbewegen,
laxieren (Schm. n, u>i). — Geschlinge, -schlind
(mhd. geslündc = Kollektiv von Schlund; 1680 ge-
schlung, Heyne II, 1132; 17-11 geschliug = exU, Kirsch
476; [Usiorr.] gescblind — Gurgel und was daran hängt,
Chr. Sam. I, 8; heuueb. geschlung = Gehinge, Spie« II,
77; Geachlünkel, Schmeller II, 528) = der gante
Schlund eines geschlachteten oder erlegten
Tieren, d. h. mitsamt den daran hängenden,
gleichzeitig herausgeschnittenen Lungen, Herz
(Leber) (C. v. Sehin. 817) (Gehäng und Herz-
Kick). — Zun- schlingen = s. schlenken. — (1532)
schmerzliclies Schiinden = Schluckschmerz bei
Angina (Fries. 9»). — Spctzcn-, u'roi Schlinger.
1. = einer, der nur feine Bissen lecker aussucht.
— 2. — Hungerleider, der nur Speiehel (Spätze,
Spelze) verschlingt (henneberg. \ Bnlcss II, 237. 238).
— Frrschlingung = der Zustand des ganz und
gar in einander Geschlungenseins, z. B. der
Gedärme, welche durcli Axendrehung eine das
l>armlumen verengende oder verschliessende
Schlinge bilden — Ileus, ti'kt&e,, Volvulus (siehe
Instrupfung). — Schling-^CÄc/itccrrfcn , Sucht.
Schlippe, f. Schllewe i>sm; k. w. i, aio;
schmeller Ii, 531), 1. = Einschnitt, Wunde. — 2.=
Cunnus, Vulva, Kerhe.
Schlipper s. schlafen.
Schiirren s. Schlarre.
Schlitz zu schleissen (s. d.). — Schlitz-.*«^,
•Bruch, ■ Öhrlein.
schlorfen, schlorggen, schlorren ■ mit den
Füssen schlurfend oder scharrend, schleppend,
schwerfällig gehen (Reiser I, 69. 168; H. Paul 387).
— Schiorf- Hacker •
SchlOSS, 11. Schlosser, m. (ahd. slöz; mhd. «lux
a Scbloss, Fessel, Gerat zum Schliefen ; 15. Jahrh.
sehloas ~ vulva, Hyrtl. K. W. ; schloss - coxa, D. IM;
1197 ichlOM oder bullte = Darmbein, Gurlt II, 221.
1518 schloss — der unterste teil des hauch* zwischen
den diechern und auf die schäm, n. v. Gersd. 13; 15*8
schloss = schlussbcin, ot coxae [Tnbernacm.J ; 1Ö87
aclllou = geburuwege, Georg. 148; 17. Jahrh. leblOM
— schamrage, Hyrtl, K. W. , Scbloss = Becken, Buck 161,
I. = diedie Beckenhöhleschliessenden Knochen-
und Knorpelteile; Os puhis, Coxa, Os sacrutn,
namentlich die Schamfuge u. da« Mutterschloss,
welches bei der Geburt nach dem früheren Volksglauben
Perchta (s. H.; = Schliisselkatharina, Schlüsselgrete)
eröffnet; dazu die verschiedenen Schlosskrauter (Coler,
H. A. 198; Janus 1897, S. H6) (Symphysis). — 2. =
Vulva, Muttermund, Tasche, Wurf. — 3. = bei
Pferden das Ende der Nase, w odurch die beiden
Nasenlöcher abgesondert werden (Schloss-
stelle?). — 4. = das Colon beim Rinde (nach
Kalke II, 284; Heim 17) (als Gedftrm am Schloss?).
— (1756) beide Schlösslein = a) äusserer und
innerer Muttermund ; b) beideSchlossbeinseiten
(Beyn.*, 20.'.). — .FVtWCn-SchloSS (15- Jahrh. frawllch
schloss der Geburt) — Vulva, .lanua ventris (siehe
Pforte U. Schlossbein) (Gr. W. IV, 1. 90; Schmeller
II, 536). — (I4f>8) Gcschloss, Schlüssel - das
Schlossbein (Os sacrum, Os coxae), (frans ) os
barre, os bertrand (Brlss. 27) und das Fleisch
(Schlossbraten) daran, bei Schlachttieren (D. UM j
II, 107). — Geburts- Schloss — Frauen-Schloss.
— //"/7-Schl0SS (1>21 schloss de; blfft ss morbus
eozendiz = eozitis, D. 16i 1. = Hüftbein, Coxa.
— 2. = das Hüftgeschoss (s. Schuss; Ischias).
— innerliches Schloss (15. Jahrh. die Innerlichen
j schloss = vUccra, D. 623) = die weiblichen Geni-
talien als Eingeweideteil. — Jwwiy/Vm-Schloss
= Hymen (Claustrum virginale) (Hyrtl. K. w. 137;
Hyrtl. Anat. 715; 15. Jahrb. Jungckfrowen schloss =
hymen, D. II. 204), S. Schatz. — M xffrr-Schloss,
I. — Frauensch loss. — 2. — Schlossbein. —
Schloss-, Schlosser- Brätlein*, -Bein, -Erwei-
terung, -scfUiessen (Schlnss).
Schlot, m. (ahd. slat, mhd. slAt ■ Otenloch (siebe
ohrfchlatt)) = Kamin', Nase (E. w. i, 437). —
Magen -Schlot - Fauces, Rachen als Loch zum
Magen (Hyrtl. K. W. 1*7), aus dein der Rauch 4
(Magongeruch) aufsteigt.
Schlotter, m. schlottern, schloddern (mhd.
sloten = zittern; stottern — öfters zittern ■ wackeln);
die Gebeine, der Kopf schlottert; man
schlottert am Ixjibe, im Fieber (Heyne V, 399).
— Haupt Schlotter (15. Jahrh. scblotter des houpua
= treraor capitis, D. 594) = Haupt- oder Kopf-
wackelung, — Schlotter-L'mu/i, -Gelenk.
schlotzen = „saugen, im Munde etwas zer-
gehen lassen" (Erbe 39) unter schlotternden
Mund- und Zungenbewegungen.
schluchzen (spat mbd. sluckzen ; 1734 schluchsen
sb slngultus. Bauml. 34) — wiederholt schlucken
(s. d.), den Schluchzer haben, aus dem Schlünde
aufstossen (s. d., Bock, Gicht* u. briegen) unter
tonenden Schwingungen der Stimmbänder in
InspiralionHstellung.singultire. — Schluchzger,
Schluchzer = der einzelne Singultus (dies zu
gtila, glutus, Kehle, Schlund, Koih 481). — Todes-
schluchzen- derkurz vordem Tode auftretende
Singultus (l'hrenicus-Symptom).
Schluck, m. schlucken, schlucken (germ siück
[Schlauch]; ahd. slucko, sluhho, slucbhon = Fresser,
Schlucker, schlucken; mhd. slucken = schlingen,
schlucken und schluchsen; slüch = Schlund, Kehlo;
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schlafen — Schlummer.
Schlund— Schlung. 583
westf. slük ~- Speiseröhre ; spät-mbd. »luckzen, Kluge4,
328; 1611 schluck = Kehlkopf, Hyrtl, K. \V. 90; 1077
schluck = Schlund, Beynon; 1725 schlucken = „eine
heftige, oft wiederholte, gichterische bewegung des
obersten magcnmuudes mit dem dabei liegenden
zwercbfell", slngultu*. Tbei. San. Br. 37). — schlucken
(schlacken), L = Schlingbewegung machen. —
2. ^ schluchzen, singultire. — schlucksen =
schluchzen, singultire (Pauli 06 ; Eichhorn II, 378).
— (ndd.) Schlucke, f. = Speiseröhre, Schlund |
als Ort des Schluckens (Fromm. VI, 479). —
Schlack, m. Schlucker, in. Schlucken, n.
(1592J Schiticken, n., 1= die Handlung des i
Schluckens, Singultus (1. 2). — 2. = der Ort de»
Schluckens (1677 die Müsse fallen In den schluck) m
entzündlich rheumatische Schluckbeschwerden j
(Angina) (Beynou 12.) = Schlund, Schlundkopf,
Kehlkopf. — 3. = Kluxen. — Schluck auf!
SingultUS (Hufelaud 313; Seb. 99; Meyer 50) = ein
klonischer Zwerchfellskrampf (der In Kuppln, ]
Westfalen, Island, Sizilien besprochen wird, weil dflmo-
niatisch veranlasst angenommen, l.iebrecht, zur Volks-
kunde 319; Z. d. V. f. V.-K. 1897, 412; Mullcuhoff 512
— - 1 gichterische Bewegung des Zwerchfells —
•nickup [Oldenburg]). — //rrr-8Chltickig= (verderbt
aus) herzschldchlig (s. d.) (Gr. W. IV. 2. 1200). —
Kapuziner geschluckt haben = heiser sein wie
beim St. Martins- Übel durch einen sogen.
K apuziner- Rausch , bei dem der Trunkene
Helfer braucht, wie der zum Tode Verurteilte
2 Kapuziner zur Seite hatte, und im Gegensatze j
zum Jesuiter- Räuschchen, welches nicht so arg
ist und dessen man sich am folgenden Tage
noch erinnern kann (schmeller I, 1270). — Luft-,
Wind schlucken - das rülpsende, kluksende <
Luftholen bei Hysterischen od. bei koppenden
Pferden. — Schluck- /•'>. ."
schlafen, Schluf, m. Schiufer. in. Schlupf
(zu ahd. slupfen; angls. elupan — parnlysl lahorare,
< ock. III, 370; slypan = substanlla viscida, l ock. II,
18; »llplge - mucosus, Cock. II, 194; mhd. «liefen;
inud. slüpen; 1400 »chlipperlch = leicht gleitend
[r. Dann;, Ourlt II, 190; engl, »lippery = schlüpfrig,
Lehf. M - leicht gleiten). — Schlupf. 1. es der Ort,
zu dem etwas schlüpfend gelangt = Vulva (Hyrtl,
K. W. 127). — 2. = das, was schlüpft, schlüpferig,
(1692) schltipecht (Seb. 109) (luuibricus), schleimig,
leicht gleitend ist; vom schlüpfrigen Spulwurm
(schliefender Ohrwurm) oder feuchten Haut-
warzen, z. B. hinein - schlüpfen von Krank-
heilen, die sich zurückschlagen, versetzen
(K. W. I, i»5). — (1531) Schlüpfrigkeit - der Zu-
stand des Schlflpfrigseins, z. B. der Gedärme
bei I.ienterie (s. Baiichlauf) (foler, IT. A. 208;
Krautw. i.ii). — schlüpfrige^,»), Schlipper -
Magen, Milch, Rotz*, Walter.
schlürfen s. Schlurf.
Schlüssel s. Schluss.
Schlummer, m. (Schlump) (angis., 10. jahrh.
sUima; spat-mhd. slumc, in. sopor, Pfeiffer, K. u. K. II,
61; 1731 Schlummer; engl, to slumber. Kluge *, 328) '
= Sopor, Nystagmus (Kirsch BOT): a) der leise I
Schlaf; b) im Verborgenen versteckt sich auf-
halten wie ein Dämon, Krankheit! • Latenz;
c) der soporöse Zustand bei Depression der
Zentralorgane. — ein-, ent- schlummern -
in den Todesschlaf geraten, verfallen. —
Schlummer-SucA/.
Schlund, m. (Schlung, m. Sc hl unk. Schlurk)
(zu {schlingen oder] schünden [s. d .]; ahd. sluut, Graft
Vi, 798; 11. Jahrh. slunt = gliola [gula], II. Z. III;
gulla [gula , n Z. III, 308; 13. Jahrh. schlung -
gula. I). 271; mhd. slurc. slune, slunt = Sehluck
[Handlung des Schluckens], Schlund, Kehle, Hals,
Abgrund, I-exer 2.11; 1420 sluut — vorago, 1). II,
386; 14».0 sluntlezen - singultare. D. II, 340; 1468
sehlundt = ardelio, D. II. 32; 1482 slunt = gula.
Zening. Voc. k 8; 1497 sehlut = Schlund, Gurlt II. 214 ;
151H Schlund ^gurgullo, D. Ml = ructa, guttur, Ü. 502;
furiuga [pharinx] ; 1<X)9 Schlund = der Schluck, Guar.
911; H. v. Gersd. 97; 1630 der slunck = Speiseröhre,
Gurlt III, 86; 1045 schlung, Coler, H. A. 130 ■ Kehle;
1096 schlung. schlunk, Schm. II, '.2s. 529; Schreyer 70),
1. — die Handlung des Schluckens, Haustus
(Heyne V, 401). — 2. = der Ort, wo geschluckt,
geschlungen wird = Gula; (frz.) gueule (Schlund-
röhre, Schlnndkopf,Kehle, Speiseröhre, Schlund-
darm). — 3. = (allgemeiner) Schlundgegend, Hals.
— 4. = (als Öffnung übertragen auf) Vulva. — b. =
der kranke Schlund. — 6. = ein Trinker, Schwel-
ger (Schm. II, C32). — II. iiuh Schlund (mhd. büch-
sluut = ventris Ingluvies) = der obere Teil des
Bauches, wo die Speisen verschluckt werden
(Hoffm. i, S62) (Magenschlund). — Feiertags-
Schlund, 1. - Sonntagshals (Guttur), Gurgel
als Öffnung für den Feiertagstrunk. — 2. =
Luftröhre (Trachea) (Tirol; Hintner 7. 16) als
anssergewöhnlicher, unrechter Schlund. —
Fraw n Schlund = Vulva, Schlund 4 (Hyrtl. K. W.
172). — GfSchlungs, ßrschlUnkel = Geschlinge
(s. d.), Gehänge (K. W. I, 356). — Gio Schlund
= ein alpartiges, blutsaugendes Gespenst des
Volksglaut)ens (s. Gier, Räch) (H. A. Rh. 421).
— - (1692) geschwollener Schlind = Angina, Otra-
galoma (Oxygalla?) (Seb. 177). — (1482) Kehl-
Schlund = (kclslunt — gutterium (guttur), Zening.
Voc). 1. = Schlundkopf in der Kehle als Luft-
zugang zur Kehle. — >. = Infirmitas gutturis
(D. 272) = Angina. — kehl-schlündig (cheUlundig,
Schmeller II. 62f.) = durch den Schlundkopf an
der Kehle durchgleitend. ■ — (1582) Magen-
Schlund 1 (stomachus, I.oulc. 72; Beynon 160; Gr.
W. VI, 1441; Thes. San. Br. 30), 1. = der Schlund 2
für den Schlunddarm ( = Speiseröhre ; s Mering)
im Gegensatz zum Kehlschlund und Bauch-
schlund. — 2. = (l'>30) Cardia des Magens,
Mundloch, die Stelle des sogen. Herzwehs
(Künlgssp. 49, Heyn.*. 106). — (1C09) Rott Schlund
— die Handlung des Schleimverschlingens im
Schlünde (Schlund 1) (Guar. 9411. — unrechter
Schlund = Luftröhre (Trachea) (Heyne V, 402).
— <■■ '••schlunkezen = verschlucken, fehlerhaft
schlingen (schmeller II, 629). — Weibs- Schlund
= Vulva Schlund 4} (Hyril, K.W. 172). — (15. Jahrh.)
weiter Schlund - [rlcttu, D. 49>; wlteu Schlund/ -
weit geöffneter Rachen. — Schlund - Brin,
•BrittOIC, -Dann, -Decket, -Kopf, -Magen, -Pest,
-Rinne, -Rohre, -Schaden.
Schlung, m. Schlunk, m. s. Schlund und
schlingen. — schlunkezen = bebend zittern
(Schmeller II, 628).
.",s4 Schlupf — schmachten.
Schmuck- Schmäle.
Schlupf s. schlüfen.
schluppen = mit den Füssen schlüpfend
gehen, schlürfen (Schmeller II, 631).
schluppern <■ öfters schlucken.
Schlurf, m. dazu schlürfen (mbd. »lurfe —
Pantoffel, Krbe 39; ndl. slurpen, Klage , 328). —
Schlürfer, m. (n-ti atta, Kirsch 126) = ein schlur-
render, wie ein alter, gebrechlicher Mann
schleppend die Fflese kaum hebender Mensch
(namentlich schlürfen die fu^gebrestigen einlachen
Geister).
Schlurk, in. s. Schlund.
schlurken, schlurren = schleppend gehen,
■chlorren, schlürfend (IL Paul 389; Krbe 39).
Schluss, m. Schlüssel, m. Schliessen, f.
SChliessen (ludogenn. klnud [claudo' ; vorgerm. »klud
Iclaudo, »claudo]; gern», slnt; ahd. sliozan, hluzzll ;
mhd. sliezen [xchliossenl, slüzzel (Schlüssel], sluz[Ende),
Kluge», 328). — schliessen = eine Öffnung voll-
ständig ausfüllen (siehe auch Schloss). —
Schliessung = Heilung einer offenen Wunde,
Hornspalte. — Schluss, L = Handlung des
Sehliessens, z. B. den Magen auftreibend voll-
machen und seinen Ausgang versperren (Schm. I,
1575). — 2. = der Ort des Sehliessens, z. B. durch
Knochenverbindung( = Schlussbein), weiterhin :
a) äussere Beckenöffnung (Vulva); b) After. —
Schlüssel, m. — (bildlich) verenda virilia, die das
Jungfern-, Frauen-Schloss eröffnen (s. Nagel)
(Schmeller II, 537; im 15. Jahrh als Bilder verkauft an
Weiber, I, cod.; Pauli 140). — 4/rer-SchlÜSSel (»17
dess afltercn Schlüssel, Gurlt III, 189) = das Werk*
zeug am Schluss 2 b, Sphincter ani. — (lfl. Jahrb.)
'..schlössen = eingeklemmt, eingesperrt, (Tenes-
mus) ausfüllend = verstopfend (1483 dca nitlzcs ond
der leveren verschoppen ond besliezen - epilaclo [epar],
D. Ii, 152). — (ir.01) .ßnaf-Schlüssel, -Schliessen
— (Pbenetzung der t'lavicula) — Schlüsselbein, das
als Werkzeug zum Brustschlusse aufgefasst
wurde (Hyrtl, K. w. 138). — (1592) r <.•.-,•• schlössen
- mit einem sogen, ganzen Gebiss (s. d.), das
alle Zähne einschliesat, versehen (.Seb. 208). —
den) BkMm ] schiiessen _ das Geburts-
(1764) Schlossbetn j
schloss (Becken, Muttermund oder Schlossbein)
Vulva (Schloss 2 b) für den Coitus oder den
Geburtsakt verschlossen machen (nach Volks-
glauben auch durch Zauberkraft, Kriscbb. 7 ; Heyn.1. JUO ;
Wdr. B. II, 63; Z. d. V. f. V. K. 1896, 127; l. A. 217;
s. Nestelknupfen u.') (Vaginismus; Webenkranipf,
schwere Geburt). — Verschluss = vollständiger
SchlOM einer sonst oflenen Stelle, z. B. Darm-
höhle bei lleuP, Einklemmung, Axendrehung etc.
- - ZU- schliessen (12. Jahrb. zuslushet = minult
menstrua, I). II, 254) = versperren (s. d.), z. B. den
Blutkasten. - Schliess , Schluss-äri», Maus.
schlutz(r)ig - schleimig (Schiotz, Hrhlatz, Sohlütz,
Schleim, Schmeller II, 510; 15. Jahrh. scluczig - lecta,
I). 322). — SChlutZTige Gur:iel.
Schmachten (altnord. smar — klein; ahd. smAhi
— klein, niedrig, Kluge1, 329; Ii. Jahrb., nd , md.
smukten = an heftigem Hunger leiden; 15. Jahrb.
»macht - esuries, D. II, 1-7 ; H. I'aul389, ahd. gUmiitheön
= schwinden, Kluge). — schmächtig = mager,
schlank. — Schmacht- Lappen.
Schmack, m. schmecken, Schmecker, m.
(vorgerm. «mag; germ. smak; ahd. imac, smack,
smecken = schmecken, Geschmack empfinden, Graft
VI, 824; 1260 wol smecket (vom Mundgescbmark],
Pfeiffer 45; inhd. sraac, smackeu, smecken — kosten,
versuchen, Geruch empfinden, riechen, Kluge*, 829;
14. Jahrb. smekchen - von Wunden übelriechen, Z. f.
d. A. 1888, 142; 1482 schmack - atanck, Zenlng. Voc.
cc 6; 1532 die gesehmack , (Bayern, Alem.] schmecken
— riechen; [Oldcnbg.] atnack = Appetit, Goldschm.
120; engl, smack). — Schmack , 1. = die Ge-
schmacks- Empfindung. — 2. = Geruch-Empfin-
dung. — 3. = normaler A ppetit. — Schmackung
(1532 schmackung) = die Geschmacksempfindung
(Fries 83). — schmackezen, sekmacksen = siehe
schmatzen (smacklzen, Schmeller II, 543). — Ich
kann ihn nicht schmecken ( — ein wohl ganz
ernsthafter Ausdruck einer sehr alten Überlieferung
einer Grussformel durch den Mundkuss als eine
Abart vom Nasengruss) = ich kann seinen Geruch
nicht ausstehen. -- schmacken, 1. = (anhd.)
schmecken. — 2. — schmatzen (nordd.; II. Paul
389). — (1420) Schmecker, m. = dasjenige, was
riecht s. B. — 1. = stark entwickelte Nase,
welche gut riecht (schmeckt). — 2. = (blcnnus,
hircosus, d. 77; Hlutner 6. 16) Übelriechender. —
r schmack ' = was übel schmeckt, ge-
schmacklos. — (1532) Brust 1. schmack = der
Geruch säugender Frauen (Fries 97). — er-
schmecken = in übelriechender Atmosphäre
ersticken (Schm. II, (MI). — (1482) /iiMW-Schmack
= übelriechender Fusschweis (Foetor pedum),
Fusstank (tusschmack = pedor [foetor], D. II, 2*4;
1. voc. I; Gr. w. IV, L 1011). — Gcschmack(e«), m.
(ahd. kasmacbo, kasmagmo = sapor. Graff VI. 825;
gesmaeege, Du Gange I. 374; mhd. gesmack; 1474 ge
smackeu - fragranria, Schmeller II, 542) = die Summe
von Sehmeckemptindungen. — ge&chmackt —
was wohl schmeckt. — geschmagen (von un-
heilbaren Kranken) = flbolriechen (Schmeller II,
6li). — (1609) grosser Schmecker ^ grosse Nase
(Guar. 64). — M umf-Schmack (15- Jahrh. mund
smack - oscedo, D. Ii, 274), 1. = die Geschmacks-
empfindung in der Mundhöhle. — 2. = Geruch
aus der Mundhöhle. — .WA-Schmack ■ die
nach dem Einführen von Dingen in den Schlund
nachträglich «ich einstellende Geschmacks-
empfindung. — pappiger Geschmack - der fade,
weichliche Geschmack, als ob man einen Brei
im Munde hätte. — (1632} übler Geschmack =
schlechte Geruchempfindung (Fries 97). — (1742)
ungt sohmackt = schlecht schmeckend (Zw.). —
tVn^eschmack, m. = schlechte Geschmacks-
empfindung. — rerschmacken - verschmachten
(sehmelier Ii, 543). — Schmack , schmeckende
-Rra/t, -Schädlichkeit, -Sehne.
Schmär s. Schmer.
Schmäle, f. SChmal (mhd. smal — nur nach einer
Dimension hin sich ausdehnend) - klein, nicht dick,
mager, schlecht genährt, kränklich aussehend.
— Schmäle, f. - la tatile, die Dünnung, Öde,
Leere, schlankste Stolle am Leibe (mhd. imele,
Schmeller II. 548). — Schmälung langls. smallung.
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Schmalz — schmarieksen
tock. II, 260) = Schmal werden, schmaler Zustand.
— "Schmalen (augla. aeamaelum, lock. II, 36. 302.
338) — anfangen kleiner, enger zu werden, z. B.
an den Pupillen. — Schmal - i)- Adern*, -backet,
-Darm u.*, -Fuss, -Gesicht, -Hanns, -Rippen,
-sichtig, -Tier, - Vieh, - Würmer.
Schmalz, m. schmelzen (vorgerm. »meld, meld ,
dazu : [Mal«, M1U, schmelzen ; erweichen]; gertn. amelt ,
ahd. »mal»; mbd. «malz; engl, melted butter), 1. =
ausgelassenes, leicht konsistent werdendes Fett,
Schmalz (Kluge4, 320). — 2. = Schmalzähnliches.
— 3. = das, was das Nahrungsschmalz im
Körper erzeugt = Kraft. — Schmalzin, f. =
fette Weihsperson (Oberbayern ; H. hmeller II, 561).
— schmalzen, schmelzen, 1.^ cacare, weichen
Stuhlgang machen (Schmellcr II, 652). — 2. = sich
flüssig machen, z. B. vom Urinschaum (mnd ,
XI.— 15. Jahrh. amelt de acume nicht, J. f. nd. Spr.-F.
XV, 111). — .Imn Schmal/., 1. = Armfett und
2. = Armkraft (Gr. w. i, .60). — (I7.v.) Augen-
Schmalz - der zähe, weissgelbliche Augen-
schleim (Mascher, Greck, Schlaf etc., Sekret
der Meibomschen Drüsen) (A. v. lt. I, «79; Qr. w.
I, Ml). — Bein-Schmalz - Knochenmark (Fett),
Beinöl (Gr. w. i, i3*s). — .Fett- schmelzen, 1. =
die Entleerung von fettem, dickem, zähem
Darmschleim (s. Schmarotzer) neben Kot beim
Pferde (Falke I, 280; Abllg. 39). — 2. = la dlarrhee
gralsscuse, larfondement (Bris». 1>9). — Kinds-
Schmalz = Vernix caseosa, Kindsschleim (s.d.),
der wie Butter auf der Haut des Neugeborenen
haftende Ilauttalg (s. Schmer). — Klauen-
Schmalz ■ zerlassenes Klauenfett. — (MM)
-V .-w ..i-Schmalz - gelblicher, flüssiger Nasen-
BChleim (Ur. W VII. fc33; EUau; F.. W. I, 152).
— Nieren - Schmalz - zerlassenes Nierenfett
(Niercnöl). — (1561) i Schmalz ■ Sebum
nuriculare, Cerumen (= cera aurium), das honig-
artige, gelblichhraune Sekret der Schweiss- und
Talgdrüsen im Äusseren Geliörjrantfe, da« man
früher auch als eine Reinigung de* Hauptes von «einen
IHinsten an«ah; die mediziu. Schriftatcller übersetzten
die rera aurium in Biencnhausleln {». d., Ur. W. VII,
12») (OhrenHchmer, Uhrenwachs). — Rippen-
Schtnalz - das an den Kippen sitzende Fett,
das am leichtesten sich ansetzt oder ver-
schwindet. — Vchsen- Schmalz — der Achsel-
sch weiss, der die Wäsche am l-eibe gelblich
verfärbt (Fchse, s. d ). — [1808] Zahn, -Schmelz
= Suhstantia adamantina, das Email des Zaune«,
das wie ein Glasfhnw die Krone desselben über-
zieht fAutenr. in. 39 .). — schmelzende, Schmalz
-F<U, -Flus», -Kätker; -Schweisse.
Schmand, m. (am dem islavlsehen entlehnt ; b.ihm.
amant; ta. heeb. tmctmi; mhd amant; [Schlesien.
Böhmen, Österreich 1 ametten. Kluge*, 329; U26 amant
= oxygalla; i486 schmat = cxigalliuui; 15. Jubrh.
smand, aapa, D. 404. 601 ; II, 276.) = Milchrahm.Sauer-
rahm, Schmutz, Dreck IThuringeii, Lippe; .Sehm.
Ii, 552). — Schmand-iiVxe.
Schmarbe f. Schmarber, m. (henneb.) -
Schmarre, Schramme, Wunde (Spiww u, 219).
schmarieksen — Diarrhoe (schmar - niuen
rotzen l, fettigen Rotz aus dem Bauch verlieren,
Schmar rützen (Schindler II, 553).
Schmarotzer— schmeissen. 585
Schmarotzer, iu. (zu [15. Jahrb.] amorotzen =
betteln; 1521 achraorotzer parasitaster, I>. 412; 1561
»morotzen — parasitart. Kluge*, 329; amarrotzen?J. —
Schmarotzer - ein Tier, welches von dein Safte
(Schmer?) anderer Tiere wie ein Bettler (s. d.*)
von anderen Menschen lebt oder vielleicht
auch ein heftigen, schmierigen Darmrotz er-
zeugender, fettschtnelzender Parasit im Darm.
— Darm-Schmarotzer = Darm-Parasit (Wurm),
der aus dem Darmschleim (Kotz) entstehen
sollte nach früherein Glauben (s. Darmschleim).
Schmarre, f. (goth. amarnös = atercora,
[Schmcller II, 563] aU dura egestlo, D. 549; mhd.
smurrc, «marwe = Hieb, Streich, Kluge*. 329; ICSI
achtnarren = vlbex, slguttm verberla, lind. Jun. S*6;
167-4 scharre = schraarre — Brandachorf, Gurlt III, 119;
1743 schmarre), 1. = das trockene Wundsekret, «he
borkige Narbe, die auf einem Geschwüre oder
einer Wunde liegt (Sehw. 606; Schmcller II, 6B).
— 2. - llautverletzung, frische Wunde, Schlag-
spur (Heyne V, 412). — Ruft n Schmarren - die
borkige, rauhe Kinde, die sich auf einer Im-
petigo- oder Herpes- Pustel der Haut bildet.
schmattern, Schmadder, m. (n metern, smu
dem, mit Gerauach hinwerfen, schallend klingen, ein
Schallwort), — schmattern - einen durch beige-
mengte Luftblasen schmetternden, plätschern-
den, dünnen, leichtflüssigen Stuhlgang haben
= cacare (Hintuer 7. 17; Schw. 601). — Schmat
terer, m. - I'odex, der schmattert (Hlntner). —
schmäder-ässij*.
schmatzen = schmatternd mit den Lippen
einen schnalzenden Ton von sich geben beim
Essen und beim Küssen (8obL; H. Paul 390; mhd.
amackezen, amatzen; 1018 achmulzeu — paparu, D. II,
279; Erbe 2t.).
schmecken s. Schmack.
schmeissen, schmitzen (lndogerm. smi - platten,
schlagend glatt machen; altgerui. arall - bewerfen;
goth. smettan = beschmieren; ahil. smiz — naevus;
| bismU, pi-tnUzldn, f. — maculae feditatis [(irafl VI,
N37], beschmutzen; s Jahrh. |ilsmlxzt, pismiz - macula,
contngiuin, Kero. (iloaa. SO. 73; pismizzani - tinetio,
Schmcller II, 562; pismizen = bestreichen, \V ackern.
271; mhd. smizen = atrelcheu, schlagen, [amilzcn] mit
Knie Ii bestreichen, Kluge*, 330. 331; mhd. ainützen -
In den Gliedern reiasen, zucken, Lcxer 235; [Tirol]
Schmelze, f. ~ Schmeiastliege, Heyl 17s, engl, lo atnite
— mit Farbe »«werfen; smitlle - mit Krankheiten
anstecken, Kalt>chm. I; schwed. stuitta - Seuche;
smitlsatnhet — Ansteckung; dan. smilsom, smittc -
Ansteckung; holl. besmetting — Ansteckung), 1. =
(in ahd. Zeit) mit der Kute schlagen (s. d.) und
mit Auswurf oder Kot bewerfen, mit Insekten-
Eiern beilecken, mit Madenbrut bestecken,
damit ansteckende) Krankheiten hervorrufen
,s. Engerling, Dasselbeule). — 2. — cacare,
Kot absetzen, verunreinigen, beschmieren, an-
stecken, die Exkremente auswerfen (S. hmeller
II, 556 j Heyne V, 416; ahd., mhd. suiclzeu). — 3. =
einen zuckenden, reissenden Schmerz, als ob
man geschlagen wäre, (schmitzen) empünden
(Uurk 19; i.cxer 235). — Schmiss, Schmitz, m.
Schmitzer, m. Schmitzen, f. = Fleck, Narbe,
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58«
Schmelche — Schmer.
Schmerz.
Wunde, die durch einen Schlag entstanden ist.
— axschnieissen, anschmitzen = maculare,
besudeln. — bi -schmeissen, -schmitzen = an-
stecken (1507 bcsmyt = lnfectus, D. 296; ndl. be-
smettelik, Do Cock 202; 16K9 beachmitxt — angesteckt,
IT. II, 313). — in schmitzte Sucht. — (Oldenburg)
rfaruschmeisBen (datosmaeten) ■ es wirft sich
eine Verschlimmerung xu einem leiden wie
ein neuer Schlag (Goldacbm. 118). — Grschmeiss
(1482 gesmatz, c. v. Megbg.) = Unrat, Kot als Kol-
lektiv der Beschilderung und Ansteckung
geschmelas = ansteckende Pestkrankheit, Luther VIII,
430; 16. Jabrb. {ehrliches gcachmclss = gefährliches
Aussau- od. Pest-K ontagi um; 1560 geschmeissfge roten
= Staupe, H. Sachs; Heyne V, UM; Schmeller U, HO.
— Haut - SchmitZO (1077 hout-smeede — papula,
I). 411) aa Haul decken (infektiöse). — (1742)
7Yii/Vto-GcBchmeiBS = die ansteckende Krank-
heiten bringenden Zauberer, Hexen (Thes. san.
Br. 976). — «flfcrSChxnitZt (ahd. unplstnlian) -
unberührt, unbefleckt («raff 1, 308). — Schmeiss-,
schmeisslich Gestatten, -Koortten.
Schmelche, f. (mhd. smclche, f. = Schmiele,
Scbmelchgras, damit verglichen): ein dünner, hagerer
Körper (Tirol; Hlntner 5. 10). — schmelchen =
zusammenschrumpfen (Schmeller Ii, 550).
Schmelz, m. schmelzen, 1. = s. Schmalz. —
2. = die Substantia eburnea dentium, der milch-
glas- oder elfenbeinähnliche Überzug (Glasur,
Kmail) der Zahnkrone (Kmus, E. 676) = Zahn-
Schmelz s. S. 585a.
Schmer, m. , n. Schmeer (Schmär) (germ.
smür; goth. smarna, Schmutz; abd. smero, Caas. Gloss.
— Fett, pinguedo, smerw sb arrlna, Graft VI, 833
[dazu : schmieren]; angls. smcoru - Scbmocr; smerum
= buccis, fette Wange, Cock. I, LXX; altnord. smjor
— Butter; kell, smeru, Z. f. d. A. 1888. 274; Welnh. IS;
1260 smer ■ fett im I.elbe, Pfeiffer 80; 18. Jahrh. amerve
= Vernix caseosa = Kindsschmalz, Plöns- Bartels I, 276;
mhd. smer = arrlna, fett; 1Ö61 das schmeer, felszle
— der bauch desz menschen bei dem nabel dn alle
clugcwcld ligend, abdomen . arvlua, Heyne V, 418;
engl, smear), 1. = das Baucheingeweide- Fett
(HyrU, K. W. 48). — 2. = der Bauch selbst (Heyne
V, 418) (Schmerbauch, Schmerleib). — 3. = Fett-
Ähnliches (z. B. Ank Schmer = Butter, geschlagenes,
gerührte« Fett; ahd anesmero = butyrum. «raff VI,
833; die Schmiere ist eines der ältesten Verbandsmittel
bei Wunden, vergl. darüber Z. f. d. A. 1888, 274; zu
smlr [s -f- mir] vergleicht man auch grlecb. p-rjpv/ =
Salbe; dazu altfranz mlro, mlresse, mlrator; 1389 mirc
= medlcu*. cblrurgus, Du tätige V, 406 ff.; IX, 274;
Kluge*, 330 = der mit Salben behandelnde [Zauber ]
Arzt; dazu wlltmanu — mlro, Schmeller I, 1723; siehe
Zauberer). — 4. = das Kindsschmalz (Vernix
caseosa), mit dem man früher die Gebärmutter
der Schwangoren ausgeschmiert annahm; mit
dessen Fortbestand sollte Im Innern derselben die
Woehenrelnlgung verhindert werden (Pfeiffer. PIoss-
Bartels 1 , 276) und andrerseits es beim Kinde zum
Schmerllussc Minolta) kommen. — (1518) inwendiges
Schmer (H. v. Gersd.) — das innere Kingeweide-
Fett zum Unterschied vom Fett im Unterhaut-
zellsrewebe um den Nabel herum (Schmer haut).
— .Vi /; Schmer (ahd. nczzlsmero - reüculum jecoris.
Graft VI, 833; l>. II, 318; nezzissmero - reticulum,
H. Z. III, 122; nezzesmere = reticulum, D. 496; II. 318)
«das fettreiche Bauchnetz, Lebernetz, Schmer-
fell. — OÄr-Schmer (ahd. orsmero, Grafl V, 4.'^,
H. Z. VI; mhd. örsnier, Lexer 182; HofTm. I, 386;
15. Jahrh. orschmer, ortmere = aurista, auatiri* —
auristerium, D. 638; II, 44) = Ohrenschmalz. —
Bippm-Schmer = Rippenfett (Gr. w. vm, n«4).
— Schmer-, Schm&i- Bauch, Fell, -Ftu*$, Haut,
-Kopf, -Leib, -Rotz.
Schmerz, m. Schmerzen, m. schmerzen,
schmirzen (Indogerm. «merd — stechen (mordere).
beiaten [3u,»p5a).to; = graaallcb]; germ. amert; ahd
smerxo, m. Strien», f. smcrzan (Kluge*. 330], smarz.
(irafl VI, 834 ff.; mhd. «merz, m. «merze, m. = dolor,
16. — 18. Jahrh. schmerzen, m. ; »merzen = dolerc.
unabsichtliche Veranlassung zum Schmerz geben
[H. Paul 392), Webgefühl haben; 1618 scbmlrtsen ■
dolore, Schmeller II, 667; holl. smart; dan. smerte,
schwed. »maerU; engl, to smart = schmerzen, leiden
— Schmerz — das Gemeingefühl beim Leid-
od. Weh- Kmpfinden : 1. = der einzelne Schmerz-
Anfall, der sich an den verschiedenen Em-
pfindung besitzenden Körperstellen ausdehnt
(Odyne HippokratiB s. Neuralgia). — 2 = die
Schmerzen, pl. oder anhaltende« Schmerzgefühl
(Heyne V, 419) (Aegritudo corporis, Dolores). —
3. = s. Mangel u. Wärch. — Schmerz ist lokal
und mehr subjektiv; Weh ist allgemeiner be-
kannt und meist von kürzerer Dauer. Die
Bezeichnungen für diese häufigste Unlust-
Empfindung sind meist den subjektiven Ver-
gleichen mitVerletzungs- (Folter-) Instrumenten
(s. Pein) entnommen, z. B. brennend, stechend,
dehnend, drückend (osteocopus Hippokratis),
reissend, klopfend, pulsierend, schlagend,
beissend, nagend, schiessend, spannend, tief,
zerrend, brechend, ziehend, bohrend (Hahnemann
führte sogar 75 Varietäten von Schmerz an); andrer-
seits hat wie Pein (= poena, s. d.) das Schmerz-
Wort zum Krankheitsnamen gedient (de potiori
fit nominatio); der Schmerz wird gestellt, ge-
stillt, verbissen; er benennt sich zumeist nach
dem Orte, d. h. nach dem Organe, wo er em-
pfunden wird; schulgemäss wurde er als kalt
(s. d.) oder hitzig (s. d.) (1761) bezeichnet
(L. chtr. 26). — schmerzlich - leichten, vorüber-
gehenden Schmerz erregend. — schmerzhaft.
I. = wiederholt Anlass zu Schmerzen gebend
(H. Paul 393). — 2. = mit Schmerzen behaftet. —
geschmerzt (verrächtllch), 1. = empfindlich, weh-
leidig, jämmerlich thuend. — 2. = erbärmlich
(Schmeller II. 567). — ^radi-SchmerZ (angU. ame-
■man = polygonum pcrslcaria [Cock. III, 323] als Mittel
gegen den) = Juckreiz am After, in der After-
kerbe. — .-1 "'/i n- Schmerz — ein peinigendes,
stechendes WehgefQhl in der Augengegend
(Gr. w. i. 84). — Bauch- Schmerz - Gefühl von
Leibweh, Bauchweh. — Blitt- Schmerzen -die
im 1. Stadium der Tabes (Ataxie locomotrice
progressive) auftretenden, wie ein Blitz oder
Lanze die Beine durchfahrenden sogen, lan-
zinierenden Nervenschmerzen.— i9m>f-Schmerz
= ein Schmerz unterm Brustbein, bis zu den
Brust- und Bauchmuskeln sich erstreckend. —
FK*8-Schmerz - Schmerz an einem oder an den
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Schmerz.
Schmer«.
587
Fassen (Gr. W. IV, l. 1041). — (17») dehnende, (1749)
d»hnende Schmerzen — spannendes, dehnendes
Wehgefühl (Woyt 124; Zeltschr. f. d. I'btlol. XXVI,
239). — Entzündung-8c\\merz = die Verände-
rungen der Empfindung an Wunden, die sich
einige Tage nach der Verleitung daselbst ein-
stellen im Gegensätze zum eigentlichen Wund-
schtnens. — (ieso) Qeburts- Schmerz = Nixus
(nisus) (Gr. w. IV. l. 1910) = («eburls-Weh, (iebar-
Wehen (s. A rinnt). — (1096) GoMäc/if-Schmertzen
= Weh am Gemacht (s. d.) (Schrcycr 27). — Oe-
siehts- Schmerz = Neuralgia nervi trigemini,
Schmers- Anfall an den Gesichtsnerven (1530
schniertzen der halbeu htrnschcdel [Kunigssp. 47],
hemicrnnla [Migräne, 8. d); 1727 Neuralgia nervi quinil,
Wepler; 1756 Tic douloureux. Andre; ». Wecker; 1773
von J. Fothergill [1712— 17S0], einem Londoner Arne,
beschrieben, Villar. I, 032; engl, face aguo, Dnrnbl. 44).
— (1087) Os/;änn-8chmerz = der Sauge- Schmerz
an der weibl. Brust (s. Spunn) (Georg. 447). —
Girat-Schmerzen = laufende = herumziehende,
den Ort des Sitzes wechselnde Schmerzen hei
der fiieht und dein Rheumatismus (Müller,
Krtrbch. 212). — (17:*) Ortes - Schmerz = der
Schmelz- Anfall beim Gries ( = Nierengries, s.d.),
Dolor nephrilicus, Nephrolithiasis (A. v. II. I, 501).
— Hacken- Schmerz = Wchgefühl an der Ferse
(Hackenhein), Achillodynia (K. Albert). — Hain-
Schmerz - Wehgefühl in oder an dem Halse.
— Haupt- Schmerz (1488 houbet-suiorze [C v.
Megbg. ; Lexer 100] neben dem Zahn-, Ohren- und
Nierenschmerz die älteste lokale Differenzierung der
Scbmerzbezelcbnungcu (früher Wehtag de« Haupte»];
13. — 14. Jahrh., niud. kephalea [ - ccphalalgia; : „das
ist eine Sucht und wird in dem Haupte davon, da»
das Ulm bestoptet ist, und beginnt zu faulen und
kommt von dem Magen", nach Mag. Barth. 93b, 1532
schmcrlzen de» haupt« [Fries 69. 71), hemlerancus ge-
nant. ,.etwan Ut der schmertz In halbteil des haupts";
1080 haupUichmerz - cephalalgla, lir. W. IV, 2. 028),
1. = Haupt- oder Kopfweh, Migräne (s. d.),
Wehtag des Hauptes, Neuralgia capitis, faciei,
Cephalea, Hemicrania, Dolor tympani,(ialea etc.
— 2. — der grösste od. hauptsachliche Schmerz.
— 7/iMtM , W- Schmers ~ s. (iesichtsschmerz.
— Hollen-, höllischer Schmerz = ein besonders
heftiger Schmerz, wie ihn die Volksphantasie
beim Aufenthalte in der Holle annimmt (Hollen-
pein). — Hüft- Schmerz = s. Hüftweh. — (1756)
kalter Schmerz - ein Wehgefühl mit Killte-
Kmpfindung, „da man nicht« als immer nur eine
durchdringende Kalte In cinemTeile verspürt" (A. v H.
I, 560), vielleicht ans der kühlenden Gicht (a. d.*) ab-
geleitet, Dolor algens. — Ä'rr6-Schmerz (ndl.,
dlalekt. kcrtsiuert = froion) — peinigender Haut-
Wolf in der Afterkerbe (Kerbweh, Arschschinerz)
(De tock 2U9. 260). — Ämr/Yr-Schmerz - Wehi n,
die zur Kindergeburt führen. — Kopf Schmerz
— 8. HauptBchinerz, Karebaria (Kran«, R. 193). —
(1838) Krampf- Schmerz = krampfendes Weh-
gefahl (Hufciand 314). — Kreuz - Schmerzen
öfteres, meist neurasthenisches Wehegefühl im
Kreuze (s. d.) («r. W. V, j...*) um! von da aus-
strahlend, Placqtie «aciee Charcot iDornbl. 104).
— (1735) kühlender Schmerz - Dolor algens
(Woyt 124), wohl aus der volksublichcn , missver-
standenen „kalten Gicht" (= kühlende Gicht *)
umgebildet. — (1561) langwieriger (alter) Schmerz
— Dolor bene longinquus (Gr. W. VI, 187). —
Lrio-Schmerz = Colica (passio), auch Weh im
Unterleibe (s. Leib). — /,<-wfe;i -Schmerz, 1. =
I^endenweh (Seitenweh), Lumbago (Gr. W. VI,
741). — 2. = Gerinn (s. d.). — 3J«/7<7i-Schmerz
= Wehgefühl im Magen. — (15S2) hitziger Magen-
Schmerz = Gastritis acuta (Lonte. 128). — Mittel-
Schmerz — der beiläufig in der Mitte zwischen
2 Periodezeiten auftretende Unterleibsschmerz
b. Frauen mit Eierstocksentzündung. — Mutter-
Schmerz = Gebärmutter- W eh (Kopp V, 105). —
Kabt I Schmerz — Colica uterina, die man in
den Nabel (s. d.), den Sitz der Unkeusch, ver-
legte (ur. w. vii, 7). — Nach- Schmerz = die
Nachwehen eines Schmerzes (tir. W. VII, 157). —
.AVrmi-Schmerz = ein nur durch Erkrankung
der Nerven allein verursachter Schmerz im
Gegensätze zum lokal entzündlichen oder trau-
matischen Schmerz, Neuralgia — (14S3) Nieren-
Schmerz (nlersmorze, C. v. Megbg ) = dolor renmn.
Nieren- Weh oder -Mangel (s. d.) (Gr. w. VII, B34).
— Ohren -Schmerz (mhd. orsmerze, »'. v. Megbg.;
1532 schmertxen der oreu, Fries 81) = aurium dolor,
Ohrenzwang, Ohrweb (Z. d. V. f. V.-K. 1895. 8. 11).
— reissender Schmerz = ein zerrendes, ziehen-
des Webgefühl, namentlich an den Gliedern
(dem Kneifen durch die sogen, t'nterlrdlscben [Klbenj
zugeschrieben, z. d. v. f. v.-K. um, & 57). — Rücken-
Schmerzen = die Öfteren WehgefUhle in der
Kflckengegend , Notalgia [v«>to$ = Kucken;. —
(1004) Ärtf%rars-Schmer;: = Kachialgia, das auf
die Kückenknochen sich erstreckende Weh-
gefühl (Taberu. ; Gr. W. VIII, 1369). — (1500) Schadcn-
Schmerz — ein Wehgefühl an einer sichtbaren,
ttusserlichen Verletzungs- oder Geschwürsstelle
des KOrpers (Inchenh. Mirakeln.). — scharfer
Schmerz - heftiger, körperlicher Schmerz ((Jr.W.
VIII, 2184). — S«7.i'../- -Schmerz -= der meist von
<ten Zahnen ausgehende, bis zur Schlafegegend
ausstrahlende Nervenschmerz. — (iojh)) Seiten-
Schmerz, 1. - das stechende Wehgefühl
(Schmerz) an einer der beiden Brust- ( = Thorax)
oder Bauchseiten, Weichen (Pleuritis - Seiten-
stechen, Alpstich, Marstich). — 2. = Lumbago,
Lendenweh (Gr. W. VI, 714; Heyne V, 579). —
Sonntags- Kopfschmerzen = eine an bestimmten
Tagen periodisch wiederkehrende Neuralgie,
diu an Festtagen durch die Veränderung der
sozialen Lebensweise häutiger sich beobachten
htsst (Magclsxen, Abhängigkeit der Krankheit von der
wiiterung s. 71). — (i»oi) S/Wn-Schmerz - Dolor
calculorum, l.ithiasis, die Schmerzen) ptindungen
beim Blasen- oder Nierenstein-Leiden [Welckard
233; Kalke Ii, 339). — Steissbein-Behmerz ~ t.Wy-
godynia, Spasmus llxus Paracelsi, der bei
Frnuen mit Gebälrmutterleiden beobachtete
Schmerz am Ende des Kreuzbeins. — stille
Schmerzen- immerwährende, aber ertruglicho
Schmerzen, die man ohne Lautitiisserung, z. B.
infolge von Rheuma, Gicht hat (werden besprochen;
Möllenhoff M3). — nW(>, iV/i<) Schmerzen (Kisns«,
ewliche smart^e, K. Vi. 1 , 80) — heftige, bose,
schlimme Schmerzen. — unterdrückter, ver-
borgener Schmerz - Dolor pressus Bub corde
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Schmetterling — schmieren.
schmirzen — Schnabel.
(Kirsch 950); 1. = ein nach aussen nicht sichtbar
geäusserter Schmerz. — 2. = ein heimlich
nagendes Schmerzgefühl in der Tiefe des
Korpers, das ilusserlich scheinbar grundlos
ist. — Welt Schmerz - krankhafte, aus Willens-
schwache oder Geuiütsweichbeit sich ergehende
Empfindlichkeit gewisser „nervös" veranlagter
Naturen gegen die Mangel und Übel der Welt,
die als Schwermut, Mitleid, Spott oder Humor
sich äussert (Pessimismus). — Wittib Schmerz
= der bald vorübergehende Schmers (trmnt. le
petit Juif [Urb*. 78], weil die Kluger schließend)
beim Drucke auf die sogen. Maus am Ellen-
bogen (.Judenknochen*) od. den Nervus ulnaris.
— iTunrf-Schmerz = die erste Empfindung,
welche unmittelbar nach der Verletzung auf-
tritt. — Zci/m- Schmerz [mhd. unumerue; tSM der
schmertzenn der zeen, Krnutw. XXXII) = Zahnweh
(8. d); derselbe wird in Steiermark durch den Blasi-
Segen («. St. Blasius), bei deu Pommern, weil durch
den Zahn wurm (s. d.) veranlasst, mit Worten be-
sprochen, auch als (neuirisch) fhiacail uta tinne (Z. d.
V. f. V.-K. 1*95, S. 21; 18%. S. 92; Wuttke 161. 309,
/.. f 0. v.-k. IS*.*, s. su7). — schmerzende,
Schmerz(<-Hs)-.-In/,fl//> -Leber, -reich.
Schmetterling, m. (1604 paplllo; tu schmieder
— dünn, mager, Kluge6, 330). 1. — s. Mücke (die
elbische Damonengcstalt , welche Krankheiten und
Alptraum bringt, Kuhn I. III [s. Alp VI]) (Keifalter).
— 2. - (1691 homo macer et iiiflnnis, Kluge*, ."30) ein
Schmiedel ling, ein magerer Mensch, Siechling.
Schmicke, f. (mhd. schmlck«) = Schmies (siehe
schmeissen), Wunde (i.cxcr 235).
Schmied, m. ivorgcrin. smi - in harten Stoffen
künstlerisch arbeiten, (Jeschmeidc [OfliXn], OfUVVf)].
Killte*, 331; der Schmied abd. smeidar, Island, smidir!
wiir der ernte Künstler [s. Wieland sub Schelm], daher
Island. Ilodasmidir, galldrasmidir — l.lederküustler,
Zauberkünstler, Maurer II, 113; (ock I, XX VI II;
altnoul. nkonroidr ;cln Kllennnuie] = Schuh '.Huf-
eisen-Schmied [Kahn I, 15s] ; daher auch der Arzt tum
engl i pinttcsmlth = Heilktinsilcr am Hint [s. d.] wird
[Kurscbiniedji. — Kupfer - Schmied = Gutta
rosacea, rubor faciei (a. Kupfer), rotes Gesicht
mit Anspielung an das rote Kupfer (Wein-
hatulel, Saufbruder etc.). — ÄW-Schmied =
„ Tierarzt, weil auf dem Lande der Schmied bei
Krankheiten der Tiere zu Rate gezogen zu
werden pflegt" (h. raui 26«).
schmiegen s. Schmuck.
schmieren, schmirben, Schmiere, f. (tu
Schmer [». d.]; abd. smirwen ; mhd. smlrn, smirwen
mit Kett [smirwe] oder Öl bestreichen; 15. Jahrb.
smirbe, f. - die Masse zum Schmieren) schlüpfrig
machen. — es schmiert — eine lang sich fort-
ziehende, schwache weibl. Periode, die eigent-
lich nur schlüpfrigen, blutigen Schleim «larsteilt.
— Schmiere, Schmierbe, Schmirben, f. 1. =
schmierendes Fett, Salbe. — 2. («Kurl.) Schlag-,
Streich- Wunde (41« mit Salbe behandelt wird, Schm.
ii, 555). — Schmierigkeit (smircbaii = naoer,
D. 4*4) = schmieriger, ranziger Zustand. — (ij29j
in der Schmiere liegen - s. in der Sall»e liegen
(S. 372a) ;raniccia. de imp. c). — JFn«/ir- Schmiere
— der fettige Hauttalg auf dem Neugeborenen,
Vernix caseosa (Kindsschmalz). — (I7.s3) Gelenk-
Schmiere = das die Oberfläche der Gelenk-
knochen schlüpfrig machende Glied wasser (s.d.),
(Synovia) (letztere« ein von l'aracelsus willkürlich au»
BW und ovum [Eierklar', ,, gesammelter Kistofi", ge-
bildetes Kriech. -lateln. Wort für (Jcäderklar, rialuer
I, 11. 135). — ll:iu'- Schmiere ■ Hauttalg, Haut-
salbe, Sebum. — Schmier- Drüsen, ■ Vieh.
schmirzen s. Schmerz.
SchmiSS, Schmitz (zu schmeissen. t. d.).
Schmollen (zu inollen? wie Malz zu Schmalz. Nab
zu Schnabel, Kampf zu Krumpf, Mir zu Schmier, Schiets
zu letz etc.. » + motu. — (nun schmollig, schmollet
= fleischig, fett (C. v. Schon. 172, Sc h melier II,
519; Schw. 438). — Schmollen - (eigentlich) dicke
Wangen machen b. Lachein. — Schmollen, ui.
— dickbauchiges Kind, I'amslel (Schmeller II,
519). — Brack Smolles - Dickwanst (Schuieller I.
15S9). — Schmollis-A'oy)/.
schmorren - trocken werdeu (Schmeller Ii. .v*).
— ein-, ro-schmorren- durch Alter, Krankheit
mager, dürr werden.
SchmotZ, m. SchmUtZ, in. (engl, smut; keltoir.
smüt, Z. f. d. A. 1888, S. 288; mhd., 15. Jahrb. smuz, m.
s mutzen = schmutzig sein, Schmeller II, 562; Kluge*,
332; 15. — lti. Jahrh. schmoUig = sc hmutzig. Heyne V.
428), L = Fett (Schwaben; Henneben;; C. v. Scbm.
472; Kluge L c ; Spiess II. 220). — 2. - Unreinigkeit,
Dreck, Schlacke, £yr»j (Hippokr.). — Schmotz-,
Schmatz- Flechte, - OescJnciir, - Orint, -Krankheit,
-Kugel, -Rufe, -Schwinde.
Schmuck, m. (vorgenn. stnuk, angls. sinjugo —
crepire, peuetrare, ( ock. II, 405; gerra. smug = sich
eng an etwas drucken , schmiegen ; mhd. smucken ; r»»2
sich schmucken, Seb. 237) - an dem Wurfe (s. d.)
sich enger machen, schliessen. — Schmiege
Wunn.
schmuckein (Atchaffuborg; Schmeller II, 544) =
übehieeben (vom Fleisch), schmeckend nach
Schmiere, schmirkeln.
Schmuttera, f. (Vorarlberg; Schmeller II, Ö..9;
zu schmettern) = Keule, Kossbeule, Sehnenklapp,
welche knistert.
Schnabel, tn. Schnobel, m. (Indoeerm «nap.
nap [schnappen], angls. neb, nebbu sa roslrum uud
(iesicht, n. 500, » ock. I, LXX; gern», snabja, snabala,
ahd snabul — Schnabel; mhd. snabel, Kluge1, ;t32),
1. as Mund (derbkomisch; Heyne V, 129; Henneherg;
Spless II, 220; Hintucr 6. 14; [Tirol] Schnöbet). —
2. = das ganze menschliche Gesicht (Heyne l. eod ).
— 3. = rüBselformige Gebilde, z. Ii. eine mit
Akne ( = Mitesser, sogen. Milben) besetzte, spitz
zulaufende, lange Xase(— Küssel) der homines
rostrati. — 4. — Sehnabelahnliehes. — Schnä-
beliz, m. Schnabelitz, Schnebelitzer, Schne-
berltZ (ahd. snchili« - snrroncs. 1). II, 341; snebilazir
= scinifes[ = eimex], I), 119, tluca clcouldes. hoinlues
rostratl, D. 117. 569. -M; II, S9; «raff VI, S3S, 12. Jahrh.
«ucbill/a — clcouldes [Phystc* Hildcg.]; 15. Jahrh.
sneboliesse, D. II, 89 — homines rostrati, II. Jahrh.
snebeltzin vel milwin -- tineae, Voc. opl. W. 40, 1429
sneblicz es ciconides, homines rostraU, Schmeller II,
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Schnack— Schnalle.
schnappen— schnarchen. 5M9
5.VI; achnebclls* = lcndo [ = lentlgo], Ü. II, 231), 1. =
Würmer (Läuse, Liesen; Siren, Seuren), die
man sich geschnäbelt vorstellte, oder ein der-
artiges wurmilhnliches Gebilde: a) Kosskopf,
Hundskopf, aus der sich die Kaulquappe und
der Frosch entwickelt (Schmeller II, 664; Buck,
Fluni. 216) als auffallend verdicktes oberes Knde
der Froschlarve; b) Mitesser (Würmer, Läuse,
s. Liesen), die man sich mit Küssein und Schnä-
beln ausgerüstet vorstellte. — 2. = solche
Menschen, deren Nase durch solche Mitesser
(s. d., Akne, Conedones) in eine rüsselartige
Schnauze verwandelt ist. — Schnäberle, n. =
Penis (Buck 16). — Brustbein- Schnabel, 1. = der
schnabelförmige sogen. Habichtsknorpel am
Pferdebrustbein. — 2. = s. scharfes Bein*. —
'".'''-Schnabel = einer, der wie ein junger
Vogel noch durch die gelben Bläschen (siehe
Spatzenauge*, Spatzenecke*) im Mundwinkel
Beine Jugend verrät. — (K.;6) Ki ähen- Schnabel
(krayfchnabel) = Processus coracoideus seapnlae
(Kabenschnabel-Fort*, am Schulterblatt) (Hyrtl,
K. Vf. 4.1). — (1616) Raben- Schnabel (rappenschnabel)
= Krfthensehnabel (s. d.) (Hjrrtl, K. W. 43). —
Schnabel- Ao/r (-Rms).
Schnack, m. Schnacke, f. schnacken, I. (ah<i.
snaggo. m.; mhd. snäke, m., f., Kluge*, 332; 1483
snaken = culex [ — Gölsen], eimex, f. v. Megbg. ;
Schindler II, 665; D. II, 00; 1419 »uäkl = clnomia;
IMS schnack = cnlex, I>. 161; wlineck ss culcx, I>. II,
lj-i) — langbeinige Mücke oder Fliege. — 1. —
langbeinige, hagere Person (Schmeller II, 265). —
2. (irillen (s. d.), Inline, l'osse, lustiger Hin«
fall, Pelirium (lT.M ; bleb«l Im dletirlllc oder Mucke,
Schnacke die clbische <ic«talt eines geflügelten, Possen
treibenden Wichte« des früheren Volksglaubens). —
schnacken — schwatzen, plappern im (delirium
oder krankhaften Fieberschlummer (Kluge4, HS;
fioldschm. 17) in Analogie zu: Grillen im Gehirn
haben = Schnacken haben. — schnackisch -
grillenhaft, spasshaft. — II. Schnacke - ndd. \
angls. snacu; altnord nikr, mltteleugl. snake, Kluge *,
332; Heinrich Hl) = Natter, Schlange.
Schnaggel, m. schnackein, schnackezen,
Schnackezer, m. = (ein lautmalendes Wort für)
den schnell durch klonischen Zwerchfells-
krumpf erzeugten, schnalzen<len .Singultus-Ton
von sich geben, singultire, schluchzen, hetschen
(ndl. snarken — singnltlre, I>. .'>.;•,). - Schnackler,
Schnaggerle, Schnackezer - Singultus (Scbm.
11. .'»66; fron*, sanglot«, liri-s 1>.7; Zingerle 1">, Fromm.
vi, 203). — ÄW-Schnackler, m. = eine Knie-
gelenks-Erkrankung, wobei infolge von Kr-
««hlaffung der Gelenkbander dietielenkknorren
unter einem schnalzenden Tone an der Unter-
lage vor übergleiten,schnackelnd bewegt werden.
Schnättels. Schnatte. — Schnättel Darm u *.
Schnäwe s. Schnauben.
schnauzen S. Schnauze.
Schnalle, f Schnallen, f. (mhd. mal. m. =
schnelle Bewegung; mhd Knalle, f = auf- und «u-
schnellender Mechanismus, Kluge *, 3.12 , Kleider-
schnalle, übertragen auf) I. = Mund (mhd. schnalle, f
I-exer 23i;; 1560 schnallen - Mund. Schmeller II, 574;
Hintner 6. 13). — 2. = „Partes sexus semioris,
PrOKtibullim" (Schmeller, 1. cod. ; wie öfter vom
Munde tibertrogen auf) Vulva, Janua ventris (auch
beim Hund u. Fuchs) (Heyne V, 430) (s. Masche).
schnappen, Schnappe, f. Schnappen, f.
Schnapper, m. {tu Sehuabel [s. d.J; engl, to mib|>,
KalUichm. ; mhd. »nanpen , Knaben ; 1120 snappin -
ilopare [scolpare] cum diglto per moxillora sonore,
D. II, 331), 1. = klappende, ruckweis und schnell
zufahrende, jappende Bewegung machen, z. B.
mit dem Munde oder Schnabel. — 2. = hinken
(straucheln) (Kluge*, 332). —3. = ein Schnippchen
mit dem Finger schlagen. — Schnappel, m.
= Schnabel. — Schnappe, f Schnappen, f.
(Sehnauppen, Schneppen) = der Mund (Schna-
bel) wie die Schnauze des schnappenden
Hundes (nintner d. 13). — Schnapper, m. 1. =
ein schneller gappender Atemzug mit tiein
Munde, z. B hiatus neouatorum (Pauli 82). —
2. — ein Hinker, der kurz abgesetzte, einseitig
schnappende Fussbewegnngen macht, oder
einer, der kurze Atemzüge macht. — 3. = (1482
snappercr, ein Zungenloser, elingul*. Zcnlng. Voc. qq 2),
einer, der stammelt, einen Zungen- bezw.
Sprachfehler hat oder = Schneppen (Schmeller
n, 578). — Schnäpperlein, 1. = ein kleiner
Schnapper 3, ein Kind, welches viel plappert
und dabei Verstand verrät (Spiess II, 221). —
2. = Penis des Kindes (s. Schnickel) (Schmeller
II. 577] — Schnäppich (U20snepplchs = llnguosu«,
ü. II, 236) - einer, der viel plappert. — er ist am
.1 •■'•schnappen ■ am Ableben, Sterben (s. auf-
schnappen). — n u/'schnappen = den leizten
Atemzug machen und zu leben aufhören. —
'/'Schnäppig (gschnappig) - geschwätzig. —
Kn ic-Schnapper, 1. = einer, der hinkend mit
dem Knie einsinkt. — 2. = eine Krankheit,
welche sich in dieser Funktionsstörung be-
merkbar macht (s. Knieschnackler) (Wolf; Buck
12). — Überschnappen, 1 - überköten mit dem
Fusse (bei Pferden, Falke II, 38»). — 2. -- das geistige
Gleichgewicht unerwartet schnell verlieren, mit
dem Verstände straucheln, geistig verrückt,
verwirrt sein (Schmeller II, ,.77). Paraphrosyne
(Dioscoridis, Hippokratib). — II in /-Schnapper
Luftköcker, Windkopper (Falke Ii, 440).
schnarchen, schnarffeln, schnarken, schnar-
ren fgenn. snar [Schall wort, schnorren , mhd suarreu,
snarchen, snarcheln, 16. Jnh-h, snarken, snarklcii,
schnarchten; mitlelengl. snorin; engl, to »nore a
schnarchen, to snort - die Nase rümpfen, schnauben,
to «narre = knnrren. Kluge*, 332; Knltschm. I, 601;
sch«e<l. suurka; Ii ol 1 . snorketi; dun. stiorke, altnord.
«norgl = sonitus, Fiek. 9111 — mit stark rasselndem,
hörbarem Nasen- (Gaumen-) Laute atmen;
(KUavs) man sagt auch, wenn jemand schnarcht:
den Alten fangen* (!•:. w. i, i20j (s. auch lirettei-
■cb neiden). — (ins) Schnarchelnng = sternu-
tatio, das laute Niesen - [r>. Jahrh ) Schnarff-
lung, (Karnth.) schnarfen - schnarchen (Fromm,
vi, 203; H. v. Gemi. loo; d. »I). — (i74.i) Schnarren
- Bhotacismns, Traulismus (tpfjAt^iv), die Un-
möglichkeit, den r-Laut rein und deutlich aus-
> zusprechen, ein Sprach- od. sogen. Zungenfehler
(bibi. Med 416; notn ic). — schnarchender Dampf.
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ftlH) Schnalle — schnaufen.
Schnatte, f. fzii schnallten — Kinschnitte machen
dies Alilaiit xu- schneiden]; 18. Jnhrh. snatta — cica-
irix, Mlgma, I>. 5YJ; 14 Jnhrh. die schnallen der wunden,
ttennanla XVIII, 69; mhd. «nette = Narbe. Scbw. «11 ;
MIO malte; 1466 icbDalt, .«ehnat b oJmtrlx, Schweiler
II, 581; D. 117; II, 88; 1511 schnallen = Striemen,
Christ Meyer TS). — Schnättel (angls. suaedil —
extalis, I). 219; II, 263 = kleine Schnlllchen [s. Schmü-
teldarm. Packdarm;). — (obd.J Schnate, Schnatte, f.
— Einschnitt, Wunde, Narbe, Wulstreifen,
Blutstriemen. — schnättig, schnätterig = am
Leib« wie beschnitten, dürftig, mager, Hchlank
(Erbe 22; Rpleai ii, 222). — ^cschnatzet - wie I
beschnitten, mager, Mass (f. v. Sehm. 473). — '
Schnättel Dar», (u.'), - Wurm.
schnattern, Schnatter, f. Schnattern, f. j
(lautmalendes Wort mhd. Min Irren — .piackcn, j
schuattern, klappern) - beim Frostemitden Zahnen
klappern. — es schnattert mich et» friert
mich so (Erbe 22). — Schnatter, f. = iler (wie
die Gänse schnatternde) AI und (llintner 6. 14;
Scli melier II, 584; Kluge*, 332).
Schnau, m. = Gehlste, Schneide auf etwas
haben, hippig sein (KIM; Fromm. VI, 18; 1132
snawden = sternnere, 1). 652). — schnallen,
schnauern -^schnauben, schnaufen, sebnarohen
(Spiess ii, 222; schm Ii, &63. :»79). — Schnauner, m.
= Atenmig, Schnaufer.
Schnauder. — (/»Schnauder s. (Schnöder)
Scbnuder.
schnaufen, schnauben, Schnaupen, m.
Schnaupe, f. Schnaufer, m. (schnoben,
Schnäwe) lindogeriii snüp. sntii ; Renn inupp, snnl,
snnii [Schnupfen, scbnnfeln , ; 1182 snnwp - cmnrrhus
[coryzal, Zening. Voc. d.d. 8; mhd. iliufen, xnnben =
schnarchen, schnauben; 1645 *lcli schnnupen —
sc hnauzen, ( «der, II. A. 98; tldd. snaewe, Schnupfen,
(ioldschm. 11".; platld. simf, stiuf. UrnncM IV, 279;
Ringe , 332. 331 ; engl, tosnnff ■ schnüffeln, selitiiniben,
die Nase riimpfen ; schwed. snnfva = Schnupfen) =
schwer atmen, mit hörbarer Luftbewegung den
Atem lieft ig einkleben, auch schnüffeln, Dyspnoe
[üuek. 9. 19; sthmeiier ii, .-.73). — schnaufen wie
ein Haufen (kmplisrer) Tiroler (aus den Tlroler-
kriegen). — Schnaufen so leicht wie ein Vögerl.
— Schnaufer, m. (ttdl. snuiver — cornard cornuge),
1. = einer, der schnaubt oder hartschlilehtig
ist wie <ia» Schnanferle oder der PfnilUger
(ein umgehender elbischer (Jeist, Itirlingcr I, 208;
schwed. skogsnufvn = weiblicher Troll, da* Weih de«
skogman oder Waldschnnnfers; Mannh. 12». 127. 129.
130. 1.t4 etc. ; (iolth.lM) s. Schnü Ifelmathca (Schell 35).
— 2. = der einzelne hörbaie Atemzug. —
Schnauferlein, n. 1. = kleiner Schnaufer 1. 2.
— 2. = Schwächling (Schweiler II, 573). — (16.M)
Schnaupen, m. ■ Schnupfen (Hock 385). —
Schnaupe, n., f. = der atemholende Mund
(s. Schnappe) (C. v. Schm. 173; Schindler II, .r>77).
— v" Bchiiauppet vom Geschnäupe (anhal-
tenden Schnupfen), im Gesichte entstellt aus-
sehend (Sellin. II, 57 .). — schnauf, (rrSChnÜff
— anhaltender Scbnupfen (C v. ßchin. 474). — 1
frndt schnaufen (oherbayer.) = bebend atmen. — '
lutrte», herben Schnaufen, Schnauflgkeit - be-
schwerliches, schmerzliches, abhärmendes At- I
Schnaure— schneiden.
tuen; Pfeiferdampf bei Pferden (Buck 22; Herbst
ic Falke i, 374; ii, 194). — ^jffi | schnaufen -
schnell, behend atmen (H. w. i, 377). — Ver-
schnauf, m. = Atempause, in der man nicht
mehr schnauft.
Schnauze, f schnauzen, schneuzen, schneus-
Sen lindogerm. snüt; Renn. snüt. snnth ; ahd. snüzan
m schneuzen; almord. »nyta, mhd. sniu — Nasen-
versehleimunR, snuzen ~ schneuzen, die Nase putzen;
dttn. snude;' holl. snuit — Schnautze; snot ~ Rotz-
krankhett; ndl. snoitolt = Kotznase (s. oll); (analoR
zum Krotoir. s, Alp Xj. eine damonistlsch verursachte
RoUblbiung; engl, sneezc - niesen , snot = Rotz, snoul
- Schnute, schnautze. Klagt*', 381). — Schneuzet, f.
= die Schneiizliandlung (Ruck 13). — Schneuzel
= der weisse Stern (Schnippe) auf der Pferde-
oberlippe (Sternschnuppe, Sternsehneutel)
(Falke II. 289; Zipp .). — grünt Schnauze - Gelb-
sebnabel, bartloser Junge (K. W. I. 276). — Hunds-
Schnauze, 1. - Pars vaginalis uteri (Hyrtl, Y. W.
88; Auat. 709), der wie eine llundsnase oder
Scbweinsrflssel (s. d.) in die Scheide hinein-
ragende, beim Coitus den Samen ansaugende
Scbeidenleil des Uterus. — 2. = llundsmaul.
Schnecke, f SchneckeL m. Schnegel (ahd
sneeko a mueco, D. 369, Muckel [s.d.], Schnecke [auch
sleekn'; MMgll — vomex [morbus) Schleim, [niuccus]
Schlclmkrankheit, Heyne V, 436, I). 629; KIurc * 333;
mhd. snecke, snegge ; 17. Jahrh. Schnegel. Kr. Kr. H. 633
— schleimiges Weichtier In einem Schalengehanse ;
mit letzteren spielen die Kinder häutig): I. = (Kose-
wort fiir Tändelei, Heyne V, 435; ubertragen aul):
1. = Vulva, CunnilS (Heyne V, 436; K. \V. I, 162)
(Schneckchen). — 2. = Penis (hei l.ustdlrnen)
(Schneckerl, Sehnickerl, ltutr. •). — 11= die
Ohrschnecke, Cochlea (anatomischer Schulausdruck,
1. chir. 20, mit dem Schneekengehnuse verglichen). —
III. - Schleim, uiucur, pOxo-; a) (ndl. wiek) --
HOhnerpips (Spreu) (HeCock; V.-K. 18»*». S 114);
b) dasZwischenklauen-Gescbwär, du« einen wie
ein Wurm oder Schnecke gebildeten Eiterpropf
entleert (Falke II. 288); c) schleimiger Auswurf
aus dem Uachen (s. o. ahd.). — Schnecken =
langsam gehen. — /^/Schnecken = der
schleimige Rachen • AnSWOrf beim Vornhin
matutinus potatorum (Schi. 139; franz. le Riaire
[— darum «eil. ovi) phleRma, Rriss. 86; le huitre —
Auster, K w. I. 81) - Auswurf. — /v/i7-Schnecke
= Egelwurm, Üistoma hepaticum (Falke i, 228).
Schnee, m. (westlndogerm. snlgh = schneien
[ningucre, nix, nivis; vi-f £t = es schneit]; vorgerm.
snlgh ; gem.-germ. sul \v — schneien, gnaiwa-z = Schnee ;
ahd. sneo; mhd. sne , Kluge *, 333). — Schnee-
bäuthig, -blind, -Brand, - Water. — es ist mir
wie in meinen Hauch Ainring schneit = bloss
locker gefüllt, nicht vollkommen gesättigt (Spiesa
II, 22).
Schneiden (gem.-gtrm. snlth, snld ■ schneiden;
gotb. «nelthan [s. Echnaltien]; ahd. snidan; mhd.
snlden, Kluge*, 333), l.^dureb ein scharfes Gerät
trennen (operieren, sedieren, kastrieren). —
2. = schneidend verwunden. — 3. = einen
solchen Verw undtingsschmerz empfinden bei
Kälte, beim Urinieren, im Leibe (franz. la tranchee,
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schneien — schnentzen.
Schnepfen— Schnodel. 601
Brias. 175). — (UM5) schneiteln = scabere, fricare,
leicht schneidende Empfindung haben (D. 515).
— Schneider = der da schneidet. — schneidig
— mit scharfer Ruckgratskante versehen (8cbm.
II, 572). — Schnitz (s. d.). — .-Ho -gt schnitten
Kind. — .Beschnittener, Geschnittener (ahd.
plsnltaner = devisus, 1). MO; 1482 bescbnytener =
recuticus. It. 488), 1. - einer, dessen Vorhaut oder
Glied (s. I.idacharte) schneidend abgetrennt
wurde; nach Reclus gibt es auf der Erde 200 Mtllonen
beschnittener Manner («iurlt III, 763). — 2. = Kastrat,
Eonach (XtlV&fifLOC. «lalenl; retaille, Pare). —
lilut '•.•.•■schneiden (..die allerlürchterlichite Aus-
übung der Rache, weil man dabei unter möglichst
länger Verzögerung de« Tode« die Rippen vom Ruck-
grate losschnitt, nm sie zu bei<len Selten des Brust-
beins gleich ausgebreiteten Adlerflügeln vorzuliegen"
[altnord.], Edda; Jordan Ml). — Bi •< Her- schneiden
= ein sSgend-pfeifendes Gerttusch beim schnar-
chenden Atmen erzeugen. — ein schneiden =
der Durch -Tritt oder -Gang des kindlichen
Kopfes durch die Schamspalte (Wurf, Damm),
wobei Einrisse stattfinden können, wie durch
einen Schnitt, und schneidende Weh-Empfin-
dungen bei der Gebärenden ausgelöst werden.
— Ei >!■;■ schneid = das kleingeschnittene und
eingekochte Ochsen - Eingeweide (Voreasen,
Schneidelwurm) (coler, II. B. 78). — Gesichter,
Grimassen schneiden (die HoUlarven [s. Tocke),
welche al» Dämonen vertreibendes Fratzen -Gesiebt
[ — «irirome] benützt wurden, waren geschnitzt, ans
Hol« geschnitten, an diese Kunst des modelnden
Schneidens angelehnt. Heyne V, 438) » mimischer
(ietsichtskrampf, der dem Antlits einen ver-
zerrten Schnitt gibt (1700 la grlmace, Kluge*, 115;
Eichhorn II, 370; Wntike 289). — er ist wie dem
Vater aus dem Gesichte geschnitten = wie
nach dem gleichen Modell gemacht, Ähnlich.
— Km w r-Schnitt = s. Kaiser-Geburt 0, Seiten-
Geburt* (Sectio caesarea) (nicht von J. Caesar,
sondern von caesus seil, foettis). — Leib- , (1741)
Magt n schneiden = Torsio, der Kolikschinerz,
als ob man im Leihe (Magen, Darm) schneidend
verletzt wurde = tranchees rouges, blanche«,
vives, die wie Wurm- (•. d.) Dämonen besprochen
werden (De lock, V.-K. 1895, S. 139; Kirsch 1202;
Eichhorn Ii, 819). — Urin - schneiden = kalte
l'isse, pisser rasoir (s. schneidende Wasser)
(Wailb. 105). — (1756) verschneiden = etwas ent-
stellend zuschneiden, ganz wegschneiden, ka-
strieren (s. Maiden u. Kippen) (Scgenspruch dabei
n. Kuhn II, 215; A. v. II II, 167; Herbst tw). —
Schneide-, Schneider-, schneidende Courage,
■Krätze, Krankheit, -Knrtweü, - Waster, - Wehen,
— Wurm, -Zähne.
schneien s. Schnee,
-schnei f schnauben.
Schnell (gem.-gcrm. snell ; ahd. snelt; mhd. snell =
nichtig, bald zur Stelle, raach, kräftig, geschwind). —
(UM) ;. schnellt = rasch in Bruchstucke unter
lautem Krachen zersprengt (Otult III, 257). —
Schnell Ader,-Auuehrung,-Katharine, Fieber,
-Kraft, -Sucht. — Schnellbeit s. Schnöder.
schnentzen = schneuzen, s. schniluzen (C. v.
Schm. 474).
Schnepfen, schneffzgen (schnofzen) (ahd
snephizan, snopblzan, Ur&ff VI, 851 ; snophezungo =
singultus, II. Z. XV; 14. Jahrh. snopbzung = singultus,
Voc. opt. 41; schnipssen, sebnipfexen = aingultare,
D. 536) ---- 8ingullire, mit heftigem Seufzerstoase
schluchzen, wie Kinder nach dem Weinen (c. v.
Schni. 474).
Schneppern s. Schnapperer.
Schnettel s. Schnatte.
schneuzen s. schnäuzon.
schnicken, Schnlckel, m. (zu schnack [•. d ]
und schDucken). — schnicken = schnellend be-
wegen, singultare (D. 536), z. B. das Zwerchfell
beim Hetscher. — Schnlckel, in. 1. = Membrum
virile (Schniepel, ob erectionem). — 2. = langer,
hagerer Mensch, an dem sich die Glieder bau-
melnd bewegen (C. r. Schm. 474 ; Schmeller II, 667;
conf. engl. mm. 1-er -ein driisenkrankes Pferd, welches
oft niesend das Zwerchfell schnellend bewegt, Kaltscbm.
I. 601). — 3 = Rossel. — (ndd.) sniknp! = der
Hetscher (Singultus), der (well damonlstlsch) (siehe
Mar-briegen) besprochen wird (Wuttke 317; V. K.
I, 162. 205).
Schniepel, m. a. Schnickel 1 (H. Paul 39s)
(Zipfel).
Schniffelz = Schnäbliz (Schnabel), s. d. u.
SchnQfeln.
Schnille r , m. = Schnickler, Penis (Spleas II. 223).
schnipfen, schnipfzen, schnippsen - (ein»
Lautnachahuiung des) beim Schluchzen (Singultus)
oder Schnepfzen (s. d.) hörbaren Naturlauts
(Hetscher, Klux) (Schmeller II, 578; D. 536; r»r. W.
IV, 2. 1267). — Schnippchen - Schnipfchen, das
schnelle schnappende Gerttusch des Fingers,
mittelst des daraufgelegten Fingers erzeugt
(H. Paul 328).
Schnippe, f. (ein zugeschnittenes Fleckchen,
Kluge*. 333; Schm. II, 578; übertragen): ein weisser
Streifen od. Fleck unter der L'ferdenase (Mayer 47 ;
Herbst 20; Falke Ii, 2S9). — Schnippchen = siehe
schnipfen.
Schnitt, m. Schnitzel (zu schneiden [«. d.] ; ahd.,
mhd. snlt) = Schnitt-Wunde als Produkt des
Schneidens (Kluge5, 333; l^xor237). — Schnitz, m.
= Ausschnitt aus dem Fleisch. — (1715) Pfaffen-
Schnitzel = ein besonders feiner, kleiner Aus-
schnitt aus dem Fleische, Herrenroaus, Garb-
schale (Tolle lege 864). — Schnitt- Wunde.
Schnobel s. SchnabeL
schnoben, schnobern (zu schnauben, s. d.). —
schnobisch (ndd.. 1404 snovlsch) = mit Influenza-
katarrh behaftet (Lersch 177; Kluge*, 331). —
Schnöbigkeit = der Zustand des Schnnubens
b. Kotz der Schafe (<oler, 8ch. 434). — schnobern,
schnoppern (schnuppern) - den Atem zur
Witterung einziehen.
Schnodel, m. Schnöder, m. schnöde, Schnott,
Schnotz, ro. Schnnde, f. Schnuder, f. Schnu-
del, m. Schnutter, m. (indogenn. snup. snut ; germ.
snüt, snuth; ahd. suüden - schnauben, schnarchen;
snitder m phlegma [Rotz]; angls. snoute = Schnauze,
Cock. III, ::16; 12. Jahrh. snuz, snott = muons, cathar-
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Schnöder.
Schnöck — Schnupfen.
i hus, It. Z. V, 825; 14. Jahrh. «nuder — phlegma, Voc.
upt. \V. Iii; mhd. snuz = Nascnversehleimung, suudel,
«nuder = Nasenverstoptnng durch den zähen, dicken
Rot* [= Phlegma;, Graft VI, 845; Kluge*, 333; Hl».
1129 snuder = niucus, screntus, catarrhus, Schweiler
II, 573; H62 «Hut* — rheuma; 1 snüderer = rheu-
muticus, 1)11,318; 1472snodcl = screa Roll], D. 4ff7. 620 ;
1182 snode — posg [^böue, i. Bot*, alles ding«, malus ;
snoder - kranker, schwacher, tnaledletus, Zeuing.Voc.
dd 8, t 5; H97 schnoede = unschön, dlftorm, Gurlt II.
213; UM snot = mixa Schleim', D. II, 255; 1607, ndl.
snodel = nilxa; snolz, snot ; 1Ö07 snoet; l.M'J schnöder,
sehnuder, schnutz = polypus narium, (ocdatlo narls
[D. MC. 445), rheuma [D. 197. 643], mueus, I>. 34». 371;
schnuder = muoa, mueor, catarrhus, Schimmelpilz,
Zening. Voc. er", dd 8; 1537 schnuder = Hnuptflüsslg-
kelt, Katarrh, die Mutter aller Krankheiten, Krautw.
LXX1I; 1742 schnuder = [ Pferde-] Rotz, Zw. 177; K. A.
165; ndl. snnltje, snoet, snnit - Rüssel-, Na^enkatarrb,
V. K. VI, 6. 17; engl, to snlte = schnauzen; altnord.
snolra = die Gescbnauzte, vom Gehirnwust Gerciulgle
[*. faustdick], Kluge; Zc. 136; schwed. snor = Nasen-
schleim. <;urit i, in). — Schnott, Schnud. Schnu-
del, Schnuder, Schmitz, Schnodel, Schnöder,
Schnödel, Schnotz, Schnauder, 1. = Nasen-
schleim, Kotz (Phlegma, Kheuma). — 2. =
Krankheit, Hie Nasenschleim erzeugt (Seere-
tuin), Nasenkatarrh, Sträuchen, Nasenpolypetc,
Coryza (C. v. Schm. 476). — 3. = Nase und Mund
(Schnnuze) bIh Bcllleitn ausscheidende Teile
(fiehw. 612. r.H; 8chmeller II, 578). — 4. = MMiner-
pip«, Hnhnerrotz (. oler, Ii. 615). — Schnödel-
l>eit, Schnödigkeit (H2ü snoelhelt = vilitas, n 619;
1483 schnödigkeit ■ inaeula, snodtgkcll; 15. Jahrh.
sticllieit, Ii, 445; snüdchcyd = vllltn«. I). 019; Zeiiing.
Voc. r. 3, cc 7) - Schwachheit, Elend, Kranklieit,
Vditas, vielleicht vom Influenza- Katatrh (Pips,
Zipf) übet trafen, wie auch das gleichbedeu-
tende Pips, Zips - allgemeine Schwache be-
deutet. — schnuderig, schnoderig (i 182 seimu-
driger = rheumutlcns [Itheuma, phlcgina Klus* aus
der Xase], Zculng. Voc. ff I) - rotzig (auch von
Pferden), schleimig (flehm. II, 573; Coler. W. 360).
— schnueden (Itayi rn) ~ schnftlleln, riechen mit
der Schunde 3 (Schw. 612). — schnodeln, schnu-
dern (Schweiz) — rotzen, durch die mit Kotz ver-
stopfte Nase öfters atmen, schnauben (Schm. II,
572. .73). — Schnüderling = „Rotzklumpen"
(Schm. II. 573). — Schnudrete, f. (ahd. snuderata
curtagus ; etUarrhus], Craff VI, 845) = (jcschnödcr
(lürlinger, Sitten II, 37). — Schnöderle, n. - Kötzer
(s. d), kleines Kind, Nesthocker (Kitrnthen;
Fromm. VI, 203). — Gi Schnauder, schnuder,
-schnüder, -schnöde («ngis. gewote, cock. II, 4;
mhd gesnoede, gcMioeude — das Schnauben, I.exerTl),
1. = NaBen-Katarrh, t'oi yz;i, Schnupfen, Nasen-
versehleitnung (Mrlinger. Volkst. I, 4ü5. 117; Ruck
13. 15). — 2. m anhaltendes Schnauben wie beim
Schnupfen (1) (nirllnger, Sitten II, 37). — Xasen-
Schnödelheit, -Schnuder (ahd. na«esm*idan - sub-
snnnare; nasesnnda — suhsannatio , ürart VI, 845;
15. Jahrh. nascnsnclheit | ■= snoedelheit) — polypus
narium, Ii. 41 >; US9 ein snocdel an der nasen —
screatns, D. II, 332), 1. — weisser Nasenschleim
(Zw. 395). — 2. n «lie allgemeine Blödigkeit,
Mattigkeit heim Nasenkatarrh (Pips, Zips). -
3. - der krankhafte Zustand der Nase beim
sogen. Nasenpolyp. — roll SchnutZ (I5i2 = mneu-
lentuK, D. 371) = voll von Nasenschleim. —
Schnöder-, Schnuder-, schnöde -Eingticrids,
[ -Gtft. -Ginkd*, -Golker*, - Kengel, -Kübel;
1 -Xase, -Olf, -Putz, -Rott.
Schnöck, Schnöckel (Schnück) = Zitze,
Mutterhrust (henneb.; Spiess 11,224) (s. Sehnückel).
Schnömms, Schnüms, f. = Vulva (Spie** i, 30;
II, 224; henneb ).
Schnofel s. Schnupfen.
8choffzgen s. schnepfzen.
schnopfen, Schnoppe, m. Schnorke, Sch Hör-
pel, f. s. Schnupfen.
Schnorre, f. s. Schnurre.
SchnortZ, Schnotzen, m. (letzteres zu Schnöder,
j Sehnotter (Schnützen]), 1. = Keltwillsl unterm
Kinn, unter der Nase oder Schnauze bei Tier
und Mensch (Sehmeller II. 592). — 2. = Nasenrotz
(mhd. snarz, Fromm. VI, 204).
Schnuck auf! schnucken, Schnückel,
BChnÜckern (ndd. inückupp) = Schluckauf,
Schluchzen (Goldscbni. 101) (s. Si-hniekel) (ndl.
j snucken = singnltare, 1). 636). — schnucken = mit
Schluchzen atigebrochen weinen (Fromm. VI,
i m). — Schnück ■ Zitze, Mutterbrust (Spie« II,
224), an der man schnflekt, saugt (1. eod. II, 249).
schnüren 8. Schnur.
Schnüssel, m. schnützen s. Schnotzen. —
Schnüssel - Uüssel, Schnauze (Fromm. VI. 4SI).
Schnüffel, Schnufel, m., f. schnufeln,
schnüffeln, Schnufflitz (angis. mofl; engt, nitre]
— Nasenschleim ; snuftle - näseln ; to snllT — schuuleln.
Kalt«chm.; udd. suuffelen) = stark durch die Nase
Luft holen, beriechen, grinnire (Kluge *, 334). —
Schnufel, m., f., 1. = Nase als Uerurhaorgan. —
2. = verstopfte NaBe (Hintner4. 6 15; Sehmeller It.
573). — Schnuller, m. (Tirol; Wolf) rr Schnufel. —
SchnÜflltZ (16. Jahrh. snlffelze = serpedo [Wurm],
l). 530) ■ ein Schnabliz (s. Schnabel), iler an
tler Schnufel (1) durch einen Mitesser (Akme.
Comedo - Wurm, Kiese, s.d.) entstellt ist. —
Schnüffel Krankheit, -Nase.
Schnupfen, m. f. schnupfen. Schnupfer, m.
Schnuppe, f. Schnuppen, m. Schnoppe (Schno-
fel, Schorpe) (Indogerm. snup, snnt [schnikuren];
germ. snupp, snuf, snub; altnord. snojtpa — Schnauze ;
angls. snofl — mueu«, Cock. II, 21; mhd. «nupfe, m., f.
— Schnupfen, Ix-xer 237; snupfen [«ehluchzen].
13. — 14. Jahrh. snube = rheuma, I). 497; 14.— 15. Jahrh.
mnd. der snuve, J. f. nd. Sp.-F. XV. 125; md. snuppe
— Schnlluzen. Kluge*, 321; 1414 snoppe — polypus.
foedatio narium, I). 415; 1469 sehnope = rheuma,
D. 497 ; 1 177 schnoppe — rheuma, 1. eod. ; 1521 schnup, f.
= rheuma, 1. eod. ; 1576 schuop, Hort. i. ; 16. Jahrh.
anuppe, f. snuppcu, f. annpfen, f. schnupf, f. «lopi*. m.
«nopp, in. snop, snanp, snorr>e [snorkenj. schnopf,
Heyne V, 418 - catarrhus. rheuma, sternutatio [polipm ,
I). II, 296. 318; 1615 schnupfen — hranchus, gravedo,
Hiihncrpips, < oler, H. A. 98. 515; 1725 schnuppen, m.
coryza, Th. S. Itr. 776 ; Maschenb. 148 ; 1756 schnuppen, m.
A. v. H. I. 4H7; j.lattd. snfif, snuf; dan. «nive; engl,
snlvcl - Hotz; schwe<l. snufva = Schnupfen ; ud., md.
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Schnupfen — Schnur.
schnurfen— Schöber. ö»8
■chnuppen ■ sphnupfen, schneuzen, H. Paul 390). —
Schnupfen (Schnuppen), l. = Coryza, Gravedo,
Phlegma, Pituita, Rheuma, Schleimfluss aus
der Nase, Sträuchen u. a. beim Nasenpolyp
(Schw. 616; I). 439). — 2. = Sehleimhautkatar'rh
überhaupt. — 3. = (verhüllend und mit eluer an-
deren Krankheit umschreibend) den Schnupfen
haben: geistig nicht zurechnungsfähig sein
(Wustmann 127). — Schnuppet n. - Schnupfen
(c. v. schm. 475). — schnopfen, schnupfen,
Bchnupfzen. 1. ^ den Schleim aufziehen in die
Nase — 2. = schluchzen (onotnatopnlet ; Ileyne V,
449; I> 536; Schweix. H. Panl 398; Sehmeller II, 579).
— Schnup fezer, m Schnopfizer, 1. - Nase
(Tirol; s.hmellcr II, 579). — 2. = einer, der oft
schnupft. — Schnupfer, Schnupper (nhd.
anupfer), 1. = Schnauber, einer, der schnaubt
(durch die verstopfte Nase) (wie ein einlacher
IJftmnn, z. II der SchnünYlmathes, Lcxer237; Schell 35).
— 2. — einer, der herumschnuppert, schnüdelt
am Essen, heikel (Spiesa II, 224). — 3. = der
einmalige Atemzug durch die Nase (Schindler II,
579). — böser Schnupfen = Nasebotz, Influenza
(conf. achwed. elakartad inufva = Influenza). —
brandigt r Schnupfen = diphtherieähnlicher Na-
senkatarrh bei Rindern - hitzige Kopfkrankheit
(s. d.). — (1761) fliessender, Ffieas-Schnupfen,
1. = ein nicht versteckter, trockener, sondern
bereits in das Stadium der messenden Sekretion
getretener Nasenkatarrh, Coryza Hippokratis.
— 2. = Nasenkatarrh bei Munden (L. chir. 20,
Kersch 871). — Heu Schnupfen = Ileufieber,
Schnnpfenfieber*. — (1766) Haupt- Schnuppen
(Heyn. ■ 74) = Nasenkatarrli. — «/od- Schnupfen
= der durch Jodarzneien eintretende Nasen-
katarrh. — Land - Schnupfen = endemische
Influenza (s. d.) (Kaltcchm. I, IM). — (1734) Mutter-
Schnupfen = die Schleimsekretion beim Gebar-
mutter-Katarrh (Endometritis cervicalis ca-
tarrhalis) im Gegensatze zum Hauptschnupfen
(Hauml. 490). — Nasti Schupfen (KIham, noi-
aehnuppc, E. W. I. 64) - Schnupfen 1. — russischer
Schnupfen Influenza (Kaltachm. II, 362; Lcrach
447) b. russischer Katarrh. — Stock Schnupfen
= Coryza haerens s. Gravedo - ein Nasen-
katarrli, dessen Sekretion noch nicht im Gange
ist, sondern wie ein eingepflanzter Stock gleich-
sam in der Nase steckend festsitzt (Kopp V, M).
— ' ^schnupft (Bdl. versnoft. De Cork; V.-K. 1895,
8. 144), 1. = ganz und gar durch Schnupfen am
Atmen behindert, auch von Hühnern, die den
Pips (s. d.) haben (s. Druse). — 2. = verdriess-
lich sein (Kkelgefflbl oder Verdruss, s. d.). —
versteckter Schnupfen - Stockschnupfen (Pauli
10). — Schnupfen- Fieber und -Krankheit.
schnuppern s. schnobern.
Schnur, f (Schnür) (Indogcrm. »n<> = flechten ;
ahd. snuor; nihd. snuor, Kluge *, 334 — geflochtenen,
gedrehtes Uaud). 1. = Flechse (Flexus) Chorda,
Sehnenschnur, namentlich die Sehnen der
Fingerbeiiger und -Strecker (Ilyrtl, K \V. 138). —
2. — sonstige schnurithnliche Gebilde (Adel),
Pestatriemen, Wurmstränge (v. M. II. 130). —
schnüren- kastrieren durch AbbindungdT. Paul
399). — JSand-Schnur (bandtinur. Ilyrtl, K. W.
I 15) — bandähnliche Flechse. — (nie) Blasen-
Schnur = Urachus, der schmale Strang, der
von der Harnblase zum Nabel als Rest der
Harnschnur des Embryon geht (Kirsch 1262;
A. v. IT. II, 31; Gr. W. II, 70). - 2Jni n/Y- Schnur
= der Sameustrang beim Hirsch (Vert. Volks-
lied. 162). — Da mpf- Schnur ~ Dampf-Rinne
(s. d.) (Zlpp. 308). — (1740) //arfi-Schnur — Blasen-
schnur, Urachus embiyonis (l.eveling 195; Kulraui
190). — (1740) i\Trtfcr/-Schnur = dasschnurförmige,
geknotete Bündel von Blutgefässen, welches,
umgeben von der Nabelschnursulze, von der
mütterlichen Nnchgehurt als Nahelstrang(Ader)
zum Nabel der Frucht geht (Funicnlus umbili-
calis), le petit boyau (ftrlss. 37; Kulmus Regtat.).
— (1783) Samen- Schnur = Cremaster, Samen-
strang (s. d.) Brunftschnur (Levellng 99). — (1594)
Fer-schnÜrung (des Kindes): bei Jeder etwa*
schwierigen Entbindung nahm man früher an, das» <liu<
Kind oder die Frucht im Mutterleihe durch
Bftnderverknüpfung innorhalbder Gebärmutter
festgehalten, sozusagen verwachsen sei ; nament-
lich zur Strafe für uneheliche Schwangerschaft (schivlc-
I riger I. partus) oder für frühere Krucht-Totung (häufigere
Schieflage bei mttlliparae, die bei der früheren mangel-
haften Geburtshilfe öfters al« heutzutage nira Absterben
der unentbundenen Frucht führen musste) (s. Kinds-
bänder (<lr. W. II. 4'.l ; V, 773). — l I utm - Schnur
= die pcrlschnurähnlich aneinander gereihten
Rotz- (s. Wurm-) Beulen b. Pferde (l.ymphan-
goitis mallei humidi) (Zipp. 339). — Zusammen-
8chnürung = der Zustand oder die EmpÜndung
einer verengernden, aber passiv wieder auf-
lösbaren Zusammenziehung durch Bänder,
Muskeln; ist sie hleihend, dann ist es eine
Schrumpfung (Muskel- Kontraktur); Kehlen-
Zusammen sc h n 0 ru n g = Synanche (fiurlt I,
v.7) — Schnür-, Schnur- Brust, -Hitze, -Leber,
-Magen.
schnurfen, schnurpfen, schnorfen = schnü-
ren, Bchrumpfen (1703 der Hals ist zusammenge-
ichnorfft, Abrah. I, 285; Sehmeller II. 583; Ileyl 795).
Schnurre, f. (Schnorre) (vielleicht vom borstigen
Barlhaar der schnurreuden Katze übertragen auf) 1. =
Schnauzbart des Menschen. — 2. = Maul, Mund
und Nase (Kluge», 334; C. v. Bcl.ro. 475; »irlinger II.
83; Sehmeller II. 581). — Sehn tUT- Bart.
Schnutz s. Schnöder.
Schechen, Schocken s. Schacken.
Schock, m. 1. = s. Schuck. — 2. b (franz rhoc
= Stos» > schaukeln], Kluge*, 318; engl shake, shoc-k,
shog = F.rschüttening, Anstoss des Nervensystems,
Leht. 121. IM; Pornbl. 122; liend-shake = Haupt -
schütteln, Nciiüttelnde Kopfbewegung) — Wlllld-
schreck, „der paralysierende Kinfliiss einer
plötzlichen und heftigen Erschütterung resp.
Verletzung zahlreicher Nerven oder einzelner
grosser Nervenstätume auf die Herzthätigkeit"
(Roth 48i). — //«rz-Schock , 1. = Spitzenstoss
beim Herzschlag. — 2. = die von heftiger
Erregung des Gefäss-Syslems ausgehende, dem
ganzen Körper mitgeteilte Erschütterung des
Nervensystems (s. Schrecken).
Schöber e. Schabe.
38
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594 schöfeln— Schöttem.
Schöte— Schorf.
schöfeln ~ scherfein, beim Gehen mit den
Harken der Ferse Bchlärfen (Fromm, vi, 48t;
Lippe).
schollig b. schellig S. 562.
Schön, Schöne, f. (germ skau =■ schauen j goth.
skauns, ahd. scouwön ■ »«-hauen; scöni. f. = die be-
schaubare, sehenswerte liestalt [Farbe] ; scöul = hell,
glänzend, herrlich; mhd. schoene. f. schoene — wbrin,
puloher, speciosus; 16"-l schoene, f. = Kotlauf, Bock
41. 44. 84 ; I..8J Behocne =-- eryMpela*. Rotlauf. Frclsum •
Lonle lOii. 213. E. W. I. 56; 1583 schöne, f = Kar-
bunkelgcschwiir, <ir. W. IV, 2, k3T ; 1688 sehoen, f. =
Rose, Tahern. ; 16U sehocne — Oberrole, Uurlt III,
254 ; Hi30 sehoen. f. = eine unnaturliehe [lokale! Hllre.
Lonio ; 17. Juhrh. Sehoen oder Rothlauff, Fr. Kr. B.
200, 1712 schoene, f. = crysipelas, Zw. IM; (hr Sau».
II, 308; flaml sehoonsel = Schönmachscl >. d |, DeCock,
Folklore). — Schöne, f. 1. — «las durch die glän-
zende, heisse Röte der Haut auffallende Rot-
lauf, Krysipelas (und Phlegmone, Bursitis phleg-
monosa), Rose, Rotschön, Schönrote, Hübseh,
„nie schlügt sieh zu Wunden" (1682; I.onlc. 171);
ebenso der wie eine glühende Kohle glänsend-
rote Karbunkel (Kohlenbeule, s. d.). — 2. =
Placenta (iw.4i, nXaxoür, 1559 placunta, Roth 418),
die Säuberung (h. d.) vom Mutterkuchen (h. d.)
oder Richte (s. d.), mit deren Abgang sich das
tierische Weibchen reinmacht, säubert, be-
schönt, schmückt (Sehmeiler II, 427). — 3. = (1342)
das eine rote (rot galt stet» als schon ; s. rot) Birn-
au ppe (jus) gebende, gereinigte Eingeweide der
Gans (Schmeller II. 427). — (IV Jahrh.) schon (adj.)
= von Lepra frei, Anschauen» und damit des
Almosens würdig (I.oohner, die Sondcrslechen In
Nürnberg 218). — (1731) ifof-Schöne, f. -dw wegen
ihrer roten Hautfarbe auffallende Rose, Schöne,
Rotlauf, Krysiptdas (Pauli 7; Lammen 222; Or. W.
viii, i3ii) — Schön'/)-. Schönheit- Mütterchen,
-Blindheit, -Fehler, -qesund, -Hand, -Machtet,
-Tinte, Sucht, -Unken, -Zähne.
Schöpf s. schoppen u. schallen.
Schöps (SchÖtz) (indogerm. sknp ■ schneiden,
i|netsehen (eapön — Kapaun , verschnittener Hahn],
Fiek. 201 ; mhd. Ichopez im dem Slavischen [skopee]
entlehnt), 1. - kastrierter Widder - Hammel;
die Ka«tration kam vom Outen fs Wallach; Kluge*,
336. 3t»'.; Klelnp. :*B.). — 2. = dummer Mensch
(Rpies* II, 226; II. Paul 401).
Schör, f. Schoren, n (det rlten nn sohoeren
plagt mc, Zeitschr. d. V. f. V.-K. 189S. 203 - Schör, f.)
s. schorren.
Schörben, pl. 1. - Scherbe (s. d.). — 2. =
Schorf (h. d.). — 3. = s. Scherber.
Schörpentin, m. fjwndn sarpa, Ze 413 ; atrpena
= der Schleicher ; 1592 sclioorpontlii, Beb. 17t".; ver-
mutlich zu: serpodo, sorpoden, «erpentln ; 10 Jahrh.
serpentengcschlecht, D. 530, mhd. serpente, V. K. IX,
124 = Schlange, Wurm j serpunt, [Mtt] serp. serp*. D. II,
337) = Krön» oder Schuss-Wurm (lat. Kerpens;
sorpedo s Rftte am Leihe mit einer schleichend sich
ausdehnenden (.eschwulst, Kirsch 1093).
Schottern, pl. = geifernde Lippen (Schnit-
tern?) (anlehnend an d. abtropfenden ijuark [tfehotten],
nintner 6. 14).
Schötz, m. (entstellt aus) : Schöps (O.-Pf.. Franken j
Schmeller U, 492).
Schol s. Schäle 7.
Scholle, f schollen, scholdern (aitnord. «kiija
s= scheiden, trennen; aluachs. skola; angl» sceölu
— Abteilung, engl skoal; germ. skol — Gespaltenes.
! Kluge*, 335 [s. Schelm]). — Scholle = abgetrenntes
Hauptstück, Schleimkruste, die eich ablöst. —
«■-schollen (VW m> jm ein Pferd da« weis* Oeader
erschöllet oder verruckt hat, daas es hinket. Seb. 182)
■ verrücken, vereerren (Schmeller II, 407).
Schon. — Schon- Rippen.
Schooss, m., f. Schos s. Schoss.
Schopf, m. (goth. skiifta, skufls ■ caplllus, Ze. 67;
aitnord. skopt; mhd. schöpf. Kluge \ 335; 1420 schoppe
— sinclput. I». II. 339; 1544 schöpft* - sinclput. r.nrlt
III, 57). 1. - Haarbüschel oben auf «lern Kopfe
oder Vorderhaupte, der wie ein Schauh ( = Heu-
bündel) (= fiaarschopf) frei, nicht geflochten
emporsieht, Caprotina, Caprona (Kirsch 182,
Blrllnger I. 268; Mayer 190). — 2. = Kopfliant
(H. Panl 401).
schöpfen (ot>erd.), schoppen fnd.. md ) (Schöpf)
(zu Indogerin. «kuh; vorgerm skübh; altgerm. skiib
= Blossen; ahd. scobar — Behober, scoub [Schanbe];
mhd schoppen, schöpfen - drängend, stossend ein-
schieben. Kluge*, ;:i8. 322. 334). — Schöpf, f. = ein
drängend stossender Krampfschmere(lx>sch 232J.
— An schoppung — engouement, der Zustand
oder die Handlung des Angeffllltseins durch
nachdrängend eingeschobene Stoffe, die das
betr. Organ vollpropfen, verstopfen, tt. B. mit
Kot, mit in den Kapillaren gestautem Blute
angefüllter Darm, Unterleib (Heyne V, 461). —
/ 1 Schöpfung ~ der ZuBtand der beginnenden
Versiegung der Kräfte, epuiBetnent (zu schöpfen ;
ahd. schöpfen , Wurzel skab). — !', r schoppung
(mhd. vemehoppung, J.exer 329) = gang und gar
verstopfter Zustand, z. B. mit Kot in den Ge-
därmen.
Schoren b. schorren.
Schorf, m. Schorft, m Sc hör pf, m. Schorf, m.
Schürfen, m. schürfen (Scharf, schorbig) (zu
germ. skrop, skerp = scharf sein; angls scurftim —
engl, seurfs, rock. I. 856; II. 403; seeorfan, scyrfd,
scyrfendnm - rodere, mordere; senrf b giethan =
Jucken, <ock. I. II, ahd. scurfan = aufschneiden
mit scharfen Messern; II. Jahrh. czenterare, eviscerare
ventrern ; senrpfo — aperto, exentero, H. Z. III; IJ.
216; scurf ss tlnea [capitis, RAudewurm]. D. r.si; scorfo
— gleba, U. Z. XV, 363; «corf. Kluge*, .t«. :«8; mhd.
schorf - «irint. firintkopf. I^xer 218; 1420 Schorf =
Impetigo, U. II, 211; 15. Jahrb., ndl. scoruede = gla-
briOUt, U. II, 193; 16 Jahrb.. ndl. schurfde = grlti licht,
He Cook 9. 10; 1"*7 scrof, D. 2'»8; schorff — scabidu«,
D. 516; 1618 sich scherpfe» . schun>fTen = summam
cutim strlngern, Schmeller II, 464. 470, 1645 schürft" -
Kratze, 16I'> »choerl>en, scherben = Blatter- od. Urint-
horken. « oler. U. A. 117. 140 265, 264. ; 1715 schürt! =
Schafraudc, V. B. Vi; 1741 schrufe = schürfe — mentlgo.
Kirsch 714; 1741 schorpf = Schorf. Heyne V. 462. 17V.
schürf, A. v. H. I. 121; 1776 sebor! = eschar», Bohrend b;
USA schürt - Borke, Kssich 323; ndl. schürft; engl,
scurf - Schorf, Schinnen [Lehf. 97. 223], RAude, Grint,
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Schorf.
schorren— Schoss. 505
Kruste, Kaltschm. I; scurvy i a) = räudig; b) = »kor-
butisch, 1. cod.). — Schorf, l< = die durch scharf
schneidende Werkzeuge oder durch Aufreihen
entstandene Hautwunde oder der Substanz-
verlust der Haut durch die Abwetzung fester
Organteile derselben (Hcyuo V, 493; Goldschra. 134).
— 2. — die auf solchen Wunden (Trauma) »ich
durch Eintrocknung des Wundsekrets bildende,
trockene Borke oder Kufe, Ephelkis (Galeni)
s. CrtiHta vulneri8, Eschara (scara = mortua ac
livlda caro. a c*rne nana «eparata [s. Schlacke]; franz.
gouruie. Du cangc Iii, -.'99; VII, xw), unter der dann
noch die oliene, wunde, frischrote, ineist
juckende Stelle sich befindet ( = prarigo, D. 469;
anglg. scurf = [engl.] Itch, < ock. I, 14). (über den
Unterschied von Borke, Kufe, Knude, Mase,
Narbe B. Kufe S. 521») ; die alten Wundkräuter der
«•'ermanon waren meist schorfbildende Manzen, sogen.
Schorfwurzeln. — 3. = weiterhin auch Hautkrank-
heiten bei Menschen und Tieren , die solche
Hautborken bilden, z. B. der Grint (s. d.), Knude,
dfbrre Kratze (Falke II, 293). — 4. = da Borke
oder Schorf = Grint, und Grint = Kopf, so ist
auch Schorf = Kopf (mhd. ; t-oxer 1. e.) Bot den
Vorpommern hellet auch die Kröte wegen Ihrer rnuh-
warzlgcn Haut Sehorfpogge , Z. d. V. f. V.-K. 1895.
8. 262). — schürfen (schörpfen, schOrpfen), 1. —
einen Schorf (1—3) machen, summam cutim
stringere (Schmeller II, 464). — 2. = ein schalen-
weiches Ei ohne feste Oberhaut legen (von
HOhnern) (Schmeller II, 464). — (I7:i5) schorbig,
Schorfig, SChorfet (angU. icurfcdum, C'ock I, 370;
II, 16; 11211 scorvich — senbidus, D. 516; 141" schorueeh
a espldus [seabldus], D. II, 157; schornede - lurldns,
I>. II, 241) = räudig, grintig (V. K. 63). — (1687)
Schürfen, m. = ein unzeitiges Kind, Foetus
(Wasserkalb) ohne eigentliche Epidermis, die
abgeschärft, abgeschunden angenommen wurde,
da die Haut des Foetus im 4. Schwangerschafts-
monate sehr durchscheinend und wie abge-
schunden aussieht, intensiv rot ist (Schmeller II,
464 ; Georg. 410). — SchÜrfling, 1. = Schürfen (s. o.),
Foetus. — 2. = ein aus d. Mutterleibe künstlich
herausgeholtes, ausgettdertes, ausgeschOrftes
(s. o. ahd.) Kind oder Kalb, caesar (Ze. M; Schm.
II. 464). — 3. = die weiche Haut von einem un-
tätigen Kalbe. — Schurftheit (1507, 16M. ndl.
»chorfftheydt. schnrfdlcheyt , schurftheld = serplgo,
D. 530; I>e Cock 216. 217), 1. = der abgeschürfte
Zustand eines Körperteils. —2 = Künde, Grint
(die Scharf würz = Schorfwurz, Seablosa, Schmeller II,
464). — /IfcschÜrpfung = das Hinwegwetzen von
Körperteilen, z. B. der vorstehenden KafT- o<ier
Kiipfzähne (or. w. V. 2320). — iJ/Mf-Schorf =
blutigrote Kruste, caillot de sang, der Schorf
auf einer mit Blutgerinnseln gefüllten Wunde.
— Brägen-, Brem-Schorf ■ borkiger Grintaus-
schlag auf dem Vorderteile des Kopfes (siehe
Bregen 2) (Oldenburg, Lippe; (ioldschm. 134; Fromm.
VI, 54). — (l"*o) ßraw/-Schorf — <ler durch das
Ausbrennen von bösartigen Geschwüren oder
auch «ur Strafe durch die Backen hindurch bis
auf die Zithne ausgeführte Brennen mit dorn
(1419) i'ulzkopf (cantorlum, auirfstriura) erzeugte
Schorf (Kschara combustionis, Schmeller I, :t.'>7. über
das Brennen als Heilmittel der Tempelprleater i. Tage-
blatt der Naturf.-Vers. z. Wien 1894, S. 398). — Qc-
schorf (aogls. geseeorf — abrasion, Cock. II, 176. 3ö7.
404) = anhaltende Schorfbildung. — (1699) grin-
diger Haupt- Schorf = Milchschorf («■. M. I, 147).
- (1801) MiicA-Schorf, -Schürf, l. - die hell-
farbige Milchborke, Milchgrint als Grint- oder
Borken-Ausschlag auf dem Haupte der Saug-
linge (Ackermann; Weickard 20.i) (Crusta lactea,
I^actumen Manardi). — 2. = Teigmanl bei Rin-
dern (Falke II. 117). — (IMS) AVter-Schurf = be-
netzender, niesender, feuchter Grintansschlag
(Coler. H. A. 161). — trockener Schorf (IV Jahrb.)
drogo scharff = papula, 1). 473; 107 droeghe schorht
= Impetigo, O. 258) = das eingetrocknete Wnnden-
oder Geschwflrs-Sekret. — (1736) weisser Schorf
- Milchschorf (Woyt 614). — Schorf - Kopf,
-Nägel*.
Schorren (Schoren) (angls. seeorian = hervor-
springen, Kluge*. 335; ahd. scorro, scorra = promi-
nentla; mhd. seorren — promlnere, Schindler II, 160;
1507 gesohort b ramleosus, D. 483), 1. = erigere,
prostare (vom Penis). — 2. = herniosus (Kar-
nöH'el). — (1507) Schür = aufgesprungener Zu-
stand (D. 49M. — Schöning (r>07 lehoringhe In dat
gemechte = ramex, hernia, lumbifraclio, D. 276. 339.
483) = Gemachtbruch (Hernia, Karnöüel).
Schoss, m., f. Schoos, m. Schuss, m. (germ.
skut = Schlesien [s. d j; Island, skotta - Folgegelster,
Geseblechtsscbüssling, Kochholz I, 98; altnord. »kaut
= Schoss, Fiek. 109. 8'JS; ahd. scoz, u. — Junger Trieb;
■eozza, f. scoz, scözo, m. seoza, t. = Klcldersrhoss,
sinus; seuz. m. — Schuss; angls. scytos — jacula.
Cock I. I.XIX = Teufelsschüsse; sciutil, D. 282; mhd.
ichoz. n. - junger Trieb; schöz m Kleiderscboss , 1280
schuz, m. = Schuss, ein rheumatisches Übel, Pfeiffer
I 12. 79; l^sxer 222; Kluge5, 335. ;136. 33V; I I >9 dy schoss
= rheuma, Schmeller II, 479; 1177 die schuess, Ortolf ;
1482 fallenüitecbtag = jacolon, jaeulum [ — GeschO*«],
D. 2*2; 11*2 zittermal - balcstra ( = Geschoss], D. 66;
1516 schuss, schoss n rheumatischer Klnschuss [Ischias] ;
1520 saglttare crura, die Zauberin „schoss" die Kinder,
dass sie sich zu Tode schrieen, Luther VIII, t.0; 1526
wen Jmant dy schuss hat, Hiltmann 319; auch in
gleicher Bedeutung als rheumatischer Klnschuss in
8egenformcln ; 1551 schoss = Schamspalte, Hyrtl, K. W.
139; schuess. pl. = rheumatischer und Flngerwurm-
schmorz, Hock 23. 143, 1560 geschoss. H Sachs. 1582
die Schuess = Wehtag des Hauptes, I.onlc. 215; I60y
schoss = (ielenkgnibe, Hyrtl, K. W. 27 i Schüssel?];
1645, 1646 die schoss). 1 = Schuss <Z. d. V. f. V.-K.
1894 . 8. 449). — 2. - Gemachte (Coler. H. A. 199; 1717,
1783 Schoos, f. a Unterleib, Kssich 2 i5. Abrah. II, 102;
' ndd [Swinemünde] das St<5t (vermutlich falsch ge-
schrieben für Sköt od. Schot), K. u. Scbw. 442 aa das
Kelssen am Auge Schuss 2cl; ndl. ichoot = Kleldcr-
schoss, pes vcll, Schoss, Schote, Husen, Keil; anjcls
sefata; dan skott - lumbago und ditnionistUchcr
Pf*fUebUM In die landen, Z. d. V. f. V.-K. 1895, S. 51.
52; engl, shut = vcrschliesscn durch Torschfessendc
Teile; shot =- Schuss, «hoot - slL-rhender Schmerz;
sheet - Schoss; «hotten = lahm durch Klnschuss;
shootlng- Milzstcchou, Kultschm. I, 5-3). — Schoss,
1. = „derjenige Teil de« Gewandes, der vorne von der
Taille im steifen, keilförmigen, gehren- [s. d.*^ artisen
I Falten an die Form einer breiten Speerspitze [Ger],
38«
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8choss.
Schoss.
mhd. sehöz = telum erinnerte", Heyne V, 462; altnord.
skaut = Schoss, Welnb. 54). „Ob eigentlich ein nieder-
schiessender oder niederbangender Teil vom Kleide
oder ein hervorscblesscndes Eck vom Land? oder
(wofür „Gehren" sprechen könnte) wegen der Ähn-
lichkeit mit einem Geschoss?" (Kluge*, 336). — 2. =
der Teil de« menBch liehen Leibes, wo beim
Sitzen dieser Gewandteil so fallt, schiesst, dass
er ein(en) Schoss bildet zwischen den Hüften
im Winkel oder Bug zwischen Schenkel und
Unterleib, insbesondere a) der Schoss am falten-
reicheren Frauengewand als Frauen- oder
Mutterschoss = unterer und vorderer Frauen-
leib; b) weiterhin = Rima pudendi unterm
Schosshügel; c) Haftgelenk, Grube (Schüssel?);
d) das Schossbein, Os pubis. — Schössling
(mhd. schüzzelinc) = junger Trieb, Fexer, Für-
schuss, KnochenfortsaU als junger Knochenaus-
wuchs (Hyrtl. K. W. 173; Kluge b, 337). — Schuss, m.
(Schoss, Schttss, pl.) = die Handlung de« Bchlessens,
das Oescbosswerkzeng und das l'rodukt des Scbiesseus :
l. = die pfeilschnelle Bewegung. — 2. = plötzlicher,
schnsschnell erfolgender, namentlich rheuma-
tischer Schmerz (Fluss, GeschosH), der wegen der
Schnelligkeit des Entstehens ohne nachweisbare oder
sichtbare nndero Ursache früher einem D&monen-
Werkc (s. Schusswurm, 8cblesscblangc) zugeschrieben
wurde und volksmedizinisch dementsprechend mit
Rannworten behandelt wurde (K. u. Schw. 442) (siehe
Elben-, Hexen-, Bilwiz-, Drachen-, Teufel-
Schuss); dieser Schuss entspricht a) dem „Mor-
bus sagittae celerrimus noxii alieuius humoris,
motus et dolor" (Du Cange V, ftl8) = rheuma-
tischer Einschuss; b) dem sogen. Seitenstechen,
Dolor lateris, Pleuresis (la pointe) = Telum
quod dolore corpus transverberet veluti gladius
(Du Cange VIII. 48) oder c) als fieta (Venedig: Atta)
— dolor detixus tanquam clavus affiigens (Du
cange II, 4h;i) dem Nagel ß alB Neuralgia supra-
orbitalis; diese Vorstellung von einem mittel» Oe-
schosse die Menschen schmerzhaft Ifthmenden Dftmon
Int uralt und weltverbreitet; auch der Tod (Sensen-
mann oder Schnitter) schienst nach mittelalterlichen
Rildcrn auf seine Opfer mit Pfeil und Dogen. In
den reckenhafteren Vorzeiten war dieser Wundschmerz
durch den I'fcllschuss ein allgemeiner bekannter als
heutigen Tags (Wackern. I, 360); (vergl. über den
Wludpfeil der 1-ctlen als Oraache einer labmungs-
arligen Schwache Bartels in Z. d. V f. V.-K. 1895.
S. I, sowie Bartels die Medizin der Naturvölker 9. 26 ff.)
— 3. = andere plötzliche, rcisBetide, durch-
schiessende Schmerzen, z. B. beim sogen. Gall-
fluss, Kingerwurm, Apostem etc. (1531 als wenn
eynem eyn Apostom schuss hlnder den oren oddor an
der kaclen (s. Blatt 8 S. 47|, Krautw. I.XXXIII). —
4. = „er hat einen Schuss" (h. Elben- und Alp-
schuss) ex er ist verrückt (Spless II, 22S; c. v. Schm.
483) durch den Alp, welcher auf ihn ein Geschoss
absendete. — er ist mit der Pelzkappe (Elben-
kappe?) geschossen — er hat einen Schuss
(Demokr. XII, 104). — ß. = der plötzliche wie durch
einen TodesBchuss erfolgende Erdsturz (b. d.)
beim Milzbrand (Anthrax) des Kindviehs als
Folge des Drachen- oder TeufelschusBes der
Furia infernalis nach früherem Volksglauben
(Fuchs Ii, 2»»). — 6. = der vordere, abschüssige
Teil des Pferdehufes (Heyne V. 4%). — 7. = die
Verletzungsstelle, durch das Geschoss ver-
ursacht; die Projektile bei dienern magischen Schone
der germanischen Dämonen sind : a) unsichtbare Pfeile
(Sonnenstrahlen , die Sonne „sticht"), Blitzstrahlen,
(Wind?), entsprechend dem Einschuss oder „Ein flu»«"
(Influence); b) Belemnites-Stelne (Schossteln. s. Alp);
(engl fairy stone), Feuerstein-Pfeilspitzen ( - Klfonkelle.
Donnerkeile, Schclble IX, 165), deren blosse Berührung
schon plötzlichen Tod für Mensch und Vieh bringen
sollte; c) stechende Speerspitzen, Nagelspitzen, Messer-
spitzen. Beile (Lalstner II, 236); d) Haarballen in Kugel-
form; e) selbst Maden nnd Würmer (= kleine Dinger).
AI» Hexenschussmitlel („«imlllastmillbus") spielen viele
solche stechende, eiserne Gegenstände eine volks-
medizlnische und geburtshilfliche Rolle; desgleichen
silberne, gewelhto Pfeile als Präservativ gegen Pest,
sowie die gegen den Alpschuss. nexenschuss ver
wendeten Schusskrautcr. z. B. Bryonla alba ( - Alraun,
Alpraun, (ilchtwurz), Solanum dulcaraara (Alpkraut).
Stachys annua (Hexenkraut, Jessen 69. 381. »>7). —
8. = Bei den Norwegern entsteht die Rhachltis
(8. Schwich) durch einen bösen Wurf (aakast. ondt-
kast] der Unterirdischen (Elben), wenn die Kinder auf
dem Felde liegen (= Mittags-Alp) oder wenn sie nach
Sonnenuntergang neben nach Norden fliessende Wasser
(Wasser-, Nachtalp) oder an Friedhöfen (Maralp) vorbei-
geführt werden oder wenn sie ein Nachtvogel (s. d )
mit seinem Schreien bethört (Janas 1898, 466). — in
Abrahams Schoss kommen (ahd. in abrahame*
seozza, nach Luc. 16. 23 fl. ; Graff VI, 563) = ins
Jenseits kommen, wo nach dem Glauben
der Juden das Liegen in des Erzvaters Schoss
eine Belohnung der Frommen sein soll (neyne
v. 462). — (1618) Alp- (Elfen-) Schoss, -Schuss
(angls. ylfa gescot, lock. III. 51; engl, elfln shot;
schwed. elfskudt; norweg. alfskud, alvskot; dan
elveskud, Licbr., z. V.-K. 330; Maurer II, 10; Golth 110.
120. 132; Lalstner II. 27H; Schwanz 410; 1618 alpscboss
= belemnltes [Luxstein]. lapls cinereus aut candicans,
figura sagittae, Schm. II. 179; Falke I, 38; Kirsch
717; Schwanz, Indogerm. V. Ol. 192; Kuhn I. 324)
= der magische Schuss durch den Alp- oder
Mardümon, dessen Geschoss man sich in dem nagel-
oder polzenartlgen Tcutelsfinger oder Belemnltes-,
Traden- oder Schossstcln, Donnerkeil. Blitz verkörpert
dachte und der a) plötzlichen atembeklemmenden
Seitenstich (s. Stichmar, Stickwerk, Stickadl),
rheumatischen, „wie angeflogenen" Schmerz
(Hexenschuss, Lumbago, Ischias) „in Haut,
Fleisch und Glied" (Mannhardt 67) verursacht oder
b)durch den Alpschuss (s. Alp III) die Menschen
verrückt macht (s. Alprasen) oder c) das Vieh
unter Krampf (Apoplexia) durch Milzbrand
tötet (Lalstner I, 333; H. A. Rh. 269). — An schuss,
I. = Anriss, Milchschorf als plötzlich ent-
stehende Hautkrankheit (Crusta lactea) (ob
nicht - ans-schuss, ans, ös - Asen?). — 2. = Rot-
lauf (Abergl. 1H0). — Asen- (Ansen-?) Oschoss
(angls. i>sa-, and ylfa gescot = engl, aeairahot, Cock.
III, 54; Gr. D. M. 1192; Golth. 124; Mannhardt 67;
Seh melier II, 17») = das Geschoss der (germ )
Halbgötter (Schmellcr I, 113), welches wohl in
seiner Wirkung dem Alp- oder Hexenschuss
gleichzustellen sein wird (vergl. Anschuss)
(Lalstner II, 278 stellt es wohl mit Unrecht zu [ahd ]
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Schoos
SchosB.
ans = Balken als Wurfgcschoss ans Hol«). — auf-
geschossen, 1. hb wie ein Wassergeschoss (junger
Wurzeltrieb; rascb und schmal emporgewach-
sene, lange, dürre Gestalt. — 2 = (angls. ofscoten
= schott. elfshoot. dangerously distended by greedy
devouring of grecn food, Cock. II, 16. l «: 174. 290.
401 , badly woaoded by a shot) — wie durch einen
elbischen Schuss gliedersteif und rasch auf-
getrieben im Fresswanst, futterräch (von
Pferden) (wird besprochen). — An;.)! Schuss (1260
die schüze gent Taste in den ongen, Pfeiffer 38;
wem die grozzen schüzze In die ougen gen ; wem dy
äugen schössen ; gut für den augenschuss, Schmeller
II, 479 ; 1477 wem die grossen scbuess geend under die
angen ; wem die äugen roth seynd und jhm die schuss
in die äugen geend, Ortolf) — der heftige, plötzlich
eintretende, einseitige Nervenschmerz Aber
einem Auge (Neuralgia nervi ttigemini supra-
orbitalis; s. Nagel); der Nagel (clavus) wird
hier wohl als Geschoss der Dämonen aufgefasst
worden fein. — ßfi n - Scb.U8S (engl, beenshot =
angls. geoceoten, Cock. III, 64 65) — die wie durch
elbischen Schuss in dem einen oder in mehreren
Beinen veranlasste Gliedersteifheit; räch). —
Bilwitz Schuss („*i wolten das kein pilwls sl da
schiizze durch die knie", Gr. D. M. I, 441; wie der
Alp, so sendete auch der Korndamon Bllwlz [s. d ]
nach altem Glauben Geschosse ab, die als) rheuma-
tischer Knieschmerz (Ischias) empfunden werden.
— Blatt- 8Chie88en s. Blatt S. 47. 48 (engl, horse-
•schoe-hcad — Hufeisenhaupt, hufschuhartiger Teil des
Kopfes — Fontanelle am Kindeskopfe, auch Haupt-
mulde; engl, headmuld-shot , Kaltschm. 1 = Blatt-
schiessen). — l,lu! Schuss (angl«. blodscoten, Cock.
III, 54; engl, bloodshot, Kaltschm.) m Bluteinlauf,
rascher Bluterguss unter einem Teil des KörperB.
— Drachen Schuss Inach I.aistner II, 27«; bei Para-
celsos se Asenschuss) , 1. = der Augennagel des
Pferdes oder FellschuHs, Drache (s. d.) im
Auge, durch ein Geschoss (Nagel) desdraehen-
baft gedachten, blindmachenden Dämons ver-
anlasst, wobei das Pferd einen stechenden,
grimmigen Drachenblick erhält (letzteres wohl
Tolksetymologischen Ursprungs). — 2. = der apo-
plektiforme Milzbrand beim Vieh, verursacht
durch die Kuria infernalis Linne (esth. Lendwa
rabandus 'fliegender Drache oder Wurm], Schwartz 89),
ein Drachengebilde der Volksphantasie (siehe
Drache, Höllendrache, Erdsturz, Schuss 6,
Teufelscbuss), welches l'feile in die Maut des
Viehs ahschiesst (Anthrax - Karbunkel). —
Drachenscbuss bedeutet also nicht „im eirunde
dasselbe wie Hexenscbuss". — (K>10) .Ein schuss
(ndd. [Kuppln] inschott, Inschoett, Z. d. V. f. V.-K.
1897, S. 67. 68. 410 in Besprechungen) - iIhs plötzliche
Eindringen eines Geschosses od. das plötzliche
Eintreten eines schmerzhaften Zustandes,
Neuralgia, durch schussartig schnelle Bewe-
gungen von in den Körper des Menschen
ergossenen Flüssigkeiten (Phlegmone); na-
mentlich: a) beim sogen. Einlaufen der Milch
in die Brustdrüse der Wöchnerinnen und in
das Kuheuter (Frank 513) = Euter- Ein schuss
(Pauli 103), b) plötzliche Blutunterlaufung (oft
bloss angenommen als solche) (Mecklenburg i
mjchott); c) als Gallschuss, Galle- Erguss,
worunter sich das Volk meist akut entzünd-
liche Prozesse in den Gliedern (akuter Gelenk-
rheumatismus z. B.) vorstellt; <1) als Hexen-
schuss (s. d.), Rheuma ; e) Zahn-£mschuss =
ein plötzlich in die Zahnnerven einschiessender
sogen. Fluss = rheumatischer Schmerz, Parulis
(Pauli 53); f) plötzliches Auftreten einer schmerz-
haften Rose-Schwellung (Zlpp. 113; Falke I, 235).
— Elben-, Elf Schuss s. Alp-Schuss; („uralter
Glaube war ea, daas tou den Elben 1 = Finnen, Nord-
mannern, Zeitscbr. d. V. f. V.-K. 1897, S. 51. 52] gefahr-
liche Pfeile aus der Luft herabgeschossen werden", die
wohl als Pestpfeile der Alten aufzufassen sind) —
exanthematische Seuchen (F. Dahn d. Gesch. I,
296; Gr. D. M. I, 1129; Kluge5, 10; Simrock, D. IL 436;
Mannh. 67; Liebrecbt, •. V.-K. 330; Scheible IX. 166).
— er hat einen Schuss = ist durch den Alp III
verwirrt, albern. — Fell Schuss. -^rschossen
(„die äugen sind verwachsen mit vcelschossen",
schmeller I, 709) = das Flügel- oder Augenfell
beim Pferde; Pterygium, durch den Drachen-
scIiubh erzeugt nach dem früheren Volksglauben.
— 2. aa (angls. on fellscoten = engl, on feil shotten,
Cock. III, 54 In heidnischen Bcsprechungs-Kormeln)
= in der Haut (Fell) durch elbischen Schuss
verwundet. — Fleiach <>• schössen (angls. on Qaaao
scoten ss engl, on flesh shotten, Cock. III, 54 in heid-
nischen Bespr.-Form.), 1. = wie durch elbischen
Schuss in dem Fleische (Muskeln) verwundet,
muskelsteif. — 2. = Fleisch-Schuss = Schuss in
die Weichteile. — (1632) Fn> Schuss ((-»»ersetzung
des) Processus der anatomischen Schule — Knochen-
forlsatz (Schössling) (Hyrtl, K. W. 53. 142. 173). —
(/äÄ-schtissig - plötzlich verwirrt, jähzornig wie
durch einen elbischen Schuss (Schmeller I, 888).
— Qall-, Qell Schuss, 1. «= ein plötzliches Auf-
treten von Schmerzen in den Gliedern, nach
den Lehren der früheren Schulmedizin durch
Eintritt von Galle (Gallfluss 6) in die Gelenke
verursacht (akuter Gelenkrheumatismus), na-
mentlich da, wo die sogen. Galle II am Beine
siUt. — 2. = Gallschuss, Gellschuss = Blechen-
der Hexenschuss, der Im Kusse eintritt, weun man
in das „Gesparr" einer Habcrgelss (s. d.; Volksetymo-
logie Tom gellenden Speer; Tirol) tritt (Alpbg. 385;
Lalstner I. 335; II, 26s). — 3. = Prellschuss. —
<ii hir n Schuss (dy schuess geen jm In das gehirne,
Schmeller Ii, 479) — Neuralgia Btipraorbitalis, der
über den Augen an der Stirne (Hirn) gefühlte,
plötzliche Nervenschmerz (Augenschuss). —
gelüppter SchUSS {gclupler schoz, Schrael'er 1, 1497)
— vergifteter Schuss. — (/'Schossen. Oschoss,
Gcschu8S, n., f., pl. (angls. gescot; hors gesc[e]oten,
Cock. III, 4t".; ahd. giscos; 13. Jahrh. geschoz - eine
Schusswunde am Tiere. Pfeiffer .".2; 1482 balestrum
[= Geschoss] = zittermal, D. 66; 1510 geschoss, n., f.
Iucheuh. Mlrakclb. ; 1600 geschoss; 1616 das geschoess,
Coler, P. 298 = Leistengegend; gescho*. Schmoller 1,
680; II, 479), 1. = das Wurfgeschoss, jacolon, jaculum.
Alles, womit mau schiessen kann. — 2. — die damit
erzeugte Wunde. — 3. = der dttmonistisch
erzeugte Schuss als plötzlicher Anfall von
heftigem Nerven-, Knochen-, Glieder- und
besonders Stirnkopfsclmierz, der wie ein Ge-
schoss (telum) aus Dämonen band abgeschleu-
dert und „wie angeflogen" kommt, Neuralgia
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Schoss.
Schoss.
rheumatica, Rheumatalgia, heiliges Weh (auch
bei Kossen; »eine damonlstische, elbische Ätiologie
erklart auch dessen volkmediztnische Behandlung
durch Beschworungen, Slmrock, II. D. M. 539; Bartels,
Mediz. d. S. V. 10. 45(1.; Scbmellcr II, 179; Gr. W. V,
517 ; C. v. Schm. 477 ; Frinchb. 41 , Bück 14 ; Cock. III, 64)
die Ausstossung von nekrotischen Knochen-
splittern und der „knochenhrechende" Schmerz
(Frlachb. M) ist dann erklärlicher Weise als
Geschosswirkung nach dem Volksglauben auf-
zufassen. — 4. = Herpes (Zittermal) als Neu-
ralgia herpetica. — 5. = Krankheit der Katzen,
wobei diese wie toll hin- und herschiessen
(Kranken; Schw. 24S ; Schindler II, 439). — 6. = ht
petite chose = Vulva (das Hing 4a) verdeutscht In
Gschossl (Schmeller I, 47a ff. ; Ze. 113). — hiBt du
etwa geschossen? (Klaas»; E. W. 1, 83) = verruckt
(weil vom Elbengeschosse getroffen). — grosse
Schusse (1260 „»wem die grozzen schuze gen In die
zendo oder zuo den ougen in daz hlrn", Tfelffer 32. 7'.);
Schmeller Ii, 479) - der Oberaus heftige (oft um
die bestimmte Stunde intermittierende) plötz-
lich eintretende Schmerz «her den Augen auf
der Stirne am Haupte (Augen-, Hirn-, Haupt-
Schuft«), Neuralgia nervi trigemini supraorbi-
lalis Fol hernil Ii (nach 8. Fothergill 1804 mit I nrecht
benannter tic donloureux, Prosopalgia, Huber 9). —
//oor/(ri/-SchuS8 = eine Schusswunde, welche
nur oberflächlich unter dei Haut wie ein Haar-
seil (setaceum), ohne tiefer einzudringen, sich
forterstreckt. — //at<pf-Schoss, -G. schoss (1411
da» hauptschos, Zingerle 197; 1510 schuss an haupt und
gliedern, Inchenh. Mirakel; 1582 «chuss de» hauples
■ Hauplweh, l.onicerns IM, ICSI schlezen an haupt
und gliedern. Tabern.), 1. = das viele Glieder nacb
und nach befallende, hauptsächliche und aus-
gesprochene Gliederrheuma, Rheumatismus
articulorum acutus. — 2. = heftiger Kopf-
schmerz, Neuralgia nervi trigemini supra-
uhitalis (Augen-, Hirn-, „grosser" Schuss;
Multernagel) (Meyer 516). — 3 = SonnenBticb
(b. Sonnenschusfl), der das Haupt betroffen hat.
— 4. = der Influenza-Kopfschmerz als Symptom
einer epidemischen Seuche, die ohnehin mit
Vorliebe den schelmischen, elbischen Dämonen
zugeschrieben wird. — 6. = s. Blattachiessen.
— Hcjrcn-GrRchOBB, -SchOBS (angls. haegtessan
gescot, Cock. III, 54; Laisluer I, 333; II, 278; Golth.
110; *ir. 1). M. ; Mebrcrht, z. V. .VM; lu angelsächsischen
Segen senden die Hexen , .gellende" Speere [». (iall-
schuss 2; gyllende garas], Mannh. Golth. 120, K.
u. Schm. 378; Kleinp. Gastron. Märchen 23). I. = der
Alpstich, Marstich = Seitenstechen (s. d.), da
die mittelalterlichen Hexen und der Teufel öfters die
alleren fgerm.) Kobolde vertreten und deren Kolle
übernehmen ; darum auch i '1. = Teufelsschuss (s. d.)
un<i 3. = der Alpschuss (s. oben) (Slmrock, H. I).
M. 473 ; Mebreeht 330), sowie 4. - der I »rachensebuss
(8. d.) (Z. ndb. III, 4Ö9; Wuttke 250). — 6. = Schoss,
Gefcchoss (s. d.) Oberhaupt, namentlich der
rheumatische Lenden- oder Kreuzschmerz
(Lumbago) und das Kniegeschoss (Bilwiz-
Gesrhoss; Ischias), der wegen «eine« plötzlichen,
„wie angeflogen" erfolgenden Eintritts dftmonistisch,
d. h. von Hexenwirkung abgeleitete, heftige, rheuma-
tische Schmer», der wie der AlpK-husi eine Strafe der
I Gottheit sein tollte, die durch die Dämonen (nacht-
fahrenden Dnholdlnnen = Hexen) vermittelt wird. —
6. = die rasch auftretende, heisse Schenkel-
I geschwulst (Phlebitis) an der Innenfläche des
I Pferdehinterachenkelft (Zlpp. 456; der Hexenschu«s
entspricht als solche Strafe dem Schusse des Rudna.
eines indischen Donnergottes [Alharva-Veda), Z. d. V,
f. V.K. 1895. 8. 15; W uttke 2->0; Germania VI, 21fi.
tir. W. IV, 2. 1303). — 7. - (1646 Hexengeschoss „ein
greulicher, ewhreckllcher Wehtag durch ein sonderlich
Geschwur an den Fingem oder In den Zehen der Fu&sc
oder sonst Im Leibe, darin Haare, Asche, Faden, Sau-
borsten. Fischgräten. Federn und andere Dinge mehr
gefunden werden, welche einem also von den alten
Zauberburen hluelngeschossen oder gezaubert werden
ein bezaubert Ding", Coler, H. 144) = Panaritiuin
(s. Adel u. Ackelei *, Hackelei); auch Ulcus oder
vulnus hystericum; Hysterische zaubern sich
solche Gegenstände selbst in die Haut; oder
sie waren nach früherem Glauben durch eine
andere Hexe als ein Hackel-Ei (s. d.) hinein-
gezaubert worden: („so ist auch weiter das zu
melden von dein Hexen-tiescho*», wie es denn die
Hexen und die Zauberer Geschoss helfen, wenn sie
einen Menschen verseeren oder verkrümmen mit dem,
das* sie ihm Escher, Haare, Faden, Saubtirst, Fischgrat
und dergleichen mehr viel seltsam Ding In einen Fuss
oder sonst in den I/eib hlnelnzaubern ohne Eröffnung
I der Haut", Schindler 352) = die spontan aus-
gestossene Dermoidcyste, welche Haare etc.
enthalt, mag wohl auch u. a. als Hexengeschoss
(s. Alfkugel) angenommen worden se'n. —
//«ren/cM/W-SchuSS (ein hyperbolischer Ausdruck
für) Teu'els-SchusB = Milzbrand (wird besprochen ;
Vernal., A. 414). — H\tz Schuss - plötzliche Kr-
l krankung der Kühe vor dem Kalben durch
i das Kalbfieber, wobei das Titr bewnsstlos
1 hinfällt (Uraemie) (Karnthen; Fromm VI, 20S}. —
//m/Y- (7< SChoSS (12*',o swem In die huft geschinzet.
I'feiffer 48; engl, hipshot : Leudcuschmerz, Kaltschm.)
= der Hüft- oder Gichtnervenschmerz, der
plötzlich „einschiesst", Ischias rheumatica,
Arthritica. — (1560) Krlla 0« schoss, 1. = <las
J heftige Kopfweh, das sich einer (auf den Wein-
keller anspielend) aus feuchten Räumen durch
Rheuma (hezw. Weingenuss) zuziehen kann;
(der Keller ist auch der Aufenlhaltsort des Hausgeistes
[Kobold] nach dem Volksglauben, Schmeller I, 1192,
I 1588, 1610; Gr. W. V, 517). — 2. = Kellerfieber,
Kellerkoorlsen. — (1842) A'ern-Schuss = ein
EinschusB in die Drflsen (s. Kern 9 u.*), nament-
lich am Halse des Pferdes bei der verdächtigen
j Druse, wobei meist auch eine Gaumensegel-
erschlafluntr (= Blatt, s. d.) verbunden ist
(Falke II, 11) - /Y schoss = Bil wizschuss.
— Kont in Schuss = ein« Schusswunde, deren
Verlauf die Konturen den Körpers z. B. um den
Brustkasten herum einhält. — firmz-Grschoss
m lumbago, Hexons.h'iss im Kreuze. — LiVf-
(Glirrt ) schössen (»ngl«. lldh scoten; engl. Ilmb
shotten, Cock, III, 54. 55; In heldnischcu Bespr.-
Form.) = wie durch einen elbischen Schuss in den
Gliedern steif, rieb. — LocA-Schuss = eine den
Knochen durchlöchernde, nicht zersplitternde
Schnsswunde des Schädelknochens. - 3Ia>k-
GschOSS (mbd. margschoM, MUllenh. und Scher. 280)
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8ch
Schote— Schotten. 590
= ein plötzlicher, heftiger, in das Rückenmark
verlegter Schmers in den Kückeiiuiuskeln durch
sogen. Rückengicht. — 3/i/cA-8chU88 = s. Ein-
BchuBsa und Milch (Pauli 103). — Mittel- Bcho&a
(K>77 middensehott van de miesgaten, D. 304) — Inter-
finium, Unterthat, Nasenscheidewand in der
Nasen. — Üfutter-Schoss = Gremium, Mutter-
leib, Mattergehren*, Gesiedel (Schoss 2 a). —
neunerlei, 3x9 fach Grschuss, -yrschossen
(Gr. D. M. CXUII, 40, Frlschb. 62) = der vielfachen,
meiüt frQher durch Besprechung behandelten,
durcbBcbieBsenden Scbmerten (99 Gichten),
a) beim polyartikularen Gelenkrheumatismus,
das sogen. Kaltvergicht oder b) beim Krehs-
geschwür, das lanzinierende Schmerzen macht.
— Aof-Schoss = ein Not (s. d.) machender
(elbischer) Schmu» eines Plaggeistes (Schmellerl,
1773; au» dem Scheltenamen abgeleiteter Begriff). —
(U61) Ohren SchÜSS (dloschuessder oren, Bock 74) —
plötzliche, durchschieflsende Ohrensehmerzen.
— JYfWSchuss = ßicocAe/Schuss (Dornbl. in)
mm blosse Prellungsbeule ohne Eindringen des
Geschosses, welches unter stumpfem Winkel
gellend abprallte (Falke II, 212; ri cochcr ~ recoplare,
zurückprallen). — (1459) Rinnen-, rinnender Schuss
(N.K. der het dy rlnueten schoss dcnhaupls lünfjar",
Schmeller II, 439), 1. = wahrscheinlich Neuralgia
nervi trigetnini ex deniibus, mit einer iiiessen-
den Xahnüsiel. — 2. = eine Schueswunde mit
rinnenförmigem Verlaufe auf der Haut ohne
eigentliche Loehbildung. — Äiir/rfn -SchUSS
(1260 „swem In den rücke geschiuzet", Pfeiffer 48) =
Maiksehnss, Lumbago, Rttckenmuskehheuma-
tismus. — Schaden Schuss (,,für die *chu»s und
blrr zu den schaden die hiczig nein", Schmeller I, 1165)
= ausstrahlende Nervenschmerzen von einer
entzündlich schadhaften Stelle ausgehend und
wie durch einen heftigen DamonenschusB
verursacht. — Schul ter-SchuSB, 1. = Schulter-
muskel-Rheumaiismus, Schulterlähme — 2. =
Schusswunde (engl, Shoulder shltten). — Seiten-
Schuss, < • > sc ho ss (1260 swem in die siten geschiuzet.
Weiffer I*; 1616 gcsehosz In der gelten, Henken, Heyne
II, 1131) = Morbus lateris immanis, der heftige,
entzündliche oder rheumatische, stechende
Schmerz auf einer Brustseite (Alpstich, Mar-
Htich, h. d.). — 77 Schuss = 77 Gichter, schmerz-
hafte, langdauernde, immer wiederkommende,
unmasBig erscheinende, dnmonistisch auf-
gefaBSte Krampfschuiercen. — Son«ffi-SchusB,
1. = Sonnenstich, durch den Schuss der Sonnen-
strahlen (engl, stroke o( the »uu) veranlasst, die
in den Ilundstagen, d. h. zur Zeit des Sirius-
Gestirnes (auch 7 Schlafertag) besonders stark
wirken (Miltagsalp, s. Alptraum); (daher Sonnen-
stich mit Selrlasls [s. Illatt Ui], Slriasls übersetzt wird).
— 2. = der InÜuenza- Kopfschmerz, der als
Blitzkatarrh mit diesem Sonnenstichschtnerz
verglichen und alsSiriasis um! Horton ( = Sitins)
(Horton = Sc.hlagbeulc aul den Kopf, le tac) bezeich-
net wird, — 3. = der I'ferde- Koller als Menin-
gitis ex insolattone aufgefasst (der Pboebttt-
Apollo wird durch 8l. Sebastian und St. Humhert
[Orobrecht) In dieser Pfeilbczlehunjr abgelöst, «He zu
Pentpatronen wurden, wie der pfelltrngende Apollo die
Pcstgottbelt war). — ö(m/-SchUSS = eine Schuss
Verletzung durch ein im Vorbeifliegen den
Körper nur berührendes Geschoss. — Teufels-
GfSchOSB, SchÜSS, 1. = (angts. and tha sweartnn
dlollu on minre sidau cuecccn [ = llbrent) awa sw a
gewuntad [wie gewöhnlich] scytas, Cook. I, LX1XJ
= Seitenstechen , durch schnellen teuflischen
Schuss. — 2 = Sagitta diaboli, der Milzbrand-
Karbunkel, Apoplexia earbunculosa als Folge
eines d&monistischen PfeilschuBses, wobei das
Tier, wie durch einen tödlichen Schuss ge-
troffen, zu Boden stürzt (s. Erdsturz) (Z. Hdb.
III, 469; Fuchs II, 204; Müllenh. und Scher. 2Ä0;
Falko II, 361). — 2. — (In einem alten Wurmsegen soll
diesen FfeilgeschosK mit samt den Würmern [Kotzwurm],
die au» der Haut durch Besprechung vertrieben wurden,
in den wilden Wald, woher es gekommen, zurück-
fliegen ; die Eingeborene!] in Bothnien und I.appland
glauben , das» der Milzbrand durch andere (ieschosse
verursacht »ei, nämlich durch die Elben-, [Alp-] Kugeln,
[». d.|, die sogen. Tyreu, zusammengedrehte Tlcrhiuire,
welche die Zauberer der Lappländer in die Luit zurück- )
werlen und die die Klfeu auf Mensche» und Tiere ab-
senden, Fuchs II, 294; rniuell ls»7. 178). — über-
schiessen — Profluvium naritim, Catarrhus
] (s. Katarrh und sinken, fallen) (Ze. 80), schnell
sich ergiessender Nasenfluss. — vergiftete
Schösse, Schüsse = Schusswunden (s. d.), durch
vergiftete Geschosse zugefügt (Z. A. 410) (siehe
Lüppe) ; (vermutlich verwendete man hiezu Aconitum
[= Lüppewurz] oder da» 8korplonen-«;ift ; IV Jahrb.
scorpio = geluppet schoss. D. 11, 332). — r. , schössen
(ndl. vertchot in den rüg, De Cock Sil), 1. = der
plötzliche Krguss oder die Ansammlung von
Galle, Winden, Blut («. Kuchen) an einer Stelle
im Körper, namentlich am Rücken nach dem
Volksglauben, als Ursache eines heftigen, plötz-
lichen, ganz unfähig machenden Schmerzes,
Lumbago rheum.: solche Körperstoffe gelten dann
als ausgestreut, verschleudert, ausgegossen, weg-
geworfen, verschlagen, als etwas l'tinülzes, was (durch
aussaugende Schropfköpfe) entfernt werden soll. —
2. = wie vom l.iebcspfeil des Amor getroffen - verllebt.
— wilde(,*) Schüsse, -G.schoss = ganz heftiger,
rheumatischer Schmerz (Müllenh. und Bcher. 280;
Losch 232; ehr. Sam. II, 125), »las wie mit dem
bösen Winde aus einem wilden Wahle an-
gellogen kommt (Ischias, Migräne; s. Atiwahl).
— Zähne- SchÜSS (wer die grossen schuss in den
«enden hab under die zaeti, Sebtn. II, 47»; 17. Jahrh
die schuss der hohlen Zahne, Fr. Kr. B. 471) - rheuma-
tischer Nerven Schmerz, von den meist schon
hohlen Zahnen ausgehend. — Zwrra-Schuss
(norweg. dwerg-skot, l.lcbrecht 330 — das (ioschoss
der zwerghafteu Elben [«. Alpsehuss;; Schuss Knute,
Hbuichrant, sollte wohl die elbischen Dämonen ver-
treiben, Schmeller II, 179; V. K. II, 64). — SchOSS-,
Orschoss-, SchUBS - Pelden II. *, -Blatter u. *,
Hoyen, Finger', Hügel, Scldang, athr, - Wunde,
: - Wurm.
Schote, m. — Narr (,.aus dem Hebräischen durch
die liaunerspracbe", H. Faul 101).
Schotten, m. (vermutlich zu exeoctum [lac|) —
Topfen, im Topf warmgestellte Molken oder
Sauermilch, weiterhin Quark, Serum (15 Jahrb..
«chode, 1002 schottere cacanla, Kasewasser, U. II. l'*).
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600 8chott«r— Schratt.
Schratt.
Schotter, m. s. schatten.
Schottland. — schottisches übel.
schraal - dürftig, mager (Z. d. V. f V. K. 1893,
S. «26; ndl. schmal. Kromm. VI, 18; Henueb. ; Spless
0, 226).
Sehr ;ick s. Schrecken.
Schramme, f. Schreime, f. [altoord. sknima =
Wunde durch eine Waffe [serama-sahs], Schräder, Spr,-
Vergl. 1890, S. 313; angls. hommum scrimme - shram
to the hams he drown up, Cock. II, 6, scrlmman —
lo shrink, Cock II, -101; mhd. schrämen = aufreihen,
schmerzen; schräm = Schwert-, Strellwunde, Loch,
Narbe, Schw. 620; Kluge», 336; Zw. 111; Schmeller II,
G01 ; dan. skratnme; schwed. skrama; engl, shrain;
15. Jalirh. schramme — sllgnm, 1). II, 348), 1. — die
oberflächlich die Haut aufreisHende, aufstrei-
fende Wunde, Vulnus, Rhagade«, Vihex. —
2. = der darauf pich bildende Schorf. — 3. =
die schliesslich© Narbe, Cicatrix. — Pocken-
Schramme = Blattern-Narbe im Gegensatz zur
eigentlichen (Wund ) Schramme (Gr. W. VII, 1966).
— Schramm-üus/en, -Banns.
schran, schron = mager, dürr, ungenügend
fett (h. Hctiraal).
Schrank, m. Schranke, f. Schranne, f. (europ.
skark = schritggehen, Kick. 107, ahd. soranc, »krank
s schräge, geschlangelt, gewunden; mhd. schrank, m.
= Kasten, Splnl als Kaum aus geschränkt oder schräg
gestellten Uolztcllen). — Schranke, f. — Flech-
tung, Windung, Gliederverschränkung (Kluge4,
336). — (1507) achrankeln = varicare, einseitig,
Knappend hinken (D. 607). — (1756) Darin BchTta*
ken = VoIvuIub, Gedärmverwickelung. — (1591)
(Beschränkung = ein Kippenbruch, wobei die
Bruchenden schräg übereinander stehen (Gr. W.
viii, 1034). — (1756) Ferschranken = das Ge-
därme, Glieder etc.; ganz divergierende Rich-
tung der Körperteile durch Bruch, Verwickelung
(a. v. n. Ii, 772). — Schrank-, Schrann-iädcr,
-Fxisse.
Schranz, m. Schranze, f. igerm. shmut, skraud
— RIkb, Kluge*, 336; ahd. schmilz, Graf! VI, 5S7; mhd.
schranz. m.) = Bruch, Riss, Spalte, Loch Wunde.
— Schranze, f. (mhd.; Lcxcr2l9) = Feminal als j
Spalte des Leibes. — den .Magen rerschräntzen
(Reiser 526) - ein Magengeschwür sich zuziehen [
(Perforatio ulceris).
schrappen Md.) = schaben, kratzen (H. faul
loi!) («. schroff).
Schratt,»). Schratz, m. Sehr atz, m. Schrätt
lein, Schrättlig, Schrätzlein (Schräcke,
Schrötte, Schretzel, Schrättlig) (vielleicht zu
norweg. skratla = rasseln [schnarchen]; südslav. skrat
= Waldgeist, Vernal. 240; Island, skratto = Zwerg;
altnord. skrattl, Schm. II, 615; 9. Jahrh., ahd. terato, j
scraz — faunus, pileus, behaarter Wuldgelsl, iueubitor
"Hattemer, Denkm. III, 600], Waldluder, pilosus, D.435;
screzza = lares mali [eudaemones], D. 319; »crelz —
larva, 1>. 319; 15. Jahrh. schmetel = penaa, D. II, 285;
Uli dos Schratte; 1412 schmetel — penates, Schmeller
II, 61; 1424 schratel, m. = Alpdruck; 1125 schrutele -
sterta (schnarchender. Schnarchen machender Alp-
druck?], D. 552; 1411 das schrattl scy clnchlaines chlnd, I
und sey als ring als der wint und sey ain reraweirelter
gelst, Zlng. 190; mhd. schrat, schmte, schraz, schrawaz,
Golth. 125; dazu: screz, screzza, screzo -= ineubu»,
Hoffmann I, 391 — larvae, lares mall, cjuaedam monstra,
Schmeller II, 610. 615; 15. Jahrh. schretel = satyrus
deus allquls sylvestris, Schm. II, 611; 1466 schroetel =
crabrones, D. I, 154; II, 117; 146H schmetel, schrcczlin
= penates, D. 11, 285; 14*2 schretleln - Wichüein.
gute Helden [ - Holden], Bilder zum Totengedach tni*
[penates], Zcnlng. Voc. dd 1; Christof v. Schm. 478;
1518 »chretxlin = ineubns, H. t. Gersd. 99; Anfant
des 16. Jahrh. schratel, schmetel, schretel. schretzel,
schretzlln, schretzlein = penates, appentlles, D. 422;
1576 schraettleln = schwerer Schlaf, Nachtalp, Gr. W.
VII, 171; l'*7 das schrettele - morbus, D. 293; 1588
der alp oder schretzlein, der die Kinder im Schlafe
drückt, Tabernaem. ; 1592 sehroltlin — lncubus, Had.
Jun. 374; 161N schretzel, schrettcl = ineubus, cplaltes,
faunorum In «iiiicte ludtbrium [ = Alptrug], Schmeller
11,615; 1629 sehroetelin = nachtmerlin, lncubus, ephl-
altes, Schmeller II, 611; 1735 schrötlein = Ineubus,
Alp, Woyt 172; 1741 wan einen das Schrattlein drückt
— Suppressio nocturna, Kirsch 1164; 1742 schrettelein
— Alp. ineubus, Zw. 973 ; 1756 schrötlein. A. T. II. I,
821; (Vorarlberg] Schraettllg, Laistner I, M; vergl.
Mannhardt 290; Schmeller II, 615; Verf. Baum- und
Waldkult 25 95. 131; Blrlinger, Sitten I, 457; Meyer II,
171; C. v. Schm. 47* ; I.iebrccbl 357; Z. d. V. f. V. K.
1896, S. 323). Wie der Mar (s. d ), so ist auch der
Schratt als die Personifikation eines Geistes (Seele)
eines Verstorbenen aufzufassen, der zum elbischen,
neckenden , boshaften Walddamon oder Windgeist
(„Windln") wird. Das Bewegen und Kauschen der
Waldbaume (aussen am Hag) im Winde mag wohl
zuerst den Menschen zum Glauben an besondere Wald-
oder Windgeister (conf. schrattl = Wirbelwind [Kromm.
VI, 343]) und zur Erklärung der alteren Alpgeister, d. h.
den Alptraum machenden Quälgeister (I.alstner II, 306)
veranlasst haben ; in den Baumen (Holzwurm ^ Schrattel
(Fromm. VI, 201]) oder Im Walde (Hage) hatten die
verstorbenen Sippengenossen, die Ahnen, ihren Wohn-
sitz; von dort kamen sie als Gespenster und fanden
Ihre Vcrehningsstlktte (l'enatcs Intimi et socretales,
Lares mall) an dem Khrcnort beim Wlchtelstelnc am
Herdfeuer (s. Herd und Ofen) oder im Ix-lugaden
[*. Ehren uud Wlchtel), wo sie als gute Holden verehrt
und gepllegt wurden; sie erhielten ihre Opferspenden
sowohl im Walde (Schrattenloh) als im Hause ; in jedem
Hanse konnte man es als polternden Hausgeist hören ;
denn jedes Haus hat sein Schrätzlein (Köhler, Vbr.
479); wer es gut hielt, dem gab es Gut und Ehre, drum
gab man dem Schrftttlcln, das als elbische Gestalt zum
Gefolge Holde-l'crchtes gehörte, In der Perchtennacht
auf einem eigenen l'latze (Ehrenort) dos besondere
Essen; wer dieses ihm vorenthielt, den bestrafte ea
mit Krankheiten (s. u ); Im allgemeinen überwog auch
beim Schratt die Rolle des plagenden . feindseligen
Dämons ; denn in den Volkssagen ist er eiu unwirscher,
ungeselliger, unsauberer, zottig behaarter, rasselnder,
polternder Hausgeist in Gestalt eines kindlich kleinen,
auch wludleiehteti . aber altersgrauen Mannchens,
dessen Augenbrauen zusammengewachsen sind (wie
beim Ratzel; ; aber auch als grosser, wilder Waldschratt
(faunus, sntyrus, pilosus, sylvanus) haust er wie dos
kleine Schmtzel , dos dessen Waldnatur nicht ver-
leugnet, auf kanzeiförmigen Felsen, besonder« auf
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Schratt.
Schraube.
601
hallenden Schrattelsteinen , Schratwegen , Schratzen-
thalern oder in .Schrattellöchern ; er nimmt manchmal
die Gestalt einer Katze (Kater) oder eines Holzwurmes,
Borstenigels, Blutlgcls an (Lalslner I, 91. 801 i II, 66),
dringt auch, weil windleicht, mit den Sonnenstrahlen
(Schrattlein m die an der Wand spielenden Sonnen-
strahlen [Karnthen), Laistncr I, 68; Fromm. VI. 20-0
in die Wohnungen ein, plagt zur Strafe für das der
Gottheit verweigerte Opfer mit Krankheiten und zwar
ror allem 1. mit dem Alpdruck (s. Alp u. Alp-
traum), welche Holle er mit allen anderen, einlachen
Krankheitsdütnonen teilt (s. Alp, Aufhoeker, Bilwlz,
Schelm, Mar, Ratzel, Wichtlein etc.) wie auch mit dem
(lat.) Incubus und (griech.) epialtes (intd.VXitv — in-
«ilire), deren Samen er bei den Schriftstellern erhielt:
als solcher Incubus entspricht er, wie der Alp selbst,
der Siiffoeatlo nocturna des Dloscorldcs, dem Asthma
nocturnum des Galenus. dem Dolor In somnio gravans
des Cullenius, der Kpilepsio nocturna Galenl. Asthma
acutum Millari, Larynglsmus stridulus etc. Wie das
Volk sein« Dämonen je nach den verschiedenen Krank-
heiten im Namen differenzierte, sn unterschieden auch
die früheren ärztlichen Schriftsteller einen Incubus
plethoricus, stomaehicus, hydroceplialieus, verminosns,
tertiana*, hypochondriacu*, sthenicus, astheniens; der
Incubus, der seinen Namen halte ,,ex sensu ponderis
alieuius ineumbentis et peetns praeeipue opprimentis"
war bei den Weibern ein oben liegender Incubus
(stricte « d), bei den Männern ein unterliegender
«ueenbus; als solcher „Teufel" (Buhlteufel, Schlaf-
teufel, der Nachfolger der heidni*<heu Ditmonen)
cntiogerden schlafenden Mimnern im Alptraum (s.d.)
den Samen (pollutlo nocturna), welchen er dann als
Incubus den Weibern eltifl-.sste (s. kalte Natur; 166'»,
Ruttörfer, Dissen, de ineubo, Jena), die Blivr davon,
weil ein semen frigidum. nicht richtig schwanger
werden konnten ; sie brachten nur elblsoh veränderte
Windeier (s. d ). Wasserkälber 's. d 2), Mondkalber
(Krotenalp, Mal- oder Mißgeburten, s u. sub 3) hervor
(Koskoff, Geschichte d. Teufels II, 2-V»); selbst Luther
soll nach der Volkssage ein du.th den Incubns er-
zeugtes Alp- Kind gewesen »ein (Cubasch. der Alp
8. 11); eine Abwehr gegen den Alp- oder Srhrattldruok
(incubus) sollte das SeLrattlGatterl aus l'almenwelde
nnd die Stechpalme (Hex aquifol. = Schrattl) «ein (s. d.
Verf. Baum- u. Waltdkult 134; Bochholz II, IM; Dalla
Torre 37) Nicht bloss der Teufel, sondern auch wie
öfter die mittelalterl. Hexen ubernehmen die Bolle des
Sehratt-Damons (auch in Schimpfnamen, I r-pieU II,
209 z. B ); als solches Schrattle legt sich dann die
Hexe dem Menschen über die Bru*t oder auf den Hals,
so dass es ihm ungemein auctllch uud beklommen
wir«l ; hilferufend im Traume brinirt er keinen Schrei
hervor und kann sich überhaupt nic ht regen (Birllnger
I, 12»; Meyer 171; Reiser 197; Z. f d l'hll. III, 337);
nach gleichein Volksglauben ist das Schratllein Ur-
sache 2. der Mastitis infaiilitim et vnorum: ,,dos
Hcbreltle saugt an der Brust von Männern und Kindern
solange, dass diese aufschwillt wie der Busen von
erwachsenen Madchen" fMeyer 172); dies ist dann die
sogen. Hexenmilch (s. d.)j als Sehrecksele (Schräule)
legt es sich In Katzenge«talt auf kleine Kinder uud
drückt diese dergestalt, da*t> sie auspewacluene
Mutterbruste (hohe Bniste») bekommen und Milch
Keben (Meyer 173; Vernal.. A. 39.); die Thatsache. dass
Neugeboienc und auch Männer Milch (( olostrum) in
Ihren Bnistdrüsen secernleren, Ist bekannt; die frühere
Zelt schrieb diese Anomalie dem Alp, Mar, Schratt-
lein etc. zu (conf. Dolaeus, Kncyclopaedia medica XIII).
— 3. eine weitere Folge de« el löschen Schrätt-
leine oder Schrätzleins, d. h. der Alpminne (s. d.)
im Alptraume ist die Entstehung von Wesen
seinesgleichen, Missgeburten (Alpkalb, Wechsel-
balg), verkrüppelten oder verstümmelten Men-
schen (s. Kretinen, Fexen, Zwittern); daher
auch Schrätz — ein im Wachstum zurückge-
bliebener Mensch, ein Schreihals (rhachitisches
Kind) <z. f. ö. v. k. 1897, 5i). — Schratt, Schrätz-
lein = Kretin (Z. f. d. Phil. III. 336; Schindler II,
6H). — 4. wie der Alp, Mar, Wichtlein etc. ver-
filzt das Schrättlein die Haare der Menschen
zu Zöpfen und Tosten (s. d.), welche Thätigkeit
es aber nur nächtlicher Weile vollführt. — 5. =
das Schrättele bedrückt und plagt auch, wie der
Alp, das edelste u. beste Haustier des Menschen
(Golth. 82, Anm.), das Pferd. — 6. ins Scbradl
(Schrattl) gehen (Semmering; Z. f. ö. V.-K. 1896, 193)
= wie ein Schrattl aufhocken, von Kühen reiten
(eoire) wie ein Stier. — 7. das Schrattel macht
auch Schüsse (s. d.) = Rheumatismus, Caput
obstipum, d. h. erzeugt rheumatischen Schief-
hals (Fromm. VI, 204). — . Up -Schratt (bei Falke
I, 38 alpschrott) = die durch den KinHuss des
ethischen Schratt veränderte blaue Milch (s. d.).
— (1710) jBlaar-Schxöttel = Plica polonica, die
Zusammennlzungder Haare durch Grintborken,
auch Ausfall der Haare bei Haarkrankheiten,
nach dem Volksglauben durch den tückischen
Hausgeist bewirkt = Wichtelzopf, Judenzopf,
Marflechte, Alpzopf, Marlocke ete. (15. Jahrh.
harschrote = deton[d]iculum, D. II, 137; Kirsch 918;
Birllnger. Sitten I, JU7). — (1586) Afrtr-SchrÖttleiU
(Gr. W. I, 670; III, 774) = ein wie die Hexen auf
dem Menschen reitpnder, dem Mahr ähnlicher
Schrattdämon (s. reiten u. Mar) = Daemon in-
cubus. — (1618) Nacht - Schrättel = Incubus,
Epialtes, Suppressio nocturna (Scbmeller II, 611),
der die Menschen nächtlicher Weile int Alp-
traume (s. d.) mit Druck, Angst, Beklemmung,
Blattern etc. quälende Schrattdämon; (vergl.
Nacht). — HaW-SchratZ fahd. uualtscraze, uualt-
sehrate, vvaltscralc — sllvnuus, sllcuus, satyrus, Graft
VI, 577; Mannh. 114. 3:18; D. '-14. 533) = der ursprüng-
lich Im Walde hausende Diimon, der zum elblsehen
Hausgeist als Schratzlelu den Wiehtleln ahnlich. d. h.
ein guter Dämon im Volksglauben wird. — Schrätt-
lein-MsÄf, -Zopf.
Schraube, f. Schrauf, m., f. Schraufen, n.
(zu lat serufa — Saumulter, puerca, porca mit dem
schraubenförmig [s. Lüne*] gewundenen l'terus;
»pät-mhd. schrübe = Schraube als runder Gegenstand,
der sich unter Windungen einbohrt. Kluge*, 336 ;
mtl. scroba — Winde; 1475 scrobare = der vercken
wrueten [pcnls], D. 521). — ein Mensch, bei dem
eine Schraube locker, los ist = „in seinem
Kopfe ist es nicht ganz richtig, als ob das
Gehirn ein Maschinenwerk (s. Werk) wäre,
wo jedes Schräubchen festsitzen muss, wenn
der Mensch ordentlich denken will" (Wustemann
421; Heyne V, 467; H. Paul 402). — ivrschrobeu
= falsch gedreht, geistig verdreht (Spleen)
(Schräder 3 IM.
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602
Schreck.
Bch reff— Schrei.
Schreck, m. Schrecken, m., n. schrecken,
Schrecksele, n. Schrick, m. Schlicken, DL.
(ahd. sreckön — auffahren , aufspringen ; mhd
schrick, m. schrecke, in. = das plötzliche Auffahren,
Sehricken, plOUllchcr Sprung, auch Knochenriss am
Schädel, Kluge*, 336; HofTui. I, 389; schrecken — auf-
springen machen, erschrecken , Heyue V, 469; 1694
schrecken = Fraisen, Kclampsiu infantluin, The», «an.
Br. &6; 1692, 1699 schroecken, n., v. M. I, 29:»; Seb. 751 ;
Schroeck, m., ehr. Sam I, 218) = eine solche Krank-
heit oder Verletzung, die den Körper oder Teile
desselben aufspringen, aufwallen macht oder
verzerrt: 1. = Knochensprung, Sehnenver-
Btauchung. — 2. = i'avor nocturnus, (franz.) la
peur = Alpdruck (Urins. 268), Nachtschaden (s. d.)
oder Fraisen (b. d.), das plötzliche Auffahren
(s. d.) der Kinder im Schlafe, vom Volke meist
einem Dämon (auch Nachtvogel) zugeschrieben, der
das Kind plagt und angstigt, sowie da» rasche Auf-
fabren von Schreckblnttern veranlassen soll (s. Bett-
zairgle u. Schreckmannlein). — 3. — daa Auf-
wallen des Blutes in Leber und 1. untre, auch im
Hachen (Mandel), infolge eines kalten Trunkes,
der so nach VolkBmeinting krank macht, er-
Bchreckt. — 4. =der plötzliche KitiBchuss (Brust-
rhlegmone) am Kuter (Krischt». 42). — Schreck-
haftigkeit = der Zustand des Schreckenhahens,
das nächtliche Auffahren der Kinder mit Ge-
Bchrei (s. d.) im Schlafe, wogegen in .Mahren
»Jen Kindern der sog. Schreckst ein aus Marien-
zell umgelegt wird (Müller, Krtrbeh 299; Z d. V. f.
V.-K. 1896, S. 2.3). — Schrecksele (eine Anlehnung
an das Schreckmannlein, Sehrcckgückerle und Schrfttz-
leln) = der nächtlich erschreckende, kleine,
elhische Dilmon (Meyer 173; conf. norweg. skrftk
— ein Rhachltls [s. Schwieh] veranlassender Dämon,
Janiis 1898, 473). — k< .schreckt = geistig slarr,
nicht recht hei Trost, verwirrt nls wie ein im
Schlaf erschreckter Mensch ;sehm. II, 697). —
schrockig, schrackig - (ge) schrickig, l =
leicht durch Schrecken erregbar, auffahrend,
z B. heim Irritations-Stadium von Krankheiten
(Elhn. lütt, aus Ung. 1896, I, 15). — 2. — mit der
Kreuzdrehe behaftet (Schafe) (Falke II, 291), plötz-
lich Sprünge machend, Bchmerzhalt auffahrend
(b. Traberkrankheit). — Er - schrecket , n. =
Schreck 4 (Frischb. 12). — cschrocken «■ er-
schreckt, in Wallung, verzerrt, verstaucht, starr,
(Sehmoll« Ii, im). — A'a<7ir-Schrecken ■ Pivot
nocturnus (engl nlght-terrorn), das nachtliche Auf-
fahren der Kinder unter lebhaftem Schreien,
durch den sogen. Nachtschaden oder das
Schreckmannlein, Schrecksele nach dem Volks-
glauben veranlasst, in Wirklichkeit aber durch
den Sauerstoffmangel wie beim Alptraum, z. B.
bei Nasen Verstopfung veranlasst ITagl. Ttundsch.
1M>7, S. 959; P. A. f. Kl. Med. 2.1 6. 6; 1308 ob einem
Mensehen von Nachtschrecken etwas aulTgefahren were,
I.onlc. 109; 1315 planta noctis Avleenuae — eine Haut-
krankheit, die über Nacht ausschlugt, (Jurlt II, 68. 863
(s. Nachtbrand, Nachtschaden, Nachtblauer).
— AVrtvn-Schrecken = das Starrweiden der
Sehnen (Nerven) durch Verrenken, Verstauchen,
Verwundung (Schmeller n, 596). — panischer
Schrecken, 1. die durch den Mittagsalp (I>ae-
mon merulanus -■ Paon, Pan) (zu pascl, pastor)
im Alptraume (s. d. = der Schlaf Pans, icotmw,
nav.xöv) (Pan = arkadischer Hirtengott, dessen Kult
besonders im i lexandrlulschen Zeltalter modern ge-
worden war) plötzlich eingetretene Seelenangst
und Kopflosigkeit, welche dem Alpschrecken
(mania, otstjio;) entspricht, der Bei bei in der
Mittagsruhe befindliche Heerdetiere erpreift
(<^eißsen-Gichter•) (Beilage z. Allg. Ztg. 1897, Nr. th
8. :>; Koscher in Aren. f. Kel.-W. I. 67. 68. 90). — 2. =
Panophobie (Kraus 9. 72») — Hundswut mit er-
| böhter Keflexerregbarkeit und Angst vor allen
; äuss. Knegungseinflössen. — 7rm<m-8chrecken
■ (nltnorweg. dranraskroek, Maurer II. 127) = Schrecken
im Alptraum als blosses Truggebilde. — Wald-
Schrecken (ahd. wallscherekken ■ satirici, D. II,
827) = Schrecken (s. o.) erzeugender Dimon aun
dem Walde, Waldschratt. — JtW-Schrecken
■ der nach schweren Verwundungen (Opera-
tionen) eintretende, Ifthmungsartige Zustand,
der Schok der Chirurgen, wobei die Kranken
nicht imstande Bind, ein Glied zu rühren, da
das Nervensystem zu sehr erschreckt, erschüt-
tert wurde. — Schreck -Blatter, -Oockerle,
-Qoggele, -Lähmung, -Männlein.
schroff s. schroff
Schrei, m. schreien (genn. skrl [s r kri), ahd.
srian, screi; mhd schrien, schri, schrei = rufen. Rnf,
Oeschrel, die Stimme tiberlaut ertönen lassen. Kluge4.
336; Heyne V, 473; franz crier ; engl, cry, sercech,
I shrlekl = schreien, röhren (südd ). weinen (nordd ).
Wie die Medizinmänner der Naturvölker durch lärmen-
I des Trommeln und Rasseln die Dämonen aus dem
I Korper des Kranken vertreiben wolleu (Bartels Med.
d. N.-V. 178 IT.), so haben auch die germanischen Heil
künstler, Zanberer oder (Jalstcrer (s. d.) durch syste-
matisches, lautes Geschrei die KrankheltsDamonen
vertreiben wollen j laute Ueder im Sitzen (vor der (ie-
barenden) zur Dämonen Vertreibung zu singen, war Auf
gäbe des znuberkundlgen (ahd.) hleodarsazzo (Wackern
| 182) oder seiner mithelfenden Kollegin Oddrun [Edda,
I Joidau 470). welche sieh milden Gemüts zwischen
des Madeheus Kuice setzte und „gewaltige Weisen"
der (iebarenden zum Beistände sang; der erste Schrei
(». B. ,,das erste Lied vom Schmerze" des Neugeborenen)
ist als reflektorisches Verteidiguiigsintttel des wehrlosen
Organismus aufzufassen, das. obwohl es ihm selten
etwas nützt, gleichwohl von Mensch und Tier immer
wieder wenigstens im ersten Schrecken angewendet
wird (Kleinpaul) ; der Schrei Ist darum auch das primi-
tivste Mittel der Volkstheraplo aus der Dftmouenzeil
D*l lärmende Kösseln auf dem Uaberfelde. daa Pauken-
schlogen beim Bienenschwärme, das Peitschenknallen
beim Hexenvertreiben, das Trommeln bei der sogen.
Trommelsucht (s d.) erinnern daran, dass das Klappern
zum Handwerk« auch der germanischen Dämonen-
vertrelner oder Znubcrer gehörte ebenso wie da« g*J-
lende, lärmende Schreien und Kufen (incantnre, a. Vei-
galsterung). — der letzte Schrei (der leste schrey
eyus sterbende menschen — oregmon, D. 400) = das
letzte Verteidlgungsmiltel des mit dem Tode ringenden,
Im Todeskampfe liegenden , aber unterliegenden
Menschen. — fcfschreien und berufen (b. ds.)
(war soviel wie) bezaubern, verhexen; ursprüng-
lich wohl durch die Kraft der Stimme, weiterhin
; durch den bösen Blick und sonstige Zaubcr-
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Schrei
schrei ben — seh ro ff.
mittel ; (die meisten in ihren Ursachen nicht erkannten
Krankheiten Raiten früher als „beschricen". namentlich
wenn der abgeleckte Stlrnschweiss des Kranken salzig
echuieekte, Koehler, Vbr. 407. 421 ; Abergl. 187 ; Wuttke
155; Kugel. 218; 1619 Gcschrait = der Hexerei [Zauberei)
verdächtig, Ktczlcr214, schon der r instand, da*» tuun
ein Kind iubte, ohne den» I.oliC beizusetzen „Gott
behüt uns!" (vor dem neidischen Dämon] oder „Hell
ihm Colt !" [d. h. ohne laut zugesetzten christlichen
Gedeihenswunsch] reichte [16>»7] aus, diene lobende
Person als zanberverdftehtige Hexe gelten zu lassen,
Gr. W. 1, UM; 1735 „Ob würckllch elu Heschreyen
oder Beruften der Kinder sey, inuss man solange
glauben, bis* man eine völligere und gnngllchere Ursach
hat, dass es etwa ein anderer Affeclus oder Zustoss sei j
die hiermit behafflctcn Kinder sind unruhig und werden
wider alles Vermuthen mit einer Magerkeit schwach
und kraftlos; es werden die Weiher in dieser Susplcion
gestarcket, wenn etwa eine alle Fettel mit den Kindern
wider Gewohnheit freundlich umgegangen hat", Woyt
62S; wenn [1742] ein Kind am Leibe abnahm durch
Abzehrung [s. Kindcr-Ettich], so pflegten kluge Weiber
zu sagen i ,,das Klud, da« Ist beschrlcen '", da sie solche
Krankheit fchon ob Ihres Namens für Zauberei hielten ;
man besegnetc solche Kinder llcisslg, damit Urnen
bose Leute [s. d.] keinen Schaden anlhun konnten,
Thes. aan. Br. 75. 76; ,,es pflegen alter die Zauberer.
Hexen, Unholden und dergleichen Teufels-Gsehmciss
den Leuten nachzusetzen und ihre Gesundheit zu
schädigen durch Beschreyen .... und es zu Wege zu
bringen, dass der Mensch an seinem Leib und «illedern
dergestalt angegriffen, vcrluhmt und beschädigt wird,
dass er sein Leben elendiglich in Jammer und .Schmerz
zubringen und verderben muss", Dr. lir&uncrs eigene
Wortein seinem Thes. sau. Hr. 976) ; dieses Beschreien
der Kinder (und Fohlen) durch eine ver-
wünschende, „durch «He Ohren dringende"
Anrede = fascinatiopuerorum perineuntationem
(conf. sagana m Incantatrlx = Zauberin, Du fange VII,
265; D. 507) erwähnen als volksübliche Bezeichnung
(A. v. H. I, OS.'.; Stubenvoll 65; Z. A. 232; Wd. B. 505;
Kosscl »4 ; Wluschcl II, 251; Bavarla IV, 1. 241 ; Ethnol.
Mitt aus Ungarn l*'j:t, 8. 162; Ummer*. 82; Verf. Volks-
Mcd. 29 207; Schindler II, 694; R. A ; Legende f. d.
gem. Mann; Weinhold. Neunzahl 21). — Alp-
GrSChrei — das (ieschrei eines Berggeistes (IL A. Ith.
368). — G^chrei, 1. — anhaltendes Schreien.
— 2. = (dem Geräusch [*. d.j nachgebildet) Ivn-
geweide von kleineren Selilaehttieren (Mbwib.j
Erbe 34). — (Uli) Nniht-G< schrei = Naeht-
Bchreck (s. d), verursacht durch den hosen
Blick eines Dämons, Trude, Schralr., Un-
holdin, Hexe etc. nach dem Volksglauben,
Pavor nocturnus, Laryngismus stridulus; siehe
Jammer, Nacht- Kisse (Zingcrle 19".; Fossel 77, dos
zur Kilueheruug benutzte Vcr- und Besclmikrout
[Siderites, Stachys recta, Linaria nlp ; Erlgcron] = Beruf-
kraut, Dalla Torre 40). — /'off »i-GcSChrei — dlO
Stimme eine« Toten (elbische tiestall) (Tirol;
Heyl 685). — ttnh, schrieen [KIMM nnbeschrnue.
Lamhs 40) = ohne zu beschreien (s. d.). — Ver-
schreien = nach dem Volksglauben durch
Schreien oder Beschreien (». d.) sich oder
jemanden behexen, beschädigen [Mähren; Z. d.
V. f. V.-K. 189«. 254; Z. f. Ö. V.-K. 1896, 317; 1897, 277.
27»), so dass da« betreffende Wesen (Tier, Kind)
ohne Grund magerer wird (1717 wie olTt Ist ein
Kind durch das üble Anschauen eines alten Weibs
versihrie[l>]en worden, deren Augen wie die Brenn-
glaeser den subtilen Leibi das Gifft elnstllliret?, Abra-
ham Ii, nc). — schreiende, Schrei- Frais, -Oicht,
•Hals, -Kinder, - Traum.
schreiben, Schrift, f — Schrift -Blindheit.
Schreiinen s. Schrammen.
Schrein, m. („urgerm. Lehnwort aus [roman. lat ]
scrinlum" [sericnluin — Schrank], Kluge4, 3:17). —
„des HerUens innerer Schrein" - Her«- oder
Blntkasten, Herzkammer, Herzhöhle (Hyrtl, K.
W. 139).
schreiten s. Schritt.
schrickig «. Schrecken.
schrienen s. Schrunden.
Schrimm, Schiimpf s. schrumpfen und
Schramme.
s ch rinden. Behringen, schrinken(schruinen)
s. Schrunde; = beisten, Kihse bekoinmeu, w eiche
schmerzen (Engel. 255) — ^V/iwr»-Gc8chrinken
(ungls. «i im serinec, geserlncc; engl, sinew shrink,
lock. II, 068) ■ Sebnen-Sehrimpfen (s. d.) mit
Ankylosis.
Schrinnen, schrinnen, 1. = s. Schrunden. —
2. - (nordd.) „schmerzen, namentlich von Wun-
den, die durch Reibung entstanden sind"
(IL faul 403).
Schritt, m. (zu schreiten ; indogerm. skrlt — lang-
sam sieh bewegen; altgerm. skrlth; ahd. scrit; mhd.
schrit; ahd. screitau = dlvarlcari [crurlbus] = graiteln,
Schmellcr Ii, tU2) = Handlung des einmaligen
Schreitens mit den beiden Füssen. — schrittein
sa trippeln. — i •• schreiten (13. Jahrb. noc mich dy
mare bescrile, Sitz.-Bcr. 1K67, 7 ; Lonibs 40) = dltmonist.
Tbätigkeit, wodurch der Alpdruck im Alptraum
(s. d.) oder Behinderung, Hemmung im Wachs-
tum nach dem Volksglauben (Lambs 10) erfolgt
entsprechend dem Marenlritt (s. d.). — fran-
zösischer Schritt ~ Tanzmeisterstellung (s. d.)
[Falke I, 295). — Gn/eW-8chritt= der lange Schritt
des Modegecken (Dandy s. Dengue), welche
beim Gehen, um Auffallen r.n erregen, weit
ausschreiten. — Halmen -Schritt - das krank-
haft parelische Erheben beider Beine beim
Gehen des Tahcskrankcn ähnlich dem des
Hahnes (vergl. Hahnentritt) (Kopp V. 281). —
<S7«A-Schlitt = die Gangart der i'ferde, welche
mit den Vorderfussen ungewöhnlich weil vor-
greifen (Kalke II, 3.17). — 7V»>pr7Schritt =
kleiner Schritt wie auf kurzen, vielen niederen
Treppen (Kick 75t;). beim Podagra z. B. — über-
schreiten — wie ein Zauberer oder Dämon (Iber
einen Kranken hinwegtreten (trüber« (ieburu-
llllfe?, Z. f. Ö. V.-K. 1896, 150; E. W. 1. 150). - (112'J)
iccif-Bchrittig = (gressutus, D. II, 1*7) s. Gigerl-
schritt.
Schroffelen s. Skrofeln.
schroff (Schreffung), Schreffe, f. (germ. ikrep
- ritten, einschneiden ; ahd. icrCvon einschneiden;
screvunga — Einschnitt ; angls screpan — rädere ,
oscruep ■ obra«io. Coek. III, 369; mhd. schrof = rauh,
zerklüftet, schroffen = spalten ; schreffe, f. - klaffende
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604 Bchrockig — schrumpfen.
Bchruckig— Schrunde.
Wunde, I-exer 219; ndd. schnippen; engl, icrape =
kratzen , Kluge \ 337 ; dazu der Selmipfkopf). —
Schroff -Za An.
schrockig s. Schrecken.
Schrolle, f. b. Schrulle.
Schrot, n., f., m. Schröter, m. (ahd. wr<".t,
xcotan = der Schnitt, das Besehneiden der Juden,
marrire „scrotum"; mhd. lehröt = Hieb, Schnitt.
Wunde, ibgcscbnlttene», abgesagte« Tollistüek ; scn'.taere
= Schneider, Kluge*, 337; I.exer 220). — BChTOten,
schroten = abhauen, rcsecure. — (imh) Schrötter
— Processus xiphoideus stcrni, der einem
Schröter, Ahhauwerkxeuge, M eissei, Schrot-
eisen ahnliche, schwertförmige Fortsatz des
Brust »>eines (U. v. Gered.; Ilyrtl. K. \V.). — (1744)
Schrötlein, 1. = die rostfarbigen Sommer-
sprossen, mit den Rostflecken oder Kost-
stückchen vom Schroteisen verglichen. —
2. m da« kleinere, ahgestossene, nekrotische
Knochenstflck. — 3. = das Schrftt tiein (s. <i).
— ••j'.-schrotten (resecare, marrire; aschrote = sceda,
blexze, D. 517; Gr. W. I, 110) - die Haut verletzen,
abbletzen. — A:'j. - Schrot = Alpschratt al»
Ursache der blauen Milch hei Kühen. — (i.">9i)
b< -schroten = ein Glied des KörperB mittelst
Eisen wegnehmen, verstümmeln (n«d. Jun. 397);
nihd. sebrolen = ichncldcn). — /• S • ; i t • t (1332)
painschroci a Knui lienvcrletzung. Schindler I, SM;
II, G14; mhd. bcinschrot, I.cxcr 14; l'il2 bcinsehroeten
= laeslo ossis, Gr. \V. 1, 13S.8; 161H beynschroetllg —
am Reine verstümmelt, H. v. Gersd. 31; l'>">2 belli-
schrottig - mit dein Eisen bis aufs Bein tu (gehauen,
C. v. Bchro. 479; 1-V86 bainsehrmig = beinbriichig,
Schmellerll. 614 ; l.'>88 belnschroettlein - dasKnochen-
stücklciu, du*, beim Abschneiden sich lossplittert,
Taben). ; Cr. W. I, 1388; 1620 painschroett, beinsehrot,
boliischroetig. l»r. Minderer), 1. = eine Verletzung
oder Krankheit des Knochenbeines unter
Splitterbildung (schmeUcr I. 244; II, 397. 6H). —
2. — der Knochensplitter, »1er durch die Ver-
letzung oder Krankheil sich absondert (<ir. w.
I. 1388). — Gr-SChrÖtt (lr'U> geschrot, geschroeft,
geschmlt . g'schrot - genitale, D. 260; wenn nicht
etwa eine altere Bedeutung gegeben Ist durch die nicht
einheimische Schnitt-Kastration ( = marrlre sciotuin =
»chrotteuj Hesse sich gegen Hyrtls Deutung = das
ganze, gespaltene, zweiknollige, geteilte lloden-
stflek (beim l'ferd und Mensch) nichts erinnern
(HyrtI, K. W. 110; Schindler II, 613; Mayer 9. II).
(13. Jahrh.) Glied Schrot - ein Uitcdgebrestcn
durch Abschlagen eines Fingers oder sonstige
bis auf den Knochen gehende Verwundung;
Uliedertrennung durch Knochenfrnktur (Hoflm.
i, 874). — Bchröttige, Schrott-, G«schrötts-
Anwapnng, -brüchig*, -Geschwelten, Schaden,
— Wunde, -Zolin.
Bchruckig s. Schrecken.
Schrtllle, f- Schrolle, f- ■ (ndd.) „närrischer
Kinfall, an dem eigensinnig" festgehalten wird"
(II. Paul. 403; zu ndl. schrollen sa schelten, unzufrieden
«ein. Kluge*, 337; vielleicht au» scurrilis, scorrilis,
D. 522).
schrumpfen, Schrumpf, m Schrumen,
Schrumpeln, schrimpfen, Schrimpf, in. (gem.
»krimp [rlmp, krimp] — rämpfen ; mhd. Rchrlmpfen =
~ runzeln; schrumpf, m. »ebrimpfe, t. m Schramme,
kleine Wunde, Um 219; 1749 ichrumen — Hautrilze,
Z f d. Phllol. XXVI, 25t; angls. «crincan ; engl, to
■hrlnk. to shrlmp = schrumpfen, schauern, Kluge *, X'ü ;
Lehf. 225). — schrimpfen = so ritzen, so ver-
wunden, dass es eine die normale Flache ver-
kürzende Runzel oder Schramme gibt. —
Schrimpf, tu., f. 1. = krampfhafte Verkürzung
durch Faltung oder Kunzelung. — 2. = runzelige
Schramme aus einer Verletzung (Schindler II,
602). — (nordd.) Schrumpel, f. = Runzel (H. Pani
403). — Schrumpfung = die Handlung oder
der Zustand des Schrumpfens, 1. = eine patho-
logisch-aktive, langer als normal dauernde
Muskelzusammenziehung im Gegensatze zur
physiologisch-aktiven, nur kurze Zeit dauern-
den Zusammenscbnürung. — 2. = der Vorgang
bei dieser Muskel Verkürzung. — 8. — die Muskel-
bänder- oder Haut Verkürzung selbst, soferne
diese Gewebe nicht mehr passiv ausgedehnt
werden können und der Muskel nicht mehr
nachgiht (König. Chlr. III, 614). — (1583) Asch-,
An ^schrimpf - daB krankhafte Verkürzen
der Augenlid haut durch öfteres Zwinkern,
namentlich infolge von Juckreiz beitu Ectropium
schon kranker,ekzematöser,schrundiger Augen-
lider, die dann das Gefühl haben, als ob Asche
auf die Augenbindehaut gekommen wäre (siehe
sehrinden) (Gr.W. 1,811; V.2307). — ««-schrumpfen
= dio dauernde Verkürzung einer Flache nach
Innen durch Faltung, Beugung, Winkelstelinng,
Vernarbung (Contractura). — Schrumpf-M>re.
schruckig s. Schrecken,
schruinen s. Schrunde.
Schrunde, f (vorgerm. skrent; germ. serend; atad.
»crintan - bersten. Kluge *, 337 ; scrundelin. scnintussa
= rlmula, 1) 498; sernnta, scruntunna = rlma, fissnra,
H. Z. III, 363; <Jr*ff VI. 58; scrunun. scruntin =
rltnosus. I). 4'.»8; mhd, schrunde, f. = Hautris«, Lexer
22d; sehrinden - bersten, aufspringen, Itlsse bekommen ;
1260 sebrunden — HautriHse, Pfeiffer 36. „ao dem
mensehen die hendo oder die fueze schrindel", Pleiffer
80; ndd. uchrulnen, «chrunnen = schrlnneu, sebringen,
Fromm. VI, 481; mnd. ichrtnen, Mag. Barth. 96a;
15. Jahrh. ndd. scrunden ■ rhagades, D. 483). —
schrinden, schrinnen, Behringen, 1. = auf-
springen, z. Ii. der Haut, Schrunden d. h. quer-
oder Iftngsgestellte Hautrisse linearer Form
(fissurae) zeigen. — 2. = brennend schmerzen
durch Rhagaden- oder Schrundenbildung der
Haut (Goldschm. 18«). — 3. = diese Schmerz-
empfindung übertragen auf andere Stellen
d. h. solche ohne Schrunden (z. B. uchrynen der
Augen, Magist. Barth 96a - breunende Schmerzen an
den Augenlidern). — 4. = S. Srint — Schrund, m.
Schrunde, Schrunne, f. = Haut- oder Schleim-
hautabschUrlungen durch Längsrisse od. Quer-
h palten, Rhagaden [£y)y \6vai = bersten], z. R.durch
Kälteeinwirkung, Einrisse der Warzenhaut an
I der Brust, Schleimhaut etc. (C. t. Scbm. 480;
z Hdbch. xiv, t. 234). — Schrindung (ahd. scrln-
tunga) = Schrundenbildung auf der Haut oder
j Schleimhäuten (ciralT VI, 586). — schrundig (mhd.
I ichründic; 1620 schnindaechüg, I,exer220; Dr. Minderer)
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Schub— Schmie.
-scbflpfern-Schntt. 605
= mit Schrunden behaftet — Arsch Schrunden
(1590 schrunden Im ans = fisinm, D. 237) = Schrunden
der Afterhaut. — JscA-erschrÜnden (Wehlau;
In Besprechungen; Frlschb. 32. Vi; escberschringe, f.)
= nicht gut Behen wegen Augenlid- und Augen-
krankheiten, da die Haut daselbst anfängt
Schrunden zu bekommen am Augenlidwinkel,
angeblich infolge von Aschenstaub (a. Aach-
erschrumpfen); (Fischart [Z. W. I, 80] schreibt:
„lehrt sie Inn die asehen blasen, da« sie sich selb» darob
plenden nnd bemalen"). — (l»U5) Au;,,, schrinnen
= schmerzende Kkzero-Schrunden am Augen-
lide (Coler, H. A. 117). — B> „ s,', - Schrunden (1545
schrunden der brüst , Gnrlt. III, 66) = Rhagades
mamillarnm. — ^schrunden (rond ; Mag. Barth.
»6a; 1507 erschninden, Hort, san.) = anfangen
Schrunden tu bekommen, z. B. um die Augen
durch Ekzema palpebrarum, Aspredo. — (1635)
französische Schrunden — syphilitisches Ekzema
(Pr. Ii, 265). — >•• schrunden (I5i5=crep*ttis; franz.
creTs-ise, D. 166) — mit Rissen und Schrunden
behaftet. — (1742) Hände-, (1776) Haut Schrunden
= Längs- und Querrisse linearer Form in der
üaut der Hände, z. ß. durch scharfe Materien
oder durch Frost (Mflrzschrunden), namentlich
beim Ekzema palmare, manus (Bahrend 5; Zw.
771) (Gewürzkräraerflechte). — (isr.i) Rxntern-
Schranden, 1. = Afterhauleinrisse (Fissurae,
Rhagaden ani) (Bock 406; I.onlc. 75). — 2 = die
dabei ursächlich nicht selteneu Placijues, Condy-
lomas. — (i:>«i) März- Schrunden = Hautrisse
(Rhagades), die bei meist schon vorhandenem
Ekzema manus palmare, plantare an Händen,
Füssen oder sonst am Leibe entstehen nach
der Kälte der Wintermonate und bei dem
grösseren Witterungswechsel im rauheren März
und öfters um diese Zeit wiederkehren (Gr. W.
vi. 16««). - Schronden-Afa«/, -Schwellung.
Schub, m. Schübling, m. s. schieben.
Schuck (Schock) !tnhd. schoc, schoche = Hanfe,
den man wirft, schwingt, cchirhtet. schockt, Schindler
II, 369; Kluge». 834). — (1699) Schock = Hüfte,
Hnff (Haufe) (t. m. i. 67). — Schuckel, f. = ein
kleiner Haufen, mit demselben formell angeglichen :
die hohe, muskulöse Schulter, die bei arbeit-
samen Menschen einen rechtsseitigen (laufen
auf dem gebeugten Rucken macht. — schlicken.
1. = schwingend bewegen. — 2 = schlucken
(verderbte Form, H. Paul 403). — 3. = (schnk =
slngultus; scbukken = »ingultarc, I). II, 310) - auf-
stossen, heischen (s. hriegen), wobei sich das
Zwerchfell stossweise aufschwingt. — Fudle-
Schucker = eine besondere, schwingende
Gangart der Mädchen, die das Hinterteil etwas
achucken (Buck 12). — (IBM, 1699) gelöster Schock
= Scblottergelenk an der Hüfte, an dem das
Schlüsselbein wie abgelöst bewegt wird (v. M. I,
«7; 8«b. 150; gebmeller n, 364).
Schübel s. Schuppe.
schüch s. scheuch. — schliche Krankheit.
Schulle, f 'ahd. scnlU = calvarla; 12 Jahrh scnl-
lun ; engl, skull - a marn ht-ad bon, rock. II, 126;
Lehf. 92 22»-.). — Haupt- Schulle («hd. boubitsctuiia,
13. Jahrh houptxchulleii - calraria, Zc. 62) - Hirn-
Schale, Schädel (Buck, Flurnamen 260).
-schüpfem (zu Schiefer). — (1631) Zer-
schüpferung = schieferiger Zustand der
Knochenwunde (Gurtl III, 23).
Schüppel, Schüppen, pl. s. Schuppe.
8chürben s. Schur- (Scheuer-) Bein (Coler.
H. B. 139».
schürfen s. Schorf.
Schürze s. Schürt.
Schüss s. Schuss (Schoss).
8chüasel, f. (gleichxciUg mit !genn! dlseut =
Ti*eh und Schüssel [discus) im f. Jahrhundert au« der
römischen Kücherisprache llat. scntella] entlehnt; ahd.
scuzzlla [Schü««el! , mhd. schüzxel = vertiefte Speise-
platte (Kluge», 339!, mit welcher verglichen wurden);
I. = (1&I8 schus*el) (ielenkböhle des Hüftbeins
(= Pfanne, b. ds.) (Acetabulurn) (H. r Gersd. 15 b).
— 2. = (1632 schüsselin) die kleinen Gelenkgruben,
an dem Wirbel 1. B. (Hyrtl, K. \v. 27). — 3. =
andere schalen-, muschel- oder schüsselförmige
Gebilde des Körpers. — (1.594) Haupt- Schüssel
= die Hirnschale, Cranium (Hyrtl, K. w. >6; Had
Jun. 21; Gr.W. IV. 2.629; V. 1178). — OArcn-SchÜSSel
= Ohrinuschel (Gr. W. VII. 1259. 12>;7). — (1687)
Wi>&e/-8chüssel, l. = Acetabulurn coxae, Grube
im Gelenkknochen (werben = sich drehen)
(Georg. 391). — 2. = die fleischige Gegend um
den Hüftkegel herum.
Schutt, n., f. (schütten), schütteln, schüt-
tern (germ skud — erschüttern [schaudern]; ahd.
»eutten = schwingen, schuttein. scnUl&a ; alts »kndd-
jan = con-cutio. Fick 20»; mhd «chutten = schütteln,
schütten, schütteln, Kluge5, 339; 14 Jahrh. schütcl -
Fteberfrosl, Hoffm I, 38'.»; 15. Jahrh. «chut, f., Schtn.
II. 488; 16. Jahrh. schultern = frieren, I,erseh 272;
enu'l shuddle* - Frostsehauder, Dorn hl. 122) b Krank-
heitttanfali, namentlich ist es das Fieber, das
wütet nnd schüttelt, wie ein Krankheitsdämon
(1618; Pansa 107; noch van Helmont nahm im Fieber-
froste einen Akt des [etwas mv«ti«ehen' gereizten
Archaeus [ — I'rincipium regen», primärer I.ebensgrund)
an. der in seiner Wut den Patienten schüttelt). —
8chütt, n Schutt, f. = das schüttelnde Fieber,
da*- bei den Stebeubürger Snch'en eine ..«chedelndc"
(-scheitelnde, schüttelnde) Gotlesstrafe l«t (8chm. II,
488; Erbe 22) — Schutt el. m. (1.17) (Schüttler, m.)
= das öfters schüttelnde Fieber (personifizirt ;
Pchmeller IT, 183 4s8. 490; Gr. W. III. 1620). das den
Kranken i:n Frost hin und her bewegt (schüt-
telndes Fiel>er oder Frörer). — es schuttert,
schlittert, schüttelt mich vor Frost (Spless II,
229) — es schaudert mich. — die Milch hat sich
geschüttet = ist geronnen, schüttelt sich bei
Bewegung (H. Paul 405). — au- schütten = Sekrete
(l'rin, Blut) im Guhb entleeren. — sich vor
Lachen ausschütten = risus cedit in urina-
tionem (namentlich beim Weibe) (Demokr. I, 49).
— 6<-8Chütten- zauberhaft beeinflussen durch
Aufschütten eines Pulvers, Erde, Kröten-
asebe etc. (Frlschb. 5; Martiny 22). — (1783) ent-
SChtitten = sich durch schnelle Entleerung
(ausschütten) einer Sache, z. B. der Krankheits-
materie, der l^eibesfrucht, des Blutes ent-
ledigen (fir. W. V, 1'.*; Fjisich 213). — das Blut
erschüttern = durch Fieberfrost eine Milz-
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60(1 Schaft— Schuh.
Schule— Schulter.
Schwellung (Blutkuchen) heknmmen (Malaria)
(das Geräusch eine« bei Witterungsverandeningeu
schauerlich murmelnden Dorfpndels [ as Alpdnmon]
erschüttert einem das Hlut, dass es dick wird [F.rlis-
bach in d. Schweiz], Schwurt*, Indog V.-(0. HO). —
£Vschtitterung-die Handlung des Versetzen»
in schulternde Bewegung, %. B. Kall, Sturz. —
Gehirn- I j^chütterung = C'ommotio
(1M5) Hirns- | ■
cerebri, die heftige Mitbeteiligung des Gehirns
und seiner (iewebefasern an einer den Körper
oder Schädel stossenden, schauernden Be-
wegung und deren Folgen (Collapsus, Syncope,
Shock): auch übertragen auf psychische Be-
wegungen, die das Nervensystem schwachen
oder lahmen (Ryfl; Gurlt III, Gl). — gichtcrische
Ei schlitterung = Convulsionen, Krampfbe-
wegungen, Qichtern (b. d.). — Huf- Erschütte-
rung - ein Fehler am l'fenlehufe, wobei das
Horn sich ablöst und durch den (Jans; das Huf-
leben, der Hufkern erschüttert wird (r.r. W. IV.
2. 1869). — Nerven-l*>8ChÜtterung - bildlich
fnr den Zustand heftiger Bewegung des Nerven-
systems mit Lahmungserscheinungen — (17481
y/u >i ■/ ---Schüttler = Furunculosis [verachtlieh Iiir
den) Hundsschnppel (s. d.) oder Blutschwilr,
der manchmal Fieber macht (Franken; K. eh 181;
Ourlt I, 122). — Äiflfn-SchÜtt [U. Jahrh. da« dich
der frorer schütte [Kuhn. Z X. <iciler von Kai*er*-
berg] ritsehit [Fromm. VI, L 2; Thomsa Murner) Ich
Hilter als mich der ritten sehltt, 1. eod. ; 1717 da** dich
der ritt schul, Kuhn, Z. X, 70; Schnieder II, 183. 490)
= Fieberfrost (s. Ritten). — Tag- und Xaehts-
trrschütt (da* Tags und Nachts geschieht, Z. f. d.
I nierr. 1894, 122) = das immerwährende Fieber
(w ird besprochen). — (1766) um- (irr-) schütten =
die sich entwickelnde Frucht des Leibes durch
den Abortus wie einen Topf umwerfen und die
J-eibesfrucht durch Verwerfen (Abortus) wie
aus einem Topfe entleeren oder ausfliessen
machen (A. v. H II, 887; Bluml. 197). — Schüttel-
Fieber, -Kopf, -Lahmung, - Wehen.
Schuft, f. ■ behaarter Widerrist (Mccklenbg. ;
Falke II, 291); zu Schopf?
Schuffezer (l"«i"i letzt «ohuffatzer = orexls, l>. itio)
= Seufzer des Sterbenden.
Schuh, m. (Schuster) (Torgenn. sköko*. skoq.sfccq
- schicken, weggehen maehm, geschehen; gvin.-germ
skoh ; ahd seuoh ; angl» gesey (>ar sutearum, rock.
III, 861; ic sclo s Ich reise, Ze. 8(1; nihd. schuoeb;
geachueh), 1. = menschliches lieh Werkzeug. —
2. ■ Pferdehufstollen. — 3. (= Symbol der Natur-
zeugung, des Krdsegens und der weiblichen Genitalien
im Volksbranche; vielleicht ließt demselben eine uralte
Volksetymologie zu «irunde mit Beziehung auf das
Ueachahan; Geschichte) = Menses (GeachQech);
sie ist geschickt (geschüclit?) = schwanger;
haarfnss gehen heule nur die noch nicht menstruierten
Mädchen. — sie kommt in die Schuhe = sie ist
bereit 8 menstruiert, mannbar; war ein Mildehen
dellorirt worden, so musste mnn Ihm dafür einen
Schuh gcl>en (Hyrtl, K. W. 12:1), d. h. ale zur (be-
schuhten) Krau machen; mich der Franke überreichte
seiner llrant als licschenk ein paar Schuhe (<". v. Schm.
79; weiter« dlcabt-zügllchc Angaben ». Z. d. V. f. V.-K.
1894. 8 IM; Schmeller I. 1045 ; II, 391; Rachofen 209.
281, Antu. ; l.iebrecht z. V. K 492) — schustern =
sich mit dem Schuh (Feminal) beschäftigen
(coire). — den Schuster auf der Stör haben =
die Menses hüben, da dann die Frauen und
Mftdchen sich beschuhen (Schmeller D, 392). —
der Schuster macht dann den Laden tu, d. h.
die Menstruation verbietet den Coitus (Schmeller
II, 392). — '<••>• schuhen = den Hornschuh von
j dem Rinder- und Pferdehufe lostrennen, fallen
lassen (Zipp. W2; Falke I, 3. 92). — Horn Schuh
j=die Pferdehufuinkloidung, die eine ablösbare
Hornkapsel um den Huf bildet (Zipp 161 , Falke
I, III ; engl, hotseshoe - Hufeisen). — roter Schuster
= die Frauenblume, Rose, Menses. — Schuster
Brust.
Schule, f — Schul Fieber, -krank, -Kropf,
-PeMt.
Schuld, f — Un schuldige s. Kind.
Schulter, f- (ahd. scultirn, sculterra, scultarn,
sculdra. Graff VI, 190 — lampates [= compades]. sca-
I pnla humerns, Gass Glos« , Diez; I». 316; ahd sculterra,
copadlum (compaglum], interna vlscera animaliuin,
Schmeller II. 416; D. 14'.). II Z. XV. 341. 318; 9 Jahrh
scultyrra ■ humeri, Kab Maur. 64. II. Jahrh. srultera
= numerus. II. Z. III, 3<i8 ; 12. Jnhrh. »coldra - sca-
pnla, scoodliran = vlseern iSchulterileisch] , caplta
nervornm - Sehnenansatze Wild wachs, Hanrwachsj
am Schulterbeine, H. Z II. 205; I) II, 383; seuldor =
palae, lamhates [compades], Ii II, 276; sculdre = la-
1 bäte« 1 eod ; nihd. Schulter; 1S23 schulter — Achsel,
| Kluge*, 338 - Rückenteil iil»er den Achseln [Cchsen],
armus fltug bei Tieren), perna [Schinken b Schwein).
Heyne V. 4'.«0 IT.; angl*. aeuldor iaing], aeyldrn [pl.|,
Cock. III. 3ii9; engl. Shoulder = S< hulter. Rur, Vorder-
blatt, Vorderviertel, KalUehm ; Cock. III, 3t.9>, 1. -
Hiimcrus, der Überarmkopf, der im Achsel- od.
Schnltergelenke eingefOgt ist. — 2. — Scapula,
Schulterblatt (Bug) als Träger des Schulter-
gelenkes und als knrtcbemer Schild (s. Harte u »;
ahd. »kerti, herti. hart! . a shoulderblade - a shleld -
elypeus, Cock. III. :*;i ff ) — 3. = Schulteig.'gend
mit allem äusseren Fleisch, auch Sehnenan-
slttzen (MitlelHchuiter) u. inneren Eingeweiden.
— BChültern (schildern) = abwechselnd die
Körperlasi auf die eine oder andere Schulter
(Fuss) verleuen; bei Pferden die Stollen des
einen Hufes auf die Krone oder Zehenwand
des anderen Hufes stellen (Zipp. 121; Falke II,
277). Aus der Beschaffenheit des linken Sohulterbeins
wurde beim r.ansebein (* d ) gewahr«agt (Spalula-
mancln! ein Brauch , der sich aus der alten opfer-
unatomle ableitet, wobei der Rlutrelchtum (Farbe) de«
Knochens einen Anhaltspunkt für die Wahrsagerei
geben sollle (Klczler 335; Uebrcchl 491) (*. Reuter);
Cregorovius, Corsika * I. 271 la destra »palla sfalla.
Das Schauen „über die linke Schulter" sollte nach
dem Volksglauben elbische Kräfte (Uelster und Schatze
sehen z. B ) verleihen (Kuhn I, 188; K. u. Schw. 211
243). — breit- schulterig (engl, broadshouldered,
Kalt-chm., dftn. bred*kudrig ; hol!, breed von achou-
dern) - in der Achselbreite oder Hirten breite *
weit abstehende Schultern habend. — Bru*t-
Schulter (Hl" tyn hörst schulder — spatulum armus
pectoris. D. II, 344) - BugrJeisch au der Brust oder
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Schummel— Schuppe.
Schur.
«07
Schalter des Schlachttieres. — Gr- Schulter
(angls. gesculdre - palae, D. II, 276; Cock. II, 402) =
die gesamten beiderseitigen Schulterknochen
mit Fleisch (Kuckbraten) und Sehnenansätzen.
— hohr Schulter (ndl. hooge sehouder, V. K. VI, 9)
= Skoliosis habilualis, die Erhöhung der rechten
Schulter, z. B. durch unrichtige Haltung der
Schulkinder beim Schreiben (Bagtnsky in Oerhardt
I, 622). — (14. jahrh ) Mittel- Schulter = Inter-
scapula, die Schultergegend »wischen und unter
den beiden Schulterblättern, Unterhärte (s. d.)
(Voc. opt.w. 12). — schiefe Schulter = einseitig er-
höhte.hohe Schulter (einhnftigu.*). — (1». Jahrh.)
Unter-, Zwischen - Schulter = Interscapula,
Unterhätte (D. 306. 642; 1468 iwnacben schultern =
intcrscapulum. D. II, 219), — Schulter- /fanri, -Bein,
■Blatt, Fall, Fluss, -Grsrhwär, Gesuchte, Gürtel, \
•Höhe, -Knochen, -Kudten, -Lähme, -Rippe,
-Ritten -Schuss, -Spann, - Wärk, - Weichen.
Schummel, f. (Schumpel) (in schummeln = hin
und her wiegen, Schindler II, 120). — Schummel
(Schumpel), 1. = weihliche Brüste, die hin und
her banmeln (Sehm. Ii, 120. 421). — 2. = Feminal
(Srbra II. 421; Schw. 628) (». Tschumper).
Schummer, m. s. Schimmer.
Schund, m. (zu «chlnden) («. d. u. Schinnen).
— Schund = Pityriasis capitis, was sich ab-
schindet, abhäutet, Hautkleie (Rehrend 56. .-.7). —
SchÜndling = cacsar, caesu«. n caeso mntris ntero
(Ze. 5«.») (s. Schindling); aus solchen abnorm oder
totgeborenen Fruchten (s. unschuldige Kinder) werden
nach dein Volksglauben Helden, elblnrhc bevorzugte
Wesen (Ze. 59), die dein Apollo geweiht waren, der «te
ans Ucht «og (l'llnius. hist. 77).
Schupf, m. s. Schuppe.
Schuppe, f (schüppeln), schupfen (aitgerm.
skub - stossen ; germ »kah m schaben [mit dem
schiebend gestossenen Schiefer';; goth. afxkluban,
Kluge*. 388; ahd. seuoppa, scupa — «quama, Graft VI,
410; 1260 seuopan — schuppen, I'felffer 23; scuopalu
— sqnamma; mhd. sebuoppe, schuppe — dünne Haut-
platte; 1530 schupffen - aufstoßen, Künig*«p 48. 69;
«chueplen = KlelenNledcrsehlag Im Urin, Kiinigssp.
IH. 59; 16.1 schuppen = furfures Bock 52; schübel =
furfur [Inllrmltas], D. II, 186; 1M.0 schiepelen = arhora.
Plctor. 81; 1«99 Schieber ■ - furfures, v. M. I. 15.1; 1735
der Schupften - Hautborke, Woyt .152; 1742 schuppen
= squamulae, Zw. II«-- [Henneb | Sehlppel, m , Spie««
II, 212; engl, »hovel m das, was beim Schaben,
Kratzen oder Stossen abfallt: 1. = dünne Haut-
oder Knochen - Platten , z. B. Hinterhaupts-
schuppe, Schläfenschuppe, Os squamoruin.
— 2. = kleieförmige Abschuppung, nament-
lich der Kopfhaut, mit den Fischschuppen
(s. Flosse*) verglichen (Coler. n. A. 83). —
3. = Hauptgrint (A. v. H. I. 2»; 11. «29) als |
Krankheit, die «licse Abschuppuitg veran-
lasst. — (1899) Schupf, m. ~ der Zustand der
Abschuppung (v. M. I, 47) = racailles du mau
St. Martin (Hrlss .216) beim Rotlauf (Krysipelas) |
z. B. — Schüppeln, pl (Schübel), m. (ebd. teabtl,
Graff VI, 409; 146* Mhflppel — durltie« cutis plsclum
»quamma, D. II, 31«; 15. Jahrh. schuel>el — furfur,
lnfirmltaa, D. II, ;12), 1. = Tineae (Hautschuppen) I
(Buck 16), Borke, Scholle. — 2 = Kopf wie Grint
(s d.) (Birllnger; Schindler II. 438). — schüppicht,
(1518) schybelecht, schttpechtig = abschuppend,
abgeschuppt, kleienförmig (Or. W. VW, 25.5; H. v.
flersd. 87; ahd. scopochter, scopohter = seaprosns,
«cabrosus, D 515 516; 15. Jahrh. einer der da ist grint
o. schuppet uff dem heubt o. sunt an der hude, I). 516
= scabrositaa), z. B. beim Schuppengrint, bei der
Schuppen flechte, Grint, Räude etc. — sich
schüppeln (z. B. die Haut) = die Haut lässt
Schuppen fallen (A. v. H. I, 789; i486 schleppten =
exquammare, D. 219; II, 163). — ^.'.schuppen =
ileequammare, von der Haul, wie beim Fische
die Schuppen, kleine Hantstftckchen verlieren
(Gr. W. I. 110). — Fiti '. Schuppen- Aussatz («. iL).
— (ni7) Grint- Schüppel (Schübel), 1. - ein
Stdck einer (Irint- (Impetigo) Horke (Schuppen-
Grint), die sich in stärkeren Massen von der
Haut des Kopfes abgeschuppt hat (Schindler II,
4:t8) (Haupt-Schuppen). — 2. = derjenige, der
eine solche Anomalie hat (Abrab 11. 1:19). — Haar-
SchÜpfel ( = harschypfel. Schindler II, 440) = tricae,
ein mit Schuppen- und Hautflechten bedeckter
Kopf (s. Wichtel-, Weichsel-Zopf). — Haar-
Schuppen = Pityriasis capitis, Kopf-Schäbig-
keit am behaarten Teil (Behrend 56). — Haupt-
SchÜppen 0'>17 heupl*ehiipplen = furfur, I). 25.);
II, 1*6; 15*2 schuepsen des haupts, l.onlc. 330; 169«
hauptschuppen, Schreyer 7«) = Furfures capitis,
Porrigo, weisse, borkige Schuppen, Hauthlätt-
chen, die haufenweise von der behaarten Kopf-
haut abfallen (Gr. W. 1085; Zw. 7M). — „es fällt
von den Augen wie Schuppen", übertiagen
von der abschuppenden Blatternkrankbeit oder
dem Krysipelas faciei, wobei die Kranken im
Abhäutungs- Stadium wieder freies Sehfeld
haben. — Haut Schüppeln — Deaquammatio
cutis, Hornschichten-Lamellen, welche sich auf-
fallend stark von der Oberhaut ablösen, wenn
grössere, weisse Blrtttchen abgestossen werden
im Gegensätze zur kleineren, kleienförmigen
„Abschilferung" (s. d.) (A. v. II. II, au) (Schuppen-
flechte). — Hunds Schübel (-Schüppel) = (ver-
ächtlich) Blutgeschwär, Kurunculosis (Akne),
übertragen von der Hundsräude, die die Haut
krank macht, an Schwären leidend wie ein
räudiger Hund, oder Pusteln habend wie dieser
(Franken; vielleicht entstellt aus Hnndsuttel [s d]
und an Schiippel angelehnt). — (1578) Lüum -SchÜp-
pen i- esera (?) 1= eachara, D. 210], Theophr. B.)
^ Scborfbildong auf dem Kopfe mit Niss und
Ungeziefer, das man früher als Ursache der
Hautkrankheit ansah. — Schüppel-, schup-
pichter, Schuppen Aussatz, -Flechte, -Grint,
Harn, Haut, - Krankheit, -Mauke, -Scluibigkeit,
-Srhabel, - Tier.
Schur, n., m. s. Schauer.
Schur, f. (Schürt) (zu weheren (s. d.) ; ahd scurt. f.
=^toti*nr«. harba, vulnu*, Grn(T VI, .v.!6; mhd schuor,
Klugo 6, 338) as das Scheren, die Haarnchur. —
der Tschurl - Haar, gekraustes Haar an der
Stelle, wo andere geschoren werden (Tirol,
HintnerS. 12). — flw? Schurl = Feminal, Pudenda
feminae (Schinellcr 1, 'J 1 1 6 , vermutlieh BuchdschnrI
= Bauchhar |.Mons Veneris, l'ubes crlnosa] oder Knt-
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608 Schurb — schwach.
schwach.
Stellung doi [mtlat. ; 1482] burgullo, buxüio, burgurio
- Flselhaar, FoUenhaar, comae genitalium, I). 85;
D, 62). — Aa/ft-schürig, 1- = im Gegensätze zu
einschürig, eine Wolle, die jährlich zweimal
geschoren wird, daher feiner, weniger stark,
dicht ist. — 2. = nicht völlig ausgewachsen,
unvollkommen (H. Paul 199).
Schurb, m. ■ (im) Scharhock (s. d.) (coler,
H. A. 13S).
Schürf, Schurff s Schorf.
Schurpfer, DB. (1SU - atta = „der gleich als wie
auf Dornen geht", Had. Jnn. 398; 1<>18 ..schurpffen mit
den Füssen, als wann man auf Dornen gleng" [pcdlboi
terram potlus attingere quam calcare ut atta], Schindler
U, 470) = einer, der achärfelnd geht, als ob er
auf etwas „scharfem" ginge, wobei er sich
aufschürfen könnte, ähnlich dem Gang eines
Greises(Atta,Gro88vater;s. Schleifbein,Schleif-
fuss); vergl. auch Schorf.
Schürz, m. Schürze, f. (germ. skurtjön an» [vulg.
lat ] excurtus, an« [tat ] curtus; alid. seurz [kurz];
altnord. skyrta. Welnh. 162; mhd. schürz = da» gekürzte
Kleidungsstück, Kluge 339, pannus ; engl, purple short
= Scharlach [a. d.], Lerech 331), l. = Vulva, eigent-
lich nur der Haarbüschel, welcher an derselben
kurz herabhängt (beim Hirsch und lieh ; s. d. Verf.
Volks-Med , 8. 162; Brehm III, 167). — 2. = „sym-
bolische i mschruibung fiir: Frauenzimmer" (H. Paul
406). — sie hat eine neue Schürze erhnlten =
sie ist schwanger; (die menstruierten Mädchen
erhalten Schuhe und Schürze; als Frau dann eine
andere, Ploss-Bnrtels I, 480). — nM/^eschÜTZt^ auf-
gezogen (wie ein Schurzfell, abgekürzt hinter-
und oberwllrts am Bauche (von Pferden) (Wind-
bauch) (Falke I, 28). — (1835) Hottenti -tt-m- Schür ze
= die schflrzenförmig lax herabhängenden,
hypertrophischen Nymphae, Labia minora
vulvae (Tabller; Hyrtl. Anal- HB, eine Kigentümlich-
kelt nicht bloss der Hottentottenfrauen u. Buschweiber,
sondern auch anderer afrikanischer Weiber, Kraus, F..
33, die künstlich erzeugt werden soll, Gnrlt I, 217 (f.).
Schuss, rn. 8. Schoss
Schuster s. Schuh,
schuttern s. Bchüttern.
Schutz, m. (ahd. skutison; mhd. schütenen =
einen Krdwall , Schutt aufwerfen , eindämmen , be-
schützen, Klugo *, 339). — Schutz-ifan *, Mauke,
-Forke, -Räude.
Schwabe, f. = Schabe flandschaftl. ; II. Paul 405).
schwach, Schwäche, f. [gtrm. suk; swak,
Kluge*, 339; ahd. und angls. fehlte es; mhd. schwach
— niedrig, armselig, gebrechlich; 1482 s wach — krank,
InftrmuH, Gr. W. V, 2023, Invalldus) = kraftlos, ge-
brechlich, krank, asthenisch. — Schwäche,
Schwächet (mhd. swache) = Zustand eines
Schwachen, Abnahme, Mangel der Muskel- und
und Nervenkraft, des Denkvermögens, Kränk-
lichkeit. — Schwächen (mhd swehen ; ndd.
swaeken) — schwach machen (schänden) und
sein, schwanken beim Gehen aus Schwäche
(Goldschm. IV. ; naineutlich sollten die Klben [Traden]
Im Alptraum [s. d ] den Menschen durch Pollutionen
schwachen, ausmergeln, Schwartz 295; Schw. Indog.
v.-oi. 133). — Schwächling = schwacher, krank-
licher Mensch. — schwächein = öfters sich
schwach, krank fühlen (Tirol). — Schwachheit
(mhd. swacbhelt ; ndd. swaakhelt ; 1562 Scbwachhait
= Infirmitas ; 1634 Schwachheit] = schwache Art,
Krankheit, ohnmächtiger Zustand (Scbmeller I,
1374 ; Goldschm. so). — Schwächung = Handlung
des Schwächens. — -iZfeys-schwach, -Schwäche
m Marasmus senilis, Senectus cariosa (lioU zwak
van ouderdom; schwed. alderdomssvag) = Abnahme
der Kräfte im Alter, AlterBgebrecblichkeit
(Ana- [On-] Sucht). — Augen - Schwäche =
Copiopia hysterica, eine blosse Verminderung
der Sehkraft der Augen ohne eigentliche sicht-
bare Erkrankung derselben (s. o.; GesichU-
scbwäcbe) (Kopp I, 340). — Fraum-Schwäche
= Inürmitas muliebris (s. Blödigkeit) (Gr. w. IV,
l. 82). — Qedächtu^ Schwache - Vergesslich-
keit (engl, forget-fulneas. Dornbl. 46). — (1W2) gc-
BChwachen (9et>. 99) = ohnmächtig werden. —
Oesiihts Schwäche = Asthenopia, leicht ein-
tretende Ermüdung in der Sehkraft (Ranke I, 684).
— Glied- Schwachheit = Muskelschwäche in
den Gliedern. — /Taupf-Schwachheit = Krank-
heit mit Gehirnsyptomen. — (1662) neue Haupt
Schwachheit = Typhus mit Delirium, als neu
aufgefasste Krankheit (s. neue Krankheit)
(Haeser TT, 381). — (1566) ungarische Haupt-
Schwachheit = petechialer Lagertyphus als
Krankheit mit vorwiegenden Gehirnsymptomen
(Morbus hungaricus; lt.91 febris castrensls quam vulgo
ccphalalgiam epidemieam [ — Hauptsucht) vocani ; bei
I der Belagerung von Ofen beobachtet, Haeser II, 34kl;
\ Schnurrer II, 113). — .f/tTi- Schwäche = Deliquium
I animi, Abnahmo der Kraft des Herzmuskels,
Ohnmacht (Gr. w. IV, 2. 1260). — (17. Jahrh ) hitzige
Schwachheiten = Herzschwäche-Zustände bei
hohem Fieber (Fr. Kr. B. 334). — (1756) kurze
Hi}>pi »-Schwachheit = Krankheit der unter
den Kippen (Hypochondrium) liezenden Milz
(Milzsucht) (Z. V. 389). — bens Schwache =
Mangel der Lebenskraft. — L km gen Sch wache =
Lungenkrankheit, die brustsebwach, schwache
Atmung macht (Heyne V, 504). — (1756) Magen-
Schwäche = Torpor Galeni, Mangel der Ver-
dauungskraft des Magens, der die Neigung zu
erkranken hat (Heyne V, 604, Bern.*, 107; Falke II.
93) maladie de langueur, mal St. I^ingonret
(Brlsa. 122). — Afus/W-Schwäche = Abnahme der
Muskelkraft. — (1684) Mutter- Schwachheit =
Krankheit der Gebärmutter (Gr. W. VI. 2326) und
des Unterleibs, welche leicht zu Entzündungen
neigen (s. schwache Mutter). — (1836) Nerven-
Schwäche= Abnahme n. Mangel an (Leistungs-
fähigkeit des Nervensystems, Nenrasthenia. —
reiibare Schwäche = leichte Erregbarkeit des
Nervensystems infolge allgemeiner Ernährungs-
störungen. — (1803) Samm-Schwäche = Samen
Verlust (Pollutio), Spermatorrhoe infolge von
Nervenschwäche. — Seh Schwäche = s. Augen-
schwäche. — (1829) SWfof-Schwächung-Onania
(s. d.) (Kopp iv, 345). — fV-schwach = bis zum
Totsein kraftlos und lebensschwach (Bau ml 562).
— Ferdtuun^s-Schwäche = Abnahme der nor-
malen Verdauungskraft. — HTten-Schwäche
= Inertia uteri, schwache Thfttigkeit des Uterus
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Schwadern— Schwär.
Schwär.
hei der Geburtsperiode. — schwach (f, er, es),
Schwäche - Brust, -Fieber, -Füste, -Gesundltett,
-Haupt, -Knöchel*, -Kopf, -Magen, -Maticus,
-Sichtigkeit, -Sinn, - Tod.
Schwadern, m. Schwaden, n. (germ. sweth;
altn sreidh, sridha = vor Schmers brennen , srldhl =
brenneuderSchmrrz, ahd swcdnn - langsam dampfend
verbrennen; nuglx svadho], swadul = (jualrn; mhd.
•«•den, swadcn - Dun«. Flek. '.»19; Kluge*, 339). —
Fuss Schwaden (angis. tofewadbu, rock, i, G6) =
Fuss tank. — Leibe» Schwätigkeit = der Zu-
stand eines dicken, schwappenden, vollen, mit
Dünsten, (Jasen, aufgetriebenen Leihe« (Guar.
871; UM dl« schwatlgkeit und moslchte Feuchte des
Schaden« am Leibe — faules, «chxtammlgc-s, schwap-
pend«^ Fleisch, I)r Minderer). — Mutes ■ (Gemüt**')
GVgchwät« Hrtf/ (angls. modes geswaethrunga =
falllng of ihe mind, Lelpothymla, Cock. II. 200) =
vollständig schlaffer, schwacher, haltloser Zu-
stand des Hertens bezw. Gemütes, Dämpfig-
keit L
Schwämmchen i. Schwamm.
Schwär, m. Schwären, m. Schwäre, f. (so
schwer [swer] - druckend, schwer machend; ahd.
»wöro. m. = leiblicher, drückender Schmers, [dolor],
Krankheit, Geschwulst, (ieschwur; sweran — wehe
tbun, schmerzen, eitern, schwären, drücken, quälen.
Kluge*, 340; sverado, stierdo = dolor, H. Z. XV, 67;
«iraff VI. H|; 12. Jnhrh. srero = Ulcus, H. Z. VI, 321;
D II, 384. dolor, Graft VI. 889; mhd. «wer = Ge-
schwulst, Geschwür, leiblicher Sehnen, Gr. D. M. II,
1106; I>;xer 261; swem also eyn wunde = saniare,
D. II. 326 = schmerzen, eitern, Leser 261 ; 14, Jahrh
■ weren = Geschwür, swlrn ■ tonsllla, H. Z. XIII, 216,
Apostema, Voc. opt. W. 4t; Schra. II, «46. 15. Jahrh.
»wem — geschworen, II. Z. XX, 23 [ — saniare. I>. 511 j;
142V swer as nioles, I). II, 25>; 1482 swer — Ale«, ulcus,
Zening. Voc. ff 8; Uj07 sweer = ginn» [ulcus. cambuca|,
l». 264 - Drüsengeschwär [apostema] ; 1 .VI 1 schwingen
= flstuca flstula\ D. 237; 1562 geschwer - ubsces'us.
Gurlt III, 67; 15h2 Schwerlln — < halazlon, I.onlc. 92,
16. Jahrh. swere, sweren. schwer — ulcus; 15s7 schwaer
flstuca [flstula], 1) 237; 1612 ge«chwer oder gestocket
blut, Gurlt III, 24S; 1616 geschwaerlein - phleg-
monöse Bursitis prnepatcll.. Gurlt III , 2M; 1618
achwirren = flstuca, Sellin. II, 61*'., schwlrn = tonsllla,
1. eod ; ndl sweren, sweerlnghe, swerazlecn, De Cock
41. 136 2.-,i. ÜB). — Schwär, m. (Schwieren,
Schwirren) = da», was lehmeraend d rückt und
schwer im subjektiven Gewiehtsgefühle macht.
— 1= schmerzende Geschwulst, namentlich
die Eiter bildende Anschwellung der hangen-
den, weiblichen Brüste und der Extremitäten,
die für den Kranken dadurch „bleischwer"
werden im Gefühle, Apostema, Geschwär,
Phlegmone. — 2. =schmerzhafteiternde (offene),
erhöhte I lautstelle, Geschwüre, und Geschwär
(Abscess, Fistel) (Pauli 117, Goldschm. 89). — 3 —
entzündlicher Böhmen überhaupt (auch ohne
Kiter), in «einer Art aber mit 2 verglichen. —
4. = schwer. — der Schwären geht auf, bricht
auf, frisst (1545 sol>alde die geschwer ausbrechen
heisst man« ulcera, Kyf, Chir. II, 1; er wurde mit
Segenssprurhen t>e»prochen und damonlstlsch ver-
reranlo*«t. nU Wurm s B aufgefaßt. II Z. XIII. Jl«)
I — Geschwür ist ein Geschwär »Hl SubsUii*-
Verlust (Geschwür und Geschwär werden auch bei
Gr. W. I — VH1 noch oft verwechselt). — schwären
m schmerzhaft unter Kiterbildung schwellen
(ahd. min uuampa suuirlt mih = rem rem menm doleo,
Greff VI, SSM; 1 110 schweren — saniare ut ulcus. D. 511;
16. Jahrh. da** du lu diesen Lidcii icht lenger schwerest,
Alemannia 189s, 263). — gchwärig. SChWäricht,
Schwärlich (ahd. swerag, («raff VI, 839; 12. Jahrh.
suerechl = ulcerosus, swlrlelch, D. II, 384) = ulcero-
sus, g>-schwflrig. — (1740) abfallende* Geschwär
= ein Geschwür, bei dem trockene brandige
Stelleu sich abstossen, abfallen (Selts 1, 19) — (1712)
Achsel- Geschwär = Phyma, Buhn, eine schmerz-
haft geschwollene, Kiter bildende Achsel-
Lymphdrüse (Pestbeule) (Zw. 36; Irans, encharpe.
Brisa. 291). — Angesichts- Oesch'WSiT (1592 das An-
gesicht tieschwer mentagram genannt, Seh. 325) =
Huuigeschw Ur im tiesichte, Kinnflechte z. B.
— Augen-, Augapf eiSchw&T (Grschwär) (ebd.
oueswari. Gr. W. I. 811; IL Jahrh. öc-swere = dolor
oculornm, n. Z. III, 368 ff.; ouc suero, och swero =
Ophthalmia, dolor oculornm, Angcnschwtr, Graff I, 123 ;
VI. 888; Schindler II. 645; 12. Jahrh. augswer = Hror
oculorum, D. II, 238; mhd. ouge-swer = Augenschmerz,
Leser 184; 14. Jahrb. ong swer = Ophthalmia, Voc.
opt. W. 40; 1482 ougen geschwere — Angenwehtag,
Ophthalmia, Zcnlng. Voc. j 15. Jahrh. eyn ogenswere =
egilops, D. II, 146; augawer, BUgensehwer = obtalmla,
Schraellcr II, 645; 1515 augenschwer = Ophthalmia,
I>. 398; 1712 augengcschwarleln) = schmerzhaftes
Augenleitlen verschiedener Art: a) Augen-
schmt-rz mit Kilerung der Schleimhaut, Dolor
oculorum (Gr. w. I, 811); b) Augenschmerz mit
Homhautgeschwär (Geschwürange), Chalacion ;
c) Augenschmerz bei ThränenfNtel (Zw. 214). —
(1584) hohles Augen • Grschwär (= Argcmaia
[Tabern ] Bothrion, Kirsch 103. 154) — Thränenkanal-
fistel, Zahnfistel beim Auge. — (16. Jahrh.) inner-
liches du#ap/W-Gf8Chwär = Hornhautgeschwür
im Gegensatz zum l.idgesehwär (Chalazion)
(Fr. Kr. B. 630; I.onlc. 331). — (1756) schwarzes
■du</ffl-Gr8Chwär = ein tieschwär im Schwarzen
des Auges (I lornhaut-Abscess) (A. r. H. II, 382).
— (1612) «uv schwären = Kiter bilden, so dass
er sich nach aussen entleert (Wirts; Gurlt III, 248).
— 1510) Bein- Gf8Chwär (belugeschwer = crostu-
mulus. p. liio) — eiternde Beingeschwulst. —
[ (1551) heutiges Geschwär (beüllchte geschwaren) =
! schmerzhafte Kiterbeule (Bock 89). — (1742) Blasen-
i Geschwär = I leus vesicae, schmerxh. eiternde,
offene Stelle in der Harnblase (Zw. 324). — Blut-
Schwär (-GfSChwär) (1546, 1M9 blutschwer. Gurlt
III, 44. 68; vlftm. UoeUwer, Gurlt II, 140 - Phlegmone ;
16. Jahrh blutschwaere = ulcus sanguinis [Gr. W '. II,
1*21. Bltltalss; 1742 blutschwaeren — funmcula. Zw.
119. 120; 17"iö blulgeschwitr — furiincnlns, A. r. II. I,
6v"i; 1783 blutsehwar - furunculus, lecloud, riatncrll,
87), I. aa eine aus dem schlechten Blute hei Tnbt'i-
eulosis, Scropbulosis, Syphilis, Diabetes etc.
abgelagert angenommene, mit Kntzündung und
Kiterschmerz einhergehende, zugespitzte (ie-
schwulst (s. Kiss), Furunculus Celsi et Plinii
(= der kleine [dämonische] Spitzbube; siehe
Furunkelkratikheit B. 314 siehe !) Auge*,
9 Häute*) (franz. dothlcn [Mtxty Galent], Gurlt III.
3'J
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«10
Schwär.
Schwär.
41), charakterisiert durch einen in der Tiefe
steckenden, abgestorbenen Zellgewebspropf
(Ventriculus; s. Pettich) (Geber In Ziems«. Hdb. d.
sp. Palh. u. Ther. XIV, 1. 427; Buck 19; Richter I, 2:53;
ßehrend 61); es scheint der Käme Blutsehwar erst seit
dem genaueren Studium der Syphilis aufgekommen m
••»ein; Synonyma (nach Behrend 61): Dolhleri, I'hyina,
Phygethlon, i'hypella. Terminthus ( = Anthrax benig-
nus, schwarze Blatter [nach Pomays Cornu copiae] ;
der morbus tereblnlhinus [Paraeelsl] hat von der Ter-
peniliibchandluug den Namen [Baas]}, Kpinyclis (Chala-
ceon), • lavus (le clou). — 2. = Blutgeschwulst (1740;
(seiu i, i3). — bo*r(r) Schwär(en) (Gcschwär) -
bosai liges, eiterndes Geschwür, offener Krebs;
von ihn» erhebt sieh der „Wolf" (s. d.) (1394 ein
bozer swerc der do vll löchere hat und seyget sletleleh
ein = caneer, I). Hl ; 1507 böser srhwaeren, Hort. San. ;
I, onic ; Gr. W. II, 219; 1761 tilcus caenothes [cachec-
Ucum], L. ch 13; l). 87). — lirand &chw&T = ein
in Brand (Gangraena) ü hergehendes, böses,
eiterndes Gesch wär (Kohlenbeule, Carbunculus,
Anthrax malignus) — (1756) Brenn-, brennendes
('<> schwur, 1. = eine durch Brennen ( = Cati-
teriutn) erzeugte und in Eiterung unterhaltene,
offene Kontanelle (A. v. U. II, 666). — 2. =(15. Jahrh.
brlnnet geswer — erysipelas, D. II, 15.'.) = Phlegmone,
Brand (s. d.) der Haut mit Eiterbildung. — (BÜß)
Brodt- Grschwär = .Schlier, ein schmerzendes,
oflenes, eiterndes DrÜBen-Geschwär, da« eine
schmierige, viscide Flüssigkeit (schlierige Brühe)
secerniert, wobei das rote Fleisch (Brill u.*), der
rote Geschwürsgrund sichtbar ist (Schanker-
Geschwür) (Tabern). — Brust -Schwär (Ge-
SChwär) (12. Jahrh. diu brüst swere = Brustdrü«en-
Absees.s, Pfeifler 19; inndl. borstzwecre, de Vr. 33;
II. Jahrh. gexwer der brüst, Voc. opt. W. 41; 1468 ge-
heimer der brüst, brumgeswer — pleuresis, 1>. II, 295;
14S2 prustgeswer - peripneumonia. Zening. Voc. t. 3;
1507 das geswar um die brüst [Hort, san.], Übersetzung
der peripneumonia; 1512 brustgetchwer = fungus,
tuber [Brustkrebs;, D. 600; IMS brustschwer = plcn-
resis. D. 412; 1532 brusigeschwer(en) - miislltls suppur. ;
die gcehwulsl an einem ort der weiblichen brüst =
geseh wer der brüst; I'leuresls vera, non vera — ,, brüst-
geM-hw< r im ein hitzig g< «ch« ir In den h t ntlin der
brüst, welche die rippen bedeckent", Krles 91. 96;
13*2 prustgesc-hwer, Wurzburger l'rkunde; 1643 brüst-
sc hweien = uiastltis supp , Coler, \V. 350; 1728 brust-
geschwar - empyema. Thes. »an. Br. 926), 1. = das
eigentliche Bruslgeschwär ist nur der Brust-
drüsen- Abscess (.Mastitis suppurativa). — 2. =
die sonstigen Bedeutungen des Brustgeschwars ergeben
sieb au« der Übersetzung- des Schulausdruckes : l'eri-
pnenmonia = a) Pleuritis (Pleuresis), Rippen-
fellentzündung mit und ohne Empyema (Eiter-
brtist), entzündlicher Eiter- Erguss in die Brust-
hohle; b) Pneumonia (Gr. W. II, 449), Lungen-
entzündung, beide wejjen der Seh nierzart so
bezeichnet. — (1742) Brust - Kiterc?rschwär =
Empyema, BrustKescbwftr 2a (Apostema). —
(1518) Brust-Kippem/i schwär = Pleuritis, Pleu-
ren in , Brusttresehwttr 2a (H. v. Gersd. 100). —
(15. Jahrh.) iholerischeH Grschwär ■ ein ( Jeschwär,
Phlegmone, Apostema, das aus hitziger chole-
rischer Konslitution sich bildet (s. rote Cholera).
- (ITIü; Darm-Gt schwär (ge.-clnva,r der daermer,
Seltz I, 359) = Uuhrgeschwüre auf der Dann-
schleimhaut. — (1741) Drachen- Geschwlix = Dra-
cunculus (s. Drache) (L. ch. 26). Krebsgeschwür
am Auge, welches eine schreckliche Verände-
rung erfährt (d&monistlsch) (drachgeschwaer. welches
auch die Nerven durchfrlsst ; blntgeschwacr. so anch die
Nerven durchfrlsst, Kirsch 401). — (16. Jahrh.) Drüsen-
Grschwär (geschweren der truss = eiternde rest-
beule, Schindler I. 369) = eiternde Lymphdrüsen,
z. B. bei Schanker, Skrofulöse, Pest etc. — Eiss-
GcBchwären, GfBChwär (1502 ayssgesberen = ul-
cerare ; 16:17 ayssengeschwaer = clous, apostnme, E. W.
I, 75; I>. II, 384), 1. = unter Bildung von Eissen
(s. d.) aussch wären. — 2. = s. RippeissV —
eifert* ! Schwär./») (nd.. etterade xweren; ndd .
1630 ein etlerich swehr, (iurlt III. 85) = Ulcus, Eiter-
wunden, A bscesse (De Coek 234). — erschwären
(1260) erswem = suppurarc, Pfeiffer 62; 1468 deheln
lit erswar; 1599 der schleim Ist erschworen; 1612 sein
bruch ersehwar, Gr. W. III, 978) = in Filterung und
Abscessbildung übergehen, tumereel suppurare
(Im IS. Jahrh. nicht mehr gebräuchlich; dafür aus-
schwaren). — (1633) essendes (fressendes, ein fr essen-
den) (>' schwur - Lupus, Krebs, phagedänischer
Schanker (Lonic. 187; ndl. invretende «weren , De
Cork 2Syj = Geschwür mit Substanzverlust in
der Tiefe, wie durch älzende Sekretion veran-
anla«st. - (1766) fauleis) Schwären, Grschwär
= übelriechendes, eitriges Geschwär (rand.,
14. — 15. Jahrh. de vulen sweren, J. f. nd. Spr.-F. XV.
132). — Finger- Grschwär , L = Panaritium,
Wurm, Adel, Grattel, Grippeln*. — 2. «■ siehe
Fingergeschwür. — (1635) jiiessendcs, (1741) Fluss-
Gcschwär = stark Eiter secernierendes tie-
schwär an irgend einem Organe, pulmunculns
Vegetii (Kirsch 9hl; bonlc). — (1506) Franxosen-
G< schwär = syphilitisches Schankergeschwür
(Fuchs 1, 311). — FrrtHfM-Schwär (mnd.. 14. bl*
13. Jahrh. swereu der vrowen, J. f. nd. Spr -F. XV.
i32i = Mutterschwär. — Grschwär (-schwärle,
-SChwärt) (ahd. gasucr, gl«uer = dolor, Ulcus, pustnla;
glswer, Graß" VI, 889; Schmeller II, 645; squlnauaueia
ist gesnrr [ = geswer] das waext underwellen in der
chell uuderwelllen aus der cliell, SchmelKr II, 321.
nihd. geswer; 14. Jahrh. geswer, Z. f. d. A. 1888, S. 143;
1432 geswer = apostema, D. II, 28; U.Z. XX. 29, D. 637;
1470 gesehwer — glaus [Uruseugeschwar;. D. 264 : mndl.
ghesuerde ghescuert, de Vr. 18 . 30. 49 = Geschwarc
zeigend, 1--15 geschwer - ulcus, D. 625; 1332 geschwer,
Fries 98; i:>84 gesehwer — crysipela, Wirsung; UM
gesi-hwer — ulcus, apostema. Schmeller II, 6.45; Ge-
schwarte = kleiner Abscess, Buck 19), 1. = Pustula,
Apostema, Abscessus, l'hlegmone, die ganze
schwärende Korperstelle, die schmerzhaft und
eiternd ist; dasselbe „bricht auf" (Fries 98;
Buck 19), „entleert sich" und „fährt auf" ( = ent-
wickelt sich). — 2. — schmerzendes, eiterndes
Geschwitr mit Snbetanzverlust = Ulcus, Ge-
schwür, namentlich bei Gewächsen (Neubil-
dungen), die zerfallen. — 3. = eitriger Schleim-
hautkatarrh. — 4. = der mit diesem Schmerze
(1. 2) verglichene, entzündliche Schmerz auch
ohne Eiter, ohne Geschwür, Dolor intlamma-
tionis, die Schmerzstelle. — Gaumen- Grschwär
(15. Jahrh. das geswer im guome - hraneus, D 6.T9)
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Schwär
Schwftr.
C11
b Angina snppur., Kehlfluss. — (1562) Gemacht-
Grschwär, kiiltes (<iurlt III. TD = chronisch-
entzündliche Verhärtung de« Hodens oiler
Hodensackes. — (14. Jahrh.) giftigen, vergiftete»
Geschwär (giftig) ,'1M'> venfiftlgs geswer, geschwere),
1. = Anthrax, Milzbrandheule (Giflwurm), die
zu Blutvergiftung fnhrt (Voc. opt. W. 41; D. 39).
— 2. = (1350) syphilitisches Geschwür [Pr.
I, 363). — Goldader' Grschwär (UN geschwere
der güldenen Aller, Schreyer I, 26) = eiternde
Stehen au« After (Hämorrhoiden, Feigwar-
zen etc.). — H,ih- Grschwär (1516 halssge-
«chwer — cynanche, I>. ."•3."»; 1527 halssgeswer, Würzb.
l'rkunde ; 1">32 halsgeschwer — s<piinancla [cynanche],
Kries v. ; I '»51 bal^sgesch wer - anglua, Hock 10; 1603
hal^gcsehwaer — anglna, I). 3."); 17-11 Halsgctichwaer
= satyrismns, Kirsch 106«), 1. — Angina suppur.,
Kiteriings- Abseess im Halse. — 2. — (Cy-
nanclie) Braune (Diphtherie). — 3. = äussere,
eiternde Halslymphdrüse <ür. w. IV, 2. 263). —
4. = Seiren (s. Siren) am Halse (Satyriasis). —
erstickendes //«/*- Grschwär ~ eroupose Diph-
therie (Cynanche), die oft zur Krstickung fölireu
kann. — faules Hals- G< schwär — die faulige,
brandige Diphtherieform (*. Kehlgesehwar). —
(17. Jahrh.) harte* Grschwär - ein induriertes
Geschwür, Kreb«, Sclcrosis (Kr. Kr. B. 98). —
Haupt- Schwären, m. (-Grschwär) ftt Jahrh
dich daz houblt »wer [Pfeiffer 12;, houl.it
j, m. = dolor capitis, Pfeiffer 19 67 ; mndl. hoeft-
e, de Vr. 35; rohd. houbet swer = dolor capitis.
Lax« 106; 14. Jahrh. houptgeswer = phrenesls, VOC.
opt W. 40; hoyptgesvver - phrenesls. apostema cerebri
ex calore, r», 217 ; 1419 letargla = ein geswere hlnden
in dem heubt, die »laiftVnde sucht. I). II, 232. 1800
boeftxu erleb. haupt*Merig — nephre«is [ — phrenesi«;,
D. II, 263; 1616 hauptgeschwer = phrenesls. Gr. \V. IV,
•1 613; ein hauht«wcr httl/zet emlgraula, Scbineller II,
6i5), 1. - Dolor capitis, der heftige Kopfschmerz,
der bei fieberhaften Infektionskrankheiten sieh
einzustellen pflegt (Phrenesis) und [Ym') dessen
Kntstehung man einem sieh bildenden Ge-
schwür (Apostema) im Hinterhaupte zuschrieb,
das dann zu Kethargia (Schlafsucht) fahren
sollte, sodass Hauptgeschwür = 2. = Phrenesis,
Leth,irgia ist, als Folge eines fiüher im Gehirn
(s. Hirngeschwür) angenommenen Schwüren. —
3. = Migräne (s. d.). — blin.les //rta/;f-Schwär
(Laistner II, 2<"<9; ndl. blinden hooftswecrl = Haupt-
schmer/, mit Erblindung idnreh den bllndmachen-
den Alpdämon veranlagt ; auch durch die Knien, wenn
man Ihnen Im Schlafe in unehrlichem Begehren sich
nahen. Alp».«, m, — (17. Jahrh.) Messendes Haupt-
GVgchwär ■ llauptgesehwüre mit starker Se-
kretion auf dem Kopfe, Kkzema humidum (Kr.
Kr. B (•,•.(). — i/(in/-Gr8chwär, 1. — eiterbildende
Stelle unter der Haut. — 2. — (1482 ein geschwer
das hart, hert in der haut bot In ■ boclo, D. 77) =
Hautgeschwür, Bothrion, ricus envtiiii, Haut-
listel. — heftige» Grschwär = feslbleibend,
anhaltend schmerzender Abscess (St. Benno-
Mirakelb). — (1907) heixses, (17 Jahrh ) hitziges Ge-
SChwär, 1 =die Phlegmone (Pseudo-KryNipelas)
mit starker Rote und Hitze der geschwellten
Haut und 2. = Krysipelas; „es lauft in dem
Leibe von einem Glied zum andern" (Hort sau.;
Fr. Kr. B. 524; Lonlc. 91) — Herz Schwären. 1U
(ahd. herze «wer. Graff VI, 889; Gr. D. M. II, 1112;
12 Jahrh. der herze swern = dolor pectoris, Pfeiffer 14.
67; mhd. herze-swaere — Herzubel; herze swern,
Schmeller II, 64."-; Lexer 99; mnd., 14. — 15. Jahrh.
hertc sweren, J. f. nd. Spr.-K. XV. 144), 1. = Schmerz
in der Herzgegend. — 2. = schmerzhaft ent-
zündliche Herikrankheit. — ifirw-GfSchwär,
man nahm (l'«07) beim entzündlichen (infektlosen)
Kopfschmerz (Hauptgeschwilr, B. d.) ein im
Kopfe «ich entwickelnde» Geschwür als Ursache des-
selben an ; sass dasselbe oben auf dem Hirn, so führte
es zurPhreuesls ( = akutes Delirium oder Gehirnreltung
[Convexität-smeningitis"'']; sas* es hinten auf dem Ge-
hirne, Im Illnterhnupte [Basllarmenlugltls?], so führte
es zur Letbargia [Bewußtlosigkeit], Hort, tan.; 1419
frenesis eine sucht forn Im henbt odder ein geswere
oben uff dem Hirn, D. II. 182). — (1756) Hohl-
(!' schwär = ein Kiter bildendee, schmerzendes
Hohlgeschwflr, Fistel (Kohrgeschwör) (A. v. H.
1, 742). — Hoppen Gf schwär = Hundsschöppel
■ (1529) innwendige
(rurunculoS1s;s. Hoppen). - ^
(neue) Gt schwären ■ Kmpyema, Hydrothorax,
Pleuritis exud. (von Paracelsus dem Missbrauchc von
Quecksil»>er bei Syphilis zugeschrieben, die dann als
verstopfter, äusserer Fluss sich in den inneren Leib
zurückgeschlagen hatte). — (1616) ./!<> '. -<;. schwur
— Gallus — das bei seiner Heilung (Schwielen-
bildting) Äusserst empfindliche, leicht zum
Jucken reizende Geschwür (l'uracelsus ; «r. W. IV,
2. 2:150). — (1645) A"fl»l»-Schwären, 1- = (Item sein
semllche weih daz In der kamph swlrt als dy man bei
In sein gewest da* ist ein gross prech, Schmeller I,
1256) - (ieschwür an dem Möns Veneria, der
Vulva etc. — 2. = schmerzhafte Eiterbildung
am Pferde, Kamp (s. «I.) (Coler, Pf. 362). — Kehl-
Gfgchwär (UM braeune = geschwere, feule in der
kein Isipilnancla]; liecker 240; 1502 das geschwer jn
der kelett genannt s<{ulnantia [Wurzb. Apoth.-Urdu ] ;
1507 das geschwer an der kelen = stpilnantia, Hort,
san ; 1MH kaelen geschwar - squlnantla, II. v. Gersd.
lOo) a die als ein Halsgeschwüt
llich der
Angina suppur. aufgefasste kronpöse Diphtherie
(Cynanche; s. KehlKeschwflr). — Kinn-, Kinn-
irtfA-rn-Schwär, -GfSChwär (angls. cjrningeswr -
sampsuchus Vynanchus v], D. 510; cin-gesvyrt = samsu-
chon [cynanche!, Cock. III, 30'.; 15o7 kynnenbackfweer
sa synotheus [cynanche], D. 537) = eine an der Innen
oder A Innenseite des Kinnbackens gebildete
Eiterangi die als Angina zu Erstickunirserschei-
nungen führen kann. - kleine j ^SaS^
(15. Jahrh. clene s weren = papula, D II, 279; 1562
kleinen geschwcrlln, Gurlt III, 69) — Hautblü^clit n
mit eitrigem Inhalte. — (»:>3I) knöpf ete G**schwär
(Kraut»-. XXV) — eiterndes Knopfgewitehs (s. d ),
auch Driisenbeulen, Tubera ulcerosa. — (h'M;
Kopf-G, schwär, (1756) Gr schwärlein (fiopf-
Wa$Mtr - Grschwärlein) = das eine scharfe,
wässerige Feuchtigkeit secernierende kleine,
I dichte, rote, eiternde, schmerzende Haut-
1 wttrzchen (Kkzema?, Fromboisia?) (A. v. II. 11,741.
| 1251; OHt. IV. 97). — (1742* AVft»J/*/Vlflfr-(fVschwär -
Ulcus varicosum, schmerzhuftes Fussgeschwflr
| inf<jl-e von Krampfadern (Zw. 72). — (1592) Krtba-
30*
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612 Schwär.
schwär = KrebBgcschwür, Carcinoma ulceroBum
(Seb. Ml; Gr. Vi. V, 2133; ndl. kankeracbtige vor-
zweringen, Do Cock 290) = le mal St. Quirin
(s. St. Quirins Buhc). — (18S1J kriechendes)
Grschwär(r) = Phagedaene, Herpes eancreus,
1. = freBsendes Schankergeschwär (Bock 168;
Lonle, 73). — 2. = b. Rührmichnichtan (Epithtl-
eareinom). — Lank- Schwären, m. (12. Jahrh.
luncheswern, Graft VI, SS9; Pfeifler 15. 18. 70; mhd.
lancheswern, Schmeller II, 645) = Gelenkachmerz
nn der Hüfte (s. Laake). — Leber- Schwären
(ahd. lebersuer, Graft VI, 889; mhd. leberswern,
Schindler II, 645; 1532 gesehwer der leber [innwendig,
aufwendig, auf denselben etc.], Fries 109) = entzünd-
licher Schmer! in der Lebergegend. — Leib-
Schwäreni 12. Jahrh. die sweren des übe», Pfeiffer 18;
mnd., 14 — 15. Jahrh. so welich minsche demc eyn
svere wanset in slncnie lives, J. f. nd. Spr.-F. XV, 112;
1602 geschwer im leib) = Abscessus, llrüsen- und
I J au ta bseesse (Pesi, Syphilis) am Körper (Würzb.
Apoth.Ordn). — Lrnden-Schwäre, f. (ahd. lenti-
suero, lenti swere = pleureKis, üraff II, 239. VI. 8S8;
mhd. lende swt'r, Leser Hl; lendsweren, Schmeller II,
S4&) = Lenden- oder NieienBchmerz. — Lippen-
Schwär, m. (12. Jahrh. lippeswern, m.) ■» schmerz-
haftes Lippeng eM-huür (Pfeiffer 18). — Lungen-
GYschwär (U82 geswer der hingen = minor pul-
monls, Zening. Voc. m 4; 15. Jahrh. lungengeswer =
pleuresia, I). 643; 1507 gesehwar an der Inngen —
perlpneumonin, Hort »an. ; 1532 beschwer der hingen —
periplomonia [perlpneumonla:. Fries 92; 1551 innerliche
gesell wer der hingen, Bork 66; 1561 lungengcschwar
— empyema, Gr. W. VI, 1304; 17. Jahrh. Lungen-
geschwar - Peripneumonia, Fr. Kr. B. 356), 1. = die
schmerzhafte Eilei brüst, Apostema, Empyema,
Hrustgeschwär infolge von Rippenfell- und
Lungenentzündung. — 2. = akute Kippenfell-
und Lungen -Entzündung; (Peripneumonia;
schwärende Lungen). — 3. = Lungen-Abscess.
— (1«17) mndiehte Gt schwäre = mit Maden
(Larven) durchsetzte eiternde Wunden (Gurltlll,
IM), Wurmschaden. — 3fVi</cn-Grschwär (ahd.
inageswer, Graft VI. 889 ; 1260 der maße ist allerursworcn ;
wenn der Slank des Mundes nicht von den Zahnden
kommt, den Menschen viel stark durstet und Ihm die
Letzen viel dürr sind, Pfeiffer II; 13. Jahrb., mnd.
maghe besworen : ,, ist aber der Slank nicht von den
ZiUiucu, so ist dem Menschen der Magen beschworen
und den Menschen durstet sehr und die Lippen sind
ihm sehr", nach Mag. Barth. SSa; mhd. miigeswcrn,
Schm, II, 616; 16.32 geschweren des magens [,,sle erwach-
sen zum mehieu The 11 von alter Materie des Magens"],
Fries 107; li>16 ma«ent'esehwer = Magengesrhwur,
Paracelsus; Gr. W. 1, 1518; VI, 1440), 1. = der ge-
schwürige, schmerzende Proze.ss auf der Magen-
schleimhaut. — 2. = Magensclimerz (Schwär-
magen), Cardialgia, Dolor cordis et pulmonum.
— (15s7j Mandel- GfSChwär (cynanehe toles =
tonsilla; tolles Rallica lingua dieitur qnaa vulgo
per dlmlnutioucm tusllhis vocant uuac in fanrlbus
ttirgcsccrc solent; toles = minor in faueibus, qtiae
per dimluutiouem tonslllae dlcuntur, I>u <an>jc VIII,
216; Jauus l.stfM, 560) = ein bis zur Erstiekungs-
-r.iln manchmal sich mit Eiter füllender
Mandeldrüsen-Ahscess (r>. 686) (verschworene
Mandel). — (1617) melancholische Grschwäre
Schwär.
I (harte) = Scirrhu« (cum dyskrasia), Krebs-
geschwür (s. Melancholie) (Gurlt III, 191), das
man aus melancholischer Feuchte (s. d.) ent-
stehen HesB. — 3ft7z Schwären (14.-15. Jahrh..
mnd. ■! bricht och den sweren op der milten, J. I. nd.
Spr.-F. XV, 133) = Milzkrankheit, linksseitig»-«
Empyem (Magengeschwür?). — Mund Sc h war
(-Grgchwär) (ndl. mondzweer, De Cock; 1691 „Be-
schwer deas mundes so man aphthas nennt", Tabern.
60C; Thes. san. Br. 458) - schmerzhafte Aphthen,
eiternde Geschwüre der Mundschleimhaut.
[ — Afnrfrr- Grschwär - Eiter secernicremler,
schmerzhafter Gehärmutterkrebg bei Frauen.
— das hitzige Mu tta - G< schwär = dasselbe
mit Entzündung und Fieber. — (1596) Nagel-,
(17. Jahrb.) A^r/tcuri^Schwärung (-Grschwär)
m der Eiter bildende, schmerzhafte sogen. Wurm
am oder unterm Fingernagel, Faronychia ; Pana-
| ritium Ittb ungue (= schlafender Wurm) (Gr. vi.
VII, 266. 269; De Cock 290; Coler, H. A. 147; Fr. Kr.
11. 240; Gurlt in, 25s). — AWn- Grschwär (LVU
geschwer der nasen m polyp'»». Fries 83, 1.545 polypl
tat das geschwer In der nasen, Uyff, Gurlt III. 46; 1556
nasengeschwltr = polyptis, Gr. \V. VII, 412; 1666 nasen-
geschwer, Gr. W. VII, 412; 1756 nafengeschw&r =
ozaena, A. v. H. II, 1199), l. ■= geschwürige Prozess.*
in der Nasenhöhle mit üblem Geruch. — 2. =
zerfallende, stark secernierende Gewächse oder
Neubildungen (s. Polyp 0. Ferch brät*) in der
Nasenhöhle. — 3. = Epithelkrebs an der Na*e.
— M'errn-Gfflchwäre (lr,32 „die niereu schwären
auch gleich als andere glleder und dies geschiet etwan
an der nlen-n etwan in dem hautlein 'darin die nleren
gelegt si lnd", Fries 118; 1536 erschu iiruug der nleren
= PyonephrlUs, Malacb. Geiger 58; 172önlercngeschwar
= renum Ulcus, Thes. san, Br. 797) = scbtuerzhafler
KierenebecOM und eitriger Nierenbecken-
Katarrh. — OÄrew-Schwär, m. (-Grschwär)
(1612 sweerby dat oer, schwer by dem or = parotis, D. 414 ;
1632 gesehwer in den oren, Fries 81; 1564 ad stmmav
1 panos et parotldes quo» nos vocatnus tnisen vnd oren-
I geschwaer oder orenmüttel, Gurlt III, 237; vlAui.
zweeren die wasseu In de oeren, Gurlt II, 139; 1610
ohrengeschwar, Gr. W. VII. 1255), 1. - Eiter bil-
1 demler, schmerzhafter Abscess im Ohre. —
2. - Ohren-Katanh = (1725) fliessendes Ohren-
grschwär (Thes. san. Br. 631). — 3. = Ohrschmerz
I (dem Schmerz bei 1 verglichen) ohneOhrschwflr.
— 4. = Ohrspeichel-Drüsenentzündung (Paro-
titis) (brise Schwären bei den Ohren. D. 414). — (1502'
Pr*ri7<*»iz-Schwären (geschwer die in der pcstllenz
I kommen = anthraces, Wiirzb. Apoth Ordn.) ■ Eiler
secernierende Pestbeulen (Seb. 85; Gr. W. VII,
1576). — (1545) phlegmatisches Grschwär (Ryff,
Gurlt Iii, 44) = ein nach humoralpathologischer
Lehre aus phlegmatischer Feuchte (s. d.) ent-
standene wässerige Anschwellung, Oedema. —
quade Schwärungen — bösartige Geschwüre
mit Eiterung (De rock 2:*). — quäppiches Schwär
(1630 queppich swer = oedema, Gurlt III, 84) =
schwappelig sich anfühlende teigige Schwellung.
— (16-so) Rtnds- Grschwär = ein Geschwär, an
dem das Rindvieh leidet. — (1581) Rippen-
Grschwär (geschwer under den rippen -- pleu-
retlcus, Künigssp. 66) = Empycmn, Eiteransanum
I lung innerhulb der Rippen des Brustkorbes
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Schwär.
schwärmen — Schwamm. 013
(Apostema) (kein Kippengescbwür, wie Gr. W. VIII,
1084 steht). — (imo) Rippen fell-Grachyr&r = Em-
pyem« thoracis, Apostema, eitrige Rippenfell-
entzündung (Gr. W. VIII, 1034). — (17. Jahrh.)
Bohrlein-, (1742) Bohr-, (1761) Bohr- Gcschwär,
I. = Tripper als Eiterflues aus der Harnröhre
(Pr. II, 28«). — 2. = eiternder Hohlgang in
Wunden und Geschwüren (Zw. 430), Fistula.
— 3. = Geschwär an der Scbienbeinröhre =
Gonagra (L. ch. 37). — (ims) rote Schwären =
entzündete Hautgeschwulst mit Kiterbildung
(Coler, II. A. 203). — (1551) rufichte U< schwäre =
oberflächlich verschorfte, darunter aber Eiter
bildende oder geschwüriue Körperstellen (Bock
862). — Schulter- Geschwür (15. Jahrh. da* geswer
zwtuiclien den schultern = antra*, l>. 637) — der häufig
im Nacken sitzende Karbunkel (Brandgesch wär).
— Seitm - Schwären (Geschwär) (abd. «ite
»wer, Oraff VI, »89; 12. Jahrh. sites nwern = dolor
pulmonum, Seltenstechen, Pfeiffer 15. 80; mbd. slte-
«wem, Schmeller II, 645; 1551 das selttengeschwar =
pcripleumonla, pleuresls, Bock Vj. 139 ; 1588 sertcu
geschwaer oder stechen, Ann. -Buch, 10. Jahrh. Seiten-
Beschwer, pleuresls genannt, Louic. 2m; Kr. Kr. B. 356.
470), 1. = die sebmerzhafte Pleuropneumonia
(Lungen-, Rippenfell - Entzündung). — 2. =
Brustschmerz überhaupt (schwären<le Seiten).
— (1618) 5<-MC>/ft«-GrBChwär (Beschwer der scwrlln
— luxus phlegtnonosus tixus, Parncelsus; Pr. II, 76) =
ein syphilitisches Geschwür mit Inkaler Phleg-
mone und kleineren syphilit. Papeln (s. Seuren)
in der Umgebung. — (15»1) Sp< ■';-<;■ schwär =
«He in Eiterung übergehende Speck beule der
Haut (Steatoma) (Tabern.). — Stein -Geschwär,
-Schwären (1582 sleingeschwer. I.onlc 117; ndl. stecn
xwercu, V. K. IX, 95; I»e C'ock 264. 86A), 1. = Blasen-
eiterung durch Steinleiden. — 2. - Nagelkuppon
(clous), Nagelgaten, Panaritium, als zuerst
steinharte Anschwellung (Blutschwär). — [1M1J
»linkendes Grschwär = Ozaena, Polypus narium,
eine übelriechende, geschwürige Nasenkrank-
heit (Plctor. »2h — umfreuendes Grschwär (1582
umbfresseudes geschwer — höllisches Keuer. Lonic. 37)
= eine um sich greifende Vereiterung (Phleg-
mone, Schanker, Krebs). — (1582) unzeitiges Gc-
Bchwär ■ zur Abscessbddung (Eröü'nung) noch
n)<*ht genügend reifes (s. d.) (Jescbwär (l.onic.
Iit7). — vergiftigrs Grschwär - s. giftiges Ge-
s.hwär. — irrschwären (mhd. rersWCm, I.exer
333; 1512 v schweren o. eyteren = suppurare, D. 568)
■ unter starker Eiterung vernarben oder ganz
und gar eitrig, geschwürig werden z. B. trr-
schworene Mandeln — «eschwflrige Mandeln.
— (1756) Wasser - G. schwärlein = s. Kopfge-
schwärlein = kleine Wärzchen, die eine scharfe
Flüssigkeit secernieren (A. v. II. II, 741) (Frarn-
boisia?). — rl'ttnden-Schwär, m. ( mhd. wunden
«wer, Leser 894) — Schmelz an einer eitermlen
Wunde. — Zahn- Schwär (-Grschwär) (abd
zand-swer. Graft VI, BW; 126o zantswern, Pfeiffer 32;
mndl. tantsweere, de Vr. 18; mhd. zanlswer, Lcxcr
397; 1477 der zansebwer, Ortolf; r.andswer, Schindler
II, 646; tnnd. thenc sweren - patulls, Mag Barth ssh;
1530, 1537 zangesehwer — parulis, Jahn II; D. 414;
Vilm, zweeringen der tanden, Gurlt II, 139; 1554, ndl.
Undt-sweer. taut-swere, -swerunge = Ulcus dcntlum.
D. 625; De Cock 161. 168), 1. = Parulis, schmerz-
haftes Beinhautgescbwär mit Eiterbildung (engl,
frum boil) (s. (iaumenbeule) (Dornbl. 50); das
Zahn -Schwär wild durch Besprechung (UM) be-
handelt wie der Zahnschmerz und das Zahnweh, weil
dämonlslisch durch den Zahnwurm (s. d.) veranlasst
angenommen (Pfeiffer 32). — 2. = Zahnschmerz
überhaupt; auch er wird besprochen (De t'oek 1. cit.).
— Zahnfleisch- Grschwäl (15J2 geschwer des Zahn-
fleischs, Fries 85) =» Parulis, Zabngeschwär. —
(1591) leitiges Grschwär (zeittig ghesebwer, Seb. Hl ;
I nad. Jun. 386) = ein z. Aufbrechen reifer Abscess.
I — zu-schwären = das Verkleben der schwären-
! den, eiternden Flächen, i. B. Augenlider. —
! Schwär- (Grschwär-, schwärend[r,cr,r«]) Auge,
• Bützlein, -Hinterer, -Lungen, -Magen, -Ohren,
Seiten, s. auch Schwttr, Geschwür.
schwärmen s. Schwärm.
Schwärze, f. s. schwarz.
Schwätigkeit b. Schwadern.
schwätzen (schwatzen, Schwätze) (laut-
malendes Wort; germ. swulh; angls. swagod Iba earan
> — tbe ears sound, Cock. III, 8*. 89; mhd. swaderen «s
rauschen, klapperti; mhd. «wetzen, swaz, m., Kluge*,
341), 1. = plappernd (klappernd) reden, unüber-
legt, sinnlos reden. — 2 = rauschend schwatzen-
den Stuhlgang haben. — Schwätzen, f. ■ die
Kinderdiarrhoe (o.- Pfalz). — geschwätzig =
fatuns loquax. — Geschwätzigkeit = Poly-
phrasis, ein Sprachfehler, wobei die Betreffen-
den (meist Kinder und Greise) unaufhörlich
reden ohne das, was sie schwätzen, zu ver-
stehen. — über den Berg schwatzen (Ä. V.-Bt,
1896, 8. 118) — Fieber - Geschwätz - Delirium
(Gr. W. Hl, P,2l), sinnloses Plaudern beim Fieber,
so reden, „aufreden", als ob man mit einem
Abwesenden spräche oder mit einem Berg«
männlein streite (s. d.) mit nach aufwärts gcgt'ii
die Zimmerdecke gerichtetem Blicke.
Schwager, tn. (entstellt aus Schwapper [Nürnberg],
Schmeller II, 626) = der schwappende Fettwulst
unterm Kinn.
Schwalbe, f- (der gem. -germ. Vogel, welcher Im
Volksglauben die Gestalt eines geflügelten Klben ist,
der zum Volke der Krau Holle [Klbcnschwarm] gehört).
— die Schwalben kommen -die Elben bringen
ein Kind aus den» Schwalben-Neste (s. d.). —
Schwalben - Nest.
Schwalch, m. (mhd. swalch s Schlund, siehe
I schwelgen).
SChwalen - schwären (Schmeller II, 119).
Schwamm, m. (Schwammen, tn Schwam-
pen) (zu schwimmen, gtrm. swtm; g"th. »wams,
Kluge», 340. 342; angls. svatn, Cock III, 338; altnor-l
svöppr, Z. f. d. A. 1H8.S, S 275, ahd- swam — malum,
malannum, Mullh. u. Scher. IV, 7, S. 11 [s. übles
Jahr]; swamb = tnber, fungui. H Z XV, 16;
11. Jahrb. suam = fungus, B. Z. III, 3C5; mbd. «warn,
swamp = da* poröse Pflanzengebilde , das auf dem
Meeresboden wachst und Im Wasser schwimmt; die
auf garenden Flüssigkeiten schwimmenden Pilze
[=s Schw Hainichen! ; dat Pflanzengebilde [fungus],
welches an Baumen wie ein 8cbwamm wuchert, mit
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014
Schwamm.
.Schwamm.
ihnen werden verglichen) : 1 . =s wuchernde, schwam-
mig sich anfühlende, stark an Umfang zu-
nehmende Gewächse, namentlich solche an den
Extremitäten (Knie) (Übersetz, des fungus, poru»,
Goldschm. 91 ; mtl. pori - tuberova durities lunetuarum
arterinrum quae et lapldationes [= tophi] dlcunttir,
Du Cango VI, 115] MM iwoin — Fcigwarxc, Fr. I, 107;
1182 swamm = tuber, fnflatto pectoris, schwammige*
Brustdrüseugewacbs, Zoning. Vor. (17; 1483 swamp
= Felgwarxen, Pr. I, 371; 1483 swaemme die Im leib
de» menschen nagen, C, v. Megenbg. = Markacbwamm
als Mark wurm [». d.); 15. Jahrb.. swamp = flangus
[fungus], D. 641; II, 17«i; 1512 schwamm = Brustkrebs,
l). 600; UM schwamm = talpa [MaulwurfgesehwulstJ,
Gurlt III, 236; 157 ü schwammen: „wenn nach der
heilung der wunden nachfolgend* warxen heraus-
wachsen und aus demselben get ein gowachs auf 2, 3
oder 4 Pfd. mehr oder weniger, hanget gleich dem
geleich au wie elu schwammen an einem Itaum, stinket
und ist löcherig", Theophr. Bod. ; 1592 Schwamm —
Kuleschwamm beim Pferde, Seb. 177; 1615 schwemme,
schwammen, Coler, K. 3-'»«; H. A. 128 = aphtbae,
oidtum albicans, Soor weisse Bratine, 171"» Schwamchcn
oder der Fosx [s. d ], Janus 1897, S. 106, 1742 schwamm
= Augenhöhlen-Gewächs, Zw. 183; i; s, schwamm =
fungus, wie ein Schwamm anzugreifender Auswuchs,
A. v. H. II, 61'.); 178.3 schwamm = fungus, sarcoma,
Platner I, 35); demnach: zur Wucherung und Aus-
dehnung geneigtes, meist derheres Gebilde des
menschlichen oder tierischen Körpers: Tumor
fungosus (Fungus, o^5>yy°'> "itöffo; = spongia,
PUz, Koth201): a) bösartiges Bi'ii8tili Usengewächs;
b) Gliederschwainm (s. d.) und Beinschwamm,
Markschwamm, Stollcnschwamm ; c) 1O70— low»
Augenhöhlensarkom, Malum malannum (mal-
ampniim, s. übles Jahr) (oculorum morbus, ear-
bunculus, quem Francl per antlphraatin bonum Mutun-
num nomlnant; ipse orbis, lpsa supercilla uususque
sputlum suum a tumorc exeesseraul, Iota foclcs larglus
extuberabat, Du Gange V. 691; morbi Speeles, malum,
quod per anlipbrasiiu homines „bonum" appellant,
[et qiiod unius oculi lumen ahstulerat, 1. eod. I, 702 ;
14'iü le bou mal, malum bonum, ). c. V, 202; dasselbe
wachst wie ein Baumschwamm am Kopfe, s. Wackei-
nagel, Wessobrunner Gebet, Anhang «9, w o eine halb
lateinisch«, halb altdeutsche Beschwörungsformel da-
gegen mitgeteilt ist ; w eitere Besprcehungsformel siehe
Alemannia 1*98, S. 2<>5 u. Zeltschr. d. V. I. Volksk.
1898, S. 57); d) Krebsgewilchs und Bal«ge-
M-hwulst (Heyne V. 508) (Schwammkrehs); e) die
Blaseninole (1512 das die int molas, die weiber
den brand oder schwammen nennen, Heyne V, öO.s) ,
0 die Feigwarzen (mal malanV) (Peypers 7). —
2. = der Submaxillar-A bseess bei (sy phi I itischen)
Kindern als rasch an Umfang zunehmende, sich
vorwölbende Geschwulst. — 3. = die kleinen
Pilzgebilde, die auf der Mundschleimhaut
wuchern - Zungen- oder Mundschwämmchen
(Oidium albicans), fälschlich auch Aphthae
(s. Aphthen*) genannt (Soor) (franz. muguet
[= muscatl] — weisse Malblomchcn, Roth 33>i ; Wutlke
318; 1068 schwamm - ächwatnmeheu der Kinder, Beyn.
23«; 1783 schwampen = aphthae, I'latner I, 141). —
schwammicht = schwammgleich. — (17S5)
Schwamm«' heu, 1 = Schwamm 8 (J. P Frank
III, 2."»; Schwammgen = lacticlmina, Woyt 91). —
2. ■ die sogen. Traubenkörner am Hornhaut-
rande des Pferdeauges, welche (wie schwarze
.Moosflechten) am Auge schwarze Schleimhaut-
Hocken bilden (Falke II, 294). — (1460) Arsrh-
Schwämme (schwemme im arsx, Pr. I, 354. 556;
Gurlt II, 1%) = Feigwarzen, Condylomata —
/'iv - -Schwamm = die rote, kleinen Schwäroni-
chen gleiche Krdbeer-Poeke (Framboesia). —
(1750) Bein- Schwamm - Beingewäeh", llyper-
ostusis (A. v. U. II, 156). — (1483) fjriMfniff
Schwämme = schmerzhafte Gewächse am
Körper (c. v. Megbg.). — (1803) ZHwf-Schwamm,
I. — Fungus vasculosus, Cancer fungosus, Hae-
matonens, das einem mit Blut getränkten Bade-
schwamme ähnliche, blutreiche Krebs-Gewächs,
Markschwamm («. d), Aderkrebs (Behrend 69;
Chellus n, 379). — 2. = Teleangiectasia, eine aus
zahlreichen, erweiterten Kapillarblutgefasaen
bestehende, schwammarlige Neubildung. —
3. = der sogen. Kieferwurm beim Kindvieh, der
eine blutreiche, schwammige, granulierende
Masse am Kiefer veranlasst (Zipp. 579. &so). —
bösartige Schwämmchen ■ Maulfäule, aph-
thöse Maulseuclie (Falke I, 144). — (1612) Fleiseh-
Schwammen = Condylomata (Placques) oris
(Aphthae) (Gr. w. Iii, 1761). die Fleisch Wärzchen
bei der Syphilis der Mundhöhle. — Olied-
Schwamm, 1. = dasO«teosarkoma,ein wuchern-
des Knoehengewächs am Oberschenkel-Glied,
Lupia iuneturae (Kraus, E. 677 (seit 1676 durch
Wiesemann genauer unterschieden von 2. und 3.];
Ilaewer I. 640,i. — 2. = Tumor albus fungosus (I6c2
glldsehwam die feuchte vom g'aeder wasser. Gr. W.
IV, l. 1134), wobei die Innenfläche des Glieder
od. Gelenkes mit granulierenden, schwammiger.
Massen überzogen ist, bes. als Knicsehwamin
(s. d.) (Fei. Platner; Gurlt III, 170; Ackerm. 872). —
3. — die einfache Schleimbeutelentzündung am
Kniegelenke, Balggeschwulst, Bursitis prae-
patellaris, vom Laien oft mit 2 verwechselt. —
4. = das Uberbein =r porum in e<|tiis suprosum
i (Du Oitigo VI, 415; vom Menschen auf da» Pferd über-
j tragen) (Stollenschwamm). — Hirn -Schwamm
= Fungus durae matris, Sarcoma meilnllare
(Hoth 201; Mayer 98); Hirnkrebs. — Horn-
Schwamm = besonders stark wuchernde Haut-
schwiele (l'achyderma) (Falke I, 411). — (1668)
/TiMficr-Schwämmchen = Aphthae (k. ch. 25«;
Beyn 230), titirlaule, Schwamm 3. — (1831) Knie-
Schwamm, 1. = Gliedschwamm 1, 2, 3 (chellu*
II. 152); weisse Kniegelenks-Gesehw ulsl. — 2 =
eine am Vorderknie des Kindes oder Pferdes
auftretende Dermoidcysle (Förster II, 1063). —
(1831) .1/ - Schwamm - (Obcrsetzuugdcs) Fungus
medullaris, eine in Konsistenz und Farbe dem
Gehirnmarke ähnliche, krebsartige Neubildung
(weicher Krebs, Blutschwamm) (CbelttWlI, 374;
Behrend 69). — (1776) Maul-, Mund Schwämmchen
(ndl. uiuud-zwam, De COOJt 75), 1. = Oldllllll albi-
cans, iler die Mundhohle wie ein Schwamm aus-
kleidende Soorpilz (bei Menschen, fälschlich
Aphthae (Behrend 6; Krau«, E. 105). — 2. = die
Aphthen* [Maul- u. Klauen-, Aphthenseuche)
bei Kälbern und Lämmern). — 3. = Mandeln
als schwammartige Gebilde, Spongoi Hippokr.
(Fuchs 11, l»6). — 3 X nerm Schwämme (In prouxs
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Schwan— seil wanger.
Schwauggen — Schwappel. 61."»
Zauberform.; Krüchb. 35) = Hautausschläge aller
Art (8. Neun). — Nabt l- Schwamm = FungiiH
umbilicalis, der verschwärende und wuchernde
Xahelstumpf bei Neugeborenen (Roth 201). —
.">.'•••',', •. -Schwamm ech wammiger, weich.,
heulenförmiger Knollen- Auswuchs (entaitete
Stollenbeule, Hygrom) am Ellenbogen des
Pferdes , angeblich entstehend durch das
drflekende Aufliegen der Hufstollen am Ellen-
bogenknochen ; ist ein solcher am Hinterknie,
so heisst er Piphaeken (Abu«. 75), gatuba (const.
Africanus; Üu fange IV, 20. 21). — (1*145) Zungen-
Schwamme, 1. = Mundschwämmchen (Bikuml.
592). — i'. = Frosch, Kröte, Ranula unter der
Zunge (Coler. H. a. i2s). — Schwamm -Fleisch,
-Krebs.
Schwan, m. Wie der Storch (s. d.) — der In den
Lüften schwebende Seelenbote aus dem Hügelland«; '
daher; schwanen = Vorahnungen, Vorgefühle
haben wie der sterbende Schwan, der singt
(.,das SchIcksaUwort der Scbwanmltdchen trtot im
Schwanengesaug aus den Lüften", Golth. 115; Schwan
verwandt zu [Int.] souaro [svonarc]. Kluge», 340). —
Schwan^wJ-i/a/«, -Kinder.
schwanger (lodogerm. swenk, sweng; augls.
* wongor — schwerfällig, trage, Kluge \ 310; ahd.
»wangar - trächtig, gravida, Graft VI, 887; uangrera
= praegnans, IL Z. III, 461; mhd. swanger - vom
Manne befruchtet ; 1424 swangcl = gravlda, Schroeller
II, 638 ; 15. Jahrb. swaugher Imprcgnata, 1» II, 212;
1482 swanger — gravlda, Zenlng. Voc. ff 7; Island,
svangr = jejunuH, Schmcller II, 6:18; dun. svanger;
holl. swanger: die sich im Mutterleib« entwickelnde
Frucht macht, das« die Krau Ihren Schwerpunkt verlegt
und eine trägere , schwerfalligere Uangart annimmt,
..Kchwangcr geht", welcher kennzeichnende t'mslund
zur Bezeichnung der Uefruchtung genommen wurde);
daher: mit einem Kinde schwanger „gehen":
1. = schwanger sein (Gr. W. V, 709). — 2. -
schwanger gewesen sein, im Wochenbette sein
(coler, 11. A. 18«). — schwangern = mit einer
Frucht versehen, befruchten. — schwangerhaft
[1613 swangerhaft. H. Sachs) -=gravi<la. — Schwan
gerheit, -Schaft (ndl. Zwangerschaft ; 1(112 »williger-
heit, H. Sachs) = der Zustand des schwanger
Seins und Werdens, (i rosse *, grossesse. — (1822)
^Schwangerschaft s. Baiichempfängnis
= Entwicklung der Frucht innerhalb der Hauch-
hohle, nicht in der Gebärmutter (Helm 387). —
cw/SChwängern = gravidifate liberare, von der
Frucht entbinden («ir. W. III , 615). — falsche
Schwangerschaft, Schwängerung, 1. = An-
schwellungen d. Mutterleibes durch Schwanger- .
schaft vortäuschende Geschwülste, z. B. Eier- '
stock- Wassersucht etc. (Ploss-Bartels I, 675). —
2. = eingebildete Schwangerschaft, grossesse !
nerveuse. — hoch- O/ro»»)- schwanger = in sicht-
bar vorgerückter Schwangerschaft befindlich,
wobei die fruchttragende Gebärmutter bis über
Nabelhohe steht (Gr. \v. iv, 2. 1632) (s. tragen).
— kindes schwanger (mhd. kindets wanger. Gr. W.
V, 709) = mit einem Kinde Bchwanger sein. —
(1740) tniss- schwanger - falsch schwanger (1. 2)
abortierend (Seit* i, 1*7). — siheinbare Schwan-
gerschaft = falsche Schwangerschaft. — Über-
Schwängerung ~ Superfoetatio - eine über eine
bereits erfolgte 1. Schwitugerung hinaus einge-
tretene 2. Empfängnis, wobei das erstbefruchtete
Ei sich noch in der Gebärmutterhöhle befindet
uud eine sogen. Decidua sich schon ausgebildet
hatte. — Schwangerschafts-Ararbcri.
Schwanggen, pl. Schwank, m. - das schwan-
kend sich hin und her bewegende Scrotum
(Hodensack) (Hintner 8. 10). — Kiter- Schwank
(1674; üurlt III. 150) ^ Empyema, der in der Brust-
höhle sich hin und her bewegende Eitererguss.
Schwanz, m. (zu schwingen [swangezen, swnnk-
zenl, Kluge*, 340; mhd. swanz, Leser 259 = nach-
hangendes Knde dos Tierkörpers, IL v. Gersd. 13 ; ahd.
zagel ',s. d.]; 15. Jahrb. wem sein schwantz wee tu von
frawn oder sunst, Schmeller; 1455 schwänz, Schmeller
II, 642; 1518 schwantz — penls ; 1537 schwänz = priapus
D. 459). 1. = Zagel, Penis (Caults, coles [oidj, Qanda;
ital. coda; altfranz. coue, la nneue, Hyrtl. K. W. 111.
171. Schmeller II, 642; Briss. 28 [s. Pinsel). — 2. =
(1677) Steissbeinspitze (Heyn. 233; Schw. 629) als
Ende ttes Rückgrats am Sehwanzbein (Abbildung
In Wledersheim, Bau des Menschen S. 23. 25). — 3. =
sehniges Muskel- Ende (blbl. Med. 114). — 4. =
ein tölpelhafter, hin und her schwankender
Mensch (Gimpel, s. d.) (Llebrccht, z. Volksk. 497).
— 5. = der haarige Tierschweif. — 6. — der
Frauenzopf (s. Säldenschwanz) (1400 Cauda um-
Herum, Schm. II, 642). — 7. = damit Verglichenes
(Däoionensehweif). — Schwanzer, m. = „Schaf
mit gestutztem Schweife" (Schmeller 11, 643). —
Schwänzel, n. = schwankend machendes
Schwindelgefühl (1. cod.). — Alp-8chw&M =
(Schlesien) = Wichtelzopf (Itochh. I, 333). — Fett-
Schwanz - lokale Fettsucht am Schweife der
Tiere (Leukart Iii). — Haar- Schwanz = eine
Weiterbildung des den embryonalen Steiss-
höcker bedeckenden Haarwirbels in der bei-
läufigen Form eines Haarschweifes, wie er den
Faunen und Satyren zugelegt wurde (Meyer,
Konv. Lex. XV, 697). — Rage- {Hägel-, Heigel )
Schwanz = Oehsenfisel (Birlinger, Sagen I, 127).
(I6i2) M ■ \tx h Schwanz = Sehne am Muskel
(*. Mau«) (Hyrtl, K. W. 4»). — Ratten-, Rutzen-
Schwanz, 1. = der kurze, meist durch Haut-
krankheiten von Haaren entblösste Pferde-
Bchweif bei sogen. Nassauern, Alopecia s. Hip-
puris Hipp. — 2. = schrundige, haarentblönsle
Stelle an den Hinterfflssen des Pferdes (siebe
Gräte 2) 11716, »ir. W. VIII, 2t»8). — Srt/'iYn- Schwanz
(bei Gottfr. v. Strassburg: der naeldeu swanz dich hat
al umbevmigen [Schm. II. 641], biet wohl in edlerem
Sinne gebraucht) (s. Suldentost) - Schwanz 6. - -
Schlapp- Schwanz, 1. =derTräger eines Schladen
Schwelle«. — 2. = schlaffer Mensch (H. Paul SM).
— stier - schwänzig = schwermütig (warum?)
(Bück 14). — Stutz- Schwanz = ein Pferd oder
Kind mit gekürztem Schweif (Mutz 2). — H'o//*-
Schwanz-^das dem Wehrwolfe (s. d.) im Volks-
glauben zugeschriebene Steissbein.schwänzcben
(Schwanz 2) (\Vuttke260). — Schwanz Ader,- Hein,
-Unke, Kappe, -Kolben, -Kopf , -Maisch, -Räude,
■Schäbigkeit, ■ Wurzel.
Schwappel, f. schwappen, schweppen (ton-
muleudes Wort, das den klatscheüduu Wellenschlag be-
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Gl« Schwann— schwarz.
zeichnen soll -in schwankender, zitternder Bewegung
»ein [bei Flüssigkeiten], mit einer Kolchen sich ergicssen.
Heyne V. 613; vgl. mhd. sweibeln). — Schwappel, f.
— schwankend sich bewegende, weiblich«, dicke
l'erson (Spicss Ii, 229). — schwappelig, f. 1. =
schwankend ans Ohnmacht, inagensehwach
[C t. Schra. 486; Erbe 40; conf. angls. geswowung =
syncope, (ock. II, 3«). — 2. = aufgedunsen, schlot-
terig, Schlatt', looker (vom Muskelfleisch) (Spless
Ii, m. - 3. = fluktuierend. - Schwapp- A der.
Schwärm, na. (saaskr. *var= schwirren, rauschen;
Wurzel swer; ahd. swaram; mhd. swarm, Kluge*, 340.
343; angU. «Winnen, Cock. II, 408; 17. Jahrb. schwärm,
R. A 46), 1. = die wilde Aufregung und der
(.auftrieb b. Pferdckoller. — 2. = das fliegende,
«Ibische Ungeziefer, das die fieberhafte Pest
(s. d.) in den Schwarmzeiten bringen sollte nacb
früherem Volksglauben. — [u;v>) schwärmen,
L - delirare ex mania b. insania (Coler, Ii. a. 89).
— 2. = im Schwärm erscheinen, bei Sehstö-
rungen, Klimmern vor den Augen (Heyn.*, 78). —
Schwärm Zeit.
Schwarte, f. («em-germ. «ward = Decke, Haut
[behaart!; mhd. swarte, f = behaarte, dicke Haut,
callus, cutis lardl, D. II, 07; 1420, ndd. die swaerde m
cerebellum, I). 114; engl. «ward, bully coat, Dornbl. 22J,
1. = menschliche Haut (Kluge*, 310; C. v. Schin.
48ö; Gr. W. I, 108'.). — 2. = behaarte, menschliche
Kopfhaut, Galea aponeurotica eranii, Cervix
(Had. Jun. 27) und behaarte Stelle am Korper
(Wustmann 432). — 3. = das Speckhftutlein im
AderlaBsblnte, Crusta phlogistica (Lcxer 260). —
4. = behaarte Tierhaut (Unier*chled von Fell, Haut,
Balg; i. Gr. w. 111. 1496). — die Schwarte kracht
= wie eine Pergamenthant dürr sein, Hunaer
leiden (Spie»» II, 230). — (1610) tfaar-Schwarte
= Kopfschwaite, auf der die Haare wachsen
(Gr. w. iv, 2. 37). — Haupt- (Kopf-) Schwarte
(mhd. baubct-swarte, I.exer 106) =» Schwarte 2. —
Kindts- Schwarte (mhd. kindes swanen, Gr. W. II,
2088) — kindliche Kopfhaut.
schwarz, Schwarz, n. Schwärze, f. IKcui Kenn,
swart, sword = dunkel ; engl, swarth — du» dunkle Ge-
spenst; forcawart = schwüre vor den Augeu vor Er-
schöpfung, Kaltschm. I; abd. suerza — ui< lanterla,
1). 364; II, 249 = da« die BrodM-ucbeii erwagende
schwärzliche Mutterkorn ; mhd. swarz - dunkelfarbig,
die dunkelste Farbe habend, Kluge*, 3IU, schwarz wie
die Nacht oder die Wolken, hAsslich wie ein Fremder,
Knechtischer, Unfreier [bei den Nordgermanen], Wein-
hold 31. 182, im Gegensätze zu weiss, blond und rot
[beim Blut z. B.]); eine auffalleud oft verwendete
Farbenbezeichnuug bei Krankheltsnamen, um Häus-
liches, Missgestaltetcs, Brandiges auszudrücken,
w obei SChwarZ oft = braun und blau (s. d. ; bei
gangränösen, brandigen Stellen; s. Farbe). —
Schwarzen, pl. (13. Jahrb. un muze mich blcrlzen
vor den svarcen, Sitz. Ber. 1867, 7) = Dämonen in
schwärt. Uestalt, Nachtelben. — dasSchwarze,
1. = (vom Nagel) derSchmutz unterm Nagel (Gr. W.
VII, 258; Heyne V, 517). — 2. = (im Auge) l'upille
(Apfel; Kind!). — (18»7) Schwärzlingstum
(München. N. Nachr. 1897, 464, 8. 3) ■ Melanismus,
Neigung zu Ablagerung dunklen Pigments in
der Haut. — schwarz vor den Augen = dunkel,
schwatzen— schweiben.
licbtempfindungBios, ohnmächtig, Skotodinia
Hippokr. — Schwärze, f. = der abnorme Zu-
stand des Schwarzen oder BlauBchwarzen,
z. B. das Brandige beim persischen Feuer und
Anthrax (1626 . . . schwertze das ist ein gewiss
xeyeben anlhracls. H. v. Gered. ; 1618 schwert«. f..
Paracelsus; Fr. I. 66; franz. le noir, ni.ule, niole.
Kniole = nlgclla — blauschwarze Beule, Brlss. 284). —
(1532) Angesichts Schvf&TZB, f. = Cyanosis, blatif
Gesichtsfarbe, Blausucht (Fries 95). — <i6i.;i
Augen Schwarz, n. = die Pupille (Hyrtl. k. w. sjj
— c> schwärzt = schwarz geworden fahd.suarz.-n.
angls. sweartlged [von Zahnen], Cock. III, 101). —
(1760) ZäJim Schwartze = der schwarzfarbig.-
Zustand der Zahne (s. schwarze Zähne) (Beyn.*.
15). — (1687) Zungen -Schwärze, 1. = die bräun-
lich belegte Zunge (BrAune) (Georg. 3S8). —2 =
die schwarze Zunge (s. d.). — schwarz (e, er, es)
Ader, Angesicht, Apfel, Aussatz, Beule, Blatter,
Blutruhr, Bräune, Brand, Brandmauckc, Cholera,
Drüse*, erbrechen, Feuchtigkeit, Feuer, Fieber,
Galle, Qallsucht, Geblüt, Gelbsucht, Gicht, Harn
uinde, Haut, Herzbräune, Ranker*, Kindl,
Krankheit, Lungenschwindsucht, Materie, Melan-
cholie, Mond, Pocken, Pörpeln, Pustel, Renne,
Ring, Ruhr, Sand, Schaden, Schweiss, Spucken,
Stanr, Sucht, Teufel, Tinte, Tod, Tolk, Tripper,
TUpfteitt, Umlauf, Wasser, II urrn, Zahn, Zigtu-
ner, Zirkel.
schwatzen s. schwätzen.
Schwebe, schweben - sich in oder auf dem
Wasser oder in der Luft hin- und herlx-wegcn wie die
1 Gespenster oder Traumgestalten. — Schweb-.4f/cr.
Schweder, Ol. (zu suehhau = odorari; auuehhado
- foetor, tiraff VI, 861 [Schweebat:, 1419 swad - vapor,
Sehmeiler II r.21 = das Blechende); da der Thymian,
die wohlriechende Blume, den Vergleich abgab für die
Thymusdrüse, so ist Schweder (Schwefer) [Cber-
setzuug der) (ilandula thymus (Schw. 630) = Bries,
Milch, Kalbsmilch.
SChweddern (Lippe; Fromm. VI, 182) ~ kraftlos,
schwankend einhergehen als kranker oder
schwacher Greis (*chwindeln).
Schwefel, m. (zu nhwsfeii, s. d.j. — schwefe-
liger Unjtut.
SChwefen (Bltindofc-erm, swep = schlafen [dazu:
Schwefel = „erstickender, tötender, einschläfernder
Stoff"], Kluge 311. angls. •wefnura Traumschlsf.
Cock. I, 70, ürvO1;, somnus; altnord. swaefa = ein-
schläfern). — Schwefer h. Schweiler.
Schwegele, n. (goth. swlgla = Pfeife ; angls. svegel
= lax [ = Docht a. querdar l»el Köder], Ze. 107; alid
snegala — n»tula [calamusj; mhd. swcgele = Pfeife, mit
der verglichen wird): dio lange Speiseröhre (Oeso-
phagus), welche «las Essen schwegelt, gleiten
lässt (aller Schweglcr ^ alter Schwede, Schmeller II,
628; Leier 260). - Schwell Bein.
schweiben (schweifen) t*u schwappen ; germ.
Bwlban, swail. = gehen, weichen, Flck 922; mhd. swei-
beln, Erbe 10) = schwanken, ohnmächtig n:edei-
Binken (Schw. 630). — ab Schweiben (ahd lUuuelpha
= purgamenta, Schmeller 1J, 626; (iraff VI, 901) =
nach unten entleeren, den Kot t. B. — ver-
schweiben - verwerfen, abortieren.
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■chweichen— Schwein.
Schweinen— schweißscn".
schweichen, -schwicht (*u ahd glsuibban =
languere, defleere; 1419»weken - labare; holl. zwikken,
Schindler 11, 623). — A> schweigen (schweichen)
— in Ohnmacht fallen (Schmeller II. 62:1; ahd.
blsulhhan = illa.jueare). — GVschwicht = ganz
ohnmächtiger Zustand (Schmeller, 1. c ). —
II U i: di ?i - Schwich(t) (IC Jahrb. »wich aln wunden,
Schmeller, 1. c.) = körperliche Bch Wiehe infolge
von Verwundung. (Hteher wohl norweg. [1770] »vis,
[1H.*; evek = cnglUche Krankheit, UHedcr*chwache,
dl«' da* Volk der Verhexung. dem SchrvckiiD machen-
den clblschen Dämon oder dem elblscheti Qerthoww
[». d , WuMrgclate), itwebreibt, Janu* lsu\ 8 165. 473.
178. 557).
Schweif in (germ. »walp; ahd. »weif; tuhd. »well
— der wedelnde, behaarte Schwanz der Tiere, der eine
nind umscblicKsemle, drehende Bewegung macht,
Kluge*, 311); mit demselbcu werden 1. = behaarte
Teile de« menschlichen Körpern, z. H. Steiss-
beinverlftngerung verglichen; weiterhin 2. =
Penis hominis (Schwanz s. d.). — 8. = Hinter-
teile beim Tiere (Falke II, 1531. — he r um schweifen
= bald da, bald dort erscheinen, z. Ii. Druse. —
Ratten-, Ratzen- Schweif = ein mit Ilaaren
spärlich besetzter PferdeBchweif mit dünner
Kftbe (Mayer 6. 48 ; Zipp. 96). — (160«) Sr A/jmSchweif
Penis (llyrtl. K. W. 173). — i n -schweifen (1692
verschweigen [von Stuten]. Beb. 281) (s. verschwel-
ben). — Schweif- Brand, -Schale.
Schweigen, n. 1. - (indog. »wtg »wik, »wiq
[zi'l&w — schwelge]; germ. twlf; ahd. «wigen; mhd.
swlgeu, Kluge*, 341; der Alptraum wird durch l'nter-
brechung des Schwelgens vertrieben ; wo ein Alp Ist,
Irlrtl geschwiegen, daher geht ein F.ngcl [Alpgclst] um,
wenn die Unterhaltung In der Gesellschaft »lockt,
Laistner II, 212). — 2. = 8. sebweichen. — Hexen-
Schweigen = die in den früheren Hexen-
prozessen häufig beobachtete Empfindung««
und Lautlosigkeit der gefolterterten (hyste-
rischeti), angeblichen Hexen ((iartenlaube IBM,
8. 314; Stummhclt und sonstige Sprachfehler sehrleb
der Volksglaube dämonenhaften Flntiusscn zu [stumme
Holden, lispelnde Schwester, Teufel etc.]). — Schwei-
gende Holden.
Schweimel, m. (zu »chwlmmeln) = schwindeln
«= Schwindel, Zips.
schweimezen ■ BfltN schwanken od. Schwin-
del haben.
Schwein, n. (urgerm. »uina, swina = Ferkel,
Junge» Schwein , das vorzugsweise geschlachtet und
damit öfter benannt wurde als das Mutlerschwein sü
[Zuchtschwciti]; ahd.. mhd. »wln * Schwein; das be-
kannte, äusserst fruchtbare, gezähmte, unreinliche,
langsehnauzige, klelnftug. Iiorslentler gab zu manchem
Vergleiche Veranlassung ; nach dem Volksglauben Im
Bergi-ehen haben die ethischen Zwerge Kinder In
Schwcinchcnge-stalt, welche die Mcn-cheii trauen Ȋugen
und aufziehen = clblsehe, missgestaltete Kinder mit
Bchwcitmähnen). — |15o9j französische Schweine
— finnige Schweine, deren Kinnenblitschen man
mit syphilitischen Pusteln verwechselte, da
man auch Syphilis der Tiere annahm (Fr. II, IM).
— Schwein^, s)Auge, Aussatz, Beule, -Barste,
-Cholera, -Fieber*, -Finne, -Hals, -Kopf u.',
Krankheit, -Kreuz, Laut, Ohren, -Pc*f, -Pfinne,
■Plnije, -Pocken, -Räude, -Rotlauf, Rüssel,
-Sehelm, Seuche, Sterben, Sucht, -Tod, Typhus,
— Verfangen, ■ Versterben, -Zähne.
Schweinen, Schweine, f. (wie ou» mhd. »win =
ßcbweln wnrde. so aus mhd. swlneti [»chwlndenl ;
18.— 14. Jabrh svlncn = marecscere ]D. Mt>). stiel»
schweluen; ahd. »ueinan, awinan) = abnehmen,
durch Krankheitod. Schwäche verzehrt werden,
schrumpfen, mager werden, ohnmächtig werden,
schwinden (s. d.). — (1501) die Krankheit
schweint = sie nimmt ab, wie der Mond und
die Mondsucht (tir. w. vi, 2.M2). — (1756) Schwei-
nen, n. = das Masierwerdon , Kleinerwerdet»
(a. v. h. Ii. 433). — (l*. Jabrh.) Schweine, f.
(Schwinne, Schwinde), 1. — der Zustand des
Schwindens, Abnehmens (Schwaben) der (Glieder,
des Körpers (Birllnger I, 449; <;. v. Schm. «Mi
Buck 62). — 2. = der schwindende Körperteil
Belbst (Birllnger, Volkst. I. 207; Kuhn, Zcllschr. f.
vergi. sprach», xiii, ei). — Schweinung (Schw ei-
ning), 1. = der Zustand deB Abnehmen«, Schw in-
dens (Buck 15). — 2. - ein solcher Zustand beim
Pferde (Buck 47). — schweinig - schwindend.
— (1591) gälte Schweinung = Nekroai«, Spha-
celus, trockenbrandiges, schnelles Absterben,
Seilwinden eines Gliedes (Und. Jnn. 385). — (1591)
0/irtl«-Schweinung-das Abnehmen u. Mager-
werden eines Korperteils (Had. Jun 3*5; A. v. n.
I, 138). — (1576) hirn- schweinig = am Hirn-
schwund leidend (Gr. W. IV, 2. 1562). — (1616) huef-
schweinig = der infolge von Hüflleiden (Coxitis
chron.) am Schenkel schwindet, mager wird
(Zeltschr. d. Ver. f. Volksk. 1894, S. 44S). — Serven-
Schweinen = Nervenschwund (Buck 15). —
ifi4cA«i»wirA*-Schweinen = Tabes dors. (Buck \h).
— irr- gehweinen = verschwinden, verbeten
(Schmeller II. 634. 635). — BChweinend (r, er, es)
Drilsenschäden, Ettich, Etticum, Glieder, Räude,
Siechtag, Sucht, Zunehmen.
schweis8en, Schweiss, m. schwitzen.
Schwitz, m. (urlndogerm. »Wold, swtd (sudor,
svoidos], „eine gem. • lndogerm. Wurzel für frieren
fehlt*'. Kluge; germ. swft. sualt; ahd. swelz = Schwel»»
[suodor], awizzen - schwitzen (sudure), suelzjan a»
»ehweisseti, Uran VI, 907; angt». swal, geswal =
Schweis», Blut ;i ock. II, as7. 407], swueten - schu ltzen ;
mbd. »welz - Schwel** [sudor], Blut [cruor, »angul»].
iwlts sudor, I.exer26;f; »witzen = schwitzen, schwels-
»en. bluten [Kluge», Ml. 343], »weizen - bluten, I.exer
MO; 1168 »ch weiss, aweycz, »weis» = Blut ausserhalb
de» lelbs [cruor], D. 159; II, 121; 1483 ich weis» = Blut
de» Menschen, C. v. Megbg. ; awal» = AderlassMut,
Schmeller II, 849; tsländ. »veltl = Blut von Menschen
und Tieren, 1 eod ; engl, sweat; «chwed. »vett ; da«,
»ved; holl. zweet; iranz. la »ueur, les sueur»).
Schweiss, m. Schweisse, pl. und Schwitz, m.
1. = Schweiss bei Menschen und Tieren als
natürliche Ausdünstung u. Sekretion inTropfen-
form durch die Scbweisslöcher der Haut. Vom
arbeitenden Volke wird der Schweiss oft als ein Zeichen
der Schwäche und Knnüdung. auch als Vor/elcben
de» durch Uesen veranlagten Schlage, angesehen
(Kraus, süd-biv. llexengl. 22). — 2. - das aus
| Wunden quellende, au* dem sogen. Seh weiss-
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schweissen.
schweissen
kästen durch dia sogen. SchweisBader auf die
äussere Haut »sende (ausgeschwitzte)
Blut (In der Jägersprache), Cruor, aber auch vom
nahmen Haustiere und Menschen (Sehmeiler II.
MO; Gr. W. III, HC6). — 3. = Krankheit (engl
Schweis«). — 4. = eine Krankheit des Rind-
viehs (Heyne V, 525) (welche?) vermutlich - Blut
(Schweis« 2), Lendenblut, Ruckenblut («. d.) —
Schweisse, pl. = öfters wiederkelirende Aus-
brüche von Schweissahsonderunp. — (1ÜSSF1 durch
Schwiz passieren — eine Schwitzkur oder eine
Sch weissheber-K rankheit durchmachen (Ulustr.
Ztg. is;n\, Nr. 2715, 8. 16'.) ; conf. le pays de Suerie, le
bain de rapeur = Schwitzkur bei Syphilis (Briss.
187). — schwitzen und schweissen, 1. = Flüssig-
keit, Schweis« oder Blut von sich geben (wird
besprochen In einem Wassersegen, Schweiler II, 650).
— durch die Rippen schwitzen ■ auf natur-
lichem Wege, aber mit Ansti engung etwas ab-
son.lern (Gr. W. VIII. 1029). - 2 = WaBser lassen
bei Tieren (Schm. II, 6.50). — 3 = hei«s werden,
sich entzünden , schmerzen (In volgtlandischen
Besprechungsformeln, «. B. von Zahnen, Z. d. V. f.
Volksk. ]»95, 8. 6 u. 20). — Schweisslein. 1. =
Schweis» 2, junges Blut, Kind (Schm. II, 649; Heyne
V, v.>6 it.). — 2 = gelinder Schweifte (Hidrotion),
Ephidrosis Hippokr. (Kraus, E. »67; Fuchs II, 2). —
8Chwei8Sig, schwitzig (ahd. »tielzi* = aiidotns;
sualzlge — succlnus, «raff VI, 908; D. 563; mhd. swelzic
— vom Schweins und vom Bluie nass, l.exer2Cl), 1. =
Schweis« haben«), vom Schwei«« nicht gereinigt.
— 2 = blutig (C. v. Schm. 485; Sehmeller II. f. *)-
— Schweissheit (15. Jahrh. sweyssheit = sudositas.
D. 694) = der sehweissige ZtiHtand. — schweis-
seln, schwitzein = et« as nach Schweis.« riechen.
— (1645) A n</«f- Schweiss = der Sch weiss eines
f.. B im Alptraum beängstigten od. Sterbenden,
durch psychische (tirosshirn-)EinflttlM hervor-
gebracht (Heyne V, 520; t'olcr, I'. 50ti; Lal«tner II,
:si6, Kntnuel 44 n. 196; holl. angst nract; sch« ed. Xngest
svett; däu. angest sved). — .-I ugrn - Sch W e i SS = der
an der Haut unter den Augen sehr bald auf-
tretende Sch weiss (Gr. w. I, Sil). — Am schwitz-
UJlg (ahd. uz Miizzlda - cgeatio. Urnff VI, 908; 1515
ausschwilzting = exsudatlo, D. 220; holl. ult «weeten;
(lau. udsvede; schwed. utsvetla) — ein durch die
inneren Poren des Korpers und der Eeihes-
hohlen austretendes Exsudat, Transsudat,
welches man als verdorbene Korpcrsafte auf-
fasste, deren Ausscheidung man nicht unter-
drücken (« d.) dürfe. — blauer Schweiss (1577
hlacuschiiyte — oscedo [Scharbock], l>. 102 [ Sputum
de oreV); holl. blau«riioult — blaue Hautdecken au den
Füssen [Skorbut], Schnurrer II, 20; Lcrech 196; 161»
blawschwlt, Coler. H. A. 138 0), 1. - eine meist an
den Augenlidern ausbrechende, seltene Form
von Hautausdünstung (Chromhidrosis), die
durch Pilze oder durch Kupfer- oder Eisensalze
(auch Indikan, Pyocyanin) eine blauliche, blau-
grüne Farbenntiance erhalt (Bänke, I'bysiol.*. 89;
Klcbh., Untera. I, 30). — 2. = S>korbutfleeken in
Form von blau durchscheinenden Blutpunkten
in der Haut. — Blut Schweiss (schwitzen) (IS 15
plulschw eis» = cruor; j.lut.'cLw cifun = mientnre,
D. 159). 1. - h.ul in flüssigtr Foim vergips» n;
Bl uttlms. — 2. - das bei Hyfcterisilun aus den
SchweiBHporen und den Hantblutgefassen drin-
gende Wutextravasat , da« man mit Schwei««
verwechselte (Haematidrosis) (Vierordt .19; Sam
197 u. Regist.; Eichh., Untera. I. »0; Niemeyer II. 439
745). — 3 = Purpura simplex, I*. haemorrhagies,
kleine Hatithlutungen, Blutflecken, die Krankheit
König Karl» IX. — 4. = durch rote Seit weis*farb-
- stotle verfarbter Schweis« (Ranke, PhjratoL', St)
— englischer Schweiss = der seit 148*> bekannt
! gewordene Sudor anglicus ppidemicu« <r>29 da.«
engelache Schwei» sowohl im vorsehynen 1528. Jahre
angangeu [Stralsund]; Christ. Meyer 102; 1529 sndor
epidcinialls quem Anglium voennt, J. <', Hasebrocanus .
Janus 1897, 8. 153; 1551, ndl. enge)«ch r.weet, Peijpen
XVIII; 1631 englischer Schweiss. Tabernaem. ; A. v. II
I, 91; K.99 v. M. II, 122). der aus England sich
pestartig ausbreitete und 1802 wiedergekehrte
Morbus miliaris, Febris miliaris, Febris suda-
toria brilannica, Eues anglica, Sudor anglicus
(Iran«, suette) (SchweisRUcht 3 u. Schweissßeber).
— er- SchwelSSen (mhd. ersweizen) = in Schweiss
geraten (I.exer 55). — Fuss - Schweiss , (MM]
I -schwitzen = die stark und Obel nach Fett-
säuren riechende Ausdünstung der Füsse
(Schweissfuss), deren Unterdrückung oder Stö-
rung als krankheiterzeugend noch im Volke
gilt (äebreyer 26). — galliger Schweiss = Sudor
feilen«, mit (iallefarb«tofT tingierter Schweiss
(Gr. W. IV, L UM; mlttcll. sudor croceus — Ictericia.
Heinrich 80); auch die Leberflecken galten als
Schweissllecken («. d.). — grüner Schweiss =
Chlorephidrosis = blauer Schweis« (Kraus, E. 225).
— (i79o) guter Schweiss - gelind eintretender,
anhaltender, gleichmitssiger, eine gute Krisis
der Krankheit herbeiführender Schweiss. —
— Hand - Schweiss (-Schwitzen) = die bei
manchen Menschen stärkere Hautausdünstung
auf der an Knftueldrüsen reicheren Hohlhand
(sehweissige Haude, Schweiss-Hand) (Birllnger
Volkst. I, 487). — Harn -Schweiss = Ausschei-
1 dung von Harnstoll'en durch die Hautporen,
Sndor urinOBtiB (Fuchs II, 434). — hektischer
Schweiss = die stark wässerige, colliquative
Hautausdünstung bei dem hektischen Fieber.
— kalte(r) Schweiss;» (1260) chalter swei*. FleitTcr
28; mnd. de kolt swet, Mag. Barth. 9>a; 14 Jahrh
kalder swelz, HorTni. I, 322; engl a COM sweat, chllly
sweat, <l(tt>. koldsved; schwed. kalUvelt) — die al>-
norm starke Sekretion des Hautschweisses bei
sn geringer Warmelieferting (A. v. II. I, 1250), die
Verdunslungskftlle macht sich der zufühlendeu
Hand dahei besonders bemerkbar, les sueurs
[ froides (Brl«s. 82) (Symploma hecticum). —
klebriger Schweiss - ein dicker, fettseifen-
reicher Schweins, der an der zufflhlenden Hand
anklebt. — kotiger Schweiss (1515 squalor. D. 5C<,
= Übelriechende Hautausiiünstttng. — (1531;
kranker Schwitz, (17B7J krankhaftet Schwitzen.
1. - Ephidrosis (Hippokr.), eine mit grossem
Kräfte Verluste verbundene Schweiss-Sekretion
(J. V, Frank XXIII). — 2. - kritischer Schweiss
(Krautw. LXXX1I1). — (17821 kritischer Schweiss,
1. ~ die in der Zeit des Teiiiperaturabfalles in
der Krisis s. d.) oder Entscheidung der Krank-
heit eintretende Hautausdünstung (M. It. L. I,
613). — 2 = der Schweis» in der sogen . Kiise
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sch weissen.
Schweiz — schwellen
beim sogen, animalen Magnetismus. — Müch-
Schweiss = eine (nach Fuchs II, 479) der Milch
an weisser Farbe, molkigem Gerüche und sfiss-
licbem Geschmacke ähnliche, flüssige Haut-
Sekretion, Chylidrosis (Krau*, K. 237), Galakl-
hidrosis (Roth 202', man nahm früher an, dass
sich dabei die Milch „verschlafen" (s. d.) habe.
— (l.>76) Morgen-, (17.*) AV/d-Schweiss, 1. = die
namentlich bei Hektischen morgens od. nachts
starker auftretenden, kalten Schweis*«* (A. v. H.
I, Vitt; Ackcrm. 63; Zeltschr. t. d. Phllol. XXVI, 216;
Theophr. Bo. ; engl, night »» tat, Lchf. 77). — 2. =
der Angstschweiaa beim nächtlichen Alptraum
(Lateiner I, 105). — (1592) Aasen -Schweiss, (1578)
-Schweissen ;iö. jahrh], -Schweissung Iieo»])
— Nasenbluten, Schweis» 2 (Seh. S22; *;uar. 878,
Register; Heyn. 13»; Gr. W. III, 415; Ann -Buch). —
(1576) natürlicher Schweiss = der normal (wohl-
tliAtikf) eintretende, gute Schweiss zum Unter-
schiede von dem unnatürlichen, hektischen,
kalten, klebrigen Schweisse (Thcophr. Bo. ; ffle-
mryer II, 169). — Picardischer Schweiss - eine
17 IS im Nieder- Seine -Departement (alte Pi-
canlie) beobachtete Schweissfriesel - Epidemie
(Lcr-ch 35«), suette des Picards (Pcljpers XVIII).
— »andiger Schweiss — tluutsand, Auschet-
dung eines Schweisses, nach dessen Verdunst-
ung sandahnliche (Giehlsalze) Körner auf der
Haut zurückbleiben (Fuchs 135). — (it>99) Schei-
dttnqs Schweiss. 1. = kritischer Schweiss (s. d.).
— 2. = Todessch weiss (v, M. II, 156). — (1783)
schmelzende Schweisse = wie Fett zertiiessende,
kolliquative Hautausdünstung beim Schwitz-
fieber der Hektiker (Sobernh. 129; E^lch 101). —
schtearzer Schweiss = Melanosis linuida, durch
Farbstoffe aus «lein Blute dunkelgefarhte Haut-
Sekretion (Fuchs II, 384). — (1618) Stinkend
schweissig — in der Hautausdünstung ühel-
riechend, wie es nach dem erfahrenen Meister Sehyl-
hanns diejenigen wan n , die an einem verworfenen
AderlasMage sich zur Ad' r gelassen hatten, II. v.
Ger»d. 20), Brotnidrosis [jspüiM.o'; = <ie«tank; tSoiü^
— Hehwci«»), Osmidrosis («ojitj — Cieruch). — Todes-
Schweiss ■ der kalte Schweiss eines Tot-
kranken o<ler Sterbenden, der in der Scheidung
lietrt (Heyne V, 52«'>), Symptoma exitus letalis. —
(1725) unnatürlicher Schweis* m eine von der
normalen Konsistenz durch Metiife oder Geruch
abweichende Hautausdünstuni: (Thes. «an Br. fty«;)
(Schweissfliifs z. B.). — unterdrui kter Schweiss
— eine durch äussere Einflüsse (t. B. Erkaltung
der Füsse) angeblich zurückgedrängte, zurück-
getretene Hautausdünstung, deren Verschwin-
den (les Bueurs rentrees) o ler Verminderung
zu anderen Krankheiten führen soll; durch Me-
dikamente, die diesen Schwei»« wiederbringen sollten,
wollte man auch letztere heilen (.Sobernheim Mo;
Stenern 11, 490). — (mhd.) (//-schwitzen ~ ver-
hititen (Lcxet 331) (Schweiss i). — Wochen-
Schweiss — die nach der Entbindung im
Wochenbette auftretende, reichliche Hautaua-
dttnstung der Wöchnerinnen (Eichh., l'utcrs. 1, 29).
— (1592) U'uW-Schweiss = das flüssige Sekret
aus der Wunde, Elter (D. 611; nach altem Volks-
glauben beginnen alte Wundnarben, Blutflecken, selbst
frische Wunden bei Ärger oder Gemutscm-gung zu
schwltzcu, d. h. Klüt zu ergiesscti [s. bruderliches Blut],
conf. Roman. Forsch. 1891, 8. 613). — zurückge-
tretener Schweiss = unterdrückter Schweiss
(s. d.). — Schweiss-, (Schwitzende]) -Ader,
•Auge, -Bläschen, -Blättcrlein, -Fenster, -Fieber,
-Flecken, -FIums, - Friedet, -Fuss, -Oat, -Hohle,
-Kasten, -Läuse, -Löcher, -Mase, -Pockchen,
■Qual, -Rohren, -Seuclie, -Sucht, -Zeit.
Schweiz, f. s. auch Schweiss (Sch wie). —
Schweizer- Kran kheit, -Kuh.
Schweich (Schwelger) (xu vorgerm. swelk , germ.
«weih, swelg; ohd. suelahau, swclgan ~ schlucken;
mhd. «weihen , swelgen — schlucken , verschlucken,
Klug«*, 311; «welch, swnlch - Schlund, Schw. 632;
H. Paul 406; 15. Jahrh. swelhn, H. Z. XX, 23; angls.
i «velgan , svelgnysse; holl. lnzwelgeu = schlucken,
V.-K. 1S97, 100; schwed. svalg, awuelja, dän. svaolg —
Schlund, Hachen; Island, svelgur — Abgrund, Kuhn I,
21C ; mit dem Balge der Schmiede werden die rhachl-
tischen Kinder in des Trolls Schwelg [Hachen] geblasen
[gebannt]. Jana« 1898. S. 473; norweg. troldets e vaeig
= Troll-Rachen). — schwelgen = verschlucken,
uninässig essen und trinken. — Schwelgung
= die Handlung des Schluckens, Wiirgens, Un-
willen (11*2 «welkung — nausea, Zenlng. Voc. pp. 1).
— Schweicher, m. = einer, der viele und grosse
Schlucke macht (Schm. II, 526). — rer- schwelgen
(angls. forswelgan, t ock. III, 100) = verschlucken.
schwelk (1710. Betti 1, 1%) = welk.
schwellen (Schwellung, Schwelle) (vorgerm.
«welos; germ. »well, «wel [Schwiele]; altn. svella =
schwellen; sullr, in. = Fussgeschwulst, Fick 923; ahd.
swellan ^ anschwellen, «wellt = Geschwulst, Grafl VI.
874; Sehmeiler II. 630; mhd. «welle, m. = tumor;
swellen ■ schwellen macheu; mnd. dat swel, «welle, f.
Geschwulst, Mag. Barth. 93a, 97b; alt«, swellan; Fick.
923; engl, to «well = schwellen; mhd. «wellen ■= an-
sehwellen und sehwellen machen, Kluge1, 312; 1117
eyn »wel - glanculium, I). II. 191; 1433 swel - talu*
[callus] in pede, D. 572; 1476 eyn swelle — bocio,
I I). 11,66; 1482 swel = apostema, l>rus«, Zening. Voc. f. 3 ;
14. — 15. Jahrh. dat swel, der swelen, J. f. nd. Spr.-F.
XV. 116), 1. = in gleichmassiger Rundung zu-
nehmen, z. B. am Leib, an den Füssen, Drüsen,
j Mandeln, Brüsten, Tumor, Botium, Boeium
(b. Bossen) (A. Fare), Struma (s. Kropf). — 2. =
s. Schwilm. — Schwellung (m. -engl, »wellyng,
Heinrich 3. 126 = tumor virgae; mnd. de «wellinghe,
Mag. Barth. 92a; ndl. »willinghe, De Cock 148; mhd.
«wellunge) = der Zustand oder die Handlung, der
Vorgang des diffusen SchwellenB durch patho-
logische Massenzunahme, engorgement, gleieh-
mässige Volumenvermehrung, z. B. durch Ent-
zündung, syphilitischen Frimftrafl'ekt oder
Wassersucht (Mag. Barth. 92 b, oder durch diu That
eines angenommenen Krankheitsdttmons, der meist als
rotfarbig bezeichnet wird, Z. d. V. f. V.-K. 1895, 8. 30).
— -4 der- SCh Wellen (angls. aeternum »wlle, Cock. II,
112; 14.— 15. Jahrh., mnd. so we an der äderen let
unde se eme »«eilet, J. f. nd. Spr.-F. XV, 116) =
Anschwellung der Bluluder nach dem Ader-
lasse. — an-, (1588 auf-) schwellen = intumes-
cere, enflure, siark an Umfang und Obettläche
des Körpers oder hestinimter Teile desselben
zunehmen (Gr. W. 1,462; Ami -Buch; augl». »»wollen,
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890
schwellen.
Schwende— schwer.
i oclc. II, M). — Brin- Geschwell (1500 ndd. eeu
been-gbenwel m crustumulus [crua + turacre), I). II,
121; eng), tbat been «wollen (or traueil, notariell
77) = Anschwellung am Beine, Fussgeschwell,
Fnssgesehw ulst, dicke Waden. — Baueh-
Schwellung (ahd. buehsuclli. firaff III, 42) m As-
cites, Cystovarinm , Graviditas. — Idau-
schwollen (ahd. pläwero geswollenero) = lividtH,
eyanoitsch aufgetrieben (Heyne I, 446). — Ulut-
Schwclle = Ulutspat durch Hlutaderschwellung
bei Pferden. — Brust- n\ schwell (angin, thaera
breosta gen well. Cock. 1,64; 1507 eyn geswell op die
bont staber, D. 6oo) - Anschwellung darefa Hrust-
rirüsenknoten. — D'uch- Schwellung (m -engl.
kw elll ii • in tbe thlgc s. In thles i. Dlecb, Helnr. 76 IT.
77) — Anschwellung am dicken Fleische des
Oberschenkels. — Drüsen- A , Schwellung =
IntumeBcentiii glandulären. — ent schwellen
(mhd. entschuttlen) = eine abnurme, di norme
Geschwulst machen (I.exer 47). — er- schwellen
(ahd. arnuelan, (irafl VI, 872) - obcallere, uuh dem
Innern hervorschwellen. — Fuss- G 'Schwelle
(angl*. fota ge»welle for miclan gange, Cock. I. ;!l ; 11,0;
15. Jahrb. gesehwelle der füsne vom gehen = boa
[Oehseuknle], tmnor pedum prae illnere. D. 77; ra.-Ddt.
voeton die teru ollen »In van gaenc, de Vr. 77; m -engl,
tbe »Welling« of feet a tumor tiblarum, Heinr. 77. iSU),
1. = Gelenkanschwellung (Karies) am Fusse,
königlicher Adl \ Fussadl". — 2. = Fussge-
schwulst. — Gaumen Gt schwell fangin. geomena
geitwclle = »Welling of tbe gnms, Lock. I, 370) = Pa-
rulis, Kpulis, Periostitis palati etc. — Ge-
schwell, n. ^ Geschwulst, Ge- schwellen , n.
Gr- Schwellung (ahd. ganuelan. (irafl VI. 872 =
obcallere, vollständig anschwellen auf der Haut, Oe-
»chwuNtblldung, Rruptto; angln, genwel = raucedo
cutis, Cock. III, 8; 14. Jabrh. geswellen [von Wunden),
Z. f. d. A. 1SS8, 112, 1421 gesuetle - boclo, bocla
[s. rönnen; = Holsgesehwulst; ; 1502 gc«plll ^ geswill.
D II, 56, 1512 genchweliung -turgor, I) HO.', 15. Jahrb.
gcnchwelen = puslulare. I). II, H. XVIII; 18'J2 Gc-
■chwollung = Satteldruck, Heb. isl ; \<Ah guschwcll —
apontema, Coler, H A. 251; ndl. gezwellen) = Ge-
■chwulst machen (De Cock 11. 295). — (15'.»2)
Gor/iröte-Grschwellen = Hodensaekgesehwulst
(beim Pferde, Seb. 182; mittelengl. the »Welling Ol «he
balloc<iues[ Hallen •). Heinr. 128). — Gr int Schwelle
(angin, grnndesvlllgc = tdroglas, Cock. 1, 180; II, 389;
III, 303; altengl. grouud «ttyllge; mittelengl. grounde-
swele; neu-eugl. ground*el — »cticcio, Heinrich 40 ff
41. 44; gruude«wllie ; guudac suelgne, »uelgiac gninde
■wyllge. D. 526; gründe nrylige, D. II, 335 m Grtut-
Kraut als Mittel gegen): die Hautsch wellung beim
(ji int (o. (jrund)(s.d.). — (1020) i/ross-yschwollen
— ein« Ktnrke liesch wuist machend (Trlfoni Adln.).
— //a/s-Schwellen [mnd. , 14. — 16, Jahrb. dat
»wellen In deine halse, J. I. nd. Spr.-F. XV, 121; 1417
cynhaKswel = jugulum, I). II, 223). I.- Halsdrnsun-
oder 2. = Schleimhautschwollung! Angina,
Struma. — i/eW-Schwellen (15. Jahrh swel In
der hant — boclo [bothrlum!, 1». 77J = («yplllht.)
llautverdickung in der Hohlhand. — (1692)
Hart -GfSChwellen (angin, beardum «wlle, Cock. II,
70; 1592; Seb. 170» = Überbein, Kxostosis. —
A'mV Schwollen, Gr Schwell (angln, cneowiwellan.
encow feswell, Cock. I, 8; 111,38) = Kniegeschwulst.
— /Top/ Schwellen (mnd., 11—15 Jahrh nvcllet
eme der 0Op van der blasen [Irin) 50 vlotet an der
nette [s. d] svarte stucke also etter unde blöd, J. I nd.
Spr F. XV, 121) — urämische Gesiehtsschwellung.
— jYro/>/"-Gcschwellen (ndl. kropge*w eilen) = die
Anschwellung des Halses durch einen Kropf
oder eine Halsdrfise (goitre; Königs- Adl',
-Übel) (De Cock 74. 296; Fosnel 159). — Kullev-
Schwellung (oltflAtn. twelllnghe der cullen, Ontlt II,
140) — llodengesch willst (s. Kullen). — Magen-
Schwellung (mndl. t ghexwel van der mögen, de Vr.
24; mlllelengl. »wellyng in the sloruake - tumor in
itomacho, Helnr. 71) = (iesch wulst im Magen. —
Ö/im-Grschwelle iangls. omena geswelle, Cock III,
42) = Kotlauf-l iesch willst (s. Ohm, S. 452 11. *}.
— ;'.>r<7cH.-i>»-Schweil fi*'3t» ; 'Jurit tu, st) = Pest-
bubo, F'estbeule. — Siha> ü-Schwellen n.
(angln, scancan »wellan, Cock III, 3») = Schenkel-
geschwulst. — Schlier-Gt schwellen mdl. klkr
ge/w eilen) = skrofulöse Halsdrösenansch w ellunir
mit Fiterung (s. St. Marcolf S. 3fWa) (De Cock
296). — (1681) Schrunden -Schwellung = eine
Anschwellung, die rerberstet und Schrunden
macht (Tabem ). — (1592) ventosisch Gcschwellen
(Seb. Iii) st die Anschwellung beim Winddnrn
= Spina ventosa. — (K.82) tcr-schwellen (mhd.
vernwcllen), 1. = durch Hunger und Abschwellen
krank machen (Lexer333). — 2. = unter Schlechter -
werden anschwellen. — (1507) voll schwells =
callosus (D. 91). mit Hautverdickunnen gmin
besetr.t. — (1577) wässerige Schwellung (udd
' wnterighe nwcllingb« = undlmia ;oedema], D. 026) ■■
durch Wasser (Oedema) erfolgte Anschwellung
am Leibe. — weisse Schwellung. I. - Glied-
si'hwamm, Tumor albus (engl, white »Meiling,
Lehl. 246) s. Geschwulst. — 2. ^ Phlegmasia alb»
14. — 15. Jahrh,, mnd. *o «elioh vrowe vorvroren is
an deine kindelbcdile dat »c nere hevet gedrunken
kolden dranck »o nvellet grot ene vote unde ene bene,
J. f. nd. Spr.-Forycb XV, 119] = weisse Schenkel-
goschwulst. — UintYr-Grschwellen a harte
Frostbeulen (ndl. wlnlergexwel, De Cock 301). —
H'urwi- Grschwell (angln, gewyrsmedum ge«welle
= tumour purolent, Cock. II, 6) = (Jeschwulst
mit Kit»-r, der Maden (s. d.) enthält. — zrr-
schwellen = aus»'inaiidcr8ch wellen. — Schwell-,
(ge-, zer-) schwollen (c, er, es) -Antlitz, -Batken,
-Ftissr, -Gicht, -llaitr*, -Hitze, -Hoden, -Kehle,
•Ltber*, -Leib, -Mandeln, -Merge, -Milch, Xabel,
•Rose, -Sock, -Schäden, -Sddund, -Schwindsucht,
-Sehr, • Wasser, ■ Wunde. — S. auch Schwollt u.
Schwirle,
Schwende, f. schwenden s. schwinden.
Schwengel, Iii. = nchwIngeiulenOerät, übertragen
auf Pen!« lllyrtl, K. W. 203).
Schwenke, f. (angln, swencean = schlagen, plagen .
midfota<llc ge»wenced, Cock. I, 12. III, 5; ahd. swenchan
= achlagen, Kluge*, 642; 1611 Schwenke) — (154K
entzündete, scrofulo.se Hautbeule, Drflsenbalg,
Dusel, Schlagbeule, Pannus (l'llnll) Phlegmone,
Atheroms (D. 410; Seb. 92; Uad. Jun. 383. 388, Ur.
W. II, 1438; 1741 Scbwencke, Kirsch 852).
Schwenzel, m. s. Schwan«.
schwer (Schwerde) (ahd. »wäri = whwer:
»warida- Ueschwerde; angl». sworetunge - oppresslo,
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schwer.
schwergeln— schwiddern. 621
Codt, I, 3tü, mhd swarc - ». Schwar ; swerde, B. —
einer, der beschwerenden Schmerz hat, Lexer 261;
mhd «wäre = erhebliches Gewicht habend [s. Schwar],
belastend, ungelenk), 1. = schwanger (s. d.), lang-
samer i>ew eglich in »ier vorgerückten Sch w anger-
sehaftszeit, gravida (r>07, ndl. iwAr van kynde
gemaicht = gravida; 1.VI7 »wer mit kind gemaeht,
Heyne V, 532). — 2. = drückend, beschwerlich,
%. B. das Schwer (seil. Gebrechen) = Kpilepsia
(schwere Not, schwere Krankheit, schweres
Gebrechen, schwere l'iag). — 3. = schwer dem
Gehalte nach (Heyne V..M3) ; seil werhlütig, melan-
cholisch von schwerem , dickem Blute (s. d),
welche Konstitutions-Anomalie sich in den sog.
schweren Familien als belastendes Moment
vererbt (i'aull 26); davon: 4. schwer - schwer-
mütig, melancholisch, im Gemüte belastet
(faull 6»). — 5. ^ schwierig, s. B. schwere Ge-
burt. — 6. =s. .Schwär. — Schwere, f. L - (mhd.
k»ln-j - (iewichtigkeit, Beschwerung, drückende
Art, Krankheitsbelastung. — 2. = (angl*. »wurc,
-wyra, -weora, m. = Nackin, Widerrist 2. wo dir Mb Wert
UM g. tragen wird, Cock. I, 110; 242; III. 109. 110;
«wioran. «»Iran = cladam elmladum = eervlx, Coek.
I. t XX LXXJVj ceutro Chondro?;, Cock. I, LXXl;
c.utro, vielleicht — ee«tro = Kuckuiels-el, Knochen-
harte am Nacken, «olumna vcrtebralis , Schneller II,
046;. — (1331) Schwerheit = beschwerlicher Zu-
stand.— A ton- .'.'schwerde = L>ruek beim Atem-
holen (Pyspnoea), Brustbeklemmung (schwerer
Atem). — Aug". /<• schwer' de.umg (15. Jahrh.
ouK.n«wcrde — obtalmla, 1). II. 272; 1696 aus< iiIm'-
»ehwerung. Schreyer I, 26) - Ophthalmia, Augen-
leiden. — Er schwerde (-schwerung, -schwer
Iiis) (mhd. b. «ward. ; IV Jahrh. beswernl-se, D. 366)
— drückende Last, Bedrückung, • Ippressio,
Molestia, das koiperl. Gefühl der Beschwerung.
— ' Schwert, 1. ~ (mhd. besweert, Schm. II, 638)
-gravi<l <. — 2. - (17. Jahrh.) beschwert am Ge-
blüte = schweres Blut (s. d.) habend, melan-
cholisch, s. schwer 3 (Fr. Kr. B. 348). — Brust-
Erschwerde (-Schwere [1742;) ■ Gravitas prae-
cordiorutn, Druckgefuhl aul der Brust (Ur. W.
U, «7; Zw. 123). — dünnneitige Erschwerung =
das Pruckgefühl in der l)ünne od Weiche unler
den kuizen Kip]»en, Hypoehondria (Gr. W. II,
1V>7). — 'f schwer, 1. = Beschwerde (Sch melier II,
6i4j. — 2 -s. Gesehwar. — (isooi Gicht- Be-
schwerden - beschwerliche, syplulil. rheuma-
toide G ich tsch merzen (t*r. n, 5s6j («. Podagra). —
Harn (Harnt ) Schwerheit, /«schwerde (i53t
schwerhält de« harem*. Kratilw. I.XIII; 1588 beschwer-
nnss de« härmen, Ann. Buch) - beschwerlicher Zu-
stand, druckendes Gefühl b. Harnlassen (Heyne
I, ssi). — Haupt Schwere , f. (17. Jahrh.) -Be-
schwernnss = Gravedo, Druekgefühl am Kopf
% B. heim katarrh. Sehnnpfen (Fr. Kr B. 371 ; Gr.W.
iv, 2. 629). — Haut- /Beschwerde fi888 beschward-
mi*« der haut) = Aussatz als lästige Plage und
Hautkrankheit i Ann.- Buch). — h - schwer
(mhd. kind.- «war.) = an einem Kinde schwer
trafen, schwanger Hein, auf schweren Küssen
gehen (Qr.W. v, 709, l'los« Bartels I, 479). — Magen-
Erschwerung (-schwerde) - di ückendesMagen-
gcfülil, Oehlm rlip]K>kr. (Uttml.S6t; Flieh* n, 195).
— Mdi ß schwerde. (Ki\-schwerung - Tensio
hypoehondriaca , Spannung*- u. Ibuckgefühl
in der Milzgegend. — Mutter- Erschwer, (1712,
1756, 1735) Erschwerung, Ecschwerde = Passio
hysterica, SuUocatio hypoehondriaca, Ilyster-
algia, Mutterkrankheit, Mutterweb, Nervenver-
stimmung durch ein Gebärmutterleiden (Ur. \v.
VI. 2813; A. v. n. I, S04; Fr. Hoßm. VII, 119; Wallh.
419; Heyne I. 381. 382; Woyt 513). — (1718) Aa»fH-
Erschwerung = belustigende Beschwerde durch
Nasenp'tlypen z. B (K. eh. 212). — (1748) Ohren-
Erschwerung = Ohrleiden, Beschwerde im Ohre
i. B. durch Ohrgangverslopfung (K. eh. 242).
— Schling - B< schwerden = schmerrhaftes,
erschwertes Schlucken, Behiuderung heim
Schlucken. — Stein- Erschwerung (1712) (-Be-
schwerde) = «las belustigende Gefühl durch
einen Blasenslein, Lithiasis (A. v. H. I, 916; Fr.
Hoffm.VII, 1C8 188; Heyne 1. 381). — 8Chwer(r, er, es)
Anfall, Atem, Mutig, Fuss, Geblüt, Gebrechen,
Geburt, Gutschlag, Hauptweh, Knthe*, Krank-
heit, -Leib, Made', Xot, Plag, Schlaf, Siechtag,
Sprache, Sünde, Sucht, Syphilis, Verkühlung,
Wehentag, Zahnen, Zunge.
schwergeln = „wegen eines Bausches oder
Koi perschwache unsicher gehen, taumeln"
(Kamthcn; Fromm. VI, 202; [schwer-gehen ?]).
Schwert, n. (altnord M-erdh; hlauna sverdh =
meinhrum virile clunihu* praegnans, Fick 855). —
(1.92) römisches Schwert ^ römisctier Degen
(S <l.) (Seh. 213).
Schweser, n.-die BChwittige, weiche Kalbs-
mileh (HamhurR) (s. Schweder).
Schwester, f. Schwesterlein, n. (indoKerm.
swesr; Renn. •iwi'Mr ; ahd. »wester; altnord. *y*ter;
ndd. *u»ter, Kluge*. 342) = Keinmal; „die Ihrige"
(analog zu Genosse, Khenall, der Seinige =
Meinhrum virile) (Sehmeller I, 14; II. 6*). — Alp-
Schwester U3. Jahrh. alV« sv.«tir un vattr Ir
*olt uivaren obir den ftalir, Sit« Ber. 1867. 7) -Weib-
licher Alp als KrankheitsdUmon in (Beschwör-
ungen). — drei Schwestern — die 3 geburts-
hilflichen Damoninncn (s. Krftulein, l'erchta D.
Morgan etc.), (Stapel, Warpst, Wdpetdes Volks-
glaubens (Latatner D, 888; Panzer I, 69). — 3 /i-
»l>c/ndr Schwestern = *chwelK« nde Holden, welche
den Men*ehen «tumm machen ; auch = Schicksals-
Schwestern = die Verkörperung des menschlichen
Schicksal* und Irdischen D&sclutt, das au« Geburt,
lieben und Tod besteht (daher dreifarbig), In der Ge-
stalt ;i .Schwestern (Nornen) des Volksglaubens, „im
ru-»i-chen Vo]k«glaub<'n gibt es 9 Schwestern, die das
Menschengeschlecht mit Fiebern nlageu und In Krd-
hohlen (». Mainria) an Ketten gefesselt , loageUWWHI
die Leute anfallen, BehelUe IX. 6js; — AfifV/i-
Schwester — mit »ler gleichen Mullermilch auf-
gezogenes, weibliches Wesen. — (1699) Milt-
Schwester ^ Milzbruder (v. M. I, 147), weiblicher
Genosse bei der gleichen Milzkraukheit.
Schwib. — Schwib-Eo^en.
-SChwich, f. s. schweichen.
schwiddern (vor den Augen) - schwindeln,
schwirren vor den Augen, undeutlich im Seh-
felde sich bewegen (Fromm. VI, 482).
«22
Schwiele.
Schwiemel— Schwindel.
Schwiele, f. (Schwielch), Schwilben , iu.
(Indogcrm. swcl [schwelten, (Jc«chwul«tl ; vorgerra.
«Wt'liu ; germ. «well*; ahd. «wllo, awll, Ul., (Jraff VI,
871*; 11. Jahrh. svll = eallu«, H. Z XX. 115; ruhd. «vrll.
Kluge*, 312= Anschwellung, callus. harte II aufstelle,
Fussohle, 1/exer 262 ; US. Jahrh. srhwil = Hvor cailu«,
D. 642; 16. Jahrh. schwicle, f. - die Schwielen, pl. ;
1591 srhwil — - callus, Horn. Had. Jim SS" ; 8eb. 176;
1617 ictawül« =- Knochenmaser , Gurlt Hl, lyo; IMS
srhwlel, m. = callus; sehwicle, f. = laiiglirhtr Brüse
[minor ltHiulnuin}, Heyne V, S37 ( = schwel s. d.]; 1674
schwulen - ballen, Gurlt III, 150; 1 742 «ch Wüllen —
calln«, Zw. 301; ndd. »will — grösserer l>ru>enab«cess,
(Jold«ehm. 89; 1766 schwülen — «ndamina, gc*chwol-
leue Hautstellen, A. v. H. I, 790, angl« swyla«, swillas
= »Wellings, swillnge, Cock. 1, 10. 14. 21 ; II, 21), 1. =
harte (ieschwulst länglicher Form, numentlirli
die an der (Ballen-)Haut der Hände um! Fflsse
«ich erhebende umschriebene Schwellung, Ty-
lorua, Callus (celtcre, x»\&|l.tt'. = heben, Roth 83),
Epidermis, Hypertrophia (franz. les oignon«, Bris«.
212; Folter 1U32). — 2. = längliche tirknmskripte,
liarte Drüsenanschwellung (indnrierter Prttsen-
schanker?). — 8. = dicke, harte Fuasohle. —
4. = Sch weissbliischen in der verdickten Hohl-
hand (Pustula. Kkzema palmare syphiliticum ?).
— 5. = Callus, Knochenmaser. — 6. = siehe
Schwelle. — (1.199) Schwielch, f. = der gesch wol-
lene, schwielige Zustand, t. B. im Maule des
Pferdes |v. M. I, 39). — (16is) schwielig (schwie-
lieht), schwillig = mit Schwielen tiehaftet (cal-
lostts) (Schm. n, 631). — Fus«-Schwiele (angls.
tot Bwyluiu s engl, footswelltngs, Cock. I, 312) = KuBS-
geschwulat, Fuwhautachwiele, — Gäqels-
Schwiele (angls. gcaglcs «wllc; angls. ceueum =
maxillU, Cock. I, I.XX; ceaean-nswnllen — engl, jowl
»Welling, Cork. II, 316) = Uaumen- oder Kieferab-
seess , Parulis (s. Gagel und Gaegladl *). —
GrSChwiel, n. (ahd. gaswil = callus, Graft VI,
872; 11. Jalirh. gtsull = callus, II. Z. III, 363 II. ;
XVI, 29; 1482 ge«wlll, geäfft] In der hande = cai-
lu«, pu«tula, durllies niatiuuui , Iiiatter, /.ening,
Voc. in 2, rl; 1518 geswüll = callus, Hvor, H. V.
Uered. 99). 1. = Hautschwiele, Haut Verdickung,
Cutis spissata (St hm. 11.631). — 2. = gesch wollene
Hautstelle umseht icbener Form (Blatter, Pu-
stel). — J/rtw/-Schwiele d W 8wffl In der band =
calln«, r>. n. 67) = Hautschwiele an der Hand. —
//'* »«/-Schwiele- Callus, Callositas, Verdickung
der Hornsehiehte, Oberhaut, ohne wesentliche
Beteiligung eines anderen Gewehes (Lesser in Z
ndb. d. «p. l'ath. u. Thor. XIV, 1. 482). — Kehlen-
Schwiele (angls. ceolan-swyle, Cork II, I) = Kehl-
kopfgcwulsl, Schwellung in der Kehle. — Knie-
Schwiele — Gonylyle, Hautschwiele auf dem
Knie (Krau«. E. 427)."— Mu«l, 1 /-Schwiele = eine
sog. rheumatische Schwiele, eine Verhärtung
im Aluskelileische mit Bildung einer harten
Schwiele, meist durch abgekapselte, verkalkte
Trichinen veranlasst. — tote Schwiele (angls.
deadum swylnm ; engl, deml «Welling«, Cock. II, 6) as
im Ahsterben, lokalen Gewebstode begriffene
Schwiele. — üble Schwiele (angls. ylel «wyle;
engl, ill »Welling, Cock. II, 16) = bösartige Haut-
schwiele. — unqute Schwiele (angls. unncudnin
Mvyle, Cock. 1, 36. 391) - üble Schwiele. — tvr-
I Schwielen (ahd. ranwUa) ■ abnorm schwielig
werden (l.excr 333). — verhärtete Schwiele fangl«.
forheardodan swile, Cock II, 212) = abnorm hart
gewordene Schwiele.
Schwiemel, m. s. Schwimmel.
schwieren, schwierig s. schwör u. Sehwar.
SChwillen, Schwilm, m. (germ. «vlltan = Ter-
hungern ; «Villau = ver«rhmachten ; goth. «vlltan =
KtertH-n; alt*, sweltan ; angls. Kveltnn = sterben ; alid.
•wölzan = hungern; angls. »vylt = Tod, Fick. '.fJ3 ;
ahd. «nullm, Craft VI. 873) = Sopor ; dazu Schwellen
I (.Nürnberg; Schmeller II, 6.!0) — «fest schlafen,
schnarchen."
Schwimmel, m. schwimmen a) (g. rm «wem.
*üm; lihd. «wlmrnan; mhd nwimraen, Kluge5. 312),
b) angl«. üwiman = Sehwindel habi n. Cock. III, 4S;
ndd. swimel; nmd. nwymet, Mag. Barth. 86a; >rhwin-
deln] , swymel, Slmrock, H. V. M. 66."i ; Schwiemel,
H. Paul IN; «ian. swhnle; ndl. iwljmten, V. K. IX.
113), 1. = Schweimel, Schwindel, Taumel (Schm.
II, fi33; Coler, n. A. hl). — 2. — eine Krankheit
tier Kill her, die dle«e nach dem Volksglauben be-
koinmen, wenn In der Zeit der Zwölften Im Hon-e ■-in
Und oder „etwai umgeht", als Strafe der elbl«chen
Sptnnercn: Stempa [« d.i. Kuhn, weit!. Sagen II, 112).
— Schwimmen wie ein Schwamm im \V«"cr nicht
untergehen, sondern von dle<rni getragen werden. —
die Leber schwimmt ihm — d. h. ist voll Fliis-
- sigkeit (liettunken) (Urquell V. 62). — schwim-
j mein = schwindeln (15 Jahrh. de owimelt an dem
bouedc — vertlgcniui, I). 520; II, 880; Schindler II.
633 ; Coler, H. A. 87). — SChwlmmelig (»eil wflme-
hg, schwuineliir) ■ schwindelig (1. cod.; Fromm.
VI. 1>2J. — Schwimmelung = Scotomia — «ier
Zustand des Seh wimmehgseins (engl, «wimmln«
= Schwindel. KaitM-hm. ; I). 520) — '-schwimmen
t= ohnmächtig w erden (ndd. be*wiemen, Cioktoohn,
J7 101 ; Mülk nh.476). — Schwimm -Fasse, - Haut *,
■Hcldagcn.
Schwind, m. s. schwinden.
i Schwinde, f. Schwinge, f s. schwinden
Schwindel, m (Schwinder. m schwindeln)
(tu schwinden [«. d l; angl«. thwineth = »chwlndet,
Cock I, 81; ahd. «wintllAn - Schwindel, Kopfdreheu
hab.'ti ; «wintllöd — vertigo, «wintllungn vertigo,
(iraff VI, 8*1 88*>; »uiutal - vertigo. Üraff 1 «od ;
mhd «windeln - Schwindel haben. In Ohnmacht fallen.
bewu««tlos werden, «windel - vertigo, «windelnnge =
vertigo. Schwlndmicht. Kluge*, 313; l^xer 262 ; U8-'t
RWlntel. C v. Megbg. ; 1518 schwin<lel - vertigo, H v
Uer«d. 100, 1 .32 Schwindel, Fri.« 71 ; 16H2 «wtndel-
kraut - Poronlcnm, (Hit, IV, 159; 1756 der Schwindel
I«t ein Gebrechen des Hirn» und gehet gern vor dem
Schlag her, BejB.*, 78; 'Pommern] Schwindel s=
Schwinden [in Hann«prüehen], vergl. auch Z. d. V. I.
V.-K, 1896, S 216; 'Schwei*) Schwlnder = Schwindel,
Onggmbtthl 21). — Schwindel, 1. — der Zustand
des Schwindeln«, d. h. das sidijektive(»efnhl der
Cleichgewichtsstörung als Folge der Schwäche
des Kopfes oder Hauptes (Augenmuskelkern
im Gehirne), während welcher sich alles tu
drehen und das Leben im schwinden scheint
(Hanptschwindel) , Vertigo (vertige, vertin),
Dinus (fotric, Morbus St. Mathellni 1416 l=Mathu-
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Schwindel.
schwinden.
rini »b Ummer = vertere], Urb«, 27i; st. Kasairlls 1463
mal St. Nazalre; 1369 St. Victorini, Du ("ange V. M6 fr ;
IX. MO; 143-1 maladie d'avcrtln de leite nommee goute
[«. TropfenJ, Du i'uuge; „St Avcrtlri [vertigo: vcrlcrc]
gueril les mauvaise* ttHes" ; mal d'Avertin [ — adver-
satus], Bri-* 267; engl, glddlness, Dornbl. IS). — 2.=
a) Betäubung der Sinne mit Tuumel, letzteres
als Körpersch wankung und reflektorische, wil-
lenlose Abwehrbewegung gegen das subjektive
Gefühl (1) (Tusel), Stupor; b) (daher auch) =
Alpenntich (s. d.), als Krankheit mit vorwie-
gendem Sehwindelgefühle (Feierabend 41 ; Guggen-
bühl 21). — 3. = das llauptsymptom des Schwin-
dels der älteren Schriftsteller: Verdunkelung,
Nebel n. Flimmern vor den (mückensehenden)
Augen ohneTaumeln des Korpers (Vertigo eali-
ginosa), vertige oeulaire, Srotomia (Briss. l«;
Kopp IV, 2M, A. v. II. I, 2«. 1321; Scotoma s capitis
vel oculorum vertigo, >]iiln repentlna» tenelnH Lagerat
ocuIIh cum vertlgluc capitis. Du Cange VII, 3<V'., Ha>«io
scomatiea — privatio Visus, dolor eoecltatis. Du Cange
vi, ISS). — 4. = Ohnmacht überhaupt (Schwäche)
(.Schur. 634). — 5. - Seh windsucht, (mhd.) = Schwin-
den. — 6. - die Drehkrankheit oder der Hirn-
wuriu (Blasenw urm) der Schafe (<;r. W. II, 1U7}.
— 7. = eine vermutlich parasitäre, «las Gehirn
reizende Krankheit der Pferde (Mayer ir.3) und
Schweine (Zipp. ; der Schwindel wird besprochen,
K. u. Sehw. 442; Z. d. V. f. V.-K. 1B9H. 58). —
Schwinde, f. (Schwinne) (17 u. Kirsch) = Athe-
roma, Scb wen te, BalggeHchwul.it, Drüsenge-
schwulst am Ilalee (wird besprochen, Hayerlaud
1*9*. 2.16). — Schwindung, Schwindelung,
Schwinnelung , f. 1. «s Ohnmacht, Scotomia,
Svm.opiH (Kopfschwindel). — 2. - Abnahme
eine« Organs, Sideratio z. B. durch Lähmung
(Kir-rh 109h ; angls üwlnclnnge = giddlnc«». Schwindel,
Cock I, 344; 1664 KhwiOBeUng« = llpotbymia, D. II,
236; zen. voc; D. US). — schwindelig (sehwind-
lieh , Hchwiughch [Schw n . schw indlisch
[Bayern;) = mit dem Schwindel im K opfe behaftet,
gankehg * (c. v. schni. ttw). — Schwindler =
ein Schaf, das den Schwindel (f>) hat, «I. h. die
Drehkrankheit (Zipp 624>, wobei es Schwindel-
artige Bewegungen macht. — Schwinderling
— Kopf (Schim ikr h, 637). — .4 upti Schwindel,
1. = Schwindel 3 (s. Mücken). — 2. = eine
Schwindelform, verursacht durch die infolge
von Aogenmnskellahmung hervorgerufene
Seheinbewegung der umgebenden Objekte od.
Doppelbilder. — (1482) .#<■ schwindelung
Amentia, Syncope (Zenlng. Voc ), der Zustand
beim Schwindelanfalle. — Blasen Schwindel
— der durch den Blasenwurm verursachte
Schwindel (s. Drehwurm) (Pierer ' IV. 874) —
Blut- Schwindel, 1. = der von Blutwallung
kommende Schwindel. — 2. - die vom Blute
kommende Schwindsucht [Pommern , z. d. V. f.
V.-K. UN, s. 32). — 3. - Blutleere, Blutab-
nahme. — Bremaen Schwindel - Hornwarm-
krankheit (s. d.) der Scnafe, bei der die Nasen-
parasiten (Bremsen-, ( »estrus - Larven) , die
Schafe taumelnd, schw indelig machen (Zipp. 626),
sogen, falsche Drehkrankheit, Schleuderkrank-
heit. — 7>rf/i-Schwindel, 1. - ein Kopfschwin-
del mit Drehbewegungen des Korpers infolge
von Störungen im Apparate der Bogengänge,
des Gehörorgans. — 2. = s. Drohwurmkrank-
heit. — fallender Schwindel (i7io; Seit* i, 479)
= Fallsucht, Epilepsie mit Schwindelgefühl.
— falscher Schwindel ( = „ein eigentümliche», in
dem Sehorgan wurzelndes Obel, das sich durch eine
plötzliche, von einem der äusseren Augenwinkel zu-
nächst ausgehenden Kmptludung von Spannung in den
Augenlidern charakterisiert mit Flimmern und Er-
scheinungen von l.uftgestalten", Sobernheim 48) —
Flitiimer-Skotome im Auge ohne eigentlichen
Kopfschwindel. — Fleisch - Schwindel = das
Schwinden am Fleische (in Bannlormeln der Pom-
mern, z. d. v. f. v. k. i8»->, s. 32) im Gegensat 1
zum Blutschwindel 3. — Gehör- Schwindel =
Ohrenschwindel. — Gesichts - Schwindel —
Augensch windel. — Haupt- Schwindel (14. Jahrh.
honpuwlndel m vertigo, Voc. opt. W. 40; 1412 dax
hoebctswlndeln = scotomia, D. II. 332; 1477 boupt-
swindel [Ortoll]; 1.118 hanbtsch wyndcl = verllgo, H. v.
Gersd. 100; 1561 haupt«chwludcl - vertigo, (ir. W. IV,
2. 269) m der durch Blutr.irkulationsstörung im
Gehirne selbst entstehende Schwindelzustand,
motus circularis. — tfirn-Schwindel (K.. Jahrh.
heruswlndcln = phrcnesls. apostema cerebri ex calore,
D. 217) = llanptsch windel. — Hohen- Schwindel
— Platzachwindel (s.d.). — Kn ochen -Schwindel
= Schwinden des Knochenumfanges durch
Krankheiten (Pommersche Baunxprüchc; Zcltschr.
<i. v. i v.-k. U95, s. 32). — (1592) Ko{,f Schwindel
I. = Hauplachwindel bei Mensehen. — 2. =
Taumel der Pferde beim Koller (Seh. 17»? ; Gr. w.
V, 1339). — Magen- Schwindel - ein vom leeren
| oder überfüllten Magen aus reflektorisch durch
den Nervus Sympathie, veranlasster Schwindel-
zustand, Vertigo stomaehalis. — (1756) Mutter-
Schwindel — ein von der Gebarmutter reflek-
torisch ausgelöster Schwindelzu«tand (Gr. W. VI.
2S27; a. v. H. [, 807). — Xercen -Schwindel = «in
nicht von Blutwallung kommender, sondern
durch reine Nerveneinflüsse ausgelöster Seh win-
I delzustand (Pauli s3). — (1890) Ohren- Schwindel
= ein durch Krankheiten des inneren Ohres, wo
der Sitz des Gleichgewichtsinnes ist, nament-
lich des häutigen Labyrinthes ausgelöster
Schwindelsustand, Vertigo ab aure laesa, Me-
niere'sche Krankheit, (franz.) vertige labyrin-
thique (Roth 319; Schmitt, Jahrb. 192. Bd., S. 130). —
— Matz Schwindel = Platzangst, ein ftngstl.
Uhsieherheitsgetühl bei Neurasthenie etc., wo-
bei die Kranken sich nicht getrauen, Ober
einen weiten Kaum, eine Brücke zu gehen oder
auf Höhen zu stehen. — Schwindel- (schwin-
delicht[f, er, es]) -Ding; -Hauptireh, -Hirn,
-hirnig, -Kopf, -Lähmung, -süchtig, - Tier.
schwinden schwinen, Schweinen, Schwind,
m. Schwinde, n. Schwinge, f.) (« rm. s«f -=
abnehmen. Kluge9, 343; ahd. swinan [ = «chwelnen,
s. d.], nrlatan ■= «ehw-inden, vergehen, abmagern,
bewusstlos, ohnmächtig werden, Graft VI, Wl. Mj
angls thwiiielh = nchwlndet, Cock. I, 84; 1260 diu
wunde beginnet «winden — einzufallen, kleiner zu
werden, Pfeiffer 33; mhd. swinden, swinen [= schwel-
i nen, ». d.), Ix-xer 2r>2; mir schwindet = ich werde
schwach; «winde, n. — Schwindsucht, I.exer 262;
. 1.132 schw linden, II. v. Gersd. 43 - abnehmen, nach
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«24
schwinden.
Sch wi nge— Bch w ören .
und nach eingehen ; 1777 swindc = «erplgo [Selm Ind-
fleehtc], IJ. 530; (nordl. Böhmen] Schwinge, f. =
Bonwlndfleeht», Verna!. 814). — schwinden, 1. =
verzehrt werden durch Krankheit od. Schwäche
(Heyne V, 341), an (iliedern, am Leihe, an Körper-
teilen abmagern. — (UM) „die Augen schwin-
den" = fallen ein (Pfeiffer 33). — (1605) „die Arme
schwinden" werden innrerer (ineb. Mirakeib )
ilnrch Muskclatrophie. — 2. — ohnmächtig
werden (.Schwindel bekommen), Schwinden des
l'.cwustseins (mhd. „mir sehwindet", Schw. «34;
Schweix; II. I'aul 409). — 3. = die Schwindsucht
(*. d.) haben, d. h. das Schwinden am Leibe
infolge von Lungensueht (s. d.) etc. oder durch
ditmonistischen Kinfluss, daher d&t Schwinden
mich besprochen, beschworen wird (Wnttke I.V.*). —
Schwind, m. (Schwinde, n. Schwinge) = das
Schwinden, Mngerwerden an einer bestimmten
Körperstelle (Kreut, Schulter, Hand etc.) o<ler
allgemein ; letzteres als Schwindsucht (f/exer 262;
Mayer 63). — Schwinden, n. ' Schwmen [Schwab.;,
Schwinden, pl. Schwinde, f. 1. = da* nach dem
Volksglauben durch Verschlucken von Katzeiihaar
verursachte oder angezauberte, angehexte Abnehmen
oder Eingehen am Korper, Alrophia muscularis,
Tabes, Paralysis. — 2. = Schwindsucht, Febris
hectica (C. v. Schm. 4S6; J5W, 10; Schw. 631). — 3. =
Schwindflechte (s. d.) (17'>6; A. v. H. I, 19; ll Ott.
798. 903); (1779) eine grinlartige Hautkrankheit
bei Kindern (»ehrend 6; 1783; FhUner I. IM) als
eine Krankheit, die leicht eu Schwindsucht
führt und mit Abmagerung verbunden ist:
a) Hauptgrint (Zitterach, Impetigo, le dartre)
(Gr. W. III , 1738); b) Herpes miliaris (Hirse-
schwinden), Zona esthiomenus; c) Liehen pla-
nus, die eigentliche Schwindflechte (Ackermann
170); d) Serpigo mentagra (A. v. H. n. 1025; gegen
dieses Schwinden [3] Rollte da" Fettkraut [ringuicula]
o<ier „4k schwinde" helfen). — Schwinnung, (UNS]
Schwindung, (i»99) Schwendung (ahd suinunga
= demlnoratlo, (iratT VI . 808; v. M. I, 35) - (V<m)
Schwinnigkeit, Schwinig, f. = Abnahmezu-
staii«! (Hort. san., U. A. Hb. 93. in), Schwund (s.d.).
— «t-(/f8Chwendet (da?, die rtnder auf dem berg
ahgi'»chwennt oder gesigen [«. »eigen] «ein, Schmeller
II. «36) — aligemngert und keine Milch mehr
geltend. — A wjen -Schwinden — Tabes oeu-
lorum, Phthisis bulbi (s. oben Schwinden 1),
«las Einfallen der Augen und der Schwund des
Augapfels (Gr. \v. I, sii). — (1518] ßcin-Sch win-
den = Atrophie der unleren Extremität nach
Spontanluxation des Caput femoris (Gurlt Iii. 61).
— (im) Brust- Schwindung - die Abnahme
der Fülle cler weihhchen Brust (Tabes mam-
marum) (Gr. W. n, 4">i). — (17. Jahrb.) Buq-
Schwinde = Abnahme des Umfangs an der
oberen Köhre (Hug) des Pferdefusses (<;r, Vi. II,
494 ; k. a. 7.v>). — (i .07) GaKcn-Schwinnigkeit =
Ahnahme der Ualle (Hort. »an.). — (rf-schwin-
den (mhd. ge«wlut — 8chwlnd«uchl [Lexer 75), ge-
«chwlndlri, Syneopl» gesewlndln. ablatio sensu* et
motu« in corpore, Schmeller II, '137; D :>36 ; lö. Jahrh.
ge«wynncn = sincoparc, D. MG; 1>32 geschwinden =
ohnmächtig werden, Fries 134) — rasche» Schwin-
lieil 1, 2, 3, dazu ; „Geschwlnd"-Wurz m Chcltdonlum
maju» (Dailo Tom- 29). — <jt schwinde Krankheit.
— t7/rl(;'(CM-Schwindung \Vm der gleich, n KAwln-
dung, l'aracel«. d lmp. J 1) s < iliederabnahm«*,
Atrophie. — Haar -Schwinde Haarausfall
(Alopecia) (Fuchs II, 58). — Hirn Schwinne (1519
der schwyne von dem hyrn, der hyrn«chwyn) = Ilirn-
BChwund (H. v. Gend. 24; colcr, h. a. I0A). — (1W8)
H >>■•>■ Schwinden = eine Hautflechte mit Bil-
dung hirseahnheher Knötchen Herpes miliaris,
Liehen) und mit Abmagerung (M. H. I.. 1,710). —
//"/' Schwinfde) = Abmagerung an der Hüfte,
am Bug (Gr. w. n, 491). - (r>99) Xern-Schwinden
= Orthocoli equi (Vegetii) (Krau*. E 704), wenn
dem Pferde das „Leben" aus dem Kern des
Hufes unier Kleinerwerden und Schrumpfen
des Hufes schwindet, eine Hufkrankheit (Gr. W.
V, 611; R. A. 755; Colcr, PI. 369). — (1551) Leib-
Schwinden ■ Ahnahme des ganzen Korpers
durch Abmagerung (Rock 239). — Leute Schwen-
den = calamitas (Schm. i, ms. l.ws» = iVatseuclu?
mit hoher Sterblichkeit. — Milz Schwinden, pl.
= das d. Milzschwunde zugeschriebene Astiima.
— (1756) »ehmutzige Schwinden, pl. = „Herpes
sordidus", eine (syphilitische?) Schw in.lfleehte
(Sch winnen 3), hei der übelriech., schmutziges
Sekret abgesondert wird (Kkzema? Rypia?)
(a. v. H. I, 789). — SfraM-Schwinden= Ahnahme
und Schrumpfung des Hornstrahls bei Pferden
(Falke n, 147). — (1784) trockene Schwinden ■
Ekzema siccum („herpes giccita") (A. v. H. I, 7»9),
eine trockene, abschuppende Schwindflechte
(„ohne eigentliche Schwurung", d. b. ohne
Sekretion). — verschwinden, Verschwenden,
Verschwind, m. (inhd. vcrswluden, rerswiuen; l'>87
verschwinlg = tubldus , I). 'i7l), 1. = krankhaft
schwinden, ganz audallend abnehmen oder
abmagern an einer Körperstelle durch Schwund
der (Jewebe (Fulke II, 407; Mayer H2; Rlezler $8«).
— 2. — ohnmächtig werden, sterben (U-xer 33.:.
834). — 3, = versiegen machen [Y<s2; Lonic. 114).
— Volk - Schwenden — Leute schwenden. —
Schwind-, geschwundene, er, e»), schwinende.
8Chwindend(e, er, r«) Ftrbtr, Flechte, Flrckni,
Fitsxe,- Gicht, Glieder, Knötchen, - Kröte, ■ Seuche,
•Sucht. — S. auch Schwund u. Schweinen.
Schwinge, f. s. Schwinde.
Schwinig, f. Schwinne, f. schwinnen siehe
Schwinde u. Schwindeln.
SChwinseln (ndl. zwljn*elli, fr.|uell 1897, 86) =
schwindeln aus Betrunkenheit.
Schwipps, m. — er hat einen Schwipps -
ist betrunken, s. Zungeuschlag u. Hieb (Schwipp«
= plötzlicher Schlag, U. Faul 409).
Schwirren, m. s. Schwär u. -sebwür.
schwitzen 8. Schweis».
Schwöl- s. Schwellen.
schwören, Schwörung, 1. = (germ. «war =
Rede und Antwort stehen ; ahd. sweren ; mhd. «wem,
Kluge *, 343). — 2. - s. Schwlrnng, — be- schwören
= bezaubern mit raunend gesprochenen Worten,
(mit surrendem Tone?) beschreien , berufen
(incantare, D. 291, Golth. 629. 646). — Wurm-Be-
schwörer = veneficui, Gauckler, Eiterwirker,
Wurm-Galler (s. d. und Wurm) (D. cio). —
Schwör- Finger.
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Schwoll— Schwflr.
-schwür.
625
Schwoll s. .Schwellen. — Schwoll- (Schwoll-)
■Milz, - Kopf.
SChwÜlken fgerm »well, swüll [verbrennender
Dtin^t, Schwul.-, (Jualm]; altn. svacla - Hauch; aiijtls.
»vclan - Klulicii. Fick V20; ndd, ssviiI = schwül ; mhd.
«walken — uauscnre. [wie] durch Schwüle quäl misch,
ohnmflchiiK werden, Ia-x<t 203) — «las Gefühl der
Schwüle hei der Ohnmacht liahen. — Schwul-
gerung [1489; D. D, 2«2) = Nausea, Ohnmachts-
zustand.
SchWÜr (IT 10 Hchwür = nlccratlo, Seit* I, 14) -
Schwur, offen« Geschwür. — Gr SchwÜT (au*
älterem Gcschwär [s, d l Im 10, Jahrh. entstanden, als
(l!«T*«'UunK des ulcus, i/.y.o; der Rrirch.-lat. Schule,
ll. yn.- II. 1139) = («Vschwär oder oticiie, eiternde,
schmerzhafte Schwellung in irgend einem Ge-
webe mit Substanz vertust (Ulcus), mit
fehlender oder geringer Heilungstendenz. —
Geschwür ist mehr chronisch und degeneraliv,
Geschwär ist akut mit «lern Charakter «1er
Kchmer*haften Schwere durch die Kilei Produk-
tion, die man früher als FoIkc der ThntiKkclt elbischer
Dämonen ansah, dcmRemilss auch mittelst Kann Worten
behandelte; die verschiedenen Karben dieser DlmOM
entsprachen deti verschiedenen Stadien der Geschwur-
liihluiiK, t. B. blau - L'yanose, Stauung, Brand; rot
- Entrundung, uclss — Eiterung (35. d. V. f. V -K.
1895. 8. 30 ff) In der volksubliehen Ätiologie werden
die Geschwüre und Geschwüre nauientlleh dem Ge-
nüsse von llulsenfnichten (Bohnen, Kronen, siehe
Bohnene.ss.-n. Fabian) in der Schwarmzeit (s. d ) «1er
elbischen Dämonen (Zlnseln z. B ), d. h. zur Zeit «1er
««»Ken. Zwölften zugeschrieben iKuhn II, M. 115;
Z. d. V. f. V.-K. 1897. S. 1«..) (s. Alf*, Alp VIII).
— schwurlein - kleinere Schwellung mit
Sekretion (Kto; seiu i, f.oj. — schwierig,
schwürig, schwürlich (nhd, swirec, B. i*aui KW;
1121 swirlelch, swirig — ulcerosus, D. II, 381) —
ein Ueachwflr bildend, mit Geschwüren be-
haftet. — schwüren = Hchwtlren (s. d ), eitern
(C. v. Schm. 189). — (1756) Schwürung sa Kxctll-
ceratio, Substanzverlust mit Kiter (im Gegen-
satz r.ur Seh warung — Suppuratio, Kiter-
produktion) (A. v. II. I, 626. 12.VS-, II, (36). — Ab-
klat8ch-Gi schwüre = (venerische) Geschwüre,
welche mit ihren Flachen einander so ireu'en-
übei liegen, wie der Abklatsch eines Gegen«
filandes zu «liesem (l'roksch). — alte G<BChwÜre
= chronische, zerfallende Subetanaverluate,
namentlich am Unterschenkel, Uleera varicosa
(Ackern, sw). — liein-Gt schwÜr, 1. -= ein Ulcus
am Heine, Unterschenkel oder Kusse (Ulcus
varicos., Fussgeschwür). — 2. = (1706) Knochen-
frass, Ulcus canosum, bcinfress«trisches Ge-
schwür (Oeries) (A. v. II. II. 155. 698). — Blut-
ßcschwür, (1712) -Schwieren, 1 = Blutgeschwar
(s. «!.), Kiss, Alf", Kurunculosis (Gr. W. II, 183).
— 2. - l'estgeschwitr, in «lern «let TeslsloH aus
dem Blute abgelagert ist (Zw. 90»). — (1560) lirmt-
Grschwür, l. = ein Brust «esc h war, Kiteran-
sammlung in der Brust, Kmpyema, Langen-
Ahscess, Biustdrüsen-Abscess (Pleuritis) (l'ictor.
78; Bäuml. 2".2; Cr. W. II, -119). — 2. m zerfallendes
Geachwflr a) in der Ltinge, Ulcus pulmonum;
b) oder an der Brustdrüse, Ulcus mammae,
das Brustgeschwür 2a entleert sich tlttich
Husten un<l Würgen, daher = vomlca {(ir. W. II,
449) = Eitersack. — J9>W8fn- Geschwür = Ulcus
glandulae. — (l740)ei/fVi«7f, (1783) Ei/er-Geschwür-
(lein) — Eitergeschwür, eiterhaltende Pusteln,
Blattern, Abscessus (IMatner II, 72; Kleiner I, 37;
Seitz I, 100). — Fessel Geschwür = ein Geschwür,
Kxulceratio an «ler l'ferdefessel (Gr. W. III, 1667).
— .Finger- Geschwür = l'anaritium, Geschwür
am Fingerglie«le. — (1757) Fleck- Geschwür -
ein aus dem primären Infektionstlecke sich
weiterentwickelndes, zerfallendes Kichelge-
schwür (Bäuml. 443). — (1790) Fleisch Geschwür
= ein roten Geschwürsgrund (Fleisch, 8. d.)
zeigender Substanzverlust (Richter I, 468). —
Fluss- Ge schwür = eine Hautulceration neben
«lern sogen. Salziluss, Ulcus varicosum et
Kkzema cruris (Ackcrm. 401). — (1790) fressendes
Geschwür - Ulcus phagedaenicum, ein stets
um sich greifendes Geschwür (Richter I, 489). —
K FZLler- } G™™* ' dM Ü,CM
cosum (früher Ulcus Impetlginosurn, hcrpetlcum Be-
nannt) - offener Fuss, Beingeschwflr. — Gabel-
Gischwtir = Strahlgeschwür am i'ferdefusse
(s. (Jabel) (Falke I. 300). — (1701) Gei'/cTl-GeSChwür
— Ulcus testium, llodengeschwulst mit Kiterung
und (-icschwürsbildung (L. eh. 84). — geschossenes
Geschwür = ein (ieschwür mit durchschiessen-
den Schmerzen, i. B. Krebsgeschw ür (Drachen-
schuss) (Frischb. 62). — giftiges G«*schwür= Ulcus
phagedaenicum, das durch seinen raschen Zer-
fall sich als b«>se, giftii- kennzeichnet. — littls-
G^schwür, 1. = Geschwür am oder im Hals
(Angina sttp)>ur.), Drüsen - Abscess. — 2. =
Geschwür (- Ulcus) am Halse Husserlich oder
innerlich (Gr. W. IV, 2. 263). — (1761) A«7ri*f« Ge-
schwür— a) ndtirierler Hunter scher Schanker;
b) Topltus (L. ch. 84), eiterndes syphilitisches
Knochengoschw ür. — Höppin - Geschwür =
Ulcus uteri, G<-barmutlerkreb8 (s. Höppin). —
(1712) hohles Grschwür = ein röhrenförmig
gehendes (ieschwür (Fistel), Sinus, Colpos
Galeni (Kraus, E. 258; Zw. 398; Bell IV, 52). — (1756)
J/or-nArtiii'-G<8chwür s. Si hw 0rauj;e(lM)thrion);
(cancer , n tpostema durum in tv.nlca coniea «les
Pterre d'Bapngne, lanus 1898 582; a. v. h. ii. sh2;
d. 97). — jatuhiga Geschwür - ein Ulcus mit
Absonderung einer jauchigen Flüssigkeit. —
innerliches Grschwtir (1710, Seltz I, ls) = I.ungen-
ka Verne. — Kehtrn-Gt SChwÜr (s.|uluancia ist Resurr
[ßeswitr?] das wttxt underweilcn In «ler chell, under-
wellen aus der chell, Schindler II, 324) = Croup
des Keblk«)pfes (primär und sekundiU); (siehe
Kehlengeschw är; aber auch Sir) (Zlpp 579). —
Kiefer- Qt schwür = Winddorn mit Knochen-
eiterung am Kiefer beim Rindvieh (Kiefer-
Wurm). — Klnurn- Geschwür = «las bei der
nicht ansteckenden Klauenseuche (s. d.) be-
obachtbare G«-schw ür am Kindsfnsse. — (1844)
Koltun- Geschwür = Ulcus trichomat. (Kraus, E.
Iu32), Weicliselzopfifeschwfir (s.d.) (von [rotruss.)
Koltun — NaRel, Tflock. Pfahl, da der Weichsclzonf
wie ein HaarpHock sich uestaltet; angeblich zwischen
1M5 nnd 1695 zuerst In p«>lnlschen Ijlndern beobachtet
und auch als v uerisches Hautlclden pe«leutet, Weese 4«)
4U
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«26
-schwfir.
Schwürbel— Schwuls.
(n. Koltnn). — Krätze-Gt schwtir, l.=dteHaut-
ulcoration, die sich aus einer wirk hohen Kratze-
pustel entwickelt {Bohrend 86), Ulcus seabiosum.
— 2. = das Geschwür, das sich durcli da» sogen,
innere „Krattesiechtum" (Hahnem.) entwickelt.
— (1742) Krebs-, (1787) krebsichtes Geschwür =
Ulcuseanciosum, der zerfallende Krebsschaden.
— (1776) venerisches Krebs- Grschwür = tertiär
syphilitisches Geschwür, vom wahren Krebs-
geschwüre getrennt (Plenk; Gr. w. V, 2133; Zw.
398). — (1838) Kronen- Geschwür ■ Geschwür an
der Hufkrone des Pferde* (Merk 93). — lAuse-
Gfschwttre, überdeckte - bei der Lilusesucht
(*. d., Phthiriasis) angeblich durch die Lause
erzeugte und von ihnen (iberdeckte Geschwüre
(Koth 41')). — (1696) laufenden Geschwür (Sehn-yer
I, IG) = mit slarkem Sekrntionsflussc eiterndes
Gesell wilr. — (17Ö6) Leber- Schwürung - Leher-
abscess nach der Leberentzündung (A. v. H. I,
784). — Lepra- Geschwür - der eu Geschwüren
zerfallende Anssatzknoten bei d. Lepra (Dontbl.
72). — Lunken- Geschwür, 1. = Lungen- Abseess
(Empycma pulmonum). — 2. = chron. Lungen-
eiterung mit Auswurf (vomica) (Gr. W. VI, 1303).
— 3.= Lungen-Sehwindsucht (Tubercul. pulm.)
(Hrenmr Schaffer 29). — Matjcn-Geschvrül = Ulcus
ventrieuli, MagenBchleimhaut-Substanzverlust.
— A'aM-Geschwttr (Gurlt III, SM) - eiternder
Nabel. — (17. Jahrb.) Nagel Geschwür = Nagel-
geachwar, ein Panaritium, Eiler- Ahscess am
Kingernag6l(Fingerwurm),Paronyehium, (daraus
virwtiimmelt: Panaritium, Dornbl. 9"> [bfinor Nagel];
(ir. W. Vit, 2l'.fi; Arkerm. 381; Zw. fi63; Behrend 8n).
— (I73r.j A'«s'»i-Gischwür, 1. = eine übel-
riechende geschwürige Stelle (auch Polyp) auf
der Nasenschleimhaut. — 2. - der üble Ge-
ruch selbst (O/.aina Galeni) (Woyl TO, Gr. W. VII,
412; Hell Iii, 4C7). — Nienn- Geschwür - Eiterung
mit SubManzvei bist an den Nieren. — (l.vus)
Pestilenz- Geschwür — eiternde, schwärende
Pestbeule (Gr. W, VII, 1574) (s. Hlutgesehwür). —
(1742) Höhr- Gr schwür - Hohlgang aus Ge-
schwttrstellen, Mstula. Ulcus sinuosum (Zw. M6).
— rosige Geschwüre — schwärendes Kotlauf
(Rose) (In Besprechungen; Krluchb. 85).'— Schenkcl-
G»schwür (17 in, Seit« I, 11) = Uleus varleosiim
Unterschenkel-Geschwür, offener Schaden am
Unterschenkel. — schlieriges Geschwür- Ca m-
buca Paracelsi, das primär syphilitische Ge-
schwür an den Genitalien («. Kolben und
Schlier). — (1839) Schmutz- Geschwür = das
Rupia -Geschwür auf der Haut unter der
schmutzig aussehenden Borke (li.br.nd 28)
(Schmutzborke). — Spitz - Geschwür m eine
eiternde Papel, Furunkel, Eis« mit ntarker Pro-
minenz des Eiterpfropfes unter d. Hut {Franken;
Gurlt I, 120). — SfVflW-GrSchwÜr ~ Strahlkrebs
(Merk 97). — (17i.l) TVirZ/mvi-GYschwÜr (= acfrilop*
[= a n ch y 1 o p s ] , b. eh. 2. 4; cgllopos vocat !Ui|w>r-
fluas raro.'« In aiietills nntas oculorum, Du fange I,
1K>) — Gesch whr im Augenwinkel an den Thrll-
nen Wärzchen — (17.V.) venerisches Geschwür =
Ulcus syphil. (A. v. H. I, 1302). — (UM) Weichscl-
ro/j/'- Geschwür es Ulcus trichomaticum - das
unter der die Haare zur Zopfform (s. Weichsel-
zopf) verklebenden Sekretkrnste sich befin-
dende Koltun-Geschwür (s. d.) (Kraus, F.. 1072).
— Wurm- Geschwür, 1 = die aus den Kotz
(s. d.) -Knoten (= Wurm, s. d.) beim Pferde
sich entwickelnden, rasch sich ausdehnenden
und den Tod des Tieres verursachenden Ulce-
j rationen (Z. Hdb. d. s>p. Path. n. Tb.-r. in. 424). —
, 2. =(1743) Wunden od. Geschwüre mit Insekten-
maden (Ulcera vermiculosa , Wurmschaden)
(Bibl. Medlk. 576). — Zahn G«schwür = Zahn-
j geschwar, eiterbildender Zahnlleischabscess,
Parulis (Pauli 13; Meyer Conv.-lx-x. XVII, 947). —
Schwtir-, Geschwürs- (jeschwtirige ) -äuget,
■Blase, -Blume, -Lungen, -Lungensucht, Pusteln,
Rose, -Rotlauf.
Schwürbel, m. (Schwurm) (angis. «wyrfon =
wirbelnde Bewegungen machen, Cook. II, 408) — (s -f-)
Wirbel, Schwindel (Schm II, 647). — Grschwtirm
= vollständige, geistige Verwiriung, Qualm
(Schmellerl. eod.). — schwurwelig = schwindelig
(Egerland; Kroinra. VI. 174). — 8chWÜrbe\- Kopf .
Schwulch = ein stark hervortretendes.gleich-
sam geschwollenes, schwulstiges Doppelkinn
(Schmeller II, 631).
Schwulgerung s. schwülken.
Schwuls, m. Schwillst, f., m. -schwulst In
schwellen [s. d] ; nhd. giawulst, suulst = tuber, <;ratl
VI, 87.">; mhd. swnlst = Schwiele, Geschwulst, bexer
263 ; svulst, Schulixe, h«f. I*bcn II, 286; 1476 IWObt, f.
bocio bothrio . callu», doritiei BUlQtnn, Di Ffi
IHM trus od. geswulst - bocio. [). II, M ; hociuin, bo-
tlum = Kropf [«. d.i. Gurlt III, 811 ; au« arabisch txith
— Geschwulst ; nnd. »wul«t = Geschwulst, An«ch«ol-
Iuiik, oedema, Hydropia, Goldsohm. 5. 89. 120; dftn
svul<t; 'Neti-Riippln in Besprech.] schwuls, Z d. V f
V. K. lS'.i7, S. 58; 1630 ein »wuWt oder ein iteswer -
Hposicma. tumor praeter noturnin, Gurit III, 84). —
Schwulst, 1 — der Zustand des Schwellen»»,
der Gesell wollenheit, geschwollene Stelle, mei»t
solche ohne Entzündung od. Hautröte (Heyne V,
r.17). — 2. - krankhafte Geschwulst (Tumor,
Intumeseentia, Kiemina, Phlegmone, (Tuber),
umschriebene Schwellung; die Bedeutung di r
Schmerzhaftigkeit («. Geschwulst) ist dabei
nicht gerade notig — Schwillst ist diffus und
allgemeiner (Intumeseentia); Geschwulst mehr
lokal und umschrieben (Tumor) (Schwulatkiloter
sind : Seneolo vulgaris, Euphorbia, .«pirnni nlmaria.
Solanum Dulcnmarn, 8edun> telepb , Mentha silvestrl«.
ChelMoolum raajus I.. (Jessen 90. 236. 371. 374. 381.
::s7 401) Die Schwul»! und die (Jc-ohn ulst galten auch
;il« die Fulire eines Dämonen Werkes, t. U. als MÜS'
brandkarbunkcl, der mit obigen IMlanzen behandeM
und bei d«-n Ostpreußen und im Anhnltischen be-
sprochen warte (Z. d. V. f. V -K. 1893. S. 22. 30; 181*.
8. 217; Krlschb. 60. 7H|; die Farbe de« Dnmons ist dabei
iiicl-! als gelb (odeinatiis) angenommen; die akutere
entzündliche Schwellunjf daKegou vertritt ein roter
Dumon. Die Geschwulstlehre der Sehulmedlzln beirann
erst am Ende des 18 Jahrb. etwas nu» den Kinder-
schuhen zu trelen, bis die freniale Meistcnchatt Vlr-
cho\i Klarheit nnd Lichta! • brachte. -- (1789 Ader-
([isor] Aderknoten) Geschwulst - die knotige
Erweiterung u. Schwellung der Unterschenkel-
adern (Krampfadern), Varice» (I^ec f. d. ts M. ;
Aekerm. 439). — (i68i) .lr»»» Geschwulst = rheti-
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Schwulst.
Schwulst.
027
malische od. sonstige Anschwellung dei Arro-
gelcnkes — fi-vn) .Bricfrcn- Geschwulst, f., n. =
Tumor mnlae, lutumescentia Renne, I'arulis,
F.pulis = eine neinhaut- oder Schleimhantge-
schwulst am Kinnhncken (D. M. w. ih-.h>, 8. 11;
Zw. 2fio; Gr. W. I, 1SSS). — (1748) Balglein-, Balj-
'- schwulst (IM', ab-pon«, to»lge*chwui«t, ge*chwnlst
■liiriiiti maticherlcy maleri versammlet Wirt. Kyll;
Gurlt III. 44; franz iine loupe [ — lupns, a. WollJ) =
eine gut- oder bösartige Haut- oder Schleim«
hautansehwellung in Form eine« häutigen,
beutclformigen Balges (BlaBe) od. Sackes gros-
serer oder kleinerer Form, Tnhercula (Celsi); j
Nodi, Atherom«, Melikeria, Mellifavimn (Cystn)
Gurlt II, 030; III , 482, K. ch. 201; Plattier I, 1;
Ackerm. 391) = Lupium (Kalke II. 8.r>) ; Nurcuni,
Naelnin, Naptae, Nntta, Narta (= cancer, D. 378;
Du Csnge V, »70 571; (iarlt III, 4*3; franz toupes). —
(1607) Btirmuttir- GrBchwulst = ei n Uteiusiumor I
(r.. Ii. Kiliinmyonm) oder Anschwellung der Ge- |
bärmutter durch Anschoppung von HItU (ln-
farrtut uteri, s. Windgeschwulst). — (14S2) ört'n-
GYschwulst ipalnge>wutst) = Cruscumulus, Crus-
sicuiiMj Tumor crurum, Periostitis, Kxostosis,
Toplius syphiliticus (Zonin«;. Voc. y2; Du fange
II, 631; Zw. (harte Bcmgeschwulsten). —
venerische /teiii-Geschwulst = Gumma (s. Bein-
geschwell und weisse Geschwulst). — (17»:)
tfewM -Geschwulst - Sackgeschwulst z B. Cysto
varium (Ks.lch 229). — Blasen GVschwulst^eine
wachsende Anschwellung (Neubildung) inner-
halb der llnrnblase. — der blaue Schwulst
blaue Kose, bliiue dlatter (Milzbrand-Karbunkel,
seh wsirzblauer) ; (well damonistlsch verursacht an-
genommen {<-. blauer Wurm] durch Besprechungen
behandelt, Z. d. V. f. v.-K. 1897, R l«vi). — Bluts-
O'iSChwulst (148S geswokt de» plutz bs Hemmen,
Tumor sanguinis, Zeniug. Vor. ml), 1. = eine
au» lilutgeriuuBeln (Thrombus) bestehende Ge-
schwulst (HaematomH, Thrombus vaginae). —
2. ^ ein Blut und Kiter entleerendes Geschwür
(Phlegmone). — 3. - eine au» dem Blute abge-
lauerte Geschwulst (Blutgesehwär) (<ir. \V. II, 1*3).
— 4. — eine blutigrot aussehende (ieschwulst
(flammen 8. d.). — 5. = Aneurysma, Varices,
Ecchymosis (1740, s.iu t, 18). "— (1748) Brei-
Geschwulst -• eine Balggeschwulst, die einen
seilenbrei- oder grü »breiartigen Inhalt hat,
Athi'toiu-Zyste (Gr. W. II, 38'>; K. ch. 205). —
(l".l..) Brust- (Brüste )GrSChwulst, 1. - (die
geschwulst der zentchwolleneo klndbeUerlnnsn hrnste.
I.ooic.) - Mastitis puer p. — 2 - (harte gesehwulst
iler lintstc) = Seirrhus mammae (l.rustkrebs)
(Zw. -ui). — 3. = (wft«i«erichtc In Bummelm eist,
nedema mummarum, Zw. 4X1) — Hautw assersilcht
an der Brustgegend. — i. = BrOitgeRCbwItr
(l'leuresis, Kmpyema) (D. 442). 5 = Gynä-
komnston (1761), Hypertrophie der männlichen
Brust. ir Ilse (L. oh. 88). — cholerische Geschwulst
(1845, 1882; Gurlt III, 84. 88) — durch cholerische
Feuchten-Zulluss oder rote Cholera (s. d.),
nach humoralpatholugiscber Lehre entstan-
dene Schwellung, Krysipelas, Phlegmone
(Pustulae cholciicae, Herpes exedens der Alten).
— JDirAfeci'fi-Grschwulst = Sehehkelgesch wulst.
(1807) />ni«c«-G'rßchwtil8te^ HypertrophiBglan-
dularum(Aekerm.:W.i; die nicht, .aus angehäuftem Ului«
enL<tehen", wie «r. W. II. 1462 *teht ; dan. kjertel
[n. Kördel] anilat = BtranRlormise Drü«enkette hei Skro-
fuh'isen ; rhoerades, choiradi1!', chirades. (Jurlt III, SU ;
bul>o ist ein ße-rhwulst ^er tni-i chten ort als vnder
den achslen. oheu am schenckel vnd am hals; t.MS,
Kyff; (iurlt III. 41; phyma ist ein «cschwulst der drüiM n
die schnell tuncmuien vnd bald ausichweren, 1. cod.).
— Eiter-, (1761) eiternde schwulst — eine An-
schwellunp, die Kiter enthalt, Apostema, Ab-
scessus, Atheroma (Gr. W. III, Wi. U ch. 9). —
Feifei- Geschwulst = die durch den Feifei (s. d.)
veranlasste Schwellung, Parotitis, Lympha-
denitis, Rotrlruseetc. (Meyer, Conv.-I.ex. XVII, 1016).
— (1803) /Vri-GrSChwulst-eine aus Fettgewebe
bestehende Neubildung (ehciiu«) (Lipoms); (mtl.)
Steatoma, nacla, napta, natta, nata ([=ite-
wachsen]. Gurlt [, 843; III , 287. 483). — (188*)
fettrig* Geschwulst = (itochfeuer, Botlauf,
Kose (Ant.-iich ) — (1701) Fleisch- Geschwulst,
1. = eine Anschwellung, die aus rotem Fleische
ähnlichem (iewebe besteht (Sarcosis, Sarcomn,
Sarcocele, Myoma), oder Bich wie Fleisch an-
fQhlt (Behrend 64; tumeur chamue; clcclone). -
2. =eine (ieschwulst im Fleische, Tumor camis
(Gr. W. III. 1759). — (1741) Fröschlein, Fros<h-Ge-
schwulst - Kanuhi (Celsi), Hypojflossis, Hydro-
glossuin, Apostema durum sub luiyua, Sublin-
quium = Frosch (s. d., Patte u.*) (,3-itpa/oj, Gurlt
I, 362. 628. 785, 842; II, 164. 427. 708; Kanunculu? ;
1887 rancnln ; Irr. , I".87 irrenoullle -pource «nie les
pallens difflriküiiout peuuent nrliculer et Interpreter
leur lnngaire sinon en Rrenonillunt. , Pari>; wer ab-
»ichtllch auf eine Kröte [ - arme Seele, elblsoher Geist!
spuckt, dein wachst nach dem mährischen Volks-
glauben nach 3 Tagen der „Frosch" auf der Zunge an
1,. Frosch" ist Übersetzung der Knuula; ursprünglicher
Ist Kri>tc, s. d ], Wuttke 111. 2*1. 32>i ; Weickard 61 ;
Kirsch 883; Kraus, K . 4H»; 1001). - Frost-G< Schwulst
= Krostbetile (Gurlt II, ;.9l). — (17M) Fuss-Ge-
schwulst, I. = Anschwellung am Fusse (l-'uss-
rücken, Waden) o«ier der beiden Küsse 8. H.
i Oedema pedum, Tumor pedis, Periostitis,
Oedema, Phlegmasia (Gr. W. IV. 1. 1027; Ackerm. 63).
— 2. = Bruch der Mittelfu^sknochen dundi in-
direkte Gewalt (lsy*. Kirchner). — (17.«-.) Gailen-
Grschwulst = 1 1 od enansch wellnng , Hlrcus
(A. v. VL II. 8tio). — (ij. Johrh.) Ganwicn-Schwulst
(13. Jabrh. giimeu-swolst) = Angina, eine ent-
r.ündlicJie Ansc hwellung tles ganzen Gaumen-
botfens (Gr. w. iv, L 1582). — Geburts - Ge-
schwulst, 1. =■ <be am kindlichen Schitdel des
Neugeborenen bemerkbare Kopfgeschwulst 2.
— 2. - die Anschwellung der Schamlippen der
Gebärenden durch Thrombosis labmr. — (1778)
gelbe Geschwulst = gelber Knopf, gelbe Kose,
gelber Schelm, gnlbes Feu»T (Krischb. 60 ; Helm
28. 40). — GfSChWÜlS, G«ChWttlst, f., MI. (ahd
ga> willst livur vulnerls, vulnu», 'iraff VI, S7 3 ; glsu-
ül«t — minor, liiluiiie-cciitla. die Gesamtheit der An-
schwellung durch Ausdehnung uber das Normale
hinaus; mhd. geswulst, Kluge, 151. der g< -chwulst
pu-tela. I) 474; W. Jahrh. geschwuls = Pestbeule,
I^srsch272) = eine pal hologische, mehr od. weniger
umschriebene Massenzunahme an irgend einem
Körperteile, wodurch die normalen l'ormver-
40»
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K2S
Schwollt
Schwulst.
haltnisse desselben abnorm werden ; gesehwellt
ist mehr diffus*; 1 - schwulst ist mehr um-
schrieben ohne alle Rücksieht auf «Jen Inhalt ;
speziell: 1. - angeschwollene Wunde, Entzfln-
du ngssch weiht ng. — 2. =- Tumor, Gewächs,
Neubildung (dies die reclile (lesch willst). —
3. = Hautblatter, Schwiele. — (is:sti) GesiclUs-Ge-
schwulst, 1. = die nach der Geburt dos Kindes
bei Gesichtslage bemerkbare Anschwellung im
Gesichte desselben (v. Stebold no). — 2. = eine
Neubildung oder entzündliche .Schwellung im
Gesichte (Neoplasma, Parulis etc.). — (1497)
Gliedfer, ««)• Geschwulst, 1. = syphilitische
Knoehenauftreibung, zumeist an den unteren
Extremitaton.— 2. - Uedem, KrysipelaB an einem
Gliede (1649 geschwulst de- glid>, Kyll; tJurlt III, 64;
Fuchs I, 310). — (1761) Gru1 fr- Geschwulst = Athe-
roms!, Breigeschwulst.NodusBebaceusA vicennae
(Gurlt II, 392; L. ch. 9). — (1182) //alYGcSChWUlst,
1. = ihalMtroüwulxi — guttura) (Kehlsucht s. d), die
Krankheit der Kehle, welche Anschwellung mit
sich bringt (Benin*. Voc. n :.). — 2. = (alle Hals-
geM-hwülüle, Tumore» in rollo hies^cn mtl. borium,
«rat), botlmr. (iurlt III, '2X6. 237; bronchocele, hernia
gutturis. Mruinn) (s. Kropf und Kröte). — Haln-
maiiilrl G< schwulst ~ ». .Mandelgeschwulst. —
UundG SChwul8t <1'. Jahrb. handgeswlm = callu»;
D. II, 67> = llandschw iele. — (ms) harte Ge-
schwulst— Scirrhus, Krebsgeschwulst, Drüsen-
geschwulst aus hartem Gewebe (K. rh. 152; 1617
harte gc>-ehwül»te in den drüben — kröpft, (iurlt III,
191). — (1551) heimliche (/'.schwulst !die geschwulxt
am lieimliehen ort, der heimlichen glteder) — meist
syphilitische Geiiilal-Anseliwelhing ütock 21. 40).
— heisse, (158s) hitzige Geschwulst ■ eine ent-
zündliche Anschwellung, (•csrhwar (Or. W. IV,
1 1600; Z. d. V. 1. V.K. 1898. 44; 1M5 am wpUta
hitzige UeMbWOlnt, darum die speis* und tranelc am
»thlitidcn verhindert «erden, von lateinischen Ärzten
Inflummatio uvne. od. columellae [eigentlich : Hillern]
genannt, (iurl III, 41). — (15j1) Hm hbalj Gt schwulst
IftfM'bwilM der hoehbclg. liock 3J1) = Ilodenhaut
Und llodeuauschweJhing (s. lloihbalg). — (1199)
/iWen- Geschwulst lludentuwchweiJangfFuchi
I, 422; Tahern .). — (KCö) Hoiii'J- GVschWul8t =■
clin- r..i;g_e;.eh\vtll*l Meliki't la II •)•;•' •Urati«,
Atheroin-Zyt-te), die einen weiss-honigfarbigen,
flüssigen Inhalt hat, Favonia [[rann - Honigwabe],
Gnrlt I, 81>; 1756, A. v. n. I, 985; Or. W. IV, 2. 1789;
1783, I'latner I, 28). — (1592) kalte G<SChwulst, 1 —
ein« nicht »...t/ündete, nicht schmerzhafte Kiter-
geich willst oder Wassergesehwulst (Oedema),
namentlich skrofulöse Drüsenanschwellungen
(V. M. U, 102; 8ch. 312. Sil. 483; Muller Krtrbeh. 311;
M II. I. I, vi7). — 2. - dei Riusehbrand, dessen
lokale (rauschende) Geschwulst sich nicht heisB
anfühlt (s. böse Winde). — 3. — Senkungs-
Abscesse, durchgebrochene« Kmpyema (tinrlt
Iii, 70). — (1712) Kihlcn G* schwulst, (II. Jahrh.)
lVrBChwulst (15. Jahrh. kelenwolst sa cvnanehe,
Ii f»::% ; kelge«»l-l ^ -ynatiche, I). II. 339) eine ent-
zündliche, die Kehle verschliessende Anschwel-
lung (Schwelle) in der Nahe der Kehle (S<pii-
nantia, Cynanehe, Angina, Croup) (Voc. opt. w.
II ; Zw. 820 ; A. T. H I. 87). — (1S62) A'n l>- Geschwulst,
(weiss«-), 1. (ÜheiMdznng des) Tumor nlbu«
I fungosus (s. Gliedsch waiiiin oder weisse Ge-
schwulst 2 am Knie) (1*32, Sobernh. :»28). — 2. =
(hitzig, kalt), akute oder chronische Synovial-
haut-Entzündung (Onrlt III, 71). — Knoten- Ge-
schwulst, 1. = derb sich anfühlende, knollig
umschriebene Geschwulst (Ackerm. 391). — 2. =»
Anschwellung am Fussknoten. — (1836) Kopf-
'''schwulst, 1. = die Anschwellung am Vorder-
Bchadcl jedes neugeborenen Kindes bei u. nach
der normalen Geburt desselben bei vorliegen-
dem Kinde (Vorkopf), Caput succedanetim
tSlebold). — 2. — die seltenere, abnorme, durch
blutigen Erguss gebildete Anschwellung an
demselben (Cephalhaematom). — 3. = ein Tumor
überhaupt am Kopfe (z. B. Heule), Parotitis
I (nach dem Volksglauben [Tirol; Alpbg. 126j; durch das
elhiM'he Anblasen ,'«. Anwaht] eine« Stollwurms veran-
lagt). — 4. -eine bei der SchnüUelkrankheil der
Schweine auftretende Schwellung des ganzen
Kopfes, der ein ganz unförmliches Aussehen
bekommt (Zlpp. 676). — Kropf Geschwulst -
eine Anschwellung am Halse, die durch Kropf-
bildung (Struma) verursacht ist (Sobernh. sei). —
(1680) krystalline Geschwulst = primär syphi-
litischer Affekt an dem Gliede (s. Krvstalline)
(Pr. II, 277). — (1782) Kü >bis- Geschwulst ( = natta
[cancer), L ch. 59; D. 94) , der Küibisforui an-
geglichene Neubildung (HriiBtkrebs? Balgge-
scbwulst). — (ins) Läuse- Gf schwulst = wenn
der Arm nach einem Aderlasse anschwillt (II. v.
(lersd.48). — Lehn-- Geschwulst - I^beranschwel-
lung, Leber blattcrung* — (1551) Macht -Qe-
6chwulst (geschwnlst der macht , Bock 62; 1'rflS,
<Jr. W. VI, lioi) = Hoden- (-Gemilcht-) u. Glied-
anschwellung. — (1532) Magen ■ Geschwulst -
tympanitieche Anftreibang des erweiterten
Magens in Geschwulstform („eine windige ver-
sammle in dem magen von wegen blodigkeit der vir-
dauenden kraft, Krie» 107; I3M magenx geThwul«.
Lonlo.265 j v. M. II, ;«). — (1515) Mandel- Geschwulst
= [nflauimalio tonsillarum , entzündliche An-
schwellung der sog Mandeln (s. d.) im Gaumen
(tonnillac. da» Ul dleliewhwuUt der halsmandeln vnden
am hals, (iurlt III, II . Ur W. VI, 15M; Coler, II. A. 126;
lat. Segen au.» dem Jahre 100 nach t'lir. dagegen, «. Janu*
lsss. v>9) ; (Angina tonsillaris) — (1843) Mamt-
umrf$- Gi schwulst, 1. = eine Entzündung der
Schleitnueutel (traumatische Genick heule mit
häufiger Fistelbildung) zwischen und hinter den
Uhren des Reitpferdes am Genicke (Talpa, mal
de taupe, [15. Jahrh.] Topinaria) ; die mit dem
vielgängigen Wtthlhaufen des Maulwurfs, der
über dem unterminierten Ackerfelde sich er-
hebt , verglichen wird und den der Heiter in
seinem Gesichtsfelde hat. — 2. = die Talpa beim
Menschen war eigentlich jede Art von Kopf-
geschwulst, namentlich schwammige Grülz-
betitel auf der Kopfschwarte (Janus 1897. 301 ;
Mayer 72; Föniter II, 1026; Falke II. 106). — 3. ■ „eine
Caries am Schideiknochen mit allen ihren
Folgen, wenn sie auch als ulcorierte Balgge-
schwulst beschrieben wird" ■ talpa, topinaria,
talparia (s. auch SchildkrötengeHchwulst) (dnrli
i, 70«. 8ii; Iii, 666). — (INS) mclancholitche Ge-
schwulst (*o ein art des kreb* hat. Cancer apostc-
raatleu» oder tumor eancerosn* genannt [UytT; Gorll
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Poh willst.
Schwillst.
III, M] D. von mvlancholifchcr Feucht« Ihren Ursprung
hat) = Scirrhus, Cancer, Elephantiasis, Lepra
Arahum et Graecorum, Verrucae, Clavus (Gurlt
III, 281) = jede Art von Tumor mit Pyskrasie
(s. Melancholie). — Milch-Gesch Willst = eine
umschriehene Anschwellung der Milch- (Brust-)
Ortisen hei Schwangeren, Wöchnerinnen oder
Neugeborenen (Galactokele, s. Hexenmilch)
(Gr. W. VI, 219a; Schmitt Jahrb. ISO Bd., 8. 94). —
(17. J«hrh .} Wi/z-GeSChwulst (die gc.schw ralal des
lnlluc«. Kr Kr H. 3«2) = Milztutnor. — (1735) Nabel-
Geschwulst, 1. = die umschriehene Anschwel-
lung infolge eines Nahelbruches, Hernia um-
hilicalia (s. auch verschwollener Nabel). — 2.=
eine Entzündung am sog. Schlauch des Ochsen,
der hinterm Nabel beginnt (Woyt 620; Martin). —
(1711) -YacA/'-Geschwulst ■ die Ober Nacht auf-
schiessende, auffahrende Nachtblatter, Nacht-
schuss, Herpes labialis, Phlyetenae (a. v. II. II,
MS), Epinyctis l'linii: wird geneunet braun,
schwarze, hitzige Blatter (Kirsch 138). — Nieretl-
(• schwulst, 1. — (17. Jahrh. geschwulst der niereu)
■ Hodeiiausch wellung, Tumor testiculorum
(Gr. W. VII. 832). — 2. = Nieren-Neubildung oder
Geschwulstbildung, Tumor renum (Gr. W. VII,
832). — OÄren- Geschwulst = Obrmötzel, Ohr-
muggel (Parotitis ), Anschwellung der Ohr-
speicheldrüse (16:M) Parotitis ein Geschwulst hinter
den obren. Gurlt 111,8.»; 1707, lliluml. 16). — Perl-
'•■ schwulst ^ Cholesteatom, eine solide oder
cystische Hautgeschwulst von perlmutterahn-
Itchem Glänze meist durch Trauma verursacht
(iMsch. Z. f. Cbtr. XXXVIII, 8. C06). — /W-Ge-
sch willst. 1— die Pesthautblasen (s. d.), Tumor
pestilentialis. — 2. = Pestdrüsanbeulen (Gr. W.
VII. 1.78). — (l.Y.2) phlegmatisch Geschwulst
(wässerige) (Rjfl , (Jurlt tu, frs), |, m allgemeine
Waesersucht. — 2. = lokales Uedem, Phlegmasia
alba, Apostema phlegmalicnm (<;urh I, 73".;. —
(1790) Pulsader Geschwulst = Aneurysma (Richter
I, X.'fi; mtl aporisma. emboristnn, emborysinus, hypo-
ri-ma, oporisma, emburlsl«, mater MBgOUlls, Gurlt III,
.119; «las Aneurysma [von fltWJVjViu — nuf einer Seite er-
weitern sollte «plrttus [Luit] enthalten nach At-tlus ; l'are
nahm einen esprlt vital. l'tlrspirltlMl als Inhalt «Ii " Iben
an. Gurlt III, MO). — Quark Schwulst (nltnord.,
II. Jahrh kverkasull.Vlerordt 1 1 1) (*< <Jnerk) = K -tli^'s-
fibel.KehlengesehwulM Mie Krankheit, «eiche K'.iiig
Olat II., der Heilige, [ : 1029] heilen konnte nach dem
Volk«KlautM<n, Vhmr.lt ; Jüngere Edda). — rosenarti/e,
(1.92) rote G* schwulst -- Phlegmone, Erysipel ts,
die llaiitflti-eh wellung bei der Rose (s. d.) (S.-b.
Iii j M Aller, Krtrbeb. 175). — (17V.I Sack- G< schwulst
= eine flüssigen Inhalt fOhrende, beut«1) form ige
Balggesehwulst, Eierstocks Wassersucht, t 'y steil-
kröpf (A. v. II. I. 1J9.; Gr W VIII, W23i M M. lt. l,
o.!s). — (16*1) Selu n kcl G< schwulst, 1 - ■ *>•.»*>')
Phlegmasia all a dolens, die weissglanzcnde
Gedunsenheit des Ober- und Unterschenkels
bei puerperaler Venen Verstopfung am dickeren
Teile der Peine (s. weisse Geschwulst und 01-
sohenkel). — 2. = Gelenkrheumatismus in den
Gliedern der unteren Extremität (s, weisse
Geschwulst) (Ackerm. MS). — 3. = Bubo = Inflr-
mitas in femore. — [1768] Schildkröten • Ge-
schwulst = (H80) Testudo, 1. = eine grosse Balg-
geschwulst der Kopfschwarte, so breit wie eine
! Schildkröte und durch den Schmutz so verfärbt,
mit honigfthnlichem Inhalte. — 2. = oder (nach
Garn I. Sit) eine Caries der Schadelknochen
(angR testudo = lacrucac [vernca ^ Warze], I). .181;
A V. II. I, 981. 1181; L. eh Hl; Sentiert [Ifi&l] »agt Über
den Namen Testndo'uudTalpa, k. Maulwurfgescbwutat]
■ Hilft vero privatim c«[>iti nceidiint. |MCiiliaria Iis Im-
posita «unt nomiiia, quae tarnen apurt aiiii<ino« Graecos
vel Latlno* non exstant »ed a receiitioribu« Barbaro-
Lstiuls excogltata .«unt, Gurlt III, 170J. — (1192)
schwindsüchtige Geschwulst — die zur Schwind-
sucht (Phthisis tuberculosa) führende, tuber-
kulöse Knochen- und Gelenkanschwellung,
Spina ventosa, Tumor albus (s. b. 111). — Sehnen-
Geschwulst - Sehnenklapp beim Pferde (Merk.
BS). — (17&«) Seifen- Geschwulst - Ätheroma,
Steatoma, eine Balggeschwulst mit seifenhrei-
uhnlichcm Inhalte (A. v. n. II, 1078; 17*3, I'latner I,
2H). — (1.192) Seifen- Geschwulst = Seiten weh
(Trauma), Seitenkrankheit durch Eiteransamm-
lung auf einer Brustseite, die nicht selten dann
erhöht erscheint (Empyema) (coler, H. a. MO;
Seb. 183). — 77 Geschwülsten - in der Anrede M
Besegnungen für die Summe oder da« Übermass aller
Geschwulstarten genommen (s. 77) (Meyer MI). —
(1830) skrofulöse Geschwulst = die bei der Skro-
fulosis (s. d.) vorkommenden, lymphatischen
Anschwellungen (Kopp III, 57). — (17.16) Speck-Ge-
BChwul8t = eine Balggeschwulst mit speckigem,
ünscblitt ahnlichem Inhalte (Steatoma Galcni)
(A. v. H. I, 1210; Kraus, E. 987). — (1761) f algeiternde
Geschwulst = Steatoma - eine Geschwulst, die
talg- oder speckahnüehen Inhalt (statt des
erwarteten Eiters) enthalt flu ch. 80). — Teig-
Geschwulst = Odem und Ölschenkel (s. d.)
Falke II, 358; M3C 01 dem - ein geschwulst, die «Ich
griebeln )a«*et, Taracel-us; Gurlt III, 222) — eine
teigige tieschwulst, in der der Eingerdruck eine
(irube, Delle erzengt (s. Hölscbenkel). — (1756)
Thi änen- Geschwulst - eine entzündliche An-
schwellung an der Thränenkarunkel am grossen
oder inneren Augenwinkel (Anehilops; aegilops)
(A.T. H.II, l'>; L. eb.4). — TilllappenGeBChwvlBt ^
die Anschwellung des Penis cum seroto (Schra. 1,
.100) (s. Tilltapp). — (1813) Trauben- Geschwulst
Tiaubenhatit Vorfall (staphyloma) (Knlke II, 370).
— (1561) Tuttvn-Gt schwulst - Anschwellung
der weiblichen Brustdrüse (Bock 10). — (11(2)
unnatürliche Ge-schwulst - die nicht auf na-
türlichem Wene, sondern dun-b abnormes
Wachsturn, (Mfnung und Neubildung entstan-
dene Ansehwi'llunir (alle nnnatSrlkhc ge-chwuNt
oder ge«ch well •* apo<t<'ina. ab«ce««u«, exiturn, Ryff;
Gurlt III, «7; TriloiH Adlh. 00). — (175«;) tv«e-
rische Grschwulst (am Beine) - Tophus, syphi
litische Beinhautgeschwulst (A. v. IL II, 72:;)
Gumma (s. Beingeschwulst). — Poschwulst
(14, Jahrh. tremwlat, Voc. opt. W. 41; Hüo ver-th»ul«t
der kelen, D. II, 3:l'J) — die vollstflndig veischlies-
I sende Anschwellung, z. B. in der Kehle. —
Hrte/iÄ-Geschwulst airjpiw IJippokratia, Favoa,
die Anschwellung durch den Kopfgrint (siehe
Wachs). — (lCEKlj Waden- Geschwulst Schreyer I.
= Kussges -hwulst. — (1592) W arzeri Geschwulst
= Geschwulst in Warzcnform Web. 177). — [17SSJ
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630 Schwumni— Schwuud.
Bchwurbelig — Seele.
1 1 'usser- (wassersüchtige) Geschwulst (-Schwulst)
= Üedema, Anasarca cutis, Ascites, Cysten iU-s
Ovarium (ndd. swulst von t u nter, Gold-chm. 123),
wasserige Schwellung, Wassersuchtsansehwel-
lung am ganzen Leibe, diffuse und circum-
skripte Anschwellungen mit wässeiigeru In-
halte oder infolge von Wassersucht (s. auch
phlegmatische Geschwulst) (Richter I. 448; Ks*Ich
288; Müller, Krtrbch.). — (ISN] Weiche schwillst
der Schienbeine (Kuland) = Phlegmasia alba
dolens (weisse Schenkelgeschwulst der Wöch-
nerinnen) im Gegensatz, cur harten Beinhaut-
auftreihunp. — weisse Gi schwulst. -Schwulst, m.
1. = s. Schenkeigeschwulst, Phlegmasia alba
dolens (Olsehenkel). — 2. = Tumor albus
fiingusus, weisse KnoehengeHchwulst (Knie-
geschwulst oder (iliedHchwamm) (Ackertn. 302;
BobiTtih. 67); tlie durch Krguss in das Gelenk
prallgespannte Haut über dem Knochen ist
weissglanzend. — 3. = die G riechen verstanden
unter Äsexöv ip).i?u.a = weisse Geschwulst, auch
das üedema cutaneuui. — 4. - vermutlich auch
— Kauschbrand, gelber Schelm; weissgelb im
(iegeusalze zum hlauschwarzeu Milzbrand (Z. d.
V. f. V.-K. 1897, 8. 164). — (1741) wilde Gt Schwulst
= Gele, bösartiger Tumor (Klracb 301). — (1733)
Wind- (1725 windige) G\ schwulst, 1. = eine
tieschwulst, die nur aus Luft besteht, z. iL
Emphysem« cutaneum (A. r. H. It. 376; TU»», »s.u.
90U). — 2. — eine abnorme Auftreibung der
Organe durch Luft, z. B. Physometra (Bärmutter-
W in (iy< schwulst) (Woyt 476) oder Pneumothorax
(Brust - H'tnrfj/cBchwulBt), aber auch Dyspnoe
und Kmphygem. — (1682) IVMw/cn-Grschwulst
= Anschwellung der Wundflache (Ollt. IV, 120).
— lVtirMt-örschwulst = eine Anschwellung,
welche duich die Gegenwart eines aus dem
Darm ausgewanderten Wurmes entstanden ist
und aus Kiter, Darminhalt und dem Parasiten
bestellt (Wurm-Ahscess) (Leben tu Gerhardt IV,
2. 302). — (1593] Zuugen-Gi schwulst, 1. = Tumor
in der Zunge. — 2. = Drusenschwellung unter
Wer Zuntre heim Stränge! (Scb. 178). — ^schwül-
stiger Ort.
Schwumm s. Behwarom.
Schwund, m. (zu ich winden, lehwlncn, s. d.) =
Handlung oder Zustand des Schwindens, 1. =
Abnahme, Abzehrung des ganzen Körpersdtirch
Schwindsucht (Tabes, Alrophia) (Or. D. M. II,
Uli) oder Alter. — 2. = bleibender oder lange
dauernder, niedriger Ernährungszustand, Ab-
nahme in der GewebsfQlle einzelner Glieder
oder Teile des Körpers (Haare, Blut) (engt, twoco
= Ohnmacht, I.vhf. 235). Schwund des Bewusst-
seins, Sciiwindel. — iMcrs-Schwund -Senium,
die senile Atrophie, der naturgemftsse IVozess
der Abmagerung und des Schwindens der
Knochens, z. B. an den Zahnfächern in vor-
gerückten Jahren (I'lo^-Bartel- II, 601; Ko**in. 43).
— 4«/yap/V/-Schwund l'hthisis hulbi (Heyne V.
548). — Hut Schwund = ein vom Volke an-
genommener Vorgang im Blute, der in einem
dltmonistisch bewirkten Aufzehren (s. d.) des-
selben bestehen soll (Hesel) und der sich durch
:db_«'meine Blutarmut dann kennzeichnet. —
! GrAirw-Schwund = Atropbia cerebri, Kleiner-
werden oder -Bleiben des Gehirnorgans. —
Glied Schwund = Abzehrung der Muskeln, „das
Schwinden" (s. d.) an einem Körpergliede in-
folge von Lähmung oder Trauma (Heyne v, 54s;.
— Hf.ar Schwund = das Verschwinden der
Kopfhaare durch Ausfallen derselben (Haar-
fluss) (Heyne v, 548). — (1843) Zier*- Schwund -
Abnahme der Dicke des Herzmuskels (Falke I,
aal). — (1182) ffn/"-Schwund = die Abnahme des
sogen. Lebens (Kern) im l'ferdehufe.der Fleisch-
sohle und des Fleischstrahles mit Verkleinerung
iles ganzen Hufes (Ftilke I, 419; II, 60). — <l>t*2)
Kern Schwund (der gerensebwind, Scb. 177) = Huf-
schwund. — Milch- Schwund = da« Versiegen
der Milch im Kuter der Kühe (Gr. W. VI, 2199;.
— .Wh-.1'. . / Schwund = Ortliche Abnahme des
Muskelgewebes, das eigentliche „Seh winden"
im Gegensätze zur blossen Magerkeit durch
allgemeine Abnahme des Fettgewebes (<;r. w.
VI, 2746). — Nieren Schwund s. Schwund-Niere.
— Schädel Schwund = Kraniotabes rhachitiea
die bei der englischen Krankheit beobachtbare
1 Erweichung des Hinterbauptscha-lels infolge
unzureichender VerknOcherung, so dass der
Schädel stellenweise wie geschwunden und
dünner erscheint. — rergehwunden sein (1740;
Seiu II, 38) = am Sehwunde od. Schwinden leiden.
schwurbelig, Schwurm, schmurmelig siebe
schwnrbeln.
Scythen. — scythische Krankfteit.
Seche, f. s. Seiche.
sechs. — Sechs (6) Finger, Wochen, Wöchnerin.
Secten, pl. er hat Secten ~ Insekten,
Grillen (s. d.), Würmer im Kopfe, Schtullen,
Launen (Tirol, Wolf 168) (s. Alp VI).
See, tu. f. — Boö'Hand, -Krankheit, -Mi nach,
•sieih, -Skorbut, -toll.
Seele, f. (verwandt zu lat. »acrulum und aevum —
Ifeoselieintter, Keil . sanakr ftyu - Leben »kraft ; urgertn.
salwal» ; ahd, seula, selu [sewlaj; luhd. sele, Kluge \ 314),
L = das vom Korper unabhängig existierend
gedachte „Wesen", welches beim Tode diese
Verbindung mit dem Leibe aufgibt und den-
selben verlasst, womit für diesen die eigent-
liche Lebenskraft, die zeitlichen Lebenser-
scheinungen aufboren; weiterhin und erst
allmählich ist Seele 2. = der Sitz der inneren
Vorgange, die unsterbliche Ursache des Lebens
bei Menschen und Tieren (nach H. Paul 410). —
3. = „die deutsehe Volkssage schildert die Seele
(aulma, £\eu.o;. iio — weh.] häufig als Lufter-
KClieintHIK" (Golth. 80), auch als Irrlicht; („die
Elben und die menschlichen Seelen [angeborene und
abgeschiedene] gehen überall nach den IxtdOgcrOM-
nlselieii Mythen in einander über", Weinhuld. Nach
dem Volksglauben konnte die Seele 1 al» Gclsl [«. d ]
oder clbisehes Wesen [Klndlclu. Engel, Schmvlterliiitf ,
VOffel, Mucke, Maus etc.] auftreten; dlOM leUteKO
wurden sogar selbst zur Seele oder deren «Jclcitcr und
•1 rrtg* 1 Im , ihrer An- Uhr. Ii 'In- Bfd nleh □ IUI dl ■
Engcllaudc. I>n- deutsche Totenreich [Unterwelt] war
Ielne friedliche Wohustätte der Seelen , von wo die
Sendboten Storch oder Schwan die Seelen zur F-rde
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Seer — Segen.
sehen.
83!
brachten ; nach dem Tode vereinigte sich die ins Be-
reich dir Winde entschwindende Siele des Menschen
wieder mit dem Üelstcrheerc der IVrchla-Holdn, die tu
den Zwolfnachteii durch die Lüfte «aust; In den Zeiten
der Ruhe aber lebten die guten Seelen im Seelenreiche,
die armen, uncrlostcn Seelen aber Im dunklen Walde
Mar; Elben]). — 4. = Her« (min s«le üf clme rlppe
-tat, schmeller II, 256) als Sitz der Seele. — 5. =
Eingeweide, z. Hftringsseele (13. Jahrh.) herlngss
wlen, Schmetler II, 2.%6; Z. I. ö. V. K. 1896, 328). —
6. = s. Saide. — be-, ••/< seelt - »dt einer Seele
versehen (sobald die Knieht geselt IhI, soll sich die
Schwangere des Tanzes etc. enthalten. Schmeller II,
J'vs). — Seelen -H uts, 'Scheidung, -Sprache.
Seer s. Sehr.
Segel, n. (segeln) ( = Mttceapaantea Tuch tum
Forttreiben etile" Schiff.»; ndl. «eilen) = die wie
Schiffssegel vom Kopfe abstehenden, langen
Ohren beim Menschen (V.-K. I, 9). — segeln
mittelst der Segel fahren, schw ankend wie ein Segel-
schiff, plump, betrunken gehen. — Segeln, n.
— die Drehkrankheit der Schafe, weil sie mit
erhobener Nase und abstehenden Ohren schwan-
kend und taumelnd dahinlaufen (Gr. W. II, 1367).
— Segler, m. = ein solches Schaf (Zij.p. IM;
Kalke Ii, J09J. — Gaumen-Segel — die schlaff wie
ein Leinwandsegel herabhangende, spannbare
Schleitnhautfalte am (iaumenbngen (Palatum,
Velum); s. auch Segen, Sengel und Sigel.
Segen, m. (Seng, Sang, Segel, Sengel. Sigel)
(nu« lat. slgnum cmci-], Gr. W. V, 21«2; ahd. st>gn:i ;
mhd. «cgeii - Kreui -si-leln n, Welhuug durch dasselbe,
Zauberxeichen , i»ch\ved. siRtierie = ZMibettl ; dan.
»igne = Zaubvr»eRen, idgnckone — ZuibcTWelb, Segen*
«precherln. Schnuller 11, 239; 1123 l«t in Island «knar
= christliche und heidnische Weihe eines »Jegenstandes,
Maarer II. 413; der hl. Severin heilte mit einem Kreuxes-
•rfebCB [Krvii*«chnlu?] eine Hnutphlegmoue; O -Pfalz
s. gel = sigel, Beb melkt II, 238), 1. - llautzeiclien,
Hautmal, Maxen, Lach (s. d.), l'nmal, Brand-
mal, Brandwunde («engeln = da« Brennen mit den
Ncsselu, C. v. Sehn». 492; Seng = llratid wunde). —
2. — Geschwulst, Heule, UeschwAr als Best-
reichen, Lintceichen, Petecliie (-=- signum)
(O.-Pfali; Schmeller II, 23s; Hb. s. r II, 333), Mal über-
haupt, Wildfeuer (h. d. u. *). — 3. = »las Oe-
deiben, das Gott auf M.lciie Segens-anrufung
gewahrt ;z. B. gesegnete I mstande (ndl. gezegetid,
V.-K. II, Ii - guter Hoffnung sein. — 1. - das
Zeitliche segnen — sterben (mit BVguus Wunsch
Abschied vom Leben nehmen). — Seg&er ( I''l6 saegner,
Z. d. V. I. V. K. WM, S. 448 [«. Laxner], Z. I. d Mythol.
iv, HS). — (r-segnet, n. (ii<o ue-< -m = Unis sacer,
D. 2*6; 15. Jahrh gv.egetit. II. Z. XX, 23 = iln wiRluck-
licher Zufall bei Wunden, Sehra. II, 210; du« Resegnet
kumpt in kindern so die nntur au-tr> ibt d«s uberliiczlg
plut, Schmeller, l. eod. - Fclanpsla Intention ; i.">32
gesegnet = cry-lpcla.«, Auflaufen d- r Fu-se und Beine
mit Hitze und Kote, Gr W. III. 178Ü; 1684 gesegnet -
ery-ipela.« [Wir-ungj; K>20 R>— gnet — BOÜMttf, «iloch-
teuer, I>r. Minderer; K.I9« gnet, Lcchfelder Miraki-Ih. ;
Schwaben ge-eguet, g.sengnet, Verseliglen = Kullauf,
Koiw, Gliederrheuma, heftiger Katarrh, C. v. Schm. 489;
Schmeller II, 210; Pleiik 12,), eigentlich = das mit
einem .Segensreichen Vernebene, daher das zu
Scheuende, Gefürchtete, 1. = das Ungenannt
(s. d. 3) = Eryeipclas (Ignis sacer), das sich zu
Wunden gesellt (Afel s. d.) oder scheinbar von
selbst entsteht; (die dämonische Natur der angehex-
ten, weil von bösen Menschen „zugebrachten" (infek-
tlotis-' Krankhelten macht, das» das Volk Ihnen gerade
wie unheimlichen, gefürchteten Tieren, um sie abzu-
wenden, freundlich schmeichelnde Kosenamen beilegt
und es sich hütet, ihren rechten Namen auszusprechen ;
man umschrieb die wie ein bo*es Tier [«. d.] gefürch-
tete Krankheit mit I'nRenannt, das Selige, das Gute,
fo auch mit „das Gesegnete", Gr. D. M. II, UM;
Schindler 171; aber auch mit „das rngesegnet" «. d.).
— 2. = auch andere gefürchtete, infektiöse
Krankheiten werden so benannt: a) das Ver-
gicht, Eclampsia infantium et parturientium,
Rheumatismusarticulorum acutus; b)Sehnupfen
als Ausgang der Gesichtsrose infolge von
Erysipel-Coecen; c) das infektiöse Puerperal-
fieber (als Ausgang zu rotlaufähnlichen Strepto-
eoceen-Krankheiten). — 3. = in /zrsegneten
Umstanden s. Segen 3. — Htm Sengel = Ver-
letzungsmal auf der Stirne (durch Sturz) (ob<-r<»t.
Jahrb. iwi, s. va). — nie </< /-/esegnetes Kind
s. Kind. — U>i /i segnet, n. (1483 nmegnel — lm-
peltgo, Zeuing. Voc. o2, (3 — Zitterach [Kkzemo];
15. Jahrh. ungesegetit = ein nngluckllcher Zufall bei
Wunden, II. Z. XX, 21! Jungsengt] ; 15S2 Schuicrtzen
der Wunden so die Schrine oder das lTng<segnel da*
l«t die Wund-iicht sich darzn-chlagt, l.ouic. 210; Milte
d. 17. Jahrh. Rotlilauff oder das l'ngesegm-t, das |»t die
Wund-ucht, riiR 's. gnet, die Schöne das i-t die Wund-
siicht, die sich dazuschlagt [zur Wunde], Fr. Kr. B. ;t7S.
3S1), 1. = Afel (s. d. sub Fell), Wundsucht
(Schm. VI. 210) oder Erysipehis (HotlauO, das zu
Hautgeschwüren (Zitterach), Wunden, Nasen-
geschwüren sich gesellt. — 2. = ein fieberhafter
Anfall mit Hitze und Erost, angeblich so genannt,
weil man sieh vor dein Ausgehen Hiebt mit dem Weib'
wa-s, r gesegnet (Delling) und so vor dem F.iullusse der
Hexen und Kranklieltsilämone gi-lchert halte. — V et -
Segnet (11. Jahrh. der heilego tuuibo vers.-gne tlusa
wutida. Gr. D. M. I, 195 = das [personlflzierte] Heiltuni
[oder der stumme (s. dumm) Bergriese?] gebe dieser
Wände einen audereu Segen' [.'Vj; 1482 Versegelit —
Zltternob, auspruog, sicca lenbieti [Ekaena], t; r. w. Ii,
1741; III, 11>8; vcrweiiglen, C. v. Schm. 189 ; versegeut,
Bebmellex 11, 2ioj = rotlaufarliue Hautentzündung
beim Ekzema capitis, als eine mit unrechtem,
schlechtem SeL'en, aufgetretene Krankheit
(s. auch Abfell, Afel); dalier auch mit den
Fersen gesegnet = vom Teufel mit dem Bocks
fuss gereuet, verhext, bezaubert (Riezler 162;
16. Muh.).
sehen, Sehe, f segn, sechen (indogerm. seq ^
folgen, Verfolgen [sequi]; vorgerm. seq; gem.-germ
sehw = sehn, mit den Augen folgen, Kluge1, all; nhd
seliau; mhd. sehen = seilen, m-he,f. — m'ie< oculoriiui.
Visus, lloffin. I, 890; dialekt. Mühen - .sehen, IJ. II,
39; ndl. tlen, Kluge4, 314; engl, seelng = *ie«lclit) -
durch den verfolgenden Blick wahrnehmen,
schauen, z. B. gut, schlecht sehen. — nicht ans
den Atmen sehen bei Geschwulst der Augen-
lider oil. Schnupfen; erscheinen. — nach dem
Vater sehen - dem Vater gleichen, gleichsehen.
— Sech, f. Sehe, f, m- (**<> - pupiiu, h. z. xv,
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(532
sehen.
selien.
322; angls. sion - pupillis, Cork. I, I.XX, ahd. seha —
pupilla, Uraff VI, 12.» j D. 473; B, Jahrb. Reha ■ pupilla,
Rnb. Maur. »1; H Z. XVI. 24. CS; 12 Jabrh. eeho =
Sehkraft, Pfeiffer 79; 13. Jahrh. sehn ■ aclo», D. 9; mbd.
sehe, s< je, •■ acies, U sei 223 . :• I . i i febril -• tu
~ auics, pupilla, D. 9; altn. syn, f. — Anblick; sja,
sa, »Jtum — sehen, Kick. £90; bis ius 18. Jubrli.) \
Sehe, 1.= Vermögen zu sehen (H. Paul -uu),
.Sehkraft. — 2. = Augapfel als Organ <ler .Seh-
kraft (Lexer223; Schmelier II, 215). — 8 = Pupille,
Sehöffnung im Auge, Glcne Hippokrat's \Hyrtl,
K. W. 94; Sehmellcr, I, eod). — Seher = die Lichter
(s.d.) oder Augen des Hirsches (Jägerspr. ; Gr.
w. vi, 8-8). — sehig ^ seilend. — ^n-sehen, n.
(angls. onsyno, onscone = aspectus, facies, Cock. I,
LXX, LXX1V; II, 242) - Angesicht, das Aussehen.
— Augen- Sehen, n. -Sehe, f., m. Siehen (<ien
sehen <ler ouRen m pupillam oeull, Schmelier II. 216;
mbd. ougen «eben ■ die Sehkraft der Augen, Lexer
IN3; 147") äugen syen. -sien, iuuti = vlsua, Ü. 623J,
I. — die Sehkraft. — 2. — die Pupille des Auges
I1M3 uvea, da* I.öchlcln mitten im Auge, Coler, II. A.
117). — atw-sehen- Anhlick (Antlitz) «ewahren;
s. B. wie das Leiden Christi fliosehen = sehr
hlass, elend, ausgehungert aussehen (Spiens Ii,
150). — krankes A losehen = kranke Gesichts-
farbe. — schwindsüchtiges A n -sehen Habitus
phthisicus. — 6<f-sehen (ahd. plseban = colere ;
nibd. beseehen ; 1120, 1477 bcseherinnen , wjbjceynne
= pupllla, D. 473; 1612 besehen, H. Sachs, Schmelier
II. 245 fl.) — unter Besichtigung der Kianken und
Entdeckung der Bedürfnisse derselben sie
pllegen , besorgen (namentlich von Wöch-
nerinnen, Kindern, auch vom Vieh); dazu
Seich-Seher (IS. Jahrh. »alehsenher, D. II, 39) =
Urinbesehauer, Glasarzt*. — (r«7) '»i -sehnig
(byslcnich - paetux. I). 432) - bei etwas schief
sehend, vorbeischielend. — (oberb.) dYr-sehen,
sich — verseilen (Sebmeller II, 246). — (1790)
doppelt sehen, 1. = mehr, weniger gedoppelte
Sehbilder empfinden durch Krankheiten des
oder der Augennerven (Ulchter III, 501). — 2. =
»las Sehen eines Hoppelgilngers oder zweiten
Gesichtes (s. Nachtgesicbt, Deuteroscopia),
namentlich in der Zeit von Weihnachten bis Neujahr,
in der der Wehnroll (». d.) umgeht (Schwarmzeit
der Ditmonen), in den ««Ren. Zwölften; es gilt so
viel als ein Todeszeichen nach «lern Tiroler Volks-
glauben (Wutlke 212). — enf-sehen («hd. lniKchan,
SitzRer. 1807. 13; von der elbe [a. Alp und Elb«]
wirt entsehen vil maneger man, d. h. der Wiek des
ethischen Geistes wird manchen bezaubern, Sinirock,
I). M. 42"i. 436. 473; mhd. ent«cheu - durch ethischen
Anblick bezaubern, namentlich Im Konzeptions-
momeute, Witzscbel II, 40. 279; Leser 46; «r. W. III.
619] ■ verschieren (■. schier) (Z. d. V. f. V. K. 1893,
388; Frlschb. 22; der bo«e Blick wird auch den Hexen,
Juden [Zauberern] und bnsen Menschen [quade Leute;
auch Huren; dän. skjö- gesel , Zeitscbr. d. V. f.
Volkskunde 1*97, 8. 45] twigelegt, die dadurch MIss-
bllduugen, Krankheiten uud Heilungsverzo^erung
erzeugen können [*. beneiden, beschreien, berufen];
1896 nennt man dies „Fascinatiou", und glaubt
l'reyer [s. Münch. Med. Wochenschrift 189», 8. 145]
au eine weitgehende Willensbcclnflussung durch deu
„fa^ci liierenden Blick" [1*951]). — der DUM Sie
I entsehen halten = durch zauberhaften Anblick
I (in coitu?) ihr etwas angethan haben (K. a. Scbw.
300). — jyV/^rri-sehen — Flimmer-Skotome (Kopp
IV, 281) (Flockensehen). — falsch sehen = das
Sehen V.Gegenständen in verunstalteter od. ver-
j gehobener Form, Visus defiguratus. — Farben-
sehen = Chromopsia „eine bei optischer Hyper-
ästhesie eintretende F>seheinung in Gestalt
weisser oder farbiger, formwechselnder Wolken
und Hinge etc." (Roth 106). — Flecken- (Flocken-)
sehen = entoptische Gesichtstäuschung durch
Flimmer-Skotome (Kopp IV, 281) (Mückenseheu).
— Funken- sehen = Spinthorismus, funkeln
(s. d.) vor dem Auge, augenzornig. — G . sech. n.
(146S; n. II, 6) m Actes, ganzes Sehvermögen. —
'/'sehend = ganz sehend, nicht blind (Schindler
11,247). — scheu, n. (alts. gUluni — Sehvermögen;
ahd. gasiunl, Kick. 890) — GrSicht = S. -sieht. —
</r/tV-sehen, 1. = Violettblindheit, wobei durch
Ausfall der Empfludung des Violetten das weisse
Liebt gelb gesehen wird. — 2. = die Empfin-
dung des gelben Lichtes statt weiss durch
GallefarbstoJablageiung im Auge. — Halb
sehen — Hemianopie, das Fehlen einer Ge-
sichtsfeldhalfte auf einem oder beiden Augen
— (1834) /n //-sehen = clairvoyene.e (überaeuungi,
die den Sonntagskindern, Geistersiehtigen,
sowie den Nachtwandlern (s.d.) zugeschriebene
Fähigkeit, etwas in zeitlicher und räumlicher
Entfernung klar (voraus), d. b. mit Bewusstsein
zu sehen, was andere mittels ihrer gesunden
Sinne nicht wahrzunehmen imstande, sind,
welche Eigenschaft im sogen. Hochschlafe der
Somnambulen eintreten soll (Stahmann 24; Golth.
647). — fo-umm -sehen = schief, Mmeleh sehen,
schielen. — Leichen- Seher (überosterr. ; Verna!, A.
I 405J = ein nach dem dortigen Volksglauben
in der Sylvesternacht (Kauehnaehten , Elben-
sehwärnizeit) get>orener, geistersichtiger (s d.)
Mensch, welcher voraussagen kann, welche
Personen im kommenden Jahresterben werden.
t>iis.> sehen = versehen (s. d.). — Mücken-
; [Mucken-) sehen = fliegende Mücken, im Auge
sehen, mouches volantcs, entoptische Gesicht—
' tauechung durch Visionen oder Flimmer-
; Skotome, Myiodesopsie («r. W. VI, 2613). — (17V
| Nacht- sehen (-Seher) ^ Nachtschatten (s. d.),
| Hemeralops, Nyctalops, der beim helleren Tag-
schlechter, bei der Dämmerung besser sieht -
Tagblindheit (Felke n, 144; a. v. u. 11. 74 .. u.w,
H75 noslosns [- noxiosu*, Nacbtscbaden] , die de*
avents beth suydt dan wir, U. ::*3, angls, ad m ctalor«'
that is 011 ure tbeodum, the ma the ne maege nensi
ze kco alter Minna up gange, Cock. III, 98). — Xcbcl-
sehen = mouches volautes, Nebelbilder sehen,
verschleierter Wiek. — (1741) -nun - sehen ■
Austeritas (Kirsch 135), mit Sur- (Sauet -) äugen
sehen. — schür/ sehen (15. Jahrh. scharph sehen,
vlaus occlli, acies, D. 9) — mit der ganzen Sehkraft,
genau mit dem Auge schauen. — srAri-sehen
(ndl. scheel zien), 1. = mit schielendem Blicke
sehen, welche Anomalie man vom Mondem-
flusse abhangig annahm (De Cook 210; Gr. w. VIII,
24*6). — 2. - entsehen. — stick- sehend, -siehend,
] -Sinnig (1507 ■Ucksieulch, 1512 sticksehende, 1&77
»ticksyende = lusclolus, D. 316) - wegen slechen-
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sehen.
Sehn— Sehne*.
U33
«ler A ilgenschmerzen hlinfelnd und schief
schauend. — »/-'sehnig, -sinnig fi5. Jahrh. übei-
sinnig ^ llppldus, D. II, 237) = Schlecht sehend
durch Augenkatarrh t . Ii. — aber- sehend, -sehen
(-sehig, -Sinnig) (H. Jahrb. ubersiinlg = llmus, Voc.
o\>\. W. l.'i = schielend; 1412 über-entilg = luscus,
paetus, Scbmeller II, 247; 1429 vbcirnlg, iibersiiniger
= Inscus. llmus. D. II, 242; Schnell« D, 2h7; 1482
vbersewinger = luscus, ü. 310; 1512 ubcr«eiilg = paetus,
Ii. 432; Uberstellig lu-i u-, llmus, I). 310; über-
sunntg = luscus, II. v. Gersd. w = schielend; l-">77
Ubersehend = lusciolus, D. ;U0; 1591 übersehend —
luselosus, ll»'l. Jun. u»2; H.4X übersvnlg, übcrsactilg
- paetus, Icnltcrdcclinalua oeull», lusciolus, Schindler
II. 2»7; l). 340), 1. = durch Überschauen schief
besehend, durch hosen, neidischen Blick be-
zaubernd (Böhmen; Schindler II, 217 (s. entsehen)
— 2. = schief sehend und blinzelnd, schielend
(stralio). — 3. - falsch sehend, Farben ver-
wechseln«!, farl>enblind (Kraus, K. 743). — Über-
sehnigkeit = Oberaichtlgkeit, Scheelheil, Lna-
eitas (luscua = dunkel, lux lue »Co, Roth 303), l'nro-
rasis Galeni (Kraus, K 743; Zratng, Voc. hin'., uber-
scwnigkeit). — unscharf (nicht scharf) sehend
(angls. unscearp syno, t'oek. II, 30; III, 372) = aciem
oeuloruin hebetem babens = blodsichtig im
Gegensatze zu scharfsichtig (s. d.). — trr-sehen
= falsch anschauen, durch schiefen, bösen
Klick (s. d.), mit giftigen Augen ansehend be-
zaubern, auf andere einen bezaubernden, ent-
stellenden, krank-, kretinds (Z. f. d. PhtloL III,
337) machenden, die Entwiekelung hemmenden
Kinfluss (s. entsehen) ausüben, der besonders
Dämonen In TiergesUüt im Alptraume (a. d.) zuge-
schrieben wurde. — sich versehen = „sich in
Schaden bringen durch den üblen Emiluss, den
nach dem Volksglauben ein widerwärtiger An-
blick auf die Leibesfrucht hat" (II. Fttd Ml);
ursprünglich wohl da» Erblicken von elblscben Ge-
stalten ltn Minucaktc oder im Alptraume («. d ), wo-
durch die "•'nicht uiiyüii* • i lt beciuflusst werden sollte
(conf V.-K. VIII, 172); ndl. uiiszlcn, V.-K. VIII, 199;
Z. f Ö. V.-K. 1S97, S. 27*.); «rubere Handbücher der
Kntblndnngslehrc (Oslander 1, 611 z. Ii ) besprechen
die Möglichkeit der Einwirkung gewisser Sinnesein-
drucke der (empfangenden undj schwangeren Mutter
auf die lillduug der zukünftigen I.eibc«friieht und
iKiir nur auf diese; such Schott (Nervet» des Nabel-
stranges 75) Äussert sich über den KlnUn** der Imagi-
nation (Fasclnallon oder Suggestion) der Mutter auf
da» im Mutterleibe befindliche Kind, wenn auch in
negativem Sinne; ob die Ausübung der Denk- und
Willenskraft elue Veränderung in der Substanz und
Molekularstruktur der Peripherie hervorrufen kann.
Int bejaht und bestritten worden; dass aber die Ke-
stitutlo ad integrum durch psychische Aufmerksamkeit
In Form von vermehrter Wuchs kraft in dem kranken
Teile forderlieh beelnflusst werden kann, machte gerade
nicht abgeleugnet werden, der Volksglaube dehnt
allerdings den KUiflu-s der tniitlerllcben Suggestion
aus auch auf das Eulsiehun von schonen Kindern, ». II.
durch da» Beschauen von Marienbildern Im Kon-
npUonsmomente (De Coek; Folklore), von Mlss-
bllduugeti. die dem -ehreckenerregenden Objekte, t 8.
eitler DtaOMngcstalt, Kröte, gleichen sollten (auch
bei Pferden, De Cockl, sowie von Mutterinulen
(naevus), namentlich solcher, die tierfelllg sind (Ploss-
Härtels I, 504). wahrend die kulturell hochstehenden,
alten Griechen dureh dos Aufstellen von schönen
Statuen einen solchen in ästhetischer Schönheit der
Kruchtentwicklung erzielen wollten (vergl. Hartmaun
in Munchn. Med Wocbenscbr. 1S9>, S. 191). ,,Dle M«g
lichkeit des Versehens kann a priori nicht vollkommen
bestritten werden" (L'hle u Wagner 8. 56). — t'rT-
sehenes Vieh. — Seh-Frtl, -Acre, -Nerrensaft.
— 8. auch -sieht (Gesicht).
Sehn, m. = Seu'en (s. d.) (Ilas-berg.. Uayerland.
1894, S. 453).
Sehne', f. (mhd. sene = Sehnsucht, Verlangen,
Kluge*, sit). — 8ehn-Sucht.
Sehne', f. (germ. siu Ising« u (V), tonende Saite];
altnord. sinn = Sehne, nervus virilis, Jord. 624; fries.
slni; angls. slnuwa = tendo, sinews — rene«, slonwe,
sina- nervös, Massm.143; Cock.I, 345; LXXI, I.XXIV;
ahd. senawa = Sehne, nervus, chorda. GralT I, C17;
VI, 266; mhd. »ene, senewe = 8ebne. Nerven, Gr. W.
VII. 610; 15. Jahrh. semd = nervus, D. 379; 1410 senwe
— varix, D. 607; 1468 slenw = chorda, D. II, 114; 1500
zene — ncniu«, D. II. 263; 1517 sehn = funiculus,
D. 252; 1551 senne = nervus; 1594 senn — Flaehsader,
Gr. W. III, 1702; 1618 senne = nerTU«, Schmeller II,
2*7; ndd. zene, «aene, Goldschm. 79; D. 60t'«; ndl.
zeuuwe, De t'oek 147 -Sehne und Nerve; engl, slnew,
Lebf. 226; schwed. sena; dän. sene — Sehne, Nerve),
1. = Sehne als bindegewebiges Kndc tler Mus-
keln (Tendo, Sehnader). — 2. = Nerve (Nervus).
3. = sehnenartige Gebilde (Penis, s Sehnmar)
(v.rgi. sehmeii.r Ii, 287). — sehnicht, sehnig,
[1421] sehnlicht, Sehnen (angls. slnehtum; engl,
sinewy, t'oek. II, 242; 1121» senicht, 15. Jahrb., sachs.
zenich, synntf; 1421 seullch, I). II, 263; senen = nervi-
ciosus, D. 37ii) ss nervostis, aus Sehnen bestehend
(ahd. »enewlu - nerviceus, GralT VI, 267). — sehnen
(1440 senwen, synnen, zennen, D. 379) = tt«lem,
Adern geben. — Ächtlies - Sehne ■ Tendo
i Acbillis, Funiculus s. Chorda llippokratis h.
m i^na (nach der grb chlschen Sage hat die Meergöttin
Thetis in der Absicht, ihren Sohn Achilleus unver-
wundbar [s d ] und unsterblich zu machen, diesen Ins
Keuer od.r nach anderen in den Styx eingetaucht;
nur die Ferse, an der sie ihn hielt, blieb unversehrt,
damit verwundbar) = die an der (Achilles-)Ferse
(Calcaneus) sich ansetzende Sehne, Nervus
latus (Celsus) oder Spanna'ler, Fersens»dine (1182;
Zenitig. Voc; Hjrrtl, K. W. 142. 144. 145; Kraus, E. 10.
212). — (1761) Au/xith-Sehne = Ligamentum Sus-
pensorium, sehnenartijjes AufhUn^chand am
Körper (L. ch. 45). — i>Vrsrn-Sehne (mhd. verssetie)
= die am Calcaneus, am Fersenbeine des Fusses
sich ansetzende Sehne (Achillessehne, b. o.)
(Hyrtl. K. W. ; A. v. II. I, 18) (Spnnnadcr 3). —
/•'" • Sehne (13. Jahrh. vns-sene = calx, I). 92) =
Fersensehne, Achillessehne. — </equetnrhte
Sehne (ndl. gekwetste zenuwen, De Cock 117) = l>is-
torsio, drückende Sehnenzerrung. — (1711) Ge-
• " '.s Sehne = Nervus olfactonus (Kirsch 82->).
— (1551) Gr«ic/i/«t-Sehne = Nervus opticus; der
Nerve (s. d.) im alleren Sinne war auch = Sehne
(nyrtl, K. W. 143; Zw. 319) (s. (Jesichtssehnen-
Verstopfung). — (1844) grosse Sehne = Chorda
magna, Achillessehne (Kraua, E. 232). — HaU-
6iM sehr.
Sehne (hals slnl [fries. Gesetz], Gr. W. V, 557) = Hals-
adern. — Ho .'i -Sehne (angls. hob slno — dorsal
musclcs, Cock. II, 14) — Rücken- Muskel u. Sehnen
am Hoch rock. — Hör -Sehne = Gehörnerve
IHyrtl, K. W. 143). — Ä'inV-Sehne (ndd. de zene
undcr dem knye — varlx. 1). CO«) = die Seimen und
Bänder unterm Kniegelenke (Knieader). — (1703)
Ochsen - Sehne = Ocbtenfise) , Ochsenzimer,
Üehsenzem (Penis tanri) (Or. w. VII. 1137; Sehm.
II, 287). — Schmeck Sehne = Geruchsnerve, auch
Geruchsader früher genannt (s. schinecken)
(Hyril, K. \V. 143). — übersprungene Sehne = durch
zu starken Sprung zu weit ausgedehnte Fuss-
sehne und ilie Folge davon (Goldschm. 79). —
rerkränkte Sehnen (mndl. rerrranete senmven, de
vr. 22) = rauro inengesoeene Sehnen (s. krank
S.308a). — verkrümmte Sehnen [mndl vercr« >mp -u
zeunwen, de Vr. 23; 1645 verklumpen.- serncn - vena
subtraela, Heinrich 273; Coler, H. A. 267) = fehler-
haft ausgedehnte, verzogene Sehnen. — (1677)
tcimperförmige Sehne = strahlenform. (Muskel-)
Körper der Iris, aus der schwarze Striche, den
Haaren der Augenwimpern vergleichbar, ziehen
(Hyni, k. \v. 165). — Sehn(en)- Ader, -Anfall,
■Beben*, - Beinchen, -Flechte*, -Fleck, -Galle,
-Geschwulst, -Uaube, -Hüpfen, -Klappe u.',
-Knacken, -Knoten, -Koortsen, -Mar, -Qual,
-Sehe, -Scheide, -Schränken, -Vergatterung*,
-toll, -Zeile, -Ziehung.
sehr, Sehr, n , m. Sehre, f. Sehrin, f. <iudo-
germ. Rai = schmerzen ; gem. -germ. saira ~ Leid,
Krankheit; altgerm., goth. sair = krank, Schmerz,
Kluge'', 314. angls tAT = welimerzlich, verletzend, aliu.
sar = Wunde, nArliirr - schmerzlich, sacra, saerdha =
verwunden, Flok. 885; dazu: sarl, Seil melier II, 328;
sare = Schmerz, schmerzliche Krankheit; ahd. si-ro
= schmerzlich, schwer, heftig, dolnrusus; s£r =
8chmerz, Ulcus, GnifT VI, 203 ff. ;/4260 «fr = schmerz-
lauft, verletzt, wund [Pfeiffer 80], daz si-re = wunde
Stelle, l.COd ;mnd dat-cro - Sehm. rz [Mag, Harth. 93a,
9'Ja), de sere, I. eod.; tnhd. serc = mit .Schmerzen,
schmerzlich ; sor — Schmerz, Verletzung; 14. Juhrh.,
udl zerIngo - laesio, I). 32'»; i;,07 suir, 1613 »er =
•ontlcui, I). 542; 1.76 sehr.-, f. a Frattickeit, Gr. W.
IV, 1. 158; [Schwaben, Beyern] ser, Mir = wund, schmerz
halt, Schw. 838: [Reh weiz] das Sehr - Herzeleid,
Scbw. 638; C v. Sehm. 490 [sierig]; schw cd. sar;
diu. saar; -chwed. surnad — Ocschwär; ndl. zeor
= verletzt, übel;, mittel -engl, tho sorc. = Cancer In
mamilla, Heinrich 142; neu engl, sorc - Schmerz,
Wunde, schmerzhaft, heftig). — Sehr, n. 1. -
Schmerz an einer oll'enen, vorletzten, wunden
Stelle. — 2. = diese Stelle selbst (Frattigkeit,
Schaden, Geschwür, Grinl). — 3. — Krankheit,
schmerzende. — sehr - schmerzend, gereizt,
erzürnt (s. Zorn). — Sehren (ahd. seren, seran ,
alt», sörian; mhd. aeren) - Schmerz leiden und
machen (Lcxer 226, Graff VI, 271; Schmellcr II, 822).
— Sehrigen (angls. sarglad, Coek. III, 88. 108; nihd.
serigen) ■■= ,, versehren, verwunden" (Schindler II,
322). — Sehrde, f. (ahd. «6rta, Fick 88">; mhd. sOrde,
l.exer 226) = Versehrung, Krankheit, Schmerz.
— Sehr, n., m. = das schmerzende, lokale
Leiden, namentlich Hautwunden, Rhagaden,
Hautgcschwnr, BoikenatiBschlag (Goldschm. 134.
156). - Sehrig (sehrÜCh) (sirig) (ahd. sereg, serag
sehr.
= dolens. Graf! VI, 270; scrllh = schmerzlich, L eod.
VI. 267 ff ). — Sehrung, f. (mhd. förmige, Lexer
22r.) Verwundung, Verletzung, Schädigung. —
Sehrigkeit (mhd servchheil; 1420 zcerichelt =- dolor ;
ndl. zeerlghcy.lt. Lcxer 220; De Cock 75; r.82 sehrig-
keit, Lonlc. 141; »erlkayt, Sehm. II, 3221 — Schmerz,
Weh — Sehrin, f. («und. 14.— I V Jahrh dheserlnen,
von der sertnen, J. f. nd. Spr.-F. XV, 116) = schmer-
zendes Geschwür. — Sehrnis (angls sarnyse;
engl, sornease, Cock. 1, 30) - Sehrigkeit. — Adern-
Sehre (angls. aedrena UN ; engl, sore ot kldneys,
Cock. I, 232) = Schmerz in den Adern (s. d.). —
arger Sehr (Ulcthm. ; Urquell I, 11) = bösartiger,
achmerzender Aussatz. — .I«..', u Sehre, f. (angls.
eagena san- =soreof eyes.Cock. 1,12. 14 ; 14.— 15. Jahrh
oghen-ser - sclmo [s. Schimmer], oucluar, J. f. nd. Spr.-
V. XV. 117. 12H; 1532 sere der äugen, Schmeller II. :;22;
Frie» 79; mndl. oec scer, du Vr. 62; nndl. oghenzer -
genlnea ["Cimo], D. II, 190; engl, eye sore = Gernten-
korn, Lehf. 171) = Augenschmerz. — fcriii-sehr
(mnd., 14. — 16. Jahrb. benser. J. f. ud. Spr.-F. XV, 147)
= Schmerzen am Beine habend. — beissel- sehrig
(beisselaierig) = beis«>enden Schmerz empfin-
dend (aus nachfolgendem cisselsehrig gebildet. Sehm.
I, 28s). — belf-sehr (engl, bedaere, i.ehf 24. 143) =
durch das Liegen im Bette (Decubitus) wund,
durchgelegen. — jjjjjjjjj. ] Sehrigkeit (angl*
blaeddran-, bladransarc = sore of btadder, Cock. I, 10.
Si',0; mnd. 11 —15. Jahrb. de screchheit der bla*eu,
J. f. nd. Spr.-F. XV, 130) = Urinblasenleiden. —
BrustSehTe (angls. bresta san-, wlfes breost sare,
Cock. I, s. 71) = Dolor pectoris, mammae. — Diech-
Sehre lailft«. theona sare; eugl. sore of Ihlgha, Coek.
T, 10. 40) — Dick.sclienkelsclmierz (siehe Diech),
Ischias. — drossel-Behr (angl«. throlu «ar, Cock. I.
4. 78) = am Halse schmerzhaft, z. Ii. bei Diph-
therie. — < i>.v / sehrig (aisselsirin) = empfind-
lich durch ein F.iss (Sehm. II, 323] (Akn», Furun-
culus, Suppuratio). — faule Sehre, f. ^nnd. vm l
sere, Mag. Barth. NWa) = Übles, schmerzende* Ge-
schwür. — ferrh-sehl (ahd. ferb-scr; mhd. vCreb«6r,
Graff in, 683; i.exor 317) ■ zum Tode verwundet,
so dass das Leben (— Ferch, s. d.) bedroht ist
(tot-sehr). — /im»- sehr (angls fota sar, Cock. I. 8.
10 ■ i.e. ilma, a celma, 1 ock. II, S67 , b üble- lal 1 *
— am Fusse Schmerz habend. — Gaurn en -Sehre
| (angls. gomena sare, Cock. I, 30. 172. 340) = Gaumen-
I schmerz. — gefu hl Sehr (angls gefeld »ar; engl,
leeleth sare. Cock. I, 216) = schmerzhaft bloss im
Gefühle, ohne üusserlich sichtbare Ursache. —
gesehwollene Sehre .'angls geswollenum sar. , Coek.
II, 203) -Geschwulstschmelz. — Gewalt Sehr, n.
(angls. thaera gewealda sar, Cock. 1, 8) — Schmerz
an der Macht (— (iewalt), Genitalien. — Hals-
Sehrigkeit, 1 - Halsschmerz. — '2. - Hals-
j geschwür (s. Halssüre). — Hand Sehte (angls.
handasare; engl sore of hands, Coek. 1, 16) = S -hiiu r/.
in der Hand. — Härten-, Ilärtbalges &ehie, f
(angls haerthan-, hyrdhnnsare, haerlhenn-, hynlena«ar> ,
berd [hyrdlij bylges sare odhe wunde — sore of the
colllons, «ore or wound of the orchla, v.retrl dolor,
veretrl exulcermtlo. Cock. I. 350. 368) = Schmerz am
geschwollenen Hl .den(sack). -- Haupt-Sehxe, II.
-Sehr (angls. heafodsar, heafdes sare = ct-pholoponJa,
ulceroBus, KablohU«, Cock. I, 6. 8; III, 84; mndl. van
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8chr.
Seibel— seichen.
635
dein hovcUero, J. f. nd. Spr.-F. XV, 116. 127, ndl.
hoofd-zi'cr = leigne; 1477 ist der mensch selig auf dem
haupt, Ortotf; Schin. II, 322). 1. = kopfgrindig, an
Schorf- Ausschlag od. Grind leiden»! (DaCock 265;
<oek. 1,41; diese Krankheit v» Ird besprochen, weil durch
einen Wurm [taenia, tlnca) veranlasst angenomm, De
Cook 269). — 2. - an Migräne (s. d.) leidend. —
//««/•Sehre, f. (mnd., 14. — 15. Jahrb. wan der hut-er,
J. f. nd. Spr.-F. XV, 143) = Hautleiden. — (1483)
ll> -r: Sehrigkeit (engl, heart »ore, Kaltschm ; C. t.
Megbg.) = Herzschmers, Cardialgia. — Hiehl-
Sehr (ongls. heel sore» - peruiones, Cock. I, 117) —
Schmerzen an dem ! Hehle (s. d.) durch Frost-
hetilen z. B. — (1592) i/om-Sehrung = Verletz-
ung durch Hombruch (Rind) (v. M. I, 67; Seb.
149). — /nwarfcr-Sehre (angls. Innother sare, Cock.
1, 4. 10; engl, »ore of In ward- — Schmerz in dem
Eingeweide (s. Inn-Ader). — Kernel - Sehre
(angls. cyrnla sare; engl, sore of ebnrnels ■ inqulnum,
cock. I, 352. 353) = Drusen- (Kern 6) Schmer«.
— AVflura-Sehre (ndl. klauwieer. V. K. VIII, 60) =
leidend durch die Klauenseuche (heim K'nde).
— Lfi*!T-Sehr (angls. lifre «ar, Cook. I, 8) = I/eber-
srhmerz. — Leich- (Gleich-) Sehrnis (angln. Hees
sarny»»e, Cock. I, 14) = Gelenkschmerz. — Leid-
Sehl, II. (ahd. leid *er, (irnlT VI, 269) = Schmerz.
— Lenden-, Lendenbrat -Sehre (angln, lendena
«are; laendenbroedena Kare, Cock. I, 2. 4. 74) = Len-
denschmerz. — /"/Sehre (angls. lilha-, leodasare,
( oek. I, 14. 36. 146. 366 = pernio) = Gliedschmerz
(Lid1) durch Frostbeulen z. B. — (157G) Lungen-
Sehr, n. = Lungenkrankheit (Or. W. VI, 130>). —
i . .i Sehre (angls. magansare, Cock. I, 12. 22) =
Magenschmerz. — Milz Sehre (angls. miltansarc;
engl, sore of milt or »pleen Cock. I, 12) - Milzsucht,
Spleen. — (1756) Mund Sehre , f. (angl. müder-,
muthersare; engl, »ore of moulh, Cock. I, 18; 14. bis
15. Jahrh., mnd. dat muntscr van der «acht; deme de
inunt to dicke is ran der sucht [ = schwere Krank-
heit!, J. f. nd. Spr.-F. XV. 126; M75, ndl. cyn serlchell
bynne raonds ^ oscedo [.Scharbock], D. 402; n.-ndl.
zeerlgheydt des moudts, De Cock 75) = Sehtuerz im
Munde durch skorbut. Geschwüre, Aphthen *-
Blasehen (*. auch Mundsöhre) (Kran«, E. 10$;
A. v. II. II, 62; sie wird besprochen ; De Cock 76. 1^8).
— Nacken- Sehre (angls. hnecoansar; engl, »ore of
the bac, Cock. III, los. 110) ■= Nackenschmerz,
Muskelrheuma, Tetanus. — tfUtttT I ^e^re
(von der lui-en sere, .<chm. II, 322; angl«. naesdyrla-,
iiaesthurlasare = flstula, Cock I, 114; engl, »ore of
nostriW. cock. 1, 14) = schmerzhaftes Nase nlci.len,
Nüfternkrebs, I leus narium. — Ohren Sehre
(angls earena »are. Cock. I, 8. 32. 366) — Ohren-
«chmerz. — Qua ( Sehr, n. Sehrigkeit, f.) =
jetler ansteckende, lio.-aitige Siotle, borken -
bildende Ausschlag (De Cock 291; üoldschm. 131)
als schlimmes Krankheitsübel (Q'iat). — (Juittt-
Sehre (angls. thaer cwldan »are, Cock. I, 24. 62) =
S»hmerz an der Vulva (s. S. 4HSh). — rmnmden
Sehr (engl runuing sore — fleua fle flv, Cork. II, 3Ä4)
= Figadr, syphilische Plarques am After, Feig-
warzen mit «bissiger Sekretion. — Sthankm-
Sehre fangt» scancnn*are, sceancenasiue, sarnysse.
Cock. I, 18 380; II, 6. 66) = Sihenkelsehmerz
(a. Schanken). — .SYAinn-Sehre (engl »ilnde»ore.
Villar. I, 3%) = Furunkelkrankheit (Delhi- Beule,
Bouton) mit Geschwürbildung und Schinnen-
bildung, Haut- Abschälung. — »chuss - sehr
(dän. skudsaar; achwed. »kottaar) = durch einen
Schuss schmerzhaft verwundet. — Sehnen-
Sehre (angl*. »Ina »are ; engl, sore of sinews, Cock.
I. 6. 13 = Kv»weli) = schmerzhafte Sehnenscheiden-
entzündung. — Scifcn-Sehre (angl«. »idan sare.
Cock. I, 2. 14; II, 64. 168) = Seitensehmerz, Pleu-
ritis, Pneumonie, Kippenfell- oder Lungenent-
zündung (8. d). — tof-sehr (mhd lAt-zer, Lern
269) = ferchsehr (s. d.). — trrsehrt (ahd. giv\iir-
»Irot = vulneratu», U.Z. XVI. 75 ; 1482 vereern — laedere,
Zen. Voc. il.) — vollständig Übel u. sehr schmerz-
haft verwundet, z. B. durch Daromriss (löca,
Bcynon 147), schmerzend durch Geschwüre (Lae-
f siones) z. B. an der Gebärmutter oder in den
I Gedttrmen. — F<?r8ehrung (inndl. gheforseert, ghe-
' frotseert, de Vr. 26. 77 ; 151"> veraernnge =• lesio, D. 32">),
l. = der Zuetand des Versehrtseins z. B. an den
Lungen, den Gedärmen, im Munde, an den
(iliedern, Hüfte. — 2. = das durch diesen Zu-
stand l gelieferte Sekret (1582, Lonic. 56). — (15 U]
cholerische TVrsehrung = Darmgeschwüre bei
Cholera oder Kühr (Bock 140). — fud-verwhrt
(fued sart, Schweiler II, 32«) = an dem weiblichen
Geschlechtsteil geschwftrig,Quitti-Sehre. — (1557)
Glieds- IVrsehrung = Verletzung und Schmerz
an einem Ghede Ues Körpers (Plctor. 1, 81). —
hitzige Pcrsehrring (an den heimlichen Enden)
= Ulcus genitale inllammatum. — (1620) Mnnds-
P<rsehrung = Stomatitis aphthosa (Dr. Minderer),
der entzündliche , schmerzhafte Zustand der
Mundschleimhaut infolge von Geschwüren,
Aphthen etc. — (1551) ungeschickte PcrBehrung
= eine bösartige, unpassende, geschwütige Neu-
bildung(RockRS). — H'ani/)f;i-Sehre (angls. «ambe
sare; engl, sore of vramb, Cock. I, S 2. 8. 112) =
Bauchschmer«. — ZäAne-sehr (14. — 15. Jahrh ,
mnd. tene*er, J. f. nd. 8p.-F. XV, 141 ; angls. tothas are;
engl, »ore of theeth, Cock. 1 , 8) — zahnleidend.
— Zi/ztn-Sehr (aagl. tittla s&r. Cook. I, 112) =-
Schmerz an der Zitze (Brustwarze) — Sehr-
(sehrendfc.rr.es], versehrt) -Bitler, -Darm,
-Dorre, -erstorben, -hinkend, - Husten, -lnnadt *,
■kellig, ■ Kernlein*, -Krankhtit, -Leber, -Lenden *,
-mütig, -Mund*, -Nerven, -Scham, -Seufzen,
■Statt, - Wunde
Seibel (vermutlich ein Abschrelbfehler, Kuhn II,
207) - Feifei (Feibel).
seichen (seigen), Seich, Seiche, f. Seche, f.
seihen (]ndog«rm. s(<i [satttoa, nltdwtrilpMn); vor-
germ. »Ig [dazu : versiegen]; germ. saik, »alq >ickera] ;
sih, sihw, slk [«elhen; , ahd. »elbhen, "eibjan — harnen,
mingere, (iraff V. 134; seih = Harn, Kluge1, 345. 349;
sihau - seihen, tröpfelnd fliegen; angl». «Ihan, seon
(= -eiheu], mhd. seichen = harnen, nassen, pü«en,
»eich, m. »eiche, f. = Harn; sihen = seichen, durch
Abtropfen läutern, sinken machen; ndd. seiken —
mingere [». Mlge], D. 362; [Lippe] siiggcu — verselchen,
Fromm. VI, 487; engl, soak - durchtränken, einsaugen,
I>hf. 227). - seichen (seihen) - tröpfelnd Üies-
send machen mit der Harnröhre oder Scheide,
harnen (..einst von ehrbarem Klange"), auch Ützende
I Feuchtigkeit absondern (Auieine, Hure) (Heyne
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«eichen
Seide-Seife.
V, 566; nyrll. K. \V. 133; Spiess II, 233; angl« manc-
gum inen IM »ean [ — Saft aus dem Gliede] syhdh,
Cook. II, 132 — «ubluvlum synoviae). — St' ich, f.
Seiche, f Seche, f., 1. = llarnflüssigkeit und
Pisne (l'rina, Vaginalaekrel) (13. Jahrh. seyehe =
mlnctnra. 1> *U ; Huck 16, ILM) darum». so wissen
[wir] von Juden, sie reuchen, sie schmieren, besehen
»euch. Tarne, de Itnp. H. 1; i«. Glasarzt*), — 2. =
Harnlassung , zu starkes Harnen Diabetes)
(„icuche, i«o eins den Haren nil gehaben nisg", Zeu.
Voc. dd. 5; D. ITH). — 3. ^ Mutiges Harnen
(Fluxusimmoderatus sanguineus) (Zen. Voc e. l).
— 4. = Harn - Anomalie Oberhaupt. — 5. =
I.oehienflnss (s. Seiehwasser). — Seihe, f. (ahd
siha; mhd. «he = Werkzeug »uro Seihen, Heyne V.
569; 1632 Hcyhe) = Nierenbecken; in den Nieren
sollte der Harn aus dem Blute durchsickern
(Hyrtl, K w. 118) durch das Nierensieb (s. d.). —
Seicher, m , 1. = derjenige, der harnt. — 2. —
Penis (Hlntatt 8 18). —3 = Mannsperson Über-
haupt (Schindler II, 212). — Seichet, f., III. (1482
»cychet — urina, Zeniug. Voc. n7; Schindler 11, 212)
— Seichwasser. — Seier = einer, der tröpfelnd
ausgiesst, ausstreut. — an- (be- seichen (das
Volk nimmt noch au, da«« Würmer, Mause, Kröten
[Prot*;. Amelsen durch Au*«pritxen ihre« [roten Selche«
od. r tilltes lansclchen] verschiedene Krankheiten her-
vorrufet! können, besonder»): 1. — Phlegmone,
Eymphangoitis , Krysipelas (Aekcrra. 863); Noli
nie tangeio (s. Kühr mich nicht an!); Kar-
bunkel, Eiterheulen <2. f ö. V. K. im, B. 1*9;
1605. St. Ilenno Minikelh. ; Siria [ - noli nie tangere]
= „wann ninen nin maus beseicht", Schmeller I, 911
Mb gerten ; dagegen sollte das lleselch Kraut Hotry-
ehium luuaria u. I'lnguicula alpin«' hellen, s. d. Verf.
Volks-Med. S. IIS; Jessen 277). — 2. = Sodbrennen,
Wasser erbreciien , Magenkrampf durch An-
seichen des Herzwurmes (s. d.) (Dr. Brenner-
Schnrfer 27). — 3. — a) (19601 sieh {«seichen
(15. Jahrh bcsaidiung — mlnctnra, I>. 361 ; Pfeifler SS;
J. f. nd 8p. -K. XV, 129); b) Verwiegen (Verseihen
der Milch), d. b. Abnahme des Fettgehaltes bei
der Kuh (Osterreich) sie wird dem ..slcli beseiehen"
der Kuh «uge-chricbcu , dies dürfte jedoch eine volks-
etymologische Krkltirung sein für das „Betrieben"
durch Mause. Würmer, Amelsen, Kn.ten etc. nach dem
Volksglauben [s. 1], I riiuell 18t>:., S 70; Schindler II.
248. auch Gr. W. 1, 1613; Dalla Torre 16). — (1.32)
Ä'^ seicher (=> subraejulus [subiulugcre). Kirsch
1142; submelos, D. 5G0J — einer, der an Enuresis
noetunm leidet, Hettpisser (Frie* 119; <:r W I,
1739; dagegen sollte Taraxaeum ofrlelnate = Bettaelcber
[Jessen W>] neiden). — iWnf-seichen <ie. Jahrh,
plnetsaychen - lienteria, D. II, 23»)— Mint im Fl usse
aus dem After oder der Harnröhre entleeren
(s. Beuche), blutsucht. — (1742) dünnes Seichen
= Diabetes insipidus, die Entleerung von auf-
fallend verdünntem Harn (Zw.) (Seichgang).
— (UV Jahrh.) Eiler Seich, m. (eyttersaleh) = Go-
norrhoea, Tripper, bei dem E tcrlluss aus der
HarnrOhre vorhanden ist (Schm. II, 212). — (ii82j
Geil- Seiche, f. (k-ail-atchc. Zen. Voc. tl) = Stran-
guria, Harnwinde bei dem mit Schwellung des
Gliedes (Geil) verbundenen Tripper (Gelb-
seiche, Kaltseiche). — (ii»2) GeM-Seiche (gelsalch,
Zen. Voc k7, tl) = d:e Harnwinde beim Tripper
| (gelblicher Eiterflnss aus der Harnröhre, Stran-
I guria). — (15. jahrh ) Geseich (Grseichach) (isr.
geseich, geselche = urina, ininetura, I). 361. 6.10) =
Harn (Urina)als Kollektiv für das durch öfteres
Harnen enlleerte (Gr. W. IV, 2 18; Schm. II. 212).
— 7i'a//-Seich, m , f. (1432 chald saichen ; 1166 kalt
neych — »tranguria, I) II, 3-SO; 15. Jahrh. kaltseich =
Klranguria, D. 555; kalt'-elche = dysurla , Ii. IS- ;
16. Jahrh. kalter seich = Tripper, Gr. W. V, 1129; 1551
kalter seleh, Hock 16 ; 1561 kaltoelch ; 1582 kalt*elch =
strangiirla, Gr. W. IV, 2. 492; 1591 kaltseleh = »tran-
guria. Had. Jun. 380; 1618 kaltsaleh - dynria, Schm
I, 1242; II, 212; 1687 kalter seich, Georg. 411; 16»:
kallmiche, f., Gr. W. V, 93 ; 17. Jahrh kalter mleb —
durch dicke, kalte Flftttigketl verstopfte Rlase den
Pferdes, R. A. 4«0), 1. - die Empfindung beim
Harnlassen, als ob schneidende Kälte (?) win-
dend durch die Harnrohresich ergiess«'; („kalt"
ist mlasverstandene ('bersetzung der pi--a ..calida"
[s. kalte Pisse, Dysurla]). — 2 = Trij)per (tionor-
rhoea), bei «lern die Harnwinde als Stranguria
stets vorkommt; (r.92 kalter seich welcher von
KranUosscn kompt, Beb, 286). — 3. = Dysuria
equornm (vom Menschen auf da« Pferd übertragen).
— iTaZ/seich-Sirrün^c. — (l s. Jahrh.) Mädchen-
Seiche (meideseich = lonium [lotlum] , D. 336) =
Urin einer Jungfrau. — [15, Jahrb.) M i,m> s Seiche
(lotium , I». :!36) = der Harn eines Mannes. —
1 roter Seich (IS. Jahrh. rote salchung = noli me
1 tangere, I>. 382), 1. — Haematuria, blntigroter
Harn. — 2. ~ die Bepissung durch Tiere, tlie
nach dem Volksglauben mit totem Harn be-
spritzen und so lymphangoitische Proxesse
(«. Hflhr mich nicht an) veranlassen sollen. —
! Sa nd -Seicher - das Sandmannlein (s. d),
! welches Sand in die Augen streut und den
Kindern Schlaf macht (damontt4l«eber Hintergrund
•pechmanulein], Gr. W. VIII. 1769). — JJr Seiche
(ursige. Schmeller II, 212) = der am Grunde Injim
Schmelzen und Abseiehen der ßutter zurück-
bleibende Abfaum. — tweeichen — versiegen.
VV«<7-Seicher= Wegscheissei (s.d.), Hordeolum
(Gerstenkorn) (Blrllnger Sitten II. 92; durch ein
elbisehes Tier (s. Wegetriti] um Wege veranlasit an-
genommen). — Seich- Hecken f ratz*, -Blase, -Blat-
ter, -Gang, -Krankheit, -Metze, -Motze, -Sack,
— Tasche, - Tuch, ■ Wasser.
Seide, f. (mtl. «eta, Im 8. und 9 Jahrh entlehnt.
Kluge', 31 .). ImssdleNurtleerumneri bctclta mit Seiden-
faden die Wuiidnaht bethrttigten , nimmt Weiubold
an ; doch dürfte <lies eine hyperbolische ltexelchnung
Rein, um den betrefTeudeu königlichen Chirurgen her-
vorzuheben. — - Seiden- Geist '.
Seife, f Seifer, m. (Seipfe) (weu«enn saipo;seiic
Ut eine germanisch-fränkische Krflndung], Kluge1.
3IS; alM. «elffa. selpfa - Seife; «elfar, m. — »puma,
Speichel, Grad VI, 172 ; mhd. seife [Selfej ; 1445 snifer
I =oscedo; 15. Jahrh. seyfer — salira, D. 644; seyuer b
os«edo, D. II, 274; Schmeller II, 230; 1516 saiffer =
sanies, o«cedo, Schmeller II, 230; 1">18 seyfer = saliva.
Speichel, Geifer, II. v. Gersd. 98; 1SC2 saifer - Speichel.
Schmeller II. 230; ndl. xeep; engl, goap = Seife), 1. =
Speichel als seifenartig schäumende Flüssig-
keit aus dem Munde, Salivatio. — 2. — Eiter,
Eiterschleim, der sich wie Speichel entleert. —
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Seig— Seite.
Seite.
OS-
seifern (ndd. ncewern). 1. = schäumend Reifem,
sabbern [GotdMhm. Hlj c. v. Bebm, 190). — 2. =
(l*»Trt) geschwitrig, eiterig sezernieren (Tbeophr.
Bod ). — Seiferling, Saferling (18. Jahrh. sayQVr-
lins = o*ccdo, D. II, 271), 1. = einer, der Heilert
(Hyrtl. K. w s). — 2. = Saliva, «las seifenartige
Speichelsekret. — Augen - Seifung (1475 ogen-
sljpyng = Hppltudo, Ii. J32) = tler Zustand beim
Seiferauge, Augentluss. — seifer (H29gesaiffcr
= oscedo, I». II, 274) - der gesamte (übelriechende)
Geifer. — Seifen , Seifert uge, -Oearhtculst. —
S. safern.
Seig s. saugen.
seigen, seiger s. siegen.
Seil, n ündoserin. sl = binden ; gcm.-gcrm ».all»,
Kluge *, 345; ahd., mhd soll - starkes und lang ge-
drehtes Hand, übertrugen auf) Sehne und Acler
atn menschlichen Körper, z. II. (1G7G) Achilles-
Sehne (s. d.), als besonders starke .Sehne, Ner-
vus latus (Hyrtl, K. W. 67). — (1518) .rlrm-Seü
( - Funls brachll der AraMitou) sa das ganze Vor-
derarm-Stück der Vena cephalica (II. v. Gersd. ;
Hyrtl, K. \V. 5). Das Seil der setlspannendcn 3 Krauen
(Scbwentera, Saligen, Krüulelti) des Volksglaubens hat
wahrscheinlich mit der Geburtshilfe, (beim Tiere) Be-
ziehung; sie verhelfen auch den Krauen zur leichteren
Entbindung und linden sich bei der Geburt und Taufe
ein (Latotur U, 3sa).
sein- (ahd, mhd. «eine; angin, »nona ; lal. »ein;
schwed. wn m langsam, uplt, llifd, traurig, schm.
Ii, 2*;). — aeinzeln - langsam und unverständ-
lich sprechen (Schm. Ii, 286. 316). — sein sinnig.
Bein: bist du gewesen? = eaeavisti? —
magst sein? sa vis coire? (Delling). — von ihm
seihst sein ■ ein anderes Wesen , ausser sich
sein, veirücktsein (Book 13). — «6-aein =■ vom
Verstände sein, verrückt, iri>inni^ se.u 0'. w.
I, 4). — an einem sein i'dur «In de ehren anc, Kulm
II, 19) — an dem lehren die Kiben, ein elend
ausgehender Mensch, Madensack (s. Alp VlII
und zehrende Klben) illlitrmcn laig 1» an lame), das
leiliche (s. d , S. 864) Heimchen (Klbengestalt)
macht ihn krank (Kulm II, IS).
seinige, m. - l'eitis (s. el.enalt, Schwester-
lein etc.).
Seiren, pl. s. Siren.
Seite, f. (gem.-germ. sidb; ahd.. 8. Jahrh sita =
latus. Itab. Manr. (i . ; angls si.lan - Seiten, Cock I,
I.XX, 12. Jahrh. situn — Seltcnsrhmerz, Pfeiffer 18;
mhd. silQ - Flache in bestimmter Lage, latus, engl,
side, I-ehf. 22.). 1 — Korperthiehe, namentlich
Kampf- und Hüftthtchen , die weichen Teile
über den Hüften als Vermittler zwischen vorn
und hinten; ferner Hautseite. — 2. = Schmerz
oder Krankheit daselbst (Seitenschmerz) j eonf
la malndie de St. Gode (Gaude, röte - Seite,
cöte — Kippe) = Hypochondrie (Kippsucht od.
.Seitensucht) (Bris«. 285). —3 = s. Saite u. Seide.
— Seitling, tu. = ein mit der Drehkrankheit
■ ler Schafe behaftetes Tier, »las mit hochge-
haltenem Kopfe, mit einem Voiderfuss weit
ausholend und vorwärts schreitend, beständig
auf die eine Seite niederfallt (Zipp 824). — .-!«*•
Seite ~ die gegen .Icn Cadaver, das Fleisch
(Speck), zusehende Seite der Haut im Gegen-
satze zur hehaarten Narbenseite des Tiei feiles
(Heyne V. ..77; engl, tleshside). — Beuge-Seite
(1480 l'ars domestlca; parlie domestiquo, Gurlt I,
819. SM; III, Ml; Ii, eis) - diejenige Kxtremitüten-
llilche, nach welcher hin diese in einen Winkel
gebogen werden kann ; ihre Haut ist feiner und
haarloser als die rauhere Streckseito. — blinde
Seite = der Kücken, weil er keine Augen hat
(Gr. W. II, 120; Heyne I, 4&!) (Corpus eoecutu,
a versa pars corporis). — Brust-Seite — Latus
pectoris (Gr. W. Ii, 451). — rftfna-seitig ■* auf
der Seite der Dünnung der Weiche befind-
lich (Gr. w. 11, 15..7). — (ic«j9) eingezogene Seiten
= Scoliosis, wobei eine Seite, eine Schulter
höher, de andere niederer steht und nach
Empyem - Operationen oft wirklich einge-
zogen ist (v. M. Ii, 20s). — rin-Beitig — ein-
hüftig, Kinhanker mit einer Schulter, einer
Hüfte höher stehend. — faule Seite (Z. f.
d. I'hilol. XXVI, 240) = rechte (nicht so frische
oder grüne) Seite, wo die Leber (s. d.) liegt. —
Fleisch Seite — Aasseite. — (18. Jahrh.) grüne
Seite — linke oiler Herzseite als die Seite, wo
die tieliebt»» sitzt (Urquell IHM, S. 233; Heyne II,
1262; H. Paul 192, [Hippel III, 2 37t nimmt die rechte
Seile); grun ist die körperlich bessere [grün u.#). •!>«-
■ Ichtarollero Liebes- und HofTnungsfarbc). — gute
Seite = bonuin latus, entsprechend der schönen
Hand (s. d ), la belle inain (Du Cauge I, 702) =
rechte Seite; die vielfachen Deutungen der rechten
und der linken Seite des Korpers entsprechen den
vielfachen Täuschungen Im Leben. — (1710) harte
Seiten - die rhaehittsehen Kippenknorpel, die
als Knöpfe (s. geknüpft) an den Brnstseiten
vorspringen (Chr. sam. I, 181) als Gegensatz zu
Weiche (Seite 1). — //er;- Seite = linke Seite,
auf der das pulsierende Lebenszeichen (Herz-
schlag) ist. — Lfiicr-Seite - mau dachte sich
früh-r das ganze Gefass-System der rechten
Seite des Körpers zur Leber, das der linken
Seite zur Milz gehend als Milz- bezw. Leber-
ader (s. d.*). — len k- seitig (15W2 lenckkseyteebt =
slnister. D. II, 310) (s. links). - letze Seite = die
verkehrte oder Kückenselte des Körpers (Gr. W.
VI, 7».'.). — A/i.7r-Seite - die linke oder Degen-
seite; die Milz ist der Sitz der Melancholie und
des Zornes (9. auch Leberseite) (Gr. W. VI, 2221).
— Aartcn-Seite = die Seite des Felles, wo der
sogen. Narben ist, im Gegensatz zur Aas-Seite
(s. Nitrb) (Gr. W. VII, Uli Schmeller I, 17M). —
rechte Seite •= nach dem Volksglauben hei der
schwangeren Mutter die Seite der untunlichen
Frucht (links - weiblich). — (17.V.) 5cA«»i-Seite
= die Schamleistenfliichc (Inquina; Schlichten,
Leisten) im Gegensatze zur Dünnseite (Schm. II,
BN' A. v. H. II, S60; Gr. W. VI, 721; VIII, 2123). —
tchwärtnde Seite = die schmerzhafte Seiten-
krankbelt (Pleuritis; seiliger Husten, Seiten-
stechen, Seitengeschwär). — Spc< k- Seite -
8. Aasseite. — (liso) .S7r«*-Seite - Fars syl-
vestris (Gurlll. SI9 S9t; III, f>91), diejenige (ilieder-
Bftche, in welcher diese gestreckt sich aus-
dehnen ohne einen Winkel zu bilden; ihre
Haut ist rauher und behaarter als die feinere
Beugescite. — (1477) Unke Seite - linke Seite
6SS selb— sengein.
Senkel— setten.
des Leibes (Bchmellcr I, 564 ; tenchkseytlg. I>. II, 340),
die Aderlass-Seite (1477) für die Herbst- und
Winterszeit (s. Mich links and tenk). — (i2«;o)
winstere Seite (winitcrc siie. Klaff« *, 2M; Pfeiffer 91)
= link** Seite des Leibes. — (1969] zese Seite
(die zesewe sitc) = die rechte Seite des Leibes, wo
der Mensch am warnisten sein soll (Pfeiffer y2>. —
Seiten- (seitig e,er,en) Apostem, Rein', Buckel,
■Fell, -Geburt*, Gesehnss, -Gesehwär, -Geschwulst,
•Hunten, • Kopfweh, Krankheit, -Fei», -Schmerz,
■Sehre, -Seuche, -Siechtatj, •Sterken, -Stich, -Sucht,
- Wärlc, - Wand, - Weh - Weiche, -Zittern.
selb-, selbst (gerin Pronomen , dos vielleicht
eigentlich „Herr. Besitzer" bedeutete, Kluge *, 316). —
selb ander sein = selbst und ein anderer sein:
a) schwanger (Mutter u. Frucht); h) betrunken
(Trinker u. Rausch) (K. W. I, '.0), — Selbst-
Befleckung, -Entzündung, -Mord, -Säugen.
-sei, selig (Selig, Selk) s. sali* — Sellen-,
Selken-StäYx ( Steerf), - Tost (-Dost).
Seltsam (ahd. seltsäni; mhd. scllsacmc; angls.
»ohwne, Kluge», 346). — seltsame l'csttlenz,
lJlture*i8.
Semmel, f. (au* lat. simlla = Weizenmehl, fron/,,
»emoule - Weizenmehl Kleie, Kluge*, 34ti; 13. Jahrh.
MmeU » Mne» Mehl) = (I6t5)der mehlartige Muud-
helag beim Soor (s. d.) = weisse Bräune {Coler,
H. A 130 ; D. 253).
Semper, m. Zemper, m. Zember, m Sampin, f.
Simper, Zimbert ( - der Name eine« Kinder brin-
genden und verrohrenden, männlichen Kraukheits-
dainons; [Knecht Ruprecht s. rotpreeht], Schindler II,
285 = Sacksemper; vielleicht zur Tamlann de« Tacltu
in Verbindung zu bringen, Kogel, Gesch. d. d. Llt. I,
I. 1». Antn.; Ul. thamb - Schwellung, Fülle , thomb
= Fülle. Gespanntheit; thainba - in vollen Zügen
trinken; norweg. temba = lullen, stopfen; temba -
grosse Mahlzeit ; dazu Sampinn - garstige Weibsperson
mit einem grossen llangebauch [Hack] ; der Zemper,
Zember (ohne Zweifel] = dar Semper, Schm. II, 2R5)
1. = der Semper schneidet als ein In den Kindl-
oder Uöb-Nftrhten (Rauchnachten , in den längsten
Nilohten) auch am Simperstag (14. Januar, auch Fast-
nacht, Kuhn II, 5. 124) erscheinender, Opfer fordern-
der Dämon den Kindern (s. d), wie die dämonische
Perchtn (s. d ), den Leib auf (Sehmeiler I, 2«9; II, 285.
1125; I.aistner II, 405; F. Weineck, Knecht Ruprecht
U. seine Genossen S. fi; Witzschet II, 173; Traunstein.
Kger); er Ist die abgeblasste männliche Figur der ger-
mani-schen Seelenführerin l'erchta, einer Kludcrseg.-n
spendenden , aber auch Kinderopfer verlangenden
Dainouln ; dazu Semperlaufen (Ploss- Bartels I, 443). —
2. =- Sötuher = der dick'-, hervorstehende Leib
(Schnicllcr II, 284 ; Wctterau ; 161« Semper, II. Sachs;
loc. eod. -Wanst; 14. Jahrh sunmiercr = tympunalor,
Schm. II, 2*1 ; dazu Tamburin sack Semper, Schm. I,
270; 16. Juhrli. sumpper — tymponon, Schm. II, 684)
=» irommelformig aufgetriebener Leih. — sem-
perig — unpitsslich (am Semper 2 krank), aufge-
trieben (Schm. II, 2s5); s. auch SO m per.
Sengein (Seng) (mhd. sengen —brennen, singend
machen beim Verbrennen, Kluge 5, 347). — der Seng
= Brandmal. — sengern ■ zengern (s. d.)
(Erbe 40). — sengein ^ das Brennen der Nesseln,
die Haut empfind licli brennend berühren i Fromm.
VI, «3 ; c. v. Schm. 492) ; vergl. auch sengen -
segnen. — sengendes Feuer.
Senkel, m. ( = Schnürband). — Senkel kn Upfrn.
senken, Senkung. — Senk-Rücken ; siehe
sinken.
Senne, f. p. Sehne,
sennern zu Sahne,
seimig s. sehen, sinnig und Sehne.
Sense, f. — Sensen- .Wann, - Wetzet-
Serben (Berbling) fahd. serawen, serwen - tabes-
cere, Graft VI. 271. 2*0 , schwinden, verdorren . 11 Jahrh.
serwen - marceo, langneo. H. Z. III, 375b; mhd. mir
wen. *i>rl*!ii = innerlich abnehmen, entkräftet worden,
krankein , nbMerben , I.exer 22«) -= dahinwelken,
schwinden an Kräften und an Köipci fülle aus
Krankheit (Abzehrung) (Gr. w. V, 2029; Schm.
Ii, 32i; Chr. Sam. i, 12). — Serben, n. = Febrlfl
hectica (Btlfch s. d.), Abzehrung (Anrgau; Roch-
holti), namentlich bei Kindern (Atrophin in-
fantinm). — serwig = kraftlos (c. v. Schm. iw)
— Serwling (Berbling) = derjenige, der serbt,
zumeist ein atrophisches Kind oder ein an
chronischen Krankheiten (Idiotie) dahinsiech-
endes, menschliches Geschöpf (Z. f. d. Philol. III,
3.1C), _ (i.-,97) ab-serben (der Kinder) - Atrophin
infantinm (Sehmeller II, 324; The», san. Br. 73). —
««« Serben = auszehren. — er- (ro-)serben faitd.
arserwen = extabescere, Graft VI, 280) = im Maike
gleichsam austrocknen, ausgemergelt sein
(schm. n, 325). — (1742) Leib Serben ■ Atrophia,
.Marasmus, Tabes, Febris hectica (Zw. 10). —
Serbende(r) Krankheit, Siechtag.
Serp, Serpel s. Scherber.
Serpente, f. (mhd ) b. Schörpentin.
St. ServatZ - in Flandern Patron für S.-hweine-
krankheiten; s. sab: „von".
SeSSChen SeSSkes, pl. (ndl. seskes. de »essen.
De Cock 93. 105. 688; V. K. VIII, 59. 106; s. auch
-Besten), 1. - Epilepsie, Eklampsie bei Kindern
und Krampfzufälle bei Tieren (De Boe Iwest-
vlonmsch Idiotikon] leitet es ab von franz. aeces ; lat.
oeecssus; ndl. accessen, V. K. IX. 143; X. 121 ff . ;
portug. sezöes - Weelm-lfleber) = An lall; die Kinder
geberden sieli dabei so wild, halbrasend, stumm, krab
beln und hels«en , als ob sie von elbischen Wesen
„besessen" waren. — 2. = Staupe der Schweine
(s. d., Milzbiand) als Anfall einer Krankheit. —
3. = s. Staupe. Man möchte Immerhin dem deutschen
(bülsesscu den Vorzug geben, da begrifflich mit der
Besessenheit gut übereinstimmend (s. Urquell 1»«*,
S. 99 ff.).
-sessen s. setzen (nitzen).
Sester, m. — Drei Bester- Kopf.
I Setzen llndogerm. sed ; germ. »et, das Kausativ
dazu angls. »etlan ; «etiles = After, Gesas*, Cock I,
42; III, 30; alt*, settian [dazu: Saison s. d. u.'); ahd.
sezzen = setxen, sitzen machen ; sex = Sitz ; mhd. setzen
= setzen ; sex = Sitx, Klugo*. 847. 84»; engl, seat ^
Sitz, Lehf. 102. 223; angls neweseotha, m. Cock II,
198. 232 242. 401 - die rechts- oder linksseitige Gegend
xwischen Nabel und Schamberg, Interbaucb, Cuter
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setzen.
Betzen.
leib tm Gegensatze zur innseu [». d.)). — setzen =
„an einen )>estimmten Platz hrinsren*', gebären,
Jung« werfen (Jftgerspr.). — es setzt Kiter = eH
beginnt, Eiler (wie Hefe) Bitzen zu machen, zu
rHi waren (Gr. W. III, 391). — das Geblüt setzt
sieh — Dach der entzündlichen KongeBtion und
Wallung fängt die et krankte Stelle an, Eiter zu
bilden (Z d. V. f. V.-K. 1807, S. K.2); dagegen : das
Blut setzen = zutn Stillstand bringen, stellen.
— absetzen, l. = den Kot auf den Boden herab-
fallen lassen u. dadurch entfernen, absondern
(Mayer 149). — 2. = das Kind von der Brust ab-
nehmen (D. 3 ; ablactatlo). — ansetzen (vom Brand)
= die beginnende, septische Peritonitis (puer-
perali«), Auftreibung des Leibes (Panli 6). — Ang-
setz = s. Angflfttz (Satz). — Aufsetzen, n. =
das Koppen der Pferde, wobei sie ihre Schneide*
■Ahne auf die Krippe setzen (Krippensetzen),
s. Koppen. — .'tu*-sätz(el)ß. Satz. — aus setzen
(ndd. uuetten) = etwas aus seiner naturgemassen
Vereinigung 0. seinem Verlaufe heraus nehmen,
z. B. Sehnen aus ihrer normalen Verbindung
anderswohin setzen oder bringen, Distorsio
(Gold«chm. 79; die ungetauft verstorbenen Kinder
hlessen auch „ausgesetzt", Maurer II, 25«! *et1 «ie
ausserhalb des gemeinsamen Gräberfeld« begraben
wurden). — die Krankheit setzt aus = wird
unterbrochen in ihrem Verlaufe. — fV-seSBen
/.' sessenVif • (ndl. beteten, bexetenhejrdt, De Cock
109. 310) = von bösen Geistern (Schrattlein, Mar,
Alp, Teufel etc.), die sich nach der heute noch
nicht ausgestorbenen Volksannahme auf dem
(Tiere oiler) Menschen aufhockend (s. d.), auf-
sitzend (s. d.) niedei lassen und (Gr. \V. VII, 363)
ihn „in Besitz nehmen", also eigentlich = den
Menschen besitzen z. B. als Incubus oder Suc-
eubus, verursacht ab daemonum niulehrornm
intluxil (rahd. besezzen. Lexer 19; 15. Jithrli. bcsitten
»Ho cyn mit dem duvole befungen = obsessus, arrep-
ticins, D. II, 3Ä; 1">. Jahrh., ndd. beseiten --- diiemonl-
Wtti, I>. 173; 1132 ein mensch das mit tiefü besessen
— nrreplieiu«. D. II, 3".; 1 1*2 besezzene, <'. v. Mcgbg. ;
Wi vom bösen «eiste beses*en Chr. Meyer 102 ; 1501
»»•«essen = fanatlcns, nomine (--«. Gottcsgcwalt) «f-
Ilntiis (s. A n waht ; llnfl. Jim. 391); schon Im Sanskrit
wird ein Krankhelten erzeugendes Weswi, htnitakrnntl,
bhi'iln saujiinn und bhiita aveca erwähnt, welche! die
Menschen besi -m ii macht (Kuhn, Z. f vergl. Sprach.-
Wlmcnsch. V, »4; Kuhn II, 19.1; in deutschen Zeiten,
nachdem die Vorfahren der Deutschen da» „Berti**"
duteh die Kölner kennen gelernt hatten, Ist es der
Alp, der Sarhttnar. das SehriHtlein, dk' als lucuhus
.,H-«Itz" vom Mi nceheti nahmen ; sie waren die bosi ii,
übelibatlgc n und uninilden (irisier (Unholden, tiolth.
12"*, die Si elen der Verstorbenen au* dem Toten-
relelie, welche sich blut»nugend (*. d ) In dem I.elbe
den Lebenden einqairtierten, Ihn bepelzten und als
Krunkhi Itaifi lstiT fs. d.) <iualcud und plagend Ibra
POMCQ ii bftstl) trieben; Vom Schlage <•>. d ) getroffene,
gelähmte Krüppel wurden geradezu als dacmotiiaci ■
„mit dem Mm.1t <i> ist besessen" bezeichnet (1.. Jahrb.,
Gr W. V, 2471). da nur ein solcher ihn des Gi brauche»
der Glieder, diese hemmend und lahmend, beraube*
konnte, ohne sichtbare, sonstige rrsache ; die Arzte
de« Iii Jahrb. nannten das. was unser Jahrh. hysterisch
oder hysteroeiiilepticoh nennt, bcscssi n [d. h. von dem
die heidnische!! Dämonen ablösenden Teufel) = tcufel-
Mech ; „der Gegenstand Ist geblieben, der Name hat
sieh geändert" (Snell, Heienprozesse 38). Der grosse
Lehrer des Dominikaner Ordens, Thomas von AqnJll,
hatte den Wahn der teuflischen Ineubt und Huccubl
(s Schrattlein, Alp-Traum und Teufel) weiter ausge-
bildet ; auch Luther behielt diesen Glauben zeitlebens
fest; der christliche Teufel war eben an die Stelle der
heidnischen Plagegeister getreten ; Ihm wurden im
Mittelalter alle Laster und niederen Leidenschaften de*
Menschen zucrtellt ; er erschien darum als Alp (siehe
Teufel), auch er nahm wie dieser Besitz vom Menschen
und machte Ihn besessen ; „je nach dem am Orte und
in der Zeit liegenden Aberglauben nimmt die von dem
Kranken taypostasierte, fremde, feindliche Macht ver-
schiedene dämonische Gestalt an" (Griesinger*, 215;
KeZept gegen elbische Besessenheit aus dem |.">. Jahrb.
in Analecla Graecensla, Graz 1S93, 13; Nr. 28), 1. -r
geisteskrank mitdem Gefühle, von dämonischen
Gewalten beherrscht zu werden (Back 13), od.
teufelwinnfg (s. d., Daemono-melancholia). —
2. = epileptisch. — 8. = hundstoll (s. auch Wehr-
Wolf). — 4. = mondsüchtig (= teufelhaftige Leute
nach C. v. Mcgbg. ; s. Teufelsnamen in Urquell 1891,
6. Bd., 8. 20V &3B.). — sowie 5. ss gelähmte Krüp-
pel, Stumme (1182 besessener mit dem Matal, Gr. W.
V, 2474) = die durch den Teufel des vollen Ge-
brauches der Glieder beraubt werden. — ein-
setzen, 1. -einpfropfen z. B. künstliche Zahne.
— 2. = ei ii -setzen (nd. Duetten; 1468, Quill Iii)
= das ausgesetzte luxierte Glied wieder an
seine Statte setzen , einrichten. — (1C18) einge-
sessen (ndl. aangezcs»on) = im Inneren festsitzend,
eingewurzelt, eingefleischt, z. B. Gicht, Khetima,
Fieber, Wurm, Angsätz (Pausa 61 ; De cock 23s).
— (1688) rt,t- setzen = den Kot von seinem Sitze,
seiner Stelle wegnehmen , laxieren, den Leib
lOsen, die Milch versetzen nach einwärts (mnd.
gpena intsrt, de Vr. 74 ; Gr. \V. III, 621). — (1)92) er-
sessen = veise.sscn z. B. vom Kiter (Seb. 93). —
/"-säss ( setz) (angin, lunati-seitda — illnm, D. tt-Vj
nn«ei>t, ausevat — exenteni, D. 216 j ndd. Itisctc, ßchru.
II, 331 ; „die kiuds iiisetz" ; 1417 inghesud detrtisus,
D. II, 1.12) - das, was innen liegt im Leibe : a) Ge-
därme, die herausgeschnitten w erden (s. Inster) ;
b) das Kind im Mutterleibe (Schwangerschaft J
(Cr. W. V. "09; Falke I, 414; Schm. II. 331). — Kille-
Setze, f. (altnord. kn>> setti, Welnhold 290); bei der
Geburt der Germanen setzte sich die Gebarende auf
die Knie des Mannes, das dadurch geborene Kind
wurde dann „gehoben"; die Adoption eines Kindes
geschah durch die Kniesetze, eine symbolische Wieder-
geburt; s. Knie n. Knie- Basel*. — (1H43) Kripprn-
Setzer, I. = ein Pferd, das zum Kfllpsen oder
Kücken, Koppen (s. d.), die Zähne auf die Krippe
ansetzt, um aufstossen zu können, wobei es bald
durch Krankheit ma«er w int (Falke 11, 46). — 2. =
(übertragen) ein magerw erdeiiilcr Mensch (Schräder
tt| (s. Krippe 5). — /cM/r/s-iirseSBen ~ s. o. be-
sessen (vom Teufel), ilaenioniacttS (Iluck 14);
(teil fei winnlg). — (18-.1 !) umsessen : wahreud nach
dem Itltuale eccleslastleum die „Besessenhell" der
höchste Grad des malellclum dlabolicum ist, wobei der
Teufel von allen oder doch von den meisten Gliedern
so Besitz ergriffen hat, dass er den natürlichen Ver-
richtungen hinderlich entgegentritt, ist bei der ob-
Seuche.
Seuche.
Netto (- UinseSSen sein) «kr Ihm* Geist nicht vol-
lends eingedrungen ; er hat aber Anstrengungen hieiu
gemacht, einein Feinde gleich, der eine .««»dt umlagert
(Nippold, die gegenwärtige Wiederbelebung de* Hexen
glaubens, s. 23; Demokrito* III, .'20) — M«fVr- setzt
= von niedergestelller Natur. — rrr-sesaen ■
au unrechter Stelle sitzen geblieben z. B. Hlut,
Winde, Harn, Kiter (Rudi»), — (IUI) wsetzt
an unrechte Stelle gesetzt, luxierl (liod. Jun. 397),
verstopft (angl. utgang (orteten, »IIa gckyndum
(= genltalla femlnae] torsetenuni, Cock 11, 172. 174).
— V. i setznng = Metastasis humorum (siehe
Flau, Rheuma, Blut, Galle) nach altein humo-
ralpathologischera Dogina, „derjenige Vorgang,
bei dem gewisse Subsianzen in die Blutmasac
gelangen u. sich an anderen bestimmten Stellen
des Organismus ausserhalb der befasse alt-
lagern oder weiter entwickeln" (Koth 323). —
Milch - l'rr-aetzung ( Versatz) = Metastasis
lactis, le lait repandu ; man dachte »ich noch UM
(Kopp 1. 175), da.** »ich z. It. beim sogerf. Milehfieber,
Milehschuelss der verschwindende Milchfluss der
Wöchnerin (und Kuht als perl raclrltischcs Kxsudat In
deu I.eib verschlagen (s. d ), versetzen oder al« Milch-
Schweis« auftreten könne oder unter dem Bilde der
Maula puerpcmll«, ebenso als Huudswut zu Kopt steige
(Gr. Vi. VI, 2280), »eil der Kenntnis, das« die ver-
schiedensten Zellen waiidcmug«iahig sind , hat die
Mela«lA*cn- Lehre Ihre Berechtigung erhalten , aller-
dings nicht in der erwähnten alteren AurTussung. —
Wehen- lYrsetzung - das Kintreten schmerz-
hafter Kniptindungen (Neuralgien) an anderen
Orten an Stelle der natürlichen Geburls- o<ler
Nachwehen, meist verwechselt mit entzünd-
licher Parametritis oder Perimetritis (Allg. med.
Centr.-Zeitg. 18Ö6, 3. 220). — Zersetzen (-SetZUHg)
= etwas ganz und gar in kleine teile «erlegen
und falsch verteilen, vermengen, entmischen
(Safte, Detritus, Septikaemia, Pyaemia). —
Setz A*o/</.
Seuche, f (Seucht), f. (vorgerm. suk [schwach] ;
altgerni. sink [Krankheit]; ahd sluhhl, f. - Krankhell,
Klupe*, 317; aegritndo, debilitaa, molestla, morbus,
lauguor ISieche , Siechheit, Seuche], Graft VI, 139;
mhd. «lache = Krankheit, Seuche, Lexer 230 ; 15 Jahrh.
sewche = pestl«, 1) 131; siuebede — Seucht, 8chmeller
II, 219; liM slcckte ; ndl «Ickten - Sucht, De Cock 4;
norweg .dän syge - Seuche). — Seuchte. Seuche , f.
Seuchen, m. 1. ^allgemeine Krankheit, diu den
ganzen Körper schwächt (luo = schwachen, Lue»)
oder eine Krankheit der ganr.en liegend, der
ganten Sippe od. Herde; „schwerer Gram, der
das Hetz bricht, galt (bei den Nordgermanen)
ebenso wie eine Seuche als Ladung zur (Todes-
göttin) Hei" (Maurer II, 93. Anm. 102; In Mecklen-
burg wird sie durch Besprechungen RuiK iistab] , ge-
brochen"). — 2. ansteckende Krankheit, die
allgemeiner sich ausbreiten kann, da die Ge-
sunden durch die an derselben Krankheit Lei-
denden angesteckt werden kennen; Morbus
popularis s. epidemicus (int • ?-fju.o- - über das
ganie Volk hinziehend), epizooticus. — 3. = der
Krankheitsstoir, der ditich den ganzen Korper
oiler das Land geht (17. Jahrh.; Fr. Kr. B. ;ts.'>). —
4. = eino ganz besonders auffällige Krankheit
«. It. Kpilepsia, Malaria (dy keld ader der «euchc
= fehris, D. II, 169). — 5 = gegenwartig fast nur
noch bei den Animalia bruta gebräuchlich
(= Epizootie); dagegen Sucht = menschliche
Seuche. — Benchen = ganz krank sein und
machen. — seuchender (11*2, D. 199. >S9) — t«»r-
peus, elueus, krank, an einer Seuche erkrankt,
siech. — (iis2) seuchiger = elephantiacus, «ler
an ansteckender Lepra (Elephantiasis, s. Aus-
salz) Leidende (Zeulng. Voc dd7). — seucht ig =
durchseucht, seuchig. — (1709) anfällige Seuche
= ansteckende, vom Damonenanfali herkom-
mende, epidemische l'estkrankheit (llaeaer II,
415). — (16. Jahrh.) anrührende Seuche, 1. = eine
durch die Berührung durch den Krankheits-
danion entstandene Krankheit. — 2. - eine
durch die Berührungdee Mensehen ansteckende
Krankheit (Gr. W. 1, 431). — (1790) Arit/irrtjr Seuche
= Milzbrand (s. Anthrax) (Feser 1U). — Aphthen-
Seuche, 1 - Maulseuche (s. d ), Stomatitis aph-
thosa epizootica (Klauenseuche) beim Hornvieh;
(not) Aphthae pecorinae (lleckcr II, 001) (Febris
bullosa) Blasenseuehe; (engl, ibrush = Dro«««l,
Koth 522; Förster II, 25). — 2. - Beschälseuche in
Form von Aplithenidäsehenanden Geschlecbis-
teilen des Pferdes (Htiec I, 10.53). — (i»42) Augen-
Seuche (-Seuchte) (adL oogztekt« , De cock iaa),
1. > s. Augenkrankheit und -Entzündung. —
! 2. = eine ansteckende, epizootische Augenent-
zflndung bei der aphthösen Maul- und Klauen-
seuche, namentlich unter den Haussäugetieren
(K. u. P. H, 478, Falke I, 86). — (1616) auSMifzimhe
Seuche = ansteckender Aussatz (Lepra) (Tarn
celsus). — Bandicurm ■ Seuche - Nomatoden-
Epizootie bei Lämmern (Zlpp 622). — Begat-
tung»-, Beschäler- Seuche - eine aus Ansteckung
bei der Beschellung entstehende Krankheit der
Zuchtpferde (sogen. Schankerseuche, Venerie
oder Frantzosen) (Falke I. llo). — betchmei/udiehe
Seuchte (ndl besmettelijke ilektc, De rock 303) -
ansteckende Krankheit (Sucht, s. bescluneissen).
— (1822) /•• i.m r; Seuche = epizootischer Milz-
brand, der Karbunkel od. Anthraxbeulen macht
iz. Hdb. in, 469; Fe»er i3o». — Zilasrn-Seuche -
die epizootische Maul- u. Klauenseuche, Fcbra
bullosa, wobei Aphthenhläschen sich bilden
— (1S42) /."'r.' '-Seuche, 1. = rote Uuhr als epi-
demische Krankheit mit Blutlluss aus dem
Datme. — 2. — Anthrax, Milzbrand (derScbafe),
der hautig Blutergüsse im Leibe macht ((ranz ,
ISI3 maladie de sAng, Delafond; Bollinger in Z. Bdb,
III, 449; Bard.ieben I. 300; Fcser 92; Fuchs II. 296)
— S. ss Blut seieben, Blutharnen (Falke I. 139). —
böse Seile h e, te), 1. = (1582 höso Hcuch atn l.eib,
Lonlc. 127; 1811 hose Seucht, I'aracelsui) = bOse
Krankheit der Pestdenz als Seuche. — 2. —
Epilepsia (Seuche 4), Hystero-Epilepsia (F. Möll-
mann VII, 200; A. V. B. I, 601). — (1839) Brand-
Seuche = epidemische Kriebelkrankheit , die
durch den Mutterkornbrand (Getreidebrand,
Ergotismusgangraenosus) verursacht ist ; (siehe
St. Antoniusfeuer, heiliges Feuer, Brodseuche)
(lleckcr 319). — (KSI2) />Ymn-SeUChe - Ignis sacer,
brandiges Kotlauf, Milzbran<l (Falke I, 15.;). —
firo<! Seuche - die durch Vergiftung mit Mutter-
korn (das ui\iv{hov u.t\äu.r:D^ov der Alten) im
| Brodmehl veranlassten Epidemien (Brand-,
uigitized Dy VjC
Beucha
Seuche.
«4t
Brenn-Seuehen), worunter auch das heilige
Feuer, ÖL Antoniusfeuer fallen; „es bedarf
nur einer Veranlassung, vor allem des Kin-
setzens irgend einer akuten Erkrankung (z. B.
den Typhus, der Pocken etc.), um in dem durch
Mutterkorn (Brodmeld) vergifteten Körper die
schlummernde Neigung zum kalten Brand her-
vortreten r.ti lassen" , cfr. Seuche - Calami-
tas (calamns = Hiüm oder Ähren; Kolsrt I ; Vier-
ordt 75 ; Jnnus is'.i*: (■». martialisches Feuer") Bei
diesen Brodseuchen «(•■In die gangränöse durch Sphäre-
linsaure- Vergiftung veranlagte Form {= heilig»'»
Feuer 4) de« Ergottsmus (Kornbrand) In einem zeit-
lichen und lokalen G ege n sa t z zum convulsivlschen Er-
gotismus (Morbus cet^-aUs spastnodlciis = Krlebel-
kranklu-it. Krampfsucht) ; erster«- Formen sind die
alteren und südlicheren , letztere, d. h. die Kratnpf-
cpldemicn, sind die neueren und mehr In Iientschland
l»ekatiniercn. ..Seit 171« überwiegen die Krunpfepl*
demlen (durch Cornntin) so sehr, dass auf '.'0 (F.rgotln)
Epidemien nur s mit Branden>cta< Intingen (durch Sphft-
cclinsAurc) kommen" (Hob. I, 4U ; (s. Krampfsucht).
— [1842) Zo n>f-Seuche = epixootitche, influenza-
ahnliche, durch tlas Lustig'sche Bakterium an-
steckende Krankheit der Pferde, Pferdestaupe,
die hauptsachlich P.rustkrankheiten (Pleuro-
pneumonien D. Katarrhe) macht (Villnr. t n. 1h ;
Kalkt- l. 1<>2; dan. brystsyge; schwed. bro-t sjtika). —
St. Cornr/i».s-Seuchte [ndl. (Not Cornelioi Kiekte)
= F.pilepsia, Sl. Jans-Ohel, angeblich weil Pt. lor-
neliu« I'atron dagegen war (He rock III); nach ndd.
Volksglaulnn IM St. C ornelius ein glühender Mann,
der einen Jährlichen Kitt macht und alljährlich um
eitlen Ilahncn'chritt naher kommt (= Sonne); mit
dein Sonnenkulte, dem die Heilung der Besessenen
und Geisteskranken zustand, hangt auch St. Johannes-
tanz u. St Jans fbcl, sowie Hirn weh («. d.) zusammen
(.Scbell 1»:.. 19..; I r.piell 1*99, S. IVO). — (KW) typ-
ritchc Seuche - eine vi<r 15<>5 auf der Insel
f'ypern herrsehende Petechialfieber- Kpidemie,
die nach Italien verschleppt wurde (v. M. II, 121).
— [1842] Darm- Seuche = Ruhr als Kpiiootie
(Falke I, 2t»5). — Dörr-, /)uVr- Seuche (15*2, tarnte.
137) = Darrsucht. — (is. Jahrh.J l>rü*t « Seuche
(druzes. uche — inouinarla, D.29S), 1. - BuOonenpest,
Beulenpest.— 2 — Drflsenlieber beim anstecken-
den Rotz der Pferde (Mayer 17tu — 3. = s. I »rüsen-
sucht. — (is42) durch - seuchen — den ganzen
Korper krank machen, eine Seuchenkrankheit
überstehen, so dass der Seuchenstoff durah den
ganzen Körper durchgegangen ist (Falke I, 224),
— heimlich durchgeuchen - eine Seuchen-
krankheit überstehen, ohne dass sie sieh nach
aussen bemerkar macht, offenkundig wird. —
A'(/e/-Seuche - Lcberegelseuehe, Kachexia ver-
minosa, welche viele Tiere einer Herde ergreift
(s. Anbruch) (Falke I. 227). — (IM*) engtüthe
Seuchte, Seuche, 1 = (ndL enxelaefa« zlekte, De
lock 70; norweg. cngclsk syite. Janus 1m9S, 8. 4üö) =
englische Krankheit (s. d.) — 2. = englischer
Schwein, Sehweissueht (Lorsch 214). — Erb'
Seuche - Morbus hereditatins, eine Krank-
heit, die „man mit seiner ganzen angeborenen
Natur von (Jebtirt aus hat" fs. Lrbsueht, Krbe;
g. Seuche 1) (Gr. W. III, 740. 711). — (1M2) Euter-
Seuche = ein F.uterausscblag, der epizootisch
auftritt a) bei der Maul- u. Klauenseuche; b) bei
den Kuhpocken (Falke I. 36t). — (hin-) / nllcnde
Seuche (Seuchte) (UN, ndl. vallende Sickte [siecktel,
I»e Cook 4. 93. III; Tirol; Hey! 788) = Kpilepsia
(Seuche4) (<ir. W. III, 1291), Fallsucht (s.d.). — (K.99)
/VM- Seuche, 1. = (I7it*>) Aussatz (u. Syphilis),
Feldkrankheit* 2; die daran Leidenden wurden
wegen der Ansteckungsgefahr, die dieses Haut-
leiden mit sich brachte, ins Fehl vordieOrtschaft
hinaus abgesondert (feldsiech , sondersiech)
(Zw. 244; vielleicht entstand hieraus das ndl. vclziektc
= Fellkrankheit, Hautleiden. V. K. IX, 144). — % =
das Lager» oder Petechialfieber (v. M. II, 121). —
(1497) flechtend* Seuche (flechtenne suche), 1. =
eine liechtenartig sich ausbreitende, epidem.
Krankheit, r.. B. Ruhr (ITaeser II, 384). — 2. =
eine epidemische, Flechten (Syphilis) etzeu-
gende Krankheit (II. z. VIII, 31»).*— (1589) Fran-
tnsen- (fränkische) Seuche ■ die epi<lemische
Franzosenkrankheit (s. Franzosen), Syphilis
(türkisch frenk ylletl = Morbus i-allicus, Globus \s<}\
8. 5s: Pr. i, xii ; zw. 6S.U — (KS90 Fra uen -Seuche
= Menstruum — Frauensiechtum, Weiberkrank-
heil (D. 358). — Friedet- (Fricster-) Seuchte [ndL
vrljster-zlekte. I>eCock224)= Bleichsucht, Jungfern-
krankheit, maladie de jeunes lilles. — Friesel-
Seuche-= der epidemische Friesel (s.d.) (Herker
I. 177). — (18121 Fuss-Seuche = die epizootiseho
Klauen- (Aphthen-), Huf-Seuche (Gr. W. IV. l.
10M; Falke I, 29<»). — Gallen Seuche = Rinder-
pest, wobei diotialle infolge gehemmten Ab-
flusses in deriiallenblase sich ansammelt (siehe
grosse (ialle, C'bergalle) (K. u. V III, 765). — (1SI2)
Gedärm- Seuche, 1. = Darmseuehe. — 2. =
l.ammerruhr der Kalber (Frank 540; Falke I, .115).
— (17s*») geile Seuche = Tripper, Syphilis (an-
lehnend an seichen, Seiche, Nicolai II, Kit), — geistii/r.
Seuche = eine durch psychische Ansteckung
sich weiterverbreitende Krankheit, z. B. die
Flagellanten des P). und 14. Jahrhunderts. —
gelbe Seuche {[Luxemburg] (fiel-zecli'-kraut : herbe
de la Jannl««e, Goldwurzel, Kol. l'.t«) = (leihsucht.
— Gelmk -Seuche - die epizootisehe Maisucht
(s.d.) der Fohlen und Lämmer (Laramerlähme),
die sich in Gelenkerscheinungen kennzeichnet
(Förs'.er II, loiu). — (K.is) gemeine Seucht - allge-
meine grosse F.pidemie, Lues, Morbus epide-
tnictis (Schmeller II, 21»). — (MM) giftige Seuche
= Pest, wegen der hohen Ansteckungsgefahr
(Steinmayr, Marianis« he Schatzkammer 162; Kirsch
9O0;Ma.«chenb.). — (jsi::i (;,,:■> Seuche .Maiseuche
(Falke II, 9ti). — (K.99J griechische Seuche = das
unter den (iriechen auf Cypern (vor 1505) herr-
schende Petechialfieber (v. M. II, 121). — (14S3)
gronse Seuchen = gemeine Seuche mit In »her
Sterblichkeit (C. Megbg.). — hästige = heftige
Seuche (Iftsi, ndl. haestlge zlcckte. Jantis 1897, 8. 157;
ahd. heisti = hitzlc ; Roth hait'-t- , anal« hae«te - heftig ;
ahfrunz. hn^te [hAte); bayer. haift = hcftiir. Kluge*, 1 "»7.
H. 0J. — (159:i) Haupt- Seuche !hi\upt«tuhe; Haupt-
sucht (s. d.) (Gr. w. vii, 1- 7L). — Hu us-Seuche,
I. = eine an Wstimnite Ilauser sich haltende
Epidemie (z. B Typhus), Kpoikia. — 2. ---- stall-
krankheit gegenillier der Wcidekrankeit. —
//••■••' Souche (ndl. huldzicktc, r>e Cock 72) — Haut-
krankheit. — (16W) hessische Seuche, 1. = ein
41
642
Seuche.
Seuche.
im IG. Jahrh. in Hessen grassierender Petechial-
typhus (?) (v. M. II, 121) — 2. = hessische Krank-
heit 2 (Krampfsucht) (Kolbert I, BS: „die erste
wirklich medizinische HrnchrellrnnR der (Mutterkorn-)
Seuche durch einen Fachfjelehrten flammt von
Wendclin Thalius aus dem Jahre l'i.«W; ]A9i'i cab die
medizinische Kakultiit der Universität Marburg ein
noch jetzt erhaltenes Gutachten üher eine damals in
Hessen herrschende Kpidemle ah, In welchem Gut-
achten zum erstenmale der seitdem Ms heute noch
übliche Name »Kriebelkronkhelt« für Mutterkornver-
Kiiiung [«, Brodwoche] vorkommt "). — (t?>6) hin-
fallende Seuche = böM Seuche, hinfallende
Sucht (F. HofTmann VII, 100; Zt. V. 391). — [1583]
hitzige, (1812) Ritz Seuche = eine ansteckend«
Krankheit mit hohem Fieber (Lnnic. 2tl; Kalke
1, 401; <ir. W. IV. 2. K*i); bei Tieren = Milzbrand.
— (itvj) Hornvieh-, //orn Seuche, 1. — Vieh-
pest, Hinderpest, Hoserdörre, die nur da« Horn-
vieh befallt (Falke 1, 412). — 2. = Hornfaule.
— 3. = Klauenseuche (Hocker II. 601). — (isla)
Huf Seuche, 1. = Klauenseuche Kalke I. 299.
419). — 2. = fieberhafte Krankheit bei Pferden,
mit Auaaohuhen gefolgt. — Hund{», e)- Seuche
= Staupe (s. tl.), Kpizootie unter ilen Hunden
(Merk 329; Kulke I, 421. II, <V0). — 2. - S. Laune
und lnnatischer Fluss = Hundswut. — (1741)
//»mi-Seuche = Syphilis, Morbus gallieus Zw.
fifö, Kirnch durch gemeino Frauen verbreitet.
— Huste n Seuche — epidemische Inllucnzn, die
mit Brusterscheinungen einhergeht (s. Husten)
(Gr. W. IV, l. 1276). — St. Jnn«-Seuchte 1 «oi
Rlnt Jans riekt«, De Co«k III) = St Jans-Übel,
Kpilepsia, Veitstanz, St. Johannestanz (siehe
st. Johann, Hirnweh, st. Jobannee-Tant). —
St h ' - Seuche (ndl. s. Jobs riekt«. Peljpen 9»; -
8. St. Johssucht, -Krankheit, -Übel. — kalte
Seuche II77 dye kalde seuche — lebris, D. 22*, 15.N2
kalte seuche, Lonlcem* 291], 1. = das Kalte (seil.
Fieher, s. kalt). - 2. - s. kalte Seiche. - KtM-
Seuche, -Seuchte (ndl. kcel-ziekte, Do (oek 42.
Kalke I, y = Kehlsucht (s. d.) — (i*i5i Klauen-
Seuche, 1. = die an der Krone des Klanen-
viehs durch Infektion mit einem ovoiden Ba-
zillus atiflretende, epizootisch sich verbreitende
Bläschen- (Aphthen-) Entzündung (Seabra cutis),
die immer mit Mundblaschen (Aphthen) ver-
hunden ist (stehe Aphthenseuche) ; Forsetto,
Vajulo. — bösartige A'/ancnseuche - siehe
nachfolg. — (i>2cj f ran totlache, spaniche Klauen-
Seuche ~ die erst seil der F/inffthrung spati.
Merinoschafe aus Spanien und Frankreich bös-
artig und bekannt gewordene Klauenseuche
der Schafe (spanische Hinke) (Zlpp. G:s5; Förster
II, 2".; Gr. W. V, 1004; Münch. Med. W. 1S97, 8. 771;
Srhnurrer II, 493; dän. klovesyse . — 2. - .> put tisch)
Fussgicht (Podagra) heim Menschen. — 3. =
l-'alkc II, 14 unterscheidet auch eine i chronische
A7aMr«aeuche (Klauenwurm). — (1M2) Kopf-
Seuche, I. = Mihtbrnndepizootie mit Anthrax-
beulen am Kopfe der Schweine (Zlpp. 67:!}. —
2. = hitzige A ' ; /seuche — Typhus boom (Milz-
brand) (Falko I, 110). — 3. = spanische Kopf-
seuche - eine Gehirnhaut- Knlzundung l>ei
Pferden, die in Spanien besonders rasch ver-
laufen soll Kalke II, 83. 323). — (13*8) Kriebel-
Seuche ■ epidemische Kriehcikraukheit (siebe
auch Hrodseuche u. Kratnpfsucht) (Heeker 317);
„das Wort erklart sich so, dass noch vor dem
Schwarzwerden der Finger- und Zehenspitzen
(s. heiliites Feuer u. Hrodseuche) in denselben
ein Gefühl des Kriebelns und der Vertaubnng
auftritt, ganz so wie in einem eingeschlafenen
(«Hede" Knbcrt I. 3« (Cornutin- Vergiftung). —
Kriegs- Seuche =- eine zu Kriegszeilen ver-
breitete Kpidemle iGr. \v. v. 22931. — Kropf-
(Kroup) SeUChte (odl. kropzlechlo - < rotip, l»e
< ock sH i >o = die krankhafte Atemnot bei Kropf-
gesehw iilsten und beim Kroup. — (1183) Länk-
Seuche eine seuche der lenk i — eine epidemisch
oder häufiger auftretende Glieder- (Gelenk-)
Krankheit (O. v. Mcghg.). — ;iß* Lan d Seuche,
einfallende = Morbus epidemicu», die sich Ober
»las ganze Land ausbreitende Kpidemie (Land-
plage, 1 Jindslauf) Münch. Med. W. is:<7, 8. et«;
(ir. \v. vi, 136). — it>>2] hnvje Seuchen ■ eine
lange dauernde Sieehheit, langer Wehtag des
Leibes, d. h. lies ganzen Korpers (147."» «uyckte
dnir men lnnj; an qwclet, I>. ISO) (Mol bus chronicu*)
(Zcn. Voc. s 2). — /^rrrv/W-SeUChe- — Kpizootie
von F.ehinocoeeus, Oer mit Vorliebe in der Leber
seinen Sitz hat (bei Schafen), Bettel*, Bettel-
krankheit. — (1690) leidige Seuche (der Posti-
lontz) ™ leid bringende I n fektionak ran kbei I mit
hoher Sterblichkeit i'Stelnmayer, Marian. Schatz-
kammer vo). — fi797j Liebes Seuche — Syphilis,
geile Seuche }. V. Krank V. Hb). — (ISI2) Lungni-
Seuche - die Hinderpest, eine epizootisch auf-
tretende IMeuropneumonia, interstitielle Lnn-
genentaflndung mit Brest Wassersucht beim
Kinde (Fftr-ter Ii. 2Vi: K. n p. III, 209; Gr. w. Vi,
IMS; Falke 1, 163; II. 82). — (IMS; wurmige Lungt n
Seuche (Falke II, 84 siehe nachfolg. — (IM3)
Lungenwurm- Seuche = eine epizootisch sich
verbreitende Haustier - Krankheit (I.umren-
katarrh), durch den Hungenwurm (Strongylua
filaria beim Schafe, Strongylua mirurus beim
Hindu, Strongylus paradoxus beim Schweine
und Schafe) verursacht Zipp. fiii). — Lust-
Seuche, 1. = der heftige, sinnliche, starke Trieb,
„die krankhafte Begier" Concubiscentia (Kir*ch
272) des ganzen Geachlechtaa pparatea zur Wol-
lust, als Seuche (1) und Fieber oder Krankheit
gedai'bt (l.ls /um lv Jub-li. *n i," l'ruiieht), LibidOg
Prolibitln Gr. \V. VI, 13."*; Heyne III, 702; 14. Jahrb.
blver = die Renchlei htliehe Hitze, die LtMtMOOb«1 als
Kielsjr: „de« »amen aatttt tut nach der eeluxl imde
nach dem Mver; etwenne wlrt der same zu heiz In den
nirn 1 Hoden] onde macliit ein blver", Hoff mann I,
320); die-er HeRrilT »urde veidränirt durch 2. = den
I Morbus vetiereus, verursacht ilurch *lie sogen.
Hust>euchcnschUrfe (1797) (s. d. ~ Syphilis,
Schanker, Tripper); (1M0) = Franzosenkrank-
heit (Gr. \V. II, 571; 172C = morbus venereu«, Gr. W
VI. 13i0; 1771 Nicolai II. 529; IV, 235; 1S41 = gyphlli».
Daater II, 216; hon. loatilekte = BjpblUi). — 3. =
I die Perlsncht der Kinder (Franzosen, Stier-
] sucht), die geperlte Tuberculosis houtn, die mit
Syphilis früher verwechselt wurde (K. n. P. II.
143; Zipperl 562). — (1843) J/a//m -Seuche. 1 -
Magendarmseuche. — 2. - Mag'mentznndong
bei Schweinen (Kalke II, 9.:). — Magenilarm-
Seuche.
Seuche.
Seuche = Typhus houm, die Hinderpest, Löser-
dürre mit sehr intensivem Magemlarmkatarrh
hei Hindern K. u. P. Iii, 76>;. — Maycnwiirmer-
Seuche = eine epizooliseh sich verhreilende,
duroli die auf feuchten) Weideboden aufge-
nommenen Eier des Mngenwurms (Strongylus
contortus Rad.) manschte Sehmfkrmnkbei I
(sogen. Bleichsucht oder Faule) (FAnter; Zlpp.
82«). — (1*4*) Mai Seuche, 1. = Maisueht. —
2. = Maikoder(s.d. u. Kraalader). — (MM) JfiuMM»
feldische Seuche = der unter den Mannsfel-
dischcn Truppen in den Niederlanden herr-
schende flVtechial-}I.agertvphus (Hneser II, 861).
— (i>r>) Maul- und Klauen Seuche = s. Klauen-
seuche (Zlciii-i. Hdb. d «p. I'atli. u. Ther III, 071;
.«.limirrer II, IM). — (l7*-9) M< hlthai (Seuche —
eine Kinderkrankheit (Maul- u. Klauenseuche,
Tau-Ö»ter), die damals dorn giftigen Mehltau
zugeschrieben wurde (Legende f. d. g. Mann, IV,
2W). — (IM i) Milz- Seuche - epizootischer Milz-
brand (K. u P. III. 204. Merk 'J7.i , Kalke II. 126). —
(lsy:) 3/nru/-Seuche — Maul- und Klauenseuche
(*. d.}, auf den Met. sehen (Kind) durch die
.Milch etc. de« so kranken Hornviehs über-
trafen, Stomatitis epidemica (M. Med. Woeh. ts-.»7,
s, '"J 771). — (low) österreichische Seuche — «las
im IG. Jahrh. nach Osterreich um! Deutschland
verbreitete ungarische Peteehiallieber (v. M. Ii.
121). — (MM) 0/i*-Seuche - eine seuchenhaft
an einein bestimmten Orte and, daselbst be-
schrankt, auftretende, mit rein örtlichen Ver-
hall nissen zusammenhangende Epidemie oder
Epizootie (F»IVe II. 1S2). — (losti PehU (PrstiUni;
[ISS»] ptgtUengbuhr) Seuche (Seuch inoe]), 1. -
epiilemische Beulen perd. — 2. - ansteckende
epidemische Krankheil ubcihaupt (Morbus
pestilcntialis), z. B. Petechialtyphus <'.r. \V. VII,
1373. 1.170; Haener II, ::--'7; I.ersch 272; nirlingcr. Sitten
ii, Anui . — i ii2,i falsche /V<.f-Seuche —
l'estilentia caeca et notha Ulaes.r II, 318), nicht
die wahre Heulenpest (Pect), sondern eine pest-
artig sich ausbreitende Epidemie mit hoher
.Sterblichkeit. — (low) pfälzische Seuche - das
in der Rheinpfalz und Hessen im 16. Jahrh.
herrschende Petechialfieber (v. M. II, .121). —
P/VrrtY- Seuche — ansteckende, cpizootisch sich
verbreitende l'ferdekiankheit (hell pnardztekte,
fir. w. vii, iow). — (Hi3j Poeken - Seuch f, /«*),
1. = seuchenhaft auftretende Tierpocken. —
2. ■ (RUacliltcli toeh] Kinderpest, bei der am
Euter (s. Euterseuehe) bei günstiger Krank-
heitswendung ein Ausschlag erscheinen soll
(Falko II, Ms). — 3. = (ndl., US» steckte der pocken.
dl.; men In t Ifttljn morbum gallicnm noerat, (iurlt
III, 290) Syphilis (e. I'ocken u. Blattern). —
Poppt l - SeUCht ndl. popelslje. Ho < ock 7. U2
apoplexia, 15, Jahrh poppelcia — morhua cadiu'iis,
I>. II, 61; 1133 de popelt le, po|>jM-l, poppelsic franr.
pop. Ilsio. »riss. 246; 1440 Hiiehto diel« popelijr, 1>. 41
-schla« [apoplcxia], clue Krankheit, Zolling. V«ic. z 4;
l.Vi7 popetUyachtirli — apoplccUcus, I». 41; 1Ü-- pop-
pcUeucht, Taberniium. paraly-ds. Schlau lir. W. VII,
2001; 1591 popcliyo pjel(tcr], Had. Jim. »7:1; 1192
popelxle (Strasburg], Seh. W; 17.11 poppelsseucht,
Tabernocm. = die verderbt« Form für) ; (A)poplexie
^ schwere Lähmung des ganzen Menschen,
anlehnend an den Krankhcludatnon Poppcl (Pöppel-
inann [». d.j = apoplektlloruio Pest) und siech, zur
Poppclseuche cutstellt. — (low) polnische Seuche
= der im lti. Jahrh. von Ungarn und Osterreich
nach Polen verbreitete Petechialtyphus (v. M.
II, 121). — (l»96) psychische Seuche = eine durch
psychische Ansteckung veranlasste, sich an
einem Orte ausdehnende Krankheit, z. Ii. Epi-
lepsie, St. Veitstanz, Oespensterfurcht etc.
(Lersch ;tl, Anm. ; 513 zuerst historisch). — Rachen-
Seuche = Milzbrand als Hankkorn im Hachen
der Schweine (Kalke II, 222). — (1813) Raek-, Räch-
Seuche = in RinJerheerden epitootiiefa auf-
treten, le Seuche mit <len Erscheinungen der
Osteomalacie , wobei die Gliedersteifigkeit
( — Hikhe) ein besonders auffälliges Symptom ist
(Kalke II, 23. 228). — Rinder-, (177«; Rindcieh-
Seuche, 1. = Rinderpest, Rindersterben, Loser-
dürre (Helm lij. — 2.-8. Wihlseuche n. Rinder-
sucht. — }{ -.-Seuche (boll. horse -slckne«») —
s. Pferdeseuche. — ></rjn ' '-Seuche ~ eine mit
Hotlauf (-hitzige Kopfkrankheit) verwechselte
Pferdestaupe, Katarrhalfieber.Pferde-InHuenza;
unter Rotlauf und Rose versteht der gemeine Mann
eine Reihe ihm unbekannter Krankheiten ; bei der
Pferde-Influenza ist manchmal Anschwellung an den
liclncn, am Bauche und am Kopfe vorhanden, daher
Rotlauf (». d !, Influenza erysipelatosa. Villi. r II, 18).
— (lsts) /; f':.! -Seuclie = Ruhr (s. d.) als Kpi-
zootie ;Kalke II, 2 .1;. — il»t;:j Subbe» -Seuche ^
Maul- und Klauenseuche, wobei die kranken
Tiere beständig geifern, satlern, sabbern (Kalke
II,2.'.3). — Sauf- Seuche (Rauffseuche) — eine krank-
hafte, sehr gesteigerte, den ganzen Körper in
Mitleidenschaft ziehende Begierde zu trinken
(Gr. W. VIII, 1*86). — Sc/ianker Seuche, 1. - Sy-
philis infolge eines Schankers (Rittet I7S6— 18.V7;
Pr, II. 617). — 2. ■ BesehJllersouehe (s. d ). —
3. = Pferderotz (Kalke II, 271). mit Syphilis (s. d.)
■ verwechselt. — SeharlacJi Seuche = das epi-
demisch sich ausbreitende ScbarlachÜeber
(<;r. W. VIII. 2207). — schleppende Beuchten (ndl.
alependc ziekteu, De Cock 11) = cbroniNch langsam
verlaufemle Krankheiten. — Schweine- Seuche
(Iduthmar&chcn, swieiisükj = eine früher als epi-
zootinches Schweine-Hotlauf, hantig zum Milz-
brand gerechnete, jedoch davon getrennte
Krankheit (s. Schweine Hotlauf) ; die eigent-
liche (deutsche) s. / seuche (im engereu
Sinne auch Schweinediphtherie, Schweinpest)
hat ein ovales, septichtlmisches Bakterium zur
Ursache, das Schweinerotlauf ein Stabchen-
Bakterium ; unter Schweineseuche rechnete man
fiühor und allgemeiner auch Klauenseuche,
Milzbrand, Finnen, traumatisches Rotlauf (K. u.
P. III. 20'J; t rqucll 1S!'2, 8. 104; Z. Hdb. d. ip. Pftth.
u. Thür III, 408). — schwitzende Seuche {ndl., l.vje
<ie nreetentfe zt..kie, jnnus is'.»7. i.vij engliecher
Behweisi als Epidemie. - - Seiten Seuche (last
ein seuche an der «citln ^- eollra, D. 131) = Peritonitis
partialin, Pleuresia, Nierenkolik, Lankabel,
Lanksucht, Settensucht. — sibirische Seuche =
Milzbrandseuche; (1810) sog. schwarze Krank-
heit mit Iiramlbeuleu (sibirische Pustel), aus
Russland und Sibirien nach Deutschland im-
portiert (Schmidt Jahrb. 14. Rand ; Lerech 412. 431).
41*
Seuehö.
Seuerlein— sieht.
— 77 Seuchen = die unaufhörlicheSeuche(siehe
Sieben) (In Befprechungslonnein, Gr. D. M.CXLI1I.40).
— (1822) Skerlihco-SeVLChe = b. Scherliewo. —
Sommer- Seuche = Milzbrand (Anthrax), der
sich unter dem auf der Sommerweide befind-
lichen Weidevieh im Gegensatz zum „winter-
falligen" Stallvieh verbreitet {Fe*er 130; Falke II,
321). — (164 j) Srarr-Seuche — Viehseuche , bei
der der Schweif de« Tieres auflallend welk und
weich wird durch den angebliehen Stftrzwurm
(Coler, It. 392; Kalke II, KU). — Stall - Seuche =
eine Krankheit, deren Infektionsstofl' in der
Stallung haftet und die unter Umstünden auch
auf andere .Stallinsassen übertragbar ist (siehe
Winterfalligkeit). — i"<mr-Seuche = Tanzwut,
Tararitismus. — TVxoÄ-Seuche = eine in der
amerikanischen Provinz Texas euzootische
Viehseuche (Texasfieber) mit Haemaglobinurie
infolge eines durch Th. Smith u. II. Hilborne ge-
fundenen Doppel parasiten PyroBomabigenium,
der durch die Kinderzecke übertragen wird,
wie Dr. Koch nachgewiesen hat. — tiroli*ehe
Seuche = Faleadine (s. d.) (Pr. O, 1 16). — trau-
ernde Seuche U4>2 traucrende Beuche — torpor,
l>. 6.H») = Siechtag mit Schlafsucht, Niederge-
schlagenheit. — (Endo des 18. Jahrh.) Tripper-
Seuche = die den ganzen K.irper ergreifende
Gonokokken- od. Tripper-Infektion (Autenrieth;
Bitter); „es gab damals kein Organ, kein Ge-
webe, selbst Haare, Nittel und Knochen nicht
ausgenommen, welches nicht von der Tripper-
seuche ergrillen werden konnte" [Kopp IV, 78;
Pr, II, 599. 666). — [1*34) Trommrl-SeVLChe = eine
Trommelsucht (s. d.) ( = Tympanites) als para-
sitäre Epizootie unter Schafen (Mork 212). — (I8i:t
7 üppel - Seuche (Tippelseuche) (Falke II, 370),
1. = Milzbrand als Beulen bildende Seuche. —
2. = (vcrallgcm.) Gehirnentzündung der Kinder
als Epizootie. — (169t] ungarische Seuche, 1. =
der 1566 in Ungarn grassierende Petechialty-
phus (v. M. 11, 121). — 2. = i84:i) aus Ungarn ein-
geschleppte Kinderpest (Falke II. 38*;. — (ir,S9)
vencristhe
| Seuche, Beuchte (ndl. venauiekte.
IX: Cook 216; 17.V» bei Turner [Proksch.]; dän. veneriik
»yge; »chwed. veneriik sjuka), 1. = fleischliche Lust
Geschlechtstrieb. — 2. ~ Venerie, Syphilis, die
durch den Dienst der Venus vulgivaga erwor-
bene, den ganzen Körper durehseuehendo Lust-
Beuche; Faracelsus machte den Vorschlag, die von
Ihm Luxus (s. d.) benannte UM (Syphilis) nach dem
Einflute des Venusgestirnes Veuus zu nennen, Pr. II,
162. 807; Zw. 583; lJibl. Med. ;.76 ; Maschenb. 83;
F. Hoflra. VH 212). — (17."»7) unreine Vcriwr-Seuche
= durch unreinen Beischlaf erworbene Venerie,
'Bauini. 437). — verlarvte Seuche = die unter dem
Bilde (s. Larve) einer anderen Krankheit auf-
tretende Syphilis (Pr. 11, 66.). — (179:.; Vieh-
Seuche (allgemeine), 1. = Kinderpest, Löser-
dflrre (Abllg. 91; Zlpp. 629). — 2. = s. Horn Vieh-
seuche. — (169"») teäUehe Seuche = der 1505 bis
1688 in Italien herrscherde Petechialtyphus
(v. M. D, 121). — Wald Seuche (tranz maladle de
bols, mal de brout [parceipie les bestiaux broutent le«
traiUei], Mozfu, Dicüoun. Ii) = Waldkrankheit. —
»'«//-Seuche = eine über fast alle bewohnten
Strecken der Erde verbreitete Krankheit, s. B.
Influenza. — (i»82) triroVr-geuchen = wieder
krank sein an einer Seuche (Zentng. Voc. oo4). —
(1878) Wild Seuche, l. = der gelbe Schelm, d. h.
eine dem Milzbrand oder Kauschbrand bloss
Ähnliche, epizootische, durch ein spezifisches
Bakterium verursachte, auch auf Kinder Uber-
tragbare, seplichämische Erkrankung des in
Parken gehegten Wildes (z. B. Ebor*b*rg ; Bölling« ,
ital scUaKRlnai ; s. Waldkrankheit u. Waldseuche.
— 2. = früher auch = Milzbrand. — (17'-.: Wol-
/«.«/-Seuche = Luttoenehe (a. r. h. ii, 242). —
(18o2) Wut Seuche, l. = epizootisch auftretende
ilundswut (Lyssa). — 2. = furibunder Milz-
brand Marx 62). — (1681, l .97) ziehende Seuche -
die den menschl. Körper mitziehenden Glieder-
schmerzen, reissenden Zuckungen und Muskel-
kritmpfe ergreifende, epidemische Krampfnuclit
oder Kriebelkrankheit (Ergotismus, Zieh-Tier,
Krimpf- und Krampfsucht) Heeeer II, 352; Gr. W.
V, 201-.; Hocker 317. 31S ; 11,693; Schnurrcr II. 146)
(Krampfsucht). — Seuchen, (Seuchten-)ta«/c,
•Zeichen.
Seuerlein, seurlich s. Sir.
Seufzen, n. (Seufzung) (ahd. snfan = ■tttfm,
schlucken ; ahd. siiftön — seufzen ; nihil, slufzen
»eufzen, schluchzend einatmen; 1 seufTtzung — sin ■
guttat, zun. voc. o<;), 1. sSuspirium, die icbloch-
zerartig, ächzend klingende Einatmung, die sich
öfters wiederholt; (der Seufzer wird mbd. Bedenkt.
Schindler II, 2;u). — 2. — Angina pectoris, Stheno-
cardia , Meditatto mortis — Todesangst mit
Senfzerbewegung infolge von Herzbraune die
Krankheit de« Philosophen Sencc», Vierordt .">">). —
(17. Jahrb.] doppelter, zweifacher Seufzer = das
saeoadierte Atmen mit 2 schnell aufeinander
folgenden Einatmungen beim herzschlftehtigou
Pferde (r. A. 2-1). — jttngtter, letzter Seufzer
(1110 der jung«t Mifftz = orexh ; M. Jahrb. der jungM
«unftz = oregmon [sonus ex ore], 1). 400; jünM «unrTc-
zung = orexls, D. II, 273; der letzt sewfttz s or.-zls.
D. 400) ^ der letzte Seufzer oder Schrei («. d )
eines Sterbenden. — (im) ScAr-Seufzen (vom
Herzen) = schmerzhafter Singullus infolge von
Herzbeutel - Entzündung (C. v. Megbg.) bei Mit-
boteiligung des Nervus phrenicus.
Seuren s. Sir.
aewern s. seifern.
Sibirien. — sibirisch^,«») Fieber, Krankheit,
Pest, Pustel, Seuche.
sich. — ausser sich sein = ausserhalb seiner
Hülle (s. Geist) sein, von Sinnen, verrückt sein.
- für sich Forte*.
Sichel , f. (aus tat socula [secarel = Hacke, Im
3. — 4. Jahrh. «Btlehtlt, Kluge*, S47 ; mit der Kornsichcl
wurde verglichen [1670 der Processus ensiformis
dura« matris (Hyrtl, K. \v. 142). — Sichel -Bei n,
-dürr, -krumm.
-Sicht, Sicht, f. (zu »eben [i. d.J; engl, cight =■
(ic<icht; eye^ight = Augenlieht ; schwed. ögnaslgte -
Augenlicht) - Sehe. — (ge)sichtig, 1. - sehend,
sichtbar. — 2. = süchtig {». d ). — sichtlich ■
sehend, sichtbar. — .]/'< Sichtigkeit = die
mit zunehmendem Alter physiologisch ein-
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-eicht.
-sieht.
C45
tretende Fernsichtigkeit. — Jn^esicht (mhd. an-
geslbt; mndl. aenslchtc, de Vr. 59, iß. Jahrh. eyn
nnghesichte = nmllaium *. üble» Jahr, D. II, 244; boll.
aangezicht ; «chwed. ansigto; dan. aasyn) = das An-
schauen, Ansehen, Anllitt, Gesicht 5, la llgure.
— hippokratisches Gesicht, Angt sieht = siehe
Antlitz. — Angeatebtoh Ctetehwär. — Arsch-Oe-
Sicht (ostpreu»«., I rquell II, 139, In gemeiner Redens-
art) = verbreitertes Antlitz. — (nvi) auf gelaufenes
Angr&icht = angeseh wollene Gesichtshaut (Zw.
127) (Uedems, Erysipels« etc.). — (1569) auf-
zügige» Gesicht (1066 rot uffmigig ange-tcht = gutta
ro>acea, D. II, 199) - durch Aussatz (Lepra) oder
von unten aus an die Überdache der Haut auf-
gefahrenen Ausschlag veränderte Haut, auch
aufgesprungene Gesiehtshaut (Tabern., Gr. w. VI,
1516). — (1757) ausgefahrenes (»-sieht = durch
Hautausschlag, der schuhweise auftritt, aufge-
laufene Gesichtshaut (BSnmL 42») (s. ausfahren).
— (1539) Uätteruht (^n tff sieht, 1. = Gesichts-
hantabschuppung, Hauthiilttchen (Gr. W. vn,
12».".). — 2. = Blattet nausschlag im Gesicht. —
lindes Grsicht ([1035] fcMsichtig) (1561 blöde*
gesiebt --- heln-s aokü oculoniin, Manl.-r; löll blödes
gewicht = blmle Augen, rinnende Augen, I.onlr. ; SU
Beuno-MIrakelb ; Gr. W.II, 142; 17.V6, Beyn.*, 71). 1. =
Amblyopie, rlie Ahnahme der Sehkraft bei an-
scheinen»! gestirntem AUk'e: (In- Kranz übernommen
als »bleu»* vue, Brt*s 307; dl«- Krankheit des röm.
Kaiv ra Sero, vierordt r,9). — 2 = einfacher Augen-
katarrh, der schlecht sehend u. damit gleichsam
stumpfsinnig, blöde macht ohne eigentl. sicht-
bare Veränderung des flhrigen Auges (Bulbus).
— 8 = Lichtscheue. — Breit Gr sieht - ein Ge-
sicht, das mehr breit als lang ist, im Gegensatz
zum Langgesicht. — CMera-Ge sieht = Facies
cluik-rica s. hippokratica, die hei schweren,
akuten Krankheiten eintretende I'hysiognomie
des Kranken (s. Antlitz un.i Cholerablick), —
Z>o//i>r/- Gesicht, 1 = eine Missbildung beim
Menschen und Kalbe, ein doppeltes Antlitz,
Diprosopus, bei einfachem Schädel. — 2. =
s. doppelt sehen und 2 Gesicht (Krank 3t*;
Krau». E. 318). — (1' IS) dunkle» Gesicht - dunkles
Sehfeld fituland). — eissü. ht's G< sieht (nn^l*. ege*-
lirum ge-ahdum, Cook. I, 70) — Hisse (s. d. S. 1 10 b),
Schrecken veranlassendes Antlitz. — Erbsen-
Gesicht = ein pockennarbiges Antlit», dessen
Haut ho verunstaltet ist, als ob Erbsen ein-
gedeckt >. dreschen) waren (*. Bohnenessen
und Teufel). — Fern-sichtig, -Sichtigkeit =-
weitsichtig, die Eigenschaft , besser in die
Ferne als in die Nahe zu sehen (engl. fandghted,
Lehf. ist; H. Paul 417). — (1767) Finnen- G» sieht
^ eine durch Hauttlnnen (Akne) verunstaltete
Gesichtshaut (Bäumt. 42*.*). — (15S2] flüssiges An-
7' sieht — ein durch Nasenkatarrh, Schnupfen
(Haupt Aus») sichtbar entstelltes Antlitz («r. W.
III, ls;«3) (s. Flossmaul). — geisler-, getprnstcr-
Sichtig ■ einer, der todverkündende Geister
sehen kann «. Sonntagskind); einer, der bald
stirbt, dem man schon „zwischen den Ohren
durchsehen" kann (Schell 33; Sirarock, D. M 436;
K n. Scbw. 604; Wltzscbel II, 20S; Rocbholi II, 54;
Z. d. V. f. V.-K. 1896, S. 205). — genebeltes Angesicht
(genibelu angesucht ^ lacles nebulosa, Sthmeller 1,
1713) — ein wie durch Nebel verdunkeltes Seh-
vermögen oder ein durch das IMarr (s. d.) ent-
stelltes Antlitz. — Gesehen, n. = Gesicht
(Srhmeller II, 21".). — Gesicht, n., f. (ahd. diu gtsiht
Grad VI, 12:: ; 1260 gesihen = .Sehvermögen. Pfeiffer 19.
50; mhd. diu gestht = pupllln, D. 473; H17, ndd.
ghesbbte = dorcus dorelum - Augenweide, visuneula],
D. 190; II, 141; 1576 gesiebt — Sehvermögen, Hort,
nanlt. ; ndl. geiieht, DeCock U7), 1. = Sehvermögen,
Gesichtssinn, Augen, Gesichtsfeld, Opsis Hippo-
kratis. — 2. = Zustand des Sehens und Ge-
sehenwerdens — 3. = Erscheinung (Traum-
bild, Gespenst). — 4 = Gestalt, äussere Er-
scheinung. — 5. = Vorderseite des menschlichen
Kopfes (Antlitz) von derStirne bis zum Kinne.
— 6. = Gesichtshaut (nach Heyne II, 1143). —
7. m vergl. auch Gestiebt (Sucht). — (1015)
grüblichtes Gesicht = ein mit Pockengröbchen
bestepptt»8 Antlitz (Coler. H. A. 24«). — (1790)
//W&sichtigkeit = Hemiopia, die nur teilweise
Empfindung eines objektiven Bildes auf der
Netzhaut (Richter III. 567; engl, halfsightcd). —
Hammel- Gesicht (Storm 1 1 1. 1«8) - Schafs-Gesicht,
Schafskopf. — (1741) i7<w«i- Gesicht, 1. = Hasen-
auge. — 2. = Hasenscharte (Kirsch csi). — Kar-
funkel-Gesicht = ein wie Karfunkel oder Ru-
binen brennendrotes Angesicht (Gr. W. V, 212). —
kleines Gesicht - ein im Langen- nnd Breiten-
verhältnis zu kleines Antlitz des Menschen. —
Klump- Gesicht (Cbers. der Facies vara, Roth 191)
= „eine mehr oder minder ausgeprägte (ein-
seitige) Einbeugung der äusseren Fnterkiefer-
konturen, hauptsächlich durch Kontraktur des
Muse, pteryg. extern.", so dass das Kiefer wie
ein Khtmpfnss (Pes varus) von der geralen
Linie abweicht. — Kreide Gesicht — ein kreide-
weisses, blasses Angesicht. — A'rtwfen-Gesicht
= ein durch Milchsehorf, Rufen oder Krusten
(Crusta laetea) entstelltes Antlitz (Pauli 114). —
Kupfer- (kupferig, (1C64) kupfernes, (1741) hupfe-
richtes) Gesicht {Angesicht) = ein durch den
Kupferausschlag (Akne rosacea: Gutta rosacea;
8. Kupfer) entstelltes Antlitz oder kranke Ge-
Bichtshaut (küpffern Gesiebt, D. II, 199; Zw. 130;
Kirsch v..i; fieorg. 380; Behrend 60; (ir. W. V, 27&I). —
Kurz- Gesicht = ein Mensch mit kürzerem Ge-
sichtsteil am Schädel. — (17h2) A -irr-sichtig =
einer, der die Gegenstände nur in der Nähe,
nicht auch in der Weite gut sieht (Myopiasis
Galeni) fylOOl ~ Augen und Ohren sehllessen, die
Augenlid-ipalte verengern, Roth 344), der also in die
Ferne minder gut sieht (engl, nhort -Mghtcd,
UM. 22'.; Richter HI, 529). — lang(es) Gesicht = ein
eiförmig längliches Antlitz,()rthoi>tosopos ;Mle«c).
— Larven - Gesicht - Gespenstererseheinung
(s. Larve und Mumme) als Ursache von Kon-
vulsionen (nirlinger, 8. I, 351). — Leif/lfM-Gesicht,
1. = blasses, hohläugiges, mageres Gesieht. —
2. = Facies hippokratica (s. Antlitz), die auf-
fallende Gesichtsveränderung der Sterbenden,
von Hippokrates beschrieben. — Loirrn- Gesicht
= s. Leontiasis beim Atissatz, S. 5121', Facies
leontina (Roth 190). — MÜfk-, A/nes-Gesicht -
ein jugendlieh zartes Gesicht, weiss wie Milch
(Bleichsucht), oder Milchbrei, bartlos wie ein
junger Laffe, der gleichsam noch Brei isat
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64« -sieht.
(Schmeller T, 167«) (Milchkind*). — (USA) »u'nrier-
,V Richtig (mindergewlchts = myop*. I). 302) = kurz-
sichtig (s. d.). — Mond-Gesicht = ein Antlitx,
rund wie der Vollmond. — (KW7) mond- (mohn-)
sichtig — einer, der nachts wenig und nur hei
hellem Mondenlichte sieht (Georg, 382). — mühe-
sames Gesicht = ein mit vielen, gröblichen
Pockennarben versehenes Antlitz, worin gleich-
sam viel Mühe des Steppens (s. Stippchen)
stockt (Schmeller I, l.v>ß). — (15C>1) Nacht- Gericht,
1. = eine nächtliche Erscheinung (Deulero-
scopia), die wie „ein zweites Gesicht" lebhaft
die Sinnesnerven erregt, Vision, Traumbild
(Gr. W. VII, 181; Stahmann Ahn. a. d. üelstcrw.). —
2. = Krankheiten (Hiebt s. d.) erzeugende,
gespensterhafte Dämonen, die in Besprechungen
lu der Zahl 77 auftreten (Z. d. V. f. V.-K. 1895, 8. 29<;).
— »75«) nahe* Gesicht = Myopin, Kurzsichtig-
keit (s. d.) (A. v. H. II. 1122; engl, near-, narrow-
slghted, i.eht. 199). — niedriges 'r- sieht = ein in
der Höhenrichtung weniger ausgedehntes Ant-
litz, Chamaeprosopos, biachyfacial. — Oearien-
Gesicht— Facies ovarina = das tlurch Eierstock -
leiden verzerrte (iesicht, an dem die Backen-
knochen hervortreten, die Nasenflügel und
Lippenwinkel herabgezogen sind und dieStirne
gerunzelt ist (Dornbl. 44; Koth 191). — Pjlotsch-
Grsicht = ein aufgeblasenes (bloschetes), breites
Gesicht (Illntner 6. 18). — rieselichtes Gesicht =
eine Gesichtshaut, die mit kleinen llautrieseln
(Knötchen) besetzt ist (Facies lentiginosa)
(Gr. W. VIII, 936). — nppen-richtig = fl. Hippen-
sueht. — (1561) rotes Angesicht = Karfunkel-
Gesicht (Bock 71). — Rttbinen- Gesicht = Kar-
funkel-Ge-icht (Gr. W. vi II , 133»). — Itufrn-
Gesicht = Krustengesiebt. — rundes Gfßicht
= ein niederes und breites Antlitz (Strongy-
loprosopos Aristotelis). — saures Gesicht -
b. sauer sehen. — (l.">:;2) schäbiges Angesicht -
durch Fkzem (Räude, Schabe) entstellte Go-
Sichtshaut (IHM 8:ü. — Schafs- Gesicht = Schafs-
kopf (l'rqucll II, 139). — scharf sichtig (engl,
sharpsighted) — fein, genau sehend, wie einer
mit dem bösen Blicke oder Augenwurm (s. d.)
(II. Paul 417; Maurer II, 120). — S'hiefes Gericht,
1. = dureb halbseitige Gcsichtsmuskellnhmung
verzogenes Antlitz. — 2. = Nickkrampf. — 3. =
böser Blick (norweg. sköisct, skjogeset - Hurenblick,
Janus 189». 553). — (MM) schiessendes Gesicht -
(faciles oculi, emlmdtli ocull. Schm. II. ITC) = rascb
sich bewegende Augen. — schm ales Gesicht,
sichtig — ein in der Breitonrichtung weniger
ausgedehntes Antlitz, das man als dünn u. fein
bezeichnet (l.epto-, Stlicnoprosopus ; dolicho-
facial) (Schmeller II, M8). — Schwach Sichtigkeit
— Amblyopie. — Spinnweben-, Spinnen Gesicht,
1. = Totenkopf, in dessen Augen die Spinnen
nisten. — 2. — ein umflortes, trübes (iesicht
(Wlusehcl Ii, 866; Wuttke 2s). — stumpfes Gesicht
= ein in «1er Kiiiprindungsschnrfa sehw :teher
gewordenes Sehvermögen (II. faul Iis). — Toten-
Gesichtes. Leichengesicht u. hippokr. Antlitz.
— trübes Gericht = trfll>es Sehfeld des Auges.
— t'frersicht (mhd. ühcndht) = Weitsichtigkeit
des Auges, das Uber die normale Seb weite
liinaus gut sieht (I.exer 282). — (Iberrichtiger,
Sieb— Sieben.
1. —(1*82 übertlcbtlger; mhd. übcrtdhlic; 15 Juhrh.
vbersichtig nein = aorislori, I). ;i9; 1512 uberrfchtig =
rerui; 1518 der krum vber sich sieht, luscu«, ürnn*.
strBlio, paetus, myops, Zenlng. Voc. hh6; l>. 330. 1.12.
340. &>4; II, 82; Lcxer 282; L. ch. 58) = schielend,
übersehend, überquersehend (Bocksauge, Augen-
plärre). — 2. = weitsichtig. — (14*2) Über-
sichtigkeit = Luscitio, avisio (i>. tu. :uo), 1. =
Übersicht .(s. ds.). — 2. = schielender Zustand
(s. übersichtig). — übles Gesicht (angls. ylelre
gesihde; engl, tll sighl - umbrosus ; a daemonibu« vel
umbris (|une per fautasmala apparent, Cork. I, 3i'.0i =
Sehaden- (Schatten-) (»ringendes, übles Sehen.
— (17. Jahrb.) rerlorenes Gericht ■ Sehvermögen,
Welches eingebttsst wurde (Fr. Kr. B. 398). —
(1790) "'..'nichtig = übersichtig (2), der die
Gegenstände nur oder sogar, wie der altere
Mensch, in abnormer Entfernung deutlich siebt
(engl, broadeyed, Richter III, 544). — zweites Gesicht
(engl, seeond sight, Scheihle IX, 115; ndl. het tweede
gezieht; trat«, le faux vl«age, V.-K. VI, 7). 1. = der
sogen. Doppelgänger (s. d. und Nachtgesichl),
die Seele, die in meneblicher Gestalt nach
«lern Volksglanben umgeht (■. Wuttke 212 2t2;
Golth. 85). — 2. = die Fähigkeit, zweierlei Dinge
an verschiedenen Orten gleichzeitig zu sehen
Pecht, Aus m. beben I, 217; Ad. Hehler, Kreuz u. «Jner.
8. 94). — 3. =r s. Doppelleben — Grsicht («, er)
Blattern, -Brand, -Farbe, -Finnen, -Fluss, -Gange,
-Geschwulst, -Haut, Krampf, -Materien, -Roilein,
-Bote, Schädel, - Schädlichkeit, -Sdimerz, -schnei-
den, -Schwäche, -Schwärze, -Schwindel, -Sehne,
-Schncnecrstopfung. — sichtiges Feuer.
Sieb, U. fzu seihen («. d.); germ. slb, Kluge8, :S4S).
— jY«.se?l- Sieblein ilTIO oberen sieblein der Natten.
Seit/, i. &5ti. Bis) = Oh cribrosum, Siebbein, welches
zwischen Nasenhöhle und Stirnbeinhöhlen lieu't
und von vielen siebfömdgen Öffnungen duteb-
bohrt ist. — (15I8J aVieren -Sieb 'nyemj-p. H v.
Qend.; Bjntt, K. W. 118. IM - Cbentctiung deKj
benedictuni cribnnn, Nierenseicher (s. Seiche).
Sieben (7), Sieben und siebenzig (77) fgem.-
Indogerm. wptn; nrcerm. wen; germ. «lbnn; abd.
«Iban; mhd. sieben. Kluge *, 34M; sie drflekte «rle die
Zahl Ii [a. <1! die Vielheit nus; nunicru« conipletua
s. perleotutt, s. absolutus, TE.\e;'fOJ.o; (Itachofeti 281).
s. tMOtldcetOI (Weinhold, die myst N'eun/ahl S. i.l ;
sie war eine Kult- oder heilige Zahl, dir durch da*
Judentum in die christliche Kirche eindrang und die
indogerm. altere Neun (*. d.) wohl beschrankte, aber
nicht verdrängte; als Kultzabl wurde sie wie die Neun
namentlich in Segensformeln bei Besprechungen der
mel-t alteren Krankheiten, vielleicht auch zur l!e-
sprechuiig des Krankln itsdiimons Iwuiltzt; In dlcen
Zahlen 7 und 9 (77 und !»!)) gibt sich die Thatsaebc
der fortsi hreitenden Krkenulnls der Krankhellsforinen
(wie in den Karben die Krankheitsstadien) wieder; der
Bmpreoher musste im Laufe der Zeil erfahren haben,
das« es verschiedene Formen von Hrand, Feuer, Rot-
lauf, Bebwelet, Wurm etc. gibt; mit diesem einen
Krankhiitsnann n konnte er nicht alle solche Krank-
heiten veranlass enden IMmonen vertreiben, er M-hl"*'
darum di. se alle in die Zahlen 7 [77] und 9 [99) ein,
die «Ins Intensive, das Übermass der Krank-
heiten zum Ausdrucke bringen ; damit sollten *le als
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siech.
siech.
617
verhängnisvolle Zahl auch alle Jene beeinflussen; im
Schwedischen bedeuten die Zahlen 7 und 17 an und
Itir sieh schon Krnnkheiten der M> n«chcn (Z. d. V. f.
V.-K. 1*94, S. 3S2<; ihr Zusammenhang mit Bcsprvch-
ungen erklärt auch ,, brise Sieben" — alles Weih (Hexe);
sie ist In ihrer Verdoppeltung 77 sogar zur ,, Galgen"-
Zahl geworden = ~j ~j (Gr. W. IV, 1. 1179); zu
einer etwa früheren Häufigkeit, Frequenz der betreff.
Krankheiten hat diene Zahl gar keine Beziehung;
70 und 72 sind nur spatere Gelehrten-Zusätze (Kuhn,
z. f. vergi. spr.-w. xiii, v>7>. — Sieben als l'her-
nmss- um! Zauberzahl bedeutet ilartint auch:
immer, fortwährend, vielfach wiedei kehren*!,
unbestimmbar gross = hundertfältig . Alle 7 Jahre
Ändert sich der Mensch In seinem krirpcrllehen Zu-
stande naeh dem Sprichworlc, und d< r 7. Tag i-t ein
verhängnisvoller, kritischer Tag bei akuten Krank-
heiten («. Tag), von 7 Huben nacheinander In einer
Keine der (••■hurten einer Krau wird einer schon durch
di'-e Zahl ein Zauberer [s. St. Markus u. Wcrwolf;
llirlinger, Sitten I, 821; Liebrecht 3t6i. — Siebenlmg
= die siebenfache, menschliehe Frucht, von
PUnlus und Solinus bereits als Thatsacbe aufgeführt
und 1600 konstatiert (s. t'olcr, H. A. 215; Schmidt,
Jahrb. wc,, s. 229, 21«. Band). — Sieben Anlastet;
Aw)r, Fum. — 77 [70, 72 Mattem, Feuerbrand,
Fieber, Fraisen, Gedärme, Gelbxwhten, Ge-
sehwuMen, Gemuht, Gichte(r,n), Kälten, Kult-
teeh, Krankheiten, Xusehen, Orden, Ritten, Rosen,
Schläfer, Schmu, Seuchen, Suchten, Würmer,
Zahnrosen. — (S. Z. d. V. f. V.-K. 1*91. s. -i^i; l'rquell
ISN; Zahlen im Volksglauben, Weinhold; V. K. 1*97,
X, 59).
siech (siechen, Siechheit, Siechtum, Siech-
ling) (vorgerm. sug [sehwach, Sucht], altgerm. sink;
nltii -jukr, gnth. slukas, Kick. *W; nhd. sloh = krank.
Klug' ■*. ais bis zum 12. Jahrh. ausschliesslich so];
sluh = itegrotus, Inflrmtis, languens [Graft VI. 137 ff.],
■labjmn, «lachen, sluch<>n = languescere, lacessere,
(Graft VI, 139; Gr. W. V, 2023], stluhhi = die Sieche,
Seuche; lt. Jahrh. siechuude von rchb-r kränkelt =
wirklieh, thatsachlich an «liier eigentlichen, heslltninten
Krunkhelt erkrankt M In, nicht Mos« allgemein schwach,
Gr. W. V, 2o >, nihd. siech = krank an einer Seuche
od>T überhaupt krank, auch verwundet, au-sätzlg,
r. v Megbg. ; Lexer 227; mnd. de seke — der Sieche,
Mag Barth. '.KU; «Itsachs. slok, zek = egenus; 13, Jahrh.
sich = raale-anus; M.— 15. Jahrh. sichln - elan<inere;
scyk - languidus, D. 11,227; ndl. slec, siech; siehe
— eger, Inflrraus, l). IM, l'j7. M4; 142» siech = elueus
[clutns: lue-], setnlsomnts, D. 19*.»; II, 118; 1393 siech
= krank [überhaupt], Fries; 161S siech = leprosua,
Schmeiler II, 219: ndd. seken = egrotarl; -ryk =
egrotus, 1». 11, 116; raittel-engl. the seke, Heinrich 67;
»ekenesse, sekenes , Heinrieh S. 9 = maladle; neu-
engl, slcknc&s - Krankheit, sick = kratik; sicken —
erkranken, Lehf. 22'«; frans, maladif), 1. = allgemein
„krank" (s. d. 1); »clt dem 13. Jalirh. durch letzteres
zurückgedrängt, das aber auch nur allgein. Schwach«
damals bezeichnete [s auch soeben). — 2, — krank
an einer bestimmten Urgan-Krankheit od. Ver-
wundung; der Begriff der Abzehrung (des Serbens)
ist nicht gerade mitverbun.len. — 3. = krank an
einer besonder» häuliiren Krankheit (P«*t|
Fieber, Seuche, Aussatz z. Ii.). — 4. - (einge-
schränkt auf) Aussätzige, die auf den Leprosen-
Bergen, in Leprosen - Häusern untergebracht
waren (Birllnger, Volkst. 1, 101. 118. 169. 263). — 5. =
(in der Neuzelt) Gebrechliche, die untergebracht
sind in den alten „Siechenhäusern" (sicchlms
bei lwein, Schultze, hrif. Leben II, 255), an einer
langwierigen, schleichenden Krankheit Lei-
dende, chronisch Kranke oder Unheilbare. —
Siechte = 8. Sucht u. Seuche (m.-ndl. slechede,
de Vr. 52; n.-ndl. ziekte = Sucht, Kluge8, K9). —
Sieche, f. = Seuche (Sucht). — siechein (ahd.
slechelün = siechen, languescere, Graft VI, HO; mhd.
siechein, Lexer 22*. 15. Jahrh. su'ejcheln = extabescere,
D. 219) ~ kränkeln. — siechen = siech sein,
languere. — Siechheit, f. (ahd. siuhheit = morbus,
luilriuitas; sleehelhelt — aegrltudo, languor, Graft VI,
139. 110; mhd. siechhelt; 1414 sichelt = egritudo,
D. 197; 1120 sichheyl = languor [Kräfte man gel], D. 317,
slchhelt m morbldus, D. 367; 1140. ndd. zekhclt
egritudo, D. 197; Lexer 22*) = Krankheit, Siechtum.
— Siechling = der beständig krank ist. —
siechlich = kränklich iür. W. V, 2040). — (1618)
siechig - valetudinarius (Schmeiler II, 214). —
Siech, in. Siechin, f. Siechler (aiid. i eheiaere,
Lexer 2235; Schmeiler II, 214) = Siechling, kränk-
licher Mensch. — Siechtum, n. (Siechtung)
(alln. sjfikdouir, Kick. 890; ahd. siuhtuom = aegrl-
monia, Graft VI, 139; 1260 siechtuom; mhd. siechtuom ;
15. Jahrb., ndd. sichdom = menstruum [Krauenseuche],
D. 256; 11S2 sychtum = aurigo [morbus, calor], I). 62
[hitzige Krankheit]; 1Ö15 siechtung = Inflrmita«, Krank-
heit, l). 297; 1735, Schmeiler II, 214), 1. = Lepra. —
2. = Krankheit oder Siechheit. — 3. = Men-
struatio. — 4. = -tung (Siechtung) ist auch =
Tag (s. d.). — «6-8iechen = durch Krankheit
ab- oder aus/ehren (Schmeiler II. 214) = absochen.
— .1 Hssa. «-Siecher = Lepra-Kranker (Gr. W. VIII,
1714). — (i3ot;) aMs-siechen = an der Aussucht
= Dysenterie, Ruhr leiden (ahd. uzsuhti, Schm.
II, 211). — / in '.-.siech ' siechig i (15. Jahrb. buk-
seik = colica; bukzeyk — cllbetus [ = cllnlcus?], 1». II,
96 . 99 = alnet dem in dem bauch we Ist, D. 127) —
lientericuH, alvintis, vertninari, an Leibschmerz
mit Durchfall (Würmern) leidend (Gr. W. 1. 116'.»;
V, 2307). — (mi) fce-siechen - languere = krank
weiden (Schm. II, 214). — i/ftt siech (ahd. bettlsiuh,
pettisiuhhiT, Graft III, 5<J; VI, 139 — paralytlcus, Schm.
II, 214, mhd. bettesiech, Lexer 25) = infolge von
Lähmung oder Krankheit ans Uettlager ge-
fesselt, bettlägerig. — (1260) i'.: ii'"-- siech -
blasenleidend, ,,der siech ist In der Blatter, der hat
diese Zeichen : ihn dunkt, dass er alleweil satt sei und
geht (steht) ihm das Lssen alleweil wider; ihm wird
leicht in belss und hat (er) muhellehen Schluf und
zwangt ihn das Harnen und beginnt ihm der Bauch
zu schwellen uud zu schwären" (nach Pfeiffer 50) —
W». -Siech ([Tirol] plutzig, Wolf; Schmeiler II, 211)
s bleichsuchtig infolge von Blutarmut. —
<>>YJ//fM-8iech (angls. braeeseocum - lunaticus, epi-
lepticus, fock. II, 14. 2Hi)-atn (iehiru- (sBrlgen,
8. d.) \Veb (s. d.) leidend, gehirnkrank, geietee-
krank,e].ileptisch. — ßnis^ Siechtum- Lungen-
krankheit. — dahin- siechen = langsam fort-
siechen, abzehren. — (/ -siechen (ahd. arsiuhjnn,
arsluch^n «= elanguere [Graft VI. 140,, irsluhhön, Graft II ;
1 SchmeUer II, 211) = von Anfang an siech sein,
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64*
stech.
siech.
lange hinaus siechen bis zum Endo des I^ebens.
— (hin-) fallende* (er) Siechtum, n., m. (1516)
(Siechtung [n-20]) = die Krankheit, hei der der
Kranke hinstürzt, z. B. Apoplexia, Kataplexia,
Kpiiepsia (s. d. und fallende Sucht, Valentins-
Siechtum), Morbus caducus (cadallus, D. 106 —
cataplexia; 1CH7 ; St. B. Mlrakelh.; Paracels.; Or. W.
III, 1286; Schm. 11, 790; angls. fylle-, lellc-scocnysse,
•seoc. Cock. I, 28. 164. 266 = epileplicus; D. -engl,
lalling-iickneia, hebt. 172). — feind- Siech (angls.
fcondscoeum; engl, flciidsick = dacmoniacus, Cock.
II, 14. 136) = der im Alptraume (e. d., Fieber-
traum) vom bösen Feinde (Teufel, Nachtmar)
heimgesuchte Kranke. — 2<YM-Sieche, -siech
(tm 13. Jahrh. auftretend, Blick, Fluni. 66; 1.144 siechen
hintx «1cm vetld, Lammcrt 224 ; 1350 veldslech, Pr. I,
3C1; 1371; conf. Hücker, schw. Tod 81; 15. Jahrh. feld-
siecliy — Lepra, I). II, 2,12; 16. Jahrh. feldsicch =
Miselsucht, AussaU [Basel], Haeser II. 87; 1515 f. ld-
siech — syphilitisch. Fuchs I, 351; 1529 «chuceheu
feldstechon - leprosi. Pr. II, 181; 1534 faeldstech. felt-
sleeh = lcprosun; 1561 vftld-slech = lepra infectus,
Or. W. III, 1489; VI, 1510; 15«) fcldsiche ■ ctephantla,
P. 19H; 1091 vcldsiechc — elephantlasls, lepra, Ilad.
Jun. 383; 1741 feldsiecb = elephantlasls, Kirsch 421;
Schmeller II, 214; engl, fleld-sichness) = die auf ein
In Felde (Land) vor der Wohnstätte oder Ort-
schaft abgelegenes Haus (Siechenhnus, Siechen-
kobel) wegen Ansteckungsgefahr beschränkten,
ausgesetzten Sondersiechen: a) die fast stets
nur Lepra-, „Aussatz"- (s.d.) Kranke waren, die
davon ihren Namen hatten; ausserdem b) Pest-
kranke (cont. Becker 1. c); auch gah es (s. o.)
c)(lflic) französische Feldsiechen (Paracels.) = die
Syphilis-Kranken, die die bepra-Kranken in den
Spitälern ablösten (<ir. W. III, 1489) (s. FeldBeuche
n. Feldkrankheit*). — (1483) fruchte» Siechtum
(tacuehtcr sichtum, C. v. Megbg.; D. II, 257) - Morfea
(Kkzema?) = Hautkrankheit mit feuchter Ab-
sonderung. — y/ffVr- Siech (nihil, flebersierh; engl,
foverxick, Lexer34i) = fieberkrank. — /orf-siechen
(pergere languere) = fortdauernd krank sein (Cir. w.
iv, l. 33). — (1380) Frauen Siechen - weibliche
Kranke (Scbm. II. 214). — Fuss- Siechtum (l26o
der »lechtuom au den fuerien, Pfeiffer 80) = Podagra,
Fusskrankheit. — (7n/Z-siech = gallsüchtig schra.
II, 214). — (jliedxaftsiech (angls. litbseaw-aiehe =
lumhrlcatlng tecreatiuu nt the Jnints called Synovia,
cock. n, 12) = an Synovitis, Gliedwasserlluss
leidend. — [1488J grausame» Siechtum, das am
Antlitz nagt <c, t. Hegt«.) = Noll nie längere,
fressender Wolf in der Gesichtshaut (s. Krebs
u. Kühr mich nicht an). — grosses Siechtum =
grosse Krankheit, Pest z. B. — grüne» Siechtum
= grüne Sucht. — 7/aw/><-Biecti, Siechtum (mhd.
houbet siech, Lust 106; 1483 hauptsleehtuoin, C. v.
Megbg. ; 1492 hauptsiech; 1556, 1731; Gr. W. IV, 2. 630;
udd. hocltslck) , 1. - kopfkiank, hirnsiech, an
einer akuten Krankheit mit Gebirnerschei-
nutigen leiden (Uoldschm. 17; engl, brnluslck =
brägengkeb, Leb f. 146). — 2. = Apoplexia, llirn-
blulschlag.— 7/aMt-Siechtum{dau.hudsycdouinie)
- Hautkrankheit. — Herz{en) - siech , -Siech-
tung (11. Jahrb. herzsiccher, II. Z. III, 368; mlid.
hcrzeslech, Lcxer 99; 14. — 16. Jahrb. hlrezenslchtung
= cardia, morbus In corde. D. II, 75) = herzkrank.
— [1M1] Airw-siech — cetebro lahorare, gehirn-
krank (nr. w. iv, 2. 1662). — hitzige» Siechtum
= fieberhafte Erkrankung. - (16. Jahrh | hocher{es)
Siechtum, m., n. Siechtung, 1. = Frais der
Kinder, Eclampsia infantium (Schmeller II. 214).
— 2. = Epilepsia (s. hohe Sucht). — hystcric-
siech (ndl. hysterle zlek, De Cock 22s) = s Hysterie.
— (1832J inneres ÄVritef-Siechtum = die Psora
(Dyskrasia psorica) Hahnemanni, ein« inner-
liehe, krankhafte Säfte-Schärfe, die sich ausser-
lich als sogen. Krätze (krätzeähnliche Haut-
krankheiten, s. Psora) äussern sollte (Kopp II,
261; Pngel 331), eine Hypothese ohne alle nachweis-
bare, objektive Cnterlage. « Ine Ilahmniatiti'sehe Aus-
geburt der Theorie — innhitzige» Siechtum = Er-
krankung mit innerer (einwendiger) Hitze («. d.,
Typhus, typhöse Pneumonie, Septichaernia)
(14. Jahrh. In sich selbst riech Ist daun der mensch
In ytn selber slecb, Z. f. d. A. 1888, 148). — k<tlt(r», er)
Siechtum (15. Johrh. der kalt slchturab = quotldlana,
D. II, 116; 1502 der ehalt slcchtumb = Icbrts, D. II,
169) = kaltes Fieber (e. d.) (Gr. w. v. 86). —
Koo Sil! cht am bei den hollknd. Bocrn Im
Ornnje-Staat Südafrika* koor-lktc, D. Med, Wochensch r.
isy;., Nr. 41) = Fieber (s. Koortsen). — kropf-
Siech (engl, cropslek. Kaltach in.) = kropfktank,
mit einem Kröpfe behaftet. — (1658) Land-
Siechen = Feldsiechen (s. d.) (Schmeller II, 214).
— (1..88) Uber- siech, -Siechnis = leberkrank
(nngls. literseocuysiH); engl, Hvarsleknes«, Cock. I, 56;
ür. W. VI, 463). — L ei bes- Siechtum = eine körper-
liche Krankheit gegenüber Geisteskrankheit.
— lenden - siech (15. Jahrh., ndd. lendenwek =
eluiubls, Ü. II, 14S; auch leuib-iiseocum ; engl, loin-
siek, Cock. II, 2is), 1. — au Tabes leidend (die
Lenden als Sitz der Nervenkraft aufgefasst),
Nervenschwäclie. — 2. — nietcnkiank, psoal-
gicus (Kitsch u77). — 3. = lendenkrank — (<j)lid-
siech (inhd.) = gliedkrank durch Gicht, gicht-
j krank, gichthrüchig (Lcxer 14«). — /U;;<n-siech
(mhd.) = Simulant, verstellt od. lügenhaft krank
I.exerl >4). — /iai-;<7i-siech I260lungelsiech. PreifT. r
50; mhd. lungcsiech, Ix'Xcr 152; 11^9, 1561 lunRensleeh)
= lungenbtücbig (akut und chronisch), hingen-
süchtig, peripDeumonicus, phtbisicus (iir. \v. VI,
1305; D. 47o). — lu»t siech = an der bustseuche
(s. d. 1 u. 2) erkrankt, damit behaftet ;»3r. w. vr.
ia.i0). — (1512, mngen- siech, -Siechnis (siech in
dem tnagen = stomachlcu», D. 554; Gr. W. VI. 144;
angls. magnnseoenesse, fock. I. 3S6; amer -engl., 1811
»Ick stoinach, Janu» 18HS, S. 438) = magenkrank. —
(1380) Mann-it Siechen — die männl. Kranken
(Schm. II, 211). — (Iii. Jahrh.) Mar.i.n -Siechtum
=8atyriasis, Chorda penis gonorrhoica s. syphi-
litica, Virga (erecta, (Wirten) (Schmeller I, 911). —
Milch- Siechnis {amer. -engl, mllksickness, Janas
Inns, s. i.,7 ff.) - eine Milchkrankheit* unterm
pflanzenfressend. Ilerdenvieh in Nordamerika,
welche durch «len Genuss der kranken Milch
auch auf den Menschen übertragbar ist und
diesen magensiech macht. — Milz-siech. -Siech-
tum (angls. mllteseocum; engl, mlltsick. (ock. II,
218; 15. Jahrh. der an dem milez siech Ist - splenc-
ticus, 1). II, 316; 1521 mllt/slech, mittsyechlich -
lienoaut, ü. 332) — Milzmangel, Milzkrankheit,
Milzlaster. - »uVi aiech (mhd.) = an der Misel-
siech.
siedeln— Silbe.
sucht (s. iL, Lepra1 krank (l.exer 101 — niond-
{monat-, mann-) siech, -Siechnis (ahd. mänod-
fiuli — lunaticu«; angl«. monothscoc = lunatie, Cock.
tl, nSj monodseocnyase, Cock. I. 10. M. 2»; 141-J
mannsli-ch = lunaücu*; H7'>, ndl. tnayntsyek, mayn-
alcck, -suyetich, maen»eyk = mcn-truosus [I». 33'J. 36«;
II.2.i03. a«tro«u«, lunaticu«; 1195 mansich = maulacug,
D. »I«; «raff VI, 139; Schindler II, 214; Ur. W. VI,
25U) = mondsüchtig, mOnig (•. d.). — »wr'-siech
(ahd mtiot sieh) = inlirmus, krank, gern (Um krank,
iinitig (*. d.) (Ural! VI. 13'.»). — (K>s7) Mnf/f/-siech,
-Siechtum - hysteriesieeb, an «1er Uebarmuller
krank, Hysterie [tieorf. 362; wird besprochen;
Z. d. V. f. V.-tC. MM, 8. 171). — nagendm Siechtum
(MSI der nagend Siechtum, d, 11, 2.vjj = Ignis per-
aicus, ein um sich fressende* Geschwür (siehe
nagender Wurm). — (1477J Nasen- Siechtum ■
Nasenkrankheit, z. B. I'olypus (ortolf). — nen-en-
siech = nervenkrank — Ohren Siechtum
. rn-i. ehtnm, C. v. M gbg . ür W. Vil , 12 L>] -
Uhrenkrankheit. — <hi Siechnis 'engl, onsickne*«
[Cock. II, 3C9] = agonla) = konig) Ana- (Un-)
Sucht — Quecknitber' Siechtum = Kachexie
infolge von QuerkMilhermiH.« brauch (Müller,
Krtrbch. 264). — roter Siechtum 'mhd. ,,d>T roto
siech tuom und das vic macht luch Weich undc (Tel",
IKlbling I, li'jO), 1. — Krankheit der roten Ruhr
iß. Feig). — 5J- = Blutfluss (Metrorrhagie) (Schm.
Ii, 214). — wArin I gjggjj [aogls. MdnaMcun
schm- I
baunted by apparitlon«, c<ick. l, 361) = mit Fieber-
oder Alp- Traum- (s. d.) Krscheinungen behaftet.
— Are-siech dan. «o »yge; holl. r.ee ziekte; schwed.
sjosjuke; cugl. seaslckncss, I.chf. loo; [Meekleuburg]
seesück, Z. d. V. f. V. K. Is'.t-*», 8. 447,i — seekrank,
bootskrank. — siecht» Siechtum = eine Krank-
heit durch innen s Leiden, innere ilit/.e ( Typhus
Z. B). — sonder-, sunder- siech (mhd. siindersiech.
Leier 257; 1618 leproMi«, Schmeller II, 214). 1. «= ail8-
aatzig, abgesondert in dem Siechenhause oder
Biechenkobe 1 als Hornbruder (*. d.) unheilbar
lebend. — 2. = [um alter Zeit noch lebendig ge-
blieben, iu d< r Bedeutung) einsam lebend, hypo-
chondrisch (Back r>) (Sonderling). — »yjiiW-siech
(nihd. spitäl-sicche, Lexer 212; mud. s;>1tt< Isicch, Mag.
Barth.) — spitalkrank, Spitaler, Leprose (inlir-
inarius). — «rein-siech (1312 siech von dem stein
oder vom gryen In den lenden = calculosus, D. »9)
— am Blasen- oder Nierensteine (s. Ue-rinn)
leidend. — «m/cr-siech — s. sondersiech. —
tägliches Siechtum tägliches l ieber, Febril
ipiotidiana. — »Vt</V/-Biech, -Siechnis (ahd. tiuvoi-
aioh, Gr. V. U. II. *•*; dlubll Muh = dn. moniocn«,
<;ratT VI, 139; angl«. deofol-, deofiil«eocny««a, deofle-
«eoca — priaptoiM; engl. derllalckaeM, Cock. I, cg.
103. 248. 312. :;■ u. II, 301) = teufelsuchtig, vom Teufel
besessen (s.d.), von krankhaftem tiesehleehts-
Iriebe behaftet, wahnwitzig, geisteskrank, aber-
witE;«. — fof- siech (mhd. n'.t-ülech, hexet 2»>9) =
zum Tode krank. — (1(18) r(/«T-siechen | ■ mofbo
atfligl, morbo luere lntemi»mntlam, Schmeller II, IM]
= aungemenielt sein. — St. Valentina-Siech-
tum (-8iechtheit) ■ Epiiepsia, Eclampsia, das
„fallende" .Siechtum, dtc-on I'atron der volkscty-
mologi*che „8t, Valentin" wurde; ein angebliches
Heilmittel gegen die St. Valentin« Sucht (g, d.) hatten
(1523) die Valentiner (ff. Sach»). — vcncrisclws Siech-
tum (dän. veneri*ke nygdom) = Syphilis, Venerie.
— «r-Siechen (mhd. rerslechcn. Lexer 330), 1. =
in Krankheit ganz vergehen, verzehren. — 2 =
(lriC0) §ein Geld oder CJut versiechen = „ver-
dokterti", durch Krankheit und ärztliche
Honorare fflr die Behandlung (Jehl anbringen
(Scbiaeller II, 214). — 3. = sich versiechen = (131)2)
durch Kranksein sich Kanz verändern (Schmeller
1. eod.). — teasser- siech, Siechnis (nhd. tiunzzar-
gloh sb hydroplcu», wazareoch, -«loh, -sluch , -»oub,
«raff VI. 138; Schmeller II, 214; nngl-i wacterseoc,
geocnywe — engl, w atersickn<ss dropsy [hydrop«],
cock. I, 22. ;>.% 272) - wa*sersüchtig, Wassersucht
(8. d.). — HVlts-Siechtum f 12«10 d' r »iechtnra der
vvlbe) — Menstrua, Menses, Periode, Weiber-
krankheit (s. d ) (Pfeiffer >0; I'los.i-Bartuls I, 276).
— »cr/Z-siech (mhd. werlt -siech) = der vor aller
Welt kranke Aussätzige, leprosus (Lexer 376). —
(I.vji) wieder - siech (reeldlvu«) = rückfällig und
nouerdings erkrankt (D. 4^0). — tri^-siech (augl«.
gewit<ieocne, Cock. t, 30J) =geistes- od. verstandes-
krank. — Z«Än-Siechtum (mhd. zant-slechtuom,
l.cxcr 3<j7) = Zahnkrankheit. — siech(cr, e)
(Siech-, Siechtum-) Batzen, Leichnam, Leute,
Lunge, Materie, Ohren, Pein, Platz, Tag.
Siedeln (ahd. nldtlla = sedile, Schmeller II, 220;
mhd. flldelen = aimiis^lg machon; ahd. *<edal = Sitz,
Kluge*, 318). — Gi siedel (ahd. klMdilla - gremtum.
D. 2<-.9; gl«blill = «csslo, Schmeller II, 226) = Mutter-
Bchoea als Sitzteil, Uesilss.
Sieden (indogerm. sut, seut; altnorrl. ^Joda; goth.
naulh* = Kpfertier; ahd. siodao = kochen, «ledcn ;
mhd. sieden, Klug. ', :H8; Uochh. 2€s; angl. seadan
= undulatlouei, xX j5iu>i'; [Cock. II, 4. 40')), Wogen,
fÜntwallnng; altnord. seldh — ZauK-r). — Siedig, m.
= Angstsch weiss, Erregung, Ueblntswallung
(Schmeller n.227). — (n isi ««/-sieden = aufwallen
(von Blut) (Pan»a ■'*); a. 8od. — Sod- (Soht-)
\ sieden = Ardor atomachi in ore ventriculi =
| (tautolog. für) Sodbrennen (b. d.) (Coler, H. B. 194).
sieffern *. sairern.
siegen (seigen) (ra ahd. itgan [». mOwo]; mhd.
flgaD = fallen, sinken, flieaaen, IrnpfelBj 14. — 16. Jahrh.
so we eue fl*telen an der wangen betet und de Wangen
grot Is unde *lget, J. f. nd. 8pr.-F. XV, 122; ndl. zijgen
= durchseihen, hinfallen, in Ohriniacht fallen. Kluge*,
34 .) b sickern (von Sekreten). — «r-siegen (l'a>0
etnteero, Bcbmclier H, 23*) = von Krankheit (den
Blattern) erschöpft sein. — ^rsiegen (nngK
wa.-tcr 011 tarau ge*igen. Cock. I, 188) - gesickert
(vom Wamer, das ins Uhr gelangt und schwer-
hörig macht). — n 1 -siegen (16. Jahrh. versechen
— Sterin«, ü. .v.5) -- austiieueen, verdienen. —
Milch- Lei siegen ( seigen) — giinzliche Abnahme
und Verminderung iler Milchbildiing, z. B. durch
Alter oder Krankheit (Kalke II, 118).
Sien s. Sehe.
siepern = sickern.
sierig s. Sir.
Sigel 8. Segen.
Silbe, f. (lat.-gricch. syiiaba). Silhen-vfo/pmi.
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650 Silber— Sinn.
Silber, n. (Silbe) (vorgerm. «Dobra (so d< n Slavcn
übermittelt]; gern gerni silubr; ahd. siltmr, silabar;
mhd ȟber, Kluge4, 318 = das weissglanzende Metall;
mit demselben wird verglichen) : das weisse Ohr-
liaurbei den Pferden, das bei schlechtgenahrten
Tieren zuerst we:ss wie Silber wird infolge von
glimmerigem Kpithelbclcg u. Auskleidungdnmit
(Silberhaar, Hungerhaar) (Ur. W. IV, 2. 1946). —
Silber- Krankheit, -Strick.
Simbrdi(ng) s. Simbel-Ding.
Simpel, tu. (Sempel) (uacb [ihm] simple ~
einfach, einfältig, albern, blödsinnig [Schwab an]). —
Simpel, in. = Halbveirttckter, Krelin ([KIrom]
en K*pcs Simpel, E. W. 1, 73). — (17341) Simpel-
haftigkeit = sutpiditas (a. r. ir. 1. 1025).
Sims, tu., n. (germ. »finita; lut. «ima = Kinnlcistu;
ahd. tttmiz; mini, simz, geslmeze). — Gesims -
l'uilex (Hlntncr 7. 17).
singen (vorhist. seliRh ; Renn, sengw [Saue]; abd.
slngan — -ingen. krüheu ; Roth, slgguan [lesen]; ftlt-
nord. syngva; ndl. zingen. Kluge8, 319; «. CalMer).
— Ich höre die Kngel im Himmel singen (bei
einer schmerzhaften Operation) - ich fühle mich
dem Tode so nahe, das» ich glaube (vor Schmerz
und Schwäche), es sänge jemand (ein Engel)
0, ich sei schon im Himmel (üehörstauschutig).
(lMi2) t>h,,i, Singen ([Kisass] oren-scnglen, K. W.
1, 021 = singendes, tonendes Ohrgerituseh (bonic.
Ml ; Color, H. A. 338). — tot eft sungen (nach dem
preuss. Volksglauben, Frischb.) = gelölet durch den
F.mtluss, den ilas Wort, d. Ii. beständiges Ab-
singen eines geistlichen Liedes oder Abbeten
{». d. Verf. Volfcs-Med., S. 27; Bayerland 1891, 8. 297)
auf den Menschen ausüben kann nach dem
Volksglauben. — singende Knoehen.
sinken (Senkung) {tadofwa. nUi = »Ickern,
seihen; vorgerm. slg, si<| ; germ. sink; ahd. «in kau ;
mbd. sinken; ndl. zinken — tropfend fallen ; das Fak-
tlttv dazu ist aenkeii ; goth. sagnjan ; alt«, scnklan;
dftn barseKeng; schwed, barnsfing = Wochenbett,
burtslager ; 1701 Senkung, Sinkung; ndl zlnking) a
das Fallen oder nach unten Gleiten eineH Or-
ganen od. des ganzen Körpers, der sieb nieder-
liisst (ins Wochenbett), r. H. des Blattes (s. d.)
od. Zäpfchens als Bezeichnung für Schnupfen,
Brust katarrb (Du Cook 127. 138; Meyer « onv.-Lcx.
XVII, 95| ; eine uralte, vielleicht sogar germanische
Vorstellung, das« das rasch gefallene oder gesunkene
llauehblatt oder Zäpfchen die Irsache des Schnupfens
Ist [i. »cbleasen); conf. siga brynnar ofan fyrlr auguti
[Edda), Schwärt* ; Indog. V. Ol. 179; die Augenbrauen
sinken auf die Keueraiigeti). — (1801) ZfrUsie'-Sinken
— «las Herabhängen der durch die Schwanger-
schaft gefüllten weiblichen Milchdrüse 'Vogel
V, 138). — (1761) Gebärmutter- Senkung = Pro-
lapsus uteri (b. ch. 70), ganzer oder teilweiser
V orfall der nach unten get retenen < iebarmutter.
— (1741) scharfe Sinkung (ndl. «eherne kwaade zin-
klug cn rheumatismus, Pr. 11,408) = Brust katarrb
a's FltiHs oder IJbenma (s. d ). — m sunkenes
Horn.
Sinn, m. (sinnen) (indogerm. lent [sentire =
fühlen]; vorgerm. sentno, germ. slntba =r Weg, Reise;
ahd. sin - sensu», slnuan - reisen, streben, wohin
Sinn.
gehen. Kluge6. 319; mbd sin = Überlegung, Verstand,
II. Paul 119) => Erkennung* und Empfindungs-
vermögen , Bewusstsein, Veratand, geistiges
Spannungsvermögen, „Fähigkeit zum Wahr-
nehmen" (H. Paul 4M), Empfänglichkeit, Neigung,
Anlage, Trieb. — sinnieren (aus der Studenten-
sprache) = nachdenkend vor sich b instarren. —
sinnig (mhd- »innre, Sehm. II, 291 ; 15 .Jalirh oyiinig,
Kriegk II. 354), t. = bei Sinnen, (wieder) bei Ver-
stand, verstundig, von Nachsinnen zeugend;
geistig vertieft. — 2. = s. sehen. — Sinnigkeit
= der Zustand des Nachdenkens, der Verslan-
desthatigkeit.dieArt des Ki kennen*, Begreifen«.
— Sinnlichkeit (MM Sinnlichkeit, Kriegk U, 354;
1197 slnllehkcit In ledern glld , Gnrtt II, 211), 1. =
Verstand (Schin. II, 295). — 2. = Fähigkeit und
Trieb, seinen Sinnen zu folgen, Empfindung*-
vermögen. — (15. Jahrb.) den Sinn verlieren —
den Verstand, das Emplindungs- oder das Be-
gri Iis vermögen (8ehm. II, 29J), duich den Verlust
der begreifenden Glieder nicht mdir haben,
x. B durch Trauma (1497 durch verserung der uucha,
(iurlt II,2ll). — seine Sinnung nicht mehr haben
— gedächtnisschwach sein, hypochondrisch sein
(Pauli 69). — /It-Sinn (HS") ibesynnlg, Kriegk II,
351; drtti. aMudig; loio ab*lnulg) = Delirium, de-
lirus, ein abgekehrter Sinn, Wahnsinn (seit dem
17. Jahrh. ist Abtinn nicht mehr gebräuchlich, (ir. W.
I, 120). ~ ti-sinnlich, 1. = bei-sehnig (sehen).
— 2. = sinnierend (s o.), naehdenklich, geistes-
krank (nuck M). — ii/W Sinn (-Sinnigkeit) -
die blöde, besonders schwache Art, etwas zu
begreifen, zu verstehen, hochgradige GeiMes-
■chw&che, Kretinismus, smpiditas, Dementia,
Morosis (Hippokratis) , Verstandesschwache,
(schwed. blbd»lnthct, Ur. W. II, 112), die sich U. a.
als gedankenlose Stille im Benehmen äussert
(stiller Wahnsinn). — Alters- ß/w/sinn - De-
mentia senilis, d e Geistesschwache im hohen
Alter (Griesinger 325). — Diebs Sinn - Stcbltneb.
— du mm sinnig (15. Jahrb. domslneig; 1515 tum
sinniger = liebes, D. 273) = blödsinnig, aberwitr.i.'.
— ritY/ sinnig (ndl., 1551 Ijdelslnnlghe) - verstand-
nislos, unsinnig, geisteskrank (De ( oek 320). —
/•'•■' sjtinung, 1. - Alienatio mentis, von Sinnen
kommen (Qr. W. III, 625). — 2. = Besinnung. —
fünf Sinne = die die Fähigkeit der Wahrneh-
mung der Aussenwelt und den tiennss vermit-
telnden Sinneswerkzeuge : Gesicht, Gehör, Ge-
ruch, Geschmack, Gefühl (Gleichgewicht ~
6. Sinn). — seine 5 Sinne haben = seinen rich-
tigen Verstand halten; ciall, der Phrenologe, und
Spur/heim, sein Schiller (I 18:12), hatten 27 und noch
mehr Sinne u. Triebe beim Menschen aufgestellt. —
Gern /(/(•< htti Sinn - das Bewusstsein seines Ge-
schlechtstriebes. — bei ipttcn Sinnen (lios bij
guden synnen, Kriegk II, S5S) = beim Verstände oil.
richtigen Versiiiudnis. — hart sinnig, (ii82) Sin
nigkeit - stumpfsinnig, schwer von Begrill
(hertsiniiig — hebe«. 1» 273; stirosls = hertsyntgkeit,
D. 5.vt). — /u/iicr sinnen, sich - nicht nacli vorne
Btreben mit den Augen und dem Verstände,
sondern abainnen, hinter sich sinnen (dahin-
1 sinnierens. o ), nachdenken (ans Hypochondrie)
! (Pauli 09; Sehm. I, 1137), „das stumpfe Beharren
I des psychischen Tonus", in einer falschen Bich-
Sinn.
Sippe — Sir.
tunu, bei Wahnsinn r. Ii. — (lciö) Hirns Sinnig-
keit = Verslandcsthathikeit im Gehirn (Coler, lt.
I). \<y>). — nr-sinnig fllGCtrrsynnlg = fantasllcus, I) I,
22->; II, 10«) = am Irrsinn leidend. — /rrsinn —
Wahnsinn,Geisteskrankheit alsAbweiehungvon
«ler Norm der Verstandesthutigkeil. — Krank-
Sinnigkeit (ndl. krankzinnijhcld, De Cock 7. 11::) =
Schwachsinn, Geisteskrankheit. — Mit ikel Sinn
= cOMcience musculaire , da« Bewusstsein
seiner Muskclthatigkeit (Dornbl. 27). — Scliwaeh-
Sinn = ein etwa« schwaches Denkvermögen,
^VorstellnngsvermöRen), nicht soKeringwiebeiiii
eigentlichen Blödsinn n. auch nicht »urflckge-
bliehene Verstandesentwiekclung. — sein-, min-
sinnig i«;.>fMn*».«; z. <i. v. f. v.-K. tstw, s..tui . sehm.
ii, 2sc) — kranksinoig, traurig, melancholisch. —
Stumpf Sinn (13. Jahrb. sttimp*ynne ^ hebe*, D. 273)
IJebetndo mentis, Typhomania Hippokratis,
Stupor = der höchste Grad des schwermütigen
Insieh versunkenscins, wobei die Kranken gänz-
lich verstummt und für gewöhnliche, äussere
Anregungen wie abgestumpft od. betäubt (s. d.)
sind (Griesinger3, 261). — (i7:ioi TVtufc-Sinnigkeit
(daubsinnigkeit •.<) man meint es »< y von schlimmen
Leuten. 1'r.ptell ls97. 168) - Stumpfsinniijkeit. —
(17. Jahrh j thorirhten Sinnes sein - geisteskrank,
melancholisch (Kr. Kr. n. 163}. — tief wamg (dan.
dybsindig; holl. rtiepzinnlg; achwed. djup-lnnig) = in
die Tiefe strebend mit den Augen, sinnend,
abrinnend, schwermütig. — TVui/Sinn — der
durch falsche, traurige und schwermütige Vor-
stellungen und Gedanken befangene, getrübte,
vorher sonst freie (lichtbell) gewesene Ver-
stand. — ubel-, i«/>f7-sinnig = s. aber- (übel-)
sehnig (sehen). — «»ainnig ( Sinne, f. Sinnig
keit) (ah.i. nnatnnlc, Qntt I, ao«; mhd. nnainnec —
nicht bei Verstand, ainnlos. verrückt, Lexcr 302; nn-
•inne = Wahnsinn. BtMtvtDheit. I.excr;tö2; IUI vn«in-
helt, vu»innlkeit = Irein 1>. 217, Ulu vnslnuig —
mnnlacus, D 3(<*.; 1 die unsinne gewinnen und Ver-
liesen nach des mönen lauf = lunatlcus [daciuontacusl,
C v. Megbg.; <ir. W. VI. 2m, 15. Jahrh. nnsynnlg =
Bipbattcai , D. SM; von k rankheit unsinnig = ab-
duetu«, alieliatus, D. 2 ; 1Ö0S oti^yniiig — toll [vom Vieh],
Geiler von Kai*ersbcrg ; IMS nnsinnigkelt = mania,
II. v. r*d. 1O0 — vcsanla. s. melaiieholia, Schnurrer
II, 17; D. G13; 1691 unsin nlg - lymphaticus, llad. Jim.
392; 1*'92 die Stuten werdem zun) ofTter mal von der
l.ieh oder sondere Ilrnti«t ra«etid und unsinnig, Sei».
IS". - Mutter-Koller; P.C8 unsinnigkeit, (ielsteskrnnk-
heit, Tobsucht, Reyn. 61. M ; l«y»7 un«fnulgkcll so ge-
meiniglich unter anderen Ursachen auch aus langer
Krinarigelung des Schlafes und Verwirrung der geisler
entspringt, »Jeorg. 377; 17. Jahrh. tni«iunigkell — mania
e.(iiorum, R. A. ; 1726 unsinnigkeit, The- san. Rr. -s. ;
1713 rnsionlKkelt - mania, Mbl. Med. SM; Klsass
UDKuig , K. W. I. .V.; scliwed. unsiimighct), 1. -
psychische Veränderungen beim Menschen mit
dem ChofmkWr bestimmter, sinnloser Wahn-
vorstellungen (Mania — Tobsucht, Paranoia =
Verrücktheit, Wahnsinn); frülier dem Einflüsse
des Monde« (s. d), der ho-eti iibelihiitigcn Geister,
dem Teufel zugeschrieben , daher mit Wallfahrten,
Tänzen (s. Tanz! In gro«»cr Mcnschenanzahl nach Orten
bestimmter Heiliger, mit bestimmten Attributen (siehe
Hirnweh, conf. Schnurrer II, 17) behandelt ; aber schon
I Im Mittelalter wurden die akut delirierenden, kranken
Fieber» ahnsinnigen (- l'hrenesis, s. Haupt-
' geschwitr) davon unterschieden. — 2. = Tollheit,
Wut des Pferdes. — Hirn-to'sinnig (mhd. hirvn-
sluulg) = durch Gehirnkran kheit wahnsinnig,
phreneticus (tir. W. IV, 2. ir*;2; i>. 2^7). — (i7ci)
liündische Un sinnigkeit ■* Rabies canina,
Hundswot (L. ch ii). — Kopf- f//(sinnigkeit =
ein durch Kopfkrankheit verursachter Wahn-
sinn (l'hrenesis, Phrenitil, delirium febrile etc.).
— Mond - tt»sinnig (IV Juhrh. unsinnig an de«
mandes ende — lunatlcus, D. '.m) = mondsüchtig.
— (171G) Wolfs / " sinnigkeit = „eine unnatür-
liche Geilheit bei den Mannsbildern mit einer
Empfindung eines liiichst beschwerlichen Zu-
sammenziehen« in dem Halse bis zum Er-
sticken" (letzteres Symptom von der Lyssa = uuten-
der Wolfs Hlss, geuoiumen , A. v. H. I, 9331 (siebe
Wehr-W(df). — unsinniges Fieber. — (mhd.) im-
i" sinnet (-m-sunnen) = ohne Besinnung, be-
w ussl los, ohnmächtig gemacht (diimonlstlseh ; 137i»
! Ii n best mit von dem bösen gaist. Kersch 181 ; l.exer
290. 30t). — '"-sinnig (ahd. nralnalgl = furores,
Hattemcr, Deukni. III, '>9"> ; schwed. ursinnig) = ausser
Sinnen seiend , toll von Grund aus. — Ver-
Sinnlichkeit = ganze VVahrnehiunngaflhigheit
(Schmeiler Ii, 2u .) — MVinn Sinn, -Sinnigkeit
(eine mhd. Nachbildung 1108 wansynnekeit, Kriegk
II, 3.V>] des ahd. wauawitzl (WahnwiU, a. d.] — des
Sinnes ermangelnd ^s. Wahn 2], Kluge*, 39t; ndl.
waanzln. De l ock 113) = psychischer Aufregung!«
zustand mit anhaltender Selbstüberschätzung
(Narrheit, Paranoia) und fixen Wahnvorstel-
lungen; (nach deutschem Volksglauben angemacht,
angelhan, angezaubert, Witzschel 11.26 »; nach Schwartz
Indog. V >.! 2- I f y-<r.-.'. - rOO dttH ell.-set.en
Wassergeistern ergriffen = lymphalicus). — Hunds-,
Katzen -U'o/iNsinn = «las Irresein mit dem
Wahne, in einen Hund oder eine Katze ver-
wandelt zu sein (s. Wehrwoll) (Archiv f. Rellg.
Wis-ensch. is9s 2o.i). — Situfer- U «i/insilUt = 0«-
lirum tremens potatorum s. alcoholicum = das
durch Trunksucht entstandene, akute Delirium.
— stiller U7j/i/isinn= Amentia, Blödsinn (Kraus,
E. 290). — Tanz- ItWoisinn - Tanzw ut (Welnhold,
heidnischer lilttis 17). — verliebter UV,/msinn =
Krotomania (Kraus. K. 3S0). — wilder H'«/insinn
= Mania, Dementia, Wut, Tollheit (Kraus, K. 2'.»9).
— Zitter- U'(f/iwsinn= Delirium tremens alcoho-
licum, Schwächung u Zei rüttung des Nerven-
systems unter den Symptomen des Zitterns der
Muskeln bei srew issen Bewegungen (s. zittern).
— zerrüttete Sinne (1M0 zuriite sinne) = ein durch
(ieisteszerrüttung (s. d.) zum Wahnsinn aus-
gearteter Verstand (H. Sachs; .•schmeiler II, 189).
— Sinne(s}-, Sinnlichkeit -entrückt, -gebrech-
lich, krank, -loi, -Stumpfheit.
Sippe, f. — Sippen- Blut.
Sir (Sirei, Sirigkeit, Seuer, f Seuerlen.
Snierlen, Stiren) (ultlmns. Chiron; neuprov. ciroum,
Uehlronm, U. II, Ulj mtlt. »iro; franz. alrons, eirons
= siriones = vermlcull, qui oriuntur in dentibu»,
Du fange VII, 19»". ; »Irones — pustulae manuum et
pedum, Du fange; surio, fitio, clrio — engl, ltehe
(Jucken], Cock. II, 410; »yrones = comedones, Fuchs
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Sir.
Sir.
II, 223; ahd., 13. Jahrh. siure = surio [slrio = eine
Made, Du Gange VII, 196; vermis, IL *2; siure = bruris
Prurigo ', 1). 84]; ahd. «luro, alurra) 1. = Name eines
Insektes: «iro , surlo, scurio, canthareda (=Mado,
V. I, 538; II, 72; Gr. W. VI, 1019). — 2 = surigo
(sewar — Saure), tduro, suira, svirra, siurra, Sure (ver-
miculu») , Krätzmilbe , Liese (Graft VI, 273), porrum
(I). 41*; Schindler II, 323). — 3. = pustulae mnuimm
et pedum (Sehmelier II, 323), surigo. — |. -= «iura =
saturnsste (satyriasis = Syphilis?, Schmeller II, 323;
D. 514) — lepra; (13. Jahrh , sftehs. znre, D. WS; surin
gargara, venuis, Graft VI, 273; P. 257 ; 1366 sure, sore
= Sehre, mal um quod dolorem affert, laesio, Haltnus
1766; 14. Jahrh. slur = surlo, Voc. opt. W. 4,'»; mhd.
süre, alurc): a) die kleine Milbe, Bcarus (olllculornm ;
b) das davon verursachte Klterblaschen (Gr. W. VIII,
1872; suern aut »ebelcxa ^ hominem comedendo
laedunt, D. II, Sil [s. Schnabel] ; 14 — 15. Jahrh., mnd.
suren van deine antlute, J. f. nd. 8p.-F. XV, 14S; alt-
saehs. sure = aearus, D. 6; 1419 essere, sere vel »Ire
o pustulao, üurlt 1, 822; 1420 xuer aache., I>. 638;
mnd. sür, süte — Htlzblattcr , Bremer Wörterbuch;
cuyrich = sauer, Jessen 347 ; 1465 »ewrn an den henden,
Schm. II. 323; l.'i. Jahrh.? slrla s der Siechtum, noli
mo längere 's. aurühren = Lupus], Selimcller I, 942,
15. Jahrh. seuron, suron = carabus [scarabaeus], D. 99
= strlonos. vermlcull, «jui na»cuntur in dentlbus.
D. II. 341; iür = grlllus [Made], IL II, 198; sure ss
maueor [Kinne], D. II, 24 >; sewren — ein Inglück und
l'nlugend bei Wunden, U.Z. XX, 23; 1482 sewren = fer-
tnontarc, Zenlug. Voc. o2; 1482 sur = Cyrillus [surlo],
I). 122; 1487 scyrln = surlo, Schmeller II. 323; I). 122;
15. Jahrb. sur = alro, D. II, 341; 1495 aüry = slro, surlo.
Cyrillus, D. 122. 538; 15. Jahrh. sure vel vlunc [flaeeor],
I). 237 ; 1500, ndd. eeu suyro — verteca, I). II, 379 ;
l"-04 die syr an den henden, Schmeller II, 323; 1507
stier ; ndl. »lere, ziere — verteea In mnnibus — tuber-
ositas [Schwiele], D. 614; 1526 syren die utnb ein wund
worden, Gurlt II, 22Ö = durch Hautreize entstandene
Hautpustoln ; L'.29 alrey = Hautausschlag, Paraeeteus;
1530 sirey, I'araceUus; üurlt III, 221 = Epithelkrebs
[Lupus syphll.?]; 1551 scyren = Hautausschlag, llock 0;
1561 seureu — sironcs, IJ. 538; 1574 seurlelll =■ Haut-
ausschlag, Gr. W. VIII, 1872; 1577 Slerc = acurus
[Milbe], D. 6; slroues m clrons = pctlls «nlinaux tou-
jonrs caches kouj le mir, A. I'arö ; llriss. 231 ; ndl.
idre. sirken = teredo [Wurm], D. 57!» ; 1583 sewron —
Kratze, Lienen, Gr. W. VI, 1019 ; 13M »aeurlein —
Hautausschlag, 1. eod. ; 1592 seuren = rote Angesichts-
fleckeu [werduu „getötet"], Seh. III. .Vir,, 15'.'2 seier -
■carus [Milbe], D. ö ; 1603 sacnwcrleln - teredo [Wurm],
I>. 579; 1612 »Iren = fratt oder wund sein an den Fes-
seln [beim Werde], Gr. W IV, 1 67; 1616 sewrlln -
vari (nietet syphilitische] AngusichlstilAttcrlcin ; sirey, f.
— luxus canerosus, lneousirus, phlegnionum bei I'aro-
celsu», Gr. W. III, 480; I). 607; I'r. II, 75. 7ö ; 1C16
syrey = ein fressender Sehaden im Angesicht oder
Hals, lupus = da« Fressen [a. d ), Paracelsus; Gr. W.
IV. 1. 137; Schmeller II, 322, sirey [Schmeller II, »02,
strey] die Ins bein kommt — Syphilis; 16IH salrle,
acurle — teredo, Ijeissende Blotterte, Schmeller II, 322;
1620 seuren — slria, syrey - SIerigkeit, Hautkrankheit,
Tritons Adlh. 48 u. 61 ; 1629 senr ^ teredo, Schm. II.
823; 1636 Syr = Hantkrankhelt, Heilbr. Badebeschr. ;
1645 suhren „man spricht« per voeem galllcam" =
Augenschwarcn, Coler, U. A. III ; 1068 »aeurlein =
Angesichtsrinnen , Beyu. 110; 1699 sairlein = e-cra,
essera, v. M. II, 133; 17. Jahrh. slray — Hautkrankheit
[Falten od. Rnoseln] mac hend, Schm. I. 716; 17. Jahrh.
seyeren oder Keidlieser; 1719 sirc , f. sierichen , n
Seuerlein, Gr. W. VIII, IS72 ; 1741 Seiren, sironcs sind
kleine Hlatterlciu oder Reillinscn [s. Kaude-I.ieseti' an
denen Händen und Fusssohlen, in welchen kleine
Würrnletn sich aulhaltcn u. empfindlich bote-en, nagen
und zwischen der Haut fortkriechen , Kirsch 1105;
1756 seuren -sirone» -Mieten [Maden], A. v. II. I, 10;
»Uhren — comedones [Senren], A. v. H. Ib., sAuerlein
— „kleine, spitzige Rlatterleln von Linnenkonigriisse
und leicht ziisammcnlliessend , werden hie bösartig,
• >chaif -, so tet es der Herpes nÜUaria", A- v. H. I,
788; 1761 sirone» = kleine Wurmchen. so die flant
durchgraben, L. ch. 78; 1777 seiren im angesicht:
vari, 1». 588. 607; 1783 suren = hidroa Gaieni, F. Fiater;
18. Jahrh. seyerleln = Surigkeit, Tabern.; holl. zier,
ziertje, Schm. II, 322 - Reltllese [s. d ]; nleder>ftchs.
süre, «iireeken = Hitzblatter. Schwitzblatter. Kraus, E.
466, alt*üch*. süre - acarun, Milbe. 1». 6; Schwaben
Sulr, Snlrle, Schw. 643; Seier, Seierle. Seierlein, 0. v.
Schm. 490 — veslcula, Hautbllt'chen , HlizblAfccben,
Huck ly ; Bayern Seur, f. = Naienkraiikhelt I Akne ,
Blick 13; Gr. W. VIII, 1872; Solerl, Sulerl - Kkzema
und Akne HlftKchen, -Knotehen; Sler - Keitllese. ein
kleines In«ekt [das einen Hautausschlag macht], Schm.
11. 322; lirtf oder Frantzosen [Schaden unter den
Augen, die harte Kufen haben und welter fressen],
I, eod.; dye iyrcy [ = Noli u\e tangerc] In dem Flelltch,
sie kommt aus faulen, ungesunden Saften, Schmeller
II, 322; die Milreu uuder dem aulhitt, I. eod. ; die
sevru Iii den henden; sewilr - curigo, MW» = pedi-
cellos , seyrln = surlo ; siro^surigo, Pustulae tnanuuin
et pedum). — sirig («ünj;, suiiij;), 1. — (i62oj durch
Surigkeit d«'H Bluten, naitre Sclinrfo hautkrank
(Dr. Minderer), fratt, verletzt. — 2. = Beliri>: (». d.)
verdrieutdieh (Gos^ nsass, Z. d. V. f. V.-K. 1896, S.813;
Wall). — Betulich = voll von Seuerlein. Man darf
wohl annehmen, dass »Ich In dem Worte Sir und Sür
zwei verschiedene Begriffe und Worte vorlinden, die
sieh unter Anlehnung des alteren Wortes sir, sirey au
sur und diesen Sippen zu dem BegrlUe eltler Haut-
krankheit infolge einer sauren Hlutschürfe (Sur) ver-
einigten In dem Worte: Scuorlem. 1 - wie die Laus
zu Luschen (s d.) und Lieschen wurde, so wurde die
Hantmilbe Slro (sirillus, Cyrillus) zur Harte hüllen-
den Hautkrankheit: Sirey, worunter man wobt
verstand a) parasilitre , Kratzen und VerhUr-
tung;cn machende Hautkrankheiten (mit Krittze,
Milben u. Lau«en); h) hupm«, Noli nie längere
(Epithel- Krebs), d«r fressende Wulm (Siren-
Wurin) Krehs (ScirrluiK, h. Unhr mich nicht an} ,
o) Lepra; il) (duss L'.3ö sirey — Parotitis «ei, wie Gurll
III, 221 Ii. 22*.i annimmt, ist nicht richtig). — 2. — aus
diesem sir, sirey wurden unter dem Kiullusse der l'ura-
cclslsten und latrochemikcr, die eine scharfe, salzige
Saure, saure Scharfen und faule, ungesunde Safte Im
Blute der daran Kranken, namentlich bei der Syphilis,
annahmen, das Saure (*ftre), Spurende, Säuer-
liche (Seur, Seure, Seuron) lautlieh vorherrschend,
womit man dann nach dem Verschwinden der Lepra
bezeichnete: a) Akne - Kinnen; h) Kkzema (ma-
noDm); c) Hautfrattigkeit, Haut- und Schleim-
haut>;e8ehw(lre ; d) namentlich syphilitische
llauUiusachlUge.weunBieechwieliße.indurierte,
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Sitten— sitzen.
Skalraa— Skorbut. 6.>3
harte Gewebg- oder rote, phlegmonenartige
Hautatellen macht (Ekzema palmare). — sehr,
Sir, 1. - schmerzhaft (s. sehr). — 2. = durch
Saure od. den siro-Wurm veranlasst. — Augen-
Seur (nachuihd. «euren äugen, «Aurron in den äugen,
Schmeller II, 322. 323; Seir auf d>-n Augen, Buck 13),
1.= Ekzema palpebrarum, Bildung von Bläschen
um das Aug»- herum. — 2. = Gerstenkorn. —
beissel-, eissei Birig = eissel-sehrig (s. d.) (s< hm.
1, 3»s). — (IM6] fUessende Sircn (Süren) = Ekzema
varicosum, Salztluss (Teophr. H.). — G'rsurr (bei
Schnuller II, :t24 ; ist als Uescuvrar \*. d.] zu deuten).
— {im Hals-Siie (-Süre, -Stirigkeit) - Haie-
gesell war, Squinantia(cynanehc). — (1487) Hand-
Semen (hand-scyrln = clrilus t = sIro!, Sehm. II, 323;
1193 haud-Miry, -süry, -seyrin ss siro , Handwurm,
1). 122; 13. Jahrh. hatid-sur, sürly = eerillus. D. II, 92)
-harte, schmerzliche Hautkrankheit der Ilohl-
hand (Ekzema manuum), Handschwielo mit
Blaschenhildung. — spanisch' Seur eil le harte
Hautpustel (s. Syphilis, Pustula maligna)
[Baek 19). — Venediger Süren = eine Art Haut-
ausschlag (syphilitisches Ekzema) (c. v. Schm.
490, aus „Venediger Übel" [s. d.) übernommen). —
(1742) U'fljwcr-Seurlen - Ekzema humidum, die
Feuchtigkeit absondernden Klechten-Knütchen
(zw. 95«). — Sur-, Sur-, Süren-, Seuerlein-Ge-
sclnrär, -Igel; -Scltäden, -Übel, - W urm.
Sitten, pl. (in Besprechungen auf Bitten reimende
Form für) sitzen (Sitz) (indot-erm. sed [sldo, sella);
urgerrn. »et; vorahd. sittian ; angl*. sidenne; altn.
«etr — Sit«; sAt - Betzen; sactl = 8ltat, Kick. »8«;
»hd. »izzen; mhd. sitzen. Kluge *. 319 ]s. Saas, Satz,
Kim] — «ich setzen , gesehen «ein , wohnen , sich
befinden). — Sitz, m. ~ der Ort den Bitzens, (ie-
eiiss (franz. siege); auch die Krankheit (Sehleim,
FJuss) hat ihren Sitz (s. u.) in irgend einem
Korperteile laus der Zeit des Damonismns -lammende
Vorstellung, deelwcn sltan latne, Kuhn II. 15; [Schles-
wig] de llaet [ — Flu«», tücht] de sc« t all so diige [dick]
int b.cn, Mullenh. 4< •;. — Sitzer (sedes Plinil) =
Podex, der Teil, mit dem man sitzt. — auf-
sitzen (ahd. oUttan, B. Z. III, 199) = obsidete, auf
jemand als Plagegeist sich setzen, davon /''sitz
nehmen. — ihn besitzen fineubus, i> 293), d. h.
ihn zum Besensenen (s. d.) machen. — Elf-
Sitten, -Sitzen (angls. aelMdenne; widh aelfe und
widh uneuthum «idsan = engl. elvNh tricks, elfin tricks,
visilor, COCfc. II, 14. 15.S. 29t".; III, 10. 334 conf. 16. Jahrh.
zwen und sibentxig ritten vnd allen irenn sitten, Ale-
mannia 180\ 2t.6j, 1. — dan Besetztsein durch den
Alpdftmon, a) im Alptraum, h) im Inneren
durch Würmer (.Mitzehrer). — 2. - der Sitz der
el bischen Krankheilsdilmonen, die z. B. Fieber
(Bitten) bringen. — AYa/iAAetfs-Sitz. Nnrh dem
Vorgange von Morgagni 1 1 1771] suchte die Schuliuedizin
bei Krankheiten niclit mehr zuerst nach dem Wesen
(Konstitution, Komplexlou), sondern nach dem ort-
liehen Vorgang derselben, d. h. nach der sedes morbl;
da derKrankh' itsvorgatig sieh Im anatomischen Organ-
gewebe (Zellen), abi-r auch In den vitalen Funktionen
abwickeln kann, ist di. se Aufgabe der neueren Medizin
eine weit schwierige» geworden, als sie früher war;
in der Volksmedizin I*t dieser natürliche Gedanke des
Forschen« nach dem Sitze der Krankheit durch die ihr
bc«oi>dem eigene, damonislische Ätiologie langst im
1 Branche und artete zum krassesten Parasitismus aus;
Wurmnester, Wurmhäuser, auch die Stellen, wo un-
sichtbare, elbische Weile oder gar der Dämon selbst
sitzen oder rasten* sollte, waren solche Krankheitssitze
= die Stelle, wo die Krankheitsursache ihren
Sitz hat, sich befindet. — Nieder- sitzen der
Blattern (1740; Seit« ns) = der Zeitpunkt, in
welchem die Pocken (Variola) an Schwellung
abnehmen durch Berstung der Pusteldecke und
Ausfluss des Pustelinhaltes; die gleichzeitige
Adynamie wurde fälschlich als „Zurücktreten"
der Blattern aufgefasst. — Ii il n - Sitten = s. Elf-
Sitz. - Sitz -Arsch, -Bein, -Feige*, -Fleisch.
Skalma. f. n. (lssi nach Dickenhoff, Villaret II, 18
scelmo [s. Schelm]) = heimtückische, schelmische
! Krankheit (Meyer, C. L. XVI, 17); modern latinisiert
j zu Skalma — eine milde Form der Pferde-
Influenza oder Brustseuche der Pferde (nach
Dickenhoff).
Skelett, n. (aus gricch. oxtXttöv = Itclnwerk
[«. d. u. Schelm); es wurde schon von den nachchrist-
lichen Körnern auf Vasen abgebildet; 16tK"> Skelcton ;
„das älteste, historisch beglaubigte Anatomlcpraparat
der Welt ist das von Vesal [1 516— 1564] gewonnene und
errichtete Skelett, dessen erweislich echte Überreste
sich In Basel befinden", I'agel 1%) = Totenknochen
(Kluge). — 8kelett-3/cn«cA.
Skerljewo, n. s. Scherlievo (DornbL las). —
Skerlj e vo-Settche.
Skor (Skar) (3xü.<> = Unrcinigkeit; mtl. scuraro;
lat. exeurare; scoria = Schlacke, Cnrelnigkeit, D. II,
331; roman. scorada = vlscera, Ueschlinge, das aus-
geildert wird, Du Cange VII, 702; zu altfran«. scor
= skora, Ilaescr II, 221; engl, to scour = scheuern ;
schwed. skura; Island, skora — Kerben ; ahd. scarna
[s. Zitterach!; H82 sorbuc, scorbeln, scormunt, Kersch
19'J; 149»; scorram heyssen den schaden die aus«
franekreych von dem wordt Scor, das die kryechen
Oletutn [= foetidum, D. 394; II, 27o] nennen, das
ist so v II geredt als vnlautter, pfynnig oder sliuekend,
Fuchs I, 3U; 1496 pc»Ulentlalis seorra s. mala de
franzos. Haeser II, 212; 1496 pesttlcntlalls seorra
slve Impetigo [= Syphilis), Haeser II. 212; Janua
1*9*. OOS, 1 j01 morbus grassaus qul malum franclae
[= Syphilis] slve Skorra nominatnr, Fuchs I, 289;
Haeser II, 211; V<0\ seorru — malum franclae, Haeser
II, 21&; 1761 scoria = Schlacke, Dreck, Fäulnis, h. ch.
76, D. 520; ndl. scoren = laclnlare, D. 315; Kraus, E.
934) — Abgeschundenes, Abgescheuertes: a) sy-
philitische Hautschrunden mit Hautabschil-
ferung; b) (1H07 skar — aphthae der Kinder, Ackcrm.
513), dnreb die Zahnspitzen abgescheuerte
ZongensU'llen (Schür; Scheuermund); c) dazu
wohl: Scharbock, Skorbuk, Skorbein, Skorbut,
Skoimuut = Scheuer, Scheuerbein, Scheuer-
mund etc. (rmdeutungen de» Skorbut nach; Buk
[Bauch] und dann weiterhin «u Bein und Mund hin,
Kluge», 317).
Skorbut, m. (aus mtl. scorbntus; dies aus Schar-
bock [n. d.]; engl., 1679 scorby, Gurlt III. 360; scurvy,
Lehf. 93; button-scurvy — Beulenskorbut, Dorubl. 22;
| 1482 sorbuc, Kersch 196), 1. = Scharbock (s. d ), der
blutige Ileus des Hippokrates (Fuchs II, 536), mal
1 de terre, Landkrankheit (1355 mal des roses Nostro
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Skorbut.
Skropheln.
Dame [*«fM der roten Haulflecken]; 1376 morbus
BV Eligii. le mal St. Eloy, Du Cange V. 517; IX, 260;
1381 le mal nostre Dame; 12*1 Morbus, flores, Uosae
8t. Mariae; über St. Eligius it. Z d. D.-Ö. A. V. Is93.
8. 211; er Ist ein sogen. Nagelpatron wie St. Leonhard,
V.-K. 1896, 8. 112; lc mal St. Santln, Peijpers). — 2. —
die verschiedenen Kachexien und bvakrasieen,
die sich skorbntfthnlich durch Zahnfleuch-
Bl Utting, -tieschwflre (mal de geneives - gingivac.
Bris». 153; avoir lc juvart, 1. eod. [s. Jnvurt]!, rote
Haulflecken, üblen tieruuh aus dem Munde
äussern und dein „abgestandenen Hlute" zu-
gerechnet wurdet) (s. abstellen), z. H. Leber-
leiden, Leukämie, Motbus maculosus Warlbofii,
Purpura rbetim., Pellagra, MereuiialismuiJ
(Kehrend 7«). — 3. = schwere, tertiäre Syphilis
int wold öfters früher mit Skorbut (icorbalu,
Lorsch 196 = Schor- oder Schencrbein, s. <1.) ver-
wechselt worden (darum vielleicht noch Storni
- Skorbut); die Knochen- und Mundhohlen-
Bypbilil (Zahnkanker*, Kankera«ll*) «ab wohl
Veranlassung zu dieser Verwechslung. —
4. = (I7ii) Milzkrankheit (s. d), die ein skor-
butisebes (ieblüt »ur Ursache haben sollte
(Hibi, Medikus 170), d, h. nach den Anschauungen
der Arzte <les 17. Jahrh war Seharhock oder
Skorbut z. T. da«, was bis auf l'aracelsus als
Melancholie, schwarze (Salle od. Milzkrankheit
bezeichnet worden war. — 6. — ,,1'ntor der Be-
zeichnung (iangraena senrbutica wird (bei Sennert
t 1637) die tJangracna senilis Usch riehen, hei welcher
im (ogensalze zu den anderen llrandrormen die Er-
krankung leute ac tarde serpit ac non nlsl longo tem-
pore bomlnem trucidat; ibmuIm ac lltnrae rubrae vel
purpureau appnrere Incipiunt etc." (tlurlt III, 172). —
(J. -= Vielleicht Ist eine Form des Ergotismus epide-
micus als epidemischer Skorbut (1676) bezeichnet
worden (Kohert 1, 36). — Alpen Skorbut - Pellagra,
die etwas an Skorbut erinnert durch die poly-
morphen und polychromen Haut- und Mund-
schleimhaut aflekt ionen (Alpen Hechte) (Näheres
darüber Elchhorst II, 23'»; Ilchrend 58); aucll
mailäuilischt > Skorbut <>d. mailitndisrhe Krank-
heit genannt, weil er in den subalpinen Pro-
vinzen der maihindischen und lombardiseben
Ebene endemisch «ein eol). — (isort) Land-
Skorbut, 1. = Morbus maculosus Werlhofii
(Ilchrend 77. Puchs II, 360) (s. Wet Iholische Krank-
heit). — 2. = der hei den Landtruppen oder in
feuchten Kellerw ohnungen auftretende Skorbut
oder auch Purpura haemort hngica (Roth 477)
(mal te terre) im Gegensätze zum See-Skorbut
(mal de tner) der Sehlll'sleute (Landkrankheit)
(engl, tandücurvy, Hoth 289; AU«. Med. < entr.-Zlg.
laSS, 8. 6.11; Schnurrer II, 455; Nicmoycr II, 710) —
Merkurial - Skorbut - Stomatitis mon urialis,
eine durch Quecksilhermisshrauch veranlasste
GCBcbwörbildung im Munde (Kraus, E. 933). —
Mit.,.! Skorbut - Mundfituli! (Kraus, E. BS3)
(siehe .Skorbut 2). — Säufn- Skorbut ■ die
durch übermässigen Alkoholjienuss entstandene
Zabnfleiachaffektion dyskraaiecber Natur, „der
höchste Ürad der Melancholey" (s. Schaihock),
Lebercirrhosa. — (17 -6) .SW-Skorbut = der auf
Schiiren oder bei Matrosen nach langen See-
reisen auftretende Scharbock (Eichhorn Ii, »13;
A. v. H.; Nicolai IV, 11.'.; Niemeyer II, 739). — skor-
butisches Geblüt
Skropheln (skrofulös) (5. Jahrh. scrofao =
yotpaSi^, chirachs, (iurlt I, 503; augls. §cr.. feile« —
— scrofula — Kcrnlein [Drüsen], Cock. III, C2 ; werden
besungen; In der Physlca Hildegard!* [12. Jahrh.] Or-
flinnc != strumae'.-. — scrophulae, veuenosae glandes,
D. II, 273; drusae — sqnalao, D. 519; 1311 «erofula, Im
Cange VII, 732 = eine Hauig. schwulst ; I I. Jalirh. glan-
data, schrofula — Drü-ic, Vor. opt. W. -10; l;:w scroffa —
evn hose dru-e, D 521 ; 1478 scrophula, C. v. Megbg ;
1182 scrofula — Ferchlein 'Drüse';, Zening. Voc h h 2,
scrofnla = trnsi, Or. W. II, WS [drus = Saufutter,
Z. d. V. f. V.-K. isyfi, S 301|; vlaem. srronffelen, Uurlt
II, 139; U97 Mrofulae norellae = syphilitische Haut-
und Schl. lmhiiiitwarzcn. Fuchs I, 310; 1.». Jahrh., ndd.
schrofli len.pl. — scrolulae Blandes D. .21 , Iii. Jahrh. V]
scrophulas, Sehmeller II, 6.1.'., lfto7 itrotula — DriuHm-
kiaakheit, Hort, san.; IMS strofula, innere truesa,
H. v. (Jersd. HK); 157» scrofula — wenn jemand eine
Felstigk. lt in sich hat wie ein rindern l'nschlitt,
17, Jahrh. Wartren oder Scrofeln am l.eib, so gern
am Halss waclisen und untern Achseln und wochssl
seit. 'ii eine allein, sondern viel bei einander. Diese
BCroffeln sind gleich flei-chig wie Haut, »achsin aus
den bttien Feuchtigkeiten, ml* von Phlegma and Me-
lancholey, Fr. Kr. II 106; Ix>nic. '*; 1*>9 scropheln
-- Kropfknotehen. v. M. II. 102; 1742 scrophulae =
Perkleln-DrfinOD, Zw. 76'»; 17S3 scrofnla'1 — Drüsen am
Hals und an anderen Tell. n des kindlichen Körpers,
I'latner II, 263; 1817 »krofeln - die in die Augen
fallenden DriisenanschwcllunRen und Knoten Infotg«
von Skrofulosls [Sarenk), ls:;r. scrofeln - eine Kachexie
mit Hautkrankheit ; mtl. chirades [v, i'i\u<i'„ — Schwein],
chiradii, Klandiilne, verinc«, so.iellae; span. porcelhsOU
[porcus - Schwein], lunparoues [— lupnril • Im < ange
V, 154]j franz. mal du Koy, mal le Ray, mal St. I.onis,
tcrouclles [*. Konlgsühel]; engl, klngn or queen* erll,
«urlt III, 669; Urlss. 121; Hai. gavanos, gavigne. Du
Ottige IV, 43. 143; alt arah. dübelet ; 1480; ütirlt I, .S3I ;
hehr., 1622 vengude Cohcnne, (Jurlt II, »23 [gudde —
Heule; cohenue priesterlich] = durch I'riestershand
heilbare Skio(elbeule;alger.-arnb. khenazlr] — Schwein),
Ourlt I, 192; frniu ccrouelles = scrofules; schw. d.
seroller; dftn. «erofel, Behren d 13; man verstand unter
Skropheln froher): 1. = die vergrosserten, ange-
schwollenen llalsdrüsen, die den Situ- oder
Schweinsdrüsen* am Halse ähnlich waren
[Scrofula - Ferklein. s. auch Schraube), Inlirmitns
in gutture.Ohoiiades Hippi.kratis, Struma Celsi ;
dazu gehören aber auch 2. = der Drüsen-Kropf
(struma, scrofa, scrofulac >|iiae in cute capitis vel „circa
guttur" unseuntiir. Du « ange VII, 372. 617 [ — Knopfe,
nata!) der. wie die Skrofeln, Epilepsie und Khnchilis
durch die aufgelegte Konlgshaud gehellt werden sollte ;
dleaen „toucher du Koy" durch die Hund d> r angel-
sÄehsischeu und spater iiormnmiUthen be*w. eng-
IlMhen und franzosischen Könige wurde für Norwegen
auf König (Huf 11. I' 1128). lur Frankreich bis auf
i lodwig (+511), für England auf Eduard den Ilekenner
(+ 1066} zurückgeführt ('Jurlt I, 110; III, 570); aber die
altere Edda erwahnl schon die Heilhande der Bnwhfld«
(Jordan K0. 367) und die Angelsachsen hatten schon
einen Hoflfingcr (haleteiid ~ digllui salutaris, D (äff);
diese Heilmethode cutstammt dum iiordgermanischen
Pricslerkonlgtumc (S. Janus 1897, 8. 14). — 3. (Imupl
Skrupel-sodien.
sochezen— Soda. 6.w
sachlteh weiterhin mu h und später) innere chron.
Banehdrüsen, sowie die kästen Inhalt (Skrofel-
stotl", Skrofelmaterie) führenden Drüsen und
speckigen (lesehwfire der Haut u. iler Knochen
(Knochenfrass , scroellao = vertnlum infestatlo. Du
Canga VII, 372) (s. Blindschleichen u. Fuasge- i
schwell). — 4. = dic Skrofelsueht als allgemeine
Konstitutionsanomalie. — 5. - ähnliche Krank-
heiten hei Menschen und Tieren (st. B. Syphilis,
tionorrhoea); nanientl.: Ilawh-, Dann Skrofeln
— die durch Tnlierkr.losis «1er Gek rOsd r ü s c u in
der l'nuehhohle (l'nterleih) und der Ilarm-
schleimhäute, namentlich hei Kindern und
jugendlichen Individuen, entstandene l'hthisis
tnesaraica [Wldoohofar i. Gerhardt iv, 2. öds; Köhler
11, 277). — Xui/el Skrofeln = skrofulöses Nagel-
gesehwür (Fuchs ii, ..TN. — (isuä) ojfenc Skrophel
= geschwürig zerfallenes, eiterndes (icschw ür
auf skrofulös. Boden (Weickardl 171). — Tripper-
Skrofeln- Lues gonorrhoica (s. Tripperseuche)
[AQleortalh 1772-1835; 1703 lumor serophtilosum
maxillae inferior!» a retrnpulsa gonorrhoea vlrulcula
uriundu«, Pr. II, Ml) = l.ymph-, Hoden- und Kier-
sloc ks-Drüscnnnsch wellung auf gonorrhoischer
Basis, deren Zusammenhang mit Tripper A Uten-
rieth und Sclioenlein ahnten, die man früher
der Veratopfang des Trippers, einer Metastase
des Trippers unter dem Bilde derSkrofelformen
anschriet) fpr. Arzt. 1874, S. l:t3; Pf. II. C41). —
Unterleibs Skrofeln - Bauchskrofeln. — Zucht-
haus- Skrofeln - die hei Gefangenen lieohach-
teten Skrofulosis- (Tuhtrkulosis-) Austirüche in
den Drüsen (Kichhorst II, 10GC). — Skrofel-
• GfHchicidst, -Krankheit, -Materie, -Stoff, Sucht.
Skrupel, m. (nh<l. au« Ist. »crnpulitm, K. K. 936;
■Crlptnlu« - ein Sternchen, auf dem nur ein Buchstabe
«leht; kleinstes <<ewicht, kleinster Cegenstand. der mir
Belastung dient) — geringe liemülshesehwerde.
(bildlich; 1120 scrupulus = eyn swermuet, I». II, £r2).
Skythen. — skythische Krankheit.
Snickup! s. Schnick.
SOChen (8Öchen) (ein Ablaut an Kuchen, »hieben,
riechen ; ihm soeben = krankein, Pia! Bar II; inhd.
soeben, Bochen - siechen, Lnuik dnruiederllegcn,
Lcxer2.'!8; 1 182 «oehen - neisrolure. Zcuiug. Voc. r2 ;
atl-uelis., 1:1. — II. Jahrb. zohckcu mareere; Island,
aaekja — suchen, diimonlsllsch angreifen, Z. d. V. I.
V -K. 1898. I37j «oeggr — inadiduH; angls. sugnn =
iimeerarc; sogodha » .Sochte, lock. I. 36; II, IOC -
iiljulccs, < ock. II, 218; hunior corruptus, pltulta, »In-
gultaa, 't-'>'i\i't'. »oenn = sucht, Variangan, l. eod. 11,
174). — Bochen isochen) - langsam kränkeln
(.-ehmeiier 11, 214. 3'.'i), abmagern, an der Bcbw ind-
sucht leiden. — SOChern kraftlos werden,
hinsiechen, ahsterhenfSplew II, 23U — Socher.m.
-ein Mensch, der immei socherl, kiitnkelt;
„der .Sicher ühetleht den l'ochcr" -= ein vor-
nichl ger Kranker leid lauger als einer, der auf
seine (iesundheit pochend au stürmisch lebt
(s. l'eHcel). — Sochet, Sochen, n. das Siech-
tum, Kränklichkeit. — Sochto [altn. *«.tt, f.;
mhd. »ohtc) ■ Sucht (Kick. fcüO). — Sochung, f.
(mhd. ■ocbuiiKe, Sehmeiier II. 21'.; I.exer 238) -
Siechung, Krankheit. — sochiger (1482) = ein
siechender (Srning. Voc. r. .1). — ao-sochen (angis.
osogen, coek. II, 407) = ahsieehen. — di/Sochte
= fl. Alpsucht. — 1 SOChen (ongls. forsogen, « oek.
II, 406) m versiechen.
sochezen = toekezen (Sehmeiier 11, SU).
socken s. Saugen.
Soda, n. Sod, m. Sodem, m. Sad, Saut, Sott,
Sud. I. Soda (ist nrabisehen Ursprung» = Dolor ca-
pitis communl nomlno ab Aviccnua »Oda dlcltur,
Schnu ller II, 228; hemieranin »eu dolor raplli» [vox
arubieu Aviecnae, Alhurasi], Du Cango VII, 507; abd.
soto — earbuneulus, II. Z. XV, M4; 13. Jahrh. Albert U8
Magnus: Soda est prima fuleonum iufirmltas = dolor
capitis, wobei der Kranke wie der Geler die Augen
»chliesst und den Kopf nach verschiedenen Sellen be-
weRt, Du fanpe I. eod.; Meningitis; 1420 zothelt —
dementia, D. 172; 1482 zoda — cephalea, Hauplwehtng
am linken ort [a. ohr halb], Zening. Voc. n. 8; D. 635;
Ifill der saut = «ngina lllalsdruseuanschwellunirl, D.35;
IMS soda = cephalea, ein Weh des ganzen Hauptes,
EL v. (ierad. 99. 100, 1537 soda - Kopfschmerz, liurlt I,
903; 15-11 soda, Roden, sotten, soed = Ilauptsucht,
Alp[en]stich [I'neumonin astbcnlca!, Uuggenbiihl 13;
lö4°,4 Soda: „Wet den siechtag hat, dem sind diu augeu
und das antlitz root, maag nit schlafen und den »im-
nenschin Dil ansehen [«ablagig',, es «usent im die oren
und fallt das haar na", (inggeiibuhl, 8. 13 [Meningitis,
Kryslpela*]; die Nebi'nformen siml mit sot [sod] ver-
wechselt; 1742 soda m Magcnsod, Zw. hf.2; 1811 soda
VantrieaM ■ Mag. nsaure, Kraus, K. ur«; Sode = violent
mal de tele, de l'arabe soda'mö me sen» qul rattache
a «ada- - fendre i n deux. DlcUon. etym. M. D« vic;
Bris». 24S). — 11. Sod, Soden, Sodem: (zu shdon
i». d.]; ahd. söt, södl — Sodbrennen, Waekeruagel ; OrafT
I, 740, mhd. sot, soten, m , andern, H. Z. VI, I9:t; I.exer
238 f.Tvor stomaebl, Sellin. II, 22S, Sodbrennen, auch
das Wallen u Siedl 11 des hiuigen Blutes ; 12. — 14. Jahrh.
»ode - bulidiuin, D. 227; mnd. de »odo: „Seil', da«»
die Speise, die du Isst, wohl gesotten sei; so sie nicht
wohl gesotten ist, so. liegt sie dem Meuscheu in dem
Magen und daraus wächst dum menschen de sndu
auf mit dem bitteren Speichel und kommt Ins Haupt
und davon wird da» Itrilgen [Gehirn] feucht , diu
Augen düster und schwer", nach Mag. Barth. 87a;
147"), ndl. sohle heben - rucluare, D. 502; 1482 sott =
orexia, vomltus, D. 400; sottung; 1 ts2 sott = orexls,
sottung orexia, Schindler II, 338; 1182 sote : „B0 die
speyseu aufsii igeut aus drui mageu in den muudl"
= eructatlo, Zening. Voc. dd8; D. 209; sode Is upstlg-
hinge ut dem maghen in den munt = eruetan-, D. II,
1">6; sott — speiung. der letzte Seufzer eine» sterbenden
Menschen [fjliergeben der Leichen], 1. c. cell; 1517 der
sode = blli«', D. 74; U'i. Jahrh. sotten, sod oder das
stechen, Sehmeiier 11, 338IT. [ — soda, verwechselt mit
»od]; li51 BOdt. m. [soot], Bock 76 230; 1560 sool,
Plctor. 72; l.'«2 sodt, m., Lotilc. 2i»; 1C1« «oth, sod,
Tabernaeui. ; 101s «at = - [ejroslo stoniachl, plethoraj 1C29
■aalt), in. = ebullltlo flavae bilis, Sehmeiier 1. eod. ;
IMS, 16i.s. ic,77 sod, sohde, sollt, »oth — Mageiihltze,
ardor »tomachi in ore ventrieull, Beyn. 127. 172; D. II,
32; Coler. II. B. 91. 191; 17. Jahrh. Soodt de- Magens;
wem der Sod geffthr Ist, Fr. Kr. B. 8.8 309 ; 1728 sooil, m
^ Magciihreiincn, The», san. Itr. 620; 1740 »all, m. —
SimI, ehr. Sam. II, 3-C ; sott = Herzbrnnd, Seitz I, 3-11;
17'«6 sod — f. rvor stomachi, onissoregmia, Mogenhltze,
ein schuierzliches Brennen von dem Magen durch den
656 Sodoma— Sohle.
Sohr— Sonne.
Kannen Schlund und Hals herauf, A. r. H. I, 133. 1227;
1761 sodus = Sodbrennen, L. cb. TS; ndl. zode), Sod
und Soda sind zu trennen: I. Soda (zoda), 1.=
Carbunculus (Festbeule?), Halsabseess, Gehirn-
abscess, Knüfel. — 2. = typhöse Erkrankungen,
Alpstieh (s.d.), I'neumonia asthenica und Pest
mit Eungenerscheinungen , Parotitis. — 3. =
der bei schweren Infektionskrankheiten (Pest,
Influenza, Cerebrospinalmeningitis) häufige,
heftige Kopfschmerz mit Schwindel. — 4. —
der Ohral)scess mit eitriger Gehirnhautentzün-
dung u. darauf folgender Sinusphlebitis (siehe
llauptwehtag) ; da* Sodkraut l'arllna vnlgurl«, auch
wilde Stich würz genannt (Jessen 82) sollte gegen
schwere Infektionskrankheiten helfen. — II. Sod
( = da*, was gesotten wird) ist das Gefühl von
Magenbrennen (ardeur d'estomae, Pyrosis)
[irop6a»=< brenne an), welches entsteht, wenn (z.B.
beim chronischen Magenkatarrh) durch ab-
norme Sfluremengen die eaure und scharfe
Magenflüssigkeit (aigreur) in die Speiseröhre,
Bellst bis in den Schlund durch Aufstossen
gelangt. An die Deutung des Sod als brennen frieden,
wallen, Walgern) lehnte die Volksetymologie der früh-
eren Zelten auch da» arabische Soda, das bei gewissen
,, hitzigen" Krankheiten als Name der Schulraedizin
galt, an und brachte Sod, Soden, Sod etc. mit der
Pneumonie In etymologische Beziehung, die um so
leichterstatttimten konnte, als nltnord. «j/>dha — sieden,
kochen bedeutet (Kluge* 318; De lock 181; nugl*.
scadon = X/.t>5ui\ i-, ^Of,,Vjo'j-| ;l'z - Sod, « ock. II, 248;
vulg. franz. fer ehaud). '— Kehl-, Magen - Sod
(-Sotten) (1177 magensott, Ortolf; 15. Jahrb. kelsod
— brodium, I>. II, 59; 1742 nrngensod = «oda, Zw. 8412)
= das Sodbrennen im Magen bis zur Kehle
hinauf. — Weiger- ( Wallger ?)-Sod (ahd. wetgtt-
södi = fa<tus) = Ekelgefühl od. die Verweigerung
des Magens, etwas aufzunehmen beim Sod-
brennen desselben (<;raff l, 7iu). — Sod-bretmen,
-sieden, - Wallgerung,
Sodoma , Sodomie, f. — Sodomit h. Bodo-
mitische Sünde. — sodomitische Sünde.
So, m. — der Gaumen als Soler, oberes Mund-
höhlengewölbe (Tirol, HlntnerO. l'>).
Söch, tn. — das fette Kinn, das unten hervor-
steht wie eine geselchte Wurst (Tirol; Hintner
7. 15 j westpb. s».ie as Speckseite, Kuhn I, 125).
Söcht = Sucht (s. d.).
Söd s. Sod.
Söffer, m. s. Saufer.
söge s. saugen.
Söhre, f. s. Soor und sehr.
sölen s. Sudel.
Sömber = Sumber und Semper (s. d.).
Soff, m. Suff, m. = das Saufen.
Sohle, f. (in vorahd. Zelt entlehut aus lat. sola
|solea = Schuhsohle] ; ahd. sola, Kluge*, 350; 11. .Tahrh.
solun = plantare. H. Z. XVI, 31; 12G0 sole - platita,
I'fciffer 81; mhd. xol[e]; Ii. Jahrh. soly = suhstal,
eoneavitns pedis, Knsriidhle, D. II, 353; 1005 sohlen m
planlac, St. Ii. Mirakel; ndl. «ölen ; engl. solc) —
nt'/.tiatv, die unbedeckte untere Fussflrtehe bei
Mensch und Tier, soweit sie mit der Boden-
schwelle in Berührung kommt. — Fleisch Sohle
= der blutführende (fleischige) Teil der Pferde
sohle zwischen der unteren Hufbeinfläche und
inneren Hufriot nllnehe (Zipperl. 16«). — Fuss-
Sohle = Planta pedis (14. Jahrh. fuoz-sol ; 1V2 Jusz-
sole. 1"i9I solen am fuss = planta pedis, Had. Jun. 36;
ndl. roet zolen , De Cock 108), 1. = die unterste
Hache (Fussblatt) des menschlichen und tier-
ischen Fusses. — 2. = (anatom.) der vordere Teil
dieser Fliehe ohne den Fiissballc-n (Gr. \v. iv,
L 1042). — (1991) ganze Sohlen = das ganze Fuss-
blatt zum Enterschied vom Fussbrett und dem
Fussballen (Fussscliaufel). — f/awf-Sohlen =
die Sohle der sog. Hand der vieifüssigen Tiere
(Brehm, Tlerlebeu). — V/'Wh Sohle — der hornige
Teil der Hufflache. — er tanzt auf den letzten
Sohlen = er stirbt bald. — muhtrige Sohle =
ein sprödetrockener, moltrig zerreibbarer, ab-
bröckelnder Pferdehuf (Mnyer 118). — Sohlen-
dem, -Gestank.
Sohr (Söhre) s. Soor.
Soldat, m. (16. Jahrh. aus Hai. soldato ; franz.
soldat ; nihd. soldenaere — der mit Sold [lat. solldn«
= Münze bezahlte Krieger, Kluge *, 350). — Soldaten
Fteber, -Fleisch, -Krankheit.
Sommer, m. (gem.-gcrn>.. Kluge*, 351; die Jahn-»-
zeit, in der sieh das rot.-, verbrennte, hei-»e Blut er-
heben soll nach dem aus der Sehulmedizin schöpfen -
den Volksglauben, Bcsnlt 1X10). — Sommer-.-J US-
satz, -Brand, -Cholera', -Diarrhoe, -Fieber,
■Flecken, -Hitz, -Katarrh, -Krankheit, -Linsen,
-Mal, -Mirl, -Placken, Knude, -Seuche, -Sprossen,
— Tanz.
Sonder, m. (zn ahd. sundarön = sondern, trennen).
— Sonder (sunder, stiner = digital medlu*. D. 353;
— tler besondere, weil inder Handmitte stehende
Mittelfinger. — Sonderling = ein durch Bizar-
rien, launenhafte tirillen auflallender, von der
übrigen (iesellschaft sich abhebender, manch-
mal auch einsam, gesondert lebender Mensch.
— Ab sonderung = die Trennung eines Teiles
vom Ganzen, die WegsehntTung desselben, Se-
kretion der Organe. — J/rnnr/ien-Sonderung
(15. Jahrh, menschensundnitig = sexus, D. II, 377) —
geschlechtliche Verschiedenheit des Menschen-
geschlechtes. — sonder -siech.
sonkeln = Bückein [nasaliert). — „es sonkelt
mich im Arme, in allen Gliedern" (Spi«*s II, 235)
= es zuckt (s. d.) mich vom Rheumatismus.
Sonne, f. (Indogerm. säw, so leuchten; gem.-
gerin. Buntn'm, Klu>:e&, 351; ahd. gi-nne ; mhd gest-
une, n. = Gesicht, Anbtiek, Hoftm. I, P.72) ; das leuch-
tende Hlmmel»ge«tlrn, die Mutter de« Tages, vertreibt
die nächtlichen Krankheitsdämoncti und fri»st die
fetten Kinder auf (Edda, Hochholz II, 13. 45! nach dem
Volksglauben; daher das Sonnenlicht ein uraltes Heil-
mittel (s. St. Johanne-tanzl ; die Zeit des niedersten
und de* höchsten Sonnenstandes waren die Schwarm-
zeiten der elbl«chen Däninnen; Im August sollte man
nicht boarfuss oder blosskopng an die Sonne stehen,
denn sie mache faul, was sie mit ihren Strahlen ergreift,
wenn diese auch mit Listen herausschlüpftcn ,,und
Ist ir zlt von böser art" (Konrad v. Dangkrotzhelm ;
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Sonnlag— spachen.
späh— Spange. ö.">7
dl« Sonnenstrahlen hcEssen altnoid. alfrodul = Alp-
[Elfeu-)Strahlen, (iollh. 4s7 ; Tirol = SchraUletfl [siehe
8. ßOla]. Das Island. Kuncnzcichcn ^ es „.Sonne"
auf einen Dorn [= Zweig, Blatt] geritzt, stellte den
SrhlnMorn [svefn thorn] = einschläfernden Sonnen-
strahl in der Bigrdrifumal vor. Zcitschr. d. Ver. f.
Volks kunde Ifiys, 2S8 [«Ich« Alptraum)). — hoch-
sonnig, in. jahrh.) lo'i /.suniniig (UppM [Unu],
D. 331; Voc. opt. \V. io) = bei hnhein Sonnen-
stande schlecht sehend, tagblind, übersichtig.
— WirA-sonnig (eine Nachbildung aus dem alteren
nachsunig; 14. Jahrb.; Voc. opt. W. 41; D. 340 =
ItMCoa, und dieses wohl entstellt aus nachsehnig
= nur in der Nähe sehend, wie ubersunig au« über-
sehnig [s. d.], Indem man das gchl. N. h. n nach dem
Sonnenstände sich entwickeln Hess ; volksctymologlgch
— je nach dem Sonnenstand« schief sehend,
Gr. W. VII, 128; wie auch die Wahlbikuuie nachsiinnig
genannt werden. Schindler II, 302). — *fi(Jt Sonnig
(117". sticksuynieb = limiis ; ndl., D. :iW ; 1.00 peius,
D. U, 291; vielleicht entstellt aus stickshnich, D. 3iu)
— (beim Sonnenlichte?) Stiche heiin Sellen em-
pfindend, blinzelnd, schcclsehend. — ubr-r-(sin-
nig), -sonnig, -sunnig - nbersehnfg (s. d. iiei
sehen). — Sonnen Brand, -Fin/er , -Flecken,
■Fried, Hals, -Ihtze, Koller, -Mucke, Schein,
Sprossen, -Stich, - Tags.
Sonntag, m. s. Tag. — Sonntags- Hals.
Sood s. Sod.
Soole, f. (1% Jahrb. -oole = murla, faexolel, D. 372)
= Salzwasser aus der Milch.
Soor, m. (sohr, sohren) (zu soren, Sohren -= ver-
dorren, welken, s..r, sorung = das A baterben, YVr-
BOdern eines Ilanmes durch l'lUblldung Schm. II. •»;
Kraus, E. 954; Schade altd. Wörtrbcb. 187s, 8. :M3 ;
angls. se«r, «ciirjan = verdorren, Fick 198; DHU Soor
= der Hüning machende Mb, der Hoorpilz) = die
froher von den Arsten fälschlich AphLhae ge-
nannten Mundschwämmchen (Stornatomvkosis),
weissen IthUterlein 2 oder Maiblümehe'n (Con-
vnllaria = franz. Muguet), I Ich, Foss.Our, Kahm etc.,
Saccharomyces, s. Oidium albicans. — aus-ae-
SOhrt (ndsaebs ) _ ausgetrocknet (Kraus, E. 954).
— Milch - Söhrchen = milchweiße Mund-
schwämmchen (Sooi pilz), Lactucimcn (Kraus, E.
•v>2. D. 315). — Mund Söhre (-Soor , -Sohr) =
(fälschlich) Aphthae, Soorpil« im Mundo (Kraus,
E 106).
Sophena s. Saphena.
Soth, Sott (Sotten) s. Sod.
sottern = krankein (vermutlich) = soehtern
(h. sochen) (c. v. 8cbm. 4M),
spachen (spachten) -huu spaiha .ins zweischnei-
dige Langschwert ilur »Germanen) = aufreissen,
Spalten, schrammen, aufspringen an der Haut
durch Dürrwerden, Trockenwerden, Spören,
(s. Spat). — Spacker - Sto«smal, Itissmal an
der Haut. — Spachen - Muskel- oder Ader-
leissen. — spacherig - leicht reissend, auf-
gesprungen- auf spacken Khagadesmanus,
Sehrammen inachen (Schm. II, 654. C .7).
späh (spähig, späg) u u spähen ; indogertn. spek
— sehen [gpcculutu]; altgerni. speh ; alid. Spahl; inlid.
spacbe, Kluge &.351 ; l.V.0späch - wählerisch, II. Sachs),
1. = spsthig heim Essen, heikel, Ekel habend.
— 2 .= schmächtig von Körperbau (Schm. II, 6«.o)
durch schlechte Ernährung.
spännen, Späne, spänen s. Spene.
spät. — Spät- Feierabend*, -Geburt.
Späht s. Spat.
Spallen (ITtVt, Bchin. II. 6fil; vielleicht entstellt
ans uitlat. spatula [scapnla] ; 1577 spattelin, D. 545) -
Schulterstfiek, Schulter hei Kin<l und Schaf. —
geloste Schulter-SpaJl (199S, Beb. ISO) = Schlotler-
gelenk am Vorhug des Kindes.
Spalt, m. spalten (Indogerm, spbalt [spalten],
ahd. spaltan; mhd. spalten, Kluge*, 952; 1482 spalt =
rixus, D. 4;«); 1.VJC spalt = riss im kuoeben, Gurlt III,
IM) s= serspringen, serreiasen (vom Herzen, den
Blutadern etc.). - Spalt ([ir.20; Spalten)- Kluft,
K:ss, längliche Öllnting, klaffende (Jewehstren-
nung, Aetter, Knochensplitter (Dr. Minderer), heim
Spalt- oder Kleckhrtieh , syphilitische Haut-
rbagaden (ISUt, Paracelsus; Proksch 11,78). — Ader-
Spalt = ErrtHnung der Ader durch Hiss (Kup-
turu venae) (Gr. W. I, 181). — Hein- Spalt =
Knochensjialt. — Gaumen- Spalte = Wolfs-
rachen, l'alatum fisstim [DombL 95). — Gesäsu-
Spalte- Afterkerhe, Kluft zw ischen den Arsch-
hallen (Itankc Ii, r,o). — (1588) /Zorn-Spalt = eine
Trennung des Pferdehufes von oben nach unten
der Lunge nach (Tabornaein. ; Mayer .tj. 122). —
(1842) //«/Spalt - Hornspalt, 1 lornkluft (Ochsen-
Spalte) (Kalke I. 420). — (1692) Kloben-, Kloicen-
Spalt - Klauen-, Horn -Spalt, llornsprung
,s, !.. i.*,o). — (1787) A'HorAcM-Spalt- l'issura ossis,
hlngsgeschhtzler Bruch der Knochen, wobei
dieser eine Spaltöffnung zeigt. — Kronen Spalt
= eine Spaltbildung, erevasse (HHss. -.'Ov), im
l'ferdehufe von der Hufkrone ausgehend und
nur (Iber den oberen Teil der Hornwand ver-
laufend. — /„iVt Spalte = die Eidolfnunn atn
Auge. — /.»v/spalten-A7<TA. — Lippen- Spalte
= Hasenscharte (s.d.). — (1756) Ln/rro/orn-Spalt
= längliche Öllnung (Itima) im Kehlkopf (Glot-
tis, Stimmritze) (A. v. H. II. 720). — (1S43J Maid-
Spalte = die Öffnung zwischen Vorder- und
llmterlippe hei Tieren (Kalke 11, 10.). — Xagel-
Spalte - Kissura unguium (Behrend 5), I.itngs-
riss im Hornnagel des Menschen. — (i8io)
OcA.wi-Spalte - die Spaltbildung an der Zehen-
wand des Pferdehofes, der dadurch der Klaue
des Ochsen ähnlich wir«! (tir. W. VII, llo»; Kalke
11. 172). — Rur A(7i- Spalte- Spina bifida, Offen-
bleiben des Wirbelkanals mit Spalthil.lunK. —
Strahl Spalte - die von dem unteren Te le der
iSckatreben und dem sogen. Strahl gebildete,
mehr weniger tiefe Furche am l'ferdehufe. —
(1'.38) Weibs 'Spaltung - Vulva (Hyrtl, K. W. i"7.
lt>3). — J£<7itn-Spalt = Ochsenspalt. — (i >:;l*) zer-
spalten = Schrunden und Klüfte bildend
durch tiefe Einrisse (Pries 84). — Spalt-Zb-Mc/i,
-Kreuz.
Spange, f. - (nas) Spanne (s. d.) des Fasses
(Levellng 93). — es spungt mich ^ es beengt
42
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658 Spanien— spannen.
spannen.
midi im Umfange des Leibes, beengende, span-
nende Schmerzempfindung auf der Brust bei
der Herzbräune, Brustbräune t. B.
Spanien. — spanischefV,«) Blattern, Fieber*,
Hinke, Klauenseuche, Kopf krankheit, Kopfneiiche,
Krätze, Kragen, Krankheit, KrUmpe, Mantel,
Pips, Pocken, Rande, Seiren, Tritt, übel, Zipf.
DenUehland i.m mit Spanien müdiniiigesehichtiich
fast mir durch dir Syphilis (s, d.) Beziehung erhallen ;
selbst die Araber des 16. Jahrhunderts find in der
Volkssprache nur spuren haft (s. Merlng*) n Süden.
spannen, Spann, m. Spanne, f. -spenst (vor-
gerra. spen [zr.auj] = spinnen ; nltgerni. spanan ^
lockfii, reizen; gerin. span = ziehen [spünne s.d.,
Spule] ; nhd. spannen, spnnun, f. = llreite der nusge-
spnnnteu Hand; mhd. spannen, Kluge*, 137. 3>2. 3.'>4 ;
spän = Spannhaar, Lexer239; spanne, f. - Uandspanne;
1125 speune m palmus ; 1470 spanne ■ palma, D. 407;
IC. Jahrh. spanne, f. = nervus, D. II, 263; engl, to span
= spannen. — Spann, m. 1. = der erhabenste,
vonlere Teil des Kussruekens, wo die Schuster
den Rist messend umspannen (Hyrtl, K. w. 129).
— 2. - die zum Messen atisgespannte Hohl-
hantl, Palme, Palma manus, Dochme (1482 spann
= palinus, Faust, Zen. Voc. ce 4 ; I). 407 ; 1'dR spann
= palma, II. v. Gersd. 98). — 3. = das gelockte
Spannhaar (s.d.) (Lcxer 239; mhd. ipaenelln). —
4. = Gespann. — 5. = Mamma. — Spanne, f.
= Spann 2. — Spene, f. (Spann, f. Spänne, f.),
1. = die Papilla mamniae, wo die Milch (Ge-
spun) durch den Saugreiz hervorgelockt, her-
vorgezogen wird. — 2. = das Hervorgezogene
seihst (Schmeller II, 671; lac muliebre [spen], Lexer
210). — 3. — Mamma (Uyrtl, K. W. 35) (s. spenen).
— (17 la) Spannung - <ler Zustand 11. die Hand-
lung des Spannens, Ziehens, Dehnung, z. B. der
Nerven: Tonus, ?ivr>r, Status strictus der Me-
thodiker, Tenesinus (HofTmBnn; Bans M. 308; BIM.
Med. 4«9; Kossm. 3i). — Spanner, m. = das, was
spannt, Muskclkrampf. — spannen -„die Aua-
dehnung, die ein sich selbst ü («erlassener Körper
hat, und die Lage, die er einnimmt, verändern"
(II Paul 42..), z. B. Sehnen, Binder, Nerven,
Muskel (Auge, Ohr), Kräfte. — spännen- Hiebe
spannen. — (1712) Jb-Spannung = die Losung
oder Abnahme der geistigen und muskulösen
Spannkraft, Verstimmung, Atonia, Depressio
durch Ermüdung nach energischer Arbeit (holl.
«(spannen, Hoffm. 1742; Ilae«er I, 673). — Flanken-
Spannung ■ der ganz abnorme Zustand des
üedebntaeint der Bauchmuskeln oder Seiten-
wandungen durch Auftreibung der Lungen
(Kmphysem) o<ler <ler Gedärme (Tympanites).
— Fttbs Spanne — Spanne 1. — (i «spann (ahd. I
glspana = lactatlo, II. Z. XVI, 44; mhd. gespann,
Kluge4. 137), 1. = Anspannung der Nerven, Adern.
— 2. = der Ort der Spannung, Ziehung, z. B. die
beim Saugen gezogene Brustwarze (s. Spene) -
Papilla mammae (C. v. Sehm. 498) — ( '•< spenst
(ahd. gispaust ; mhd. gespenste, gespanst) — Vt'l lock-
ende Erscheinung, Trugbild, Lockbild, Alp-
traum (Kluge *. 137, Gegenwart 1897, 8. 278). — -
(ivs2) böses Gespenst (Lenlo. ISS) = K rank hei ta-
diimon, derim Alptraume, Fiebei träume Wahn-
vorstellungen bringt, namentlich durch Ge- |
dttcht nisbilder eines Verstorbenen , die den
Menschen in schweren, bösen, qualenden
Krankheiten (z. B. Wochenbettfieber) er-
scheinen. — MitV/i'/s-GrSpenst-der zur Zeit de«
täglichen höchsten Sonnenstaude« in dem Mittags-
sehlnfe (s. fnlust) durch Lust und l'nlustgefühle im
Alptraume (s. d.) sich bemerkbar machende elhisch«:
Mittagsgeist, Mittagsteufel des Volksglaubens (= Pan
der Griechen ; Daemon mcrldlanus der Romer, Koalier
In A. f. Kel.-W. I, 81). — (kaltes) Nacht- Gespenst
= Accedia (s. l'nlust), Pollutio nocturna (kailer
Satnetl) durch erotischen nächtlichen Alptraum
(s. d.) (Tiber. C4; die elbischen Dämonen [Seelen
geinter] haben Gehlste [Geling*] sieh mit den Menschen,
die sie heimsuchen, in Minne [s. d.] zu vermischen;
1711 „Gespenster =■ succubl so sich in Gestalt «elb-
licher Personen unter die Männer legen, als wenn nie
mit solchen rem venerum exercierten", Kirsch IUI;
Kleinpaul; Gegenwart 1897. 278; Scbwartz, lndog. V.-
Gl. 203; K, n Schw. 60'.). — Grspensti er, ige) Ge-
länge, sichtig, -bethort. — // m Spanne (1507.
1513, ndd. span, spanne, von [van] der huiüdt - pal-
mu«, D. 107), Spann 2 (im Gegensatz zu 1). —
Hert- (Hart jG» spann (-Spann, -Grspannst,
-( i. spannt, -spannen) (mhd. herz span, herx ge-pan
= llerzsperren , Magenkrampf, cardinlgia, Lasar tt;
Gr. I) M. II, 1112, 14. Jahrh. hertzgespatin = cardiaca
[herba,, I» 6:i9; IUI herezenspan = passio cardiaca,
I). 1">1 [herba] ; mhd. herezspnii = centaurea, I» 112;
leonurus cardinca, Jessen 207; 1421 berezspan — ein -
tinodla [herbnj, 1). II, sl ; 1182 hertzspau - nsthma.
Zen. Voc. o.l; l'.l'i „quem mulierculae nostrae vulgo
die elbe [Alp] seu das herzgespau voeant. .;uo rtdemu
infames ubesnere, macreseere ac niisere tonprreri, ali-
quando incessanter elamare et tlere". Luther, Kom-
mentar zum Gftlaterbrief, auch Luthers Werke VII, ;>3.
CO; VIII, 107; l'.lG „die Krankheit. Herzgespanns«, er-
kennen sie daran, wenn du* Maas* von einem Ellen-
bogen bis zum andern nicht so lang ist, als die Uri$e
von des Kindes Kniee bis zum Hals", Luthers 10 Ge-
bote-Predigt; Volksetymologie des „Spann"; über das
Messen der Kinder s. ausserdem Wuttke 60'.< ; l *i26hertx-
gespan = cardinca [seil, passlo], Sehin. II, 674; 157»
herzgespann = eine Krkrankung bei Menschen und
Tieren, Gr. W. IV, 2. 1246; 1581 herzgespann od. tVrz-
gesparr: „cardiaen nominatur cordis pnlpitatio =• ein
Zittern oder Klopfen des Herzens und der Brüsten so
man an den Kindern Herzgespnnn nennt also dnss
ihnen das Herz stetiges hoehet u. dieselben geängstigt
Worden durch Herchcln und Kösseln", Tabernnem, 13<">
y;iö; 1669 herte.»-pann [-krUt], Jessen 226; lGi',8 herx-
spann = astbmn, keuchender SiechUg, Herzsperr,
Gr. W. IV. 2. 1201; 17. Jahrh. hertzgespatin od. hertx-
gesperr wird dieses Kraut [Cardiaca] genannt, dieweil
es zum Zittern des Hertzen und den Geprechen so
man Hertzgespanu an den Kindern nennt sondern ge-
rühmt wird, Fr. Kr. -lt. 399; 1687 hertzgespnun = Herz-
gesperr, Georg. 697; 1694 hertzgespatin - cardiaca
[passio, herba], D. 100; 172% hertzgespanu — „eine Auf-
blähung der dünnen, welchen Seiten bei den kunren
Rippen nebst einer Harte also, dass Alles unter den
kurzen Kippen voll zu sein scheint, der l.eib ist hoch
und dick, die Küsse schwach, die Kinder können Übel
gehen und haben schlimme Angesicbtsfarbc", Thcs.
san. Dr. G7 = Kapillarbronchitis bei rhachitisebeti
Kindern [auch Laryngtsmu* Itridulus] ; 1731 hcrlzgt
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spannen.
spanUen-Spat. 8B8
»ptnn bei Kindern , mit Aufsehwcllung de« U-tbc«
unter den kurzen Rippen verbanden, welches eine
schwere und ängstliche Atemholung macht und eine
Behinderung des motu* diaphragmaticus verursacht,
Cr. W. IV, 2. 124« ; 1741 hertzgespann = cardialgta,
Kirseh 185; 1756 herzgespann = eine dagegen hellen
soMende Pflanze Marrubium cardiacum, A. v. II. I, 304
[auch ('ardobencdlcieukraut, Angcllca, Leonurus car-
dlacnsetc.'; 1760 hertzgespann ; 1790 herz«pann, m ,
Wallb. 425; Abergl. 350; 1807 hertzgespann = Magen-
weh, Cardialgla der Kltuler infolge von Milehgerinnseln
Im Magen, Ackermann 241 498; ndii. hartspann, Engel.
2*4 , Kri«chb. 65; (ioldschtn. 99. 139; nhd. herzgespann,
II. I'aul 216; I'nterfrank <las Herzgespannt, Z. f. d.
Cuterr. 1894. 121). — II •■ r - Spann, ff'Bpann(t) =
der Anfall eine« die Zw erchfelH>eweunng oder
Atmung schmerzhaft hemmenden (früher der
Spannung der verstrickten Herzbftnder zuge-
schriebenen) Ueklemmuntfageftlhles in der
Herzgrube (Magcnnrubo, Naheliegend, Canlia)
und zwar: a) bei menschliehen oder lierischen
Herzkrankheiten (Präkordialangst). Febris sy-
nocha, Cardial^ia == Herzgespann (Seb. 180 ; Bauer,
Geschichte des Aderlasses 47); (*. Lank -Sucht) ;
b) bei Magenkrampf (Cardialtfia) ; c) beim La-
rynjfismus utridulns der Kinder, rachitisches
Herzgespann (- Verfangen) mit Unterwaehsen-
sein u. knopfformiger Auftreibung der Rippen«
Verbindungen (Gr. Vi. VIII, lo;;5. 1304; Kneipp 182;
Frischb. 6.) ; (s. Itippkucben und Kol); d) beim
Alp (s. iL, s. der Alte, Altvater, Altmännchen,
dem man diese Anfalle von Atemnot wie beim
Alptraume /.Usch rieb) (vgl Frfschbier Hexcnspr. 66) ;
(«. auch Herzsperr); e) da«.« Herzgespann auch eine
..Auftreibung oder Geschwulst Ober dem Magen" sei
(Köhler, V. B. 38». 43», l«t unrichtig; f) bei Hysterie
(Mutterweb). — .\ ab r - Spanne = Herzspann
mit l'.eklemtiiuni/s^cftlhl in der Naheliegend
(Herzgrube) (wird volkstmd. in Kuppln bespr. Z. d.
V. I. V.-K. 1897. 2*7). — niedriger Spann ( = pes
planus, planen«; 1175, ndl. de« volle siecht synt,
D. 440; 1.W» laypous lelopus', liurlt II, 867) - Platt-
fuss, dessen Spann I, Fiissrncken weniger ge-
wölbt ist, niedriger, Hacher gestellt ist (meist
bei schlechten Fussgänuern). — Ohrm Spanner
= der spannende Schmerz bei der ührspeiehel-
drusenentzundung, I'arotitis, epid. Wochen-
tölpel (C. v. 8chm. S37; Bnck U). — (1756) Ruten-
Spanner = Priapismus (a. v. H. II, 102.1). Schwell-
k>irper - Muskclspannung. — .Sa /-Späne
liai ttleehte, die sagspänfthnliche Ahsehilfernng
macht (Mentagra). — Schulter- Spann = span-
nendes GefQhl in der Sehultermuskulatnr,
Schulterschuss (wird volksmed. in Kuppln bespr.,
Z. d. V. f. V.-K. 1897. 297). — U Spanner ^=
Wadenmuskelkrampf (Wadenkrampf). — Wei-
ht «• Spanne, f. - Spane *2 (Lac muliebre ex mamma;
14. — 1". Jahrh., mnd. wivesspon. J. f. nd. Sp -F. XV, 12s).
— Wodan* Spanne [ndl. iroedenspanne, Scheible
IX, Ml) = der Kaum zwischen dem gestreckten
Daumen und Zeigefinger beim Spannen und
Fassen (Stehlen); (Wodan war der alt germanisch«
Glücksgott für die Diebe [«. Wodans/Inger], Sluirock,
H. D. Ii. 179; K. u. Schw. 58$). — Spann- Ader,
Adermff, -Haar, Knochen, \erve , -Saft*,
- Tripper, - Wurm.
Bpantzen = spacken, speien (Rheinpfalz ; Kluge'.
Sparr(en) s. sperren.
SpaSS, m. (zu lat. spatlum — Lustwandeln im
Freien; ital. spusso = Lust). — -spassig -■ :n der
Empfindung gesteigert, abnorm empfunden,
prickelndes Hautgefuhl , unerklärlich in der
Empfindung (schelmisch, närrisch).
Spat, m , n . (Spatt, Spaten, f. Späth, Spatz, m .
(«. spachen [s. d.], spähen — mtlat. spadare — Andere,
secare, Du Cange VII, 538; S|>aht — Spat a was ge-
rissen, gespalten, geschnitten wurde; conf. Spat =
engl, splent = 8pllnt, geschleustes, gespaltene« Stück
Überbein, Kaltschm. I, 613; die Methode des Kastrierens
der rferde durch den den Hodensack spaltenden
Messer- Schnitt [conf. mtl. spada — schnldcmesscr,
D. 514] lernte man von den Wallachen [« Wallach] und
Ungarn [hongre] ; die häufig nachgeahmte Methode
führte wohl bei ungeschickter Ausfuhrung zum \,-A. 1
gehen des Pferdes [«. auch hemmen] auf einem oder
dem anderen Fusse und so zum volksüblichen Samen
Spat als funktioneller Pterdefehter [Spat 2] am Knie
oder Beine der am häufigsten kastrierten Tiere [Pferd,
Schwein]; ahd. [s]pad, Graft III, 325 = hermaphroditus
[ m castratus], D. 275] ; spathus = spadatus, spnthatus,
spatam hahens [= einen Spat habend]; 9. Jahrh.
caballu« spathus = Wallach, Dn fange VIII. 545; 1250
spavanus, spavenus, csparvln, spavano; engl, spavin,
im Cange VII, 516; nach Meyer, Konv.-l.ex. XVI, 187
soll dieses spavanus aus »pa«ls = Zuckung stammen
= Spallahmheit ['] ; 1293 spadone = Wallach. O. B. V. A. ;
mhd spat - Kniesucht der Pferde, Hoffm , Monatschr.
f. Schlesien 1829, II, 764; spat - Splitter, Kluge 352;
1420 spado = hengist, D. II, 344; 1475 spado [scabo]
= gelubt perd = Wallach, D. 615; I V Jahrh. eyn spad
der perde = falera, D. II, 165 [ = Pferdezierde, Ironisch];
15. Jahrh. spade = eunuchus, D. 202; 1507 spado =
nature die gelubt is artlflclalltcr [D. 213, sub eunuchus] ;
1512 spado — equus castratus, I). 544; l.">99 spalten =
ein Pferdefehler. Gr. W. VI, 720, 1587 spatte = spada,
D. 544 ; 16. Jahrh. spado, spadus - buggens, bucclcus,
D. 81 - Wallach; 1592 spatt oder spargonia. Seb. 177;
1645 spath : 1 = eine Knochenverdlckung am Pferdc-
knochel. Coler, Pf. 371; Sch. 467; 2. - eine Schwache
am Gehglied beim Schweine, 1. c.; 1699 spatten, f.
ge«patten, n. = Spat, v. M. I, 53; 17. Jahrh. spatt, K. A.
817 ; „da« Pferd rückt beim Herausgehen aus dem Stall
den Schenkel etwas In die Höhe und stellt sich, gleich
als wenn es der Krampf ziehe"; 17. Jahrh. das spat,
Schindler II, 689; 1843 Spath = Spavonius, ein Aus-
druck von Rufus und Rusius. die im 13 und 14. Jahrh.
lebt«a; andere leiten es davon her, well das Tier mit
dem leidenden Fusse kürzere Schritte macht, gleichsam
damit zu spat kommt [!], Falke II. 321; Huber 13 leitet
Spado von Spasmus ab; engl, spaad — Spat; »pnde —
Tcrsehnittenes Tier. Wallach; spat = alumon, feldspat-
ähnllcher Alaun, Beizstein, D 27; ndl. spaath - Feld-
spat, Kluge*, 352), 1. — eine Knochengeschwulst
meist an «1er innerem Seite des hinteren Knie-
odf-r Ftissgt'Ienkes beim l'ferdp, d, h. eine chron.
Kntzilndung des Tarsus (Knie) oder des Fessel-
Gelenkes mit ■chalenartiger Ablagerung von
Osteophyten (walirer Knochenbildung) (Förster
II, 1609; Hyrtl, Atrnt. 209; vielleicht hat diese Knoclien-
neubildung ihren Namen vom „Spat = bl&tlcricht
brechendes Gestein" [Kluge*, 352;, also das, was ge-
42*
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Spate.
Rpautr— speien.
«pachtet ist [UsHiisJ), Spatschalc, Ueifschalc, Bein-
spat (Überbein, Hingbein, Kniesucht, b. d.). —
2. — funktionelle Muskellahmung als Folge des
Leidens (1) — Kühe (h. d.) mit krampfhaftiger,
spastischer Steifigkeit der betreffenden Extrc-
iniiftt (auch beim Schweine) (conf. os«3u»v =
Zuckung, Riss; 3Jfx?io = ziehen, spannen; spatinm
— ausgespannter Kaum. Kiek. 215. 216; Ze. 428; Z. I.
■1. A. lsss, S. 188). — 3. = (übertragen) ungesundes
Aussehen (Schweiler II, 189). — 4. = Spatl «s Spat
(Sohmeller II, 692; Gr. \V. VII, 1077); als ,,8pat" wird
die Krankheit nicht besprochen, sondern nur als
(altere) Rahe («, d.). — spätig (MM Spätzig) (Schm.
II, Cö2; Falke Ii, 322), 1. — mit dem Spat behaftet.
— 2 = kränklich Oberhaupt. — Ürtn-Spat -
der sogen, trockene, knochenharte Spat 1 im
Gegensätze «um flüssigen Gallen- und ram
Blutspat; das Überbein ist mehr vorne oder
hinten, der Spat meist innen (engl, hone spavin,
Kali«ehm.; Abilg. 82). — /.'.V-Spat, 1. = eine dem
Spat 1 bloss durch den gleichen Ort (Innenseite
des Hinlerbeins) ähnliche Geschwulst, die aber
nicht aus Knocheneuhstanz besteht, wie der
eigentliche, feste Beinspat, sondern ein Krampf-
aderknoten (Varix) der oberflächlichen Haut-
vene (Schrankader) über dem Sprunggelenke
bei Pferden (Förster VI, 764 ; Gr. W. II, 1<J8; Abilg. 8:! ;
Mayer U7) oder auch 2. -ein Wasserspat ist, über
welchen eine solche Ader hinweglauft. — 3. —
auch Ochsenspat. — t?aft7n-Spat = eine Ge-
schwulst an der Stelle des gewöhnlichen Spat (1)
beim l'ferde, die aber nicht aus Kn<chensuh-
stanz besteht, sondern aus einer abgekapselten
Galle (II, s. d.; Spatgalle). — Gc-spat = die
öfters wiederkehrenden Lahmungszustande in-
folge von Spat (1) beim l'ferde (Mone, Am. f. K.
d. Vor». VI, 463). — Hahnen-Sput = Hahnentritt
(Npat 2) (Kalke I, ;;60). — II ■:■>,> Spat = Hasen-
backe, Kurbe (s. d.) (Mayer 101; Falke I, 37'.). —
A'rio<7irn-Spat =- eigentlicher, wahrer Spat, Hein-
spat (Mayer 102; Falke II, 27). — Och SCtl - Sp at =
eine balgartige, spatahnliehe Auskapselung
(Ochsengalle, auch Blutspat) am Sprunggelenke
des l'ferdefusses, der dadurch dem Ochsenknie
(s. d.) ähnlich wird (Förster ü, 1026; Zlpp. 118;
Falke II, 172) (Kniesucht). — nwi-spateln (riim-
spaddeln, Z. d. V. f. V.-K. 1894, 8. 1*6; Mecklenburg)
— lahm herumhinken (von alten lauten). —
unsichtbarer Spat — ein Pferdespat, der sich
erst allmählich ausbildet in der (ielenkkapsel
und deshalb lange Zeit keine sichtbare Er-
habenheit an dem (ielenke macht, wobei aber
doch das Pferd schon hinkt (Herbst 16; Mayer 102).
— (I7'.i5) Hasser-Spat = eine weiche Geschwulst
an tler gewöhnlichen Stelle des Pferdespates (I)
infolge von Ausdehnung der (ielenkkapsel am
Sprunggelenke, durch vermehrtes Gelenk wasser
bedingt (Abilg. 84; Falke II, US] (tiallenspat). —
weichet- Spat = Wasser-, Blut- oder Gallenspat
(s. d.) (Abilg 14; Mayer 102). — Spat-^r/Yr, -Galle,
-Kammer, -lahm, -Schale.
Spatz, m. 1. = (Koseform in mbd. »par [Sperling];
mhd. spau) rappelnder (indogerm. »per (». Sporn];
germ. sparw-) Vogel, der im Kote sich gerne be-
wegt (Kluge*, 3.v> 3M). — 2, = s. Spat. — Spatzen-
Augr', - Ecke*.
Spautz, f. (angln. Spatel ~ Speichel; spactun. —
aquam projieere; speowda — vomitus. Gock, II, 100. 406;
III, 370. 376; 16. Jahrb. spoetitien; ndl. het «pouwsel.
Fromm. VI, 10 [Klfel]) ■ Speichel.
Speck, III., n. (germ. spick, Kluge*, 353 lt.; ahd.
spCc = lardum, Graft VI, 321 ; mhd. speek ; H77 specke,
D. S19] = tierisches Fett (Feist, Schmer). —
speckig = wie Speck aussehend (amyloid)
(Dorubl. 124). — tW-Speck (abd. ubar spicchl.
Graft VI, 324) = Arvina. — Speck- Heule, -Drusen,
-Geschwür, -Geschwulst, -Gewächse, -Hals u.*,
-Haut, -Kalb, -Milz, -Seite, - Wurm, -Zahne.
Spedel s. Spidel.
Spee s. Speichel.
Speer s. Sperren. - Speer- Fuss, -Hand.
Speiche, f. = Radspeiche. — .1 ritt- Speiche =
Radius, der sieh um seine Axe drehende Vorder-
annknochen (1420 spekc - rsdius [D. 483], xt£,xi:.
D. Med. Woehenschr. 1S9S, S. 13).
Speidel, m. s. spidel.
speien, speiben, speiwen, Speie, f. Speichel,
m., f. (indogerra. spüo - speien [spuo, Speichel'; gem-
germ. spiw [speien], Kluge*, 353; ahd., augls. spiwan
= spuere, romere; speibhila, f. spicbilla, f. = Speichel,
Graft* VI, 364. 365; Cook. III, 128; spelhhaltr» - spat*;
12. Jahrb. sp.icbellun = sallvas, II. Z. XVI, 43; 1260
spien = speien. Pfeiffer 44; altfries. specle, Kluge 1. c. ;
angin, spiwdha, spiwlhan — vomitus, Ock. I, 358; II,
190; mhd. spivren, spien, spricht;! ; nind. spekc, spekcle,
speculen = Speichel, Mag. Harth. 89b; Kluge 1 c. ;
1477 Speichel, f.; 1183 spaicheln, f., G. V. Megbg. ; ndl.
spuwen, Kluge *. 353 = s|M»irn, specksei = Speichel;
trag], Kpawl ss speichel; spew = speien; Spitt, spittle
— Speichel, I.chf. 228. 229; altnord. voina [vomitus]
— Seekrankheit, Kick. 181 , s. auch spülien). — speien,
1. ss salivas emittere, gflslen* f A. v. H. I. l.i 10 ;
Ruck 19). — 2. = romere. — S. - semen cjaculare;
bei der Krschatlnng irdischer «iestallen spieen die ger-
muniseben Gotter au«; auch M den Griechen gingen
aus de» vereinigten Speichel (s. d.) der Götter neue
Gottwesen hervor, und bei den Islandern ist der Klfen-
speiehel ein Fruchtbarkeitsmittel; bei den Süd«lav<-n
ist <ler Zaubersprüche] der Hexen, coprnjske shljm ke,
ein Gi nesungsmlttel, Kraus, südslav. nexengl S. 33;
Urquell III, 68; I.lebrecht 219; Kröten - Gcspclch sst
Froschlaich, Simrock, II. P. M. 22IJ. — Speie, f.
(ahd. spio; mhd. spie; ndd. spee), 1. — Speichel
(Saliva, Schleim, Auswurf) (Goldschm. 98). — 2. =
Erbrechen, Erbrochenes, Nausia, Votnitus (Graft
VI, 365; I*xcr241; Schindler II, 6S4). — Speittng
(ahd siiiung», f. ss piluita; mhd. splung; 1420 splunge
— fomltus, 1). 212; 1521 speyunge; ndd, spiglnge.
spulnge, I). 629), 1. = die Handlung des Speiens
(vomitus). — 2. — Auswurf, Sputum (Graft VI.
265). — Speiberle = ein kleines Kind, das oft
erbricht; Speiberlo — Bleiberle; Speikind —
Gedeihkind (v. Hurraann 105). — Speichel, 1. =
das Sekret der Speicheldrüsen , das speiend
ausgeworfen wird (sputum). — 2. = der auf-
Htossenile Magon8ch)eim. Speiwet.Speient.n.
(nngls. splwalh, Gock. III, 126; mnd., 14 —15. Jahrb.
weder dat spient, J. f nd Spr.-F. XV, 127) - Spei-
ung 1, 2. -- aus- speien (ahd. uz*ptwan ; angN.
utspiwalh, l ock. III, 126; 1172 ussspuweu, usspyctl,
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Speise— i-penen.
spengen — sperren.
Cül
u*»pyhcn, D. 219) = expuere, den Speichel oder
wie den Speichel auswerfen, ausspacken, aus-
fahren, secernieren, erbrechen. — Bauch'
Speichel - der Saft der Bauchspeicheldrüse,
Pankreas, Gekrosdruse, Bauchdrüse, Wampen-
bries. — bitterer Speichel (mnd. bitterer speculen,
bytter spekele, Mag. Barth. 87a. 89b; 1531 bytteren
speychel, Krautw. XVII) = der gallig bittere Magen-
schleim. — .B/uf Speien (-Speiung), L = (1742)
das Auswerfen von Blut aus dem Mundo
(Ilaemoptoe), l'ueumorrhagia (angla. blod splwe,
Cock. I, 14; 14. Johrh. bluotsplung — putres vomlce,
Voc. opt. W. 41 ; 1117 evtl de bloyt splget = cmostolcus,
D. 201; II, 119; 15. Jahrh. blütspyen = einoptoyca ein
«deehtage das eyn bißt uss dorn Bunde gut, D. MB;
1512 blut.ipuwrr - hucinoptolcus, empyicus, D. 201;
ndl. bloed spuwing, Da Cock 151; engl, Hpittlng of
blood, Helur. 6J). — 2. ~ der blutige Auswurf
seihst, Sputum cruentum, sanguinicum (A. v. II.
I, 737; Zw. 390). — (1518) Eiter- Speiung = «1er
eitrige Auswurf (eyterspewung, H. v. tjersd. 99). —
flüssig Speier (15<w een vlotich spuwer ■= rheutua-
ticu«, ü. II, 3ls) - einer, der infolge eines Flusses
(s. d.) = Katarrh (s. Rheuma) Auswurf von sich
gibt. — Gf-spei (-speich [imi], -spui, speib,
-speibot', 1. = Auswurf, Speichel, Lrbrochenes
in grosser Menge (Buck 19; Schindler II, 653; Gr. W.
V, 2121). — 2 = (i5ii) Irlich (Krnttcngespeieu
z. B., s. speien 3) (<Jr. W. V. 2121). — nüchterner
Speichel (ndl. nnchter «peeksel, De Cock :t) - der
Speichel eines nüchternen Menschen, dem man
verschiedene, u. a. Schlangen tutende und Hautwunden
heilende Kigeuschaften zu»chrieb (s. d. Verf. Volks-
lied. 8. 143). — Wasser- speien = Wasser er-
brechen, d. h. eine im Munde sich ansammelnde
Flüssigkeit mit oder ohne Mageninhalt bei
Magenkrankheiten (Köhler II, 10*). — Spei-
(Speichel-) Batzen, -Fluss, -Bohrlein, -Stein,
-Sucht, - Wasser.
Speise, f. (zu lftt. *|»endere und Ital. apesa — das
In den Klöstern au die Annen gespendete Ksseu,
Kluge*. 353; Klelnp. 175). — Speise I ; r, -Blut,
-Et hl, Lauf, -los, I{,>hre, -Ruhe, Sest, -Strasse.
Speitel (Speitzel) Spidel.
Spellen = spalten, trennen.
speit. — spelten-AW/ifr.
spenen, Spene(n), f. pl. (Spänen, Spännen),
Spenllng (vorgerm. «pon = spannen [s. d.]. In die
Lange ziehen [spinnen]; m.-ndl., midi, spenen, de Vr.
22; «peuen die wasscu In dut fundement, Gurlt II, III)
— saugen und vom Saugen abgewöhnen (Schm.
II, 67ü). — Spene, 1. = Milchzitzen, Saugwar/.en
beim Weibe und dem Mutterschweine [Talke I, 9;
II, «22; Schmeller II, 071). — 2. - lange Milch- oder
Schleimfilden, letztere aus dem Darme. — 3. =
xitzemthnliche Feigwarzen, Hümorrhoiden am
Alfter od. Fundament (< iesas«). — Spenling, m.
ein spindeldürrer, schtuäehttger Mensch (Schm.
II, 675; D. 3). — (1703) A sp ahnen, -Spähnung
— ahlaclare, von der Spänne (Mamma, Lac),
Muttermilch abgewöhnen (Talke I, 9; Ahr. I, 174;
C. T. Schm. 498; Chr. Sam. II, 151; Schmeller II, 670J.
— be-, ent-, y<?-spent = ablactatus, abgesetzt,
abgewohnt von der Mutterbrust [0. 3, Engel. 1C6,
Schmeller II, 670). — laufende Spenen (ndl. loopende
Bpcueu, De Cock 210) = s. laufende Kathel (Katha-
rina, die Spinnerin mit dem Knde), Diarrhoe (ndl.
apeenkruid ~ flcarla ranunculoidos, V.-K. II, 6; Kol.
6. 7, FeigwarzenkrautJ.
spengen s. Spange und spannen.
-spenst s spannen u. spinnen (Hirngespenst).
Sperling s. Spate.
sperren, Sparren, m. sparr, Speer, m.
Sperre, f Sparr, -sparr (Spor, Spor, Spier). —
Sparr (zu sperren ; ahd. sparro, sperrau ; tnbd. sparro, m.
— Stange, Balken, Sparrenwerk, sperren = mit Sparren
verschen, hemmen, Kluge*. 352. 354; angls. and call
sc lir-hama gespaered byth, Cock. III, 120 = und all
sein Leichnam [Korper] gesperrt, in der Bewegung ge-
hemmt tat; altuord. sperra = ein sperrlanger, lau i.
dürrer Mensch, Weinhold 279; altuord. «pjoro — instru-
inenluin ohlrurgicum [Nadel, Lanzette]; altdän. splacr;
engl, spar = Balken, spenr = Speer). — Sparre, f. —
Schrulle, s. Sparren 2. — Sparren, ID. 1. = ein
durch Krankheit («. B. Spat) gehemmter, ge-
sperrter l'ferdefuss (Buck 48). — 2. = er hat
einen Sparren zuviel (im Kopfe), einen Balken
im Oberstübchen = eine fixe Idee, Ober die er
nicht hinwegkommt, in der GeistesthlUigkeit.
— Speer, m. (spere; mhd. aper; altgerm. Waffe,
Stange zum Werfen und Stowen) = Hexenschuss,
der hemmend, lahmend die Freiheit der Be-
wegung sperrt und in angelsacbs. Segensprüchen
(s. Cock. III, 52) von Hexen abgeschleudert wird (siehe
Stiehmar), deshalb auch durch Beseguungen bospruchen
und durch Spcerwurzen, Innula campanula, Ilelenium,
Kanunculus Hamm. etc. behandelt wurde (Gr. D\ M.
1192; ( <nk. Iii, 303.315; ii. z. xiii, 211). — Sperre, f.
1. — der Zustand des schmerzhaften Gesperrt-
seins durch Muskelkrampf, schmerzhaften
Zwang (mehr als Spann). — 2. = s. Spöre. —
^/"/er-Sperre, 1. = schmerzhafter, klemmender,
verschhessender Afterzwang, Teuesmus ani. —
2. - angeborene Atresia ani (Frank 5»i). — Augen-
Sperre = Augenmuskelzwang, Lidkrampf (Gr.
W. i, si2). — oc-sperrte Wampe. — Fus«-Sparr,m.
(Gesparr) (fueNzspar) = schmerzhaft hemmender
Muskelkrampf im Fusse bei Anschwellungen
desselben, der von der polnischen Grenze und den
Ostpreussen bis Oberdeutschland dämonlstisch auf-
gefas»t und besprochen wird (Zeitschr. d. Ver. f. Volksk.
iv.»5, Frischb. 58; Sitzungs-Ber. 1867, 7. 162; 13. Jahrb.
daz biner .pelu?] und daz vuzspar daz hübe mit dir
dovor; 1502 (us spar - calcaneus, 1). II, 65, auch ein
„Fussgesparrkraut" — Stachys recta ist erwähnt,
Schmeller II, 681; (ir. W. VIII, 108; bei Jessen 388
I Klussgesparrkraut). — Ge-spaiT {-Sperr, -Spärr),
1. =ganz absperrender Korperteil; a) Schloss-
bein bei der Kuh (Schmeller II, 681); b) Alveoli
dentium, dia Zahnfacher, welche die Ziihno
einsperren (Hyrtl, K. W. iso). — 2. = der hinger
dauernde Zustand des Gehemmtseins, Gesperrt-
seins. — 3. = Fusspur (Tirol; LaMner 1 , 334 ;
Alpbg. 385; vermutlich entstellt aus Spor. Spur in An-
lehnung an die Sparr (Fussparr). — Grittel- (Grill-)
Sperr — die Gangart bei a) Malutn coxae senile
bilaterale oder b) Mastdarmzwang, wobei die
Dammgegend (s. Grittl S. 5041») durch die zu-
sammengeklemmten Sitzmuskeln (glutaei) ge-
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sperren.
sperzen- -Spiel
schlössen, gesperrt erscheint, und die Beine
zu X- Beinen werden (Abbild. Kleinpaul, D. Mittel-
alter«»). — Händt Sperren - HemmungBgefühl
in den Händen durch Trockenheit (SpOre) der
UauUSchm. ii,6»4). — //tirn -Sperre = Hemmung
der Harnentleerung durch Blasenlähmung. —
Herz-Spot, -Sparr, -Gesparr, -Gesperr, -Sperr,
-(/«■Spar (mh<1. hertzengesperr = Engbrüstigkeit. H. Z.
XIII, 2a-.; 1129 herozpoer = cordlaca [berba], D. II, 114;
1182 hertzsperr — asthma, Herzapann, Zenlng. Voc. 03;
15SS hertzgosperr - cardlaca [herba], D. 161 ; 15*1 herU-
gespör — cardloca, Bock 129; 1684 hertzgesperr, Wirsuug;
1591 hertzgesperr — Herzgespann, Hckük. ür. W. IV,
2. 1246; 1609 hertzgespor, Guar. 606; Tabernaem.; 1697
lierzgesperr - cardlaca, Schindler II, 6*7; 17. Jahrh.
berzgesparr = cardlaca passio. Gr. W. IV, 2. 1246; R.
A. 318; 1716 berzgespvrr = i'ferdekrankbelt, ür. W.
1. eod. ; 1730 Hertzgespöhr [der Kinder], rrqnell 1897.
167; 1712 hortzgesperr = lncubns, Zw. 121; 1766 herz-
gesperr = Uerzerstlckung, A. v. II. I, 306; ,,es »loht,
wenn man recht Achtung gibt, wirklich so aus, als ob
etwas da wäre, was die freie Verrichtung des Zwercb- ,
felis bindert", A. v. H. I. 305; einen damonlsUschen
Hintergrund erbalt dieses , .etwas" durch die bei
Kossei SU, De Cock 83, Bayerland 1898, IX. 195, Umuwrt
139 angeführten Besprecbungsformeln ; HerzgBsperr:
Schwaben = asthuia, Buck 63; Pfalz = hysterisches
Herzklopfen, Pauli 64; Bayern - «thenocardla, cardlalgia;
Sehwabendfirfer bei Budapest = Herzgespier, Rthnol.
Mltt. von Ungarn 1*93, 8. 162; vergl. ausserdem bei
Schmeller II. 6»1 : Hertzspor, Hertzgespor; bei tir. W.
IV, 2. 1261 : Uerzuperr). — Hertgesp&tt ist demnach
= jeder stärkere Anfall von schmerzhafter I
Hemmung der freien Bewegung des Zwerch-
fells, der plötzlich (wie ein daraontsüsch veran-
lasster sperrender Balken) über den sonst freien
ÄtmtingHweg sich einstellt und zwar: a) das
Asthma cardiale iler Herz- und hungenkranken,
das einem asthmatischen Anfall täuschend
ähnlich ist (Eichhorn I, 81), hei dem sich nament-
lich auch Schmerzen in der Herzgegend, An-
fälle von keuchender Atemnot (Kurzatmigkeit)
und Herzklopfen zeigen, Morbus cardiaeus, I
Passio cardiaca (keuchender Siechtag; h) der
nervöse Herzschmerz, die Bruslbräune und
Brustklemme (s. d ), Angina pectoris, Stheno-
cardia, die ähnliche Erscheinungen machen und
verschiedene Namen führten: Zwerchfell-Gicht,
tiieht- Asthma, Herz- Erstickung; c) die Prä-
kordialangst und Engbrüstigkeit der Herz-
kranken und das nervale Herzklopfen (Herz-
irsticken, s. d.)j d) der Laryngospasmus, sowie
Asthma laryngeum, thymicum Koppii, Miliar),
Kapillar- Bronchitis der rhachitischen Kinder;
e) der Magenkrampf (s. Alp a Incubu*) ; f) Herz-
schlächtigkeit beim l'ferde. — (los») Maul-Qe-
sperr (-Sperr), 1. = Kieferklemme.M und klemme,
Sperrfrais, Trismus rheumaticus et toxicus
(Gr. W. V, 778; ttchmeller II, 681). — 2. = Trismus,
starker Krampf der Kiefermuskeln heim l'ferde
(Hirschkrankheit 2, mal de cerf), wobei die
Kiefer so fest aufeinander gedrückt werden,
dass das Maul nicht zu öffnen, versperrt ist
(Or. W. JV. 2. 1568; VI, 18U8; K. A. 88; Wltzschel U,
215). — 3. = das einmalige, weite Aufsperren,
Aufreisaen des Mundes (Gr. W. VI, 1804). — Mund-
Sperr- Maulsperre L — Rippen Sperr (-Speer)
= die den Brustkorb umschliessenden (spei -
renden) Kippen beim Schweine. — versperrtes
Wnsser. — Sperr- (Sparr-, Sparren) Ader,
■Frais, Gages', häntmisch* ,- Knochen, -mäulem *.
— Sperr-, Speerkraut = Kanunculus Flamtnula.
Lherbc ii la lire-goutte (Kol. 68). Gichtkraut.
sperzen (oberd.) - spucken (s -f ferzan [*ipiw]
nach Lal.tner. Z. f. d. A. 1888. S. 1*;).
Spettels «. Spital.
Spetze, f. spetzen (spitzen), »putzen =
sperzen, Bpürtzen, den Speichel (Spätre) aus-
werfen (1740; Scltz I, 456; Spions II, 237. 238). —
nüchterner SpUtzel (Elsas*; E. W. 1, 164) - nüchtern
abgesonderter Speichel, ein uraltes Volksmitlel
für flechten. — Spitzen- Schlingen.
speutzen s. spurtzen.
spezifisch, 1. *= da», was einer Sache oder
Krankheit nach ihrer natürlichen Beschaffen-
heit und Gestalt (= Speeles) eigentümlich, lür
sie besonders charakteristisch ist, z. B. Form
und Farbe eines Exaulhems bei Syphilis. —
2. = syphilitisch (inshesonders).
Spidel, m. Spedel, m. Speil, Speitzel - lang
llrhcr, härterer Teil (Knorpel, Narbe, Schwiele),
Spreissel. Splitter (Schmeller II. 659), Hautnarbe, als
Hautnpreissel in der übrigen glatten Haut (wie
die Knoehenspreissel im Fleisch) angenommen
(ahd. spido: ,,sl quls alium vulneraverit et lp«um vulnu*
senatum clcatricem depressam et non rellqnM carnl
aeqnam duxerlt «juod spldo dicunt", I.eges Fristen. ;
Graft VI, 329; Du Cange VII. 654). — A'rtsm-SpeitZ-
lein- Nasenspreissel, Nasenknorpel (Coler. II. A.
ii9). — Speidel- Zu/in.
Spiegel, m. (aus mllat. spegluin [speculum] kurz
vor der ahd. Zelt cntlehut [„.Schau-Kar" war vorher
gebraucht dafürj. Kluge*, 354), 1. = durch hellere,
glänzend strahlende Farbe abstechende Korper-
teile, z. B. lichte Stellen am Steisse des Rehs,
am Euter der Kühe, auf der Pferdehaut (Brehm
III, 167 ; Seh. 198). — 2. = bei den Schul- Anatonjen:
das Septutu pellucidum des Gehirns (Hyrtl, K. w.
85). — (1009) gläntender Spiegel = (1«>1) Him-
Spiegel - Spiegel 2. — (1517) Huren- Spiegel =
die glänzend glatte Haupistelle infolge von
Haarverlust, Alopecia syphilitica (l.ustnenehe)
(D. 184, glaber; 1517 hohrn npygel = cathedralitlus,
D. 106; s. Ar-ehxehalk). — Mtlch-Spiegel - die
glänzende, Schild- od. eirunde Stelle (Spiegel l)
von aufwärts, gegen den Strich gerichteten,
feineren Haaren am Kuheuter (Martin f.? ; Zipp.
495) in mannigfacher Gestalt, die nach diesen
äusseren Formen den Milchgehalt im Inneren
iles Euters widerspiegeln soll. — (1812) Nasen-
Spiegel — die mit einer glänzenden Schleim-
haut überzogene, knorpelige Scheidewand
zwischen den beiden Nasenlöchern, Ftotsmanl
beim Kind (Zipp. 466; Kalke II, 151).
Spiel, n. (abd. spil; uihd. spil — Scherz, Zeitver-
treib, Vergnügen), 1. = Geschlechtsteil (Wackcru..
Abhdlg. III, 49. Anm. 111). — 2. = fallende Sucht
(Sptess II, 237. dies vielleicht zu ahd. splldau; alts.
splldlan ; angls. splllan ; altnord. sploell ■ Verderben,
Kehrein 44). — spielend ■ spiegelnd (bei Augen
uigmz
Spier— Spinae.
Spint -Spitze.
MI
1. B.). — spielen, 1. = scherzen, simulieren. —
2. ■ venerem exercere, coire (s. üben) (Waokern.
1. c; Schnuller II, 66-1). — (15. Jahrh.) F I Spiel
(frawcnspil, Schindler II, 666 [frowenspil]; Hyrtl, K.W.
137) — Vulva. — Ge- spiel ~ die Geschlechtsteile.
— 7 spielig - tirOn^tij» (Scbmellcr II, 664. BAS). —
(15. Jahrh.) Kindel Spiel = Kindbett (<ir. W. V,
72»). — (1712) Liebes-, (1689) Venu> Spiel = Coitus
(F{. Hoffra. VII, 96; Woyt 162; IT. II, 313; Z. A. 213;
Wackern. 1. c). — (1813) Xatitr- Spiel = Eubub
naturae eine heutzutage Bichl mebr berechtigte He-
zebhnung für) launenhafte Abweichung von dem
Naturgesetze bei der Erzeugung der Frucht in
G«8(lllt von sogen. Spielarten (Kalke II, 153. 32s).
„unbedeutende Abnormität" (Dorubl. 74). — Ohr-
Spiel = I^auaehgelurde I». Pferden. — (15. Jahrb.)
Übet spiel thuen - fomlearl (D. 213), Exeessus
veneria per coitum (-». Luxus). — icildcn Mann
spielen = einer, der Geisteskrankheit (s. wilder
Mann) simuliert (Meyer, Kuuv.-Lex. XVII, 955). —
Spiel- Weib, ■ Werk.
Spier, f. (ndl. spier) = die Dnnnung, Weiche,
Taille, die schlankere, spOre l.eihesstelle (L»e
t'oek 307; Schindler II, 6*2; 1577 »plere - pulpa, caro,
d. 172). — Bpierlich = mager, dünn (s. Sporn).
Spiess, m. s. .Spiize.
Spille, f. (mundartl. Nebenform zu Spindel, s. d.).
— spillerig — ddrr wie eine Spindel (II. Paul
427 ; 14.— 15. .lahrh., rand. drnpt ein e buch [s. Ilaug],
so wa*»et eine tve iipllen van der borst au den hals,
J. f. nd. Spr.-F. XV, 116) = das Gefllhl, als ob die
beiderseitigen Kuclienstiiinge 2 <nler 3 lange
Spindeln oder Klufon waren (Kehlkopftuber-
kulnsis), die von unten herauf sich erstrecken.
Spinat (aus arab. IsnnAg; per*, aspanäh, Kluge
IM). — Spinat- Stecher.
Spindel, f. (Spinnel) (nbd. spinal«; mhd. spinei,
tpiuneli; engl, splndle - schmales [rollendes] Spinn-
» orkzeug [Kluge*, 3il] der alteren Zelt, In welcher
..diese« Instrument die erste Stufe des Übergangs vom
Flechten zum Spinnen begründete", Schräder, Spr.- i
Vergl. 1890. S. 480; damit verglichen): a) die Vorder-
arm-Speiche. — (1722. 1783) Spindel = Radius
(l.evellngss; Tiber. 3 .2) ; h) Sehnenbein am l'ferde-
fusse, das lang und schmal ist (1*2; Seh. 176);
c) (MitteWchteslen; l'r<|Ucll II, 17U) = eilte spindel-
dürre, gehrechl. I'erson. — (1600] 4rm-Spindel
— Radini (Dr. Minderer), le rais, Vorderarm-
knochen, der sich wie eine Spindel und im
Gegensalze zu Spindel 2 um die Axo dreht. —
spindein = schwindeln (D. ».ID. vertiginare. —
Spindel-^nViii7, -Schenkel, - Wurm-
Spinne, f (Spinat, -Spint) (vorgerm. pen
'.Pannus - Fahne; zsw», p.nates, diu die Schicksals-
hülle spinnenden Scbut/.gel-ter, Scbeible IX, 45»;, spen
>panneu]; gem. germ. spinn- [spinnen]; ahd. spinnan,
spinna; mhd. eplmicu, spinne, Kluge*, 3M — das
Malt* Faden spinnende Tier). Nach dem Volks-
glauben verwandelt eine riesenhafte Spinne (IMmon)
die Menschen in Verstnndlose, Verwirrte oder tötet sie
(II. A. Rh. 105; Alpbg. 70), vermutlich die von iler
Volksphuntime entstellte ,, Spinnerin" Pcrchta. —
Gespinst, l. = i. Spanne. — 2. Ilirn- trYspinst,
(18. Jahrb.) - G'rBpenst = ein Gedankengebilde,
das keine eigentliche, logische Festigkeit hat,
obwohl es ans vielen Gedankenfaden gleichsam
gesponnen ist (s. spintisieren) - musca in
cerebro = araignee dans le plafond, im Ober-
stfibchen (s. d.) eine Spinne haben (Brisa. 267;
Janus 1897, S. 393 [„Hirnge-spenst, wahrscheinlich au«
Oesplnnst irrtümlich umgedeutet"], H. l'aul 222; diln.
hjernespind! (s. Spuck). — er spinnt (südd j = ei
handelt und spricht nicht ganz normal, macht
HirngespinnBte. — fliegende Spinne — Mouches
vo!ante8 = Mucken im Auge haben (Kraus, E.
58')). — Spinn(en)- Gesicht, -Qeicürm, -Husten,
- Weiblein.
Spint, m. (ahd. spint = arvina [II. Z. XVI, «2;
Uraff VI, 352], adeps, sucelmen, feist; mhd. iplnt —
Fett, Schmer, Lexer 241) - trockenes Fett, Speck.
— spültig = mager, zah, speckig (Schmeller II,
678). — spintisieren (1551 spünt«siren, Kluge*, 86t},
eine Neuschi. pfung des 16 und 17. Jahrb. für) Hirn-
gespinste (m. Spinne) machen, nachsinnen. —
//.•....•-Spillt (angls. heugosplnnum = genis, Cock.
I, LXX; heagospind.Cock. I, 336; ha^nlgospind, Lalstn.
II, 188) = die heralihitngende Fett wamme unterm
Kinne. — O/ir-Spint (ahd. orspinna [spint] = pulpa,
est »lud durum in aure, D. II. 309) = ührschmalz.
Spinzel (Spenzel) innen [s.d.]; vorgerm.
»Pen. Kluge*. 354). — Spienzel (Gespcnz), spe-
ne/.en , spenezol) = der fadenförmig aus dem
MundegesponneneSpeichol, der nurmitSchwie-
rigkeit und unter öfterem Räuspern aus «lern
Mumie entfernte, eaho Schleimfaden (ober-
bayern, Schwaben ; Buck 17).
spirtzen = spurtzen (Bayern ; Kluge).
Spital, n. (Spittel) (mhd. spltAl, spltel = Kranken-
haus; aus lat, hospitAle, Kluge*, 355; norweg., dilti,
spedalskbed = Lepra; schwed. «pelalsk = leprosus,
spetalska = Lepra. Radesyge. Syphllia, Beiart 3 ; die
Ho<pltAlcr und Lazarethe entwickelten sich aus den
Leprosenbausern bezw. Fremdenzimmern der Kloster ;
15. Jahrh. xpettel* sa leprosus, I). II, 232). — er hegt
im nämlichen Spital krank = das gleiche Übel
drückt ihn (Helling). — Spitaler = kranker,
siecher Mensch. — Spital t Blumen, -Brand,
- Fieber, -Kluase, -Krankheit, -Narr, -Rotz, -siech,
■Sucht, - Typhus.
Spitze, f. Spitz, m. SpiOBS, m. (ahd. spU, m„
Kluge*, 354. 355; mhd. spitz, in epiz = KüchenspUss ;
sptez Waffe; ndl. t sj.lt = Spiess), 1. = das zuge-
spitzte Ende eines Körperteiles, r. B. Glans
penis (Kirsch &17) oder einer lokalen Krankheits-
stelle. — 2. = der Schmerz, der wie durch ein
spitziges Werkzeug (Spiess) erzeugt wird (1.77,
ndl. l'spit = Lendenweh, lumbago, I). 339; De Tock
307. 3U). — 3. = ein kleines Bttaacbcbeti, Dionv-
StSCUS (Z'»p0 (Kraus, K. 31<i; Schm. II. 193). — die
Uhren spitzen (wie das Pferd) — lauschen
(spitz machen). — spitzen = s. auch spetzen.
— spitz (Ii«. Jahrb.] spitzig), 1. = mager, aus-
gezehrt, Mass, kränklich (Spiess II, 23S; Sebin. 11,
691). — 2. = klein, papulOS, mit kantig zulaufen-
der Kupjie versehen. - 3. = zugespitzt, rasch
verlaufend, akut — an- i>t< jspitzen sich sa an-
fangen, Bpitzig im Gesicht zu werden, ohu-
mttebtig zu werden (Schm. U, 6»4). — Brust-
(HU Spleen— Spleissen
Spft— Sporn.
Spitz - Kruspelspitz (Vorderspitz, Vöderlspitz).
— /'»/-Spitze = der vorderste, spitzige Teil
des Pferdebuges fRerbst 163). — durch spitzen
= durch die Haut spitz hervorragen, z. B. Blat-
tern, — Ellenbogen-8pitZ [Hfl ellenbogeun spitz
vnd desgleichen selnt bein, de» der mensch nltt also
garnouurfnigi'U, Brun»chwlK; OurltII,210, o'>).jvrp =
ulnae, xvivov = Ellenbogenspltze) = Olecranon, der
Kopf des Kllenbogenbeins. — Finger Spitze =■
die Fingerkuppe, Kingerhecre*, das Kapplein*
od. der Vorderlinger. — ftinfcr spitzen (Elsa«;
E. w. l, ISO) = beim trockenen tiaumen die
V förmige Zunge leel ■ zend vorstrecken. — Fu&s-
Spitze = das ausscrste Knde des Kusses an den
Zeilen. — (1741) //or Spitze = Cuspis eordis,
Apex, Muero cordis, das an der linken Urust-
seitc anschlagende, spitzige, untere Ende des
Herrfleischkegels (Kirwh 302). — (um] Jesuiter-
Spitzchen - Peccatutn veniale, ein verzeih-
liches Kauschchen (Spita 3), dessen man sich
am folgenden Tage noch erinnert {Dcmokrltos v,
102). — ÄVnY-Spitze = die Knochenkante unterm
Knie (Spina tibiae). — Kruapel -Spitz - das
Bauehfleisch, das an dem Brustbein (Schwert'
der
fortsiitzc) und an den Kruspeln (Knorp<
falschen Kippen haftet (Brustspitz) (Hyrtl, K. W.
100; Schm. I, 136). — JNVl«m-SpitZe, -SpitZ (1IS2
nawmapiu = pulpa, D. .1-2) = die Nasenklippe,
Birne (s. d , Pirula, Pulpa) - Medium pulposum
naris) (D. 43«. 437. 472; II. 30* ff ; Heyne Ol, 965;
Gr. w. vil, 41«). — Äoscn-Spitz = Kosenschnitz
oder Kleischabschnitt an der sogen. Kose.
Rucken- (Ruckbein-)Spitz (11 Jahrh. nibbeln spitz
= palua, Voe. npt. ; 1482 rugkenapltz, nickbeyn«pl«z
= palus, Zening Voe ij 7; I). 6-13; II, 278) = Spina
dornt, die Keihenfolge der Hornfortsatzspilzen
■ ler Wirbel (Hyrtl, K. W. 132). — Tütlcin-, Tuffen
SpitZ (M. Jahrh. tut tlspitz — papilla, Voe. opt. \V. 12;
in » <iiilli iu«pltz = papilla, D. II, 213; 1482 dutten«pitz,
Mitten xpitz ss puppa [pnpllla!, caput mamilla.', Zeil.
Voc. M. hh 3. 15, Gr. W. II, 1772) = Brustwarze als
.Spitze der Brust. — Zungen Spitze ■ der bei
der Verlängerung der menschlichen Zunge
schmalere Teil derselben. — Spitz(m)- (spitz ex],
Spitzig) Flein; Finger, -Fu8H,-GrschwUr,Kinn,
-Kopf, -Kreuz, -rocken, -Baude, -schlingen,
-Stosn, -Zähne.
Spleen, m. (mittelengl. thesplene; neuengl. spiee»)
- Milz, Milzsucht, M i J sbcech weruog , Laune,
<irille,Wiinn,Z\\erclifellersciiittterung(Kttlt.«rl«m.
I«. d.); lodog. splagheu - Milz; grlech. ir.) y,* [3S.W
V/""] Milz. Kick 217). — er hat einen Spleen-
bestimmte Idee, Laune, Schrulle ; ,, der engl. Vr-
«prung des Worten ist auf die in der Kegel nicht aus
den Kreisen der vornehmen oder feinen engl. Oenoll-
Iflhaft stammenden, den Kontinent bereisenden Eng-
länder zurückzuführen, welch« durch Irgend welche
Extravaganz, Sonderbarkull und Kücksichtslo<,lnkell
auffüllen (Meyer, K.-L. XVI, 2X1).
Spleissen, m. spleissen, Spliss, m. splieten,
Splitter, m , f. (altgerm. split ; mhd. «plizen —
■palten; Splitter, m.. f. = Sprelss; gelter = Splitter
[zu spalten); uind., 14. — 15. Jahrh. dem menschen,
det dat binnen tobrokon efte to »pleten int, Jahrb. I.
nd. 8pr.-F. XV, 132; 1175, ndl. fpleeten = plemcn
(tlegnun, ulcu»), I). 239; stemspleet = Stlmmenspalte,
Atemritze; engl, gplent = Ül>erhein, Kaltschm. [c Spaij;
ndd. tpliet; 1532 «plUler = Sprel»«. Kluge», 3Vd. —
Spleissen, m. ( - Holzspan durch Spalten entstand. !. |
-gesehwürige Hautspalte. — Splitter, m. ^ab-
gespaltenes KnochenstQck, das beim sog. Split-
terbruch sich vorfindet. — splieten, spleissen
(spletten) = Spalten machen, aufspringen bei
Hermatitis ekzematosa, Kotlauf, Kose t. B.
(Erischb. 63; z. d. v. f. v. k. i*'j*, 203). — splittern
^ in Splitter zerspringen. — A r*ch - Spliss
(Spleisse) = Kissura inter nqtes, Arschkerbe,
Atterspalte (Hyrtl. K. w. i«t). — Spleiss- / >i / *,
•Fei*. - Splitter Wunde.
Spö, Spoicher = „G aissvieb, «las zwar bockig,
aber nie trächtig wird, unfruchtbare Ziege"
(Brcgrenzer Wald, Zitlerlhal spolehe) = „Ziege, die
wider Gewohnheit ein Jahr unfruchtbar ge-
blieben" (Schm. II, 656. 671. Etymologie schwankend
vielleicht z. Spuk).
spletten s. spleissen.
Spöhn, pl. s. Spenn = Zitzen bei Hunden,
Schweinen (Henncb. j Bpleei II, 23*).
Spörr, f. s. Sparren, sperren.
Spörwel s. Spor.
spötzen s. schürzen.
Spon s. Spann.
Spor, ID. (spör), 1. - Schimmelpilz, Soor,
Aphthen (Spro, Spruw), ausgespreuter Pilz der
Mundhöhle (s. Spreu). — 2. - s. Sporn. —
SpÖr, SpÖlicht (ahd. spori = morbe. faul; mhd.
Kpoere; 1740 sperlcht, Chr. Sam. II, 421) - fehlerhaft
trocken (von Husten und Schleimhäuten), rauh,
herbe, mager, abgemagert, hager (vom Gesicht)
(Kluge», 355 ; Schm. II. CS3; Wolf) — Sporen-
pilzige Stockflecken bekommen (Sple&a 11, 23«), —
Spörwel - Zwerg, kleine magere Person (Kuhn U,
17). — aus Spören = austrocknen (von Korper
nnd Schleimhäuten, namentlich im Munde und
Rachen). — gi -spör - mager {Heiner I, 132). —
(i6»9) Zungen Spöre (Sperre) «Trockenheit iler
Zunge (v. M. II. Iii). - spöre(r) Augen, Umten,
Zunge.
Sporn, (Spor) (Indogerm. sper = mit dem Fu-*e
stowen, mit den Füssen treten, nachgehen [dazu Spur
»• ; Wteipe», upernere]; genn. Rporo = Sporu, Kluge s.
356. 357; ahd. «plrnati = mit den Ftisxen anstos-ien,
Flrk 215. 414; mhd. »por, »porc - der Eisen- od Oorn-
stachel BBlFuMe. mit dem man das I'f, rd in die Flanken
Fte.Hst; damit werden verglichen): 1. ~ das Kcrsetl-
bein (Calcet) ftUS),die Kerse, wo derspitzeStaebel
zum Antreiben des l'ferdes am Jersenabsatz
des Keiterstiefels festgemacht wur.le" (Hyrtl,
K. w. in). — 2. = eine kleine, harte, spitzige
Hornwarzeam unteren und hinteren, behaarten
Teile, an der Köte des Pferdefusses (Hahnen -
fuss, Hühnerauge, Kastanie) ((ir. W. IV, 2. KU;
Herbtl 153) — 3. = Knochenfortsatze. — ?.. Ii. iler
Sporn ist herausgegangen — Snbluxatio tali
[Pauli 117), wobei das Spornbein (Wadenbein)
starker hervortritt. — O-spor = Sporn 1 (Hyrtl.
K. W. 144). — (1551) //a/mm Sporn, 1. = Processus
styloideus am Scblftfebein (Hyrtl, K. W. 75). —
Sporte— Sprau.
2. = Sporn 2. — (1551) Huiute-Sporn (hoadspor;
Island, hundspör - die Schwielen uti den Fussohlen
<ler Hunde, Zeitscbr. d. V. f. Volks-Kunde 1S9S, 28«) =
Hühnerauge, Clavus, mit der spornabnlichen
Kralle des Hundes verglichen (Bock 407). — (1351)
XVi/rrnSporn = Hühnerauge, mit der hornähn-
lichen Kralle «1er Katze verglichen {Hock aoT). —
Leisten- Sporn — s. Letortendorn. — Spor(n)-,
Spör-.-t der, -Dein, -Galle, Lieren*, -Sehankcn.
Sport«, in. = Cauda — tierischer Schweif
(Schm. II, 885).
Spot, Spotlen, Spötlen (spotlen = Kotten?,
Schmellcr II, 691. vermutlich zu spucken) = ausge-
spritzte Hautflecken; {engl. spot= Süppchen; dazu
spotted typhus - Flecktvphu*. liver-spots = Leber
Hecken, L. hf. 35. 69. 106; Roth 301 ; flery-spoU = rote
ücslehtsll. ck. n, Dornbl. 45; dan. spyt; engl, spittle;
schwed. spott) — Flecken.
Sprache, f. (sprechen) g.'rm. sp.k, sprek; angls.
spn.ee, < oek. III, 10J ; ahd. sprahha, f. sprehhan —
spehhnri = sprechen; mhcl. spräche, f. — die Nach-
ahmung Am Wesen» der Dinge [O'ili'z] mittelst der
Tbaligkelt di r Lautgebung, die zum Keden verwendet
wird, Kicinpatil; sprechen = reden. Kluge*, 855; ndl.
gprtmk — Sprache, De rock 7; ,,das kostbarste Werk-
zeug, das sich der Mensch geschaffen hat", (i umbrecht).
— Sprecher = der da spricht. — a sprachen
— delirare, ahreden, irre reden (Schm. I, l ; II, 55)
— aus «lern Schlafe sprechen (wuttke 366). — An-
sprecher ~ Incantator (s. hertifen, (iulster, be-
sehreien, anre<ien), Zauberer (benedlctio falsa
quod dicitur „ansprachen", Schnuller II , 69s). —
/«sprechen = besehreien, berufen durch «lau
«uiberhaft gesprochene Wort («. (Salster) be-
einflussen. — besprochene Krankheit. Das „Be-
sprechen" der Krankh< it, eine uralte Behandlungsart,
z«.g sich iu die Kinderstuben-Praktik zurück (v.rgl.
f. w. i, 3). — (1551) erlegt nr Sprache - Sprach-
lahmnng, wobei das Vermögen zum Heden
(«. d.) oder die Zunge gleichsam schwerer ist,
darniederliegt (Bock 22). — fehl sprachen = fieber-
haft delirieren (äspräehtn s. d.), bei dem ty-
pbösen Keldfieber (Krieg«typhus) (Schm. I, 712;
f. hlspreehen?). — Fin </rr- Sprache = die tlen
Taubstummen beigebrachte Art der (iedanken-
niitteilung durch Fingerzeichon oder Handge-
berden. — (1735) gebreehlieht Sprache (Woyt 88)
= b. 8prachgebrechen. — (1735] echtem Sprache
(Wojrt 32) = erlegene Sprache. — >Vf7r«-Sprache
— psychische GehOrshallucinationj wobei die
Geisteskranken eine tonlose, innere Stimme
boren, als ob jemand aus dem Innern der Seele
«1 ihnen spräche (Griesinger*, 102). — rer sprechen
(.■ich), I. = Parapbrasia, in der Sprach« ein-
rtdiie Worte od. den Gedankengang verfehlen.
— 2 - durch Besprechen, Besehreien, Berufen
rauberhaft beeinflussen (Wlu<cbel II, las). —
Sprach-F<7</rr, -Gebrechen, -los, -Störung.
Sprack s. Sprenkel und Sprache.
Spranz s. Sprent.
Sprau, f. (Spruw, Spro) (Indogerm. tprew,
•prow; germ. sprew - zerstieben ; ahd. spruowen =
sprühen; mhd. spraewen = stieben, Kluge*. 3:*; MM
spronw ; ndl. m Hflbnerpips , De Cock ; V. K. 1*9'»,
Spreckel — Sprenkel. 005
8. 144; ndl. »pruw — Mundsebwamm, De ''ock 75; ndd.
»pro, Goldschro. 142 = idein; nd.-saehs. sprau — Hell,
Mehlhund, Soor, oldiuin albicans, Schindler I, 1038;
Dietmars, sprnel, t'r<iucll IV, 277). — SpraU, I. -
der auf der Mundschleimhaut wie zerstäubtes
Mehl oder Spreu aufliegende Soor-Pilz (siehe
Spreu). — 2. = Hflbnerpips, Hühnerdiphtherie.
Spreckel s. Sprenkel.
Spreisse, m. (Spreissel, m) Sprissel (zu Splitter
und Splelsse [s. d.]j „von diesem durch Dissimulierung
entfernt", Kluge; mhd. sprizel = Splitter, sprizen =
sprengen, Schmellcr II. 70~>; ,,daz ouge spreiz üz Imi
verre" — die Augen springen vor; 1Ö1S spryssel — Kno-
chensplitter, II. v. Gersd. 26; 1523 sprel&s - Splitter;
1612 spreisse = Knochensplitter, - 1620 spreussen =
Knochensplitter. Dr. Minderer; tir. W. V, 210s; lü'Jl
spreissel. Klug.' *, 3 .5) — das abgesprengte, abge-
spaltene Knoehenstück (Splitter). — Bein-
Spreissel (-Spreisse) — nekrotisches Knochen-
stnck oder Krakturslück (Zw. 29). — (1551) Hirn-
Kchalrn - Spreissen = Knochennplitter an der
Hirnschale (Hock 76). — (UM) Zä/oi-Spreissen
= gezackte, zahnformig in einander gefugte
Knochensplitter (Ottfll DI, 257). — /er-spreissen
=--= zersplittern bei Knochenfrakturen, nament-
lich des Schiidels (14<fl tzw spreisselt, <iurlt II. 194;
1197 zerspreijzlet. tiurlt II, 212; 151s, H. v. (iersd. 4S ;
Itrunschwlg (1497.' sagt: selten hie zu Land [DVUtaCh-
land] zerspreiszlct od. r zerbricht die hirnschal vmb
der dick der Hirnschalen [tn Gegensatze zu den Walen
oder Italienern], (iurlt II, 211 ff ).
Spreiten (Sprittl) fahd., mhd. spreiten - aus. ln-
anderbreiten ; mhd. spriteti m sich ausbreiten. Kluge *,
355, engl, spread = ausdehnen). — Hennen Sprittl
(Huhnerleitcrsprossen, die auseinander gebreitet sind;
damit verglichen, IlintnerS. 19) = dünne, langspros-
sige Beine.
Spreiz, m. (SpreUZ) (mhd. spriuz = Stutzstong.-,
die in die Hohe gereckt und wlukclbildcud angelehnt
wird, Kluge*, 355; damit verglichen) - die winkelig
ausgebreitete Oberschenkelstellung (tiritll)
(engl bowsprit = Bugspriet und Nase, Kaltscbm.).
sprengen (Kausativ zu springen) = springen
machen. — angesprengt = an »ler Oberflache
gespalten , nicht dureli die ganze Dicke ge-
brochen (von Knochen); ein beliebter Kurpfuscher-
Ausdruck zur Verdeckung der Diagnose, ob Bruch
oder Luxation.
Sprenkel, m. Sprinkel, m. Spreckel, Spre-
chet Sprigel, Sprickel, Sprack, m. Spröckel
(indogerm. gprek [spreg, -»f.xvo; — gefleckt]; prek
[preg]; dazu engl, to freak = sprenkeln, frekle^ Som-
mersprossen (über das anlautende s, s. Z. f. d. A. li>8S.
ISO] ; ahd. sprehha, Gnifl VI, 391; mhd. Sprenkel,
sprekel; 1".. Jnhrh. sprinkel, sprunk. l =• Fleck (naevus,
lentigo], iprtckel, Kluge k,S56;D. 321.379; 15ti0sprenckcl
— bruchus [s. muckengetrauftj, D. II. 60; 1515 sprenckel
nach form der lins. n = lentigo. D. 324; H".20 IprMf
gelu = lVlechlenflecken. Dr. Minderer; 1645 »pröckleln
-- lentes, eiterig.', Messende Schilden im Angesicht,
Coler, IL A. 125; 1C.87 sprecklein = Augesichtsllecken,
tteorg. 3S0; 1699 «prcnglein. sprttngleln = petechlae,
rubeolae, v. M. II, 121. 132; 1716 sprenkel = Ciesichta- ,
flecken, Gr. W. III. 480; Bayern Spreckel, Sprenkel;
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Sprenzel - springen.
springen.
Schweix sprlgel, M-ragel, Kluge; engl, «prlukle -
sprühen, b» streuen, l.ehf. 230; •prinkel ist wohl nur
ein an spring [s. <I ] angelehntes u. nasaliertes Spreckel),
I. = Macula, Lentigo, Mirl, auseinander ge-
sprengte, wie Rieselkörner verspritzte, zer-
stäubte, linsengrnssc [laut flocken (Maculae
disseminata?), namentlich ilie Petechien, Pest-
Hecken, Blatternarben (Zw. 98.) und Somtuer-
sprossen. — 2. — das blutiggetleckte Brustbein
(s. d. 4) <ler Ciilnse, aus de«sen mehr oder
weniger stark roten o>ler weissen Farbe und sonstigen
Beschaffenheit die Mecklenburger Hauern (16».'>) die
Witterung des Vor- und Nachwinters prophezeiten
(Lohr, II. B. lotiff. 4y5) (s. (iansebein, Heuter und
Schulter). — Sprecklein = kleiner Fnrbflecken
auf der Haut. — spreckiet, sprinklich («hd.
sprvhhlloht, Graft VI, Ml; nihd. spreekeleht; II Jahrh.
.sprinclicht, »preneklyt = tcnilgino«u*, C v. Schm. 504;
I). 324 j »priucklech, siirechklat, »priukclechtlch - leu-
tiginosus, punetuosu», D. II, '.'il) = k'clleekt. —
Sprecklheit, Sprinkelheit (1021 sprlnekolhelt =
lenligo, I>. 324; 1419 spreehlhayt = lcntlgo, Scbuieller
II, 700) - die linsenjjros* gedeckte Art der Haut-
färbe. — (um Au .,-■>, Sprenkel. Sprinkel, pl.
! Spr Unkel) (1170 sprcngleyn under den äugen =
lcntlgo, ü. 321.1 = Sommersprossen, die unter den
Anteil Flecken (Spriezel) inachen (Schindler II,
700ff.; 704). — (18391 Auage- sprenke, n. = disse-
minierter Strophuius, llilzblUllerehen, (ies:lmte
(Bohrend so). - </e-sprankt(-spreckelt) «gefleckt
mit punktförmig! Klecken gezeichnet (Schm.
11,701). — Kukuks Sprecklein = Sommei flecken,
Kukuksflecken, Sommersprossen (s. d.), die er-
scheinen, wann der Kukuk (< Jauch) schreit,
d. h. in der wärmeren Jahreszeit (ur. \v. V, 2529).
- Sprinkel-Jtf«/.
Sprenzel (Spranz) (spranz = nssura, Schmelhr
II, 701; mhd gespranc — Pferdckrankhelt, Lexer 74 j
= Hufspaltung ('.'), Habe oder Verstauchung,
wobei das Tier gespreizt geht (conf. ipraln; engl.
= Verstauehung, l.ehf. im». — Sprenzel = Maul-
sperre (Schw. t'.r,.'.). Trismus, wo nur ein kleiner
Spalt im Kiefer offen bleibt.
Spreu (Spruwe) (Indogerm., gem. »prew ■
Illeben ; ahd. sprlu; mhd. spraewen = sprühen; 1645
Kpruewc) = der fein zerstiebte, mebl- od. kleien-
artige Belehr (s. Semmel) der Mundhöhle beim
Soor (Coler, K. ssy) (s. Sprati).
Spriessen s. Sprossen (Spiützen).
springen, Sprung, m. Spring, m. Sprinkel, n.
(IndogiTin. «prgh ; gem.-'jcrm. spring-; uhd. springan,
■prone; mhd. springen) ■-- schnellend die Küsse
aufheben zur Bewegung des Korperi nach oben
oder unten, plötzliche, ruckweise Veränderung
des ruhigen, geschlossenen Zustande«, die Tren-
nung des Zusammenhanges und bisherigen Be-
standes. — sie wird nicht mehr weit springen
= demnächst zur KnlhindunK sich niederlegen
(Spies» U, .'To) — Sprung (Spring), m. = die
Stelle, Zeit oder Handlung, das Resultat des
Ab- od. Aufspringens (z. B. die Kindebewegang
im Mutterleihe), 1. - (1677) Astragalus, Sprung-
bein, Kueswurzelknochen, Lauf (4) beim
Menschen u. Hasen als Stelle, wo die Sprung-
beweguug gemacht wird (Levellug 3; Hyrtl, K. W.
[ 116, Gr. W. VI, 512; Bibl. Medlk .131). — 2.^Haut-
riss, aufgebrochene Hautpustel, Blatter, Angsatz
(angin. spyrcig, spryng — rpringas. springe, spring onge-
sltlau — ultvra, puslula, earbuneulu», Cook. I, 2. 56. 74 ;
II, 8. 3&S; papula, pnstula. I). 100. 411; sprlngwurtz
Ut da» von den Angelsachsen bereits aus dem Süden
Importierte Abfuhrmittel Scammonium. D. 516 ; 1412
Schimone machet dz g.'dermo gerne dürkel . D. II.
328 [trocken]). — 3. = das, was „rasch" (». d.)
kommt, Kluss (fluxus conuestio). — 4. = Begat-
tung bei Tieren. — Sprinkel = s. Sprenkel. —
Springer, 1. -der da springt, z. B. der Dramen
als schnell beweglicher Kinger (Schw. 130). —
2. -• Spiung l oder das Sprungbein (s. d.) beim
Hasen (Hasensprung). — (1742) Adct -Sprung =
der Moment u. Ort der Blulgef:tss-Zei reisMing
Kuptio venarum (Zw. 72). — ^4n- (.4-, E)Sprung,
-Spring.-Sprang, -Sprig (H82 espringk, «spring =
Impetigo, (ir. W. III, UÖ8; Zenlng. Voc. 1.3 = Neri»«;
Cr W. II, 171.1 : durrer ».irlnt; 1615 ansprung = eine
fltchteiiartige Hautkrankheit der '/« bis '/»jAhrlgeti
Kinder, <'oler. II. A. 124. 201; 16«V4 der atisprlng —
arhon s, Krbgrlnt, süug. ndes Gnatz, D. II. 7; 1680 an-
sprank = lentlgo, D. 824; nnsprung = «cor [Orbit],
I». (136 ; 1725 ansprung = Ürlutnussehlag Im Geulchte.
Thes. «an. Br. 89, 1736 ansprung - Grlnt, Woyt BIS ;
1710 ansprang und was dergleichen mehr Ist svyml
kleine, runde, spltzlgv oder andere Erhebung so oben
in der Haut aus stillstehenden Süllen entspringt. Seit*
I, 14; 1741 anspning = aspergo, Kirsch 116; 1742 an-
spruug = achon s, lavus, tlnea, gemelnerUrint. Krbgrlnt,
bfiser Kopf, Zw. l.>2. 481; 174'.» auspring Friesel, Z. I.
d. Philo). XXVI, 237; 17^ii anspning = achores, crusta
lactea, schwärender, offener Ausschlag Im Ge«lehte
der Kinder, A. v. II. I, 14; II, 491 ; 1779 unsprung =
grlntartlge Hailterlu bung u. Rissblldung ln.1 Kindern,
Bohrend 6; 1782 anspning = Impetigo, cru-ta luctea.
M. II. L. I. 3«, 1783 anspning - Grititborke, Plattier
I, 140; II, MSj 1^07 anspning — enista lactea, Milch-
schorf, Ackerm. r,o7). — An- (A-, E- Sprung, 1 -
die Stelle der Haut, wo diese beginnt, Hisse zu
bekommen, die bei der kindlichen Haut sehr
leicht eintreten, namentlich bei schon vorhan-
dener Hauterkrankung (Kkzema z. B ), die dann
selbst den Namen Anspning erhalt, wenn sie
sich mit solchen KontinuitiUsstörungen der
Haut komliiniert; darum ist .4nsprung a)(irint,
weisser tirint* 2, Kavus, Impetigo larvalis,
Crusta lactea, Menta^ra bei Kindern, Säug-
lingen (Gr. W. I. 472; liehrend 47); der wie der
Norries (= Nftrbriss s. d.) Hinrisse bis in den
so^en. Nilrben (s. d.) der Haut macht; b) Kk-
zema capitiH(Ilauptanspruii£); e) aufgespiuu^eno
Haut oder Lefze. — 2. = die Krankheit, die
„rasch" (s. d.) ankommt (anspringt) und bald
vonlliergeht (w ie der Klug b. d.) ; der Aii»prutik'
wird fast ulK rnll mit Osterwasser (und Sprlngwurzelu
[Buphorbta]] bebsnöelt [Kfthler, V. B. zw-, Oock. Ii.
406). — Haupt- Nnsprung = Ansprung 1 a, h, c,
wenn dieser am Kopfe sich beiludet (Zw. 7S3).
— roter Ansprung = Ansprung 2, ein lehhaft
rot und ra^ch auftretender, rasch wietler ver-
schwindender, papulöser 1 Iautaussclila« (Stro-
[ phulus intertinclus) (Behrend ">0). — (1741) voll
■•I ••■sprung = caneerosus (Kirsch 176) = wie von
[ Hautkrebs ganz zerfressen, otlen. — auf-
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springen.
Sprinz— Sprosse. 667
springen - eine eröffnende Veränderung der
Kontiuuität der Haut (Fissur», gercure), z. B.
aufgesprungene Hände, Lefzen, welche Ver-
änderung bei schon vorhandener Haut- oder
Schleimhauterkrankung leichter eintritt, z. lt.
bei F.kzema (angls. tor than thurh Iba tcth seo blissu
[Bla* n, Billern) upp springan. Cork. III, 102) - Atlf-
schiessen, Auffahren der Zahnbillern. — Aus-
Sprung, 1. = ein rasch nach aussen auftretender
Ausschlag „Exantheina" von sogen. Hitzblut-
terchen bei Kindern , der bald wiederkehrt,
nachdem er verschwunden war (StrophuluB)
(BchrcDd 50; stropbus = Haut, Balg). — 2. - ein die
Haut eröffnender, änsserliche Kisse machender,
pustulüser Hautausschlag, Krätze z. B. (Schm.
Et, 701). — ''-springen im Sprung begatten. —
ßia*cn-8prung - der Moment, in welchem das
Kindswasser aus der Fruchtblase plötzlich sich
entleert. — Flechten- Sprung = le soubre sout
des tendons = Sehnenhdpfcn. — Ge-spring (ahd.
gasprluc = orlfleluni, D. 400; glsprluc = pustula ipiaudo
caro apparnerit . id floret , papula . D. 474 ; crlsping,
gesprinc, D. II. 310) = Ansprung (s. d.), Haulöff-
uungen in ausgedehnterem Grade. — (mhd.)
<;> in- sprünge (adj ) = einer, dem die Granen
(ßartkeime) bereits emporwachsen, hervor-
spitzen (Hoßm. I, 374) s. Granne. — (1592) Hasen-
Sprung, 1. = Sprung 1, Astragalus, Ossicula
poplitum leporis (Seb. 696; Kirsch 694; A. T. II. II,
101), Sprungfuss des Hasen. — 2. — (spezialisiert)
ein nadeiförmiges, krummes Sesam- Beinchen
im Gelenk des Hasen aus dem unteren Teile
des rechten Vorderfusses , zu Heil versuchen
benutzt (g. d. Verf. Volks-M-d. S. 16.!; Gr. W. IV, 2.
MS; Heyne Iii, 61). — Magen Sprünge (angisachs.
thaes magan-sprlnge — flux of the mavr, etomachos
rheumatlzotnenos, Irritatio of the maw, Cock. II, 168.
19a 193) = rasch zum Magen sich bewegender
Blutfluss. — Ort Sprung = Urspring (s. d.)
(Svhmeller II, 704). — Säije- Sprünge — die wie mit
abspringenden Sägespähnen sich abschilfernde
und einreissende Milchborke (Impetigo, Crusta
laclea) (Koch« II, 162). — Jof-Sprtinge (angls.
dead-springas [Sprung 2] ; 60gL dcad Springs, Cock. I,
8. 10- »0. loo. 190) — ulcera, carbunculus lebens-
gefährlicher Hautausschlag (Blattern), Kar-
bunkel. — ungute Sprünge [angls. uneude sprlngas
tbe on lichoman acennede beod - stränge pustuhs,
wbit-h arc produeed [können] on the body [Leichnam],
Cock. I, 2t) — durch unholde Elben verursachter
Hautausschlag. — 6V-Spring (ahd. ursprunc, ur-
sprinc ss Quellt-, die erbringt. Klug. *, 387; mhd. ur-
sprinc = Ausschlagkrnnkhelt, Lexer307; 14S2 Urspring
= Impetigo, Zenlng. Voc. x4; Ur. W. VII, 610 — Keila
[i. d.], Schm-ller II, 701), 1. — der plötzliche Beginn
einer bewegten Stelle, z. B. Muskelansatz. —
'1. = die Melle, wo ein Schmerz (Migräne, siehe
Hauptkrankheit) od. wo ein Hautspiün^e (Fis-
eurae, Rhagade*) machender Hautausschlag
rasch entsteht. — Franzosen- fJYsprung '1637
Tom Ursprung und herkommen der Frantzoseu, Para-
celsus, Gurlt III, z;o) - Ätiologie der Syphilis. —
Krankheit» - cVrsprung - Krankheitsursache,
Quelle der Krankheit, Wesen ,,Ens der Ursprung
aoa welchen ein Jeglicher alle Krankheiten gewaltig
ist zu gebaren", Paracelsus ; Pagel 21S), Paracelsus,
der den Crsprung der Krankhellen aus den Humorvs
(s. d.) od. Keuchten (s. d.) der Hu inoral pathologlc voll-
ständig u. als erster langnote u. der diese aU eine er-
dichtete Fantasie bezeichnete, nimmt eine mineralische
| (lartarische) Crsache an, die im Blute als Salz (Mineral)
Ihre materteile Grundlage hatte; ,,so finden wir dos
auss dem plut alle offen Schäden kommen vnd ent-
springen; nun ist das mineralisch auss der vrsach,
das au dem ort das saltz herschet vnd ein vrsprung
ist dieser kranckheyten, darum von Humorihus nichts
zu tractlren Ist, sondern von elm minoral vnud mi-
ners etc. (üurlt III, 226). — KV-Sprung z. B. des
Fersenbeins = Calx, calcar pedis als von der
Unterlage nach einer Seite sich fortsetzender
Teil des Knochens. — H aascr-Sprung — Blasen-
tprung. — Wund Sprünge (angls. wundsprlngum
and anthlalen, Cock. I, 366 = llvoreset sugillatlones)
= offene Hautschrunden, welche schmerzen. —
ler- (per-) springen — vollständig entzwei-
springen, (1532) in zwei Stücke zerspringen, 1.=
bersten, z. B. der Ader (E. W. 1, 14). — 2. = ge-
bären, so dass es eine Mutter und ein Kind,
also zwei abgibt (Fries 124) (s. auch Hafen). —
springend', er, es) (Spring-, Sprung )ßciw,
•Blut, -Feuer, -Geist, -Gelenk, -hih, -Koller,
- Wut.
SprinZ, DD. Sprinzel, n. (zu spritzen [s. d.], nasa-
liert; mhd sprinz). 1. = Sommersprosse (1449 das
sprlnzzel unter den äugen, Schmeller II, 703). — 2 =
„ein schnell aufgeschossener, junger Mensch"
(Schmeller I. cod.).
spritzen s. Sprossen.
8pro, Sproei (Spruw) s. Sprau.
Spröcklein s. Sprecklein.
spröde (germ. sprew = zerstieben [s. Sprvu] ; uilttel-
engl. spreche — gebrechlich; 1*>2S ^= dürftig, schwaeh-
lieh. Kluge*, 366; 1616 sprüde) = leicht brechend,
vom Pferdehufe (Colcr, Pf. 370). von menschlichen
Haaren und Nägeln. — (1736) tfauf-Sprödigkeit
<Woyt 361) = leicht einreissende Haut. — spröder,
Sprott-i/w/.
Sprotten, pl. s. Sprosse.
Sprosse, m. (Prosa. Sprussen, Sprüsse,
Sprottel, Sprotten, Spruttlen, sprützeln)
(genn. sprüt [spritzen, emporwachsen]; nhd. sprozzo
= Zweig, Leitersprosse; angls. spryttan — germinare,
Cock. II, 370; mhd. sprozze — Leitersprosse, Pflanzen-
Sprosse, Kluge*, 366; mndl. sproten = Sommer«prossen,
de Vr. 20; mnd., 14. — 15. Jahrb.. de spruten des ant-
lates, I. f. nd. Sp.-F. XV, 143 ; 1420 spruete = naevus,
D. 379; 1616 sprussen, sprüsse = Sommersprossen,
Colcr. IL A. 123; I). 324; ndl., 14. Jahrb. spruet = len-
tigo, D. 32t; 1406 spredel ; 16. Jahrb. sprottel; 1600
sprotlch - lentlc-ula [leutlgo ,1». II, 231 ; ndl., 1507 sproet
= leutigo, D. 321; ndl., 1554 sproeten = Hautdecken ;
ultspruitsel = Ausschlag. De Cock 35. 215) = das, was
am Körper hervorj;eBpro.sMen , erschienen ist
oiler wie ein Pflanzenspros.se vom Stamme ab-
steht. — (1077) sprützeln — den Schleim aus-
werfen, aus dem Munde spritzen, (zu mhd.
sprützen = spritzen; 1120 spmte, sprutao = Sputum,
D. 549; Heyn. 161). — Sprüttlen (1420 »pruetcle; 1475
spnUtcl; ndl. — caesla lenticuta, D. 116; 1466 spredel,
sprottel = lentlcula, D. II, 231; 158« spruettlen, Taber-
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608 Sprott— -spul.
Spunne— Spunne.
nacin.) — Linsenfleeken, die wie Kohlcnfunken
auf der Haut ausgespritzt sind, Chloasma uteri
(<;r. \V. vi. 10 >3). — spr ottich (1507) — lentieu-
losns, mit Sprossen (Sommersprossen) befleckt.
— Sprüssel (l.vo), Sprüssling fi47o, MinUir n,
TO») = adolescens, Sprosshng. — L< -td -Spricsscn
(Sprossen) = Kummer-Maser, die, wie die
Sommersprossen im .Sommer erscheinen, nach
dem Volksglauben bei Kummer und Leid
auf den Fingernägeln hervortretenden, weissen
Nagelblüten (Flecke) (Rochbolz I, 136 ff.) (siehe
Nornenspur). — [uaa] JJa/»i-Spross (ptlmprau
— sputula, scapula) — dus Schullerbein, das wie
ein Sprosse an dem Arme (l'alin s. d.) ab-
stellt (Zcnlng. Voc y2) (s. auch Arm-Brosn). —
5i'<»(we#-Spros8e(n), f. ■ vermutlich eigentlich
Sommersprutlen, Sprutteln, wie Kohlenfunken
ausgespritzte Flecken, meist auf der GesiehtB-
baut ( — avoir <lu bren de Juda>, fitre brane, da« au
du» Jtidasbrcnuon in der Fasteuzcil erinnert : le jonr
de» brandons, Dominica, braiidonum . Manul». 53«
= Fastensonntag, Funkeruonutag, Mrlss. 207; sprosseu
zu sprulzen und »prtesscn von germ. sprut [s. o.];
17V, somuier sprossen = lentlgo, ephclida, A. v. H. II,
389; 17G1 sonimcrsprosslein — luutfgines, U eh.
44; 1776 sommrr sprossen = lentlgo, Hebrvud 6. SU;
Synonyma: Phakos, Pannus lenticularis, Kphclides
[iiti— •y.'.oc], LvDilcul«[0(taQ; ndL loncraproeteo, D«
Cook 72; ditu. frcgue; engl, frecklea) = verscbie.len
stark gefärbte, meist braune und linsengrosse
Pigrnentflecken der Haut, die mit der wärmeren
Jahreszeit wie die Maieren (s. d.), Maiblumchen
(s. d.) erscheinen oder starker wieder hervor-
treten, emporspriessen aus der Unterbaut oder
richtiger wie angespritzt erscheinen , daher sie
auch „Kuckucksflecken" heissen, die der Gauch, nueb
andert'in Volksglauben (ltochholz 09; Wuttko, S. 205)
auch der Mittags-Alp pissend z. 1!. auf die Hunde ge-
spritzt bat.
Sprott, sprüde s. spröde.
Sprünckel s. Sprenkel.
Sprütte s. Sprossen,
sprützeln s. Sprosse.
Sprüwe s. Spreu.
Sprung s. springen.
Spruttlen s. Sprosse.
Spuch, m. s. Spuk.
spucken (aus altfran/. escoplr) = durch die go-
gepresslen Lippen spucken (1710, ndd. spucken
[dalur ol>crd. speien , sperzen , spicnzen , splrtzen ,
■prallen und »putzen]. Kluge5, H57; nach halstner,
Z. f. d. A. 1888, S. 186 spucken =«-fpu [pfu]; 3KOX).
— Spuck, tu. 1. - «1er mit Geräusch ausge-
spuckte Speichel. — 2. = s. Spuk. — aus-
spucken (holt, uitspugcn) =- lUMpeien, ein lloses
verscheuchende* Volkshellmtttcl. — Blut Spucken
= Sputum erneut am. — Gt spul, f = s. Speichel
(Huck 17). — Schwarz - Spucken = sehwarzge-
iitrbten Auswurf haben, bei Kohlen- od, Kisen-
lunge, Pneumonokoniosis, Sideroeis.
-Spül, Spülich, tu. (zu spülen; abd. spuolau,
spuolahl; ruhd. spüelen, spüelach. Kluge*, 357; 1482
spulecb = squiüor, popUma (Kuehenabfalll , cffuslo
] spermatls, Zenlng. Voc. g 1, ee 5) (s. Speichel). —
I (1162) G-rspül = Squalor, Popisma = die Aus-
giessung des mannlichen Samens [Zenlng. Voc.;
D. «7. 549) (s. auch Spiel).
Spunne s. Spunne.
spürtzen (spützen) s. spurtzen u. spetzen
(mhd. spiuzen = spclcn, H. Paul 430). — Spitzen -
schlingen.
Spuk, m. (alter-nhd.) Spuch (germ. -pauk«; ndl ,
ndd. - ; k. . 15. Jahrb. spoyk - striges, D. II, Uli
schwed. spok; norweg. apjök = Gespen-t. Kluge*.
I 367; schwed. hjerri spoeke = Hirngcsplnnste, Ijtrin der
Poltergeister [s. Trugeding)). — es spucht. spuckt
in seinein Kopfe -die elbischen Geister machen
ihn verwirrt, gcisle.-krank (vergt. Urquell III, 58;
Schm. II, 6Vi). — Spucht - „kleiner Bcbmftehtiger
Mensch" {Schindler 11, 656). — Spuchtel, f. =
„Weib, das nicht mehr Heb wanger wird" (ml*,
spugt = Abgezehrte Person, Schindler II, 656). — (7c-
SpÜk (Klberfeld, dns gespocks, Schell 196 = um-
gehende elbUcbe Gelstergcstalt ; wird besprochen;
Mülletih. 602). — W-spUCk = zweites tiesiebt,
das wie eine Geistererscheinung vorher und
nachher sich zeigt (Z. d. V. f. V.-K. 1897, S. 131).
Spule, f (vermutlich zu spa [s spinnen'. Kluge*,
3i7). — IlVbrr-Spule = das einstmals dazu ver-
wendete Strablbein der Wiederkituer, Os sesa-
moiiieum (Kalke II, SM, 430), das wie eine Weber-
spule ein inneres und ein äusseres Knde, sowie
2 «latte und 2 rauhe Fliehen hat. — Spul-
Wurm*
Spunne, f. (Spunn e f. Spinne, f. spinnen)
(vorgerui speu pen] = spanneu, ziehen; dazu Kahne,
Pannus, gern -germ spiiin[an]; ahd. splnnan [xpium ti],
spiuna, (. spunni, (. = lununnn. uIkt, lac tnulii brv,
Ur. W. II, 8; UrtitT VI, 313, imgls. sponau — ZlUen,
mamillas, t'oek. I, I.XX1V; 12. Jahrb. spuuua = arpiua
[arvlna] = Hebuiulz, II. Z. II, 205; spunne, n. ~ Mutter-
milch, Schnuller II, 670; 12r.O spunne, m. = Frauen-
milch, Pfeiffer 21; cpunno, m. — I'raueubrust, Schm.
II, 677, ubera; mhd. spinnen — spinnen, sputic, f.
spunne f. spuuue, f. — Mutterbrust, Muttermilch, l.exer
243; Schm. II, 676, 1480 die spunn — Milch. II. Koltz;
1IK3 daz gespynd, C v. Megbg. - Frauenmilch; UU
spinn sa lac muliebre, SclinL-ller II, 676. ICOli gespuun,
gi spunss = Kruueninilcb, Otlar. 544 und IC gislcr ■
[ö*tcrr.] spüu ~ Weibermilch, Chr. Sam. I, 12; [Kifvl]
•pinn, Fromm, vi, 19). — Spünnc. f (Spinn, f.
Binst), 1. ■ dasjenige, woran gezogen wird,
Ubera, Mammae, Muttet brüst. — 2. = dasjenige,
was wie ein Faden aus der Brust gesponnen,
herausgezogen wird (Lac muliebre, Colostrum,
Hinst, Hiest), Muttermilch. Das Spinnen ist junger
als Flechten und WttbOQi ,,dai Bedürfnis, die Kunst
des Spinnens von di r des Flechtens zu unterscheiden,
erwachte spiiier als der Wunsch, Weben und Flochten
sprachlich von einander zu trennen" (Schräder, Spr.-
Vergl 1890, s. is,o). — (1477) Frawn - 6Vspünn
ffruwugespüust [Ortolf], fra« engespünn, C. v. Megbg.)
- Muttermilch (Gr. W, IV, L 78). — G'e spunn,
-spünn, n. (ijfsjjunti, gesptiunr, gespind, ge#pint,
grsjtunn, gespunm, gespin, gezpunas) (Guar. , Schm.
II, 676. 677), 1. - Frauenmilch. - 2. ^ Frauen-
brust. -- 3. = Flechte, unreiner Auschlag (ehr.
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Spund— Srint.
Staar.
G«9
Sam. I, 6) als Wichtelzopf, Hexenzopf. — Hcxen-
Gcspinnst, 1- = Coloatrum, Hexenmilch (s. <l.),
die Anschwellung und Milch in den Prusten
der Nengeboraien. — 2. = Geapflnn 3. — Hirn-
«»'Spinst = siehe spinnen. — Ohren -Spinner
(12. Jahrh. orspinna — < >h i enschmalz - ilunitn in «uro,
H. Z. II, 20.">) als vermeintliche t'rwacho de« spannen-
den Ohrschmer7.es hei Otitis extern. (Lammen,
V.-Mcd. 231; es berühren «ich zwei Begriff«: »hd.
spunna —- arvina [Ohrenschmalz] und Spinner — der
spinnende, «pannende [.«eil. Sehmen]J — W'eibeS-
Spünne (OVspünst) (1260 einen wetbei spönne,
Pfeiffer 28; U77 weibsgcspüns, Ortoll) = Krauen-
inilch — Spinn- (GYspinn-) Hutten, -Schmerzen,
- Widder.
Spund, in., n. (aus lat pnnrta = Sllcblorh; mhd.
spuut, pntict, pfunl — Spundloch, mhd. spund, punt,
blinde, Ring«*, 3 .7; 1482 ipeat] ■ Mngenmundloch
(Zcning. Voc. ec 6). — Spund-£oc/r.
Spur, f. (indngcrm. "per = mit drn Küssen treten
[dazu Sporn, «. d.J; germ. «per = mit den Fussen
ttOMOUd den Wildspuren nachgehen, „ein Überrest des
altgermanlschcn Jägerlebetis", Kluge ; mhd. «pur,
spür), 1. m rtisspur. — 2. - das Empfinden,
Verspüren. — Hieb-Spur = ejne Wunde, die
von einem Hieb« entstand und eine sichtbare,
vertiefte Narbe hinterlasst. — hohe Fu#a-8p\lT
(«mein, fotapor = vcsligium, Cock. III, 36«; 15. Jahrb.
hoghe voytspor — calcancus, D. II, 123) -= hohe
Hacken, die «ine liefere Spur durch den Tritt
im Boden hinter lassen. — Leg-Spur (lejr =
schlimm, büs, übel, (Trqncll 252. 257 296; Schnu ller I,
1433 [«. leilicb!) ss Schaden bringende Spui de»
weiblichen Monalothisee» (s. Mond), wie auch
die Traden Im Bette die Spuren Ihres Daseins als
Trudcnkretiz zuriick!as*en. — Nomen- Spuren
(IFaroernj nornaspor, KochhoU I, 137; Mehr, z. V. 321»)
■= die von den Nomen gemachten, Schicksal
vei kündenden Nagel bl fiten (mendax darum auch
Renanut), Ics hgucs Manches de Keil (17..9 — 1S13),
die nach schweren Krankheiten auf den Finger-
nägeln sichtbaren, weissen (Jueral reifen (Huber
21 ; Nomen = Sehleksalsgelstcr der Nordgcrmaneti)
(». Mergc u. Nagelbluten, Kummcrmam'r, l.eid-
Bprleeeen etc. — trr-spüren - abnorm empfin-
den auf der Haut (Schmerz). — Spur-Wr,
- Lieren '.
spurtzen (spurtzen, spirtr.cn , sperzen,
sputzen speutzen, spötzen) (vermutlich zu ahd.
■plrinen [- splwizzm;. Kluge * ::v|. 357 — speuuen,
«putzen , spucken, speien; 1482 spurtzen ^ Sasen-
schneuzen, Zcning. Voc. x 2. ee ß; 1 Jahrh. >-poeczen,
splrezcti -- d.spuere, 1». II, 131), 1. = spucken
(Kluge*, 357; Sehroellcr II, 685). — 2 - den Nasen-
■chleim RURBchneuien. — ««-spürtze'On - an-
spucken (sehmeii-r ii, 6*6). — an» - spürtze <T n
(H32 ausspikrczelen = exercare. J>. II, ICO; 1617 ans-
spurtzen, Aveniln; lfiou ausspürUcn, Guar, nw ; v. M.
II. 52) = den Speichel spritzend ausspucken. —
Jtlut- speutzen [Gnggenbübl 12) = Blut spucken.
Srint, f. (1756) „eine in l'ngarn gemeine Krankheit,
die in einer Kntzundung und Geschwulst in dem
Munde, Hal-c und Hinterleib bCBloht" (A. v II. I,
1230; d.r In Hungaricls wohlerfahrene v. Wllsloekl
schrieb darüber aul Ireuudliehe und gütige Vermitt-
lung des Herrn Dr. K. 8. Kraus* [Wien): „Ich habe
das Wort Srint nie gebort; daselbe findet sich auch
in keinem Loztkoa vor. In Südungarn bebet, aus
dem Deutschen entlehnt, srlnd = [nbring] Grind,
Kratze." Vermutlich Ist es das aul veralteter (tertiärer)
und vernachlässigter, endemischer Syphilis beruhende
Skerljcvo-Übel (s. d. u. Bäutnler In Z. Hdbcb. d. spez.
Fath. D. Iber. III, 18), die um isoo im ungarischen
I. ittorale endemisch herrschte und vielleicht mit dem
deutschen gehrind, Schrund wiedergegeben wurde
(Hhagades, Placques). Srint Ist nach einer Mitteilung an
Dr. F. 8. Krauss ein böser Ausschlag mit Knollen
am Hais u. an der Brust; was mit den Haller'schcn
entzündlichen Geschwulsten Im Munde und Hals, sowie
am Hinterleib (anus) übereinstimmend wohl nur zur
Syphilis Beziehung habi n kann, die Jetzt, well längst
als solche erkannt und behandelt, nicht mehr en-
demisch vorkommen wird, weshalb auch der Name im
Aussterben Ist.
Staar, m. (Star, Stahr) (eine nbd. Folgerung
aus: ahd. starabllnt, „des seha augono stain sinl", in
culus pupullis lapis [conf. engl, walh'ye = Staar, Stelu-
auge) invetiltur ss aveugle (albtos neulos], glaueoma,
II. Z. XV, »59; Cass. Gloss., Diez 120 - aurlsla, Zening.
Voc. eefi= Kntarhacta, suffusio ocull, bumor ocull
nocens, fumns cataractl, Du Tange II, 221; mhd. star-
bUntj 1618 starn; 161". stahren. ( oler, H. A. 113; n.-ndd.
staer — Staar, Uoldscbm. 97; Attt., bOll. staar; schwed.
starr). Obwohl Kluge *, 3.",!t das „staarblind" etymo-
logisch zu starren (s. d.) : ahd. staren stellt ( = star-
render Ullek des Auges, fixis oculls tuerl, Schindler
II, 77,»). so Ist doch auch die ätiologische Interpre-
tation der ahd. Glosse zu berücksichtigen, nach der
die rupllle durch einen Stein ausgefüllt sein sollte,
und (nach Hyrll, K. W. IM) wurde bis auf Heister (1721)
der Staar als eine gutta opaca *. Serena suffusio, d. h.
für einen vom Hirn in den Slaarnium (s. d ) herab-
gefallenen (katarrhakt«!, die Popitte verschliessenden
(franz. ecluse = Staar, Itriss. 311), daselbst zu einem
grauen Kelle (s Augenfell) Oder Häutchen gerinnenden,
venösen oder schleimigen (llcuinal Flüssigkeitstropfeu
(s. d.) gehalten, welcher sich nach späterer Annahme
dampfförmig uns dem Gehirn ins Auge verirrte, woselbst
er den Augen stern" = Pupille (s. Stern) blind (franz.
aveugle gelitte, goutte orbe [orbus] , mal St. LOOt
lucere], Brlsn 3121 machen sollte, wie das Fensterglas
durch den Fensterschweisi geblendet, verdunkelt wird,
so dass staarblind — starntdind — sternblind wäre
(man sik-ht auch den „Staar"); begrifflich wäre diese
Erklärung zusagend; etymologisch wird „starren"
(s. d.) - mit unbewegten, eindruckslosen Augen blicken
vorzuziehen sein auf Grund der Autorität Kluge'«. —
Staar — das durch Krankheit (Katarrhacta,
Glau rOm) starrend blickende Auge oder diese
Krankheit selbst bei Mensch und Tier. — Altera-
Staar = Katarrhaeta senile = die im Alter ein-
tretende Staarbildung im Gegcnsatc tu den
anderen Staarfoi inen (Schmidt, Jahrb. 1895, S. 76).
— (1615) Augen- Staar — Alhisio, Sutfusio, Ka-
tarrhaeta, Staarbililung in d*'r Augenlinse;
(den Sitz det Staares lehrt« zuerst Bern-voll, 1685— 17."i6
Haas 407; röh r, ii. a. 117). — (1842) flu/Avw-Staar
b ein Angenstaar mit balkenformiger oder
strichartiger Trfibung der Linse beim Pferde
(Zlpp. 3so; Falke i). — (164 .) blauer Staar - (blau-)
grün oder (blau-)grau erscheinende Pupille beim
670
Staar.
Stab-Staffel.
Giaiicoma (7 XoOHÖC ■ graublau schimmernd, Dornbl.
48), Hypochymia Pauli Aeg. (Coler, u. a. 117 ; woyt
120). — blinder Staar = blindmachcnder Staar.
— Eifer- Staar = Katarrhacta purulenta Mor-
gagni, Milchst aar, ein staarblindes Aiife, das
einen milchweissen, gelbweissen KiterHeck in
der Pupille (Linse) liat (Gr. w. Iii, 393; Huber 18).
— jFVder-Staar = Katarrhacta plntnea = ein
staarblindes Auge, in welchem das Sehluch, die
Pupille (Linse) federförmige Trübungen neigt
(«r. W. III. MW). — (IMS) gewichter, (19») gelber
Staar (Coler, H. a. 117; Woyt 120)= Milchslaar,
Eiterstaar. — (1615) grauer Staar (gmwe *taar) -
ein staarblindes Auge hei Mensch n. Pferd mit
grauweiss getrübter Pupille (Katarrhacta, <> tun-
OO mit; richtiger: Linse) (KW-bter III, 1S7; beiden
Kathen wtrd er besprochen durch Bannwortc, Bartels ;
Mayer 70; Coler, H. A. 118). — (1735) grüner Staar,
1. = Glattcoma, eine (ilaskftrperanomalie, wohei
der Augenhinter^rund durch Drucksteigerung
infolge einer Blutstauung im Gebiete der Venae
vortieosae meergrün durch die stark vergros-
serte Pupille hervorleuchtet. — 2. = der graue
Pferdestaar, der graugrünliche Pupillenfarbe
erzeugt (Woyt 120; Herbst 15; Krau«, K. 418. 419). —
(1790) häutiger Staar = die Trübung des Seh-
feldes durch die Veränderung der Kapselhaut
der Linse (Katarrhacta membranea) (Richter). —
Kaj m I Staar (1690 zuerst vou Freytag [t 1738] per
selerotlcam ausgezogen, Baas 300) = s. häutiger Staar.
— Ki i u Staar = die Staarbildung im eigent-
lichen Kerne der Linse zum Unterschiede vom
Rimlenstaare (welchen I'alucci (171«; — 1797) zuerst
aufstellte, Baas 407). — (17'Xi) ÄVysra/V-Staar = ein
staarblindes Auge, in dem die Krystall- Linse
allein verdunkelt ist im Gegensatz zum Kapsel-
staar (s. d.) (Gr. \V. V, M85; Ulchter ITI, 187). —
(1712:-) Ln\ m r, Staar - der nur auf die Linse
seihst, nicht auch auf die Linsenkapsel bezüg-
liche Staar. — (lsi.t) A/armor-Staar = ein Augen-
staar, beim Pferde, wobei die Linse weisslich-
grau oder gelhlich wie Maimor gefleckt er-
scheint (Falke II, 99). — (179(0 Jft'iWi-Staar, 1. =
Kitei staar (s. d.), milch weisse, eitriggelbe Lin-
sentrübung, Cutarrhacta purulenta s. lactea
(Gr. w. in, 393 ; Richter Iii, 18«. — 2. = der in der
Artbildung begriffene, graue Staar, wohei die
Linse zuerst hlaulichwoiss wie Milch erscheint
(Falke II, 117). — A/ufrVrAwn-Staar = der 17C3
in Schweden zuerst beobachtete von Linne
Haphania (s. Kriebelkrankheit) bezeichnete
graue Staar infolge von hrandigem Absterben
der Augenlinse durchSphacelinstture- (Krgotin-)
Vergiftung (Brodseuche) fKobcr. 1. 181.; Archiv L
OphtbairaoL VIII, 2. ibg2, 120). — (1790) AVu/VStaar
= der erst nach der Operation des grauen
Staares entstehende Kapselstaar (Richter III, 195;
Tr. 11,878). — (184.1) Staar = ein beginnender,
grauer Staar, wo die Linse wie in einen Nebel
verhüllt erscheint (Falke II, 152). — (1813) Punkt-
Staar = punktförmige Trübung der Linse beim
Pferde (Falke II, 216. jm:s). — reifer Staar ~ ein
Staar, bei dem die Linsenrinde und der Kern
ganz trüb gew orden ist, so dass er zur Operation
reif ist (1756 wenn der Staar im Wachsen ist (in der
Trübung noch Immer zunimmt] und noch nicht reift
oder vollkommen so dasa man ihn künstlich wegziehen
mag, Beyn.*, 88). — .Binden -Staar ■ der in der
Linsenrinde Bich bildende Augenstaar im Ge-
gensatze zum Kernslaar (s. d ) (Baas 407). —
Ring Staar = grauer Staar in den sichtbaren
Grenzen der Krystall-Linse (Falke II, 241). —
roter Staar (1735; Woyt 120) = durch rote Blut-
gefässe in der Hornhaut blindes Auge im
Gegensätze zum weissen Staar 3. — Schicht(cn)-
Staar = eine schichtweise in der Linse vor
sich gehende Trübung derselben, namentlich
bei Khaehitis. — (164.) schwarzer Staar = ein
staarhlindes Auge, hei dem die Pupille (Seh-
stern) nicht entfarht wird, sondern, weil meist
erweitert, auffallend mehr schwarz bleibt, nicht
trübe ist und doch Blindheit, sogen. Schön«
hlindheil besteht, Amaurosis (-Verdunkelung;
£-|iaopOC - nicht glänzend. Roth 22), Gutta Serena
{=. schöner Tropfen), Suffusio nigra, Visus niger,
Katarrhacta nigra (Zw. 227) (Augentropfen 3)
(Bibl. Med. 411; Hufeland 368; A. v. H. II, 33; Hyrtl,
K. W. 9t; I'latncr I. 40; Mayer 70; Coler, II. A. 117). —
pachtender Staar - s. reifer Staar. — (1S44)
U rv.s»r-Staar = Hydrops lcntiscrystallini (Krau«,
F.. 769). — tm'cnrr Staar = Katarrhacta mollis.iler
reife, durch Degeneration weich gewordene,
graue Staar (Kraus, E.588). — (1735) ic«*8rr Staar —
Katarrhacta alha, 1. - grauer, grauweisser Staar
(Woyt 120; Zw. 227; Bibl. Med. III), wobei 11713) „da»
Sehloch durch ein welches Fell, das unterm Horn-
hAutlclu gewachsen Ist", fiir l.icht undurchdringlich
wird. — 2.- Milchslaar. — 3.— Leuroma, weisse
Hornhauttrühung bei Pfenlen (ahd. stara-pliutcr
= nlblos-ornlus = fran*. aveugle.Gr. W. 1,81'., Abiig 91).
— über Schicht-, l'gramiden-, Polar-, Zitier etc.
Staar s. die Lehrbücher für Augenheilkunde
(s. auch Zinke). — Staar-Winrf, -Fell, -Raum.
Stab, m. (tndogerm. »thab, §Ubh = fest sein ; gvm -
germ. stuf, Stab; abd. Map = Stab, staben - starr sein ;
mbd. stap; engl. *taff) = Stab = der starr werdende
Penis (Stabtinger, Mentula). — er-staben —
steif, stumpf werden (Schmellerll, 718). — Maitns-
Stab (nihd. manstap, I.oxer 155) = Penis. — (1483)
H iinik/ur/-Stab = Penis (s. Wünschelrute) (C. v.
Megbg.); die „Stabwurz" (Abrolanum, Gertwnrz) und
,,SUmm"-KriUitor haben auf dieses Glied Bezug. —
Stab-i>iW(/-r.
8tacheL m. (zu siechen, •.d.}. — Avisen -Stachel
— der aus der .Mitte des vorderen Kndes lies
Nasenteils des Stirnbeins her voi ragende, ol>eie
Knochenfortsatz, Spina nasalis (Hyrtl, A. 245). —
Stachel-/! ussate, -Rose.
Stältze s. Stelze.
Stär, m. s. starren.
Stätte, statisch, stätsch s. statt.
Staffel, f., m. (germ. «Up = gehen [Stapfe, Stufe] ;
ahd. ataffal - Grundlage, Schritt, Stufe; mhd. Staffel).
1. b Absatz, Abteilung, Art (z. B. der Krankheit. Seitz
I, 4S2). — 2. = die stufenförmig gefurchten, ge-
wulsteten Gaumenfallen (Pfalatine) b. Pferde,
der sogen. 3. Kern (Kernstechen, eine Therapie beim
Feifcl, (ir. w. V. 6*'.); diese Staffeln sind auch
beim menschlichen Kmbryon als Gaumenleisten
deutlich entwickelt. — (1615) dritte Staffel, t. =
staglen— Stall.
-stalt— Stamm.
671
dritter Kein (.Statte), Stuhl) beim Pferde und I
2. die Ader dauert (foler, Pf. 175; R. A. 108).
Staffel- Jahr*.
staglen (stagglen) = tum) stottern, öfters
stocken (steeken), stutzgen in der Uede (Schwebt;
Kluge*. 365; D. 6«).
Stall, Stallen (Indogerm. sthel [Mellen, «tili.
Stiel;, *ta [stehen, fe»l«lchen] ; germ. »lein [= Stiel!,
Malla = Stelle, Ort zum Stellen, Standort; ahd. Mal;
nihd. xlttll, »tsl = Stehort, Sitzort. Kluge *. 358. 361;
Mellen = aufstellen), 1. = Stelle eines Korperteils.
— 2. = Stelle der ( »rgankrankheit. — 3. = diese
letze/ e Belltet. — 4. = das daselbst gelieferte,
körperliche Exkret (z. 1$. Urin) (R. A. 2('6 ; Schm.
n, 74«), eonf. Stahlgang, Pferch U. Land*; siehe
auch stellen II. Stollen. — stallen, 1. = Im Stalle
(». an>tehon 2) etwa.» thun (mingere) (bei Pferden
und heim Wilde; 15.82; I.onie. 103). — 2. — ndl. »taten
= coir. ) (be-cbillen). — das l'ferd ist Aber den
Stall gegangen = ist Ober die Zeit »um Stallen 1
hinaus auf den Beinen gewesen (Abiig. 36; Mayer
146; Stallkraut - Ononts sninn»a [Diuretikum]). —
rtu/"-stallen =■ ein Tier aus der frischen W'eide-
fiitlerung in den Stall zur Aufmftstung stellen
(Falke I. 79). — Aug(en) Stall (G»stell) (ahd. raetUd,
ougi'al. houulsal, I» 20 ■ alhugo, (iraff VI, 676; Vit.
BS; mhd. ougatall; 15. Jahrh. oue-, ougstnl - hirens
(hir>|uui), Ii. 278 [AugenwlukeWhlcim] = Augenkrank-
heit der Pferde, Leier 184; 1560 Ottgitel, H. Such» ss
alhugo, Irakoma = eine Augenkrankheit der Prerde
nnd de« lUndvIch», „wodurch es dummer wird [ - nirht
felicnd] und gegen die Wand geht", Srhmeller I. W;
If. 747. 749; Heb. 177; ('oler, Pf. 360; 1570 angst aal,
Gr. W. I, 815), 1. ■ Augenhöhle, Augenwinkel als
Statte an dem Sehorgane. — 2. = eine Krank-
heit des Auges (l>eim Stallvieh), wodurch dieses
sieh auffallend abnorm gestaltet! n) l'anoph-
thulmie aus peripherem Grande; b) Hydro-
rephalus acut., Meningitis, Koller der Pferde;
c) Keratitis (Leukoina), Hornhautentzündung;
d) Zither, weisser Schleim im Augenwinkel
(Zipf, (treck) (— albugo = sorde«, albcdo orulorum
---- rinrho, Augen feil - Nagel. Or. W f, 816; D 2fl).
— (16 Jahrh ) Mut Stallen ■ Mut harnen (beim
Pferde) (Scb. 184; K. A. 154; Sellin. II, 7t6; Kalke I).
— G.stalls. (Jcstell. — //infrr-Stallung «dehe
stellen. — //im- Stall [mbd. hlrnilal, Lexer702)a
Schddel als tiehirnlagerott. — (1863) lautrr(er, en) '
stallen (-Stall) - Ihabeles, Harnruhr: wenn die
Pferde ebenso hellen, lauteren (vennehrten)
l'rin stallen wie «las Wasser ist, das sie ge-
trunken (<Jr. W. VI. 3X8; VII, 1676 snb g; Muck 4S;
Sehmelier II. 716; AMlg 37; Mayer 147; It. A. IM). —
iVirr(m) Stalle, f Stollen, t. -Stoll, n , m , f.)
(14. Jahrh. nier-ial = das Kettlager au den Nieren,
<ir. W. VII. 836; nler«tatl. f , Srhmeller I. 1429; 1483
nier»tal; 1545 nierstall = Sierengcstell , Cr. W. VII.
SM) = die Lenden- (l.eichten)-(iegend, I.umhi,
wo die Nieren eine besonders von fettreichem
Oewebe umgebene Melle einnehmen fllyrtl, K.
W. 193). — (17 Jahrb.) A ' Stall in = Ischuria, ]
wenn das Pferd absolut ohne Urinsckretion ist
(nicht stallen kann) u. dabei doch den höchsten
Zwang (Not) dnzti hat (lt. A. 454). — (1S43) Uber-
Stallen = die Zeit zum Stallen, Harnen über-
I sehen, (Iber diese Zeit hinaus das Pferd gehen
lassen (Mayer 146; Kalke II, 384). — (1592) verhaltener
Stalle Anuria, zurückgehaltener t'rin (Seb. 194).
— Poe Stall, m. (mnd., 14 —15. Jahrh. so we hevet
den voratal, J. f. nd. Sp.-F. XV, 114. 127) = Harn-
besch werde, wobei mitten unterm Wasscrab-
laufe ein mitschwimmendes Harnsteinchen
((iries) sich vor die HarnröhrenrtHnting in der
l'rinblase stellt oder vorlegt. — Stall • Husten,
-Röhe, ■ Räude, -Seuehe, - Typhus, - Waaser.
-Stalt (zu »teilen >. d.], Abstraktivbildung). —
A n Stalt, in. ( = ein zweckmfl»»ig angeordneter, ein-
gerichteter, gestalteter Ort) — Penis (Bück 16). —
(1576) cnf stalten ■= deformare, entstellen durch
Krankheil [Gr. W. III, 6.11). — Ge-stalt (ahd gu-
»talt. gi«lald, gistellida, Graff VI, 667; mhd. geMalt m
da» Hin- oder Dargestellte) = Lage, Oit, Beschaffen-
heit, Krscbeinung, Form, Wesen, Att, selbst
Person [Bern« n, U49). — böse Grstalt (u. Jahrh.
bo.«e, 1 ft 1 pose ge»talt — caehexia, D. 87; de» Urint)
= böse (s. d.) Form deB (lrintansschlages. —
(1725) doppelte Gi stalt = Doppelwuchs, Zwie-
wuchs, Kbachitis, die Knochen verdickt, ge-
doppelt im Umfange macht (The», tan. Hr. 127).
— (1482) Wassersucht- Gf8talt (1645 wasscrgestalt.
( oler, lt. A. 151) = die Ki scheinungsart , als ob
Wassersucht da wttre, Tympaniles (Zening. Voc.
iiii2), Aoftrcihung des Leibes nicht durch
Wasser, sondern durch (läse. — G/icrf-Stalt-
niSSe, böse (15. Jahrh. boze »leltniase der lede =
ealhe»is, mala di*|io«iÜo meiiil.rorom, D.H. 64) =
M'blechte Organ Verfassung. — hi< stalt (ahd.
ungistalt , mhd. ungcstalt) — verunstaltet, hitsslich
t. K, Fleisch - Molenschwangeiscbaft, abnorm,
palliologisi'h (Gr. W. VI, 2508; J. P. Krank III, 146).
— Uugestalte, f. - Defoi mitas (Schm. II, IM). —
(1725) Ling.staltheit ~ Khachitis, der defor-
mierende ZweiwUCtlS der Kinder (Thcs. »an.
Hr. 127).
Stamm, m. (stammeln, Stammler, Gestemm)
(indogerm. stn — stehen ; gerin. stamua, »tabna [Htab],
ttam = einhalten, «tetntnen, »tehen marheu [dazu
ttant] ; goth. »taiuma» = stotternd, Kick. 906 ; ahd.
htamin — Ilaumutnmm, Stor k, Kluge *, 3-5S. 368; stamm-
Jan = Kinhall thun , Slam, »tumer - balbu»; itamal =
halbu« ; »tammeii - balbutire; »tatnmalön = »tammelnd,
»tamineln = balbutlre ; »tamiiarl — Stammler, (iraff VI,
i'u'.t; 11. Jahrh. "tamelonder = balbucu» [balbutien»],
11. t III, M8S. ; 12. Jahrb. »tammilonier — balbutien»,
II. Z. XV, 356; stanbllon - balbutio, H. Z. XV. S34 ;
mhd. »tamm - llaumstamm, Stock, Stab [». d.]; »tem-
BMB = Kinhalt thun [dazu ungtHtBin] ; mhd. »taramein ;
1500, ndd. een »tamerloghe ~ balbui, D. II, 47 ; alt-
nord. »tamr . stninl = Stotternder, Kiek 900 ; engl,
stammer = »tammeln , I.ehf. 105; Kluge 1. e.). —
stammeln - stocken, stottern, in der Rede oder
in dem Herrgeschinge einhalte», stocken, 1. -
eine der Sprach weise der Kinder gleichkom-
mende Sprachstörung, wobei, wie auch beim
Singen und Deklamieren, einzelne od. mehrere
Laute gar nicht oder unvollkommen (stockend,
tulkend, stossend) artikuliert werden (Coen 27).
— 2. — Hentk topfet] als zeitweise eintretendes,
subjektives (iefühl der Stockung des Herz-
scblages. — (H75) Stammler (- lopicu». rniu«,
Ö72
Statu pa.
Stand (stehen).
Mmih, I). 836) = einer, »1er stammelt (Iis* le Hegnes, :
Wicliner 41). — Stamm, m. (- feststehender Stab, \
Baumstamm, Urund, Stammbaum, Geschlecht, l'rsache, |
Khtgcs, 358) = centraler Blutgeftissteil, der dem
Herzen im t"rsprung(Alistaiiimung)am nücliHten
ist. — ✓1^/3 \ Stamm flfitf ibM bie nennen wir
lief ans- 1
den stamm oder wurtzel einer Joden adem du* theyl,
welche* dem hertzen oder leiten am neehstcti, Ryff ;
Gurlt III, 00) = «ler zentrale Teil der Blutgefässe,
von dem die peripheren Zweige abstammen,
abzweigen. — Gcstemm, l. = der ganze Körper-
stamm, Natur. — 2. ~ llirHcln;eweih (Hchmellcr
ii, <V5) ~ (ie«täng. — (1749t) Her» stammeln =
• las leiehtere Herzklopfen, unregelmassige Un-
terbrechungen des Herzschlages, Stocken des-
selben, Tremor cordis (Zw. h03). — (ß )stam-
mein ■ beim Aussprechen des Buchstaben L
oder R stottern, stammeln mit Neigung, das L
in H u umgekelirt zu verwandeln, (1671) l.amb-
dncismus /.achia) (Gurlt II, 573; rocn 26) Rhotaeis-
inus, Traulismus (L-, H Sucht, III, Mon.-Hefto 1895,
April, 104), — (1741) pM/.sflf/c» -Stamm- Aorta, von
der die übrigen Arlerien entstammend (Aorta
zu ältptu = iu dlo Hohn aufhangen = Gehänge 1,
Kirsch aß) abzweigen, im tiegensatze zum Stamme I
der llohlader (Vena eava) — rechte Stämme
(1543 die gemeinsten ädern vnd rechte stammen, so
am gowoiillchsten n der [ader-IlaeMe, der scind drei,
die werden gefunden im armbug, Kyll, (iurlt III, 46)
= riebt-ge, zum Aderlass geeignete Vene (eiehe
Ader und Kreislauf). — «nj/stemer ( stümer)
(Hin eyn nngestemer ^ freneticus, P. 217) — einer
der sieb aus Krankheit keinen Kinbalt thun kann
in der Äusserung seiner Krregung. — stam-
melnde Zunqe.
Stampa (Stampfe , Stampulanz , Stempe
[Semper, Sampine, Zampe, Zemper, Zimper )
(= die Kinder bringende und entführende, tretende
[s. d.], stampfende [gorm. stamp; grieeh. stembo — mit
den Fussen treten; ahd Mampf-m; Stamper, pl. =
dicke Kiissli-In bei gutgenahrten Kindern], trappende,
In der Martinswoche, In den Stampannchten [Reiser
II, ].'], nn den drei Sonntagen vor Wel Ii nachten, in
den Zwölften und be«ouders am Martlusahcnde Iheld-
nlscher Winter-Anfang] , auch am I'< rchtentage auf
Stampa Äckern [= Pcrchtciiwlesen] umgehende, ger-
manl-che Damonln, Trcmpe auch genannt, Golth.
433 ff.; Lahmer II, 411); die l'erehta oder (iVstampe
atifA Martins- Gt stampe mit 'lern grossen Fusse
(s. d.) ii n«l der langen Plamp-Na.se, Potznuse, eisernen
oder Kl ss- Nase , ellkalten Na«e, nach der auch das
Oürtolkraut (Geburtshilfe) ArtcmlMa, Zlmber, Zlniblra
(ahd) genannt wurde [Rat temer, Denkmale III, 597);
In reine Hcrle au grand pie (IL A. Ith. GS7] ; sie tritt
wie eine l'nlioMin stampfend und trappend auf,
1. druckt den Mcuichen als Trempo (Stubcuvoll 28;
Golth. 4u;i; Heyl 16i. 429. 660. 762. 7:»3); 2. entführt
die ungetauften oder erstgeborenen Kinder und die
ungesegneten Wöchnerinnen , erschreckt als Rtampu-
lanz die Kinder; 3. erzeugt den Mum*; 4. macht ver-
rückt, verwirrt durch cH.lsche Hctrügnis- Stampanci
( = Fantai«le». d., Fromm. VI, 73 ; Scbm. II, 7'.»; Z. d. V.
f. V.-K. 1898. 120; Heyl L c.); 6. blendet den Menschen
auf ihrem fuuuge In der Frohnfastenzelt; sie iirt wie
die sallgen Friiulelii n. die nordischen Nomen (Lolnlncr
II, 383) Webmutier und (ieburtshelferiu , di- mit
ihrem scildickeu Ilaare die Kinder im Mutlerleibc bin-
dende, die Uebtirl liiiiderudo Schlcksalsfraii, in deren
Gefolge die Uebestoll beulenden Katzen (s. kattcii-
hirnig) sich beiluden, man dachte sich dieselbe auch in
der Gestalt einer Kröte (s.d., Lipp, Christeut. NB); 6. sie
tauscht die Kinder aus und legt Wcehselbalgc (*. d.)
dalürein ; sie entspricht der fsüdd.) Perchta, der-frauk i
Trempe, der mtd ) Hulda, der (uordd.) Krau (jode,
«ler (sächs.) Hera oder Hirke ti. der vrowe Saide (»- d..
Pfeiffer, K. u Forsch. II, 78. Schmoller I, 269; II. 280.
1125; de» Verf. Baum- u. Waldkult . 8. Anra. 1; Wutlko
47; (Jr. D. M. I. 256; Hlntner 5. 9; Zingerle VIII, 3 ;
Z. d. O. A.-V. 1881, S. 182. 1H3. l'Jl ; Golth. 493; II. A.
Rh. 556. 557; Laistner II, 98 ff. 411 ; Fromm. VI, 73;
Reiser I. 107). - Stamp-.Vasr.
Stand, m. (stehen) ilndogerm. «Ihi [stare. »lehcnl ;
gem. germ. stand, stath ; germ. aUi, stä; abd. Mon.
st/in [stehen], nihil, mant, m. ■ Stand, Zii'tand, «ten,
stan, stehen). — Stand, 1. = das Stehenbleiben,
die Art, wie etwas steht, die Stellung im llamue,
Lage, Veihitltnis, Oninung. — 2. = die stehen-
den KQese (<ir. W. IV, 1. 1000 ; Pchm. II, 7öS). _
stehen = sieb stellen, aufrichten (z U. Krectio
penis) , einstellen , z. B. der Kindskopf steht
zur (ieburt (16i"..h, Heyn, li'.i). — auf Druse stehen
= (s. I>inse). — Steher - derjenige, der stebl.
— Ständer, m., 1. = Stand. — 2 = Küsse pl. —
3. - (»ing.) Penis erectus, Priapismus; dazu (engl,
standergra-s = Ptandclwurz , die zur Venns reizen
sollte; sie hiess Satyrion [ — Orchisj; die grossten und
härtesten erhielten die Männer, ilie dann mehr Knaben
erzeugen sollten, V. K. II, 26; D. 55t»; Voe. opt. W. 53).
• stehen sich weg-, herniederslellen von
etwas, entfernt von etwas stehen, etwas auf-
geben, abtreten, eingehen, schal Verden (mit
dem töde aWsteii — sterben, Heyne I, 43). — ab<je-
standenes Ülut , Kind (i.v.12, s. i> 192). — das
Wut ist ihr ubgt standen — iiie Blutveriinderung
im Klimakterium (s. kritisches Alter), die nach
dem Volksglauben allerlei schleichende und liosartige
Krankheiten mit sich bringt, auch Skorbut wurde als
von abgestandenem Hinte (s, d. und Hefe) kommend
angenommen (Scbmellcr II, 71«) , (s. Skorbut und
Melancholie). — anstehen, 1. = stehend be-
rühren, bereit stehen, stille stehen, stocken
(Heyne T, 12:. ff.). — 2. = stille stehen.! pissen
(Schm. II, 710). — (IC77) die Ktucbt steht hart an,
1. = da« Kmd im Mutterleibe ist nahe daran,
bereit zur Geburt (Heyn. 66). — 2. — 11687) die
1. eibesfi nebt steht zu nahe an dem (verengten)
Ifulterbecketl an (z. B. bei unrichtiger Lage)
(Georg 444). so dass die (ivhnrt stockt. — anderer
Stand - andere Pmslände, Schwangerschaft
(F.. W I, ls; Z. d. V. f. V -K. 1896, 8. 312). — auf/je-
standen ( stehen), 1. = ein Kind ist aufgestan-
den — zur Welt gekommen (Goldschm. 93). —
2. — aiifbiuhen, emporragen, dampfig sein, z. B.
die I.unge steht auf (Kmphysema pulmonum)
(1777 , A. M.). — 'Stehen (abd. bistantan ; mhd
bestall, besten — ein verstärktes Stehen oder stehen
Milchen = herantreten, entgegentreten, Schm, II, 711,
1477 eine sucht besUct mir, Urtolf) - stille stehend
machen , anfallend jemanden zum Stillstand
bringen. — einen rVsteht Krankheit- fallt ihn
„bannend" an (Heyne I, 395); z. Li. dass sie die
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Stand (stehen).
Standarte— Stange. «78
Feifei (fl. d.) bestände! (Fischart; K. W. I, 96 [in
Finohtonn]). — da» Blut ißt bestanden — tum
Stehen gebracht worden (I.cxrr'JO; Buok 20). —
be-, /standen = erwachsen (Alter, Mann), adul-
tUS (1517 pestander an dem alter vnd geuachs, D. 15;
Schm. II, 709: Heyne I, S95). — ßei-Steher (= der
daneben steht), 1. = (1677 eine altvaterische Über-
setxnng der) Nebenhoden = Parastatae varicosae
(Hyrtl, K. W. 19). — 2. = (eine Übersetzung der) Pro-
stata, Parastata = Vorsteherdrüse, Adstites
glandulosi Vesaiii (Hyrtl. K. w. 100). — im Blute
stehen (von Zahnen) = das Eintreten der
Schneidezähne in das blntigrotc Zahnfleisch
als Zahnbillern (Falke II, 448). — «tr-stehen =
aus etwas zustande kommen, stille stehen, ver-
stehen, merken, tarn „Verstand" bringen (angls.
aet standen ■ verstopft, Cook. I, S ; z. Ii. Blutadern ;
nind . 14 — 15. Jahrb. so wor ein minsche 1-lot nnde
dat nicht uutstai.cn wil , J. f. nd. Sp.-F. XV, 122;
Schmellcr II, 713). — französisch stehen = mit
auswärts gestellten Zehen wie die französischen
Soldaten und Tanzmeisler dastehen (Mayer 39).
— ^«-standen = im besten, sogen, mittleren
Alter stehend, das das Wachstum hinter sich hat.
— erstehen = gestocken, gerinnen. — heraus-
stehen = Auswärtslieten der Eingeweide, z. B.
Nabelhruch (Müller, Krtrlfeh. 177). — fieso) innen-
stehen — im Inneren befindlich sein, z. B. lnn-
adl', Franzosen (Pr. II, 276). - Kappen Ständer
= ein mageres Pferd mit hornartig abstehenden
Hüften, an denen man sozusagen die Kappen,
w ie auf einem Ständer aus Geweih-Spitzen, auf-
hängen könnte. — (l .31) mittelmässigen Standes
sein = in Bezug auf Körperfülle «las Mittel-
rnaass halten (Krautw. c. 1), — Z'/ofcständel-
Fuss*. — ru 1 ständig mit eleu Hinterfüßen |
zu weit nach rückwärts stehend; vom Pferd
(Zipp). — Ruhr Stand - der Ort, wo ein Organ
seine natürliche Stellung, Lage, Hube hat, z. B.
Gebärmutter, s. Haus (Fri«chh. 70). — aalt stehen
= mit vollem Fusse, fest, steif stehen (Ur.W.VllI,
IS19). — (Blut) Stille Steh !- eine der drei heiligen
Fragen, welche in Beschwörungsformeln der Ott-
preussen (l>el Blutungen der Franen) vorkommen (Z. d.
V. f. V. K. 189-», 8. 37; Frlschb. 36. 37). — iS{ (//-Stand
= der ruhige Zustand einer vorher beweglichen
Flüssigkeit, z. B. (1581) der Monatsflilsse — Meno-
pause (Gr. W. VI, 2187). — (is.ni Trocken stehen, n.
m das Milchlos-sein der Stallkühe (Falke II, 377).
— Um Stand (Circumstantia, Perietasis) = die
Umänderung in einen anderen Stand, Zustand,
z. B. andere Umstände = Schwangerschaft. —
Leibes- Um stand = das gleiche (t;r. \v. VI. &>•*).
— gesegnete Umstände ^ Schwangerschaft als
Segen Gottes, «ler Befruchtung ermöglichte. —
gichtische / ./•stände U7. Jahrh., Rhou) = Verän-
derung des Körpers durch den tiiehtprozess
(Arthritis urica;. — um stehen, 1. - aus dem
«ehwangeren Zustande in einen anderen, ledigen
sieh verändern durch Abortus (bei Tieren). —
2. — unhrauchbar werden an Seuchen, sterbeu
(1703, Abrah. I. Vt2; 1746; Scbmeller II, 711). — (1530)
Unta -Stand a das , was unten steht , z. B.
Sediment im Uringlase Kttalgasp. 59). — unter-
ständig = ein mit der Brust überhängendes,
mit den Füssen zu weit unter dem Leibe steh-
endes Pferd (Zipp ). — verstehen (mhd. verstau =
sülle stehen); a) vom flicssenden Blute, auch
MonatslIuBS, Franenzeit etc. (14S3, 0. v. Megbg. ;
1551, Bock Ct; 1620, Dr. Minderer); b) VOn der
Sprache (Schindler II, 715); c) vom Frin. — ver-
standener Harn = der nicht mehr richtig ab-
läuft (rerstandene Blatter). — Verstand (mhd.
verstaut = Wahrnehmung, Klnsicht, ,,wle die Bedeu-
tung sich aus »stehen, ableiten llsst, ist nicht klar",
Kluge5, 3*9; engl, understand). — verstehen =
ganz und gar und so stille stehen (bei anders
Sprechenden, Rasenden, Geisteskranken, Käm-
pfenden), dass man die Sprache vernehmen
(Vernunft), etwas „begreifen" kann (s. ent-
stehen). — Verstandes- Gebrechen , -Zahn. —
For-Steher, pl., 1. — Beisteher (s. d.). — 2. =
Prostata, Parastata (1712 die Vorsteher, pl., F. HofT
mana VII, 154; Blbl. Med. 463; Löveling 179; 1493 mit
lust vorstan = callere, crlgere, I). 91). — die Milch
steht mir vor dem Magen = liegt schwer ver-
daulich im Magen, ohne denselben zur rechten
Zeit verdaut zu verlassen. — zu - stehen,
Zu stand = Bestand eineB Organes, Zufälle,
Krankheiten und Beschaffenheit desselben. —
(isi2) fauliger Zustand = Faul fieber (Falke I, 275).
— Fraiscb-, gefraischhafte Zustände (1740, Seitz
I, 614) = eklampsiearlige oder epileptiforme Zu-
fälle (s. Gefraisch *). — Fraucn-Zustände =
Frauenkrankheiten, Bleichsucht, WeissHuss,
Periode. — (1730) Frucht-, Kind - Zustehen
(hartes) — zu enges Anstehen der zu gebären-
den Leibesfrucht am mütterlichen Becken, so
dass sie nur hart, schwierig entbunden werden
kann. — Krankheits-Zustand = „das patho-
logische Geschehen". — (166S) Lun^en-Zustand
(Heyn. ut>). — (1756) Mutter- Zustände (A. v. H. I,
33S). — nervöser Zustand - s. nervös (Falke II,
159). — Säfte- Zustand = die rohe, gekochte,
gegorene Beschaffenheit der Humores Galeni.
— (lsij) Wurm -Zu stand = der korperl Bestand
bei Anwesenheit von Würmern im Leibe, Dreh-
krankheit, Finnen, Egelseuche etc. (Kraus, K. 9S6;
Falke I. 33; Ii, 416). — stehendes r Fieber, Tod.
Standarte, f. (altfranz. estendard = Kavallerie-
fahne) = Tieischwanz als entfaltete (extenso)
Fahne (s. d.) (Br. hm I, 452).
Stange, f (Stengel, Stingel) (gwn. »taug»; zu
stlng [stachen ]. Kluge4, 358 ff. ; ahd. stango, Mingü,
j stingel, (JraJT VI, 693; mhd. Stange, »tcngel ; 1711
I «lange = hasta = mernbrum virile, Kirsch 559). —
Stange, f. Stangge, m. (Tirol) (Stänker), I. «
ein lang aufgeschossener, dürrer Körper (Stingl)
llinincr 5. 9; II. Paul 132). — 2. = Penis erectus
(Schweiler II, 77u). — Gc-Stäng = das mit. viel-
lachen Stangen gezackte Hirschgeweih. — ge-
stinglet= langbeinig (Sehra. Ii, 771). — Hopfen-,
Rdtuh Stange = ein stangenartig gewachsener,
magerer Mensch (Hlntner 5; Spiess II, los). —
Stengel, m. (Stingel), m. = eine kleine Stange
(conf. Bahoenbanu als B ühncratange) , 1. = Penis
erectus (Schmellcr II. 771). — 2. = Mannsperson
(l.eod ). — Stingel- Mannet. — (or.ert.arr.) Hemat-
Stingel - Penis (unterm Hemd.s. Hemd-Ding»),
Mentula (Schmellcr I, 1110, II, 771). — Stangen-,
Stengel- Fieber*, -Hitze*, -Siuht.
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074 Stank— Stapfe.
stark— Rtarr
Stank, m. (stinken) (zu cofrfc [tang] = ranzig,
nestgerm. stink = einen Geruch von sich geben, «o-
wohl gut als libcl, K1uk<- \ 36.1; ahd stinkan — einen
Geruch von nifh «eben, duften, rleclu-u , Grnff VI,
691 ff. ; Manch , stauk , in. — Geruch, odor; angl*.
«tlncen, Cock. I. 42; mbd. flinken = [vorherrschend^
stinken, stenke, m. - übelriechender Atem. Lexer 217;
flatus ventris, Schmeller II, 771) = der Ohle Geruch
(aus Wunden t. B.), Fäulnisgeruch in der Luft
(dem man das Entstehen von Seuchen zuschrieb, Holt-
mann I, 77). — Stinker, m. — der da stinkt,
CulUB, Podex (Hintner 7. 17; Ze. 111). — (1711)
i4cA*W-Ge8tank = 8.Üchsenstank, Foetoralarum
Grasos (Kraus, E. 429 ; Kirsch 512). — mit Eiter
stinken (ugo mith ettter «tinkena, anrit n, 191) -
putrider Eitergeruch. — faul- Stinkend (angls
fulstincendan, Cock. 1, 2M) «Obel, wie nach faulen-
den Stoffen riechend. — /au/stinkende Miue'.
— Ft<S8-Stank f-GV stank) (1420 vuet stank, vi«
statin = pedor, tir. W.; D. II, 284; 147:. volWUmk =
pedOT ; 1482 fnssstanck = foetor peduni, Zcn. Voc. c8;
D. 420) — der Ohle Geruch (Fuss-Schmuck s. d.)
an den schwitzenden Füssen, Foetor pedum
(Gr. W. IV, l. 1027. 10441 (Solengestank). — Ge-
Stank = der lange duuernde, vielfach wech-
selnde, üble Geruch. — (1787) krebnichter Gestank
m der flble Geruch beim Krebsgeschwür, der
früher als ein charakteristisches Zeichen für
Krebs gegolten hal. — Mund Stank 1429 rauml-
stanck = oseedo, D. II, 274) — übler Gel urh aus der
Mundhöhle (s. Schmack). — Xaxen Stank, -Ge-
stank (13. Jahrh. nasestang. 15. Jahrh. tiasenstank ;
1515 nasengestanck — polypus iiarium, l>. 445 = Oze
[Celsi], altvlära. stancke dat com! huter nesene =
osaena, Oarlt II, 138) — Ozaena (Actuarii), der üble
Geruch ans der Nase, bei Syphilis, Lepra z. B.
('"Co» = rieche; SC*"" - riechender Polyp. Roth Xsn ;
Kopp V. 151 ; Kraus, K 720 ; mittelcnKl. «tlneking that
cometh out of a manes noso thrilles, Heinrich 101)
(StinknaBe). — (1609) Solen -G< stank = der üble
Geruch von <ler Fussohle (Kus^tank) Guar. Re-
gister;. — (',!,>,„ Stank, -Gf Stank (alllliim »taneke
der oxelen dat man heel yrens, (iutlt II, 110; 1577.
ndl. stank van de oxelen; 1-186 uchscu gestank, ge-
stank linder der uchsel — bircus, I». 278, angl«. fulue
steuc thaera oxna, Cock. I, CO) = der Bocksgeruch
der Aehsenhöhlenliaare , Capro olida Horath
(Kirsch 182). — /fti'Anf-Stinkung (1531 »tynckung der
zan, Krautw. 783) ~ flliler Geruch durch kariöse
Zahne. - Stink- (Stinkend e, er, rg|) -^/er»i,
-Blut, -faul, -Fltittk, -Gcschwär, -Hals, -Haut,
-Mund, -Nase, -Schaden, -achweissig , -Sucht,
-Zähne.
Stanz, f. (Stanzen), m. (zu stehen [a, d.J). —
Stanz, f. s= das Stehenbleiben , Freetio penis.
— Stanzen, m. = Bein (stehend) [Ktaloer 8).
Stapfe, tu., f Stapf, tn. (Stapp, tu Stoppe, m.
Steppe) Ündogerui. stab, stap. germ. stap = mit Knsien
treten, Tritte machen, geheu ; angls. »taepum = ba>i-
bua [pedlbus], Cock. I. LXX1. LXXIV; engl, atep,
Kluge*, 489 ; dazu Stufe; ahd. stapfo; mhd. stapfe),
1. = der Absätze machende Tritt oder Fuss-
knochen. — 2. = Absätze, Stufen, Steppe (abge-
setzte, stellenweise Stiche). — .'). = absatzähn-
liche Hautnarben. — Stoppen, pl. - Narben, die
mit den holprigen Stapfen im Schnee verglichen
werden. — stäppig = narbig. — Dlattrrn-
Steppen ( stäppig, steppig) — Blatternnarben
(C. v. Schro. 107. .108; Nicoini: Schm. II. 7711) — blat-
! ternarbig. — -/"'(«»-Stapf (1482 fu -.<ntafi = suhlet,
j D. 562 = subtalo) = Calcaneus, das Fersenbein
(unter dem Talus), auf das man beim Fusstritte
den Fuss, das Bein setzt (Hacke); Unter- Enkel,
Unteranke (vgl. engl. In>tep ss Rist. Spanne Mittel-
fuss, Lehf. 89: foolslep — Kusstapfe. Kaltschm J. —
öschel - Stappen = Urschlacht-Stappen (s. Ur-
schlftcht), Blatternnarben (Schm ). — Stapfei
Zahn.
Stark (serin. «turk - -darr. Kluge \ 319 ; ahd starc ;
mhd. starc - »tarrig, kräftig, heftig, gro*s, dick, GrafT
VI, Tit.; 1447 sterki ~ S tarke , Gr. W. V, 1922; 14 CO
sterekt, Gurlt Ii. 195), 1. = fett, korpulent. — 2. =
(biblisch) gesund, im Gegenteil zu krank («eh wach)
(O. Paul 4;!3). — Stärke, f., 1. = das StarkeeiD,
Kraft. — 2. — junge fette Kuh (Kckstetn}. —
• Ii», stark (1420 lacertus. I). II, 236) sc mit kräftigen
J Armtnuskeln ausgestattet. — artikel stark =
| er ist stark (aus) auf den Geschlechts-Artikel,
er hat grossen Geschlechtstrieb (E. W. I, 70). —
(148.1) Aa/»-stark = cervicosus, hartnackig (D. IM ;
Schmeller II, 782). — stark (e, eres) Fieber, Finjcr,
Magen, Sucht.
starr i starr, starren, starr ezen Starz,
Sterz) (genu. ster, star [stark . unbeweglich), ahd.
starOn = starren, mit unbewegten Augen blicken,
angls. starian; mhd Staren = mit unbewegten Augen
starr blicken Staar], Lexer 24.1; mhd. starren — starr
werden, Kluge*. 319; hart, unbeweglich sein; engl,
slart - Sterz. Vorsprung, Schwanz; isländ. stirtla.
stara). — Starre, f. Starren, f. = der starre Zu-
stand, Katalepsia (Bavariaiv, i. 218 ff.), — starret
= körperlich slarr gemacht (nach dem Volks-
glauben, z. II durch den Wichtel Kiiifluss. «. Wichtel),
Germania VI, 216). — starrezen (stftrzen) = Ofteis
starr, steif sein (Schmeller II. 77.1; Gr. W. III. 996)
— Starr (släir) — vom Starrkrampf ergriiren,
steif, unbeweglich, zornig (eine Thntigkeit der
Wichtlein, Alpbg 108). — Stär, Ster, m (ahd. stero .
mhd. ster, Grad VI, 701, llenneb. staer. Spiess II, 210)
— das mit einem Sterz 3 begabte Männchen
von Schweinen, Schafen und Ziegen. — Starz
(Stärz, Sterz), 1. m starrer Knochen, 8larrbein,
(Steissbein). — 2. = tierischer, behaarter Schweif
(Schleswig blix stcert = bleckender, heller Reluchweif ,
dick>t.ert = buschiger Kuch«schweif ; swippsteert ^
schweifender Kub«ehwanz, »ipp«leert ^ wippeformig
Mch bewegender Hasenschweil , Müllcnh, 469). —
3, — (1.1. Jahrh. eyn perdestert — penis eqni, D. II.
286; 1482 atartx [stertx), Zening. Voc. IT. 2. pp2,
ndd. sterl = penis, D. 422; 1587 «tertz - uropygiiim'
D. 630, ndl. »leert, staart , V. K. IX. 86t = Zagel,
Schwanz, Schweif des Menschen, l'enis, Cauda.
— Stertel-, Sterz Ader*, -Sucht, - Wurm. —
Stertel, Stärzel, 1. = krummer, glieiler-
sieifer, kleiner, verkrüppelter Mensch (Schm
II, 786). — 2. - kleiner Starz. — Stärze, f. -
der Zustand des Starzseins. — Sterzer, in.
(Störzer) — steifgebende, Knocbenleiden sunu-
lierende Wallfahrer, die plötzliche Heilung
als Wunder fingieren (confusi) (1421 sterzer s
starr.
Stadt-Statt.
«7.-»
vagus. D. II, 37«; Ilaltaus 1760; Du lange VII, 6S6).
— 'f. starren = mit starren (s. Staar) Augen
anblicken. — ■ rr-starren (uihd. erstarren), 1. —
starr werden (vor Kalte an den Gliedern z. H.)
(1591 ; Tat». rn.:i u), vom Geschlechtsgliede (Natur)
(l.v.i) - Rigor peniH (Gr. W. III, 996). — 2. = starr
machen (der Tod erstarrt den blick). — (1597)
AV-Starrung = der Zustand des .Starrwerdens,
engourdisst-ment, Kalalepsia: „dir kranke liegt
nicht ander* als schlafend, hat doch die äugen offen,
bewegt aber weder die OllgClilider noeh andere theile
des leibsetc. ; solche erstarrende werden gleichw ie die
götiten, sehen mit offenen äugen nichts, riecheu und
boren nichts" (wirsung ll">) - Kalalepsia, Starr-
sucht (Xieineyer II, 371). — (1710) Kr- starrung
des weissen Geäders, Rüc kenmarksBtarrkrampf
(Gr. W. VI. 75), Opisthotonus. — (174*) Glieder-
/•.'■ starrung = Tetanus (Maschenbauer 31), Starr-
krampf der Glieder, Rigor mortiB ex apoplexia.
Fl* i v /,' Starre = die Totenstarre im Muskel,
die sich durch Fäulnis wieder lost (s. sticken).
— ganz starr = höherer Grad der endemischen
Katalepsia (Hararia IV, l. 214). — Genkk St&TTQ
— Hals- od. Xackenstarre (s. d.). — <jc-starrzt,
-stärzt = starr, steif geworden, strotzend, auf-
geblasen (Schm. II, 775). — halb starr = leichterer
Grad der endemischen Katalepsia (Bavoria I. cod.).
— Hals- Starre (-Starre) (i5oi haisstan-e ■ tetanni
Gr. W. IV, 2. 207. krummer Hals, Heyne III, 26; 1587
starrige des hals, D. 681; 1591 halsslarre - tetanu«,
Ilad. Jun. 371; 147''. eine seuche dar. die senaderen
so sere sieh itremigin da« man den hals nicht mak
gekeren, I). .'81; 1018 halsslarre = steifer Hnls, tetanus,
caput obstipum, Gr. W. IV, 2. 207; Schmeller II, 775;
1741 halsstarre - opi«tholnnus, Kirsch 531; 17 .6 hals-
starre, f. = tetanus. A. v. II. I, 1181 ; ndl., dilti., schwed.
halsstarrig) = die krampfhafte, einseitige oder
beiderseitige Unbeweglichkeit der Nacken- und
Halsmuskeln: a) beim Totanus (Starrkrampf)
toxicus, rheumaticus etc.; b) beim rheumat.
Sehiefhals (Caput obatlpum). — Kopf-Starre
m Ualsstarte a, b (Kopfstrenge) (Gr. W. V. 1780).
— kra mpf-et starrt = durch Muskelkrampf
unbeweglich (Gr. W. V, 2011) (Starrkrampf)- —
Ärtimm-Sterz (Grimm?) —■ gekrümmter Tier-
schweif, ein Kinder erschreckender, grimmiger Gci*t
de* Volksglauben» (Grimmes, Grimineis, Bebell SSL SU,
Kiiberagel — Lachen- Starre = Totenstarre
(■. d.). — (1518) MamimitfU-St&rZe (stertze der
maiinsructen — satyria«i» [ereclio peni»], II. v. Gersd.
IM). — Nacken- Starre ■ starrkrampfartige Zu-
eammenziehung der Nackenmuskeln (llals-
starre), eines der ersten Symptome bei dem
durch Mikroben erzeugten Tetanus. — Ochsen-
StärZ (1500 ossenstert; 1">07 o*sen*tertx — colurus,
D. IM; II, 102) = Ochsenschweif. — Ragen-Starz
= der FettBchwonz, der herausrngt (Cr. Vi. VIII,
Gl). — Ratten-Starz (ndl mtteateert, De cock) =
kahler Pferdeschwanz. - SrWif/cn-Stärz (-elken-
»teert) = Hollenzopf, Wichtelzopf, verwirrter
Haarschweif, durch die ThUtigkeit der Saligen
(«. d.) gebildet (s. Säldensch wanz, Weichselzopf)
[RochBOll I, 333). — Staup-BX&TZ (Kifel. stilisiert,
fromm. VI, 19) = ein Pferd mit gestutztem
Schweife, der einer Staupe (Fegrute) ähnelt
(s. Staupe 2 b), Rattenschwanz. — Toten-
Starre ■ Rigor mortis, die 4—7 Stunden nach
dem Tode an der Leiche durch Gerinnung des
Myosin eintretende und allmählich zunehmende
krampfhafte Verkürzung der Stamm-Muskeln
und harte Erstarrung aller Gliedmassen (Sam.
411; Ilyrll, Auat. 90; Schmidt, Jahrb. 1895. 8. 87). —
(1060) ver- starren = durch Starrheit ganz un-
brauchbar werden (Christi. Jahr 87). — 8tarr-
(Sterz-) Bein, -Frost, -halsig, -Kälte, -Knochen,
-Krampf, -Seuche, -Sucht, -tot.
Stadt. — Stadt- Gift.
Statt, f. (Statte, f.) (zu stehen [a. d. bei Staad];
ahd. stat, steti, stata — Ort, Stelle, bequemer Ort;
mhd. *tat, stete — Ort, Stelle; angls. «talhol, t'oek.
III, 146), 1. « die für den betreffenden Zweck
der Organthätigkeit (Funktion) richtige Stelle
am Körper; daher: a) die richtige Organ- oder
Gelenkverbindung (H77 der kinpnck vert aus der
stat [Kinnliaekenliixation!. Ortolf; Gr. W. V, 477; 1197
ussx der stet = luxatio, Gurlt II, 221); aus der Statt,
Stett kommen — verrückt werden (Schmeller U,
793); b) die von der Natur schon versteckten
heimlichen Glieder (12. Jahrb.. stat = podex, Pfeiffer
lt), Hoden und Geschlechtsteile (Pfeiffer 25. 33;
14. Jahrb. stat da sich dy mau vor schäm ungern lehn
lant, Heeser II, Anh. öl; ndl. k&stecl — Statt - Anus,
V. K. IV, Ii); c) die eben zur Therapie wichtigste
.Sielle, der Krankheitssitz (12C0 stat - di.- blutende
Stelle, Pfeiffer 37; mnd. stete = Krankhelt«itz, Mag.
Barth, lo.'a); d) die natürlich richtige Kntbin-
dungsstelle (1391 die stat, do doz kiut in der moter
bauch lelt und ezu seiner geburt zut b matrix, D. 351;
das kind an die stall bringen — natürlich gebaren,
Gr. I>. XI. II, HU). — tlGOH) das Kind geht von
Statt ss wird regelmassig geboren (lieyu. i«o). —
2. = das abnorme Beharren bei einer ruhigen
Stellung, Stillstand eines Flu«ses z. B. (augls.
siede = »tranguria. rock. II , 400). — (1..02) stet,
Stättig (15. Jahrb.. Stedten - sterllla, l>. 561; 1551
stetig), 1. = beständig, Contimit», auch chronisch
(Hock 39). — 2. = stättisch (s. d.). — 8. «a un-
fruchtbar, nicht brünstig, geschlechtlich passiv,
die Fruchtbarkeit sistierend. — Stättiglteit
(15. Jahrb. stedleheit = sterililas, D. 551), I. sa die
trotzige Slorigkeit, baitnäckige Unbeweglich-
keit der Pferde ohne Grund, als eine Art von
Geisteskrankheit aufgefasst (Kalke II, 333; tipp.
352, v. M. I, 62). — 2. m bestandige Unfrucht-
barkeit als abnormes Beharren. — stättisch,
BtätBCh ■ (durch Verhexung) mit der Stättigkeit
behaftet (Kalke 1. c ; Itocbholz II, 167; Kuhn II, OS).
— bahn - stättig = auf der Bahn nicht vom
Fleck zu bringen (von Pferden) [Hohmellei Et, 798).
— (1618) Bin' Statt ("tatt des *pfi«senden btutes,
II. v. Qersd.) = das \ cnenblut in den grossen
Lebergeftlssen (Pfortader, s. Speisader) (II. v.
Gersd. 212). — (164'.) bose Stätte = l'nsiatte (s. d.)
!»-<.ler, \V. 353). Frauen- Stätte (mnd. de. Steden
der frawen de dy Wt don. Mag. Harth. 91 b) = Frauen-
Genitalien. — (I7,,e, Geburtu-St&tt - Uterus in
partu (Heyn.1*, 212). — Oe- Stätte — die ausge-
dehntere Stelle. — h<!< • ' .stattig. 1. = wider-
spenstig wie ein Hammel, störrisch (v. Pferden)
(Schmeller II, 79*) oder 2. = bttr hämisch*, sperr-
hämisch*, am Hammen steif (couf. franz. moutou
43*
Statt.
Statur— Btaunen.
m distorsio, Gnrlti, 106). — (K.90) ffarr- Stättigkeit,
Stättig = H. StättiKkeit (v. M. I, 62; Schmeller II.
798). — Haupt-St&tt (15. Jahrh. hoptstatt = calvari»,
D. II, 68) - Sehitdelstelle, Hirnschale, Toton-
kopf. — //«'/-Stätten suchen = die Sucht der
Sterbenden, namentlich der Lungensttchtigen,
vor ihrem Tode Änderungen ihrer Umgebung
herbeizuführen (Arzt-, Hemd-, Hett-, Zimmer-,
I^ager-Wechsel). — (15. Jahrh ) heimliche Stätte
(haimleich stat = vulva, Uyrtl, K. W 81. 137; Schindler
I, 1579; 1482 haymlichc stat = reuaculura [Hoden-
gegend], D. 492; II, 316; ndd. de liemlike siede =
' genitalia, D. 260; hcmelke siede - budibeda, budibum
[pndenda], D. Ii. 61) = Geschlechtsteile. — kahle
Statt (17. Jahrh.; Fr. Kr. B. 343) = haarlose Stelle,
Glatze. — Kinds Stätte [» die «tau, do doz kind
lict, die statt, do daz treib daz kind trelt, I>leffeiibach :
mnd. kindesstede, Mag. Barth. 91a; naeh letzterem
wenn der vrouwen weh ist in der kindesstede [matrix],
das hctMt passio niatrieis, oder um den Nabel [naucll,
das erkenne Mi ihnen dünket, dass sie unten zu-
sammengebunden sind und stechet so als ob man sie
mit Nadeln steche) = Uterus, Matrix (Uyrtl, K. \V. 17).
— Kr. in khi i tt Statte (1529 die stadt der kranck-
heyt. Paracels. de imp. E. s) m Krankheitsherd,
Krankheitssitz. — Kreit» • Statt (Kreischta,
Ob -Bayern) = da« separate Geburtslager, wo die krep-
pende Mutter liegt. — Lebens- Stätte (16. Jahrh eyn
staf dez leben* in dem leyb = vitale, D. 623) = Lebens-
sitz. — (IV Jahrh ) Aa/ur- Stätte (die stat der natur,
Schmeller I, 1769; Gr. W. VII, 436) = Erzeugungs-
ort durch die Genitalia ( = Natur, s. d.) — (1483)
Nieren- Stätte (niersut. C. v. Megbg.) = Nier(en)-
slall (s. d.). — (1702) reit-, rifr-stättig (seh) —
widerspenstig beim Reiten (von Pferden) (Sehn.
II, 79S). — Sch)w iss- Gestatte = Nates (Uyrtl,
K. w. 199). — »ehre Stätte (aet stat. Sehm. i. iss,
z. 9) = die schmerzhaft eiternde, wunde Körpei-
stelle. — «Mi- stättig = widerspenstig beim
Stehen (von Pferden) (SchraeJlet IT, 798). — (mnd.
tonen Statt («te donen stat. Mag. Barth. 91a) = ge-
schwollene Genitalien. — (1260) tougen Stat, f.
= geheime Stelle, Genitalia, Scheitle als Scham-
teil (Pfeiffer 83; Schmeller I. 69.-.; II. 792). — <Vll-
Stätte ■ Locus infaustus: „er ist über eine
? 'fr- statte gegangen" = plötzliche Erkrankung
durch den KinHtiss von Dämonen (Lammert,
Volks Med. 82), die an Spukorten, in loci«, ubi spectra
regnent (Bilwizbaumc , Ausgnss- Stellen [s. Malgus.],
Thürschwo'le, wo Bulwex - Bilder [as Alzraftnnlein]
oder Abortusmolen |— Alp] vergraben sind, s. Verf.
V.-Med. S. 196), als Naehtseiiatlen (s. d.) umgehen oder
als graues Bergmannlein, da» dem t'nstilltkraut (Tha-
lielrum flamm, Jessen 400, aueh Kualienhold, Knapp-
holt, Kante, Heilblalt genannt), den Namen gab; meist
Ist dadurch a) der Herpes labialis (s. Koriceken), die
über Nacht auffahrenden l.ipj>enblÄschen , b) habi-
tueller Abortus oder c) die rhnehili«che Kinderabzeh-
rung angedeutet (1729; v. (lehren, v. Gespenstern 6);
(1615 wenn man mit einem klnde über ein boeao Btaedtc
gegangen so werden diekinder sehr krank und schreien
sehr. Coler, W. 35»; Wd. B. 152) (f. auch baum-
leihig). — (1601) W, ,•/.- Statte (des Herzens) =
Herzkammer, wo die Funktion, das Werk der
Herzthatigkeit sich besonders äussert (Uyrtl,
K. w. 83). — stäte(r) Bauchflus», -fe»t\
Statur, f. (1420 statnre aus lat. «tatura = statu«,
hominis, d. 551) - Postur, Positur, Gestalt.
statzen, Statzger, statzgen, staxen. stal-
Zeln (1412 slaczoter - balbus, Schmeller II. 799, MM
statzger = balbus, D. 66; 1512 statzgen - labare. D. 313;
1591 staUer - balbus. Had. Jun. 394; 1612 statzer.
II. Sachs; 1618, 1620 statzgen, statzen. stalzeln =
stammeln, Dr. Minderer; Schmeller II, 799; A. v. IT.
II, 878; Nelienfnrm ist auch stalzeln [mhd.J, Schw. t.sl).
— Stutzer - der so spricht, als ob seine Zunge
starzt (b. o.), starr, unbeweglich wird, stockt
unterm Sprechen. — statzen (statzgen, staxen)
= Starzend, stockend sprechen, stammeln,
stottern (Jotacismus), gleichsam wie befangen,
zungenschwer sprechen (Ooen 43).
Staub, m. (zu stieben; ahd, «toup, stuppi; mhd.
stoup, stüppc; 1731 stoben = pulvis, Staub, Ausein-
andergestobene«, Gesttipp, Gestüpp, Kluge1, 3-59; 1740
staubleln, Seitt I, 535) = staubförmige Trübun«
des Gesichtsfeldes. — (1839) ^6-Stäubuug =
eine staubförmige Abschilferung der Kopfhaut
(Staubgrind, Defurfuratio) (Behrend 19) — (15T.0)
0* stüpp = das staubförmige, wolkige Urin-
sediment (Künlgsjp. 60). — (1842) //-("/-Staub =
Hautabschuppung in Kleienform (Falke i. 380).
— Staub -iMefcfr, -Grind, -Haar.
Stauchen (vorgerm. stug; germ. sluko, stukjo;
altnord. stükan = aufschichten, stossen; 1612 stauchen
bedrücken. H. Sachs). — u (//'-stauchen - den
Fuss aufwärts stonsend verstauchen (Gr. w 1, 34.'i).
— u'-'i >- stauchen ■ die Hand, den Fuss so
stossen, dass die Teile daran Ober Bich selbst
stauchen, sich aufschichten, verstauchen. —
1 Stauchen (ndd. verstuken) = die Glieder
zer- |
und Gelenke so stossen, dass sie in ihren Fugen
und Verbindungen fflr eine kurze Zeit ganz
verschoben (franz. entorse) und ihre Weichteile
so gedehnt sind, dass die Glieder unbrauchbar
sind; bildlich auch von den alten Chirurgen
übertragen auf den durch Speisen und Getrilnke
maltraitierten, „entrichteten" Magen (Gastri-
cismus; Decrochement de l'estomac) (Bris». i6s;
Pauli :.; Göldschen. 79). — V- > s tauch theit (ndl.
vcrstuycktheldt, üe Coek :;03) = der Zustand dea
Verstauchlseins.
Stauen - {atamn machen 's. staunen]; ahd.,
mhd. stouwen; mittelengl. stautiehe bloode, Hein-
rich 3, am. -engl, stows, Janus 1898, die durt^h die
Milchsieehnis [s. d ] veranlassto jstarrhelt der Hinter-
extremitAteii [Kreuzlahme] des Herden vlch», welche«
eine lahmutigsarlige Schwache der Hinterbeine zeigt,
so dass es sich wie faul dahiuschleppt). — ßlut-
' Stauung - langsamer Blutlauf mit Neigung zu
(■erinnung, Thrombosis.
staunen (indogerm. stu \"'nu] — starr sein ; ahd.
stunön — starr werden ; 1730; Schweiz) — a) träumend
vorsieh bin blicken; b) (von Schweinen) nach
dem Männchen verlangend still stehen (Sehm. II.
764). — Elfen -Staune (elvinstung. Köhler SO;
Kluge*, 360) = elbisch veranlasste Starre (s. d.)
des Körpers, Katalepsie. — ZdAne-Staunung
= Zustand des Stumpfset na an den Zahnen,
Langwerdens der Zähne (Schmeller II, 764 ff ).
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Staupe.
staxen— stechen. G77
Staupe, f. (Stupcrchen. Stuipe) (aitfries. stupa;
nihd. stüpe; früb-ndl. stuipen, De Cock S2; Kluge*,
300 = [ursprünglich] der festgestaute, starre Schand-
pfahl zur Züchtigung 'c*stigatlo] der Verbrecher mit
der «tupfenden Rute Ivlrga]. übertragen auf die Be-
rührung oder Bestreichung mit einer ,,geschincis>igen
Rute" [Ansteckung], H. Sachs), 1. = Strafe (poena),
Plage, Zucht (<ler Gottheit) durch Krankheit,
namentlich: Eclampsia infantium, Epilepsia
(Gr. D. M. If, 1110. Haitau* 1738; De rock 93, Falke II,
337). — 2. — der Zustand, wo die borstig auf-
gestellten Stauphaare (s. d.) sieh zeigen,
x. B. beim Frost, Fieber, Hautausschlag (Uftnse-
haut), daher Staupe: a) Anfall von Frost-
achauder, Schäuerchen, Stüperchen, Frais,
Gichtern der Kinder es (1723 Staupe, The», »an. Br.
418, ndl. de stülpen - de Hessen, De Cock; V.-K. 1896,
1S97, 10..), welche plötzlich „auffuhren" (Gr. W.
I, 612) unter frostiger Gänsehaut (s. d.), wobei
die Härchen sich Btarr aufstellen (Wuttke m vi2) ,
b) eine Epizootie der behaarten Tiere, z. B. der
Hunde (eine ansteckende, fieberhafte, akute,
katarrhalische Bronchitis) (Forster II, 306, Zipp.
703), wobei diese Tiere die Haare borstig auf-
stellen (vergl. weisse Borste und Stuben) und
desgleichen einen pustulösen Ausschlag in den
Haaren zeigen (Schafe, Pferde und Rinder)
(Meyer. Konv.-L. XVI, 398; Falke I, 422); e) der Er-
gotismus (Brodseuche) wegen der Formikation
und Gänsehaut, Cutis anserina infolge der Ein-
wirkung des Mutterkorns auf die glatten Haut-
muskeln (Kornstaupe, Kriebelsueht); d) Weide-
krankheit oder Brandwut, Milzbrand (weisse
Borste) bei Schweinen (De Cock V.-K 189.'». 8. 12).
— 3. - Sucht, Krankheit im Allgemeinen, eben
herrschende, bekannte Seuche (ndl. seske« -
stuipe, V.-K. VIII, Mi Falke II, :t:i7) oder ein oft
wiederkehrendes, kleineres, sozusagen alltäg-
liches Leiden, Pein beim Menschen, Krankheits-
Anfall. — 4. = Staupe auch Anfall von Laune
(Hundswut) (Meyer, Konv.-L. XVI, 3«) — (1842)
Augen -Staupe, 1. = Conjunctivitis epizootica
aphthosa, starke Mitbcteiligung der Augen
und ihrer Umgebung am aphthösen Prozesse
der Maul- und Klauenseuche des Rindes, wobei
die Haare desselben Bich stauppend aufstellen
(K. u. P. II. 478). — 2. = Hornhautentzündung
nach der Hundestaupe (Falke I, 87; Pierer7, H, 38).
— Blu Staupe -ine Milzbrand - Kpizootie
unter den Schafen und Lämmern, bei welcher
die Tiere Blut harnen (Haemaglobinuria) und
die Wollhaare stäuppend aufstellen (Gr. W. Ii,
192; Zipp. 613). — böse Staupe, 1. die böse
Krankheit = FJpilepsia (Meyer, Konv.-L.'. VI, 18*;
Falke II, 337), Hysteroepilepsie, Staupe 1. — 2. =
die Brandwut der Rinder (<;r. W. II, 302) =
Staupe 2d. — Hunde Staupe = Staupe 2 b. —
(1717) Kot n Staupe. 1. - die Kriebelkrankheit
(Ergotismus, Brandseuche), welche Gänse-
haut macht neben Ameisenlaufen (Formiea)
(Gr. W. V, 1831; V, 2205; Hecker 328; das Mutterkorn
heisut auch Komstaupe, Jessen 459). — 2. = Rank-
korn- Staupe ;.Milzbrand, Staupe 2d). - Mutter-
Staupe <=• Hysteroepilepnie (s. böse Staupe).
— Fest Staupe ■ Hundestaupe, höchst an-
Bteckende Seuche, namentlich 1769 unter den
Jagdhunden herrschend (Heckerl, 147). — Pferde-
Staupe = epizootische Pferde-Influenza, Rot-
lau fseuche, Skalma, Leuma (Phlegma?) equorum,
Staupe 2b. — Stäup v • z
staxen s. statzgen (Coeo 43).
stechen (stecken, sticken, Stick, Stick,
Stichel) (vorbistor. stlk, stink 1«. Stange u. Stunk;,
vorgorm. stig, stik [aTrrjia, ex-tlngo, iustigare]; gcrin.
stek, stikjan = sticken; angls. stencednys = An-
steckung, '/.<;. 14") , ahd. stecehen, stehhan = stechen;
, stecken, stecken = einen Gegenstand durch Stoss in
einen anderen hineinbringen, II. Paul 434; süceban,
stlkan — stechen, Graft" VI, 627; sticken = sticken,
Kluge*, 361. 3f.2; steceho, stecko, m. stehho, m. =
stechender, Graft* VI, 629; stib, m. — Stich, stechedo
[flxus] = telum [Gcschoss], D. II, 360 — pleuresis, pleu-
ritis, dolor lateris acutus, Graft" VI, 637; angls. stice. f.
= Stichempflndung. Cock. I, 370; II, 170. 274 276. 400
[sticce — fluidum viseiduni, Cock. II, 406 zu stecken,
I gestockt], ahd. stechedo In corde — Herzstechen, Phy-
sica S. Hildegardls, (iraff VI, 6S6; 12. Jahrh. stechedo
= pleuresis, H. Z. XVI, 99 = Seitenstechen; 13. Jahrh.
stechedo — eine die Pleuropneumonie vertretende
KrankhciUperson in einem Baseler Segenspr., II. Z.
| XVII, 560; mud., 14.— 15. Jahrh. so weine en adhere
Natter] oft en slange [de worme] gesteket, J. f. ndd.
Spr.-F. XV, 122, 130; mhd. stechen = stechen, sticken
■ sticken; stecke, m. »Wehe, m. - stechender, SUck-
busten, Lexer216; stich, m. = Stich; 1200 »werden
stechen hat oder dem wö ist in den siten. Pfeiffer 22.
47. 81, der steche müet, Pfeiffer 30; SchuieUer II, 724
= der Stechen beschwert, plagt, quillt ;dämoiilstlseh],
der stech In einem Segen gegen den Nosch [Singullus,
6. d.], Mone'g Anzeiger VI, 463; 1521 stech, «lieh, m.
= pleuresis, stechendes Seitenweh, D. 142, 1564 — 1565
stich = eine Pestepldemle mit Lungenerscheinungen
[Schweiz], Haeser II, 321; Lcrsch 266; 1591 stich =
Pleuritis, Had. Jnn. 376; 161C stich = Sticbstelle am
Halse des Schlachttieres, Heyne I, 612 ; 1618 der stechend
= pleurltis, dolor lateris acutus et pungens, Schmeller
II, 721; 1742 süch = pleurltis, Seitenstechen, Zw. 983.
1018; [Oldenburg] staeck, Goldschm. 21. 111; [Pfalz]
Stechen — pleuresis, volksüblich meist von Winden
oder vom Blute abgeleitet, die sich in der Brust „ge-
stellt" haben [s. blasiges Seitenstechen], Pauli 27;
Beyn.*, 147. 14S; [Schwaben] Stechen, u. = Selten-
stechen, Buck 19; [Bayern] Stechen, m., n. Stecher, m.
= das Seitenstechen bei Heuropueumonia, Pleuritis,
Pneumonia; engl, stitch, stick, sting - Stich, stechender
Schmerz, besonders In der Seite, Lehf. 106 . 231. 232;
mlttelengl. a stlehe, any stiehe. le stlehu = apostema
vel passio Inveterata, Heinrich 149; neu-engl. stlchynge
= Stichnaht, Gurlt III, 349; ob stlthy = eine Krauk-
heit des Rindviehs [Schweis«, Rahe?] hieher ge-
hört?). — Stechen, n. 1. = der stechend em-
pfundene Schmerz Oberhaupt (nach früherer An-
schauung durch eineu mühenden, ijuttlenden Krauk-
heltsdamon [Stechwurmi verursacht und daher mit
Segensworten [Longinus-Segen.Cock. 1,392] besprochen,
aber auch mit ,,Stich-\Vurzcu" behandelt [= Bryonia,
In der Physiea St. Hildegardls ; angls. stlcuyrt = ostrogo ;
stcllarla, Cock. III, 304. 345; agrlmona, D. II, 13; engl,
stitchwort - Cbamllle, Kaltschm l). — 2. = nament-
lich der häufige Schmerz in der seitlichen
Brustgegend (Seitenstechen), sowie am Herzen
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«7S
stechen.
(Herzstechen) und zwar infolge von: a) Pleu-
rodynia, Geschoss (s. d.), lateris morbus rheu-
maticus; bl Pleuritis, Pneutuonia, namentlich
bei der epidemischen, asthenischen Pneumonie,
die eine seit jeher das Menschengeschlecht
betreffende Krankheit war (s. auch Sod 1, .ler
durch da« wilde Stichkraut [Carlina vulgaris. Jemen BS]
auch mit den Marzackeu [Mistel d. Elche] behandelt
wurde. Kr. Kr. B. 30) und wohl zu den ältest-
benaunten Krankheiten gehört; c) l'ericarditis
(Nöscli) und Pleuritis rheumatica (Kaltveruieht,
Apostemn, stechende Gicht); dagegen sollte das
Steckkorn, Stichkraut (Semen eardui Mariae) helfen. —
Stich, 1. = der einzelne , stechende Schmer«,
Nygma, Nyxis (Stichel); (böhm. «iflly, Manuh. 23).
— 2. =die Stichstelle durch Stechmücken ; Blut-
egelstich (seit Nikander von Kolophou 200 v. Chr. »lud
die ßaugegel medizinisch gebräuchlich, Clurlt III, 565);
Schächterstich, Nackenstich am Halse der
Schlachttiere. — 3. — das Stechen als Krank-
heit (s. oben; l/jrsch 208). — 4. — Brustbein beim
Jagdtiere (sternum), wo es mit dem Hirsch-
fänger den letzten Stich ins Herr, erhält (Hyrtl,
K. w. 208). — fv ~ die Stelle im Hühnerei, wo
der Fruchtansatz beginnt durch den Hahnen-
stich (Tritt) in coitu gallinae. — 6. = Rausch
(Hieb, Schwips; wie ein Taumel durch Schlag
oder Stich). — 7. = die Folge der Ansteckung,
beginnende Fäulnis, wie t. B. beim an-
gestochenen Käse. — sticken (stecken), 1 =
solche Atemnot (Dyspnoe) durch stechenden
Schmerz haben, dass man dem Ersticken (s. d.)
nahe kommt (spiess n, 213). — 2. = (verallgemeinert
dann) ersticken, aus Mangel au Atem sterben
(Schw.079) (auch ohne eigentlichenStiehschmerz).
— das (Muskel ) Fleisch stickt = hat einen Stich,
ist angesteckt, verdirbt schneller. — es steckt =
es fehlt an Luft beim Atmen («. o. sticken,
stecken). — es steckt in den Gliedern = mah-
nende Vorboten von Gliederschmerzen haben,
die sich als Stiche in den Gliedern vorerst
subjektiv bemerkbar machen ohne objektive,
äussei e Anzeichen = eine schwerere Krankheit
droht auszubrechen. — (1789) Steckung = er-
stickende Atemnot. — Stecher -der da sticht.
Im Siedl rlandlschen ist der Begriff dei häufig beobach-
teten (entzündlichen) nrustsilchc« (Pneumonla; in den
allgemeinen Begriff der Entzündung (ndl. ontsteklng,
De Cook 8. 16. 201) überhaupt übergegangen, — Stichel
(ahd. Htibhil; mhd. Stichel, Kluge *, SSS] = Stachel
oder dasjenge, das sticht. — stingen s Stung.
— Alp(tn)- Stich = die I'neumonta asthenica
(typhosa) epidemica (nach Guggcnbühl 79 vom
Alpenwind [Fohn ?] veranlasste IV-t [Lau-anner Fieber1,
conf. d. Fohn vom ärztlichen Standpunkte, Balneol.
Rundschau 1*93) = der nach dem früheren Volks-
glauben Vinn Alpdamonc, der im Alptraume Atemnot
macht, veranlagte stechende Schmerz, der die
Atmung so hemmt, dass ErSticknngenot ein-
tritt; Im tlrollschen Kinderlied (Zlngerle IX, Iis)
gibt die Mutter Acht, dass der Alp das Kind nicht
erstickt. Ber Name ,,Alp«tleh", aus dem Volks-
miinde übernommen, kann nur zum dämoulsilschen
„Alp" Bezug haben, da die geologische Sosologle
(1771 Alpeustlch) im Volke selbst auch heule nicht
zu nndeu ist. Bit arztliche Schule (in der Schweiz)
Änderte wohl den volksüblichen Namen Alp-ilch in
..Alpensticb" um; er ist ausserdem nicht einmal an
das alpine Hochland der Schwei« gebunden (Meyer.
Konversatlons-Lex.5, I, 4i5). Ber Alpstich Ist schon
als steehedo eiu uralter Krankheltsuameu; ,,dle
dentale Ableitung -ido (edo) I« t*el alten Krankheit*
bezeichuungen häutig" (Kluge*, 139; conf. uagado,
glhido. scharedo, juckido). Bas Festhalten an solchen
begrifflich langst gegebenen, uralten, ererbten Natnen«-
formeu Ist gerade bei den volksüblichen Namen be-
greiflich, wenn diese epidemischen, allgemeiner ver-
breiteten und bekannten, well öfters wiederkehrenden
Krankheiten (Suchten, Seuchen) zur Bezeichnung
dienen. Bas ililinontstl-che Stechen wird dabei durch
Speere, Lanzen oder sonstige Geschosse (s. d ) der
Brtmouen bewerkstelligt angenommen. Man tollte
gegen das Stechen aus den Händen vou Frauen
trinken, die Zwillinge geboren hatten, d. h. aus den
ilttuden derer, die unter dem besonderen Schutze
der Fruchtbarkeils - Gottheit stehen (Schindler II,
72t). Auch die Behandlung mit der Eichcntulstcl —
Marzacke ist erwähnenswert — (in-stecken (1550
angesteckt - hereditär syphilitisch Innclert. Fr. II, 23S ;
lßSU angesteckt = pestl infeetns . Gr. Vt. VII 1671;
1797 ansteckend = virulentus. bei Pferden durch den
Eiter die ltotzkrankheit [Strcngel] verbreitend, P Hoff-
mann V, y9; holl. aangestocken zijn = anfaulen, aan-
stekend , ont«teking = Entzündung), 1. = den
Krankheitsstoff (z. n. den steckend, d h. an den
Kleidern befestigten, haftenden Parasiten In den von
anderen ,, aufgeklaubten-' und wieder angesteckten
Kleiderstoffen) übertragen und vermittels der
Ansteckungs-„\VTego" bei anderen ansteckende
Krankheit erzeugen, z. B. Krätze, Räude, Sy-
philis, Kotz, Typhus (1810). — 2. = angesteckt,
Ansteckung - Abmagerung durch Lungen-
leiden (Pauli 20; (Übertragung der Bedeutung atige-
steckt, siech, gebrechlich auf Lungcnlelden, diestechcti-
den Schmers machen). — .1 «SteckUQgS - übel.
— (1551) Augen-, (1782) Augenbrauen-Stechen, n.
== hitziger, stechender Schmerz in den Augen,
namentlich infolge von fehlhafter Stellung der
Lidhaare (Dystichiasis (Lonic. s&t ; Bock 45; Gr. ff,
1. H12 ; das ,,l!lenden" [ =bIindmacheo] geschah früher
auch durch das Augen - .1 ^-stechen (15. Jahrh.
aincr di'in dlo ougen sind vss gestochen = orbus,
B. 399). — (15. Jahrh.) ZtowA-Stichel (banksllchil a
proeubus, B. 162; II, 3ül)=der Alp, Mar oder Ko-
bold, der die auf der Bank schlafenden Weiber
im Alptraume (s.d.) begattet (s. nachfolgendes).
— (17. Jahrh.) B t». ch- Stechen, n. - der in die
Bnucluregend verlegte Seitenstichschmerz. —
Batichstecher, m. = Penis (Damenstift) (Fr. Kr.
B. 372; Hyrtl, K. W. 203; Schmeller II, 721). — (1531)
ße-8teckung des Atems = der stechende, hem-
mende Schmerz beim Atemholen. (Krautw. I.XVIII).
— böses(er) Stechen (Stich) - böse Stichkrank-
heil, Alpensticb, Pneutnonia asthenica, epi-
demica (Guggcnbühl., Feierabend). — (15H) Brust-
Stechen - der stechende Schmerz an der
Brustseite (Plettresis) (II. v. Gcr«d. 100,1. — örtwf-
Steckung » Orlhopnoea asthmatica, Atemnot
infolge von Brnslstechen (Kraus, E. 137). — (1776)
Danen-, Dassel Stiche = der die Dasselbeulo
(h. d.) erzeugende Stich der Kindviehbremse
(Helm 16 ; s. Osler.). — Dfjen-Stich ■ Lanzen-
siechen.
Blechen.
079
Stich (Falko I, 208). — En /-steckung (ndl. ont-
steking) — Entzündung (s. o. S. G78a) (z. B. buidom-
steking b Hautentzündung, herscnvlies-ontsteking =
Hirnhautentzündung, De Cock 16. 201). — i > stecken
(-Blicken) (»od. arstlchan s suffocarl, Grafl VI, 627,
UM ersticken - praefocart, Pfeiffer 62; 1IS2 erwecken
= suffocare, Zen. Voc. h. i; l.Vtt) erateckung = suffo-
catlo, Künigssp. 48). Es Ist mehr als wahrscbeiniich,
dass auch der ersteckend wirkenden Atemnot mangels
sichtbarer äußerer Ursachen ein.' damonhafte (Al|>-,
Mar, Trade etc.) 1'rsache auch In jenen Folien zugrunde
gelegt wurde, bei welchen der Same selbst dies nicht
schon andeutet; so ersticken z. R. die Al)>ilumonen
im Alptraume oder Alpdrücke den Menschen, indem
sie ihre rauhe Zunge (s. d.), dem Schlafenden in den
Mund Ktecken f Lai.-tner). — ei stecken, ersticken,
1. = durch schmerzhaft Blechende Behinderung
des Almena luftentziehend töten, z. B. durch
das erstickende Halsgeschwär, durch auf-
steigende Dämpfe (s. d.) od. Geister (s. d.). —
2. = (übertragen ftnfj jede bedrohliche Luftent-
ziehung, Pniuma, Pnixis (durch äussere oder
innerliche Behinderung der Atmung) auch ohne
stechenden (steckenden) Schmerz, z. B. (1260)
das Kind erstickt im Multerleihe von der
smerwe (Kindsschmals) oder von dem faulen
Blute (Pfeiffer 2..). — ^/fo--Erstick(nng,en)(i7i0)
es ist noch ein ErMicken herkommend von dem Magen,
so von Winden und zäher »chleimlgter Maleri ist auf-
gcbla*en, welches den Miltzsuchiigen und mit dem
Schaarhock behaffteten Brüdern >, d ) nicht »eilen
w iderfahret n. gemeiniglich nach dem ffmm anflehtet
und wird eine Aflter-Erstickung genannt .Seitz I, 3us)
— tympanilische Auftreibung der Gedärme mit
Atembeschwerden bei Kotverstopfung im Dick-
darm oder Afterdarm. — 3. = hysterisches
Krstickungsgefühl. — (lcoo) gähe .Erstickung
(Guar. 74*). — 4. — der stechende Schmerz im
l'nterleibe, bezw. an der Gebärmutter, der mit
Atemnot (Tympanites, hober Zwerchfellstand)
einhergebt, z. B. die Anschoppung der Gebär-
mutter mit soviel geronnenem Blute, als ob Bio
„zum Kt sticken vollgestopft" wäre (Ixtchial-
Coagula mit peritonitischer Tympanites) (1260,
1483 das er-tecken an der muoter = praefocalio ma-
tricU, Pfeiffer 82; C. t. MegV.g. 326; Gr. W. III, 100«;
Plo«« Härtels i, 276). — 5. — die in der Gebär-
mutter zuiückgebliebenen Molen-Teile oder
die in der Ulerushühle vorhandenen Blutge-
rinnsel galten im Volke als Kröte, Krotolf, d. h.
Krötengestalt des Alpdämon», der von hier
aus ebenso wie am Halse (s. Halskröte S. 333;
Erstickungsgefühle wie im Alptraume machen
konnte (s. Krüte 3 b). Dann „steigt" die kranke
Gebärmutter als Kröte „auf" = Passio hysterica
(Thes. san. 260. 263; A. v. II I. 338. 80:.) ■ ülobof
hysteneus, das Krstickungsgefühl der Hyster-
ischen, bei dem diese glauben, eine aufsteigende
Kugel oder Kröte (Frosch) stecke fest im Halse
und bedrohe sie mit Erstickung (eine Sensi-
bilitäts Neurose) - (16. Jahrh .) Mutter-crsticken
(Arxnbch ). — stickte Xägd*. — fauler ('1765]
fauliger) Stich ■ der mit einem asthenischen
Eieber (Faultieber, typhusahnlich) einher-
gehende Alpstich (s. d.)'= Pneumonia asthenica
(Guggenbuhl. Feierabend; Haeser II, 45«). — (18-11)
flüchtige Sticke = vorübergehende, kurzdau-
ernde, stechende Schmerzen auf der Brust der
chronisch Lungenkranken (Sobernheim 233). —
Um,' .'.--Stich — die Stelle beim Schlachttiere
am Genicke, wo durch das Stiebmesser eine
den 4. Gehirnventrikel (noeud vital) treffende,
das Tier augenblicklich tötende Verletzung ge-
macht wird. — Gt-steck, 1. — Haubenstock als
Mittel zum Anstecken ; damit verglichen : mimikloser
Kopf; bläbnäugiges ÖrstecklMitu Fehles. ; i ruuell
II, 172; plieneegiges Gesteck) — ein solcher Kopf
mit Blähenauge (s. iL), einer, der nur blinzelt,
sonst sich wie ein Stock ruhig vorhält. — 2. =
das Rückgrat als Kollektiv der Wirbelknochen,
die in der Hüfte und im Becken stecken (Schtn.
II, "28; Ppiesa II, 79). — 3. = das anhaltende
Stechen auf einer Brustseite (angU. gcstlce, cock.
I, 392). — (16S7) G/i«/er-Stich = stechend schmer-
zende Gliederkrankheit im Gegensatz zum
Seilenstich (Georg. 419). — Hahnen ■ Stich =
Stich 4 (Schindler D, 734). — (17. Jahrh.) Haupt-
Stechen = Stiche (Neuralgien) im Kopfe (Fr. Kr.
B. 398). — heimlicher Stich =■ fauler Stich, der
| schleichend auftretende, heimtückische Alp-
stich (s. d.) (Feierabend 3; Guggcnbühl). — Hers-
Stich, -Stechen (ahd. stechedo in corde. Schnuller
II, 721 ; mhd. herz steche; 15. Jahrh. herezestych, herten-
steke = cardia, carditu«, D. 87; II. 75; Lexer 99; 1687
suchen um das hertz, Georg. 396), 1. = Stechensucht,
j der in der Herzgegend, linken Brustseite auf-
tretende, stechende Schmerz (bei l'neumonia,
; Endo- und Pericarditis); die älteste obJckUro
Differenzierung des Alteren blossen ,, Stechen'' (stechedo)
, durch die Lokalitat des Schmerze*, die subjektive
j Differenzierung nach der Schraerzart Ist weit älter. —
! 2. = (1756) das Herzersticken, Asthma eardiacuni
: (s. Herzgesperr, Herzgespann), das Gefühl, als
ob man ersticken wolle, mit Schmerzen in der
Herzgegend (A. v. H. I. 30ö). — 3. = der Herz-
schhigfluss, der nach dem Volksglauben, durch den
Stich eine« Wurmes (Viper) erfolgt (Z. d. V. f. Österr.
v. -K. 1, 162). — Hexen- Stich - Hexenschuas
(s. d. U. Hexe 8) als stechender Schmers, Lum-
bago (Z. f. Ö. V.-K. 1897, S. 51; Golth. 630). — Hits-
Stich - die Einwirkung hoher Wärmegrade,
z. B als Sonnenstich (s. d.), der heisse Stich
der Sonnenstrahlen (s. slicksunnig) auf den
Kopf oder die Haut (Gr. w. IV, 2. 1586) (Seiriasis,
-• '»»» «* - fÄ. ! -
prickelnder Stichschmerz im Leibe (Pr. II, 79;
Paracelsus; angls. Instlee; engl, iuwardstitch, Cock.
II, 170 275. 406) im Gegensatze zum ittoe butan innode
(Cock. II, 271. 276) — äußerliche Stichclcmpflndung.
— kaltes Stechen - rheumatische Pleurodynie,
stechender Seitenschmerz ohne Fieberhitze in-
folge von Erkältung (Frostreaktion). — Kehlen-
Stechen (l'-OO kselstekcu = jugularc) — Ersticken
durch Kehlkopfverengerung. — Kn - -Stecher
= ein Mensch, der mit seinen >< Füssen
(Bäckerbeinen) einen scharfen Winkel iu der
Kniegegend bildet, so dass die Inuenflächen
j der Knie sich beim Gehen berühren (Fromm
j VI, 298). — Lanzen Stich = dreieckige, degen-
erier lanzenspitzlörmige Vertiefung an den seit-
I liehen Halsteilen des besonders geschätzten
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«SO
stechen.
stechen.
Pferdes (Zipp. xs; min u, 34. U), eine vermutlich
au« dem Orten t überkommene Bezeichnung, da ein
Pferd Mubameds an dieser .Stelle einen Lanxenstlch
erholten haben soll. — Lenden-Stechen (mnd. heft
cyn wyn^che eynlsjteken In den lendcu so lieft he das
den steyn. Mag. Barth. 103a) = Schmerz h. Lenden-
Stein oder Nierenstein, Nephrolithiasis (Nieren-
stich). — Lungen Stechen — Pfeiferdampf der
Pferde (Falke II, IM). — Milch- Stechen -
der stechende Brustsehnierz der stillenden
Frauen (Neurulgia mammaria). — Milz Stechen
(16S2 Stechen de« Mütze«, Ollt. IV, 131, Kr. Kr. B. 103;
ndl. mili Dieken), 1. der hei heftigem Atmen
und Laufen in der Milzgegend eintretende
Seitenschmerz; mnn glaubte nueb, du.«« die Schnell
Uufer «ich die Milz ausschneiden lassen, um keine
Behinderung zu haben, Gr. W. VI, 220O ff.; De Cock
104). — 2. = der stechende Schmerz hei der
Pneumonia 1. Bin., der, weil dem Seiten- oder Alp-
stich gleich, besprochen wird, Wuttkc 337). — 3. —
Milzsucht (the «picen, Krau«, K. 976) - hypochon-
drischer Schmerz, Spleen. — (1725) Mutter-
Sticken = Mutter- Krsticken (s. d. o.) (The«, «an.
Br. 260. 263). — .V. ig, (- Stich = der plötzliche
Schmerz des Pferdes heim Einschlagen der
stechenden Nagelspitze in das sogen. Leben
des Hufes. — Xieren ■ Stich — der stechende
Schmerz in der Nierengegend infolge von
Nierensteinen («r. w. VII, 831). — Mwc/ Stich
ss Urticaria (s. Nessel; (ronf. engl, nettel stinging
— Nesselfleber, Lehi. 200). — Ohren - Stechen =
stechender Schmerz in den Ohren. — Seiten-
Stechen (-Stich) (1<». Jahrh. Stecher in der selten,
Sehmell. r II, 721 ; wem die selten oder der stechen wie
tue, L eod.; 1091 selten stechen so vom phlegina
kommt [Seitenstechen v. Brustver«ehlelinungl, Tabern.
82; 163$ In sorgliehen Schwachheiten al« Apo*temen
oder Seytenstechen, Glirlt III, 21 ; mudl. steeetc van
der [lu de] «Idcn, de Vr. 4«. 50; ndd. sltstaceh = Seiten-
stechen, Göldschen. 21. in). — der Seitenstecher
(H. BemdlktlnerJaJ» B> 381) m (1792) Seitenstich =
di<- Krankheit de« Kaisers Leopold II. vou Österreich
(VIerordt loi), 1. — der entzündliche, stechende
Schmerz bei Pleuritis Hippokratis; (Seiten-
apostem), Pneumonia, Dolor lateris acutus et
Illingens zum Unterschiede vom blossen (alteren)
„Stich" (steehedo). — 2. = der nicht entzünd-
liche SeitetiKchmerz (Pleurodynia, Seitenge«
schoss). Die dAmonlBtÜehe Ätiologie ergibt sich
1) aus einem angel«Ärh«ischen Segen, In welchem
geschildert wird, wie Hexen über Land retten und
gellende Speere (Geschoss, s. d ) versenden, die den
Kranken Seitenstechen verursachen {Maunhardt, Z. f.
d. Mythol. III, 107); die mit dem Seitenstechen be-
baftelen Kranken rufen in dem angelsächsischen
Segenspruche Januar* Hammer herbei gegen die
Schwarz-Alfen, die ihre Pfeile als elbisehe Cielster ab-
schössen und nun vom Donnar im Zaume gehalten
«erden sollen (Z d. D. 0. A.-V. INI, S. 350); auch bei
den altheUlul.-cbeti Letten wird der Illitz^ott Pehrhons
zu Hilfe gerufen gegen die stechenden Schmerzen und
das dieselben verursachende Wildfeuer iUlitz.»trnhl-
Gescboss) ermahnt, unter Bannworten In die Erda zu
fahren und vom Krauken abzula-sen (Bartels in d. Z.
d. V. f V -K. 1885, S. 13); 2) aus der Bezeichnung
,, Seitensiecher" ; 3. aus der Besprechung und Be-
schwörung (Wuttke 313) ; 4. aus der Behandlung mit
Bocksblut (1718) und Wildschwelnz&bnen K cb. m.
43. 8'J) ; Karl d. Gr. t »13 am Scitenstlch (Mezler 100). —
(1716) blahiges Seite »stechen = ein steehenJer
Schmerz in den unteren Brustseiten, der die
Bauchniuskelbewegung hemmt und durch
Blähungen veranlasst angenommen wird,
falscher Seitens« ich 1 (Gr. W. II, G2; Pauli 27). —
Blasen - > ..''.■•stechen (16. Jahrb. seyttenstechen
von blasen) = Nierenkolikschmerz (Seitensucht;,
der durch Blasensteinentleerung sich endet. —
; bösartiges St ..stechen = fauler Stich (s. o),
| epidemische l'neumonia asthenica mit hoher
I Sterblichkeit unter den davon Befallenen (Gug-
genbübl; Feierabend) (Alpstich, bösartige Stich-
krankheit). — chronischer Seifert stich = öfters
wiederkehrender, stechender Seitenschmerz bei
chron. Lungenleiden (Kopp II, 313). — falscher
>'..'' .'istich i. -stechen) (1725 = die Winde mischen
pleura und muscull intercostales, Thes. tan. Br. 909;
1807 „wenn sich ein Flusa auf dio Bnist zieht".
Ackorm. 87), 1. - der nicht entzündliche, meist
blos rheumatische Seitenschmerz bei Pleuro-
\ dynia und Neuralgia intercostalis, früher den
I Blähungen zugeschrieben (Verwechselung von
Ursache und Folge). — 2. — vergleiche- Verkehrte
Pleuresch, die linksseitige Pleuritis, weil nicht
rechtseitige (biw. Medlk. 486). — galliger Seiten-
stich — l'neumonia btliosa, die asthenische
Lungenentzündung (Alpstich), die meist mit
gelber (icterischer) Verfärbung der Bindehaut
und der Gesichtshaut verbunden ist (Guggeu-
bühl). — hitziger Seifenstich = eine fieberhafte,
mit hoher Körperwarme verbundene Lungen-
entzündung (Pleuropneumonia, Pleuritis acuta)
(Guggenbühl). — (1529) neuer Seitenstich(ncwc stiebe
ynn seltten, Paracet«. ) es die dem von Paracelstts als
neue Krankheit bezeichnete, dem Merkuiialis-
mus bei Syphilitischen zugeschriebene Pleuritis
(Paraeels. da Impost.). — (1620) pestilenzischer
Seiten stich = Pleuropneumonia pestilens (epi-
demische, asthenische, eeuchenartigauf tretende
Pneumonia), Alpstich (Dr. Minderer). — (1725)
rechtes Seitenstechen — der wahre, entzünd-
liche liippenfellschmerz (Pleuritis Vera) im Ge-
gensatz- zur Pleurodynla (Seitenstechen 2) (The*,
«an. Br. 542) (l'leureBch). — (1713) unächtes Seiten-
stechen = Pleuritis spuria(blbl. Medlk. 4M») (s. ver-
kehrte Pleuresch und falsches Seitenstechen 2).
— (1756) wahres Seitenstechen - der Gegensatz
zum falschen Seitenstechen, Pleuritis vera —
Pleurodynia (A. v. h. i. 1139) (s. Pleuresch). —
(1711) Sonnen-Stich (dan. solslik; schwed. solstyng;
boll. zonnesteck; engl, sunstrocke [Sonnenstreich,
Hitzschlag]) tfX'jfjs:?, -Etpiastt, Insolatio, So-
latum, Sideratio, Morbus solstitialis s. meri-
dianus, Siriasis ;Hauli Aeg), coup de chaleur
(Horton? 3up©C= Hundestern), Hyperaemia cerebri
acutissima, der direkte Kinfluss der heissen
(stechend empfundenen) Sonnenstrahlen auf
den ruhenden Körper; früher und In Volksglauben
noch der tückischen Thatlgkcit elbischer Dämonen,
s. B. Sehratzlein, Luren, Mittagsteufcl, Mlttagsgelster,
Mittagsfrnuen etc. «ige*chrieben (I,ai«tner I, US; Z. d.
D. Ö. A.-V. IHM. S. 105); der Morbus mcridlauus (stehe
Mittagsgespenst) wurde von den Griechen Akkedla
stecken— steif.
steigen.
(s. Unltifi) genannt, die Böhmen heimsen ihn poledniee,
die Polen Dzlewana, die Leute in der Oberlauslu De-
witz« («. darüb. Schelble IX, 6:»; Kalke II, 320; M. II. L.
1, 585) (s. Hitzschlag), Blatt 10, Sonne, Ilitzsticb,
lahm,Lichikrankheit,8ticksonnig,Sonnenkoller,
Matrosenfieber. — Spinat- Stecher = Päderast
(s. 8kytliische Krankheit). — von der Tarantel
'.»stocken = s. Taranti8mus. — (1843) Ver-
steckung - schmerzhaftes Stechen beim Atem-
holen, Verfangen (Kalke II, 407). — Wurm-
Stechen, -stichig (leis) — wie von Bohrwflrmern
(l.ocusta Paracelsf) zerfressen im Kochen, cariosus
(Fr. II, 76; 14.— 16. Jahrh , mnd. wormstek, J. f. nd.
Sp.-K. XV, 130. 132. 1.13) - Beinfrass, Panaritiuin
s. Fingerwurm. — ter stochener StlM. —
Stick- (Steck-, Stichel-, Stech-, stechende ■ .
Stich).4d<7, -Auge*, -Blut, -Bräune, -Flu»»,
-Frais, -GiclU, -haarig, -Husten, -Katarrh,
-Krankheit, -Leber, -Pein, -Schritt, -sehnig,
-sonnig*, -Sucht, - Werk, - Wunde.
stecken s. stechen = machen, dass etwas fest
haftet (durch einen Stich). — rer-steckter
Katarrh, Weichselzopf.
Steert, m. s. starr.
Stetten (Stift), m. (indogerra. stlp- ragen [stlpcs
- Pfahl; Renn. Mit = steif; ahd. steft; tnhd. sleft,
sUft, Kluge*, 3»".0. 363 - steifer Dorn, Stachel, .runder,
lugespitit. r Korper"). — Stetten, Stiften, pl. =
die kleineü, spitzen Enden der Haare und der
Kielfedern (s. Kinne, Stoppeln u. Gänserupfen),
die noch in der Haut bei Kopfgrint (Ausschlag)
(Z. d. V. f. V.-K. imw, .io), auch in der Haut der
Gans, Ente haften. — Bleistift- Kot. — Damm-
Stift = Penis (s. Nagel, Biller' und Pinkel). —
J/crz-Steften — das bei rhachilisclieu Kindern
in der Herzgrube stark vorspringende, scharfe
Bein (s. d.*) u. BruMbein-Schwertfortsatz (Pro-
cessus xyphoideus), der nach Volksauschauung
ein schlechtes Lebens Prognostik. »n l«t.
Steg, rn. (ahd. stee , mhd. stec = der höhere Weg,
den man besteik-t ;i>amm]) = (1675) Perinaeum, der
Damm als Scheidewand (s. d.) zwischen After
und Scham (Hyrtl, K w. i6t). — Steg Bein, -Raff,
-reif.
stehen (Steher) *. Stand. — steh- stättig.
stehlen. — Molken- Stehlerin (m. jahrh. die
vng. tniwe molken.itell. n du solt minir tur vorvelen,
.«sitz.-Ber. 1S67, 8. 7; Bebel! 573) = Hexe (s, d ), die
die Milch aussaugt (s. d.) oder den Milchtluss
zum Stehen bringt oder stellt durch Krank-
heiten, deren erstes Symptom das Ausbleiben
des Milchflusses ist. — Stehl- Trieb.
steif (Steifigkeit) (IndOgerm. stlp ragen [stipes
= Plahl, obstipi:<; gcrui. stif, Kitiee *, .JCü lt. ; ndd.
stll; engl. dealh »tifTness = Totenstarre) - starr, un-
beweglich, krumtuhalsig.— Steifigkeit = Starre.
— Steife, f. = die Gelenkseuche der Schaft-,
wobei die Glieder starr gehalten werden (Zlj«p.
C29). — A steifimg — der Zustand der begin-
nenden Leichenstarre (Kalke II, 337). — Gelenk-
Steifigkeit = Ankylosis, eine abnorme Ver-
einigung der Gelenkenden durch starre Ver-
wachsung, die die Gelenkknochen straff in-
einanderhält und unbeweglich macht, — (1761)
G/iVrf«-Steife, f. = Priapismus (L eh. 70). — (1S21.»)
Greisen- Steifigkeit — die durch senile Verän-
derungen eintretende Gelenksteitigkeit im Ge-
gensatz zur Steifigkeit infolge von Krankheiten
(Hofm. .\rz. 44). — steif(c, er, c s) Finger*, Genick,
Hals, Kopf, Xacken.
Steigen (Steig) (indogerm. stlgh - sehreiten [ve-
stlgium]; germ. sttg [Steg, steil], ahd. stigan, stig
[Steig]; mhd. stle, stig, stigen = stell aufwärts gehen,
sieh aufwärts bewegen, namentlich); steigen, 1. **
von Dämpfen (s. d. u. Geist), Flüssigkeiten und
Sekreten, die aus Leibeshohlen oder Organen
(Magen) auf abnormen Wegen «um Kopfe
Steigen, „sich versetzen", „verechlagen" und
daselbst krankhafte Erscheinungen(Metastasen)
hervorrufen sollen, z. B. auch Hundswut (isi4;
Cr. W. VI, 2200); ferner: die Milch steigt in den
Kopf m Mania puerperalis, wie sie auch nach
unten als Blenorrhoea puerperalis (s. weisse
Milch) zum Vorschein kommen soll. — 2. =
auch von Organen und Organteilen selbst, z. B. :
a) der Lunge (a. aufsteigen) (1582 die lunge steigt
In die kehle, Lonlc. 171); b) der kranken Gebär-
mutter; diese sollte wie ein Krtitentier (s. d. u. Krotolf)
aufwärts steigen, entsprechend der Empfindung einer
aufsteigenden Kugel beim Globus hystericus; auch das
„Manul" (stellvertretend für die „Mutter", s. unten)
sieigt auf = stosst, hriegt auf (Singulars, s. Mar);
c) dem Darmnetze (1545 eplplocelc, so das schmer-
felliu oder geudel [s. d. u.*': in den Jlloden-] sack
hinab zu den geinäehten steigt, Kyll; Gurlt III, 45).
— 3. = das Tiermännchen steigt auf das
Weibchen, es tretend (s. d.) = coit (1515; D. 131;
seb. 120). — (1C20) A chsel - Steig = Clavicula,
Schlüsselbein als stegartiger Verbindungs-
knochen (Zinke) zwischen Achsel (üchsen) und
Brustbein (Dr. Minderer). — .4 «/-Steigen, ID. =
das in die Hoho steigen von Sekreten oder
Orgauen, bezw. die abnormen, darin ausge-
losten Empfindungen. — Steig-atif d' Leut, m.
— „mulierosissimus" (Schindler II, 742). — Achsel-
Auf steigen (angls. caxl upstigo, ( ock. II, 302. 326)
= Luxation des Oberarms nach ol»en oder
vorne von der Achsel. — Gallen-.4u/steigung
= das Aufstossen des galligbitteren Magen-
schleims aus dem Magen bis zum Schlünde
(Gr. W. IV, 1. 1181). — (1691) Lungen- .in/steigen, n.
— kurzer Atem mit Herzbeschwerden bei Em-
physema pulmonum, bei dem die Lunge o. Brust
sich sehr in die Höhe hebt und senkt wie ein
fächelnder Wedel (17. Jahrh. dem die Lunge In die
Kachle steigt oder wachsst, Kr. Kr. B. 315; Tabern.
»2g; v M. 11,25) (Flabellum cordis, Lungendampf,
Herzpuster). — Milch - .-tw/steigen = 8. o. —
(Här-) Mutier- ^(«/Steigen (1551 auffgestlegene
I muter. Hock 3J; 151*2 auffstclgen der baermuttor —
colica, D- 131; 1612 aolsteigen der mutter = matriris
I s. uteri suftoeatlo = Kollkschuierit [auch beim Manne),
Gr. W. VI, -SI2; 1725 baermutter aufsteigen = sufto-
eatlo uteri; „ist eine fast allen Weibspersonen bekannte
Krankheit; es Ist ein einfältig Sagen, wann die Weiber
fürgeben, die Mutter steigt mir auf oder die Mutter ist
mir bis an den Hals aufgestiegen, d«i*s ich bald erstickt
MM, oder die Mutter fahre Ihnen Im I.eibe herum",
Thes »an. Hr. 260. 261; durch Besprechung, namentlich
aber durch stark riechende Hexenkräuter soll diese
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«S2
Stein.
Stein.
aufgestiegene Mutter „unter sich" gezogen werden,
worauf sie „zu in selber" kommt. Bock 33; 1742 auf-
steigen der uiulter = passio liysterlea, A. v. II. I, S04)
= Mutteraufsteigen: 1. = Globus hysteriens,
durch da« Aufsteigen von Geistern (Dampfen)
früher ei klärt; vergl. aufgestoBsene Mutter,
Hoppin, Mutter-KrBtickung, Irrgang (Pauli 64;
Du fang« III, 273). — 2. — als Mutterbeschwerde
(s. d.) übertragen auf Passio hysterica = Uterus-
Kolik (Bärmuiter- Schmerz). — 3. — Bauch-
grimmen überhaupt, auch bei Männern (siehe
Bftrmutter 3). — (1740) Balken-, (1756) Butter-,
Latten • Steiger = der auf den Dachbalken
(hatten, Bretter) herumsteigende oder klim-
mende Mondsüchtige, Nacbtwandler, Lunaticus
(Pasewalk; Schindler 1, 372; Laistner II. 317; Urquell
1895, S. 115; Z. V. 1G7; Seltl I, 60S. 509). — (16(51)
Lungen -Steigen = s. Lungenaufsteigen (Plctor.
78). — (1620) £7c/«m-Steig = Achselsteig (r. o.)
(Dr. Minderer). — Steig- Inn«, -Reift. — S. aucli
Stiege.
Stein, m. (gem.-germ. slalua; alid. stein; angls.
Hönes = Steine, Hoden [». Harte •]; Mauas — Blusen-
Mein, 1. eod. I, 39; mhd. stein, Kluge*, 361; m.-ndl.,
n -ndl. stecn - graveel, De Cock 215; de Vr. 44; engl.,
1633 stones, Gurlt III, 37:.), 1. = steinähnliches oder
sandiges, griesiges Konkrement aus Sekreten od.
Steinstaubablagerungen in Organen; ersteres
namentlich in der Blase und den Nieren (engl,
gravelle; dazu 1607 grauelaelillg [ndl.] = calculosus,
D. 89 - mal St. Kcgnautd [Bris». 301] zu renes, Nieren).
— der Stein „berstet" ~ «erbriebt (vermeint-
iieb) in der Harnblase in kleinere Teile ( = Gries,
B. d. U. Sand) (12. Jahrh. ; Pfeiffer 16. f><> ; 1-V Jalirh. stein
calculus [iuflrmllo.«], D. 638; 1531 die vrsach d' statu
ist ein zi'isamenfnegüg grober, hitziger vn erzüntor
feuchten, Krautw. I.XI [man Hess den Stein aus djm
Schleime des Schlelmhautkatnrrhes entstehen]; nach
dem angelsächsischen Herbarium des 11. Jahrh. [< ock.
I, 8. 3u' , .wachsen" die Steine lu der Wase tanas
weaxcth on blaedran]; narh Klies 117 ]1532] ..wachsen"
in 6 Gliedern des Leibes Steine, und zwar in der
Lunge, in dem Darme, in den Nieren oder Lenden, in
der Blase und in den Gleichen der Glieder [Gelenken]).
— 2 = steinähnliche, runde, liarte Körperteile,
Knochen, Altersdegeneration (s. steinalt und
Hütte*) oder auch Hoden (Testes) als besonders
barte Organe (nngls. wird *e swlle awa heard «wa
Man, Cock. II, 212; engl, stones = Ebergellen ; dog-
stoncs= Huudsgelhn [I'tlanze, Hodcnkrnut], Kaltschm.
II, 221; 1543 «teln « Hoden, Kyff; Gurlt III, 77),
vermutlich von den tierischen Hoden auf die
(kranken) menseblicben Übertragen (Buck 16).
— 3. = s. Sand, Gvps. — 4. = das Steinleiden
(I.V.*; Luther VIII. 463). — Augen Stein [»Bd. des
selm augono staiu sind = culus pnpUlM lapldeae
sunt), 1. — die Umwandlung des durchsichtigen
Augensterns in trüben Augenstaar, den man
für einen Stein hielt (ahd.) (Verka'kung der
Linse?; (Groff VI. 761; couf. engl, walleye = gicln-
auge - Staar). — 2. = tierische, besonders harte
Augenlinsen. — 3. ~ kalksalzhallige, krank-
hafte Gebilde, kleine, ttnregeltnüssige Körper
in den Augenlid- (MeÜKmi'sehen) Drüsen,
durch Verkreidung des DrüBenBekretes ent-
standen (Pieret1, Ii, 3ä). — (1756) Augenkiesd-
Stein ■ Ablagerung von Kalksalzen, als alte
Kntziindungsprodukte der Augenlid - Drüsen,
die durch die Haut sich wie kleine Kieselsand-
stückrhen anfühlen (A. r. II. II, 921; Arlt Ii). —
BackBtein- Blatter* = s. bekannte Rose. — (1382,
1598) Bezoar- Stein , 1. = Aegagropili, gallige
Konkretion von KrbBen- bis Hühnerei-Grösse,
welche sich im 4. Magen der Wiederkäuer
findet und als Gegengift (per». Badcxahr, Krause 2.
IM ff.) Verwendung fand (Wichn. 4; Peters II, 61).
— 2. = „auch eine kugelförmige, im Blinddarm
der Pferde krankhaft sich erzeugende, steinige
Substanz, phosphoifaure Ammoniak-Magneaia"
(PicrerT, 1087), Pferdestein. — Blasen-, Blätteren)-
Stein (HS3 Jer stain In der pläteren, C ?. Mcghg. ;
Gr. W. II, 79; VII, 834; 1592 plasen-, Blatereteln, Beb.
44t. 501; 1616 Itlattersteiu, Paracelsus; 1628 blatersteln,
Gurlt III, 111 ; 1741 adamita = ein hattcr weisser Stein,
so sich i'j der menschlichen Harnblase manchmal
ansetzet, Kirsch 21) — Steinbildung in dem Harn
der Harnblase (Harnstein , Lithiasis (Galeni et
Hippokratis), Lapis vesicae contundus (D. i4s.
Kraus, E. 570), die Krankheit Michel- Angelos (1549;
Uerger9). — (1842) Darm Stein - mit kalksalzen
imprägnierte Konkremente in dem Inhalte der
Gedärme (Kotsteine oder Gallensteine) (Kalke
I, 20>). — falsche Z)a»tnsteine = Ansammlung
von Krde und Sand bei tierischen Pflamen-
fressern im Darme; Konkremente mit einer
Schleimschichte zur Steinform zusammenge-
ballt. — Drüsen- Stein, L = die manchmal in
diesen, namentlich in der Schilddrüse, Vor-
steherdrüse, Hoden anzutreffende, anomale
Konkretion. — 2. = Steinrotz. — Edel-Stem, m.
(in Redewendungen): er handelt mit Kd, /steinen
oder er ist .Eric/stein- Kramer (Zw. 129) - Gutta
rosaeea wegen der tubinartigen Röte des Ge-
sichts - Ausschlages (Kupferhandol etc.). —
Gallen- {Gallenblasen-) Stein — Btcinähnliohe
(Cholestearin-) Gebilde in dem Inhalte der
Gallenblase, welche auch Kalksalte enthalten
(engl gall stone). — (1756) (zh'cri Stein - verkalkte
Gelenkmaus [A. r. H. Ii, S9»). — grauer Stein
(14. — 15, Jahrh., rand. van deute grawen stene, J. f.
nd. Spr.-F. XV, 112) = der weisslich graue, aus
phosphorsauren Erdnahen gebildeto Harnstein,
der nicht so häufig ist wie der rote. — Gries-
Stein = kleiner, griesförmiger Nierenstein. —
Hahn Stein (15. Jahrh hnustein; eyn maghen stecn
des hons, D. 21 = alcctorlus; eyn steyn, den de hane
telet — alectorlus ; lapls minnen-zleher, -zaemer, dorumh
daz er die frawen Iren mannen mlnncn-zaem macht
der Main ls gewachsen In der cappän lebern, C. v.
Megbg.; D. II, 15) = Gallenstein? Magenstein?
vom Hahn. — Barn- (Harm-, Härmen-) Stein
(1200 harnstaln Pfeiffer 23; 1391 harmstein — calculu.«.
D. 89; 15. Jtthrh. harnsteln; 1562 harmenstein, Schm.
1, 1162; 1>78 harmstein; 1590 harmenstein, Gr. W. IV.
2. 483. 491) = Steinbildung in dem Harn (Harm,
s. d.) vom feinsten Sand (Harngries, Sedimen-
tum lateritium) bis zu Faustgrösse und beson-
derer Härte. — Herz- Stein (1489 hertstain des
plBtes, Zeuing. Voc. qq 2) o die atheromatösen
Verkalkungen am Herzen oder die verkalkten,
steinalten Kxsudatreste einer Herzbeutelent-
zündung, die wie eine Knochenkapsel sich utn
Stein.
Steiss— stellen.
das Herz lagern können. — „Eh fallt mir ein
Stein vorn Herzen" ist nur subjektives Kr-
leichterungsgefühl wie beim Alp. — Hirn-Stein,
I. = kalkige Konkremente auf der harten Hirn-
haut (Gr. w iv, 2. 1562) oder verkalkte Atherome
der Kopfschwarte. — 2. = ein bohnengrosser
Stein, den man zu Heilzwecken im Hirn di r
Kröten und Kapaunen suchte (Seb. 132 (Aphro-
di-dakum unil l-oben verlängernde« Volks- Mittel] ;
II. A. Kh. 10»; Alpbg :;s8; D. II, 311). — 3. — pierre
de töte; „il etait autrefois un dicton populaire
en Holland: en parlant d'un individu, dont
l'equilibre mentale paraissait de ränge, on disait
oommunement de loi: il a une pierre dans la
lete" (Janus 1897, s. 393). — .rYtVscA- Stein = die
mit Kalkwalzen inkrustierten Bezoarsteine aus
Gallenfett im Magen des Hirsches; sie ent-
sprechen In der rolksüblichen Ätiologie den Alfkula
(Elbotikngeln) oder Alpgesehossen (Gr. W. IV. 2. 1570;
Uebrceht z. V.-K. 8 330). — 1 1«0<>) Hoden -Stein,
I. - die mit Kalksalzen imprflgnierten , ver-
alteten (steinalten) Entzündungsprodukte am
Hoden (Ei.Gaggle*), die diesen sehr hart machen
(Sandbruch, Sandstein). — 2. = recht alte und
harte Tierhoden (E. w. I, 205 ; Gr. w. iv, 2. 1654).
— (1592) A";; i/n?i' n-Stein, I. = 8. Hirnstein 2.
— 2. = p. Hahnstein. - A7änM-Stein = Klau-
belbein, Pickelkote (Schtn. I. 1322; 1129 klaewbel-
staln = sortissa, artlcull nulbus luduut puellae, D. II,
8-13). — A'i .'-Stein = die mit Kalksalzcn imprilg-
nierten, stein artigen Gebilde (Caprolithos) im
Darminhalte. — Kröten - Stein = Hirnstein 2
(craden steyn; 1412 krottensteln ; 1812 crottenslaln =
boraz, crapodlna [franz. crapaud", I> 1, "'.»; II, 57;
l(il2 ein krt»-t ist kalt und gar vcrgilTt treRl ein stein
In dem kopff gestillt, FI. Sachs; Alpbg. 261; Schnieder
II, 739). — Ickr-Steine, 1. = steinaltige Gebilde
in der Leber bei Menschen oder Tieren (Gr. W.
VI, 464). — 2. = Gallenstein, Hepatites (Kirsch
SM). — lehmiger Stein II — 15. Jahrh., rand. is U
en lemich sten so licht lt also lein stucke an der
grünt, J. f. nd. .«pr. F. XV, 112) - ein lehmfarbiger
Harngries. — Ldfc-Stein (1120 steyn im Hb»« =
calculus, D. 89) — Lenden-, Nieren-, Leber-,
Darm-Stein etc., der sich beim Schlachten im
Leibe vorfindet. — Lenden- Stein (UM Icnden-
stain, C. t. Meghg.; V6.1 lendstein. II. Sachs; Gr. W.
VI, TU; VII, 831 [I rolithiasis]; US2 den weetag der
«eyten vom stalti = lllhvsls 'I.cndciisucht, Zening. Voc.
00 1; engl hipstonc - HuItsteitO - Nierenstein
(I-ende = Niere). — Lungen Stein, 1. = Ab-
lagerung von .Steinstaub-Konkrementen in den
Luftrohrenasten bei Steingruben - Arbeitern
(Steinhauer- Krankheit) (Gr. \V. VI, 1305), lea
pierres du poumon. — 2. = verkalkte Tuberkel-
lierde in den Lungen. — J/V/</cn-Stein = das
meistens nur im Magen der vierffissigen Tiere
(a. Hiischstein) vorkommende, steinartige Ge-
bilde, aus Kalksalz-Imprägnationen und Haar-
ballen bestehend, Gastrolith (Gr. W. VI, 1141). —
Xascn- Stein ~ die mit Kalksalzen impräg-
nierten Konkremente, aus eingedicktem Rasen«
sekrete bestehend. — Nieren- Stein lengl. «tone
In the kldney [s. Niere]; 15. Jahrh. nlerstain = neph-
reais, D. II. 263; 1 ist nlernstaio, C. v. Megbg. ; IM.-,
nyerenstein = calculus, D. 89; 1131 steyn Inn den
nyeren, Krautw. XXXVIII; 1558 ulen-nsteln — calcus
reuum, Sei». 144) = das in dein Inhalte des Nieren-
kelches sich bildende, sandige Sediment aus
Harnsalzen (Nierensand, Lendenstein, Calculus
Plinii) (Gr. W.; Kirsch 108; Thea. «an. Hr. 787). —
(Mitte d. 17. Jahrh ) roter A^mi stein ■ die aus
rotgelben oder rotbraunen, harnsauren Salzen
bestehendeSteinbildung.ansdem Nierenbecken
stammend (roter Stein) (Fr. Kr. B. 143). — Pferde-
Stein = ein Gallenblasenstein in der Gallen-
blase oder ein Bczoarstein 2 in dem Darme des
Pferdes (Gr. W. VII, 1691J. — reissender Stein
[15. Jahrh. ri«endstein = [morbus] calculus, I). 11,68; 1551
reisende stein, Bock251 ; 1587 der rei«end stein = llthlasls,
D. 333; 1645, 1C81 reissender Stein, Coler, II. A. 200;
1777 rijsende »tetn = calculus, D. II, 68) = jeder
Siein in der Harnblase oder den Nieren, der
reissende Schmerzen durch sein Vorfallen vor
die Harnröhrenmündung in der Blase verur-
sacht (i'anli 135) ( l Jrolithiasis). — roter Stein
(14. — 15. Jahrh., rond. eyn rot sten. J. f. nd. Spr.-F.
XV, 112) = 8. roter Nierenstein. — (1687) Ruder-
Steine = Trochanteres, die, beiläufig wie die
das Gleichgewicht am Schilfe haltenden Ruder-
steine, so an der Hüfte des Menschen ange-
brachten Rollhügel des Oberschenkels (Hyrtl,
K. w. IM»). — Sand- Steine = die verkalkten
Überreste veralteter Entzündungsprodukte am
Nebenhoden (Orchitis? Epididymis, Tophus)
(conf. engl, chalk-stone ■= Gichtknoten, Lehl. 161;
Taull 45; Gurlt I, 117) (Hodensteine, Sand ball,
Sandkloss, Sandbruch). — Speichel - Stein =
steinige Konkremente (s. Gyps) in den Speichel-
drüsen (Froschgeschwulst) und «leren AusfOh-
rungsgrtngen (s. Zahnstein). — Thränen- Stein
- Verkreidung des Sekrets der ThrUnendrüsen
im Thränenausffthrungsgange Piercr7, II, 38). —
(1756) Wein-Stein = Zahnstein (a. v. II. II, 1157),
den man mit dem Weinstein (Tartarus, s. d.)
der Weinfässer verglich. — (isi3) Zahn Stein =
■}} iizl'., eine mehr oder weniger verhärtete
Kruste aus sonst in der Blutwärme gelöst
bleibenden Kalksalzen, die sich aus dem
Speichel in der kühleren Mundhöhle als Tar-
tarus denticus = Speichelstein an die starren
Zahne anlegt und manchmal das sogen, „ganze
Gebiss" (s. d.) macht (Falke II. 133). — (F.ngl. the
grtndcr's stone = Backenzahn. Mahlzahn, Kaltschm.
I, 282). über die Kleber-Steine (norweg. aeld stenar)
s. janus 1898, s. 5-51. — Stein- (steinigfc, er, e#\)
■alt, ■ Beschwerung, -breathaft, -Bruch, Druse,
-Galle, -Grien, -Harnen, - Hauerkrankheit, -Kind,
-Kolik, -Kopf, -Krankheit, -Kropf u.*, -Lungen-
sucht, -Materie, -Pocken, Rotz, -Schmerz,
'Schwären, -siech, -taub, tot, - Weh, - Wehtag.
Steiss, in. (Steuss) (gern, sttwot; lat. stha =
Pflugsterx; ahd. stiuz; mhd stiuz — Statu*, Siels«,
Kluge» 361; 1577 stuyt; ndl. stiel = oropygium, D. 101 ;
schvred. stuss) = die Gegend, wo das Steissbein
zwischen den Afterballen hervorstarrt, -stärzt,
Os cocevgeum, Nates, Uropvgium (s. Stoss und
Kukuksbein). - Steiss Federn, Fistel, Geburt,
-Rande.
Stellen (Stillen, Still) (indogerm. sthel = stehen,
slä = stehen; germ. stalla [Stall, s. d.]; ahd. stellen =
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stellen.
stelpen — Stenge
«!• lk'ti. -til'.'ti -ulk- ciiu'lion, zum Stillstand bringen ,
mhd. MUlen, stellen = aufMillen, feststellen, gestalten,
machen, vollbringen, Ordnen, Khige5, lo7. 3*11. 363). —
Das Stellen der Monats-, Milch- und Leibes-
flüsse und das Stillen (1712) der Krankheiten
(heiliges Ding z. B.), selbst Geschwülste (Kirsch
1029), war eine häufige, therapeutische Aufgabe
der älteren Zeiten (K. «. Sehw. 440; The*, san. Hr.
811); dieselben sollten dadurch festgestellt,
gehemmt werden, ebenso das Fieber durch die
Fieberstell- Wurzel (Veratnim album I,., Jessen 127);
andrerseits „stellt sich" die (Amnion-) Blase
bei der Geburt durch den Druck der Mutter-
wehen so ein, dass sie durch den allmählich
erweiterten Muttermund erscheint; das Wasser
in der Harnblase stellt sich, hat keinen freien
Lauf = Anuria (fault 134), wie die Winde sich
Stellen, nicht abgehen infolge schmerzhafter
A Üektionen der Bauch wandungeu und Seiten-
stechen (i'aull 27). — stillen ■ das Brustkind,
den Blutlauf zui Bube bringen, das Kind mit
der Brustmilch ernähren, wenn es nach Nahrung
schreit. — Augen- Grstöl = Augstall, s. Stall. —
£><•- Stellen, 1. — (tnnd., M. — 15 Jahrh. so wem« de
•luartnnie besteyt [ober-, echter beMeyt], J. f. nd. Sp.-F.
XV, 120) = befallen, bei einem sieb einstellen. —
2. = snm Stehen, Stillstand bringen, r. B. den
Bauch /»stellen (1531; Krautw. XXIX) - den
ßnuchfluss stillen. — /«stellter Magen*. — Bein-
(.'. stell sa das zusammengestellte Knochen-
gerüst, Skelett, Beinwerk (ür. W. i, UM; Ilyrtl.
K. W. 12'.'] (s. Beinreft). — ß/«m(rti)-stellen
= sanguinis profluvium inhibere (Gr. W. I, il.:>;
II, MO), die Monatsblumen (Menses) in ihrem zu
starken Laufe aufhalten. — /»'/«.'-Stellung,
stillen = den Blutlauf cum Stillstand bringen
(unter Segensformelu, Müllenhoff 511 ; K. u. Schw. 138,
Losch 17ü, Behmcller II, 718; t'niuell 1898, 102). —
Jrtnbrtcf/rStelle = diejenige Stelle des mensch-
lichen odei tierischen Körpers, an der die
Krankheitsstoffe (Dämonen, Mikroben) unter
die verletzte Haut eindringen. — «if-stellen
= eine ganz andere Gestalt, Aussehen geben.
— /• -.'-stellen = durch elbische Zauberkraft
nach dem Volksglauben jemanden so bannen,
dasa er starr (s. d.) wird; nach dem Glauben
des berglsehcn Volke« (Schell 209) nun ein solcher
Festgestellter vor Sonnenauf- oder Untergang gelost
"ein , sonst wird er schwurt und muss sterben
(Gangraena, Tetanus traumaticus). — fran-
zösische Stellung = s. stehen. — Für- GYstell
— s. Vorgcstell. — Gestell, n. (ahd. gastelli;
mhd. gestehe) - etwas Zusammengestelltes, Ort
oder \ 'orrichtung zum Stellen, Werk, Organon.
— hinfei - stelliig) = hinterher, nachträglich
sich einstellend, z. B. hintersteiliger Husten,
Masen bei Blattern (Schindler II, Tis). — (17(0)
gestandene Hin Herstellung der goldenen Ader
(s. lu I, 79) — nachträgliche Verstopfung oder
Hemmung des Goldader- (s. d.) Flusses mit
Thrombenbildung in den Hämorrhoiden. —
/v'ir/Vr-Stellung - die Feststellung der Kiefer-
knochen bis zur Unbeweghcbkeit beim Tris-
mus (Kinnbacken-Krampf) (Itirlinger I, ir.2). —
(175«) lose Stellung (des Kindes) = die Schief-
lage der Frucht, bei der sich kein Kindes-
teil fest in den Beckeneingang einstellt und
über diesem gleichsam haltlos sich befindet
(Heyn.», 205). — Molken Stellerin = s. stehlen. —
fiiple-stül = lautlos, nicht einen kleinen Pip
äussernd (Spless II, 183). — (1632) Äippen-GVstell
= der aus Kippen zusammengestellte Brust-
korb, Thorax (Ilyrtl. K. W.). — (1842) Schenkel-
Stellung, enge = nahe beisammen stehende
vordere oder hintere Gliedmassen (Falke I, 248).
— Sprache- Gestell (and than totban tha tunga to
spaece gesteal ys, Cock. III, 102 = in den Zahnen ist
die Zunge das Sprachegcstcll] = Sprechwerkseug. —
rrtnrmmter-Stellung = franzosisch stehen mit
breiter Bodenweile und auswärts gestellten
Zehenspitzen
, wie die Tanzlehrer es lehrteu
(früher bei auf der Weide gefesselten Pferden
häufige Gangart). — tw-stellen = durch Stellen
versperren, 1. = die Glieder, z. B. die Augen so
stark drehen durch Krampf, dass sie eine un-
gewöhnliche Stelluug einnehmen (Frais s. d. la).
— 2. = (1260) «las Blut, den Bauchfluss, Urin,
Gliedwasser oder das rote Siechtum stillen,
Stillicidium menstrui, zum Stehen bringen
(Sehmetler II, 719; Seitz I, «3; Pfeiffer 87). — Fcr-
(IV-, Für-} Stelle, n. (-GYstell) = daa Augen-
Verstellon, Augen -Verdrehen (Frais Ia) der
Kinder, Eclampsia infantium (Schindler II, 741).
— Vor Stellung - die geistige Vorführung von
Bildern durch Gedanken. — Zuxings-Vor-
Stellungen = krankhafte Gedanken, die sich
dem Geiste aufdrängen und trotz aller Gegen-
vorstellung nicht zu beseitigen sind. — Wintert-
Stellung — die durch Verwachsung oder Steif-
heit der Gelenke veranlasste Winkelbildung,
Ankvlosis. — still (e, er, es) Bruntt, Frais,
Fülle*, Gicht, Gisse, Koller, Säufer, Schmerzet!,
Stand, Stottern, Witt
stelpen s. stolpen.
Stelze, f. (Stältze, f.) (germ. rtölt. Kluge». 361.
ahd. Kielza — Holzbein zum Gehcu, tripecla, trlpedia.
D. 391 [dritter Pitt*]; altuord. Holzfuss — tre fotr [tri-
Ist abzuleiten aus Indogerm. derw (dru). germ. trewa,
engl, three, ahd. -tra, mhd. -ter - Holz, Maurer I, 83]
= Stelzbein; steltzere = loripes, Graft VI. 678; mhd.
Mölze — Stelze, kalotlbia [*ü/.ovtibia], D. II, tiS; 1129
stelzer = grallator, loripes; U82 stelt« = knimpding,
lora [loriiie«;, suffrago, haram , knyepugin , Swing,
Voc. ff 1, n 6; 15. Jahrh. steltcr - contractu». D. II,
111; 1517 stelezcner = loripes, D. 836; 1561 stAltzen,
Kluge; 1C18 stelzer — ein Hettler mit einem Stelzfuss),
1. — ein den natürlichen Fuss vorstellendes,
ersetzendes Holz oder künstliches Bein (Fuss-
stuhl). — 2. = ein verkrüppeltes Bein, ge-
bogenes Knie, das auf Stelzen geht (suffrago,
I». tv.5). — Stelzner — einer, der auf Stelzen
geht. — Kall - Stelzen (Tirol) = Kalbshaxen
(Oberbayern) als Fusstitmmel (Metzgerspr.). — (14S2)
Ä'/n'e-Stelz = fglp-a. pes ligneus, Zenlng Voc. u, >;
d. 263) ■ stelz 1 u. 2. - Stelz-fto*.
Stempe s. Stomp«.
Stengel s. Stange.
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steppen — Rtcrhen.
sterben.
steppen (steppig, Stippchen) (indogerm. stip
= ragen; germ. «Ut [steif]; mhd steppen ~ stellen-
weise, KtafTelwelse stechen). — stiplicht (stieplicht)
-=» stellenweise steif stechend (Gr. w. VIII, IM),
— (1749) Gi stippe = blatternarbige Steifheit
der Haut, nez borine (Brlss. 136). lacouture (Briss.
152; Z. f. d. l'hllol. XX VI. 242). — Stippchen [1*. Jahrh )
atyp onder ogen = caesla, lentirula, D. 116; com! slve
jonthi; arab. botbor [facici], Gurlt II, 398) = kleine
ilautknötchen, die sich (Iber der Haut erheben,
wie Pünktchen hervorragen nnd eine zentrale
Vertiefung haben (Nabel), als ob sie mit einer
Nadel gestochen, gesteppt wären (Goldschm. 135;
Auspitz L Z. Hdb. d. sp. Path. u. Ther. XIV, 1. 229;
franz. picota = punclis deformatus = morbus Variola-
mm, picote, Brlss. 136) 8. auch Stapf, Stapp. —
Stepke (udd. atepke, fürdrak oder mertche sind ein.«,
K. u. Schw. 422) - kleiner Butz, elbischer Dämon
(Mar), von der Grösse eines Stippchens oder
Pfützchens,
sterben (Sterb, m Sterbe, f. Sterben, m., n.
Sterbede, Sterbet, f.) (urindogerm. dafür Mord
[die absichtlich« Tötung] ; indogerm. Storp, terp [torpeo]
= umkommen durch Mühe u. Anstrengung; westgerm.
sterban = sich plagen; ahd. sterbo, «terpo - peMls.
lue»; ahd. sterban = sterben, Graft VI, 71.1. TU; altnord.
starf — Arbelt, Mühe, starfa ■ sich mühen, stjarf es
Starrkrampf, Kluge*, 361; mhd. sterben = sterben,
sterbe, m. , f. - Tod, ausleckende Krankheit, Test,
I>;xer 247; Hoffin. I, 3'X'; 1420 sterben — clades, I>. II,
94; 1466 sterbung = peslis; sterbot, D. II. 290; 1511
«terbde, Lersch 226; 1551 sterben) = unter Todesqual
den Geist (s. d.) aufgeben (s. auch Seele), sein
lieben beenden; auch vom Vieh, wenn es sein
Leben verendet durch eine vom Menschen auf
es übertragene Krankheit (Wattke 3i>7), des-
gleichen vom dämonistisehen Fingerwarm, der
verschwindet (de Vr. 25; Bock 3. 346). — an einer
Krankheit sterben. — an einem Kinde sterben
= an den Folgen der Kntbindung. — (1520] es
hat wohl gestorben (Lorsch 211), (15S5) es stirbt
= es herrscht ein Sterben, es sind viele Sterbe-
falle vorgekommen (D. M. W. MM, S. 12). —
Sterbent, n. (l.iej Sterbet m.,n. Sterben, n. u>.
Sterbe, f Sterb, m.) - Kues, Tod (s.d.), häutiges
Sterben, ansteckende Krankheit, Seuche, l'est
(bei Menschen und Vieh) (D. 33»; Ler*ch, franz.
la murie; engl, murrain; mtlat. murrena, 134.3 morina.
Du fange tu morlor = mortalltait >. Mar], CobT, Schw.
466; Gr. W. V, 1260; C. v. Schm. '09; dazu wendisch
Murrane [*- Mar] Mensch mit Wenkbrauen, ethisch ge-
zeichnetes Sonntagskind. K. u. Schw. Ii'.»). Die hun-
dert verschiedenen Ausdrücke für „sterben"
siehe Schräder 498 ff., ausserdem Itochlmlz I. 140. —
Sterbling, m. (engl, starvelingj — ein abgema-
gertes, bald sterbendes, menschliches Wesen,
Kind. — ab sterben - sterbend allmählich
verschwinden, z. B. a) von Gliedern (Gr. W. I,
131). die dem Gewebstode (Brand) der Nekrose,
Nekrobiose, z. B. bei Vergiftungen (s. Brod-
seuche) oder die bei grosser Kalte oder Blut-
armut der Empfindungslosigkeit und einer
leichenhaften Blässe verfallen, ersterben ; b) von
Krankheiten, die allmählich als Seuchen auf-
hören (Paraceisu«); c) von der Milch, die all-
mählich versiegt (Heyn. 45); d) vom Kinde im
' Mutterleibe. — nbel «fc-^fstorben = selbst
entleibt (Schindler). — (1482) an ■/■ starben -
claudus, cadax = ein von Geburt aus mit einem
erstorbenen, lahmen Gliede behafteter Erbling
(D. 8"). — (13'<9) anderer Sterb = zweite oder
Nachepideniie im Gegensatze zur anfänglichen
oder ersten Pestepidemie (Lersch 158). — (lTsi)
&c-sterben ■ einschlafen, anfangen bei einem
Gliedo unempfindlich zu werden (Hippel III. 2.
22). — (r>39) ernstlich Sterbendt - eine damals
, in Speyer hohe Gefahr der Ausbreitung zei-
1 gende Pest (Tagl. Kdsch. 1S97. S. 250). — er- sterben
(ahd. arsterban. Graft VI, 713; Kero 82; mhd. ersterben)
«s völlig absterben und zu bestehen aufhören,
zu sterben beginnen, die Funktion einstellen,
empfindungslos werden, erlahmen (15. Jahrh.
dem die gelldo erstorben sint = paralytlcus, D. II. 280;
1545 ereterbtmg des glids = gangrena. liyff; Gurlt III,
44; Gr. w. III, loil ; Bararia III, 2. 982). — anfangende
/.'»sterbung (der Glieder) = heisser Brand,
Gangraena, bei dem schon der lokale Gewebs-
| tod beginnt und auch die entzündliche Reaktion
noch dabei ist (Zw. 407). — erstorbene Schäden*.
— (1345) erster Sterb = die zuerst aufgetretene
Pestepidemie im Gegensatz zu den Nach-
epidemien (Lorsch 15«) s. grosses Sterben. —
gemeines Sterben (14*3 das gemein sterbent, C. v.
Megbg. ; 1">00 der gemein sterbent der trüsen blatren
= SyphilU- Epidemie. Fuchs I, ;il3; Urach 157; Pr. I,
i 357) — allgemeines Sterben unter den Menschen,
meist die Akme der Pestepidemie. — grosse(s, r)
Sterb(r»t, enrf) (Tirol, der, die grosse Sterb = schwarzer
Tod, Alpb. 3ir,; Heyl 601; 1353 grosse sterfdo an der
droso, Lersch 155; ndd., 16. Jahrh. grois,«e sterfdc;
15S9 grois sterbent an der pest, I.erseb 268; grosser
sterbotto, groste sterbotte, Lorsch 113; gToissze stervede,
Lersch lll) = Seuche mit grosser Stcrblichkeits-
zahl, t B. (14 Jahrh.) schwarzer Tod in Aachen etc.,
(1377) l'est in Nürnberg, (U81) Pest in Ungarn,
Böhmen (Lersch 156. ic«;. 167); (13S9) Pest am Rhein,
(Itsi) zu Köln; (1757) typhöse Krankheiten
(Lersch, 1. c. ; llaeser II, 443), 1. = die Akme der
Pestepidemien, erstes grosses Sterben (ia
mortalcga grandi-) (Hecker seh. T. :t), dem eine
scheinbare Ruhe der Pest folgt. — 2 = der
schwarze Tod, (1348) Beulenpest. — zweites
grosses Sterben = zweite Pestepidemie (1336;
Haeser II, 1C0; Lersch 158). — halb-gt storbon (engl,
half starved) ^ halb tot, halb gelähmt. — hart
Sterben meinen harten Todeskampf im Sterben
haben (1740 man vermeint, dass diejenige Kinder,
so schwehr gebohrcti, eines harten To<ls sterben, Sein
I, 84). — (1812) jähes Sterben - das Glich, jithes
Blut etc. (s. d.), Milzbrand (Kalke I, 430). —
A'/«ir/cr-Sterb(rti), l. = ein leichtes Sterben, wie
bei Kindern, leichter Tod (Gr. W. V, 750). — 2. =
eine Kinderseuche (ü. M. \V. 189«, s. 12). — (1.553)
kleine Sterbe = schwächere Epidemie mit ge-
ringerer Mortalität (Lersch 2:15). — (1576) Landes-
Sterben — eine allgemeine, leicht zum Tode
führende Landseuche (Epidemie, Morbi con-
tagiosa (Teophr. B. ; Gr. W. VI, II.!). — (1315. 134SJ
Ltut StQTb (Ler*eh 109. 115) = Volksseucbe mit
hoher Mortalitätsaiffiar, z. B. schwarzer Tod.
— alte Leu t (-Sterbet (mnd., 14.— 15. Jahrh. olde
ludo stervet, J. f. nd Spr.-K. XV, 138) = Sterblichkeit
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Stern.
Sterz — Stiel.
unter den filteren Menschen, e. B. bei Influenza.
— narA-Bterben = nach einem in der Sippe
vorgefallenen Todesfälle sterben. — (1.77, ir>sc)
pestilenzischei*) Sterben(dt) - Pestseuchen mit
hober Sterblichkeit (Gr. W VII, Ir>7i, l,cr*«h 260).
— Pferde-Sterben = eine Seuche unter den
Pferden (Tägl. Rdseh. 18»5). — ßtwiVr-Sterben
(angls. hrydhera steorfan , Cock. III, M] = Vieh-
sterben, Kindel pest, Rind erseuche, Rindersucht.
— ScAWm-Sterben (15. Jahrh. wan einer am schelm
utirbt = mortteinium, D 36*) — s. Schelm. — (1656]
Schweine-, Säu Sterben — Schweineseuche (engl,
murmln, Bock 205 ; V. B. 71). — schweres Sterben
= beschwerliche Toilcsart (Urquell 1891, 8. 90). —
«ArMn^-rrstorben (angls. saernnge astorfen = si-
deratus [«. Thauj, s. lcluatus, paralysi percussns, siderc
afllatus, Du Gange VII, 170 ; I). Ä3;i; Kraus, K. !M9) —
berührt (s. d.), gelahmt, sehr-hinkeml , vom
Schlag od. Sonnenstich versehrt (wie vom Mehl-
thau), atrophisch (das mtlat. sideratio toi meist =
gangraena, sphacclus). — (15, Jahrb.) Ungeheuer
Sterben = Pestilenz (i>. m). — rcr- sterben
(angls. faersteorfan . Cook. III, 5*j II. — 15. Jnhrh ,
mnd. sine äderen unde sine senen vorsterbet eine, J. f.
nd. Sp.-F. XV, in) = ganz aufhören 10 leben,
tot werden, aufhören thftlig tu sein, ersterben
(Iteiser 221). — Schwine- Fr/Sterben (angls. swina-
faensteorlan, Cock. III, 56) = an der Schwindsucht
verenden. — VifA-Sterben (ahd. flhusterho. GrafT
III, 434); VI, 492. 715 = pcstls, scalmo; mbd., 13. bis
H. Jahrh. vibe-sterbe. m. = Viehseuche, Leser 312;
Hoffm. I, 368), 1. = Schelm (s. d.) od. Viehseuche
(Milzbrand, vergl. Kuhtod). — 2. = Rinderpest
(s. d ). — 3. = Viehseuchen (lherhaupt, z. B.
(1769) beim Federvieh (Heeker I, 146; die ISlmrock,
II, D. M. 53.'.) als Strafe für Mißhandlung der Tiere
gesandt werden in den sogen. Sterbejahren, Volks-
medizinische Therapie I. Mullctihoff 208 ; vergl. engl,
water murraiu = eine Viehseuche = Wrissersterben.
Kaitscbm.). — Sterbe-, sterbliche (gestorben,
Sterbens-) Blut, -Drusen, -Fall, -Frucht, ■ Ge-
burt, -Glitt! *,-J<üir, krank, Krankheit, Laufte,
-Noten, -Sucht.
Stern, m. (gem.-lndogerm ster - Stern [stcrula -
Stella] ; ahd. stcrao, sterro ; mhd. «terric. slerrc, Kluge \
361; ndd. steern, Goldschm. 94; engl, stur es das fun
kelnde, zerstreute Licht strahlen auswerfende Himmcls-
gestirn, mit dem mau das leuchtende, tierische Auge
verglich; daher) Stern, 1. = der Teil der Horn-
haut, der (1750) der Pupille, dem Sehloch ent-
spricht (A. v. U. II, 878; Löveling 302; Goldschm. ;
iris 1632, llyrtl, K. W. 161; schon bei einlas = Seh-
stern, Sehloch, Hyrtl, K. W. 91). — 2. = die drei-
eckige, weisse Haarstelle (Blasse) auf der Pferde-
stalle (conl. engl, stera = Hnndescbwaoz). — 3. =
(1476 sterne =glabella, nudltas capitis, D. 264) = Stirn-
glatze. — 4. = roter Pieck oder Streifen auf der
Stirne Neugeborener (Uefassmal, Promonto-
riummarke, z. B.); nach dem Votksgl auben (Koch-
holz I, 8) ein Zeichen clblsch beeinflusster Geburt od.
höherer Abkunft (auch auf die I'ferde ubertragen).
— 5. die Sterne sind der Wohnort der Seelen der
Abgestorbenen (s. Hügelland) nach germanischem
Glauben. — .4 «</(<•«) Stern (-Sternlein) [1429 der
stern in den äugen = pupilla, D. II, «09; 117". ngen-
stem = oeulus, D. 392; 1691 pupilla, Ilad. Jim. 26;
177« augstern = papula, n. 479; Gr. W. I. 812; Tirol;
IlintnerC. 12. Zw. 2O0; Hyrtl, K. W. 93) ■ Sehloch
mit Iris, Hornhaut und Staarraum, Aeies oouli.
— (1.92) überzogener .4 wfen stern = das Augen-
fell bei Pferden (Heb. 170). — Blässen 8tem =
' sternförmige Pferdeblässe (s. Blä-se), Stern 2.
— (1C97) />',/. Stern (= vermutlieh volksetymolo-
gisebe Entstellung aus Apostt ina [postem ». d.], Sankt
Benno Mirak , als) roter Stern (Phlegmone cireum
scripta, Pest- Karbunkel) am I,etbe (Schindler II;
784; Lerach 295). — iVanfM-Stern ■ der Stern (2)
' beim Pferde als Stirnfleck Ober der Nase. —
I i"2»n</-Stern = ringförmigor Pferdestirnfleck. —
(1510 roter Stern - Bockstern (s.d.) (Inchcnh.
' Mirnkelb ). — Zta Stern = derjenige, der zwei-
j erlei Sterne (Pupille, Iris) — zweifarbige Iris
im Auge hat. — Stern- ib «dt, -Fell, -Gucker.
Sterz (Sterzer) s. Starr,
stettig s. Statt.
Steuer, t). steuern (~ ,.elu ursprünglich nur
den meernnwobnenden Germanen zukommendes,
eigentlich ndd. Wort". Kluge*, 362; golh. stlurjan =
feststellen ; angls. aty'ran ; ahd. stiuren = stützen J alt-
nord. staur — I'fahl [atttOpÖcl, Kluge L e. ; dazu wohl
•toren [». d.j = mit dem lest gestützten I'fahl In Be-
wegung setzen). — Steuer Ruder.
Stich (Stichel) s. stechen.
Stick, sticken s. stechen.
stickezen (stickazen) = balbutirc, öfters
stocken, stottern mit der Rede, als ob man Jabei
erstickende Beklemmung hätle.
Stieben (ahd. stiuban; mhd. stieben - Staut»
machen, aufjagen, Kluge*, 362). — i/c-8tobt (Salz-
burg; Scbiu. 11,719) — wie aufgescheucht, wahn-
! sinnig, ausser sich. — /i«/*6-(jfstoben = halb
verrückt (Alpcnhg. 2'.'.).
Stiefel, m. (au* mtl. acstivale = ..Sommerliches,
leichter Sotninersehuh, Im 11. — 12. Jahrb. Ins Hoch-
deutsche entlehnt", Kluge*, 862; ahd. ■Ural, stlrul;
mhd stlral. stlvel, 1. cod., bei Schelble IX. 190 der
Niimen eines elbischen Hausgeistes, dessen Schuhwerk
wie beim gestiefelten Kater an die elblscben FUMfB-
brechen erinnert). — //'Stiefelt = niit Stiefeln,
d. h. mit einer mehr oder weniger weiten, am
Pferdefusse hinaufreichenden, weissen Haar-
IHrbung (Fussbekleidung) versehen.
Stiege, f (Steig) (mhd. slige = Schwelnstiill,
Schafstall für 20 Stück od. mit einer Treppe zu 20 Stufen ,
krimgoth., im Panischen - 20 Stuck an einem Stock,
Z d. V. f. V. K. lv.»t, S. 2t«. 244; 16. Jahrh stega = 20 ;
1618 stige = 20, Schindler II, 742; Kluge*. 362; ndd.
»lygo — 20; engl, sty in tbe eye, Cock. III, 99 ■ ordi-
olum; stye — stiege, sowie) ■ Chalacion, Horde-
olum, tierstonkorn, da das Volk glaubt, dass
man dasselbe, wenn man es einmal gehabt,
noch 20 mal nachfolgend bekommen werde
(GeMaolUn. 97; Oldenburg; Wuttke 839; Lehf. 43).
Stiel, m. (entlehnt ans lat. stllns tllackengcrät] ;
ahd. stil. mbd. stll = Ilandhal«. Kluge*, 363). —
Hammer-Stiel (Schweiz; Corr. f. A. F.. i;. 1896. S. 52)
= Signum virile, Penis als stielförmig ab-
stehendes Körperglied (vgl. Hammer u. nageln).
— (1497) Hand Stiel = Metacarpue, die Hand-
Stier— Stimme.
Stimme.
«87
wuntel als Handhabe der eigentlichen Hand
(iiyrti, k. w. isM) — Pfannen- Stielchen - da»
Pseudonym fur ungetaufte Knabeu, die noch nlclil
beim eigentlichen Namen genannt werden sollen
(Wuttke M4); mit dem anflehenden Pfanucnstiel IM
der Penis verglichen (s. ÜohnenhläUcheii und
Hammerstiel).
Stier, m. (Indogerm. tarwo« [taurns', ; vorgerm.
iteuro, leuro; gem.-germ. slior; ahd. stlor; mhd. stier
= das grosse, mächtige, männliche Kind mit dem
breiten Nacken und starken Kopfe «ab Veranlassung
«u Verfieleben) - itV/f-Stier = Bulle (b. reiten)
(Spiess Ii, ys) ». auch Schelm u. Ochse. — Stier-
Xacken, -S<hwanz, -Stirne, -Sucht.
stieren, stier = slarr (s. Staar, starr) blicken.
— Stier = starr blickend.
Stift, m. s. Steften.
still, stillen s. stellen.
Stimme, f. (ahd. «tlmma, sllmna, Graff VI, 682;
anglt. Klaemue, Memna, stemn , rock. III, 48. IOS ;
mhd. stimme Pfeiffer 27; ndl stemme, De Cork 140;
vrouwenstem, mannestem, V. K. IX, 47) = Vox, der
aus dein Munde und der Kehle kommende,
helle Laut der Sprache, Kehle IV*. — die
Stimme schlägt Ober (s. schlagen). — Stimmen
hören = s. Seelensprache. — Bän «-Stimme =
besonders starke und tiefe Männerstimme
(Heyl 730). — belegte Stimme = s. raube Stimme.
— Bier Stimme = der rauhe und schnarrende
l*aut der .Sprache infolge von chronischem
Rachenkatarrh, meist als Symptom eines durch
viel Biergenuss u. Hanchen verdorben Magens.
— 7' • Stimme = eine meckernd tönende
Stimme. — Brunt- Stimme = der aus der Luft-
röhre in aller Fülle der Brustkorb-Resonanz
kommende Laut. — Cholera Stimme = Vox
cholerica - s. Zitterstimme ; „tonlose Sprache
der Cholerakranken im algiden Stadium" iDornbl.
14'.). — rlarre Stimme = trockene, heisere I.aut-
gelmng, rauher Hals. — Donnei Stimme - laute,
gewaltige Stimme wie sie der Volksglaube
den Wasser- und Sturmdämonen zulegte. —
Eunuchen - Stimme = Kastratenstimme. —
^Yi/*rr-Stimme = die eine höhere oder weib-
liche, kimlliche Stimme vortauschende (siehe
falsch), mannliche Fistelstimme, wobei nur der
innere Rand der StimmhUnder mitschwingt
(Münch. Med. Woehenschr. 189«, 8. 1172). — Fistel-
Stimme = Kopfstimme (s. Fistel). — Gurgel-
Stimme = eine quarrend klingende, wie aus der
(iurgel allein kommende Stimme bei Fett-
leibigen, die durch Blutstauung und Schwellung
die Stimmbänder in unregehmissige Schwin-
gung versetzen. — heiatre, heische, heilere
Stimme [1I7"> heesehc stemme = ranca [vox,, I>. 1S>;
149j heysere «Um - rox acuta s. aspera. D. 629; 15IS
beysscre der red und der stimm, II. t. t.ersd *>) =
Aphaaia, ein nur wispelnder, rauher, knistern-
der, od. sonst mit störenden Nebengeräuschen
verbundener Ton der Stimme. — hölzerne
Stimme -eine klanglos wie im Holze sich ver-
lierende, wie gebrochenes Holz tonlose Stimme
(Gr. w. iv, 2. 1771). — Kastrat' n Stimme - das
durch die Kastration (bei Männern od. Knaben)
erzengte Stehenbleiben bei der kindlichen Laut-
stufe (oder bei kastrierten Frauen eine tiefere,
männliche Stimme), voix eunuchoide (Schmidt.
J. B. l»<»5. 2is. s. lio). — A'-;..' -Stimme = die auf
die Biustione folgenden Töne, die nur aus
der Keide , d. h. mit normaler Resonanzhöhe
kommen (Plerer', vil, 2>»). — kleine Stimme =
Vox suavis, schwache, zarte Stimme (D. 029). —
Kopf-Stimme — die Lautgebung durch den
Mund, welche ihre Resonanz nicht so sehr im
Brustkorbe hat, sondern fiberwiegend in dem
Kopfteile, d. h. in den obersten Ansatzröhren
der Kehle, der Nasen-, Rachenhöhle, die wie
eine noch weitere, aufgesetzte, engere Röhre
dem Tone eine andere Resonanz geben (Fistel-
stimme), als ob er aua einer längeren, scheinbar
engeren (FalBet), tieferen Röhre (Fistel) komme
als hei der Bruststimme. — kranke (kränkliche)
Stimme (11S2 kranker an der stymtne = raueus, Zen.
Voc. o2) = schwach laufende, klanglose Stimme,
Vox debilis. — Manne» Stimme ningls. ruounc«
staemno, cock. Iii , 46j = Vox virihs. — Xascn-
Stimme = eine Stimme, die einen von deu
Nasenhöhlen ausgehenden (nasalen) Beiklang
hat infolge von Verstopfung oder Schwellung
der Nasenwände (Vox nasalis, f. näseln). —
(15, jahrh ) niedere Stimme ( — gravis vox, i>. 209)
= Bass (s. d.). — pelzige Stimme — s. Pelz 2
und rauhe Stimme. — (1534) pfeifende Stimme
= ein pfeifender Slimmlaut (Gr. w. VII, 1661). —
(1666) raulte Stimme = ein wie mit rauhem Pelz
belegter, klangloser Stimmlaut (vox rauca,
la voix rauque, avoir un Chat [Katzcnpelr] dang la
gorge, Hriss. ist). — rösche [rässe, rasche) Stimme
= Vox acuta, scharfer, strenger, heller Laut der
Stimme (s. räss 5) (C. v. Schin. 425; D. 629). —
schetterige Stimme •= eine tremulierende, nicht
in einem Schalle, sondern lückenhaft mit Unter-
brechungen hervorgebrachte Stimme (schwab.,
Erbe 22). — Woi Stimme, 1. = Tod ansagende
BtimmederelbUchen ueister. — 2. = kranke Stimme.
— um - stimmen — die Spannkraft der Nerven
(Tonus der Gewebe) umändern und dadurch
die vorhandene Krankheit (nach Hahneroann u.
Finger) beseitigen (M. Med. Woehenschr. 1SU7, 8. 43.
1212). — (1712) trnerisihe Stimme — die infolge
von Syphilis (Geschwüre und Narben im Kebl-
kopfe) rauh klingende Stimme, Raucedo syphi-
litica (Zw. BD). — verfallene, verlorene Stimme
= der Klang der Stimme, der wie durch Schreck
bei Fall oder Sturz oder Verlust, z. B. bei er-
schöpfenden Krankheiten verschwunden ist,
gebrochene, klanglose Stimme, Pseudocroup,
Aphonia, voix cassee, avoir vu lo loup (Bris*.
192) = durch Schreck sinnlos (angl«. manne the
hura stemna of fylth = vox perdita, t'oek. III, 10s, ; dat
greccas neranat katalciosi*; on tham hwosian [Husten]
huiluin [zeitweilig] losadh slo stemn, Cock. II, 261;
engl, loss of voice, L eod.) — (1M0) Per- Stimmung
= eine durch falsche Stimmung der Sailen niiss-
tönender J,aut, bildlich fibertragen auf die
Nervenstränge und das Nervensystem (Spann-
adern), die abgespannt (s. d.) und demnach
verstimmt angenommen werden , Störung des
Beelischen Gleichgewichtes oder der Nerven-
harmonie Depressio (Sobernheim 271) = Nerven-
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Stingel— Stock.
Stock.
Verstimmung, auch Magen(nerven)
mung. — (1495) zitternde Stimme = Vox rauca,
8. aspera {D. f.29), cholerica, tremula, rauhe, be-
legte, leicht ermüdende, gleichsam klagende,
bei Safteverl usten (Cholera) I dicht zitternde,
„umschlagende" Stimme (Phorie troinodes llip-
pokratis) (Kraus, K. 22s. 787). — Zusammen-tMm-
mung, zackige = Nahtverbindung, die in den
Zackenfugen genau harmoniert (Hyrtl, K. W.
173). — Stimm . f 'h > , -Band, -Krampf, -Ritze,
-Stock.
Stingel, ui. s. Stengel unter Stange.
stingen, stinken h. Stank und Stunk.
Stippen (Stippchen) b. steppen.
Stirn, f. (Stirne) (lndogenn. atcr = breit [Ster-
nen]; ahd stirua [stemja] ; ruhd. stirne; 1200 styrnc,
steytnc, D. 53G) - Stirn, Hirn (s. d.), Ende (Ande
f. d.), die breite Vorderflilche des Hirn-Schtt-
dels, das Vorhaupt (bei Mensch und Tier) über
den Augen zwischen den Schlafen (Sinciput).
— Augen- Stirne (mhd. ougestlrnc, Heyn« I, 20S) =
derStirnteilder Augenhöhle. — fliehende Stirne
= nach rQckwttrts gerichtete, hohe, ansteigende
Stirne. — Gaffel- Stirne = eine breite, sicht-
bare, gaffende Stirne (Sctam. I. 871). — (16. Jahrh.)
Gc-stirn = die ganze Stirnfläche am Haupte,
namentlich beim Vieh (Gr. W. IV, 2. 155; im ein
glaezet gesttrn — glabella, Ii. II, 193 ; 1515 gestlrn am
haupt, am hirn = siuclput, frous, Vorhaupt, D. 530).
— grosse Stirne = hohe .stirne, fron« alta. —
Uccht Stirne = eine schmale und etwas flach-
muldig eingebogene Pferdestirne (Gr. W. IV, 2.
711). — hofrete (hof richte) Stirne - eine höckerig
gewordene, buckelige Stirne (Stirnbeule). —
hohe Stime «■ die durch Haarausfall, Kahlheit
oder weiter rückwärts liegende Haargrenze
freiere, sichtbarere Stirne (Stirnplatte), uaeli
dem Volksglauben ein Zeichen blonderer Intelligenz,
wofür uaeli Flechsig auch die Im Vorderhirne liegenden
Scelenorgane (Assoziallons Cenlrcn) sprechen sollen.
— Jupiter- Stirne = die stark vorspringende
und breite Stirne, wie sie bei hereditär syphi-
litischen Kindern Öfters beobachtbar ist und
mit der man den römischen Gott Jupiter, Be-
herrscher des Olymps (Zeus) im olympischen
Tempel darstellte (auch Odin als Knnibrnttr hatte
eine hohe Stirne. Schwanz, Indog. V.-Gl. 1S1). —
(H70) Jta/i/r Stirne^ Glabella, hohe Stirne (D. 984),
— <i5y2) Löwen-, Stier- Stirne - hoho, beiw.
breite rferdestirne (Seb. irns). — olympische
Stime = S. Jupitcr-Stirne (Schmidt Jahrb. Iv»",
I, iou). — viereikigc Stirne Frons quadrata =
die bei Khachitischen vorspringende Stirne, die
mit dem Hinterhaupte ein Viereck bildet
(Dorubl. ir.). — Stirn -Ader, -IMttlein, -Buckel,
■Grübler, -Hohle, Matte, -Weh.
Stirp (U51 stirp, sterp — soda sterile, infeconda,
z. I d. ridioi. 2. SS; [exjstirpatus [?)) = unfruchtbar,
verschnitten, galt.
Stock, m. Stocken (tndogerra. stug = blossen,
in heftige Bewegung versetzen; germ. stok = zer-
hauenes, abgehauenes [seil. Stuck, s. d.] ; ahd. stoc ;
mhd. stock = Pfahl, Knüttel, steifer, fester Storrvn,
Klotz, Ilolzstock, Klumpen, betretbare, be.-leigbare, Ab-
teilung Im Ilause, gradu«, Ivexer 219; Klage5, 36t),
I. = Zahnstorren. — 2. = der besonders feste
Widerrist der Kuh od. des Zugochsen (Martin n)
p. Schwere 2. — 3. = Stadium, Grad der Krank-
heit (z. d. v. f. v.-k. is9J , s. c<o. — stocken =
dichter, steif werden wie ein Stock, aufhören
sich zu bewegen, starr in der Zunge oder Rede
e. B., einen steifen Brei bilden, gerinnen. —
(1631) stockern = öfters stocken, in der Rede
z. B. = stottern (Kluge5, 365). — stockig, stöckig
= steif, fest, dick, geronnen, gestockt, un-
lenksam, wenig beweglich, engbrüstig (Flügel ;
IUoss-Bartels II, 221 ; I.ammert 200). — (17*9) Stock-
ung ■ der Znstand des Stockigwerdens, der
Verstopfung (Leg. f. d. gem. M ). — a n ■;■ stockt
= durch Fäulnis (Caries) anfangend zum Stock,
Stumpf zu werden (von Zahnen z. B.), zersetzL
— (1756) 1 Hut-Stocken = Gerinnung des Blutes
zu festeren Teilen [A. v. n. II, 739). — Blut-Stock.
= festes, grösseres Blutgerinnsel, Coagulum,
Thrombus. — Brand-Stock = übelriechender,
dunkler Blutstock (Blutgerinnsel), namentlich
die in grösseren Klutupen sich entleerenden,
übelriechenden Blutgerinnsel in der Nachge-
burtsperiode. — (1718, 1756) .Eier-Stock = der
Eierkorb (s. d.) (1553 ovarola [der Hühner], Gnrlt
II. 307; 1667 ovariuin des Menschen, Graaf; früher =
testen muliebres — weibliche Hoden, (ieburwgellen,
v. Siebold 45; Hyrtl, K. \V. 46; Baas 312; V ade in. 78;
L. ch. 61; Kossm. XV; Maschenb. 4S0; Lcveling 259)
= der besondere, festere, dichtere i'latz oder
Raum für die weiblichen Eier innerhalb de«
Körpers, „die Grundlage, von der sich die
Eier abzweigen" (H. l'aul 441). — Eierstock -
Wassersucht. — Aifrr-StOCk (1429 alterstock m
oxyrewma, P. II, 275; 1515 aiterstoek Im hal«s — oxy-
regma. Halsabsces«, Kltcrherd, I). 401; 1741 eiterstock
= pnrulentia Terentll, Kirseh 985) = ein dichterer,
fester, von Eiter umgebener, abgestorbener
Zell^ewebspfropf, Eiterbutzen oder Eiterherd,
nachdem Volksglauben der den „Mitesser" uni-
gebende Sack, Madenbalg (s. Furunkel-Krank-
heit*), Ventriculus furunctili; (franz.) noyau du
furoncle, bourbillon ; (Ital.) ventriculo del fignolo
(<;urlt I, 317; Coler, P. 324; Gr. W. III. 393; Schreyer
16; Richter I, 135) in Furunkeln, l'est-Karbun-
keln, Kotfisteln etc. — «"stocken = vollständig
gerinnen, ganz unbeweglich, taub, fest, Bpeckig-
hart, unempfindlich werden, z. Glieder, Gebar-
mutter oder WochenHuss, auch „inwendige
Feiste" bei l'aracels. de lmp. J. 4 : also nun zum
dritten, von wegen der kelten des «inecksllbcrs komen
zweyerlel krankhelten. Eine i't, das sie ynwendige die
Feusie erstockt, vnd pringt sie In ein wesen gleich
einer gefragt (TlnoinboMs?od. Amyloid-Degoncration f).
— Gullen- Stockung = der Zustand der Dicke
und Unbeweglichkeit der Galle, verminderter
Gallenablluss. — ^-stockt, -stöckelt = ge-
ronnen, zersetzt (s. d.), aus vielen kleinen Teilen
bestehend. — Back-, HatAen-StOCk = Dick-
kopf, klotziger Mensch, Blödsinniger (scbmellcr
i, 1035). — Leber- Stockung = die Anschoppung
der Leber mit dickem, weniger beweglichem
Blute, Infarctus hepatiB (Kopp IV, 419). — Milch-
Stockung = Milchgerinnung. — Hosen Stock
^ der derbe, feste Knotrhenfortsatz am Stirn-
stöhnen— stören.
Stönser— Stoff.
bein, auf dem das Geweih de« JagJtieres mit
einer rosenartigen Urakrünzungsitzt. — Spazier-
Stock = dünne Beine (Hintnor R. 19). — Stimm-
Stock — der festere, breitere Teil, der Kopf
der Luftröhre (Kehlkopf), aus dem die Stimme
kommt; er fällt wie ein Haus (Redhans*) um
= wird misslönend durch die falsche Stellung
= Laryngitis, Heiserkeit. — L'nf( r/r ^»-Stock-
ung = die Anschoppung von dickerem, venösem
Blut in den Organen des Unterleibs (Plethora
abdominalis). — . tr- stockt — entgegen dem
Normalen, 1. = ganz abnorm gerinnen (ver-
Btocktes Blut z. B). — 2. versteckt sein (Mayer
159). — Stock- (stockig, ypstockt , erstockt)
-blind, Blut, -Geblüt, -Glieder, -haarig, -Huf,
■Maledie, -Schnupfen, - Weiber, -Zahn.
Stöhnen (gem.tndogerro. Uten [OtfvOi]; nngls.
stunian; altnord. stynjH, stynr; ahd. stunöd; ndl.
stenen; 17. Jahrh. stöhnen. Kloße "ti* ; B. P*Ol Hl)
= Uenzen aus beengter Brust.
Stölfe s. Stolpe.
StÖpke, n. (1668 stepgen. Klug. *, 162; n.-saehs. zu
Stopel? — ein elbischer, Menschen erwürgender Alf
IDrnrhon'j-Dnnion des Volksglauliens mit verwirrten
HaarMoppelu, Lalstner II, 2(10. 271).
Stören (Stören) (wohl zu Meuero [a. «I ], angls.
«tyriari ; engl, to mir — bewegen, Kluge , 361 ff. ; ahd.
storan; mhd stoeren — zerstreuen, bewegen, in Un-
ordnung bringen). — störig = unruhig, roasig,
brünstig. — Stör, in. - Bock, männliches
Schwein (Falke II. 333. 844). — Störung - der
Zustand der die Funktion hemmenden Ver-
wirrung (embarras), z. B. der Gedärme (»20 eu
storinge = illos [Hein! obvollltio et dolor intestinorum,
I). 2».',; l*y. [Maden] öu.ring, K. Schmitt 19) oder Zer-
streuung des Geistes. — ««stört - geistig ver-
wirrt. — A'»-«d74>uri</8 Störungen = mangelhafter
Ansatz und abnorme liildiing von tieweben
infolge ungenügender und ungeordneter Ver-
wertung und Zufuhr von dazu notwendigen
Nahruugsbesiandteilen, z. B. Khaehitis. —
(1531) AY- Störung (der Glieder) = beginnende
(krampfhafte oder lahmunxsartige) Störung der
Beweglichkeit iler Glieder (Krautw. LXIII). —
Gmfcs- Störung = der gestorte, verwirrte, zer-
streute Zustand des geistigen Lebens. —
/nnar/rr- Störung (angl.i. innod.-s [Innothes] asty-
runge. iunodlur Myrunga, Innotha astyrunge = dlstur-
batio in vlsccrlbus, Cock. 1, 12. 52. 66. 62. .178) = Störung
in den Eingeweide n. — Afiyc- Störung (angls.
mlgdan astyrungo, <*oek, I, 5«) — (Störung bei der
L rinenlleerung (s. Mijre) oder Blusenfunktion.
— 6>racA-StÖrung = 1/Ogopathia, der gestörte
Ablauf der Sprache (z. B. bei progressiver
Paralyse infolge von Silbenstolpern, Artiku-
lationsfehlern, Zittern, lläsitieren etc.). —
Ycrdauungs- Störung = der Zustand der Un-
ordnung in der normalen Verdauungsthätigkeit
des Magens und der Gedärm« (angls. wambe to
astyrlgenno, Cock. 1. 36«). — [1646] irr-stört - zer-
stört (Gurlt III, i i,. — zer-sWrt = ganz und gar
zerstreut, zusammen harmlos; kariös, nekrotisch.
Zerstörung = Aufhebung des Zusammenhangs
der Gewebe und deren Funktion: a) durch
feuchten oder trockenen Brand (1645 heutige
zemoerung = «ydcratlo, üurlt III. 14); b) durch Ge-
Bcbwürsprozesse (Syphilis z. B.) (1662 zerstoerung
des zepfflliis Im halss, Gurlt III, W. 70); c) durch
Karies oder Nekrose des Knochens. — schel-
mische ZfTStÖrlichkeit (15. Jahrb. zcmtorlich =
pcstllens, zerslorlickait des schelmss = pestllentia;
achelmige zerstorliekait - pestis, D. 431) = geistige
Verwirrung (Delirium) infolge von hohem
Fieber bei pestartigen (s. schelmisch) Infek-
tionskrankheiten.
Störzer s. Stftrzer.
Stötter, m. (zu stowen, b. d.) = Beachftlhengst
(Falke II, :H5). — stottern = s. stottern.
Stoff, m. (17. Jahrh. durch den Material-Verkehr
aus dem Uoraanlschcn ; Ital. ntofTu = Italienische Seide,
Zeug, Material; franz. Stoffe; engl, ituff; ndl. stot,
Klelnp. 175; Kluge*, 364) = Materie (s. d.), nament-
lich ansteckender und auf den Ansteckungs-
„Wegen" in den Körper transportierter Gift-
stoff, Contagium = Ansteckungs BtoS - der ins
Blut gelangende Krankheits-Keim oder -Samen
(18. Jahrh.), der in demselben zur Befruchtung
bt>zw. Kntwickelunggolangen sollte. — Auswurf-
Stoffe - Sputum, das weggespuckte Kxkret der
Luit- und Speisewege. — GicAf-Stoff= Gicht-
materie. — Gift Stoff = s. Gift. — Grund Stoff
= da» zu Grunde liegende Material, Element,
Stoechion (Galeni), Homoeomerie (Aristottlis)
(Kraus, K 994). — Impf Stoff = der zur Schutz-
pocken-Impfunic (s. d.) verwendete flüssige
Inhalt von Schutzpocken (Vaccina) oder das
eingetrocknete Sekret von Blattern (Variola).
— humanisierter Impf atoS = ein Vaccinestoff
aus Kuhpocken-Impiung, der durch viele Ge-
nerationen von Kindern fortgezüchtet wird und
so abgeschwächt wurde für das menschliche
Geschlecht (= genus humanuni). — Ktätz-
Stoff ~ nach der falschen IVora- [s. d.) Theorie de*
llauncmnnn — eine die meisten Krankheiten im
Korper erzeugende Materie, welche sich nach
aussen als Kratze (Psora) Äussern sollte (Kraus, K.
860). „Am Ende des vorigen Jahrh. hat ein Tierarzt
Lux vou Leipzig die sogen. Isopathic geschaffen und
heilte (?) die Kratze durch potenzierten KrätzatoS"
(Organtheraplc; Strebel In M. N. Nachr. 1S98, Nr. 1C7).
— Kr \nkheit» Stoff — fixes Ktankheitsgift, das
toxisch und infektiös wirkt und eine Krankheit
erzeugt; nach humoral-pathologischer Anschau-
ung bildete es sich namentlich ans, wenn eine
oder mehrere der Grnndfeuchten (s. Feuchte,
Element, Humor, Temperament etc.) sich im
Körper anhäuften; dann sollte die Natur die-
selben durch Kochung (s. d.) ausscheidbar
machen und unter kritischen Entleerungen
(Schweiss, Stuhlgang, Auswurf etc.) aus dem
Körper entfernen ; das Kindringen fremder
Körper oder äusserlichcr Krankheitsstoffe in
den tierischen od. menschlichen Körper scheint
man wohl schon früh geahnt zu haben, nur
wurden diese Stoffe in Wurm- oder Klhenforin
(s. Mitesser) verkörpert; erst der verimpfbare
Jilaltei n-BtoS oder durch den geschlechtlichen
„Verkehr" erworbene (1711, ndl.) 1-enerinche Stoff
(Pr. II, 408) scheinen jener damonistischen Auf-
fassung im Volksglauben den wahren Todes-
44
<»90 Stoffel— stopfen.
stopfen.
Bloss versetzt zu baben. — Mauken-, Potken-
Stoff = a) Pockengift, Blatterlymphe (Gr. w. VII,
i%6); Ii) Equina, pockenähnlicher Stoff (Schutz-
mauke) (Falke II, 103). — ScJiarlach-Stott = der
Krankheitsstolf, der Scharlachlieber erzeugt
(Gr. W. VIII, 2207). — Skrofel- Stoff ~ Skrofel-
Materie (s. d.) (nach K. R. v. Hoffmann lt 18"*]
nollte dieselbe als Fett «lern lnsektcnkorpi r gleichen
und duher die Scrofulosis eine partielle Metamorphose
der Insektenlarven darstellen [der alte liKmonUnius
In naturhistorischem dewande!], Pagel 3-12). — Ur-
Stoff = Element (s. d.). — Stoff- Wechsel.
Stoffel, m. = Christoph, ein Volksname Iilr einen
gen»tig beschränkten Tölpel (Wackcrn , Abhandl.
III, 1G0J.
Stollen, m. (indogerm. sthelna = Mosten ; gern).
Mal [Stall]; ahd. stollo — Stütze, Pfosten; mhd. Molle
= Fuss, Schm. II, 76t; platte], stälen — Fuss, Fromm.
VI, 48*>) = kurzer, dirker Fuss (Kluge*, sei). —
Stoll- Beule. -Schwamm, - Wurm.
Stolpe; Stolpern (altnord. stolp« = Pfosten
[Prügel], «telpen = hemmen. Kluge*. Ii68; .,16, .Tahrh.,
nhd. ouomatop. Bildung wie holpern" [Kluge *, 361],
„dunkler Herkunft". H. Paul 411); v